Mit Corona im Kopf

Autorin wohnt in der berühmten Berliner Regenbogenfabrik, wo sie z.Z. das Kulturprogramm verantwortet. Aber zu Regenbogenfabrik gehört so viel – Wohnhaus (vor 40 Jahren ein bestztes Haus), Hostel, Kantine, Kita, Fahrradwerkstatt, Tischlerei, Kino, Kiezcafè, Austellungen, Lesungen, Konzerte... Wie oft haben wir vom WIR e.V., aber auch von Städtepartner Stettin e.V. in der Fabrik Veranstaltungen und Workshops organisiert, Filme gezeigt, unsere Gäste übernachten lassen.

Christine Ziegler

Liebe Ewa

Es ist erst eine woche her, dass ich begriffen habe, wie sehr dieses virus in mein leben eingreift. Meine letzte renitenz ist die fahrt zur steglitzer arbeitsstelle mit dem rad, die mir persönlich vergnügen und viel nachdenklichkeit beschert hat.

Die entscheidungen, die jeden tag in neuem gewand auf einen zukommen, sind nicht immer einfach. Auf der hygienischen und medizinischen seite hab ich schon viel gelernt und für mich persönlich bin ich auch wenig ängstlich. In der gesamtverantwortung ist es dann schon anders. Und die spaltet sich dann auch auf in die verschiedenen teile. Schutz von menschen, die ein höheres risiko haben als ich, aber auch den zusammenhalt der menschen nicht endlos unterminieren. Und wir als regenbogenfamily sind sowieso nicht in den „little boxes on the hillside“ verpackt und unsere grenzen sind sehr fluid. Dazu kommt dann auch noch das tiefe finanzielle loch, dass sich nun schon wieder und in bisher nie gekanntem ausmaß auftut, nachdem alle gäste storniert und alle vier kitas, die von der kantine bekocht werden, nun kein mittagessen mehr brauchen. Und soll die kultur als lebensmittel und stimmungsaufheller aufhören, wenn bei uns sowieso in der regel weniger als 50 menschen kommen? aber wollen wir wirklich mit anwesenheitsliste dastehen und alle erfassen? Aber die künstlerinnen, die bei uns auftreten, leben ja auch oft von der hand in den mund, wie sollen die jetzt satt werden? Aber wer kommt überhaupt, wenn wir die tür auflassen?

Nun denn, das haben so viele andere auch, so wird es auch was gemeinsam rettendes geben.

Die morgendliche fahrt mit dem rad zur arbeit nach steglitz war dann ganz wunderbar. Es ist ein genuss, bei diesem schönen wetter durch die stadt zu fahren und alles ist so entspannt, denn das motorisierte verkehrsaufkommen ist unvergleichlich viel kleiner als sonst und da hat die rücksichtnahme deutlich mehr chancen.

Dabei gab es für mich noch einen erinnerungsflash: als das akw in tschernobyl hochging, da war die sonne auch so brilliant und wir standen auch einer ganz und gar unsichtbaren gefahr gegenüber. Und als wir sie langsam kapierten, da war es erst auch eine gefahr, „weit weg“ und „nur dort“ ganz akut tödlich. Hatte das wirklich was mit uns zu tun? Dies mal ist china viel weiter weg, doch ist heut alles noch viel näher. Der große unterschied: Wir werden in den heutigen zeiten so viel besser informiert, da haben wir einen echten fortschritt erlebt. Der sich aber manchmal auch in sein gegenteil verkehren kann, wenn ungesicherte fakten und undgebremste meinungen aufeinanderprallen.

Und ich denke viel darüber nach, was wir hoffentlich gelernt haben werden, wenn die krise vorbei ist. es sind die kleinen risse und feinheiten. Wenn sie erst die kitas ganz zumachen und dann merken, dass die „systemrelevanten“ menschen nun noch weniger arbeitsfähig sind, weil die kinder versorgt werden müssen. Da könnte dann für die zeit danach die liste der systemrelevanten berufe ein guter katalog sein, wenn es um die nächsten tarifverhandlungen geht. In der liste stehen einige berufe, die verdammt schlecht bezahlt werden. So hoffe ich, dass die welle der dankbarkeit, die sich zurzeit und erfreulicherweise in den sozialen medien breitmacht, dann später in konkrete solidarität umgemünzt wird. Und das muss ja mehr sein, als die unterstützung von beschäftigten und ihren gewerkschaften, da muss auch die politik umsteuern und dieses billig, billig nicht mehr unterstützen. In der taz gab es heute auch die erinnerung, wer alles dafür sorgt, dass informationen auch zirkulieren und das sind eben nicht nur die journalist*innen, sondern auch die zeitungsausträger*innen und systemadmins etc.

Und studien wie die von bertelsmann im letzten jahr, mit dem tenor, dass wir uns die hälfte der krankenhäuser sparen können, werden hoffentlich auch so schnell nicht wieder geschrieben.

Und vielleicht steigt auch die einsicht, dass privatisierung in der daseinsvorsorge nichts zu suchen hat.

Ja, das waren so meine gedanken auf dem weg von kreuzberg nach steglitz. Normalerweise mache ich nicht viel in den sozialen medien, doch diese gedanken will ich noch mal unterbringen. Die situation der geflüchten und die fragen zu rassismus habe ich da noch gar nicht mit ins spiel bringen können. Der rest der sorgen macht ja nicht halt, auch wenn nix anderes als corona mehr in der zeitung steht.“

Inzwischen haben wir in der regenbogenfabrik alle veranstaltungen bis zum 30.4. abgesagt, der betrieb in den anderen bereichen ist auf ein minimun reduziert und es gibt auch keine besucher*innen mehr. wir wenden uns nach innen und betreiben krisenmanagement. Und halten auf abstand, was sich komisch anfühlt, aber ohne abstand würde sich auch komisch anfühlen.

Liebe grüße

Christine

Frauenblick, Prag und Corona

Monika Wrzosek-Müller

Weiterhin Prag, Prag und noch mal Prag

„Prag ist bis heute dank seiner Anlage und als Metropole eines recht kleinen Staates eine intime Großstadt. Es verkörpert die endlose Reihe unserer Träume und Wünsche, verwoben mit der bestehenden Wirklichkeit, für die wir jedoch mitverantwortlich sind.“ So Lenka Reinerova.

Prag als Anlage ist wirklich einmalig, auf wie vielen Hügeln die Stadt liegt, hat niemand gezählt. Doch es sind ganz viele und deshalb sind auch wunderbare Aussichtspunkte vorhanden. Fast alle Parks, die hier übrigens sady [Obstgärten] heißen und es oft auch sind, wie das Wort im polnischen gebraucht wird; sind mit Obstbäumen bepflanzt und liegen auf Anhöhen. Prag verpflichtet, ist vielleicht fast zu märchenhaft schön. Man fühlt sich mit eigenen Beschreibungen überfordert und gerät immer wieder in den Ton eines Fremdenführers, auch wenn man es vermeiden möchte.

In Zeiten der Coronavirus-Krise eignen sich gerade diese Hügel zu längeren Spaziergängen wunderbar; noch dürfen wir ausgehen und in der frischen Luft, im Wind die dunklen Gedanken lüften. Außerdem, auf solchen Spaziergängen hält man meistens 1,5 Meter Abstand von potenziellen Virusträgern, ganz automatisch, es sei denn alle anderen kommen genau auf denselben Gedanken. Den Italienern ist das auch untersagt, sie kommen nur um 18.00 Uhr auf die Balkone und singen zusammen, um sich etwas Mut zu machen. Man fragt sich schon, wo eigentlich der Europagedanke in so einer Krise geblieben ist, warum helfen wir uns nicht viel mehr gegenseitig und denken uns eine gemeinsame Vorgehensweise aus.

Zurück zu den Hügeln und Ausblicken; es gibt nicht nur den Hradschin mit den Schlössern, Palästen und dem Veitsdom und den Petrin mit einem Mini-Eifelturm, einer Seilbahn, Wald und Obstgärten, sondern man hat auch noch den sehr langgezogenen Letna-Park, von dem aus fast die schönsten Fotos der Prager Stadtlandschaft gelingen. Prag ist sehr fotogen, aus allen Blickwinkeln kann man schöne Aufnahmen machen. Der Letna-Park mit seinem riesigen Metronom, das als künstlerische Installation von K.V. Novak 1991 entstand und auf den Sockel des 1962 zerstörten Stalin-Denkmals gestellt wurde. Normalerweise gibt das Metronom den Takt an, jetzt steht es still. Im Moment steht alles still, wo vor drei Tagen noch Massen von Touristen die Wege kreuzten, ist alles leer und irgendwie unheimlich. Zwar kommt einem die Stadt jetzt viel freundlicher, sanfter und, ja klar, ruhiger vor. Doch es ist die Ruhe vor dem Sturm, niemand weiß, wie lange die Quarantäne dauern wird und wer wen besiegt.

Der Hund fordert seinen Tribut und das ist gut so, er zwingt zum Laufen, zum Rausgehen. Die nächsten Hügel sind auch nicht sehr weit: Vysehrad mit seiner barocken Festung hoch über der Moldau auf einem felsigen Vorsprung, auf dem rechten Flussufer gelegen. Das Gelände hat sehr viel zu bieten, aber vor allem einen einzigartigen, atemberaubenden Ausblick auf Prag. Man gelangt durch eines der vielen schweren, riesigen Tore (Chotek Tor, Spitzes Tor, Tábor Tor, Leopolds Tor) hinein und arbeitet sich weiter nach oben an der Martinsrotunde aus dem 11 Jh. vorbei, die aber sehr unecht und herausgeputzt wirkt. Es gibt dann verschiedene alte Gebäude und eine im neugotischen Still errichtete St. Peter und Paul-Kirche mit zwei riesigen Türmen. Es existiert hier auch der oft besuchte Vysehrader Friedhof, auf dem berühmte Künstler begraben liegen, wie z.B. die Komponisten A. Dvorak, B. Smetana und R. Kubelik, aber auch die Familie von Kafka und Jan Neruda und viele andere mehr. In den Kasematten der Festung stehen die Originale der Barockstatuen der Karlsbrücke. Natürlich gibt es viele Cafés und Bierkneipen und Restaurants. Der sorgfältig angelegte Park ist wunderschön und wird minuziös gepflegt; es wachsen ganz viele Rosen mit Lavendelbüschen und viel Spalierobst. Um die Festung herum führt ein Weg, von dem aus man diesen wunderbaren Blick mit sich immer verändernden Perspektiven genießen kann.

Jetzt sind wir gerade von der Insel Strelecky Ostrov zurück; es ist der zweite Tag der totalen Quarantäne wegen Coronavirus in Prag und die Stadt ist wie leergefegt und auf der Insel fehlen sogar die Schwäne und die dicken Nutrias, die hier immer von den Touristen gefüttert wurden. Oder sind sie wegen dem Coronavirus untergetaucht? Wir konnten keine Schutzmasken mehr kriegen, so laufen wir mit dem Schal über dem Gesicht, was sehr warm und unangenehm sein kann.

Einen anderen Hügel haben wir am Sonntag entdeckt, da war die Stadt noch nicht so entschleunigt und still, wie jetzt. Vinohrady – die königlichen Weinberge, eigentlich lange Zeit eine selbständige Stadt, die mit fast 100 000 Einwohnern, als drittgrößte Stadt zählte. Erst 1922 wurde sie nach Prag eingemeindet. Jetzt erheben sich um den Friedensplatz Namesti Miru die schönsten, sehr sorgfältig renovierte Jugendstil- und Art déco-Bürgerhäuser, die auch um den Riegrovy Sady Park stehen. Der Park breitet sich auf dem Hügel aus, viele kleine Wege führen rundherum, es gibt Sportanlagen, Cafés und Biergärten. Von einem bestimmten Punkt hat man eine gute Aussicht auf die unten liegende Stadt. Es ist offensichtlich ein sehr beliebtes Wohnviertel für schicke, junge und reiche Leute (mit vielen außergewöhnlichen Hunden).

Das beste Verkehrsmittel für mich, für uns sind die Straßenbahnen, sie durchziehen eigentlich die ganze Stadt. Klar, man ist mit der U-Bahn schneller, doch unterirdisch sieht man nichts und die Stationen gehen unheimlich steil nach unten, so dass es einem schwindlig wird.

Mit der Straßenbahn Nummer 22 kann man auch Bílá Hora (den Weiße Berg) erreichen. Mit seinen 381xm Höhe und seiner markanten Geschichte der Schlacht von 1620 ist der kleine Hügel auch eine Besichtigung wert. Es war die für Böhmen entscheidende Schlacht des Dreißigjährigen Krieges, bei der die Truppen der protestantischen böhmischen Stände der katholischen Liga unterlagen. Nach der Schlacht musste der sog. Winterkönig aus Böhmen fliehen, was eindrucksvoll in dem Buch von Daniel Kehlmann „Tyll“ beschrieben ist. 27 Standesherren wurden auf dem Altstädterring exekutiert und Tausende von Protestanten (90% der Bewohner waren Protestanten) mussten fliehen. Es war ein bedeutender Sieg für die katholische Kirche und Böhmen blieb für lange Zeit eine einfache Provinz der Habsburger Monarchie. Zwar kann man auf dem kleinen Hügel wenig von der Vergangenheit erkennen doch es existiert unweit des Ortes ein im Mittelalter angelegtes Gehege, in dem Wild gehalten wurde. Das Hvezda-Gehege ist mit einer hohen Mauer umgeben und wurde bis Anfang des 19. Jhs. als solches benutzt; in dem Gehege steht ein Renaissanceschloss mit einem sternförmigen Grundriss , Letohradek-Hvezda. Erst später wurde die Anlage in einen englischen Park umgestaltet.

Es gibt noch mehrere weitere Hügel und Erhebungen, die ja nach Bewegungsmöglichkeit zu besichtigen wären. Noch fahren Autos und man trifft einzelne Menschen, der Hund ist ein guter Vorwand!

Wenus z Catalhüyuk (Reblog +)

Niedawno świat (w każdym razie ten złapany w sieć) obiegło zdjęcie “nowej Wenus” neolitycznej, Wenus z Catalhüyuk. To niewielka miejscowość w Turcji.

Wykopaliska w tureckiej miejscowości Catalhüyuk zaczęto prowadzić 50 lat temu, jak jeszcze byłam studentką archeologii. Była to osada neolityczna, udowadniająca zaskakującą (wówczas) tezę, że rolnictwo nie narodziło się w żyznych, mlekiem i miodem płynących dolinach słynnych rzek starożytnych – Eufratu, Tygrysu, Nilu, lecz na górzystych terenach wysoko nad rzekami. Autor strony wykopalisk informuje, że Catalhüyuk jest jednym z najbardziej imponujących stanowisk archeologicznych na świecie.

Figurynka wykonana została z surowego marmuru i waży około kilograma. Została okrzyknięta sensacyjnym znaleziskiem, choć po prawdzie nie ma w niej nic sensacyjnego. Znalezisko nie otwiera nowej perspektywy badawczej, lecz potwierdza dawną, że mianowicie przedstawiciele kultur neolitycznych (młodszej epoki kamienia) na całym świecie tworzyli figurki kobiet o obfitych kształtach, symbolizujące rodzącą boginię matkę. Nazywa się je “Wenus”, a najsłynniejsza jest oczywiście Wenus z Willendorfu, co sprawia, że człowiek myśli, że jest jedyna. Tymczasem jest ich dużo.

W samym Catalhüyuk znaleziono już bardzo podobną kobiecą postać, siedzącą na tronie lwów, datowaną na okres 6 – 5,5 tysiąca lat przed naszą erą, co zresztą widać na załączonym wyżej obrazku.

Neolityczne kobiety…

Reblog für Marta

For Marta J.L.
with two pics she made in USA

William Merrit Chase (1849-1916), The Yield of the waters, Carnegie Museum of Art

Rebecca Hahn

Tinte, Tarnung und Tentakel

Ihre größten Vertreter hielt man einst für Meeresungeheuer, heute diskutiert man die Möglichkeit, sie könnten aus dem All gekommen sein. Ein Blick auf die Erforschung der Tintenfische.

Ein prächtiger Pharao-Tintenfisch (Sepia pharaonis). Gut sichtbar ist sein Hyponom, die Düse, durch welche ein Kopffüßer Wasser aus seiner Mantelhöhle presst und damit beschleunigen kann wie kaum ein anderes Meerestier. Foto: Mauritius

Eine unheimliche Begegnung hatten Wissenschaftler der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration im Juni vergangenen Jahres im Golf von Mexiko. Etwa 160 Kilometer vor New Orleans hatten sie eine Spezialkamera im Wasser versenkt. Mit rotierenden Lichtimpulsen sollte das Gerät Tiefseebewohner anlocken. 120 Stunden Filmmaterial hatten die Forscher schon gesammelt, als sich plötzlich ein heller Wurm aus dem Dunkel schlängelte. Erst im Näherkommen fächerte das Tier seine Arme auf und gab sich als drei bis vier Meter langer junger Riesenkalmar zu erkennen. Seine Arme umwickelten den Lichtköder und umspielten ihn mit ihren Saugnäpfen. Dann aber erkannte das Tier, dass es nicht auf essbare Beute gestoßen war und schoss zurück in die Schwärze.

Über Architeuthis dux, den Riesenkalmar, ist nur wenig bekannt; und auch seine anderen Verwandten aus der Klasse der Kopffüßer, wie Kraken und Sepien, muten zuweilen recht außerirdisch an. Dabei leben die sogenannten Cephalopoden in allen Weltmeeren bis hinunter zur Antarktis. Sie bewohnen flache Korallenriffe, die freie Wassersäule der Tiefsee und die Räume unter dem Meereis der Polargebiete. Sie sind Meister der Tarnung, haben drei Herzen und blaues Blut, werden selten älter als zwei Jahre und verfügen dennoch – als einzige Weichtiere – über ein großes und komplexes Gehirn. „Sie sind intelligent, bunt, schnell, raffiniert, merkwürdig und inspirierend“, schreiben die Meeresbiologen Roger Hanlon, Mike Vecchione und Louise Allcock in ihrem Buch „Octopus, Squid & Cuttlefish“. Neurowissenschaftler und Biologen erhoffen sich von der Erforschung der Kopffüßer tiefgreifende Einblicke in die Evolution, aber auch Astrobiologen interessieren sich für die irdischen Aliens.

Der Riesenkalmar spukte schon durch die Phantasie der Menschen, als noch lange nicht wissenschaftlich gesichert war, dass er überhaupt existiert. Verborgen im Dunkel der Tiefsee, so erzählten sich die frühen nordischen Seefahrer, lauere „der Krake” – ein Monster, so gewaltig und furchterregend wie kein anderes Meeresungeheuer. Von Norwegen über Island bis nach Grönland erstrecke sich sein Reich. Die Kreatur sei so groß wie eine Insel und könne ganze Schiffe packen und in den Abgrund reißen. Oder sie umkreise ihre Beute so lange, bis sich ein Strudel auftäte, in dem Mann und Schiff versänken.

Schon in einer um das Jahr 1180 verfassten Saga über den norwegischen König Sverre Sigurdsson kämpft dieser – neben weiteren Meeresungeheuern – gegen einen Riesenkraken. Über die Jahre wurde die Legende von dem vielarmigen Monster so oft wiederholt, dass der Krake sogar Eingang in Carl von Linnés 1735 erstmals veröffentlichte Systema Naturae fand. In der ersten Ausgabe seines Werks zur wissenschaftlichen Klassifizierung von Tieren, Pflanzen und Mineralien hielt der schwedische Naturforscher den Riesenkraken unter der Bezeichnung Microcosmus marinus fest. Im Bemühen zur Wissenschaftlichkeit entfernte von Linné das mystische Wesen in den späteren Ausgaben jedoch wieder. Erst über hundert Jahre später sollte sich herausstellen, dass der Krake durchaus ein Teil der realen Tierwelt ist.

26.08.2018, Neuseeland, Wellington: Taucher Jack Aplin liegt am Strand nahe Wellington neben einem toten Riesenkalmar. Foto: dpa

Im 19. Jahrhundert sammelte der dänische Forscher Japetus Steenstrup alle Hinweise auf den Riesenkraken, die er nur finden konnte. Aus heutiger Sicht war Steenstrup damit einer der ersten Kryptozoologen, die versuchen, die Existenz von Fabelwesen zu beweisen. Obwohl die anderen Wissenschaftler seiner Zeit den Riesenkraken für ein Hirngespinst hielten, ließ Steenstrup nicht von der Sache ab. Er stöberte alte Bilder von seltsam unförmigen großen „Fischen“ auf, die er als Kopffüßer identifizierte. Um seine Theorie zu belegen, reichten ein paar alte Gemälde aber nicht aus.

1854 spülte der Zufall schließlich den entscheidenden Beweis an: Fischer entdeckten an einem Strand in Jütland den Kadaver eines riesigen unbekannten Tieres. Sein Fleisch verarbeiteten sie zu Fischfutter, aber der Schnabel gelangte in Steenstrups Hände. Damit konnte dieser in einem Vortrag vor der Dänischen Naturhistorischen Gesellschaft erstmals die Existenz des sagenumwobenen Riesenkraken belegen, der seither unter seinem wissenschaftlichen Namen Architeuthis dux bekannt ist.

Taxonomisch gesehen handelt es sich allerdings nicht um einen Kraken, sondern um einen Kalmar. Erkennen lässt sich das an der Anzahl der Arme: Kraken sind achtarmig, Kalmare haben neben ihren acht Armen noch zwei lange Tentakel. Beide gehören, wie auch die zehnarmigen Sepien, zur Unterklasse der Tintenfische. Zur entfernteren Kopffüßer-Verwandtschaft zählen die ausgestorbenen Ammoniten und Bactriten sowie die Perlboote, die einzigen noch heute lebenden Cephalopoden, die ihren Körper mit einer Schale schützen. Zu ihnen gehört unter anderem Nautilus mit seinem charakteristischen, spiralförmig aufgedrehten Gehäuse. Diese Art bewohnt die Hänge von Korallenriffen und bewegt sich zwischen siebzig und siebenhundert Meter Tiefe – noch weiter unten würde der Wasserdruck ihre Schale zerbrechen.

Ihre schalenlosen Verwandten sind da flexibler: Selbst im Abyssal, jenem lichtlosen Bereich der Tiefsee zwischen zweitausend und sechstausend Meter unter dem Meeresspiegel, kommen noch Oktopus-Arten vor. Die größte Vielfalt an Kopffüßern ist tagsüber zwischen zweihundert und tausend Meter zu finden. Dort leben die meisten Kalmar-Arten nebst einigen anderen Cephalopoden. Auch Architeuthis dux bewohnt diese lichtlose, schwer zugängliche Zone, weshalb Wissenschaftler bisher meist nur Reste angespülter Kadaver untersuchen konnten. Seit Schleppnetze bis in die tieferen Stockwerke der Ozeane vordringen, verfangen sich auch Riesenkalmare darin. Für Seafood-Liebhaber sind sie indes kein lohnender Fang. Wie fast jede zweite Kalmar-Art lagern die Riesenkalmare Ammoniak in ihrem Gewebe ein, das ihnen anstelle einer Schwimmblase Auftrieb verleiht.

Über frischen Architeuthis im Beifang freuten sich aber kürzlich Wissenschaftler der Universität Kopenhagen aus anderen Gründen. Dank der unverdorbenen Gewebeproben konnten sie erstmals das Genom eines Riesenkalmars sequenzieren und mit Gendaten aus Gewebeproben anderer, verwandter Kalmarspezies vergleichen. Die Forscher trieb die Frage um, wie der Riesenkalmar zu seiner gewaltigen Größe kam. Ausgewachsen wird Architeuthis dux vermutlich zwischen zehn und zwölf Meter lang. Genau lässt sich das wegen der Dehnbarkeit seiner Arme schlecht bestimmen. Allein der Kopf aber wird einen Meter lang und bietet Platz für zwei tellergroße Augen.

Wie die Mitte Januar in GigaScience veröffentlichte Studie der Kopenhagener Forscher zeigte, besteht das Genom des Riesenkalmars aus rund 2,7 Milliarden Basenpaaren, das sind 90 Prozent der Größe des menschlichen Erbgutes. Über die Körpergröße des Tiers sagt das aber noch nichts. Zwar half vielen Wirbeltieren die Verdopplung ihres Genoms im Verlauf der Evolution, größer zu werden. Ein ähnlicher Prozess scheint sich bei Riesenkalmaren aber nicht vollzogen zu haben, ergab die Untersuchung.

Das Geheimnis der Größe des Riesenkalmars lüfteten die Forscher zwar nicht, dafür entdeckten sie etwas anderes: über hundert Gene aus der Familie der Protocadherine. Diese seien wichtig, um ein komplexes Gehirn korrekt zu verdrahten, so die Autoren der Studie. Bis vor einigen Jahren war man noch davon ausgegangen, dass diese Gene nur bei Wirbeltieren vorkommen. Die Wissenschaftler hoffen nun, dem Riesenkalmar-Genom durch weitere Analysen noch mehr Informationen über die Entwicklung der Kopffüßer zu entlocken.

Die meisten Cephalopoden sind deutlich kleiner als Architeuthis dux. Einige Oktopoden etwa werden nur wenige Zentimeter groß. Ob winzig oder riesig, alle Kopffüßer teilen grob den gleichen Körperbauplan: Wie ihr Name vermuten lässt, hängen die Füße beziehungsweise Arme der Cephalopoden direkt am Kopf. In ihrer Mitte liegt der Mund, der mit einem papageienartigen Schnabel bewehrt ist. Die meisten Kopffüßer ernähren sich von kleineren Weichtieren, Fischen oder Krustentieren. Dabei kauen sie ihre Nahrung nicht, sondern raspeln sie klein: Ihre Zunge ist mit vielen kleinen Zähnen besetzt und sorgt dafür, dass die Nahrung als feiner Brei im Magen ankommt. Und das ist auch nötig, denn die Speiseröhre führt mitten durch das Gehirn. Ein zu hastig verschlungener Brocken könnte da leicht stecken bleiben.

Der zentrale Teil des Gehirns macht bei Kopffüßern aber nur etwa ein Drittel des Nervensystems aus. Der Rest erstreckt sich bis an die äußersten Spitzen ihrer Tentakel. Etwa sechzig Prozent der Neuronen verteilen sich auf Arme, Haut und andere Organe. Es wurden schon abgetrennte Krakenarme beobachtet, die dank ihrer Ausstattung mit Nervenzellen noch einige Zeit eigenständig ihrer Wege gingen – ein guter Täuschkörper, wenn der Rest des Tiers gerade vor einem Angreifer flüchten muss. Für die Cephalopoden ist die weiträumige Verteilung ihres Nervensystems aber auch aus anderen Gründen sinnvoll. Ihre Arme sind regelrechte Multifunktionswerkzeuge. Sie können Gegenstände ergreifen und festhalten; manche Arten laufen damit auch über den Meeresboden; und die Saugnäpfe an den Armen sind mit Sinneszellen ausgestattet, mit denen die Tiere fühlen und schmecken können.

Das Leben der meisten Kopffüßer – den auch sonst gemächlichen Nautilus, der bis zu zwanzig Jahre alt werden kann, ausgenommen – ist schnell und kurz. Kaum eine Spezies wird älter als zwei Jahre. Um ihre teils beachtliche Größe zu erreichen, müssen manche Arten ihr Gewicht daher anfangs jede Woche verdoppeln. Ihr Stoffwechsel läuft auf Hochtouren; ein hoher Blutdruck ist bei Cephalopoden nicht krankhaft, sondern der Normalzustand. Zwei zusätzliche kleine Kiemenherzen pumpen das Blut zu den Kiemen, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Dieser bindet bei Kopffüßern nicht an eisenhaltiges Hämoglobin, sondern an Hämocyanin, ein Proteinkomplex, der um zwei Kupferatome gebaut ist. Daher ist das Blut eines Kopffüßers blau gefärbt. Das dritte, sogenannte systemische Herz pumpt das sauerstoffreiche Blut anschließend in den Rest des Körpers.

Anders als Wirbeltiere sind Kopffüßer in ihrer Bewegungsfreiheit nicht durch Gelenke und ein starres Skelett eingeschränkt. Sie können ihre Arme in jede erdenkliche Richtung bewegen. Das gelingt ihnen dank einer Technik, die sich „muskuläres Hydrostat“ nennt. Das Prinzip ist das gleiche wie bei der menschlichen Zunge oder dem Rüssel von Elefanten. Statt an einem Knochen verankert zu sein, verdrehen sich die Muskeln umeinander und ermöglichen so eine Vielzahl von Bewegungen. Doch wie koordinieren Tintenfische ihre vielen Arme? Entscheidend hierfür ist wieder das komplizierte Nervenkostüm der Cephalopoden: Die Arme scheinen über einen eigenen Nervenring zu verfügen, der am zentralen Gehirn vorbeiführt. So können die Anhängsel untereinander kommunizieren, ohne dass es dem Gehirn immer bewusst sein muss. Selbst wenn Letzteres gerade nicht weiß, wo sich einer der Arme befindet, wissen es die anderen Arme, so dass sich die Tentakel nicht versehentlich verknoten.

Feinabstimmung ist auch bei der Tarnung gefragt. Viele Oktopus-Arten leben in flachen Gewässern, in Korallenriffen etwa oder Seegraswiesen. Um Angreifern zu entgehen, haben sie gelernt, sich perfekt zu tarnen. Oktopoden können zum Beispiel die Textur ihrer Haut ändern, indem sie kleine Regionen darin, die sogenannten Papillae, zusammenziehen oder wieder entspannen. An diesen Stellen verlaufen die Muskelfasern wie in einem runden Spinnennetz. Werden sie zusammengezogen, stülpt sich das weiche Gewebe im Zentrum der Papillae zu kleinen Beulen auf. So können Oktopoden sich zum Beispiel optisch an die komplexe Oberfläche einiger Korallenarten anpassen.

Forscher der Cornell University ließen sich vor drei Jahren von der Haut der achtarmigen Tintenfische inspirieren und entwickelten ein Material, das sich ähnlich flexibel verformen lässt. Gesponsert wurde das Projekt durch das Recherchebüro der U.S. Army – wohl in der Hoffnung, mit dem Material künftig Militärfahrzeuge besser tarnen zu können. Aber auch Frachtkosten könnten durch die künstliche Oktopus-Haut verringert werden, sagte Robert Shepherd, der die Forschung leitete. Material könne als flaches Tuch transportiert werden und sich erst am Einsatzort zu seiner dreidimensionalen Form auffalten. Ganz so ausgefeilt wie die Haut der Kopffüßer ist das künstliche Gewebe aber noch nicht: Bislang kann das Material nur eine einzige, vorbestimmte Form annehmen.

Der Zwergtintenfisch (Euprymna berryi) wird höchstens so lang wie ein Daumen. Foto: Biosphoto

Cephalopoden ahmen bei ihrer Tarnung nicht nur die Gestalt des Untergrunds nach, sondern auch dessen Farbe. Ähnlich den Pixeln eines Bildschirms enthält die Haut von Tintenfischen Millionen von Farbzellen, die sogenannten Chromatophoren. Im Grunde handelt es sich dabei um kleine elastische Farbbeutel, die durch Muskelzellen je nach Bedarf zusammengezogen oder ausgedehnt werden können. Je nach Spezies können die Farbpigmente rot, braun oder gelb sein. Dank einer zweiten Hautschicht stehen den Tintenfischen aber noch viel mehr Farben zur Verfügung: Unter den Farbzellen liegen die sogenannten Iridophoren. Sie werfen – ähnlich wie eine metallische Oberfläche – das Umgebungslicht zurück und beeinflussen damit den Kontrast und die Farben der Chromatophoren. Eine dritte, tiefer liegende Schicht aus weißen Zellen kann den Kontrast zusätzlich verstärken.

Die gesamte Umfärbung dauert oft nur den Bruchteil einer Sekunde – ein Chamäleon ändert seine Musterung im Vergleich dazu in Zeitlupe. Entscheidend für die farbliche Tarnung ist das Sehvermögen der Kopffüßer. Ihre Augen sind ähnlich aufgebaut wie die der Wirbeltiere einschließlich des Menschen und liefern präzise Bilder der Umgebung. Auch im Dunkeln können Cephalopoden gut sehen. Wie eine 2015 im Journal of Experimental Biology veröffentlichte Studie zeigte, enthält zusätzlich zu den Augen auch die Kopffüßer-Haut lichtempfindliche Moleküle. Die Haut liefert dadurch zwar kein detailgetreues Bild der Umgebung, hilft aber vermutlich dabei, das Umgebungslicht wahrzunehmen und so die Tarnung noch besser abzustimmen. Wie genau den Kopffüßern allerdings der Farbenmix gelingt, ist unklar. Denn die Tiere sind wahrscheinlich farbenblind.

Schlägt die Täuschung doch einmal fehl, strecken Cephalopoden entweder ihre Arme aus und machen sich groß, um ihre Feinde abzuschrecken. Oder sie setzen auf einen schnellen Rückzug: Angreifer werden in diesem Fall mit einer großen Portion Tinte im Wasser abgelenkt, die in einem in Darmnähe befindlichen Tintenbeutel gespeichert ist. Zugleich starten die Kopffüßer ihren körpereigenen Düsenantrieb. Dazu füllen sie ihre Mantelhöhle mit Wasser, das sie durch einen Trichter mit Hochdruck wieder hinausschießen. So können sie auf kurzen Strecken enorm beschleunigen und sich in Sicherheit bringen.

Jules Verne (1828-1905). 20.000 Meilen unter dem Meer. Holzstiche nach Zeichnung von A. de Neuville

Angriffslustige Monster sind Kopffüßer – anders als in den Legenden – also offenbar nicht. Aber Aliens vielleicht doch? Erst 2018 setzten sich 33 Astrobiologen unterschiedlicher Universitäten und Institutionen im Fachjournal Progress in Biophysics and Molecular Biology ganz im Ernst mit der Frage auseinander, ob die ersten Kraken, Sepien und Kalmare möglicherweise aus dem All kamen. Die noch junge Erde sei möglicherweise durch Panspermie befruchtet worden. Asteroiden und Kometen müssten demnach das Leben durch kosmische Keime auf die Erde gebracht haben. Befruchtete Cephalopoden-Eier könnten in kleinen Eisklümpchen durch das All geflogen sein. Nach Ansicht der Autoren sprechen dafür unter anderem die komplexen Nervensysteme der Cephalopoden (siehe „Köpfchen mit Füßen“), deren Auftreten für die irdische Evolution viel zu plötzlich stattgefunden habe. Wirklich belastbar ist die Alien-Theorie allerdings nicht. Denn würde es sich bei Cephalopoden wirklich um Außerirdische handeln, dürften sie eigentlich keine Abstammungslinie zu anderen Vorfahren haben – es sei denn, diese würden ebenfalls aus dem All stammen.

Doch Vorfahren der Cephalopoden sind in fossilen Spuren bereits im frühen Erdaltertum belegt. Als erster, noch primitiver Kopffüßer gilt Plectronoceras cambria, ein Tierchen aus dem späten Kambrium, das ein kaum zwei Zentimeter hohes, hornförmiges Schalenhaus mit sich herumtrug. Im Unterdevon tauchten dann die Nautilida und die Ammoniten auf. Erstere waren die Vorfahren der heute noch lebenden Nautilus. Ammoniten sahen im Prinzip ähnlich aus, und die größten von ihnen konnten vermutlich Durchmesser von bis zu zweieinhalb Metern erreichen. In flachen Gewässern bildete sich eine Vielzahl verschiedener Ammoniten-Arten, die über 350 Millionen Jahre Bestand hatten.

Im Karbon oder Perm traten vermutlich die ersten Tintenfische auf, zu denen auch die inzwischen ausgestorbenen Belemniten zählten. Sie sahen ähnlich aus wie die heutigen Kalmare, nur dass ihre Fangarme statt mit Saugnäpfen mit Haken ausgestattet waren. Anders als ihre Vorgänger entwickelten die Tintenfische keine äußeren Schalen mehr und konnten sich somit flexibler bewegen. Kopffüßer können also – trotz ihrer vielen ungewöhnlichen Eigenschaften – wissenschaftlich plausibel in den Tierstamm der Weichtiere eingeordnet werden, zu dem auch Schnecken und Muscheln gehören. Viel eher als um Außerirdische handelt es sich bei Cephalopoden deshalb einfach um ein besonderes Experiment der Evolution: Lebewesen, die unabhängig von den Wirbeltieren ein komplexes Nervensystem entwickelt haben und einen beweglichen Körper voller Möglichkeiten.
(…)
So mögen Cephalopoden zwar nicht nach klassischen menschlichen Maßstäben intelligent sein, ein Beispiel für Intelligenz als evolutionäre Errungenschaft sind sie aber doch. Ob sie sich in ihrem Fall aber so weit fortführen lässt, dass sie dereinst bis in unsere ökologische Nische vordringen, ist nicht ausgemacht, bleibt aber eine reizvolle Vorstellung.

Frauenblick. Prag 2. Barataria.

Monika Wrzosek-Müller

„Man braucht in Prag nicht verwurzelt zu sein; es ist eine Heimat für Heimatlose“ schrieb Joseph Roth.

Sie war in Prag und fühlte genau das, was ihr der berühmte österreichisch-europäisch-jüdische Schriftsteller ins Ohr geflüstert hatte und ging, spazierte und bummelte weiterhin durch die prunkvollen Straßen und die prächtigen Gassen, dabei schaute sie sich neben den wunderschönen, manchmal wirklich traumhaften Fassaden genauer die Passanten an.
Plötzlich hatte sie eine Eingebung, einen Geistesblitz: ihre Reisen nach Indien, Tunesien, Sri Lanka, Marokko, Italien, Frankreich immer und immer wieder, war das nicht auch die Suche nach Don Quixotes legendärer Insel Barataria; jedes Leben war von einer Suche und den Kämpfen mit Windmühlenflügeln bestimmt, auch solchen, die im Kopf stattfanden: nur man musste den Mut haben, sich gegen sie zu stellen und etwas für sich zu finden. Aber letzten Endes suchte jeder seine glückliche Insel, sein persönliches Barataria, wenigstens einen kleinen Hoffnungsschimmer. Insofern schrieben wir alle an einem Thema!
All die Menschen, die hier in Prag herumschwirrten, wie Heuschrecken die Baudenkmäler belagerten, von einem Baudenkmal zum anderen hinzogen: sie alle suchten offensichtlich auch nach Erlösung, nach Antworten, nach etwas, was sie ablenken würde. Sie sah das in ihren Gesichtern, in ihren Blicken; an dem manchmal hastigen und nervösen und dann wieder ganz verträumten, phlegmatischen Gesichtsausdruck. Schon die Art, wie sie gingen, ihre Gangart verriet oft, ob sie Touristen oder Einheimische waren, oder woher sie kamen: zugegeben echte Prager waren äußerst selten zu finden. Vielleicht waren sie, die echten Prager, alle emigriert, wie Madeleine Albright oder Ivana Trump oder Milan Kundera und Milos Forman, um nur die berühmtesten zu nennen. Der Gang der Touristen war schlendernd, stockend und sie waren eher in Sneakers, Doc Martens und anderen Sportschuhen bekleidet. Anders die Tschechen, die tschechischen Frauen trugen eher Stiefel, manchmal sogar mit ziemlich hohen Absätzen; sie gingen energisch, zielsicher und schnell. Viele der jungen Frauen waren auch sehr hübsch.
Meistens zogen sie die puppenhaften Gesichter der asiatischen Mädchen magisch an; sie gingen oft zu zweit oder aber auch in kleinen Gruppen, sehr schick angezogen, mit dem Handy in der Hand. Der Blick war eigentlich eher in sich gekehrt. Sie schienen die Außenwelt nur bedingt wahrzunehmen, auch wenn sie ständig Fotos, hauptsächlich aber eigentlich Selfies schossen, für die sie peinlich genau aufpassten, wie sie aussahen. Sie konnten ganz lange und geduldig ihren Schal, ihre Haare zurechtmachen, die Schminke ihrer Lippen noch mal korrigieren, sich sprichwörtlich die Nase pudern, bevor dann ein Foto gemacht wurde. Diese Mädchen kauften in den Souvenirläden und in anderen Läden, von denen es hier tausende gab, alles Mögliche ein; liefen dann mit ganz vielen Einkaufstüten herum, schauten immer wieder in die Tüten rein, so als ob sie sich vergewissern wollten, was sie denn alles eingekauft hätten. Sie versuchte herauszukriegen, was es war, doch es ging nicht, es handelte sich um ganz unterschiedliche Sachen. Manche kauften einfach neue Kleidung, andere irgendwelches Kristallglas, wieder andere etwas Bijouterie: die tschechischen Granatsteine und andere Halbedelsteine waren sehr begehrt, doch durchaus auch Mützen und Schals wurden in großen Mengen gekauft. Es gab unter ihnen Kundschaft für die ganz teuren italienischen MarkenLäden, aber nicht nur; als Verkäufer bei Gucci, Fendi, Ferragamo, Dior, Bulgari, Hogan, Geox, Luisa Spagnioli, Dior, Chanel, Escada usw… standen auch oft asiatisch aussehende junge Menschen. Es war offensichtlich ein großes Geschäft, diese Mädchen zufrieden zu stellen. Sie hatte den Eindruck, Prag bildete eine angemessene Kulisse, um so viel Geld auszugeben. Dasselbe hatte sie in Florenz, Rom und Mailand erlebt, dabei aber gedacht, es ginge um italienische Mode.
Dann gab es ganze Gruppen von hauptsächlich Chinesen, die sehr brav und diszipliniert dem Führer durch das Labyrinth der Gassen folgten. An den Gesichtern konnte sie keine Müdigkeit aber auch keine Neugierde, eigentlich sehr wenig Rührung erkennen, manchmal sahen sie etwas verschreckt aus. Sie wurden zu sechs oder siebt in die old cars gesteckt und durch die Altstadt kutschiert; die richtigen Pferdekutschen kamen offensichtlich erst im Frühjahr zum Einsatz. Wie viel sie wirklich von den historischen Verwicklungen der tschechischen Geschichte verstanden, konnte man nicht wissen. Aber man sah sie überall, auch auf dem jüdischen Friedhof und in den Synagogen, das war auch ein Teil des Pflichtprogramms. Sie dachte an sich selbst in den indischen Tempel und an die verwunderten Blicke der Einheimischen, wahrscheinlich waren sie auch überrascht, warum sie da herumging und so völlig fehl am Platz wirkte.
Erstaunlich viele Gruppen von Italienern gingen durch diese Hollywood-Kulisse, meistens mit ihren eigenen Reiseführern, die ihnen alles erklärten – wo sie zu frühstücken hätten, wo es den besten Kaffee gebe, was und wo sie zum Lunch essen sollten, und letztendlich dass alles sowieso italienisch sei, denn es seien doch die italienischen Architekten gewesen, die diese Wunder an Bauwerken vollbracht hätten. Offensichtlich liebten die Italiener sich selbst in dieser Rolle, nie hat sie so viele andächtig zuhören gesehen. Sie strömten auch in die diversen Konzertsäle der Stadt. Kauften dafür weniger, sorgten aber mit ihrer aufgeregten und empathischen Art zu reden, zu lachen, sich zu unterhalten für ein sehr fröhliches Straßenbild.
Noch eine Nationalität war ihr aufgefallen, leider sehr negativ; sie war aber so sichtbar, dass man kaum die Augen zu machen konnte, und so laut, dass man sie auch mit Ohropax noch hörte: das waren die schottischen Jungs, die manchmal in Kilts, und T-Shirts, johlend schon am Vormittag, wahrscheinlich vom Bier betrunken, über das Kopfsteinpflaster stolperten. Abends waren sie dann kaum mehr fähig ihren aufrechten Gang zu halten, doch dafür laut genug, um gehört zu werden. Die suchten wirklich nur günstige Möglichkeiten, sich volllaufen zu lassen und viel zu essen.
Es gab auch Paare, die offensichtlich ihre Flitterwochen hier verbrachten; sie machten dann auch romantische Fotos am Moldauufer, mit Aussicht auf den Hradschin, vor der atemberaubenden Kulisse der Burg. Manche brachten dann schicke Schuhe, manchmal einen besonderen Hut mit, kleideten sich schnell auf der Bank um und ein Freund aber oft auch ein professioneller Fotograf machte dann Fotos in verschiedenen Posen.
Es gab auch Nachtbesichtigungstouren durch das magische Prag; da stand plötzlich, während sie mit ihrem Hund Gassi ging, ein junger Mann mit Hellebarde und Laterne vor ihr, mit großem schwarzen Hut und Umhang bekleidet, der meistens auf Englisch die Geschichten vom Golem, vom Ghetto, dem Rabbi Löw, dem Kaiser Rudolf II erzählte. Eine Gruppe junger, meistens aus verschiedenen Länder stammenden Menschen hörten ihm zu, lachten, fragten. Der Ausflug endete meistens in einer der vielen traditionsreichen Bierkneipen

Błędne mapy (nie ma Baratarii)

Wiadomo Komu w podziękowaniu za wieczór filmowy i film

Ewa Maria Slaska

Obejrzałam film Błędne mapy w reżyserii Szymona Uliasza na podstawie scenariusza Magdaleny Barbaruk, kulturoznawczyni, zajmującej się współczesnym trwaniem dziedzictwa Cervantesa
i nowymi obliczami donkichotyzmu. Film został wyprodukowany już kilka lat temu, po hiszpańsku i po polsku, w ramach projektu badawczego realizowanego dla Narodowego Centrum Nauki. Niestety mimo iż film był sponsorowany przez NCN, a od czasu jego produkcji minęło już siedem lat, nadal nie ma go na youtubie, w cda i na zalukaj.

Szkoda. Opowiem więc wam o tym filmie.

Autorzy wyszli od pierwszego zdania powieści: W pewnym miejscu w La Manchy, którego nazwy nie chcę pamiętać… „W pewnym miejscu”, czyli właściwie gdzie? Od dawna wiele miejscowości w tym regionie Hiszpanii pretenduje do miana „tego miejsca”. Twórcy filmu postanowili to wyjaśnić.

Film jest esejem antropologiczno-kulturoznawczym. Jego twórcy wędrują po La Manchy w poszukiwaniu Don Kichota, próbując powtórzyć słynną podróż literacką zrealizowaną w trzechsetlecie powieści Cervantesa (1905) przez Azorína, którą nazywa się “starą trasą Don Kichota”. Polacy wędrują już jednak po “nowej trasie”. Spotkane przez ekipę filmową postaci, obserwowane wydarzenia (np. Madryt podczas strajku śmieciarzy) stają się okazją do zaktualizowania wzorca podróży sprzed stu lat. Za stolicę nowej trasy, która powstała z okazji czterechsetlecia powieści (2005), uznać można prowincję Ciudad Real, gdzie do 2012 roku zapowiadano utworzenie „Królestwa Don Kichota” i zbudowano lotnisko „Don Kichota”. La Mancha z miejsca tranzytowego miała stać się regionem docelowym setek tysięcy turystów. W obliczu idei budowy gigantycznego parku tematycznego, opartego na figurze błędnego rycerza, spór o to, gdzie leży prawdziwe un lugar de la Mancha nabrał nowego sensu. Podróż stała się również refleksją nad przemianami krajobrazu La Manchy – nie ma już bowiem krajobrazu, który widział Cervantes i po którym wędrował jego bohater. Więc już z góry wiadomo, że nie da się wędrować po śladach Don Kichota. Podobnie jak tak naprawdę nie ma Baratarii, bo baratarystyczna wędrówka prowadzi przez obszary psychologii. Stąd specjaliści w dziedzinie marketingu wymyślili hiszpański narodowy Disneyland  – Królestwo Don Kichota i Park Rozrywki.
***
Ale mimo to wciąż ktoś szuka miejsc, które zdaniem Cervantesa odwiedzili Don Kichot i jego giermek. Kilka lat temu na trasę ruszyli Aron Moses i jego ojciec. Zaczęli za Madrytem. Przeszli tysiąc kilometrów. (Kto zna niemiecki może zajrzeć TU.)
Ale i oni nie dotarli do Baratarii. I… w swej relacji nie zamieścili żadnej mapy 🙂

Mapę znajdę dopiero na oficjalnej stronie rządowej, promującej Hiszpanię.
Trasa obejmuje następujące etapy:

Dzień 1. Alcala de Henares (miejsce urodzin Cervantesa)
Dzień 2. Madryd
Dzień 3. Esquivias – Toledo
Dzień 4. Consuegra – Alcazar de San Juan
Dzień 5. Campo de Criptana – El Toboso
Dzień 6. Argamasilla de Alba – Ossa de Montiel – Villa Nueva de los Infantes
Dzień 7. Ciudad Real – Almagro

Tata i syn Mosesowie zaczynają od wędrówki przez mesetę, bezdrzewną równinę Hiszpanii, świetnie znaną każdemu, kto kiedyś szedł trasą francuską do Santiago de Compostela. Nie tłumaczę opisu ich wędrówki, jest za długi, ale postaram się w skrócie opowiedzieć o ich trasie.

Już z daleka widzimy Toledo, kościoły i domy na wysokiej skale nad Tagiem. Cervantes uważał, że Toledo jest najpiękniejszym miastem hiszpańskim. Być może dlatego cała historia Don Kichota zaczyna się właśnie tu, na targu w Toledo, gdzie narrator kupuje od pewnego młodzieniaszka zapisane po arabsku szpargały, które okazują się ni mniej ni więcej, tylko historią Don Kichota napisaną przez niejakiego Sidi Haméta Benengelíego. Narrator jest więc zaledwie tłumaczem.
Na południe od Toledo Mosesowie powędrują przez la Manczę. To arbskie słowo al-Mansha, które oznacza “suchy kraj”. Latem jest to rzeczywiście archaiczny suchy kraj, podzielony na czerwone i brunatne  kwadraty pól. Na wzgórzu w Consuegra fotografują jedenaście wiatraków, które są prawdziwym cudem techniki, jaki Arabowie zostawili w spadku Hiszpanom. Podobnie jednak jak nie wiadomo, w jakim miasteczku w la Manczy zaczyna się opowieść o Don Kichocie i skąd obaj, on i jego giermek, pochodzą, tak nie wiadomo też, które zachowane jeszcze z czasów Cervantesa wiatraki, stały się wyimaginowanymii wrogami błędnego rycerza. Może właśnie te? Nieważne, ważne że już na zawsze weszły do historii kultury, stając się symbolem wszystkiego, z czym kiedykolwiek przyszło walczyć idealistom.

Wiele scen powieści rozgrywa się w oberżach i zajazdach – w La Manchy niemal w każdym miasteczku można więc zobaczyć blaszane sylwetki Rycerza o Smętnym Obliczu i jego giermka. Tak też jest w Puerto Lápice. Wg powieści tu właśnie, w “Venta de Don Quijote”, Don Kichot został przez złośliwego oberżystę pasowany na rycerza, stoczywszy jednak najpier zaciekłą walkę z bukłakami czerwonego wina.

Wzorem Don Kichota i Sancho Pansy Mosesowie często gęsto śpią na świeżym powietrzu, czasem jednak korzystają z gościny w pensjonatach. Pewnego dnia docierają do Villanueva de los Infantes, małego miasteczka, pełnego domów z czasów reneansu i baroku, jednogo z tych, skąd pochodzić miał błędny rycerz. W Ruidera, gdzie kilkanaście jezior rozciąga się jedno za drugim schodzą do podziemnego labiryntu jaskiń, w którym zbłąkali się też 400 lat temu nasi bohaterowie. Don Kichot wierzył, że znalazł tam kryształowy pałac i spotkał bohaterów legend o Królu Arturze.

W Argamasilla de Alba, w podziemnym więzieniu miał spędzić jakiś czas nie tyle nasz chudy szaleniec, ile sam autor opowieści o nim. Podobno wtedy właśnie zaczął pisać tę historię. Mieszkańcy wioski i pracownicy muzeum wierzą bez zastrzeżeń, że tak właśnie było. Podobno nie ma na to żadnych dowodów. No i co? Idźcie do muzeum, zobaczcie stół, krzesło, kamienną ławę przykrytą matą słomianą, obejrzyjcie, jak przez małe okienko wpadają promnienie słońca i oświetlają stół. Jeszcze macie wątpliwości, że to tu? Doprawdy jesteście niepoprawnymi realistami, jak owi historycy, przykuci do skały dokumentu i dowodu, a całkowicie pozbawieni fantazji.

El Toboso, miasto Dulcynei, wędrowcy uważają z jedno z najpiękniejszych miasteczek La Manczy. W El Toboso mieszkała przed ponad 400 laty Ana Zorca de Morales, z którą Cervantes przeżył podobno gorącą hiszpańską miłostkę. Jej dom to kolejne muzeum na trasie: “Museo Casa Dulcinea”, a parę ulic dalej można jeszcze odwiedzić “Biblioteca Cervantina” – zbiór dzieł sztuki, wydawnictw, karykatur oraz ponad 300 wydań książkowych w 50 językach, w tym po galijsku, arabsku, chińsku, persku, hebrajsku i esperanto. W księdze gości znajdują się podpisy znamienitych osobistości, króla Juana Carlosa, Margaret Thatcher, Ronalda Reagana, Richarda von Weizsäckera i Paula von Hindenburg. Franco, Mussolini i Hitler też się tu wpisali.

Pewnego popołudnia wędrowców zaskakuje burza. Całkowicie przemoknięci spotykają na drodze Frederica, starego wieśniaka z krzywym wąsem, w połatanym kaszkiecie na głowie. Frederico oferuje im nocleg w starej szopie, a potem przynosi im dzban wina i kolację – pieczonego kurczaka z kartoflami. Burza się skończyła, przez ciemne chmury prześwituje wieczorne słońce.

W zamku Belmonte Don Kichot stoczył pojedynek z rycerzem luster, a trasa prowadzi Mosesów dalej, przez pola wyschniętych słoneczników i porośnięte sosnami wzgórza do casas colgadas, wiszących domów w Cuenca. Dalej przez góry i wąwozy docierają do Ocana i Aranjuezu. To miasto letnich rezydencji hiszpańskich królów, malowniczo rozsianych nad brzegiem Tagu. Ani Ocany ani Aranjuezu nie ma na oficjalnej propozycji trasy Don Kichota. Ale co tam, każda trasa i tak doprowadzi wędrowca do  Madrytu i na Plaza de Espana, gdzie stoi wspaniały pomnik Cervantesa i jego błędnych bohaterów.

Tu się zaczyna albo tu się kończy każda wędrówka po błędnych trasach błędnych rycerzy.

PS. Gdy szukałam w internecie wspomnianego na początku filmu, ze zdumieniem stwierdziłam, że istnieje w sieci cała subkultura błędnych map – błędnych celowo i przez przypadek.

Frauenblick. Prag.

Monika Wrzosek-Müller

Mein Prag, die ersten Tage

Prag hat sie in Beschlag genommen. Eine Stadt, die wirklich verzaubert und vereinnahmt, so dass man an wenig anderes denkt, denken kann. So viel Schönheit aus allen Epochen, so viel Vielfalt hat sie selten erlebt. Alle Stilrichtungen der Architektur sind vertreten: Romanik, Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko, Klassizismus, Jugendstil, der böhmische Kubismus, Bauhaus und eine Menge der modernen experimentellen Architekturstile, die sie nicht zu benennen wüsste, die sich aber auch stolz präsentieren. Vieles sticht richtig ins Auge und breitet sich aus, wie in einem Lehrbuch für Architektur bei einem Spaziergang, besonders im Letna-Park, von dem ihr der Wahnsinnsausblick immer wieder den Atem stocken lässt. Im Moment sind wenig Touristen unterwegs, sie könnte sogar auf der Karlsbrücke verweilen und die Ausblicke genießen. Sie fühlt, dass in der Stadt verschiedene Kulturen aufeinander trafen und treffen, aber in weicher Variante, man erlaubt den anderen zu leben. Zugleich aber spürt sie so etwas, als ob die Stadt niemanden gehören würde, als ob sie für sich da stünde, eine wirklich globale europäische Stadt, weder deutsch noch jüdisch, aber tschechisch auch nicht. Wenn am Samstagabend die Kassiererin an der Kasse bei „Tesco“ zehn Personen auf Tschechisch immer wieder fragte, ob sie Kleingeld hätten, konnte ihr niemand in der Sprache antworten. Sie lächelte verschmitzt, als ich ihr dekuji sagte.

Zwar stehen in Prag viele tschechische Regierungsgebäude, doch den Tschechen gehöre sie auch nicht wirklich. Seit Jahrhunderten lebten hier Deutsche, Tschechen und Juden zusammen; dann kamen Vietnamesen und jetzt abertausende Touristen aus wirklich allen Ecken der Welt, erstaunlich viele aus asiatischen Ländern; Gruppen von sanft lächelnden asiatisch aussehenden Mädchen streifen durch die Straßen, kaufen in den tausenden Geschäften tausende Kleinigkeiten ein. Sie bestimmen das Bild der Stadt; auf sie stellt die Stadt sich um und davon lebt sie.

Für sie war aber erst mal wichtig, dass es eine weiche, harmonische, helle barocke Stadt ist, in sanftes Licht getaucht; oft steigen Nebelschwaden aus der Moldau hoch und die Sonnenstrahlen zerstreuen sich und tauchen die Stadt in einen goldenen Heiligenschein. Dann sieht man von oben nur die Konturen der Brücken, dadurch wirkten sie leichter, beschwingter, die Konturen der Kuppeln und der Türme; von da oben (den Letna-Park) scheint alles weit weg zu sein, am Horizont, hinter der Brücke, in Wirklichkeit aber ist fast alles zu Fuß zu erreichen in 10, 20 Minuten kann man in der Altstadt aber auch auf der Kleinseite alles erreichen. Natürlich geht sie auf den Wegen der Touristen, die waren auch sehr geschickt angelegt, so dass die Menschenströme später dann im Frühjahr oder Sommer gelenkt werden können: nach oben zum Hradschin, zum Veitsdom, nach unten zur Karlsbrücke, in die Mitte zum Altstädter Ring. Dafür wird man mit schönen Ausblicken belohnt, die Wege sind auch extra so gebaut, mit einer Bank zum Verweilen, oder einer Balustrade um sich daran anzulehnen, dass man länger sich auf ihnen aufhalten kann. Überall gibt es Hinweisschilder und man kann schnell zu einzelnen Denkmälern gelangen. Die Situation erinnert sie an Florenz, eine Stadt, die sich den Touristenmassen ergeben hat und eigentlich für sie existierte. Doch hier ist die Vielfalt und Größe vielleicht noch überwältigender.

Man kommt mit der Straßenbahn leicht überall hin; es gibt auch eine U-Bahn, doch die Stationen gehen so steil in die Tiefe hinunter, dass sie immer wieder Angst bekommt und die Straßenbahn vorzieht, außerdem kann man von der Straßenbahn am Fenster klebend die Fassaden der Häuser, der vorbei huschenden Bauten bestaunen. Natürlich gibt es für Touristen Kutschfahrten auch Bootsfahrten, allerdings in einem begrenzten Areal der Moldau, denn sie bildet Stufen. Man kann sich aus der Flotte von alten Automobilen in verschiedenen Farben eins aussuchen und durch die Altstadt rasen. Die jungen Leute ziehen neuerdings E-Roller, E-Scooter vor, auch wenn die meisten Straßen sich dafür eigentlich gar nicht eignen, sie sind nämlich mit Kopfstein gepflastert. Die Zahl der Cafés, Restaurants, Kneipen, Bistros ist schier unendlich; von edel bis Schnellimbiss ist alles dabei; auch Musik-, Jazzkneipen sind überall zu finden. Die Qualität des Essens ist gut bis sehr gut; die Touristen verschlingen alles, so dass es frisch ist, jeder kann für sich etwas finden.

Die Tschechen scheinen den Touristenrummel mit stoischer Ruhe zu ertragen, sie fallen nicht auf; ja sie sind fast unsichtbar in der Altstadt und auf der Kleinseite und doch müssten sie diese Stadt von irgendwoher dirigieren, leiten. Die meisten scheinen ihr sehr angenehm und zurückhaltend. Viele sprechen mehrere Sprachen, die jungen Leute meist eher Englisch.

Der Fluss Moldau bildet Mäander und kleine Inseln, die sich zum Spazieren sehr gut eignen. Wegen des Hundes entdeckte sie auch Kampa, die auf der Kleinseite gelegene Insel; durchzogen mit Kanälen, mit kleinen Brücken, kleinen alten Häuschen, wunderbaren Cafés, einem Museum für moderne Kunst und einen Skulpturenpark, das Ensemble präsentiert sich prachtvoll, wurde von Exiltschechen Jana und Medy Mladovych errichtet. Sie nannte es Kleinvenedig, jetzt, in Februar, ist noch alles eher leer und mühelos zu erreichen und zu durchwandern.

Auch hat sie Plattenbauten in den Peripherien von Prag entdeckt. Wie die französischen banlieues ziehen sich die Wohnblocks in die Täler und Hügel sternenförmig aus der Stadt hinaus, sie sind von Streifen mit Natur durchzogen, die wirklich sehr schön, naturbelassen wirken. Der Reiz dieser Landschaftsstreifen beruht auf den felsig-hügeligen Formationen, mit kleinen Waldabschnitten, dazwischen gibt es oft große Wiesen, die mit Obstbäumen bepflanzt sind; das müsste in Frühjahr toll aussehen, denkt sie. Die Plattenbauten sind selbst für sie, die aus Warschau kommt, gewöhnungsbedürftig, sie ziehen sich kilometerlang und haben somit mit der Altstadt und ihren Baudenkmälern nichts zu tun. Doch, wie ihre jungen Freunde feststellen, man lebt da angenehm, ist schnell in der Stadtmitte und vor Ort mit aller Infrastruktur ausgestattet.

Sie hat das Gefühl, die Stadt ist harmonisch und lebenswert, trotz der Touristen, wahrscheinlich doch wegen der Sehenswürdigkeiten und den jahrhundertealten, von Menschen für Menschen geschaffenen, gewachsenen Strukturen, auch die Lage mit den Hügeln, die Aussichten über größere Entfernungen erlauben, ist herrlich. Das bedeutet nicht, dass alles perfekt ist; dass alles zu bewundern gilt. Doch man merkt, dass Prag wieder zu seiner Größe zur Goldenen Stadt zurückgefunden hat.

Die ersten Tage waren sehr angenehm, hoffentlich nicht zu sehr…

KIG 115 (Reblog)

Ela Kargol

Tekst ze strony stowarzyszenia Städtepartner Stettin e.V. na FB / vom Fanpage des Vereins Städtepartner Stettin e.V. 

In Berlin und in Stettin / W Berlinie i Szczecinie

Vor 115 Jahren ist Konstanty Ildefons Gałczyński geboren, ein bekannter polnischer Dichter, der seine lyrischen Spuren sowohl in Berlin als auch in Stettin hinterlassen hat. Der Dichter arbeitete von 1931 bis 1933 als Kulturattaché bei der polnischen Botschaft in Berlin.

Er besichtigte Museen, unternahm viele Reisen und entdeckte für sich ein kleines Kabarett, nah am Potsdamer Platz.
“Die Katakombe” war ein politisch-literarisches Kabarett in Berlin, das von 1929 bis 1935 bestand.
Inge Bartsch, junge Schauspielerin und Sängerin, eine hübsche junge Frau mit roten Haaren, sang Tucholsky’s Texte: „du bist so stolz und fern, und hast mich doch so gern…”
Gałczyński war so beeindruckt, dass er über sie ein Gedicht verfasste, über sie und auch über den sich rasch entwickelnden Faschismus in Deutschland zu der Zeit.

Das ganze Gedicht ist unter diesem Link zu hören und zu sehen:
https://www.youtube.com/watch?v=3hlExHOrr_g…

Meine damals 15-jährige Tochter Helena nahm vor sieben Jahren an einem Projekt “Poesie verbindet” teil, wo sie das Gedicht rezitierte, durch Inge Bartsch’s Berlin schlenderte und in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts abtauchte.

Nach Stettin kam Gałczyński im Frühjahr 1948. Ihn beeindruckten die Magnolien, die gerade blühten, das neue Haus in Pogodno mit großem Garten und Veranda, auch die Straßenbahn, die vorbeifuhr, der Wind, der von der Oder wehte und… damals auch das neue Polen. Er schrieb:

Tutaj mój port, tu słońce mam na czole
i dom i sad i kota – nie do wiary!
Natalia na werandzie Kira w szkole.
A babci wchodzą sny pod okulary…

Hier ist mein Hafen, hier strahlt die Sonne auf meinen Stirn.
Und Haus und Garten und Katze – nicht zu Glauben!
Natalia auf der Veranda, Kira in der Schule
und Großmutter kriechen die Träume unter die Brillen.

Bevor er Szczecin nach einem Herzinfarkt verlassen hat, gründete er den Club der 13 Musen, der bis heute existiert.
In diesem Club wird jedes Jahr Gałczynskis Geburtstag gefeiert. Diesmal ist es der 115.

***
115 lat temu urodził się Konstanty Ildefons Gałczyński, poeta berliński i szczeciński.
W obu miastach nie zabawił zbyt dlugo, ale na tyle wystarczająco, żeby zostawić liryczne ślady. Berlińskim śladem oprócz słynnego „Balu u Salomona“ jest z całą pewnością „Inge Bartsch“ wiersz, nie tylko o pięknej Indze, której głosem i urodą poeta się zachwycił, ale też o rosnącym w Niemczech faszyzmie.

Inge Bartsch nie jest postacią wymyśloną, istniała naprawdę, była aktorką, piosenkarką. Poeta trafił pewnego dnia w Berlinie przy Placu Poczdamskim do kabaretu Katakombe. Na afiszu widniały dwa nazwiska: Kurt Tucholsky i Inge Bartsch. Inge o płomiennych włosach i drobnej sylwetce śpiewała niskim głosem „du bist so stolz und fern, und hast mich doch so gern…” Kabaret, który zapewniał, że jest apolityczny, takim nie był. Nie trzeba było długo czekać. W 1935 na wyraźny rozkaz Goebelsa kabaret zamknięto, a Wernera Fincka, jednego z założycieli aresztowano.
Gałczyński był już wtedy w Wilnie.

Potem była wojna, mobilizacja i cudem uniknięta śmierć w Kozielsku, obóz jeniecki w Niemczech, Kraków i w roku 1948 Szczecin.

Do Szczecina przyjechał wiosną w porze kwitnięcia magnolii. Zachwycony ukwieconymi drzewami, krzewami, wiatrem od Odry, domem na Pogodnie, i nową Polską, a nawet tramwajem „jedynką“, chciał tu pozostać na dłużej. Z żoną, córką i teściową.

Tutaj mój port, tu słońce mam na czole
i dom i sad i kota – nie do wiary!
Natalia na werandzie Kira w szkole.
A babci wchodzą sny pod okulary
Nad klombem ptaka cień przefrunął modry.
Grzmi w rękopisie moim epopeja.
Dobrze mi tu. I wieje wiatr od Odry,
odurzający i zwycięski jak nadzieja.

W Szczecinie powstał Klub 13 Muz, którego poeta, jak legenda głosi był założycielem. Klub działa do dzisiaj.
Urodziny Gałczyńskiego obchodzi się w klubie co roku. W tym roku Salon Artystyczny Seniorów „13 Muz” przygotował interpretacje wierszy poety. Panie recytowały, tańczyły, Zielona Gęś gęgała, szczecinianie bili brawo. Całości dopełnił pokaz filmu „Adresy Konstantego”, według pomysłu i scenariusza Marka Brzezińskiego, a… Konstanty, gdyby żył, może łagodniej spojrzałby na „Bożą krówkę” i nie dziwił się, że zimą jest ich coraz więcej.

Nasz autor Mieczysław Węglewicz spędził dzień 115 urodzin Gałczyńskiego w leśniczówce Pranie – zob. TU

Worldwide Screening

Worldwide Screening on 75th International Day of Remembrance of the Victims of the Holocaust

We called for participation in the worldwide screening of “Shoah” by Claude Lanzmann. This can take place privately in a small circle, in a school, in a cinema, in a cultural institution or through a TV channel.

In the 9½-hour film “Shoah” both, surviving victims and perpetrators of the systematic extermination of Jews by the German Reich, have a chance to speak. Lanzmann worked on the film for eleven years, from 1974–1985. The Berlinale awarded the director the Honorary Golden Bear for his life’s work in 2013. His film is regarded as an »epochal masterpiece of memory studies«.

January 27, International Day of Remembrance of the Victims of the Holocaust, was introduced by the United Nations in 2005 to commemorate the Holocaust and the liberation of the Auschwitz-Birkenau concentration camp on January 27, 1945. The Auschwitz-Birkenau concentration camp was the largest German extermination camp during National Socialism. About 1.1 million people were murdered there. A total of over 5.6 million people fell victim to the Holocaust.

Until January 20th we will collect information about the screening you have organized. Please send us an to worldwidescreening@literaturfestival.com so that we can communicate the events on our website www.worldwidereading.com.

Here you find a list of participants. There will be screenings in Austria, Canada, Chile, France, Germany, Great Britain, Greece, Italy, Nigeria, Spain, USA.

Worldwide Screening am 75. Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust

Das internationale literaturfestival berlin [ilb] rief Personen, Schulen, Universitäten, Medien und kulturelle Institutionen zu einer weltweiten Filmvorführung von »Shoah« von Claude Lanzmann am 27. Januar 2020 auf. Damit knüpft das ilb an die Serie der weltweiten Lesungen an, die es seit 2006 zu verschiedenen Themen, vor allem auf die Menschenrechte bezogen, organisiert hat.

In dem 9½-stündigen Film kommen überlebende Opfer wie Täter der systematisch betriebenen Vernichtung der Juden durch das Deutsche Reich zu Wort. Lanzmann arbeitete an dem Film elf Jahre, 1974-1985. Die Berlinale verlieh dem Regisseur 2013 den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk.

Der 27. Januar, Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, wurde 2005 von den Vereinten Nationen eingeführt, um dem Holocaust und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 zu gedenken. Bei dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau handelte es sich um das größte deutsche Vernichtungslager während des Nationalsozialismus. Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden hier ermordet. Insgesamt fielen über 5,6 Millionen Menschen dem Holocaust zum Opfer.

Bis zum 20.1. nehmen wir gern noch Veranstaltungshinweise an. Bitte schicken Sie uns eine Nachricht über Ihre Veranstaltung an worldwidescreening@literaturfestival.com. Auf unserer Website www.worldwidereading.com werden wir diese Informationen einstellen.

Eine aktuelle Veranstaltungsübersicht finden Sie hier. Es wird Veranstaltungen in Chile, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kanada, Nigeria, Österreich, Spanien und USA geben.

Trailer #ilb19
With this video we commemorate a great festival in 2019 and look forward to the 20th ilb in Septembre 2020.

https://www.literaturfestival.com/%2B%2Bresource%2B%2Bcollective.flowplayer/flowplayer.swf

Mit diesem Video blicken wir zurück auf ein großartiges Festival in 2019 und schauen vorfreudig auf das 20. Jubiläum des ilb im September 2020.

internationales literaturfestival berlin
Chausseestr. 5
10115 Berlin
Fon +49 (0) 30 – 27 87 86 65
Fax +49 (0) 30 – 27 87 86 85
presse@literaturfestival.com

www.litfestodessa.com
www.worldwide-reading.com
www.comics-berlin.de
http://www.wordalliance.org
20. internationales literaturfestival berlin | 9-19. September 2020
#ilb20 #ilb2020


In Berlin gibt es Vorführungen sowohl heute als auch morgen:

Heinrich-Böll-Stiftung – Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Sonntag, 26.01.2020
10.00 – 21.00 Uhr
Eintritt frei, Anmeldung unter
https://calendar.boell.de/de/civi_register/139583
https://calendar.boell.de/de/event/claude-lanzmann-shoah

Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
Berlin
27.01.2020
10 Uhr
https://www.adk.de/de/programm/index.htm

Brotfabrik Berlin
Caligariplatz 1
13086 Berlin
27.01.2020
13 Uhr
Eintritt pro Teil: 5 EUR. Alle vier Teile: 15 EUR
https://www.brotfabrik-berlin.de

KulturMarktHalle
Hanns-Eisler-Str. 93
10409 Berlin
26.01., 12.00 Uhr (mit vier kleinen Pausen)
www.kulturmarkthalle-berlin.de

Container
Am Weidendamm 3
10117 Berlin-Mitte (Nähe Bahnhof Friedrichstraße, der Eingang wird ausgeschildert)
Sonntag, 26.01.2020, ab 13 Uhr in drei Etappen  (3,5h, 3h, 3h – jeweils eine Stunde Pause zwischen den Teilen)
Alle Mitschauenden werden gebeten, Essen und Getränke mitzubringen, damit in den Pausen zusammen gegessen werden kann
Interessierte werden gebeten ihr Kommen kurz per Mail an
verfolgt-verschwiegen-vergessen@riseup.net anzukündigen

Janusz-Korczak-Bibliothek
Berliner Straße 120
13187 Berlin
26. Januar, 10.00 – 19.30 Uhr
http://stadtbibliothek-pankow.berlin.de

SANDALIA – Un’isola a Berlino
Schillerstraße 106, 10625 Berlin-Charlottenburg
Montag, 27. Januar 2020, 11.00 Uhr – 21.00 Uhr
Eintritt frei
www.sandalia.org

 

Barataria. Reblog. Rittertum.

Don Kichot gilt als letzter Beweis, dass das Rittertum Mal von Bedeutung war. Jetzt sagen die Wissenschaftler, dass es vom Anfang an eine Illusion war, ein Image-Konstrukt, geschaffen am Hof und nicht auf dem Schlachtfeld. Die Bücher, die Don Kichote so gern gelesen hat, waren eben Teil dieses künstlich geschafenes Trugbildes. Dies bedeutet also, dass Don Kichote nicht DER Letzte war, der daran glaubte, edle Ritter durchwanderten Europas Landschaften, um den Bösen zu besiegen und den Unschuldigen zu helfen, sondern vielmehr er DER Einzige war, der dies für die Wahrheit hielt. Der ganze Stand, dem er so gern angehört hätte, war eine gesellschaftliche Barataria.

spektrum.de 

Klaus-Dieter Linsmeier

Mittelalter: Der Mythos vom edlen Ritter

In unserer Vorstellung gehören die gepanzerten Reiter zum Mittelalter, als Streiter für Witwen und Waisen, als die schlagkräftigste Waffen­gattung ihrer Zeit. Doch nun erklären Forscher dieses Bild zur Fiktion.

© inakiantonana / Getty Images / iStock (Ausschnitt)

Historiker nennen Kaiser Maximilian I. (1493–1519) den »letzten Ritter«. Denn als sich das Mittelalter bereits dem Ende zuneigte, ließ der Habsburger in Porträts und Heldenliedern die Ideale des Ritterstands noch einmal aufleben, inszenierte sich als edlen Helden, der um Ehre und Gerechtigkeit willen den Kampf sucht, Mann gegen Mann oder Mann gegen Ungeheuer. Dabei war eine solche Selbstinszenierung schon damals ein Anachronismus, der Historiker verwundert.

Denn Maximilian wusste als erfolgreicher Kriegsherr sehr wohl um die militärische Wirklichkeit seiner Zeit. Offene Feldschlachten, in denen gepanzerte Reiterkrieger hätten brillieren können, bildeten die Ausnahme. Wer Krieg führte, belagerte meist gut verteidigte Städte. Kanonen zertrümmerten ihre Mauern, die Söldner zu erstürmen versuchten. Diese waren als Berufssoldaten einfacher zu rekrutieren als adlige Ritter, die auf Grund von komplizierten Eiden und Dienstverpflichtungen für einen Fürsten in den Krieg zogen. Auch in der Bewaffnung waren Söldner flexibler: Bogen und Armbrust etwa galten einem Edlen lediglich als Jagdwaffe. Der Trend ging daher zu hochmobilen, nichtberittenen Kampfeinheiten.

Der christliche Ritter, der mal für die gute Sache kämpft, mal Minnelieder vorträgt, erweist sich nach Ansicht der Freiburger Mittelalterhistoriker um Jürgen Dendorfer als reines Idealbild, als in jener Epoche übliche Schablone für die Heroisierung. Damit betreten die Forscher Neuland, denn bislang galt das Interesse ihrer Zunft eher dem Entstehen des Ritterstands oder seiner Kultur, nicht der militärischen Praxis. Unter anderem aus der höfischen Literatur extrahieren Historiker seit dem 19. Jahrhundert meist ein Rittertum, das mit der Wirklichkeit wohl wenig gemein hat.

© Alamy / World History Archive (Ausschnitt)
Schlacht von Crécy | Die Schlacht von Crécy 1346 während des Hundert­jährigen Kriegs wurde nicht von Rittern, sondern von englischen Langbogenschützen entschieden, die beim Adel schlecht angesehen waren.

Das zeigte sich schon lange vor Maximilian I., etwa im anglo-französischen Hundertjährigen Krieg: In den Schlachten von Crécy (1346), Poitiers (1356) und Azincourt (1415) starben französische Ritter im Pfeilhagel englischer Langbogenschützen. Bis zu zwölf Pfeile pro Minute, dazu eine hohe Durchschlagskraft selbst auf große Distanz – dagegen kannten gepanzerte Reiter zunächst kein Mittel. Zudem mangelte es ihnen an Wendigkeit, wie auch der Sieg Schweizer Bauern über habsburgische Ritter bei Sempach 1386 offenbarte. Die Adligen passten sich zwar an, verstärkten ihre Rüstungen und formierten sich mit einer Gruppe Fußkämpfer zu kleineren Kampfeinheiten. Doch wenn es gegen eine Stadt ging, konnten sie ihre Stärke nur im Umland wirklich ausspielen und – wenig heldenhaft – den gegnerischen Nachschub abschneiden sowie Schrecken verbreiten.
Falsche Vorstellungen vom Ritter
Die überraschende Diskrepanz zwischen der militärischen Wirklichkeit und unserer Vorstellung vom Rittertum lässt sich Dendorfer zufolge sogar bis zu seinen Anfängen im 11. und 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Aus vormals unfreien »Ministerialen«, wie man im frühen Mittelalter Kämpfer und Verwalter der Könige und des hohen Adels nannte, entwickelte sich durch den Kriegsdienst ein Stand des niederen Adels. Der legitimierte sich nicht zuletzt durch die Kreuzzüge ins Heilige Land – wer im Namen Gottes gegen die Heiden kämpfte, dem konnte die Kirche das Ausüben von Gewalt nicht absprechen.

Zudem entwickelte der Ritterstand einen Ehrenkodex, der Willkür oder ungezügelte Brutalität ausschloss, insbesondere gegen einen bereits unterlegenen Gegner. Überdies gebot er dem Recken, hilfsbedürftige Frauen, Witwen und Waisen zu schützen. Auf dieser Grundlage entwickelte sich eine höfische Kultur, zu der Tischsitten ebenso gehörten wie das Minnelied, außerdem spezifische Rituale wie die Schwertleite beziehungsweise später der Ritterschlag und Turniere mit ihren Gruppenkämpfen. Dieses Rittertum prägte das Selbstverständnis aller Adelsschichten bis hin zu den Monarchen.
Dass man die militärische Praxis davon unterscheiden muss, illustriert William Marshall, Earl of Pembroke, eine Ikone der Formationszeit. Als zweiter Sohn eines eher unbedeutenden Adligen war er ohne jede Aussicht auf Land und Titel geboren worden, dennoch errang William einen der höchsten Adelstitel Englands. Das ist umso erstaunlicher, als er nur selten auf einem Schlachtfeld zu finden war. Eine bald nach seinem Tod 1219 in Versen verfasste Biografie verrät aber: William bewährte sich im Dienst diverser Herren und siegte in Zweikämpfen wie in zahllosen Turnieren. Als Belohnung für diese Heldentaten gab ein Earl ihm eine Tochter zur Frau. Für den Biografen, so meinen die Freiburger, zeichnete dieser Lebensweg Marshall sogar aus: Statt sich mit Blut zu besudeln wie ein gemeiner Söldner, praktizierte er die Ideale des Rittertums. Ein weiterer Beleg für die These, dieses habe keinen maßgeblichen Anteil am militärischen Alltag gehabt.

Die Nagelprobe bildet das Studium eines Kriegsberichts: In den »Gesta Friderici Imperatoris«, den »Taten Kaiser Friedrichs«, behandeln Bischof Otto von Freising und später sein Kaplan Rahewin die ersten beiden Italienfeldzüge Friedrich Barbarossas (König 1152–1190). Dendorfer und sein Team prüfen, ob von Freising und Rahewin bei ihren Schilderungen ritterlichen Qualitäten Gewicht beimessen.

© Alamy / Historic Images (Ausschnitt)
Bild aus einem ritterlichen Turnierbuch | Um sich als Ritter zu inszenieren, war eine Teilnahme an Kriegen nicht erforderlich. Wichtiger war es, die Rituale des Rittertums zu pflegen. Dazu gehörten vor ­allem Turniere.

Nicht jeder adelige Reiter war auch ein Ritter

Mit dem Anspruch, auch oberster Richter zu sein, hatte Barbarossa ab 1154 in Konflikte zwischen italienischen Städten eingegriffen. Unter anderem nahm er, von zahlreichen Kommunen unterstützt, Partei gegen Mailand. Im Mittelpunkt vieler Episoden der »Gesta« stehen mit Helm, Harnisch, Lanze und Schwert ausgestattete und als »milites« bezeichnete adelige Reiterkrieger. Waren das also Ritter? Zwar gewinnen die »milites« Zweikämpfe und vollbringen Heldentaten, doch dergleichen berichteten die beiden Geistlichen auch von Ingenieuren und Fußknechten, wenngleich seltener. Spezifische ritterliche Tugenden oder Umgangsformen erwähnen sie keine, dafür zeitlose Heldenmerkmale wie Tapferkeit, Kühnheit und Todesmut.

Den »Gesta« zufolge hatten die gepanzerten Reiter schon zu Barbarossas Zeit Konkurrenz: Über Seiten hinweg schrieb der Bischof von Belagerungstürmen, Rammböcken, beweglichen Schutzdächern und Wurfmaschinen, Werken der kaiserlichen Ingenieure. Bezeichnend ist auch Rahewins Beschreibung der Marschfolge beim Zug gegen Mailand: Den Anfang machten »milites« und Spezialisten für die Beseitigung von Hindernissen und für den Wiederaufbau vom Feind zerstörter Brücken. Möglicherweise dienten ihnen die »milites« als Aufklärer und Geleitschutz. Es folgten die Knechte der Ritter und Fußsoldaten. Sodann marschierten diejenigen, die laut den »Gesta« beispielsweise »Maschinen zum Erobern der Stadt und andere Wurfgeräte« transportierten. Den Abschluss des Heerzugs formte die Masse der Söldner.

Dass die »milites« an der Spitze ritten, unterstreicht zwar ihren Rang, doch die Eroberung Mailands war eine Aufgabe für viele. Mehr noch, die geistlichen Autoren bewerteten die berichteten Handlungen nach ihrer militärischen Effizienz. Und da konnten Kühnheit und Wagemut – ritterliche Ideale – fehl am Platz sein, wenn sie eine Operation gefährdeten. Geriet eine Gruppe von Adligen durch unüberlegtes Vorpreschen in einen Hinterhalt, wurden die Überlebenden sogar von Barbarossa persönlich getadelt.

Aber deutet nicht die häufigere Erwähnung der von Adligen vollbrachten Heldentaten durchaus auf eine militärische Schlüsselrolle dieser Kämpfer hin – womit man wieder bei der Identifikation mit Rittern wäre? Die Freiburger Historiker winken ab. Vermutlich entstand das Werk auf Anregung und im Austausch mit dem Hof, das Publikum waren die Angehörigen der Führungsschicht. Was den beiden Geistlichen als berichtenswert erschien, war somit gesellschaftlich motiviert. Ihr Werk sollte die Feldzüge nicht dokumentieren, sondern diente einer höfischen Elite dazu, ihr Weltbild zu bestätigen. Und das verlangte nun einmal eine Heroisierung der Taten von Männern ihres Standes, mochten auch Söldner und Ingenieure die Löwenarbeit geleistet haben. Ob Lanzelot oder Prinz Eisenherz – das Rittertum war wohl von Anfang an eine gesellschaftliche Utopie. Oder wie Dendorfer es formuliert: »Schon der erste Ritter war bereits der letzte.«


Aber… und so beginnt das Nachwort von der Blogadministratorin, aber je weniger man an die Ritter glaubt, desto mehr Ritter brauchen wir. Schaut euch nur das an: