Frauenblick: Bernardine Evaristo kontra Annie Ernaux

Monika Wrzosek-Müller

Jeder kämpft um seinen Platz in der Welt; selbst die bloße Existenz beweist das. Doch in der modernen, kapitalistischen Welt ist dieser Kampf zum Sinn des Lebens geworden. Manche haben mehr Kraft, Wut, Charisma, Talent, so dass sie sich an die Spitze durchkämpfen und sich da oben dann etablieren. Das Recht des Individuums auf Eigentum, auf seinen individuellen Weg ist festgeschrieben und das wird als Erfolg gefeiert. So wundert es niemanden, dass dieser Kampf und die Karriere wichtiger werden als das Leben mit den Mitmenschen, als die Moral – umso weniger, als die Kirchen immer weniger Zulauf haben und kaum jemand sich noch als gläubig bekennt und nach religiösen Geboten lebt.

Zunehmend kämpfen auch verschiedene Teilgruppen um ihre Rechte, wahrscheinlich zurecht. Nur, müssten wir nicht immer im Kopf behalten, dass mehr Platz für mich weniger Platz für andere bedeutet – was in den laufenden Auseinandersetzungen gar nicht beachtet wird.

Für mich interessant wird es, wenn solche Kämpfe in der Literatur ausgetragen werden, wenn die Literatur gar zur Waffe des Kampfs wird.

Der erste Satz in Annie Ernauxs Rede bei der Verleihung des Nobelpreises an sie klag nach erbittertem Kampf:

j`ai écrit pour venger ma race“ – „Ich habe geschrieben, um meine Rasse zu rächen“. Was meinte sie denn damit, sie, die weiße Tochter einer weißen christlichen Mittelklassefamilie in Frankreich. Es geht nicht um ethnische Herkunft auch wenig um das Geschlecht. Viel mehr meint sie ihre „Benachteiligung“ als eine, die nicht in die Elite der herrschenden und reichen hineingeboren wurde. Und letztendlich geht es um ihren persönlichen, eigenen Kampf um den persönlichen Aufstieg. So wie ich die Bücher unserer diesjährigen Nobelpreisträgerin verstanden habe (gelesen habe ich: „Die Jahre“, „Der Platz“, „Eine Frau“), hat sie tatsächlich für sich, für ihren Platz in der Welt, in der Literaturgeschichte geschrieben. Immer wieder über sich selbst, über ihre Eltern, ihre Mutter, ihren Vater berichtet – sachlich, wenig emotional, ausführlich, auch interessant, aber nur ihre Welt fand Eingang in die Beschreibung. Auch in der gut halbstündigen Rede drehte sich alles um ihr Schreiben, ihren Weg, ihre Suche nach der geeigneten Sprache, erst ganz zum Schluss kamen allgemeinere Aussagen über die Welt um sie herum. Mich macht immer wieder diese selbstbezogene Perspektive stutzig, die Welt ausschließlich durch die eigenen Augen, aber auch durch das Prisma der eigenen Interessen zu sehen, was bei manchen Autoren fast an Narzissmus grenzt; so bei Emmanuel Carrère in seinem Buch „Yoga“, bei dem ich völlig entsetzt war, da er gerade diesen Narzissmus als den yogischen Weg kennzeichnet, wo doch das Zügeln des eigenen Ego das Hauptziel des Yogaweges sein sollte. Ist das nicht ein bisschen dürftig für große Literatur, das ständige Kreisen um sich selbst…

Ein Gegenbeispiel bot mir das Buch von Bernardine Evaristo „Mädchen, Frau, etc.“. Auf 550 Seiten beschreibt sie Schicksale und Lebenswege von 12 britischen Frauen, die alle zu den „people of colour“ gehören. Ihre Lebensläufe sind miteinander verflochten und daraus resultiert für mich die Erkenntnis der Schriftstellerin: wir sind miteinander verbunden, wir leben nicht jeder für uns allein. Die geschilderten Umstände und Ereignisse werden auch durch autobiografische Tatsachen unterbaut und unterstützt. Wenn man sich die Interviews mit der Schriftstellerin anhört, erfährt man, wie viel Parallelen es zu ihrem eigenen Leben gibt; das macht das Buch so authentisch und kraftvoll.

Es ist durchaus ein feministisches Buch, es streitet für die Rechte der „coloured“ Frauen in England. Auch wenn Sätze fallen wie: „Feminismus ist doch voll Herdennummer, hat Yazz [die Tochter der Hauptheldin] ihr erklärt, ganz ehrlich, heute ist es sogar schon durch, noch eine Frau zu sein, neulich hat bei uns an der Uni diese nicht-binäre Aktivistenperson gesprochen, M M das war der mega Eye-Opener für mich, ich denke, in Zukunft sind wir irgendwann alle nicht-binär, weder männlich noch weiblich, was ja alles sowieso nur Genderperformance ist, und das heißt dann auch, Mumsy, dass deine Frauenpolitik überflüssig wird, abgesehen davon bin ich Humanistin, das spielt sich auf einer viel höheren Ebene ab als Feminismus
Hast du davon gehört?“

Das Buch dokumentiert fast auf ethnologische Art und Weise das Leben dieser 12 Frauen, in Gesprächen, Monologen stellen sich die Frauen vor. Sie stammen aus allen Teilen der Welt; das Einzige, was sie verbindet, ist ihre dunklere Hautfarbe und, daraus folgend, ihre komplizierten Schicksale, die irgendwie zusammenhängen. Die Schriftstellerin selbst wurde in London geboren, ihr Vater stammt aus Nigeria, die Mutter war englische Grundschullehrerin, sie studierte und war am Theater tätig, inzwischen lehrt sie kreatives Schreiben an der Londoner Universität. Über die Hauptheldin, die eindeutig die Züge der Autorin trägt: „sie widmete sich ganz der Mission, sich in schwarzer Geschichte, Kultur, Politik und Feminismus weiterzubilden, entdeckte die alternativen Buchläden von London…und stöberte dort stundenlang: Geld, um sich etwas zu kaufen hatte sie nicht, las aber Home girls: A Black Feminist Anthology von vorn bis hinten durch, im Stehen und in wöchentlichen Tranchen…
Die Buchhändlerinnen schien das nicht zu stören
Als ich schließlich an einer sehr konventionellen Schauspielschule genommen wurde, da war ich lange politisiert und stellte dort alles in Frage
Als einzige Nichtweiße der Schule…“

Das Buch liefert uns aber auch ein Panorama der Zeit; da die Frauen verschiedensten gesellschaftlichen Schichten angehören, aus unterschiedlichen Familien stammen, verschiedene Berufe ausüben, erfährt man, wie sich die Beziehungen mit der Zeit verändern, wie die Probleme sich vertiefen oder auch lösen. Es ist ein Roman, der etwas sehr Warmes, Menschliches an sich hat, er erinnert uns daran, was uns zusammenhält, was wichtig für das menschliche Zusammenleben ist. Mit Humor, wirklich oft witzig und augenzwinkernd, auf keinen Fall moralisierend, schlägt auch vor, die DNA zu untersuchen, um die eigenen Identitätsprobleme zu lösen:

„als das Testpaket eintraf, gab Penelope den Anweisungen gemäß eine Speichelprobe in das Teströhrchen, schickte es mit der Post zurück…
Jüdisch, das ging noch, aber nie im Leben hätte sie damit gerechnet, Afrika in ihrer DNA zu sehen, das war der größte Schock überhaupt, der Test hielt überhaupt keine Antworten bereit, er stellte sie vor lauter neue Fragen“

Überhaupt ist das Buch so undogmatisch und ohne jegliche Ansprüche, einer Ideologie folgen zu müssen, es zeigt die ganze Ambivalenz des Lebens in der modernen Welt.

Ich kann mir den Text sehr gut als ein Bühnenstück, vorstellen; vielleicht auf einige Episoden reduziert, aber mit dieser Wucht der Authentizität und des Gelebten, direkt vorgetragen, ohne sich in die Schablonen der gerade modernen Begriffe zwingen zu lassen.

„Dr. Roland Quartey, landesweit erster Professor für Modernes Leben an der University of London
Echt jetzt? Für das ganze moderne Leben, Dad? …‘
ist das nicht, na ja, ein bisschen sehr hoch gegriffen? Musst du dafür nicht eigentlich Experte für alles sein, in einer Welt mit über sieben Milliarden Menschen und, was weiß ich, zweihundert Ländern und mehreren Sprachen und Kulturen
ist das nicht mehr so Gottes Zuständigkeitsbereich? Sag bloß, du bist neuerdings Gott, Dad? Also, so ganz offiziell? …“

So und ähnlich laufen die Gespräche, es gibt aber auch einige episch erzählte Lebensläufe, die unkonventionell und einzigartig sind. Der Roman ist wirklich wert gelesen zu werden.

Czy przemijanie jest złem – dwie książki o śmierci

Konrad

Najpierw o Zaprzeczaniu śmierci (tytuł oryginalny: The Denial of Death). Książka antropologa i psychoanalityka Ernesta Beckera. Becker w 1974 roku otrzymał za nią nagrodę Pulitzera. Jej centralna teza: w naszej podświadomości tkwi konflikt między instynktem przetrwania z jednej strony, a świadomością nieuchronności śmierci z drugiej. Konflikt ten generuje (nieuświadomiony często) lęk przed śmiercią. Podświadomość popycha nas więc ku rozwiązaniom tego konfliktu – prawdziwym lub złudnym. Ponieważ nie możemy unieśmiertelnić się biologicznie, próbujemy osiągnąć to w sferze “symbolicznej”. Zdaniem autora gros tego co robimy to właśnie takie starania – i nawet same cywilizacje są w istocie systemami, których celem jest umożliwić nam osiągnięcie wrażenia nieśmiertelności.

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Don Kichot jest wszędzie (po raz kolejny)

Ewa Maria Slaska

Uwagę tę w tytule wyrażoną tak śmiało wygłaszam raz po raz, gdy nazbiera się nowa porcja dowodów na to, że nie ma, uwierzcie mi – NIE MA, wielkiej literatury, która by się, choćby raz i mimochodem, nie odwołała do Don Kichota lub Don Kichota, lub, jak w komentarzu sugeruje Viator, do pana Kichota jako modelu. Jak tego nie czyni, nie jest wielka. Koniec, kropka.

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Emet i Met (reblog z FB)

Łukasz Szopa

Niedawno, bo kilkanaście dni temu, dałem sobie radę z Dziadami i dybukami Jarosława Kurskiego. Piszę tak świadomie – gdyż przez ¾ książki miałem niemałe problemy. Nie, nie ze stylem, kłębkiem nici przewodnich (że powiem „z niemiecka“), czy opasłością. Gdyż czyta się bardzo dobrze, wartko, płynnie.

Ale i tak – przez ponad 300 stron się z książką kłóciłem! Z początku bardziej z jej Autorem. Ale z czasem z nim jakby mniej – gdyż instynktownie czułem, że on nic za to nie może, że… książka jest jaką jest, ta historia jest jaką jest, i… robi z nim trochę co chce. A on – musi. A on – jest niemal tylko „protokolantem“, który co najwyżej próbuje dla nas, czytelników, jakoś to minimalnie spróbować ułożyć, posegregować, wytłumaczyć to i tamto… Oczywiście – niemal nadaremnie. Gdyż dla niego samego ta olbrzymia historia – to dopiero początek, namiastka kolejnych poszukiwań, odkryć, w historii, w rodzinie, wokół siebie, w sobie samym.

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Frauenblick auf Putinland

Monika Wrzosek-Müller

Putinland“ von Leonid Wolkow

Seit dem Krieg in der Ukraine versuche ich diese Aggression zu verstehen und nachzuvollziehen, wie es in Russland dazu kommen konnte, dass ein Mann, den man allgemein für eher vernünftig und eher westlich orientiert hielt, uns allen und vor allem den Ukrainern das antun konnte. Ich weiß, dass meine Mutter immer sagte (sie hat im Zweiten Weltkrieg 8 Jahre unfreiwillig in der Sowjetunion, im heutigen Kasachstan verbracht), die Russen seien eine sehr nette, für Musik und Mathematik begabte Nation, aber ungeheuerliche Chauvinisten. Das kann man schlecht als Erklärung für diese Tat stehen lassen und so lese ich rundherum, was in den Jahren in Russland passiert ist, in denen wir uns eher für alles andere interessiert haben. So kam ich auch zu diesem Buch.

Der Untertitel enthält schon eine Information über den Inhalt: Der imperiale Wahn, die russische Opposition und die Verblendung des Westens.

Die einzelnen Kapitelüberschriften geben weiteren Aufschluss:

  • Russlands „wilde Neunziger“
  • Die Errichtung der Machtvertikale
  • Widerstandsgeist und Protestbewegung
  • Bürgermeisterwahl in Moskau
  • Nach der Annexion der Krim
  • Nawalnys Präsidentschaftswahlkampf
  • Die Schlagkraft vernetzter Opposition
  • Der Giftanschlag
  • Russland überfällt die Ukraine
  • Medienmacht und Meinungsbildung
  • Angriffsziel Internet
  • Andersdenken verboten
  • Putins Oligarchen
  • Wir gehören zu Europa
  • Nach Putin: Szenarien und Hoffnungen

Der Autor Leonid Michailowitsch Wolkow, geb. 1980, war und ist ein Freund von Alexei Nawalny, für den er als IT- Experte den Wahlkampf und die Antikorruptionsstiftung organisiert hatte. Also repräsentiert er eine Stimme von innen, aus dem Bauch Russlands (er stammt aus Jekaterinburg), auch wenn er seit 2019 im Exil, in Wilna/Litauen, lebt und von dort aus die Entwicklung in Russland weiter begleitet. Das Buch wurde aus seinen Vorträgen innerhalb von drei Monaten zusammengeschrieben, das merkt man dem Text auch an, doch der Leser erfährt viel über die Entwicklung Russlands zu einer Diktatur. Nebenbei lesen wir über die oppositionelle Szene, wie sie sich entwickelte, wie sie funktionierte, was sie erreicht hat. Den Optimismus des Autors teile ich nicht, aber es ist für uns alle gut zu wissen, dass es organisierte oppositionelle Szene in Russland gibt. Wir, dabei denke ich an die Polen, wissen gut, wie lange und wie gut die Opposition damals vor der Solidarnosc-Zeit organisiert sein musste, wie viel Organisationstalent und Wissen über die Möglichkeiten des Kampfes, wieviel Ausdauer und Durchhaltevermögen es brauchte, um das Regime zu stürzen. Natürlich gab es damals kein Internet und keine entsprechenden Möglichkeiten der Vernetzung, das erleichtert jetzt vieles, vor allem die Kommunikation, ist aber nicht immer verlässlich. Der mögliche Follower brennt nicht immer wirklich und unbedingt für die Sache; ein Klick im Handy oder am Laptop bedeutet nicht, dass derjenige auch einen Beitrag leisten und entsprechend wählen geht, ganz zu schweigen von der Teilnahme an Demonstrationen und anderen Aktionen der Opposition.

Russland hat in den letzten Jahren einen massiven Ruck Richtung Mafiastaat vollzogen; Putin gleicht einem Mafiaboss und obwohl er am Anfang des Buchs als „kleine Leuchte“ beschrieben wird, konnte er dieses riesige Land total nach seiner Vorstellung umgestalten. Dasselbe erzählt in einem Interview Boris Bondarjew, ein russischer Diplomat, der sein Amt nach 20 Jahren niedergelegt hat, in der FAZ am Sonntag: „Er hat dieses Regime errichtet. Es fußt auf Korruption, und zwar auf allen Ebenen des Staates und der Gesellschaft. Alles ist auf ihn ausgerichtet. Er ist die Säule, die alles stützt. Keiner aus seinem Zirkel kann die gleiche Autorität ausüben. Ich bin mit Alexej Nawalny einer Meinung, dass man Russland als Mafiastaat beschreiben kann. Alles beruht auf informellen Beziehungen und Vereinbarungen. Ganze Ministerien oder föderale Behörden werden für Person geschaffen. Wenn Putin in den Ruhestand träte, wäre er seinem Nachfolger ausgeliefert. Er hätte keine Garantien für seine Sicherheit.“ Die Geschichte dazu erzählt das Buch; es geschah schrittweise, immer deutlicher wurden die Anzeichen, doch wir schauten nicht hin, wollten es nicht sehen. Noch klangen in unseren Ohren die verführerischen Worte wie Perestroika, Glasnost etc…, dass in Russland Gorbatschow ganz unbeliebt war, haben wir gar nicht bemerkt. Dann, als allmählich die Protestaktionen verboten wurden, später die Gouverneure nicht mehr gewählt, sondern von oben eingesetzt wurden, hat sich auch niemand besonders aufgeregt. Dann kamen die Morde an Journalisten, Politikern; die Giftanschläge und sogar die Besetzung der Krim verliefen für Putin glimpflich, das alles finden wir in dem Buch wieder. „Im Eiltempo verwandelte sich Russland von einem hybriden autoritären Regime in ein totalitäres Regime, von einer Pseudo-Demokratie in ein vollendetes faschistisches System.“ Der Schritt zum Krieg war dann ganz nah.

Der Autor liefert aber auch die Idee und den Aufbau der Organisation, die sich gegen Putin gestellt hatte; die Bildung der „Stäbe“ Nawalnys als Einheiten des Widerstands in ganz Russland und die Antikorruptionsstiftung: „Stellen wir uns die Pyramide als einen Eisberg vor, der im Meer schwimmt: die Spitze des Eisbergs ragt heraus, aber der allergrößte Teil der Eismasse befindet sich unter Wasser. Dem Kreml ist es in den vergangenen elf Jahren nicht gelungen die Protestbewegung in Russland zu vernichten.“ Aber auch horizontale Strukturen und Kommunikationsnetze wurden geschaffen, die viele Millionen Menschen verbinden.

Schön sind die Passagen über die Allmacht der Propaganda: „Der russische Fernsehzuschauer ist kein Idiot, er ist nur daran gewöhnt, in einem toxischen Informationsmilieu zu existieren. […] In der Sowjetunion gab es ein geflügeltes Wort: In der „Iswestija“ gibt es keine Wahrheit, in der „Prawda“ keine Nachrichten („Iswestija“ bedeutet Nachrichten, „Prawda“ Wahrheit- beides die wichtigsten Zeitungen Russlands). […] Und dass die neue Propaganda keinen Deut besser ist als die alte sowjetische, wissen sie auch. Das Problem ist, dass die Skrupellosigkeit und Maßlosigkeit der neuen russischen Propaganda ihr Vorstellungsvermögen schlicht übersteigt. Jeder Mensch kann nur so weit blicken, wie sein eigener Horizont reicht… Wenn heute dem russischen Fernsehzuschauer rund um die Uhr Horrorgeschichten von den blutrünstigen Nazis in der Ukraine erzählt werden, die Kinder bei lebendigem Leib auffressen, dann findet in seinem Kopf genau dieser Denkmechanismus statt. Natürlich glaubt er nicht wörtlich, was man ihm da erzählt, er weiß ja, dass er belogen wird, ein bisschen vielleicht, oder ein bisschen mehr, egal, aber doch nicht ganz und gar. Soviel er auch abzieht und herunterrechnet, am Ende bleibt ein kleiner Rest, den er glaubt. Er denkt, na gut, das mit dem Kinderfressen muss wohl stimmen, aber bestimmt nicht roh, wahrscheinlich werden sie sie vorher kochen oder wenigstens anbraten.“

Dem Ausblick in die Zukunft, die nach Putin kommen wird, widmet der Autor ein Kapitel: Szenarien und Hoffnungen. Die wichtigste Erkenntnis für mich war, dass der Putinismus Putin nicht überleben wird. „Das System, das Putin errichtet hat, kann er niemandem vererben, es ist absolut personalisiert.“ Also ist die erste Möglichkeit einer Veränderung der Tod des Diktators; es wird Kämpfe um seine Nachfolge geben, ein mögliches Interregnum auch. Ein anderes Szenario wäre ein Aufstand der Eliten, seiner Oligarchen, die nicht mehr genug verdienen, also eine Palastrevolution. Die dritte Möglichkeit ist der Massenprotest, wenn der Leidensdruck zu groß wird, zu viele Soldaten sterben, ihre Mütter es nicht mehr ertragen können. Das könnte in einen Bürgerkrieg ausufern, nur, was erlaubt uns bei all den schrecklichen Szenarien optimistisch zu bleiben? Um mit Nawalny zu sprechen, „to see the bigger picture“. Für den Autor bleibt der Ukrainekrieg nicht nur ein Horror, er hat neue und einzigartige Wege eröffnet zur Lösung von alten Problemen. Der Wandel Russlands zu einer Demokratie ist durch den Krieg viel realistischer geworden. Denn es muss eine Reinigung und Neuausrichtung des Landes geben, die Aufarbeitung und Aufklärung aller Verbrechen. Russland muss seine Lektion lernen, es gibt keine andere Option und das berechtigt uns zum Optimismus. Wichtig erscheint auch dem Autor, wie die Ära Putin endet; am besten wäre, wenn er vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Hag gestellt werden könnte, dann kämen alle seine Verbrechen und Taten ans Licht, es könnte sich kein Mythos des großen russischen Helden bilden.

Leider befinden wir uns heutzutage immer noch nicht an diesem Punkt der Geschichte und viele Menschen in der Ukraine sterben, die Städte werden bombardiert und irgendwie weiß niemand, wo, wann und wie diese Geschichte enden wird.

Proust and his (no)madeleine… (reblog for an anniversary of his death)

In search of lost toast: Paris show reveals origins of Proust’s madeleines

Thanks to Konrad for finding that text and producing some pictures

Previous versions of French novel featured stale bread, toast and biscuit as trigger for author’s childhood memories

Proust's pages with drawings and writing
The exhibition traces the meticulous process through which Proust produced his monumental seven-volume novel. Photograph: supplied

Kim Willsher in Paris Mon 10 Oct 2022

Before Marcel Proust went into raptures over his petites madeleines he was waxing lyrical over a rusk-like biscuit and before that a piece of stale bread. The “episode of the madeleines” as it became known, is one of the most celebrated events in his seminal work À la Recherche du Temps Perdu (In Search of Lost Time), encapsulating its theme of involuntary memory.

Over the space of two years, however, the passage started with a very different flavour as the French author wrote various versions of his childhood recollection.

In 1907 when he was working on the first volume, Swann’s Way, it was the dunking of pain rassisa piece of stale bread, into tea that provoked his elation. In the next version, it had become pain grillé, or toastthen some time around 1908 it was a biscotte, a kind of hard biscuit.

The rest, of course, is literary history.

In the end, Proust settled on “those short, plump little cakes … which look as though they had been moulded in the fluted scallop of a pilgrim’s shell” to evoke the crumbs dipped in lime-flower tea his Aunt Léonie would feed him as a boy.

Madeleines.
Madeleines. Photograph: Hera Food/Alamy

A new exhibition to mark the 100th anniversary of the writer’s death opens in Paris and traces the meticulous process through which Proust produced his monumental seven-volume novel – the first tome of which appeared in 1913 and the last in 1937.

On display are almost 350 items; including never-before-seen documents, manuscripts, photographs, paintings, objects and costumes tracing and illustrating Proust’s creative process at the time he was writing from the late 19th century until his death in 1922.

Proust preferred to write with a fountain pen in bed, which was just as well as he was frequently ailing and spent the last three years of his life mostly confined to his bedroom, where he slept during the day and worked at night.

Among the most extraordinary exhibits at the François Mitterrand Library – part of the French National Library – are the many notebooks he filled with fluid and almost illegible cursive writing; the rough drafts on loose sheets of yellowing lined paper torn from those same books and the dozens of pages of handwritten and typed manuscripts, as well as publisher’s proof editions filled with editing marks, annotations and revisions.

They reveal a writer who was pedantic and a perfectionist; a tireless editor and reviser of his own work who would toil over a single word, whole sentences and even entire pages struck through with edits scrawled in the top, bottom and side margins. In a pre-computer version of cut-and-paste, Proust would physically cut out large passages of handwritten or typed text and glue them elsewhere.

Portrait of Marcel Proust by Jacques-Emile Blanche (1861-1942).
Portrait of Marcel Proust by Jacques-Emile Blanche (1861-1942). Photograph: Hervé Lewandowski/supplied

Even the first sentence of the first volume, Swann’s Way, that has become one of the most instantly recognisable novel openings: Longtemps, je me suis couché de bonne heure (For a long time, I went to bed early) was written, mulled over, crossed out, then reinstated.

Nathalie Mauriac, one of the exhibition curators, said it had been “very complicated” to follow the order of Proust’s writing. “He wrote the first and last volume at almost the same time and made multiple changes in the organisation of the work,” she said.

“There is something disproportionate in the scope of Proust’s work, as evidenced by the very materiality of his manuscripts, starting with the famous paperoles (paper drafts), those accordions of fragments of paper folded and pasted into his notebooks.”

She said the huge number of corrected and changed manuscripts, and proofs were “very Proust” and were evidence of “the enormous amount of work he put into each book… and the evolution of each”.

In Search of Lost Time is a fictional autobiography in which Proust mirrors his own life, recounting it as a young boy and as an older man recalling his youth. A central theme is the role of memory and the notion that experiences are not lost but remain in the unconscious. The seven volumes eventually ran to more than 3,200 pages and featured more than 2,000 different characters, but the first was refused by several publishers forcing Proust to publish it at his own expense with Grasset. The work is frequently listed among the greatest books of all time.

“Proust was the greatest novelist of the 20th century, just as Tolstoy was in the 19th,” wrote the English novelist Graham Greene.

To the delight of literary historians, Proust kept most of his manuscripts. He was working on and revising the last three tomes of the novel the night before his death on the 18 November 1922, when he died of pneumonia and a pulmonary abscess, aged 50. His work and documents passed to his brother Robert, who ensured the posthumous publication of the three books – and in 1962 Robert’s daughter Suzy Mante-Proust handed all the documents to France’s National Library.

Proust is buried at the Père Lachaise cemetery in Paris.

  • The exhibition at the François Mitterrand Library runs until 22 January 2023.

Foto: EMS


Konrad using the AI-Program DALL-E produced some pictures for the topic Proust and his (no)madeleine… Actually you can say, the program knows exactly what madeleine is (a woman AND a cake) but is ignorant in the question, who is Proust (a man AND a writer). Anyway a wonder!

„ein herrlicher tag für bananenfische“ & Lesehaiku

Johanna Rubinroth

meine mutter lackierte sich gerade die nägel. das telefon klingelte. sie stand auf, und seufzte auf dem weg zum telefon: „ach, ich kann das nicht so wie sie, das telefon klingeln lassen, wenn ich mir die nägel lackiere, ich lasse mich stören, und hebe ab“. nach ihrem gespräch, fragte ich: 

–       mama, wen meinst du? 

–       ach, du weisst doch.

–       nein, ich erinnere mich nicht.

–       doch, doch du kennst sie.

–       deine freundin britta?

–       nein! 

–       deine schwester? 

–       nein!

ich nannte noch weitere 5 frauen, die sich die nägel lackieren.

–       mama, ich kenne keine frau, die das telefon klingeln lässt!

–       doch, doch du kennst sie. 

sie meinte muriel, aus salingers „ein herrlicher tag für bananenfische“. 

***

Rysunki z sieci. Dziękujemy.

Frauenblick: Pflaumenregen

Monika Wrzosek-Müller

Pflaumenregen von Stephan Thome

Das Buch sollte mir eine Atem- oder eher Denkpause bei meinen obsessiven Gedankengängen über den Ukrainekrieg bieten und auch davon ablenken. Es erzählt von Taiwan, es erzählt ausführlich und gut über die Insel, über ihre Geschichte, über die Menschen, die dort leben.

Ich wusste vorher eigentlich so gut wie nichts darüber; geografisch wohl schon – dass die Insel nahe an China, aber auch nicht sehr weit entfernt von den südlichen Inseln Japans liegt und bergig ist; dagegen über ihr Schicksal und die geschichtlichen Verwicklungen wirklich sehr wenig. Leider gehört die Insel, wie die östlichen Staaten von Europa zu den Grenzländern; d.h. Appetit auf ihr Territorium gab es im Geschichtsrad der Jahrhunderte auf vielen Seiten.

Trotzdem oder gerade deswegen ist Taiwan eigentlich immer wieder im Zentrum der zeitgenössischen politischen Auseinandersetzungen. Unlängst sorgte die amerikanische Abgeordnete der Demokraten und Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi durch ihren Besuch in Taiwan für Schlagzeilen. Als Reaktion darauf startete China militärische Manöver rund um die Insel und bekräftigte seinen Besitzanspruch auf die Insel. Dasselbe passierte jetzt wieder, als eine Delegation deutscher Abgeordneter nach Taipeh reiste. So gesehen ist das Thema Taiwan höchst aktuell, brisant und könnte in diesem Sinn dem Problem Ukraine nahekommen.

Wenn wir noch sehen, dass der Autor ein deutscher Sinologe und Wissenschaftler ist, der schon seit 12 Jahren dort lebt und eine taiwanische Frau hat, fassen wir Vertrauen, dass dies nicht nur ein literarisch wirklich gelungener Familienroman ist, sondern dieser auch auf solidem historischen Wissen beruht. Der Autor erläutert, dass er viele der Schauplätze selbst aufgesucht hat; es gibt sie wirklich. Über die Ereignisse in der Zeit um 1940 musste er gründlich recherchieren; er arbeitete ungefähr drei Jahre an dem Projekt. Der Roman handelt von der Geschichte einer Familie in drei Generationen; in dieser Zeit änderten sich die Machtverhältnisse in Taiwan dreimal. Dankenswerter Weise bietet der Autor dem unkundigen Leser vorab eine Art Einführung in die Geschichte der Insel.

„In den Jahren 1894/95 führten das chinesische und das japanische Kaiserreich einen Krieg, der die Kräfteverhältnisse in Ostasien von Grund auf neue ordnete. China verlor und musste seine Provinz Taiwan als Kolonie an den Sieger abtreten. Zunächst lebten die Inselbewohner in einer Art Apartheid avant la lettre, aber mit der Zeit entstand eine einheimische Mittelschicht, die sich in ihren Lebensgewohnheiten kaum von den Kolonialherren unterschied, obwohl sie diesen niemals gleichgestellt war. Nach dem Ausbruch des Pazifischen Kriegs wurde die Tendenz zur Assimilierung vonseiten Japans noch verstärkt. Viele junge Taiwaner, insbesondere Angehörige der indigenen Bevölkerung, kamen als japanische Soldaten ums Leben. 1945 fiel Taiwan zurück an die chinesischen Nationalisten (Kuomintang oder KMT) unter Generalissimus Chiang Kaishek. Diese hatten acht Jahre lang gegen Japan gekämpft und reagierten mit Abscheu auf die japanisierte Lebensweise ihrer vermeintlichen Landsleute. Umgekehrt führte ihr aggressives Auftreten zu Widerstand, der sich im Frühjahr 1947 gewaltsam entlud und anschließend grausam niedergeschlagen wurde: durch willkürliche Verhaftungen und Exekutionen, die als `März-Massaker`, später mit dem Kürzel 228 (für 28. Februar, den Beginn der Unruhen) bezeichnet wurden. Nach der Niederlage gegen Chinas Kommunisten zog sich die KMT 1949 ganz nach Taiwan zurück und verwandelte die Insel in einen autoritären Polizeistaat. Das Kriegsrecht wurde erst 1987 aufgehoben. 1996 fanden erstmals freie Präsidentschaftswahlen statt. Heute ist Taiwan eine ebenso lebendige wie gefährdete Demokratie, denn das Regime in Peking betrachtet die Insel – die nie zur Volksrepublik gehört hat – als einen Teil seines Staatsgebiets und strebt eine notfalls gewaltsame Vereinigung an. In Taiwan will das so gut wie niemand.“

Wir lernen die Hauptheldin, die junge Umeko mit 8 Jahren kennen, als sie noch in die japanische Schule geht, als Tochter einer taiwanischen Mittelschichtsfamilie, die sich mit der japanischen Okkupation arrangiert hat. Das Leben ist sehr geregelt, die Kinder tragen Uniformen, alles scheint voranzuschreiten ohne größere Probleme. Ihr Bruder Keiji spielt hervorragend Baseball und wird deshalb in eine weiterführende japanische Schule aufgenommen; für gebürtige Taiwaner ein besonderes Privileg. Doch aus den Äußerungen der Zuschauer bei einem Baseball-Spiel im Stadion lernen wir, wie die Einstellung der taiwanischen Bevölkerung zu den Japanern ist: „Jemand rief auf Taiwanisch: – Los geht´s! Zeigt es den arroganten Japsen!“ Aber die junge Umeko hat eine japanische Lieblingslehrerin und träumt von einer Reise nach Kyoto; doch schon bald wird sie gezwungen ihren japanischen Namen zu ändern und sich Hsiao Mei nennen zu lassen – nach der Landung der Festlandslandchinesen; zum Schluss erleben wir sie als alte Dame, die einen Sohn namens Harry und einen chinesischen Ehemann hat, und sich in einem sehr sorgfältig arrangierten Leben bewegt. Ihr Sohn lebt inzwischen in Amerika und besucht seinerseits die Insel mit seinem Sohn.

Er reflektiert über die Mutter: „Als Kind war sie angeblich ein unbändiges Plappermaul, […] Die stolze Japanerin, die sie einmal gewesen ist, kann er sich bis heute schwer vorstellen, obwohl Onkel Keiji ihm vor seinem Tod alte Briefe gegeben hat, deren früheste noch aus der Kriegszeit stammen. Wenn einer was damit anfangen kann, dann du, meinte er – inzwischen glaubt er das selbst. Die kleine Umeko war seinerzeit zu jung, um die Kräfte zu verstehen, die ihre vertraute Welt bald zerstören sollten. Erst kamen britische Kriegsgefangene, dann amerikanische Bomber, später die Festländer mit Gewehren im Anschlag. Schon in jungen Jahren muss ihr klargeworden sein – klargemacht worden sein -, wie gefährlich es ist, im falschen Moment den Mund zu öffnen. Darüber sprechen mag sie noch immer nicht. Dinge passieren eben, pflegt sie zu sagen, wenn er nachbohrt. Sicher ist nur, sie hat ihre Lektion gelernt.“

Vielleicht ist die Bezeichnung Hauptheldin auch nicht richtig, denn der Autor gibt uns ein Kaleidoskop von Figuren, Personen, an Hand derer wir die Geschicke des Landes erfahren. Dabei spielen vielleicht die Fragen: wie verhält es sich mit der persönlichen und der nationalen Identität, was bringt die Menschen zusammen, was trennt sie, wo spielen sie mit, wie arrangieren sie sich, wann gehen sie auf die Barrikaden, eine wichtigere Rolle, als die Ereignisse selbst. Obwohl wir so viel über die Geschichte der Insel erfahren, wirken die darin agierenden Helden nicht schemenhaft, sie sind voller Leben und Emotionen, sie wirken authentisch und stark. Vielleicht hilft dabei der ständige Wechsel der Perspektiven und der Narration; die Einschnitte zwischen der Vergangenheit und Gegenwart lassen den Erzählstrom sich nicht nur auf die geschichtliche Chronologie konzentrieren, sondern heben auch die einzelnen Charaktere und Persönlichkeiten hervor, dadurch gewinnt ihr Leben an Buntheit aber auch an Bedeutung und Echtheit; wie ein großer Fächer breitet, öffnet sich das Panorama des Lebens dort.

„Allmählich erwacht die Stadt zum Leben. Im Fenster steht ein farbloser Himmel, der sich für später alle Optionen offenhält. Bevor die Konflikte eskalierten, hatte seine Mutter eine Weile im Haus des Großvaters gelebt, den Harry nur von einer Handvoll alter Fotos kennt. Ein konfuzianischer Gelehrter, der in der Qing-Zeit aufgewachsen war, als die Japaner alle chinesischen Schulen schlossen, auch seine. Den Tempeln seiner Stadt spendete er viel Geld und scheint ein weithin respektierter Mann gewesen zu sein, der an den Sitten einer untergehenden Welt festhielt. Seine Frau hatte gebundene Füße. Manche in der Familie nannten sie schweigsam, andere behaupteten, sie sei ganz und gar stumm gewesen. So oder so, Frauen hatten nichts zu sagen. Von Jinguashi nach Keelung war es bloß ein Katzensprung, aber für die elfjährige Umeko – und nicht nur für sie – muss es sich angefühlt haben, als wäre sie in ein fremdes Land verbannt worden“.

Gut, dass ein sensibler Schriftsteller den Geschichten der Einheimischen so aufmerksam zuhören konnte und sie dann aufgeschrieben, festgehalten hat. Er versteht es auch bestens, dem westlichen, dem europäischen Leser dieses komplizierte, verwinkelte Leben zu veranschaulichen, eine besondere Poetik hineineinzubringen, es für uns schmackhaft zu machen. Die Beschreibungen der Natur auf der Insel, mit den hohen Bergen, das Meer mit dem Wellengang, der Himmel mal mit tiefen Regenwolken, mal stahlblau, die Blüten, all die Pflanzen, die Bäume und der Bambus überall spielen eine genauso wichtige Rolle wie die darin agierenden Menschen, sie tragen die Stimmung und unterstreichen die Emotionen. Das Leben auf der Insel scheint einem nie einfach gewesen zu sein, eher sehr aufgeladen und ungewöhnlich, in all den Veränderungen und Umstellungen. In dem Roman geht es um eine Familie, doch man hat den Eindruck, alles wäre miteinander verknüpft, verwickelt, keine Geschichte wäre eindeutig und klar, überall würden Geheimnisse und Zugeständnisse an das eigene Leben, an das Leben mit der Familie, an die Politik warten, alles würde eine Kette, eine sich weiterdrehende Spirale des Lebens bilden. Man könnte sagen, eben das Leben pur.

Das Buch endet mit dem Titel: „Am Himmel ballen sich dichte Wolken, Wind fährt durch die Bäume und auf einmal klingt das Rauschen der Blätter, als fiele leicht und leise der Pflaumenregen“.

Frauenblick oder…

Monika Wrzosek-Müller

…nochmal über Emmanuel Carrère

An mir nagt das Gefühl, jemandem Unrecht getan zu haben. Ich habe Emmanuel Carrères Buch Yoga hier zerrissen, ohne mich über seine anderen Werke und über seine Person gründlicher informiert zu haben. So fühle ich mich verpflichtet, seine außergewöhnliche Biographie eines russischen – ja nun, wie soll man sagen – Schriftstellers, Terroristen, auf jeden Fall eines Typen, der alle Grenzen überschritt, die Begriffe aufmischte, sein Leben immer wieder neu erfand und in den jeweiligen Rollen auch exzellent auftrat, eher eines Delinquenten als Dissidenten, nämlich über Eduard Limonow, zu würdigen und zu empfehlen. Es geht hier um Eduard Venjaminowitsch Sawenko, der sich selbst Limonow nannte, geb. 1943 in der Ukraine, in der Nähe von Charkiw, gest., 2020 in Moskau.

Natürlich gewinnt die Biografie jetzt, nach dem brutalen Angriff Russlands auf die Ukraine, eine besondere Aktualität und Scharfsicht. Hätten wir mehr solche Bücher gelesen, dann wüsten wir besser über Russland, über die Zerrissenheit der Einwohner dieses riesigen Landes, über ihre Gefühls- und Emotionslage Bescheid. Dass sie die Perestroika und Glasnost nicht immer begrüßt haben und dass es oft im Innern kochte und Widerstände gab.

Für mich ist faszinierend, wie nah der Autor eigentlich seinem Helden ist: ähnlich egozentrisch und auf sich fixiert. Das ist auch, was ihn an der Figur, an dem Menschen Limonow fesselt. Auch die Tatsache, dass er in seinen fast ausschließlich autobiografischen Büchern „ehrlich bis zur Ekstase“ ist. Da ähneln sich die beiden Helden sehr, doch lebt Carrère seine Sehnsüchte und Träume nicht so exzessiv aus. Als Sohn einer französischen, aber russischstämmigen Historikerin, Helene Carrère d´Encausse, die als eine der ersten den Untergang und Zerfall der Sowjetunion vorhersagte, hatte er schon einen besonderen Zugang zu dem Land. Limonow selbst traf er in den 80er Jahren auch persönlich in Paris; der Autor, als junger Spund, nahm damals alles in sich auf – das intellektuelle Leben der französischen Elite; das Sich-Treffen, Mischen, Austauschen, Feiern. Über den Limonow jener Tage schreibt er: „Die Freiheit seines ganzen Auftretens und seine abenteuerliche Vergangenheit imponierten uns jungen Bürgerlichen. […] Er liebte Prügeleien und hatte unglaublichen Erfolg bei Frauen.“ Der Held des Buchs, Limonow, damals in Paris gefeierter Skandalautor, gerade aus New York angekommen, und sein Buch Fuck off, Amerika, gerade auf Französisch erschienen. Ich denke, das ist auch das, was das Buch so lebendig und unterhaltsam macht. Der Autor schwankt bei der Figur zwischen Begeisterung und Ekel, sie zieht ihn an und stößt ab; er beschreibt dabei auch manchmal sich selbst, und während wir das lesen, unterliegen wir auch diesen Schwankungen, das macht auf jeden Fall den Text authentisch und überaus spannend.

Erst viel später, 2007, fährt Carrère nach Moskau, um eine Reportage über Limonow zu machen; er trifft jetzt viele Oppositionelle, die erstaunlich positiv über Limonow sprechen: „Er ist mutig!“, das ist der Tenor. Deswegen fängt auch die Biografie damit an, dass er mit den Leuten um Anna Politkowskaja sprechen will, um die Umstände ihres Todes aufzuklären, und wir lernen eine breite Szene von Moskauer Menschenrechtsaktivisten kennen; da tummelt sich dann auch der ihm schon bekannte Limonow. Schön ist auch das Eingeständnis des Autors, dass sein Held in keine eindeutige Beschreibung passt und dass „sein new wave-artiges Dissidententum erfrischend war“; er schreibt die Biografie auch anhand von dessen Büchern, interviewt ihn eigentlich nie. Er sammelt Informationen über ihn von anderen Menschen, er führte mit über dreißig Personen Gespräche über Limonow.

Der Lebenslauf des inzwischen verstorbenen Helden liest sich wie ein Krimi und ist wirklich voller Überraschungen und Wenden, die eigentlich nicht in ein „normales“ Leben reinpassen, so prall ist es gefüllt. Geboren wurde also er irgendwo in der Nähe von Charkiw; da schon als herumlungernder Poet aufgefallen, geht er nach Moskau, wo er eigentlich studieren will, aber hauptsächlich rebelliert, für Bekannte aus der Szene Hosen schneidert und gut lebt. Dann wird er 1974 aus der UdSSR ausgewiesen, heiratet ein Model und geht zusammen mit ihr nach Amerika, wo er hofft, eine große Kariere zu machen. Er gerät aber in Umstände, die alles andere als rosig sind und die er dann in dem Buch It´s Me, Eddie (auf Deutsch ziemlich schräg übersetzt als Fuck off, Amerika) beschreibt; er wird zum Dissidenten gegen das Dissidententum. So verhält er sich aber sein Leben lang. Mit seinem Buch landet er in Paris und wird dort gefeiert, kann in den besten Zeitschriften und Verlagen veröffentlichen; aber dieses bequeme bürgerlich-intellektuelle Leben passt ihm nicht und so verschwindet er dann wieder nach Moskau, wo nach dem Zusammenbruch des Kommunismus „die Dinge in eine seltsame Richtung zu laufen begannen“. Er verschwindet auf den Balkan, wo er an der Seite von Radovan Karadzic (wie der bekannte polnische Filmregisseur Pawel Pawlikowski in einem Dokumentarfilm „Serbisches Epos“ gezeigt hat), eindeutig für die Serben optiert und sogar auf Menschen im belagerten Sarajevo schießt. Entsprechend setzt er sich später für die Tschetschenen ein, dann in Abchasien gegen die Georgier, und letztendlich wird er 2001 verhaftet und verbringt einige Jahre im Gefängnis, die er auch produktiv nutzt – wo er Bücher schreibt und meditieren lernt. Dazwischen gründet er die Nationalbolschewistische Partei, gibt die Zeitschrift „Limonka“ – die Handgranate – heraus. Er umgibt sich zunächst mit Punks, dann mit faschistoiden Typen, Elementen, die mit kahlrasierten Schädeln und schwarzer Kleidung mit erhobenem Arm, oder aber auch geschlossenen Faust skandierend durch die Straßen Moskaus ziehen. Das alles tut er aber sozusagen augenzwinkernd; gleichzeitig verbandelt er sich auch mit Garri Kasparow und Boris Nemtsow gegen Putin, organisiert sogar „Märsche der Dissidenten“; auf jeden Fall ist er immer ein Star und starker Typ, immer umgeben von Frauen, immer ein Extremist, nie in Ruhe, auch nicht in der Abgeschiedenheit, in der tiefsten Provinz. Er meint, Krieg sei ein existenzielles literarisches Erlebnis und Extremismus seine persönliche Wahrhaftigkeit.

Das Buch erzählt von Limonow, aber auch von Russland und von dem Autor selbst, von dem Durcheinander und der Schnelligkeit der Ereignisse, die diese Zeit bestimmt haben, von den Wechselwirkung des Schicksals einer Persönlichkeit mit den Geschehnissen rundherum, und da sich das so leicht und beschwingt liest, meint man manchmal, es könnte erfunden sein. Am Schluss des Buches sprechen Carrère und Limonow doch direkt miteinander. Limonow: „Ich liebe den Irrsinn. Mein ganzes Leben beweist das. Ich kultiviere nicht Logik, sondern Ekstase. Meine morbiden Empfindungen verschaffen mir Freude“; da kommt es Carrère die Einsicht: „Ich denke, er könnte eine Art Guru in Zentralasien werden“.

Don Kichot? Nie, Pierre Menard. Ach, nie – Jorge Louis Borges. Ale też nie, bo tak naprawdę…

Angelika Murawska
przedruk artykułu opublikowanego na stronie internetowej Akademia

„Pierre Menard, autor Don Kichota”. Technika zamierzonego anachronizmu i
błędnych atrybucji.


Dzięki zabiegowi intertekstualności w utworze Borges’a przestaje obowiązywać naturalny porządek rzeczy i pojawia się miejsce dla innych dopuszczalnych interpretacji. Utwór wykracza nie tylko granice różnorodnego odbioru dzieła, ale także oczekiwania czytelników co do zastosowanych technik.
„Przestrzeń hipertekstu jest (…) przestrzenią, w której przestają obowiązywać i tak arbitralne prawa, których dotkliwy wpływ na nasze życie obserwujemy na każdym kroku.” (Pisarski, Ja tu a ty tam 2004) Jednak eksperyment autora idzie dalej. Użycie techniki zamierzonego anachronizmu i błędnych atrybucji sprawia, że czytelnik przestaje patrzeć na dzieło dosłownie, jest zmuszony do głębszych przemyśleń w różnych kontekstach: literatury, historii czy tradycji.
Główny bohater kreuje dzieło widzialne przez odtworzenie dzieła Cervantesa. Powstają fragmenty, które są pozornie identyczne z hypotekstem. Jest początek wieku XX. Menard postanawia nie tyle przełożyć dzieło Hiszpana, co napisać je „od nowa”. Stawia sobie jednak warunek, że posiądzie najpierw całą wiedzę autora książki z XVII wieku. Osiąga on swój zamierzony cel, jego własne dzieło jest identyczne z tekstem pierwotnym. Utwory są zgodne co do przecinka i kropki nad „i”. Całe zdarzenie jest relacjonowane przez narratora, który ma wgląd do tych dzieł i na swój własny sposób dokonuje ich interpretacji.
Czytelnik ma z początku wrażenie, że powstaje nowy utwór. Kluczowa jest jednak analiza narratora, który w pewien sposób naprowadza odbiorcę na właściwy trop przez porównanie stylów i przytoczone fragmenty.
Relacja narratora jest wyrazem użycia techniki błędnych atrybucji. To dzięki niemu i jego trafnym komentarzom na temat obydwu tekstów autorowi przypisane jest to, że napisał dzieło bardziej wartościowe od Cervantesa, gdyż jest to dzieło bardziej świadome. Co więcej, wychwala on czyn Menarda, który „postanowił wyprzedzić bezużyteczność” i urozmaicił sztukę lektury, zezwalając na przenoszenie się w czasie rzeczywistym.
W opowiadaniu wszystko dzieje się na przekór namacalnemu porządkowi. Język utworu niegdyś współczesny staje się archaiczny, powstaje nowe dzieło, nowe doświadczenia mają miejsce, nowe interpretacje pojawiają się: powtórzona przez Menarda wypowiedź Don Kichota „przeciwko literaturze na korzyść broni” zyskała nowe znaczenie i była rozpatrywana przez baronową da Bacourt w kontekście filozofii Nietzschego.
Wprowadzenie techniki zamierzonego anachronizmu jest interesującym literackim chwytem Borges’a. Dzięki niej czytelnik może spojrzeć na „Don Kichota” poprzez doświadczenia Menarda. Pojawia się ona już na poziomie języka kiedy cytowane jest dzieło Cervantesa, ale także dotyczy samego faktu, że ten utwór pojawia się w XX w. Absurdalny zamiar nabrał sensu ze względu na przepaść czasową dzielącą obydwóch twórców. Najpierw Menard chciał się nauczyć siedemnastowiecznej hiszpańszczyzny i zapomnieć historię Europy od 1602 do 1918 roku. Jednak doszedł do wniosku, że uwłacza to jemu jak pisarzowi i obniża jego wartość. Chciał stać się Cervantesem, ale to było zbyt wymagające, posiadał zbyt małą wiedzę. Wolał pozostać Menardem i z całym swym intelektualnym dorobkiem „dojść” do „Don Kichota”.
Trafna jest uwaga narratora, który mógłby być traktowany jako recenzent pracy Menarda. Otóż, zaznacza on dosyć często w swych wywodach, że jego tekst wydaje się bogatszy od oryginału, ponieważ każde jego zdanie zawiera aluzję do przyszłych wydarzeń, o których Cervantes nie miał pojęcia cztery stulecia wcześniej.
Myślę, że obłęd i ucieczka przed światem i odpowiedzialnością często przypisywana Cervantesowi, przeistacza się dzięki Menardowi w świadomy wybór. Jest odzwierciedleniem „zajęcia umysłowego” i czytelnik jak Menard jest w stanie rozważać historię. „Don Kichot” w wykonaniu Menarda jest dziełem bardziej świadomym.
Tak jak wspomniałam już na początku intertekstualność w utworze Borges’a tworzy nowy porządek rzeczy i pojawia się miejsce dla innych dopuszczalnych interpretacji. „Don Kichot uosabiał rozdźwięk pomiędzy szlachetnością intencji, a niestosownością ich realizacji oraz pomiędzy subiektywnym poczuciem znaczenia a społeczną bezużytecznością, wynikającą z oderwania od swoich czasów i anachronizmu” /Wikipedia/.
Czy tak samo można traktować „Don Kichota” z XX wieku? Czy kontekst historyczny wpływa na jego interpretację? Wg Cervantesa historia jest nauką badającą rzeczywistość, natomiast dla Menarda jest to już „źródło rzeczywistości”, będące swoistym punktem odniesienia. Wszystko ulega relatywizacji włącznie z przygodami Don Kichota.
Dzięki inteligentnemu eksperymentowi Borges chciałby przybliżyć czytelnikowi jego moc nad interpretacją tekstu oraz wpływ różnych kontekstów na odbiór dzieła, czy to historycznych, kulturalnych czy tradycyjnych. Użycie wyżej wspomnianych i pokrótce tu omówionych technik „zaludnia przygodami najspokojniejsze utwory”. Dzieła mogą być dla jednych „widzialne” w pewien sposób, a dla innych odbiorców „widzialne” inaczej.
Pierre Menard stworzył dzieło widzialne na miarę swoich możliwości intelektualnych, gotowości do interpretacji i otwartości umysłu, na które wpłynęły jego doświadczenia życiowe. Każdy z nas ciągle to robi, biorąc do ręki jakąkolwiek książkę i mniemam, że według Borges’a ten proces jest nieunikniony.
Z drugiej strony, można to rozpatrywać oczami autora, który stoi przed możliwością powtarzania pewnych archetypów, wzorów czy języka w swych nowo powstających dziełach i jest to proces, który dzieje się bardzo często, ponieważ: „(…) zbieranie dawnych i cudzych myśli, wspominanie z niedowierzaniem tego, co pomyślał doctor universalis, to wyznawanie naszej bezsilności czy naszego barbarzyństwa.”


Sam tekst Borgesa przedrukowałam już dawno temu TU.


Niedawno wiadomo kto (Arkadiusz Łuba) podesłał mi świetny portret Salmana Rushdie jako Don Kichota. Gdy zajrzałam do internetu, stwierdziłam, że autor, Fernando Vicente, zresztą artysta niezwykle płodny, wielokrotnie w swej twórczości portretował Rycerza Smętnego Oblicza. Tu kilka przykładów znalezionych w sieci: