Reblog: Lyrische und drastische

Urszula Usakowska-Wolff

Feministische Kunst aus Indien

Die in der Ausstellung »Facing India« gezeigte Kunst ist ohne Zweifel feministisch, politisch und engagiert. Aber unabhängig davon, wie man sie nennt, ist es eine Kunst, die äußerst suggestiv wirkt und lange im Gedächtnis bleibt. Der Einfallsreichtum, das Wissen und der Weitblick der Künstlerinnen, die Dynamik und Energie, mit der sie ihre perfekt ausgeführten Werke realisieren, die Vielzahl von Techniken, Materialien und überraschenden Lösungen kommen in allen Arbeiten, die im Erdgeschoss des Kunstmuseums Wolfsburg präsentiert werden, zum Ausdruck.


Reena Saini Kallat, Woven Chronicle

Die von mehr als 1,3 Milliarden Menschen bewohnte Republik Indien ist die bevölkerungsstärkste Demokratie der Welt. Dieses riesige Land, das den größten Teil des südasiatischen Subkontinents einnimmt, ist ein nationales, religiöses und sprachliches Konglomerat voller Kontraste. Es gibt dort extreme Armut und unvorstellbaren Reichtum, das Kastensystem ist vor allem in ländlichen Gebieten gang und gäbe. Trotz der in der Verfassung verbrieften Gleichberechtigung ist die Situation der Frauen tragisch: Sie werden erniedrigt, vergewaltigt, verbrannt oder auf andere grausame Art umgebracht. Blutige ethnische- und Grenzkonflikte dauern bis heute an, religiöser Fanatismus und Nationalismus breiten sich aus. In den Metropolen gibt es kaum Luft zum Atmen und selbst heilige Flüsse sind kontaminiert. Andererseits ist Indien eine der sich am dynamischsten entwickelnden Volkswirtschaften der Welt, die indische IT-Industrie wird seit vielen Jahren international als konkurrenzlos angesehen, während ein Drittel der indischen Bevölkerung Analphabeten sind. Die Nutznießer der Globalisierung, die soziale Ungleichheiten festigt und vertieft, ist die Mittel- und Oberschicht.

Blick in die Ausstellung „Facing India“ mit Arbeiten von Vibha Galhotra 

Sechs Frauen im fast gleichen Alter

Weniger bekannt ist, dass in diesem großen Land auch Kunst gedeiht, nicht nur die Koch- oder die Filmkunst aus Bollywood und Tollywood, sondern auch die zeitgenössische Kunst, in der vor allem Frauen den Ton angeben. Während die japanische und chinesische Kunst schon seit längerer Zeit international ausgestellt und gesammelt wird, hat die indische erst jetzt begonnen, sich im Westen zu etablieren. Das liegt vor allem an der Unsichtbarkeit dieser Kunst, denn in Indien gibt es kaum Ausstellungsorte und Ausstellungsmöglichkeiten. Um sich also eine Meinung über die indische Kunst zu bilden, muss man nicht nach Mumbai, Delhi oder Bengaluru fahren, sondern in die etwas kleinere Stadt Wolfsburg in Niedersachsen. Dort befindet sich bekanntlich der Hauptsitz des VW-Konzerns, der Autos auch in Indien produziert. Aber das ist mitnichten der einzige Grund, warum die erste so umfangreiche Schau der indischen Kunst gerade im Kunstmuseum Wolfsburg stattfindet. Als sein Direktor vor zwei Jahren Ralf Beil wurde, versprach er, das Museumsprogramm globaler zu gestalten und vor allem den Künstlerinnen und ihrer Sicht auf die Dinge dieser Welt mehr Platz als bisher einzuräumen. Er hielt sein Wort, was die Ausstellung »Facing India« vorführt, in der sechs indische Künstlerinnen das Gesicht, konkreter: die vielen Gesichter ihres Landes zur Schau stellen.
Bharti Kher (* 1969), Mithu Sen (* 1971), Reena Saini Kallat (* 1973), Vibha Galhotra (* 1978), Tejal Shah (* 1979) und Prajakta Potnis (* 1980), von der Kuratorin Uta Ruhkamp während ihrer drei Indienaufenthalte ausgewählt, gehören größtenteils der Generation der 30- und 40jährigen an. Obwohl sie aufgrund ihrer Herkunft zur privilegierten Klasse zählen, behandeln sie in ihren Werken mehr oder weniger radikal soziale, politische, ökologische und moralische Probleme, die an der Schnittstelle zwischen Modernisierung und Tradition auftauchen: Das ist in der Tat eine recht explosive Mischung, nicht nur in Indien.


Bahrti Kher, Sing to Them that Will Listen, Reiskörner Metallschale und Marmorsockel

Digitalisierung, Degradierung, Globalisierung

Die in der Ausstellung »Facing India« gezeigte Kunst ist ohne Zweifel feministisch, politisch und engagiert. Aber unabhängig davon, wie man sie nennt, ist es eine Kunst, die äußerst suggestiv wirkt und lange im Gedächtnis bleibt. Der Einfallsreichtum, das Wissen und der Weitblick der Künstlerinnen, die Dynamik und Energie, mit der sie ihre perfekt ausgeführten Werke realisieren, die Vielzahl von Techniken, Materialien und überraschenden Lösungen kommen in allen Arbeiten, die im Erdgeschoss des Kunstmuseums Wolfsburgs präsentiert werden, zum Ausdruck. Man kann unmittelbar spüren, dass die Kunst für sie eine Mission, eine Botschaft oder eine Art ist, die verschwiegenen, sorgfältig vor den Augen versteckten, unsichtbaren und nicht ausgesprochenen, also nicht existenten Probleme ans Tageslicht zu bringen. Und, was besonders wichtig erscheint, haben die von den Künstlerinnen in ihren Arbeiten aufgegriffenen und dargestellten Themen einen universellen Charakter, denn es gibt sie schon oder wird es bald auch in unserer Weltgegend geben. »Doch machen wir uns nichts vor: So drastisch all dies von Europa aus auf den ersten Blick wirkt, es sind in jedem einzelnen Punkt auch unsere Probleme und Gegenwartsfragen, die hier – zum Teil sogar für uns – verhandelt werden«, schreibt Ralf Beil, Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg, im exzellenten Ausstellungskatalog. »Indien ist eines der Labore für das Gelingen oder Scheitern unserer globalen Zukunft. Ob Geschlechter-, Umwelt-, Digitalisierungs- oder Nationalitätsfragen, alles ist auf das Extremste verdichtet.« Es ist nicht einfach zu verstehen, was in Indien wirklich geschieht, denn, nach Meinung der Schriftstellerin Arundhati Roy, »dreht sich ganz Indien um Grenzen. Im Westen hält man Indien fälschlicherweise für eine anarchische, chaotische Gesellschaft. Dabei ist Indien ein Meister im Grenzziehen. Jenseits des chaotischen Verkehrs ist die Gesellschaft durch ein eisernes Gatter aus Kasten, Regionen, Religionen getrennt.« Die aus der Tradition resultierenden Spaltungen sowie die von der Tradition und Gesellschaft sanktionierte Gewalt sind eines der Themen der Gruppenschau »Facing India« im Kunstmuseum Wolfsburg.

Faktische geografische und metaphorische Grenzen

Das Erste, was direkt am Eingang der Ausstellung ins Auge fällt, ist eine riesige Weltkarte, die aussieht, als sei sie aus farbiger Wolle gehäkelt worden. Beim näheren Hinschauen merkt man jedoch, dass diese riesige kartographische Installation namens »Woven Chronicle«, die die gesamte grau gestrichene Wand einnimmt, aus Elektrokabeln gefertigt wurde. Aus acht Lautsprechern, die auf sechs Kontinenten platziert sind, ertönt eine Kakophonie von Geräuschen, ein Mix aus knisternden Hochspannungsleitungen, blubberndem Wassers, dem Besetztzeichen eines Telefons, heulenden Fabrik- und Schiffssirenen, den Geräuschen der Flügel und Stimmen der Zugvögel. »Die gewebte Chronik« ist, wie ihre Autorin Reena Saini Kallat (Foto oben) erklärt, eine Kartographie historischer und gegenwärtiger Migrationsbewegungen. Obwohl sich heute dank der Mobilität der Menschen und des schnellen Informationsflusses verschiedene Kulturen viel schneller vermischen als je zuvor, wurden die Grenzen paradoxerweise nie so streng kontrolliert und überwacht wie jetzt. » Elektrokabel sind für mich eine ambivalente Metapher: einerseits verbinden sie, andererseits bilden sie lineare Formationen in Gestalt von Netzen und anderen Zäunen, sodass sie teilen. Der Glaube daran, dass dank der globalen, das heißt grenzenlosen Kommunikation die faktischen geographischen, ethnischen und sozialen Grenzen aufhören zu existieren, hat sich als illusorisch erwiesen. Im Gegenteil: Dank fortschrittlicher Technologien können regressive Inhalte umgehend verbreitet werden: Stereotypen, zweifelhafte Ideologien, Nationalismen«.

Die provokanten Mutanten

Reena Saini Kallat, Hyphenated Lives (Installationsfragment)

Reena Saini Kallat ist eine vielseitige Künstlerin: Sie schafft Wand- und Klanginstallationen, ist Malerin, Bildhauerin und Fotografin. Man sieht und hört, dass die Kunst der Erinnerung ihre Leidenschaft ist. In der Fotoserie »Crease / Crevice / Contour« möchte sie das Leid der Frauen vor dem Vergessen bewahren, die nicht nur während der Kriege zwischen Indien und Pakistan um Kaschmir die erste Kriegsbeute waren. Sexuelle Gewalt, Komponente eines jedes Krieges, hat blutige Male auf der Haut der Frauen hinterlassen. Auch wenn sie unsichtbar sind, erinnert sich der Körper daran. Kallat ist auch Autorin der Installation »Hyphenated Lives«, die wie der Saal eines Naturkundemuseums anmutet, mit Bildern der Fauna und Flora an den Wänden und Fossilien in den Vitrinen. Wenn man sie genauer betrachtet, handelt es sich um Porträts von Mutanten, die die geteilten, aber historisch miteinander verbundenen Länder symbolisieren, welche um die Kontrolle über natürliche Ressourcen kämpfen, hauptsächlich über das Wasser. Sie tragen doppelte Namen, zum Beispiel Sun-Poe, eine Kreuzung zwischen dem palästinensischen Sonnenvogel (Sunbird) und dem Wiedehopf (Hoopoe), dem Nationalvogel Israels. Auf diese farbigen Gouachen, die mit handschriftlichen Kommentaren der Künstlerin versehen sind, klebt sie Stacheldraht. Geopolitik teilt Länder, obwohl es schwer ist, die Natur in streng nationale Teile zu zerlegen. »Diese Bindestrich-Porträts können als poetische Provokationen einer Spezies, die es in der Vergangenheit nicht gegeben hat – oder als ein Vorschlag für die Zukunft verstanden werden«, sagt Reena Saii Kallat.

Äquilibristik der (Un)linguistik

Auch Mitu Sen (Foto) liebt Provokationen. Die begnadete Sprachkünstlerin, Bildhauerin und Malerin begann ihre künstlerische Laufbahn als bengalische Dichterin. Nachdem sie 1997 nach Delhi gezogen war, musste sie Hindi und Englisch lernen, was ihr zunächst recht schwer fiel. Die meisten ihrer Werke tragen Titel, in denen die Vorsilbe »un« steht. Sie ist eines der Hauptelemente ihrer Un- oder Nichtsprache. Es ist offensichtlich, dass es mit eigenen Zähnen oder mit dem Zahnersatz leicht fällt, sich in jeder Sprache oder Nichtsprache zu artikulieren. Wie alle Arbeiten von Mitu Sen ist auch die Installation »Border Unseen« Ausdruck eines absurden Sinns für Humor. Im Deutschen klingt »Unseen« phonetisch ein wenig wie Unsinn. Künstliches Zahnfleisch, in dem künstliche Zähne stecken, sieht natürlich wie eine Grenze aus, die im geschlossenen Mund unsichtbar ist, aber man kann sie nicht übersehen, wenn sie an einer Wand als Zahnrad hängt.

Mithu Sen, Phantom Pain 2

Mitu Sen nennt ihre Zeichnungen und Skulpturen Performances, denn das Publikum soll sich daran aktiv beteiligen. Eine großartige Idee ist zum Beispiel die Serie der 40 Grafiken und Zeichnungen unter dem Titel »The Same River Twice« (Derselbe Fluss zweimal), die in einem geschlossenen Raum betrachtet werden kann. Es ist eine Kunst der Camouflage, die sich vielleicht vor dem Auge des Zensors tarnt, denn nur, wenn man mit einer Taschenlampe weiße Papierblätter beleuchtet, sieht man ihren zweiten Boden: erotische, leicht pornografische Spiele nicht heterosexueller Paare. Die benachbarte Installation »Mou (Museum of Real Estate) beherbergt eine Sammlung von Kitschartikeln, Souvenirs und anderen Nippes in einer runden Vitrine, die einer leicht zu transportierenden Wunderkammer gleicht.

Mithu Sen, Mou (Museum of Real Estate)

Symphonie der Zeit oder Kakofonie

»Wir leben in einer sich schnell verändernden Welt und betrachten uns als anpassungsfähig«, sagt Vibha Galhotra (Foto oben). »Gleichzeitig berücksichtigen wir kaum das Ausmaß der Umweltverschmutzung und akzeptieren sie passiv als die neue Realität.« In multimedialen Rauminstallationen, in Filmen und Fotografien stützt sich die Künstlerin auf die platonische Theorie der fünf Elemente und zeigt, was mit dem Wasser des heiligen Flusses Yamuna, mit Luft, Erde, Äther und Feuer geschieht. Nach dem Eintauchen eines weißen Tuchs in Yamuna wird es sofort schwarz. Neu-Delhi ist die am meisten verschmutzte Stadt der Welt, die, wie Vibha sagt, einer Gaskammer gleicht, sodass die Menschen ständig Masken tragen müssen, in denen sie aussehen, als ob ihnen, wie in Nostradamus’ Prophezeiung, anstelle der Nasen Schweinerüssel wachsen würden. In den Städten ist jedes Stückchen Boden zugebaut, und sogar in den Vierteln, die von getarnten Sicherheitsmännern bewacht werden (Installation »Neo Camouflage«), liegen die Häuser extrem dicht beieinander: Das ist eine bunte Betonwüste, ohne einen Grashalm. Eine große Weltkarte unter dem Titel »Time Symphony Or Cacophony« wird immer dunkler, schreckliche Geräusche dringen aus ihr nach Außen: Die klassische Symphonie der Zeit verschwindet, ersetzt durch eine Kakophonie der Zerstörung.




Vibha Galhotra, Neo Camouflage (Installationsfragmente)

Gedemütigte, schweigende und gequälte Frauen

Wenig optimistisch sind auch die Arbeiten von Bharti Kher (Foto), der einzigen Teilnehmerin der Wolfsburger Ausstellung, die nicht in Indien, sondern in Ostlondon geboren wurde, und seit 1992 dauerhaft in der Hauptstadt Indiens lebt. Die Künstlerin, deren Werk um die Situation der indischen Frauen kreist, ist eine Perfektionistin und Ästhetin, die die sogar in den überraschendsten Materialien verborgene Energie und Schönheit an die Oberfläche zaubert. Neben Skulpturen aus Bronze, Kleiderstoff, Reis und Reliefs aus Bindis zeigt sie in Wolfsburg auch eine Säule aus roten Armreifen, den Bangles, unter dem Titel »Bloodline« (Stammbaum): Frauen sind zwar die Stützen und die treibende Kraft der indischen Gesellschaft, leben aber oft in einem »Deaf Room« (Tauben Zimmer), das von einer Mauer des Schweigens umgeben ist. Diese beindruckende Plastik besteht aus zehn Tonnen Glasziegeln, die Bharti Kher aus geschmolzenen Armreifen und Ton errichtete. Das Schicksal der Frauen, die im ältesten Beruf der Welt arbeiten, ist auch nicht einfach, wie die Gipsskulptur der sechs Sitzenden unter dem Titel »Six Women«, also sechs Sexarbeiterinnen aus Kolkata, zeigt. Bharti Khers Werke sind Monumente für die extrem müden, gequälten und tagtäglich gedemütigten Frauen in Indien.

Bharti Kher, Six Women

Dem dritten Geschlecht geht es häufig sehr schlecht

Tejal Shah ist auch vielseitig begabt, sie macht fantastische Zeichentrickfilme, sie zeichnet und fotografiert meisterhaft, wovon die Fotoserie » Women like us« zeugt. Sie stellt »Frauen wie wir« dar, also solche, die nicht einverstanden sind, die ihnen zugeschriebenen Geschlechterrollen zu spielen, weil sie sich wie Männer fühlen. Die Genderfrage ist das, was diese Künstlerin, die lange Zeit in Indien nicht ausstellen durfte, am meisten interessiert. Sie befasst sich nämlich mit Themen, die verschwiegen werden sollen wie die Gewalt gegen Hijras, die offiziell als Göttinnen des dritten Geschlecht verehrt werden, aber in Wirklichkeit den Massenvergewaltigen zum Opfer fallen, verletzt, bepisst und umgebracht: zu sehen in der erschütternden Foto- und Videoinstallation »Untitled (On Violence)«.

Prajakta Potnis mit Dr. Uta Ruhkamp (links)

In der Ausstellung »Facing India« gibt es auch weniger drastische, witzige und ironische Arbeiten. Ihre jüngste Teilnehmerin, die 28jährige Prajakta Potnis, arrangiert und fotografiert seltsame Landschaften und Stillleben in spezifischen Interieurs. Die Digitaldruckserie »Capsule« wartet mit Rollteppen auf, die auf einer Plastikserviette im Kühlschrank stehen. Eines der »Still Lifes« zeigt Blumenkohls in Gefrierfächern, die wie Atompilze aussehen. Kann die Natura (morta) eines Blumenkohls explosiv sein oder nicht explosiv sein, das ist hier die Frage.

Prajakta Potnis, Capsule

Alle Fotos © Urszula Usakowska-Wolff


FACING INDIA
Kunstmuseum Wolfsburg
29.04-7.10 2018
Katalog, 38 Euro
www.kunstmuseum-wolfsburg.de

Irena-Sendler-Jahr 2018

Menschenleben retten ist Pflicht und keine Heldentat

Text und Fotos © Urszula Usakowska-Wolff

Besuch bei Irena Sendler am 26. 12. 2005 in Warschau: mit Anna Mieszkowska und Manfred Wolff.

Am 12. Mai 2008 starb in Warschau Irena Sendler, eine Frau, die heute weltweit als Heldin verehrt wird, deren Namen Schulen, Straßen und Parks tragen, eine Frau, die mit höchsten polnischen und israelischen Auszeichnungen bedacht und die 2007 und 2008 für den Friedensnobelpreis nominiert wurde.
An den Rollstuhl gefesselt – eine Folge ihrer Folterungen durch die Gestapo im berüchtigten Pawiak-Gefängnis im von den Deutschen besetzten Warschau im Herbst 1943 –, wurde ihr am Ende ihres Lebens, als sie ihr kleines Zimmer im Warschauer Pflegeheim der Barmherzigen Brüder nicht mehr verlassen, geschweige denn reisen konnte, das Interesse der Öffentlichkeit zuteil. Ihre Erlebnisse und ihre außerordentliche Haltung während des Zweiten Weltkriegs blieben lange Zeit im Verborgenen, denn sie habe nur ihre Pflicht getan und wollte darüber keine Worte verlieren. Dass ihre Geschichte, die Geschichte einer mutigen Frau, die zur Rettung von 2500 jüdischen Kindern und etlichen Erwachsenen aus dem Warschauer Ghetto beigetragen hatte, öffentlich bekannt wurde, verdankte sie vier Schülerinnen aus der 300-Seelen-Gemeinde Uniontown im amerikanischen Bundesstaat Kansas, die Ende der 90er Jahre im Rahmen einer Projektarbeit herausgefunden haben, dass sie während der Naziherrschaft doppelt so vielen Juden das Leben rettete als Oskar Schindler. Darüber verfassten sie den zehnminütigen Einakter „Life in a Jar“ (Das Leben im Glas), der sich bis heute großer
Popularität erfreut, vieltausendmal aufgeführt wurde und noch immer aufgeführt wird. Als sie erfuhren, dass ihre Heldin in Warschau lebt, besuchten sie sie dort zum ersten Mal 2001, was das Interesse der polnischen Medien auf die mutige Polin lenkte, sodass sie ihre Geschichte an die Öffentlichkeit brachten. 2003 lernte die polnische Theaterwissenschaftlerin und Autorin Anna Mieszkowska Irena Sendler kennen. Das war eine schicksalhafte Begegnung: Zehn Monate lang trafen sie sich fast jeden Tag und Irena erzählte Anna ihr Leben. 2004 wurde im Warschauer Verlag Muza das Buch „Die Mutter der Holocaust-Kinder. Irena Sendler und die geretteten Kinder aus dem Warschauer Ghetto“ veröffentlicht. Dank Anna Mieszkowska, deren Sendler-Biografie mein Mann Manfred Wolff und ich 2006 für die DVA ins Deutsche übersetzt hatten, lernten wir Irena kennen und konnten sie einige Male in Warschau besuchen. Anna Mieszkowska und ich hatten die Gelegenheit, das Leben und die Taten dieser außerordentlichen Frau Erwachsenen und Jugendlichen unter anderem in Leipzig, Detmold, Düsseldorf, Berlin, Unterwaltersdorf (Österreich), Wien, Nürnberg, München, Stuttgart, Stockholm, im
belgischen St. Vith, Kelmis, Eupen und Brüssel vorzustellen. Die über zwanzig Lesungen, zu denen Hunderte von Menschen erschienen, dauerten nicht selten über drei Stunden und könnten noch länger sein, denn das Interesse an dieser mutigen, bescheidenen Frau war ungebrochen. Am 19. April 2009 strahlte die CBS den Film „The Courageous Heart Of Irena Sendler“ aus, dem Mieszkowskas Buch zugrunde lag, den über acht Millionen Zuschauer in den Vereinigten Staaten sahen. Am 1. Mai 2009 wurde nach Irena Sendler eine vom Niederländer Jan Ligthart gezüchtete Tulpenart benannt, am 4. Mai 2009 wurde ihr in Berlin posthum der Audrey Hepburn Humanitarian Award verliehen. Und das
Jahr 2018 wurde vom polnischen Parlament in Gedenken an ihren zehnten Todestag zum IrenaSendler-Jahr erklärt.

Irena Sendler am 26.12. 2005 im Pflegeheim der Barmherzigen Brüder in Warschau.

Liebe, Demut und Toleranz

Die am 15. Februar 1910 in Warschau geborene Irena Krzyżanowska stammte aus einer
patriotischen, sozialdemokratischen polnischen Familie. Ihre Eltern brachten ihr bei, dass man die Menschen nur in gute und schlechte einteilt und dass Herkunft, Religion und Hautfarbe dabei keine Rolle spielen. „Einem Ertrinkenden muss man die Hand reichen“, lernte sie von ihrem Vater, der als Arzt vor allem Arme behandelte, sich von einem Patienten mit Typhus ansteckte und starb, als Irena sieben Jahre alt war. Liebe, Demut und Toleranz waren die drei Grundsätze, denen sie immer treu blieb. Irena Sendler war zeit ihres Lebens eine sozial engagierte Frau, die sich bereits im Vorkriegspolen – als Mitarbeiterin des Sozialamts im Warschauer Magistrat – für die Rechte alleinerziehender Müttern von unehelichen Kindern einsetzte. Gleich nach dem Ausbruch des Zweiten
Weltkriegs im September 1939 gründete sie mit anderen zehn Kolleginnen und einem Kollegen vom Warschauer Sozialamt eine Untergrundorganisation, die den Juden zu Hilfe eilte, obwohl die Deutschen in Polen, im Gegensatz zu den anderen besetzten Ländern, die kleinste, einem Juden geleistete Hilfe mit dem Tod bestraften. Angesichts des Elends der Kinder im Warschauer Ghetto, das von den deutschen Besatzungsbehörden im Herbst 1940 als „jüdischer Sperrbezirk“ errichtet wurde, in dem eine halbe Million Menschen, darunter viele Freundinnen und Freunde Irenas, unter unvorstellbaren Bedingungen zusammengepfercht leben mussten, begann sie unter dem Decknamen Schwester Jolanta und mit einem Passierschein, der ihr jederzeit freien Zutritt zum Ghetto ermöglichte, diese Kinder auf zum Teil abenteuerlichen Wegen – in Säcken und Kartons – auf die „arische Seite“ zu schleusen, um sie vor dem sicheren Tod im Vernichtungslager Treblinka zu retten. Die Kinder erhielten eine neue Identität und wurden in polnischen Familien, Waisenhäusern oder Klöstern untergebracht. Ihre Namen notierte sie auf dünnen Papierstreifen und versteckte sie in einem Einmachglas unter einem Apfelbaum im Garten. Das war Irena Sendlers Liste, jenes „Leben im Glas“, wo die Vergangenheit der geretteten Kinder bewahrt wurde, sodass sie sich nach dem Krieg wieder ihrer wahren Identität vergewissern und den Weg zu ihrer Angehörigen finden konnten.

Sean H. Ferrer (r.), Sohn von Audrey Hepburn, überreicht am 4. Mai. 2009 in Berlin dem Botschafter der Republik Polen, Dr. Marek Prawda, den Audrey Hepburn Humanitarian Award 2009 posthum für Irena Sendler

Im Herbst 1943 wurde Irena Sendler von der Gestapo verhaftet und zum Tod verurteilt. Trotz schrecklichster Folterungen gab sie keinen Namen preis, auch nicht, um ihr Leben zu retten. Durch Bestechung eines Gestapobeamten, der sie von der Liste der Todeskandidatinnen entfernte, kam sie frei und lebte bis zum Ende des Kriegs in verschiedenen Verstecken, da sie von den Deutschen gesucht wurde. Sie gab aber ihre Arbeit nicht auf und half als Leiterin des Kinderreferats des Judenhilferats Żegota in
Warschau, der Finanzmittel des polnischen Untergrundstaates an die verfolgten Juden verteilte, den jüdischen Kindern weiter.

Anna Mieszkowska, Die Mutter der Holocaust-Kinder. Irena Sendler und die geretteten Kinder aus dem Warschauer Ghetto, DVA, 2006

Beeindruckende Zivilcourage
„Die Rettung der jüdischen Kinder war meine Pflicht und keine Heldentat. Sie war die Berechtigung meiner Existenz. Mein Vater brachte mir nämlich bei, dass man den Schwachen und Gefährdeten helfen muss. Wenn sich damals deutsche Kinder in einer solchen Situation befänden wie die jüdischen Kinder, hätte ich ihnen auch geholfen“, sagte Irena Sendler. Sie war sehr darüber erfreut, dass ihre Biografie in Deutschland erschien und verfolgte mit Spannung die Resonanz darauf.
„Ständig höre ich das Echo, das der Inhalt des Buchs ‘Die Mutter der Holocaust-Kinder’ in
Deutschland hervorruft“, schrieb sie mir am 27. Februar 2008. „Mit Frau Mieszkowska sind wir zum Schluss gekommen, dass Ihre Übersetzung besser gefällt und mehr Interesse weckt, als das Buch in Polen.“ Und tatsächlich war das Interesse an Irena Sendler im deutschsprachigen Raum enorm. Vor allem Jugendliche waren von ihrer Zivilcourage beeindruckt. An den Lesungen, die in Deutschland, Österreich und in Belgien stattfanden, beteiligten sich Hunderte von Schülerinnen und Schülern, alleine an den Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens über 500! Daraus entwickelten sich langfristige Projekte, die von Jugendlichen initiiert und durchgeführt wurden. So geschehen an
der Robert-Jungk-Oberschule in Berlin, deren Lehrerinnen und Schülerinnen im Februar 2008 nach Warschau reisten, um Irena Sendler zu besuchen, und ihre Eindrücke in einer multimedialen Präsentation festhielten; die im Juli 2007 eingeweihte Irena-Sendler-Schule im bayerischen Hohenroth, die erste Irena-Sendler-Schule weltweit, deren Schülerinnen und Schüler zur Eröffnung eine große Ausstellung ihrer Patronin organisierten und deren Rektorinnen im September 2007 einen Apfelbaum im Park vor dem Ghetto-Denkmal in Warschau pflanzten; das Theaterstück „Tor zum Leben. Die Rettung von 2500 Kindern aus dem Warschauer Ghetto“, dargestellt von geistig
behinderten Schülern und Schülerinnen aus Deutschland (Bodelschwingh-Schule in Soest), Polen (Zespół Szkół im. Aleksandra Kamińskiego in Strzelce Opolskie) und Israel (Morasha School in Netanya) sowie die Projektarbeit „Die Mutter der Holocaust-Kinder. Irena Sendler und die geretteten Kinder aus dem Warschauer Ghetto“, an der drei Schulklassen des César-Franck-Athenäums in Kelmis in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens sieben Monate lang arbeiteten. Über 50 Schülerinnen und Schüler, darunter viele Muslime, beschrieben jede Straße und jede Person, die in diesem Buch vorkommen und versammelten die Ergebnisse ihrer Arbeit in einer beeindruckenden
Ausstellung, die bis Mitte Mai 2009 in ihrer Schule besichtigt werden konnte.
Im November 2010 wurden zwei weitere Schulen in Deutschland nach Irena Sendler benannt: in Hamburg-Wellingsbüttel und in Euskirchen.

Irena Sendler am 11. 09. 2007 im Pflegeheim der Barmherzigen Brüder in Warschau.

Vorbild für viele Menschen

„Irena Sendler war eine Frau, die anderen das Leben rettete und nicht an sich selbst dachte“, fassten die Schülerinnen und Schüler des CFA Kelmis ihre Erkenntnisse, die sie während der Projektarbeit gewonnen haben, zusammen. „Irena Sendler wurde durch das Buch ‘Die Mutter der Holocaust-Kinder’ weltweit bekannt und einige gerettete Kinder erfuhren so, dass sie noch lebt. Es ist schade, dass sie erst so spät berühmt wurde. Wir kannten Irena Sendler vorher gar nicht. Wir wussten auch nicht, wie ein Ghetto aussieht und wie unmenschlich Menschen sich verhalten können. Irena Sendler hatte viele Helfer, die ihr bei der Kinderrettung halfen. Was Irena Sendler gemacht hat, war Zivilcourage.
Heutzutage gibt es auch viele sozial engagierte Menschen, die Menschen helfen, aber sie riskieren nicht ihr eigenes Leben. Uns hat dieses Projekt die Erfahrung gebracht, jeden Krieg vermeiden zu wollen. Wenn man Streit hat, soll man darüber reden oder sich gegenseitig ignorieren. Wir wissen jetzt auch viel mehr über den Krieg, Irena Sendler und die anderen Helfer. Irena Sendler kann stolz auf ihre menschliche Würde sein. Sie ist ein Vorbild für viele andere Menschen.“

Ja, das stimmt: Irena Sendler vertrat Werte, die sie dazu veranlassten, auch in Zeiten größter Menschenverachtung, die zur Menschenvernichtung führte, die Menschlichkeit zu bewahren und zu verteidigen. Irena Sendler hat mit ihrem ganzen Leben bewiesen, dass man auch in fürchterlichsten Zeiten Gutes tun muss, weil das die Pflicht eines jeden anständigen Menschen ist. Und das bleibt gültig – über ihren Tod hinaus.

Mehr Infos unter:
www.irenasendler.org (Englisch)
http://roksendlerowej.pl/ (Rok Ireny Sendlerowej)


Unsere Autorin, Urszula Usakowska-Wolff wird am 2. September Irena Sendler im Café Regenbogenfabrik vorstellen. Dazu schrieb sie:

Irena Sendler, die Retterin der Kinder aus dem Warschauer Ghetto

Vortrag von Urszula Usakowska-Wolff aus Anlass des Irena-Sendler-Jahres 2018

Am 12. Mai 2008 starb in Warschau im Alter von 98 Jahren Irena Sendler, eine Frau, die heute nicht nur in Polen als Heldin verehrt wir. Erst am Ende ihres Lebens wurde bekannt, dass sie unter dem Decknamen Schwester Jolanta zusammen mit einem von ihr gegründeten und vorwiegend aus Frauen bestehenden Netzwerk hunderte von jüdischen Kindern aus dem Warschauer Ghetto gerettet, mit falschen Papieren versorgt und in polnischen Familien, Waisenhäusern und Klöstern untergebracht hatte. Als die Gestapo sie im Herbst 1943 verhaftete und folterte, gab sie keinen Namen preis. Sie wurde zum Tode verurteilt, doch sie konnte unmittelbar vor der Vollstreckung der Todesstrafe fliehen. Irena Sendlers fast unbekannte Geschichte schrieb 2003 Anna Mieszkowska auf und veröffentliche sie in einem Warschauer Verlag. 2006 erschien ihre „Die Mutter der Holocaust-Kinder. Irena Sendler und die geretteten Kinder aus dem Warschauer Ghetto“ betitelte Biografie in der DVA. Die Übersetzer Urszula Usakowska-Wolff und Manfred Wolff lernten Irena Sendler 2005 kennen und besuchten sie mehrere Male in Warschau. Obwohl sie unter der Folgen der Gestapo-Folter zu leiden hatte und auf einen Rollstuhl angewiesen war, strahlte sie Wärme und Bescheidenheit aus. Ihre Geschichte ist ein Beispiel dafür, welche Taten ein Mensch mit Zivilcourage auch in den schrecklichsten Zeiten vollbringen kann. „Die Rettung der jüdischen Kinder war meine Pflicht und keine Heldentat. Mein Vater brachte mir nämlich bei, dass man den Schwachen und Gefährdeten unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Religion helfen muss. Wenn sich damals deutsche Kinder in einer solchen Situation befänden wie die jüdischen Kinder, hätte ich ihnen auch geholfen“, betonte Irena Sendler.

***
Urszula Usakowska-Wolff, 1954 in Warschau geboren, studierte Germanistik an den Universität Bukarest und Warschau. Die Journalistin, Autorin und Kuratorin lebt seit 1986 in Deutschland, zuletzt in Berlin. Sie übersetzte zahlreiche Bücher aus dem Polnischen, darunter Lyrik von Erna Rosenstein, Geneowefa Jakubowska-Fijałkowska und Jan Goczoł sowie Prosa von Artur Sandauer. 2009 gab sie ihre Gedichte „Perverse Verse“ im Pop Verlag heraus.

Mehr Infos unter:
www.kunstdunst.com
https://urszulausakowskawolff.wordpress.com/

Engel und Pietas

Manfred Wolff

Ich wohne nicht in einem Museum

Nein, Sie betreten kein Museum, wenn Sie mich besuchen in unserer Berliner Wohnung. Aber Sie betreten Geschichte: die Geschichte meiner Familie, die Geschichte meiner Ehe und auch meine Geschichte. Und diese Geschichte ist nicht museal tot – sie ist unser Leben.

Im Flur werden Sie begrüßt von bunten Wänden. Hinterglasbilder mit Heiligen und Räubern bedecken die Wände. Meine Frau Urszula hat diese Schätze aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gesammelt. Sie stammen in der Mehrzahl aus der polnischen Tatra, aber auch Volkskünstler aus anderen Regionen sind unter den Autoren. Gleich bei der Ankunft begegnen Sie aber auch schon Józef Chełmowski. Von oben, aus einer Ecke heraus begrüßt Sie ein Engel des kaschubischen Künstlers. Auf der Kommode zur rechten stehen einige seiner Engel und links von der Tür zum Wohnzimmer hat dieser Engel seinen Platz, mit dem unsere Sammlung von Chełmowskis Arbeiten begann: „Hominem te esse memento“, sagt er. Über der Wohnzimmertür hängt ein dramatisches Bild von Tadeusz Żak. Engel und Teufel kämpfen um die Seelen der Bewohner eines kleinen polnischen Dorfes. Wie wird das ausgehen?

Wenn Sie nun das Wohnzimmer betreten, lassen Sie den Blick nicht nach links abschweifen, denn dort gibt es nicht viel zu sehen, obwohl es ein Ort künstlerischen Schaffens ist, wo aus einfachen Dingen Werke entstehen, die auf vielfältige Weise die Sinne erfreuen und Menschen stärken, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Es ist die Küche…

Im Wohnzimmer empfängt Sie wieder ein Engel, nun aber fast mannsgroß mit vier Flügeln, ein Erzengel eben. Er trägt die Tracht einer kaschubischen Frau und blickt streng prüfend auf die Eintretenden und auf das, was sich an unserem Tisch so abspielt. Das ist unser Schutzengel, und er hat sich schon deutlich sichtbar den Kopf zerbrochen über all die Narrheiten, die unser Leben so ausmachen. Nüchternere denken da eher, dass das Holz, aus dem Chełmowski ihn geschlagen hat, wohl sehr jung war, sodass es jetzt durch den dauernden Aufenthalt in einer gut beheizten Stube einen Spalt gerissen hat.

Der Engel steht am Tisch, und um den Tisch stehen die Stühle, die meine Großeltern mütterlicherseits erwarben, als sie ihren Ehestand begründeten. Sie sind nun schon 110 Jahre alt. Mein Großvater konnte nur sieben Jahre darauf sitzen. Er fiel zu Beginn des Ersten Weltkriegs am Hartmannsweilerkopf, dem Menschenfresserberg im Elsass. Obwohl zur rechten eine gutbürgerliche Polstergarnitur einlädt, sitzen wir doch meist auf diesen Stühlen. Vielleicht sitzt Großvater ja noch manchmal dabei und freut sich, dass seine damalige Anschaffung noch immer in Ehren gehalten wird, Mittelpunkt eines Familienlebens ist, wie er es sich gewünscht hat.

Auch die Kommode und das Vertiko, beide an den Türen mit Jugendstilornamentik geschmückt, sind Erbstücke aus dem Besitz meiner Großeltern. Das Vertiko wird von einer Vielzahl bunter Vögel bewohnt, Schöpfungen polnischer Volkskünstler, und auf der Kommode stehen die Schafe Davids des Bildhauers Bronisław Chromy, in Krakau verliehen für unsere Verdienste um die Jüdisch-Polnisch-Deutsche Verständigung sowie zwei kleine Pegasusfiguren von Adam Myjak, mit denen uns die Warschauer Akademie der Künste für unsere Förderung der polnischen Kunst in Deutschland auszeichnete.

Über der Kommode hängt an der Wand das älteste Stück unserer Wohnung, eine Uhr, die mein Urgroßvater mütterlicherseits seiner Frau zur Silberhochzeit schenkte. Sie geht immer noch zuverlässig. An jedem Sonntag ziehe ich sie auf (klingt ein bisschen wie Tristram Shandy). 129 Jahre ist sie alt. Sie hat die letzten Stunden meiner Urgroßeltern, meiner Großmutter und meiner Eltern geschlagen und sie wird auch unsere letzte Stunde schlagen – hoffentlich nicht so bald…

Eine Halbwand wird von einer Schrankwand im Kajütstil eingenommen, auf der sich auch wieder zahlreiche geschnitzte Vögel tummeln: Eulen und Tukane, Störche und Gänse, und an einer Seitenwand des Schranks hämmert fleißig ein Specht.

Der Raum daneben ist Bildern unseres Freundes Edward Narkiewicz vorbehalten: Surrealistische Kompositionen von verschmitzter Heiterkeit und melancholischer Nachdenklichkeit. Gegenüber eine Wand mit Arbeiten von Jan Dobkowski in geometrischer Strenge und überschäumender Phantasie. Natürlich hängen auch über dem Sofa Bilder, aber kein brüllender Hirsch oder eine Schlittenfahrt im Winter. Es sind Gemälde von Andrzej Węcławski, Jan Aniserowicz, Dorota Grynczel, Apoloniusz Węgłowski, Piotr Lutyński, Paul Rascheja, Ellen Fuhr und Charlotte Petersen.

So viel Kunst verlangt nach einer Ruhezone für das Auge. Die Fensterfront bildet bei geschlossenem Lamellenvorhang eine große weiße Wand, ohne jedwede Kunst.

Im Durchgang zu den hinteren Räumen hängen zeitkritische Bilder des naiven Malers Stanisław Żywolewski aus Hajnówka, oben auf dem langen Bücherregal haben Schnitzereien von verschiedenen Volkskünstlern ihren Platz gefunden mit Szenen aus dem alttestamentarischen Leben. In Urszulas Arbeitszimmer füllen Grafiken und Zeichnungen die Wände. Mehrere Pietas runden hier das vielfältige Bild der polnischen Volkskunst ab. In meinem Arbeitszimmer schmücken Radierungen von Irena Snarska die Wand, und Maximilian Kolbe sowie der heilige Franziskus leisten acht Figuren des Chrystus Frasobliwy Gesellschaft.

Auf den Schränken im Schlafzimmer findet siebenmal die Weihnachtsgeschichte statt in Form von Krippen, und gegenüber den Betten hängt ein buntes Kaleidoskop von Aquarellen, Zeichnungen und Pastellen, darunter Arbeiten von Erna Rosenstein, Jan Dobkowski, Rafał Strent, Marian Nowiński, Kazimierz Furga und Jacek Dyrzyński. So ist unser letzter Blick am Abend und unser erster Blick am Morgen natürlich auf Kunst gerichtet.

Selbst in dem Raum, den andere einer streng geometrisch-konstruktivistischen Keramikkunst widmen, geht es nicht ohne künstlerische Schönheit bei uns ab. Vier Terrakottaplastiken zieren hier das sonst sehr einfallslose Umfeld.

Alles in unserer Wohnung hat eine Geschichte. Wenn man mit diesen Dingen lebt, erzählen sie ihre Geschichte und werden Teil der eigenen Geschichte, jenseits jeder Geschichtspolitik. Die Kunst macht uns Mut, den Geschichten zu lauschen und sie selbst weiter zu erzählen: Ein weiteres Kapitel polnisch-deutscher Geschichte.


Text © Manfred Wolff, siehe Blog
Fotos © Urszula Usakowska-Wolff, siehe Homepage & Blog 

1. Engel von Józef Chełmowski im Flur
2. Siamesischer Engel von Józef Chełmowski
3. Apokalyptischer Engel von Józef Chełmowski im Flur
4. Eckengel von Józef Chełmowski im Flur
5. Kaschubischer Engel von Józef Chełmowski im Wohnzimmer
6. Heinrich Heine von Józef Chełmowski im Wohnzimmer
7. Blick ins Wohnzimmer I
8. Blick ins Wohnzimmer II
9. Heilige und Christusse sitzen auf der Fensterbank in Manfreds Wohnzimmer
10. Pietas in Urszulas Arbeitszimmer

Łużyce w Berlinie…

Urszula Usakowska-Wolff i Ewa Maria Slaska

… a będzie też i o tłumaczeniach z łużyckiego

Od wielu tygodni Tomasz Fetzki, który na użytek tego blogu, przybrał przydomek Viator, wędruje z nami po Zachodnich Kresach Polski i Wschodnich Kresach Niemiec czyli po Łużycach. Ciekawe, że dopiero teraz, dzięki wpisom Viatora, my dwie, Urszula i Ewa, od lat zamieszkałe w Berlinie, ustaliłyśmy, że obie jeździłyśmy na Łużyce, obie organizowałyśmy projekty polsko-niemiecko-łużyckie lub brałyśmy w nich udział i obie kiedyś tłumaczyłyśmy wiersze łużyckich poetek na polski i/lub niemiecki.

Zacznijmy jednak od tego, że w Berlinie te Łużyce nie są aż tak odległe i nieznane jak odległe i nieznane są w Polsce. W Berlinie tradycyjnie jeździ się do Spreewaldu, popływać barkami lub kajakami, pooglądać z wody wiosnę, lato czy jesień, kupić kiszone ogórki, najlepsze w całych Niemczech i szprewaldzką ciemnoniebieską ceramikę w białe kropy, a wiosną piękne pisanki, najpiękniejsze w całych Niemczech. Łużyczanie zwani tu Sorbami przyjeżdżają na polskie festyny do Berlina. Są sorbskie sklepy z lokalnymi produktami. Wszystko razem nie oznacza może jakichś niezwykle ożywionych kontaktów, ale te kontakty są i są nacechowane wzajemną sympatią.

Był jeszcze jeden ścisły związek łączący Berlin i Łużyce.

Poznałam Łużyce w ramach polsko-niemieckiego projektu kulturalnego Statek Literacki (Deutsch-Polnischer Poeten Dampfer) w latach 1995-1999, wtedy też widziałam wsie zniszczone przez wydobycie węgla brunatnego i księżycowy krajobraz jaki pozostawiają po sobie kopalnie odkrywkowe. Ten węgiel brunatny, w Polsce niemal zapomniany, mimo że oczywiście i my mamy jego wychodnie, że wspomnę Konin, Bełchatów i Turów, był w Berlinie i Brandenburgii po prostu wszechobecny. W Berlinie było i nadal jest, choć oczywiście teraz mniej niż przed 30 laty, mnóstwo mieszkań wciąż jeszcze ogrzewanych piecami, a najtańszym opałem był i jest właśnie węgiel brunatny. Sama tak mieszkałam kiedyś dawno temu. Opalane brykietami z węgla brunatnego mieszkania produkowały tony lotnego brązowego popiołu i wysyłały nad miasto kilometry sześcienne dymu w kolorze rdzy, co sprawiało, że zimą cały Berlin przybierał rudawy kolor. Co jakiś czas ogłaszano zagrożenie smogowe i wtedy jeździło trochę mniej samochodów, a to przecież mieszkania produkowały ten brązowy smog a nie samochody i pewnie trzeba by było zakazać palenia w piecach, ale na to by się przecież nikt nie poważył.
Już dawno nie mieszkałam w mieszkaniu z piecami, gdy podczas Polsko-Niemieckiego Statku Literackiego dotarłam na krawędź takiego wyrobiska węgla brunatnego i dopiero wtedy dotarło do mnie, że jego szkodliwość ekologiczna w Berlinie była małym problemikiem w porównaniu z tym, co on oznaczał na Łużycach. Choć oczywiście zanim zaczniemy urągać przemysłowi, przeczytajmy raz jeszcze wpis Tomasza Fetzkiego, który pisze o tym, jak trudno jest zachować równowagę pomiędzy naszymi potrzebami życiowymi a naszymi poglądami ekologicznymi.

Podczas projektu Poetendampfer (Parowiec Poetów – świetna nazwa, znacznie lepsza niż nudna nazwa po polsku!) poznałam też poetkę łużycką Róžę Domašcynę i na bieżąco tłumaczyłam jej wiersze na polski. Urszula z kolei brała udział w 32 Festiwalu Poezji Sorbskiej w Budziszynie w 2010 roku, też tłumaczyła wiersze Róžy i promowała ją w Westfalii. Moje tłumaczenia, wykonywane odręcznie na papierze, odczytywane podczas imprez z karteluszków, z kretesem zaginęły. Również Urszula nie ma wierszy Róžy po polsku, ale znalazła tłumaczenie wiersza Hańžy Budarjowej (1860-1937).

Prządki u kołodzieja w Łazie

W tym pięknym ogrodzie, do którego chętnie chodzę,
rosną kwiaty czarujące,
wszystkie pięknie kwitnące, w blasku wiosny lśniące,
młode, zapatrzone w słońce.
Te kwiaty są tak cnotliwe,
jak nasze wiejskie dziewki,
co u kołodzieja w Łazie zbierają się na prządki i śpiewki.

Może w tym ogrodzie znajdą się trzy róże,
które cudne imiona mają:
miłość, pokój i jedność, bo wszyscy Łużyczanie je znają
i za najpiękniejsze uważają.
Z tych róż przykład brać
i o nie dbać będziemy,
ale teraz sobie w Łazie znowu poprzędziemy.

Chcemy w naszym towarzystwie dalej się gromadzić,
żyć w spokoju i w pokoju, nikomu nie wadzić,
i do środy razem prząść i śpiewać wesoło,
bo już wkrótce słońce wzejdzie i zaświeci wkoło:
nad łąkami, nad lasami, nad polami,
i z ciemności nas wyzwoli,
byśmy mogli pracować na roli i śpiewać ze skowronkami.

A gdy starość nastanie, będzie czas na bajanie
o pięknych latach młodości,
o tym, ile radości sprawiało nam chodzenie
do kołodzieja przy Stawie w Nowym Łazie na przędzenie.
Oj, będą się nam dziwować,
oj, będą się naśmiewać
z naszych bajek, z naszych fraszek – młodzieńczych igraszek.

1927

Przekład z języka górnołużyckiego: Urszula Usakowska-Wolf, 2010

Hańža Budarjowa (1860-1937), aktywistka łużyckiego stowarzyszenia „Handrij Zejler“ w Lohsa (Łaz) i poetka ludowa, autorka 158 opublikowanych wierszy i 13 nieopublikowanych manuskryptów, pisała prawie wyłącznie po łużycku.

Róža Domašcyna, urodzona w roku 1951 w Zerna, mieszka i tworzy w Budziszynie. Foto Jens Domaška.

Zersplittet
den brustkorb an seinem brustkorb halten
mit der rechten hand seine linke herzkammer melken
mit der linken hand seine rechte herzkammer melken
dabei
das eigene vordertürchen verschlüsselt wissen
rücklings eine ferse in die hintertür stellen
und so wie so den hals verstöpselt tragen

Rozfragmentowanie
opierając klatkę piersiową o jego klatkę piersiową
prawą ręką dojąc lewą komorę jego serca
lewą ręką dojąc prawą komorę jego serca
a przy tym
pilnując by własne klapy były dobrze zamknięte
od tyłu wstawiając stopę w kuchenne drzwi
a szyjka i tak zakorkowana

Tłumaczyła Ewa Maria Slaska

A tu jeszcze wiersz Róży po łużycku, pełen gier słownych i gier z różnymi językami. Konia z rzędem temu, kto go przetłumaczy na jakikolwiek język 🙂

Kosycka, Reiherschnabel, Eródium

Rólerkacka: Odin! Mu Bechery heiss.
Reimscheues lobe. Dny corki. Hórka.
Hólce reibe krydu. Kino ma es. Rasch.
Birne, hack Kurioses. A hdy mrócele?
Rohes kusa irr. Cim bóle necke hody.
Hei, bóle minus. Sydk Recher kacora.

Unsterblicher Dichterrebell

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/4c/Andrzej_Bursa_2.jpg/308px-Andrzej_Bursa_2.jpgUrszula Usakowska-Wolff

ANDRZEJ BURSA

Der polnische Lyriker, Dramatiker und Journalist Andrzej Bursa wurde am 21. März 1932 in Krakau geboren. Er studierte Journalistik und bulgarische Philologie an der Jagiellonen-Universität in Krakau. 1952 heiratete er Ludwika Szemiot, Studentin der Akademie der Schönen Künste in Krakau, kurz danach kam ihr Sohn Michał zur Welt. Vom Dezember 1954 bis zum Sommer 1957 arbeitete er als Reporter der Krakauer Tageszeitung Dziennik Polski. Er starb plötzlich am 15. November 1957 an einer angeborenen Schwäche der Halsschlagader.

Andrzej Bursa, der zur Generation 1956 gezählt wird, also zu den Dichtern und Schriftstellern, die nach dem so genannten Oktober-Tauwetter 1956 in Polen in Erscheinung traten, war wegen seines frühen Todes mit 25 nur drei Jahre schriftstellerisch tätig. Von 1954 – 1957 veröffentlichte er, vor allem in Studentenzeitschriften, 37 Gedichte sowie die Erzählung »Mason«. Er schrieb auch den Roman »Die Tötung der Tante« und das Theaterstück »Karfunkel« sowie die Groteske »Der Drache«.

Andrzej Bursa war ein literarischer Rebell, seine Lyrik ist von Brutalität und Zynismus durchdrungen: Das sind die Spuren, die der Zweite Weltkrieg in der Psyche des Dichters und seiner Generation hinterlassen hat. Seine Gedichte sind naturalistisch und programmatisch antiästhetisch. Doch zugleich sucht er nach festen humanistischen Werten, nach dem Sinn des Lebens und des Leidens von Menschen und Tieren. In seiner Poesie enttarnt er die realsozialistische Wirklichkeit, den Opportunismus der Menschen und die Verlogenheit des Systems. Er lehnt sich gegen die Normen des gesellschaftlichen Lebens, gegen die polnische romantische Tradition, den Märtyrerkult und den vordergründigen Patriotismus, den Machismus und die kleinbürgerlich-katholische Moral und Religion, gegen das Böse auf, das von der Partei oder der Kirche zum Guten erklärt wird. Er ist ein literarischer Einzelgänger, ein wahrer Poète Maudit. Lange Zeit etwas in Vergessenheit geraten, wird er heute als »unsterblicher« Dichterrebell mit einem sanften lyrischen Kern verehrt. In Deutschland ist Andrzej Bursa, abgesehen von einigen wenigen Übersetzungen seiner Gedichte, die in Anthologien polnischer Lyrik erschienen, beinahe unbekannt.

Casanova

Giuseppe Casanova
den du so beneidest
war weder sehr reich
noch sehr stark
und seine Epoche
kannte viele Männer die genauso schön
wie er
oder schöner als er waren
aber er war höflich
……..zärtlich
…..ritterlich
und eroberte immer
obwohl er manchmal einfacher
sein Ziel erreichen könnte
also wenn du willst
erobere
wie er
Frauenherzen
und lass dich von Schwierigkeiten nicht entmutigen
Fang mit der eigenen Frau an

Der Poet

Der Poet leidet für Millionen
von 10 bis 13.20
Um 11.10 drückt ihn die Blase
er tritt aus
macht den Hosenschlitz auf
macht den Hosenschlitz zu
Kommt zurück räuspert sich
und erneut
leidet er für Millionen

Fußtritte

Er kam tatsächlich um etwas zu werden
aber schon in der ersten Tür ein Fußtritt
er lächelte
den Fußtritt fand er ziemlich witzig
versuchte es wieder
ein Fußtritt
beschloss einen Stock höher zu gehen
landete wieder im Erdgeschoss mit einem Fußtritt zu Fall gebracht
duckte sich brav im Flur
ein Fußtritt
ein Fußtritt im Tor
auf der Straße wieder ein Fußtritt

also wünschte er sich wenigstens einen poetischen Tod
warf sich vor ein Auto

dessen Fahrer ihm einen kräftigen Fußtritt verpasste

Sonnabend

Gott was für ein netter Abend
so viel Wodka so viel Bier
und dann ein Tohuwabohu
in den Kulissen dieses Paradieses
zwischen dem plüschigen Vorhang
und der Küche hinterm Gitter
fühle ich wie ich mich
vom Überfluss an Energie befreie
den mir die Jugend bescherte

möglich
dass ich sie anders einsetzen könnte
z.B. 4 Reportagen schreiben
über Entwicklungsperspektiven kleiner Städte
aber
………….leckt mich am Arsch kleine Städte
………….leckt mich am Arsch kleine Städte
………….leckt mich am Arsch kleine Städte!

Morgens im Park

Morgens bei meinen Exerzitien mit Bäumen im Park
treffe ich einen Einzelgänger mit Köfferchen auf einer entlegenen Bank
blicke ins Köfferchen
…………………………..brr
………………..Köfferchen ein zerstückeltes
…………………………..Baby
diskret biege ich in eine Seitenallee
dort geht Einer
ein Bündel ein Bündel schleppt er
klatsch… aus dem Bündel fällt ein abgeschnittenes Frauenbein
jetzt reicht es mir aber
ich flüchte in die entfernteste Ecke
wo der Park in eine stillgelegte Schutthalde übergeht
hier treffe ich einen bekannten Buchhalterversager
leidenschaftlichen Kräutersammler
aber was schreitet denn da neben ihm her?
……………………….Ein Pferd?
……………………….Ein Hund?
etwas Kleineres als ein Pferd
und Erhabeneres als eine Dogge
ach … eine Chimäre
er weidet hier in der Einsamkeit seine Chimäre
armes Alterchen

1957

* * *

Doktor C reicher Wundertäter
und das alles aus eigener Kraft

………………..(schwere Kindheit aus eigener Kraft
………………..Gymnasium……….aus eigener Kraft
………………..Medizin……….aus eigener Kraft
………………..Villa bequemer……….als Himmel
………………..und zwei Autos schöner als..Sterne
………………..auch……….aus eigener Kraft)
sammelt Krüppel
solche Deppen ohne Hände und Füße
er hat davon 22
also zweimal 11
und verkündet
………….hoppla Jungs heute lernen wir Fußball spielen
– wir haben keine Füße – kreischen diese Penner
– ach Blödsinn – runzelt der Doktor seine Stirn
ich ging durchs Leben aus eigener Kraft
aus eigener Kraft kann man Wunder bewirken
und zwinkert dem Pfleger einem ausgedienten Ex-Sergeanten zu

ein halbes Jahr dauerte das Training im Sanatorium hinterm Stacheldraht

ich weiß nicht ob ihnen Füße gewachsen sind
ich weiß nicht wie es geschah
aber ich sah ihr Frühlingsmatch
die Jungs spielten prima Fußball

Aus dem Polnischen von Urszula Usakowska-Wolff
Ursprünglich erschienen im MATRIX – Zeitschrift für Literatur und Kunst Nr. 2/2009 (16). Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Übersetzerin.

Kapoor po raz drugi

2.anish_kapoor-kleinO Kapoorze w Berlinie już pisałam, ale był to klasyczny tekst informacyjny. Tym razem Urszula Usakowska-Wolff udostępniła nam pełnowymiarową recencję. Czytajmy i przyjeżdżajmy do Berlina. Wystawa trwa do 24 listopada, czyli wciąż jeszcze spokojnie zdążymy.

Wzniosłość i męka
Anish Kapoor w Berlinie

Pokryty szklaną kopułą dziedziniec muzeum Martin-Gropius-Bau w Berlinie wygląda obecnie jak kopalnia odkrywkowa. Ustawione tam w niesymetrycznych odstępach cztery wąskie taśmociągi bardzo powoli i niezbyt głośno przesuwają się do góry. Co jakiś czas pojawiają się na nich pojedyncze bloczki w kolorze buraczków. Po dotarciu do krawędzi taśmy zatrzymują się na chwilę, jakby wahały się, czy skoczyć w przepaść. Następnie spadają z hukiem, tworząc na pokrytej szarą folią posadzce cztery coraz większe bordowe kupki. Nad tą przemysłową scenerią góruje wielka amarantowa tarcza. Ponieważ stoi na metalowym rusztowaniu, trochę przypomina antenę paraboliczną.

33.anish_kapoor_dzwon-klein
Kopalnia sztuki

Czarne taśmociągi, bloczki z buraczków, tarcza i kupki pod kopułą są, jak się nietrudno domyślić, prawdziwą kopalnią sztuki. To wieloczęściowe dzieło z metalu i wosku nazywa się Symphony for a Beloved Sun (Symfonia ukachanego słońca) i jest największym, bo zajmującym powierzchnię 600 metrów kwadratowych, ale nie najgłośniejszym dziełem Anisha Kapoora na parterze Martin-Gropius-Bau. Jego pierwsza, tak pokaźna wystawa w stolicy Niemiec nazywa się skromnie Kapoor w Berlinie i gromadzi 70 obiektów i instalacji, które najsłynniejszy rzeźbiarz brytyjski stworzył w ostatnim trzydziestoleciu. Nie jest to retrospektywa, bo podobno ponad połowa eksponatów została wyprodukowana specjalnie na tę ekspozycję. Wyprodukowana, ponieważ Anish Kapoor jest przedsiębiorcą zatrudniającym w swojej art factory na południu Londynu 20 asystentów, którzy w kombinezonach ochronnych i maskach przeciwgazowych zamieniają pomysły maestro w widowiskowe formy ze stali szlachetnej, wosku, wazeliny, poliestru, włókna szklanego, wapnienia, pigmentów, drewna i innych mniej lub bardzie sztucznych tworzyw artystycznych.

Kapoor i Kant

Pokaz kreatywności Kapoora i technicznych umiejętności jego asystentów w 14 salach o powierzchni 3.000 metrów kwadratowych jest pokazem podwójnego monumentalizmu: na pozór bardzo nowoczesna sztuka z dość egzotycznych materiałów, często w bardzo dostojnych odcieniach czerwieni, robi w monumentalnych wnętrzach budynku z końca XIX w. przytłaczające wrażenie. Wielkość jest jednym z wielu języków rzeźby, których nie należy się bać, mówił Anish Kapoor na konferencji prasowej, która odbyła się 17 maja, w przeddzień otwarcia jego wystawy. Boimy się wielkości, może dlatego, że jest nieśmiertelna, jak ją definiował Kant. Natomiast skala jest czymś tajemniczym. Jeżeli jest właściwa, to nie wiadomo dlaczego. Skala jest mieszanką wielkości i znaczenia. Wielkość jest sensowna, kiedy jest tajemnicza. Ta właśnie tajemniczość rzeźb Kapoora, które wyglądają, jakby pochodziły nie z tego świata, sprawiła, że wcześnie zwrócił na siebie uwagę instytucji, decydujących o sukcesie na rynku sztuki. W 1979 r. wieloczęściowa instalacja 1000 Names, złożona ze stojących na podłodze niewielkich form z pigmentu w kolorach czerwonym, żółtym, błękitnym i czarnym przyniosła mu międzynarodową sławę.

Zachwycająca dziura

Kariera urodzonego 12 marca 1954 r. w Bombaju syna hinduskiego inżyniera i matki, pochodzącej z żydowskiej rodziny w Iraku, jest pasmem niekończących się sukcesów. W wieku 16 lat Anish wyjeżdża do Izraela, mieszka w kibucu i zaczyna studia elektrotechniki. Postanawia jednak zostać artystą. W 1973 podejmuje decyzję, mającą dalekosiężne skutki dla jego przyszłości. Wyjeżdża do Londynu, gdzie studiuje na renomowanych akademiach sztuki Hornsey College of Art i Chelsea College of Art. W 1990 r. reprezentuje Wielką Brytanie na Biennale w Wenecji, gdzie otrzymuje Premio Duemila, przyznawane najlepszym młodym artystom. Rok później uhonorowany zostaje Nagrodą im. Turnera. W 1992 r. uczestniczy w documenta IX w Kassel, gdzie pokazuje Descent into Limbo: czarną dziurę w betonowym pawilonie, obiekt zarówno kosmiczny jak i być może mitologiczne zejście do piekła. Ta minimalistyczna instalacja, dająca duże pole do interpretacji, zachwyca świat sztuki, ponieważ zaciera granice między rzeźbą i malarstwem. Zyskuje opinię twórcy, który umożliwia publiczności, dzięki obcowaniu z jego coraz bardziej spektakularnymi formami przestrzennymi, odpłynięcie w przestrzeń czystej duchowości. Jednak chwilowa transcendencja, którą przeżyć można w zetknięciu ze sztuką Kapoora, nie może być, jego często cytowanym zdaniem, namiastką doświadczeń religijnych. W 1996 r. komitet odbudowy zniszczonego w czasie II. Wojny światowej barokowego Kościoła Mariackiego w Dreźnie zamawia niego ołtarz. Zostaje on wykonany z czarnego irlandzkiego wapienia i ustawiony w podziemiach świątyni.

Nie do ogarnięcia wzrokiem

Anish Kapoor został uznany za rzeźbiarza, tworzącego dzieła, które spełniały potrzeby duchowe konsumentów sztuki. Pisano, że łączy w nich duchowe tradycje Wschodu z ideą sublimacji tradycji kulturowej Zachodu, że przenikają przestrzeń fizyczną i spirytualną. Im częściej powtarzał, że jako artysta nie musi przekazywać żadnych treści, że interesuje go głównie związek między formą i kolorem, mianowicie, kiedy forma staje się kolorem, a kolor formą, tym bardziej postrzegano go jako demiurga sztuki. Prawdziwą gwiazdą pop kultury stał się jednak w na początku XXI w. Jako trzeci artysta (po Louise Bourgeois w 2000 i Juanie Muňoz w 2001 roku) otrzymał w 2002 roku zlecenie na wykonanie instalacji w gigantycznej hali turbin (155 m długości, 23 m szerokości i 35 m wysokości) londyńskiej Tate Modern. Do pokazywanego tam przez rok Marsjasza zainspirował go krwawy obraz Tycjana Apollo i Marsjasz (1575-1576), przedstawiający obdarcie ze skóry wiszącego do góry nogami na drzewie satyra przez boga światła, muzyki i śpiewu. Marsjasza Kapoora, dwa rozpostarte ramiona w krwistym kolorze i w kształcie podobnym do podwójnej trąby powietrznej, zajęły całą przestrzeń hali. Nie można ich było w całości ogarnąć wzrokiem.

Pomniki dla władców świata

W 2004 r. na zlecenie firmy należącej do koncernu telekomunikacyjnego AT&T Kapoor zaprojektował monumentalną rzeźbę Cloud Gate w Millenium Park w Chicago. Ta ważąca ponad 110 ton Brama chmur z nierdzewnej polerowanej na lustro stali (koszt 23 miliony dolarów), która z daleka wygląda jak gigantyczne nasiono fasoli, jest jedną z atrakcji położonego na Placu AT&T, głównego sponsora parku, powstałego w dzielnicy handlowej na terenie byłego dworca kolejowego w centrum Chicago. W 2009 r. Royal Academy of Arts zorganizowała rzeźbiarzowi wystawę, którą odwiedziło 300.000 osób. W 2011 r. zadziwił Kapoor nie tylko Paryż: w ramach corocznego cyklu Monumenta zainstalował w Grand Palais Lewiatana, do którego zainspirowała go powieść Thomasa Hobbesa. Trzy ważące 12 ton nadmuchane i połączone ze sobą plastykowe balony o rozmiarach 100 x 100 x 34 m, które można było zwiedzać z zewnątrz i wewnątrz, zadedykowane były słynnemu artyście Ai Weiwei, aresztowanym w kwietniu 2011 r. przez władze chińskie i przetrzymywanym w nieznanym miejscu. Z okazji Letnich Igrzysk Olimpijskich w Londynie Kapoor zaprojektował 114-metrową wieżę widokową w pobliżu Stadionu Olimpijskiego, wyższą o 22 metry od Statuy Wolności w Nowym Jorku. Na cześć głównego sponsora, stalowego barona Mittala i jego koncernu Arcelor, wieża nazwana została ArcelorMittal Orbit. Praca na obstalunek i za pieniądze dzisiejszych władców świata, którzy stawiają sobie kosztowne, monumentalne i dość bezgustowne pomniki w przestrzeni publicznej, się opłaca. Anish Kapoor zaliczany jest obecnie do najbogatszych artystów na świecie.

Kolejna odsłona

O tym, że jego majątek szacowany jest na ponad 45 milionów Euro, a jedną z jego aluminiowych rzeźb dom aukcyjny Sotheby’s w Nowym Jorku sprzedał w ubiegłym roku za 1,2 miliona Euro, berlińskie i ogólnoniemieckie gazety, łącznie za tabloidami, informowały na długo przed rozpoczęciem wystawy Kapoor w Berlinie. Trudno się dziwić, że wzbudziła i wzbudza nadal wielkie zainteresowanie medialne, tym bardziej, że kuratorem pokazu jednego z najważniejszych artystów współczesnych jest Sir Norman Rosenthal, jeden z najbardziej znanych kuratorów i krytyków sztuki na świecie. Słynny kurator porównał słynnego rzeźbiarza do innych słynnych mistrzów, którzy na trwałe zajęli miejsce w historii sztuki i literatury: do Vermeera, Malewicza, Lissitzkiego, Tatlina, Rothko, Newmana, Pollocka, Beuysa, Goethego, Ibsena, żeby wymienić tylko kilku z nich. Przekonywał, że podstawą istniejącego od ponad trzech dziesięcioleci teatru rzeźby Anisha Kapoora, którego kolejną, znaczącą odsłoną jest berlińska wystawa, są zarówno estetyka przytłaczania jak i estetyka wzniosłości i ciszy. Fascynują poprzez specyficzny dualizm: porządek i chaos, równość i nierówność, pustkę i gęstość, ciszę i hałas, niewypowiedzianą seksualność i ascezę. A kolor jego jest czerwony, bo to symbol niekończących się możliwości, począwszy od wzniosłości i męki aż do podniosłości i triumfu. Jak w Fontannie krwi z Kwiatów zła Baudelaire’a. Krwi, która wszystkie barwy w przyrodzie w czerwoną zmienia. Wow!

Męczące odcienie czerwieni

Z niektórymi słowami Normana Rosenthala można się zgodzić. Teatr rzeźby Kapoora składa się z rekwizytów, które przytłaczają. Rozmiarami, odczuwalnym fizycznie ciężarem, pretensjonalnymi tytułami, które, jak na przykład Rana (1988), Gethsemane (2013), Apokalipsa i milenium (2013), Krwawe lustro IV (2013) i śmierć Lewiatana (2011-2013) sugerują, że artysta chce nas uczulić na sprawy bolesne, doniosłe, że jest świadomy zagrożeń politycznych, społecznych i ekologicznych w zglobalizowanym świecie. Nic z tych rzeczy. Jego sztuka jest przede wszystkim sztuka triumfalnej męskości, może też jakichś ukrytych lęków kastracyjnych, bo w fallicznych obiektach tkwią kawałki drewna, podobne do noża. Wokół wielkiego fallusa z wosku i farby olejnej (Bez tytułu, 2010) bardzo powoli obraca się jeszcze większa płyta z metalu, zdzierając z niego kolejne warstwy. Męcząca, chwilami wręcz nieznośna jest agresywna wszechobecność czerwieni w przygnębiających odcieniach, przed która nie sposób uciec. Po przebrnięciu i dokładnym obejrzeniu masy eksponatów nie da się ukryć, że Sir Anish Kapoor, pasowany w czerwcu przez królową na rycerza, jest przede wszystkim designerem, stale powielającym te same pomysły: czarne dziury, cały ten wosk i plastyk. Nawet zwłoki Lewiatana, z którego po paryskim mega pokazie asystenci wypuścili powietrze, pokazywane są w Berlinie w dwóch pomieszczeniach, które wyglądają jak magazyn zużytych worków na śmieci. Są wprawdzie sale, w których można by się trochę pośmiać i rozerwać, bo wiszą tam słynne kapoorowskie wklęsłe i wypukłe lustra, zabawnie deformujące sylwetki i stawiające ludzi na głowie, ale…

18.anish_kapoor_vertigo-kleinObszary niebezpieczeństwa

… ale na tej wystawie prawie wszystko jest zabronione, bo może zaszkodzić sztuce lub zdrowiu. Przy kasie biletowej i wejściu na Kapoora w Berlinie wiszą trójkąty ostrzegawcze, które ogólnie proszą drogich zwiedzających o przestrzeganie zakazu wejścia na obszary niebezpieczeństwa. W salach z lustrami ściany oblepione są trójkątami z prośbą o zachowanie szczególnej ostrożności. Niezwykłe odblaski światła z lustrzanych rzeźb mogą państwa oślepić lub zakłócić zmysł orientacji. Eksponatów w żadnym wypadku nie wolno dotykać. Istnieje niebezpieczeństwo, że przez dotyk ich niezwykle delikatne powierzchnie ulegną uszkodzeniu. Prosimy o zachowanie należytej odległości od obiektów i nie przekraczania czarnej linii. Niewskazane jest też zbyt intensywne obcowanie z rzeźbami z żywicy, prosimy o wyrozumiałość, bo wydzielają one ostry zapach, mogący spowodować podrażnienie dróg oddechowych. Wymiana powietrza gwarantuje, że pobyt w pomieszczeniach wystawowych nie daje powodów do obaw. Istnieje też niebezpieczeństwo pobrudzenia się czerwonym woskiem. Prosimy o unikanie kontaktu z nim. Natomiast w salce z armatką, z której co jakiś czas młody mężczyzna strzela czerwoną kulą z wosku do kąta (stąd też ta już pokazywana często w innych miejscach głośnia instalacja z 2008-2009 r. nazywa się Shooting into the Corner), nawet obowiązek założenia nauszników ochronnych nie zmniejsza ryzyka utraty słuchu. Podczas wystrzału kuli występuje wysoka intensywność dźwięku. Osobom wrażliwym na wysokie ciśnienie akustyczne zaleca się opuszczenie pomieszczenia przed jej wystrzałem.

38.anish_kapoor_shooting+into+the+corner-kleinJeśli jeszcze raz miałabym się wybrać na wystawę tej ryzykownej sztuki, to przedtem kupię sobie biały kombinezon ochronny z maską przeciwgazową. W stylu odzieży roboczej asystentów Anisha Kapoora.

Tekst i zdjęcia © Urszula Usakowska-Wolff

Tekst ukazał się Kwartalniku Rzeźby Polskiej Orońsko 2 (91) 2013. Publikacja na blogu za zgodą autorki.

www.berlinerfestspiele.de

Katalog: Anish Kapoor
Symphony for a Beloved Sun
Verlag Walther König, 2013
po niemiecku i angielsku
34 Euro w kasie muzeum
48 Euro w księgarni