Mit Corona im Kopf

Autorin wohnt in der berühmten Berliner Regenbogenfabrik, wo sie z.Z. das Kulturprogramm verantwortet. Aber zu Regenbogenfabrik gehört so viel – Wohnhaus (vor 40 Jahren ein bestztes Haus), Hostel, Kantine, Kita, Fahrradwerkstatt, Tischlerei, Kino, Kiezcafè, Austellungen, Lesungen, Konzerte... Wie oft haben wir vom WIR e.V., aber auch von Städtepartner Stettin e.V. in der Fabrik Veranstaltungen und Workshops organisiert, Filme gezeigt, unsere Gäste übernachten lassen.

Christine Ziegler

Liebe Ewa

Es ist erst eine woche her, dass ich begriffen habe, wie sehr dieses virus in mein leben eingreift. Meine letzte renitenz ist die fahrt zur steglitzer arbeitsstelle mit dem rad, die mir persönlich vergnügen und viel nachdenklichkeit beschert hat.

Die entscheidungen, die jeden tag in neuem gewand auf einen zukommen, sind nicht immer einfach. Auf der hygienischen und medizinischen seite hab ich schon viel gelernt und für mich persönlich bin ich auch wenig ängstlich. In der gesamtverantwortung ist es dann schon anders. Und die spaltet sich dann auch auf in die verschiedenen teile. Schutz von menschen, die ein höheres risiko haben als ich, aber auch den zusammenhalt der menschen nicht endlos unterminieren. Und wir als regenbogenfamily sind sowieso nicht in den „little boxes on the hillside“ verpackt und unsere grenzen sind sehr fluid. Dazu kommt dann auch noch das tiefe finanzielle loch, dass sich nun schon wieder und in bisher nie gekanntem ausmaß auftut, nachdem alle gäste storniert und alle vier kitas, die von der kantine bekocht werden, nun kein mittagessen mehr brauchen. Und soll die kultur als lebensmittel und stimmungsaufheller aufhören, wenn bei uns sowieso in der regel weniger als 50 menschen kommen? aber wollen wir wirklich mit anwesenheitsliste dastehen und alle erfassen? Aber die künstlerinnen, die bei uns auftreten, leben ja auch oft von der hand in den mund, wie sollen die jetzt satt werden? Aber wer kommt überhaupt, wenn wir die tür auflassen?

Nun denn, das haben so viele andere auch, so wird es auch was gemeinsam rettendes geben.

Die morgendliche fahrt mit dem rad zur arbeit nach steglitz war dann ganz wunderbar. Es ist ein genuss, bei diesem schönen wetter durch die stadt zu fahren und alles ist so entspannt, denn das motorisierte verkehrsaufkommen ist unvergleichlich viel kleiner als sonst und da hat die rücksichtnahme deutlich mehr chancen.

Dabei gab es für mich noch einen erinnerungsflash: als das akw in tschernobyl hochging, da war die sonne auch so brilliant und wir standen auch einer ganz und gar unsichtbaren gefahr gegenüber. Und als wir sie langsam kapierten, da war es erst auch eine gefahr, „weit weg“ und „nur dort“ ganz akut tödlich. Hatte das wirklich was mit uns zu tun? Dies mal ist china viel weiter weg, doch ist heut alles noch viel näher. Der große unterschied: Wir werden in den heutigen zeiten so viel besser informiert, da haben wir einen echten fortschritt erlebt. Der sich aber manchmal auch in sein gegenteil verkehren kann, wenn ungesicherte fakten und undgebremste meinungen aufeinanderprallen.

Und ich denke viel darüber nach, was wir hoffentlich gelernt haben werden, wenn die krise vorbei ist. es sind die kleinen risse und feinheiten. Wenn sie erst die kitas ganz zumachen und dann merken, dass die „systemrelevanten“ menschen nun noch weniger arbeitsfähig sind, weil die kinder versorgt werden müssen. Da könnte dann für die zeit danach die liste der systemrelevanten berufe ein guter katalog sein, wenn es um die nächsten tarifverhandlungen geht. In der liste stehen einige berufe, die verdammt schlecht bezahlt werden. So hoffe ich, dass die welle der dankbarkeit, die sich zurzeit und erfreulicherweise in den sozialen medien breitmacht, dann später in konkrete solidarität umgemünzt wird. Und das muss ja mehr sein, als die unterstützung von beschäftigten und ihren gewerkschaften, da muss auch die politik umsteuern und dieses billig, billig nicht mehr unterstützen. In der taz gab es heute auch die erinnerung, wer alles dafür sorgt, dass informationen auch zirkulieren und das sind eben nicht nur die journalist*innen, sondern auch die zeitungsausträger*innen und systemadmins etc.

Und studien wie die von bertelsmann im letzten jahr, mit dem tenor, dass wir uns die hälfte der krankenhäuser sparen können, werden hoffentlich auch so schnell nicht wieder geschrieben.

Und vielleicht steigt auch die einsicht, dass privatisierung in der daseinsvorsorge nichts zu suchen hat.

Ja, das waren so meine gedanken auf dem weg von kreuzberg nach steglitz. Normalerweise mache ich nicht viel in den sozialen medien, doch diese gedanken will ich noch mal unterbringen. Die situation der geflüchten und die fragen zu rassismus habe ich da noch gar nicht mit ins spiel bringen können. Der rest der sorgen macht ja nicht halt, auch wenn nix anderes als corona mehr in der zeitung steht.“

Inzwischen haben wir in der regenbogenfabrik alle veranstaltungen bis zum 30.4. abgesagt, der betrieb in den anderen bereichen ist auf ein minimun reduziert und es gibt auch keine besucher*innen mehr. wir wenden uns nach innen und betreiben krisenmanagement. Und halten auf abstand, was sich komisch anfühlt, aber ohne abstand würde sich auch komisch anfühlen.

Liebe grüße

Christine

7 thoughts on “Mit Corona im Kopf”

  1. Leider es ist so, Corona im Kopf, und hier ist aber für den Körper:

    Lg.T.Ru
    😍😍😍😍⚘⚘⚘⚘⚘

  2. Dieses etwas für den Körper ((Video) tut wirklich gut, ausprobiert!!!!..
    T.Ru

  3. Auch das Tanzen bringt etwas gutes, probieren Sie es, (wer nur möchte) einfach aus..

    Lg.Ru

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