Prof. Lidia Głuchowska

Margarete Kubicka, Hekube
Ausstellungen von Margarete Kubicka im Projektraum Kunst-im-Tauthaus





In der vergangenen Woche haben wir in einem Beitrag über das Gemälde Die Legende von Kranae (1962) an die Künstlerin Margarete Kubicka (1891–1984) erinnert, die in ihrer Jugend mit der polnisch-deutschen Avantgardegruppe Bunt (1917–1922) nahestand, welche vornehmlich in Posen und Berlin wirkte.
Die Malerin, Grafikerin und Dichterin blickte auf ein langes Leben zurück und hinterließ ein Werk von mehreren Tausend Arbeiten. Während ihr Schaffen aus der Zeit vor 1945 wissenschaftlich fundiert aufgearbeitet ist, erweist sich ihr umfangreicher Nachlass aus der Nachkriegszeit als so vielschichtig, dass dessen systematische Erfassung selbst für die Forschung ein mehrjahrzehntelanges Unterfangen darstellen würde.
Einen prägnanten Überblick über ihr Oeuvre bot im vergangenen Monat eine Ausstellung im Projektraum Kunst-im-Tauthaus in der Berliner Hufeisensiedlung. Die von den Architekten Bruno Taut und Martin Wagner sowie dem Gartenarchitekten Leberecht Migge in den Jahren 1925–1933 entworfene Anlage gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Wahl des Ausstellungsortes besitzt historischen Bezug: Margarete und Stanisław Kubicki zählten zu den Erstbewohnern der Siedlung.

Bereits vor knapp einem Jahr widmete sich am selben Ort eine prägnante Präsentation dem Schaffen Kubickas. In den unrenovierten Innenräumen eines für die Siedlung typischen Wohnhauses wurden rund 30 Gemälde, Aquarelle und Grafiken der vielseitigen Künstlerin gezeigt. Unter den grafischen Arbeiten stach ihr eindringliches, expressionistisches Selbstbildnis von 1918 hervor (links), dessen flächenhafte Schwarz-Weiß-Kontraste an die
Ästhetik zeitgenössischer Avantgarde-Zeitschriften wie Der Sturm, Die Aktion oder das Posener Organ Zdrój anknüpfen. Charakteristisch für die Formensprache ihres Frühwerks standen zudem zwei Aquarelle aus der wohl bedeutendsten Serie dieser Schaffensphase – dem ihrem Ehemann gewidmeten Manifest über die Rolle des Künstlers Hommage à Kubicki



1924 Kubicki und die Wissenschaften, Kubicki – mit Steinen und Insekten sowie das Blatt Baum im Sturm (1923)
An die düstere Ära des Nationalsozialismus erinnerten drei Arbeiten: das monumentale Aquarell Hekuba (1939, aus dem erst 1943 fortgeführten fünfteiligen Zyklus Frauen – siehe oben) sowie zwei intimere Blätter aus der autobiografischen Folge 1945:




Oben rechts: Britzer Kreis; unten: Geliebter Baum – Heimat der Seele, Gefäß der Jugendtränen und Ewig dunkle Frage.
Das thematische Spektrum ihres Nachkriegsschaffens, in dem sie sich über Jahrzehnte hinweg intensiv mit Historie, Mythologie, Naturwissenschaften, Literatur und Philosophie auseinandersetzte, spiegelte sich in einer Gruppe deutlich großformatigerer Arbeiten wider. Hervorzuheben ist hierbei das in Indigo- und Grautönen gehaltene Bild Britzer Kreis (1953), das auf die konspirativen Treffen des antinazistischen Widerstands im Hause Kubicka Bezug nimmt. Weiterhin zu nennen sind der Fries Es werde Licht – Evolution (1961) sowie zwei farblich wie dynamisch herausragende Leinwände aus dem Zyklus James Joyce tanzt (Griechischer Tanz, Das Tänzeln mit Stöckchen, Die Erstarrung im Alter, 1962). Zu den Arbeiten dieser Reihe hinterließ Kubicka eingehende schriftliche Kommentare unter Bezugnahme auf die damalige biografische Literatur zum Schriftsteller.
Es ist unmöglich, alle auf dieser Ausstellung gezeigten Arbeiten aufzuzählen, geschweige denn zu beschreiben. Sie können jedoch in der beigefügten Dokumentation aus dem Projektraum Kunst-im-Tauthaus eingesehen werden. Ich erwähne daher nur noch drei Werke aus der 21-teiligen Reihe Religionsstifter (1962), in der die Künstlerin zur Technik des Linolschnitts zurückkehrte, die für die Expressionisten in ihrer Jugend klassisch war.



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Ein besonderer Dank gilt Herrn Ralf Rose/ Projektraum Kunst-im-Tauthaus für die freundliche Bereitstellung der Ausstellungsdokumentation.
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Fotos: 5-13, 15 – Juliane Kubicki, Werkreproduktionen: Archiv Lidia Głuchowska
