Eine Kulturgeschichte der Kartoffel (Reblog)

spektrum.de 
Daniel Meßner und Richard Hemmer

Kleine Geschichte der Kartoffel – oder: Warum heutzutage alles anders ist
Wäre die Kartoffel nie nach Europa gelangt, würde die Welt heute ganz anders aussehen.

© AKG Images (Ausschnitt)

Wer einen Abstecher ins Europa des 15. Jahrhunderts machen könnte, würde wohl auf dem Speiseplan der Menschen die Kartoffel vermissen. Die Pflanze ist heute so allgegenwärtig, dass es schwerfällt, sich ein Leben ohne sie vorzustellen. Dabei war sie zu jener Zeit in anderen Teilen der Welt schon ein weit verbreitetes Nahrungsmittel: An den ersten Kartoffelknollen taten sich Menschen in Peru wahrscheinlich schon vor 5000 Jahren gütlich.

Dass die Kartoffel schließlich nach Europa kam, ist vermutlich den Spaniern zu verdanken. Im Jahr 1565 wurde eine Kiste der Knollen an den spanischen König Phillip II. geschickt, der einige davon dem Papst in Rom weitergab. Der war so angetan, dass er einem niederländischen Kardinal ein paar Kartoffeln zukommen ließ. Schließlich gelangten diese Knollen zu jenem Mann, der sie als Erster in seinem Werk »Rariorum Plantarum Historia« beschreiben sollte: dem niederländischen Botaniker Carolus Clusius.

Die Spanier waren’s – oder die Engländer!
Auch den Engländern wird nachgesagt, sie hätten die Kartoffel aus der Neuen Welt mitgebracht. Richtig beweisen lässt sich aber weder die eine noch die andere Theorie. Tatsache ist, dass die Kartoffel gegen Mitte des 17. Jahrhunderts in Europa bekannt war und auch angepflanzt wurde, anfangs allerdings in erster Linie als Zierpflanze.

Vor allem in Deutschland verlief die Verbreitung der Kartoffel eher schleppend. In England wurde der Anbau bereits um 1660 empfohlen. In Deutschland gab es zu dieser Zeit Missernten – die verbreitete Art Andigena war nämlich für das nordeuropäische Klima nicht wirklich geeignet. Erst mit der Solanum tuberosum, die aus Chile importiert wurde, gelang der Anbau in nördlicheren Gebieten.
Nicht ganz unwesentlich für die stockende Verbreitung war der anfängliche Glaube, dass die Kartoffel giftig sei. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen, da nur der Genuss der Knolle unbedenklich ist. Doch nicht nur das: In Frankreich beispielsweise hielt sich hartnäckig der Mythos, die Kartoffel würde Lepra auslösen.

Schließlich gab es auch noch einen agrarpolitischen Grund: den Flurzwang. Durch Vorschriften von Gemeinde und Obrigkeit hatte die Landbevölkerung meist keine freie Wahl, welche Frucht sie auf ihren Feldern anpflanzen konnte.
Es ergeht: der Kartoffelbefehl!
Dass die Kartoffel schließlich doch ihren Siegeszug begann, ist in weiten Teilen wohl einem Monarchen geschuldet: Friedrich II. von Preußen (1712-1786). Schon sein Vater, Friedrich Wilhelm I., hatte dasselbe versucht, allerdings mit nur mäßigem Erfolg.

© AKG Images (Ausschnitt)

Die Kartoffel von 1588 | Dieses Aquarell von Philippe de Sivry ist die erste europäische Zeichnung der Kartoffel. Das Bild erschien in Carolus Clusius’ Werk »Rariorum Plantarum Historia«.

Friedrich der Große beschloss die Sache offiziell zu machen und erließ ab 1746 nicht nur ein, sondern gleich drei Kartoffel-Edikte. In allen drei Edikten wurde verlautbart, dass die Kartoffel nun, wo auch immer möglich, anzupflanzen sei. Zusätzlich wurden Instruktionen zum Anbau gedruckt und unter der Bevölkerung verteilt. Friedrich und seinen Beratern war aufgefallen, dass die Bevölkerung noch sehr wenig über die Kultivierung der Pflanze wusste.

Wer sich fragt, warum Friedrich solch ein Interesse daran hatte, den Kartoffelanbau in seinem Reich zu forcieren, muss sich nur die Auswirkungen diverser Kriege jener Zeit ansehen. Schon im Dreißigjährigen Krieg, aber auch zur Regierungszeit Friedrichs, als mehrere Kriege gegen das Habsburgerreich geführt wurden, waren die Folgen für die Landbevölkerung katastrophal. Es wurden Felder zerstört, und marodierende Heere plünderten die Getreidereserven. Die Kartoffel brachte da gleich zwei Vorteile mit: Die Knolle ist deutlich kalorienreicher als Getreide und lässt sich besser und länger lagern.

Selbst nach Friedrichs Kartoffel-Edikten dauerte es aber noch einige Jahre, bis die »Tartuffel«, wie sie unter anderem genannt wurde, tatsächlich weit verbreitet war. Doch Hungersnöte wie die von 1770 bis 1772 und 1774 überzeugten die Landbevölkerung dann von den Vorzügen des Kartoffelanbaus.

Eine folgenreiche Entwicklung
Die Auswirkung der schließlich großen Verbreitung der Kartoffel ist laut Historiker William McNeill kaum zu überschätzen: Mehr Kalorien und weniger Arbeit beim Getreideanbau setzten ein Bevölkerungswachstum in Gang, aus dem sich auf lange Sicht nicht nur die Industrialisierung, sondern auch die großen europäischen Armeen speisten. Im Grunde dürfte auch die neuzeitliche Kolonialisierung auf die Kartoffel zurückgehen. Freilich nicht nur – diese Erklärung allein wäre zu simpel.

Doch nicht immer brachte die Kartoffel Vorteile. Das wird im Fall der großen Hungerkatastrophe im Irland des 19. Jahrhunderts sichtbar: Eine durch Kartoffelfäule ausgelöste Hungersnot kostete mehr als einer Million Menschen das Leben, zwei weitere Millionen waren gezwungen, das Land zu verlassen, um vor allem in der Neuen Welt ihr Glück zu suchen.
Wie auch immer – die Kartoffel hat Europa nachhaltig verändert. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal Pommes essen!

Die beiden Historiker Richard Hemmer und Daniel Meßner bringen jede Woche eine Geschichte aus der Geschichte auf ihrem Podcast »Zeitsprung«. Auch auf »Spektrum.de« blicken sie in die Vergangenheit und erhellen, warum die Dinge heute so sind, wie sie sind.

 


PS: Für diejenige, die Kartoffel, Holz und Bäume mögen und faszinierende Familien-Geschichten gern lesen, ist an dieser Stelle dieser Roman sehr herzlich zu empfehlen. Eine Geschichte über einen Kartoffelbauern.

Aus der Buchbeschreibung des Buchhandels:

Auf einem entlegenen Bergbauernhof im norwegischen Gudbrandstal wächst Edvard mit seinem wortkargen Großvater Sverre auf. An seine Mutter hat er nur eine vage Erinnerung – an einen Duft, ein Gefühl von Wärme, einen blauen Rock. Lars Mytting erzählt die Geschichte einer verzweifelten Suche nach der Mutter, dem Vater, den eigenen Wurzeln – und einer Reise, die Edvard durch fremde Länder führt und dessen Familiengeschichte ein ganzes Jahrhundert umfasst: das Jahrhundert der großen Tragödien.Edvards Eltern sind ums Leben gekommen, als er drei Jahre alt war. Um ihren Tod wird ein Geheimnis gemacht, und auch um den Ort, an dem sie starben. Zu diesem Geheimnis gehört auch das Schicksal Einars, des Bruders des Großvaters. Edvard weiß nur, dass er ein Meistertischler war und als junger Mann zur Ausbildung nach Paris ging. Dass er seine Werkstatt mitsamt dem Wald von Flammenbirken zurückließ. Dass für den Großvater ein Sarg geliefert wurde, lange vor dessen Tod – ein Stück Kunsttischlerei, wie es noch nie jemand gesehen hat -, und dass Einar womöglich gar nicht tot ist, wie es der Großvater behauptete …

Eine Utopie zu mithaben (Reblog+)

Im Voraus, weil es im Artikel keine Erwähnung findet und erst im Kommentar angesprochen wird. Wünsdorf ist eine nach der Wende gegründete Bücherstadt, wo sich vor allem Antiquariate mit ihren enormen Bücherdepots niederliessen. Mehr dazu HIER.

Roland Mischke

Grüner Visionär
Über eine Idee von Eckhart Hahn

Berliner Zeitung, 25.10.019

 

40 Kilometer vor Berlin
Wie Wünsdorf die erste Öko-Stadt der Welt werden könnte

Ausgerechnet Wünsdorf, die lange verbotene Stadt. Sie ist zu seinem Lieblingsprojekt geworden, zu seinem Lebensprojekt. In Wünsdorf will Ekhart Hahn die erste Öko-Stadt der Welt errichten.

Auf brandenburgischen Sand soll auf 90 Hektar Fläche eine Gartenstadt entstehen, der Gründer nennt sie „einen ökologischen Lernort, wie es ihn weltweit noch nirgendwo gibt. Ein neuer Lebensraum, ein Zukunftsmarkt.“ Und der Sand, sagt Hahn, der Siedlungsökologe, werde dabei kein Nachteil sein, ganz im Gegenteil.

Für DDR-Bürger war Wünsdorf gesperrt

Ausgerechnet Wünsdorf, 40 Kilometer südlich von Berlin. Seit 1910 Militärstadt mit Infanterieschule, Kasernen und Truppenübungsplätzen. Im Ersten Weltkrieg war hier das Hauptquartier der Reichswehr. 1935, zwei Jahre nach Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde das Oberkommando der Wehrmacht dorthin verlegt.

1945 übernahm der militärische Führungsstab der sowjetischen Streitkräfte der Roten Armee die Stadt, von Wünsdorf aus wurde die finale Schlacht um Berlin befehligt. Nach der Kapitulation rückte das Oberkommando der sowjetischen Streitkräfte ein, der Kalte Krieg begann. Für DDR-Bürger war Wünsdorf gesperrt.

1994 zogen die Russen ab und hinterließen eine heruntergekommene Stadt, teilweise vermint und weitgehend leer. Heute hat Wünsdorf knapp über 6000 Einwohner, nun sollen noch 10.000 dazukommen. Wenn es nach Ekhart Hahn geht.

(…)
Er ist Architekt, Raumplaner und Siedlungsökologe, 76 Jahre alt, Segler. Das erklärt seine Sprache.

Unsere Städte, sagt er, seien wie fossile Tanker, würden immer schwerfälliger. „Wir brauchen postfossile, wendige, gutorganisierte Segler. Wünsdorf soll zu dem Segelboot werden, das der Welt zeigen wird, wie sich die Städte umbauen lassen. Dass es in der Brandenburger Sandwüste steht, ist für unser Projekt von Vorteil. Mit neuen Nährkreisen werden wir daraus eine fruchtbare Gartenstadt machen.“

Ekhart Hahn ist ein nüchterner Mann, er hat alles durchgeplant und 2016 den Verein ICEC gegründet, International Campus Eco City. Hahn hat Kontakte zu großen Wirtschaftsunternehmen, zu Bundestagsabgeordneten, Brandenburger Landespolitikern und zu Softwareunternehmen. Für ein großes Projekt muss mit anderen zusammen groß gedacht werden. Und wenn sie es verstehen, werden sie zu Unterstützern. Wie der SPD-Politiker Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D., den Hahn vor Jahren kennenlernte.

Sie kamen ins Gespräch darüber, was jeder Einzelne dazu beitragen kann, den Klimawandel und die damit verbundenen Flucht- und Siedlungsbewegungen zu begleiten. Die größte Herausforderung auf dem Planeten, sagte Thierse. Hahn erzählte vom Plan einer Eco City. Im Grußwort für das Heft, das das ICEC-Projekt vorstellt schreibt Thierse: „Wir brauchen durchdachte Visionen, wie die zentralen Probleme unserer Zeit zu lösen sind. Ich wünschte sehr, dass dieses Projekt gelingen möge – als ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft.“

(…)

Ekhart Hahn ist in Stettin geboren, die Eltern waren Ärzte, die Familie wurde 1945 vertrieben und landete in Niedersachsen. Von dort ging Hahn 1970 an die TU Berlin, war nach fünf Jahren Studium Dozent und bereiste 1975 im Auftrag des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit China. „Noch in der Mao-Zeit, das Land war rückständig, aber es wollte vorankommen.“ In den Siebziger- und Achtzigerjahren hat Hahn in China gelehrt. Sein Thema: die umweltbezogene Siedlungspolitik.

Beeindruckt von dem Report „Die Grenzen des Wachstums“ vom Club of Rome entschied er sich dann für eine berufliche Neuausrichtung und zog sich für sieben Jahre in das Dorf Riedlingen im Schwarzwald zurück. Dort entwickelte er die Thesen zur Siedlungsökologie, die er in mehreren Büchern verbreitete. Zurück in West-Berlin folgten weitere Bücher über die Zukunft der Städte. Die TU Dortmund berief ihn zum Honorarprofessor für Ökologische Stadt- und Raumplanung, das lehrt er seit 1998 auch in Japan.

(…)

Hahn und der Verein ICEC wollen in Wünsdorf 30 Millionen Euro in Grundstücke investieren. In den Machbarkeitsstudien gruppiert sich der Stadtplan um eine grüne Mitte, gerahmt von Wohnquartieren, einer Öko-Station als Herzkammer der Eco City und einem Besucherzentrum. Hier werden sämtliche Energie- und Stoffströme zusammenlaufen, permanent kontrolliert, neu aufbereitet und wieder in den Kreislauf des Stadtorganismus eingespeist. Auf 20 Hektar wird Gartenland, auf 3,5 Hektar werden Gewächshäuser für Gemüse, Obst und Beeren entstehen. Terra preta, schwarze Erde, die sich im Boden des Amazonasbeckens als fruchtbar erwiesen hat, wird den märkischen Sand bedecken. Dazu Biomasse aus Abfällen der Bewohner und ihre Fäkalien zum Düngen.

Die Energieversorgung geschieht nach dem Smart Grid System, es handelt sich um intelligente Stromnetze mit hocheffizienten Energiespeichern. Die kreislauforientierte Technik führt Grund- und Oberflächenwasser, Regen-, Grau- und Schwarzwasser zusammen. Es wird eingesetzt in der urbanen Landwirtschaft, in Gärten, Freiräumen und zur Kühlung. Angelegt werden Wasserläufe, Teiche und eine Fischzuchtanlage. Autos dürfen nicht hinein in die Gartenstadt, Fahrradwege werden gebaut, die Beförderung der Versorgung wird durch Lastenräder und Elektromobilität geleistet. Die Zugereisten sollen  in lichten Häusern mit bunten Fassaden leben.

„Öko-Städte werden unser Überleben sichern“

Angetan ist Ekhart Hahn von den massiven denkmalgeschützten Bauten Wünsdorfs. Die robuste Bausubstanz wird ökologisch saniert. In die einstige Panzerhalle, 120 Meter lang und ebenso breit, 90 Meter hoch, werden drei Etagen implantiert – für Seminarräume und Werkstätten des Campus-Instituts.

Der „Kulturpalast“, in dem einst führende Militärs der Sowjets Klassikkonzerten lauschten, wird zum interkulturellen Zentrum, zum House of One für lernende und lehrende Studierende, die Muslime, Buddhisten und Christen sind. „Öko-Städte werden unser Überleben sichern“, sagt Hahn. „Wenn alle zusammenhalten. ICEC Wünsdorf wird die Blaupause sein.“

Eine Schlüsselaufgabe der Menschheit

Die behördlichen Voraussetzungen sind erfüllt, dank einer großzügigen privaten Spende konnte ein Koordinationsbüro etabliert werden. Jetzt soll Hahns Vorarbeit Früchte tragen. Er hat einen Stab an Experten versammelt: für urbane Landwirtschaft, Landschaftsarchitekten, Pioniere des baubiologischen Planens, dazu Stadtplaner und Künstler.

Der Spezialistenpool wird Studierenden aus aller Welt zur Verfügung stehen, sie werden einige Monate oder Jahre in Wünsdorf leben und dann in ihre Länder zurückkehren.

So arbeitet ICEC inzwischen mit einem Büro in Singapur zusammen, dass dort eine völlig neue Wasserversorgung entwickelt hat. Hahns will Ideen von überallher in der Campusstadt zu konzentrieren. „Der ökologische Stadtumbau ist die Schlüsselaufgabe der Menschheit im 21. Jahrhundert“, sagt er immer wieder.

Er weiß aber auch, dass es nicht genügt, den weltweiten Anforderungen mit Plastikreduktion oder Wärmedämmung zu begegnen. Gebraucht wird ein überzeugendes Konzept. Die Aktivisten von Fridays for Future unterstützt er. Er sagt aber auch: „Sie kennen die Lösungen nicht.“ Ekhart Hahn hingegen glaubt, die Mittel zu kennen, um dem Klimawandel effektiv begegnen zu können.

Da ist die zellulare Vernetzung der Systeme: Wärme aus der Erdtiefe, Energie von der Sonne durch Fotovoltaik, Wasserrecycling und ein perfekter innerer Nährkreislauf. „Die Ressourcen, die wir zum Lebensunterhalt brauchen, werden auf Quartiersebene dezentral neu in Beziehung gesetzt“, sagt Hahn. „Das deutet bereits die neue Mobilität an: kurze Wege, Fahrrad- und Fußgängerbereiche, Frischemärkte, kleine Läden.“ Die lokale Ökonomie hat sich in Mikrostrukturen und der Kiezkultur durchgesetzt. In Wünsdorf sollen 80 Prozent des Gemüse- und Obstbedarfs in der Stadt produziert werden. Für Ekhart Hahn ist das „der Übergang ins postindustrielle Zeitalter“.

Noch wird in Wünsdorf nicht umgegraben und gebaut. Bald aber könnte es so weit sein.


Kommentare:

Anne Schmidt

Die Idee Herrn Hahns von der ökologischen Stadt in Wünsdorf erinnert mich an die Ökostadt Davis bei San Francisco und an die Aussteigerkolonie Eden bei Oranienburg, die Ende des 19. Jahrhunderts von Lilienthal aus Blockhohlsteinen errichtet wurde.
In der Zeit der Planung für ein neues Tempelhofer Feld teilten wir (Bürgerinitiative Flughafen Tempelhof) in einer der zahlreichen Pressekonferenzen der damaligen zuständigen Senatorin, Frau Junge-Reyer, mit, dass die Ökostadt Davis ein Vorbild für eine autofreie Siedlung auf dem Flughafen sein könne.
Leider gingen die späteren Planungen, die Volk sei`s gedankt, in einer Volksabstimmung abgelehnt wurden, völlig an diesen Visionen vorbei. Hätte die Utopie einer ökologischen, autarken kleinen Stadt zur Abstimmung gestanden, wäre das Ergebnis sicherlich anders ausgefallen.
Wünsdorf ist bahntechnisch gut an Berlin angebunden, aber sind die Altlasten aus Land und Wasser wirklich verschwunden? Die befürchteten Kosten für die Dekontaminierung des riesigen Militärareals bei Jüterbog haben die Entscheidungsträger und Lobbyisten Anfang der 1990er dazu bewogen, Schönefeld zum Standort für den Mammutflughafen BER zu küren.
Die Kosten, die bisher in Schönefeld und Umgebung entstanden sind, haben alle anderen wichtigen Problemfelder in Berlin in den Schatten gestellt. Die Brände vom letzten Jahr auf dem “Minenfeld” bei Jüterbog stellen ein weiteres Kapitel im Brandenburger Katastrophenarchiv dar.
Ich hoffe, dass Herr Hahn in der einstigen Bücherstadt Wünsdorf nur ein zurückgebliebenes Archiv und kein vergrabenes und versenktes Arsenal vorfindet. Vielleicht wäre es einfacher eine zweite Abstimmung zur Nutzung des
Tempelhofer Feldes herbeizuführen als in Wünsdorf Altlasten zu beseitigen.

Ewa Maria Slaska

Ach jej, Männer! Dieser Anspruch! ICH war der Erste, der Wichtigste! Noch nie in der Welt gab es so etwas, was ICH mir ausgedacht habe!
Wer verantwortet diese Alleinstellung-Ansprüche in dem obigen Text? Der Ekologe oder der Autor?
Anne Schmidt schreibt über Ökostadt Davis bei San Francisco und die Kolonie Eden bei Oranienburg. Ich habe hier auf diesem Blog mehrere Male über realisierten Utopien geschrieben. Vor allem über Silvio Gesell. Als Silvio Gesell, der übrigens auch zeitlang in der schon erwähnten Kolonie Eden wohnte, seine Teorie des “freien Geldes” veröffentlichte, entstanden in der ganzen Welt mehrere, meistens sehr erfolgreich wirtschaftende, Freie-Geld-Kommunen. Ich schrieb über Silvio HIER, HIER, HIER und HIER. Da er ein deutscher Autor ist, “polonisierte” und übersetzte ich seine Theorie in meine Sprache. Die deutschen Leser können ein Buch von Silvio Gesell über Wirtschaft mit dem Freien Geld HIER lesen.
Wichtiger ist aber, dass man – erfolgreich – versuchte die Gesellsche Theorien lebendig zu machen. In den 30ern gab es mehrere Städte, die es machten, am erfolgreichsten war die Stadt Wörgl in Österreich.

Die positiven Auswirkungen führten dazu, dass der Modellversuch in der Presse als das „Wunder von Wörgl“ gepriesen wurde. Das Interesse daran stieg derart, dass über hundert weitere Gemeinden im Umkreis von Wörgl dem Beispiel folgen wollten. Auch im Ausland und in Übersee fand die Aktion starke Beachtung und Nachahmer. Aus Frankreich reiste der Finanzminister und spätere Ministerpräsident Édouard Daladier nach Wörgl, und in den USA schlug der Wirtschaftswissenschaftler Irving Fisher der amerikanischen Regierung – wenn auch vergeblich – vor, ein Wörgl-ähnliches Geld mit dem Namen Stamp Scrip zur Überwindung der Wirtschaftskrise einzuführen.

Allerdings erhob die Oesterreichische Nationalbank gegen die Wörgler Freigeld-Aktion vor Gericht erfolgreich Einspruch, weil allein ihr das Recht auf Ausgabe von Münzen und Banknoten zustand. Das Experiment von Wörgl und alle weiteren Planungen wurden verboten. Nach Androhung von Armeeeinsatz beendete Wörgl das Experiment im September 1933.

Na, kann man sagen, dem neuen Visionär geht es nicht um Geld, sondern um, na ja, wie in jeder utopischen Narration – DIE RETTUNG DER WELT, die wie ein Wunder auf dem Sand wachsen wird.

Dazu kann ich nur sagen, der Sohn von Silvio Gesell, Carlos, baute die ganze grüne Stadt auf den Dünnen in Argentinien: Villa Gesell in der Mar de la Plata, wo nichts aber nichts wachsen wollte. Ich schrieb darüber HIER für meine polnische Leser. Der deutsche Leser kann viel über die Villa Gesell HIER erfaren. Auf dem Foto unten sieht man, wie Villa Gesell heute aussieht. Es wohnen dort im Winter ca. 30 Tausend Menschen, im Sommer wesentlich mehr, weil es ein Kurort ist.


Anne Schmidt
Mitbegründerin der aufgelösten BI Flughafen Tempelhof (BIFT)

Ewa Maria Slaska
Blogadministratorin und Utopistin

Feuer in Australien (Reblog)

Australien erlebt gerade eine der schlimmsten Feuersaisons seit Jahrzehnten. Unerwartet kommt die Katastrophe allerdings nicht: Die Politik hat sie begünstigt.

spektrum.de

Daniel Lingenhöhl

Ein Desaster aus Menschenhand

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Mindestens 18 Menschen und eine geschätzte halbe Milliarde Tiere sind tot, fast sechs Millionen Hektar Land verbrannt – eine Fläche, die fast so groß ist wie Bayern. Tausende Menschen müssen teilweise vom Militär von Stränden in Sicherheit gebracht werden, weil ihre Siedlungen vom Feuer umschlossen sind. Die wirtschaftlichen Schäden lassen sich noch nicht beziffern; sie sollen aber einige Milliarden Euro betragen. Millionenstädte wie Melbourne oder Sydney waren in den vergangenen Wochen immer wieder tagelang in dichten Rauch gehüllt, und die Schadstoffkonzentrationen lagen um bis das Zwölffache über den offiziellen Grenzwerten. Die Aschewolken der Brände zogen sogar weit über den Pazifik, bedeckten Gletscher auf Neuseeland und waren noch in Südamerika nachweisbar.

Wem das jetzt schon zu apokalyptisch ist: Der Höhepunkt der Feuersaison steht Ostaustralien eigentlich noch bevor. Denn der Sommer hat gerade erst begonnen, mit den Höchsttemperaturen und trockensten Wochen ist im Januar und Februar zu rechnen. Dabei war schon der Frühling zu warm und zu trocken; in manchen Regionen fiel so wenig Niederschlag wie noch nie seit Aufzeichnungsbeginn.

© Picture Alliance / AP Photo (Ausschnitt)
Machtlose Feuerwehr | Die Brände sind so riesig und intensiv, dass die ohnehin schon vielfach ausgelaugten und überstrapazierten Feuerwehrleute mancherorts nur noch zusehen können.

Schuld daran sind unter anderem die Bedingungen im Indischen Ozean vor der australischen Westküste. Dort fand sich im Dezember 2019 einer der stärksten, positiven Indischer-Ozean-Dipole (IOD), die bislang gemessen wurden. Der IOD bezeichnet eine natürliche Abweichung der Wassertemperaturen im westlichen und östlichen Bereich des Meeres. Herrscht vor Australien durchschnittlich zu kühles Wasser vor, fällt der IOD positiv aus – was weit reichende Folgen für das Wetter hat: Es regnet in Teilen Australiens sehr wenig. Gegenwärtig befindet ist der Wert noch immer im positiven Bereich.

Nicht nur natürliche Ursachen

Feuer sind ein ursprünglicher Teil vieler Ökosysteme des Kontinents: Ihre Arten sind häufig daran angepasst oder fördern Buschbrände sogar noch, um anschließend in den Genuss von Freiraum und frischen Nährstoffen zu kommen. Die Zahl dieser Pyrophyten ist in Australien besonders hoch. Der charakteristische Eukalyptus etwa ist voll mit ätherischen Ölen und heizt Brände damit so richtig an, ist aber dank einer dicken Borke wiederum gut vor dem Absterben geschützt. Viele Wälder werden sich daher relativ schnell wieder erholen – so es denn irgendwann wieder regnet.
Doch die ausufernden Feuersbrünste allein auf natürliche Faktoren zu schieben, wäre ein Fehler. Sie sind auch ein Desaster, das von Menschen und einer schlechten Politik verschärft werden.

Bevor die europäischen Siedler begannen, Feuer als Feind zu betrachten und es zu bekämpfen, brannte es regelmäßig im australischen Busch. Die australischen Aborigines nutzten das Feuer zudem in ihrem Sinn, etwa für die Jagd. Dadurch entstand ein kleinräumiges Muster unterschiedlicher Vegetationsstadien, was Brände natürlich eindämmt. Zudem sammelte sich weniger Brennmaterial in den Wäldern an, weil es schneller abbrannte. Jahrzehntelange Feuerbekämpfung hingegen sorgte dafür, dass sich die Menge an brennbarem Totholz und Laub – der so genannte Fuel Load – dramatisch vergrößert hat. Wenn es heute brennt, dann dank des zusätzlichen Materials und der einheitlicheren Altersstruktur auch intensiver und ausgedehnter.
Der erste Fehler liegt also im europäisch geprägten Umgang mit Feuer an sich. Oder wie es ein australischer Leiter eines Feuermuseums schon vor Jahren gegenüber dem »Spiegel« ausdrückte: »Der Umgang der Weißen mit dem australischen Feuer ist eine 200 Jahre lange Geschichte der Arroganz. Es wird ausschließlich als Bedrohung erlebt.«

Abholzung fördert ebenfalls Waldbrände

Zudem gehört Australien zu den Spitzenreitern bei der Abholzung: Kein anderes entwickeltes Land geht so destruktiv mit seinen Wäldern um wie Down Under. Jedes Jahr werden hunderttausende Hektar Busch, Savanne und geschlossener Wald gefällt, um vor allem Platz für Viehweiden zu machen.

Das fördert die Feuer, auch wenn das im ersten Moment kurios klingen mag. Die Rodungen schaffen Randeffekte bei angrenzendem Waldland, die durch Aufheizung der kahlen Flächen und Winde leichter und schneller an ihren Rändern austrocknen und deshalb leichter brennen. In weiten Teilen Australiens gingen die durchschnittlichen Niederschläge in den vergangenen Jahrzehnten zurück – zumindest teilweise könnte dies auf den Rückgang der Wälder zurückzuführen sein. Etwa die Hälfte der Regenverluste in Westaustralien lässt sich auf die Zerstörung der dortigen Wälder zurückführen, heißt es in einer Studie 2013. Für Südostaustralien werden ähnliche Zusammenhänge diskutiert.

Klimawandel als Gorilla im Raum

Zu diesen regionalen Problemen kommt inzwischen ein globales: Die Erderwärmung macht sich in Australien zunehmend bemerkbar. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die durchschnittliche Temperatur auf dem fünften Kontinent um ein Grad Celsius erhöht, während gleichzeitig die Niederschläge in den besonders von Waldbränden betroffenen Regionen in West- und Südostaustralien deutlich zurückgegangen sind. Ein Teil des Regendefizits schreiben australische Wissenschaftler dem Klimawandel zu. Seit den 1970er Jahren mehren sich Hitzewellen, sie dauern zunehmend länger an und fallen intensiver aus, wobei sich dieser Trend beschleunigt. Insgesamt dauert die Feuersaison länger an, und es häufen sich die extrem feuerbegünstigenden Wetterlagen, wie der jüngste Klimazustandsbericht der australischen Regierung zusammenfasst.

Politisches Handeln leitet die Regierung um den Ministerpräsidenten Scott Morrison daraus allerdings nicht ab. Im Gegenteil: Australien fördert den Klimawandel national wie international. Das Land hat pro Kopf einen der höchsten Werte für Kohlendioxidemissionen und gehört zu den größten Kohleexporteuren weltweit. Und auf dem Gipfel in Madrid blockierte der Staat internationale Bemühungen für mehr Klimaschutz – sicher kein Wunder bei einem Staatsoberhaupt wie Morrison, der Kohlebrocken mit ins Parlament bringt und trotz nationaler Krise seinen Urlaub auf den Hawaii-Inseln antritt.

Dabei hätte der Kontinent ein großartiges Potenzial für saubere Energieerzeugung: Im Outback stehen riesige Flächen für Solarenergie auf übernutzten Viehweiden zur Verfügung, um das Land sauber zu elektrifizieren. Stattdessen soll in Queensland eine der größten neuen Kohleminen des Planeten eröffnet werden.

Und nun?

Wie geht es weiter in Australien? Für das Wochenende sagen die Wetterbehörden eine neue Extremwetterlage für Südostaustralien voraus. Für die heute schon erschöpften und ausgelasteten Feuerwehrmänner droht weitere Schwerstarbeit, bevor sich die Situation nächste Woche leicht entspannen könnte.

Langfristig deutet dagegen vorerst nichts auf Entspannung hin, wenn sich die australische Politik nicht endlich drastisch ändert. Sie muss die Abholzungen stoppen, die Zersiedelung des Hinterlandes eindämmen und endlich aktiv im Klimaschutz werden. Danach sieht es allerdings nicht aus – im Gegenteil: Erste konservative Politiker schieben den australischen Grünen die Schuld für Feuerkatastrophe zu. Frühere Regierungsbeteiligungen hätten dafür gesorgt, dass die Feuerprävention bis heute behindert würde. Und Scott Morrison? Der hat angekündigt, dass seine Regierung keinesfalls mehr für den Klimaschutz tun wolle.

Weihnachtsmarkt / Jarmark Bożonarodzeniowy

Ewa Maria Slaska

Jednym z magnesów przyciągających turystów do Berlina są niewątpliwie Jarmarki Bożonarodzeniowe. Przyjeżdżają Włosi, Hiszpanie, Anglicy, Szwedzi, Polacy, Japończycy i Chińczycy.  I są to naprawdę tłumy. Jarmarków jest w Berlinie masa, są jarmarki koreańsko-japońskie i polskie, są gejowskie i artystyczne, ale najwięcej jest tych całkiem normalnych – z drewnianymi budkami, w których kupić można francuskie naleśniki i włoskie sery, ale przede wszystkim wypić tradycyjnego niemieckiego grzańca, zjeść potwornie słodkie jabłko zanurzone w czerwonym karmelu i kupić malowane kolorowym cukrem pierniki, z napisami po bawarsku, na przykład “Ich liebe Dir”, co można przetłumaczyć jako “Kocham Ci”.
Mają rację ci, którzy powiedzą, że jarmarki bożonarodzeniowe to kicz do potęgi. Tak, to kicz, ale jak dobrze jest choć przez parę godzin zapomnieć o tym, jak ciężko i smutno jest na świecie, jak dobrze jest napić się grzanego wina, zjeść pierogi przy stoisku z polskim jedzenie, nacieszyć się miłą, przyjazną atmosferą.

Można by pomyśleć, że po ataku terrorystycznym trzy lata temu, 19 grudnia 2016 roku, zainteresowanie jarmarkami zmaleje, ale wydaje się, że wręcz przeciwnie, że przybywa jeszcze więcej turystów niż przedtem, być może pod hasłem “nie myślcie, że dacie nam rady”.

Dziś, w trzecią rocznicę tamtego strasznego dnia wspominamy 11 osób, które zginęły pod kołami uprowadzonej przez terrorystę ciężarówki i Łukasza Urbana, polskiego kierowcę, który stawił opór napastnikowi, zginął w walce, ale uratował wiele dalszych możliwych ofiar. Wśród ofiar znaleźli się Niemcy

Ein goldener Riss im Boden erinnert an die Opfer des Terroranschlags am Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016
Tzw. Złota Szczelina przypomina o ofiarach ataku terrorystycznego 19 grudnia 2016 roku

Weihnachtsmärkte sind etwas, was Touristen aus aller Welt nach Berlin zieht. Italiener, Engländer, Spanier, Polen, Schweden, Japaner und Chinesen. Aus allen Herren- und Frauenländer kommt man massenweise nach Berlin, kauft ein, trinkt Glühwein, isst Marzipanstollen, geröstete Mändeln und bunt karmellisierte Äpfel. Man kann sagen, dass es Kitsch ist. Und man wird recht haben. Klar, es ist Kitsch, aber es ist so verdammt gut für ein paar Stunden zu vergessen, wie die Welt da draussen aussieht und einfach die unglaublich schöne, ruhige, freundliche Atmosphäre des Jahrmarkts genießen.

Nach dem Vorfall vom 19. Dezember 2016 hätte man meinen können, der Magnet hat ihre Kraft eingebüsst. Aber nein. Ja, auf dem Weihnachtsmarkt im Herzen der Stadt, zwischen KaDeWe und Europa Zenter, gibt es ein Gedenkort, da, wo der Terrorist mit einem von einem Polen gekaperten Truck eingefahren ist, man geht vorbei, liest die Namen, zündet eine Kerze, legt eine Blume, seufzt, geht weiter. Am Weihnatchstmarkt-Betrieb änderte es wenig, oder hätte es ihn gar verstärkt, nach dem Motto, wir lassen uns nicht runterkriegen…

Heute erinnern wir uns an die 12 Todesopfer des Anschlags, darunter auch Łukasz Urban, der polnische Truck-Fahrer, der dem Terrorist Widerstand geleistet hatte und gestorben ist, der aber durch seinen Kampf unzählige weitere Menschenleben gerettet hatte.

 

Zdjęcia: Ania, Ela i Monika

Malujemy jak Kubicki / Wir malen wie Kubicki

Für diese Veranstaltung malten wir, Schüler von Marianne-Cohn-Schule, neue Kunstwerke. Es war die dritte Werkstatt unter dem Titel: Wir malen wie Kubicki, diesmal unter der Leitung von Ewa Maria Slaska. Wir malten auch ein Rock für Ewa (siehe unten).

Wir werden Übermorgen ab 10 Uhr unsere Ausstellung aufhängen und laden ein ab 11 Uhr – es wird der Film gezeigt über “Hermann Stöhr und Stanisław Kubicki – zwei Vorreiter der Deutsch-Polnischen Versönung”, der während des Projekts aufgenommen war. Das war ein langes Projekt, dauerte drei Jahre und beinhaltete so viel, dass man es aus dem Kopf nicht wissen kann. Jedenfalls gab es Vorträge, Ausstellungen, Spaziergänge, Ausflüge in Berlin und in Stettin, Museum- und Bibliotheksbesuche und vieles, vieles mehr. Darunter auch unsere Malworkshops.
Also: Übermorgen um 11 Uhr wird im Regenbogen-Kino der Projektfilm gezeigt. Dabei kan man auch uns sehen 🙂

Jesteśmy uczniami szkoły specjalnej w Berlinie. Od kilku lat współpracujemy z panią Ewą Marią Slaską w ramach projektu “Hermann Stöhr – Stanisław Kubicki – dwaj prekursorzy pojednania polsko-niemieckiego”.
Kilka tygodni temu podczas lekcji przygotowaliśmy nowe prace na wtorkową wystawę w Regenbogenfabrik. Zostanie też pokazany film Michaliny Mrożek o tych dwóch odważnych ludziach i o tym projekcie. A więc i o nas 🙂 

Dziękujemy naszym partnerom, organizatorom i sponsorom.
Danke an all unsere Projektpartner, Organisatoren und Sponsoren!

IX Liceum Ogólnokształcące Stettin Szczecin
Berlinische Galerie, Berlin
Blog “ewamaria2013”, Berlin
Bogdan Twardochleb, Stettin Szczecin
Christine Ziegler, Berlin
Deutsch-Polnisches Jugendwerk, Potsdam Poczdam
Dorota Kot, Berlin
Dr. Lidia Głuchowska, Berlin Zielona Góra
Ewa Maria Slaska, Berlin
Fraueninitiative Berlin-Warschau, Berlin
Friedensbibliothek und Antikriegsmusem, Berlin
Fundacja Progressum Stettin Szczecin
Hufeisensiedlung gegen Rechts, Berlin
Jacek Bołądź, Berlin
Jochen Schmidt, Berlin
Książnica Pomorska, Stettin Szczecin
Marianne-Cohn-Schule, Berlin
Michalina Mrożek & MIMO Filmproduktion, Berlin
Museum Topographie des Terrors, Berlin
Professor St. K. Kubicki, Berlin
Programm Erasmus EU
Rathaus Kreuzberg, Berlin
Redakcja gazety szkolnej “IX Wrota”, Stettin Szczecin
Redakcja “Kuriera Szczecińskiego” i dodatku “Szkolny Pulitzer”, Stettin Szczecin
Regenbogenfabrik Kulturprogramm, Berlin
Regenbogen-Kino, Berlin
Städtepartner Stettin e.V., Berlin
Stara Rzeźnia i Projekt Łasztownia, Stettin Szczecin
Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt, Berlin
Uniwersytet Zielonogórski, Grünberg-Zielona Góra

Und? Haben wir etwas oder jemanden vergessen? Dann Entschuldige und meldet euch!

I kto jeszcze? Zapomnieliśmy o kimś? O jakiejś osobie lub instytucji? Jeśli tak, to przepraszamy i prosimy o natychmiastowe zgłoszenie nam tego faktu 🙂

Tokarczuk. Nach der Rede.

Arkadiusz Łuba

Olga Tokarczuk – Die empfindliche Erzählerin

Literaturpreisträgerin Olga Tokarczuk stiftete dem Nobelpreismuseum ihr persönliches Tagebuch aus dem Jahr 2018, fot. Clément Morin © Nobel Media

Wer dem obligatorischen „Nobel Lecture“ von Olga Tokarczuk zugehört, oder ihn sogar gesehen hat, der weiß, er trägt den Titel „Der empfindliche Erzähler“. Darin hinterfragt sie die moderne Literatur, in der zu viel in der ersten Person erzählt werde. Darin fordert sie eine Erzählperspektive, eine der – wie Tokarczuk sie nannte – „vierten Person“, jenseits der klassischen „Ich“, „Du“ oder „Er*“. Sie erkennt diese Erzählweise in der Genesis des Alten Testaments: „Am Anfang war das Wort“ und fragt: „Wer ist es, das da weiß, was Gott denkt?“ Darin (wir sind immer noch bei Tokarczuks Vortrag) äußert sie ihre Freude darüber, dass „die Literatur auf wunderbare Weise das Recht auf alle Macken, auf Phantasmagorien, auf Provokationen, auf Groteske und Verrückte bewahrt“ habe. Tokarczuk träume darin „von hohen Standpunkten und weiten Perspektiven, in denen der Kontext weit über das hinausgeht, was wir erwarten würden“. Sie träume „von einer Sprache, die die dunkelste Intuition ausdrücken“ könnte, sie träume „von einer Metapher, die kulturelle Unterschiede“ überwinde, und schließlich träume sie „von einem Genre, das geräumig und transgressiv“ werde, „während die Leser es gleichzeitig lieben“ würden.

Ich übersetze aus Tokarczuks Vortrag: „Abgesehen von allem theologischen Zweifel können wir diese Figur des mysteriösen und empfindlichen Erzählers als wunderbar und bedeutsam betrachten. Es ist ein Punkt, eine Perspektive, aus der alles gesehen werden kann. All dies zu sehen, bedeutet, die endgültige Tatsache der Wechselbeziehung bestehender Dinge als Ganzes anzuerkennen, auch wenn diese Beziehung uns noch nicht bekannt ist. Alles zu sehen, bedeutet auch, eine ganz andere Art von Verantwortung für die Welt, denn es wird offensichtlich, dass jede Geste »hier« mit der Geste »dort« verbunden ist, dass eine Entscheidung, die in einem Teil der Welt getroffen, sich in einem anderen Teil der Welt auswirken wird, dass die Unterscheidung zwischen »mein« und »dein« fragwürdig zu sein beginnt. Daher sollte man so erzählen, dass der Leser den Sinn für das Ganze entwickelt und die Fähigkeit, Fragmente in ein Muster zusammenführen zu können und in jedem kleinen Geschehen ganze Konstellationen zu entdecken; so erzählen, um zu verdeutlichen, dass jeder und alles in einer gemeinsamen Idee liegt, die wir bei jeder Erdumdrehung sorgfältig in unseren Köpfen erzeugen“.

Mein Gott, wie nah ist sie mit ihren Forderungen und Wünschen an dem Versuch James Joyces, alles in ein Buch („Finnegans Wake“) zu packen! Doch all das verblasst irgendwie im Schatten der Aufregung um Peter Handkes politische Stellungnahmen für Slobodan Milosevic und sein „Großserbien“, es wird zu Unrecht übersehen, entschärft. Umso mehr freute es mich, dass ich heute hier meine Gedanken teilen kann.

Ich las Tokarczuk während des Studiums, da war sie gerade eine junge, aber dennoch an Ruhm gewinnende Schriftstellerin. Der Literaturnobelpreis bestätigt nun mal, dass ich und viele meine Gleichaltrigen uns nicht zufällig in ihrem Werk verliebt haben, es diskutierten, kommentierten, interpretierten und es dabei auseinandergenommen haben. Tokarczuk begann in einer Zeit, nachdem die größte lebende polnische Humanistin, Maria Janion, das Ende des romantischen Paradigmas verkündet hatte. Seitdem versucht die polnische Literatur generell, die neue Realität zu beschreiben, sich von den romantischen und Märtyrermythen zu befreien. Tokarczuk schöpft allerdings aus dem Ur und erforscht den heterogenen Ursprung unserer heutigen Kultur. Und aus diesem Hintergrund heraus wirft sie Fragen nach der jetzigen Form des Menschen. Zärtlich, behutsam, vorsichtig und dennoch stark.

Es seien 36 Jahre vergangen, schrieb Janion 2017 in einem Brief an den Polnischen Kulturkongress, und „der Teufelskreis des Polentums“ habe sich gewendet. Es bestehe ein Widerspruch zwischen Modernisierung und Modernismus. Letzteres erfordere geistige Anstrengung und die Bedeutungserneuerung der Gesellschaft – es erfordere es als Bedingung einer Desakralisierung und der wirklichen Ermächtigung: „Der so verstandene Modernismus fordert die Emanzipation von Minderheiten, die Achtung der individuellen Rechte und die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter. Dies kann nicht mit den Bestrebungen der Rechten [in Polen – Anm. A. Ł.] in Einklang gebracht werden“, so Janion weiter. Die Emanzipation von Minderheiten, die Achtung der individuellen Rechte und die Gleichstellung der Geschlechter sind alles Werte, die in Tokarczuks Werken auftauchen. Und genau deswegen können auch diese nicht mit den polnischen Rechten in Einklang gebracht werden.

Schwedische Buchhändler melden derzeit deutlich höhere Verkaufszahlen für Tokarczuk als für Handke. In den öffentlichen Bibliotheken muss man dort länger auf einer Warteliste für Tokarczuks Bücher stehen als für die des Österreichers. Es wäre interessant zu erfahren, wie es derzeit in Polen aussieht.

Ihren Vortrag beendete Tokarczuk mit denen, „die noch nicht geboren sind, sich aber eines Tages dem zuwenden, was wir über uns selbst und über unsere Welt geschrieben haben“, diesem „wunderbaren Werkzeug der raffiniertesten Art der menschlichen Kommunikation, dank dem unsere Erfahrungen durch die Zeit reisen können“. Sie denke mit Schuld und Scham an die noch Ungeborenen. Denn die Welt würde „auf den Status eines Objektes reduziert, das geschnitten, benutzt und zerstört werden“ könne: „Deswegen glaube ich, dass ich so erzählen muss, als sei die Welt, in der wir leben, eine Einheit, die sich ständig vor unseren Augen bildet, und als seien wir ein – kleiner und zugleich mächtiger – Teil davon“.

Nach solch einer Aussage, bleibt die Spannung hoch, wie das nächste Werk von Olga Tokarczuk sein wird.


siehe auch HIER

Nagroda. Tokarczuk.

Fragment auf Deutsch: ganz unten;
ganze Beiträge auf Deutsch – vorgestern sowie morgen

Od kiedy ukazali się Bieguni, wiedziałam, że tak będzie. I z uporem maniaka powtarzałam: Tokarczuk pracuje na Nobla i dostanie Nobla. No i dziś go dostanie.

Z tej okazji poprosiłam moich blogowiczów o napisanie, zadedykowanie bądź zacytowanie czegoś, co podkreśli ważność tego dnia. To zdjęcie też zostało skomponowane do tego wpisu. Myślałam, że teksty i przemyślenia zaproszonych do zabawy autorów, opublikuję w jednym wpisie w kolejności ich napływania. Jednak tak się nie dało. Posty o Tokarczuk wyparły z bloga wszystko, co było zaplanowane i zmiotły z powierzchni wszystkie ustalone od dawna terminy.

Wpis Arkadiusza Łuby został opublikowany już w poniedziałek (zob. TU), Eli Kargol wczoraj (TU), następny tekst Łuby będzie jutro (TU), Marka Włodarczaka TU. Zapraszam. A wszystkich, którzy czekają na  następne zapiski niespiesznego cyklisty lub chcą się dowiedzieć, co robią kolejni sąsiedzi, muszą poczekać, aż minie  szaleństwo związane z nagrodą Nobla.

I pomyśleć, że facet wynalazł dynamit. Niby wiem to od dawna, niby wszyscy to wiemy, ale mimo to straszne…

Krystyna Koziewicz

A nie mówiłam…

Czasami zdarzało  mi się coś intuicyjnie przewidzieć, niekiedy moje myśli spełniły się w życiu naprawdę, obróciły jakby w „złoto”. Tak było po przeczytaniu książki Olgi Tokarczuk „Księgi Jakubowe”, która mnie do tego stopnia zafascynowała, że sobie wtedy pomyślałam, tu cytuję… “jeśli ta książka nie otrzyma Nobla, to upadł bezpowrotnie międzynarodowy prestiż tej nagrody literackiej”. Miałam rację, co mnie niezmiernie ucieszyło – wartości uniwersalne przekonały gremium, przyznające nagrodę. Gratulacje dla Olgi Tokarczuk!

Zdjęcia zrobione przez Autorkę (z ukrycia) podczas Berlinale roku 2017, kiedy to film POKOT zsotał nagrodzony Srebrnym Niedzwiedziem – reżyseria Agnieszka Holland, scenariusz wg powieści Olgi Tokarczuk Prowadź swój pług przez kości umarłych.


Teresa Rudolf

Kręć się, kręć wrzeciono!

Słowo do słowa,
a tam wzorek, a tam pytanie,
a tam zagadka, a tam zdziwienie.

Słowo do słowa,
a tam smutek, a tam radość,
a tam wypadło oczko…

Słowo do słowa,
a tu już utkany z liter szal,
z Krakowa do Wiednia.

Słowo, do słowa,
a tam już nowy wzorek,
ciąg dalszy nastąpi.

Pisać, znaczy tkać
z myśli, emocji, zdarzeń
a czasem pruć, by znow tkać.

Pisać, znaczy tkać,
kolorowo lub szaro,
w głowie i sercu…

we własnym domku,
na własnym wzgórku,
na własnym wrzecionku…

W sobie,  dla siebie,
zanim ktoś inny….
zanim ty, lub ty, to zobaczysz…


Julita Bielak

Dwie twarze i filiżanka herbaty

Fotografie oddychają czy też: mają swoje tchnienie. Możemy doskonale objąć ich zawartość, zgłębić ich kompozycję, umieścić je w dziejach sztuki, zrozumieć emocje, jakie wywołują. Jeśli jednak nie poczujemy na twarzy ich tchnienia, nie poczekamy na chwilę, gdy je z siebie wypuszczą, przejdziemy mimo nich.

Marek Bieńczyk, Książka twarzy

Jej przeszłość wydawała mi się biało-czarna, jak stary film. Ludzie poruszali się w niej nerwowo i szybciej niż w rzeczywistości. Wszystko tam było jakieś toporne, nie miało głębi.

Olga Tokarczuk, Gra na wielu bębenkach, Szkocki miesiąc

Na klasowym spotkaniu po latach zapytałam pewnego poetę, co czyta: „Życie każdego z nas jest książką, nie sądzisz?” – odpowiedział. Nie sądziłam, moje przypominało wówczas stary program w muzycznej telewizji Dzika szafa grająca albo co najwyżej poradnik Drewno moje hobby. Tomasz Pągowski, z zawodu konserwator drewna zabytkowego, mawia, że choćbyś nie wiem, jak się wiórami upieprzył, to zawsze ładnie pachniesz. Pewnie istnieją wyjątki.

Dopiero w liście ów poeta, może targany wyrzutami sumienia, że mnie zbył, przyznał, że spośród polskich pisarzy najwyżej ceni Olgę Tokarczuk. – Czyta Tokarczuk – powtarzałam. To „czyta Tokarczuk” chodziło za mną, niepokoiło. Z księgarni przyniosłam Księgi Jakubowe, które z punktu uznałam za wyzwanie. Nie myliłam się, zakładka długo tkwiła na siedemnastej stronie, tam, gdzie zwykle pieczątkę stawiają biblioteki. Nie rezygnowałam, na Literackim Sopocie do Ksiąg… dokupiłam Grę na wielu bębenkach, opowiadania przeczytałam w jeden wieczór. Następnego dnia wróciłam do Ksiąg…, już wiedziałam, jak je czytać.

W jednym z wywiadów Andrzej Piaseczny opowiedział o mailu otrzymanym od nieznanej mu dziewczyny: „Niedawno umarł mój mąż, miał tyle lat, co Ty. Dzisiaj w samochodowym radiu usłyszałam Twoją piosenkę ‘Przyjdź, przytul, przebacz’, nie mogłam powstrzymać łez. To nie Ty ją napisałeś, napisało ją moje życie”. Opowiadania Olgi Tokarczuk stały się moją znaczącą lekturą, zaczynam zawsze od początku, docieram do Tancerki i każde „Kochany Tatusiu” dławi mnie w gardło. Jest styczną obrazów literackich i mojego życia. Powrotem do czegoś, czego już nie ma, a może w ogóle nie było.


EMS: 25 lat temu, w czwartym numerze wydawanego przeze mnie wówczas polsko-niemieckiego czasopisma literackiego WIR, znalazł się wywiad Judith Büsser z Olgą Tokarczuk. Olga była już znaną pisarką, po EE, Prawieku i Podróży ludzi Księgi wiadomo było, że pojawił się Ktoś.

Judith Büsser, Sny są ważną częścią życia (przedruk)

Olgo, jakie masz tempo pisania?

Myślę dosyć długo, zanim zacznę pisać.

A potem, pewnego dnia wychodzi gotowy tekst?

(…) Jedyne , co mogę powiedzieć to to, że tę książkę pisałam w amoku. Ty jako czytelniczka odbierasz tę energię, którą ja jako autorka wkładałam w tekst, a tej energii było dużo. Pisałam w ogromnym napięciu. Ale jest też mnóstwo materiału, który nie został wykorzystany, a był napisany. Pod koniec cięłam, bardzo dużo wyrzucałam. Bardzo mi zależało, żeby forma była zwarta. (…)

Każdy z rozdziałów jest w gruncie rzeczy krótkim, zamkniętym w sobie opowiadaniem.

Jeśli będę pisała jeszcze coś, to właśnie w taki sposób, ponieważ tak myślę – krótkimi historiami. Łatwiejsza jest dla mnie krótka forma. Jestem zbyt niecierpliwa, żeby długo utrzymać napięcie.

Postaci w twojej powieści miewają zdumiewająco dużo snów.

Sny są ważną sferą życia. Nie można robić prób opisania czyjegoś życia, pomijając sny. (…)


Ewa Maria Slaska

Dokładnie przed stu laty, 10 grudnia 1919 roku, Marcel Proust otrzymał najważniejszą francuską nagrodę literacką – nagrodę Goncourtów – za drugi tom swojego Dzieła, które potem urosło do wymiarów siedmiotomowego ARCYdzieła: W poszukiwaniu straconego czasu. Była to pierwsza książka wydana we Francji natychmiast po zakończeniu I wojny światowej.

Czy coś z tego wynika? Czy te dwie daty łączą się ze sobą? Zapewne nie, zapewne zwykła to koincydencja, jakich w naszym życiu tak wiele, że czasem ich nawet nie zauważamy. Ale jakoś dobrze się czuję z tą myślą, że sto lat temu Proust, mój Autor naj naj naj, a dziś Tokarczuk, nasza Autorka naj naj naj… Niech i o niej za sto lat ludzie myślą, niech o niej pamiętają, wciąż ją czytają i znajdują w jej książkach ważne dla siebie przemyślenia, tak jak my czytamy Prousta i pomaga on nam zrozumieć w życiu tyle spraw, przede wszystkim nas samych.


trzydzieści lat temu umarł mur wokół nas,
ale odrodził się w sercach;
sytuacja nie jest jednak beznadziejna;
byłem i jestem zdania wilhelma reicha,
że jeśli ktoś chce pokonać totalitaryzm,
to powinien zacząć od samego siebie;
właściwie od dziecka to, niełatwe, zadanie podjęli pani olga tokarczuk i  pan peter handke,
tegoroczni nobliści, ludzie, nie tylko literacko, niepospolici
gratulacje!

tibor jagielski
berlin, grudzień, roku dwa tysiące dziewiętnastego


Monika Wrzosek-Müller

Der Preis für Olga Tokarczuk war für meine Generation erstaunlicherweise eine große Genugtuung. Das höre und lese ich aus verschiedenen Aussagen und Notizen, die jetzt erscheinen. Es ist nicht einmal ein Gefühl des Stolzes, aber eine Erleichterung und Zufriedenheit, dass polnische Literatur, unsere oft weit ausschweifende Ausbildung belohnt wurde. Beim Nobelpreis für Szymborska dachte ich, niemand schreibt einfach so leichte und ironische Gedichte. Es hatte aber für mich wenig mit uns Polen zu tun und noch weniger mit denen, die im Ausland leben und am wenigsten mit mir. Warum also jetzt die Wärme, frohe Stimmung und Erleichterung bei Tokarczuk? Ich persönlich war durch „Unrast“ auf die Autorin aufmerksam geworden. Was ich bei ihr spüre, ist die Lust sich mit der Sprache auseinanderzusetzen, den Worten, der Erzählung, der großen epischen Form einen Platz zu geben. Ich denke, sie wird zu einer Symbolfigur für das bessere, intellektuelle und offene Polen, das mit den Wurzeln in der Heimat verankert ist aber sie nicht glorifiziert. Für uns junge und ältere DZIEWCZYNY ist sie die nächste Polin, die die Auszeichnung bekommt und damit uns anspornt, besänftigt und herausfordert! Bravo!


I na zakończenie: TU, czytaj i słuchaj. Wykład noblowski, wygłoszony przez Tokarczuk w minioną sobotę!

Treffen mit Olga Tokarczuk

Arkadiusz Łuba

(mit Zbigniew Herbert, Wisława Szymborska und Witold Gombrowicz im Hintergrund)

Dass ich als Literaturbegeisterter und -studierter gleich zwei moderne polnische Nobelpreisträgerinnen erleben werde, habe ich mir nie gedacht. Seit meinen frühen Jahren an prägte mich die Lyrik Zbigniew Herberts und genauso wie im Falle der Opposition, ja, des Antagonismus, Adam Mickiewiczs und Juliusz Słowackis (ich stand immer an der Seite Słowackis) habe ich Wisława Szymborska eher verachtet als verehrt. So habe ich mal in einem Referat für den Literaturunterricht an meiner Oberschule an ihre Verwicklungen in sozrealistische Poesie erinnert. Ich war 1996 traurig, dass anstelle Herberts sie den Literaturnobelpreis erhielt. Herbert starb am 28. Juli zwei Jahre später (ich erfuhr darüber während eines Jugendlagers in einem abgelegenen Kaff in den Masuren, wo jeweils nur zwei Exemplare der Tageszeitungen geliefert wurden und stand schon um 7 Uhr morgens vor dem Lebensmittelladen, um die gedruckten Nachrufe zu kaufen) und damit auch jede Hoffnung an einen Nobelpreis für ihn. Erst Jahre später, als ich die Ausstellung „Szuflada Szymborskiej“ (Szymborskas Schublade) in Krakau gesehen habe, änderte sich meine Meinung über die Person der Lyrikerin (ihre Lyrik habe ich ja als Literaturstudierter wohl gelesen). Was für ein humorvolles, freches, ironisches und liebes Wesen ist sie gewesen. Da fühlte ich auf einmal gewisse Seelenverwandtschaft. Ich interviewte sogar ihren Sekretär Michał Rusinek für eine Radiosendung. Kann den Bericht momentan nicht finden, hier aber stellvertretend etwas über Zbigniew Herbert und seine Jahre in Berlin.

In Krakau habe ich 2013 das Literaturfestival „Festiwal Conrada“ entdeckt, Witold Gombrowiczs Witwe Rita mit und ohne mich fotografiert und einen ersten deutschsprachigen wissenschaftlichen Artikel zu Gombrowiczs geheimen Tagebuch „Kronos“ geschrieben.

Rita Gombrowicz mit mir und der Faksimile-Ausgabe des geheimen Tagebuches „Kronos“ auf dem Conrad-Literaturfestival in Krakau, 2013, fot. © Arkadiusz Łuba

…und ich berichtete als erster in deutschsprachigen Medien über die heute in aller Munde vorhandenen „Jakobsbücher“.

Signatur von Olga Tokarczuk in meinem „Jakobsbücher“- Exemplar, fot. © Arkadiusz Łuba

Olga Tokarczuk selbst traf ich dann auf verschiedenen Veranstaltungen im Im- und im Ausland. Als ihr „Prowadź swój pług przez kości umarłych“ (Gesang der Fledermäuse) 2011 erschien, stellte ich ihr in Anwesenheit einiger Literaturprominenz in Berlin folgende Frage (Audioaufnahmen in meinem Archiv): „Der polnische Titel ist ein Zitat aus William Blake, er kommt auch oft in dem Buch vor, auch das Mystische und die Astrologie. Im »Unrast« zeigten Sie uns eine moderne Welt in Bewegung und Instabilität. Suchen Sie jetzt nach etwas Stabilen, Geordneten, Chaoslosen?“ Daraufhin kam dann die Antwort: „»Unrast« sehe ich als mein Opus Magnum. Ich habe viel zu diesem Buch recherchiert und lange daran geschrieben und wollte nachdem es fertig war eigentlich einen längeren Urlaub machen. Dann rief mich mein Krakauer Verleger an und erinnerte mich höflich daran, dass ich einen Vertrag für zwei Bücher unterschrieben habe und dass die Frist bald um ist. (…) Das hat mich motiviert, etwas Einfacheres wie ein Krimi zu schreiben. (…) Ich hatte Spaß am Schreiben, allerdings überkam mich schnell das Gefühl der Langweile, nur die kriminellen Ereignisse zu erzählen und es wurde mir bewusst, dass ich an einem Buch mit doppeltem Boden schreibe. (…) Anspruchsvolle Leser finden darin ernsthafte und fundamentale Fragen. In diesem Buch hinterfrage ich bestimmte philosophische Traditionen und verschiedenen Denkweisen, die seit dem 18. Jahrhundert galten. Hier ist also auch Platz für Blake, den Philosophen und Dichter, der auf der Schwelle zwischen Aufklärung und Romantik gelebt hat. Durch ihn werden hier die zwei Epochen miteinander konfrontiert“. Sie sagte auch: „Das Leitmotiv aller meiner Bücher ist die Suche nach einer Ordnung. Für den Leser scheint oft diese Suche verstörend zu sein, als ob meine Protagonisten diese Ordnung dort suchten, wo sie anscheinend nicht sollten“. Und ich wollte mehr wissen: „In dem Buch stellt sich die Frage, wie wird es in einer Million Jahren aussehen und ob der Himmel noch die gleiche Farbe haben werde. Und genau das wollte ich gerne wissen – Welche Farbe wird der Himmel in Ihrem nächsten Buch haben?“ Und so hat mir und allen Anwesenden Olga „Die Jakobsbücher“ angekündigt, ohne etwas Konkretes zu verraten: „Es wird der Himmel des 18. Jahrhunderts werden, ich kenne allerdings nicht seine Farbe. Der Plot beginnt in Osteuropa und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch Wien, Brünn bis hin nach Offenbach bei Frankfurt“. Daraufhin folgte ein verrücktes Foto (s. unten), wo wir Grimassen zeigen sollten (Olga hat schlussendlich gar nicht):

03 Olga Tokarczuk mit mir in der Berliner Akademie der Künste (hinten links der Schriftsteller Andrzej Stasiuk), 2011, fot. © Archiv Arkadiusz Łuba
Olga Tokarczuk mit mir in der Berliner Akademie der Künste (hinten links der Schriftsteller Andrzej Stasiuk), 2011, fot. © Archiv Arkadiusz Łuba

„Die Jakobsbücher“ sind nun bekannt und ausführlich diskutiert worden. Und nun wurde Tokarczuk für ihre „erzählerische Vorstellungskraft, die mit enzyklopädischer Leidenschaft das Überschreiten von Grenzen als Lebensform“ darstelle mit dem Literaturnobelpreis gekrönt und ich war stolz. Gleich musste ich ein Interview mit einigen Einschätzungen für das deutschsprachige Publikum des Auslandsdiensts des Polnischen Rundfunks geben.

Nun gründet Tokarczuk eine Stiftung, die Kultur in Polen und im Ausland unterstützen und umweltbewusste und Antidiskriminierungsmaßnahmen sowie die Bürgergesellschaft fördern soll. Die Nobelpreisträgerin hat gemeinsam mit dem Stadtpräsidenten von Wrocław Jacek Sutryk und dem Direktor des Breslauer Literaturhauses Irek Grin die Einzelheiten zur Tätigkeit der Stiftung vor ein paar Tagen bekannt gegeben. In die Satzung der von der Nobelpreisträgerin gegründeten Stiftung wird ein breiter Umfang von Tätigkeiten eingetragen. Kulturelle und künstlerische Aktivitäten sind zu erwarten, aber auch Umweltprojekte, und zwar für die Gleichbehandlung und Förderung der Entwicklung der Bürgergesellschaft. Die Stiftung setzt sich auch zum Ziel, die umfassende Entwicklung von Niederschlesien zu unterstützen, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu koordinieren sowie die polnische Kultur in der Welt und die Weltkulturerbe in Polen zu fördern: „Die Arbeiten an der Gründung der Stiftung dauern noch an. Wir wissen aber schon, was wir vorhaben“, sagte Tokarczuk während einer Pressekonferenz in Wrocław: „Ich wünsche mir, dass sich die Stiftung mit den mir ganz besonders am Herzen liegenden Sachen befassen wird, daher Umweltschutz“.

Literaturpreisträgerin Olga Tokarczuk und Stadtpräsident Jacek Sutryk bei der Pressekonferenz zur Gründung der Stiftung in Wrocław, fot. © Urząd Miasta Wrocław

Dem Stiftungsrat werden – neben Olga Tokarczuk – noch zwei Personen angehören: Regisseurin Agnieszka Holland und Direktor des Breslauer Literaturhauses Irek Grin. Die Schriftstellerin wird für die Tätigkeit der Stiftung den Betrag in Höhe von 350.000 PLN (80.000 Euro) aus ihrem Nobelpreisgeld bestimmen. Als strategischer Partner der Stiftung wird im Namen der Stadt das Breslauer Literaturhaus fungieren. Tokarczuk ist seit mehr als einem Jahr Mitglied des Programmausschusses dieser Institution, daher gestaltet sie aktiv die strategische Tätigkeit des Breslauer Literaturhauses mit.

Laut Erklärung des Präsidenten Jacek Sutryk wird die Stadt die Villa von Maria und Tymoteusz Karpowicz an der Krzycka-Straße für den Sitz der Stiftung überlassen. Sie soll zum Treffpunkt von Literaten und Übersetzern werden, aber auch als Diskussions- und Begegnungszentrum dienen. Die Villa umgeben von einem Garten wird allen Bürgern offen stehen. Wrocław wird somit zum ersten Förderer der Stiftung von Olga Tokarczuk sein. Die Stiftung wird ihre Tätigkeit möglichst bald beginnen, ohne auf die Renovierung des Objektes zu warten. Bereits jetzt wurden die Pläne für die ersten Monate ihrer Tätigkeit dargestellt.

Gestaltet werden Förderregelungen für die größten literarischen Veranstaltungen in Niederschlesien. Es handelt sich hierbei sowohl um ein von Olga Tokarczuk initiiertes Literaturfestival „Góry Literatury” (Berge der Literatur), die in Nowa Ruda und in der Umgebung stattfindet als auch um andere. Der Stiftungsrat will außerdem das hervorragende, aber bedrohte Bruno Schulz-Festival in Drohobycz unterstützen, das seit Jahren die größte Szene zur Förderung der polnischen Literatur in der Ukraine darstellt. Olga Tokarczuk ist inhaltlich mit dem Festival verbunden. Geplant wird auch die Vorbereitung der Veranstaltung zum 100. Jahrestag der Geburt von Stanisław Lem und Tadeusz Różewicz, der in das Jahr 2021 fällt.

„Die Ziele der Stiftung, des Breslauer Literaturhauses und diejenigen, die in unserer Bewerbung um den Titel der UNESCO-Literaturstadt enthalten sind, sind gleich“, sagte Irek Grin: „Die enge Zusammenarbeit ist als selbstverständlich zu betrachten“.

Am 10. Dezember wird der Nobelpreis an Tokarczuk verliehen. Der Tag soll ab dann für immer als ein großes Literaturfest in Wrocław gefeiert werden – in den Breslauer Schulen werden an ihm Prosa-Stücke berühmter Schriftsteller vorgelesen.

Die Preisverleihung wird ab 15:30 Uhr auf dem Breslauer Markt live übertragen. Während der Veranstaltung können Bücher von Olga Tokarczuk gekauft werden. Auch kann ein Gedenkstempel von diesem Tag auf die bereits mitgebrachten Bücher gedrückt werden. Was für eine Feier!

Ein Text, den niemand publizieren wollte (Reblog)

Woran die Menschen sterben, weiß niemand genau. Der Totenschein ist regelmäßig falsch. Durchgerutschte Misshandlungen und sogar Morde sind nicht ungewöhnlich. Dennoch ist die Todesursachenstatistik einer der wichtigsten Maßstäbe der Gesundheitspolitik. Milliardenbeträge werden an den luftigen Zahlen ausgerichtet.

Susanne Donner (riffreporter.de)

Dr. Schlendrian und der Tod

Da liegt er nun, kre­piert und auch ein biss­chen mal­trä­tiert. Was trag ich bloß ein, in den To­ten­schein? Herz­ver­sa­gen, das passt immer.

Unter Ärz­ten ist es kein Ge­heim­nis: Die Lei­chen­schau ist un­be­liebt und so­wie­so nur etwas für die ganz Ro­bus­ten. Übel wird selbst denn Ex­per­ten hin und wie­der vom Ge­ruch und Aus­se­hen des Toten. Bis Ende 2019 war die Lei­chen­schau zudem völ­lig un­ter­be­zahlt. Das Bun­des­land Ber­lin ver­gü­te­te sie im schlimms­ten Fall mit knapp mehr als 14 Euro. „Das hebt nicht ge­ra­de die Mo­ti­va­ti­on für einen Arzt, nachts um drei Uhr auf­zu­ste­hen, sich ins Auto zu set­zen, einen Leich­nam zu ent­klei­den, gründ­lich zu un­ter­su­chen und dann sorg­fäl­tig For­mu­la­re aus­zu­fül­len“, sagt Pa­trick Lar­scheid, Lei­ter des Zen­tral­ar­chivs der Lei­chen­schau­schei­ne in Ber­lin.

Und woher soll der Arzt über­haupt wis­sen, woran die­ser Mensch ge­stor­ben ist? Al­len­falls der Haus­arzt kennt die ver­schie­de­nen Krank­hei­ten, die ihn zu Leb­zei­ten plag­ten. Aber statt den Kol­le­gen aus­fin­dig zu ma­chen, trägt der Me­di­zi­ner nicht sel­ten ein­fach Herz­ver­sa­gen oder Lun­gen­em­bo­lie ein. Das sind be­lieb­te An­ga­ben, wenn Ärzte keine an­de­ren An­halts­punk­te haben, weiß Rü­di­ger Les­sig, Di­rek­tor des In­sti­tuts für Rechts­me­di­zin in Halle. Was man als Schlen­dri­an abtun könn­te, hat weit­rei­chen­de ge­sund­heits­po­li­ti­sche, wirt­schaft­li­che und ge­sell­schaft­li­che Kon­se­quen­zen.

Über­se­he­ne Morde und Miss­hand­lun­gen
Auf­grund der man­gel­haf­ten Lei­chen­schau­en gehen Morde als na­tür­li­che To­des­fäl­le durch. Min­des­tens ge­nau­so schlimm: Se­nio­ren, die miss­han­delt wur­den und an den Fol­gen ster­ben, er­ken­nen die Ärzte mit­un­ter nicht als Opfer einer Ge­walt­tat. Rü­di­ger Les­sig, Di­rek­tor des In­sti­tuts für Rechts­me­di­zin in Halle, be­rich­te­te auf der Ta­gung „Der tote Kör­per“: „Bei einem von 25.000 von uns be­schau­ten Leich­na­men pro Jahr steckt ein un­ent­deck­tes Tö­tungs­de­likt da­hin­ter.“

Er bit­tet, keine Fotos zu ma­chen. Vorne auf der Lein­wand er­scheint ein blut­über­ström­ter Mann mit einer rie­si­gen Kopf­ver­let­zung. Das Ge­sicht ist ent­stellt. Der Mann sitzt schräg auf einem Sofa, als hätte ihn je­mand ab­sicht­lich so dra­piert. „Auf dem To­ten­schein war ,na­tür­li­cher Tod’ an­ge­kreuzt“, sagt Les­sig und lacht leise. „Soll er etwa gegen die Arm­leh­ne ge­fal­len sein? Das macht keine sol­che Ver­let­zung.“ Vie­les hat er schon er­lebt: Er­schos­se­ne, die laut To­ten­schein einem Herz­in­farkt er­la­gen. Ver­kehrs­to­te, die na­tür­lich ge­stor­ben sein sol­len. Er­häng­te, denen der Kol­le­ge eine Lun­gen­em­bo­lie at­tes­tiert hatte. Äl­te­re Men­schen, die wegen Pfle­ge­feh­lern ge­stor­ben sind, ohne dass das im To­ten­schein auf­tauch­te.
Wer Les­sig hört, er­schrickt unter dem Ein­druck: Nach dem Tod herr­schen in die­sem Land Chaos und Schlam­pe­rei. Man fin­det nicht ein­mal einen Rechts­me­di­zi­ner hier­zu­lan­de, der dem wi­der­spricht. „Die Qua­li­tät der Lei­chen­schau ist er­schre­ckend schlecht“, be­stä­tigt Burk­hard Madea, Di­rek­tor des In­sti­tu­tes für Rechts­me­di­zin am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Bonn.

Jeder zwei­te To­ten­schein ist falsch
Das ist in höchs­tem Maße be­un­ru­hi­gend, wol­len wir doch si­cher sein, dass das Ver­bre­chen auf­ge­klärt würde, wenn uns einer nach dem Leben trach­te­te oder un­se­re Nächs­ten be­sei­tig­te. Aber man kann lei­der gar nicht si­cher sein. Hoch­ge­rech­net gehen die Ex­per­ten von etwa 2000 nicht na­tür­li­chen To­des­fäl­len pro Jahr aus, die un­er­kannt blei­ben. Und jede zwei­te To­des­ur­sa­che auf dem To­ten­schein stellt sich bei der Über­prü­fung durch eine Ob­duk­ti­on, also der Öff­nung der Lei­che, als falsch her­aus. Das be­sag­te in die­ser Deut­lich­keit schon 1987 eine mul­ti­zen­tri­sche Ob­duk­ti­ons­stu­die. Seit­her haben Fach­ärz­te viele Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge ge­macht. Pas­siert ist aber nichts. Neue Stich­pro­ben und die Er­fah­run­gen der Me­di­zi­ner be­le­gen das. Nur 43 Pro­zent der Ob­duk­ti­ons­er­geb­nis­se deck­ten sich mit dem Er­geb­nis der Lei­chen­schau, lau­tet das Er­geb­nis einer 2019 er­schie­ne­nen Dok­tor­ar­beit aus der Ar­beits­grup­pe von Rü­di­ger Les­sig. Jeder Zehn­te ster­be in den In­dus­trie­na­tio­nen sogar an einem völ­lig un­er­kann­ten Lei­den, das hätte be­han­delt wer­den kön­nen, be­rich­tet eine wei­te­re Stu­die von 2019.

Jene schlam­pig und falsch aus­ge­füll­ten To­ten­schei­ne bil­den aber die Grund­la­ge der To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik. Sie ist eine der wich­tigs­ten Sta­tis­ti­ken in die­sem Land. Ihr Ran­king ent­schei­det dar­über, wohin das Geld in der Ge­sund­heits­po­li­tik und in der Ge­sund­heits­wirt­schaft flie­ßt. Mil­li­ar­den Euro geben För­der­insti­tu­tio­nen und In­dus­trie auch auf ihrer Grund­la­ge aus.

Die To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik und die Mil­lio­nen
Das Ran­king der To­des­ur­sa­chen füh­ren die herz­kreis­lauf­be­ding­ten To­des­fäl­le an. Kli­ni­ken, noch in der kleins­ten Kreis­stadt, er­öff­nen kar­dio­lo­gi­sche Ab­tei­lun­gen. Auf Platz zwei in der To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik ste­hen die Krebs­er­kran­kun­gen. On­ko­lo­gen haben gute Zei­ten. Die Phar­ma­in­dus­trie ver­dient enorm mit immer spe­zi­fi­sche­ren Me­di­ka­men­ten, die Krebs­kran­ken durch­schnitt­lich ein paar Wo­chen Le­bens­zeit schen­ken. Neu­er­dings gibt es auch mehr Geld für die Sep­sis­for­schung, weil die Blut­ver­gif­tung eine immer häu­fi­ge­re To­des­ur­sa­che sein soll.

In­fek­tio­nen ran­gie­ren hin­ge­gen unter fer­ner Lie­fen mit we­ni­gen Pro­zent der To­des­fäl­le in der Sta­tis­tik. Kaum zu glau­ben, bei all den In­fek­tio­nen, die sich ge­schwäch­te Men­schen be­son­ders in Kran­ken­häu­sern hier­zu­lan­de zu­zie­hen. Der Ob­duk­ti­ons­stu­die zu­fol­ge blei­ben sol­che To­des­fäl­le in­fol­ge von Krank­heits­er­re­gern tat­säch­lich viel­fach un­er­kannt: Bei Män­nern er­kann­ten die Lei­chen­be­schau­er sie zu Null Pro­zent rich­tig, bei Frau­en zu 23 Pro­zent. „Es ist wahr­schein­lich, dass In­fek­tio­nen in der Sta­tis­tik un­ter­re­prä­sen­tiert sind“, sagt Burk­hard Madea. Das be­dingt auch, dass die Phar­ma­in­dus­trie kaum noch neuen An­ti­bio­ti­ka sucht. Die meis­ten Kli­ni­ken hier­zu­lan­de be­schäf­ti­gen nicht ein­mal einen In­fek­to­lo­gen.

„Wir haben auch eine mas­si­ve Miss­ach­tung der ech­ten Grip­pe­fäl­le, der In­flu­en­za. Wenn je­mand an einer Lun­gen­ent­zün­dung stirbt, müss­te der Lei­chen­schau­arzt nach­for­schen, ob eine In­flu­en­za zu Grun­de lag und La­bor­be­fun­de dazu vor­han­den sind. Das macht kaum je­mand. Da haben wir eine mas­si­ve Ver­zer­rung der To­des­ur­sa­chen“, sagt Pa­trick Lar­scheid. Er ist sich si­cher: Wenn die Öf­fent­lich­keit wüss­te, wie le­bens­ge­fähr­lich die In­flu­en­za sein kann, wür­den sich mehr Men­schen imp­fen las­sen. Je nach Sai­son kön­nen die Viren so ris­kant sein wie ein Herz­in­farkt, schätzt das Robert-​Koch-Institut. Aber so genau weiß das eben nie­mand, wenn der Tod nach einer In­flu­en­za einer an­de­ren Krank­heit an­ge­las­tet wird.

Be­such im Ber­li­ner Zen­tral­ar­chiv der Lei­chen­schau­schei­ne. Pa­trick Lar­scheid nimmt einen Sta­pel der ro­sa­far­be­nen To­ten­schei­ne von einem Tisch. „Herz­kreis­lauf­ver­sa­gen als To­des­ur­sa­che. Das ist na­tür­lich gro­ßer Un­sinn. Wenn je­mand in mein Herz schie­ßt, be­kom­me ich auch ir­gend­wie ein Herz­kreis­lauf­ver­sa­gen. Wich­tig ist die Frage, was führ­te zum Ver­sa­gen?“ Nächs­tes Blatt. „Ma­ras­mus. Oh Mann! “Ma­ras­mus” be­deu­tet, dass man nicht mehr isst und trinkt. Das ma­chen alle Men­schen in der Ster­be­pha­se. Ent­schei­dend ist doch, warum.“ Nächs­tes Pa­pier, er atmet hör­bar auf: „Das kann man mal so ste­hen las­sen: Aor­ten­klap­pen­in­suf­fi­zi­enz, da­durch Links­herz­ver­grö­ße­rung und da­durch Herz­schwä­che, die zum Tod führ­te.“

Min­des­tens 90 Pro­zent aller Lei­chen­schau­schei­ne stel­len sich beim blo­ßen Stu­die­ren der Pa­pie­re als feh­ler­haft her­aus, ur­teilt der Rechts­me­di­zi­ner Fred Zack von der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Ros­tock. Sie sind bei­spiels­wei­se in sich me­di­zi­nisch un­lo­gisch oder An­ga­ben feh­len. Er hatte über 10.000 Do­ku­men­te ge­prüft. Nur 223 Ur­kun­den er­schie­nen ihm ta­del­los. Dabei hat er die Lei­chen nicht ein­mal in­spi­ziert. Dann wäre wohl kaum ein rich­ti­ges Do­ku­ment üb­rig­ge­blie­ben.

Geld und Ge­wis­sen
Warum ist Ärz­ten die Lei­chen­schau so un­wich­tig? Die ers­ten Ant­wor­ten lau­ten oft, der Dienst an den Le­ben­den habe Vor­rang oder die Ar­beit sei schlecht be­zahlt. Bei­des sind vor­der­grün­di­ge Ar­gu­men­te. Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt führt wei­ter aus: Jeder drit­te Arzt wisse Be­fra­gun­gen zu­fol­ge nicht ein­mal, dass der To­ten­schein Grund­la­ge des To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik ist. Mit an­de­ren Wor­ten: Der Stel­len­wert der Lei­chen­schau ist vie­len Ärz­ten trotz über hun­dert­jäh­ri­ger Pra­xis nicht be­kannt. In Zei­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung und Ap­pa­ra­ti­sie­rung möch­ten au­ßer­dem kaum noch Ärzte den Leich­nam ent­klei­den und an­fas­sen. Das Ab­tas­ten mit den Hän­den – davor haben viele junge Kol­le­gen heute Scheu, be­rich­tet die Ana­to­min Heike Kiel­stein von der Uni­ver­si­tät in Halle an der Saale. Wer den Leich­nam nicht ein­mal be­rührt, kann frei­lich schwer die Lei­chen­star­re oder An­zei­chen von Ge­walt­ein­wir­kun­gen wahr­neh­men. Und dann übe auch die Po­li­zei immer wie­der Druck aus, eine To­des­ur­sa­che an­zu­ge­ben, be­kla­gen Ärzte ge­gen­über dem Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt. Denn bei einem nicht na­tür­li­chen oder un­kla­ren Tod muss sie er­mit­teln. Das macht Ar­beit. Der Schlen­dri­an hat auch mit Be­quem­lich­keit zu tun.

Zur Ent­schul­di­gung der Ärzte kann man vor­brin­gen: Viele Men­schen am Le­bens­en­de pla­gen heut­zu­ta­ge meh­re­re Krank­hei­ten, vom Dia­be­tes über eine In­fek­ti­on bis zur Herz­schwä­che. Was davon sie letzt­lich ge­tö­tet hat, ist schwie­rig ein­zu­krei­sen.

Jahr für Jahr prä­sen­tiert das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt die lan­gen Zah­len­ko­lon­nen der To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik. In Bezug auf die Qua­li­tät muss die Be­hör­de selbst ein­räu­men, dass über die Ge­nau­ig­keit keine Aus­sa­ge ge­macht wer­den könne. Viel­mehr be­klagt sie sogar die „nach­läs­si­gen Ein­tra­gun­gen“ in die To­ten­schei­ne und „un­nö­ti­ge Ver­zer­run­gen“ mit­un­ter durch un­le­ser­lich aus­ge­füll­te Pa­pie­re. Sie bie­tet seit ge­rau­mer Zeit Fort­bil­dun­gen an, damit Ärzte sorg­fäl­ti­ger mit den Lei­chen um­ge­hen. Doch die Me­di­zi­ner zei­gen kaum In­ter­es­se.

Ma­ro­des Mau­er­werk und wie wei­ter?
Die Nach­läs­sig­keit der Ärzte ist nicht ein­mal die ein­zi­ge Feh­ler­quel­le der To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik, er­klärt das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt. Das Lei­chen­schau­we­sen ist Län­der­sa­che. Dort sit­zen die sta­tis­ti­schen Be­hör­den, die die Hand­schrift der Me­di­zi­ner ent­rät­seln und einer Zif­fer im in­ter­na­tio­na­len Klas­si­fi­ka­ti­ons­sys­tem der Krank­hei­ten, dem ICD, zu­ord­nen müs­sen. Die Ver­ga­be der Codes weicht aber von Bun­des­land zu Bun­des­land er­heb­lich ab. Das ver­zerrt die To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik noch zu­sätz­lich, klagt die obers­te Sta­tis­tik­be­hör­de. Beim Tod nach Herz­schwä­che und an­de­ren Herz­lei­den ist nach­ge­wie­sen, dass star­ke re­gio­na­le Un­ter­schie­de in­ner­halb Deutsch­lands zu­sätz­lich auf die un­ter­schied­li­che Co­die­rungs­pra­xis in den Be­hör­den zu­rück­ge­hen. Auch des­halb star­ben 2011 in Bre­men nur 34 Men­schen auf hun­dert­tau­send an einem Herz­in­farkt, in Sachsen-​Anhalt aber mehr als drei Mal so viele – 104 auf hun­dert­tau­send. In Mecklenburg-​Vorpommern er­la­gen wie­der­um fast drei Mal so viele Män­ner an Krank­hei­ten des Ver­dau­ungs­sys­tems wie in Schleswig-​Holstein. Die Zu­nah­me der Sep­sis­to­ten füh­ren Ex­per­ten eben­falls dar­auf zu­rück, dass die Ämter öfter als frü­her die ent­spre­chen­den Zif­fern ver­ge­ben. Ei­ni­ge Sta­tis­ti­sche Lan­des­äm­ter nut­zen nun Com­pu­ter­pro­gram­me, um die lü­cken­haf­ten und oft fal­schen An­ga­ben auf den To­ten­schei­nen we­nigs­tens ein­heit­lich via Soft­ware zu über­set­zen. Diese Pra­xis er­in­nert an ein Haus mit ma­ro­dem Mau­er­werk, das man uni­form ver­putzt, damit die Un­eben­hei­ten ver­schwin­den.

Woran die Men­schen wirk­lich hier­zu­lan­de ster­ben, weiß nie­mand genau.

Nun hat der Staat die Ge­büh­ren­ord­nung über­ar­bei­tet, und der Satz für die Lei­chen­schau steigt ab 2020 auf ma­xi­mal 166 Euro. Ob das viel än­dert? Da die schlech­te Be­zah­lung nur eine Ur­sa­che des Miss­stan­des ist, darf man kei­nen grund­le­gen­den Wan­del er­war­ten. Und: Die ein­zi­ge Mög­lich­keit die Dia­gno­se der Lei­chen­schau zu über­prü­fen, bie­ten stich­pro­ben­ar­ti­ge Aut­op­si­en. Hier­zu­lan­de wer­den aber seit Jah­ren immer we­ni­ger Tote ob­du­ziert. Nur­mehr an­dert­halb Pro­zent sol­len es sein. Für eine Qua­li­täts­si­che­rung der Lei­chen­schau und der To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik wären zehn Pro­zent an­ge­mes­sen, for­dern Rechts­me­di­zi­ner. In Skan­di­na­vi­en, Großbri­tan­ni­en und Dä­ne­mark lie­gen die Ob­duk­ti­ons­ra­ten deut­lich höher, teils in der Grö­ßen­ord­nung von 30 Pro­zent. Das und eine ge­wis­sen­haf­te Lei­chen­schau wären ein ech­ter Bei­trag zu mehr Rechts­si­cher­heit und zur fai­ren Ge­sund­heits­fi­nan­zie­rung.

Ino z Zatoką Gdańską w tle / “Semele”

Komische Oper*jutro*Komische Oper*morgen*Komische Oper*tomorrow

Von der Pressetexte der Komischen Oper:

Eine Oper im Gewand eines Oratoriums könnte man Semele von Georg Friedrich Händel bezeichnen. Mit prächtigen Chören, knappen Rezitativen und ausdrucksstarken Arien musste das Werk nicht dem starren Schema einer Opera seria folgen und wirkt bis heute frisch. Für ein fastenzeitliches Oratorium eher »ungewöhnlich«: die saftig-erotische, durchaus auch witzige Handlung. Heute zählt Semele weltweit zu den beliebtesten Werken aus der Feder Georg Friedrich Händels. Barock-Spezialist Konrad Junghänel und Chefregisseur und Intendant Barrie Kosky setzen auf das menschliche Drama hinter den göttlichen Ränkespielen und zeigen klar auf: »Wen die Götter strafen, dem erfüllen sie seine Wünsche«.

Die Rolle der Ino wird gesungen von der wunderbaren Karolina Gumos – seit 2006 im Ensemble der Komischen Oper Berlin ist und hier schon große Erfolge gefeiert hat.

Semele, oratorium operowe Händla z roku 1743, jest uważane za jedną z pierwszych oper angielskojęzycznych.

Semele była córką króla Kadmosa i Harmonii w Tebach, kochanką Zeusa. W Oratorium bóg urządził jej przepiękny pałac w kraterze wulkanu, którego strzegły smoki. Hera odkrywa kryjówkę kochanków, dostaje się do pałacu pod postacią Ino, siostry Semele, i namawia dziewczynę, by ta wystawiła kochanka na próbę – jeśli naprawdę jest bogiem, niech w takim razie ukaże się jej w swej boskiej postaci. Wiemy ze wszystkich opowieści o Pięknej i Bestii czy Amorze i Psyche, że takie zabawy z bogami źle się dla dziewcząt kończą. Zeus wzbrania się, ale dziewczyna tak nalega, że bóg w końcu spełnia życzenie i pojawia się jako Piorun. Semele ginie w płomieniach, ale Zeus – co za makabryczna część opowieści – zdąży wyjąć z brzucha płonącej kochanki jej nienarodzone jeszcze dziecko. Zaszywa je w swym udzie i po kilku miesiącach wydaje na świat małego Dionizosa – boga wina i płodności. Semele po śmierci trafiła do Hadesu, ale gdy Dionizos dorósł, zabrał ją stamtąd na Olimp, jako boginię Tyone.

W zapowiedzi niemieckiej słusznie przypomina się, że jeśli bogowie chcą kogoś ukarać, spełniają mu życzenia. No bo cóż, ok, to Hera namówiła Semelę, by wystawiła kochanka na próbę, ale to jednak ona sama tak długo wierciła kochankowi dziurę w brzuchu, aż ustąpił i ukazał jej swą boską moc.

Generalnie krwawa jatka. Zresztą proszę:

Wielkie gesty i strugi krwi. Nie wiem, czy by mnie ten trailer zachęcił do wizyty w operze. (Uwaga – nieważne, że pojawia się tam majowa data z 2018 roku – Semele zostaje właśnie wznowiona).

Zachęca jednak przysłana w zaproszeniu opowieść o Karolinie Gumos, grającej i śpiewającej u Kosky’ego rolę Ino, siostry Semele.


Solistin/Mezzosopranistin: Karolina Gumos (Komische Oper Berlin)  Foto: Gunnar Geller

Julia Maier referentka prasowa Komische Oper pisze:

Direkt an der Danziger Bucht wuchs Karolina Gumos auf. Vor ihrer Haustür lag das weite Meer und weckte die Neugier auf das, was hinter dem Horizont lag – für die Augen unsichtbar, aber mit dem Herzen zu erahnen. So auch das Singen. Ihre erste Rolle (im Kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry) sang sie in dem am Strand ihrer Heimatstadt gelegenen Musical-Theater. Sie war 18 Jahre alt, und mit Gesang hatte sie vorher nichts am Hut gehabt. Sie ging zum Vorsingen, weil ihr damaliger Freund in der Produktion mitwirkte. »Plötzlich merkte ich, wie viel Spaß mir das Singen macht!« Und ihre Stimme entpuppte sich als perfektes Material für die Oper.

Der Ruf der Oper lockte sie! Erst zu einem Gesangsstudium nach Poznań und dann nach Deutschland. »Hier wollte ich erst gar nicht hin. Das deutsch-polnische Verhältnis ist ja recht belastet.« Dazu kam ein familiärer Hintergrund: Ihr Vater hatte als junger Mann während des Naziterrors im Untergrund für die Unabhängigkeit Polens gekämpft – und war dafür im KZ gelandet. »Ein unglaublicher Mann. Nach all den schlimmen Dingen, die er erlebt hatte, war er nie bitter und setzte sich nach dem Krieg immer wieder für Versöhnung ein.« Die Kammeroper Schloss Rheinsberg war ihre erste Station im Nachbarland. Hier lernte sie einen jungen Mann kennen, der ein Grund war, warum sie in Deutschland blieb und Wurzeln schlug. »Er war Hornist im Orchester.« Die große Liebe. »Er spielte für mich Alphorn am See, und da war’s um mich geschehen!« Seitdem sind die beiden zusammen.

»Einmal spazierten wir gemeinsam in Berlin Unter den Linden entlang. Da gab es einen Fensterkasten, in dem Aufführungsvideos der Komischen Oper gezeigt wurden. Damals redeten wir darüber, wie toll es doch wäre, wenn ich hier mal singen könnte …« Das Schicksal führte sie nach Stationen in Dortmund und Braunschweig tatsächlich an die Komische Oper Berlin. Hier ist nun ihre Heimat. Sie liebt die Seen und die Flüsse Brandenburgs. Leidenschaftlich gerne fährt sie Kajak und durchforstet in ihren liebsten Gummistiefeln die Wälder nach Pilzen. Wenn es sie in den Ferien in die Berge verschlägt, muss sie aufpassen: »Bei Serpentinen wird mir übel.« Sie ist halt doch ein Kind des Meeres…

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No cóż, trudna rada, przyjdzie pójść. Gehen wir?  Szczegóły / Mehr