Ich erkläre den Krieg

Monika Wrzosek-Müller

Als Kinder spielten wir ein Spiel, das mir jetzt, wahrscheinlich wegen des Krieges in der Ukraine, immer wieder in den Sinn kommt. In der Wohnsiedlung des Elektrotechnischen Instituts, wo mein Vater arbeitete und wir nebenan wohnten, lebten ganz viele Kinder in der unmittelbaren Nachbarschaft. Sie waren im gleichen Alter wie ich, die starken Nachkriegsjahrgänge machten sich bemerkbar; wir bildeten Banden, die untereinander rivalisierten. Die Häuser standen mitten im Wald, sie waren verschieden groß, zwei und vier-Stockwerke hohe Wohnblocks, darin lebten alle Mitarbeiter des Instituts, aus verschiedenen Berufsgruppen, also aus diversen gesellschaftlichen Schichten. Eigentlich nie in meinem verwickelten Leben später fühlte ich mich so wohl und sicher wie dort auf diesem Gelände; die Kinder konnten sich sehr frei und sehr geschützt bewegen, obwohl das Terrain sehr groß war; es gab nämlich einen Zaun rundherum, und die Eltern ließen uns stundenlang allein spielen. Wer dieses konkrete Spiel initiiert, mitgebracht hatte, weiß ich nicht mehr, doch wir spielten es immer wieder, mit den Namen diverser Länder, aber mit den gleichen Kindern, und der Ausgang, der blieb immer offen…

Das Spiel ging so: Ein großer Kreis wurde mit einem Stock auf der Erde oder mit Kreide auf der Straße gezogen. Damit der Kreis ordentlich aussah, stellte sich ein Kind in die Mitte und hielt mit ausgestreckten Armen ein anderes und drehte sich um eigene Achse; das andere zog mit dem Stock eine Linie auf dem Boden. Wenn wir ganz viele waren, mussten sich zwei Kinder an den Händen halten und das äußere Kind zog dann den Kreis. Das war gar nicht so einfach und wir versteiften uns darauf, einen schönen, gleichmäßigen Kreis hinzukriegen. Dann wurde der Kreis wie eine Torte oder eine Pizza (die wir aber damals nicht kannten) in so viele Stücke geteilt, wie es mitspielende Kinder gab. Die Kinder wählten sich Länder aus, die sie repräsentieren sollten aus, stellten sich an den Aussenrand ihres Stücks, mit dem Gesicht zur Mitte und schrieben die Kürzel für ihre Länder auf den Boden, z.B. P für Polen. Ein Kind lief außen um den Kreis herum, hielt ein Stock oder ein Steinchen und rief: „ich erkläre den Krieg, Pick, Pick gegen, erkläre den Krieg gegen, gegen, Pick, Pick, gegenz.B. gegen Polen“ und warf den Stock auf das Territorium mit dem Buchstaben P. In dem Moment liefen alle anderen schnell weg; das Kind aber, dem der Krieg erklärt worden war, musste ganz schnell den Stock aufheben und „Stopp“ schreien. Daraufhin sollten alle stehenbleiben und das Kind in der Mitte suchte die ihm am nächsten stehende Person aus und warf den Stock in deren Richtung; wenn es traf, durfte es sich von deren Territorium ein Stück abschneiden. Dafür aber durfte die Person, deren Territorium beschnitten worden war, jetzt den Krieg, also das Spiel anführen. Es gewann natürlich derjenige, der am Ende das meiste Territorium hatte. Oft dauerte es sehr lange und es wurde nicht immer ganz klar, wer letztendlich gewonnen hatte; die durcheinander geratenen Grenzen waren irgendwann nicht mehr erkennbar…

Das Spiel weckte große Emotionen. Nicht nur, dass manche Kinder Ländernamen wählten, die die anderen nicht kannten – Brasilien, Argentinien oder Bolivien waren mir damals (ich war vielleicht neun Jahre alt) völlig unbekannt. Sondern man erregte sich auch darüber, dass manche öfter drankamen als andere und deshalb gewannen. Oft spielten irgendwie doch die Jungs gegen die Mädchen, oder wir spielten gegen jemanden, den wir nicht mochten. Es gab auch unbeliebte Länder wie Deutschland oder Sowjetunion, obwohl ich mich nicht daran erinnern kann, dass jemand wirklich die Sowjetunion wählte. Sehr beliebt dagegen waren die USA und Frankreich. Oft endete das Spiel in einem richtigen Streit, die Verlierer wollten nie wieder mit dem Gewinner spielen.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, so erscheinen mir zwei Dinge dabei sehr prägnant und erstaunlich: es verblüfft mich, wie lange nach dem Krieg (ungefähr 20 Jahre), doch noch Krieg gespielt wurde, auch von den Mädchen, d.h. wie lebendig er auch in unserer Generation eigentlich noch war. Er dominierte offensichtlich unsere Wirklichkeit, war also im Familienleben immer weiter präsent. Je weniger man darüber sprach, je mehr über bestimmte Tatsachen geschwiegen wurde, desto präsenter waren sie für uns Kinder. Zweitens staune ich, wie klug und vielseitig so ein Spiel war, wir lernten neue Ländernamen kennen, wir mussten schnell reagieren, uns konzentrieren und miteinander kämpfen. Es weckte nicht immer ganz saubere Instinkte und wurde nicht immer ganz korrekt ausgetragen, doch das gehörte auch zum Leben. Überhaupt denke ich, dass das Ambiente eines freien, großen Geländes, eines riesigen Hofs, auf dem alle miteinander spielten, für unsere Entwicklung sehr hilfreich, prägend war.

Nicht zuletzt: Dass mir gerade dieses Spiel in der letzten Zeit in den Sinn gekommen ist, spricht Bände. Der Ukraine-Krieg hat uns in seinen Bann gezogen; wenn ich jetzt überlege, wie lange es dauern wird, bis das Gespenst des Krieges aus den Träumen und aus dem Leben der ukrainischen Kinder, der Mütter und der Väter (die aktiv daran teilnehmen) verschwindet; wie lange man in den bestimmten Denkweisen gefangen ist, die einen prägen, ohne dass man es will oder sich auch nur darüber im Klaren ist. Es braucht Generationen kluger Erziehung, um die Leute wirklich an den Frieden heranzuführen, und meistens bedarf es auch des Wohlstands, der Hoffnung auf bessere Zukunft; sonst sind die Bemühungen um den Frieden noch langwieriger und schwieriger.

Wait…

Maria Nova (Nova You)

Kultur Tandem

opsoSrtden0m14h9lt587if1f4809i3769095lh4ltgmiul1mccag4i30285  · 

25.11.2022 @ @karlstorbahnhof

W.

𝙬𝙖𝙞𝙩𝙚𝙧 : 𝙬𝙖𝙞𝙩𝙧𝙚𝙨𝙨

𝙖𝙧𝙘𝙝𝙚𝙤𝙡𝙤𝙜𝙮 & 𝙘𝙝𝙤𝙧𝙚𝙤𝙜𝙧𝙖𝙥𝙝𝙮 𝙤𝙛 𝙬𝙖𝙞𝙩𝙞𝙣𝙜.

𝙏𝙝𝙚 𝙊𝙘𝙚𝙖𝙣 𝙋𝙞𝙚𝙘𝙚

𝘞. 𝘭𝘪𝘬𝘦 𝘸𝘢𝘪𝘵𝘪𝘯𝘨

𝘞. 𝘭𝘪𝘬𝘦 𝘸𝘢𝘳

𝘞. 𝘭𝘪𝘬𝘦 𝘸𝘢𝘵𝘦𝘳

𝘞. 𝘭𝘪𝘬𝘦 𝘸𝘢𝘷𝘦

𝘞. 𝘭𝘪𝘬𝘦 𝘸𝘢𝘭𝘬𝘪𝘯𝘨


Eine 𝖠𝖻𝗁𝖺𝗇𝖽𝗅𝗎𝗇𝗀 𝗎̈𝖻𝖾𝗋 𝖡𝖾𝗐𝖾𝗀𝗎𝗇𝗀𝖾𝗇, 𝖶𝖺𝖼𝗄𝖾𝗅𝗇, 𝖯𝗎𝗅𝗌𝗂𝖾𝗋𝖾𝗇 𝗎𝗇𝖽 𝗌𝖼𝗁𝗅𝗂𝖾ß𝗅𝗂𝖼𝗁 𝗎̈𝖻𝖾𝗋 𝖽𝗂𝖾 𝖢𝗁𝗈𝗋𝖾𝗈𝗀𝗋𝖺𝗉𝗁𝗂𝖾 𝗌𝖾𝗅𝖻𝗌𝗍, 𝗎̈𝖻𝖾𝗋 𝖽𝗂𝖾 𝗌𝗂𝖼𝗁 𝖸𝖮̄𝖴 𝗂𝗁𝗋𝖾 𝖾𝗋𝗌𝗍𝖾𝗇 𝖦𝖾𝖽𝖺𝗇𝗄𝖾𝗇 𝗆𝖺𝖼𝗁𝗍:

“𝙂𝙚𝙝𝙚𝙣𝙙 𝙞𝙘𝙝 𝙛𝙪̈𝙡𝙡𝙚 𝙙𝙞𝙚 𝘼𝙗𝙬𝙚𝙨𝙚𝙣𝙝𝙚𝙞𝙩 𝙫𝙤𝙣 𝘽𝙚𝙬𝙚𝙜𝙪𝙣𝙜 𝙞𝙢 𝙍𝙖𝙪𝙢”.

A 𝗍𝗋𝖾𝖺𝗍𝗂𝗌𝖾 𝗈𝗇 𝗆𝗈𝗏𝖾𝗆𝖾𝗇𝗍𝗌, 𝗐𝗂𝗀𝗀𝗅𝖾𝗌, 𝗉𝗎𝗅𝗌𝖾𝗌, 𝖺𝗇𝖽 𝖿𝗂𝗇𝖺𝗅𝗅𝗒 𝗈𝗇 𝗍𝗁𝖾 𝖼𝗁𝗈𝗋𝖾𝗈𝗀𝗋𝖺𝗉𝗁𝗒 𝗂𝗍𝗌𝖾𝗅𝖿, 𝗈𝗇 𝗐𝗁𝗂𝖼𝗁 Maria Nova/𝖸𝖮̄𝖴 優 𝗂𝗌 𝗆𝖺𝗄𝗂𝗇𝗀 𝗁/𝖾𝗋 𝗍𝗁𝗈𝗎𝗀𝗁𝗍𝗌:

“𝙬𝙖𝙡𝙠𝙞𝙣𝙜, 𝙄 𝙖𝙢 𝙛𝙞𝙡𝙡𝙞𝙣𝙜 𝙩𝙝𝙚 𝙖𝙗𝙨𝙚𝙣𝙘𝙚 𝙤𝙛 𝙢𝙤𝙫𝙚𝙢𝙚𝙣𝙩 𝙞𝙣 𝙨𝙥𝙖𝙘𝙚”.


Ein Projekt von KulturTandem in Kooperation mit Karlstorbahnhof.

Gefördert von @basf_tor4

Tickets: https://karlstorbahnhof.reservix.de/p/reservix/event/1973325

Frauenblick auf Putinland

Monika Wrzosek-Müller

Putinland“ von Leonid Wolkow

Seit dem Krieg in der Ukraine versuche ich diese Aggression zu verstehen und nachzuvollziehen, wie es in Russland dazu kommen konnte, dass ein Mann, den man allgemein für eher vernünftig und eher westlich orientiert hielt, uns allen und vor allem den Ukrainern das antun konnte. Ich weiß, dass meine Mutter immer sagte (sie hat im Zweiten Weltkrieg 8 Jahre unfreiwillig in der Sowjetunion, im heutigen Kasachstan verbracht), die Russen seien eine sehr nette, für Musik und Mathematik begabte Nation, aber ungeheuerliche Chauvinisten. Das kann man schlecht als Erklärung für diese Tat stehen lassen und so lese ich rundherum, was in den Jahren in Russland passiert ist, in denen wir uns eher für alles andere interessiert haben. So kam ich auch zu diesem Buch.

Der Untertitel enthält schon eine Information über den Inhalt: Der imperiale Wahn, die russische Opposition und die Verblendung des Westens.

Die einzelnen Kapitelüberschriften geben weiteren Aufschluss:

  • Russlands „wilde Neunziger“
  • Die Errichtung der Machtvertikale
  • Widerstandsgeist und Protestbewegung
  • Bürgermeisterwahl in Moskau
  • Nach der Annexion der Krim
  • Nawalnys Präsidentschaftswahlkampf
  • Die Schlagkraft vernetzter Opposition
  • Der Giftanschlag
  • Russland überfällt die Ukraine
  • Medienmacht und Meinungsbildung
  • Angriffsziel Internet
  • Andersdenken verboten
  • Putins Oligarchen
  • Wir gehören zu Europa
  • Nach Putin: Szenarien und Hoffnungen

Der Autor Leonid Michailowitsch Wolkow, geb. 1980, war und ist ein Freund von Alexei Nawalny, für den er als IT- Experte den Wahlkampf und die Antikorruptionsstiftung organisiert hatte. Also repräsentiert er eine Stimme von innen, aus dem Bauch Russlands (er stammt aus Jekaterinburg), auch wenn er seit 2019 im Exil, in Wilna/Litauen, lebt und von dort aus die Entwicklung in Russland weiter begleitet. Das Buch wurde aus seinen Vorträgen innerhalb von drei Monaten zusammengeschrieben, das merkt man dem Text auch an, doch der Leser erfährt viel über die Entwicklung Russlands zu einer Diktatur. Nebenbei lesen wir über die oppositionelle Szene, wie sie sich entwickelte, wie sie funktionierte, was sie erreicht hat. Den Optimismus des Autors teile ich nicht, aber es ist für uns alle gut zu wissen, dass es organisierte oppositionelle Szene in Russland gibt. Wir, dabei denke ich an die Polen, wissen gut, wie lange und wie gut die Opposition damals vor der Solidarnosc-Zeit organisiert sein musste, wie viel Organisationstalent und Wissen über die Möglichkeiten des Kampfes, wieviel Ausdauer und Durchhaltevermögen es brauchte, um das Regime zu stürzen. Natürlich gab es damals kein Internet und keine entsprechenden Möglichkeiten der Vernetzung, das erleichtert jetzt vieles, vor allem die Kommunikation, ist aber nicht immer verlässlich. Der mögliche Follower brennt nicht immer wirklich und unbedingt für die Sache; ein Klick im Handy oder am Laptop bedeutet nicht, dass derjenige auch einen Beitrag leisten und entsprechend wählen geht, ganz zu schweigen von der Teilnahme an Demonstrationen und anderen Aktionen der Opposition.

Russland hat in den letzten Jahren einen massiven Ruck Richtung Mafiastaat vollzogen; Putin gleicht einem Mafiaboss und obwohl er am Anfang des Buchs als „kleine Leuchte“ beschrieben wird, konnte er dieses riesige Land total nach seiner Vorstellung umgestalten. Dasselbe erzählt in einem Interview Boris Bondarjew, ein russischer Diplomat, der sein Amt nach 20 Jahren niedergelegt hat, in der FAZ am Sonntag: „Er hat dieses Regime errichtet. Es fußt auf Korruption, und zwar auf allen Ebenen des Staates und der Gesellschaft. Alles ist auf ihn ausgerichtet. Er ist die Säule, die alles stützt. Keiner aus seinem Zirkel kann die gleiche Autorität ausüben. Ich bin mit Alexej Nawalny einer Meinung, dass man Russland als Mafiastaat beschreiben kann. Alles beruht auf informellen Beziehungen und Vereinbarungen. Ganze Ministerien oder föderale Behörden werden für Person geschaffen. Wenn Putin in den Ruhestand träte, wäre er seinem Nachfolger ausgeliefert. Er hätte keine Garantien für seine Sicherheit.“ Die Geschichte dazu erzählt das Buch; es geschah schrittweise, immer deutlicher wurden die Anzeichen, doch wir schauten nicht hin, wollten es nicht sehen. Noch klangen in unseren Ohren die verführerischen Worte wie Perestroika, Glasnost etc…, dass in Russland Gorbatschow ganz unbeliebt war, haben wir gar nicht bemerkt. Dann, als allmählich die Protestaktionen verboten wurden, später die Gouverneure nicht mehr gewählt, sondern von oben eingesetzt wurden, hat sich auch niemand besonders aufgeregt. Dann kamen die Morde an Journalisten, Politikern; die Giftanschläge und sogar die Besetzung der Krim verliefen für Putin glimpflich, das alles finden wir in dem Buch wieder. „Im Eiltempo verwandelte sich Russland von einem hybriden autoritären Regime in ein totalitäres Regime, von einer Pseudo-Demokratie in ein vollendetes faschistisches System.“ Der Schritt zum Krieg war dann ganz nah.

Der Autor liefert aber auch die Idee und den Aufbau der Organisation, die sich gegen Putin gestellt hatte; die Bildung der „Stäbe“ Nawalnys als Einheiten des Widerstands in ganz Russland und die Antikorruptionsstiftung: „Stellen wir uns die Pyramide als einen Eisberg vor, der im Meer schwimmt: die Spitze des Eisbergs ragt heraus, aber der allergrößte Teil der Eismasse befindet sich unter Wasser. Dem Kreml ist es in den vergangenen elf Jahren nicht gelungen die Protestbewegung in Russland zu vernichten.“ Aber auch horizontale Strukturen und Kommunikationsnetze wurden geschaffen, die viele Millionen Menschen verbinden.

Schön sind die Passagen über die Allmacht der Propaganda: „Der russische Fernsehzuschauer ist kein Idiot, er ist nur daran gewöhnt, in einem toxischen Informationsmilieu zu existieren. […] In der Sowjetunion gab es ein geflügeltes Wort: In der „Iswestija“ gibt es keine Wahrheit, in der „Prawda“ keine Nachrichten („Iswestija“ bedeutet Nachrichten, „Prawda“ Wahrheit- beides die wichtigsten Zeitungen Russlands). […] Und dass die neue Propaganda keinen Deut besser ist als die alte sowjetische, wissen sie auch. Das Problem ist, dass die Skrupellosigkeit und Maßlosigkeit der neuen russischen Propaganda ihr Vorstellungsvermögen schlicht übersteigt. Jeder Mensch kann nur so weit blicken, wie sein eigener Horizont reicht… Wenn heute dem russischen Fernsehzuschauer rund um die Uhr Horrorgeschichten von den blutrünstigen Nazis in der Ukraine erzählt werden, die Kinder bei lebendigem Leib auffressen, dann findet in seinem Kopf genau dieser Denkmechanismus statt. Natürlich glaubt er nicht wörtlich, was man ihm da erzählt, er weiß ja, dass er belogen wird, ein bisschen vielleicht, oder ein bisschen mehr, egal, aber doch nicht ganz und gar. Soviel er auch abzieht und herunterrechnet, am Ende bleibt ein kleiner Rest, den er glaubt. Er denkt, na gut, das mit dem Kinderfressen muss wohl stimmen, aber bestimmt nicht roh, wahrscheinlich werden sie sie vorher kochen oder wenigstens anbraten.“

Dem Ausblick in die Zukunft, die nach Putin kommen wird, widmet der Autor ein Kapitel: Szenarien und Hoffnungen. Die wichtigste Erkenntnis für mich war, dass der Putinismus Putin nicht überleben wird. „Das System, das Putin errichtet hat, kann er niemandem vererben, es ist absolut personalisiert.“ Also ist die erste Möglichkeit einer Veränderung der Tod des Diktators; es wird Kämpfe um seine Nachfolge geben, ein mögliches Interregnum auch. Ein anderes Szenario wäre ein Aufstand der Eliten, seiner Oligarchen, die nicht mehr genug verdienen, also eine Palastrevolution. Die dritte Möglichkeit ist der Massenprotest, wenn der Leidensdruck zu groß wird, zu viele Soldaten sterben, ihre Mütter es nicht mehr ertragen können. Das könnte in einen Bürgerkrieg ausufern, nur, was erlaubt uns bei all den schrecklichen Szenarien optimistisch zu bleiben? Um mit Nawalny zu sprechen, „to see the bigger picture“. Für den Autor bleibt der Ukrainekrieg nicht nur ein Horror, er hat neue und einzigartige Wege eröffnet zur Lösung von alten Problemen. Der Wandel Russlands zu einer Demokratie ist durch den Krieg viel realistischer geworden. Denn es muss eine Reinigung und Neuausrichtung des Landes geben, die Aufarbeitung und Aufklärung aller Verbrechen. Russland muss seine Lektion lernen, es gibt keine andere Option und das berechtigt uns zum Optimismus. Wichtig erscheint auch dem Autor, wie die Ära Putin endet; am besten wäre, wenn er vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Hag gestellt werden könnte, dann kämen alle seine Verbrechen und Taten ans Licht, es könnte sich kein Mythos des großen russischen Helden bilden.

Leider befinden wir uns heutzutage immer noch nicht an diesem Punkt der Geschichte und viele Menschen in der Ukraine sterben, die Städte werden bombardiert und irgendwie weiß niemand, wo, wann und wie diese Geschichte enden wird.

Listopad wspomnień / November der Erinnerungen

SprachCafé Polnisch e.V. – Polska Kafejka Językowa

PL

Piątek, 18 listopada 2022 o godz. 19.00

Listopad wspomnień

W tym szczególnym miesiącu – listopadzie mamy czas na refleksję i zadumę, to czas na odświeżenie pamięci o bliskich, znajomych i nieznajomych, których nie ma wśród nas. Zapalając znicze zastanawiamy się nad ulotnością ludzkiego życia, które – jak mówi Seneka -” jest tylko podróżą do śmierci…” Od tej gorzkiej prawdy nikt z nas nie ucieknie.

Pamięć o zmarłych jest pełna milczenia i wspomnień. Dla nas Polaków na emigracji czas szczególnej refleksji i pamięci tych, którzy odeszli od nas na zawsze. Byliśmy z nimi, niektórzy zaprzyjaźnieni pozostawiając po sobie trwały ślad w pamięci. Liczne zdjęcia utrwalone w albumie Stefana Dybowskiego zaświadczają o ich współistnieniu. Co roku odwiedzamy groby naszych bliskich, znajomych, także znanych Polaków i tych pochowanych w zbiorowych mogiłach. Miesiąc listopad przybliża pamięć o nich, myślimy, piszemy, wspominamy i choć nie każdy tworzy wielkie dzieła, to każdy tworzy historię.

Człowiek żyje tak długo, jak długo żyje pamięć o NIM, dlatego chcemy wspólnie odświeżyć pamięć o nich podczas spotkania w Sprachcafé Polnisch na które serdecznie zapraszamy.

Przynieście ze sobą zdjęcia tych, którzy odeszli i świeczki.

Zapraszamy!

DE

Freitag, 18. November 2022 um 19 Uhr

November der Erinnerungen

In diesem besonderen Monat – November – nehmen wir uns öfter Zeit zum Nachdenken und zur Besinnung. Es ist Zeit, um die Erinnerung an geliebte Menschen, Freunde und Fremde, die nicht unter uns sind, wieder lebendig zu machen. Wenn wir die Kerzen anzünden, denken wir über die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens nach, das, wie Seneca sagt, “nur eine Reise in den Tod ist…” Dieser bitteren Wahrheit kann keiner von uns entkommen.

Das Gedenken an die Toten ist von Stille und Erinnerung geprägt. Für uns Exilpolen ist es eine Zeit des besonderen Nachdenkens und des Gedenkens an diejenigen, die für immer von uns gegangen sind. Wir waren mit ihnen zusammen, sie waren Freunde, sie haben eine bleibende Spur in unserer Erinnerung hinterlassen. Zahlreiche Fotos, die in Stefan Dybowskis Album aufgenommen wurden, zeigen schon diejenigen, die gegangen sind.. Jedes Jahr besuchen wir die Gräber unserer Verwandten, Freunde, aber auch berühmter Polen und Gräber deren, die in Massengräbern bestat wurden. Der Monat November bringt uns die Erinnerung an sie näher, wir denken, schreiben, erinnern uns, und obwohl nicht jeder große Werke schafft, schafft jeder Geschichte.

Ein Mensch lebt so lange, wie sein Gedächtnis lebt. Deshalb wollen wir gemeinsam das Gedächtnis auffrischen bei einem Treffen im SprachCafé Polnisch, zu dem wir Sie herzlich einladen.

Bringt Fotos von euren Verstorbenen und Kerzen mit.

Seid dabei!

„ein herrlicher tag für bananenfische“ & Lesehaiku

Johanna Rubinroth

meine mutter lackierte sich gerade die nägel. das telefon klingelte. sie stand auf, und seufzte auf dem weg zum telefon: „ach, ich kann das nicht so wie sie, das telefon klingeln lassen, wenn ich mir die nägel lackiere, ich lasse mich stören, und hebe ab“. nach ihrem gespräch, fragte ich: 

–       mama, wen meinst du? 

–       ach, du weisst doch.

–       nein, ich erinnere mich nicht.

–       doch, doch du kennst sie.

–       deine freundin britta?

–       nein! 

–       deine schwester? 

–       nein!

ich nannte noch weitere 5 frauen, die sich die nägel lackieren.

–       mama, ich kenne keine frau, die das telefon klingeln lässt!

–       doch, doch du kennst sie. 

sie meinte muriel, aus salingers „ein herrlicher tag für bananenfische“. 

***

Rysunki z sieci. Dziękujemy.

Vor 250 Jahren: die erste Teilung Polens 1772

Michael G. Müller

Drei Fragen zu dem Ereignis von 1772 sollen hier gestellt und diskutiert werden. Die erste ist die, ob – und, wenn ja, warum – die erste Teilung Polens eine Zäsur in der europäischen Geschichte markiert. Sehr klar hat Edmund Burke schon 1773 diese Frage beantwortet. Die „gewaltsame Zerstückelung“ Polens, „ohne den Vorwand eines Kriegs oder auch nur den Anschein von Recht“, schrieb er im Annual Register für das Jahr 1772, sei „der erste wirklich große Bruch in der modernen Ordnung Europas“, ein Akt, mit dem „die Axt an die Wurzeln unserer großen westlichen Republik gelegt worden ist“.

So dramatisch das klingen mag – auch Historikerinnen und Historiker müssen Burke heute bei nüchterner Analyse im Kern Recht geben. Zunächst einmal: Es gab tatsächlich keinerlei plausiblen Grund und keinerlei nachvollziehbare Rechtfertigung dafür, dass die drei Nachbarmächte der polnischen Republik 1772 große Teile von deren Territorium willkürlich annektierten. Kein heißer Krieg zwischen Polen und den Teilungsmächten war vorausgegangen. Keine internationale Krise, die nur auf diese Weise hätte entschärft werden können. Die Nachbarn wollten es einfach. Um genau zu sein: Russland, das de facto weitgehend alleine in den polnischen Angelegenheiten entschied, entschloss sich dazu und gab 1771 grünes Licht für das Teilungsgeschäft. Preußen und, etwas verzögert, Österreich ließen sich mehr als willig darauf ein. Alle drei gewannen dabei.

Weiterhin: Ein Bruch in der „modernen Ordnung Europas“ im Sinne Burke’s war das in der Tat. Was Burke mit „unserer großen westlichen Republik“ meinte, war im Wesentlichen die Gemeinschaft der europäischen Signatarmächte des Westfälischen Friedens von 1648 und der Friedensverträge am Ende des Spanischen Erbfolgekriegs (1713-1715). Die Friedenschlüsse hatten die großen Hegemonial- und Religionskriege beendet und sie sollten eine Art neuartigen europäischen Konsensus etablieren: einen Konsensus über die gemeinsame Erhaltung des europäischen Gleichgewichts und über die strikte Achtung der Souveränität und Integrität der Staaten. Beide Prinzipien wurden mit den Teilungsverträgen ausgehebelt.

Interessant dabei nicht zuletzt, wie die Teilungsmächte die Nicht-Achtung des Verbots der Intervention gegen souveräne Staaten gerechtfertigt haben: Sie erfanden eine neue Formel, wonach ein Zustand von „Anarchie“ (so wie er in Polen seit 1768 angeblich geherrscht habe) die Nachbarn zur Intervention zwinge – auch um der Sicherheit ganz Europas willen. Das war nach zeitgenössischen Standards ungefähr ähnlich plausibel wie heute Putins Rede von der Verantwortung Russlands für die Entnazifizierung der Ukraine.

Aber sehen wir einmal von dem völkerrechtlichen Aspekt ab. Auch ganz praktisch wurde der Zäsurcharakter der Entscheidung von 1772 sofort sichtbar. Von außen gesehen war die neue Liga der Teilungsmächte derart dominant, dass sie nicht nur willkürlich über Polen verfügen konnte, sondern auch über die Verhältnisse in Deutschland. Die panikartigen und zugleich hilflosen Reaktionen der deutschen Reichsstände auf die Teilungsnachricht (z.B. Sachsens, Bayerns, der Pfalz) zeugten davon. Im Innenverhältnis aber funktionierte die Teilungsliga als eine Art kompetitive Zwangsgemeinschaft. So alternativlos das weitere Zusammenwirken in Bezug auf Polen war, so deutlich konkurrierten hier einzelstaatliche Ziele und Interessen; dass es früher oder später zur weiteren Aufteilung Polens kommen würde, lag angesichts dieser Spannungen auf der Hand. Herr Krzeminski hat also absolut recht: 1772 war der Anfang vom Ende des alten Polen, aber ebenso des alten Reichs.

Den Langzeitfolgen der Teilungen gilt meine zweite Frage. Wie, und wie lange eigentlich, haben die Teilungen nachgewirkt? Fasst man die Frage eng, und bezieht man sie allein auf Polen, dann scheint die Antwort auf der Hand zu liegen. Die polnische Gesellschaft blieb auf ihrem Weg in die Moderne solange fremdbestimmt, beeinträchtigt, in ihrer Entwicklung gehemmt, wie die Teilungslage selbst andauerte, also bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Der Verlust der Souveränität bedeutete für alle drei Teilungsgebiete eine nachhaltige Marginalisierung im Rahmen des jeweiligen Teilungsstaats – nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich, struktur- und bildungspolitisch, elitensoziologisch, in unterschiedlichem Maße auch kulturell. Man könnte, in Abwandlung von Milan Kunderas Diktum vom „gekidnappten Westen“, von einer „gekidnappten Nation“ sprechen. Die Traumata dieses Kidnapping haben natürlich lange über 1918 hinaus nachgewirkt. Bis heute sind die Trennungslinien zwischen den Teilungsgebieten als Phantomgrenzen erkennbar.

Fasst man die Frage nach den Folgen der Teilungen weiter, bezieht man sie auf Ostmitteleuropa insgesamt, dann wird es komplizierter. Ganz sicher waren die Teilungen jedenfalls ein zentraler Faktor bei Preußens weiterer Entwicklung. Der territoriale Zuwachs hat Preußens wirtschaftlich-fiskalische Ressourcen beträchtlich vermehrt, sein militärisches Potential gestärkt, zugleich neue außenpolitische Optionen geschaffen. Die napoleonischen Kriege blieben in dieser Hinsicht Episode; Preußen blieb auch nach 1815, wie Klaus Zernack gesagt hat, eine „halbdeutsche Großmacht“ mit einer Machtbasis außerhalb des alten Reichs. Die Entwicklung des österreichisch-preußischen Dualismus im Deutschland des 19. Jahrhunderts und der Weg zur Reichsgründung von 1871 waren davon deutlich geprägt.

Die Kehrseite aber – und zwar nicht nur für Preußen, sondern für alle Teilungsmächte: die dauernde Herausforderung durch die polnische nationale Bewegung. Sie entwickelte trotz, oder eher wegen, aller Versuche, sie zu unterdrücken, eine über die Generationen wachsende gesellschaftliche Mobilisierungskraft gegen die Staatsmacht. Wie Hans-Ulrich Wehler gezeigt hat, entwickelte sich die sogenannte Polen-Frage, sogar zu einem der großen „Krisenherde des Kaiserreichs“. Zugrunde gegangen ist das Kaiserreich daran natürlich nicht. Aber der sich ständig radikalisierende, um 1900 omnipräsente Nationalitätenkonflikt in den sogenannten Ostmarken hat das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen irreparabel beschädigt.

Zum ideologischen Erbe des Kaiserreichs sollte denn auch eine tief verwurzelte deutsche Polenfeindlichkeit gehören. Nach 1918 hielt die Mehrheit der Deutschen die bloße Existenz des wiedererstandenen Polen, dieses „Saisonstaats“, für unerträglich; die nach dem Ersten Weltkrieg gezogene deutsch-polnische Grenze (auf die sich übrigens nach 1945 die Bundesrepublik stets berufen hat) galt damals als „blutende Grenze“ und deshalb als inakzeptabel; der Anweisung des deutschen Oberkommandos im Jahr 1939, dass der Krieg gegen Polen mit (Zitat) „größter Härte“ geführt werden müsse, folgte die Wehrmacht im September `39 willig. Wann endete auf dieser Ebene die Wirkungsgeschichte der Teilungen? Auf deutscher Seite: vielleicht 1980, als uns die Solidarnosc-Bewegung neuen Respekt für Polen gelehrt hat? Vielleicht aber auch erst später?

Meine dritte und letzte Frage ist die nach der kollektiven Erinnerung an die Teilungen Polens und deren Wirkungsgeschichte. Sind die Teilungen Polens ein lieu de mémoire im Sinn von Pierre Norat? In Deutschland ganz sicher nicht. Das in Deutschland durchaus vorhandene Bewusstsein von einer deutsch-polnischen Konfliktgeschichte reicht in der Regel kaum hinter den Zweiten Weltkrieg zurück. Man mag gehört haben von den Grenzkonflikten nach dem Versailler Frieden oder auch von den „Nationalitätenkämpfen“ im Osten des Kaiserreichs. Welche Vorgeschichte diese hatten, erfuhr man im Geschichtsunterricht aber nicht. Das Schulbuch zur europäischen Geschichte, das wir – die Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission – jetzt gemeinsam erarbeitet haben, ist meines Wissens das erste Geschichtsbuch in Deutschland, in dem die Teilungen Polens überhaupt als eigenes Thema vorkommen.

Ganz anders natürlich in Polen. Vielleicht nicht die Verlaufsgeschichte der Teilungen selbst, umso mehr aber deren Wirkungsgeschichte bildet die Hauptachse der Erinnerung an Polens Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert – der Verlust der Souveränität, der Freiheit, die Anstrengungen für die nationale Selbstbehauptung (Aufstände und organisierte Nationalbewegung), die Kämpfe um die Wiederherstellung des unabhängigen Staats. Mit diesen kollektiven Erfahrungen verbunden war aber wohl auch die Ausprägung bestimmter kollektiver Haltungen und Wertordnungen – z.B. eine tiefe Aversion gegen Fremdbestimmung, ein Sinn für Widerständigkeit als gesellschaftliche Tugend, der größte Respekt für das Prinzip staatlicher Souveränität und territorialer Integrität.

Nur vor diesem Hintergrund kann ich mir die Haltung der polnischen Gesellschaft gegenüber dem Krieg gegen die Ukraine erklären. Noch 2019 tobte zwischen Polen und der Ukraine ein von der PiS-Regierung befeuerter geschichtspolitischer Krieg (um die ukrainischen Massaker an Polen in Wolhynien 1943/44, um den berühmt-berüchtigten Stepan Bandera). Nach dem 24. Februar 2022 aber spielte das keine Rolle mehr. Die Empathie für, und Solidarität mit, der um ihre Souveränität kämpfenden Ukraine war und ist in Polen so nachhaltig und so ungeteilt wie wohl kaum irgendwo sonst in Europa.

Aber zurück zur Erinnerung an die Teilungen Polens im 18. Jahrhundert. Als deutscher Historiker fände ich es gut, wenn wir in Deutschland etwas klarer und bewusster mit dem historischen Erbe der Teilungen umgehen würden. Dabei geht es nicht darum, im Seitenblick auf unsere Nachbarn die Bilanz unserer „Vergangenheitsbewältigung“ noch einmal zu verbessern. Es geht vielmehr um Selbstverständigung über unsere eigene Geschichte – darum, zu verstehen, was Preußen und Österreich mit der Teilung Polens für sich selbst angerichtet haben.

Stadt Land Fluss

Masha Pryven

Liebe alle,

ich lade euch zu unserer Fotoausstellung Stadt Land Fluss.

Das gemeinsame Thema der Ausstellung ist das Land, das Territorium und der Raum, wo sich das Politische, Soziale und Private abspielt. In meiner Arbeit Sehe Was Ich Sehe zeige ich die Fotos der Ukrainer:innen, die mir ihre Handybilder seit dem Anfang des Krieges anfingen zu schicken und die ich bis heute sammle. Ich behandele diese Fotos als ein zeitgenössisches Fotoarchiv und als eine Form der Kriegsfotografie ohne Objektivierung und Fremdbestimmung. Einerseits begleitete mich die Frage: Wer darf den Krieg zeigen? Andererseits – die Erkenntnis: der Blick der Menschen, die diesen Krieg erleben, ist radikal. Man muss sehen, was sie sehen.

Ukraine, Mai, 2022 / (c) Sergij Grychenyuk_Masha Pryven

I am kindly inviting you to our exhibition Stadt Land Fluss (old children’s game: Categories). The theme of land and territory is what the four photo series have in common. 

In my work See What I See  I am showing photos of Ukrainians who at the beginning of the war started sending me their photos taken with phones and which I later started collecting. I am treating these photos as a contemporary photo archive and as a form of war photography without objectification.

Eröffnung: 27. Oktober, ab 17 Uhr
Wo: GlogauAir Gallery,  Glogauer Str. 16, Kreuzberg

Herzlich, Masha

***

Hier noch persönlicher Text von Masha Pryven zur Ausstellung Stadt Land Fluss

SEHE WAS ICH SEHE

Am 24. Februar 2022 wurde die Ukraine erneut angegriffen. Sofort bildeten wir ein sporadisches, diffuses, globales Netzwerk aus Ukrainer:innen, um humanitäre und militärische Hilfe zu leisten. Im Zuge dessen fingen die Menschen auf der Flucht an, mir ihre Handybilder zu schicken, die ich mit der Zeit begann, gezielt zu sammeln.

Ich behandele diese Fotos als ein zeitgenössisches Fotoarchiv und als eine Form der Kriegsfotografie ohne Objektivierung und Fremdbestimmung. Einerseits begleitete mich die Frage: Wer darf den Krieg zeigen? Andererseits — die Erkenntnis: der Blick der Menschen, die diesen Krieg erleben, ist radikal. Man muss sehen, was sie sehen.

Die Telegram-Nachrichten, die diese Fotos begleiten, sind die schriftlichen Zeugenberichte dieses Krieges.
***
Fotobücher machen
Sonja Deppisch im Gespräch mit den Fotografinnen Karin Kutter und Masha Pryven sowie der Verlegerin Regelindis Westphal.
Bei Kaffee und Kuchen

Schweine

Ich fand dies im FB meiner ehemaligen Schülerin. Die Zeiten sind gar nicht lustig, daher…

Tanja Lakatos is feeling amused.

WICHTIGE INFO 😂😂😂

Der Orgasmus eines Schweins dauert 30 Minuten. (Oh. Mein. Gott !!!)

Eine Küchenschabe lebt ohne Kopf noch neun Tage bevor sie verhungert.
(Gruselig. Ich habe das mit dem Schwein noch nicht ganz verarbeitet.)

Eine männliche Gottesanbeterin kann sich nicht paaren, während sein Kopf noch mit seinem Körper verbunden ist.
Das Weibchen leitet den Sex ein, indem Sie den Kopf des Männchens abreist.
(Liebl……ing, ich bin zu hause. Was soll …..?)

Ein Floh kann das 350-fache seiner Körperlänge springen.
Das ist so als ob ein Mensch die Länge eines Fußballfeldes springen kann.

(30 Minuten. Glückliches Schwein! Kannst du dir das vorstellen?)

Der Wels hat über 27.000 Geschmacksknospen. (Was könnte auf dem Grund eines Weihers so wohlschmeckend sein?)

Manche Löwen paaren sich mehr als 50 Mal am Tag. (Ich kann das mit dem Schwein immer noch nicht glauben …. Qualität über Quantität)

Schmetterlinge schmecken mit Ihren Füßen.
(Etwas was ich schon immer wissen wollte.)

Elefanten sind die einzigen Tiere, die nicht springen können. (Okay, das ist auch gut so)

Der Urin einer Katze leuchtet unter Schwarzlicht. (Ich frage mich wie viel die Regierung ausgegeben hat um das heraus zu kriegen)

Das Auge eines Vogel Strauß ist größer als sein Hirn (Ich kenne einige solche Leute).

Seesterne haben kein Hirn (solche Leute kenne ich auch)

Eisbären sind Linkshänder.

Menschen und Delfine sind die einzigen Gattungen die Sex zum Vergnügen haben.
(Was ist mit dem Schwein? Wissen die Delfine von dem Schwein?)

Jetzt da du mindestens ein Mal gelächelt hast, ist es an dir diese verrückten Tatsachen in Umlauf zu bringen. (und denk an das Schwein 🐷 )

🤣

Wiera


Montag 24. Oktober ACUD Theater 20.00 Uhr
Acud Theater, Veteranenstraße 21, 10119 Berlin


Event by Celina MuzaACUD Theater and Verein Kultur-Schmuggel

Tickets: www.acud-theater.de/programm/5259-wiera.html

Regie: Krzysztof Stasierowski
Text: Cezary Rossa
Arrangements: Paweł Stankiewicz
Übersetzung: Andreas Visser

Agnieszka Babicz – Schauspielerin, Sängerin und Produzentin. Sie studierte an der Schauspielschule am Musiktheater Gdynia, die sie mit Auszeichnung absolvierte. Dort spielte sie u.a. Fantine in „Les Misérables“, Fiona in „Shrek“ und Lorraine in „Dracula”. Viel Anerkennung brachte ihr die Darstellung der Anita in „West Side Story“ an der Stettiner Oper und die Arbeit am Stadttheater Gdynia ein, wo sie 2008 den Publikumspreis für die Rolle der Witwe in „Zorba“ erhielt. Ein breites Publikum kennt Agnieszka Babicz dank ihrer Auftritte in populären TV-Serien: „Na wspólnej“ und „Na dobre i na złe“. In den Filmen von Andrzej Kostenko „Lokatorzy“ und Janusz Kondratiuk „Faceci do wzięcia“ bewies sie ihr Talent.
Am 24. Oktober zeigt die Künstlerin ein neues Solostück „Wiera“
Ein musikalisches Monodrama der Schauspielerin Agnieszka Babicz aus der Dreistadt. Es basiert auf der Biografie und den Liedern aus dem Repertoire von Wiera Gran. Die große, bereits vergessene Künstlerin, polnische Sängerin jüdischer Herkunft, Kabarettistin und Filmschauspielerin, die während des Krieges im Warschauer Ghetto sang und nach dem Krieg durch den Vorwurf der Kollaboration mit den Deutschen verfolgt wurde und Opfer einer damaligen Hetzkampagne wurde.
Sie war das einzige Mitglied ihrer Familie, das die Besatzungszeit überlebte. Für den Rest ihres Lebens wehrte sie sich gegen Anschuldigungen, sie habe mit der Gestapo kollaboriert, um das Ghetto verlassen zu können. Trotz ihrer Erklärungen und gewonnener Prozesse wurde sie von Menschen, die den Anschuldigungen Glauben schenkten, ausgegrenzt. Sie wollte sich sehr von diesen Verleumdungen befreien – einer der Gründe, warum sie das Buch „Staffellauf der Verleumder – Autobiographie einer Sängerin“ schrieb (1980), auf dem der Text des Monodramas basiert.

Vorstellung in polnischer Sprache mit deutschen Untertiteln.

Karten: 15,00 / 10,00 EUR, https://www.acud-theater.de/
oder Anmeldungen an: info@kultur-schmuggel.org

Schauspielschulstudenten: Eintritt frei!

Fotos © Adam Krajewski

Die Inszenierung wird gezeigt im Rahmen des Projektes: HERBSTschläge – neue deutsch-polnische Solostücke in Berlin. Gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Utopia (wirklich?)

Im Internet fand ich dieses schöne Foto! Ein Engel der modernen Welt – jung, schön, geheimnisvoll. Und dazu noch dieses Wort: UTOPIA. Magische Versprechung.

Teodor Currentzis


Teodor Currentzis wird in der Saison 2022/23 vier Konzerte leiten, zwei davon im Rahmen des Projekts Utopia

Teodor Currentzis wurde in Griechenland geboren und wuchs in Athen auf. Er studierte am St. Petersburger Konservatorium bei Ilya Musin und gilt heute als Ikone der modernen Musik und des Theaters. Seit vier Jahren steht er an der Spitze des SWR Symphonieorchesters. In der Saison 2022/23 ist der fesselnde Freigeist vier Mal zu Gast in der Berliner Philharmonie.
Neben der Position als Chefdirigent des 2016 neu fusionierten Orchesters und der Gründung des unabhängigen Orchesters und Chors „musicAeterna“ startet Teodor Currentzis im Herbst ein weiteres Projekt: „Utopia“ ist ein internationales Orchester, das einige der besten Musiker aus aller Welt vereint. Vor einigen Jahren entstand die Idee, Solisten und Konzertmeister aus verschiedenen Orchestern in einem Ensemble zusammenzubringen. Utopia ist daher kein Orchester im üblichen Sinne des Wortes, sondern eine einzigartige kreative Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die sich der Suche nach dem besten Klang und dem wahren Geist des Musikwerkes verschrieben haben. Currentzis ist der künstlerische Leiter des Ensembles: „Wir betreten ein eher experimentell geprägtes Feld. Das erste Opfer von Globalisierung ist die Intimität, deren Spannung, Einigkeit und Hingabe man am ehesten in der Musik eines Solisten oder einem kleinen Ensemble findet. Wir streben danach, diese Kammeratmosphäre und Vertrautheit zu verkörpern, nun aber auf der Ebene eines großen Symphonieorchesters. Wir verzichten auf das Bekannte und wagen einen Sprung ins Neue. Die Idee ist utopisch, natürlich. Unsere Träume können nur dann wahr werden, wenn wir das Verbot des Unmöglichen aufheben. Utopia ist etwas Unmögliches, aber genau das fasziniert uns so: das Unmögliche zu schaffen
.

Dienstag, 11. Oktober 2022 20 Uhr, Philharmonie

Strawinsky „L’oiseau de feu“ („Der Feuervogel“) Fassung von 1945
Ravel „Daphnis et Chloé“ – Suite Nr. 2
Ravel „La Valse“

***

Dienstag, 13. Juni 2023 20 Uhr, Philharmonie
Mahler Symphonie Nr. 3 d-moll


Früh am 11. Oktober prüfe ich nach. Es gibt noch Karten. Die kosten zwischen 50 und 100 Euro.
Viel.
Ich schreibe eine Mail an die Konzertagentur Adler, die die Utopia-Konzerte veranstaltet:

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin eine Journalistin, Schriftstellerin und Bloggerin.
Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Utopie.
Daher wollte ich fragen, ob ich für den heutigen Konzert (Currentzis, Utopie, Ravel) eine Pressekarte bekommen könnte?
Mit freundlichen Grüßen

Eine Antwort kam erst ein Tag nach dem Konzert.

Sehr geehrte Frau Slaska,
vielen Dank für Ihre Mail.
Als privater Veranstalter ohne Subventionen ist unser Pressekontingent leider sehr eng gefaßt.
Verfügbare Karten können Sie hier bestellen:
https://musikadler.eventim-inhouse.de/webshop/webticket/seatmap?eventId=1179

Mit freundlichen Grüßen
Konzert-Direktion Hans Adler

Hmmm… Wenn sie nicht alle Karten verkauften, hätten sie eigentlich keine Kosten getragen, dass sie mir eine Pressekarte zur Verfügung stellten. Daher hat es Sinn, so spät nachzufragen. Aber… Na ja, Utopia, so ein schönes Wort, ein Ort ohne Ort, ein magisches Nirgendwo, wo sich höhe Geister treffen. Die müssen sich nicht um 50 Euro sorgen.