Reblog (rbb): Wie ich mich auf Omikron einstelle

Aktuelle Studienlage – Wie ich mich auf Omikron einstelle

Eine biologisch-technische Assistentin bereitet PCR-Tests auf das Corona-Virus von Patienten im PCR-Labor vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) für die Analyse vor. (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)
Bild: dpa/Julian Stratenschulte

Milder als vorherige Varianten – aber auch so ansteckend, dass womöglich alle sich anstecken werden. Haluka Maier-Borst hat die neuesten Erkenntnisse zur Omikron-Variante gesammelt und versucht, für seinen Alltag Schlüsse daraus zu ziehen.

A: “Was machen wir eigentlich, wenn einer von uns Omikron kriegt?”
H: “Dann haben wir es wohl sowieso alle. Was sollen wir dann zu dritt in Quarantäne machen?”
J: “Makrame-Schaukeln für unsere Pflanzen?”

Nach fast zwei Jahren Pandemie hat sich in meiner WG die Erschöpfung und der Fatalismus breit gemacht. Wieder ein Winter, in dem die Zahlen steigen. Wieder ein Winter, in dem Clubs zu sind und Konzerte ausfallen. Dazu die Aussicht, dass es noch schwieriger wird, das Virus aus den eigenen vier Wänden zu halten. So geht es uns, aber auch vielen anderen.

Vielleicht reicht es darum nicht, nur den Stand der Forschung zusammenzufassen. Vielleicht ist es wichtig, mögliche Schlüsse für den eigenen Alltag zu skizzieren. Weil aber Überschriften wie “Was Sie jetzt beachten sollten” manchen schnell zu lehrerhaft vorkommen und teilweise regelrecht triggern, funktioniert dieser Text anders. Es sind schlicht meine Schlüsse für die nächsten Wochen, basierend auf den aktuellen Studien. Sie sind sicher nicht perfekt. Sie sind nur eine erste Idee.

Es ist klar: Die Chance, dass ich Omikron bekomme, ist hoch

Die nahezu senkrecht steigenden Kurven für Großbritannien, Dänemark, Australien, die USA, Kongo, Angola… all das zeigt, dass die Omikron-Variante viel mehr Menschen ansteckt als zuvor. Das zeigt eindrücklich diese Sammlung an Grafiken des britischen Datenjournalisten John Burn-Murdoch [twitter.com].

Nichts deutet darauf hin, dass uns in Deutschland das erspart bleiben könnte. Im Gegenteil. Inzwischen zeichnet sich dieser Trend auch in Berlin ab, nachdem sich die Meldelücke der Feiertage langsam geschlossen hat. Und das wird sich wahrscheinlich weiter verschärfen.

In England war in der ersten Jahreswoche schätzungsweise eine von 15 Personen positiv [ons.gov.uk]. In London war es gar eine von zehn. Wir als WG stellen uns inzwischen auch darauf ein, dass es uns erwischen könnte. Heißt: Der Kühlschrank ist voll und fiebersenkende Medikamente sind zur Hand.

Aber die Chance auf einen schweren Verlauf ist geringer als vor einem Jahr

In meinem konkreten Fall (31 Jahre alt, keine bekannten Vorerkrankungen) sprach aber schon am Anfang der Pandemie eher wenig für einen schweren Verlauf, ganz unabhängig vom Impfstatus. Und bei Omikron scheint es so zu sein, dass grundsätzlich die Infektion weniger schwer die Lunge angreift [spektrum.de]. Auch das Risiko auf einen schweren Verlauf selbst bei Ungeimpften ist wohl um etwa ein Viertel geringer als bei Delta [imperial.ac.uk]. Allerdings muss man dabei mehrere Dinge beachten.

– Auch ein leichter Verlauf könnte immer noch bedeuten, dass ich ins Krankenhaus muss, nur eben ohne Beatmung.
– Auch nach leichtem Verlauf kann man mitunter noch lange oder gar dauerhaft unter Atemnot und dergleichen leiden.
– Nach wie vor ist bei Geimpften das Risiko auf einen Krankenhausaufenthalt nochmal deutlich mehr verringert als bei den Ungeimpften.

Wenn ich aber ins Krankenhaus muss, könnte meine Versorgung schlechter sein als vor einem Jahr

Das wirkt auf den ersten Blick verwirrend. Trotz Rekord-Inzidenzen sterben deutlich weniger Menschen an Covid als vor einem Jahr. Die neue Variante scheint zudem milder zu verlaufen.
Wieso sollte ich also in der Klinik eine schlechtere Situation vorfinden? Der Grund dafür ist, dass durch die höhere Übertragbarkeit mehr Menschen gleichzeitig das Virus haben werden, wenn es so weiter geht. Die Belastung für das System als Ganzes ist damit höher.

Nimmt man mal für ein simples Rechenbeispiel an, dass bei 1.000 Infektionen mit Delta 100 davon ins Krankenhaus müssen und es bei Omikron 75 sind, Omikron sich aber doppelt so schnell verbreitet wie Delta. Dann wären es bei einer im Fall von Delta unter Kontrolle stehenden Entwicklung so, dass auch in der nächsten Woche sich wieder 1.000 Menschen neu infizieren und davon 100 schwer. Bei Omikron dagegen sind es in der folgenden Woche schon 2.000 und 150. In der dritten Woche sind es dann schon bei 4.000 Neuinfektionen 300 neue schwere Fälle. Sprich das Gesundheitssystem würde selbst bei derselben Kapazität schneller an seine Grenze stoßen. Erkrankte würden potenziell schlechter versorgt.

Hinzukommt aber noch, dass – ausgebrannt durch die früheren Wellen – weniger Personal in den Kliniken zur Verfügung steht und von diesem Personal sich auch einige anstecken und in Quarantäne gehen müssen. Kurzum: Wer in den nächsten Wochen auf die Intensivstation muss, könnte noch mehr in Konkurrenz zu anderen Fällen stehen. Entsprechend hat es Sinn, das eigene und das Risiko anderer vor einem schweren Verlauf möglichst gering zu halten. Und das geht mit bekannten Mitteln.

Was hilft: Boostern – oder, wenn noch nicht geschehen, erste Impfung abholen.

Die Studienlage zu den Booster-Impfungen hat sich in den vergangenen Wochen deutlich gefestigt. Relativ klar ist, dass ein Booster mit den mRNA-Impfstoffen wirkt und auch Infektionen mit Omikron verhindern kann. Konkret liegt die Wirksamkeit gegen symptomatische Infektionen wohl laut britischen Daten irgendwo zwischen 65 und 75 Prozent [gov.uk]. Eine andere frühere Studie hatte ähnliche Werte gefunden [khub.net.]. Das ist nicht so gut wie gegen den Wildtyp oder auch Delta, wo kurz nach der Impfung der Wert bei rund 90 Prozent lag. Aber es ist auch deutlich besser als die Mindestmarke von 50 Prozent, die für eine Zulassung für Impfstoffe angesetzt wurde.

Überhaupt hat es mir geholfen, gewisse Sachen noch mal in verschiedene Verhältnisse zu setzen und auch durchzurechnen. So zeigte zum Beispiel diese dänische Studie, dass Geboosterte sich bei Omikron drei Mal häufiger anstecken als bei Delta [medrxiv.org]. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass also gegen Omikron-Infektionen die Impfstoffe gar keinen Schutz bieten. Das stimmt aber nicht.

Nehmen wir mal die Zahlen zur Wirksamkeit aus Großbritannien. So bedeutet die Wirksamkeit von 65 Prozent Folgendes: Von 100 Menschen, die sich ganz ohne Impfung mit Omikron angesteckt hätten, stecken sich trotz drei Impfungen dann 35 immer noch an. Bei Delta waren es dagegen von den besagten 100 nur etwa 10. 35 durch 10, das ergibt 3,5 und ist in etwa der Wert der dänischen Studie. Es heißt aber eben auch, dass etwa zwei Drittel derer, die ohne Impfung sich angesteckt hätten, geschützt sind. Dieser Wert sieht gewissermaßen nur so schlecht aus, weil gegen Delta die Booster-Impfung hervorragend gewirkt hat.

Außerdem ist inzwischen auch klar, wie gut die Wirksamkeit gegen Krankenhausaufenthalte ist. Hier reden wir sogar vor einer Wirksamkeit von ungefähr 90 Prozent. Selbst die Spätentschlossenen mit momentan nur einer Impfung oder mit zwei Impfungen, die aber mehr als sechs Monate zurück liegen, haben schon einen gewissen Schutz. Das Risiko auf einen schweren Verlauf mit Klinikbehandlung ist bei ihnen halb so groß wie ohne Impfung. Selbst wenn man sich also geimpft anstecken kann, sind die Folgen vollkommen andere.

Insgesamt muss ich darum sagen: Wenn mir kurz nach der ersten Welle jemand einen Impfstoff mit einer Wirksamkeit von 65 Prozent versprochen hätte, wäre ich heilfroh gewesen. Klar, ein an Omikron angepasster Impfstoff wäre noch besser, aber das eigene Risiko minimiert sich dramatisch mit der Impfung.

Auch imperfekte Tests können das Risiko minimieren

Immer wieder wird berichtet, dass die Schnelltests nicht anschlagen. Wir haben unter Kollegen und Kolleginnen oft auch darüber gesprochen. Gleichzeitig haben immer wieder Forscherinnen und Forscher berichtet, dass in Labortests sehr wohl die Antigen-Tests auf Omikron anschlagen. Was ist also das Problem?

Omikron ist ansteckender, auch weil wohl weniger Virusmenge nötig ist, um eine Person zu infizieren. Die meisten Schnelltests schlagen aber erst bei einer großen Virusmenge positiv aus. Das heißt: Eine Person kann mit Omikron infiziert und womöglich ansteckend sein, ohne dass der Schnelltest ausschlägt. Das Problem bestand schon bei der Delta-Variante des Coronavirus, hat sich durch Omikron aber verschärft.

PCR-Tests müssen wohl ebenfalls ein wenig mit Vorsicht interpretiert werden. Auch sie schlagen womöglich am ersten Tag einer Omikron-Infektion nicht sofort an, weil noch nicht genügend Viren und damit genügend Virus-Erbgut da ist, damit der Test anschlägt, wenngleich PCR-Tests um ein Vielfaches sensibler sind als Schnelltests.

Der Epidemiologe Michael Mina aus Boston fasst die Sachlage darum mit folgendem Fazit zusammen [twitter.com]: “Wenn Sie Symptome haben, gehen Sie erstmal davon aus, dass Sie positiv sind – egal was der Test sagt. Aber seien Sie sich auch sicher: Die Tests können Omikron finden – nur nicht unbedingt an Tag 1.” Entsprechend haben wir ein paar Tests zu Hause, lassen uns regelmäßig bei der örtlichen Apotheke in der Nase bohren und wissen auch, wo die öffentliche PCR-Teststelle in der Gegend ist.

Für alles Weitere gilt: Abwägen

Ja, es gibt die Einzelberichte von Menschen [cnn.com], die sich in der Quarantäne womöglich über einen Hotelflur hinweg mit Omikron angesteckt haben. Und es wird sicher auch Menschen geben, die sich selbst umgeben von Erkrankten in einem gut besetzten Auto nicht angesteckt haben. Am Ende ist alles Biologie. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Aber eben mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten.

Der Wissenschaftsjournalist Lars Fischer hat das schon vor einer Weile ganz gut zusammengefasst, nämlich mit einem Vergleich der Infektion zum Würfeln einer bestimmten Zahl. Das eine ist das Risiko der einzelnen Situation, in der man anderen Menschen begegnet. Das ist gewissermaßen die Anzahl an Seiten, die der Würfel hat. Je weniger Seiten der Würfel hat, desto eher würfelt man eine Eins und infiziert sich. Das andere ist die Frage, wie oft man sich trifft beziehungsweise würfelt. Je häufiger man würfelt, desto eher erwischt man eine Eins. Und dann ist da noch der Effekt der Impfung, die Fischer gewissermaßen mit einem Extrawurf vergleicht. Sprich nur wenn man bei einem Wurf eine Eins gewürfelt hat und dann auch beim Extrawurf der Impfung eine Eins hat, ist man angesteckt.

Doch klar ist auch: Das Leben ist nicht nur ein Infektionsrisiko. Wir brauchen andere Menschen, wir brauchen Gemeinschaft. Entsprechend verstehe ich die, die sich mit ihren Freunden treffen wollen, und noch mehr die Eltern, die ihre Kinder nicht wieder im Distanzunterricht sehen wollen. Aber beim einen ist vor allem die Frage, wie oft man würfelt (muss ich drei Mal die Woche in die Kneipe mit den Kumpels?). Und beim anderen, wie man das Risiko der einzelnen Situation mindert (Könnte man mit Tests, Lüfter, Masken im Unterricht, kürzeren Unterrichtsstunden entgegenwirken?). Kompromisse zu schließen, kann das Infektionsrisiko senken und gleichzeitig dafür sorgen, dass man in diesem zweiten Corona-Winter nicht vor Einsamkeit eingeht.

Und vor allem wichtig: nicht an einfache Gewissheiten klammern

Eine letzte Sache ist vielleicht aber am wichtigsten in der Pandemie – und die hat wenig mit Impfstoffen, Tests und Masken zu tun. Es ist die Art zu denken.

Da ist zum einen das Akzeptieren der Tatsache, dass es keine einfachen Gewissheiten und Lösungen gibt. Ja, es stimmt: Mehr Kinder, mehr Erwachsene waren 2021 von Depressionen betroffen als in Vorjahren. Das ist eine Tragödie. Aber die Alternative ist eben nicht ein normaler Berufs- und Schulalltag ohne Maßnahmen, wie wir ihn vor Corona kannten.

Zu glauben, dass zum Beispiel Kinder glücklich sind, während eine Pandemie durchs Land schwappt, solange sie nur in die Schule können, ist für mich eine absurde Idee. Die Frage ist eher, wie man angesichts dieser Umstände am besten so etwas wie Normalität etabliert. Wie man testet, schützt und Menschen in Krisen psychisch unterstützt. Wie man körperliche und geistige Gesundheit von allen in der Gesellschaft so gut es geht austariert.

Gleiches gilt auch für den Umgang mit Prognosen, Modellen, Szenarien. Nur weil sie nicht eins zu eins eintreten, heißt das nicht, dass da lauter Ahnungslose am Werk sind, so wie es gerne ein paar meinungsstarke Lautsprecher erklären. Es zeigt vielmehr, dass es verdammt schwierig ist, das Verhalten eines neuen Erregers bei Millionen von Menschen mit unterschiedlichem Impfstatus, verschiedenem Verhalten und unterschiedlichen Einflussfaktoren abzuschätzen. Und trotzdem kann die grobe Abschätzung, was als nächstes kommt, dabei helfen, richtig zu reagieren.

Der andere Teil dieses “pandemischen Denkens” ist aber der Wille, sich zu korrigieren und zu lernen. Als die ersten Fälle in Bayern auftauchten, waren einige von der Akribie der Ärzte vor Ort beeindruckt. Man hatte nachvollzogen, dass Patient Null den anderen einen Salzstreuer gegeben hatte und vermutete, das er darüber diese angesteckt hatte [reuters.com].

Zwei Jahre später wirkt das natürlich geradezu absurd, Man weiß inzwischen, dass sich der Erreger über die Luft überträgt. Wer welchen Salzstreuer in der Hand hielt, ist vollkommen egal. Nur das heißt eben nicht, dass die Leute vor zwei Jahren dumm waren. Sie wussten es nicht besser – und das ist ein feiner Unterschied.

Ich habe vor ein paar Wochen geschrieben, dass man eher auf Dänemark als auf Großbritannien schauen sollte, wenn es um die Pandemiebekämpfung geht. Rückblickend war das zu einfach formuliert. Denn ja, die Informationspolitik der Dänen war sicher besser als hierzulande. Aber das Fallenlassen von allen Maßnahmen war zu früh. Eine Pandemie endet nicht von einen auf den anderen Tag. Man erreicht nicht die Herdenimmunität und dann endet der Spuk schlagartig.

Selbst die besten Forscherinnen und Forscher, die besten Politiker und Politikerinnen haben sich geirrt und werden sich irren, selbst wenn sie sich so gut es geht informieren und ihre Arbeit so gut es geht tun. Das größere Misstrauen sollte man nach zwei Jahren Corona-Achterbahn gegenüber denen haben, die sich kein einziges Mal korrigiert haben.

Reblog: Bahnfahrt

18.755 Kilometer in 21 Tagen

Die längste Zugstrecke der Welt führt von Portugal nach Singapur

Ein paar Eisenbahn-Nerds haben errechnet, dass man dank der neuen Eisenbahn zwischen Laos und China nun von Portugal nach Singapur durchgehend mit dem Zug reisen kann.

Von Lagos im Süden Portugals ist es jetzt möglich, bis nach …
… Singapur in Südostasien mit dem Zug zu reisen. Dauert halt ein bisschen länger.
Möglich ist dieser Megatrip, weil Anfang Dezember 2021 China die erste Teilstrecke der “Neuen Seidenstraße” durch Südostasien eröffnet hatte.

18.755 Kilometer in 21 Tagen, von Südeuropa bis an die Südspitze der Malaiischen Halbinsel, alles mit dem Zug: Nach Ansicht von Experten wurde ein neuer Rekord für die längste ununterbrochene Bahnfahrt aufgestellt. Selbstverständlich handelt es sich dabei nicht um eine Direktverbindung.

Möglich ist dieser Megatrip, weil Anfang Dezember 2021 China die erste Teilstrecke der “Neuen Seidenstraße” durch Südostasien eröffnet hatte. Nach fünf Jahren Bauzeit wurde der rund 400 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen der laotischen Hauptstadt Vientiane und der chinesischen Stadt Kunming fertiggestellt: Über den Grenzbahnhof Boten werden Vientiane und Kunming über 242 Tunnel und Brücken durch bergiges Terrain verbunden.

Mehrere Zwischenstopps

Die Anbindung von China an Laos ermöglicht nun die wohl längste Zugverbindung der Welt, wie es Reddit-Nutzer gemeinsam mit dem britischen Eisenbahn-Enthusiasten Mark Smith ausgerechnet haben: Start der Rekordreise ist die Stadt Lagos in der Algarve im Süden Portugals. Weiter geht es über das französische Hendaye im Baskenland und über Paris nach Moskau.

Mit der berühmten Transsibirischen Eisenbahn geht’s weiter bis nach Peking. Kurzer Zwischenstopp in Kunming – der Hauptstadt der chinesischen Provinz Yunnan –, und weiter geht die Reise in die laotische Hauptstadt Vientiane. Über Bangkok und die drei malaysischen Städte Padang Besar, Penang und Kuala Lumpur erreicht man schlussendlich nach mindestens dreiwöchiger Reisedauer Singapur.

Auf der Route müssen Reisende in Lissabon, Madrid und Paris jeweils einmal und in Moskau und Peking zweimal übernachten, um die weiteren Anschlusszüge zu bekommen. Bei fünf so spannenden Hauptstädten sind diese Stopps aber wohl eher als eine Bereicherung zu sehen.

Die Kosten für eine Fahrt auf der längsten Bahnstrecke der Welt belaufen sich laut “Daily Mail” auf etwa 1.200 Euro – in eine Richtung.

Przeszłość fotografii

Seit wann gibt es Fotografie?

Die Wurzeln der Fotografiegeschichte liegen weiter zurück, als wir annehmen: Bereits im 4. Jahrhundert vor Christus beschrieb Aristoteles die Camera Obscura. Hierbei wird ein Bild in das Innere der Lochkamera projiziert. Durch eine kleine Öffnung sieht man die auf dem Kopf stehende Projektion der Außenwelt. Die Camera Obscura gilt als Urstein fotografischer Verfahren – sie ebnete den Weg für weitere revolutionäre Erfindungen.

Wer erfand die Fotografie?

Joseph Nicéphore Niépce (auch Nièpce oder Niepce) und Louis Daguerre gelten als die Erfinder der Fotografie:

  • 1826 gelang es Joseph Nicéphore Niépce, das erste beständige Bild aufzunehmen. Dafür belichtete er eine mit Asphalt beschichtete Zinnplatte – und das 8 Stunden lang! Nièpce wählte ein naheliegendes Motiv: den Ausblick aus seinem Arbeitszimmer im französischen Saint-Loup-de-Varennes.
  • Der Maler Louis Jacques Mandé Daguerre war so begeistert von der Errungenschaft, dass er Nièpces Partner wurde. Er tüftelte weiter an der Technik und entwickelte ein Verfahren mit Kupferplatten und Quecksilberdämpfen, welches eine deutlich kürzere Belichtungszeit ermöglichte.
  • Damit fand Daguerre 1839 mit der nach ihm benannten Daguerreotypie einen Weg, Fotografie erstmals kommerziell für Portraits zu nutzen. Hier begann die bahnbrechende Erfolgsgeschichte der Fotografie.
  • William Henry Fox Talbot entwickelte wenige Jahre später das Negativ-Positiv-Verfahren. Mit seiner Hilfe konnten Fotografen nun ihre Bilder durch Negativabzüge vervielfältigen.


Fotografie Geschichte damals wie heute: Selfies und „sex sells“

Bevor Fotografie zur eigenständigen Kunstgattung aufstieg, dominierte insbesondere Malerei die Kunstszene. Noch im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Fotografen von Künstlern als minderwertige Rivalen angesehen. Traditionell ließ man sich zu dieser Zeit von Malern porträtieren, die nun um ihre Daseinsberechtigung fürchteten. Dennoch integrierten die ersten Künstler Fotografie in ihren Arbeitsprozess.

Das erste “Selfie” der Geschichte nahm 1839 der amerikanische Lampenhersteller und Fotografie-Enthusiast Robert Cornelius auf: mit Hilfe der Daguerreotypie. Geschäftstüchtige Fotografen erkannten sofort den kommerziellen Mehrwert der Reproduzierbarkeit der Bilder.

Aktfotografen wie Alexis Gouin oder Bruno Braquehais produzierten in den 1850er Jahren mit ihren erotischen Darstellungen die Vorläufer klassischer Pin-up-Fotos. Diese fanden reißenden Absatz, was nicht verwunderlich ist: „Sex sells“ – daran hat sich auch heute nichts geändert. Nach wie vor gehören Aktbilder zum festen Repertoire vieler Fotografen, doch nur wenige finden den schmalen Grat zwischen Ästhetik und Erotik.

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Aber es ist alles nicht so eine simple story, wie man sie hier, im rebblogten Text und beigefügten Film(chen) darstellt, weil eben die Camera Obscura schon in der Antike bekannt war und den findigen und pfiffigen Künstler dies zu tun ermöglichte, was von der Welt als schier Unmögliches, ergo – Wunder, ergo – Schwarz Magie, klasifiziert wurde. Eine solche Geschichte erzählt ein deutscher Schriftsteller, Mathias Gatza in seinem faszinierendem Roman Der Augentäuscher (siehe oben). Ich werde Euch nicht erzählen, worum es in diesem Buch geht. Es ist so lustig, ironisch, gesellschaftskritisch und interessant, dass Ihr es einfach lesen musst.

Frauenblick. Andrzej Stasiuk.

Monika Wrzosek-Müller

Andrzej Stasiuk – nach Jahren

Vor Jahren, als ich ganz kurz im Polnischen Kulturinstitut die Spalte: Kultur, Politik, Literatur leitete, habe ich u.a. Andrzej Stasiuk zu einer literarischen Soiree eingeladen. Schon damals fiel mir auf, wie gutaussehend und erzählbegabt der Schriftsteller war, ein Typ mit Esprit, mit Lebens- und Durchsetzungskraft. Bei dem Abend war auch sein Übersetzer Olaf Kühn anwesend, das Gespräch stützte sich vor allem auf die Erzählungen aus dem Leben des Schriftstellers, das für mehrere Romane den Stoff liefern könnte; er gab auch etwas später das Buch Jak zostałem pisarzem [Wie ich Schriftsteller wurde. Versuch einer intellektuellen Autobiographie] heraus. Irgendwie erinnerte mich seine Erzählweise und der
Versuch sich selbst zu positionieren an Lessico famigliare [Mein Familien-Lexikon], 1965, und die kurze Erzählung Il mio mestiere aus Le piccole virtú von Natalia Ginzburg. Ob er ihr Werk kannte, scheint mir eher unwahrscheinlich. Damals habe ich ihn nicht danach gefragt. Stasiuk selbst beruft sich in einem Gespräch auf seine Vorbilder wie Thomas Dylan, Joseph Brodsky oder Czesław Miłosz. Es sind also eher Dichter als Prosautoren, die ihn inspirieren. Das Poetische bleibt also ein Markenzeichen in der Stasiuks Prosa erhalten.

Andrzej Stasiuk reiht sich für viele Polen in eine Figur des gepflegten Außenseiters, der gegen vieles rebelliert und sich dem „normalen“ Leben eines Intellektuellen Schriftstellers entzieht. Schon sein Lebenslauf mit der abgebrochenen Schulbildung, einem Aufenthalt im Gefängnis wegen der Rebellion gegen den Drill und unmenschliche Behandlung während des Militärdienstes, dann der Wohnortwechsel aufs noch tiefere Land (damals noch völlig unüblich…) in das Dorf Czarne in den Niederen Beskiden klingen nach einem extravaganten, selbstbestimmten Leben, das er wie ich neulich erfahren habe, fortsetzt. Später heiratete er Monika Sznajderman und zusammen gründen sie den Verlag Czarne, der bis heute existiert und sehr gute Literatur (vor allem die aus dem sog. Mittelosteuropa und Reiseliteratur) herausbringt.

Natürlich denkt man bei Stasiuk an seine wunderschön herausgegebenen Bücher wie Dukla schon im Verlag Czarne [Die Welt hinter Dukla] in der schönen Übersetzung von Olaf Kühn, oder Kruk [Der weiße Rabe]. Später folgen viele Titel, viele gute Romane, fast jedes Jahr einer, die sehr oft weiterhin von Olaf Kühn ins Deutsche übertragen werden. Er schrieb auch über seine Lesereise in Deutschland das Buch unter dem Titel Dojczland, das mit demselben Titel in Suhrkamp 2008 erschienen war. Irgendwann wurden seine Bücher eher von Renate Schmidgall übersetzt. Der letzte Titel, der mir in Erinnerung geblieben ist, hieß Wschód [Der Osten]. Stasiuk schien sehr viel zu reisen, schien auf einem poetischen, Selbstfindungsweg zu sein. Der Osten, weite Steppen, die Wüste, menschenleere Räume, unberührt und manchmal doch grausam, die Ukraine faszinierten ihn; da suchte er seine Wurzeln und sein Verständnis der Ereignisse. Er entzog sich weiterhin dem „modernen“ Leben, benutzte kein Handy, war in keinen Netzwerken unterwegs.

Fast nebenbei, oder doch erst später fing er auch an, sich für Musik, für Jazz zu interessieren und dieses Interesse verfolgt er bis heute. Schon 2007 gab er zusammen mit Mikołaj Trzaska und anderen Musikern einen Album Kantry heraus, in dem er von der Reise über das ehemalige Jugoslawien berichtet. Bei langsamen Klängen, jazzartig werden die Szenen untermalt, kommen die Erlebnisse der Reise noch besser zur Geltung; z.B. die Stücke Istrianna und Sarajewska. Zugegeben Stasiuk verfügt über eine sehr angenehme, tiefe, melodische Stimme, fast priesterliche, ohne belehrend zu klingen.

2020 erschienen weitere zwei CD mit Trzaska Grochów głosem [Grochow (Stadtviertel von Warschau) mit der Stimme] liest Stasiuk seine frühen Texte über die Gegend (die auch teilweise in Tygodnik Powszechny veröffentlicht wurden) und wird wiederholt von den Musikern begleitet. Für die Fans dieser rechtsseitigen Weichsel Warschau ein Muss. Er beschreibt noch die erhaltenen Holzhäuser und das ärmliche, meistens Arbeiterleben und den Stolz der Bewohner, die für ihren Viertel zwar leidend doch gradestehen. Die Musik ist wirklich minimalistisch, so dass die Texte gut hörbar und nachvollziehbar sind. Dabei kommt es sehr gut heraus, worum es Stasiuk wie auch in seinen Prosawerken geht, mit vielen Beschreibungen der Natur hebt er das Poetische, Erlebte, die Landschaften, Orte nach oben; er erlebt das sehr intensiv und hautnah, dadurch wirkt alles sehr authentisch und keineswegs snobistisch und überzogen.

Später gibt es noch eine CD mit der Gruppe Haydamaken, eine sogar schon 2018 unter dem Titel: Mogiły Haremu und jetzt 2021 eine neue, in der er die Gedichte von Mickiewicz vorträgt.

Der eigentliche Anlass, warum ich über Stasiuk jetzt gerade schreibe, ist sein neues Album Opla Stasiuk Trzaska. Es ist eine Improvisation um die polnische Religiosität und Gewalttätigkeit. Stasiuk selbst hebt die Musik hervor, seine Rezitation beschränkt sich hier aufs Beten, das Beten an die heilige Maria, das Gemurmel. Das Album wurde mit großer Aufmerksamkeit in den polnischen Medien aufgenommen, es gab viele Interviews mit dem Schriftsteller; in einem sagt er sehr deutlich und unverblümt, worum es ihm geht: „Ich sage: ‘jetzt wird es über Polen und die Heilige Maria gehen’ und die Zuschauer und Zuhörer flüstern: ‘jetzt wird er PIS und die Religion mit Scheiße bewerfen.’ Wie groß war dann die Überraschung, dass ich einfach ein Gebet gesprochen hatte“. Stasiuk berührt schon interessante Seite der polnischen Religiosität, er spricht von einem fast heidnischen Kult der Maria und dazu kommt von der Musikerseite der Rhythmus von Oberek. Oberek ist ein polnischer Drehtanz, in dem sehr bewegten und raschen Tanzschritten drehen sich die Paare, immer schneller und immer wieder, man denkt fast an die Derwische, an ihre Drehfiguren und das Magische, Mystische, das dabei entsteht. Das findet auch Stasiuk, Oberek symbolisiert für ihn gut polnische Wirklichkeit, es drehe sich alles im Kreis ständig und wiederholt, und irgendwann versuche man sich loszureißen, manchmal per Zufall scheint es, als würde es für eine Weile gelingen und dann gleich danach kommt die Bauchlandung. So bleibt nach einem Fest, nach einer Hochzeit nur Kater. Die Gruppe hat diese Musik, die ganze CD den Sommer über probiert, aufgenommen, auch immer wieder aufs Neue versucht, die richtige Stimmung, den richtigen Rhythmus zu treffen.

Das, was mir bei Stasiuk gefällt, er bleibt sich selbst treu, läuft nicht mit, kritisiert auch gezielt, immer seinen Standpunkt bewahrend.

Inzwischen ist auch ein neuer Roman Przewóz [Flussfähre, Flussüberfahrt] von ihm erschienen, ein Buch über die Normalität des Krieges, das Alltagsleben unter widrigen Umständen, mit Gerüchen, Stimmungen und Atmosphäre.

Auf jeden Fall ein Schriftsteller, den man beobachten soll.

Mongolischer Fleck

Ewa Maria Slaska

A TU jeszcze lektura dla osób polskojęzycznych, nie całkiem na temat, ale trochę. O moich tatarskich korzeniach i znaczeniu liczby 40.

Inspiration für diesen Beitrag kam von Christine Ziegler. Danke!

Mein Vater stammte aus einer tatarischen Familie, die Krynicki, die aber schon längst polonisiert wurde. Seine Vorfahren kamen nach Polen in 17. Jahrhundert und dienten der neuen Heimat als Soldaten. Einer von ihnen war mutig und 1648 kämpfte heldenhaft mit den Kosaken in den (verlorenen!) Schlachten an den Żółte Wody und Korsuń. Dafür wurde er vor dem König Władysław IV veradelt (ein berühmter polnischer Dichter Wacław Potocki schrieb sogar einen Pean zu seiner Ehre). Wie es damals gang und gäbe war, hat man für ihn keinen neuen Wappen gefertigt, sondern er wurde von einer polnischen Familie “zum Wappen eingenommen”. Im Falle meiner familie war es Einnahme in den Wappen Korab, dh. Kogge, eine alte Schiffart.

Projekt von Tadeusz Gajl, veröffentlicht in: Herbarz polski: od średniowiecza do XX wieku, Gdańsk 2007

Die Familie siedelte sich in Südpolen an, in Krynica, daher war der Wappen mit einem Schiff jahrhundertelang ein bißchen bizzar, bis mein Vater gleich nach dem Krieg nach Danzig einzog, um Schiffsbau zu studieren. Dann wurde er nicht nur Ingenieur des Schiffsbaus, sondern auch ein Polarsegler und der Familienwappen hat sich endlich bewahrheitet.

Das ist mein Vater und nach ihm bin ich wie eine Tatarin zäh, stehe früh auf, mag ich wandern, was ich als Ersatz des Pferdreitens betrachte, und habe einen mongolischen Fleck.

Das wußte ich nicht bis ich nicht angefangen habe, Archäologie zu studieren. Während des Studiums haben wir auch Seminar in Anthropologie, dh. Wissenschaft vom Menschen (ich erkläre es, weil wir heute mit dem Wort Anthropologie vor allem die Kulturwissenschaft verstehen und als ich studiert habe, war es in Polen nicht so.) Eines Tages sollten wir zur Unterricht mit dem Badeanzug unter den Klamotten erscheinen. Wir wurden alle genau gemessen und noch genauer betrachtet. Dabei entdeckte der Dozent, dass ich eben am rechten Hüften einen hellen mongolischen Fleck habe.

Foto Krystyna Koziewicz 18.12.2021


Er war begeistert!
– Woher?! schrie er fast.
– Wir sind halt eine tatarische Familie, antwortete ich ohne großer Aufregung. Ich sah es nicht als eine Besonderheit.
Der Dozent aber schon. Mein Fleck wurde abgezeichnet, fotografiert und beschrieben und soweit ich weiß, ging er auch in die wissenschaftliche Annalen. Also insgesamt besser als ich selber.

Seitdem wußte ich, was es ist – ein milchkaffee-farbiger blasser Fleck an Hüften oder Pobacken der Nachkommen der Tataren. Schluß, ich habe es nie weiter befragt. Bis…

Bis eines Tages, 40 Jahre später wollte ich jemandem in Deutschland erklären, dass wir alle es haben, die Ur-urenkel von Tschingis-Khan. Ich schaute in die Wikipedia, was wir doch immer alle machen, wenn wir etwas finden und zeigen wollen, und fand etwas abscheuliches: Der Mongolenfleck (auch kongenitale dermale Melanozytose, Asiatenfleck, Sakralfleck, Steißfleck, Hunnenfleck) bezeichnet ein oder mehrere unregelmäßige bläuliche Muttermale meist am Rücken, Gesäß oder Kreuzbein eines Kindes. BILD

“Mein” mongolischer Fleck, helle, beige schönaussehender Fleck, überhaupt nicht krankhaft, ist im Internet entweder nie gewesen oder inzwischen gänzlich verschwunden. Was blieb, ist etwas Unangenehmes.

Und dazu noch… rassistisch! Wrrrr!

So verschwinden schöne Legenden unserer Kindheit und Jugendzeit. Nur… ich habe den Fleck immer noch. Es bleibt dann die Frage, was ist es? Und was hat meinen Anthropologiedozenten so begeistert?

Nihil novi sub Jovi

Gefunden von Brigitte von Ungern-Sternberg:

Flüchtlinge im 18. Jh.

Liebe Ela, liebe Ewa, liebe LeserInnen, eine Freundin schickte mir einen Artikel zu der Flüchtlingssituation in Kreuzberg im 18. Jahrhundert, in voller Länge unten.
Flüchtlinge damals waren Hugenotten und Böhmische Brüder.
Daraus ein kleiner Abschnitt:

Rixdorf Erinnerungstafel (Wikipedia)

Trotz Androhung schwerer Strafen flüchteten zwischen 1710 und 1760 tausende Böhmen in die sächsische Oberlausitz, nach Groß-Hennersdorf und Herrnhut, sowie nach Gerlachsheim (heute Grabiszyce) in Schlesien. Das Städtchen Herrnhut hatte Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf eigens für die “Exulanten”, wie sich die böhmischen Glaubensflüchtlinge selbst nannten, gegründet. Die Gegend war aber zu arm, um ihnen dauerhaft Asyl zu gewähren. So machen sich Anfang Oktober 1732 etwa 500 Böhmen unter der Führung ihres Predigers Jan Liberda zu Fuß auf den Weg nach Berlin. Ihre Ankunft am Halleschen Tor wurde jedoch vom König, von den Behörden und den Berlinern vollkommen ignoriert. Die Böhmen nagten am Hungertuch, hatten weder Bleibe noch Dolmetscher und kampierten unter freiem Himmel. Er brauche nur nützliche Menschen und keine Bettler, ließ Friedrich-Wilhelm verkünden – dabei waren unter den Böhmen durchaus Fachkräfte vor allem aus der Textilverarbeitung.

Nach über zwei Jahren besann sich der allergnädigste König eines Besseren und  fing an diese Glaubensflüchtlinge zu unterstützen, siedelte sie in Rixdorf (Neukölln) an.  
Die damaligen Berliner Einheimischen sahen die Neuankömmlinge mit Misstrauen – anderer Glauben, andere Sprache, Konkurrenten…  –  ein typischer Reflex, wenn Flüchtlinge hereinströmen. 

Der ganze Artikel, geschrieben vom ehemaligen Direktor des Kreuzbergs Museums, Martin Düspohl, HIER:

Don Quijote macht Striptease

Ela Kargol (Fotos) & Ewa Maria Slaska (Text)

Beginnen wir damit: Es ist ein fantastischer Don Quijote, der Mitte Dezember für ein paar Tage aus Potsdam kam. Heute noch kann man ihn um 18 Uhr in Berlin sehen, im Theaterforum Kreuzberg, sonst in Potsdam, wo er auch zum Jahresende aufgeführt wird, am 29., 30. und 31. Dezember.
Gastspiel Neues Globe Theater.

Es ist eine moderne Version von Don Quijote, für das Deutsche Theater Berlin nach Cervantes von Jakob Nolte verfasst. Kurz, bündig, an moderne Zeiten angepasst.

Also, was ist Barataria? Der Schauspieler wußte es nicht, woher sofort klar wurde, dass man im Stück von der Insel erzählen wird (dies lässt sich nicht vermeiden), der treue Knappe bekommt sie aber nicht.

Im Theaterflugblatt schrieb man von Don Quijote: Er unterliegt einem letzten Kampf gegen sein eigenes Spiegelbield und sich selbst in Unsinnigkeit seiner Handlungen eingestehen muss.

Es kling düster, tragisch, traurig. Man denkt, na ja, klar, armer Don Quijote, er war doch der Ritter von Traurigen Gestallt, erzwungenermasse wird also ein Stück, das von ihm handelt, unendlich düster. Und dann kommt man ins Theater, entsprechend in trauriger Gedanken versunken und trifft an fulminante Komödie, mit zwei fantastischer Schauspieler und einem unglaublichen Gitarristen un Komponisten, Rüdiger Krause, der mit eigenen und eigens dafür komponierten Werke bravourös das Geschehen auf der Bühne begleitet und ergänzt. Anachronistisch, ironisch, zielsicher und vortrefflich treffend treffen wir auf der Bühne zwei, die uns und unsere Zeiten durchs Kakao ziehen: Laurenz Wiegand als Don Quijote und Andreas Erfurth als Sancho Panza.

Gitarrist, Sancho Panza und Don Quijote. Nicht der Ritter, sondern der Knappe, so wird im Stück gemunkelt, wäre der geheime Hauptheld diese Geschichte. Der wahre Held. Hinter Don Quijote sieht man seine Ritterschuhe, ausgefertigt aus karierten Hauslatschen und getragen auf zwei verschieden farbenen Socken.

Passend zu Don Quijotes karierten Hausschuhen fungiert ebenfalls karierter Geschirrtuch in den Händen von Sancho Pansa. Man hätte nie vermutet, was so ein Geschirrtuch, weiß-rot kariert und gar etwas schmutzig, was solch ein Tuch also alles machen kann. Er ist Wappe und Waffe, Hut und Matratze (Luftmatratze!), Schild und Wand, manchmal Waschlappen und manchmal Handtuch.

So behaupten sich die beiden, eigentlich ohne Requisiten und ohne Szenenbild. Es kommen keine Prinzessinnen und keine Zauberer, keine Schafe und keine Dulcinea, und trotzdem sehen wir all das gespielt und erzählt von den beiden Protagonisten und musikalisch untermalt und betont von der Gitarre. Nur kampfen tun sie ganz sichtbar.
Die Liebe müssen wir uns vorstellen und die Freiheit. Den Ritt auf der mageren Stutte und die Windmühlen. Es gibt nicht, nur das Wort, Bewegung und Musik.

Und mittendurch – ein Striptease. Das sehr wohl bis zur nackten Gipfel zu bewundern ist.

Liebe Leser:innen, fährt nach Potsdam! Undbedingt!

Was für Geschenke sollen wir kaufen

Jedes Jahr diesselbe Frage. Und 2021 habe ich Entscheidung getroffen, Euch dabei ein Bißchen zu helfen.

Als erste kommt Berliner Schokolade mithergestellt und mitgepromotet von einer bekannten Berliner Schriftstellerin.

Tanja Dückers

Preussisch süß – Berliner Stadtteilschokolade ist wieder da

Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass die beliebten, von Slow Food ausgezeichneten Preussisch süß – Berliner Stadtteilschokoladen wieder lieferbar sind.  Bedingt durch die derzeitige Ressourcenknappheit  (Papier!) haben wir lange auf unsere Verpackungen warten müssen.

Wir haben die Wartezeit jedoch genutzt und neben den 23 schon vorhandenen Stadtteilen zwei neue Sorten kreiert:  „Treptow“ und „Wilhelmsruh“. Alle Tafeln werden von der Berliner Schokoladen Manufaktur 31° (Belyzium) handgefertigt und sind bio- und Fair-Trade-zertifiziert. 

Die Zutaten der Preussisch süß – Berliner Stadtteilschokoladen sind nicht beliebig ausgewählt, sondern Ergebnis einer Recherche über den jeweiligen Stadtteil.  Jeder Stadtteil wird „in Schokolade“ portraitiert. Preussisch süß versteht sich als künstlerisches interdisziplinäres Projekt. Wie schmeckt Kreuzberg, wie schmeckt Mitte, wie schmeckt Zehlendorf oder Lichtenberg? Mit solchen Fragen hat sich die Schriftstellerin und Journalistin Tanja Dückers lange beschäftigt und dann mit dem Berliner Chocolatier Christoph Wohlfarth ab 2017 gemeinsam die Rezepturen entwickelt. „Treptow“ und „Wilhelmsruh“ wurden nun gemeinsam mit der Chocolatiere Katharina Zeilinger (Berliner Schokoladen Manufaktur 31 °) kreiert.

Tanja Dückers wurde in Tempelhof geboren, ist in  Charlottenburg und Wilmersdorf aufgewachsen, hat in Schöneberg, Kreuzberg, Wedding und lange in Neukölln gelebt und wohnt nun seit einigen Jahren im Prenzlauer Berg.  Kleine Texte auf der Rückseite geben Auskunft über das Zusammenspiel von Rezeptur und Stadtteil. Klischees werden hierbei bewusst zitiert, Humor darf sein. 

Unser neuer Shop ist sehr schön geworden, überzeugen Sie sich selbst: (preussisch-suess.shop)  

Natürlich werden unsere Tafeln auch weiterhin in ausgesuchten Buchläden sowie in Konfiserien und Schokoladen- / Kaffee-Fachgeschäften verkauft.

Noch ein Hinweis: Am 21. November erscheint Tanja Dückers‘  Buch „Das süße Berlin“ (Insel / Suhrkamp) . Darin beschäftigt sie sich mit der süßen Historie Berlins und stellt viele schöne, interessante, köstliche und kuriose „süße Orte“ in der Hauptstadt vor: https://www.suhrkamp.de/buch/tanja-dueckers-das-suesse-berlin-t-9783458364702

Über Ihr Interesse würden wir uns freuen.

Nachfragen richten Sie bitte an kontakt@preussisch-suess.de

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Tanja Dückers

Schriftstellerin
Literaturwissenschaftlerin
Publizistin
www.tanjadueckers.de

Schokoladenedition
Preussisch süß
www.preussisch-suess.de

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Barataria in Berlin (Reblog)

Ideengeber war für diesen Beitrag Tibor Jagielski. Danke!
Autor: Hans Block

Hörspiel vom 5. Oktober 2021, nach Cervantes

Don Don Don Quijote – Attackéee

Miguel de Cervantes‘ berühmte Romanfigur zieht es vor, im krisengeschüttelten, feudalen Spanien die Wahrheit seiner alten Ritterromane zu leben. Der „Ritter von der traurigen Gestalt“ konstruiert sich eine fast perfekte eigene Welt.

Don Quijote mit Sancho Panza vor einer Windmühle (picture-alliance / dpa / Antonius)

Don Quijote macht sich auf, um Abenteuer zu erleben, die ihm in seinem maroden Kaff versagt sind. Auch im Hörspiel und nach 500 Jahren scheint seine Geschichte eine verheerende Wirkung zu haben. Infiziert von einer neuen Ausstrahlung der Taten des heldenhaften Ritters werfen hunderte Hörer ihre bürgerliche Identität über Bord, stülpen sich die Maske des Don Quijote über und ziehen in die Schlacht unter dem Motto: „Die Welt ist veränderbar!“

Hörspiel

Und das alles spielt sich in Berlin ab. Die Autor*innen des Hörspiels fanden sogar einen “wahren” Don Quijote in Berlin, der sich nur auf dem Pferd bewegt und dem gängigen System, den wir im Allgemeinen Rattenwettrennen nennen, den Rücken kehrt. Der wurde für das Hörspiel gar interviewed, aber leider ist dieses Hörspiel nicht nur Reblog, dh. leider nicht “mein Ding”, sondern auch Wiederholung vom Jahre 2014. Nach sieben Jahren gibt es in Berlin keinen auffindbaren Don Quijote. Nur Kneipen.


Reihe: Busch-Funk
Don Don Don Quijote – Attackéee
Von Hans Block
Regie: Hans Block
Mit: Stefan Kolosko, Lisa Hrdina, Jan Breustedt, Matthias Mosbach, Max Meyer-Bretschneider, Alexander Höchst u.a.
Ton und Technik: Albrecht Panknin, Studio Zpiao
Mentorin: Elisabeth Panknin
Produktion: Deutschlandfunk in Kooperation mit der Schauspielschule Ernst Busch 2014
Länge: 46‘02
Eine Wiederholung vom 24.06.2014


Hans Block, geboren 1985 in Berlin, arbeitet als Theater- und Filmregisseur, Musiker, sowie Hörspielautor und -regisseur. Das Hörspiel „Don Don Don Quijote – Attackéee“ wurde 2015 mit dem Grand Prix Marulić ausgezeichnet.