Frauenblick: Yoga

Monika Wrzosek-Müller

Emmanuel Carrère, Yoga

Mit dem Buch habe ich mich sehr lange herumgeschlagen, immer wieder darin gelesen, nachgedacht; war wütend und empört, manchmal habe ich gelacht. Also, es hat mich doch beschäftigt. Klar, Yoga ist auch mein Weg durchs Leben gewesen, oder ich gehe ihn immer noch, auf meine Art und Weise.

Damals vor Jahren, als ich aus Italien nach Deutschland zurückkehrte, hat mich Yoga gerettet. Es brauchte viel Zeit und etliche Anläufe, aber es hat mir geholfen, den Alltag und mein Leben zu bewältigen. Ich las alles, was mir über Yoga in die Hände fiel: Patangali, Upanishaden, Veden (Ausschnitte) und dann die Sekundärliteratur, alle von Anna Trökes und von T.K.V. Desikachar, A.G. Mohan, David Frawley, E. Wolz-Gottwald, Mathias Tietke und viele mehr. Aber wirklich geholfen hat mir die Matte – die Übungen und Regelmäßigkeit und Disziplin und dass ich mich in keinerlei Sektenkreise habe hineinziehen lassen, weder in die, die nur an brutalste Verrenkungen glaubten, noch in diejenigen, welche Yoga nur als Business verstanden.

Jetzt kommt mir dieses Buch Yoga vor, wie eine Reise zurück in die Jahre der Ausbildung, meiner intensiven Beschäftigung mit Yoga. Auf jeden Fall ist es ein unverschämt ehrliches Buch, ehrliches Erzählen, hauptsächlich über die Tiefen des Verfassers. Ob das unbedingt interessant ist und unseren Horizont erweitert, ist andere Frage. Da ich immer angenommen habe, Yoga solle der Vernichtung oder wenigstens der Verminderung des eigenen Egos dienen, überrascht es mich, so viel ausgeprägtes Ego in dem Buch zu finden, neben all den Behauptungen, auf dem Yoga-Weg zu sein. Klar, die Wege zur Konzentration durch Meditation und letztendlich zu höheren Formen des Bewusstseins auf dem achtgliedrigen Pfad (Dhyana, Dharana und Samadhi) waren auch für mich damals fast der wichtigste Teil der theoretischen Yoga-Lehren von Patangali, doch ich habe sie für mich anders ausgelegt. Das kann ich am besten am Beispiel des Verständnisses von Karma Yoga erklären: Karma Yoga, einer der sechs Wege des Yoga, wird in der indischen Philosophie als der Dienst an den Anderen verstanden. Bei vielen Adepten des westlichen Yoga wird er dagegen als meditativer Weg der Ausübung vieler alltäglicher Verrichtungen wahrgenommen; z.B. wird die Tätigkeit des Putzens der eigenen Wohnung in meditativer Weise, mit Achtsamkeit, als Karma Yoga angesehen. Das ist auch nicht schlimm, das konzentrierte, bewusste, achtsame Putzen kann ein guter Weg für die Bekämpfung der eigenen Misere oder des Unwohlseins sein. Doch das als den Yoga-Weg zu verklären, halte ich für völlig übertrieben. Überhaupt liefert mir das Buch ein Beweis dafür, wieviel Narzissmus und Selbstverliebtheit in dem westlichen Verständnis des Yoga-Wegs steckt. Vielleicht war eben dieser gesteigerte Narzissmus auch der Grund für die Nervenzusammenbrüche des Autors. Das sieht er auch selbst ein und kommentiert ironisch: „Eine Abschieds- und Verlusterfahrung, ein Moment, an dem das Leben kippt, genau das erlebe ich ja gerade. Doch wie soll ich unseren Schülern gegenüber zugeben, dass ich mir diese selbst aufbürde? Ich habe oft gesagt, man müsse das eigene Leid respektieren und nicht relativieren, und das neurotische Elend sei nicht weniger grausam als das gemeine Unglück, trotzdem: im Vergleich zu der kompletten Entwurzelung, die diese sechzehn-, siebzehnjährigen Jungen1 erlebt haben und erleben, ist ein Typ, der alles, absolut alles hat, um glücklich zu sein, und der sich abmüht, um dieses Glück und das seiner Angehöriger zu zerstören, eine Obszönität, die zu verstehen ich ihnen schwer abverlangen kann und die dem Standpunkt meiner Eltern recht gibt, dem zufolge man in Kriegszeiten nicht genug Freizeit hat, um neurotisch zu sein“. Leider ist der Tenor des Buches genau entgegengesetzt, der Autor kokettiert mit dem eigenen Leiden und macht es zum Hauptthema.

Diese absolute Konzentration auf sich selbst im Leben war für mich ein Novum, mit dem ich lange in der westlichen Welt zu kämpfen hatte. Und ich finde es fast pervers, den Yoga-Gedanken so umzukehren, ihn so zu verdrehen, dass er den Anforderungen der coolen, hochgebildeten, gutsituierten und selbstverliebten Menschen in der westlichen Welt dient und dienen soll. Irgendwann habe ich mich damit abgefunden – und da kam der Überfall auf die Ukraine und die alte Ordnung wurde wieder aufgehoben. Das Buch hat aber an erstaunlicher Aktualität gerade jetzt gewonnen, auch wenn es vor einigen Jahren geschrieben wurde. Es verdeutlicht nämlich die erwähnte Selbstverliebtheit und Denkweise einer westlichen Konsumgeneration, die vor allem auf der Suche nach dem eigenen Glück und Wohlbefinden ist. Die aus Angst um den eigenen Wohlstand nicht gewillt ist, der Ukraine zu helfen, sogar bereit ist, der Ukraine das Recht auf Selbstverteidigung abzusprechen. Würde die Ukraine sich Putin beugen, die Annexion einige Gebiete durch Russland in Kauf nehmen, dann hätten wir endlich wieder Ruhe und Frieden – diese Logik des Denkens kann man durch die Lektüre dieses Buchs besser nachvollziehen. Deswegen hat es mich auch gefesselt und zum Nachdenken gebracht, denn die Geschichte eines ungefähr sechzigjährigen Mannes, der mit eigenem Leben nicht klarkommt, scheint an sich nicht besonders faszinierend. Was das Buch aber bietet, ist radikale und verblüffende Offenheit bei der Beschreibung dieses „Kampfes“, z.B. in den Vipassana-Kursen, die „Kampftraining der Meditation seien. Zehn Tage lang, zehn Stunden schweigend von allem abgeschnitten: the real shit. In Internetforen berichten viele, diese Hardcoreerfahrungen habe sie bereichert und verändert, andere verurteilen sie als sektenhafte Vereinnahmung. Sie beschreiben den Ort als Konzentrationslager und die tägliche Zusammenkunft als Gehirnwäsche. Nordkorea sozusagen“; er ist bereit, dies zu absolvieren, auch andere Methoden der Meditation, um den eigenen Dämonen zu entkommen.

Auf dieser Sinnsuche vergessen viele, dass die Texte der Upanischaden, auch der Veden und die von Patangali deshalb verfasst wurden, um den wirklich Leidenden zu helfen, ihnen einen Platz in der Kastengesellschaft zu geben und das sehr bescheidene Überleben zu ermöglichen, und dass sie spirituelle, fast biblische Texte sind.

Was dem Autor letztlich hilft, ist die Beschäftigung mit den jungen Flüchtlingen, die Abkehr von der eigenen Person, der Perspektivwechsel, durch den er in den Hintergrund tritt und wirklich über die anderen und deren Leben demütig nachdenkt. Insofern ist das Ende des Buches vielleicht hoffnungsvoll; das „freundliche Wasser“ heißt das letzte Kapitel, in dem er zum Schluss kommt: „Kein feierliches, meditatives Yoga, das der Auslöschung der Vritti, dem Ausweg aus dem Samsara oder dem lebenslangen Hinwirken auf einen Zustand der Gelassenheit und des Staunens gilt. Nicht das Yoga, über das ich dieses Buch schreiben und weihevoll behaupten wollte, man dürfe es nicht mit vulgärer Gymnastik verwechseln, sondern das, was junge Frauen auf der ganzen Welt machen, die genau wie diese hier finden, dass es eine wunderbare Gymnastik ist, die nichts von Patangali halten und nicht die geringste Lust haben, dem Samsara zu entkommen, weil man das Samsara auch Leben nennen kann und weil, auch wenn Patangali und Konsorten das Gegenteil sagen, das Leben gut ist. Nicht nur, das ist klar, aber auch.“2 Belassen wir es dabei und denken wir immer wieder an die Anderen.

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1 Es sind Jungs aus Afghanistan und Syrien, die er auf der griechischen Insel Leros in einem Schreibkurs unterrichtet und kennenlernt, wohin ihn sein umtriebiges Leben verschlagen hat.

2 Vritti, Samsara: beides Begriffe aus dem Yoga; der erste bedeutet Gedankenwellen, Gedankenbewegungen, der zweite wird auch im Buddhismus verwendet und bezeichnet den Lebensrad, den Kreislauf der Wiedergeburten.

Frauenblick: Pearl S. Buck

Monika Wrzosek-Müller

Vor fast hundert, genau vor einundneunzig Jahren schrieb die amerikanische Schriftstellerin Pearl S. Buck:

Daran glaube ich

Ich liebe das Leben, weil mich die Menschen und ihr Werden unendlich interessieren. Durch mein Interesse wächst mein Wissen um sie beständig. Und dieses wiederum läßt mich glauben, daß das gewöhnliche menschliche Herz von Natur aus gut ist. Das heißt, es ist von Natur aus empfindsam und zart, es möchte sich bestätigt sehen und bestätigen, es sehnt sich nach Glück und nach dem Leben. Es will weder getötet werden noch will es töten. Wenn besondere Umstände dazu führen, daß es dem Bösen anheimfällt, wird es doch nie ganz böse. Ein guter Kern bleibt erhalten – und mag es noch so sehr im Verborgenen sein -, aus ihm kann das Gute sich immer wieder nähren.

Ich glaube an die Menschlichkeit, aber mein Glaube ist ohne Sentimentalität. Ich weiß, daß der Mensch in einer Atmosphäre von Unsicherheit, Angst und Hunger verkrüppelt, daß er geformt wird, ohne daß er es merkt. Es ist mit ihm wie mit einer Pflanze, die sich unter einem Stein hervordrängt und ihre eigenen Lebensbedingungen nicht kennt. Nur wenn der Stein weggerollt wird, kann sie frei dem Licht entgegenwachsen. Aber die Kraft dazu ist ihr angeboren, und nur der Tod setzt dem ein Ende.

Ich brauche keinen anderen Glauben als den an die Menschheit. Wie einst Konfuzius nimmt mich das Wunder dieser Welt und das Leben darauf so gefangen, daß ich für Himmel und Engel keine Gedanken mehr habe. Dieses Leben bietet mir genug. Gäbe es kein anderes – es hat sich gelohnt, geboren zu werden, ein Mensch zu sein.

Ich glaube fest an das menschliche Herz und seine Kraft, dem Licht zuzustreben. Und dieser Glaube läßt mich auf die Zukunft der Menschheit hoffen und vertrauen. Der gesunde Menschenverstand wird der Welt eines Tages sicherlich beweisen, daß gegenseitige Hilfe und Zusammenarbeit für die Sicherheit und das Glück aller nur vernünftig sind.

Dieser Glaube gibt mir immer wieder Kraft, alles zu tun, was ein Mensch nur tun kann, um die Lebensverhältnisse so zu formen, daß man sich in Freiheit entwickeln kann. Diese Lebensverhältnisse, glaube ich, müssen unbedingt auf Sicherheit und Freundschaft aufgebaut sein.

Die hoffnungsvolle Tatsache, daß die Welt genug Nahrungsmittel für alle Menschen hat, gibt mir Mut. Unser medizinisches Wissen ist schon so weit vorgeschritten, um die Gesundheit der ganzen menschlichen Rasse zu heben. Die Mittel, die uns für die Erziehung zur Verfügung stehen, können – in weltweitem Rahmen angewandt- die Intelligenz aller steigern. Nur dies eine bleibt uns noch zu tun: Wir müssen herausfinden, wie wir die Vorteile, die einige von uns genießen, aller Welt zugänglich machen. Mit anderen Worten, um auf mein Gleichnis zurückzukommen: wir müssen den Stein wegrollen.

Auch das können wir schaffen, denn genügend Menschen werden den Glauben an sich und die anderen finden. Zwar nicht zur gleichen Zeit. Aber die Zahl derer, die den Glauben haben, wächst. Vor einem halben Jahrhundert noch dachte niemand an Welternährung, Weltgesundheit, Welterziehung. Viele denken heute daran. Inmitten eines möglichen Weltkrieges, einer Massenvernichtung, ist dies meine einzige Frage: Gibt es genug Leute, die den Glauben haben? Bleibt uns Vernünftigen noch genug Zeit zum Handeln? Es ist ein Kampf auf Leben und Tod, ein Kampf zwischen Wissen und Unwissen. Mein Glaube an die Menschheit ist unerschütterlich.“

Unterschrieben: Pearl S. Buck

Im Jahr 1932 erhielt sie für den Roman Die gute Erde den Pulitzer-Preis und 1938 den Literaturnobelpreis. Es war der erste Roman aus einer Trilogie, es folgten Söhne und Das geteilte Haus, die ihr Leben in China sehr anschaulich beschrieben. Um ihren Nobelpreis wurde auch heftig gestritten, denn viele hielten ihre Schreiberei für Trivialliteratur und man sprach sogar von einer Lex Buck im Blick auf die Unstimmigkeiten in der Nobelkommission; Intellektuelle ereiferten sich in Diskussionen über die Frage, was wahre und höhere Literatur leisten muss, um einen solchen Preis zu verdienen.

Es stimmt schon, dass Buck sehr einfach und direkt beschreibt, doch ist die Geschichte mit so viel Menschenkenntnis und Menschenliebe, mit einem Humanismus angefüllt, dass sie sich eher wie eine große Metapher, ein Symbol oder ein Lobgesang an die richtige Lebensführung liest. Die Lebensgeschichte des einfachen Bauers Wang Lung (sie schrieb grundsätzlich über China, wo sie fast ihr ganzes Leben verbracht hatte) fließt vor unseren Augen mit den Nöten und den Bedürfnissen von einfachen Menschen vorbei, die hart arbeiten müssen, um ihr Überlebensminimum zu sichern. Immer wieder kommen Zeiten des Hungers, verursacht durch harte Winter oder lange Dürreperioden, und irgendwann muss die kleine Familie in den Süden des Landes flüchten, in eine große Stadt, wo sie durch Betteln und Rikscha-Fahren etwas Geld ergattert und überlebt. Es kommt dann zu Aufständen und Plünderungen in der Stadt und Wang Lungs Frau erbeutet einen versteckten Schatz, den sie als ehemalige Sklavin in einem raffinierten Versteck findet. Die Familie geht daraufhin zurück in den Norden, Wang Lung kauft immer wieder ein Stück Land mit „guter Erde“, das er dann beackert. Die Ernte wird gut, sie können immer mehr Land kaufen, die Bauern aus den umliegenden Hütten helfen gegen Bezahlung, immer mehr Land zu bestellen. So wird die Familie reich, baut erst ihr Bauernhaus aus; irgendwann zieht sie, auf Zureden des ältesten Sohnes, in das große Haus der Familie Hwang, wo die Ehefrau von Wang Lung als Sklavin gearbeitet hatte, mit vielen Höfen und Häusern, mit Anlagen mit Teichen und goldenen Fischen. Die Kinder gründen inzwischen eigene Familien, viele Enkel werden geboren. Wang Lung bringt auch eine Konkubine ins Haus, die er dann zu seiner zweiten Frau macht.

Die Beschreibungen des Lebens haben für mich etwas Spirituelles, eben Symbolisches, obwohl erstaunlich wenig von Religion die Rede ist; ab und zu macht sich der Hauptheld Wang Lung auf, um ein paar Räucherstäbchen im Tempel anzuzünden, aber das ist auch alles. Immer wieder, wenn Wang Lung Probleme hat, zieht er sich aufs Land zurück, um die Erde, die „gute Erde“ zu spüren, um den Kontakt zu den Wurzeln, zur Einfachheit, zum richtigen Leben nicht zu verlieren. Er muss viele schwierige Entscheidungen als Oberhaupt der großen Familie, des Klans, treffen. Den Zusammenhalt, das Fundament bildet für ihn die „gute Erde“, die man nicht verkaufen, nicht zerstückeln solle. Doch am Ende des Buches, als der alte Herr Wang Lung entkräftet, krank und alt darniederliegt, sagen seine Söhne: „Sei beruhigt, Vater, sei beruhigt! Wir werden das Land nicht verkaufen.“ Aber über den Kopf des alten Mannes hinweg blickten sie einander an und lächelten.

Interessant, dass das Buch in den Jahren 1931-32 als der meist verkaufte Roman in Amerika galt; das lag wohl an der Exotik des fernen Landes oder auch an der Beschreibung der Konkubinen und Sklavinnen. Die Zustimmung und Ablehnung seitens der Literaturkritiker und der Leser schwankte heftig. Später, nach Maos Revolution in China, wurde Pearl S. Buck wegen ihres sozialen Engagements vom FBI überwacht; dieses trug eine 300 Seiten starke Dokumentation zusammen, in der sie kommunistischer Sympathien beschuldigt wurde.

Heute ist das Buch für mich mehr als aktuell, auch seine Rezeption in unterschiedlichen politischen Kontexten lehrreich. Das, was für immer bleibt, ist ihr Glaube an die Menschlichkeit, daran, dass es doch eine Kraft gibt, die uns über die Geldgier hinweg, jenseits von wirtschaftlichen und politischen Interessen zu richtigen Entscheidungen, Ansichten und letztlich zum richtigen Leben führt. Das ist, gerade heutzutage so wenig und doch so viel.

Frauenblick: Krieg

Monika Wrzosek-Müller

Die Ungerechtigkeit der Welt, der westlichen Welt, war mir immer klar und ein Dorn im Auge, doch jetzt sticht sie mit einer Schärfe und Dringlichkeit, dass ich, sollte ich es nicht aussprechen, krank würde. Auch wir werden durch den Krieg auf eine Seite, auf eine Möglichkeit festgelegt, was sich für die Zukunft wahrscheinlich verheerend auswirken kann.

Wir erleben einen Krieg – einen Angriffskrieg, den es in unserem Jahrhundert nicht mehr geben sollte. Es sind völlig archaische Methoden der Kommunikation, durch Druck und Gewalt auf das eigene Recht zu pochen und es einzufordern. Ich war während des ersten Kriegsmonats in Warschau; habe erlebt, wie die Polen sich zusammengerissen haben, um den Kriegsflüchtlingen zu helfen, wie sie den Krieg verurteilt haben, ihn verfolgt und immer wieder dazu Stellung genommen haben. Der Westen vergisst, dass doch noch Menschen mit Kriegserfahrungen aus dem Jahr 1939 leben und dass für sie ein déjà vue entsteht, dass von Deutschland mehr verlangt wird, eben wegen dieser Kriegserinnerung, aber auch wegen ihrer Nähe zu Russland und zu Putin, dass sie selbst für die Abhängigkeiten von Gas, Öl und Kohle verantwortlich sind. Versprechungen, Bekundungen und Mitleid helfen nicht viel, es müssen Taten folgen, ganz entschiedene und schnelle.

Unter den ukrainischen Frauen, die ich in der Wohnung in Warschau aufgenommen habe, war eine junge Frau mit einem Kleinkind, die mir als die Tochter der Freundin des Bruders meiner Mieterin vorgestellt wurde. Nach zwei Tagen stellte sich heraus: sie mit dem Baby und einen kleinen Jungen haben die anderen auf dem Bahnhof in Lemberg gefunden; die drei wussten nicht wohin, hatten seit ein paar Tagen nichts gegessen, lebten auf dem Bahnhof. Der kleine neunjährige Junge hatte seine Eltern, seine Mutter verloren, oder sie haben ihn so losgeschickt, damit er überlebt, das wussten sie nicht. Auf jeden Fall waren sie plötzlich bei mir, in der Wohnung meiner Mutter, mit den anderen drei Frauen und zwei Jungen. Zum Glück haben sie eine andere Bleibe gefunden, alle drei; so haben die anderen fünf Leute in der kleinen Dreizimmerwohnung genug Platz zum Leben.

Da wurde gesagt: in Polen gäbe es Flüchtlinge zweiter Klasse, ich habe nur gedacht, Gott sei Dank, wir haben noch Platz frei, wir können die aufnehmen. Und ja, sie sind mir willkommen, weil sie das erleben, was Polen immer wieder fürchten muss, und weil sie wirklich Frauen mit Kindern sind, und alles passiert so nah und ich will mich nicht hinter der Heuchelei der Menschenliebe für alle auf der ganzen Welt verstecken und die eigentlich gar nicht so wirklich hierher wollen. Denn es ist ein großer Unterschied, ob man etwas macht, was einem am Herzen liegt und brennt, oder man mehr oder weniger die eigene Überlegenheit über die arme Welt vorführt und den guten Onkel spielt, ohne die Menschen im Geringsten zu verstehen und eigentlich verstehen zu wollen. Ich habe die Aussagen: „Die werden nie arbeiten können, so wie wir das tun, ihre Ausbildung ist nicht annähernd unserer gleich…“ zu überhören versucht, denn ich bin selbst auch davon betroffen. Meine Ausbildung wurde für nicht würdig in Deutschland befunden, ich bekam den Grad “Magister pl“ zuerkannt und hatte damit keinerlei Recht, an Schulen etc. zu unterrichten. Gerade die Flüchtlinge spüren, ob sie wirklich willkommen sind, ob man für ihre Sache steht. Deswegen gehen auch viele Ukrainer lieber nach Polen als anderswohin in der EU und am liebsten gehen sie sowieso in ihr Land zurück.

In Polen hat die Sache noch einen Aspekt, den man wahrscheinlich nicht vergessen sollte. Die Ukrainer sind für den polnischen Wohlstand mitverantwortlich, haben ihn mit ihren Händen mit erarbeitet. So wird jetzt ein Teil der Schuld bei ihnen abgetragen, beglichen. Polen hat immerhin innerhalb dieser drei Wochen 2,2 Millionen Menschen aufgenommen, ohne zu klagen, ohne sich aufzuspielen, dass es Verteilung geben müsse, dass die anderen nicht wollten; da war die Not dieser Menschen und das war das wichtigste. Manchmal muss man über den eigenen Schatten springen, sich mutig zeigen und riskieren, sonst gehen unsere Werte, das, was man jahrelang versucht hat aufzubauen, verloren. Vertrauen, Glaubwürdigkeit gewinnt man langsam und es wäre schade oder ist schade, sie so schnell zu verspielen.

Die Frau unterwegs

Monika Wrzosek-Müller

Lublin – Tamara Łempicka

Der Ausflug nach Lublin, hauptsächlich zu der Ausstellung, war schön, lehrreich und interessant. Schon die Schnellstraße S 17, auf der wir gefahren sind, erfüllte alle europäischen Standards, mehr noch, war besser als die meisten „Superstrade“ in Italien, gepflegt auch rundherum und kostenlos. Ich habe die Gegend um Lublin und Nałęczów als Kind öfters gesehen, auch von Kazimierz Dolny aus und auch später; sie hat sich so sehr entwickelt, verändert, es wurden prächtige Häuser gebaut, vielfältige Obstplantagen angelegt. Klar, das ist auch der Teil Polens, der die besten Lössböden hat; trotzdem hat mich das Ausmaß des Fortschritts und der Entwicklung überrascht. Für meine Begriffe hat sich da viel mehr verändert als in unserer Uckermark in Brandenburg.

Unterwegs achteten wir auf die vorbeifahrenden Lastwagen; es fuhren nur einige wenige mit weißrussischen Kennzeichen, die meisten hatten ukrainische, russische haben wir überhaupt keine gesehen. Es gab aber viele ukrainischen Personenwagen in beiden Richtungen.

Lublin begrüßte uns mit herrlichem Wetter, mit einer sehr aufgeräumten, renovierten Altstadt, mit vielen Touristen, erstaunlich vielen auch ukrainischen Touristen, die mit ihren Autos da waren; sie machten nicht den Eindruck von Flüchtlingen. Einige von ihnen, vor allem Frauen, begleiteten uns in die Ausstellung weiter, sie filmten alles und sahen sich die Exponate erstaunlich eingehend und interessiert an. Ich fragte mich schon sowieso, warum Lublin, dann vielleicht auch ukrainische Wurzeln bei Tamara Lempicka, doch das Einzige was ich finden konnte, waren eher russische Verbindungen und Verwandtschaften ihres Vaters. Das Lubliner Schloss, das mich bei früheren Besuchen immer an eine aus Pappmaschee aufgestellte Kulisse erinnert und eher abgeschreckt hatte, war sehr sorgfältig restauriert. Im Innenhof sind der Turm und die Kapelle zu besichtigen (Überreste der alten Burg). Nichts deutete auf den Krieg hin, der doch nicht weit, fast um die Ecke weitertobt.

Also der Titel der Ausstellung „Die Frau unterwegs“ passt vielleicht am besten zu dieser doch sehr faszinierenden Frau. Sie hat in ihrem Leben meistens, so scheint mir, das gemacht, was sie wollte, und vor nichts hatte sie Angst, natürlich half ihr das Talent. Das Interesse an ihr und ihrem Werk – ich erinnere mich an eine Ausstellung in Mailand, 2006 im Palazzo Reale, wo sie Tamara de Lempicki genannt wurde; die Mailänder Ausstellung habe ich nicht gesehen, wohl aber die Plakate, die in der ganzen Stadt aushingen, und die langen Schlangen vor dem Eingang – beruht vielleicht auch auf ihrer Art der Selbstinszenierung, auf ihrem Habitus einer Diva, die wohl auch eine gute Künstlerin war; eine coole, schöne Frau, das spielte sie alles sehr gekonnt aus, auch ihre Herkunft, auch ihren Namen. Sie positionierte sich irgendwo zwischen Peggy Guggenheim und den vielen Filmdiven des damaligen Hollywood und ihr Bild trug zum Teil bestimmt zu dem Erfolg bei, den sie in den dreißiger und vierziger Jahren hatte.

Geboren wurde Tamara Rozalia Gurwik-Górska laut einiger Quellen in Warschau am 16. Mai 1898, doch manche sprechen von Moskau und einem zwei Jahren späteren Geburtsdatum. Ihre Eltern gehörten einer Elite an, die in Warschau, Moskau und St. Petersburg zu Hause war, doch immer wieder auch länger in anderen Teilen des Europas weilte, so in der Schweiz, in Italien und in Paris. Ihr Vater wird als reicher russischer Jude, Kaufmann oder Industrieller, beschrieben; er starb bald nach ihrer Geburt. Die Mutter stammte aus einer wohlhabenden polnisch-katholischen Familie, die zahlreiche Beziehungen zu berühmten Künstlern wie Ignacy Paderewski oder Artur Rubinstein pflegte. Sie wuchs eher bei den Großeltern und in Internaten auf. Irgendwann übersiedelte sie dann nach St. Petersburg, wohnte bei ihrer Tante und deren Mann, der Familie Stifter, in einer luxuriösen Residenz. Beim ersten Ball, den sie als ganz junge Frau besuchen durfte, lernte sie ihren späteren Mann Thadé Lempicki kennen. Die beiden heirateten schnell und Tamara wurde bald auch Mutter einer Tochter – Kizette, die sie später oft porträtieren wird. Leider ändert sich die Situation in Petersburg für sie schnell zum Schlechten, die Verwandten emigrierten nach Dänemark. Tadeusz wurde im Winter 1918 verhaftet und in ein Gefängnis gesteckt; Tamara nutzte ihre Bekanntschaft zum schwedischen Konsul und beschaffte falsche Dokumente auch für ihren Mann, sie reisten erst einmal nach Kopenhagen, dann nach Warschau und bald schon nach Paris. Nach einigen dort unter schwierigen Umständen verbrachten Monaten half ihr die Familie, ihre Schwester Adrianna Górska überredete sie zum Studium an der Académie Ranson. Seitdem scheint das Leben für Tamara wieder buntere Farben angenommen zu haben. Durch Vermittlung der Schwester stellte sie ihre Bilder aus; sie wurden von der Kritik warm und positiv aufgenommen. Bald kam es auch zur ersten Reise nach Italien, auf die viele weitere folgen sollten. Sie lernte einflussreiche, künstlerisch interessierte Italiener kennen, flirtete mit einigen von ihnen und wurde in der italienischen Szene bekannt und als Künstlerin anerkannt. Die schon vorher angespannten Beziehungen zu ihrem Mann verschlechterten sich, so dass sie 1928 auseinandergingen. Tadeusz heiratete bald seine neue Liebe, Tamara lernte den ungarischen Baron Raoul Kuffner kennen. In diesen Jahren entstanden Bilder wie „Mein Porträt“ oder auch „Die Frau im grünen Bugatti“, das die Titelseite einer Zeitschrift zierte. Es wurde zum Symbol einer freien, selbstbestimmten Frau und auch eine Ikone des art déco. 1934 heiratete sie zum zweiten Mal, den Baron, zog nach Wien und Budapest, besuchte mehrmals Italien, reiste auch tiefer in den Süden, es zog sie nach Afrika und in den Nahen Osten. Sie suchte die Wärme und das Leben, das ihr eigenes ihr nicht ausreichend gab. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, verließen die Kuffners Europa, sie fuhren nach Amerika. Sie malte dort die Damen der Gesellschaft, er floh als Jude vor dem Naziterror. In Amerika wurden sie jedoch nicht an einem Ort sesshaft, sie besichtigten, wohnten in New York, San Francisco, Los Angeles, Miami aber auch auf Cuba. Auch ihre Töchter kamen nach Amerika. Erst ab 1949 kehrte Tamara mehrmals nach Europa, Italien, Paris zurück. Nach dem Tod ihres Mannes 1962 zog sie zu ihrer Tochter Kizette, die in Huston wohnte. Doch lange hielt sie an einem Ort und wahrscheinlich mit der Familie nicht aus und zog nach Cuernavaca in Mexico, in die Stadt des ewigen Frühlings. 1980 stirbt sie auch dort und ihre Asche wurde am Vulkan Popocatépetl verstreut.

Ihr Leben hat sie an verschiedene Orte geführt, sie blieb nie länger irgendwo, war getrieben von ihren eigenen Ansprüchen oder vom Schicksal? Trotzdem führte sie ein gesellschaftlich sehr erfüllendes Leben; so kam sie auch an ihre Aufträge, meistens durch Mundpropaganda. Sie malt des Öfteren Damen der höheren Gesellschaft, damit verdiente sie genug Geld, um für sich, aber auch für ihre Familie zu sorgen. Vor allem die Bilder mit den klaren, eindeutigen Farben, die mit Schatten und Licht spielten, blieben ihr Markenzeichen, das madonnenhafte Blau, das klare Hoffnungsgrün. Irgendwann war sie eine der bestbezahlten Künstlerinnen der Welt. Schwer wog bestimmt, dass ihre Versuche in anderen Stilrichtungen nie erfolgreich waren. Sie wandte sich auch anderen Themen zu, versuchte Landschaften, Stillleben zu malen; an ihre glorreichen Erfolge der art déco-Zeit konnte sie aber nicht mehr anknüpfen.

Für mich bleibt sie die Ikone einer Zeit, in der das Gefühl der Schönheit mit der Einfachheit zusammenging, in der alles: die Architektur, die Inneneinrichtung, die Gegenstände, alles den Wunsch äußerte, das Schöne zu kultivieren und zu prämieren. Die Ausstellung bringt das eben auch zusammen, zeigt die Einrichtung ihres Appartements und Ateliers in Paris, auch Gegenstände, die sie benutzt hatte, werden ausgestellt. So ergibt sich nicht nur durch ihre Gemälde ein Bild der ganzen Person, nur so kann man sich ihr annähern und sie besser verstehen.

Frauenblick auf den Krieg

Monika Wrzosek-Müller

Vom Krieg in der Ukraine in dem Piłsudski-Museum

Seit einigen Tagen dauert ein absurder, unmenschlicher und brutaler Krieg in der Ukraine. Lange standen die russischen Einheiten entlang der Grenze und viele (mich eingeschlossen) dachten, es wird bei dem Theater und den Drohungen bleiben. Putin würde seine Tiraden ausspucken und die Welt würde ihn zurechtweisen. Die amerikanischen Informationen, nach denen die Invasion in zwei Tagen, dann in vier, dann am nächsten Wochenende beginnen sollte, tat ich als Übertreibung ab. Doch ich wurde eines Besseren belehrt, er hat das Unvorstellbare doch in die Tat umgesetzt und wir schauen zu. Das macht einen so mutlos, ratlos und auch wütend. Inzwischen dauert der Krieg drei Wochen, nach Polen sind über eine Million Menschen geflüchtet, hauptsächlich Frauen und Kinder; drei von ihnen mit vier Kindern beherberge ich in der Wohnung meiner Mutter. Die Polen helfen musterhaft, mit großer Empathie und Wärme, vieles ist sehr gut organisiert, aber wie lange und wie viele Menschen werden sie aushalten können. Auf der anderen Seite wird ununterbrochen geredet, dabei erreicht man eher wenig; wir haben diesen Verrückten zu lange machen lassen, die Augen zugemacht und seine Unmenschlichkeit nicht sehen wollen, zu mächtig waren die Konzerne, die Industrie; Gas, Öl, Stahl, floss günstig aus Russland … alles Faktoren, die mehr zählten als die Moral. Jetzt rächt sich das, alle haben Angst und wissen nicht, wie man diesen Knoten lösen könnte. Die fahrende Lokomotive der Vernichtung ist nur schwer zu stoppen, auch wenn die Ukrainer wirklich unheimlichen Mut, strategische Intelligenz und Kampfbereitschaft zeigen.

Eigentlich sollte der Anfang dieses Textes mit der spontanen Spendenhilfe für die Ukrainer, die ich zufällig im Piłsudski-Museum am Anfang der Invasion miterlebt habe, eine Überleitung zu einem Text über das Museum bilden. Inzwischen bin ich in die Geschehnisse tief verwickelt und weiß nicht recht, ob eine Information über das Museum in diesen Zeiten sinnvoll ist, auch wenn die historischen Parallelen in diesen dramatischen Zeiten stärker sichtbar sind; viele Polen haben das Gefühl eines déja vue: was muss noch Schlimmeres passieren, damit man wirklich jegliche Verbindung nach Russland abbricht, den Geldfluss ganz unterbindet. Vielleicht bietet die Beschäftigung mit dem Museum etwas Ablenkung von der ständigen Flut der Informationen und Bilder über diesen schrecklichen, wirklich makabren und unvorstellbaren Krieg, die wir hier in Warschau bekommen.

Also: das Museum, das am 14. August 2020 eröffnet wurde, liegt in dem kleinen Örtchen Sulejówek, früher nicht zu Warschau gehörend, dort, wo Piłsudski sich im Alter zurückgezogen hatte; es nimmt ein Terrain von ca. 4 Ha ein. Es existiert noch sein Wohnhaus, die Villa Milusin, das man auch besichtigen kann, dazu zwei weitere alte Gebäude – ein hölzernes Sommerhaus, die Villa Bzów [Villa Flieder], typisch für diese Gegend, und ein Quartier für Piłsudskis militärische Leibgarde. Auf dem großen Terrain inmitten von Kiefernwald wurde dann ein Kubus, das Gebäude des Museums, errichtet. Es harmoniert mit der Natur rundherum, ist aber ein sehr moderner, großer Betonbau nach den Plänen des Piłsudski-Enkels Krzysztof Jaraczewski und Radosław Kacprzak. Der Bau passt sich gut an die Umgebung an, ist nicht zu hoch, die meisten Ausstellungsräume befinden sich unter der Erde. Vor dem Eingang gibt es eine Skulptur: Piłsudski als Vater mit seinen Töchtern, sitzend auf einer Bank. Die ständige Ausstellung trägt den Titel: Dla Rzeczpospolitej. Józef Piłsudski 1867-1935 w Muzeum Józefa Piłsudskiego w Sulejówku. [Für die Republik. Józef Piłsudski 1867-1935 im Museum Józef Piłsudski in Sulejówek].

Beim Betreten des Museums hat man schon etwas das Gefühl, ein Mausoleum, ein Grab des Tutenchamun zu betreten, eine breite Marmortreppe führt zwei Stockwerke tief unter die Erde, doch man wird dann sehr gut durch die sorgfältig und breit angelegten Ausstellungräume geleitet, erfährt viel nicht nur über die Person Piłsudskis, sondern auch über die Geschichte der Zwischenkriegszeit, des damals gerade erst wiedererstandenen polnischen Staats. Dadurch gewinnt das Museum an Wichtigkeit und Bedeutung; es ist eine Ausstellung über die Jahre der Zweiten Polnischen Republik, über die Euphorie der Freiheit, der Unabhängigkeit und der Selbstbestimmung, die mit der Person Józef Piłsudskis verbunden war. Die Ausstellung ist sehr durchdacht und hat mehrere Darstellungsebenen. Der erste deutlich sichtbare Faden führt durch die Biographie Piłsudskis, Kindheit und Schule, Elternhaus etc… Der Besucher durchschreitet durch sechs chronologisch angeordnete Räume das Leben Pilsudskis: „Ziuk“ (der Kosename), „Wiktor“, der Kommandant, der Naczelnik [der Vorsteher], der Marszałek [der Marschall], der sechste Raum heißt „Symbol“ und betrifft mehr Piłsudskis Vermächtnis für Polen. Parallel dazu werden Ereignisse aus Europa, manchmal der Welt an historischen Achsen stichwortartig dargestellt, für mich eine wunderbare Lehrstunde in Geschichte. Natürlich nehmen auch Ereignisse in Polen und den Nachbarländern, die Bezüge und Zusammenhänge zwischen ihnen einen wichtigen Anteil an der Ausstellung teil.

Vom unteren Teil, bis 1918, gelangt man über eine Art von Rampe nach oben, an riesigen Leinwänden oder Bildschirmen vorbei, auf denen Ausschnitte der historischen Ereignisse aus der Zeit gezeigt werden, der Kampf um die Unabhängigkeit und Souveränität Polens. Auf dem Zwischengeschoss wird dann Piłsudskis Tätigkeit im freien Polen gezeigt. Alles wird durch Räume mit dem Thema Symbol durchschnitten, was zum Nachdenken und zum Herstellen geschichtlicher Parallelen anregen soll. Damit hatte ich dann auch mehr Schwierigkeiten; es ist auch nicht mehr so eindeutig positiv und erbauend, was in der Zeit passierte.

Als ich die Ausstellung zum ersten Mal gesehen hatte, deutlich vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine, war ich doch etwas vom Ausmaß der Stilisierung des großen Staatsmanns, um nicht zu sagen Führers, überrascht und von den eher geringen Anstrengungen, das zu relativieren. Jetzt haben sogar solche Schlagworte wie: „Nie oddamy Wilna, nie oddamy Lwowa“ [Wir geben Vilnius nicht preis, wir geben Lviv nicht preis“] einen anderen Klang und Charakter. Mögen wir diese Krise sobald wie möglich bewältigen.

Frauenblick auf eine Stadt

Monika Wrzosek-Müller

Żyrardów eine ehemalige Musterstadt der Leinenindustrie

An die Leinenvorhänge in meinem Kinderzimmer erinnere ich mich sehr gut. Das Orange war leuchtend und die grob gewebte Struktur ließ auch immer die Sonne durchscheinen. Mir wären etwas enger, dichter gewebte Stoffe lieber gewesen, hinter denen man sich besser verstecken und etwas mehr Schatten haben könnte. Doch diesen Leinen gab es zu kaufen und es war auch bunt, farbenfroh, im Gegensatz zu der grauen, wirklich grauen Wirklichkeit. Damals habe ich gar nicht daran gedacht, dass sich die Leinenfabriken nicht weit von Warschau befanden und der Stoff dort hergestellt wurde, deshalb auch erhältlich war. Doch die Farbigkeit und die schönen Muster sind mir immer noch in Erinnerung; die Vorhänge wurden dann im Lauf der Jahre in Kissenbezüge umgenäht. Später, als Teenager, hatte ich auch ein langes Kleid aus Leinen, exakt aus dem Leinenstoff für Kartoffelsäcke – grob, naturfarben, das Kleid lang, mit Fransen unten, sehr herausfordernd, vor allem für meine Eltern. Ansonsten hielten sie sehr an polnische Produkte, und Leinen war ein solches.

Jetzt, an dem bisher einzigen schönen Wochenende seit Weihnachten, haben wir von Warschau aus einen Ausflug nach Żyrardów unternommen. Die Stadt liegt etwa 45 Km entfernt von der Hauptstadt, in südwestliche Richtung. Sie ist leicht zu erreichen, sowohl von der Autobahn nach Posen aus als auch von der nach Kielce, sie liegt eben in der Mitte, in der flachen, platten masowischen Ebene, ziemlich unwirklich, als einziger geschlossener Komplex erhalten, vom Krieg einfach unberührt geblieben. Sie ist auch mit der Bahn zu erreichen, auf der Strecke nach Łódź. Schon seit 1845 hatte Żyrardów einen Bahnanschluss, es lag an der Eisenbahnstrecke Warschau-Wien.

Überhaupt kommt man in dem Städtchen nicht aus dem Staunen heraus; es stehen noch so viele Bauten aus dem 19. Jahrhundert: der alte, schöne Bahnhof im Stil eines polnischen Landhauses, mit prächtigen Kachelöfen im Wartesaal, die ganze Siedlung von süßen Arbeiterhäusern aus Backstein, mit Holzhäuschen in den Gärtchen, wo die Arbeiter Hühner hielten und Wirtschaftsräume hatten. Es ist atemberaubend, diese Holzkonstruktionen zu sehen, die ältesten aus den 1870er Jahren. Und sie existieren immer noch und werden von den jetzigen Bewohnern auch benutzt. Die Häuser sind noch nicht restauriert, werden aber weiter bewohnt. Im Zentrum der Siedlung gibt es natürlich eine imposante Pfarrkirche im neugotischen Stil, 1900-1903 erbaut; es gab mehrere Kirchen verschiedener Konfessionen, wie es auch verschiedene Nationalitäten gab, die in dem Städtchen zusammenlebten: Polen, Juden, Tschechen, Slowaken, Franzosen, Ukrainer, Russen; sogar Schotten und Engländer soll es gegeben haben. Die katholische Pfarrkirche ragt mit ihren beiden imposanten Kirchtürmen in der flachen Landschaft empor und man sieht sie schon von weitem. Vor der Pfarrkirche war früher der Marktplatz, heute eher eine Grünanlage mit Bänken und Rosenbeeten. Gegenüber, auf der anderen Seite der Hauptstraße („Straße des 1. Mai“) erhebt sehr der ganze Komplex der Fabrikanlagen mit der alten und neuen Spinnerei und der Strumpfweberei, die jetzt, gründlich saniert, in sehr interessant aussehende Lofts und Wohnungen umgewandelt wurde. Die Ausmaße dieser Bauten lassen den Besucher staunen, aber es handelte sich ja um die größte Leinenproduktionsstätte in Europa und die Strumpffabrik soll immerhin die größte im russischen Reich gewesen sein. Weitere Sehenswürdigkeiten kann man aufzählen: die alten Schulen und das Fabrikkrankenhaus, auch ein Waisenheim und ein Kindergarten haben dort Platz, es fehlte nicht einmal eine Bade- und Waschanstalt. Schließlich waren da die imposanten Gebäude der Verwaltung, das Kontor, das Magistratsgebäude; alle diese Bauten waren hauptsächlich aus rotem Backstein errichtet, was vielleicht an Łódź erinnert, aber allgemein in diesen Breitengraden nicht sehr häufig vorkam.

Das alles war mit Grünanlagen und Parks geplant worden und der Entwurf wurde auf der Weltausstellung in Paris als Mustersiedlung präsentiert. Offensichtlich war den Fabrikanten auch Kultur und Unterhaltung wichtig, schon 1913 entstand das Volkshaus Karl Dittrichs mit einer Bühne, später als Kino genutzt, und die „Ressource“, ein jetzt sehr schön restauriertes Gebäude, das als Touristeninformationszentrum, Hotel und Restaurant dient und früher eine Art englischen Club und ein Theater beherbergte. Man geht wirklich staunend herum – überrascht, dass damals so gründlich über ein Bauensemble nachgedacht wurde; z.B. wurde das Arbeiterquartier sorgsam getrennt von den Direktorenvillen errichtet. Mitten im sehr schön angelegten Park steht auch die Repräsentationsvilla von Karl Dittrich, jetzt ein Museum. Der Park mit seinen Wasserläufen und kleinen Brückchen, alten Buchen und Pavillons zum Verweilen wurde auch erst vor Kurzem instandgesetzt. Natürlich lag das Städtchen an einem Flüsschen, denn die Leinenproduktion verlangte viel Wasser. Ich habe sehr gelacht über seinen Namen: Pisia Gągolina (das Wort pisa stammt angeblich aus altpreußisch und bedeutete fließen, gągolina dagegen kommt von den Lauten, die die Gänse erzeugen).

Immer wieder dachte ich, das ist eine komplette Welt für sich, eingeschlossen, perfekt in sich stimmig; man konnte da leben, arbeiten, in die Schule gehen und nie herauskommen, nie den Ort wechseln; nur für den Handel, für den Verkauf mussten die Herren Direktoren sich in die Ferne, hinaus in die Welt draußen wagen. Die Produkte, die Leinenstoffe wurden in vielen Städten Europas verkauft. Die Fabrik betrieb Läden unter anderem in Warschau, Kalisz, Tschenstochau, Posen und St. Petersburg.

Ich lief durch die kleinen, von Bäumen gesäumten Straßen und stellte mir vor, wie es war damals, als die Fabriken noch in Betrieb waren, die Schornsteine Rauch ausspuckten, die Maschinen unheimlich lärmten, die Damen in den langen Kleidern spazierten und die Arbeiter und Arbeiterinnen (denn davon gab es viele) in graublauen Arbeitsuniformen vorbeihuschten. Die Vergangenheit ist hier sehr genau sichtbar und nachfühlbar, fast konserviert; die Zukunft mit den schönen Lofts noch sehr unsicher, gewünscht aber nicht gelebt.

Noch ein Aspekt ist mir bei dem Städtchen wichtig; ich hörte davon in Prag, da wollte ein junger tschechischer Historiker eine Arbeit darüber schreiben. Die Verbindungen zu Tschechen sind vielfältig und gehen tief. Die zweite Entwicklungsphase der Fabrikstadt, seit der Übernahme durch Dittrich und Hielle, die eben aus Nordböhmen kamen, brachte eine rasante Entwicklung und beträchtlichen Ausbau. Sie nannten ihr Unternehmen Zyrardower Manufacturen Hielle & Diettrich und beschäftigten eine Menge von Arbeitern und sorgten auch für sie. Unter den Familien, die nach Żyrardów kamen, gab viele Einwanderer aus Tschechen. In einer dieser Familien wurde 1881 Pavel Hulka geboren. Dank eines Stipendiums in Heidelberg konnte er als Publizist und später Übersetzter arbeiten, zusammen mit seiner polnischen Frau Kazimiera Laskowska gründete er die Zeitung Echo Żyrardowskie, in der er sich sehr für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Arbeiter einsetzte. Vor allem aber war er als Übersetzer aus dem Tschechischen tätig. Er brachte Werke von Karel Čapek und Bozena Nemcova dem polnischen Publikum nahe, größere Bekanntheit erlangte er aber vor allem durch die Übersetzung des Romans „Der brave Soldat Schwejk“ von Jaroslav Hašek. Sein autobiografischer Roman, fast ein Tagebuch, „Mój Żyrardów“ kann als Quelle für das Geschehen während des Krieges in Żyrardów gelesen werden.

Und noch eins: warum eigentlich Żyrardów? Der Name stammt von dem französischen Techniker, später auch Ingenieur Philippe de Girard; sein Denkmal steht inzwischen vor der „Ressource“, für alle sichtbar. Nach einem sehr abwechslungsreichen Leben – er hatte für einen in Frankreich ausgeschriebenen Preis für eine Flachsspinnmaschine eine solche konstruiert, das Preisgeld aber nie bekommen – wurde er 1825 von der russischen Regierung nach Warschau geholt. Nach mehreren weiteren Stationen landete er schließlich mit seiner Erfindung in den Leinenproduktionsfabriken. Später versuchte er sich in Bergbau, Wasserbau und der Zuckerproduktion. Und da das G als ż ausgesprochen wird, kam es zum dem Ortsnamen Żyrardów.

Daniel Passent / Berlinale

Rzadko się zdarza, że jednego dnia muszą się ukazać dwa wpisy, ale dzisiaj muszą.

Monika Wrzosek-Müller

14 lutego 2022 zmarł Daniel Passent; nie był na dzisiejsze czasy stary, miał 83 lata.Dla mnie i wielu osób był ikoną tygodnika Polityka, odkąd pamiętam czytałam jego felietony. Był człowiekiem legendą dziennikarską, bo też przez 63 lata związany był z tygodnikiem, przemiły, sympatyczny, błyskotliwy i inteligentny człowiek. Ubierał się też na tle swoich kolegów po fachu z wyczuciem smaku. Pamiętam spotkanie z nim, kiedy mój mąż dostał nagrodę Polityki.

Ale teraz dopiero czytam i poznaję, jak ciężkie koleje losu nosił ze sobą; urodził się na terenie dawnej Polski w Stanisławowie, prawie nie znał swoich rodziców, którzy zginęli zaraz na początku wojny. Wychowywał się u wujowstwa, a ukrywał w czasie wojny, jako małe dziecko u nieznanych mu ludzi.

Pamiętam, że w okresie rozkwitu Solidarności trochę kłóciłam się z Polityką za zbytnią lojalność do nie mojej strony politycznej. W międzyczasie myślę, że bardzo potrzebne są gazety, a z nimi dziennikarze obiektywni, neutralni i tolerancyjni, no i oczywiście dobrzy, a tak odbierałam zawsze Passenta.

Wychował wspaniałą córkę, z którą miał zawsze dobry kontakt i która, miejmy nadzieję, przejmie pałeczkę pisania po nim.

Myślę, że Polsce akurat teraz potrzeba dziennikarzy, którzy spokojnie i z dystansem, bez wielkich namiętności potrafią spojrzeć na rzeczywistość i ją opisać. Będzie nam go bardzo brakowało.

Tibor Jagielski

zmarł daniel passent

…pisałem na jego blogu en passant w polityce prawie 20 lat
będzie mi go brakowało

cześć jego pamięci
***

Ela Kargol

Berlinale, filmy, miejsca, zdarzenia

Spoglądając na mapę miejsc, w których można obejrzeć jeden z filmów 72 Festiwalu Berlinale, należałoby zaplanować niejedną ciekawą wycieczkę po mieście, a nawet poza granice Berlina. Tak jest od lat, a od jakiegoś czasu samo miejsce i film stały się dla mnie równie ważne.

W tym roku, w czasie nadal trwającej pandemii, sprzedaż biletów odbywa się w kasach online, całe szczęście filmy można oglądać w kinach – kto może, to może, zaszczepieni mogą. Obostrzenia, testy, odstępy, maski, te wymogi nie były dla mnie przeszkodą. Przeszkodą okazała się karta Visa, niezarejestrowana tam gdzie trzeba. Poprosiłam o pomoc młodsze pokolenie, a więc córkę, której nie zawsze wysyłałam czytelne komunikaty. A więc przypadkowo otrzymałam dwa bilety na tę samą godzinę w tym samym dniu. Bez zastanowienia wybrałam miejsce, nie film. Bilet na film oddałam przyjaciółce.

Od kilku albo kilkunastu lat jedną z sekcji lub projektów Berlinale jest tzw. Berlinale Goes Kiez. Filmy konkursowe i inne, te ważne i mniej ważne, interesujące i nudne, dziwne i niezrozumiałe trafiają do małych kin. A ja małe kina po prostu lubię.

Najlepsze to małe kina
w rozterce i w udręce,
z krzesłami wyściełanymi
pluszem czerwonym jak serce.

K. I. Gałczyński

Jednym z pierwszych małych kin, w którym oberzałam festiwalowy film było bliskie mojemu sercu i adresowi Bundesplatz Kino.

Film był czeski. Siedziałam obok Czeszki, jedynej Czeszki na sali. Gdy reżyser zapytał się, czy jeszcze jest ktoś z Czech, po długim milczeniu, powiedziałam, wydawało mi się, po czesku: ja sem z Polski. Ucieszył się reżyser, ja też, choć był to naprawdę „czeski film“ w polskim rozumieniu tego słowa. Pamiętam po roku, gdy pojechałam do Pragi wszędzie wisiały reklamy tego właśnie filmu, coś o mladej nocy w tytule.

Effi Briest obejrzałam w Adrii na Steglitz. Nie było biletów. Na Berlinale często nie było biletów, ale ja byłam prawie zawsze sama, czekająca do końca. I potem ten bilet się nagle znajdował, ten ostatni. Tak było z Effi Briest. Projekcja się zaczęła, ciemno, pani wychodzi z sali i mówi, że jest jedno miejsce. Jedno miejsce na środku sali w środkowym rzędzie. Gdy jest wybór, zawsze siadam z boku i blisko ekranu. Wtedy wracałam z pracy, z zakupami do domu i z moim nieodłącznym plecakiem, a sama jestem rozmiaru 46, a nawet 48.
Gdy szłam do mojego miejsca, cały czas przepraszałam. Nie każdy był wyrozumiały. Skąd mogłam wiedzieć, że spotka mnie tyle szczęścia, którego dla innych zabrakło. Jednak może szczuplejszej się należało. Effi Briest z przystojnym Sebastianem Kochem w roli barona Geerta von Innstetten chętnie zobaczyłabym jeszcze raz. Ostatnio czytałam biografię Elisabeth von Plotho, po mężu von Ardenne, pierwowzorki powieściowej postaci Theodora Fontane’a Effi Briest. Elisabeth von Plotho rozwiodła się z mężem, co na tamte czasy było dość odważną decyzją. Dzieci zostały przy ojcu. Dopiero po latach spotkały się z matką. Elisabeth von Plotho po rozwodzie została pielęgniarką, pracowała długie lata w tym zawodzie. Zmarła w wieku prawie 100 lat. Pochowana jest na cmentarzu w Stahnsdorfie pod Berlinem.

Jest to jeden z cmentarzy, który oprócz wiadomych usług, oferuje bogaty program kuturalno-poznawczy. Wyobrażam sobie, że prędzej czy później Berlinale pojawi się również tutaj, tak jak zagościło przed kilku laty w byłym krematorium na Weddingu. Pierwsze krematorium w Berlinie, po prawie stuletniej działalności przestało być krematorium, a stało się miejscem (silent green Kulturquartier) w którym zadomowiła się sztuka, w szerokim słowa tego znaczeniu.

Pamiętam Nocny pociąg do Lizbony z Martiną Gedeck, obecną na sali kina w Babelsbergu. Film zaczął się bardzo późno, kino leży poza Berlinem, w granicach Poczdamu i pech chciał, że kolejka podmiejska z jakichś powodów w drodze powrotnej miała dłuższy przestój. To był nocny pociąg do Berlina, a trwał tyle samo w moim odczuciu, jak do Lizbony. W tym czasie to bym się nawet portugalskiego nauczyła.

Nie lubię Friedrichstadtpalast, jako miejsca na Berlinale, nie wiem dlaczego, może wielkość, może filmy, które tam oglądałam nie należały do najciekawszych, ale należały do ważnych. Takim był Beuys, biograficzny film o artyście światowej sławy i inne, których tytułów nie pamiętam.

Filmem o zespole też światowej sławy Die Toten Hosen, Weil du nur einmal lebst – Die Toten Hosen auf Tour sprawiłam ogromną radość mojej córce. Zobaczyła ich wszystkich, a nieraz oglądała ich na koncertach, ale w lutym 2019 otarła się o Campino i crew właśnie przed Friedrichstadtpalast, a autografami chwali się do dziś. W tym roku razem wybieramy się na koncert zespołu.

Krótko po przyjeździe do Berlina, byliśmy z całą klasą dziś już dorosłej córki, wtedy siedmioletniej lub ośmioletniej Marty, na filmie, którego nie mogę znaleźć w archiwum. Piękny film, produkcji południowoamerykańskiej, o chłopcu i jego psie, który jechał koleją, prawdopodobnie Koleją Transandyjską, budowaną swego czasu przez inżyniera Ernesta Malinowskiego. Bilety (do kina, nie na pociąg) kosztowały, ponieważ byliśmy grupą, 1 markę. To był chyba najbardziej korzystny finansowo kinderball.

Nie pamiętam, które było moje pierwsze Berlinale, mogło to już być w roku 1985, lub 1986. Festiwal odbywał się w Berlinie Zachodnim, w kinach na Ku’dammie i w Zoo Palast. Na początku były to filmy polskie, które koniecznie chciałam zobaczyć. Wajda przyjeżdżał do Berlina wielokrotnie. Katyń oglądałam siedząc prawie obok niego i Englerta, bo ktoś mi oddał krótko przed seansem swój bilet. Kieślowski odbierając nagrodę, powiedział: Noch ist Polen nicht verloren. Te słowa cytował też Tagesspiegel. Wtedy mój pracodawca, zapytał mnie, co to właściwie znaczy. Wyjaśniłam mu, na tyle ile pamiętałam, historię powstania hymnu polskiego. Pamiętam Siekierezadę, filmy Agnieszki Holland, Szumowskiej i inne.

W czerwcu 1951 roku w Titania-Palast w berlińskiej dzielnicy Steglitz filmem Alfreda Hitchcocka Rebeka otwarto pierwszy Festiwal Berlinale. Od 1978 roku festiwal odbywa się w lutym. We wschodniej części miasta, w odpowiedzi na Berlinale, odbył się Festiwal Filmów Demokracji Ludowej, na którym pokazywano głównie filmy z ówczesnego bloku wschodniego.

Od roku 2000 Theater am Potsdamer Platz jest głównym miejscem Międzynarodowego Festiwalu Filmowego w Berlinie, jest sercem Berlinale, w czerwonym kolorze. W tym czasie teatr nosi nazwę Berlinale Palast. Obok premier filmów konkursowych pokazywany jest tu film otwarcia i ceremonia wręczenia nagród. To tu co roku rozciągnięty jest największy czerwony dywan i tu najczęściej pojawiają się gwiazdy. Złoty Niedźwiedź (Goldener Bär), nagroda przyznawana filmom konkursowym, nawiązująca do flagi i herbu Berlina, została zaprojektowana przez niemiecką rzeźbiarkę Renée Sintenis (1888–1965). Te niedźwiedzie stoją przy wjazdach do Berlina, nie zdążyłam nigdy zwrócić na nie uwagi. Ten pierwszy stanął w roku 1958, z okazji 70 urodzin artystki na środkowym pasie dzielącym autostrady 115 między Dreilinden a węzłem autostradowym Zehlendorf. Chyba można byłoby go dojrzeć, jadąc na Berlinale do Kleinmachnow. Tylko, że ja, jadąc do kina w Kleinmachnow, wybrałam inną drogę.

http://www.strassengeschichte.de/Menueoptionen/Geschichte/HistorieGesch/BerlinerBaeren/Baeren.htm

Berlinale 2022

Filmy, które widziałam, nie zdobyły chyba żadnej nagrody, oprócz filmu Lutza Pehnerta, Bettina.

Piękny film o życiu, o przywiązaniu do miejsca i tęsknocie za nim, o jednym mieście murem podzielonym i dwóch politycznych systemach. Film wyśpiewany, zaśpiewany poezją, którą poznałam dawno temu w Polsce i nie pamiętam, jakie to były piosenki, pewnie te o miłości, bo w swoim repertuarze ma ich dużo. Bettina Wegner, szansonistka, poetka, feministka bohaterka filmu była obecna na widowni. W masce i z odstępem, przez nikogo niezauważona przeszła po czerwonym dywanie.

Dwa następne filmy, były z tych filmów, które ma się okazję obejrzeć tylko na Berlinale, nudne i ważne. Nuda nie musi być doznaniem negatywnym. Pierwszy bardzo interesujący przez swoją problematykę społeczną, o życiowej odrębności, samotności i potrzebie bliskości. Oszczędny w grze, przekazie i obrazie. I nie wiem nawet, czy jest filmem drogi, choć tytuł o tym zapewnia: Nie zgubiliśmy drogi*.

Film Echo mniej mnie interesował niż miejsce. Neue Kammerspiele w Kleinmachnow, budynek zbudowany i przeznaczony od razu na kino krótko przed II wojną światową, propagujący kulturę w różnych systemach politycznych i różnych systemów politycznych, po upadku muru powrócił do spadkobierców i od kilku lat jest częścią Berlinale w sekcji Berlinale Goes Kiez.

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* Autorka tego nie pisze, dodam więc, że Nie zgubiliśmy drogi to film polski, w reżyserii i wg scenariusza Anny Sasnal i Wilhelma Sasnala

Frauenblick: Norblin-Fabrik

Monika Wrzosek-Müller

Neue Räume in Warschau

Eigentlich hatte ich vor, in Warschau lange Spaziergänge zu meinen alten, aber auch den neuen Orten zu unternehmen. Doch die Tage sind zu kurz, auch es ist zu dunkel, das Wetter spielt manchmal völlig verrückt; es gibt Schneegewitter oder Hagelstürme, dann scheint plötzlich die Sonne und mich überfällt eine Lethargie, die ich erst einmal überwinden muss, bevor ich mich überhaupt in Bewegung setzten kann. Sich aus dem geschützten und noch sehr altmodischen Viertel Saska Kępa in die Großstadt zu bewegen, erfordert Mut; hier ist alles klein, bekannt, überschaubar; drei größere, vertikal verlaufende Straßen und etwas mehr horizontale. Natürlich findet man auch hier schöne alte Bauhaus-Häuser, noch nicht herausgeputzt, noch im Urzustand, die mich anlächeln. Manchmal verfehlen die allzu pingeligen Renovierungen ihr Ziel, sie lassen die alte Patina verschwinden, zusammen mit der Schönheit und Einfachheit, zu schade. Doch die große neue Welt befindet sich eindeutig außerhalb von diesem Viertel.

Vor ein paar Tagen habe ich mich dann doch rausgewagt und bin in andere Räume, Stadtteile von Warschau aufgebrochen, eigentlich ganz im Zentrum, wohin ich früher nie vorgedrungen war. Der Raum hinter dem Zentralbahnhof, hinter der Shoppingmall „Złote Tarasy“, voll von richtigen Wolkenkratzern, Hochhäusern und mit ganz breiten geraden Straßen, hat mich erstaunt. Es ist da so viel entstanden, ganz neue Viertel, die für mich eher nach einer Metropole in Amerika aussehen und dem mir unbekannten New York als nach dem mir bekannten Warschau. Umso mehr freute ich mich, als ich die alten, gerade renovierten Gebäude der Norblin-Fabrik von weitem sah. Sie bilden einen schönen Kontrast zu der übrigen Bebauung in der Gegend. Eigentlich müssten wir in Europa doch aufpassen, nicht überall dasselbe zu produzieren und zu reproduzieren, dieselben Glasfassaden mit den schnell sich bewegenden Liften draußen, alles hochmodern und zugleich eher unmenschlich, so dass das individuelle Gesicht einer Stadt völlig verschwindet. Am „Rondo ONZ“ wehte der Wind so stark, dass viele Leute ihre ursprüngliche Route aufgaben und umkehrten; ein Mann im Rollstuhl wäre fast auf die Straße geweht worden, wären da nicht zwei kräftige junge Männer gewesen, die ihm halfen.

Endlich aber war ich doch bei der Norblin-Fabrik, Gebrüder Buch und T. Werner, angelangt und bewunderte erst einmal von außen das sehr schöne Objekt, das sich über mehrere alte Fabrikgebäude erstreckt mit den integrierten Bürotowern dazwischen. Von weiten sieht man schon ein nicht allzu buntes Murale von Pola Dwurnik, das die Fabrik darstellt und im Stil ihres berühmten Vaters, einen Maler, gehalten ist. Die Wahl der Materialien bei der Instandsetzung der Fabrik hat mich begeistert, neben edlen Holzarten gibt es Rosteisen [oxidierten Stahl], schöne Steinfußböden mit eingelassenen alten Schienenresten, die schöne Muster auf dem Boden bilden. Alles ist sehr elegant, präzise und in guter Harmonie zwischen der alten und modernen Struktur eingerichtet. Revitalisiert wurden insgesamt 9 alte Gebäude, die auch Baudenkmäler sind, sowie 50 Maschinen aus dem alten Maschinenpark, die im ganzen Gelände ausgestellt stehen, z.B. eine hydraulische Presse, die 50 Tonnen wiegt. Manche der Maschinenteile wurden ihrer ursprünglichen Funktion enthoben und fungieren z.B. als Untersätze für die Glastische, für die Bänke. Manche von den Gebäuden wurden komplett neu, aber in historischer Gestalt wiederaufgebaut.

Die Geschichte der Familie ist bemerkenswert: der Sohn eines Zeichners und Malers Warschauer Motive, des Franzosen Jean Pierre Norblin de la Gourdine, Aleksander Jan Konstanty Norblin, genannt John, geboren 1777, wurde nach langer Ausbildung in Paris zum Metallgießer (Bronze) nach Warschau angeworben und gründete dort 1820 die Norblin-Fabriken, damals „Warszawska Fabryka Bronzów“ (Warschauer Bronze-Fabriken) genannt. Sie produzierten hauptsächlich künstlerische Objekte in Bronze, z.B. große Leuchter für Kirchen, Epitaphien, auch Büsten. Er arbeitete viel für die Familie Czartoryski, fertigte eine Büste des Fürsten, auch Figuren und Ornamente für die Gräber der ganzen Familie. Erst später begann die Fabrik, auch Alltagsgegenstände wie Besteck etc. herzustellen. Die Fabrik wurde immer größer, fertigte auch die Samoware für russische Adelige; die Nachfrage nach den schönen, edlen Gegenständen stieg ständig, so wundert die Größe des Terrains, das die Fabrik einnahm, nicht. Auf dem Gelände befindet sich jetzt auch ein Museum, das die Firmengeschichte dokumentiert.

Noch sind nicht alle Räume in der Fabrik fertig und belegt, das Gelände wurde erst Ende September 2021 eröffnet; doch jetzt schon kann man sehen, dass es eine gelungene Mischung von Kunst bietet: zwei Galerien, Kultur, ein sehr luxuriöses Kino, „Kinogram“, mit einer noch moderneren Bar, mit mehreren Kinosälen, ein Bereich für eine Bio-Markthalle, „Biobazar“, wo man frische Bioprodukte kaufen und auch essen kann, und ein ganz großer Bereich für eine Food Town mit 23 gastronomischen Konzepten aus Europa, und anderen Teilen der Welt, wo man in geräumigen Fabrikhallen gut essen kann. Hier ist auch eine wunderschöne Piano-Bar untergebracht mit einer Bühne für die live-Musik und Tanzflächen.

Ich schlenderte langsam durch das ganze Gelände, das noch nicht überlaufen ist, und irgendwann gelangte ich in den ersten Stock mit einer wunderschönen Ausstellung in geräumigen, sehr gut designten Vitrinen, die aus den alten historischen Wagen der Fabrik gefertigt sind: die ganze Produktion der Fabrik von silbernen und versilberten Objekten; wir sehen Vasen, Platten, Besteck, Kelche, Kannen, Unterteller, Silberringe, Zuckerdosen, überhaupt Dosen etc… Großer Beliebtheit erfreuten sich kleine Tischbürsten mit ebenso kleinen, schön verzierten Schaufelchen. Ich erinnere mich an die alten, halb „aufgegessenen“ Löffel, die meine Oma in ihrer winzigen Wohnung in Mokotów noch benutzte und die sie über die Verbannung nach Kasachstan bewahrt und dann mit zurückgebracht hatte. Mit den Löffeln konnte man nichts mehr essen, die Versilberung war gesprungen, sie kratzten und man konnte sie nicht mehr richtig reinigen. Das meiste Silber war natürlich da, in der Verbannung, verkauft oder in Essbares eingetauscht worden; geblieben waren für uns Enkelkinder Erinnerungen wie: „das war doch echtes Norblin, oder eher Fraget“. Meine Oma schätzte die Erzeugnisse dieser polnischen Fabriken sehr und sie erzählte mir, dass in dem Flügel, den sie in ihrer Wohnung in Lemberg hatten zurücklassen müssen, drei Komplette von je 24 Besteckteilen für jede ihrer drei Töchter eingelagert waren; sie konnten nicht so viel in die Verbannung mitnehmen. Als ich vor ein paar Jahren in Lemberg war, auch in ihrer Wohnung, zwar verkleinert, denn da wohnten nun drei Familien, konnte ich keinen Flügel ausfindig machen, geschweige denn die Besteckkomplette für die Mädchen.

Die Norblin-Fabrik scheint mir eine Mischung aus Zukunft und fortgesetzter Vergangenheit in diesem während des Zweiten Weltkrieges wirklich total zerstörten Warschau zu sein. Im Sommer wird sich der Ort bestimmt mit Tausenden von Besuchern füllen.

Frauenblick. Andrzej Stasiuk.

Monika Wrzosek-Müller

Andrzej Stasiuk – nach Jahren

Vor Jahren, als ich ganz kurz im Polnischen Kulturinstitut die Spalte: Kultur, Politik, Literatur leitete, habe ich u.a. Andrzej Stasiuk zu einer literarischen Soiree eingeladen. Schon damals fiel mir auf, wie gutaussehend und erzählbegabt der Schriftsteller war, ein Typ mit Esprit, mit Lebens- und Durchsetzungskraft. Bei dem Abend war auch sein Übersetzer Olaf Kühn anwesend, das Gespräch stützte sich vor allem auf die Erzählungen aus dem Leben des Schriftstellers, das für mehrere Romane den Stoff liefern könnte; er gab auch etwas später das Buch Jak zostałem pisarzem [Wie ich Schriftsteller wurde. Versuch einer intellektuellen Autobiographie] heraus. Irgendwie erinnerte mich seine Erzählweise und der
Versuch sich selbst zu positionieren an Lessico famigliare [Mein Familien-Lexikon], 1965, und die kurze Erzählung Il mio mestiere aus Le piccole virtú von Natalia Ginzburg. Ob er ihr Werk kannte, scheint mir eher unwahrscheinlich. Damals habe ich ihn nicht danach gefragt. Stasiuk selbst beruft sich in einem Gespräch auf seine Vorbilder wie Thomas Dylan, Joseph Brodsky oder Czesław Miłosz. Es sind also eher Dichter als Prosautoren, die ihn inspirieren. Das Poetische bleibt also ein Markenzeichen in der Stasiuks Prosa erhalten.

Andrzej Stasiuk reiht sich für viele Polen in eine Figur des gepflegten Außenseiters, der gegen vieles rebelliert und sich dem „normalen“ Leben eines Intellektuellen Schriftstellers entzieht. Schon sein Lebenslauf mit der abgebrochenen Schulbildung, einem Aufenthalt im Gefängnis wegen der Rebellion gegen den Drill und unmenschliche Behandlung während des Militärdienstes, dann der Wohnortwechsel aufs noch tiefere Land (damals noch völlig unüblich…) in das Dorf Czarne in den Niederen Beskiden klingen nach einem extravaganten, selbstbestimmten Leben, das er wie ich neulich erfahren habe, fortsetzt. Später heiratete er Monika Sznajderman und zusammen gründen sie den Verlag Czarne, der bis heute existiert und sehr gute Literatur (vor allem die aus dem sog. Mittelosteuropa und Reiseliteratur) herausbringt.

Natürlich denkt man bei Stasiuk an seine wunderschön herausgegebenen Bücher wie Dukla schon im Verlag Czarne [Die Welt hinter Dukla] in der schönen Übersetzung von Olaf Kühn, oder Kruk [Der weiße Rabe]. Später folgen viele Titel, viele gute Romane, fast jedes Jahr einer, die sehr oft weiterhin von Olaf Kühn ins Deutsche übertragen werden. Er schrieb auch über seine Lesereise in Deutschland das Buch unter dem Titel Dojczland, das mit demselben Titel in Suhrkamp 2008 erschienen war. Irgendwann wurden seine Bücher eher von Renate Schmidgall übersetzt. Der letzte Titel, der mir in Erinnerung geblieben ist, hieß Wschód [Der Osten]. Stasiuk schien sehr viel zu reisen, schien auf einem poetischen, Selbstfindungsweg zu sein. Der Osten, weite Steppen, die Wüste, menschenleere Räume, unberührt und manchmal doch grausam, die Ukraine faszinierten ihn; da suchte er seine Wurzeln und sein Verständnis der Ereignisse. Er entzog sich weiterhin dem „modernen“ Leben, benutzte kein Handy, war in keinen Netzwerken unterwegs.

Fast nebenbei, oder doch erst später fing er auch an, sich für Musik, für Jazz zu interessieren und dieses Interesse verfolgt er bis heute. Schon 2007 gab er zusammen mit Mikołaj Trzaska und anderen Musikern einen Album Kantry heraus, in dem er von der Reise über das ehemalige Jugoslawien berichtet. Bei langsamen Klängen, jazzartig werden die Szenen untermalt, kommen die Erlebnisse der Reise noch besser zur Geltung; z.B. die Stücke Istrianna und Sarajewska. Zugegeben Stasiuk verfügt über eine sehr angenehme, tiefe, melodische Stimme, fast priesterliche, ohne belehrend zu klingen.

2020 erschienen weitere zwei CD mit Trzaska Grochów głosem [Grochow (Stadtviertel von Warschau) mit der Stimme] liest Stasiuk seine frühen Texte über die Gegend (die auch teilweise in Tygodnik Powszechny veröffentlicht wurden) und wird wiederholt von den Musikern begleitet. Für die Fans dieser rechtsseitigen Weichsel Warschau ein Muss. Er beschreibt noch die erhaltenen Holzhäuser und das ärmliche, meistens Arbeiterleben und den Stolz der Bewohner, die für ihren Viertel zwar leidend doch gradestehen. Die Musik ist wirklich minimalistisch, so dass die Texte gut hörbar und nachvollziehbar sind. Dabei kommt es sehr gut heraus, worum es Stasiuk wie auch in seinen Prosawerken geht, mit vielen Beschreibungen der Natur hebt er das Poetische, Erlebte, die Landschaften, Orte nach oben; er erlebt das sehr intensiv und hautnah, dadurch wirkt alles sehr authentisch und keineswegs snobistisch und überzogen.

Später gibt es noch eine CD mit der Gruppe Haydamaken, eine sogar schon 2018 unter dem Titel: Mogiły Haremu und jetzt 2021 eine neue, in der er die Gedichte von Mickiewicz vorträgt.

Der eigentliche Anlass, warum ich über Stasiuk jetzt gerade schreibe, ist sein neues Album Opla Stasiuk Trzaska. Es ist eine Improvisation um die polnische Religiosität und Gewalttätigkeit. Stasiuk selbst hebt die Musik hervor, seine Rezitation beschränkt sich hier aufs Beten, das Beten an die heilige Maria, das Gemurmel. Das Album wurde mit großer Aufmerksamkeit in den polnischen Medien aufgenommen, es gab viele Interviews mit dem Schriftsteller; in einem sagt er sehr deutlich und unverblümt, worum es ihm geht: „Ich sage: ‘jetzt wird es über Polen und die Heilige Maria gehen’ und die Zuschauer und Zuhörer flüstern: ‘jetzt wird er PIS und die Religion mit Scheiße bewerfen.’ Wie groß war dann die Überraschung, dass ich einfach ein Gebet gesprochen hatte“. Stasiuk berührt schon interessante Seite der polnischen Religiosität, er spricht von einem fast heidnischen Kult der Maria und dazu kommt von der Musikerseite der Rhythmus von Oberek. Oberek ist ein polnischer Drehtanz, in dem sehr bewegten und raschen Tanzschritten drehen sich die Paare, immer schneller und immer wieder, man denkt fast an die Derwische, an ihre Drehfiguren und das Magische, Mystische, das dabei entsteht. Das findet auch Stasiuk, Oberek symbolisiert für ihn gut polnische Wirklichkeit, es drehe sich alles im Kreis ständig und wiederholt, und irgendwann versuche man sich loszureißen, manchmal per Zufall scheint es, als würde es für eine Weile gelingen und dann gleich danach kommt die Bauchlandung. So bleibt nach einem Fest, nach einer Hochzeit nur Kater. Die Gruppe hat diese Musik, die ganze CD den Sommer über probiert, aufgenommen, auch immer wieder aufs Neue versucht, die richtige Stimmung, den richtigen Rhythmus zu treffen.

Das, was mir bei Stasiuk gefällt, er bleibt sich selbst treu, läuft nicht mit, kritisiert auch gezielt, immer seinen Standpunkt bewahrend.

Inzwischen ist auch ein neuer Roman Przewóz [Flussfähre, Flussüberfahrt] von ihm erschienen, ein Buch über die Normalität des Krieges, das Alltagsleben unter widrigen Umständen, mit Gerüchen, Stimmungen und Atmosphäre.

Auf jeden Fall ein Schriftsteller, den man beobachten soll.

Frauenblick

Monika Wrzosek-Müller

Das Kino Kultura und der Film Wesele

Das Kino Kultura in Warszawa war schon zu meinen Studienzeiten eine Institution, doch nach der Renovierung und Neueröffnung im Jahr 2009 ist es einfach ein reines Vergnügen, sich in dem Kino einen Film anzuschauen. Der Saal ist riesig, 234 Sitze, in dezentem Mintgrün gehalten, Corona-sicher auch abends; es waren jedes Mal höchstens 15 Leute anwesend. Auf dem Programm stehen immer die neuesten aber ambitionierten Produktionen, besonderen Wert legt man auf die polnische Filmographie; das Kino wird vom Verband der Polnischen Filmemacher betrieben. Immer wieder werden auch Themenschwerpunkte gesetzt – z.B. eine Thriller-Woche oder die Woche des Vietnamesischen Films organisiert; es gibt Premieren, Previews. In das Kino kommt man durch ein anständiges italienisches Restaurant, das vor oder nach der Vorführung zum Essen und Trinken einlädt. Insgesamt eine richtige Institution, in der sehr belebten Krakauer Vorstadt 21/23.

Doch eigentlich wollte ich über einen Film berichten, der Polen noch stärker polarisiert hat (sollte es denn überhaupt noch Versuche geben, zu einigen), nämlich über Wesele [Die Hochzeit] 2 von Wojciech Smarzowski. Den habe ich im Kino Kultura gesehen. Es ist eindeutig kein Film, der gefallen will, eher soll er aufrütteln, schockieren, erschrecken, zum Nachdenken zwingen. Jeder, der den Film gesehen hat, entwickelt dazu seine ganz eigene Meinung; er wurde total kritisiert und hoch gelobt und es ist auf jeden Fall wieder einmal ein für Polen wichtiger Film.

Die Handlung ist eigentlich simpel: die Tochter eines mächtigen Schweinefleischproduzenten in einer ostpolnischen Provinzstadt heiratet ihre Jugendliebe; natürlich ist die Feier überdimensioniert, reich und geschmacklos. Der Vater ist in mehrere Probleme verwickelt, über die im Verlauf der Handlung erfahren. Die Mutter hat ihr Leben als immer betrogene reiche Ehefrau eigentlich satt, passt auch gar nicht in das neureiche Interieur. Als die fast wichtigste Person entpuppt sich im Laufe des Films der Großvater, dessen Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg den Hintergrund und zugleich eine Brücke bilden – Analogie zu einem der „polnischsten“ Dramen, Stanislaw Wyspianskis Wesele von 1901.

Die Fleischfabrik, ein Ort des Grauens, betrieben hart an der Grenze der Legalität, könnte schlimmer erscheinen als die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs. Es geht darum, immer billiger, immer mehr und mit immer größerem Profit zu produzieren. Dabei spielen auch deutsche Interessenten am Kauf von billigem Schweinefleisch eine wichtige Rolle. Für mich folgt der Film präzise einer Linie: er zeigt, dass man dem früheren Bösen nicht entkommen kann, malt eindringlich aus, wie es ist, das Böse, Schreckliche mit sich schleppen zu müssen, die Last auf den Schultern zu spüren und ihn noch so viele Jahre nach dem Krieg nicht abschütteln können. Man ist in der Vergangenheit gefangen, die alten Geistern steigen auf und vermischen sich mit den gegenwärtigen, so ist die Vergangenheit in der Gegenwart immer präsent und kann nicht aufhören mitzumischen.

Wenn man an in Polen an Wesele denkt, kommt einem ganz natürlich das große, mit den polnischen Mythen der Gesellschaft abrechnende Drama von Wyspianski in den Sinn. Da ist die Kluft, die Spaltung der polnischen Gesellschaft wunderbar sichtbar: die Bildungsbürger [inteligencja] sind guten Willens, die adligen Gutsbesitzer weniger; sie können die Bauern nicht verstehen, sie nicht aus ihrem Elend erlösen. Alles dreht sich in einem verträumten Tanz im Kreis und ganz tief ändert sich wenig. Der Alkohol erwärmt die Gemüter, sie sind so eher bereit, vieles einzugestehen, in diesem Moment zu vergeben…

Die Vermischung des Alkohols mit dem großen familiären Ereignis, dem Tanz, spielt auch bei Smarzowski eine große Rolle; der Alkohol bringt die Situation zum Überkochen, nach dem Höhepunkt ist nur noch der Absturz möglich. Das schicke Auto, ein Porsche, wird zerstört, der Bräutigam betrügt die Braut, die Mutter will die Scheidung, das Schicksal der Fabrik hängt von den deutschen Einkäufern ab, die man ganz schlicht versucht betrunken zu machen und dann durch inszenierte Sexexzessen, die gefilmt werden, zu erpressen, damit sie den Vertrag unterschreiben. Dass am Ende auch noch die Knochen von jüdischen Opfern des Zweiten Weltkriegs ausgegraben werden, ist eindeutig zu viel für den Zuschauer, auch für die Geschichte, die stark durch die Musik und die fantastische schauspielerische Leistung getragen wird. Dass dann auch noch arme und völlig ahnungslose Vietnamesen für die Arbeit in dem Schlachtbetrieb eingesetzt werden, ist der Symbolik zu viel. Polen ist wie ein großer Topf, in dem es von Gräueln nur so brodelt. Wir sehen keinen positiven Helden, am ehesten sind es die beiden Frauen: die Mutter und die Braut, doch sie sind in ihrer Harmlosigkeit so verwurzelt, dass sie dem überbordenden Bösen wenig entgegenzusetzten haben. Doch für die Polen, für ihr Geschichtsbewusstsein, ihr Gerechtigkeitsempfinden könnte es bedeutsam sein.

Parallel dazu verläuft die Geschichte des Großvaters, der sich während des Krieges in ein jüdisches Mädchen verliebt hatte und dann nicht darüber hinwegkam, dass das Mädchen und dessen Eltern in einer Scheune verbrannt werden sollten – getrieben von deutschen Soldaten, aber ermordet von polnischen Bauern. Er versuchte, das Mädchen mit einigen anderen Juden zu verstecken und hoffte, unbemerkt zu bleiben, doch dafür bezahlte sein Freund mit dem Leben; die jugendlichen Entscheidungen, die harmlose Liebe entscheidet plötzlich über Leben und Tod. Der Junge ist dem nicht gewachsen, obwohl er es gut meint, sorgfältig organisiert. Immerhin überleben einige von ihm versteckte Juden den Krieg. Dafür wird er als einer der Gerechten unter den Völkern der Welt ausgezeichnet und soll in Yad Vashem geehrt werden; die Nachricht erreicht ihn während der Hochzeit und sie ist der Auslöser für seine Erinnerungen. Die Geschichte in der Gegenwart bewegt sich Richtung Katastrophe und die Geschichte der Vergangenheit kommt immer näher an uns heran.

Es ist eine Geschichte über die polnischen Dämonen der Provinzialität, des Egoismus, der Fremdenfeindlichkeit bei aller Gastfreundschaft, der Angst. Vielleicht ist es ein Film, der gewollt viel zu didaktisch, symbolisch ist und deswegen für das Ausland nicht lesbar, doch für Polen ein Lehrstück, an dem sich die Geister lange schinden werden. Es ist wie ein Spiegel, vielleicht ein etwas schiefer, doch die Themen des Films sind äußerst wichtig und in der öffentlichen Narration immer wieder präsent, so sollte man sich seine eigene Meinung dazu bilden, das versucht der Film jedem unter die Nase zu reiben.

Wesele [die Hochzeit], 2021
Regie und Drehbuch: Wojciech Smarzowski
Kamera: Wojciech Sobocinski
Musik: Mikolaj Trzaska
die Besetzung: Robert Wieckiewicz, Agata Kulesza, Marian Dziedziel, Ryszard Ronczewski, Maria Sobocinska und Mateusz Wieclawek