Frauenblick: Zinkjungen

Monika Wrzosek-Müller

Von schwarzen Tulpen und Zinksärgen

Wahrscheinlich war die Wahl des Stoffes für die jüngste Arbeit von Elżbieta Bednarska, einer polnischen Regisseurin und Theatermacherin, nicht durch die Ereignisse des Angriffskrieges auf die Ukraine bestimmt. Wahrscheinlich hat die Regisseurin schon vorher die Vorlage gewählt, nämlich das Buch von Swetlana Alexejewitsch, Zinkjungen Afghanistan und die Folgen. Doch Krieg bleibt Krieg, seine Zustände, Begleitumstände und Folgen sind ähnlich und so erleben wir ein einzigartiges Spektakel, für 90 eiskalte Minuten tauchen wir in die Absurdität des Krieges und seiner Grausamkeiten ein. Die Kälte der wunderschönen, doch nicht beheizten riesigen Vierung der Parochialkirche erinnert uns umso eindringlicher an das, was die Menschen in der Ukraine jetzt erleben: Kälte, Dunkelheit, Unsicherheit, Krieg, Detonationen, Sterben… Schrecken.

Der Reihe nach; am 19. 01. 2023 fand in der Parochialkirche in Berlin-Mitte die Premiere des Stücks Zinkjungen – Von schwarzen Tulpen und Zinksärgen statt. Das Konzept, die Auswahl der Texte und die Regie hat Elżbieta Bednarska besorgt, eine polnischstämmige Regisseurin. In Zinksärgen wurden die sterblichen Überreste der jungen russischen Soldaten, die im Afghanistankrieg gestorben waren, nach Hause gebracht; die Särge waren verschlossen, damit die Eltern nicht den entstellten Zustand der Leichen sehen konnten; sie wurden von den Schwarzen Tulpen, den Flugzeugen, „nach Hause“ gebracht, in die auseinanderfallende Sowjetunion, in der die Parolen des Kommunismus nichts mehr galten. Ihr Unglück war ein doppeltes: sie kehrten nicht als Helden zurück, der Krieg wurde nicht als großer Vaterländischer gefeiert, sondern sie wurden nur zu Opfern der Lüge und der Fehler gemacht. Den Eltern wurde eine Entschädigung in den damals gerade inflationären Rubel ausbezahlt, die auch bald nichts mehr Wert waren.

Zwar schreibt Alexejewitsch: „Es geht nicht darum, möglichst viel Schreckliches zu erzählen, das ist keine Literatur. Wichtig ist eine neue Perspektive“; doch ihre dokumentarische Erzählung, so nah am Kriegsgeschehen, bietet ein Bild des schrecklich sinnlosen Krieges, der für nichts und wieder nichts geführt wurde – dessen Opfer, die zu Tausenden gefallenen Soldaten, dann sehr schnell vergessen werden sollten. Ihre Stimme ist dreifach mächtig. Sie ist selbst dahin, also nach Afghanistan, gereist und hat darüber Tagebuch geführt; sie hat mit verschiedenen Soldaten gesprochen, nach der Rückkehr dann aber auch mit den Eltern, hauptsächlich Müttern. Es wurde sogar ein Gerichtsverfahren gegen ihre vorgeblich lügnerischen Berichte angestrengt; in einigen Anklagepunkten wurde sie schuldig gesprochen und sie musste für die Gerichtskosten aufkommen. Es entspann sich danach eine längere Diskussion darüber, was es denn eine „dokumentarische Erzählung“ im literarischen Sinn bedeutet, welchen Zwängen, Pflichten unterliege sie, aber auch welche Freiheiten bringt das Genre mit sich. Es gibt nämlich den Raum der Erkenntnis, dass jeder Angriffskrieg sich früher oder später als eine Lüge, als ein Unglück für die betroffen Menschen auf beiden Seiten entpuppt.

Die große stärke aller Inszenierungen von Bednarska sind die Orte, an denen sie stattfinden; immer ausgefallen, ungewöhnlich, bildstark, unterstreichen das Thema und verstärken den visuellen Charakter des Spektakels. Mir fielen im Vorraum der Kirche sofort der Totenschädel und das Skelett auf. Die Größe und die Pracht des leeren Raumes, der kreuzartig angelegt ist, mit einer riesigen Kuppel darüber, mit ganz schlichten freiliegenden Backsteinwänden eignet sich hier wunderbar. Bei der Kirche handelt es sich um den ältesten in Berlin reformierten Gemeindebau. Auf jeden Fall spielt der Raum mit und ist Teil der Aufführung. Auch die von Aljosa Dakic gestaltete Beleuchtung mit den Fresken, die auf das Gewölbe oben durch Handbewegungen immer neu projiziert werden – sich zwischen Helligkeit und Dunkelheit ständig verschiebende Sandmengen – spielen mit. Der Zuschauer muss sich immer wieder neu orientieren und konzentriert auf das Geschehen auf der riesigen Bühne reagieren. Diesmal wurden wir eigentlich auch sitzengelassen (was angesichts der Kälte fast eine „Zumutung“ war), wir konnten uns nur umdrehen und aufstehen, normalerweise (in anderen Aufführungen von Bednarska) wurden wir auf die Reise des Geschehens wortwörtlich mitgenommen. Die wunderbar gesungenen russischen, sowjetischen Lieder runden das Geschehen ab.

Mir ist besonders die junge Schauspielerin (Florentine Schara) auf den Rollschuhen aufgefallen, die mit Tempo und Bravour mit einer riesigen roten Fahne durch den Raum rast, zu pathetischer Musik; dieses Bild gibt dem ganzen Stück zusätzliche Dynamik, überzeugt auch mit symbolischer Kraft. Dem entgegengesetzt sind die fast in Zeitlupentempo vorgeführten Bewegungen der Soldaten auf der Bank; gelungenes Spiel mit den Gegensätzen.

Mir fehlten eindeutig die Särge, ich hätte sie in den Raum gestellt, sie sind so aussagekräftig. Die Schwarzen Tulpen haben wir richtig sehen können und ihre Landung beobachten. Die Texte von Swetlana Alexejewitsch sind für etliche Kriege repräsentativ; es reicht, das Wort Sowjetunion in Russland zu ändern – und dann passt der Text auch zu dem anderen, aktuell geführten Krieg. Diese Wahrheit über die Lügen des Krieges transportiert die Aufführung ganz klar und eindeutig.

Frauenblick: Bernardine Evaristo kontra Annie Ernaux

Monika Wrzosek-Müller

Jeder kämpft um seinen Platz in der Welt; selbst die bloße Existenz beweist das. Doch in der modernen, kapitalistischen Welt ist dieser Kampf zum Sinn des Lebens geworden. Manche haben mehr Kraft, Wut, Charisma, Talent, so dass sie sich an die Spitze durchkämpfen und sich da oben dann etablieren. Das Recht des Individuums auf Eigentum, auf seinen individuellen Weg ist festgeschrieben und das wird als Erfolg gefeiert. So wundert es niemanden, dass dieser Kampf und die Karriere wichtiger werden als das Leben mit den Mitmenschen, als die Moral – umso weniger, als die Kirchen immer weniger Zulauf haben und kaum jemand sich noch als gläubig bekennt und nach religiösen Geboten lebt.

Zunehmend kämpfen auch verschiedene Teilgruppen um ihre Rechte, wahrscheinlich zurecht. Nur, müssten wir nicht immer im Kopf behalten, dass mehr Platz für mich weniger Platz für andere bedeutet – was in den laufenden Auseinandersetzungen gar nicht beachtet wird.

Für mich interessant wird es, wenn solche Kämpfe in der Literatur ausgetragen werden, wenn die Literatur gar zur Waffe des Kampfs wird.

Der erste Satz in Annie Ernauxs Rede bei der Verleihung des Nobelpreises an sie klag nach erbittertem Kampf:

j`ai écrit pour venger ma race“ – „Ich habe geschrieben, um meine Rasse zu rächen“. Was meinte sie denn damit, sie, die weiße Tochter einer weißen christlichen Mittelklassefamilie in Frankreich. Es geht nicht um ethnische Herkunft auch wenig um das Geschlecht. Viel mehr meint sie ihre „Benachteiligung“ als eine, die nicht in die Elite der herrschenden und reichen hineingeboren wurde. Und letztendlich geht es um ihren persönlichen, eigenen Kampf um den persönlichen Aufstieg. So wie ich die Bücher unserer diesjährigen Nobelpreisträgerin verstanden habe (gelesen habe ich: „Die Jahre“, „Der Platz“, „Eine Frau“), hat sie tatsächlich für sich, für ihren Platz in der Welt, in der Literaturgeschichte geschrieben. Immer wieder über sich selbst, über ihre Eltern, ihre Mutter, ihren Vater berichtet – sachlich, wenig emotional, ausführlich, auch interessant, aber nur ihre Welt fand Eingang in die Beschreibung. Auch in der gut halbstündigen Rede drehte sich alles um ihr Schreiben, ihren Weg, ihre Suche nach der geeigneten Sprache, erst ganz zum Schluss kamen allgemeinere Aussagen über die Welt um sie herum. Mich macht immer wieder diese selbstbezogene Perspektive stutzig, die Welt ausschließlich durch die eigenen Augen, aber auch durch das Prisma der eigenen Interessen zu sehen, was bei manchen Autoren fast an Narzissmus grenzt; so bei Emmanuel Carrère in seinem Buch „Yoga“, bei dem ich völlig entsetzt war, da er gerade diesen Narzissmus als den yogischen Weg kennzeichnet, wo doch das Zügeln des eigenen Ego das Hauptziel des Yogaweges sein sollte. Ist das nicht ein bisschen dürftig für große Literatur, das ständige Kreisen um sich selbst…

Ein Gegenbeispiel bot mir das Buch von Bernardine Evaristo „Mädchen, Frau, etc.“. Auf 550 Seiten beschreibt sie Schicksale und Lebenswege von 12 britischen Frauen, die alle zu den „people of colour“ gehören. Ihre Lebensläufe sind miteinander verflochten und daraus resultiert für mich die Erkenntnis der Schriftstellerin: wir sind miteinander verbunden, wir leben nicht jeder für uns allein. Die geschilderten Umstände und Ereignisse werden auch durch autobiografische Tatsachen unterbaut und unterstützt. Wenn man sich die Interviews mit der Schriftstellerin anhört, erfährt man, wie viel Parallelen es zu ihrem eigenen Leben gibt; das macht das Buch so authentisch und kraftvoll.

Es ist durchaus ein feministisches Buch, es streitet für die Rechte der „coloured“ Frauen in England. Auch wenn Sätze fallen wie: „Feminismus ist doch voll Herdennummer, hat Yazz [die Tochter der Hauptheldin] ihr erklärt, ganz ehrlich, heute ist es sogar schon durch, noch eine Frau zu sein, neulich hat bei uns an der Uni diese nicht-binäre Aktivistenperson gesprochen, M M das war der mega Eye-Opener für mich, ich denke, in Zukunft sind wir irgendwann alle nicht-binär, weder männlich noch weiblich, was ja alles sowieso nur Genderperformance ist, und das heißt dann auch, Mumsy, dass deine Frauenpolitik überflüssig wird, abgesehen davon bin ich Humanistin, das spielt sich auf einer viel höheren Ebene ab als Feminismus
Hast du davon gehört?“

Das Buch dokumentiert fast auf ethnologische Art und Weise das Leben dieser 12 Frauen, in Gesprächen, Monologen stellen sich die Frauen vor. Sie stammen aus allen Teilen der Welt; das Einzige, was sie verbindet, ist ihre dunklere Hautfarbe und, daraus folgend, ihre komplizierten Schicksale, die irgendwie zusammenhängen. Die Schriftstellerin selbst wurde in London geboren, ihr Vater stammt aus Nigeria, die Mutter war englische Grundschullehrerin, sie studierte und war am Theater tätig, inzwischen lehrt sie kreatives Schreiben an der Londoner Universität. Über die Hauptheldin, die eindeutig die Züge der Autorin trägt: „sie widmete sich ganz der Mission, sich in schwarzer Geschichte, Kultur, Politik und Feminismus weiterzubilden, entdeckte die alternativen Buchläden von London…und stöberte dort stundenlang: Geld, um sich etwas zu kaufen hatte sie nicht, las aber Home girls: A Black Feminist Anthology von vorn bis hinten durch, im Stehen und in wöchentlichen Tranchen…
Die Buchhändlerinnen schien das nicht zu stören
Als ich schließlich an einer sehr konventionellen Schauspielschule genommen wurde, da war ich lange politisiert und stellte dort alles in Frage
Als einzige Nichtweiße der Schule…“

Das Buch liefert uns aber auch ein Panorama der Zeit; da die Frauen verschiedensten gesellschaftlichen Schichten angehören, aus unterschiedlichen Familien stammen, verschiedene Berufe ausüben, erfährt man, wie sich die Beziehungen mit der Zeit verändern, wie die Probleme sich vertiefen oder auch lösen. Es ist ein Roman, der etwas sehr Warmes, Menschliches an sich hat, er erinnert uns daran, was uns zusammenhält, was wichtig für das menschliche Zusammenleben ist. Mit Humor, wirklich oft witzig und augenzwinkernd, auf keinen Fall moralisierend, schlägt auch vor, die DNA zu untersuchen, um die eigenen Identitätsprobleme zu lösen:

„als das Testpaket eintraf, gab Penelope den Anweisungen gemäß eine Speichelprobe in das Teströhrchen, schickte es mit der Post zurück…
Jüdisch, das ging noch, aber nie im Leben hätte sie damit gerechnet, Afrika in ihrer DNA zu sehen, das war der größte Schock überhaupt, der Test hielt überhaupt keine Antworten bereit, er stellte sie vor lauter neue Fragen“

Überhaupt ist das Buch so undogmatisch und ohne jegliche Ansprüche, einer Ideologie folgen zu müssen, es zeigt die ganze Ambivalenz des Lebens in der modernen Welt.

Ich kann mir den Text sehr gut als ein Bühnenstück, vorstellen; vielleicht auf einige Episoden reduziert, aber mit dieser Wucht der Authentizität und des Gelebten, direkt vorgetragen, ohne sich in die Schablonen der gerade modernen Begriffe zwingen zu lassen.

„Dr. Roland Quartey, landesweit erster Professor für Modernes Leben an der University of London
Echt jetzt? Für das ganze moderne Leben, Dad? …‘
ist das nicht, na ja, ein bisschen sehr hoch gegriffen? Musst du dafür nicht eigentlich Experte für alles sein, in einer Welt mit über sieben Milliarden Menschen und, was weiß ich, zweihundert Ländern und mehreren Sprachen und Kulturen
ist das nicht mehr so Gottes Zuständigkeitsbereich? Sag bloß, du bist neuerdings Gott, Dad? Also, so ganz offiziell? …“

So und ähnlich laufen die Gespräche, es gibt aber auch einige episch erzählte Lebensläufe, die unkonventionell und einzigartig sind. Der Roman ist wirklich wert gelesen zu werden.

Frauenblick: Irgendeinen Zug nehmen

Monika Wrzosek-Müller

Wsiąść do pociągu byle jakiego
Nie dbać o bagaż
Nie dbać o bilet
Ściskając w ręku kamyk zielony
Patrzeć jak wszystko zostaje w tyle…

[Irgendeinen Zug nehmen, sich nicht ums Gepäck kümmern und nicht um eine Fahrkarte
In der Hand ein grünes Steinchen haltend, schauen wie alles zurückbleibt]

Als ich noch in Warschau Ende der siebziger Jahre dieses Lied von Maryla Rodowicz hörte, war mir eher der erste Satz des Reifrains wichtig, mit den Jahren gewinnt eher der letzte an Bedeutung. Gerade habe ich erfahren, dass die Verfasserin des Liedtexts, Magdalena Czaplińska einen Prozess gegen die Polnische Bahn (PKP) gewonnen hat. Die Bahn hat auf Plakaten mit dem Text geworben, ohne sich um die Rechte daran zu kümmern.

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Ich erkläre den Krieg

Monika Wrzosek-Müller

Als Kinder spielten wir ein Spiel, das mir jetzt, wahrscheinlich wegen des Krieges in der Ukraine, immer wieder in den Sinn kommt. In der Wohnsiedlung des Elektrotechnischen Instituts, wo mein Vater arbeitete und wir nebenan wohnten, lebten ganz viele Kinder in der unmittelbaren Nachbarschaft. Sie waren im gleichen Alter wie ich, die starken Nachkriegsjahrgänge machten sich bemerkbar; wir bildeten Banden, die untereinander rivalisierten. Die Häuser standen mitten im Wald, sie waren verschieden groß, zwei und vier-Stockwerke hohe Wohnblocks, darin lebten alle Mitarbeiter des Instituts, aus verschiedenen Berufsgruppen, also aus diversen gesellschaftlichen Schichten. Eigentlich nie in meinem verwickelten Leben später fühlte ich mich so wohl und sicher wie dort auf diesem Gelände; die Kinder konnten sich sehr frei und sehr geschützt bewegen, obwohl das Terrain sehr groß war; es gab nämlich einen Zaun rundherum, und die Eltern ließen uns stundenlang allein spielen. Wer dieses konkrete Spiel initiiert, mitgebracht hatte, weiß ich nicht mehr, doch wir spielten es immer wieder, mit den Namen diverser Länder, aber mit den gleichen Kindern, und der Ausgang, der blieb immer offen…

Das Spiel ging so: Ein großer Kreis wurde mit einem Stock auf der Erde oder mit Kreide auf der Straße gezogen. Damit der Kreis ordentlich aussah, stellte sich ein Kind in die Mitte und hielt mit ausgestreckten Armen ein anderes und drehte sich um eigene Achse; das andere zog mit dem Stock eine Linie auf dem Boden. Wenn wir ganz viele waren, mussten sich zwei Kinder an den Händen halten und das äußere Kind zog dann den Kreis. Das war gar nicht so einfach und wir versteiften uns darauf, einen schönen, gleichmäßigen Kreis hinzukriegen. Dann wurde der Kreis wie eine Torte oder eine Pizza (die wir aber damals nicht kannten) in so viele Stücke geteilt, wie es mitspielende Kinder gab. Die Kinder wählten sich Länder aus, die sie repräsentieren sollten aus, stellten sich an den Aussenrand ihres Stücks, mit dem Gesicht zur Mitte und schrieben die Kürzel für ihre Länder auf den Boden, z.B. P für Polen. Ein Kind lief außen um den Kreis herum, hielt ein Stock oder ein Steinchen und rief: „ich erkläre den Krieg, Pick, Pick gegen, erkläre den Krieg gegen, gegen, Pick, Pick, gegenz.B. gegen Polen“ und warf den Stock auf das Territorium mit dem Buchstaben P. In dem Moment liefen alle anderen schnell weg; das Kind aber, dem der Krieg erklärt worden war, musste ganz schnell den Stock aufheben und „Stopp“ schreien. Daraufhin sollten alle stehenbleiben und das Kind in der Mitte suchte die ihm am nächsten stehende Person aus und warf den Stock in deren Richtung; wenn es traf, durfte es sich von deren Territorium ein Stück abschneiden. Dafür aber durfte die Person, deren Territorium beschnitten worden war, jetzt den Krieg, also das Spiel anführen. Es gewann natürlich derjenige, der am Ende das meiste Territorium hatte. Oft dauerte es sehr lange und es wurde nicht immer ganz klar, wer letztendlich gewonnen hatte; die durcheinander geratenen Grenzen waren irgendwann nicht mehr erkennbar…

Das Spiel weckte große Emotionen. Nicht nur, dass manche Kinder Ländernamen wählten, die die anderen nicht kannten – Brasilien, Argentinien oder Bolivien waren mir damals (ich war vielleicht neun Jahre alt) völlig unbekannt. Sondern man erregte sich auch darüber, dass manche öfter drankamen als andere und deshalb gewannen. Oft spielten irgendwie doch die Jungs gegen die Mädchen, oder wir spielten gegen jemanden, den wir nicht mochten. Es gab auch unbeliebte Länder wie Deutschland oder Sowjetunion, obwohl ich mich nicht daran erinnern kann, dass jemand wirklich die Sowjetunion wählte. Sehr beliebt dagegen waren die USA und Frankreich. Oft endete das Spiel in einem richtigen Streit, die Verlierer wollten nie wieder mit dem Gewinner spielen.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, so erscheinen mir zwei Dinge dabei sehr prägnant und erstaunlich: es verblüfft mich, wie lange nach dem Krieg (ungefähr 20 Jahre), doch noch Krieg gespielt wurde, auch von den Mädchen, d.h. wie lebendig er auch in unserer Generation eigentlich noch war. Er dominierte offensichtlich unsere Wirklichkeit, war also im Familienleben immer weiter präsent. Je weniger man darüber sprach, je mehr über bestimmte Tatsachen geschwiegen wurde, desto präsenter waren sie für uns Kinder. Zweitens staune ich, wie klug und vielseitig so ein Spiel war, wir lernten neue Ländernamen kennen, wir mussten schnell reagieren, uns konzentrieren und miteinander kämpfen. Es weckte nicht immer ganz saubere Instinkte und wurde nicht immer ganz korrekt ausgetragen, doch das gehörte auch zum Leben. Überhaupt denke ich, dass das Ambiente eines freien, großen Geländes, eines riesigen Hofs, auf dem alle miteinander spielten, für unsere Entwicklung sehr hilfreich, prägend war.

Nicht zuletzt: Dass mir gerade dieses Spiel in der letzten Zeit in den Sinn gekommen ist, spricht Bände. Der Ukraine-Krieg hat uns in seinen Bann gezogen; wenn ich jetzt überlege, wie lange es dauern wird, bis das Gespenst des Krieges aus den Träumen und aus dem Leben der ukrainischen Kinder, der Mütter und der Väter (die aktiv daran teilnehmen) verschwindet; wie lange man in den bestimmten Denkweisen gefangen ist, die einen prägen, ohne dass man es will oder sich auch nur darüber im Klaren ist. Es braucht Generationen kluger Erziehung, um die Leute wirklich an den Frieden heranzuführen, und meistens bedarf es auch des Wohlstands, der Hoffnung auf bessere Zukunft; sonst sind die Bemühungen um den Frieden noch langwieriger und schwieriger.

Frauenblick auf Putinland

Monika Wrzosek-Müller

Putinland“ von Leonid Wolkow

Seit dem Krieg in der Ukraine versuche ich diese Aggression zu verstehen und nachzuvollziehen, wie es in Russland dazu kommen konnte, dass ein Mann, den man allgemein für eher vernünftig und eher westlich orientiert hielt, uns allen und vor allem den Ukrainern das antun konnte. Ich weiß, dass meine Mutter immer sagte (sie hat im Zweiten Weltkrieg 8 Jahre unfreiwillig in der Sowjetunion, im heutigen Kasachstan verbracht), die Russen seien eine sehr nette, für Musik und Mathematik begabte Nation, aber ungeheuerliche Chauvinisten. Das kann man schlecht als Erklärung für diese Tat stehen lassen und so lese ich rundherum, was in den Jahren in Russland passiert ist, in denen wir uns eher für alles andere interessiert haben. So kam ich auch zu diesem Buch.

Der Untertitel enthält schon eine Information über den Inhalt: Der imperiale Wahn, die russische Opposition und die Verblendung des Westens.

Die einzelnen Kapitelüberschriften geben weiteren Aufschluss:

  • Russlands „wilde Neunziger“
  • Die Errichtung der Machtvertikale
  • Widerstandsgeist und Protestbewegung
  • Bürgermeisterwahl in Moskau
  • Nach der Annexion der Krim
  • Nawalnys Präsidentschaftswahlkampf
  • Die Schlagkraft vernetzter Opposition
  • Der Giftanschlag
  • Russland überfällt die Ukraine
  • Medienmacht und Meinungsbildung
  • Angriffsziel Internet
  • Andersdenken verboten
  • Putins Oligarchen
  • Wir gehören zu Europa
  • Nach Putin: Szenarien und Hoffnungen

Der Autor Leonid Michailowitsch Wolkow, geb. 1980, war und ist ein Freund von Alexei Nawalny, für den er als IT- Experte den Wahlkampf und die Antikorruptionsstiftung organisiert hatte. Also repräsentiert er eine Stimme von innen, aus dem Bauch Russlands (er stammt aus Jekaterinburg), auch wenn er seit 2019 im Exil, in Wilna/Litauen, lebt und von dort aus die Entwicklung in Russland weiter begleitet. Das Buch wurde aus seinen Vorträgen innerhalb von drei Monaten zusammengeschrieben, das merkt man dem Text auch an, doch der Leser erfährt viel über die Entwicklung Russlands zu einer Diktatur. Nebenbei lesen wir über die oppositionelle Szene, wie sie sich entwickelte, wie sie funktionierte, was sie erreicht hat. Den Optimismus des Autors teile ich nicht, aber es ist für uns alle gut zu wissen, dass es organisierte oppositionelle Szene in Russland gibt. Wir, dabei denke ich an die Polen, wissen gut, wie lange und wie gut die Opposition damals vor der Solidarnosc-Zeit organisiert sein musste, wie viel Organisationstalent und Wissen über die Möglichkeiten des Kampfes, wieviel Ausdauer und Durchhaltevermögen es brauchte, um das Regime zu stürzen. Natürlich gab es damals kein Internet und keine entsprechenden Möglichkeiten der Vernetzung, das erleichtert jetzt vieles, vor allem die Kommunikation, ist aber nicht immer verlässlich. Der mögliche Follower brennt nicht immer wirklich und unbedingt für die Sache; ein Klick im Handy oder am Laptop bedeutet nicht, dass derjenige auch einen Beitrag leisten und entsprechend wählen geht, ganz zu schweigen von der Teilnahme an Demonstrationen und anderen Aktionen der Opposition.

Russland hat in den letzten Jahren einen massiven Ruck Richtung Mafiastaat vollzogen; Putin gleicht einem Mafiaboss und obwohl er am Anfang des Buchs als „kleine Leuchte“ beschrieben wird, konnte er dieses riesige Land total nach seiner Vorstellung umgestalten. Dasselbe erzählt in einem Interview Boris Bondarjew, ein russischer Diplomat, der sein Amt nach 20 Jahren niedergelegt hat, in der FAZ am Sonntag: „Er hat dieses Regime errichtet. Es fußt auf Korruption, und zwar auf allen Ebenen des Staates und der Gesellschaft. Alles ist auf ihn ausgerichtet. Er ist die Säule, die alles stützt. Keiner aus seinem Zirkel kann die gleiche Autorität ausüben. Ich bin mit Alexej Nawalny einer Meinung, dass man Russland als Mafiastaat beschreiben kann. Alles beruht auf informellen Beziehungen und Vereinbarungen. Ganze Ministerien oder föderale Behörden werden für Person geschaffen. Wenn Putin in den Ruhestand träte, wäre er seinem Nachfolger ausgeliefert. Er hätte keine Garantien für seine Sicherheit.“ Die Geschichte dazu erzählt das Buch; es geschah schrittweise, immer deutlicher wurden die Anzeichen, doch wir schauten nicht hin, wollten es nicht sehen. Noch klangen in unseren Ohren die verführerischen Worte wie Perestroika, Glasnost etc…, dass in Russland Gorbatschow ganz unbeliebt war, haben wir gar nicht bemerkt. Dann, als allmählich die Protestaktionen verboten wurden, später die Gouverneure nicht mehr gewählt, sondern von oben eingesetzt wurden, hat sich auch niemand besonders aufgeregt. Dann kamen die Morde an Journalisten, Politikern; die Giftanschläge und sogar die Besetzung der Krim verliefen für Putin glimpflich, das alles finden wir in dem Buch wieder. „Im Eiltempo verwandelte sich Russland von einem hybriden autoritären Regime in ein totalitäres Regime, von einer Pseudo-Demokratie in ein vollendetes faschistisches System.“ Der Schritt zum Krieg war dann ganz nah.

Der Autor liefert aber auch die Idee und den Aufbau der Organisation, die sich gegen Putin gestellt hatte; die Bildung der „Stäbe“ Nawalnys als Einheiten des Widerstands in ganz Russland und die Antikorruptionsstiftung: „Stellen wir uns die Pyramide als einen Eisberg vor, der im Meer schwimmt: die Spitze des Eisbergs ragt heraus, aber der allergrößte Teil der Eismasse befindet sich unter Wasser. Dem Kreml ist es in den vergangenen elf Jahren nicht gelungen die Protestbewegung in Russland zu vernichten.“ Aber auch horizontale Strukturen und Kommunikationsnetze wurden geschaffen, die viele Millionen Menschen verbinden.

Schön sind die Passagen über die Allmacht der Propaganda: „Der russische Fernsehzuschauer ist kein Idiot, er ist nur daran gewöhnt, in einem toxischen Informationsmilieu zu existieren. […] In der Sowjetunion gab es ein geflügeltes Wort: In der „Iswestija“ gibt es keine Wahrheit, in der „Prawda“ keine Nachrichten („Iswestija“ bedeutet Nachrichten, „Prawda“ Wahrheit- beides die wichtigsten Zeitungen Russlands). […] Und dass die neue Propaganda keinen Deut besser ist als die alte sowjetische, wissen sie auch. Das Problem ist, dass die Skrupellosigkeit und Maßlosigkeit der neuen russischen Propaganda ihr Vorstellungsvermögen schlicht übersteigt. Jeder Mensch kann nur so weit blicken, wie sein eigener Horizont reicht… Wenn heute dem russischen Fernsehzuschauer rund um die Uhr Horrorgeschichten von den blutrünstigen Nazis in der Ukraine erzählt werden, die Kinder bei lebendigem Leib auffressen, dann findet in seinem Kopf genau dieser Denkmechanismus statt. Natürlich glaubt er nicht wörtlich, was man ihm da erzählt, er weiß ja, dass er belogen wird, ein bisschen vielleicht, oder ein bisschen mehr, egal, aber doch nicht ganz und gar. Soviel er auch abzieht und herunterrechnet, am Ende bleibt ein kleiner Rest, den er glaubt. Er denkt, na gut, das mit dem Kinderfressen muss wohl stimmen, aber bestimmt nicht roh, wahrscheinlich werden sie sie vorher kochen oder wenigstens anbraten.“

Dem Ausblick in die Zukunft, die nach Putin kommen wird, widmet der Autor ein Kapitel: Szenarien und Hoffnungen. Die wichtigste Erkenntnis für mich war, dass der Putinismus Putin nicht überleben wird. „Das System, das Putin errichtet hat, kann er niemandem vererben, es ist absolut personalisiert.“ Also ist die erste Möglichkeit einer Veränderung der Tod des Diktators; es wird Kämpfe um seine Nachfolge geben, ein mögliches Interregnum auch. Ein anderes Szenario wäre ein Aufstand der Eliten, seiner Oligarchen, die nicht mehr genug verdienen, also eine Palastrevolution. Die dritte Möglichkeit ist der Massenprotest, wenn der Leidensdruck zu groß wird, zu viele Soldaten sterben, ihre Mütter es nicht mehr ertragen können. Das könnte in einen Bürgerkrieg ausufern, nur, was erlaubt uns bei all den schrecklichen Szenarien optimistisch zu bleiben? Um mit Nawalny zu sprechen, „to see the bigger picture“. Für den Autor bleibt der Ukrainekrieg nicht nur ein Horror, er hat neue und einzigartige Wege eröffnet zur Lösung von alten Problemen. Der Wandel Russlands zu einer Demokratie ist durch den Krieg viel realistischer geworden. Denn es muss eine Reinigung und Neuausrichtung des Landes geben, die Aufarbeitung und Aufklärung aller Verbrechen. Russland muss seine Lektion lernen, es gibt keine andere Option und das berechtigt uns zum Optimismus. Wichtig erscheint auch dem Autor, wie die Ära Putin endet; am besten wäre, wenn er vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Hag gestellt werden könnte, dann kämen alle seine Verbrechen und Taten ans Licht, es könnte sich kein Mythos des großen russischen Helden bilden.

Leider befinden wir uns heutzutage immer noch nicht an diesem Punkt der Geschichte und viele Menschen in der Ukraine sterben, die Städte werden bombardiert und irgendwie weiß niemand, wo, wann und wie diese Geschichte enden wird.

Brandenburg-Ticket

Nachdem wir ein Sommer lang mit dem 9-Euro-Ticket gafahren sind, beginnen wir alte Reisemöglichkeiten wieder zu entdecken. Brandenburg-Ticket für 33 Euro, 5 Personen und einen Tag gilt als schöne Neuigkeit.

Monika Wrzosek-Müller

Bericht über einen Ausflug nach Stettin

Sie wurde am 6. 10. um 6.30 Uhr von einem schrillen Ton geweckt; erst einmal wusste sie nicht, was los war: warum, wieso, um diese Uhrzeit, noch im Dunkeln, völlig in der Nacht. Allmählich klärte sich alles im Kopf, ja das war ihr neues Handy und es klingelte zum ersten Mal, kein Wunder, dass sie den Klingelton nicht kannte. Dann sprang sie schnell aus dem Bett, der Ausflug nach Stettin stand an. Jetzt musste sie sich leise anziehen, Zähne putzen und zur S-Bahn laufen. Es war ihr gar nicht klar, dass es um diese Uhrzeit noch so dunkel ist. Die S-Bahn war voll und allmählich wurde es heller. Auf dem Bahnsteig trafen sich alle Ausflugsteilnehmer, das Brandenburg-Ticket sollte sie auch bis nach Stettin bringen, sie traten als Gruppe auf.

Die Fahrt ging abenteuerlich weiter, man wurde gezwungen, auf verschiedene Verkehrsmittel auszuweichen, obwohl man eigentlich die Bahn benutzte; zwischen Angermünde und Passow gab es Schienenersatzverkehr, es wurde ein alter, ratternder Bus gestellt (alle Zugreisenden sollten in diesem einen Bus Platz finden), zum Glück waren schon in der Regionalbahn wenig Menschen und alle sprachen Polnisch. Wir fuhren mit dem Bus durch ausgedehnte Felder, auf denen noch schwarz verbrannte Sonnenblumen standen. Die Bahnstationen existierten so gut wie gar nicht mehr, sie waren im letzten Stadium des Verfalls, die Fenster verrammelt, keine Information, nichts.

Dafür begrüßte sie Stettin mit einem neuen, völlig unscheinbaren Bahnhof. Früher waren die Bahnhöfe Repräsentationsbauten, jetzt verschwanden sie zwischen den anderen Gebäuden. Doch es war gemütlich, sich in ein schickes, neues Bahnhofscafé zu setzten, zwar mit einer Dekoration für die im letzten Jahr ausgefallene Silvesterfeier, doch mit bequemen Sesseln und guter Bedienung. Nach längeren Querelen wegen des Bezahlens konnten alle das Café verlassen und wir fuhren Richtung Stettiner Westend. Zwei Brüder der Familie Quistorp, Johannes und Heinrich, haben damit den nachfolgenden Generationen gezeigt, wie man leben kann; mit prächtigsten Villen und einer Pflegeeinrichtung Bethanien. Johannes realisierte dies in Stettin, Heinrich in Berlin. Wir besichtigten eine wirklich fantastisch restaurierte, opulente, dekadente und manieristische Villa der Familie Lentz. Später wollten wir noch nachschauen, ob aus dem Anlass des 200. Geburtstags das Grab von Johannes Quistorp wieder hergerichtet worden war; leider standen wir vor einem völlig zerstörten, inexistenten Friedhof.

Sie musste immer wieder an die Polen denken, die nach dem Krieg aus den östlichen Gebieten hierherkamen, sie sah vor sich diese alten, damals zerstörten Reichtümer, die Prachtbauten, die ihnen völlig fremd waren, den Backstein, die riesigen Kirchen, das Schloss. Wie ging es ihnen, was fühlten sie, konnten sie darin leben? natürlich fragte sie damals keiner danach.

Die Quistorpsche Auenanlage mit alten Platanen auf beiden Seiten und riesigen Rasenflächen weckte ihre tiefe Bewunderung; am Ende standen die alten Amtsgebäude (der Stadtverwaltung), die etwas überdimensioniert waren, aber gut und sehr aufwendig restauriert. Im Eilgang ging es dann zu den Hakenterrassen am Oderufer, vorbei an dem Nationalmuseum und einer Marinehochschule, dem alten Rathaus, einem schönen Marktplatz mit einigen gut restaurierten Bürgerhäusern, dem Renaissanceschloss der Pommerschen Herzöge, der riesigen Jakobskathedrale zurück zu dem sehr bescheidenen Bahnhof, der aber mit allem lebenswichtigen Komfort (einem WC mit Meeresrauschen) ausgestattet war.

Die Rückreise verlief wiederum abenteuerlich, mit zwei Mal umsteigen (doch diesmal schon in gewohnter Manier) und einer Busfahrt nach Berlin. Wir sind wieder im Dunkeln angekommen, pünktlich, glücklich und zufrieden; das Wetter hat mitgespielt.


Und zum Abschluß:

Foto: Monika

Frauenblick: Pflaumenregen

Monika Wrzosek-Müller

Pflaumenregen von Stephan Thome

Das Buch sollte mir eine Atem- oder eher Denkpause bei meinen obsessiven Gedankengängen über den Ukrainekrieg bieten und auch davon ablenken. Es erzählt von Taiwan, es erzählt ausführlich und gut über die Insel, über ihre Geschichte, über die Menschen, die dort leben.

Ich wusste vorher eigentlich so gut wie nichts darüber; geografisch wohl schon – dass die Insel nahe an China, aber auch nicht sehr weit entfernt von den südlichen Inseln Japans liegt und bergig ist; dagegen über ihr Schicksal und die geschichtlichen Verwicklungen wirklich sehr wenig. Leider gehört die Insel, wie die östlichen Staaten von Europa zu den Grenzländern; d.h. Appetit auf ihr Territorium gab es im Geschichtsrad der Jahrhunderte auf vielen Seiten.

Trotzdem oder gerade deswegen ist Taiwan eigentlich immer wieder im Zentrum der zeitgenössischen politischen Auseinandersetzungen. Unlängst sorgte die amerikanische Abgeordnete der Demokraten und Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi durch ihren Besuch in Taiwan für Schlagzeilen. Als Reaktion darauf startete China militärische Manöver rund um die Insel und bekräftigte seinen Besitzanspruch auf die Insel. Dasselbe passierte jetzt wieder, als eine Delegation deutscher Abgeordneter nach Taipeh reiste. So gesehen ist das Thema Taiwan höchst aktuell, brisant und könnte in diesem Sinn dem Problem Ukraine nahekommen.

Wenn wir noch sehen, dass der Autor ein deutscher Sinologe und Wissenschaftler ist, der schon seit 12 Jahren dort lebt und eine taiwanische Frau hat, fassen wir Vertrauen, dass dies nicht nur ein literarisch wirklich gelungener Familienroman ist, sondern dieser auch auf solidem historischen Wissen beruht. Der Autor erläutert, dass er viele der Schauplätze selbst aufgesucht hat; es gibt sie wirklich. Über die Ereignisse in der Zeit um 1940 musste er gründlich recherchieren; er arbeitete ungefähr drei Jahre an dem Projekt. Der Roman handelt von der Geschichte einer Familie in drei Generationen; in dieser Zeit änderten sich die Machtverhältnisse in Taiwan dreimal. Dankenswerter Weise bietet der Autor dem unkundigen Leser vorab eine Art Einführung in die Geschichte der Insel.

„In den Jahren 1894/95 führten das chinesische und das japanische Kaiserreich einen Krieg, der die Kräfteverhältnisse in Ostasien von Grund auf neue ordnete. China verlor und musste seine Provinz Taiwan als Kolonie an den Sieger abtreten. Zunächst lebten die Inselbewohner in einer Art Apartheid avant la lettre, aber mit der Zeit entstand eine einheimische Mittelschicht, die sich in ihren Lebensgewohnheiten kaum von den Kolonialherren unterschied, obwohl sie diesen niemals gleichgestellt war. Nach dem Ausbruch des Pazifischen Kriegs wurde die Tendenz zur Assimilierung vonseiten Japans noch verstärkt. Viele junge Taiwaner, insbesondere Angehörige der indigenen Bevölkerung, kamen als japanische Soldaten ums Leben. 1945 fiel Taiwan zurück an die chinesischen Nationalisten (Kuomintang oder KMT) unter Generalissimus Chiang Kaishek. Diese hatten acht Jahre lang gegen Japan gekämpft und reagierten mit Abscheu auf die japanisierte Lebensweise ihrer vermeintlichen Landsleute. Umgekehrt führte ihr aggressives Auftreten zu Widerstand, der sich im Frühjahr 1947 gewaltsam entlud und anschließend grausam niedergeschlagen wurde: durch willkürliche Verhaftungen und Exekutionen, die als `März-Massaker`, später mit dem Kürzel 228 (für 28. Februar, den Beginn der Unruhen) bezeichnet wurden. Nach der Niederlage gegen Chinas Kommunisten zog sich die KMT 1949 ganz nach Taiwan zurück und verwandelte die Insel in einen autoritären Polizeistaat. Das Kriegsrecht wurde erst 1987 aufgehoben. 1996 fanden erstmals freie Präsidentschaftswahlen statt. Heute ist Taiwan eine ebenso lebendige wie gefährdete Demokratie, denn das Regime in Peking betrachtet die Insel – die nie zur Volksrepublik gehört hat – als einen Teil seines Staatsgebiets und strebt eine notfalls gewaltsame Vereinigung an. In Taiwan will das so gut wie niemand.“

Wir lernen die Hauptheldin, die junge Umeko mit 8 Jahren kennen, als sie noch in die japanische Schule geht, als Tochter einer taiwanischen Mittelschichtsfamilie, die sich mit der japanischen Okkupation arrangiert hat. Das Leben ist sehr geregelt, die Kinder tragen Uniformen, alles scheint voranzuschreiten ohne größere Probleme. Ihr Bruder Keiji spielt hervorragend Baseball und wird deshalb in eine weiterführende japanische Schule aufgenommen; für gebürtige Taiwaner ein besonderes Privileg. Doch aus den Äußerungen der Zuschauer bei einem Baseball-Spiel im Stadion lernen wir, wie die Einstellung der taiwanischen Bevölkerung zu den Japanern ist: „Jemand rief auf Taiwanisch: – Los geht´s! Zeigt es den arroganten Japsen!“ Aber die junge Umeko hat eine japanische Lieblingslehrerin und träumt von einer Reise nach Kyoto; doch schon bald wird sie gezwungen ihren japanischen Namen zu ändern und sich Hsiao Mei nennen zu lassen – nach der Landung der Festlandslandchinesen; zum Schluss erleben wir sie als alte Dame, die einen Sohn namens Harry und einen chinesischen Ehemann hat, und sich in einem sehr sorgfältig arrangierten Leben bewegt. Ihr Sohn lebt inzwischen in Amerika und besucht seinerseits die Insel mit seinem Sohn.

Er reflektiert über die Mutter: „Als Kind war sie angeblich ein unbändiges Plappermaul, […] Die stolze Japanerin, die sie einmal gewesen ist, kann er sich bis heute schwer vorstellen, obwohl Onkel Keiji ihm vor seinem Tod alte Briefe gegeben hat, deren früheste noch aus der Kriegszeit stammen. Wenn einer was damit anfangen kann, dann du, meinte er – inzwischen glaubt er das selbst. Die kleine Umeko war seinerzeit zu jung, um die Kräfte zu verstehen, die ihre vertraute Welt bald zerstören sollten. Erst kamen britische Kriegsgefangene, dann amerikanische Bomber, später die Festländer mit Gewehren im Anschlag. Schon in jungen Jahren muss ihr klargeworden sein – klargemacht worden sein -, wie gefährlich es ist, im falschen Moment den Mund zu öffnen. Darüber sprechen mag sie noch immer nicht. Dinge passieren eben, pflegt sie zu sagen, wenn er nachbohrt. Sicher ist nur, sie hat ihre Lektion gelernt.“

Vielleicht ist die Bezeichnung Hauptheldin auch nicht richtig, denn der Autor gibt uns ein Kaleidoskop von Figuren, Personen, an Hand derer wir die Geschicke des Landes erfahren. Dabei spielen vielleicht die Fragen: wie verhält es sich mit der persönlichen und der nationalen Identität, was bringt die Menschen zusammen, was trennt sie, wo spielen sie mit, wie arrangieren sie sich, wann gehen sie auf die Barrikaden, eine wichtigere Rolle, als die Ereignisse selbst. Obwohl wir so viel über die Geschichte der Insel erfahren, wirken die darin agierenden Helden nicht schemenhaft, sie sind voller Leben und Emotionen, sie wirken authentisch und stark. Vielleicht hilft dabei der ständige Wechsel der Perspektiven und der Narration; die Einschnitte zwischen der Vergangenheit und Gegenwart lassen den Erzählstrom sich nicht nur auf die geschichtliche Chronologie konzentrieren, sondern heben auch die einzelnen Charaktere und Persönlichkeiten hervor, dadurch gewinnt ihr Leben an Buntheit aber auch an Bedeutung und Echtheit; wie ein großer Fächer breitet, öffnet sich das Panorama des Lebens dort.

„Allmählich erwacht die Stadt zum Leben. Im Fenster steht ein farbloser Himmel, der sich für später alle Optionen offenhält. Bevor die Konflikte eskalierten, hatte seine Mutter eine Weile im Haus des Großvaters gelebt, den Harry nur von einer Handvoll alter Fotos kennt. Ein konfuzianischer Gelehrter, der in der Qing-Zeit aufgewachsen war, als die Japaner alle chinesischen Schulen schlossen, auch seine. Den Tempeln seiner Stadt spendete er viel Geld und scheint ein weithin respektierter Mann gewesen zu sein, der an den Sitten einer untergehenden Welt festhielt. Seine Frau hatte gebundene Füße. Manche in der Familie nannten sie schweigsam, andere behaupteten, sie sei ganz und gar stumm gewesen. So oder so, Frauen hatten nichts zu sagen. Von Jinguashi nach Keelung war es bloß ein Katzensprung, aber für die elfjährige Umeko – und nicht nur für sie – muss es sich angefühlt haben, als wäre sie in ein fremdes Land verbannt worden“.

Gut, dass ein sensibler Schriftsteller den Geschichten der Einheimischen so aufmerksam zuhören konnte und sie dann aufgeschrieben, festgehalten hat. Er versteht es auch bestens, dem westlichen, dem europäischen Leser dieses komplizierte, verwinkelte Leben zu veranschaulichen, eine besondere Poetik hineineinzubringen, es für uns schmackhaft zu machen. Die Beschreibungen der Natur auf der Insel, mit den hohen Bergen, das Meer mit dem Wellengang, der Himmel mal mit tiefen Regenwolken, mal stahlblau, die Blüten, all die Pflanzen, die Bäume und der Bambus überall spielen eine genauso wichtige Rolle wie die darin agierenden Menschen, sie tragen die Stimmung und unterstreichen die Emotionen. Das Leben auf der Insel scheint einem nie einfach gewesen zu sein, eher sehr aufgeladen und ungewöhnlich, in all den Veränderungen und Umstellungen. In dem Roman geht es um eine Familie, doch man hat den Eindruck, alles wäre miteinander verknüpft, verwickelt, keine Geschichte wäre eindeutig und klar, überall würden Geheimnisse und Zugeständnisse an das eigene Leben, an das Leben mit der Familie, an die Politik warten, alles würde eine Kette, eine sich weiterdrehende Spirale des Lebens bilden. Man könnte sagen, eben das Leben pur.

Das Buch endet mit dem Titel: „Am Himmel ballen sich dichte Wolken, Wind fährt durch die Bäume und auf einmal klingt das Rauschen der Blätter, als fiele leicht und leise der Pflaumenregen“.

Frauenblick oder…

Monika Wrzosek-Müller

…nochmal über Emmanuel Carrère

An mir nagt das Gefühl, jemandem Unrecht getan zu haben. Ich habe Emmanuel Carrères Buch Yoga hier zerrissen, ohne mich über seine anderen Werke und über seine Person gründlicher informiert zu haben. So fühle ich mich verpflichtet, seine außergewöhnliche Biographie eines russischen – ja nun, wie soll man sagen – Schriftstellers, Terroristen, auf jeden Fall eines Typen, der alle Grenzen überschritt, die Begriffe aufmischte, sein Leben immer wieder neu erfand und in den jeweiligen Rollen auch exzellent auftrat, eher eines Delinquenten als Dissidenten, nämlich über Eduard Limonow, zu würdigen und zu empfehlen. Es geht hier um Eduard Venjaminowitsch Sawenko, der sich selbst Limonow nannte, geb. 1943 in der Ukraine, in der Nähe von Charkiw, gest., 2020 in Moskau.

Natürlich gewinnt die Biografie jetzt, nach dem brutalen Angriff Russlands auf die Ukraine, eine besondere Aktualität und Scharfsicht. Hätten wir mehr solche Bücher gelesen, dann wüsten wir besser über Russland, über die Zerrissenheit der Einwohner dieses riesigen Landes, über ihre Gefühls- und Emotionslage Bescheid. Dass sie die Perestroika und Glasnost nicht immer begrüßt haben und dass es oft im Innern kochte und Widerstände gab.

Für mich ist faszinierend, wie nah der Autor eigentlich seinem Helden ist: ähnlich egozentrisch und auf sich fixiert. Das ist auch, was ihn an der Figur, an dem Menschen Limonow fesselt. Auch die Tatsache, dass er in seinen fast ausschließlich autobiografischen Büchern „ehrlich bis zur Ekstase“ ist. Da ähneln sich die beiden Helden sehr, doch lebt Carrère seine Sehnsüchte und Träume nicht so exzessiv aus. Als Sohn einer französischen, aber russischstämmigen Historikerin, Helene Carrère d´Encausse, die als eine der ersten den Untergang und Zerfall der Sowjetunion vorhersagte, hatte er schon einen besonderen Zugang zu dem Land. Limonow selbst traf er in den 80er Jahren auch persönlich in Paris; der Autor, als junger Spund, nahm damals alles in sich auf – das intellektuelle Leben der französischen Elite; das Sich-Treffen, Mischen, Austauschen, Feiern. Über den Limonow jener Tage schreibt er: „Die Freiheit seines ganzen Auftretens und seine abenteuerliche Vergangenheit imponierten uns jungen Bürgerlichen. […] Er liebte Prügeleien und hatte unglaublichen Erfolg bei Frauen.“ Der Held des Buchs, Limonow, damals in Paris gefeierter Skandalautor, gerade aus New York angekommen, und sein Buch Fuck off, Amerika, gerade auf Französisch erschienen. Ich denke, das ist auch das, was das Buch so lebendig und unterhaltsam macht. Der Autor schwankt bei der Figur zwischen Begeisterung und Ekel, sie zieht ihn an und stößt ab; er beschreibt dabei auch manchmal sich selbst, und während wir das lesen, unterliegen wir auch diesen Schwankungen, das macht auf jeden Fall den Text authentisch und überaus spannend.

Erst viel später, 2007, fährt Carrère nach Moskau, um eine Reportage über Limonow zu machen; er trifft jetzt viele Oppositionelle, die erstaunlich positiv über Limonow sprechen: „Er ist mutig!“, das ist der Tenor. Deswegen fängt auch die Biografie damit an, dass er mit den Leuten um Anna Politkowskaja sprechen will, um die Umstände ihres Todes aufzuklären, und wir lernen eine breite Szene von Moskauer Menschenrechtsaktivisten kennen; da tummelt sich dann auch der ihm schon bekannte Limonow. Schön ist auch das Eingeständnis des Autors, dass sein Held in keine eindeutige Beschreibung passt und dass „sein new wave-artiges Dissidententum erfrischend war“; er schreibt die Biografie auch anhand von dessen Büchern, interviewt ihn eigentlich nie. Er sammelt Informationen über ihn von anderen Menschen, er führte mit über dreißig Personen Gespräche über Limonow.

Der Lebenslauf des inzwischen verstorbenen Helden liest sich wie ein Krimi und ist wirklich voller Überraschungen und Wenden, die eigentlich nicht in ein „normales“ Leben reinpassen, so prall ist es gefüllt. Geboren wurde also er irgendwo in der Nähe von Charkiw; da schon als herumlungernder Poet aufgefallen, geht er nach Moskau, wo er eigentlich studieren will, aber hauptsächlich rebelliert, für Bekannte aus der Szene Hosen schneidert und gut lebt. Dann wird er 1974 aus der UdSSR ausgewiesen, heiratet ein Model und geht zusammen mit ihr nach Amerika, wo er hofft, eine große Kariere zu machen. Er gerät aber in Umstände, die alles andere als rosig sind und die er dann in dem Buch It´s Me, Eddie (auf Deutsch ziemlich schräg übersetzt als Fuck off, Amerika) beschreibt; er wird zum Dissidenten gegen das Dissidententum. So verhält er sich aber sein Leben lang. Mit seinem Buch landet er in Paris und wird dort gefeiert, kann in den besten Zeitschriften und Verlagen veröffentlichen; aber dieses bequeme bürgerlich-intellektuelle Leben passt ihm nicht und so verschwindet er dann wieder nach Moskau, wo nach dem Zusammenbruch des Kommunismus „die Dinge in eine seltsame Richtung zu laufen begannen“. Er verschwindet auf den Balkan, wo er an der Seite von Radovan Karadzic (wie der bekannte polnische Filmregisseur Pawel Pawlikowski in einem Dokumentarfilm „Serbisches Epos“ gezeigt hat), eindeutig für die Serben optiert und sogar auf Menschen im belagerten Sarajevo schießt. Entsprechend setzt er sich später für die Tschetschenen ein, dann in Abchasien gegen die Georgier, und letztendlich wird er 2001 verhaftet und verbringt einige Jahre im Gefängnis, die er auch produktiv nutzt – wo er Bücher schreibt und meditieren lernt. Dazwischen gründet er die Nationalbolschewistische Partei, gibt die Zeitschrift „Limonka“ – die Handgranate – heraus. Er umgibt sich zunächst mit Punks, dann mit faschistoiden Typen, Elementen, die mit kahlrasierten Schädeln und schwarzer Kleidung mit erhobenem Arm, oder aber auch geschlossenen Faust skandierend durch die Straßen Moskaus ziehen. Das alles tut er aber sozusagen augenzwinkernd; gleichzeitig verbandelt er sich auch mit Garri Kasparow und Boris Nemtsow gegen Putin, organisiert sogar „Märsche der Dissidenten“; auf jeden Fall ist er immer ein Star und starker Typ, immer umgeben von Frauen, immer ein Extremist, nie in Ruhe, auch nicht in der Abgeschiedenheit, in der tiefsten Provinz. Er meint, Krieg sei ein existenzielles literarisches Erlebnis und Extremismus seine persönliche Wahrhaftigkeit.

Das Buch erzählt von Limonow, aber auch von Russland und von dem Autor selbst, von dem Durcheinander und der Schnelligkeit der Ereignisse, die diese Zeit bestimmt haben, von den Wechselwirkung des Schicksals einer Persönlichkeit mit den Geschehnissen rundherum, und da sich das so leicht und beschwingt liest, meint man manchmal, es könnte erfunden sein. Am Schluss des Buches sprechen Carrère und Limonow doch direkt miteinander. Limonow: „Ich liebe den Irrsinn. Mein ganzes Leben beweist das. Ich kultiviere nicht Logik, sondern Ekstase. Meine morbiden Empfindungen verschaffen mir Freude“; da kommt es Carrère die Einsicht: „Ich denke, er könnte eine Art Guru in Zentralasien werden“.

Frauenblick: Meine Ukrainerinnen

Monika Wrzosek-Müller

Wenn ich mir vorstelle, Polen würde von Russland überfallen, kriege ich richtig Gänsehaut. Die Vorstellung ist aber nicht so absurd, abstrakt und von der Hand zu weisen. Wäre nicht Ukraine ein unabhängiger Staat, der dazwischen, wirklich geografisch existiert, wer weiß, wen es mit Putins imperialen Wahnvorstellungen getroffen hätte. Außerdem, damals als wir die Solidarność gründeten und demonstrierten, wussten wir auch nicht, was als nächstes passieren würde.

Desto mehr macht mich das Schicksal Tausender, nein inzwischen Millionen ukrainischen Flüchtlinge, hauptsächlich Frauen mit Kindern, betroffen. Sie sind in ihrer Wahrnehmung der Situation für kurze Zeit geflohen, langsam aber nach ca. 180 Tagen, also 6 Monaten des Krieges, wird ihnen allmählich klar, dass der Krieg vielleicht noch Jahre dauern könnte. Desto mehr höre ich denen, die ich kenne immer wieder zu, versuche mich mit ihnen zu treffen, beobachte die jungen Frauen mit ihren Kindern im Park, in der U- und S-Bahn, halte den Kontakt zu den Frauen in Warschau aufrecht.

Die jungen Frauen auf dem Foto sehen ganz unterschiedlich aus: die eine mit langen dunklen Haaren umarmt ein ca. 2-jähriges hellblondes Kind, dazwischen zwängt sich ein älterer Junge mit dunklen Haaren und dunklen Augen, sie schauen direkt in die Kamera, dann hinter ihnen zwängt sich noch ein Gesicht einer jungen Frau mit langen dunklen Haaren, von ihr sieht man eigentlich kaum was, sie schaut auch irgendwie in die Ferne. Seitlich, am Bildrand steht eine junge Frau mit helleren Haaren und einem schönen Gesicht mit markanten Backenknochen, sie ist grazil, um nicht zu sagen dünn, sie schaut nach oben, würde ich sagen Richtung Lampe, Decke. Neben ihr sitzt ein Junge mit strohblondem, vollem Haar, der schaut Richtung Boden, so dass das Haar ihm das Gesicht verdeckt. Hinten stehen noch zwei Frauen, eine hält ein Baby im Arm, hat ein grades Pony und langes mittelblondes Haar auch eher helle Augen, die andere ist auffällig schöne, reife Frau mit dunklem schulterlangem Haar und ovalem, offenem Gesicht. Alle tragen lange Hosen, man kann schwer erkennen, sind das Jeans oder eher Stoffhosen und Pullover, manch eine hat auch eine Bluse drunter, das sieht man am herausragenden Kragen, der eher heller als der Pullover ist. Hinter ihnen ragt ein altes Regal, vollgestopft mit Büchern, sie sitzen auf einem ausgezogenen, großen Sofa; eine Momentaufnahme, Warschau, dem 28. 02. 22.

Von diesen vier Frauen in einer Dreizimmerwohnung von ca. 60 m² in Warschau sind nur die eine Frau mit schönem ovalem Gesicht, nennen wir sie Natascha, in der Wohnung mit ihren zwei kleinen Söhnen geblieben; die Jungs gehen in meine alte Schule, sprechen inzwischen sehr gut polnisch und lernen fleißig. Ihre Zeugnisse waren voll von Einsern und der ältere bekam sogar ein Buch für seine besondere Leistungen. Beide Kindern nahmen im Sommer an einem fünf Woche langem Sommerlager teil, der in Warschau stattfand und sie gingen und machten jeden Tag verschiedene Aktivitäten. Es waren 30 Kinder angemeldet, 24-26 kamen regelmäßig, sie sprachen alle polnisch untereinander. Die Mutter besucht einen Polnisch-Kurs und als ausgebildete Krankenschwester wird sie bestimmt eine Stelle bekommen können. Die Familie kann sich glücklich schätzen, denn ihr Mann und Vater war bei der Invasion auf die Ukraine nicht im Land, er arbeitet als Fernfahrer für ein deutsches Unternehmen, also er ist weiterhin beschäftigt, bekommt Geld und muss nicht kämpfen. Die Frau hatte Gewissensbisse, dass sie so privilegiert wären. Die Familie lebte, also meistens die Frau mit den Kindern, in der Nähe von Saporischschja, in einem großen Haus mit Garten. Sie kann sich gut vorstellen, in Polen zu bleiben, in Warschau auch nach der Beendigung des Krieges zu leben.

Eine junge Frau mit dunklen Haaren und schönem ebenmäßigen Gesicht, nennen wir sie Daria, war nach einiger Zeit in Warschau zurück in die Ukraine gegangen; sie wollte ein Visum für Kanada besorgen und zu ihrem Freund aufbrechen. Sie war angeblich englisch Lehrerin, doch mir ist nie gelungen mit ihr nur einen Satz, ein Wort in irgendwelcher Sprache zu wechseln. Sie war sehr scheu und stand immer hinter jemanden. Doch ich weiß, dass sie das Visum bekommen hat und nach Kanada gegangen ist.

Eine Besondere Geschichte gilt der Frau mit dem Pony, die mit dem Baby und dem Jungen mit dem Gesicht nach unten; sie wurden von den anderen auf dem Bahnhof in Lemberg gefunden. Sie logierten dort schon drei Tage und wussten nicht weiter. Am Anfang wurde sie mir vorgestellt als Freundin der Freundin des Bruders der Mutter, doch es stellte sich nach einigen Tagen heraus, dass sie sie gar nicht kannten. Von ihr habe ich nicht einmal den Namen behalten, ich glaube, sie hat sich schon vorgestellt, aber in allgemeiner Aufregung und so vielen neuen Menschen, ist er mir entfallen. Nach einigen Wochen fanden die anderen eine andere Bleibe für sie.

Dann ist da noch diese schöne grazile, junge Frau, nennen wir sie Natalia, die dann letztendlich von Warschau nach Posen umgezogen ist. Sie hat eine neue Arbeitsstelle dort gefunden, wollte der Familie mit den zwei Jungen nicht im Wege stehen. Doch zusammen auf so einem kleinen Raum konnten sie längere Zeit auch nicht aushalten. Sie berichtet mir, dass sie sich in Posen eingelebt hat und ihr die Stadt sogar besser gefällt und sie mehr verdient. Sie kann inzwischen sehr gut Polnisch sprechen und schreiben. Sie wirkt aber trotzdem sehr verloren und einsam. Ihr Vater ist in Kiew als emeritierter Polizist für die Stadtverteidigung der Bodenkräfte zugeteilt, auch ihr Bruder ist in der Ukraine, doch wegen seiner Krankheit nicht einsatzfähig. Ihre ältere Schwester lebt schon länger mit ihrem Mann und zwei Kindern in Slowenien, wo auch ihre Mutter Unterschlupf gefunden hat und sie ständig anruft und androht, nach Hause fahren zu wollen. Sie lebten früher alle zusammen in Krywyj Rih, das sagt sie auch mit Stolz, denn das ist die Stadt aus der ihr Präsident Selenskyj stammt. Er besuchte angeblich auch dieselbe Oberschule, wie sie. Sie hat auch Probleme damit, dass es ihr verhältnismäßig gut geht und telefoniert ständig mit ihren Verwandten.

Letztendlich gibt es eine junge Mutter, nennen wir sie Sonja, auch hier in Berlin, die ich kennengelernt habe. Sie ist aus Butscha geflüchtet, noch vor den grausamen Zuständen, die dort von den Russen verübt worden sind. Doch ihr Mann ist dahin zurückgekehrt und schickt ihr Videos von der Stadt mit allen Zerstörungen und Gräuel, die dort passiert sind. Sie hat bei einer Bewohnerin in meiner Wohnanlage Bleibe gefunden, ist bei uns dann aufgetaucht mit ihrer kleinen Tochter und ihrem sechs Monate alten Baby, um erst einmal eine Zwiebel zu leihen, dann um zu erfahren, wo die Bushaltestelle wäre usw. Dann kam das kleine Mädchen zu uns und ich versuchte mit ihr etwas Deutsch zu lernen. Auffällig für mich war, ihr ständiger Gebrauch von Handy und Übersetzerprogrammen, so dass sie eigentlich gar nichts lernten, sondern immer mich das Handy ansprach. Trotz wirklich fantastischer Hilfe und Zuwendung ihrer deutschen Freunde, fühlte sich diese junge Mutter mit ihren zwei Kindern völlig verloren und mutlos. Ich merkte, dass der Spagat von ihrem Leben in der Ukraine zum Leben hier für sie extrem schwierig war. Irgendwann war das auch für die deutschen Freunde zu viel. Sie fanden für die dreien eine kleine Wohnung, wo sie ihr Leben hier weiterführen können, sie helfen der jungen Mutter aber weiterhin mit Rat und Tat, begleiten sie zu den vielen Ämtern, übersetzen die komplizierten Formulare. Die Anmeldung in der Schule verlief alles andere als erfreulich, sodass sie immer wieder beteuert, sofort nach der Beendigung des Krieges zurück in ihre Heimat zurückgehen zu wollen. Sie ist eigentlich sehr willig sich anzupassen, will auch Deutsch lernen, aber die Betreuung der Kinder, die Besuche bei den Ämtern und auch das Einleben zehren so sehr an ihren Kräften, dass sie sich gar nicht vorstellen kann, noch Deutsch richtig bei einem Kurs zu lernen oder gar zu arbeiten.

Diese einfachen Darstellungen der Erlebnisse der fünf Frauen, deren Leben so brutal durch den Angriffskrieg unterbrochen und aus der gewohnten Bahn geworfen wurde, wollte ich hier skizzieren, damit wir bei der ganzen Diskussion über die Gasknappheit und möglichen Einschränkungen und Mehrausgaben, immer diese Lebensläufe vor den Augen haben. Ihr Leben hängt zwischen der alten Realität vor dem Krieg, nach der sie sich sehnen und einer neuen, fremden Welt, die vielleicht einen Ausweg und Sicherheit bietet, aber keineswegs Normalzustand für sie bedeutet. Die Weihnachtsbeleuchtung steht meistens doch für die Herzwärme; also dimmen wir sie etwas ein und sorgen für die wirklich Betroffenen, und helfen ihnen die schwere Zeit zu überstehen, solange sie das brauchen.

Frauenblick, Schwarzwald

Monika Wrzosek-Müller

Auf dem Weg zur besten Schwarzwälder Kirschtorte

Eine Woche Schwarzwald und fünf verschiedene Schwarzwälder Kirschtorten probiert. Das ging sehr schnell und einfach; die Torte gibt es im Schwarzwald natürlich in fast jeder Gaststätte und sogar auf den Berggipfeln mit wunderbaren Aussichten. Ob ich die beste gegessen habe, weiß ich nicht, aber eindeutig kann ich sagen, dass es viele Varianten gibt; nur der Look bleibt immer gleich. Sie verkörpern auch die Seele dieses Fleckchens Erde; innen Schwarz, wie die dunklen und weiten Wälder, und außen weiß, wie der früher hier reichlich vorhandene Schnee, angereichert mit Kirschwasser und Kirschen, die aus der Region kommen und die nicht nur geschmacklich den Ton angeben, sondern auch die Stimmung aufhellen. Überall schmeckten die unterschiedlich großen Portionen gut, bis sehr gut, manche reichten mir als Mittagessen aus. Auf jeden Fall ist das die beliebteste und bekannteste deutsche Torte, auch in ganz fernen Ländern, wie Japan, China, den USA, Neuseeland und Australien.

Wer sie letztendlich erfunden hat, darüber streiten sich immer noch die Geister, denn auch im Elsass existiert der Gateau Forêt Noir und er wird in Straßburg tüchtig gegessen. Doch es wird immer wieder eindeutig auf die Gebiete in Baden verwiesen. Ihre Verbreitung verdankt sie auch der Erfindung des Kühlschranks in den 1930er Jahren; da konnte man die Sahneschichten länger aufbewahren. Ich habe mir sagen lassen, dass sogar ein Schwarzwälder Kirschtorten-Festival alle zwei Jahre in Todtnauberg stattfindet, wo mit Musik und kulinarischen Spezialitäten die beste Torte gewählt wird.

Wir waren eher bescheiden und aßen die Torte, wo wir gerade gelandet waren; auf die zwei und drei Sterne-Restaurants in Baiersbronn, wie Schwarzstube, Bareiss, Taube, Schlossberg und Meierei im Waldknechtshof haben wir verzichtet. Doch schon die Anhäufung von den Sternerestaurants zeugt von der Qualität des Essens allgemein, und dem Spaß dort zu essen.

Die Landschaft lädt auch zum Genießen ein: die Hügel oft durchschnitten in Dreiecke, auf denen verschiedene Weinreben in unheimlich akkurat zugeschnittenen Reihen wachsen, daneben die Reihen von Spalierobstbäumen: Äpfel, Birnen, Pflaumen und auch Kirschen, alles kleingewachsen und wie am Schnürchen aufgereiht, um von Maschinen gesammelt werden zu können. Sogar die Schwarzen und Roten Johannisbeeren werden nach oben auf Drähten gezogen, damit sie maschinell geerntet werden können. Dazwischen liegen flache Felder mit Erdbeerpflanzen. Jedes kleinste Stückchen Erde wird genutzt. Das sieht sehr harmonisch, idyllisch und verträumt aus, ist aber nicht ganz so. Es brummt nur so von Fleiß und Anbau und Düngen und Ernten. Dazu kommen noch Walnüsse, die einfach fast wild wachsen, und die Esskastanien, die dann wirklich im Wald zu finden sind. Die Höfe sind auch riesig, meistens mit Anbauten, schön schwarzwälderisch mit Geranien und Fachwerk geschmückt, mit verschiedenen Fachwerkfiguren wie dem Andreaskreuz – der Mann, die Raute, die die älteren Häuser sehr schön schmücken und wirklich auch erhalten werden.

Jetzt habe ich viel über die Landschaft geschrieben, aber ich denke, sie gehört dazu, ohne sie gäbe es auch keine Schwarzwälder Kirschtorte.

Im Café Gmeiner, in Oberkirch, wo wir unser „Basislager“ hatten, gab es eine ganz feine, richtig konditormäßig verfeinerte Schwarzwälder Kirschtorte mit einer nicht obligatorischen Schicht von Mousse au Chocolat. Das Unternehmen Gmeiner besteht seit 1898 und liefert neben dieser Torte auch andere fantastische süße Leckerbissen, neben feinster Schokolade und Pralinen der höchsten Qualität; sie verfügen über 10 Filialen deutschlandweit und 11 in Japan. Auch die Art und Weise, wie alles serviert wird, entspricht den höchsten Ansprüchen, angefangen vom Porzellan, über die Servietten bis zur Bedienung. Man sitzt bequem auf der Hauptstraße, seit einigen Jahren verkehrsberuhigt, neben dem Löwenbrunnen und schlemmt.

Die nächste Portion der Torte mussten wir uns erarbeiten, d.h. auf die Schauenburg steigen, das Wahrzeichen Oberkirchs; sehr malerisch und romantisch. In der Burgwirtschaft gab es eine sehr traditionelle, aber auch sehr gute Kirschtorte. Man sitzt da mit dem Blick auf das tiefer gelegene Oberkirch und das Rheintal.

Eine sehr leckere, nach Omas Art gemachte Torte, einem sehr weichen und mit viel Kirschwasser durchtränkten Biskuit, richtig riesige Portionen, gab´s dann im Höhenhotel Kalikutt; für mich klang der Name nach Kalkutta, doch damit hat´s nichts am Hut. Es kommt nämlich von Karleq, einem Weiler in der kahlen Senke. Das Hotel liegt schon auf 503 m über Meereshöhe im Rechental und man steigt von da aus auf 872 m auf den Berg Mooskopf mit dem Moosturm, von dem man einen unheimlich weiten Blick bis zum Straßburger Münster hat.

Unser nächster Ausflug ging zur Klosterruine Allerheiligen, einem Prämonstratenserkloster aus dem 12. Jh. Der Weg führt sehr malerisch an den höchsten Wasserfällen im Schwarzwald nach oben. Der Lierbach stürzt hier ca. 90 Meter in die Tiefe; man beobachtet dieses Naturereignis auf einem schon im 19. Jh. angelegten Weg, der über unzählige Treppen und Brücken führt. Jetzt führte der Bach nicht so viel Wasser, trotzdem war es faszinierend und richtig wildromantisch nach oben zu steigen. Das Kloster wurde im spätgotischen Stil gebaut, wie fast alle Bauten in der Umgebung aus dem Buntsandstein. Die Anlage ist imponierend, dient auch als Tagungsstätte, und es gibt eine Gaststätte mit dem Angebot einer (zugegeben nicht probierten) Schwarzwälder Kirschtorte.

Fast ein Muss, ein Erinnerungsort des Schwarzwalds, ist der Mummelsee mit seiner Erlebniswelt. Der 18 Meter tiefe, dunkle, sagenumwobene See liegt an der Schwarzwaldhochstraße. Es gibt da ein Hotel, mehrere Gaststätten, diverse Läden mit Andenken aus dem Schwarzwald (Kuckucksuhr und Spirituosen, auch der klassische Bollenhut ist im Angebot). Um den See ranken sich verschiedene Sagen und Märchen und von da aus führt ein ca. 3 km. langer Aufstieg zur Hornisgrinde, dem höchsten Berg (1163 m) im Nordschwarzwald, über einen angelegten Weg, mit Erklärungen zu den Flechten und Moosen. Auf dem Gipfelplateau befinden sich zwei Türme der Hornisgrinde- und der Bismarckturm, den man besteigen kann und von dem man einen Rundblick über das Rheintal bis zu den Vogesen und über die bewaldeten Bergspitzen des Schwarzwalds hat. Die Grinde sind die baumlosen Feuchtheiden, die durch Rodungen schon im Mittelalter entstanden waren, doch das Hochmoor auf dem Gipfelplateau ist von Natur aus unbewaldet und nur mit Heidekraut bewachsen. Während des Krieges wurde das Plateau für militärische Zwecke genutzt sowohl von den Deutschen als auch, nach dem Krieg, von den Franzosen; man sieht wie sie die Segelflugzeuge starten ließen. In der Grinde-Hütte haben wir wieder einmal eine sehr gute traditionelle Schwarzwälder Kirschtorte verspeist.

Zum Schluss kommt noch doch das Rezept für eine (beste!) Schwarzwälder Kirschtorte.

Für Biskuit:

6 Eier Raumtemperatur
1 Prise Salz
180 G. Zucker
100 G. Mehl
1 Backpulver
50 G. Speisestärke
50 G. Kakao

Für die Füllung und die Deko:

Belegkirschen
Ein Glas Sauerkirschen (Schattenmorellen) (350 gr. Abtropfgewicht)
100 G. Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
1/2 Stange Zimt (fakultativ)
800 G Schlagsahne (eiskalt)
8 Esslöffel Kirschwasser
30 G Bitterschokolade (Raspeln)

Biskuit:

26-28 cm Durchmesser Form

Mehl, Backpulver, Speisestärke, Kakao vermischen. Eier trennen, Eigelbe mit einer Prise Salz schlagen, dann Eiweiß steif schlagen, die Eigelbe nochmals mit dem Zucker schlagen (bis sie heller werden). Eiweiß unter Eigelb unterheben, dann vorsichtig das Gemisch dazugeben. Den Teig in die Form geben, im Backofen 25-30 Min /180 Grad backen, richtig abkühlen (am besten über Nacht stehen lassen).

Füllung:

Den Kirschsaft abgießen, auffangen. Speisestärke mit 2 El. Saft anrühren, den restlichen Saft dazugeben aufkochen, vom Herd nehmen, die Kirschen untermischen. Tortenboden zweimal durchschneiden. Sahne steif mit Sahnesteif schlagen, kaltstellen. Die erste Schicht mit 3 El Kirschwasser beträufeln, Kirschmasse darauf verstreichen, 3 El Sahne drauf verstreichen, zweiten Boden drauflegen, leicht andrücken, wieder 3 El Kirschwasser, die Sahne drauf, dann den letzten Biskuitboden legen andrücken, mit restlichen Kirschwasser beträufeln, Sahne verstreichen. Mit Spritzbeutel 16/8 Sahnetuffs spritzen, auf jedes eine Kirsche setzen mit Schokoladeraspeln bestreuen. Kaltstellen, servieren. Guten Appetit!

Mein Favorit schmeckte richtig nach Kirschwasser, dann ist es nicht süß, dann hat es auch eine bittere Note.