„Lalka“ versus „Heimsuchung“

Monika Wrzosek-Müller

In letzter Zeit habe ich viele Filme gesehen, die mir wie nationale Epen, Erzählungen über unsere Vergangenheit erscheinen. Zum einen „Lalka“ [Die Puppe] in zweimaliger Ausführung, einmal bei Netflix und gleichzeitig als Kinofilm, der ganz anders ausfällt und eine separate Produktion ist. Zum andern der deutsche Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“, eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jenny Erpenbeck, gedreht nach dem Drehbuch von Volker Schlöndorff, an dem die Romanautorin aktiv mitgewirkt hat.

Continue reading “„Lalka“ versus „Heimsuchung“” →

„Die Summe unserer Teile“ von Paola Lopez

Monika Wrzosek-Müller

So ein Titel, so ein Name der Autorin; man könnte meinen: sehr exotisch alles. Doch dann stellt sich heraus, dass der Stoff des Buchs mich direkt betrifft, mir nahe ist. Wo immer ich im Text im weiteren Kontext auf das Thema Polen stoße – die Menschen und das Land – wird die Erzählung für mich sehr emotional; sie bewegt mich, zieht mich mit.

Continue reading “„Die Summe unserer Teile“ von Paola Lopez” →

Wieder da!

Monika Wrzosek-Müller

Maremma amore mio

Vor einem Jahr schrieb die Autorin über Maremma: https://ewamaria.blog/2025/11/09/frauenblick-auf-toscana/

Wir sind wieder da, am südlichsten Zipfel der Toskana. Es ist dieses Jahr heiß, das Wasser wie lauwarmer Tee, an manchen Stellen wie Suppe. Es kommt uns eine Urwärme entgegen, die wir so in den letzten Jahren nicht hätten; alle sind hier besorgt, denn wenn jetzt jedes Jahr die Temperaturen weiter so steigen würden, könnte man nicht mehr hier leben. Dazu kommt eine unheimliche Luftfeuchtigkeit, die natürlich von den Lagunen, dem Meer, dem Wasser rundherum resultiert. Schon jetzt verfügen die meisten Häuser über eine Klimaanlage. Das wiederum bedeutet mehr Wärme draußen auf den Straßen. Die Menschen hier sortieren ihren Müll sorgfältiger als in Berlin, sammeln Plastik an den Stränden, fahren winzige Autos, viele auch Elektro…viel mehr können sie nicht tun. Trotzdem ist das Gebiet um den Monte Argentario eines der grünsten rundherum und sogar in der hitzigsten Hitze ist es hier schattig und angenehm. Die grünen Hügel sorgen für angenehmes Klima. Kaum vorstellbar, wie die Menschen Temperaturen von über 45 Grad in einer zubetonierten Stadt aushalten müssen. Hier eine kurze Bestandsaufnahme, es ist Ende September, die Temperaturen liegen in der Nacht bei 24, am Tag bei 30 Grad.

Continue reading “Wieder da!” →

Das schwarze Getränk

Monika Wrzosek-Müller

Kann es sein, dass nicht alle beim schwarzen Getränk ans Kaffee denken. Es gibt natürlich dunkelbraunes Coca-Cola, doch schwarz, ohne Milch, denken wir eigentlich alle an Kaffee. Wusstet ihr, dass die größten Mengen von Kaffee pro Einwohner mit Abstand die Menschen in Finnland trinken, gefolgt von Schweden? Italien, für mich das Königreich des Kaffees, rangiert ziemlich weit unten, erstaunlich. Die Deutschen konsumieren laut dieser meiner Quelle nur etwa halb so viel wie die Finnen und die Italiener noch deutlich weniger als die Deutschen. Bei den Kaffeeproduzenten dagegen lag ich mit meinen Vermutungen eigentlich richtig; da ist Brasilien ganz vorne, aber Äthiopien, das Ursprungsland des Kaffees, steht hinter Vietnam (!), Kolumbien und Indonesien zurück… Inzwischen ist es auch nicht mehr so wichtig, ob der Kaffee nun aus 100% Arabica-Bohnen besteht, die lange Zeit als die edleren galten, oder ob auch Robusta Bohnen hinzugefügt werden. Auf jeden Fall ist Kaffee ein gutes Geschäft und viele global agierende Firmen verdienen im großen Stil enorm viel Geld damit; inzwischen glaubt man, dass der Kaffeemarkt in der Zukunft noch wachsen könnte, denn riesige Länder wie China oder Indien finden zunehmend Geschmack daran.

Continue reading “Das schwarze Getränk” →

Sehnsucht, [Powiedzmy, że Piontek], Szczepan Twardoch

Monika Wrzosek-Müller

Jedes zweite Jahr bringt Twardoch ein Buch und das nicht nur in Polen, auch auf jeden Fall, fast gleichzeitig in Deutschland heraus. Die frühen Romane beschäftigten sich mit der nahen Vergangenheit, mit der Geschichte; so das für Polen wichtige Buch über Warschau in der Okkupationszeit und den Aufstand Morphin, es folgten Drach, dann ein Jahr später Wale und Nachtfalter. Tagebuch vom Leben und Reisen, Der Boxer (auf Polnisch allerdings Król], Das schwarze Königreich, Demut, Kälte, Die Nulllinie und jetzt eben der neueste Roman auf Polnisch Sagen wir mal, dass Piontek und auf Deutsch Sehnsucht. Die letzten drei Romane sind erstens dünner und zweitens variieren mehr in der Gegenwart mit Ausflügen in die Vergangenheit und sogar die Zukunft. Die Übersetzung wurde immer von Olaf Kühn geliefert, nicht dass ich immer mit der Wahl der Titel einverstanden wäre. Ich war nicht gleich von Anfang an Fan von Twardochs Schreibkunst. Er war mir zu demonstrativ, zu obskur, brutal. Die Lust am Lesen seiner Romane stieg kontinuierlich und stetig und ich bin ihm inzwischen dankbar, dass es so jemanden gibt; mit diesem Mut, der Chuzpe und Verantwortung für Geschehnisse in der Welt. Twardoch schaut ziemlich unerschrocken in die Zukunft. Sagen wir, bisher, denn im letzten Buch ist die Dystopie von 2031 ziemlich dunkel und erinnert mich und meine Generation an doch, immer noch, nahe Vergangenheit.

Continue reading “Sehnsucht, [Powiedzmy, że Piontek], Szczepan Twardoch” →

Ferragosto

Monika Wrzosek-Müller

Bis zum Ferragosto musste man die Hitze, auch da oben in Fiesole, genauer Settignano aushalten, danach kamen Gewitter, es wurde auch früher dunkel, also weniger Sonne, man atmete durch und im zweiten Atemzug merkte man leider, der Sommer ist wieder mal vorbei. Dass das Fest, der eine Tag am 15 August, in Italien große Bedeutung hatte, wusste ich schon lange, doch seine Geschichte war mir eigentlich nicht so klar. Die Leute trafen sich zum Grillen, Familien fuhren an den Strand, Freunde kamen zu Besuch, es war immer etwas los; auch in der hitzigsten Hitze, wo man dachte, alles müsste stehenbleiben, wurde gefeiert. Die Lokale draußen vor der Stadt füllten sich mit den Stadtmenschen, es wurde getanzt, gespielt, es war laut mit den vielen Kindern, die auch manchmal weinten, meistens jedoch um die Tische rannten. In der Stadt war es dagegen völlig still, alles war geschlossen: Läden, Ämter, Büros, aber auch viele Restaurants. Ich erinnere mich, dass wir später einmal, schon aus Kleinmachnow, an diesem Tag in Apulien waren und aus irgendeiner Trattoria zurückkehrten; das Thermometer bei einer Apotheke zeigte um 22 Uhr 39 Grad an.

Continue reading “Ferragosto” →

Die kleine große Welt

Monika Wrzosek-Müller

Auch die kleinen Kreise des Lebens schließen sich und es ist beglückend, das zu bemerken und die Geschichten zu verfolgen.

Neulich gab es bei der Ausstellungseröffnung „Augenreisen“ von Heinz Trökes in der Camaro Stiftung wieder so einen Moment. Der Sohn des Künstlers erzählte über seinen Vater – wie das so mit ihm war, nicht immer einfach, immer auf Reisen…Ich saß da und dachte, Trökes, Trökes …Mir kommt der Name sehr bekannt vor. Woher kennst du diesen doch ziemlich ungewöhnlichen Namen? Dann fiel es mir ein: Anna Trökes. Die wohl bekannteste Yogalehrerein und Buchautorin zu diesem Thema in Deutschland. „Das Große Yoga Buch“ begleitete mich schon während der Ausbildung, ihre Stimme war bezaubernd und sie sprach mit runden, sehr gut formulierten Sätzen, was nicht bei jedem der Fall ist, das können einfach nicht alle. Ich habe auch ein paar Mal ihre Kurse besucht, bekannt waren auch Yogafestivals, die sie manchmal mitorganisiert hat und bei denen der „lächelnde Schamane“ als DJ auftrat. Aber welchen Zusammenhang gab es mit dem Namen, stammte sie aus dieser Familie?

Continue reading “Die kleine große Welt” →

Der Sommer

Monika Wrzosek-Müller

„Lachend, lachend, lachend, lachend kommt der Sommer über das Feld, über das Feld kommt er lachend, ha, ha, ha lachend über das Feld“. Das sangen die Waldorfer etwas unsicher, beschämt vielleicht auch falsch auf den Sommerfesten in Kleinmachnow. Manchmal wusste ich nicht: lachen sie sich selbst aus oder lachen sie echt mit den Kindern.

Aber wie auch immer der Sommer ist da, überall Hitze, Dürre, Brände, Gewitter, Mücken und Zeckenplage, Sonnenschirme nicht an der richtigen Stelle und das wunderbare Gefühl von Wärme und Grün und die erlaubte Langeweile.

Continue reading “Der Sommer” →

Walderdbeere Poziomka Fragaria

Monika Wrzosek-Müller

Meine Oma machte herrliche Konfitüre – oder war das Marmelade, oder überhaupt etwas anderes? Die ganzen Früchte waren in einer Art von sehr süßem und dickflüssigem Sirup eingekocht. So kochte sie Erdbeeren, aber auch Walderdbeeren ein, wenn es welche gab. Sie wurden von der ganzen Familie mit Andacht verzehrt, nur zu besonderen Anlässen und für besondere Gäste auf den Tisch gebracht.

Continue reading “Walderdbeere Poziomka Fragaria” →

Zehdenick, die Havelstadt

Monika Wrzosek-Müller

Zehdenick liegt auf dem Weg von Berlin nach Warthe; über das Dorf habe ich hier im Blog immer wieder geschrieben. Zehdenick ist ein kleines Städtchen, viel kleiner als Templin und weniger lebhaft, weniger lebendig. Selten trifft man auf den Straßen die Einwohner. Ich erinnere mich, wie wir vor Jahren noch ein Café auf dem Marktplatz gesucht haben, vergeblich. Jetzt lese ich, dass es sich um das am weitesten ausgedehnte Städtchen in der Region handelt, denn es umfasst auch die umliegenden Dörfer,-Ortsteile in großer Zahl: Badingen mit einer Schlossruine, Bergsdorf, Burgwall, Kappe, Klein-Mutz mit einem Bismarckturm, Krewlin mit einer schönen Fachwerkkirche von 1690 (echt alt), Mildenberg mit dem Ziegeleipark, Ribbeck, Vogelsang – das wir immer auf dem Weg nach Warthe durchqueren – Wesendorf, Zabelsdorf. Es gibt insgesamt dreizehn Ortsteile. Das ist schon ein riesiges Gebiet, ich würde das Gebiet Zehdenicker Land nennen, so wie die Großgemeinde Boitzenburger Land, zu der auch Warthe gehört. Der Name Zehdenick hat mich neugierig gemacht, jetzt lese ich, dass es sich tatsächlich um ein slawisches Wort handelt; Cydzynek oder Sadniki hieß die Siedlung im Mittelalter; sie wurde bereits 1216 erwähnt. Ein Städtchen mit einer langen Geschichte also.

Continue reading “Zehdenick, die Havelstadt” →