Frauenblick, Prag und Corona

Monika Wrzosek-Müller

Weiterhin Prag, Prag und noch mal Prag

„Prag ist bis heute dank seiner Anlage und als Metropole eines recht kleinen Staates eine intime Großstadt. Es verkörpert die endlose Reihe unserer Träume und Wünsche, verwoben mit der bestehenden Wirklichkeit, für die wir jedoch mitverantwortlich sind.“ So Lenka Reinerova.

Prag als Anlage ist wirklich einmalig, auf wie vielen Hügeln die Stadt liegt, hat niemand gezählt. Doch es sind ganz viele und deshalb sind auch wunderbare Aussichtspunkte vorhanden. Fast alle Parks, die hier übrigens sady [Obstgärten] heißen und es oft auch sind, wie das Wort im polnischen gebraucht wird; sind mit Obstbäumen bepflanzt und liegen auf Anhöhen. Prag verpflichtet, ist vielleicht fast zu märchenhaft schön. Man fühlt sich mit eigenen Beschreibungen überfordert und gerät immer wieder in den Ton eines Fremdenführers, auch wenn man es vermeiden möchte.

In Zeiten der Coronavirus-Krise eignen sich gerade diese Hügel zu längeren Spaziergängen wunderbar; noch dürfen wir ausgehen und in der frischen Luft, im Wind die dunklen Gedanken lüften. Außerdem, auf solchen Spaziergängen hält man meistens 1,5 Meter Abstand von potenziellen Virusträgern, ganz automatisch, es sei denn alle anderen kommen genau auf denselben Gedanken. Den Italienern ist das auch untersagt, sie kommen nur um 18.00 Uhr auf die Balkone und singen zusammen, um sich etwas Mut zu machen. Man fragt sich schon, wo eigentlich der Europagedanke in so einer Krise geblieben ist, warum helfen wir uns nicht viel mehr gegenseitig und denken uns eine gemeinsame Vorgehensweise aus.

Zurück zu den Hügeln und Ausblicken; es gibt nicht nur den Hradschin mit den Schlössern, Palästen und dem Veitsdom und den Petrin mit einem Mini-Eifelturm, einer Seilbahn, Wald und Obstgärten, sondern man hat auch noch den sehr langgezogenen Letna-Park, von dem aus fast die schönsten Fotos der Prager Stadtlandschaft gelingen. Prag ist sehr fotogen, aus allen Blickwinkeln kann man schöne Aufnahmen machen. Der Letna-Park mit seinem riesigen Metronom, das als künstlerische Installation von K.V. Novak 1991 entstand und auf den Sockel des 1962 zerstörten Stalin-Denkmals gestellt wurde. Normalerweise gibt das Metronom den Takt an, jetzt steht es still. Im Moment steht alles still, wo vor drei Tagen noch Massen von Touristen die Wege kreuzten, ist alles leer und irgendwie unheimlich. Zwar kommt einem die Stadt jetzt viel freundlicher, sanfter und, ja klar, ruhiger vor. Doch es ist die Ruhe vor dem Sturm, niemand weiß, wie lange die Quarantäne dauern wird und wer wen besiegt.

Der Hund fordert seinen Tribut und das ist gut so, er zwingt zum Laufen, zum Rausgehen. Die nächsten Hügel sind auch nicht sehr weit: Vysehrad mit seiner barocken Festung hoch über der Moldau auf einem felsigen Vorsprung, auf dem rechten Flussufer gelegen. Das Gelände hat sehr viel zu bieten, aber vor allem einen einzigartigen, atemberaubenden Ausblick auf Prag. Man gelangt durch eines der vielen schweren, riesigen Tore (Chotek Tor, Spitzes Tor, Tábor Tor, Leopolds Tor) hinein und arbeitet sich weiter nach oben an der Martinsrotunde aus dem 11 Jh. vorbei, die aber sehr unecht und herausgeputzt wirkt. Es gibt dann verschiedene alte Gebäude und eine im neugotischen Still errichtete St. Peter und Paul-Kirche mit zwei riesigen Türmen. Es existiert hier auch der oft besuchte Vysehrader Friedhof, auf dem berühmte Künstler begraben liegen, wie z.B. die Komponisten A. Dvorak, B. Smetana und R. Kubelik, aber auch die Familie von Kafka und Jan Neruda und viele andere mehr. In den Kasematten der Festung stehen die Originale der Barockstatuen der Karlsbrücke. Natürlich gibt es viele Cafés und Bierkneipen und Restaurants. Der sorgfältig angelegte Park ist wunderschön und wird minuziös gepflegt; es wachsen ganz viele Rosen mit Lavendelbüschen und viel Spalierobst. Um die Festung herum führt ein Weg, von dem aus man diesen wunderbaren Blick mit sich immer verändernden Perspektiven genießen kann.

Jetzt sind wir gerade von der Insel Strelecky Ostrov zurück; es ist der zweite Tag der totalen Quarantäne wegen Coronavirus in Prag und die Stadt ist wie leergefegt und auf der Insel fehlen sogar die Schwäne und die dicken Nutrias, die hier immer von den Touristen gefüttert wurden. Oder sind sie wegen dem Coronavirus untergetaucht? Wir konnten keine Schutzmasken mehr kriegen, so laufen wir mit dem Schal über dem Gesicht, was sehr warm und unangenehm sein kann.

Einen anderen Hügel haben wir am Sonntag entdeckt, da war die Stadt noch nicht so entschleunigt und still, wie jetzt. Vinohrady – die königlichen Weinberge, eigentlich lange Zeit eine selbständige Stadt, die mit fast 100 000 Einwohnern, als drittgrößte Stadt zählte. Erst 1922 wurde sie nach Prag eingemeindet. Jetzt erheben sich um den Friedensplatz Namesti Miru die schönsten, sehr sorgfältig renovierte Jugendstil- und Art déco-Bürgerhäuser, die auch um den Riegrovy Sady Park stehen. Der Park breitet sich auf dem Hügel aus, viele kleine Wege führen rundherum, es gibt Sportanlagen, Cafés und Biergärten. Von einem bestimmten Punkt hat man eine gute Aussicht auf die unten liegende Stadt. Es ist offensichtlich ein sehr beliebtes Wohnviertel für schicke, junge und reiche Leute (mit vielen außergewöhnlichen Hunden).

Das beste Verkehrsmittel für mich, für uns sind die Straßenbahnen, sie durchziehen eigentlich die ganze Stadt. Klar, man ist mit der U-Bahn schneller, doch unterirdisch sieht man nichts und die Stationen gehen unheimlich steil nach unten, so dass es einem schwindlig wird.

Mit der Straßenbahn Nummer 22 kann man auch Bílá Hora (den Weiße Berg) erreichen. Mit seinen 381xm Höhe und seiner markanten Geschichte der Schlacht von 1620 ist der kleine Hügel auch eine Besichtigung wert. Es war die für Böhmen entscheidende Schlacht des Dreißigjährigen Krieges, bei der die Truppen der protestantischen böhmischen Stände der katholischen Liga unterlagen. Nach der Schlacht musste der sog. Winterkönig aus Böhmen fliehen, was eindrucksvoll in dem Buch von Daniel Kehlmann „Tyll“ beschrieben ist. 27 Standesherren wurden auf dem Altstädterring exekutiert und Tausende von Protestanten (90% der Bewohner waren Protestanten) mussten fliehen. Es war ein bedeutender Sieg für die katholische Kirche und Böhmen blieb für lange Zeit eine einfache Provinz der Habsburger Monarchie. Zwar kann man auf dem kleinen Hügel wenig von der Vergangenheit erkennen doch es existiert unweit des Ortes ein im Mittelalter angelegtes Gehege, in dem Wild gehalten wurde. Das Hvezda-Gehege ist mit einer hohen Mauer umgeben und wurde bis Anfang des 19. Jhs. als solches benutzt; in dem Gehege steht ein Renaissanceschloss mit einem sternförmigen Grundriss , Letohradek-Hvezda. Erst später wurde die Anlage in einen englischen Park umgestaltet.

Es gibt noch mehrere weitere Hügel und Erhebungen, die ja nach Bewegungsmöglichkeit zu besichtigen wären. Noch fahren Autos und man trifft einzelne Menschen, der Hund ist ein guter Vorwand!

2 thoughts on “Frauenblick, Prag und Corona”

  1. Czary mary.

    Kochani, poza wszystkim innym trzeba też wzamcniać własną odpośrność. To kluczowe, nie może nam zabraknąć sił… tu cuowny orientalny przepis (przysłany przez przyjaciółkę z Kanady) na złote mleko. Już sama nazwa leczy, przyznacie.

    Przepis można modyfikować, ale podstawą jest kurkuma, cynamon, imbir, czarny pieprz.

  2. Wiersz z sieci, nie widzialam autora:

    “Nadeszła ta chwila i zatrzymał się świat

    Na tę jedną chwilę.. Której zawsze brak

    Na ten jeden uśmiech… jeden czuły gest

    Na wytarcie łez.. Starej piosnki tekst

    Zatrzymał się świat bo za szybko biegł

    Już nie widział traw, nie szanował drzew

    W pośpiechu, bez uczuć, bez gestów i słów

    Biegał do wieczora i od rana znów

    Bez bajki dla dziecka, bez kwiatka dla mam

    Na dzwonek budzika, w inny wymiar…

    Sam Bez słowa otuchy i ślepy na ból

    Gdzie pieniądze Bogiem, gdzie mobilny król

    I nastała cisza… Przebudzenia czas

    Gdy docenisz siebie i dostrzeżesz nas

    Gdy na chwilę przystaniesz- odnajdziesz chwilę

    Utulisz matkę… Docenisz dziewczynę

    Z dzieckiem porozmawiasz-nareszcie w realu

    Dziadka usciskasz nie kupę metalu

    Z babcią pożartujesz też bez klawiatury

    W mózgu pozalepiasz niepamięci dziury

    Zatrzymał się świat w obliczu trucizny

    Bo ziemia – nasz świat musi leczyć blizny

    Gdy morowy swąd wypływa z czeluści

    I tym razem ziemia… już nam nie popuści

    Zapomniały dzieci, że podorastają

    Że tu gośćmi są i wciąż długi mają

    Teraz przyszła chwila i nas zatrzymała

    By ludzka istota wreszcie pomyślała”
    T.Ru

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