Frauenblick auf den Krieg

Monika Wrzosek-Müller

Vom Krieg in der Ukraine in dem Piłsudski-Museum

Seit einigen Tagen dauert ein absurder, unmenschlicher und brutaler Krieg in der Ukraine. Lange standen die russischen Einheiten entlang der Grenze und viele (mich eingeschlossen) dachten, es wird bei dem Theater und den Drohungen bleiben. Putin würde seine Tiraden ausspucken und die Welt würde ihn zurechtweisen. Die amerikanischen Informationen, nach denen die Invasion in zwei Tagen, dann in vier, dann am nächsten Wochenende beginnen sollte, tat ich als Übertreibung ab. Doch ich wurde eines Besseren belehrt, er hat das Unvorstellbare doch in die Tat umgesetzt und wir schauen zu. Das macht einen so mutlos, ratlos und auch wütend. Inzwischen dauert der Krieg drei Wochen, nach Polen sind über eine Million Menschen geflüchtet, hauptsächlich Frauen und Kinder; drei von ihnen mit vier Kindern beherberge ich in der Wohnung meiner Mutter. Die Polen helfen musterhaft, mit großer Empathie und Wärme, vieles ist sehr gut organisiert, aber wie lange und wie viele Menschen werden sie aushalten können. Auf der anderen Seite wird ununterbrochen geredet, dabei erreicht man eher wenig; wir haben diesen Verrückten zu lange machen lassen, die Augen zugemacht und seine Unmenschlichkeit nicht sehen wollen, zu mächtig waren die Konzerne, die Industrie; Gas, Öl, Stahl, floss günstig aus Russland … alles Faktoren, die mehr zählten als die Moral. Jetzt rächt sich das, alle haben Angst und wissen nicht, wie man diesen Knoten lösen könnte. Die fahrende Lokomotive der Vernichtung ist nur schwer zu stoppen, auch wenn die Ukrainer wirklich unheimlichen Mut, strategische Intelligenz und Kampfbereitschaft zeigen.

Eigentlich sollte der Anfang dieses Textes mit der spontanen Spendenhilfe für die Ukrainer, die ich zufällig im Piłsudski-Museum am Anfang der Invasion miterlebt habe, eine Überleitung zu einem Text über das Museum bilden. Inzwischen bin ich in die Geschehnisse tief verwickelt und weiß nicht recht, ob eine Information über das Museum in diesen Zeiten sinnvoll ist, auch wenn die historischen Parallelen in diesen dramatischen Zeiten stärker sichtbar sind; viele Polen haben das Gefühl eines déja vue: was muss noch Schlimmeres passieren, damit man wirklich jegliche Verbindung nach Russland abbricht, den Geldfluss ganz unterbindet. Vielleicht bietet die Beschäftigung mit dem Museum etwas Ablenkung von der ständigen Flut der Informationen und Bilder über diesen schrecklichen, wirklich makabren und unvorstellbaren Krieg, die wir hier in Warschau bekommen.

Also: das Museum, das am 14. August 2020 eröffnet wurde, liegt in dem kleinen Örtchen Sulejówek, früher nicht zu Warschau gehörend, dort, wo Piłsudski sich im Alter zurückgezogen hatte; es nimmt ein Terrain von ca. 4 Ha ein. Es existiert noch sein Wohnhaus, die Villa Milusin, das man auch besichtigen kann, dazu zwei weitere alte Gebäude – ein hölzernes Sommerhaus, die Villa Bzów [Villa Flieder], typisch für diese Gegend, und ein Quartier für Piłsudskis militärische Leibgarde. Auf dem großen Terrain inmitten von Kiefernwald wurde dann ein Kubus, das Gebäude des Museums, errichtet. Es harmoniert mit der Natur rundherum, ist aber ein sehr moderner, großer Betonbau nach den Plänen des Piłsudski-Enkels Krzysztof Jaraczewski und Radosław Kacprzak. Der Bau passt sich gut an die Umgebung an, ist nicht zu hoch, die meisten Ausstellungsräume befinden sich unter der Erde. Vor dem Eingang gibt es eine Skulptur: Piłsudski als Vater mit seinen Töchtern, sitzend auf einer Bank. Die ständige Ausstellung trägt den Titel: Dla Rzeczpospolitej. Józef Piłsudski 1867-1935 w Muzeum Józefa Piłsudskiego w Sulejówku. [Für die Republik. Józef Piłsudski 1867-1935 im Museum Józef Piłsudski in Sulejówek].

Beim Betreten des Museums hat man schon etwas das Gefühl, ein Mausoleum, ein Grab des Tutenchamun zu betreten, eine breite Marmortreppe führt zwei Stockwerke tief unter die Erde, doch man wird dann sehr gut durch die sorgfältig und breit angelegten Ausstellungräume geleitet, erfährt viel nicht nur über die Person Piłsudskis, sondern auch über die Geschichte der Zwischenkriegszeit, des damals gerade erst wiedererstandenen polnischen Staats. Dadurch gewinnt das Museum an Wichtigkeit und Bedeutung; es ist eine Ausstellung über die Jahre der Zweiten Polnischen Republik, über die Euphorie der Freiheit, der Unabhängigkeit und der Selbstbestimmung, die mit der Person Józef Piłsudskis verbunden war. Die Ausstellung ist sehr durchdacht und hat mehrere Darstellungsebenen. Der erste deutlich sichtbare Faden führt durch die Biographie Piłsudskis, Kindheit und Schule, Elternhaus etc… Der Besucher durchschreitet durch sechs chronologisch angeordnete Räume das Leben Pilsudskis: „Ziuk“ (der Kosename), „Wiktor“, der Kommandant, der Naczelnik [der Vorsteher], der Marszałek [der Marschall], der sechste Raum heißt „Symbol“ und betrifft mehr Piłsudskis Vermächtnis für Polen. Parallel dazu werden Ereignisse aus Europa, manchmal der Welt an historischen Achsen stichwortartig dargestellt, für mich eine wunderbare Lehrstunde in Geschichte. Natürlich nehmen auch Ereignisse in Polen und den Nachbarländern, die Bezüge und Zusammenhänge zwischen ihnen einen wichtigen Anteil an der Ausstellung teil.

Vom unteren Teil, bis 1918, gelangt man über eine Art von Rampe nach oben, an riesigen Leinwänden oder Bildschirmen vorbei, auf denen Ausschnitte der historischen Ereignisse aus der Zeit gezeigt werden, der Kampf um die Unabhängigkeit und Souveränität Polens. Auf dem Zwischengeschoss wird dann Piłsudskis Tätigkeit im freien Polen gezeigt. Alles wird durch Räume mit dem Thema Symbol durchschnitten, was zum Nachdenken und zum Herstellen geschichtlicher Parallelen anregen soll. Damit hatte ich dann auch mehr Schwierigkeiten; es ist auch nicht mehr so eindeutig positiv und erbauend, was in der Zeit passierte.

Als ich die Ausstellung zum ersten Mal gesehen hatte, deutlich vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine, war ich doch etwas vom Ausmaß der Stilisierung des großen Staatsmanns, um nicht zu sagen Führers, überrascht und von den eher geringen Anstrengungen, das zu relativieren. Jetzt haben sogar solche Schlagworte wie: „Nie oddamy Wilna, nie oddamy Lwowa“ [Wir geben Vilnius nicht preis, wir geben Lviv nicht preis“] einen anderen Klang und Charakter. Mögen wir diese Krise sobald wie möglich bewältigen.

Frauenblick auf eine Stadt

Monika Wrzosek-Müller

Żyrardów eine ehemalige Musterstadt der Leinenindustrie

An die Leinenvorhänge in meinem Kinderzimmer erinnere ich mich sehr gut. Das Orange war leuchtend und die grob gewebte Struktur ließ auch immer die Sonne durchscheinen. Mir wären etwas enger, dichter gewebte Stoffe lieber gewesen, hinter denen man sich besser verstecken und etwas mehr Schatten haben könnte. Doch diesen Leinen gab es zu kaufen und es war auch bunt, farbenfroh, im Gegensatz zu der grauen, wirklich grauen Wirklichkeit. Damals habe ich gar nicht daran gedacht, dass sich die Leinenfabriken nicht weit von Warschau befanden und der Stoff dort hergestellt wurde, deshalb auch erhältlich war. Doch die Farbigkeit und die schönen Muster sind mir immer noch in Erinnerung; die Vorhänge wurden dann im Lauf der Jahre in Kissenbezüge umgenäht. Später, als Teenager, hatte ich auch ein langes Kleid aus Leinen, exakt aus dem Leinenstoff für Kartoffelsäcke – grob, naturfarben, das Kleid lang, mit Fransen unten, sehr herausfordernd, vor allem für meine Eltern. Ansonsten hielten sie sehr an polnische Produkte, und Leinen war ein solches.

Jetzt, an dem bisher einzigen schönen Wochenende seit Weihnachten, haben wir von Warschau aus einen Ausflug nach Żyrardów unternommen. Die Stadt liegt etwa 45 Km entfernt von der Hauptstadt, in südwestliche Richtung. Sie ist leicht zu erreichen, sowohl von der Autobahn nach Posen aus als auch von der nach Kielce, sie liegt eben in der Mitte, in der flachen, platten masowischen Ebene, ziemlich unwirklich, als einziger geschlossener Komplex erhalten, vom Krieg einfach unberührt geblieben. Sie ist auch mit der Bahn zu erreichen, auf der Strecke nach Łódź. Schon seit 1845 hatte Żyrardów einen Bahnanschluss, es lag an der Eisenbahnstrecke Warschau-Wien.

Überhaupt kommt man in dem Städtchen nicht aus dem Staunen heraus; es stehen noch so viele Bauten aus dem 19. Jahrhundert: der alte, schöne Bahnhof im Stil eines polnischen Landhauses, mit prächtigen Kachelöfen im Wartesaal, die ganze Siedlung von süßen Arbeiterhäusern aus Backstein, mit Holzhäuschen in den Gärtchen, wo die Arbeiter Hühner hielten und Wirtschaftsräume hatten. Es ist atemberaubend, diese Holzkonstruktionen zu sehen, die ältesten aus den 1870er Jahren. Und sie existieren immer noch und werden von den jetzigen Bewohnern auch benutzt. Die Häuser sind noch nicht restauriert, werden aber weiter bewohnt. Im Zentrum der Siedlung gibt es natürlich eine imposante Pfarrkirche im neugotischen Stil, 1900-1903 erbaut; es gab mehrere Kirchen verschiedener Konfessionen, wie es auch verschiedene Nationalitäten gab, die in dem Städtchen zusammenlebten: Polen, Juden, Tschechen, Slowaken, Franzosen, Ukrainer, Russen; sogar Schotten und Engländer soll es gegeben haben. Die katholische Pfarrkirche ragt mit ihren beiden imposanten Kirchtürmen in der flachen Landschaft empor und man sieht sie schon von weitem. Vor der Pfarrkirche war früher der Marktplatz, heute eher eine Grünanlage mit Bänken und Rosenbeeten. Gegenüber, auf der anderen Seite der Hauptstraße („Straße des 1. Mai“) erhebt sehr der ganze Komplex der Fabrikanlagen mit der alten und neuen Spinnerei und der Strumpfweberei, die jetzt, gründlich saniert, in sehr interessant aussehende Lofts und Wohnungen umgewandelt wurde. Die Ausmaße dieser Bauten lassen den Besucher staunen, aber es handelte sich ja um die größte Leinenproduktionsstätte in Europa und die Strumpffabrik soll immerhin die größte im russischen Reich gewesen sein. Weitere Sehenswürdigkeiten kann man aufzählen: die alten Schulen und das Fabrikkrankenhaus, auch ein Waisenheim und ein Kindergarten haben dort Platz, es fehlte nicht einmal eine Bade- und Waschanstalt. Schließlich waren da die imposanten Gebäude der Verwaltung, das Kontor, das Magistratsgebäude; alle diese Bauten waren hauptsächlich aus rotem Backstein errichtet, was vielleicht an Łódź erinnert, aber allgemein in diesen Breitengraden nicht sehr häufig vorkam.

Das alles war mit Grünanlagen und Parks geplant worden und der Entwurf wurde auf der Weltausstellung in Paris als Mustersiedlung präsentiert. Offensichtlich war den Fabrikanten auch Kultur und Unterhaltung wichtig, schon 1913 entstand das Volkshaus Karl Dittrichs mit einer Bühne, später als Kino genutzt, und die „Ressource“, ein jetzt sehr schön restauriertes Gebäude, das als Touristeninformationszentrum, Hotel und Restaurant dient und früher eine Art englischen Club und ein Theater beherbergte. Man geht wirklich staunend herum – überrascht, dass damals so gründlich über ein Bauensemble nachgedacht wurde; z.B. wurde das Arbeiterquartier sorgsam getrennt von den Direktorenvillen errichtet. Mitten im sehr schön angelegten Park steht auch die Repräsentationsvilla von Karl Dittrich, jetzt ein Museum. Der Park mit seinen Wasserläufen und kleinen Brückchen, alten Buchen und Pavillons zum Verweilen wurde auch erst vor Kurzem instandgesetzt. Natürlich lag das Städtchen an einem Flüsschen, denn die Leinenproduktion verlangte viel Wasser. Ich habe sehr gelacht über seinen Namen: Pisia Gągolina (das Wort pisa stammt angeblich aus altpreußisch und bedeutete fließen, gągolina dagegen kommt von den Lauten, die die Gänse erzeugen).

Immer wieder dachte ich, das ist eine komplette Welt für sich, eingeschlossen, perfekt in sich stimmig; man konnte da leben, arbeiten, in die Schule gehen und nie herauskommen, nie den Ort wechseln; nur für den Handel, für den Verkauf mussten die Herren Direktoren sich in die Ferne, hinaus in die Welt draußen wagen. Die Produkte, die Leinenstoffe wurden in vielen Städten Europas verkauft. Die Fabrik betrieb Läden unter anderem in Warschau, Kalisz, Tschenstochau, Posen und St. Petersburg.

Ich lief durch die kleinen, von Bäumen gesäumten Straßen und stellte mir vor, wie es war damals, als die Fabriken noch in Betrieb waren, die Schornsteine Rauch ausspuckten, die Maschinen unheimlich lärmten, die Damen in den langen Kleidern spazierten und die Arbeiter und Arbeiterinnen (denn davon gab es viele) in graublauen Arbeitsuniformen vorbeihuschten. Die Vergangenheit ist hier sehr genau sichtbar und nachfühlbar, fast konserviert; die Zukunft mit den schönen Lofts noch sehr unsicher, gewünscht aber nicht gelebt.

Noch ein Aspekt ist mir bei dem Städtchen wichtig; ich hörte davon in Prag, da wollte ein junger tschechischer Historiker eine Arbeit darüber schreiben. Die Verbindungen zu Tschechen sind vielfältig und gehen tief. Die zweite Entwicklungsphase der Fabrikstadt, seit der Übernahme durch Dittrich und Hielle, die eben aus Nordböhmen kamen, brachte eine rasante Entwicklung und beträchtlichen Ausbau. Sie nannten ihr Unternehmen Zyrardower Manufacturen Hielle & Diettrich und beschäftigten eine Menge von Arbeitern und sorgten auch für sie. Unter den Familien, die nach Żyrardów kamen, gab viele Einwanderer aus Tschechen. In einer dieser Familien wurde 1881 Pavel Hulka geboren. Dank eines Stipendiums in Heidelberg konnte er als Publizist und später Übersetzter arbeiten, zusammen mit seiner polnischen Frau Kazimiera Laskowska gründete er die Zeitung Echo Żyrardowskie, in der er sich sehr für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Arbeiter einsetzte. Vor allem aber war er als Übersetzer aus dem Tschechischen tätig. Er brachte Werke von Karel Čapek und Bozena Nemcova dem polnischen Publikum nahe, größere Bekanntheit erlangte er aber vor allem durch die Übersetzung des Romans „Der brave Soldat Schwejk“ von Jaroslav Hašek. Sein autobiografischer Roman, fast ein Tagebuch, „Mój Żyrardów“ kann als Quelle für das Geschehen während des Krieges in Żyrardów gelesen werden.

Und noch eins: warum eigentlich Żyrardów? Der Name stammt von dem französischen Techniker, später auch Ingenieur Philippe de Girard; sein Denkmal steht inzwischen vor der „Ressource“, für alle sichtbar. Nach einem sehr abwechslungsreichen Leben – er hatte für einen in Frankreich ausgeschriebenen Preis für eine Flachsspinnmaschine eine solche konstruiert, das Preisgeld aber nie bekommen – wurde er 1825 von der russischen Regierung nach Warschau geholt. Nach mehreren weiteren Stationen landete er schließlich mit seiner Erfindung in den Leinenproduktionsfabriken. Später versuchte er sich in Bergbau, Wasserbau und der Zuckerproduktion. Und da das G als ż ausgesprochen wird, kam es zum dem Ortsnamen Żyrardów.

Daniel Passent / Berlinale

Rzadko się zdarza, że jednego dnia muszą się ukazać dwa wpisy, ale dzisiaj muszą.

Monika Wrzosek-Müller

14 lutego 2022 zmarł Daniel Passent; nie był na dzisiejsze czasy stary, miał 83 lata.Dla mnie i wielu osób był ikoną tygodnika Polityka, odkąd pamiętam czytałam jego felietony. Był człowiekiem legendą dziennikarską, bo też przez 63 lata związany był z tygodnikiem, przemiły, sympatyczny, błyskotliwy i inteligentny człowiek. Ubierał się też na tle swoich kolegów po fachu z wyczuciem smaku. Pamiętam spotkanie z nim, kiedy mój mąż dostał nagrodę Polityki.

Ale teraz dopiero czytam i poznaję, jak ciężkie koleje losu nosił ze sobą; urodził się na terenie dawnej Polski w Stanisławowie, prawie nie znał swoich rodziców, którzy zginęli zaraz na początku wojny. Wychowywał się u wujowstwa, a ukrywał w czasie wojny, jako małe dziecko u nieznanych mu ludzi.

Pamiętam, że w okresie rozkwitu Solidarności trochę kłóciłam się z Polityką za zbytnią lojalność do nie mojej strony politycznej. W międzyczasie myślę, że bardzo potrzebne są gazety, a z nimi dziennikarze obiektywni, neutralni i tolerancyjni, no i oczywiście dobrzy, a tak odbierałam zawsze Passenta.

Wychował wspaniałą córkę, z którą miał zawsze dobry kontakt i która, miejmy nadzieję, przejmie pałeczkę pisania po nim.

Myślę, że Polsce akurat teraz potrzeba dziennikarzy, którzy spokojnie i z dystansem, bez wielkich namiętności potrafią spojrzeć na rzeczywistość i ją opisać. Będzie nam go bardzo brakowało.

Tibor Jagielski

zmarł daniel passent

…pisałem na jego blogu en passant w polityce prawie 20 lat
będzie mi go brakowało

cześć jego pamięci
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Ela Kargol

Berlinale, filmy, miejsca, zdarzenia

Spoglądając na mapę miejsc, w których można obejrzeć jeden z filmów 72 Festiwalu Berlinale, należałoby zaplanować niejedną ciekawą wycieczkę po mieście, a nawet poza granice Berlina. Tak jest od lat, a od jakiegoś czasu samo miejsce i film stały się dla mnie równie ważne.

W tym roku, w czasie nadal trwającej pandemii, sprzedaż biletów odbywa się w kasach online, całe szczęście filmy można oglądać w kinach – kto może, to może, zaszczepieni mogą. Obostrzenia, testy, odstępy, maski, te wymogi nie były dla mnie przeszkodą. Przeszkodą okazała się karta Visa, niezarejestrowana tam gdzie trzeba. Poprosiłam o pomoc młodsze pokolenie, a więc córkę, której nie zawsze wysyłałam czytelne komunikaty. A więc przypadkowo otrzymałam dwa bilety na tę samą godzinę w tym samym dniu. Bez zastanowienia wybrałam miejsce, nie film. Bilet na film oddałam przyjaciółce.

Od kilku albo kilkunastu lat jedną z sekcji lub projektów Berlinale jest tzw. Berlinale Goes Kiez. Filmy konkursowe i inne, te ważne i mniej ważne, interesujące i nudne, dziwne i niezrozumiałe trafiają do małych kin. A ja małe kina po prostu lubię.

Najlepsze to małe kina
w rozterce i w udręce,
z krzesłami wyściełanymi
pluszem czerwonym jak serce.

K. I. Gałczyński

Jednym z pierwszych małych kin, w którym oberzałam festiwalowy film było bliskie mojemu sercu i adresowi Bundesplatz Kino.

Film był czeski. Siedziałam obok Czeszki, jedynej Czeszki na sali. Gdy reżyser zapytał się, czy jeszcze jest ktoś z Czech, po długim milczeniu, powiedziałam, wydawało mi się, po czesku: ja sem z Polski. Ucieszył się reżyser, ja też, choć był to naprawdę „czeski film“ w polskim rozumieniu tego słowa. Pamiętam po roku, gdy pojechałam do Pragi wszędzie wisiały reklamy tego właśnie filmu, coś o mladej nocy w tytule.

Effi Briest obejrzałam w Adrii na Steglitz. Nie było biletów. Na Berlinale często nie było biletów, ale ja byłam prawie zawsze sama, czekająca do końca. I potem ten bilet się nagle znajdował, ten ostatni. Tak było z Effi Briest. Projekcja się zaczęła, ciemno, pani wychodzi z sali i mówi, że jest jedno miejsce. Jedno miejsce na środku sali w środkowym rzędzie. Gdy jest wybór, zawsze siadam z boku i blisko ekranu. Wtedy wracałam z pracy, z zakupami do domu i z moim nieodłącznym plecakiem, a sama jestem rozmiaru 46, a nawet 48.
Gdy szłam do mojego miejsca, cały czas przepraszałam. Nie każdy był wyrozumiały. Skąd mogłam wiedzieć, że spotka mnie tyle szczęścia, którego dla innych zabrakło. Jednak może szczuplejszej się należało. Effi Briest z przystojnym Sebastianem Kochem w roli barona Geerta von Innstetten chętnie zobaczyłabym jeszcze raz. Ostatnio czytałam biografię Elisabeth von Plotho, po mężu von Ardenne, pierwowzorki powieściowej postaci Theodora Fontane’a Effi Briest. Elisabeth von Plotho rozwiodła się z mężem, co na tamte czasy było dość odważną decyzją. Dzieci zostały przy ojcu. Dopiero po latach spotkały się z matką. Elisabeth von Plotho po rozwodzie została pielęgniarką, pracowała długie lata w tym zawodzie. Zmarła w wieku prawie 100 lat. Pochowana jest na cmentarzu w Stahnsdorfie pod Berlinem.

Jest to jeden z cmentarzy, który oprócz wiadomych usług, oferuje bogaty program kuturalno-poznawczy. Wyobrażam sobie, że prędzej czy później Berlinale pojawi się również tutaj, tak jak zagościło przed kilku laty w byłym krematorium na Weddingu. Pierwsze krematorium w Berlinie, po prawie stuletniej działalności przestało być krematorium, a stało się miejscem (silent green Kulturquartier) w którym zadomowiła się sztuka, w szerokim słowa tego znaczeniu.

Pamiętam Nocny pociąg do Lizbony z Martiną Gedeck, obecną na sali kina w Babelsbergu. Film zaczął się bardzo późno, kino leży poza Berlinem, w granicach Poczdamu i pech chciał, że kolejka podmiejska z jakichś powodów w drodze powrotnej miała dłuższy przestój. To był nocny pociąg do Berlina, a trwał tyle samo w moim odczuciu, jak do Lizbony. W tym czasie to bym się nawet portugalskiego nauczyła.

Nie lubię Friedrichstadtpalast, jako miejsca na Berlinale, nie wiem dlaczego, może wielkość, może filmy, które tam oglądałam nie należały do najciekawszych, ale należały do ważnych. Takim był Beuys, biograficzny film o artyście światowej sławy i inne, których tytułów nie pamiętam.

Filmem o zespole też światowej sławy Die Toten Hosen, Weil du nur einmal lebst – Die Toten Hosen auf Tour sprawiłam ogromną radość mojej córce. Zobaczyła ich wszystkich, a nieraz oglądała ich na koncertach, ale w lutym 2019 otarła się o Campino i crew właśnie przed Friedrichstadtpalast, a autografami chwali się do dziś. W tym roku razem wybieramy się na koncert zespołu.

Krótko po przyjeździe do Berlina, byliśmy z całą klasą dziś już dorosłej córki, wtedy siedmioletniej lub ośmioletniej Marty, na filmie, którego nie mogę znaleźć w archiwum. Piękny film, produkcji południowoamerykańskiej, o chłopcu i jego psie, który jechał koleją, prawdopodobnie Koleją Transandyjską, budowaną swego czasu przez inżyniera Ernesta Malinowskiego. Bilety (do kina, nie na pociąg) kosztowały, ponieważ byliśmy grupą, 1 markę. To był chyba najbardziej korzystny finansowo kinderball.

Nie pamiętam, które było moje pierwsze Berlinale, mogło to już być w roku 1985, lub 1986. Festiwal odbywał się w Berlinie Zachodnim, w kinach na Ku’dammie i w Zoo Palast. Na początku były to filmy polskie, które koniecznie chciałam zobaczyć. Wajda przyjeżdżał do Berlina wielokrotnie. Katyń oglądałam siedząc prawie obok niego i Englerta, bo ktoś mi oddał krótko przed seansem swój bilet. Kieślowski odbierając nagrodę, powiedział: Noch ist Polen nicht verloren. Te słowa cytował też Tagesspiegel. Wtedy mój pracodawca, zapytał mnie, co to właściwie znaczy. Wyjaśniłam mu, na tyle ile pamiętałam, historię powstania hymnu polskiego. Pamiętam Siekierezadę, filmy Agnieszki Holland, Szumowskiej i inne.

W czerwcu 1951 roku w Titania-Palast w berlińskiej dzielnicy Steglitz filmem Alfreda Hitchcocka Rebeka otwarto pierwszy Festiwal Berlinale. Od 1978 roku festiwal odbywa się w lutym. We wschodniej części miasta, w odpowiedzi na Berlinale, odbył się Festiwal Filmów Demokracji Ludowej, na którym pokazywano głównie filmy z ówczesnego bloku wschodniego.

Od roku 2000 Theater am Potsdamer Platz jest głównym miejscem Międzynarodowego Festiwalu Filmowego w Berlinie, jest sercem Berlinale, w czerwonym kolorze. W tym czasie teatr nosi nazwę Berlinale Palast. Obok premier filmów konkursowych pokazywany jest tu film otwarcia i ceremonia wręczenia nagród. To tu co roku rozciągnięty jest największy czerwony dywan i tu najczęściej pojawiają się gwiazdy. Złoty Niedźwiedź (Goldener Bär), nagroda przyznawana filmom konkursowym, nawiązująca do flagi i herbu Berlina, została zaprojektowana przez niemiecką rzeźbiarkę Renée Sintenis (1888–1965). Te niedźwiedzie stoją przy wjazdach do Berlina, nie zdążyłam nigdy zwrócić na nie uwagi. Ten pierwszy stanął w roku 1958, z okazji 70 urodzin artystki na środkowym pasie dzielącym autostrady 115 między Dreilinden a węzłem autostradowym Zehlendorf. Chyba można byłoby go dojrzeć, jadąc na Berlinale do Kleinmachnow. Tylko, że ja, jadąc do kina w Kleinmachnow, wybrałam inną drogę.

http://www.strassengeschichte.de/Menueoptionen/Geschichte/HistorieGesch/BerlinerBaeren/Baeren.htm

Berlinale 2022

Filmy, które widziałam, nie zdobyły chyba żadnej nagrody, oprócz filmu Lutza Pehnerta, Bettina.

Piękny film o życiu, o przywiązaniu do miejsca i tęsknocie za nim, o jednym mieście murem podzielonym i dwóch politycznych systemach. Film wyśpiewany, zaśpiewany poezją, którą poznałam dawno temu w Polsce i nie pamiętam, jakie to były piosenki, pewnie te o miłości, bo w swoim repertuarze ma ich dużo. Bettina Wegner, szansonistka, poetka, feministka bohaterka filmu była obecna na widowni. W masce i z odstępem, przez nikogo niezauważona przeszła po czerwonym dywanie.

Dwa następne filmy, były z tych filmów, które ma się okazję obejrzeć tylko na Berlinale, nudne i ważne. Nuda nie musi być doznaniem negatywnym. Pierwszy bardzo interesujący przez swoją problematykę społeczną, o życiowej odrębności, samotności i potrzebie bliskości. Oszczędny w grze, przekazie i obrazie. I nie wiem nawet, czy jest filmem drogi, choć tytuł o tym zapewnia: Nie zgubiliśmy drogi*.

Film Echo mniej mnie interesował niż miejsce. Neue Kammerspiele w Kleinmachnow, budynek zbudowany i przeznaczony od razu na kino krótko przed II wojną światową, propagujący kulturę w różnych systemach politycznych i różnych systemów politycznych, po upadku muru powrócił do spadkobierców i od kilku lat jest częścią Berlinale w sekcji Berlinale Goes Kiez.

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* Autorka tego nie pisze, dodam więc, że Nie zgubiliśmy drogi to film polski, w reżyserii i wg scenariusza Anny Sasnal i Wilhelma Sasnala

Frauenblick: Norblin-Fabrik

Monika Wrzosek-Müller

Neue Räume in Warschau

Eigentlich hatte ich vor, in Warschau lange Spaziergänge zu meinen alten, aber auch den neuen Orten zu unternehmen. Doch die Tage sind zu kurz, auch es ist zu dunkel, das Wetter spielt manchmal völlig verrückt; es gibt Schneegewitter oder Hagelstürme, dann scheint plötzlich die Sonne und mich überfällt eine Lethargie, die ich erst einmal überwinden muss, bevor ich mich überhaupt in Bewegung setzten kann. Sich aus dem geschützten und noch sehr altmodischen Viertel Saska Kępa in die Großstadt zu bewegen, erfordert Mut; hier ist alles klein, bekannt, überschaubar; drei größere, vertikal verlaufende Straßen und etwas mehr horizontale. Natürlich findet man auch hier schöne alte Bauhaus-Häuser, noch nicht herausgeputzt, noch im Urzustand, die mich anlächeln. Manchmal verfehlen die allzu pingeligen Renovierungen ihr Ziel, sie lassen die alte Patina verschwinden, zusammen mit der Schönheit und Einfachheit, zu schade. Doch die große neue Welt befindet sich eindeutig außerhalb von diesem Viertel.

Vor ein paar Tagen habe ich mich dann doch rausgewagt und bin in andere Räume, Stadtteile von Warschau aufgebrochen, eigentlich ganz im Zentrum, wohin ich früher nie vorgedrungen war. Der Raum hinter dem Zentralbahnhof, hinter der Shoppingmall „Złote Tarasy“, voll von richtigen Wolkenkratzern, Hochhäusern und mit ganz breiten geraden Straßen, hat mich erstaunt. Es ist da so viel entstanden, ganz neue Viertel, die für mich eher nach einer Metropole in Amerika aussehen und dem mir unbekannten New York als nach dem mir bekannten Warschau. Umso mehr freute ich mich, als ich die alten, gerade renovierten Gebäude der Norblin-Fabrik von weitem sah. Sie bilden einen schönen Kontrast zu der übrigen Bebauung in der Gegend. Eigentlich müssten wir in Europa doch aufpassen, nicht überall dasselbe zu produzieren und zu reproduzieren, dieselben Glasfassaden mit den schnell sich bewegenden Liften draußen, alles hochmodern und zugleich eher unmenschlich, so dass das individuelle Gesicht einer Stadt völlig verschwindet. Am „Rondo ONZ“ wehte der Wind so stark, dass viele Leute ihre ursprüngliche Route aufgaben und umkehrten; ein Mann im Rollstuhl wäre fast auf die Straße geweht worden, wären da nicht zwei kräftige junge Männer gewesen, die ihm halfen.

Endlich aber war ich doch bei der Norblin-Fabrik, Gebrüder Buch und T. Werner, angelangt und bewunderte erst einmal von außen das sehr schöne Objekt, das sich über mehrere alte Fabrikgebäude erstreckt mit den integrierten Bürotowern dazwischen. Von weiten sieht man schon ein nicht allzu buntes Murale von Pola Dwurnik, das die Fabrik darstellt und im Stil ihres berühmten Vaters, einen Maler, gehalten ist. Die Wahl der Materialien bei der Instandsetzung der Fabrik hat mich begeistert, neben edlen Holzarten gibt es Rosteisen [oxidierten Stahl], schöne Steinfußböden mit eingelassenen alten Schienenresten, die schöne Muster auf dem Boden bilden. Alles ist sehr elegant, präzise und in guter Harmonie zwischen der alten und modernen Struktur eingerichtet. Revitalisiert wurden insgesamt 9 alte Gebäude, die auch Baudenkmäler sind, sowie 50 Maschinen aus dem alten Maschinenpark, die im ganzen Gelände ausgestellt stehen, z.B. eine hydraulische Presse, die 50 Tonnen wiegt. Manche der Maschinenteile wurden ihrer ursprünglichen Funktion enthoben und fungieren z.B. als Untersätze für die Glastische, für die Bänke. Manche von den Gebäuden wurden komplett neu, aber in historischer Gestalt wiederaufgebaut.

Die Geschichte der Familie ist bemerkenswert: der Sohn eines Zeichners und Malers Warschauer Motive, des Franzosen Jean Pierre Norblin de la Gourdine, Aleksander Jan Konstanty Norblin, genannt John, geboren 1777, wurde nach langer Ausbildung in Paris zum Metallgießer (Bronze) nach Warschau angeworben und gründete dort 1820 die Norblin-Fabriken, damals „Warszawska Fabryka Bronzów“ (Warschauer Bronze-Fabriken) genannt. Sie produzierten hauptsächlich künstlerische Objekte in Bronze, z.B. große Leuchter für Kirchen, Epitaphien, auch Büsten. Er arbeitete viel für die Familie Czartoryski, fertigte eine Büste des Fürsten, auch Figuren und Ornamente für die Gräber der ganzen Familie. Erst später begann die Fabrik, auch Alltagsgegenstände wie Besteck etc. herzustellen. Die Fabrik wurde immer größer, fertigte auch die Samoware für russische Adelige; die Nachfrage nach den schönen, edlen Gegenständen stieg ständig, so wundert die Größe des Terrains, das die Fabrik einnahm, nicht. Auf dem Gelände befindet sich jetzt auch ein Museum, das die Firmengeschichte dokumentiert.

Noch sind nicht alle Räume in der Fabrik fertig und belegt, das Gelände wurde erst Ende September 2021 eröffnet; doch jetzt schon kann man sehen, dass es eine gelungene Mischung von Kunst bietet: zwei Galerien, Kultur, ein sehr luxuriöses Kino, „Kinogram“, mit einer noch moderneren Bar, mit mehreren Kinosälen, ein Bereich für eine Bio-Markthalle, „Biobazar“, wo man frische Bioprodukte kaufen und auch essen kann, und ein ganz großer Bereich für eine Food Town mit 23 gastronomischen Konzepten aus Europa, und anderen Teilen der Welt, wo man in geräumigen Fabrikhallen gut essen kann. Hier ist auch eine wunderschöne Piano-Bar untergebracht mit einer Bühne für die live-Musik und Tanzflächen.

Ich schlenderte langsam durch das ganze Gelände, das noch nicht überlaufen ist, und irgendwann gelangte ich in den ersten Stock mit einer wunderschönen Ausstellung in geräumigen, sehr gut designten Vitrinen, die aus den alten historischen Wagen der Fabrik gefertigt sind: die ganze Produktion der Fabrik von silbernen und versilberten Objekten; wir sehen Vasen, Platten, Besteck, Kelche, Kannen, Unterteller, Silberringe, Zuckerdosen, überhaupt Dosen etc… Großer Beliebtheit erfreuten sich kleine Tischbürsten mit ebenso kleinen, schön verzierten Schaufelchen. Ich erinnere mich an die alten, halb „aufgegessenen“ Löffel, die meine Oma in ihrer winzigen Wohnung in Mokotów noch benutzte und die sie über die Verbannung nach Kasachstan bewahrt und dann mit zurückgebracht hatte. Mit den Löffeln konnte man nichts mehr essen, die Versilberung war gesprungen, sie kratzten und man konnte sie nicht mehr richtig reinigen. Das meiste Silber war natürlich da, in der Verbannung, verkauft oder in Essbares eingetauscht worden; geblieben waren für uns Enkelkinder Erinnerungen wie: „das war doch echtes Norblin, oder eher Fraget“. Meine Oma schätzte die Erzeugnisse dieser polnischen Fabriken sehr und sie erzählte mir, dass in dem Flügel, den sie in ihrer Wohnung in Lemberg hatten zurücklassen müssen, drei Komplette von je 24 Besteckteilen für jede ihrer drei Töchter eingelagert waren; sie konnten nicht so viel in die Verbannung mitnehmen. Als ich vor ein paar Jahren in Lemberg war, auch in ihrer Wohnung, zwar verkleinert, denn da wohnten nun drei Familien, konnte ich keinen Flügel ausfindig machen, geschweige denn die Besteckkomplette für die Mädchen.

Die Norblin-Fabrik scheint mir eine Mischung aus Zukunft und fortgesetzter Vergangenheit in diesem während des Zweiten Weltkrieges wirklich total zerstörten Warschau zu sein. Im Sommer wird sich der Ort bestimmt mit Tausenden von Besuchern füllen.

Frauenblick. Andrzej Stasiuk.

Monika Wrzosek-Müller

Andrzej Stasiuk – nach Jahren

Vor Jahren, als ich ganz kurz im Polnischen Kulturinstitut die Spalte: Kultur, Politik, Literatur leitete, habe ich u.a. Andrzej Stasiuk zu einer literarischen Soiree eingeladen. Schon damals fiel mir auf, wie gutaussehend und erzählbegabt der Schriftsteller war, ein Typ mit Esprit, mit Lebens- und Durchsetzungskraft. Bei dem Abend war auch sein Übersetzer Olaf Kühn anwesend, das Gespräch stützte sich vor allem auf die Erzählungen aus dem Leben des Schriftstellers, das für mehrere Romane den Stoff liefern könnte; er gab auch etwas später das Buch Jak zostałem pisarzem [Wie ich Schriftsteller wurde. Versuch einer intellektuellen Autobiographie] heraus. Irgendwie erinnerte mich seine Erzählweise und der
Versuch sich selbst zu positionieren an Lessico famigliare [Mein Familien-Lexikon], 1965, und die kurze Erzählung Il mio mestiere aus Le piccole virtú von Natalia Ginzburg. Ob er ihr Werk kannte, scheint mir eher unwahrscheinlich. Damals habe ich ihn nicht danach gefragt. Stasiuk selbst beruft sich in einem Gespräch auf seine Vorbilder wie Thomas Dylan, Joseph Brodsky oder Czesław Miłosz. Es sind also eher Dichter als Prosautoren, die ihn inspirieren. Das Poetische bleibt also ein Markenzeichen in der Stasiuks Prosa erhalten.

Andrzej Stasiuk reiht sich für viele Polen in eine Figur des gepflegten Außenseiters, der gegen vieles rebelliert und sich dem „normalen“ Leben eines Intellektuellen Schriftstellers entzieht. Schon sein Lebenslauf mit der abgebrochenen Schulbildung, einem Aufenthalt im Gefängnis wegen der Rebellion gegen den Drill und unmenschliche Behandlung während des Militärdienstes, dann der Wohnortwechsel aufs noch tiefere Land (damals noch völlig unüblich…) in das Dorf Czarne in den Niederen Beskiden klingen nach einem extravaganten, selbstbestimmten Leben, das er wie ich neulich erfahren habe, fortsetzt. Später heiratete er Monika Sznajderman und zusammen gründen sie den Verlag Czarne, der bis heute existiert und sehr gute Literatur (vor allem die aus dem sog. Mittelosteuropa und Reiseliteratur) herausbringt.

Natürlich denkt man bei Stasiuk an seine wunderschön herausgegebenen Bücher wie Dukla schon im Verlag Czarne [Die Welt hinter Dukla] in der schönen Übersetzung von Olaf Kühn, oder Kruk [Der weiße Rabe]. Später folgen viele Titel, viele gute Romane, fast jedes Jahr einer, die sehr oft weiterhin von Olaf Kühn ins Deutsche übertragen werden. Er schrieb auch über seine Lesereise in Deutschland das Buch unter dem Titel Dojczland, das mit demselben Titel in Suhrkamp 2008 erschienen war. Irgendwann wurden seine Bücher eher von Renate Schmidgall übersetzt. Der letzte Titel, der mir in Erinnerung geblieben ist, hieß Wschód [Der Osten]. Stasiuk schien sehr viel zu reisen, schien auf einem poetischen, Selbstfindungsweg zu sein. Der Osten, weite Steppen, die Wüste, menschenleere Räume, unberührt und manchmal doch grausam, die Ukraine faszinierten ihn; da suchte er seine Wurzeln und sein Verständnis der Ereignisse. Er entzog sich weiterhin dem „modernen“ Leben, benutzte kein Handy, war in keinen Netzwerken unterwegs.

Fast nebenbei, oder doch erst später fing er auch an, sich für Musik, für Jazz zu interessieren und dieses Interesse verfolgt er bis heute. Schon 2007 gab er zusammen mit Mikołaj Trzaska und anderen Musikern einen Album Kantry heraus, in dem er von der Reise über das ehemalige Jugoslawien berichtet. Bei langsamen Klängen, jazzartig werden die Szenen untermalt, kommen die Erlebnisse der Reise noch besser zur Geltung; z.B. die Stücke Istrianna und Sarajewska. Zugegeben Stasiuk verfügt über eine sehr angenehme, tiefe, melodische Stimme, fast priesterliche, ohne belehrend zu klingen.

2020 erschienen weitere zwei CD mit Trzaska Grochów głosem [Grochow (Stadtviertel von Warschau) mit der Stimme] liest Stasiuk seine frühen Texte über die Gegend (die auch teilweise in Tygodnik Powszechny veröffentlicht wurden) und wird wiederholt von den Musikern begleitet. Für die Fans dieser rechtsseitigen Weichsel Warschau ein Muss. Er beschreibt noch die erhaltenen Holzhäuser und das ärmliche, meistens Arbeiterleben und den Stolz der Bewohner, die für ihren Viertel zwar leidend doch gradestehen. Die Musik ist wirklich minimalistisch, so dass die Texte gut hörbar und nachvollziehbar sind. Dabei kommt es sehr gut heraus, worum es Stasiuk wie auch in seinen Prosawerken geht, mit vielen Beschreibungen der Natur hebt er das Poetische, Erlebte, die Landschaften, Orte nach oben; er erlebt das sehr intensiv und hautnah, dadurch wirkt alles sehr authentisch und keineswegs snobistisch und überzogen.

Später gibt es noch eine CD mit der Gruppe Haydamaken, eine sogar schon 2018 unter dem Titel: Mogiły Haremu und jetzt 2021 eine neue, in der er die Gedichte von Mickiewicz vorträgt.

Der eigentliche Anlass, warum ich über Stasiuk jetzt gerade schreibe, ist sein neues Album Opla Stasiuk Trzaska. Es ist eine Improvisation um die polnische Religiosität und Gewalttätigkeit. Stasiuk selbst hebt die Musik hervor, seine Rezitation beschränkt sich hier aufs Beten, das Beten an die heilige Maria, das Gemurmel. Das Album wurde mit großer Aufmerksamkeit in den polnischen Medien aufgenommen, es gab viele Interviews mit dem Schriftsteller; in einem sagt er sehr deutlich und unverblümt, worum es ihm geht: „Ich sage: ‘jetzt wird es über Polen und die Heilige Maria gehen’ und die Zuschauer und Zuhörer flüstern: ‘jetzt wird er PIS und die Religion mit Scheiße bewerfen.’ Wie groß war dann die Überraschung, dass ich einfach ein Gebet gesprochen hatte“. Stasiuk berührt schon interessante Seite der polnischen Religiosität, er spricht von einem fast heidnischen Kult der Maria und dazu kommt von der Musikerseite der Rhythmus von Oberek. Oberek ist ein polnischer Drehtanz, in dem sehr bewegten und raschen Tanzschritten drehen sich die Paare, immer schneller und immer wieder, man denkt fast an die Derwische, an ihre Drehfiguren und das Magische, Mystische, das dabei entsteht. Das findet auch Stasiuk, Oberek symbolisiert für ihn gut polnische Wirklichkeit, es drehe sich alles im Kreis ständig und wiederholt, und irgendwann versuche man sich loszureißen, manchmal per Zufall scheint es, als würde es für eine Weile gelingen und dann gleich danach kommt die Bauchlandung. So bleibt nach einem Fest, nach einer Hochzeit nur Kater. Die Gruppe hat diese Musik, die ganze CD den Sommer über probiert, aufgenommen, auch immer wieder aufs Neue versucht, die richtige Stimmung, den richtigen Rhythmus zu treffen.

Das, was mir bei Stasiuk gefällt, er bleibt sich selbst treu, läuft nicht mit, kritisiert auch gezielt, immer seinen Standpunkt bewahrend.

Inzwischen ist auch ein neuer Roman Przewóz [Flussfähre, Flussüberfahrt] von ihm erschienen, ein Buch über die Normalität des Krieges, das Alltagsleben unter widrigen Umständen, mit Gerüchen, Stimmungen und Atmosphäre.

Auf jeden Fall ein Schriftsteller, den man beobachten soll.

Frauenblick

Monika Wrzosek-Müller

Das Kino Kultura und der Film Wesele

Das Kino Kultura in Warszawa war schon zu meinen Studienzeiten eine Institution, doch nach der Renovierung und Neueröffnung im Jahr 2009 ist es einfach ein reines Vergnügen, sich in dem Kino einen Film anzuschauen. Der Saal ist riesig, 234 Sitze, in dezentem Mintgrün gehalten, Corona-sicher auch abends; es waren jedes Mal höchstens 15 Leute anwesend. Auf dem Programm stehen immer die neuesten aber ambitionierten Produktionen, besonderen Wert legt man auf die polnische Filmographie; das Kino wird vom Verband der Polnischen Filmemacher betrieben. Immer wieder werden auch Themenschwerpunkte gesetzt – z.B. eine Thriller-Woche oder die Woche des Vietnamesischen Films organisiert; es gibt Premieren, Previews. In das Kino kommt man durch ein anständiges italienisches Restaurant, das vor oder nach der Vorführung zum Essen und Trinken einlädt. Insgesamt eine richtige Institution, in der sehr belebten Krakauer Vorstadt 21/23.

Doch eigentlich wollte ich über einen Film berichten, der Polen noch stärker polarisiert hat (sollte es denn überhaupt noch Versuche geben, zu einigen), nämlich über Wesele [Die Hochzeit] 2 von Wojciech Smarzowski. Den habe ich im Kino Kultura gesehen. Es ist eindeutig kein Film, der gefallen will, eher soll er aufrütteln, schockieren, erschrecken, zum Nachdenken zwingen. Jeder, der den Film gesehen hat, entwickelt dazu seine ganz eigene Meinung; er wurde total kritisiert und hoch gelobt und es ist auf jeden Fall wieder einmal ein für Polen wichtiger Film.

Die Handlung ist eigentlich simpel: die Tochter eines mächtigen Schweinefleischproduzenten in einer ostpolnischen Provinzstadt heiratet ihre Jugendliebe; natürlich ist die Feier überdimensioniert, reich und geschmacklos. Der Vater ist in mehrere Probleme verwickelt, über die im Verlauf der Handlung erfahren. Die Mutter hat ihr Leben als immer betrogene reiche Ehefrau eigentlich satt, passt auch gar nicht in das neureiche Interieur. Als die fast wichtigste Person entpuppt sich im Laufe des Films der Großvater, dessen Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg den Hintergrund und zugleich eine Brücke bilden – Analogie zu einem der „polnischsten“ Dramen, Stanislaw Wyspianskis Wesele von 1901.

Die Fleischfabrik, ein Ort des Grauens, betrieben hart an der Grenze der Legalität, könnte schlimmer erscheinen als die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs. Es geht darum, immer billiger, immer mehr und mit immer größerem Profit zu produzieren. Dabei spielen auch deutsche Interessenten am Kauf von billigem Schweinefleisch eine wichtige Rolle. Für mich folgt der Film präzise einer Linie: er zeigt, dass man dem früheren Bösen nicht entkommen kann, malt eindringlich aus, wie es ist, das Böse, Schreckliche mit sich schleppen zu müssen, die Last auf den Schultern zu spüren und ihn noch so viele Jahre nach dem Krieg nicht abschütteln können. Man ist in der Vergangenheit gefangen, die alten Geistern steigen auf und vermischen sich mit den gegenwärtigen, so ist die Vergangenheit in der Gegenwart immer präsent und kann nicht aufhören mitzumischen.

Wenn man an in Polen an Wesele denkt, kommt einem ganz natürlich das große, mit den polnischen Mythen der Gesellschaft abrechnende Drama von Wyspianski in den Sinn. Da ist die Kluft, die Spaltung der polnischen Gesellschaft wunderbar sichtbar: die Bildungsbürger [inteligencja] sind guten Willens, die adligen Gutsbesitzer weniger; sie können die Bauern nicht verstehen, sie nicht aus ihrem Elend erlösen. Alles dreht sich in einem verträumten Tanz im Kreis und ganz tief ändert sich wenig. Der Alkohol erwärmt die Gemüter, sie sind so eher bereit, vieles einzugestehen, in diesem Moment zu vergeben…

Die Vermischung des Alkohols mit dem großen familiären Ereignis, dem Tanz, spielt auch bei Smarzowski eine große Rolle; der Alkohol bringt die Situation zum Überkochen, nach dem Höhepunkt ist nur noch der Absturz möglich. Das schicke Auto, ein Porsche, wird zerstört, der Bräutigam betrügt die Braut, die Mutter will die Scheidung, das Schicksal der Fabrik hängt von den deutschen Einkäufern ab, die man ganz schlicht versucht betrunken zu machen und dann durch inszenierte Sexexzessen, die gefilmt werden, zu erpressen, damit sie den Vertrag unterschreiben. Dass am Ende auch noch die Knochen von jüdischen Opfern des Zweiten Weltkriegs ausgegraben werden, ist eindeutig zu viel für den Zuschauer, auch für die Geschichte, die stark durch die Musik und die fantastische schauspielerische Leistung getragen wird. Dass dann auch noch arme und völlig ahnungslose Vietnamesen für die Arbeit in dem Schlachtbetrieb eingesetzt werden, ist der Symbolik zu viel. Polen ist wie ein großer Topf, in dem es von Gräueln nur so brodelt. Wir sehen keinen positiven Helden, am ehesten sind es die beiden Frauen: die Mutter und die Braut, doch sie sind in ihrer Harmlosigkeit so verwurzelt, dass sie dem überbordenden Bösen wenig entgegenzusetzten haben. Doch für die Polen, für ihr Geschichtsbewusstsein, ihr Gerechtigkeitsempfinden könnte es bedeutsam sein.

Parallel dazu verläuft die Geschichte des Großvaters, der sich während des Krieges in ein jüdisches Mädchen verliebt hatte und dann nicht darüber hinwegkam, dass das Mädchen und dessen Eltern in einer Scheune verbrannt werden sollten – getrieben von deutschen Soldaten, aber ermordet von polnischen Bauern. Er versuchte, das Mädchen mit einigen anderen Juden zu verstecken und hoffte, unbemerkt zu bleiben, doch dafür bezahlte sein Freund mit dem Leben; die jugendlichen Entscheidungen, die harmlose Liebe entscheidet plötzlich über Leben und Tod. Der Junge ist dem nicht gewachsen, obwohl er es gut meint, sorgfältig organisiert. Immerhin überleben einige von ihm versteckte Juden den Krieg. Dafür wird er als einer der Gerechten unter den Völkern der Welt ausgezeichnet und soll in Yad Vashem geehrt werden; die Nachricht erreicht ihn während der Hochzeit und sie ist der Auslöser für seine Erinnerungen. Die Geschichte in der Gegenwart bewegt sich Richtung Katastrophe und die Geschichte der Vergangenheit kommt immer näher an uns heran.

Es ist eine Geschichte über die polnischen Dämonen der Provinzialität, des Egoismus, der Fremdenfeindlichkeit bei aller Gastfreundschaft, der Angst. Vielleicht ist es ein Film, der gewollt viel zu didaktisch, symbolisch ist und deswegen für das Ausland nicht lesbar, doch für Polen ein Lehrstück, an dem sich die Geister lange schinden werden. Es ist wie ein Spiegel, vielleicht ein etwas schiefer, doch die Themen des Films sind äußerst wichtig und in der öffentlichen Narration immer wieder präsent, so sollte man sich seine eigene Meinung dazu bilden, das versucht der Film jedem unter die Nase zu reiben.

Wesele [die Hochzeit], 2021
Regie und Drehbuch: Wojciech Smarzowski
Kamera: Wojciech Sobocinski
Musik: Mikolaj Trzaska
die Besetzung: Robert Wieckiewicz, Agata Kulesza, Marian Dziedziel, Ryszard Ronczewski, Maria Sobocinska und Mateusz Wieclawek

Frauenblick – Warschau 2

Monika Wrzosek-Müller

Swidermajer – ein Juwel der Umgebung von Warschau

Die Bahnlinie, die schon in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts nach Otwock oder noch weiter fuhr, brachte in der Zwischenkriegszeit alle nach frischer Luft Hungernden in die Sommerfrische. Die Lage an der Weichsel und dem Flüsschen Swider, inmitten von Kiefernwäldern, garantierte gutes, gesundes Klima. So ist es nicht erstaunlich, dass die schönsten und größten Villen, Pensionen und Hotels direkt an der Bahn entstanden. So war das in Falenica, Jozefów, Swider und Otwock.

Der Zeichner und Maler Michal Elwiro Andriolli, derselbe, der die Werke von Mickiewicz und Shakespeare illustriert hatte, entwarf erst einmal für sich selbst eine Holzvilla in der Nähe des Flüsschens Swider, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. Da die Nachfrage nach dieser Art von Häusern plötzlich stieg, entwarf er viele Pläne für typische Sommerhäuser entlang der Bahnlinie. Jemand sagte, sie seien eine Kreuzung zwischen russischer Datscha und alpiner Schihütte, aber erst der Dichter Konstanty Ildefons Gałczyński gab dem Stil in seinem Gedicht „Der Ausflug nach Swider“ den prägnanten Namen Swidermajer („Diese Villen, wie der Wojewode will, sind im Swidermajer-Stil“; meine Übersetzung). Mich erinnern sie auch sehr an den Gebäudekomplex der Lungenklinik in Beeliz und an die Bäderarchitektur der Ostseeküste, wobei dort eigentlich nur die Veranden in Holzbauweise ausgeführt wurden; es soll sogar eine fabrikmäßige Produktion dieser Art von Häusern in Wolgast gegeben haben; sie wurden Wolgasthäuser genannt. Im Fall von Andriolli wäre eher die Anlehnung an russische Vorbilder denkbar, denn er verbrachte in Russland fünf Jahre der Verbannung wegen der Teilnahme am Januaraufstand 1863.

Den Stil charakterisierte eine leichte Holzkonstruktion und Holzverkleidung, obwohl einige der größeren Objekte doch in solider Ziegelbauweise hochgezogen und nur mit Holz verkleidet wurden. Die auffälligen Stilelemente waren: die vertikal und horizontal verlaufende Holzverkleidung, ein Satteldach, hölzerne, verzierte Fensterläden und die besonders schönen, reich geschmückten Veranden, oft mit Buntglasfenstern. Die Verzierungen an den Giebeln zeigten oft pflanzliche, seltener Tiermotive. Meistens wurden die Häuser nur in den Sommermonaten genutzt und standen im Winter leer. Der größten Popularität erfreuten sie sich nach dem Tod Andriollis, also nach 1893; allein in Otwock gab es um die 500 solcher Objekte. Die Mehrheit der Besitzer solcher Häuser gehörte der jüdischen Mittelklasse (über 50%) aus Warschau an. Schon 1893 entstand in Otwock das erste Sanatorium für die Behandlung von Lungenkrankheiten (Tuberkulose, Asthma etc…). 1923 erhielt Otwock sogar den Status eines Kurbads; es gab ein Casino, viele Cafés und Restaurants. Viele bekannte polnische Persönlichkeiten waren Gäste in den zahlreichen Pensionen, darunter Władysław Reymont, Józef Piłsudski, Henryk Sienkiewicz, Bolesław Prus, Julian Tuwim und Janusz Korczak. Es gehörte zum guten Ton, sich dort zu zeigen, sich am Wochenende zu treffen, mit ganzen Familien, Kindern, Großeltern.

Mein Vater besaß noch in den 80er Jahren zwei Grundstücke in Jozefów, das eine bewaldet und nicht zu bebauen, das andere konnte er irgendwann später als Bauland verkaufen. Wir fuhren in den sechziger und siebziger Jahren oft dorthin, um Verwandte zu besuchen, die in einem halb aus Holz errichteten, halb verputzten Haus wohnten, mit einem riesigen Garten, und ich erinnere mich an einen Opa (meine beiden echten waren im Krieg gefallen), der dort Bienen züchtete. Wir gingen auf den Sandpfaden zum Weichselufer oder, was ich nicht so sehr mochte, zum Swiderufer. Die Holzhäuser sind mir als verfallene, ungepflegte Ungeheuer in Erinnerung geblieben. Da war ihre Glanzzeit eindeutig vorbei.

Nach dem Krieg und dem Verschwinden der Juden wurden die Häuser ihren ursprünglichen Funktionen beraubt. Zwar waren sie als Sommerhäuser entworfen worden, ohne Heizung oder fließendes Wasser, doch wegen der Zerstörung Warschaus bewohnten sie viele obdachlos gewordenen Menschen ganzjährig. Es entstanden Slums, das Wasser im Fluss Swider wurde verunreinigt, oft gab es im Sommer Brände, denen viele der Häuser zum Opfer fielen.

Die Häuser verfielen und verfallen weiter, erst nach der Wende gab es erste Versuche, einige zu restaurieren. Die Kosten für solche Unternehmungen waren und sind horrend, weshalb nur wenige Exemplare wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden konnten. Manche waren in Privatbesitz geblieben und wurden auch erhalten, doch die meisten verschwanden. Immer noch kann man die in großen Gärten gelegenen Ruinen finden, doch es werden immer weniger; nur wenige Objekte wurden unter Denkmalschutz gestellt.

Ein schönes Beispiel für die Restaurierung nach fast vollständiger Zerstörung ist die Pension Gurewicz, das größte Holzhausensemble in Polen. Es entstand in mehreren Etappen; seit 1906 wurde bis 1921 immer wieder ein Flügel oder ein Anbau hinzugefügt. Fairerweise muss man sagen, dass es sich um ein eben nur mit Holz verkleidetes Haus handelt. Zuerst war es als Privatvilla der Familie Gurewicz konzipiert, dann wurde es zum Sanatorium für ca. 80 Gäste. Gleich nach dem Krieg beherbergte es ein Militärkrankenhaus und 1948 verkaufte die Familie Gurewicz das Ensemble. Es wurde weiterhin als Krankenhaus genutzt, dann als Medizinisches Lyzeum, irgendwann war es in einem derart schlechten Zustand, dass es mehrere Jahre leer stand. In einem Zustand des völligen Zerfalls übernahm eine Autofirma das Objekt, um darin eine orthopädische Klinik einzurichten. Die Kosten für die Wiederherstellung wurden auf 10 Millionen Euro geschätzt. Von der ursprünglichen Idee, das Haus zu restaurieren, sind die Architekten abgegangen; das Haus wurde zerlegt und wieder neu aufgebaut, getreu nach den Fotos und Zeichnungen, getreu den erhalten gebliebenen Elementen. Es war das einzige Verfahren, um das Ensemble zu retten und ihm zugleich eine neue Funktion zu geben; natürlich stritten die Konservatoren, die Architekten, die Innendesigner, die Eigentümer, die Klinikexperten – und herausgekommen ist ein Kompromiss; so viele Funktionen zusammenzubringen, war eine echte Aufgabe und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen und vielen Leuten gefallen.

Für das normale Publikum sind der großzügig angelegte Garten und ein Restaurant mit einer großen Sommerterrasse zugänglich; alles in einem wunderbar gepflegten Zustand.

Frauenblick – Warschau 1

Monika Wrzosek-Müller

Tu zaszła zmiana – Hier ist eine Veränderung eingetreten

Es hat mich wieder anderswohin verschlagen; zugegeben, es ist meine Heimatstadt Warschau, doch nicht das Viertel, in dem ich früher gewohnt habe. Auch sonst erkenne ich meine Stadt kaum wieder, natürlich gibt es noch den Kulturpalast und die Altstadt und die Wohnblocks und die Busse und Straßenbahnen, doch scheint mir alles sauberer, funktioneller, schneller, moderner. Es gibt viele Elektro-Busse, die ganz leise auf der Straße summen, und die Straßenbahnen sind ganz modern; um den Kulturpalast ist eine Skyline entstanden, die sehr schön mit ihm harmoniert. Lange Jahre war ich in Warschau immer nur mit tausenden von Erledigungen, Telefonaten, Terminen und Treffen beschäftigt, immer gezwungen, in kürzester Zeit ein Maximum an Problem zu lösen, so dass ich das das normale Leben rundherum und die Veränderungen kaum wahrnahm. Natürlich ist die äußere Schicht jetzt menschenfreundlicher, viele alte Gebäude restauriert oder wenigstens neu verputzt, angestrichen; sie sehen frisch, hell und angenehm aus. Die Trottoirs sind begradigt, die Löcher verschwunden, überall stehen Müllkörbe, manche Bushaltestellen sind zum Verlieben, mit schönen hölzernen Bänken und Glashäuschen, und die Busse fahren pünktlich.

Und doch frage ich mich komischerweise immer wieder: ist das jetzt besser, sind die Leute glücklicher, entspannter, freundlicher? Leider fällt die Antwort nicht oft positiv aus, es gibt riesige Unterschiede zwischen den Klassen oder gesellschaftlichen Schichten; das ist überall sichtbar. Und so wird die Wirklichkeit auch ganz verschieden wahrgenommen; an Übertreibungen in beiden Richtungen fehlt es nicht. Und leider verschwindet, die von mir so geliebte Spontanität in den zwischenmenschlichen Beziehungen; man trifft sich viel weniger, vieles ist sehr formell geworden. Bei meiner Yogagruppe reden die jungen Leute überhaupt nicht miteinander, sie sind todernst mit ihren perfekt ausgeführten Asanas beschäftigt. Auf meine Frage, wo hier die Matten seien, gab es keine Antwort, keine einzige, obwohl in der Garderobe sechs junge Frauen saßen und keine von ihnen ein Neuzugang war.

Jetzt versuche ich doch über eine sehr positive und sichtbare Veränderung zu berichten, die mich besonders gefreut hat und neue Ausblicke auf das Warschauer Panorama bietet. Ich meine die Ufergebiete an der Weichsel, sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite. Eine Stadt, die am Fluss gebaut wurde, ist anders; es gibt immer das eine und das andere Ufer, es braucht Brücken, auch wenn man diese Tatsache manchmal fast vergisst, bildet so ein Fluss ein ständig präsentes Element der Stadtlandschaft. Früher, viel früher war der Fluss eine natürliche Barriere, die vor Feinden schützte, der Fluss diente als Transportweg und wunderbare Wasserquelle. Nach der Industrialisierung und vor allem mit dem Erscheinen von Autos als Transportmittel bewegte sich die Bebauung oft vom Flussufer weg. So war das auch in Warschau, obwohl immer wieder versucht wurde, die Weichsel für den Wassersport zu nutzen – es gab sogar eine Weichselflotte – wurden die Ufer vernachlässigt. Niemand wäre in meinen jungen Jahren auf die Idee gekommen, an der Weichsel spazieren zu gehen, schon gar nicht auf dem rechten Weichselufer, das völlig von Gestrüpp überwachsen war, morastig, gefährlich und verschmutzt und auch wirklich unzugänglich. Dann kam die Veränderung; Schon um 2000 entstanden am linken Ufer so prominente Bauten wie das Wissenschaftszentrum Kopernikus, die Universitätsbibliothek, das Museum für Moderne Kunst an der Weichsel, schon von weitem sichtbar. Dazu kam der Ausbau des Fahrrad- und Spazierwegs mit vielen Cafés und Restaurants. Plötzlich war das Ufer sichtbar und die Leute flanierten hier, im Sommer verlagert sich das Nachtleben mit den vielen Bars, Clubs und Events ans Ufer. Später kam dann die Zeit für die rechte Seite: das Nationalstadion wurde erneuert, fast neu gebaut, auch da passierte vieles, doch zum Glück nicht zu viel.

Die Weichsel ist im Stadtgebiet von Warschau 28 km lang, ein ganzes Stück; sie ist wenig reguliert und asymmetrisch, d.h. auf der rechten Seite ganz flach, auf der linken erhöht. Immer schaute man auf das rechte Ufer von oben herab, da gab es die schlechteren Wohnviertel, es war nicht das Zentrum, allenfalls für die Industrie. Doch siehe da, nach 2017, dem „Jahr der Weichsel“, hat sich vieles verändert. Es wurden mehrere großartige Strände am rechten Weichselufer angelegt, mit richtig schönem Sand, im Sommer kursiert auch eine kostenlose Fähre, die beide Uferseiten verbindet. Der naturbelassene Weg nah am Wasser ist inzwischen fast ganze 28 Km lang, hauptsächlich rasen darauf Radfahrer, aber man kann doch auch spazieren gehen. Es gibt Sportklubs mit Rudervereinen und Tennisplätzen, doch alles sehr zurückgezogen; Hauptsache bleibt die Natur mit den vielen Weiden, den Pappeln und den Wiesen, ein riesiges Gebiet mit vielen Vögeln, Bibern und anderen Tierarten. Die letzte Renovierung der Lazienki-Trasse brachte auch wunderbare Fußgänger- und Radfahrbrücken auf beiden Seiten der Trasse, von denen man wirklich atemberaubende Ausblicke auf Warschaus Skyline hat. Langsam entstehen auch in unmittelbarer Nähe neue Apartmenthäuser, die Gegend wird aufgewertet. Über diese Veränderung freue ich mich mächtig und empfehle jedem, der nach Warschau fährt, sich für diesen Weg Zeit zu nehmen.

Frauenblick: Pinien

Monika Wrzosek-Müller

Die italienische Schirmpinie – die Stolze

Die malerischen Landschaften mit abwechselnd gepflanzten Schirmpinien und Zypressen avancierten zu kitschigen Vorstellungen von der Toskana; man findet sie auf Postkarten, Gemälden, Tischdecken, Fresken auch auf T-Shirts. Sie sind auch wunderschön und eigen, nirgendwo sonst findet man diese Anordnung. Das Schwere, Monumentale einer Schirmpinie wird von der Schlankheit und Eleganz der Zypresse ausgewogen, ausbalanciert, es entsteht ein harmonisches Zusammenspiel; dieser Ausgleich, der in der toskanischen Landschaft immer anzutreffen ist, verleiht ihr die Harmonie und Weichheit, die ich so liebe.

Diese wunderschönen, riesigen Schirme, die mir immer als schattenspendende Gewächse in den Sinn kommen, verlangen so wenig von der Natur, halten so viel aus: extreme Dürre, extreme Hitze, extrem schlechte, aber auch gute, nährreiche Böden. Jedes Jahr bewundere ich diese Giganten in der Pineta der Feniglia, der unter Naturschutz stehenden Landzunge zwischen Ansedonia und dem Monte Argentario. Wie überleben sie die Hitze der vier Monate ohne einen Regentropfen, wie die Horden von Radfahrern und auch der Badegäste? Doch nach erstem Regen wacht die Pineta wieder auf, ist grüner als je zuvor und atmet, riecht nach Pinien, nach Harz oder nach Rosmarin, der hier auch in Fülle wächst. Manchmal, wenn ich länger durch die Pineta laufe und mir die Kronengewölbe anschaue, kommen sie mir vor, als ob sie das Vorbild für die gotischen Kathedralen mit ihren gefächerten Gewölben und schlanken Stützen und Säulen wären. Sie sind aber auch nicht aus der Ansicht von Rom und der antiken Ruinen, umgeben von abertausend Touristen, wegzudenken. Angeblich ist bis heute nicht nachgewiesen, ob sie gezüchtet wurden oder immer schon so in der Natur vorkamen. Auf jeden Fall können die Bäume selbst bis zu 250 oder 300 Jahren alt werden.

Fast jeden Morgen laufe ich oder gehe schnell mit meinem Dackel durch die Pineta, entlang der Lagune, oder auf dem Weg näher am Meer, in der Feniglia, dem acht Kilometer langen Pinienwald, auf einer Landzunge. Das ist die Art von Bewegung, die man sich in der Hitze erlauben kann. Die Pinien schließen sich über meinem Kopf zu einem Gewölbe, unten ist es zwar trocken, aber schattig. In diesem Jahr wurde der Weg an der Lagune mit Wasser besprengt, damit nicht so viel Staub durch die Fahrräder der Ausflügler aufgewirbelt wird. Der Boden ist dann angenehm kühl und an den Rändern wachsen ganz schnell, fast im Nu, grüne Pflanzen, Gräser, Blüten an den Sträuchern. Die Schnelligkeit, mit der die Natur sich von der Trockenheit erholt, ist faszinierend; im Haus, im Garten, habe ich tagelang eine Topfpflanze beobachtet, die wirklich von Minute zu Minute wuchs. Als wir ankamen, waren die Blätter ausgetrocknet; nach regelmäßigem Gießen keimten sie dann aus der Erde und wuchsen zu riesigen Blättern, nahmen immer mehr Platz im Topf ein, bis ich fast dachte, dass sie ihn sprengen würden. Dasselbe geschieht in der Pineta, wenn es mal einen Regenguss gibt; da wachen Sträucher und Pflanzen auf, deren Existenz man gar nicht wahrgenommen hat. Oft überlege ich: Wurde die Pineta angelegt oder wuchs sie da schon seit Jahrhunderten von selbst? Die Funde von Ruinen römischer Villen an zwei Stellen in Pineta würden dem widersprechen.

Die Pinien sind wie Skulpturen, ihre Stämme sind kräftig und die Äste irgendwann wie Sprossen eines Schirmes angelegt; sie brauchen ungefähr 50 Jahre, bis sich ein richtiger Schirm gebildet hat. Manchmal ähneln sie einem Riesenpilz, vielleicht ist die Eiche ein Pendant in unseren Breitengraden zu dieser Wucht und Kraft, die sich aus diesen Bäumen entwickelt. Die vertrockneten Äste fallen von selbst ab, es bleibt der immer flachere Schirm oben, er ist wahrscheinlich auch überlebenswichtig für so einen Baum unter diesen klimatischen Bedingungen. Dieses Jahr war ich erschrocken, als ich die alten Pinien an der Straße nach Grosseto total beschnitten fand, sie sahen aus wie nackte, hilflose Wesen, die verletzt worden sind und ums Überleben kämpfen. Je weniger beschattete Stellen sich unten am Boden befinden, desto geringer die Überlebenschancen des Baumes. Irgendwo habe ich gelesen, dass sie in einer Pineta sogar bis zu sechs Monaten die Hitze und Dürre aushalten können. Dann flachen die Schirme noch mehr ab und bilden eine grüne Schicht oben; unten bleibt es trocken aber schattig. Die Schirmpinien wurden Modelle für unzählige Künstler und stehen immer noch stramm und schattenspendend, man möchte sogar sagen „wie gemalt“ da. Schon seit Antike werden sie abgebildet; natürlich finden wir sie bei den impressionistischen Gemälden, aber auch in vielen Zeichnungen, Lithografien, Fotografien, später und früher.

Interessant ist die Affinität der Faschisten zu den Pinien und zur Pineta; Mussolini soll angeordnet haben, überall Pinien zu pflanzen. Es gab regelrechte Programme zur Aufforstung entlang der Küste; die Wäldchen sollten die hinter dem Strand gelegenen Getreidefelder vor der salzigen Meerbrise schützen. Die bekannten faschistischen Musterdörfer wie Sabaudia in Latium, Villagio Resta und Le Cestine in Apulien oder auch Gualdo Tadino in Umbrien wurden mit Pinienwäldern abgegrenzt. Ich erinnere mich an Fotografien in einer Trattoria in Salento, die zeigten, wie Soldaten in den 1920er Jahren die frischen Anpflanzungen von Pinien bewachten. Gerade im Süden des Landes, in Apulien, in Latium, aber auch auf den Inseln, auf Sizilien und auf Sardinien, war dies Teil der der faschistischen Agrarpolitik nach den Kampagnen zur Enteignung des Großgrundbesitzes und zur Steigerung der Getreideproduktion auf bisher ungenutzten Flächen. Es gibt sehr lange Abschnitte an der italienischen Küste, besonders am Ionischen und Tyrrhenischen Meer, die mit Pinienwäldern bewachsen sind. Die Pinie als Symbol muss auch durch ihre Stärke, Anmut und Ausdauer angezogen haben und wurde in der Zeit oft auch in den Ornamenten eingesetzt; man findet sie schon früher im Art Déco-Stil.

Wenn ich an Pinien denke, kommen mir natürlich noch die schmackhaften Pinienkerne (pinoli) in den Sinn. Sie werden viel in der italienischen Küche verarbeitet, vor allem beim Backen; ich denke an die Torta della Nonna. Sie werden aber auch im berühmten pesto genovese, anstelle von Pistazien, verarbeitet; sie garnieren Salate und manche Vorspeisen. Pinienkerne haben einen relativ hohen Fettgehalt und sind sehr nahrhaft. Sie werden manuell geerntet, die Zapfen werden heruntergeschlagen oder man wartet, bis sie von selbst herabfallen. In Italien werden sie in der Winterzeit, zwischen Oktober und März gesammelt, dann fallen aus den Zapfen die harten Samen, deren harte Schale muss man entfernen, um an den cremeweißen Kern zu kommen. Manchmal werden die Samen eingeweicht oder direkt zerstoßen; diese Arbeit ist sehr mühsam und deswegen sind die Pinienkerne sehr teuer. Inzwischen gelangen sie auf unseren Lebensmittelmarkt auch aus Asien.

Frauenblick. Warthe.

Diesmal, statt Stadtspaziergänge, eine magische Fahrt in Brandenburg

Monika Wrzosek-Müller

Warthe, mein Refugium, Einsiedelei und Domizil

Es war ein Dorf, ein Dorf gelegen zwischen uralten Wäldern, Seen, Wiesen und Feldern. Die Hügel wellten sich über den langen Wasserläufen, die hohen Gräser und Getreideähren wiegten sich im Wind. Alles schien in Bewegung und doch in absoluter Ruhe, die nur von Vogelrufen unterbrochen wurde; da waren die Kraniche, die paarweise stolzierten und oft entsetzlich schrien, auch der Kuckuck tickte wie eine Uhr, zählte die Jahre, die uns blieben, oder die Kinder, die geboren werden sollten, oder noch etwas anderes, einsam spazierten die Störche. Manchmal waren die Vogelkonzerte derart laut, dass man ins Häuschen flüchten musste, um sich unterhalten zu können. Doch die Stille täuschte, denn nachts kamen die Biber und bevölkerten die Seeufer scharenweise, die Wälder um die Ufer der Seen; sie suchten nach geeigneten Bäumen, nagten an dicken Stämmen und fällten einen nach dem anderen. Niemand konnte ihre manchmal verheerende Arbeit stoppen; die Erlen und Espen waren erledigt, jetzt kamen auch Buchen dran, nur die Eichen waren ihnen zu hart, oder schmeckten nicht. Es kamen auch Mäuse und manchmal Waschbären und der Volksmund sprach vom Wolf, der sich immer näher an die menschliche Siedlungen heranwagte, den aber niemand richtig gesehen hatte, nur wage Fotos von ihm existierten. Auch Rehe und Wildschweine sah man immer wieder, oder ihre Spuren; von den Hochsitzen an den Feld- oder Waldrändern konnte man sie gut beobachten, auch abschießen, denn Jägerkunst war allgemein verbreitet. Auf den verschlungenen Pfaden konnte man auch Schlangen sichten, sie sonnten sich an den warmen Plätzen und verschwanden geräuschlos, sobald man näherkam. Zum vollständigen Bild gehörten auch Kühe oder besser Rinder; nicht die schwarz-weißen Milchkühe, die wir aus unserer Kindheit kannten, sondern hochgezüchtete, fleischbewusste, hellbeige Tiere, die auf den Wiesen herumstolzierten oder lagen, mit unzähligen Kälbern.

Ein Dorf, auf halbem Weg zwischen dem sehr schönem alten Städtchen Templin und dem riesigen Schloss Boitzenburg gelegen. Der Weg führte immer wieder in die eine oder andere Richtung, an diesen beiden Punkten musste man vorbei. Sie markierten, bestimmten auch das Leben unmittelbar; weiter weg waren Prenzlau, Zehdenick, Lychen oder Feldberg… Immer lange Abschnitte der Landschaft mit Seen, Wäldern, Feldern, Wiesen dazwischen. In Templin hatte man eingekauft, früher vor der Pandemie die Naturtherme besucht, auch manchmal eine Eisdiele oder ein Café aufgesucht. Nach Boitzenburg fuhr man zum Kuchenessen, oder um um das Schloss oder um die Klosterruine zu wandern, immer gab es einen Rundweg; man startete und ging immer weiter, bis man irgendwann zurück am Start war.

Es war und ist ein Straßendorf, langgestreckt, auf beiden Seiten der graden Straße stehen die eher kleinen Häuser, ohne andere Planung, mit einer Kirche, einer Bäckerei, einer Kneipe. Die Häuser sind noch nicht vollständig mit Berlinern bevölkert, doch in der Kneipe versammelten sich oft die Zugezogenen und die Berliner Radler. Die Bäckerei versorgt auch mit Tageszeitungen; ein für sie wichtiges Geheimnis lüfteten sie erst nach drei Jahren Ansässigkeit: es gibt auch Jäger, die sehr gutes Wildfleisch verkaufen, sowie Bauern, die Eier an die Städter direkt abgeben; da lernte man, was ein Grünling ist und wie wirklich gutes Fleisch schmeckt. Umgeben war das Dorf mit mehreren Siedlungen, Wohnstätten mit ein paar einzelnen Häusern, mitten in der Landschaft gelegen: Luisenfelde, Metzelthin, Egarsee, Stabeshöhe, Bröddin. Am großen Warthesee gibt es viele Bungalows und Ferienanlagen, noch aus DDR-Zeiten, mit jeweils separaten Zugängen, Stegen zum See. Überhaupt war und ist der Tourismus doch eine gewisse Einnahmequelle für die Bevölkerung. Noch drei kleinere Seen liegen um das Dorf herum: kleiner Warthesee, Ratenowsee, Poviestsee; es wurde darauf gerudert und geangelt; es gibt auch einen Anglerverein im Dorf, wo man sich die Erlaubnis fürs Angeln holen konnte.

Das Dorf liegt in einem Gebiet, das vor sehr langer Zeit von verschiedenen Stämmen, sowohl germanischen als auch slawischen, bewohnt war, dann später auch Teil des Heiligen Römischen Reiches wurde, als Markgrafschaft Nordmark, schon früh im 12. Jahrhundert bildete die Region einen kleinen Teil der Mark Brandenburg. Das Dorf wurde zum ersten Mal 1295 in Dokumenten erwähnt, es gehörte zu einem Territorium, das vom Kloster Marienpforte verwaltet wurde. Erst Mitte des 16. Jahrhunderts ging es in den Besitz der Familie von Arnim über, die auf Schloss Boitzenburg lebte und große Ländereien in der Umgebung besaß.

Nach der Wende kam, ein paar Kilometer von Warthe entfernt, Daisy Gräfin von Arnim, die Apfelgräfin, auf das Gut in Lichtenhain zurück und baute das alte Verwalterhaus aus. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel, mit einem Café im Garten und Apfelspezialitäten, einem Hofladen mit vielen Apfelprodukten und Mosterei, in der man eigene Äpfel zu Saft verarbeiten lassen kann. Die Wege um das Gutshaus sind mit Apfelbäumen gesäumt und sehen in fast jeder Jahreszeit wunderschön aus.

Die erste Kirche in Warthe wurde höchstwahrscheinlich auf dem Priesterberg errichtet, ungefähr an derselben Stelle wurde später, in den 1840er Jahren, ein Glockenstuhl errichtet, (im Dreißigjährigen Krieg war das Dorf stark verwüstet worden); rundherum existiert ein kleiner Friedhof. Die neue Kirche, (leider ohne Turm) wurde 1825 erbaut, besitzt schöne bunte Glasfenster und eine große Orgel. Neben der Kirche, am Dorfplatz, wurden anlässlich des Sieges im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 vier Eichen gepflanzt, drei davon stehen als uralte, große Bäume immer noch und sind Namensgeber für die Kneipe nebenan. Auf dem Dorfplatz neben den Bäumen, der Kirche, der Kneipe steht noch ein Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Warther Soldaten und etwas weiter weg auf einer Blumenwiese befindet sich ein altes kleines Häuschen, die ehemalige Dorfschmiede, die 1995 in eine Heimatstube mit einem kleinen Museum und einer Bibliothek ausgebaut wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße steht verlassen die ehemalige Dorfschule (1998 geschlossen) und wartet auf einen Investor; sie könnte in eine schöne Pension umgebaut werden. Die Freiwillige Feuerwehr war schon in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts gegründet worden; das Spritzenhaus befindet sich näher am Großen Warthesee und der Dorfbadestelle. Wenn man sich die Statistikzahlen der Bewohner anschaut, bemerkt man, dass die Bevölkerungszahl immer mehr schrumpfte; eine große Auswanderung in die USA gab es schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, doch von den 1875 verzeichneten 619 Einwohnern sind bis heute (2006) 319 übrig geblieben.

Noch eine Tatsache ist erwähnenswert: bis 1945 war Warthe mit einer Bahnstrecke Templin-Fährkrug – Fürstenwerder verbunden, das alte Bahnhofsgebäude steht immer noch, doch der Bahndamm wurde zu einem Fahrradweg umgebaut und erfreut sich großer Beliebtheit. Von öffentlichen Verkehrsmitteln kursiert nur ein Bus nach Templin oder Boitzenburg, doch die Mehrheit der Bewohner bevorzugt das eigene Auto.

Verwaltungstechnisch gehört Warthe seit 1993 dem Landkreis Uckermark zu und seit 2001 zur Gemeinde Boitzenburger Land.

Am schönsten war die Gegend für sie im Herbst; die Laubbäume färbten sich langsam vom satten Grün über mehrere Abstufungen von Gelb über Rot bis zum Braun, bis die Blätter dann langsam, Ende November, ganz verschwanden, was neue Ausblicke ermöglichte. In Sonnenlicht leuchteten die Blätter manchmal golden und die Spinnweben zogen ihre Fäden an den Disteln und hohen Gräsern. Leichte Nebelschwaden zogen über die Feuchtgebiete und Täler, auch manchmal über den See; Pilze konnte man bei etwas Regen und Glück in Unmengen finden; das Land war zum Verlieben still und naturecht.