Frauenblick auf den Krieg

Monika Wrzosek-Müller

Vom Krieg in der Ukraine in dem Piłsudski-Museum

Seit einigen Tagen dauert ein absurder, unmenschlicher und brutaler Krieg in der Ukraine. Lange standen die russischen Einheiten entlang der Grenze und viele (mich eingeschlossen) dachten, es wird bei dem Theater und den Drohungen bleiben. Putin würde seine Tiraden ausspucken und die Welt würde ihn zurechtweisen. Die amerikanischen Informationen, nach denen die Invasion in zwei Tagen, dann in vier, dann am nächsten Wochenende beginnen sollte, tat ich als Übertreibung ab. Doch ich wurde eines Besseren belehrt, er hat das Unvorstellbare doch in die Tat umgesetzt und wir schauen zu. Das macht einen so mutlos, ratlos und auch wütend. Inzwischen dauert der Krieg drei Wochen, nach Polen sind über eine Million Menschen geflüchtet, hauptsächlich Frauen und Kinder; drei von ihnen mit vier Kindern beherberge ich in der Wohnung meiner Mutter. Die Polen helfen musterhaft, mit großer Empathie und Wärme, vieles ist sehr gut organisiert, aber wie lange und wie viele Menschen werden sie aushalten können. Auf der anderen Seite wird ununterbrochen geredet, dabei erreicht man eher wenig; wir haben diesen Verrückten zu lange machen lassen, die Augen zugemacht und seine Unmenschlichkeit nicht sehen wollen, zu mächtig waren die Konzerne, die Industrie; Gas, Öl, Stahl, floss günstig aus Russland … alles Faktoren, die mehr zählten als die Moral. Jetzt rächt sich das, alle haben Angst und wissen nicht, wie man diesen Knoten lösen könnte. Die fahrende Lokomotive der Vernichtung ist nur schwer zu stoppen, auch wenn die Ukrainer wirklich unheimlichen Mut, strategische Intelligenz und Kampfbereitschaft zeigen.

Eigentlich sollte der Anfang dieses Textes mit der spontanen Spendenhilfe für die Ukrainer, die ich zufällig im Piłsudski-Museum am Anfang der Invasion miterlebt habe, eine Überleitung zu einem Text über das Museum bilden. Inzwischen bin ich in die Geschehnisse tief verwickelt und weiß nicht recht, ob eine Information über das Museum in diesen Zeiten sinnvoll ist, auch wenn die historischen Parallelen in diesen dramatischen Zeiten stärker sichtbar sind; viele Polen haben das Gefühl eines déja vue: was muss noch Schlimmeres passieren, damit man wirklich jegliche Verbindung nach Russland abbricht, den Geldfluss ganz unterbindet. Vielleicht bietet die Beschäftigung mit dem Museum etwas Ablenkung von der ständigen Flut der Informationen und Bilder über diesen schrecklichen, wirklich makabren und unvorstellbaren Krieg, die wir hier in Warschau bekommen.

Also: das Museum, das am 14. August 2020 eröffnet wurde, liegt in dem kleinen Örtchen Sulejówek, früher nicht zu Warschau gehörend, dort, wo Piłsudski sich im Alter zurückgezogen hatte; es nimmt ein Terrain von ca. 4 Ha ein. Es existiert noch sein Wohnhaus, die Villa Milusin, das man auch besichtigen kann, dazu zwei weitere alte Gebäude – ein hölzernes Sommerhaus, die Villa Bzów [Villa Flieder], typisch für diese Gegend, und ein Quartier für Piłsudskis militärische Leibgarde. Auf dem großen Terrain inmitten von Kiefernwald wurde dann ein Kubus, das Gebäude des Museums, errichtet. Es harmoniert mit der Natur rundherum, ist aber ein sehr moderner, großer Betonbau nach den Plänen des Piłsudski-Enkels Krzysztof Jaraczewski und Radosław Kacprzak. Der Bau passt sich gut an die Umgebung an, ist nicht zu hoch, die meisten Ausstellungsräume befinden sich unter der Erde. Vor dem Eingang gibt es eine Skulptur: Piłsudski als Vater mit seinen Töchtern, sitzend auf einer Bank. Die ständige Ausstellung trägt den Titel: Dla Rzeczpospolitej. Józef Piłsudski 1867-1935 w Muzeum Józefa Piłsudskiego w Sulejówku. [Für die Republik. Józef Piłsudski 1867-1935 im Museum Józef Piłsudski in Sulejówek].

Beim Betreten des Museums hat man schon etwas das Gefühl, ein Mausoleum, ein Grab des Tutenchamun zu betreten, eine breite Marmortreppe führt zwei Stockwerke tief unter die Erde, doch man wird dann sehr gut durch die sorgfältig und breit angelegten Ausstellungräume geleitet, erfährt viel nicht nur über die Person Piłsudskis, sondern auch über die Geschichte der Zwischenkriegszeit, des damals gerade erst wiedererstandenen polnischen Staats. Dadurch gewinnt das Museum an Wichtigkeit und Bedeutung; es ist eine Ausstellung über die Jahre der Zweiten Polnischen Republik, über die Euphorie der Freiheit, der Unabhängigkeit und der Selbstbestimmung, die mit der Person Józef Piłsudskis verbunden war. Die Ausstellung ist sehr durchdacht und hat mehrere Darstellungsebenen. Der erste deutlich sichtbare Faden führt durch die Biographie Piłsudskis, Kindheit und Schule, Elternhaus etc… Der Besucher durchschreitet durch sechs chronologisch angeordnete Räume das Leben Pilsudskis: „Ziuk“ (der Kosename), „Wiktor“, der Kommandant, der Naczelnik [der Vorsteher], der Marszałek [der Marschall], der sechste Raum heißt „Symbol“ und betrifft mehr Piłsudskis Vermächtnis für Polen. Parallel dazu werden Ereignisse aus Europa, manchmal der Welt an historischen Achsen stichwortartig dargestellt, für mich eine wunderbare Lehrstunde in Geschichte. Natürlich nehmen auch Ereignisse in Polen und den Nachbarländern, die Bezüge und Zusammenhänge zwischen ihnen einen wichtigen Anteil an der Ausstellung teil.

Vom unteren Teil, bis 1918, gelangt man über eine Art von Rampe nach oben, an riesigen Leinwänden oder Bildschirmen vorbei, auf denen Ausschnitte der historischen Ereignisse aus der Zeit gezeigt werden, der Kampf um die Unabhängigkeit und Souveränität Polens. Auf dem Zwischengeschoss wird dann Piłsudskis Tätigkeit im freien Polen gezeigt. Alles wird durch Räume mit dem Thema Symbol durchschnitten, was zum Nachdenken und zum Herstellen geschichtlicher Parallelen anregen soll. Damit hatte ich dann auch mehr Schwierigkeiten; es ist auch nicht mehr so eindeutig positiv und erbauend, was in der Zeit passierte.

Als ich die Ausstellung zum ersten Mal gesehen hatte, deutlich vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine, war ich doch etwas vom Ausmaß der Stilisierung des großen Staatsmanns, um nicht zu sagen Führers, überrascht und von den eher geringen Anstrengungen, das zu relativieren. Jetzt haben sogar solche Schlagworte wie: „Nie oddamy Wilna, nie oddamy Lwowa“ [Wir geben Vilnius nicht preis, wir geben Lviv nicht preis“] einen anderen Klang und Charakter. Mögen wir diese Krise sobald wie möglich bewältigen.

2 thoughts on “Frauenblick auf den Krieg

  1. Simon Undervin na Facebooku

    “Annuszka”

    Więc stanie się, co stać się musi
    Nieuchronna to losu kolej
    Krwi plama na mapy obrusie
    Annuszka rozlała już olej

    Władimir pod nosem zanuci
    Poniosą się echem czastuszki
    Za późno już, żeby zawrócić
    Rozlany już olej Annuszki

    Krew spłynie jak armia – czerwona
    W łez błoto na ziemskim padole
    I niejeden w mękach tu skona
    Annuszka rozlała już olej

    Przekroczą nad ranem granice
    I staną w płomieni opałach
    Wyrzutnie, platformy, haubice,
    Annuszka już olej rozlała

    I zacznie się bal, śmierci taniec
    I pójdzie Wołodia w niewolę
    I skończy jak papa w Afganie
    Annuszka rozlała już olej

    Zanim zamknie się okrążenie
    Pandory otworzy się puszka
    I ześle na wszystkich cierpienie
    Rozlała już olej Annuszka

    I zwali się Iwan w czarnoziem
    Wyrośnie mu kwiat w oczodole
    A matka się nawet nie dowie
    Annuszka rozlała już olej

    Światowym kryzysem zaiskrzy
    Zapłonie znów Wołyń, Podole
    Lecz zajmie się Kreml od tej iskry
    Rozlała Annuszka już olej

    Noc z 14 na 15 marca 2022
    Wrocław

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