Bravo fürs Qui pro quo!

Urszula Usakowska-Wolff

Die Rache der Fledermaus an der Komischen Oper Berlin (Reblog)

Das Taschenformat der Operette von Johann Strauss (Sohn) in der Inszenierung von Stefan Hubert an der Komischen Oper ist ein wahrer Genuss.

Die am 5. April 1874 im Theater an der Wien uraufgeführte «Fledermaus» von Johann Strauss (Sohn), ist die wohl bekannteste, meist gespielte und geistreichste Operette der Welt, ein musikalisches und sprachliches Meisterwerk der goldenen Operetten-Ära, das immer noch Millionen begeistert, Champagnerlaune versprüht und deshalb zu Silvester und Karneval gern gespielt wird. Obwohl dem Libretto ein französisches Lustspiel zugrunde liegt, gilt diese Operette als Inbegriff des Wiener Schmäh. Das kommt vor allem in der Sprechrolle des Gefängniswächters Frosch zum Ausdruck, weil sie viel Platz für Improvisation und Anspielungen auf aktuelle Ereignisse bietet. Da die «Fledermaus» eine Satire ist, sind die Figuren überspitzt; sie bedienen brillant und amüsant Klischees über die feine und weniger feine Gesellschaft, die bürgerliche Ehe, die Doppelmoral und andere Probleme, die Weib, Wein und Gesang anrichten. Die Handlung der Operette dreht sich um ein Qui pro quo, das seinen Höhepunkt auf dem Kostümball erreicht. Am Ende fliegt die Maskerade auf, doch alles geht gut aus, denn «Champagner hat’s verschuldet, tralalalala».

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Frauenblick auf Inisherin

Monika Wrzosek-Müller

Der Film Banshees of Inisherin

Lange war ich nicht im Kino gewesen, in Berlin eigentlich zuletzt vor der Pandemie, also vor drei Jahren. Der Genuss, etwas auf der großen Leinwand zu sehen, ist schon beeindruckend, besonders bei einem Film, der visuell so fesselt. Der Film, aufgehängt zwischen einem weiten, dramatischen Himmel und der sehr schweren, von Steinmauern durchzogenen Erde, den wunderschönen grünen Wiesen, ist für mich ein Meisterstück. Die Pracht der Bilder strengt fast an, macht beinahe abhängig, alles wirkt wie ein Märchen, der Betrachter ist leicht benebelt. Zwar wissen wir, dass drüben auf der großen Insel ein Kampf im Gange ist, in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts, genauer es handelt sich um den irischen Bürgerkrieg von 1922-1923, doch auf der kleinen Insel wird darüber wenig gesprochen, man ist kaum davon betroffen. Für das alltägliche Leben bleibt jämmerlich wenig Platz, Einsamkeit, Not und Armut sind erdrückend. Die Chance auf eine gute, interessante Neuigkeit dagegen gering; es passiert einfach zu wenig, nur der Himmel wechselt ständig sein Kleid. Die Menschen tragen immer dieselben alten, eher lumpigen Klamotten – außer der Schwester eines der beiden Haupthelden; sie ist überhaupt die kluge und schöne Prinzessin des Films.

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Buchstaben einer Ausstellung

Ewa Maria Slaska

Nochmals zu Paris Magnetique

Letzte Woche gingen wir, Ela Kargol, Krysia Koziewicz und ich, das erste Mal zu dieser wunderbaren Ausstellung. Ich schreibe hier “das erste Mal”, weil ich vermute, wir werden öfter hingehen. Ela Kargol hat auch sofort HIER darüber berichtet.

Ich fand die ganze Ausstellung sehr spannend, begeistert hat mich aber vor allem DIE SCHRIFT. Da die oberflächliche Suche in ausgelegten Infomaterialien sowie Befragung der (sichtbaren) Ausstellungamitarbeiter keine Geheimnisse preis gaben, schrieb ich die Presseabteilung des Jüdischen Museums an:

Sehr geehrte Frau Karsch, ich wollte fragen, ob Sie etwas über Buchstaben / Font wissen, den man bei der Ausstellung Paris magnetique benutzt?
Den Font finde ich sehr schön, er sieht nach selbst für diese Ausstellung erfundene Form aus. Ich habe bei der Ausstellung gefragt und im Katalog und Pressemappe gesucht, fand jedoch keine Informationen.
Da die Moderne sich sehr für die Schriften interessierte, werde ich gern etwas mehr darüber erfahren.
Ich bin eine Journalistin, Schriftstellerin und Bloggerin.
Mit freundlichen Grüßen
Ewa Maria Slaska

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Heute

Jüdisches Leben in Stettin vor und nach dem Holocaust

Vortrag und Diskussion

Dienstag, 14. Februar 2023, 19 Uhr

Topographie des Terrors
Niederkirchnerstraße 8
10963 Berlin

Erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts war es Jüdinnen und Juden gestattet, sich dauerhaft in Stettin niederzulassen. Fortan trugen sie wesentlich zur kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der pommerschen Hafenstadt bei. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann die systematische Ausgrenzung, Verfolgung und schließlich Ermordung der jüdischen Bevölkerung Stettins. Einen tiefen Einschnitt markierte am 12./13. Februar 1940 die Deportation von über tausend Jüdinnen und Juden aus dem Regierungsbezirk Stettin in das Generalgouvernement. Es war die erste Deportation aus dem »Altreich« in ein deutsch besetztes Gebiet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Stettin vorübergehend zu einem wichtigen Zentrum der Ansiedlung für polnische Jüdinnen und Juden, von denen viele jedoch bis Ende der 1960er Jahre Polen verließen. Seit den 1990er Jahren ist das lange vergessene deutsch­-polnisch-jüdische Kulturerbe Stettins Thema vielfältiger Kunst- und Theateraktionen sowie fester Bestandteil deutsch-polnischer Bildungs- und Kulturarbeit.

PROGRAMM

Begrüßung: Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Impulsvortrag: Prof. Dr. Jörg Hackmann, Stettin/Szczecin
Podiumsgespräch mit Prof. Dr. Jörg Hackmann, Dr. habil. Eryk Krasucki und Róża Król, alle Stettin/Szczecin

Moderation: Dr. Helga Hirsch, Berlin

Jörg Hackmann ist Professor für osteuropäische Geschichte an der Universität Stettin/Szczecin und Leiter des BKM-geförderten Forschungsprojekts »Topographie jüdischen Lebens in Stettin: Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Shoah«.

Eryk Krasucki ist als Historiker an der Universität Stettin/Szczecin tätig. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Nachkriegsgeschichte Stettins und Westpommerns.

Róża KróI ist Vorsitzende der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Juden in Polen, Abteilung Stettin/Szczecin.

Helga Hirsch ist Publizistin und Buchautorin. Zu ihren Publikationen gehört Gehen oder bleiben? Juden in Schlesien und Pommern 1945–1957 (2011).

Die Veranstaltung findet in deutscher und polnischer Sprache statt. Es wird eine Simultanübersetzung angeboten.
Sie ist eine Kooperation zwischen der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, der Stiftung Topographie des Terrors und dem Deutschen Kulturforum östliches Europa.

Pressekontakt

Dr. Magdalena Gebala
Arbeitsbereich Polen
Deutsches Kulturforum östliches Europa
Tel. +49 (0)331 20098-18
gebala@kulturforum.info

______________________________________________________________________

Deutsches Kulturforum östliches Europa e.V.
Berliner Str. 135
14467 Potsdam
Tel.  +49 (0)331 20098-0

deutsches@kulturforum.info
www.kulturforum.info

A jedzie mi tu czołg?

Ewa Maria Slaska (inspiracja m.in. Ela Kargol)

Ze Słownika Języka Polskiego online:

pot.  powiedzenie używane do kategorycznego stwierdzenia, że to, co przed chwilą zostało powiedziane, mówiący uważa za nieprawdopodobne lub nieprawdziwe

Zapomniałam o tym powiedzonku. Ela mi przypomniała, gdy w Domu Willy’ego Brandta (Willy Brandt Haus), czyli głównej siedzibie niemieckiego SPD na wystawce materiałów reklamowych znalazłyśmy pocztówki z portretem kanclerza i nawet jego własnoręcznym podpisem.

Wzięłam tę pocztówkę do ręki i powiedziałam, że trzeba by mu tu przykleić na policzku Leoparda. I wtedy Ela zrobiła ten gest i zapytała, czy tu jej czołg jedzie.

To ten portret kanclerza, ten gest i ten czołg (nie znam się, może więc nie ten, tylko taki, ale może jednak ten, bo Scholz stoi obok):

Ten czołg i kanclerz ilustrują artykuł Rudolfa G. Adama w Neue Züriche Zeitung z 24 stycznia, zatytułowany: Deutschland ist militärisch schwach, politisch feige – und wird zum Gespött (Niemcy: militarnie słabe, politycznie tchórzliwe – stały się pośmiewiskiem).

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My trzy i Urszula

Czyli jutro kolejne nasze spotkanie w Sprachcafé Polnisch.

Trzeci piątek miesiąca, 20 stycznia 2023
o godzinie 19:00

Polska Kafejka Językowa
Schulzestr. 1
13187 Berlin

Dojazd do stacji S-Bahn Wollankstraße

Uwaga – wokół Friedrichstrasse konunikacja zastępcza! Lepiej jechać kolejką albo metrem nr 8 do Gesundbrunnen!

Tym razem zapraszamy na spotkanie z Urszulą Usakowską-Wolff, poetką, publicystką, zbieraczką sztuki ludowej, tłumaczką, menadżerką kultury. Tak naprawdę Urszula po prostu jest i już samo jej bycie przynosi człowiekowi radość, choć jej cięte riposty i komentarze mogą też przyprawić o niepokój.
Urszula w Sprachcafé Polnisch podczas jubileuszu dziesięciolecia bloga. Fota: ktoś z uczestników wieczoru (przepraszam, nie wiem, kto?). W tle obraz Wiesława Stefana Fiszbacha.

Na swojej stronie internetowej Urszula pisze o sobie / auf ihrer Internetseite schreibt Urszula über sich:

Urszula Usakowska-Wolff wurde am 30. September 1954 in Warschau geboren. Sie lebte von 1964-1966 in Bern, dann von 1970-1974 in Bukarest, wo sie an der dortigen Universität Germanistik und Romanistik studierte.

Ihr Studium setzte sie am Institut für Germanistik der Warschauer Universität fort, das sie 1977 mit dem Grad eines Magisters beendete.

Von 1977-1981 war sie Redakteurin des Polnischen Rundfunks in Warschau.

Nach der Verhängung des Kriegsrechts am 13.12.1981 wurde sie entlassen und mit Publikationsverbot belegt.

Sie lebte von 1984-1986 in Schwaz (Tirol) und Wien.

1986 heiratete sie Manfred Wolff. Von 1986 bis 2006 lebte sie in Bad Oeynhausen. Von 1989 bis 1990 war sie Inhaberin der Galerie Usakowska-Wolff in Herford. Bis 2019 kuratierte sie über 60 Ausstellungen, vorwiegend polnischer und osteuropäischer Kunst, in Deutschland.

Seit Mai 2006 lebt sie in Berlin.

Urszula Usakowska-Wolff ist freie Journalistin, Lyrikerin, Herausgeberin und Übersetzerin polnischer Literatur; seit Mitte der 1990er Jahre publizierte sie in Polen und Deutschland hunderte Beiträge über die deutsche und internationale Kunstszene.

Von 2007 bis 2016 war sie Mitarbeiterin der Berliner Straßenzeitung strassen|feger, wo sie als freie Kulturredakteurin zweimal im Monat in der Rubrik »art strassenfeger« ihre Ausstellungskritiken und Texte über die zeitgenössische Kunst veröffentlicht.

Bis Ende 2022 war sie Korrespondentin der Vierteljahresschrift des Polnischen Skulpturenzentrums in Orońsko, für die sie seit 1998 jährlich vier umfangreiche Texte im Jahr über die deutsche und internationale Objekt- und Installationskunst schreibt. Sie war freie Mitarbeiterin der Kunstmagazine art in berlin und stayinart – und arbeitet mit dem Portal Porta Polonica in Bochum zusammen.

2006-2011 – Vizepräsidentin des PEN-Zentrums der Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Exil deutschsprachige Länder (Exil-PEN)

2009-2011 – Mitglied des Programmrats des Polnischen Skulpturenzentrums in Orońsko.

Preise und Auszeichnungen:

Ökumenischer Preis »Schafe Davids« der Stiftung Sacro-Art & der Stiftung Merkuryusz der Krakauer Journalisten für Aktivitäten zur deutsch-polnisch-jüdischen Aussöhnung

Pegasus-Medaille der Akademie der Schönen Künste in Warschau für die Popularisierung der polnischen Kunst in Deutschland

Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen für die Popularisierung der polnischen Kultur und Literatur in Deutschland

ART & POETRY BY URSZULA USAKOWSKA-WOLFF

Frauenblick: Bernardine Evaristo kontra Annie Ernaux

Monika Wrzosek-Müller

Jeder kämpft um seinen Platz in der Welt; selbst die bloße Existenz beweist das. Doch in der modernen, kapitalistischen Welt ist dieser Kampf zum Sinn des Lebens geworden. Manche haben mehr Kraft, Wut, Charisma, Talent, so dass sie sich an die Spitze durchkämpfen und sich da oben dann etablieren. Das Recht des Individuums auf Eigentum, auf seinen individuellen Weg ist festgeschrieben und das wird als Erfolg gefeiert. So wundert es niemanden, dass dieser Kampf und die Karriere wichtiger werden als das Leben mit den Mitmenschen, als die Moral – umso weniger, als die Kirchen immer weniger Zulauf haben und kaum jemand sich noch als gläubig bekennt und nach religiösen Geboten lebt.

Zunehmend kämpfen auch verschiedene Teilgruppen um ihre Rechte, wahrscheinlich zurecht. Nur, müssten wir nicht immer im Kopf behalten, dass mehr Platz für mich weniger Platz für andere bedeutet – was in den laufenden Auseinandersetzungen gar nicht beachtet wird.

Für mich interessant wird es, wenn solche Kämpfe in der Literatur ausgetragen werden, wenn die Literatur gar zur Waffe des Kampfs wird.

Der erste Satz in Annie Ernauxs Rede bei der Verleihung des Nobelpreises an sie klag nach erbittertem Kampf:

j`ai écrit pour venger ma race“ – „Ich habe geschrieben, um meine Rasse zu rächen“. Was meinte sie denn damit, sie, die weiße Tochter einer weißen christlichen Mittelklassefamilie in Frankreich. Es geht nicht um ethnische Herkunft auch wenig um das Geschlecht. Viel mehr meint sie ihre „Benachteiligung“ als eine, die nicht in die Elite der herrschenden und reichen hineingeboren wurde. Und letztendlich geht es um ihren persönlichen, eigenen Kampf um den persönlichen Aufstieg. So wie ich die Bücher unserer diesjährigen Nobelpreisträgerin verstanden habe (gelesen habe ich: „Die Jahre“, „Der Platz“, „Eine Frau“), hat sie tatsächlich für sich, für ihren Platz in der Welt, in der Literaturgeschichte geschrieben. Immer wieder über sich selbst, über ihre Eltern, ihre Mutter, ihren Vater berichtet – sachlich, wenig emotional, ausführlich, auch interessant, aber nur ihre Welt fand Eingang in die Beschreibung. Auch in der gut halbstündigen Rede drehte sich alles um ihr Schreiben, ihren Weg, ihre Suche nach der geeigneten Sprache, erst ganz zum Schluss kamen allgemeinere Aussagen über die Welt um sie herum. Mich macht immer wieder diese selbstbezogene Perspektive stutzig, die Welt ausschließlich durch die eigenen Augen, aber auch durch das Prisma der eigenen Interessen zu sehen, was bei manchen Autoren fast an Narzissmus grenzt; so bei Emmanuel Carrère in seinem Buch „Yoga“, bei dem ich völlig entsetzt war, da er gerade diesen Narzissmus als den yogischen Weg kennzeichnet, wo doch das Zügeln des eigenen Ego das Hauptziel des Yogaweges sein sollte. Ist das nicht ein bisschen dürftig für große Literatur, das ständige Kreisen um sich selbst…

Ein Gegenbeispiel bot mir das Buch von Bernardine Evaristo „Mädchen, Frau, etc.“. Auf 550 Seiten beschreibt sie Schicksale und Lebenswege von 12 britischen Frauen, die alle zu den „people of colour“ gehören. Ihre Lebensläufe sind miteinander verflochten und daraus resultiert für mich die Erkenntnis der Schriftstellerin: wir sind miteinander verbunden, wir leben nicht jeder für uns allein. Die geschilderten Umstände und Ereignisse werden auch durch autobiografische Tatsachen unterbaut und unterstützt. Wenn man sich die Interviews mit der Schriftstellerin anhört, erfährt man, wie viel Parallelen es zu ihrem eigenen Leben gibt; das macht das Buch so authentisch und kraftvoll.

Es ist durchaus ein feministisches Buch, es streitet für die Rechte der „coloured“ Frauen in England. Auch wenn Sätze fallen wie: „Feminismus ist doch voll Herdennummer, hat Yazz [die Tochter der Hauptheldin] ihr erklärt, ganz ehrlich, heute ist es sogar schon durch, noch eine Frau zu sein, neulich hat bei uns an der Uni diese nicht-binäre Aktivistenperson gesprochen, M M das war der mega Eye-Opener für mich, ich denke, in Zukunft sind wir irgendwann alle nicht-binär, weder männlich noch weiblich, was ja alles sowieso nur Genderperformance ist, und das heißt dann auch, Mumsy, dass deine Frauenpolitik überflüssig wird, abgesehen davon bin ich Humanistin, das spielt sich auf einer viel höheren Ebene ab als Feminismus
Hast du davon gehört?“

Das Buch dokumentiert fast auf ethnologische Art und Weise das Leben dieser 12 Frauen, in Gesprächen, Monologen stellen sich die Frauen vor. Sie stammen aus allen Teilen der Welt; das Einzige, was sie verbindet, ist ihre dunklere Hautfarbe und, daraus folgend, ihre komplizierten Schicksale, die irgendwie zusammenhängen. Die Schriftstellerin selbst wurde in London geboren, ihr Vater stammt aus Nigeria, die Mutter war englische Grundschullehrerin, sie studierte und war am Theater tätig, inzwischen lehrt sie kreatives Schreiben an der Londoner Universität. Über die Hauptheldin, die eindeutig die Züge der Autorin trägt: „sie widmete sich ganz der Mission, sich in schwarzer Geschichte, Kultur, Politik und Feminismus weiterzubilden, entdeckte die alternativen Buchläden von London…und stöberte dort stundenlang: Geld, um sich etwas zu kaufen hatte sie nicht, las aber Home girls: A Black Feminist Anthology von vorn bis hinten durch, im Stehen und in wöchentlichen Tranchen…
Die Buchhändlerinnen schien das nicht zu stören
Als ich schließlich an einer sehr konventionellen Schauspielschule genommen wurde, da war ich lange politisiert und stellte dort alles in Frage
Als einzige Nichtweiße der Schule…“

Das Buch liefert uns aber auch ein Panorama der Zeit; da die Frauen verschiedensten gesellschaftlichen Schichten angehören, aus unterschiedlichen Familien stammen, verschiedene Berufe ausüben, erfährt man, wie sich die Beziehungen mit der Zeit verändern, wie die Probleme sich vertiefen oder auch lösen. Es ist ein Roman, der etwas sehr Warmes, Menschliches an sich hat, er erinnert uns daran, was uns zusammenhält, was wichtig für das menschliche Zusammenleben ist. Mit Humor, wirklich oft witzig und augenzwinkernd, auf keinen Fall moralisierend, schlägt auch vor, die DNA zu untersuchen, um die eigenen Identitätsprobleme zu lösen:

„als das Testpaket eintraf, gab Penelope den Anweisungen gemäß eine Speichelprobe in das Teströhrchen, schickte es mit der Post zurück…
Jüdisch, das ging noch, aber nie im Leben hätte sie damit gerechnet, Afrika in ihrer DNA zu sehen, das war der größte Schock überhaupt, der Test hielt überhaupt keine Antworten bereit, er stellte sie vor lauter neue Fragen“

Überhaupt ist das Buch so undogmatisch und ohne jegliche Ansprüche, einer Ideologie folgen zu müssen, es zeigt die ganze Ambivalenz des Lebens in der modernen Welt.

Ich kann mir den Text sehr gut als ein Bühnenstück, vorstellen; vielleicht auf einige Episoden reduziert, aber mit dieser Wucht der Authentizität und des Gelebten, direkt vorgetragen, ohne sich in die Schablonen der gerade modernen Begriffe zwingen zu lassen.

„Dr. Roland Quartey, landesweit erster Professor für Modernes Leben an der University of London
Echt jetzt? Für das ganze moderne Leben, Dad? …‘
ist das nicht, na ja, ein bisschen sehr hoch gegriffen? Musst du dafür nicht eigentlich Experte für alles sein, in einer Welt mit über sieben Milliarden Menschen und, was weiß ich, zweihundert Ländern und mehreren Sprachen und Kulturen
ist das nicht mehr so Gottes Zuständigkeitsbereich? Sag bloß, du bist neuerdings Gott, Dad? Also, so ganz offiziell? …“

So und ähnlich laufen die Gespräche, es gibt aber auch einige episch erzählte Lebensläufe, die unkonventionell und einzigartig sind. Der Roman ist wirklich wert gelesen zu werden.

Wait…

Maria Nova (Nova You)

Kultur Tandem

opsoSrtden0m14h9lt587if1f4809i3769095lh4ltgmiul1mccag4i30285  · 

25.11.2022 @ @karlstorbahnhof

W.

𝙬𝙖𝙞𝙩𝙚𝙧 : 𝙬𝙖𝙞𝙩𝙧𝙚𝙨𝙨

𝙖𝙧𝙘𝙝𝙚𝙤𝙡𝙤𝙜𝙮 & 𝙘𝙝𝙤𝙧𝙚𝙤𝙜𝙧𝙖𝙥𝙝𝙮 𝙤𝙛 𝙬𝙖𝙞𝙩𝙞𝙣𝙜.

𝙏𝙝𝙚 𝙊𝙘𝙚𝙖𝙣 𝙋𝙞𝙚𝙘𝙚

𝘞. 𝘭𝘪𝘬𝘦 𝘸𝘢𝘪𝘵𝘪𝘯𝘨

𝘞. 𝘭𝘪𝘬𝘦 𝘸𝘢𝘳

𝘞. 𝘭𝘪𝘬𝘦 𝘸𝘢𝘵𝘦𝘳

𝘞. 𝘭𝘪𝘬𝘦 𝘸𝘢𝘷𝘦

𝘞. 𝘭𝘪𝘬𝘦 𝘸𝘢𝘭𝘬𝘪𝘯𝘨


Eine 𝖠𝖻𝗁𝖺𝗇𝖽𝗅𝗎𝗇𝗀 𝗎̈𝖻𝖾𝗋 𝖡𝖾𝗐𝖾𝗀𝗎𝗇𝗀𝖾𝗇, 𝖶𝖺𝖼𝗄𝖾𝗅𝗇, 𝖯𝗎𝗅𝗌𝗂𝖾𝗋𝖾𝗇 𝗎𝗇𝖽 𝗌𝖼𝗁𝗅𝗂𝖾ß𝗅𝗂𝖼𝗁 𝗎̈𝖻𝖾𝗋 𝖽𝗂𝖾 𝖢𝗁𝗈𝗋𝖾𝗈𝗀𝗋𝖺𝗉𝗁𝗂𝖾 𝗌𝖾𝗅𝖻𝗌𝗍, 𝗎̈𝖻𝖾𝗋 𝖽𝗂𝖾 𝗌𝗂𝖼𝗁 𝖸𝖮̄𝖴 𝗂𝗁𝗋𝖾 𝖾𝗋𝗌𝗍𝖾𝗇 𝖦𝖾𝖽𝖺𝗇𝗄𝖾𝗇 𝗆𝖺𝖼𝗁𝗍:

“𝙂𝙚𝙝𝙚𝙣𝙙 𝙞𝙘𝙝 𝙛𝙪̈𝙡𝙡𝙚 𝙙𝙞𝙚 𝘼𝙗𝙬𝙚𝙨𝙚𝙣𝙝𝙚𝙞𝙩 𝙫𝙤𝙣 𝘽𝙚𝙬𝙚𝙜𝙪𝙣𝙜 𝙞𝙢 𝙍𝙖𝙪𝙢”.

A 𝗍𝗋𝖾𝖺𝗍𝗂𝗌𝖾 𝗈𝗇 𝗆𝗈𝗏𝖾𝗆𝖾𝗇𝗍𝗌, 𝗐𝗂𝗀𝗀𝗅𝖾𝗌, 𝗉𝗎𝗅𝗌𝖾𝗌, 𝖺𝗇𝖽 𝖿𝗂𝗇𝖺𝗅𝗅𝗒 𝗈𝗇 𝗍𝗁𝖾 𝖼𝗁𝗈𝗋𝖾𝗈𝗀𝗋𝖺𝗉𝗁𝗒 𝗂𝗍𝗌𝖾𝗅𝖿, 𝗈𝗇 𝗐𝗁𝗂𝖼𝗁 Maria Nova/𝖸𝖮̄𝖴 優 𝗂𝗌 𝗆𝖺𝗄𝗂𝗇𝗀 𝗁/𝖾𝗋 𝗍𝗁𝗈𝗎𝗀𝗁𝗍𝗌:

“𝙬𝙖𝙡𝙠𝙞𝙣𝙜, 𝙄 𝙖𝙢 𝙛𝙞𝙡𝙡𝙞𝙣𝙜 𝙩𝙝𝙚 𝙖𝙗𝙨𝙚𝙣𝙘𝙚 𝙤𝙛 𝙢𝙤𝙫𝙚𝙢𝙚𝙣𝙩 𝙞𝙣 𝙨𝙥𝙖𝙘𝙚”.


Ein Projekt von KulturTandem in Kooperation mit Karlstorbahnhof.

Gefördert von @basf_tor4

Tickets: https://karlstorbahnhof.reservix.de/p/reservix/event/1973325