Frauenblick: Meine Lektüren

Monika Wrzosek-Müller

Es hat sich so ergeben, dass ich über die Jahre viele Bücher von Schriftstellern aus dem ehemaligen Osten (DDR) gelesen habe. Schon vor längerer Zeit lasen wir alle den Roman Turm von Uwe Tellkamp und dann sahen wir uns den Film und verschiedene Versionen und Bearbeitungen für die Bühne in Theatern an (ich: im Hans Otto Theater Potsdam und im Staatsschauspiel Dresden). Das waren die Jahre um 2010; die Stücke und der Film haben dem Text, streckenweise lang und sehr gestreckt, gut getan und ihn im wortwörtlichen Sinne anschaulich gemacht. Trotzdem ist es ein großer Bildungsroman mit vielen Vorbildern, ein Schlüsselroman weit und breit angelegt, so dass, die Wende, die Umstande der friedlichen Revolution für viele nachvollziehbar und klarer wurden.

Dann kam für mich der Roman Kruso von Lutz Seiler, so um 2014, der den Bogen der Geschichte weiter spannte. Doch immer drehte sich die Handlung um die Wende und die Wiedervereinigung, den Sinn und den Preis, die die Gesellschaft der DDR dafür zahlen musste. Schon in diesem Roman (es folgt nämlich das nächste Werk: Stern 111) habe ich mit Begeisterung Seilers Beschreibungen der Zustände kurz vor der Wende gelesen, die in der sprachlichen Korrektheit mit leicht surrealen Zügen dargeboten wurden. Der Schriftsteller schaffte einen Mikrokosmos auf der Insel Hiddensee, in dem er seine Helden agieren ließ. Mir fielen besonders die geografische Genauigkeit der Beschreibungen auf, so dass der Leser die Topografie der Insel Hiddensee vor Augen hatte, die Entfernungen einschätzen, das Gelände, die Natur fast sehen konnte. Hier kamen ebenfalls viele Inszenierungen sowohl in Hans Otto Theater, in Leipzig etc…hinzu, als auch der von derselben Produktionsfirma wie bei Turm gedrehte Film, für den derselbe Autor Thomas Kirchner das Drehbuch geschrieben hat. Mich haben Seilers poetische, eigenwillige Sprache und der Zugang zur Realität sehr fasziniert; seine Welt ist magisch, existiert und spielt nach eigenen Gesetzen.

Erst vor kurzem las ich Romane von Ingo Schulze; ich kämpfte mich durch den von Literaturkritikern als „ultimativen Wenderoman“ verschrienen Werk: Neue Leben. Die Jugend Enrico Türmers in Briefen und Prosa. Herausgegeben und kommentiert und mit einem Vorwort versehen von Ingo Schulze (2005). Chronologisch gesehen war er vor dem Turm erschienen, hat aber damals nicht so viel Aufsehen erregt, auf jeden Fall wurde er nicht verfilmt. Ingo Schulze verarbeitet literarisch seine eigene Biografie, so kommen in dem Werk hauptsächlich die Helden aus dem Milieu der Intellektuellen, Schreibenden, Zeitungsmacher, Kritiker vor. Der Held Enrico Türmer des fast 800 Seiten dicken Romans schreibt Briefe an seine Schwester, Verotschka, einen Jugendfreund, Jo, und seine Geliebte, die bundesdeutsche Fotografin Nicoletta; Ingo Schultze (bemerken wir hier die Anspielung auf Ingo Schulze) gibt sie mit entsprechend übertriebenen und eitlen Anmerkungen heraus und das alles in dem berüchtigten Jahr 1989. Dabei macht sich der Autor über das ganze Milieu der Schreiberlinge, Literaturkritiker, Intellektuellen etwas lustig und verspottet sie. Mir persönlich wäre der Roman um einige Briefe weniger, sprich kürzer, lieber, doch die Fragen: „Auf welche Art und Weise kam der Westen in meinen Kopf? Und was hat er darin angerichtet?“, die sich der Held stellt, bleiben nicht nur auf die Ostdeutschen begrenzt, sondern sie betreffen viele, die nicht hier (im Westen) aufgewachsen sind. Und so, trotz der sanften Langeweile, die sich beim Lesen einstellt, ist es ein wichtiger Roman, der die Wiedervereinigung in Licht und Schatten zeigt, denn am Ende sind die Helden nicht zum Aufbruch bereit, eher stehen sie vor Trümmerhaufen, auch wenn sie dies sich selbst zu verdanken haben. Es gibt wunderbare Sätze über das Verhältnis Ost-West, die ich hier zitieren will: „Die Westsachen waren wie Mondgestein, entweder wurden sie einem geschenkt, oder sie blieben unerreichbar. Mit den Verwandten im Westen war es genauso wie mit dem lieben Gott und dem Herrn Jesus, die hatten einen auch lieb, obwohl man sie gar nicht kannte und nie zu Gesicht bekam.“ Und eine längere Passage, anlässlich der Weihnachtsbesuche der Eltern des Helden: „Im Westen wurden die Straßen unterirdisch beheizt, die Tankstellen schlossen nie, und weil die Leute im Westen gar nicht mehr wußten, was sie noch schöner machen sollten, hackten sie aus lauter Spaß die Straßen wieder auf, die sie gerade erst mit Asphalt überzogen hatten. Über jedem Geschäft, über jeder Tür blinkte Reklame, weshalb die Nächte taghell blieben und von einem Verkehr durchflutet waren wie bei uns nicht einmal nach der Maidemonstration. Trotzdem bekam man im Westen in der Straßenbahn, im Bus oder im Zug immer einen Sitzplatz. Im Westen duftete das Benzin wie Parfüm, und die Bahnhöfe glichen tropischen Gärten, in denen man den reisenden wundervolle Früchte darbot. Im Westen trug man in der Schule lange Haare und Jeans und kaute Kaugummis, mit denen sich kopfgroße Blasen machen ließen. Außerdem lag der Weltmarkt im Westen. Ich wußte nicht, wo genau, auf jeden Fall aber im Westen. Öffnete man denn nicht bei dem O von Ost den Mund wie ein Tölpel? […] Osten klang nach bewölktem Himmel und Omnibus und Baugrube. Westen nach Asphaltstraßen mit gläsernen Tankstellen, nach Terrassen mit Strohhalmgetränken und Musik über einem blauen See. Städte mit Namen wie Cottbus, Leipzig oder Eisenhüttenstadt konnten einfach nicht im Westen liegen. Wie anders klang dagegen Lahr, Karlsruhe, Freiburg oder Garching….“ Ich könnte weiter zitieren, weil diese Spitzfindigkeit und Ironie wunderbar die Lage und Vorstellungen der zwei Welten, die aufeinander prallten, beschreibt.

Von denselben Autor las ich gerade den neuen Roman Die rechtschaffenen Mörder von 2020. Zwar schreibt der Autor im Klappentext der Fischerausgabe, dass es eine Erzählung „über das Lesen und die Leser“ und „eine Liebeserklärung an das Papierbuch“ werden sollte, doch es ist wieder ein Roman über den Übergang, die Wende und das sich Zurechtfinden in der neuen Wirklichkeit. Aber handelt das Buch wirklich davon, ist es nicht eine Entfremdung der Entfremdung, Zweifel über Zweifeln das Thema? Denn der Roman ist in drei Teile geteilt und in jedem dieser Kapitel wird die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel erzählt. Es beginnt wie ein Märchen: „Im Dresdner Stadtteil Blasewitz lebte einst ein Antiquar, der wegen seiner Bücher, seiner Kenntnisse […] einen unvergleichlichen Ruf genoss. Nicht nur Einheimische suchten ihn auf…“. Der Roman handelt von einem Antiquar und einem Antiquariat. Der Sohn einer Antiquarin, Norbert Paulini alias „Prinz Vogelfrei“, eröffnet 1977 einen Laden und führt ihn zum Erfolg; mit einem Lesesalon, einem Treffpunkt für alle an Literatur und dergleichen Interessierten, darunter für die vielen Dissidenten, mit Beschaffung von Literatur, die eigentlich in der DDR nicht zu haben war. So wird er zum bekannten, geschätzten Bürger. Dann heiratet er eine eher einfache, doch sehr resolute und gut organisierte Frau, eine Friseurin Namens Viola, mit der er einen Sohn hat. Da kommt schon die Wende und sein Antiquariat geht den Bach runter; die Bücher werden nicht gelesen, man kann alle Werke überall kaufen, auch die schöneren Ausgaben. Die Villa, in der er seinen Laden hat, wird den ehemaligen Eigentümern aus dem Westen zurückgegeben. Es stellt sich heraus, dass seine Frau als IM Berichte über die Treffen im Antiquariat verfasst hat. Er lässt sich scheiden und lebt alleine. Die Jahrhundertflut überschwemmt seinen neuen Laden mit den Büchern, er kann kaum etwas retten und begeht höchstwahrscheinlich Selbstmord, zusammen mit seiner Geliebten. Es gibt auch eine Episode, in der Paulini seinen, in die rechte Szene abgerutschten, Sohn deckt und sich über die Migranten so äußert, dass man ihn selbst in die rechte Szene (Pegida) einordnen könnte. Im dritten Teil des Buches schreibt die Lektorin des Schriftstellers mit Namen Schultze, der die Geschichte erzählen und aufschreiben soll. Sie will die Sache des Selbstmordes aufdecken und es kommt zu besagten Zweifeln und Vermutungen, Verdächtigungen, nichts steht mehr fest, alles unterliegt Veränderungen; je nachdem welche Perspektive eingenommen wird.

In den letzten Tagen las ich auch noch den Roman von Lutz Seiler Der Stern 111. Es ist ein sehr poetischer Roman, man bekommt richtig Lust auf diese vergangene Zeit des Anfangs, nach dem Mauerfall, in der noch alles möglich war. Lutz Seiler verführt mit der Geschichte und mit der Sprache, wir gehen den Weg nach Berlin mit ihm und schauen auf seine Eltern, die sich völlig hilflos und unbedarft auf den Weg in den Westen aufmachen. Die Passagen über das Leben von Carl, dem Hauptheld in Berlin mit seinem Shiguli, im Prenzlauer Berg, in der Rykestraße, in der Assel, der Oranienburgerstraße und am Kollwitzplatz gehören zu den intensivsten, eindrücklichsten und spannendsten für uns Berliner überhaupt. Es gibt angeblich Führungen zu den im Buch genannten Plätzen, es gab sie tatsächlich; so wie in Kruso, ist auch hier die Authentizität der Orte, die genaue Beschreibung der Entfernungen, der Topografie des Stadtteils, der paar Straßen unheimlich. Man kann mit dem Buch, wie mit einem Kompass und Reiseführer um die Ecken gehen und jetzt, leider nicht mehr, die Kneipen, die Cafés, die besetzten Häuser sehen. Die neue Wirklichkeit ist schnell eingerückt und hat diese magischen Orte in touristische Orte verwandelt. Manchmal, ganz selten weht ein Hauch der Melancholie, der Vergangenheit durch die Straßen. Die Sprache des Romans zwingt uns innezuhalten und nachzudenken, wie war das damals für mich, wie habe ich die Zeit erlebt. Sie beschwört auch die Magie dieser Orte; durch das geheimnisvolle und ständige Kommen und Gehen, Verharren, still bleiben, bewegen sich die Personen zwar im Roman, aber nur so als ob sie künstlich verschoben wären, als ob das mit ihnen passieren würde, in der scheinbaren Ruhelosigkeit herrscht eine ausgesprochene Bewegungslosigkeit. Die fotografischen Beschreibungen, fast wie Nahaufnahmen der wenigen Gegenstände und detaillierte Beschreibung jeder einzelnen Sache verleihen diesen Gegenständen etwas Unmittelbares aber zugleich nehmen sie ihnen alle Eindeutigkeit, alles ist irgendwie verschwommen und doch real, das Banale, Gewöhnliche bekommt den Geschmack von etwas Besonderem.

Die Geschichte der Eltern bildet ein Pendant dazu, wir lesen mit Erstaunen über den Mut und die Ausdauer, über die Beharrlichkeit von zwei fünfzigjährigen, absolut sesshaften Thüringern mit zwei Wanderrucksäcken und einem Akkordeon, wie sie sich auf den Weg in den Westen aufmachen und ihre Odyssee erleben. „Sie sind doppelt so alt wie ich, dachte Carl, und haben doppelt so viel Kraft.“ Es ist eine Gegengeschichte zu den Jammerossis, auch wenn auf sie, alles andere als ein Paradies im Westen wartet. Sie landen in den Notaufnahmelagern Gießen, Diez und Gelnhausen, schließlich und letztendlich in den USA, von denen sie schon früher geträumt hatten. Von der Geschichte mit der Faszination für den Rock`n`Roll und für den Sänger Bill Haley scheint Carl nichts zu wissen. Vielleicht ist das auch ein Roman über das Verhältnis zwischen den Eltern und dem Sohn, wie sie zueinander finden, jeder auf sich selbst gestellt und jeder auf eigene spezifische Weise. Sowohl Carl als seine Eltern brauchen offenbar so viel Klärung und Abstand, um sich auf einer anderen Ebene wieder treffen können.

Es ist ein Roman über die Ausnahme- und Zwischenzeit, Grenzöffnung und Wiedervereinigung, eine kurze Zeitspanne und der Hauptheld erkennt, dass sie zu Ende geht: „Schon auf dem Heimweg wusste ich, dass meine Zeit in der Assel abgelaufen war. Plötzlich war diese Einsicht da.“ Auch seine Eltern überlegen, ob sie nicht zurück nach Thüringen gehen sollen. Der Reifungsprozess ist abgeschlossen. Ein sehr schöner Roman.

Was mir bei all diesen Texten auffällt, ist, dass die Wende nur von den Autoren aus der ehemaligen DDR beschrieben wird. Sie erleben sie, kämpfen sich durch, verändern oder kapitulieren, passen sich an oder gehen unter. Von der anderen Seite habe ich keine Stimme gehört, vernommen. So würde ich auch, jetzt den Bogen sehr breit spannend, die Romane von so vielen Schriftstellern mit Migrationshintergrund in Amerika oder Großbritannien platzieren. Sie alle kämpfen um A place for us von Fatima Farheen Mizra, wie der Titel des neuen New York Times Bestsellers heißt. Und so verwundert mich gar nicht, dass ein neuer Roman diesmal von Alexander Osang (in Ostberlin geboren) Fast hell auf mich wartet, denn gesagt ist noch lange nicht alles.

Flughafen Tegel & macierzanka

Tibor Jagielski

der weisse maybach

berlin-west (1961 – 1989) und heiko (1959 – 2018) in memoriam

wir trafen uns
schon nach dem untergang
der insel

so wie sie plötzlich erschien
verschwand sie wieder

ich zugezogen in den siebziegern
er – insulaner, mit dieser stadt aufgewachsen

mit allen grenzen gewaschen
(– gänsefleisch waffen? munition?)

manchmal stundenlanges warten
manchmal durchgewinkt

wir fuhren diesselben strecken
und besuchten diesselben discos
ohne voneinander ahnung zu haben

zum beispiel dreilinden – hamburg
oder sound

ja wir traffen uns erst
als unsere wilde jugend zu ende war

als wir keine zweihundertfünfzig sachen mehr auf der autobahn fuhren
und die durchtäntzte nächte hinter uns liesen

zum sterben waren wir damals zu jung
und gegen die walze, die kam
keine chance

auf eine art und weise
waren wir von der furie des verschwindens
entsetzt

und retteten uns manchmal
in die vergangene träume
vergebens

aus dem band “tod in tegel”
2020

macierzanka

same tragedie
nawet herakles po powrocie do domu
otrzymuje w darze od dejaniry koszule
koszule!

na polach elizejskich
szary popiół spada z nieba
jak śnieg
na tłumy
wędrujące po monotonnej szarej równinie

syzyf to pestka
kompleks edypa?
nieznany
elektra?
bajka na dobranoc

tylko macierzanka
rośnie razem z nami
jak milczenie starego telefonu
nikt nie wykręci już jego tarczy

tylko macierzanka
różanopalca pozdrawia nas o świcie
i pozwala
na oddech

Reblog: Spazierengehen

Ich beginne mit einem Reblog, danach kommen Koziewicz, Auster, Slaska, Robert, Nova in beliebiger Reiehnfolge. Ein Spaziergang pro Woche. Immer Samstags (nur heute ist es ausnahmsweise Sonntag, weil ich gestern über Hanau berichten wollte). Ich lade ein, weitere abgefahrene Stadtwanderungen zu beschreiben.

Reblog: Jacek Slaski, TIP Berlin, 29.01.2021

Den Spaziergang würfeln? So erkundet ihr Berlin per Zufall

Ein gewürfelter Spaziergang in Berlin: In der eigenen Stadt losgehen und nicht wissen wohin. Wann passiert das schon mal? In der Regel hat man ein festgelegtes Ziel. Büro, Schule, Restaurant, die Wohnung von Freunden oder den Supermarkt. Selbst beim Spazieren gibt es meist eine konkrete Idee. Man schlendert im Park umher, flaniert über eine Geschäftsstraße oder durch einen belebten Kiez.

Ich wollte es anders machen. Die scheinbar bekannte Gegend auf neue Art entdecken, ohne zu wissen wohin der Weg führt. An jeder Straßenecke und an jeder Kreuzung sollte der Zufall entscheiden, wie es weitergeht. Plötzlich wurde die Stadt zum unbekannten Terrain. Mehr als einen handelsüblichen Spielwürfel brauchte es nicht für dieses urbane Abenteuer.

Spaziergang Berlin: Der Würfel entscheidet über den Weg. Foto: Jacek Slaski

Der Würfel entscheidet über den Weg. Foto: Jacek Slaski

Euere Spaziergänge sind langweilig? Würfelt euch den Weg!

Es ist ein angenehm milder Wintertag. Ich trete aus meinem Kreuzberger Wohnhaus, hier ist der Startpunkt, direkt vor der eigenen Tür. Mein Freund Stan wartet auf mich, wir wollen den experimentellen Stadtspaziergang zusammen machen. Links geht es zur Skalitzer Straße, rechts zum Paul-Lincke-Ufer. Wo lang jetzt?

Die Regeln sind simpel. Man würfelt. Bei einer Eins oder Zwei geht es nach links, bei einer Drei oder Vier geradeaus und bei einer Fünf oder Sechs nach rechts. Kann man nur in zwei Richtungen gehen, so wie wir gerade, vereinfachen sich die Regeln. Eins bis Drei links und Vier bis Sechs rechts. Die Stadt wird zum Spielbrett, wir zu den Spielfiguren.

Spaziergang Berlin: Provisorisches Lager eines Obdachlosen am Landwehkanal. Foto: Jacek SlaskiProvisorisches Lager eines Obdachlosen am Landwehrkanal. Foto: Jacek Slaski

Ich würfle. Eine Fünf. Wir gehen Richtung Paul-Lincke-Ufer. An der Reichenberger Straße muss wieder gewürfelt werden. Es geht weiter geradeaus, dann links am Ufer des Landwehrkanals entlang. Stan hat eine Eins gewürfelt. Wir schauen den Schwänen auf dem Wasser zu, es geht an der Emmaus-Ölberg-Kirche vorbei. Sie sieht verlassen aus. Ich frage mich, ob da jemals jemand reingeht.

Auf dem kleinen Platz spielen Leute Boule und trinken Kaffee aus Thermoskannen

Auf einer alten Matratze hat jemand einen Sponti-Spruch gesprüht. Überall kleben Corona-Plakate. Maske auf. Impfzentrum. Schnelltest hier. Auf dem kleinen Platz hinter der Forster Straße spielen Leute Boule und trinken Kaffee aus Thermoskannen, auf der anderen Uferseite hat sich jemand ein provisorisches Lager eingerichtet.

Das Würfelglück führt uns weiter am Kanal entlang. Dabei hätten wir auch im Kreis laufen können, das ist die Gefahr bei diesem Experiment. Vielleicht auch die Schwachstelle. Aber dann wäre es eben so. Es gibt Regeln, selbst auferlegte, doch wenn man sie nicht befolgt, kann man es gleich sein lassen.

Spaziergang Berlin: Free-Box mit ausgedienten Dingen in der Pflügerstraße. Foto: Jacek Slaski

Free-Box mit ausgedienten Dingen in der Pflügerstraße. Foto: Jacek Slaski

Erst an der Glogauer Straße müssen wir rechts abbiegen, über die Thielenbrücke geht es auf die Pannierstraße. Wir sind in Neukölln. An jeder Straßenecke wächst die Spannung, Stan will Richtung Treptower Park, ich hoffe nur, wir drehen uns nicht im Kreis und müssen auf der anderen Kanalseite wieder zurück. Hoffnungen, Wünsche und Angst vor Wiederholung und Langeweile auf der einen Seite. Abenteuerlust und die Möglichkeit der Entdeckung, des Unerwarteten, auf der anderen.

Gegen die Stadt der Reichen. Foto: Jacek Slaski

Sind wir Forscher, Touristen oder zwei Schwachköpfe mit einem Würfel?

Wir geben die Entscheidungen über den Verlauf der Strecke ab, aber wir schalten nicht ab. Wir unterwerfen uns dem Würfelglück, aber wir hadern mit der Situation. Die Würfe werden antizipiert, man lobt und ärgert sich, beschwört den Würfel. So, los, jetzt eine Sechs! Nein, Du Idiot, keine Eins. Bei aller Ohnmacht wollen wir den Weg irgendwie trotzdem bestimmen und freuen uns zugleich über dieses leicht absurde Projekt, das uns auf neue Art durch den eigenen Kiez führt. Sind wir Forscher, Touristen oder zwei Schwachköpfe mit einem Würfel? Alles drei, nehme ich an.

Eine „Free-Box“ mit alten Büchern, Klamotten und Dingen des täglichen Gebrauchs steht in der Pflügerstraße. Wir kommen an Häusern vorbei, an denen Transparente gegen die neuen Eigentümer hängen. Neben einem Spielplatz ist ein weiteres Obdachlosenlager aufgebaut, auf den Fassaden bemängeln revolutionäre Sprüche den Wandel der Stadt.

Die Gentrifizierung ist unser ständiger Begleiter, sie schneidet sich hier im Nordneuköllner Kiez tief ins Gewebe der Stadt. Auch jetzt, obwohl wegen Corona alles geschlossen ist, werden die Fronten klar. Altmieter, Investoren, Hipster, Türken, die ramschigen Läden, ausgebaute Dachgeschosse und die schicken Bars und Cafés. Alls drängt sich zusammen, es brodelt und der Quadratmeterpreis steigt. Pandemie hin oder her.

Die Idee eines experimentellen Stadtspaziergangs ist nicht von mir. Die Methode mit den Würfeln schon, zumindest ist sie nicht abgeschaut. Auch wenn es sein mag, und das ist recht wahrscheinlich, dass sich schon jemand vor mir exakt so durch eine Stadt bewegt hat.

Die ganze Sache geht auf die Psychogeografie zurück

Eine mit Theorie unterlegte, literarische Form der Stadterkundung. Es geht um Stadträume, Stadtplanung, die Wirkung der Architektur, Journalismus, Reportage. Zumeist steht die Stadt und das Verhältnis des Einzelnen (oder einer bestimmten Gruppe) zu ihr, im Vordergrund.

Schon in den 1950er-Jahren haben die französischen Situationisten mit ähnlichen Aktionen begonnen und versuchten, sich die Stadt in Form von Kunst-Happenings anzueignen. Der Kasseler Spaziergangswissenschaftler Lucius Burkhard ließ seine Studenten experimentelle Spaziergänge machen, sie sollten etwa untersuchen, wie der Autoverkehr oder abgeschlossene Firmengelände den Stadtraum beeinflussen.

Psychotherapy während einer psychogeografischen Erkundung der Stadt. Foto: Jacek SlaskiPsychotherapy während einer psychogeografischen Erkundung der Stadt. Foto: Jacek Slaski

Die britische Schriftstellerin Aminatta Forna beschrieb No-Go-Areas für Frauen und Persons of Color und machte darauf aufmerksam, dass nicht jede Stadt gleichermaßen für jeden begehbar ist. Eine Erfahrung, die auch der jamaikanische Schriftsteller und Journalist Garnette Cadogan machte, dessen dunkle Hautfarbe ihm zwar bei Streifzügen durch seine Heimatstadt Kingston keine Probleme bereitete, in New York aber seine Bewegungsfreiheit in bestimmten Gegenden oder zu bestimmten Uhrzeiten extrem erschwerte.

Und ein Autor namens Iain Sinclair zeichnete irgendwann in den 1990er-Jahren den Buchstaben „V“ in den Londoner Stadtplan, den er anschließend ablief und seine Erfahrungen, die er entlang der Strecke machte, beschrieb.

Stan interessieren die alten Psychogeografie-Geschichten und Theorien nicht

Viel lieber erzählt er bei unserem Würfelspaziergang, wo er mal gewohnt hat, wo seine Exfreundinnen lebten oder alte Kumpel. Erinnerungen an Orte, WG-Zimmer, flüchtige Begegnungen, Umzüge und Partys.

Er hat instinktiv das Wesen der Psychogeografie erfasst, dazu muss man sich schließlich nicht unbedingt mit Wissen aufladen. Stadt und Erinnerung verschmelzen. Bilder, Gedanken und Verknüpfungen treten hervor, verstärkt vom zufälligen Ablaufen der an sich bekannten Straßen und Plätze. Der Zufall erzeugt zwangsläufig einen Bewusstseinsstrom.

Wir wohnen beide schon lange hier. Im Dreieck zwischen Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln. Die Adressen wechselten, die Gegend blieb. Wären wir in Reinickendorf, Köpenick oder Spandau unterwegs, gäbe es weniger oder andere Erinnerungen. In einer anderen Stadt erst recht, doch auch völlig unbekannte Orte ließen sich gewürfelt gut erkunden. Vermute ich. Irgendwann probiere ich es mal aus.

Der Neukölln Bierdosensammler mit Außenwerbung. Foto: Jacek Slaski

Wir sind im Rütlikiez. Im Späti kaufen wir zwei Flaschen Cola. In einem mit Dosen zugestellten Fenster hängt ein Schild. Ein Bierdosensammler hat seine Telefonnummer drauf geschrieben. Wer seltene Exemplare hat, soll anrufen, ist der nicht ausgesprochene Aufruf.

Ich überlege, ob man diese Würfelspaziergänge nicht an bestimmte Aktionen knüpfen sollte. Die Auflage, mit der Stadt zu interagieren, sich überwinden und Kontakte knüpfen, mit fremden Menschen reden, Dinge tun, die man sonst nicht tun würde. Etwa beim Bierdosensammler anrufen und fragen, welche Dose ihm fehlt und diese dann suchen und ihm vorbeibringen. Nächstes mal. Doch die Möglichkeiten sind unendlich, ein beflügelndes Gefühl.

Am Weichselplatz finde ich ein Buch, jemand hat es in einen Hauseingang gelegt. Es ist Jack Londons Roman „Wolfsblut“. Gelesen habe ich es nicht, aber ich meine mich zu erinnern, dass es darin um Wanderungen, um Abenteuer und das Ungewisse geht. Der Mensch und die Natur. Der Mensch und seine Umgebung. Bei London ist es die Wildnis, bei uns Neukölln.

Ganz kurz sehe ich Stan und mich, wie wir in Jacks tiefe Fußstapfen treten. Wir beide, unterwegs im urbanen Dschungel. „Dunkler Tannenwald dräute finster zu beiden Seiten des gefrorenen Wasserlaufs“, lautet der erste Satz aus dem Klassiker. Könnte man so die Beschreibung einer Berlin-Wanderung beginnen?

Weichselstraße, Ossastraße, Rütli-Campus.

Hier beginnt sich das System gegen uns zu wenden, wir laufen drei mal um den Block

immer wieder über das Gelände der berüchtigten Neuköllner Schule, die wegen der Gewalt und der verzweifelten Hilferufe der Lehrer vor Jahren landesweit für Schlagzeilen sorgte und dann mit viel politischem Willen und Fördergeldern umgekrempelt wurde.

Rütli und wieder Rütli. Irgendwas müssen wir übersehen haben, sagen wir uns, leicht irritiert von der Wiederholung. Und tatsächlich entdecken wir bei jeder weiteren Runde ein neues Detail. Eine im Boden eingelassene Gedenktafel für den Weltraumhund Laika, ein großes Backgammon-Feld, einen ungewöhnlichen Blick auf eine Brandmauer, ein altes Tor, das seinen Zweck nicht mehr erfüllt, weil es von einem neuen Zaun verdeckt wurde.

Immer wieder Rütli-Campus. Foto: Jacek Slaski

Keiner von uns war vorher auf dem Rütli-Gelände, jetzt haben wir es drei mal, von verschiedenen Seiten kommend, entdeckt, entdecken müssen. Die Würfel lassen uns nicht weg, wir kommen nicht mehr in den Treptower Park, auch am Kanal bleiben wir nicht. Doch das Ende naht. Der Spaziergang musste von Beginn an begrenzt werden. Nach 90 Minuten ist Schluss, so der Entschluss.

Die Hipster-Meile wirkt im hellen Winterlicht seltsam trüb

Der Zufall leitet uns endlich auf die Weserstraße. Die Hipster-Meile wirkt im hellen Winterlicht seltsam trüb. Müll und Hundescheiße vor verschlossenen Läden sind kein einladendes Bild. Stan lacht bei dem Gedanken, was wohl der Freund seiner Mutter, ein patenter Ur-Spandauer, zu dem verlotterten Bezirk sagen würde. Doch für nicht wenige Berliner ist Neukölln so weit weg wie die Bahamas.

Wir kehren auf die Pannierstraße zurück und landen schließlich auf der geschäftigen Sonnenallee. Noch fünf Minuten, dann ist der Spaziergang vorbei. An der Ecke Sonnenallee und Jansastraße erreichen wir unser zeitlich festgelegtes Ziel. Ziemlich genau sieben Kilometer haben wir zurückgelegt, sagt die App MyTracks. Dieser Endpunkt soll der Startpunkt für den zweiten Würfelspaziergang werden. Wer weiß, wohin uns der Weg dann führt. Zurück oder weiter weg von den vertrauten Straßen?

Eine mit der App MyTracks erstellte Karte des gewürfelten Spaziergangs. Screenshot: MyTtracks


Inspiration und Dank gilt Anneke Lubkowitz. Ohne den von ihr herausgegebenen Band „Psychogeografie“ hätte ich den Würfel wohl nicht in den Stadtraum geworfen.

Psychogeografie herausgegeben von Anneke Lubkowitz, Matthes & Seitz, 240 S., 22 €

Hanau

Vorgestern fand ich diese Bilder am Eingang zu meiner U-Bahn-Station Paradestraße. Ich wusste nicht, wer sie sind und worum es geht, aber ich wusste, dass ich im Internet selbstverständlich eine Erklärung finden werde. Am abend hatte ich keine Zeit, am nächsten Tag (dh. gestern) musste ich früh raus und auf Hermannplatz fand ich schon mehr.

Ach ja, natürlich, Hanau. Hanau vor einem Jahr.  Mein Handy hat sich ausgeladen, ich nehme die Plakate vom Zaun ab und mit nach Hause. In der U-Bahn lese ich sie.

#HanauWarKeinEinzelfall
Hanau. 1 Jahr nach dem rassistischen Terroranschlag
WIR GEDENKEN 19. Februar
KALOYAN VELKOV
FATIH SARACOGLU
SEDAT GÜRBÜZ
VILI VIOREL PAUN
GÖKHAN GÜLTEKIN
MERCEDES KIERPACZ
FERHAT UNVAR
SAID NESAR HASHEMI
HAMZA KURTOVIC

Erinnern heißt kämpfen, Erinnern heißt verändern!

Hanau war kein Einzelfall. Der Anschlag an die Synagoge in Halle, der Mord an Walter  Lübcke in Kassel, die Morde und Anschläge des NSU – das alles waren kein Einzelfälle.

Rechte Terrornetzwerke werden von der Polizei, Justiz und Verfassungsschutz gedeckt oder unterstützt, oder sind schon Teil des Staatsapparates.

Polizei und Staat werden uns nicht beschützen!
Das können nur wir selbst.
Deshalb organisieren wir uns gemeinsam in unseren Kiezen und Nachbarschaften gegen Faschismus und rassistische Gewalt.

MIGRANTIFA                    WIR FORDERN ERINNERUNG GERECHTIGKEIT AUFKLÄRUNG KONSEQUENZEN

#RassismusTötet @migrantifabln    V.i.S.d.P.:M. Cayan, Karl-Marx-Str. Berlin

Na ja, das erklärt Einiges, denke ich mir. Diese angesprayte Bilder in der UBahn, Plakate an den Zaunen und Wänden angeklebt mit Tesafilm und Post-Klebeband.

Ich komme nach Hause und finde, dass Büro der Berliner Ausländerbeauftragten mir (natürlich nicht nur mir) eine Erinnerung an Hanau auf dem Facebook zugeschickt hatte. Klar, die hartformulierten “Ausdrücke” von oben fehlen, bei dem Spot heisst es: Struktureller Rassismus, aber der Tenor…

Tag danach (dh. heute) gehe nochmals hin zu Hermannplatz und diesmal mache ich ein paar Fotos. Es sollte auch eine Demo statt finden, gibt sie aber nicht…

Vom ICH zum WIR

Christine Ziegler

So lautet oft der Slogan, wenn wir über Solidarität nachdenken. Doch wie geht das überhaupt, wo wir immer weiter um das ICH kämpfen, kämpfen müssen und wollen.

Was weiß ich, ob es stimmt, ich war nicht dabei, aber nein, bin es gerade jetzt doch:
Einstmals gab es ein WIR, doch auch dieses erst, als WIR begriffen, dass wir eine besondere Art Lebewesen sind, die sich nicht mehr so ganz einordnen kann in das Leben an und für sich, dem wir aber doch weiter angehören.

Dann ein ER, SIE, ES? Oder doch als erster Schritt ein ICH? Was machen die Kinder? Wenn sie sprechen lernen, ist es mit ICH noch kompliziert. Und dann kommt auch noch ein DU dazu?  Und DU ist ICH und ICH ist DU?

Und wer darf von ICH sprechen? Weshalb sind Frau, Kind, Knecht, Magd, Vieh und alles was seins ist, erst mal nur Eigentum? Oder gab es ein Dasein ohne Eigentum? Hatten wir dann Personalpronomen?

Was für ein Glück, wenn das ICH bestimmen kann, dass es ein ER ist? Eine SIE ist. Das ES im Kind, ganz kurz ist es MENSCH egal, was mensch ist, dann kommt der Zwang zum ER und SIE. Wieso DAS Mädchen, na ja, alles was seins ist, kann wohl kein SIE sein, erst recht kein ICH. Kein Wunder, dass wir alle um die Selbstbestimmung des Personalpronomens kämpfen. Und staunend lernen, wie viele Personalpronomen es in Wirklichkeit gibt.

Gelingt da ein Weg zurück zum WIR, zur Solidarität? Wo doch auch noch das IHR da ist. Denen ist sowieso nicht zu  trauen. Vielleicht ist dieses Mistrauen erst zu überwinden, wenn es welche gibt, die SIE über uns sagen und uns alle meinen?

 

Could you patent the Sun?

Brigitte von Ungarn-Sternberg

Hat man jemals in den vielen Talkshow Runden zum Thema Covid 19 einen Vertreter der Pharmaindustrie gesehen und gehört? Ich nicht!  Die und nicht nur die Politiker haben eine Verantwortung dahingehend, dass ausreichend Impfstoffe produziert werden für die Menschen auf dem ganzen Globus.

Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit und Humanität, sondern auch in unserem eigenen Interesse. Wenn hier und da und dort die Pandemie nicht bekämpft wird, dann sind das die Gegenden, wo möglicherweise neue Varianten ausgebrütet werden, im schlimmsten Fall solche Viren, die gegen die vorhandenen Impfstoffe resistent geworden sind.

Dr. Jonas Salk hat auf Patentrechte auf den Impfstoff gegen Polio verzichtet. Als der Journalist Edward Murrow ihn 1955 fragte, wer beitzt die Patent-Rechte für den Polio-Impfstoff, antwortete Salk: Well, the people, I would say. There is no patent. This is — could you patent the sun?
Also: Kann man ein Patent auf die Sonne anmelden?

Salk preferred not to have his career as a scientist affected by too much personal attention, as he had always tried to remain independent and private in his research and life, but this proved to be impossible. “Young man, a great tragedy has befallen you—you’ve lost your anonymity”, the television personality Ed Murrow said to Salk shortly after the onslaught of media attention. When Murrow asked him, “Who owns this patent?”, Salk replied, “Well, the people I would say. There is no patent. Could you patent the sun?” The vaccine is calculated to be worth $7 billion had it been patented. However, lawyers from the National Foundation for Infantile Paralysis did look into the possibility of a patent, but ultimately determined that the vaccine was not a patentable invention because of prior art.

Dieser Zitat ist von der WIKIPEDIA auf Englisch. Auf Deutsch gibt es keine so kurze und klare Aussage, daher bleibt es hier auf Englisch zitiert.

Mit der Schluckimpfung, die an allen Schulen in den 50er Jahren durchgeführt worden ist, ist die Kinderlähmung verschwunden.

Ein kleines Stück Zucker beträufelt mit einer roten Flüssigkeit, so erinnere ich mich daran.


PS von Ewa Maria Slaska: Die Polen meinen, es gab einen Polen, der als erster die Impfung gegen Polio entedeckte, Hilary Koprowski (TU po polsku, HIER auf Deutsch, HERE in English), aber der schöne Spruch stammt natürlich von Salk.

Reblog: Man wird sehen

Danke, Joasia! Dziękuję, Joasiu!

Aus der Zen-Schatztruhe:

Ein Bauer hatte ein Pferd, aber eines Tages lief es fort und der Bauer und sein Sohn mussten ihre Felder selbst pflügen. Die Nachbarn sagten: “Was für ein Pech, dass euer Pferd weggelaufen ist!”. Aber der Bauer antwortete: “Man wird sehen”.
Eine Woche später kam das Pferd zum Bauernhof zurück und brachte eine ganze Herde wilder Pferde mit. “So viel Glück!” riefen die Nachbarn, aber der Bauer sagte: “Man wird sehen”.
Kurz danach versuchte der Sohn des Bauern, eines der wilden Pferde zu reiten – aber er wurde abgeworfen und brach sich ein Bein. “Oh, so ein Pech!” Die Nachbarn hatten Mitleid, aber der Bauer sagte wieder: “Man wird sehen”.
Ein paar Tage später zog der Landesherrscher alle jungen Männer in sein Heer ein, um in die Schlacht zu ziehen. Aber den Sohn des Bauern ließen sie wegen seines gebrochenen Beins zu Hause: “Was für ein Glück, daß dein Sohn nicht in die Schlacht ziehen muss!” freuten sich die Nachbarn. Aber der Bauer bemerkte nur: “Man wird sehen”.
Akhal-Teke, Pferderasse aus Asien; man sagt, es ist das schönste Pferd der Welt und es gibt in der ganzen Welt nur 1250 davon. In China wurden sie Engelpferde genannt.

Glück oder Unglück – wer weiß das schon?

eine alte Chinesische Erzählung, Autor unbekannt

Im alten China lebte einst ein armer alter Bauer, dessen einziger Besitz ein wundervoller weißer Hengst war, Selbst der Kaiser träumte davon, dieses Pferd zu besitzen. Er bot dem Alten Säcke voller Gold und Diamanten, doch der Alte schüttelte beharrlich den Kopf und sagte: “Mir fehlt es an nichts. Der Schimmel dient mir seit vielen Jahren und ist mir zum Freund geworden. Und einen Freund verkauft man nicht; nicht für alles Geld der Welt.” Und so zogen die Gesandten des Kaisers unverrichteter Dinge wieder ab.

Die Dorfbewohner lachten über so viel Unvernunft. Wie konnte der Alte bloß wegen eines Pferdes soviel Reichtum und Glück ausschlagen?

Eines Morgens war das Pferd verschwunden. Die Dorfbewohner liefen aufgeregt vor dem leeren Stall zusammen, um das Unglück des alten Bauers zu beklagen. “Sag selbst, Alter, hat sich deine Treue gelohnt? Du könntest ein reicher Mann sein, wenn du nicht so eigensinnig gewesen wärst. Jetzt bist du ärmer als zuvor. Kein Pferd zum Arbeiten und kein Geld zum Leben, Ach, das Unglück hat dich schwer getroffen.”

Der alte Bauer blickte bedächtig in die Runde, nickte nachdenklich und sagte: “Was redet ihr da? Das Pferd steht nicht mehr im Stall, das ist alles, was ich sehe. Vielleicht ist es ein Unglück, vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon so genau?” Tuschelns gingen die Leute auseinander. Der Alte musste durch den Schaden wirr im Kopf geworden sein, anders ließen sich seine Worte nicht erklären.

Einige Tage später, es war ein warmer, sonniger Frühlingstag und das halbe Dorf arbeitete in den Feldern, stürmte der vermisste Schimmel laut wiehernd die Dorfstrasse entlang. Die Sonne glänzte auf seinem Fell, und die Mähne und Schweif flatterten wie feinste Silberfäden im Wind. Es war ein herrlicher Anblick, wie er voller Kraft und Anmut dahergaloppierte.

Doch das war es nicht allein, was die Dörfler erstaunt die Augen aufreißen ließ. Noch mehr Staunen riefen die sechs wilden Stuten hervor, die hinter dem Hengst hertrabten und ihm in die offene Koppel neben dem leeren Stall folgten.

“O du Glücklicher, von den Göttern gesegneter Mann! Jetzt hast du sieben Pferde und bist doch noch zum reichen Mann geworden. Bald wird Nachwuchs deine Weiden füllen. Wer hätte gedacht, dass dir noch einmal soviel Glück beschieden wäre?” riefen sie, während sie dem alten Mann zu seinem unverhofften Reichtum gratulierten.

Der Alte schaute gelassen in die aufgeregte Menge und erwiderte: “Ihr geht zu weit. Sagt einfach: Jetzt hat er sieben Pferde. Ob das Glück oder Unglück bringt, niemand weiß es zu sagen. Wir sehen immer nur Bruchstücke, wie will man da das Ganze beurteilen. Das Leben ist so unendlich vielfältig und überraschend.”

Verständnislos hörten ihm die Leute zu. Die Gelassenheit des Alten war einfach unbegreiflich. Andererseits war er schon immer etwas komisch gewesen. Na ja, sie hatten andere Sorgen.

Der alte Bauer hatte einen einzigen Sohn. In den folgenden Wochen begann er die Wildpferde zu zähmen und einzureiten. Er war ein ungeduldiger, junger Mann,und so setzte er sich schon früh auf eine der wilden Stuten. Dabei stürzte er so unglücklich vom Pferd, dass er sich beide Beine mehrmals brach. Obwohl die Heilerin ihr Bestes tat, war allen klar, dass seine Beine nie wieder ganz gesund werden würden. Für den Rest seines Lebens würde er ein hinkender, behinderter Mann bleiben.

Wieder versammelten sich die Leute vor dem Haus des Alten. “O du armer, alter Mann!” jammerten sie, “nun entpuppt sich dein Glück als großes Unglück, dein einziger Sohn, die Stütze deines Alters, ist nun ein hilfloser Krüppel  und kann dir keine Hilfe mehr sein. Wer wird dich ernähren und die Arbeit tun, wenn du keine Kraft mehr hast? Wie hart muss dir das Schicksal erscheinen, das dir solches Unglück beschert.”

Wieder schaute der Alte in die Runde und antwortete: “Ihr seid vom Urteilen besessen und malt die Welt entweder schwarz oder weiß. Habt ihr noch immer nicht begriffen, dass wir nur Bruchstücke des Lebens wahrnehmen. Das Leben zeigt sich uns nur in winzigen Ausschnitten, doch ihr tut, als könntet ihr das Ganze beurteilen. Tatsache ist, mein Sohn hat beide Beine gebrochen und wird nie wieder so laufen können, wie vorher. Lasst es damit genug sein. Glück oder Unglück, wer weiß das schon.”

Nicht lange danach, brach ein Krieg aus. Das ganze Dorf war von Wehklagen und Trauer erfüllt, denn alle wussten, dass die meisten Männer nicht mehr heimkehren würden.

Wieder einmal liefen die Dorfbewohner vor dem Haus des alten Bauern zusammen: “Wie recht du hattest. Jetzt bringt dein Sohn dir doch noch Glück.”

Der Alte schaute nachdenklich in die verstörten Gesichter der Leute. “Könnte ich euch nur helfen, weiter und tiefer zu sehen, als ihr es bisher vermögt. Wie durch ein Schlüssellloch betrachtet ihr euer Leben, und doch glaubt ihr, das Ganze zu sehen. Niemand von uns weiß, wie sich das große Bild zusammensetzt. Was eben noch ein großes Unglück scheint, mag sich im nächsten Moment in Glück erweisen. Anderseits erweist sich scheinbares Unglück auf längere Sicht oft als Glück und umgekehrt gilt das gleiche. Sagt einfach: Unsere Männer ziehen in den Krieg, und dein Sohn bleibt zu Hause. Was daraus wird, weiß keiner von uns. Und jetzt geht nach Hause, und teilt die Zeit miteinander, die euch bleibt.”

Schwarzes Pferd aus Friesland; auch von dem behauptet man, es sei das schönste in der Welt

Frauenblick: Auf dem Weg

Monika Wrzosek-Müller

Fast hatte ich den Eindruck, wir wären in Berlin eingeschlossen; der angekündigte Radius von 15 Km für die Bewegungsfreiheit ist alles andere als angenehm. In so einer Situationen sucht man sofort nach Ausgleich; den fand ich in einem kleinen Artikel in der italienischen Zeitung La Repubblica: Ein Weg „Kalabria cost to cost“ ist geboren, 55 Km lang, zwischen Dörfern, Städtchen und Natur. Ein „Cammino“, obwohl nicht als Pilgerweg ausgewiesen und gemeint, aber doch mit einem Pass und Abzeichen für die einzelnen Wegabschnitte versehen. Zehn Gemeinden und zwei Provinzen werden auf dem Wanderweg von Soverato nach Pizzo durchquert. Es kann das ganze Jahr über begangen werden. Zwei Jahre lang wurde an den Markierungen gearbeitet.

Der Weg beginnt an den schönen, weißen Stränden der Costa degli Aranci am Ionischen Meer und führt bis zum malerischen Pizzo, der sich auf der anderen Seite über den goldenen Stränden der Costa degli Dei am Tyrrhenischen Meer erhebt. Man durchquert das bergige Gebiet Kalabriens, geht durch schöne antike Dörfer – Petrizzi, San Vito und Monterosso – an weiten Feldern und Weingärten entlang, durch Olivenheine und Wälder mit Kastanien oder uralten Buchen. Auf dem Weg liegt auch ein herrlicher See (Antigola-See) im Preserre-Gebirge, hoch über dem Meer. Es gibt Ausblicke auf die Küsten beider Meere; die Steigungen sind auch manchmal anspruchsvoll. Das alles weit weg von den Touristenrouten, an ursprünglichen Landschaften vorbei.

Das brauchte ich als Ziel, als Vorgabe, weg von der grauen und wirklich verhängnisvollen Wirklichkeit der Pandemie. Träumen von den Landschaften, die ich so sehr liebe und in denen ich immer aufgehe. Ein Weg als Ziel ist immer hilfreich und zukunftsweisend, man kann ihm auch im Traum folgen, in der Vorstellung, ohne zu gehen. Ein Weg führt immer weiter, deswegen ist vielleicht die Vorstellung von einer Mauer, von Eingrenzung so verstörend und einengend. Jede gebaute Mauer versperrt den Weg, grenzt aus, sie sagt: bis dahin und nicht weiter. Zum Glück sind einige Mauern und Absperrungen gescheitert, gefallen oder aufgebrochen worden; in Amerika wird unter dem neuen Präsidenten die Mauer an der amerikanisch-mexikanischen Grenze nicht weitergebaut und die Berliner Mauer ist schon vor Jahren gefallen. Doch den langen Weg, den die Menschen aus dem Osten gegangen sind, sollte man nicht vergessen.

„Man fährt nicht mit dem eigenen Wagen vor das Tor eines Flüchtlingslagers – es ziemt sich nicht, so hatte Carl seinen Vater verstanden. Das war sein Respekt vor dem Vorgang der Flucht, deren Umstände im Ungewissen lagen. Vor allem aber, so sah es Carl, entsprach es seiner Gutgläubigkeit – einem Vertrauen darauf, dass ein bestimmtes (gutes, richtiges) Verhalten eine bestimmte (gute, richtige) Reaktion hervorrufen würde. Und vielleicht hatte er recht damit. Vielleicht brauchte man diese Formen von Demut und Buße, wenn man ein Flüchtling aus dem Osten war. So ungewöhnlich ihr Schritt, so chaotisch und gewagt das Ganze auch aussah, sie wollten es anständig machen. Sie wollten gute Flüchtlinge sein, was Carl das Herz abschnürte. Arme Eltern. Sie würden es niemals schaffen. Sie waren nicht kaltschnäuzig genug, hatten nicht Ellbogen dafür. Sie waren mit schlimmeren Dingen nicht vertraut, waren zu alt, zerbrechlich, verletzlich und schleppten einen großen schwarzen Kasten durch die Gegend.“ (Lutz Seiler, Stern 111, S.40).

Das Buch kreist um die Zeit der Wiedervereinigung und die Probleme, die sie mit sich bringt. Der Held und seine Eltern gehen scheinbar gegensätzliche Wege und doch landen sie alle im vereinten Deutschland. Es gibt Wege, die man immer nach oben geht, wenn auch unter Mühe, und solche, die mehr gradlinig und horizontal verlaufen, dabei nicht so viel Kraft und Mut erfordern, es existieren auch lauter Abstiege, die brauchen auch viel Durchhaltevermögen. Nicht alle haben die Kraft und nötige Ausdauer, den einen, richtigen Weg zu finden, manchmal reicht schon die Suche danach aus. Meine liebste Tante war dadurch nie ansässig geworden. Sie wohnte mal hier, mal da; niemals lange und niemals kümmerte sie, wie die Wohnung denn aussah, in der sie zufällig lebte. Auf jeden Fall nicht nach dem Prinzip: „May home is my castle“.

Die Anzahl der verschiedenen Pilger-, Wanderwege steigt stetig an; etwas treibt die Menschen an, unterwegs zu sein, sich auf den Weg zu machen, vielleicht unterwegs ganz nebenbei sich selbst zu finden. Ich persönlich bin weiterhin auf dem Weg, auch wenn es häufig Baustellen unterwegs gibt.

Dziewuchy Berlin Oświadczenie Stellungnahme Statement

Ruchy emancypacyjne od samego początku cechuje wielka dynamika, emocje i …

Kolejne fale zmieniają i rozwijają feminizm w różnych kierunkach. I to jest jego bogactwem. Czasem niedocenianym. Nie ma bowiem jednego słusznego nurtu feminizmu. Wielość i różnorodność poszerza pole naszej walki o prawa kobiet*, prawa LGBT+, prawa człowieka ogólnie. I nawet różnice ideowe, które tak bardzo obecne są na niemieckiej scenie feministycznej, w polskiej już powoli też, nie muszą stanowić barykady ani dzielącego nas muru. Możemy ze sobą rozmawiać, wymieniać się poglądami, przekonywać (lub nie), uczyć się wzajemnie od siebie. Możemy się też kłócić, jeśli potrafimy radzić sobie z konfliktami. Tego co prawda w tradycyjnych społeczeństwach nie uczono ani w szkole, ani w domu.

Szacunek do herstorii, do kultury, a tym samym do nas samych. 

Ale bardziej nam zależy na wspólnych ważnych działaniach, niż na zajmowaniu się pretensjami osób, które tak haniebnie się zachowały wobec nas. Działamy dalej! Co nas nie zniszczy, to nas wzmocni. Wiele się nauczyłyśmy dzięki temu doświadczeniu, szkoda tylko naszej pracy, z której nas obrabowano, którą straciłyśmy. Na szczęście mamy dużo energii i chęci i będziemy tworzyć, działać i organizować dalej. 

Oświadczenie
W sprawie kanału na Instagramie i Twitterze Dziewuchy Berlin

13.1.2021

Kolektyw Dziewuchy Berlin utworzony został 2 kwietnia 2016 roku, jako berliński oddział ruchu społecznego Dziewuchy Dziewuchom. Najpierw jako grupa na Facebooku, a w stałym składzie działałyśmy od 2017 roku. Przez te 4 lata pracowałyśmy na rzecz praw kobiet* i LGBT+ w Polsce i  Niemczech. Organizowałyśmy różne akcje solidarności, np. artystyczne czy protesty. Brałyśmy udział w niezliczonych debatach i dyskusjach, podpisywałyśmy listy i petycje. Naszym celem było, jest i będzie wspieranie kobiet*, społeczności LGBT+ w walce o prawa zarówno w Polsce, Niemczech i innych krajach.

Dziewuchy Berlin to osoby o różnych poglądach, płci, wieku, profesji – zawsze widziałyśmy to jako wzbogacenie, uzupełnienie i możliwość poznania się i wzajemnej nauki. Łączy nas wspólny cel, drogi mamy zbliżone, czasem wspólne. Jednak różnice są ważne i je doceniamy. Można mieć różne widzenie feminizmu, dyskutować, sprzeczać się i wymieniać argumenty, przekonywać lub nie. Dopóki są to merytoryczne rozmowy o sprawie, a nie awantury na poziomie personalnym, to wszystko jest OK. Feminizm, jego fale i nurty – jak wszystko w życiu – jest zróżnicowany. Różnorodność naszą siłą. Tak przynajmniej myślała część z nas. Niestety nie wszystkie osoby.

W kwietniu coś zaczęło się psuć, nasze drogi zaczęły się rozchodzić w różnych kierunkach. Od października do grudnia, podczas organizowania “Krwawych Tygodni” stało się to jeszcze bardziej zauważalne. W naszą przestrzeń, która miała być bezpieczna, solidarna, przyjazna, wkradły się obelgi, pogarda, brak szacunku i agresywna krytyka na każdym kroku ze strony części grupy. Tej, która już od pewnego czasu działała poza naszym kolektywem i formowała się w nową jakość, korzystając z dorobku, kontaktów i wspólnej pracy Dziewuchy Berlin.
Byłoby uczciwe, gdyby te kilka osób, dla których główny cel Dziewuchy Berlin (czyli działanie na rzecz Polski i Polek), nie jest interesujący, po prostu podziękowały za wspólny czas, kontakty, możliwość zaistnienia w mediach i brania udziału w akcjach na rzecz praw kobiet* w Berlinie, z godnością odeszły i założyły swoją inicjatywę.

Jednak one, te którym ufałyśmy, wybrały inną metodę odejścia i założenia nowej inicjatywy  – najpierw poprzez wywołanie sztucznych konfliktów, szantaży, oskarżeń – by budować coś nowego na cudzym dorobku. Mianowicie: utraciłyśmy dostęp do naszych grupowych kanałów na Instagramie i Twitterze. Po niezwykle chamskim i ohydnym szantażu, osoby te stwierdziły, że odchodzą z grupy i zabierają ze sobą te 2 kanały social media, bo im się to należy (!). Zmieniono hasła, maile i numery telefonów. Usunięto wszystkie grafiki i zdjęcia z ostatnich kilku lat, które wstawiałyśmy lub były na nich inne członkinie. Oczywiście, nasze kanały uzyskały ogromną ilość obserwujących po “Krwawych Tygodniach” i stały się “smakowitym kąskiem”. Po zmianie haseł, wyrzuceniu naszego grupowego dorobku Dziewuchowego do kosza, przyszedł czas na zmianę nazwy tych kont. Czyli dokonania Dziewuchy Berlin zostały wymazane z przestrzeni Instagrama i Twittera.

Ponadto przywłaszczono część wspólnych funduszy, zebrane podczas zrzutek. Zawłaszczono część wspólnych transparentów. To wszystko jest własnością Dziewuchy Berlin. Nie pojedynczej osoby czy dwóch, bo mają taką chęć.

Dla tych osób feminizm to tylko hasła na transparentach. To tylko mikrofon, scena i okrzyki. A przecież feminizm to także wspólne działania i wzajemne traktowanie się z szacunkiem. Jego brak, przemoc słowna, hipokryzja, kłamstwa i tak nikczemne “zabieranie” wspólnej własności nie było, nie jest i nie będzie częścią filozofii ani metodologii działania Dziewuchy Berlin.

Czujemy się (bo jesteśmy) okradzione. Bo tak się stało. Najbardziej z poczucia godności i tego, że zaufałyśmy. Był to błąd. Czegoś takiego się nie spodziewałyśmy. My działać będziemy nadal, oczywiście, choć obrabowane z naszej własności, części naszej pracy, w którą włożyłyśmy wiele czasu i energii.

Na pewno pojawią się na nasz temat pomówienia i oszczerstwa ze strony osób, które odeszły. Tych wszystkich, którzy chcą poznać naszą wersję lub dowiedzieć się jak było naprawdę – zapraszamy do kontaktu.

Aktualnie próbujemy odzyskać dostęp do konta na Instagramie “Dziewuchy Berlin” oraz na Twitterze DziewuchyBerlin @DziewuchyBLN
Nie poddamy się bez walki!

Dziewuchy Berlin
www.dziewuchyberlin.org 


Statement
Regarding the Instagram and Twitter accounts of Dziewuchy Berlin

13.1.2021

The collective Dziewuchy Berlin was formed on April 2, 2016, as the Berlin branch of the Polish feminist movement Dziewuchy Dziewuchom. First as a Facebook group, and since 2017 we were active in a permanent line-up. During these 4 years we worked for women*s and LGBT+ rights in Poland and Germany. We organized various solidarity actions, demonstrations, artistic actions. We took part in countless debates and discussions, signed letters and petitions. Our goal was, is and will be to support women* and the LGBT+ community in the fight for rights in Poland, Germany and other countries.

Dziewuchy Berlin are people of different views, gender, age, profession – we’ve always seen it as an enrichment, complement and opportunity to get to know and learn from each other. We share a common goal, our paths are similar, sometimes common. However, differences are important and we appreciate them. We can have different views on feminism, discuss, argue and exchange arguments, be convinced or not. As long as they are substantive discussions about the issue, and not brawls on a personal level, then everything is OK. Feminism, its waves and currents – as everything in life – is diverse. Diversity is our strength. At least that’s what some of us thought. Unfortunately, not all of us. 

In April something started to break, our paths started to diverge in different directions. From October to December, while organizing “Bloody Weeks” it became even more noticeable. Into our space, which was supposed to be safe, supportive, friendly; crept insults, contempt, disrespect and aggressive criticism at every turn from a part of the group. The one that had been operating outside our collective for some time and was forming itself into a new initative, using the achievements, contacts and joint work of Dziewuchy Berlin.

It would be fair if those few people for whom the main aim of Dziewuchy Berlin (i.e. solidarity with Poland and Polish women*) is not interesting, simply thanked for their time in the group, for the contacts, possibility of appearing in the media and taking part in actions for women’s rights* in Berlin, left with dignity. 

But they, the ones we trusted, chose a different method of leaving and founding a new initiative – first by creating artificial conflicts, blackmail, accusations – in order to build something new on someone else’s achievements. Namely: we lost access to our group feeds on Instagram and Twitter. After extremely rude and obnoxious blackmail, these people stated that they were leaving the group and taking these 2 social media channels with them, because they were entitled to it (!). Passwords, emails and phone numbers were changed. All graphics and photos from the past few years that we had inserted or other members were on were removed. Of course, our channels gained a huge amount of followers after “Bloody Weeks” and became a “tasty morsel”. After changing the passwords, throwing our group Dziewuchy achievements in the trash, it was time to rename these accounts. That is, the achievements of Dziewuchy Berlin were erased from the Instagram and Twitter space. 

In addition, some of the collective funds, raised during the airdrops, were appropriated. Some of the shared banners were appropriated. All of this is the property of Dziewuchy Berlin. Not a single person or two because they feel like it. 

For these people, feminism is just slogans on banners. It is just a microphone, a stage and shouts. But feminism is also about acting together and treating each other with respect. LAck of respect, verbal abuse, hypocrisy, lies and such a despicable “taking over” of common property was not, is not and will not be a part of Dziewuchy Berlin’s philosophy and methodology. 

We feel (because we are) robbed. Because we have been robbed. Mostly from our sense of dignity and the fact that we have trusted. It was a mistake. We did not expect such a thing. We will continue to be active, of course, although robbed of our property, a part of our work in which we put a lot of time and energy.

Certainly there will be slanders and libels about us from those who have left. If you want to know our side of the story or what really happened, please contact us.

Currently we are trying to regain access to the account on Instagram “Dziewuchy Berlin” and on Twitter DziewuchyBerlin @DziewuchyBLN
We will not give up without a fight!

Dziewuchy Berlin
www.dziewuchyberlin.org 


Stellungnahme
Bezüglich des Instagram- und Twitter-Accounts von Dziewuchy Berlin

13.1.2021

Das Kollektiv Dziewuchy Berlin wurde am 2. April 2016 als Berliner Zweig der polnischen feministischen Bewegung Dziewuchy Dziewuchom gegründet. Zunächst als Facebook-Gruppe, und seit 2017 waren wir in einer festen Besetzung aktiv. In diesen 4 Jahren haben wir uns für die Rechte von Frauen* und LGBT+ in Polen und Deutschland eingesetzt. Wir organisierten verschiedene Solidaritätsaktionen, Demonstrationen, künstlerische Aktionen. Wir nahmen an unzähligen Debatten und Diskussionen teil, unterschrieben Briefe und Petitionen. Unser Ziel war, ist und wird es sein, Frauen* und die LGBT+ Community im Kampf um Rechte in Polen, Deutschland und anderen Ländern zu unterstützen.

Dziewuchy Berlin sind Menschen mit unterschiedlichen Ansichten, Geschlecht, Alter, Beruf – wir haben es immer als Bereicherung, Ergänzung und Möglichkeit gesehen, uns kennenzulernen und voneinander zu lernen. Wir haben ein gemeinsames Ziel, unsere Wege sind ähnlich, manchmal gemeinsam. Aber Unterschiede sind wichtig und wir schätzen sie. Wir können unterschiedliche Ansichten über Feminismus haben, diskutieren, streiten und Argumente austauschen, überzeugt sein oder nicht. Solange es sachliche Diskussionen zum Thema sind und keine Schlägereien auf persönlicher Ebene, ist alles in Ordnung. Der Feminismus, seine Wellen und Strömungen sind – wie alles im Leben – vielfältig. Vielfältigkeit ist unsere Stärke. Zumindest dachten das einige von uns. Leider nicht alle von uns.

Im April begann etwas zu zerbrechen, unsere Wege begannen, in verschiedene Richtungen auseinanderzugehen. Von Oktober bis Dezember, bei der Organisation der “Blutigen Wochen”, wurde es noch deutlicher. In unseren Raum, der eigentlich sicher, unterstützend und freundlich sein sollte, schlichen sich Beleidigungen, Verachtung, Respektlosigkeit und aggressive Kritik auf Schritt und Tritt von einem Teil der Gruppe ein. Derjenige, der schon seit einiger Zeit außerhalb unseres Kollektivs agierte und sich zu einer neuen Initiative formierte, die die Errungenschaften, Kontakte und gemeinsame Arbeit von Dziewuchy Berlin nutzte.

Es wäre fair, wenn die wenigen Menschen, für die das Hauptziel von Dziewuchy Berlin (d.h. die Solidarität mit Polen und polnischen Frauen*) uninteressant ist, sich einfach für ihre Zeit in der Gruppe, für die Kontakte, die Möglichkeit, in den Medien aufzutreten und an Aktionen für Frauenrechte* in Berlin teilzunehmen, bedankten und in Würde gingen.

Aber sie, die, denen wir vertrauten, wählten eine andere Methode, um zu gehen und eine neue Initiative zu gründen – indem sie zunächst künstliche Konflikte, Erpressung, Anschuldigungen schufen, um auf den Errungenschaften anderer etwas Neues aufzubauen. Nämlich: Wir verloren den Zugang zu unseren Daten in den Gruppenfeeds auf Instagram und Twitter. Nach extrem unhöflicher und widerwärtiger Erpressung erklärten diese Personen, dass sie die Gruppe verlassen und diese 2 Social-Media-Kanäle mitnehmen würden, weil sie ein Recht darauf hätten (!). Passwörter, Emails und Telefonnummern wurden geändert. Alle Grafiken und Fotos aus den letzten Jahren, die wir eingefügt hatten oder auf denen andere Mitglieder waren, wurden entfernt. Natürlich gewannen unsere Kanäle nach den “Blutigen Wochen” eine riesige Menge an Followern und wurden zu einem “Leckerbissen”. Nachdem wir die Passwörter geändert und die Errungenschaften unserer Gruppe Dziewuchy in den Papierkorb geworfen hatten, war es an der Zeit, diese Accounts umzubenennen. Das heißt, die Errungenschaften von Dziewuchy Berlin wurden aus dem Instagram und Twitter Raum gelöscht.

Darüber hinaus wurden einige der kollektiven Gelder, die während der Airdrops gesammelt wurden, angeeignet. Einige der gemeinsamen Banner wurden angeeignet. All das ist Eigentum von Dziewuchy Berlin. Nicht eine einzelne Person oder zwei, weil sie Lust dazu haben.

Für diese Menschen ist Feminismus nur Slogans auf Transparenten. Es ist nur ein Mikrofon, eine Bühne und Schrei. Feminismus heißt aber auch, gemeinsam zu handeln und sich gegenseitig mit Respekt zu begegnen. Respektlosigkeit, Beschimpfungen, Heuchelei, Lügen und eine solch verachtenswerte “Vereinnahmung” von Gemeingut war, ist und wird nicht Teil der Philosophie und Methodik von Dziewuchy Berlin sein.

Wir fühlen uns beraubt (weil wir es sind). Denn wir sind beraubt worden. Vor allem unseres Gefühls der Würde und der Tatsache, dass wir vertraut haben. Es war ein Irrtum. Wir haben so etwas nicht erwartet. Wir werden natürlich weiterhin aktiv sein, obwohl wir unseres Eigentums beraubt wurden, eines Teils unserer Arbeit, in die wir viel Zeit und Energie gesteckt haben.

Sicherlich wird es Verleumdungen und Verleumdungen über uns von denen geben, die uns verlassen haben. Wenn Sie unsere Seite der Geschichte wissen wollen oder wissen wollen, was wirklich passiert ist, kontaktieren Sie uns bitte.

Derzeit versuchen wir, den Zugang zum Account auf Instagram “Dziewuchy Berlin” und auf Twitter DziewuchyBerlin @DziewuchyBLN wiederherzustellen

Wir werden nicht aufgeben!

Dziewuchy Berlin
www.dziewuchyberlin.org

Poesie – Poetry – Poezja: Amanda Gorman

Po polsku na samym dole lub tu: Amanda Gorman
Auf Deutsch unter der Englischen Version

Amanda Gorman

The Hill We Climb

When day comes, we ask ourselves, where can we find light in this never-ending shade?
The loss we carry. A sea we must wade.
We braved the belly of the beast.
We’ve learned that quiet isn’t always peace, and the norms and notions of what “just” is isn’t always justice.
And yet the dawn is ours before we knew it.
Somehow we do it.
Somehow we weathered and witnessed a nation that isn’t broken, but simply unfinished.
We, the successors of a country and a time where a skinny Black girl descended from slaves and raised by a single mother can dream of becoming president, only to find herself reciting for one.
And, yes, we are far from polished, far from pristine, but that doesn’t mean we are striving to form a union that is perfect.
We are striving to forge our union with purpose.
To compose a country committed to all cultures, colors, characters and conditions of man.
And so we lift our gaze, not to what stands between us, but what stands before us.
We close the divide because we know to put our future first, we must first put our differences aside.
We lay down our arms so we can reach out our arms to one another.
We seek harm to none and harmony for all.
Let the globe, if nothing else, say this is true.
That even as we grieved, we grew.
That even as we hurt, we hoped.
That even as we tired, we tried.
That we’ll forever be tied together, victorious.
Not because we will never again know defeat, but because we will never again sow division.
Scripture tells us to envision that everyone shall sit under their own vine and fig tree, and no one shall make them afraid.
If we’re to live up to our own time, then victory won’t lie in the blade, but in all the bridges we’ve made.
That is the promise to glade, the hill we climb, if only we dare.
It’s because being American is more than a pride we inherit.It’s the past we step into and how we repair it.
We’ve seen a force that would shatter our nation, rather than share it.
Would destroy our country if it meant delaying democracy.
And this effort very nearly succeeded.
But while democracy can be periodically delayed, it can never be permanently defeated.
In this truth, in this faith we trust, for while we have our eyes on the future, history has its eyes on us.
This is the era of just redemption.
We feared at its inception.
We did not feel prepared to be the heirs of such a terrifying hour.
But within it we found the power to author a new chapter, to offer hope and laughter to ourselves.
So, while once we asked, how could we possibly prevail over catastrophe, now we assert, how could catastrophe possibly prevail over us?
We will not march back to what was, but move to what shall be: a country that is bruised but whole, benevolent but bold, fierce and free.
We will not be turned around or interrupted by intimidation because we know our inaction and inertia will be the inheritance of the next generation, become the future.
Our blunders become their burdens.
But one thing is certain.
If we merge mercy with might, and might with right, then love becomes our legacy and change our children’s birthright.
So let us leave behind a country better than the one we were left.
Every breath from my bronze-pounded chest, we will raise this wounded world into a wondrous one.
We will rise from the golden hills of the West.
We will rise from the windswept Northeast where our forefathers first realized revolution.
We will rise from the lake-rimmed cities of the Midwestern states.
We will rise from the sun-baked South.
We will rebuild, reconcile, and recover.
And every known nook of our nation and every corner called our country, our people diverse and beautiful, will emerge battered and beautiful.
When day comes, we step out of the shade of flame and unafraid.
The new dawn balloons as we free it.
For there is always light, if only we’re brave enough to see it.
If only we’re brave enough to be it.

Amanda Gorman made history Wednesday 21st of Jan 2021 when she became the youngest inaugural poet during President Joe Biden’s swearing-in ceremony in Washington.
The 22-year-old Los Angeles resident, youth poet laureate of Los Angeles, first national youth poet laureate and Harvard graduate was invited to speak at the event by First Lady Jill Biden, who had previously seen the poet do a reading at the Library of Congress.

Her work examines themes of race and racial justice in America. “We have to confront these realities if we’re going to move forward, so that’s also an important touchstone of the poem,” Gorman says. “There is space for grief and horror and hope and unity, and I also hope that there is a breath for joy in the poem, because I do think we have a lot to celebrate at this inauguration.” Gorman drew inspiration from the speeches of American leaders during other historic times of division, including Abraham Lincoln and the Rev. Martin Luther King Jr.

“Here’s to the women who have climbed my hills before,” Gorman tweeted.


Amanda Gorman

Der Hügel, den wir erklimmen

Wenn es Tag wird, fragen wir uns,
wo wir Licht zu finden vermögen, in diesem niemals endenden Schatten?
Den Verlust, den wir tragen,
ein Meer, das wir durchwaten müssen.
Wir haben dem Bauch der Bestie getrotzt.
Wir haben gelernt, dass Ruhe nicht immer Frieden bedeutet.
Und dass die Normen und Vorstellungen von dem, was gerade ist,
nicht immer Gerechtigkeit sind.
Und doch gehört die Morgendämmerung uns,
noch ehe wir es wussten.
Irgendwie schaffen wir es.
Irgendwie haben wir es überstanden und bezeugten
eine Nation, die nicht kaputt ist,
sondern einfach unvollendet.
Wir, die Nachfahren eines Landes und einer Zeit,
in der ein dünnes, schwarzes Mädchen,
das von Sklaven abstammt und von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen wurde,
davon träumen kann, Präsidentin zu werden,
nur um sich selbst in einer Situation zu finden, in der sie für einen vorträgt.
Und ja, wir sind alles andere als lupenrein,
alles andere als makellos,
aber das bedeutet nicht, dass wir danach streben,
eine Gemeinschaft zu bilden, die perfekt ist.
Wir streben danach, eine Gemeinschaft zu schmieden, die ein Ziel hat.
Ein Land zu bilden, das sich allen Kulturen, Farben, Charakteren und menschlichen Lebensverhältnissen verpflichtet fühlt.
Und so richten wir unsere Blicke nicht auf das, was zwischen uns steht,
sondern auf das, was vor uns steht.
Wir schließen die Kluft, weil wir wissen, dass wir, um unsere Zukunft an erste Stelle zu setzen,
zuerst unsere Differenzen beiseitelegen müssen.
Wir legen unsere Waffen nieder,
damit wir unsere Arme
nacheinander ausstrecken können.
Wir wollen niemandem schaden und Harmonie für alle.
Lasst die Welt, wenn sonst auch sonst nichts, sagen, dass dies wahr ist:
Dass wir, selbst als wir trauerten, wuchsen
Dass wir, selbst als wir Schmerzen hatten, hofften
Dass wir, selbst als wir ermüdeten, es weiter versucht haben
Dass wir für immer verbunden sein werden, siegreich
Nicht weil wir nie wieder eine Niederlage erleben werden,
sondern weil wir nie wieder Spaltung säen werden.
Die Heilige Schrift sagt uns, dass wir uns vorstellen sollen,
dass jeder unter seinem eigenen Weinstock und Feigenbaum sitzen soll
und keiner ihnen Angst machen soll.
Falls wir unserer eigenen Zeit gerecht werden,
dann wird der Sieg nicht in der Klinge liegen,
sondern in all den Brücken, die wir gebaut haben.
Das ist das Versprechen:
Der Hügel, den wir erklimmen,
wenn wir uns nur wagen,
denn Amerikaner zu sein, ist mehr als ein Stolz, den wir erben,
es ist die Vergangenheit, in die wir treten,
und wie wir sie reparieren.
Wir haben eine Macht gesehen, die unsere Nation eher zerstören würde,
als sie zu heilen,
unser Land zu zerstören, wenn es dazu führe, Demokratie zu verzögern.
Und dieser Versuch war fast erfolgreich.
Doch auch wenn Demokratie von Zeit zu Zeit verzögert werden kann,
kann sie niemals dauerhaft besiegt werden.
In diese Wahrheit,
in diesem Glauben, vertrauen wir.
Denn obwohl wir unsere Augen auf die Zukunft richten,
hat die Geschichte ihre Augen auf uns gerichtet.
Dies ist die Ära gerechter Wiedergutmachung.
Wir fürchteten zu Beginn,
wir fühlten uns nicht bereit, Erben
einer solch schrecklichen Stunde zu sein,
doch in ihr fanden wir die Kraft,
ein neues Kapitel zu schreiben,
uns selbst Hoffnung und Lachen zu schenken.
Also während wir uns einst fragten,
wie wir jemals diese Katastrophe überstehen könnten,
fragen wir jetzt:
Wie könnte eine Katastrophe jemals uns überstehen?
Wir werden nicht zurück zu dem marschieren, was war,
sondern auf das zugehen, was sein wird.
Ein Land, das zwar verletzt, aber dennoch intakt ist,
gütig, aber kühn
wild und frei.
Wir werden uns nicht umdrehen
oder durch Einschüchterung unterbrechen lassen,
weil wir wissen, dass unsere Untätigkeit und Trägheit
das Erbe der nächsten Generation sein wird.
Unsere Fehler werden zu ihren Lasten.
Aber eines ist sicher:
Wenn wir Barmherzigkeit mit Macht verbinden
und Macht mit Recht,
dann wird Liebe unser Vermächtnis
und Veränderung das Geburtsrecht unserer Kinder.
Also lasst uns ein Land hinterlassen,
das besser ist als das, welches uns hinterlassen wurde.
Mit jedem Atemzug aus meiner bronzegegossenen Brust,
werden wir diese verwundete Welt in eine wundersame verwandeln.
Wir werden uns von den goldbeschienenen Hügeln des Westens erheben,
wir werden uns aus dem windgepeitschten Nordosten erheben,
in dem unsere Vorfahren zum ersten Mal die Revolution verwirklichten,
wir werden uns aus den von Seen gesäumten Städten des Mittleren Westens erheben,
wir werden uns aus dem sonnengebrannten Süden erheben,
wir werden wieder aufbauen, uns versöhnen und erholen,
und jeden bekannten Winkel unserer Nation und
jede Ecke, die unser Landes genannt wird.
Unser Volk, vielfältig und schön, wird aufstreben,
zerschunden und schön.
Wenn der Tag kommt, treten wir aus dem Schatten heraus,
entflammt und ohne Angst.
Die neue Morgendämmerung erblüht, wenn wir sie befreien.
Denn es gibt immer Licht,
wenn wir nur mutig genug sind, es zu sehen,
wenn wir nur mutig genug sind, es zu sein.

Übersetzung genomen vom HIER (kein Mensch machte sich Mühe, den Übersetzer, die Übersetzerin zu nennen)

Bei Amtseinführungen von US-Präsidenten haben immer wieder Dichter und Schriftsteller Werke vorgetragen. Bei der Zeremonie des neuen US-Präsidenten trug die mit Abstand jüngste Poetin Amanda Gorman ein Gedicht vor, das viele Menschen bewegt. Die afroamerikanische Dichterin, Nachkome der Sklaven und Tochter einer alleinerziehenen Mutter, Amanda Gorman hat mit einem eindringlichen Aufruf zu Einigkeit und Versöhnung viele Menschen in der Welt berührt.

Die 1998 in Los Angeles geborene Gorman war 2017 von der US-Kongressbibliothek mit dem Titel “National Youth Poet Laureate” geehrt worden. Gorman gewann im Alter von 16 Jahren ihren ersten Lyrik-Preis. Sie war der heimliche Star bei Bidens Amtseinführung am 20. Januar 2021, als sie ein eigenes Gedicht vortrug: The Hill We Climb. Es handelt von den schweren Zeiten, die die USA durchgestanden haben und noch durchstehen müssen, vom Sturm von Anhängern des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump auf das Kapitol vor zwei Wochen – aber auch von Hoffnung für die Zukunft.

Wenn Gorman das Mindestalter erreicht, will sie, so sieht sie es heute, 2036 selbst bei der US-Präsidentschaftswahl kandidieren.


Amanda Gorman

Wzgórze, na które się wspinamy

Gdy nadejdzie dzień, zapytamy, gdzie znajdę światło w tym nie kończącym się cieniu?
Strata, którą niesiemy. Morze, przez które musimy przejść.
Zmierzyliśmy się z brzuchem bestii.
Nauczyliśmy się, że spokój nie zawsze oznacza pokój, a normy i paragrafy “prawa” nie zawsze znaczą sprawiedliwość.
A mimo to to do nas należy świt, nawet jeśli tego jeszcze nie wiemy.
Zrobimy to. Jakoś.
Jakoś powiemy nam wszystkim, że nie jesteśmy rozdarci, to tylko nasz świat nie został jeszcze ukończony.
My, spadkobiercy miejsca i czasu, gdzie chuda czarna dziewczynka, potomkini niewolników, wychowana przez samotną matkę
ma prawo marzyć o tym, że zostanie kiedyś prezydentem, skoro jednemu z nich może dziś wygłosić swój wiersz.
Ach, i tak nie jesteśmy wypolerowani i gładcy jak teflon, ale to nie znaczy, że chcemy zbudować jedność bez skazy i wad.
Nie. Chcemy stworzyć pakt i chcemy nadać mu sens.
Stworzyć kraj dla ludzi, kultur i kolorów, kondycji i kreacji.
Podnosimy wzrok, nie patrząc na to, co stoi między nami, lecz na to, co przed nami.
Nie chcemy dzielić, bo im bardziej zajmuje nas nasza przyszłość,
Tym bardziej musimy usunąć podziały.
Wyciągamy ręce, tak byśmy mogli nawzajem dotknąć naszych rąk.
Nie chcemy się odgradzać, chcemy się zgadzać.
I niech nasz świat to potwierdzi i nas w tym utwierdzi.
Bo nawet jeśli cierpimy, rośniemy.
Bo nawet jeśli płaczemy, nie tracimy nadziei.
Bo nawet jeśli próbujemy, próbujemy.
Nasze ja nas wiąże ze sobą, zwycięskich.
Nie dlatego że ominą nas klęski, ale bo nie chcemy już siać niezgody.
Chcemy wierzyć, że rację ma Pismo i że możemy siąść razem
Pod krzewem winnym i figą, i że nikt nam nie zagrozi.
Jeśli mamy żyć w zgodzie z naszym czasem, to nie zwyciężajmy nożem, lecz budując mosty.
Tam jest obiecana polana, wzgórze, na które się wspinamy, jeśli się tylko odważymy.
Ale też, żeby być Amerykanką, nie wystarczy, że odziedziczę dumę.
Bo wstępujemy w przeszłość próbując ją naprawić.
Widzieliśmy siły, które prędzej nas zniszczą niż podzielą.
Zniszczą, bo tym jest zaprzeczenie demokracji.
I prawie by się im udało.
I choć zdarzają się czasy, że demokracja się zatrzymuje, nikt nigdy nie zatrzyma jej na zawsze.
W tę prawdę i w tę wiarę wierzymy, spoglądamy w przyszłość, a historia nas osądzi.
To czas sprawiedliwego odkupienia.
Obawialiśmy się jego nadejścia.
Nie byliśmy się gotowi na dziedzictwo tak przerażającej godziny.
Ale mimo to znaleźliśmy siłę nowego początku, siłę nadziei i uśmiechu.
Tak więc, mimo iż pytaliśmy przecież, jak to w ogóle było możliwe,
teraz pytamy, jak mogliśmy w ogóle sądzić, że katastrofa nas pokona?
Nie zawrócimy, lecz pójdziemy do przodu: nasz kraj jest posiniaczony, lecz żyje, życzliwy, ale odważny, zaciekły i wolny.
Nie zawrócimy i nie damy się zastraszyć, bo wiemy, że jeśli nic nie zrobimy, nasi następcy odziedziczą tylko apatię i inercję.
Nasze błędy staną się ich ciężarem.
Ale jedno jest pewne.
Jeśli połączymy miłosierdzie z mocą, a moc z prawem, to zostanie po nas miłość i prawo pierworodnych.
Zostawmy ten kraj następnym lepszy, niż ten, który nam przypadł w udziale.
Każdy mój oddech to uderzenie dzwonu. Powstaniemy, zmienimy ten poraniony świat w cudowny.
Powstaniemy ze złotych wzgórz Zachodu.
Powstaniemy z owianych wichrem ziem Północnego Wschodu, gdzie nasi przodkowie po raz pierwszy pomyśleli rewolucję.
Powstaniemy z nadjeziornych miast Środkowego Zachodu.
Powstaniemy ze spieczonego słońcem Południa.
Odbudujemy, odrodzimy, odżyjemy.
Każdy kąt tego kraju, każdy krok, każdy dom, każdy człowiek tak inny i tak piękny, powstanie, poobijany, ale piękny.
Gdy nadejdzie dzień, nie lękając się wyjdziemy z cienia płomieni.
Wstanie świt.
Bo zawsze jest światło, jeśli tylko mamy odwagę je dostrzec.
Jeśli tylko mamy odwagę, by nim być.

Tłumaczyła Ewa Maria Slaska

Wystąpienie 22-letniej poetki Amandy Gorman było sensacją uroczystości zaprzysiężenia nowego prezydenta USA. Kim jest ta dziewczyna?

Zaczęła jako nastolatka od zgłaszania wierszy na małe, lokalne konkursy, szybko zdobyła uznanie i nagrody, między innymi Youth Poet Laureate of Los Angeles czy National Youth Poet Laureate. Pomysł, żeby to właśnie Amanda Gorman napisała tekst na uroczystość zaprzysiężenia powstał w głowie Jill Biden, która poznała jej wiersze cztery lata wcześniej, gdy młoda poetka czytała je w Kongresie.

Miesiąc przed uroczystością Gorman dostała trudne i odpowiedzialne zadanie – stworzyć wiersz, który odda trudną sytuację podziału społeczeństwa, a jednocześnie przyniesie nadzieję obu zwaśnionym stronom, wyznaczy perspektywę lepszej przyszłości.

Gorman pochodzi z Los Angeles, a w swojej twórczości podejmuje takie tematy jak wykluczenie społeczne, marginalizacja, feminizm i rasizm. Poetka zadebiutowała w 2015 roku tomikiem “Ten, któremu jedzenie nie wystarczy” (“The One for Whom Food Is Not Enough”). Wychowywana przez samotną matkę, Gorman jako dziecko zmagała się z zaburzeniami mowy i nadwrażliwością na dźwięk. W wywiadzie dla “The New York Times” przyznała, że była “dziwnym dzieckiem”, a jej ulubionymi zajęciami były czytanie i pisanie.