1. Advent / Pierwsza niedziela adwentu

Adwentowy Flash Mob z Budapesztu sprzed kilku lat / Advents Flash Mob aus Budapest

🙂

Miłej lektury / Viel Spaß beim Lesen

Hallelujah – Adventi Flashmob a Bazilikánál
2016. december 11. Vasárnap

Az Út Mosolyért Alapítvány adventi jótékonysági rendezvényének csúcspontjaként hazai sztárok énekelték közösen Leonard Cohan világhírű dalát, a Hallelujah-t. Köszönettel tartozunk mindenkinek aki részt vett az eseményen és ezáltal hozzájárult gyűjtésünk sikeréhez. Az Út a Mosolyért Alapítvány a Heim Pál Gyermekkórház súlyosan sérült, tartós lélegeztetésre szoruló betegeinek egy új, korszerű lélegeztetési környezet kialakítását tűzte ki célul.

Ötlet: Út a Mosolyért Alapítvány
Közreműködők: Szulák Andrea, Hevesi Tamás, Kasza Tibor, Veres Mónika Nika, Kollányi Zsuzsi, Berkes Olivér
Kórus: Budapest Show Kórus
Zenei Rendező: Temesi Bertalan
Film/Edit: LIVEPOINT
Rendező: Tokay Péter
Társproducer: Nyakas Laura – Young&Trinity
Producer: Gubcsó Balázs – Út a Mosolyért Alapítvány

Kulinarisches Krakau

Seit Jahrhunderten wird Krakau für ihre Küche geschätzt und ist dieses Jahr die Europäische Hauptstadt der gastronomischen Kultur (http://culinary.krakow.pl/). In der ehemaligen Haupt- und Königstadt von Polen kann man exzellente polnische Küche genießen. Arkadiusz Łuba ist auf einer Recherchereise in Krakau gewesen und hat dortige Restaurants, Bars und Cafés unter die Lupe genommen. Und natürlich auch die polnische Küche Krakaus getestet.

Arkadiusz Łuba

Unterwegs in der Europäischen Hauptstadt der gastronomischen Kultur 2019

Der Krakauer Drachen und das Schwefel-Schaf (Bild im Restaurant „Wierzynek“), fot. © Arkadiusz Łuba
Der Krakauer Drachen und das Schwefel-Schaf (Bild im Restaurant „Wierzynek“), fot. © Arkadiusz Łuba

Krakau war schon seit dem Mittelalter für seine kulinarischen Besonderheiten bekannt. Der Legende nach, wohnte einst in der Höhle unter dem Wawel, der ehemaligen Residenz der polnischen Könige, an den Ufern der Weichsel, ein Drache. Er tötete die Bürger, steckte ihre Heime in Brand und verschlang ihr Vieh. Kein Ritter konnte ihn besiegen. Bis der schlaue Schusterlehrling namens Dratewka ihn zum Frühstück mit einem mit Schwefel gefüllten Schaf fütterte. Der Monster musste wegen des im Magen brennenden Schafs so viel trinken, bis er endlich platzte. Kein Drachen wohnt seitdem in der Höhle. Der Ort wird heutzutage nur noch reichlich von jungen Touristen besucht.

Ein Denkmal erinnert an den Krakauer Drachen, fot. © Arkadiusz Łuba
Ein Denkmal erinnert an den Krakauer Drachen, fot. © Arkadiusz Łuba

Heutzutage frühstückt man ruhiger, aber gar nicht bescheidener. Die Marke „Handelek“ bietet seit genau zwei Jahren Schnitten, Wein und Bier zum Frühstück – ganz nach der Krakauer Frühstückstradition des 19. Jahrhunderts. Vor mehr als hundert Jahren wurden neben Delikatessengeschäften die „Handelki“ gegründet, also lebhafte Frühstückslokale, in denen man von morgens bis Mitternacht speisen und Bier trinken konnte. Auf der Speisekarte standen Innereien und riesige, viel schichtige Sandwiches mit Schafskäse, Paprika, Lachs, Kaviar und Schweizer Käse.

Frühstück bei Handelek, fot. © Arkadiusz Łuba
Frühstück bei Handelek, fot. © Arkadiusz Łuba

Das heutige „Handelek“ der Inhaberin Katarzyna Młynarczyk ist ein geräumiges Frühstücksrestaurant in der Nähe des berühmten Lebensmittelmarktes Stary Kleparz. Auf die belegten Brote kommt Wurst lokaler Metzgerein, Butter und Käse aus der Molkerei in nahe liegenden Skała und die Forelle aus Ojców, auch unweit von Krakau. „Unser Geheimnis liegt in dem Sauerteigbrot aus unserer eigenen Bäckerei“, sagt Katarzyna Młynarczyk: „Es ist eine Mischung, mit nur 10% Weizenmehl. Wir benutzen uralte, leckere und gesündere Getreidesorten. Das ist die Basis, wozu verschiedene Pasten hinzukommen, wie zum Beispiel Ente mit Brandy. Wir haben nur Premiumprodukte mit Brombeer-Streusel oder saisonalem Obst oben drauf. Sehr beliebt ist auch das Kalbshirn, ganz nach Rezepten aus dem 19. Jahrhundert“.

Die Kundin Dorota ist mit ihrem Mann nach Krakau gekommen, eine Geschäftsreise. Sie ist begeistert: „Während mein Mann an vielen Sitzungen teilnimmt, gehe ich in Cafés. Das Café hier ist sehr gut. Ich genieße den Kaffee. Und die belegten Brote sind sehr lecker und gesund“.

Der Krakauer Hauptmarkt in der Altstadt mit Blick auf die Marienkirche und die Sukiennice, fot. ©Arkadiusz Łuba
Der Krakauer Hauptmarkt in der Altstadt mit Blick auf die Marienkirche und die Sukiennice, fot. ©Arkadiusz Łuba

Krakau war eine wichtige Handelsstadt. Kaufleute aus ganz Europa kamen hierher und schließen Geschäftsverträge ab. Der Krakauer Handel fand auf dem Markt statt. Hier versorgten sich nicht nur Kaufleute, sondern auch Bürger. Diese Handelstradition blieb bis heute bestehen. In der ganzen Stadt sind einige Dutzend kleinere und größere Marktplätze zu finden. Damit hängt die Tradition des Straßenessens zusammen. Am häufigsten wird der sogenannte „runde König von Krakau“ – der Obwarzanek – also der Brotringel verspeist. „Bevor der Brotringel im Ofen landet, wird er kurzgekocht, damit der Aufgehenprozess gestoppt wird. So bleibt der Brotringel drinnen weich und wird zugleich außen knusprig“, sagt Marta Krzyżek-Siudak vom Museum des Brotringels.

Krakauer Obwarzanek
Krakauer Obwarzanek

Der Krakauer Obwarzanek hat weltweit seine Cousins: den türkischen Simit, den südgermanischen Brezel, oder den jüdischen Bagel. Doch der Obwarzanek wird aus zwei – und nicht aus einer – daumendicken Teigrollen geformt. Nur acht zertifizierte Bäckereien in Krakau dürfen ihn nach einer 600 Jahre alten Rezeptur backen. Jeden Tag werden
150 Tausend Stück produziert und gegessen.

Krakauer Wagenfahrer, fot. © Arkadiusz Łuba
Krakauer Wagenfahrer, fot. © Arkadiusz Łuba

An der Ecke der Straßen Grodzka und Poselska wurde wahrscheinlich die beste Maczanka serviert. Diese besonders mit Krakau verbundene Spezialität sollte am Ende des 17. Jahrhunderts als ein schneller Imbiss für Krakauer Wagenfahrer entstehen. Bereits im April gewann Maczanka des Restaurants „Baroque“ im Wettbewerb zum Krakauer Stadtmenü. Der Chefkoch Ryszard Warnke: „In diesem Menü haben wir typische Krakauer Gerichte. Ein leckeres Mischmasch, das aus all den verschiedenen Einflüssen entstanden ist, die sich hier einst getroffen haben. Krakau war ja doch ein wichtiger Knoten auf internationalen Handelswegen. Bis heute erinnern sich die ältesten Einheimischen an verschiedene Speisen. Zu der Maczanka haben wir beispielsweise in uralten Büchern nach Rezepten gesucht. Etwa sechs, sieben Versuche haben wir gewagt, bis unser Experte es als das akzeptierte, was er aus seiner Kindheit kannte. Also ein lang gebratener Schweinekamm mit Kümmel und Zwiebel in dicker Soße, in die eine Wassersemmel getaucht wurde. Etwa wie Pulled Pork“

Maczanka im Restaurant „Baroque“
Maczanka im Restaurant „Baroque“

Ein paar Schritte weiter, am Hauptplatz der Altstadt, befindet sich das Restaurant „Wierzynek“. Wierzynek stammt aus dem Mittelalter. Es ist berühmt für die große Hochzeitsfeier von 1364, als die Prinzessin Elisabeth von Pommern – die Enkelin des Königs Kasimir den III. – Karl den IV., den Heiligen Römischen Kaiser, geheiratet hatte. Die Feier wurde von zahlreichen europäischen Monarchen und dem Adel besucht. Der Legende nach, erhielten die Gäste Gold- und Silbergeschirr zum Andenken.

Rehrücken mit Topinambur, Thymian Eclair, Moosbeeren und karamellisiertem Fenchel in„Wierzynek“
Rehrücken mit Topinambur, Thymian Eclair, Moosbeeren und karamellisiertem Fenchel in „Wierzynek“

In bester Tradition einer polnischen Hofküche serviere „Wierzynek“ heute vor allem Wildfleisch, sagt der Chefkoch, Michał Hajdus: „In unserem Menü stehen Rebhuhn, Perlhuhn und Fasan. Wir basieren auf Reh, Hirsch und Wildschwein. Dazu kommen verschiedene klare Sude und Bouillons sowie rote Soßen. Alle Produkte kommen aus der Region, aus dem Njepolomitz-Urwald oder anderen Ecken Kleinpolens in der Nähe von Krakau. Wir versuchen bei den alten Rezepten neue Technologien und Serviermethoden anzuwenden, wie Vakuumgaren oder Confit, wodurch die Nährwerte beibehalten und Haltbarkeiten verlängert werden. Dazu bleiben die Gerichte saftig und verlieren nicht ihre Aromen“. Am Servicepersonal werde es nicht gespart, so Hajdus weiter. Gleichzeitig könnten zehn bis zwölf Gäste synchron bedient werden. Früher gab es bei Wierzynek sogar bis zu 25 Kellner pro Schicht.

Reporter Arkadiusz Łuba und Restaurantinhaber Jerzy Łodziński bei den hausgemachten Marinaden in Pod Aniołami, fot. © Arkadiusz Łuba
Reporter Arkadiusz Łuba und Restaurantinhaber Jerzy Łodziński bei den hausgemachten Marinaden in “Pod Aniołami”, fot. © Arkadiusz Łuba

Die Küche des Goldenen Krakau ist doch am meisten in „Pod Aniołami“, also „Zu den Engeln“, sichtbar. Das uralte, gotische Mietshaus aus dem 13. Jahrhundert, in dem sich das Restaurant befindet, ist wie ein Geschmackssinn-Museum. Hier kreisten einst Domherren, Gesandten, Senatoren und Ritter. Hier wird es immer noch adelig auf Dukaten gekocht, Fleisch und Lebkuchen werden vergoldet. Hausgemachte Marinade-Rezepten lassen sich auf die alten Chroniken zurückführen. Im Ofen brennt das Buchenholz, das vergessene Aromen des mittelalterlichen Polens hervorbringt. Dazu serviert der 78-jährige Restaurantinhaber, Jerzy Łodziński, persönlich selbstgemachte Liköre. Er ist der Erbe eines 126-jährigen Geschäfts seiner Großmutter. „Zu den Engeln“ ist für ihn ein Zufluchtsort mit einer besonderen Philosophie: „Zwischen diesen mittelalterlichen Wänden fühle ich die alte Kultur. Die Leute hatten damals friedlich miteinander gelebt. Man hat das Recht respektiert. Gemeinsames Essen hat etwas von dem Frieden, ist weit entfernt von dieser bösen Welt, weit weg von der Politik. Das Essen lässt uns edler werden. Es bringt uns auf ein anderes Lebensniveau von einst. Schade, dass dies vorbei ist. Daher möchte ich die vergangene Stimmung des alten Krakau hier wieder reinbringen. Ich möchte die Nächstenliebe am gemeinsamen Tisch hier wieder erleben“.

Hausgemachte Marinaden in Pod Aniołami, fot. © Arkadiusz Łuba
Hausgemachte Marinaden in “Pod Aniołami”, fot. © Arkadiusz Łuba

Krakau ist heute genau wie vor Jahrhunderten offen für alle Geschmäcker. Hier kann man verschiedene Küchen mit Gerichten aus der ganzen Welt probieren. Wie die Auszeichnungen und Preise sowie der diesjährige Titel der Europäischen Hauptstadt der gastronomischen Kultur wohl versprechen, muss all das sicher ziemlich schmackhaft sein. Das ist es! Und bis zum Ende des Jahres können die Krakauer Stadtmenüs noch verkostet werden.

Er fehlt

Zu Erinnerung an Witold Kamiński
27.11.1947 – 17.10.2019

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde,

wir alle hatten das große Glück Witold Kaminski kennenlernen zu dürfen.

Heute sind wir zusammengekommen, da wir Abschied nehmen müssen. Am 17. Oktober ist Witold unerwartet verstorben und die Trauer und der Schmerz sind erdrückend. Er fehlt.

Wir sind zusammengekommen um gemeinsam zu trauern, aber auch um uns an einen außergewöhnlichen Menschen zu erinnern.

Ohne ihn würden wir wohl nicht hier stehen. Dieses Haus gehört auch zu seinem Lebenswerk. Als Mitbegründer und langjähriges Vorstandmitglied des Polnischen Sozialrates und des Migrationsrates Berlin gehört er zu den Menschen, die die Ora34, das Nachbarschaftshaus für interkulturelle Begegnung, geprägt haben.

Witold Kaminski war eine der herausragenden Persönlichkeiten des polnischen Berlins. Seit den 80er Jahren hat er unzähligen Migrant*innen geholfen, unter erschwerten Umständen ein neues Leben in Deutschland aufzubauen. Er hat sich mit Kulturprojekten und politischen Initiativen für den deutsch-polnischen Austausch eingesetzt und geholfen, Vorurteile und Ressentiments abzubauen.

Doch sein Engagement war nie auf die polnische Community beschränkt – er hat Vielfalt immer als Stärke gesehen und stellte sich entschlossen gegen einen einseitigen, Einbahnstraße-artigen Integrationsbegriff. Vielmehr sprach er von Teilhabe und Partizipation aller Menschen in unserer Einwanderungsgesellschaft und lebte die Empowerment-Idee, bevor dies zum Modewort wurde. Dabei fand er Verbündete unter Migrantenvertretern der unterschiedlichen Communities und arbeitete unter anderem mit der türkischen, russischen und afrikanischen Gemeinde eng zusammen. Auch in der Politik fand er Freunde und Mitstreiterinnen, er etablierte sich als gefragter Experte und arbeitete aktiv mit in zahlreichen Ausschüssen, Arbeitsgruppen und Beiräten, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene.

Die junge Generation der „neuen Deutschen“, wir, die sich selbstbewusst in mehreren Kulturen zu Hause fühlen, profitieren heute von der Arbeit von Vordenkern und Aktivisten wie Witold, die den Diskurs um nationale Identitäten nachhaltig beeinflusst und Glasdecken für uns zerschmettert haben.

Für seine Verdienste wurde Witold Kaminski mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem polnischen Kavalierskreuz. Doch darüber sprach er eigentlich nie. Vielmehr als für Auszeichnungen interessiert er sich für Menschen.

Wie oft haben wir ihn sagen hören: „Es kommen keine Facharbeiter und Migranten, es kommen Menschen, mit ihren Potentialen und Problemen.“ Dabei hatte er ein erstaunliches Talent Potentiale zu erkennen und zu fördern. Das haben viele in diesem Raum selbst erfahren dürfen – vielleicht nicht immer ganz freiwillig. Ich erinnere mich an meinen ersten Monat im Polnischen Sozialrat, als er mir auf dem Weg zu einer Veranstaltung erzählte, er habe mich bereits als Moderatorin angemeldet. Er war ein fantastischer Mentor und durch sein Vertrauen sind Kolleginnen und Kollegen an seiner Seite gewachsen.

Witolds Erfahrungsschatz und sein politischer Instinkt machten ihn zu einer wichtigen kritischen Stimme, die die Migrations- und Integrationsdebatten der letzten drei Jahrzehnte mitgeprägt hat. Und wie wir wissen, konnte diese Stimme laut und deutlich werden – er nahm kein Blatt vor den Mund, folgte seiner Überzeugung und ließ sich nicht beirren.

Bei allem was er tat, war er mit dem Herzen dabei und schonte sich nie. Sein Engagement war stets persönlich und er hatte die Gabe andere mit seinem Enthusiasmus anzustecken und mitzunehmen. Man konnte nicht gleichgültig an ihm vorbeigehen. Seine offene und gleichzeitig direkte Berliner-Art machten ihn auch zu einer Kiezikone – es war fast unmöglich die Oranienstraße mit ihm runterzulaufen, ohne dass er angesprochen wurde.

Witold war seiner Zeit oft voraus, er war ein Visionär, Philosoph und vor allem immer auch Sozialarbeiter, der sich für diejenigen einsetze, die marginalisiert oder vergessen werden – zuletzt besonders in der Obdachlosen- und Geflüchtetenhilfe.

Doch Witek war auch Familienmensch, Ehemann und Vater. Erfolgreicher Trickfilmzeichner, leidenschaftlicher Hobbytaucher und stets rasender Fahrradfahrer.

Er war unser Freund. Er bleibt mein Vorbild. Wir werden ihn nie vergessen.

Dr. Marta Neüff
Vorsitzende des Polnischen Sozialrates e.V.
21.11.2019

Reblog: Evolutionsforschung

spiegel.de

Der erste aufrecht gehende Menschenaffe kam aus dem Allgäu

Forscher entdeckten in einer Tongrube in Bayern eine bisher unbekannte Primatenart. Der Fund stellt bisherige Annahmen zur Evolution auf den Kopf.

Die 21 Knochen des am besten erhaltenen Teilskeletts eines männlichen Danuvius guggenmosi.
Christoph Jäckle/ Nature/ DPA

Vor elf Millionen Jahren herrschte im Allgäu angenehme Wärme. Urzeitliche Tiere durchstreiften dichte Wälder und Flusslandschaften, unter ihnen Schildkröten und Pferde. Auch Überreste von Hyänen fanden Forscher in der Region schon.

Ein Fund aber ragt besonders heraus: 2015 stießen Wissenschaftler in einem Bachlauf der Tongrube “Hammerschmiede” im Unterallgäu auf die versteinerten Fossilien einer bislang unbekannten Primatenart.

Die Danuvius guggenmosi genannte Spezies hat vor 11,6 Millionen Jahren gelebt. Und wie eine Analyse der Überreste seines Skeletts zeigt, könnte sich der neu entdeckte mögliche Vorfahr von Mensch und Menschenaffe bereits vor fast zwölf Millionen Jahren auf zwei Beinen fortbewegt haben. Das vermutet ein Forscherteam um Madelaine Böhme von der Universität Tübingen und des dortigen Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment.

“Bislang war der aufrechte Gang ein ausschließliches Merkmal von Menschen. Aber Danuvius war ein Menschenaffe”, sagte Böhme. Die bislang ältesten Belege für den aufrechten Gang sind rund sechs Millionen Jahre alt und stammen von der Insel Kreta und aus Kenia. Der Fund aus dem Allgäu ist aber mehrere Millionen Jahre älter.

Der Gang des heutigen Menschen auf zwei Beinen hat sich demnach nicht – wie bislang angenommen – in Afrika entwickelt, er könnte aus Europa stammen, schreiben die Forscher in einer Studie im Fachmagazin “Nature”. Sie halten es für “nahezu ausgeschlossen”, dass in Afrika noch ältere aufrecht gehende Menschenaffenformen existierten.

“Das ist eine Sternstunde der Paläoanthropologie und ein Paradigmenwechsel”, sagte Böhme. Die Funde stellten die bisherige Sichtweise auf die Evolution der großen Menschenaffen und des Menschen grundlegend in Frage. “Dass sich der Prozess des aufrechten Gangs in Europa vollzog, erschüttert die Grundfeste der Paläoanthropologie.”

Aus der Tongrube bargen die Paläontologen vollständig erhaltene Arm- und Beinknochen, Wirbel, Finger- und Zehenknochen – insgesamt 15 Prozent eines Skeletts. “Damit ließ sich rekonstruieren, wie sich Danuvius fortbewegte”, sagte Böhme. “Zum ersten Mal konnten wir mehrere funktionell wichtige Gelenke darunter Ellbogen, Hüfte, Knie und Sprunggelenk in einem einzigen fossilen Skelett dieses Alters untersuchen”, erklärte die Professorin. “Zu unserem Erstaunen ähnelten einige Knochen mehr dem Menschen als dem Menschenaffen.”

So habe Danuvius seinen Rumpf durch eine S-förmige Wirbelsäule aufrecht halten können, während Menschenaffen lediglich eine einfach gebogene Wirbelsäule besitzen. “Danuvius kombinierte die von den hinteren Gliedmaßen dominierte Zweibeinigkeit mit dem von den vorderen Gliedmaßen dominierten Klettern”, sagte Mitautor David Begun von der University of Toronto. Nach Einschätzung der Forscher war der neue Vorfahr des Menschen etwa einen Meter groß. Die Weibchen, von denen ebenfalls Teile eines Exemplars in der Tongrube gefunden wurden, dürften etwa 18 Kilogramm gewogen haben, das gefundene Männchen 31 Kilogramm.

Madelaine Böhme geht davon aus, dass weitere Funde die Erkenntnisse aus dem Danuvius-Fund stützen werden. Von einem Weibchen wurden bereits Zähne, ein Finger und ein kompletter Oberschenkel ausgegraben. Auch von einem jungen Exemplar liegen gut erhaltene Reste vor. Außerdem erwartet die Tübinger Paläontologin weitere erfolgreiche Ausgrabungen in dem Bachbett der Tongrube. “Das muss man sich vorstellen wie ein Puzzle, in das immer mehr Teile eingefügt werden”, sagt sie.

Mit dem Namen für den Fund erinnern die Forscher übrigens an den Hobbyarchäologen Sigulf Guggenmos. Er hatte 1972 in der ehemaligen Ziegelei “Hammerschmiede” in Pforzen erstmals Fossilien an dem Fundplatz entdeckt. Der Ruhm kommt für Guggenmos aber zu spät. Er ist im vergangenen Jahr im Alter von 76 gestorben.

Damit ist ja nicht gesagt, dass dieses Lebewesen der Vorfahr der späteren Homininen wurde, es könnte auch wieder ausgestorben sein. Erst viele Millionen Jahre später traten andere Zweibeiner in Afrika auf, die dann unsere Vorfahren wurden. Diese Entdeckung würde dann keinen Paradigmenwechsel bedeuten, sondern wäre höchstens ein weiteres interessantes Detail in der Geschichte des Lebens auf unserem Planeten.

Das ist ganz interessant – und zeigt nebenbei, das die aktuelle Klima-Debatte vielleicht  doch falsch liegt. Warum darf es nicht endlich wieder schön warm werden hierzulande? Eine Frage bleibt – wird denn auch andernorts intensiv nach Hominiden gesucht?

© SPIEGEL ONLINE 2019

Zum Welttag der Armen: Gemeinschaft mit Bedürftigen

Verwöhnt zu werden, das erleben Arme selten. Ehrenamtliche Malteser und Gemeindemitglieder von St. Matthias teilten am Sonntag, 10. November, Gemeinschaft mit Bedürftigen.

Die 58-jährige Lilly strahlt. Als Mutter von sechs Kindern wird sie selten verwöhnt. Im Gegenteil. Sie lebt von staatlicher Hilfe, das reicht gerade zum Leben. Für sie ist der Wohlfühltag für Stadtarme und Obdachlose, den die Malteser zusammen mit der Gemeinde Sankt Matthias in Berlin-Schöneberg am Sonntag, 10. November, organisiert haben, ein Festtag. Das mehrgängige Menü ist auf feine bordeauxrote Karten gedruckt. Kürbissuppe, Piroggen, Bigos, Putengeschnetzeltes, Gurkensalat und Dessert – alles wird serviert von Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern, die sich ehrenamtlich im Mensaraum der benachbarten Katholischen Schule St. Franziskus eingefunden haben. Der Polnische Rat Berlin hat die Nationalgerichte seines Landes gespendet.

Es geht um die Begegnung

„Es geht heute vor allem um die persönliche Begegnung mit Menschen, denen es nicht so gut geht im Leben – die Mangel leiden, sei es an Essen oder Zuwendung,“ sagt Carmen Rippoll, Diözesanoberin der Berliner Malteser. Der sogenannte „Wohlfühltag“ findet mit Blick auf den 3. Welttag der Armen statt, den Papst Franziskus für den 17. November ausgerufen hat. Im Vordergrund steht die Begegnung mit bedürftigen Menschen. Auch an diesem Sonntag in der Mensa der Sankt Franziskus Schule. Hier steht das gemeinsame Miteinander im Vordergrund. Die ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen sitzen mit den Gästen an den Tischen. Es wird fröhlich geplaudert, gegessen und miteinander gelacht. Auch die 13-jährigen Schüler Hannah und Liam sind dabei. Sie spülen, servieren und mischen sich unter die Gäste. „Es macht einfach Spaß, Menschen, die arm sind, zu helfen. Man sieht, dass sie sich freuen – da freut man sich selbst auch,“ sagt Liam, der seit einem Jahr als Malteser-Schulsanitäter und Schulklimapate an der katholischen Schule Sankt Franziskus engagiert.

Musik und Zauberei

Der Tag geht zu Ende mit Musik, Zauberei, Massagen und Geschenketüten – liebevoll bemalt und verpackt von Schülern und Schülerinnen aus dem Malteser Schulprojekt an der Sankt Franziskusschule. Helmut, 77, aus Friedrichshain geht glücklich heim. Er lebt allein, bekommt monatlich 760 Euro Rente. 450 Euro verschlingt die Miete. Das lange Gespräch mit Ralph, einem von 22 ehrenamtlichen Maltesern, die beim Wohlfühltag helfen, hat ihm gut getan – das schmackhafte, liebevoll servierte Essen sowieso.

Ewa Maria Slaska

An dem Tag beteiligten sich auch Polen: Jacek Manowski und Magdalena Kotala

Sie organisierten Spenden aus dem Polnischem Lebensmittelladen “U Zosi” und von der Familie Domaradzki in Lübars (im Text spricht man vom Polnischen Rat, dessen Vorsitzende Ferdynand Domaradzki ist, aber es ist in der Tat eine Spende seiner Familie gewesen).

Auch die Polnische Botschaft in Berlin war dabei. Ein Auto brachte Mützen, Schals und Handschuhe für Bedürftige (leider hat man sich für fingerlose Handschuhe entschieden, die eh Mode-Accesoires sind als für Warmhalten an kalten Tagen taugen).

Unter den Verwöhnten, Obdachlosen und Armen aus der Stadt, gab es überwiegend Polen. Klar, es gab auch anderen, es waren Deutsche, Moldaven, Ukrainer da, aber Unsereine sind in der Überzahl.

Immer wieder stellen wir uns die Frage: Wieso? Wieso gibt es soviele aus Polen in Berlin, die auf der Strasse wohnen? Und die Antwort ist leider klar: Weil sie hier viel besser leben können, weil es hier mehr Obdachlosenheime und Obdachlosenhilfe gibt. Weil, wenn die ersten Frostnächte kommen, gab es aus Polen sofort erste Meldungen, die dann den ganzen Winter immer wieder zu lesen sind. Es starben zwei Menschen, es starben zwanzig Menschen… In Deutschland sterben sie auf den Strassen nicht.

Anm. von EMS: Alle Fotos in meinem Teil des Berichts von Jacek Manowski; auf dem oberen Foto Magdalena Kotala

Barataria aus dem Jahre 1982

Mojej siostrze Katarzynie
Für meine Schwester Katarzyna

Achtung! Kein Video, sonder wunderbare Musik von Anton Garcia Avril und Fotos aus der englischen TV-Serie Great Performances, mit Sir Alec Guinness als Padre Quijote und Leo McKern in der Role des kommunistischen (Ex)Bürgermeisters  von Toboso, der vor seinem Priesterfreund Sancho genannt wird.

Es ist eine schöne Verfilmung eines schönen Buches und ich danke meiner Schwester, die es mir empfohlen hat. Und denke nur – seit zwei Jahren suche ich Don Quijote überall und erst vor ein paar Wochen sagte mir Katarzyna, dass es diesen Roman gibt und dass sie ihn so lieblich findet.

Graham Greene, Monsignor Quixote, Roman, erschien 1982 in New Yorck.
Von links nach recht – amerikanische Erstausgabe, DVD Cover, deutsche Übersetzung in Paperback und der Roman auf Polnisch.

Man schreibt das Jahr 1980, vielleicht 1981 oder 1979. Der Generalissimus ist schon vor ein paar Jahren gestorben, genauer gesagt 1975. Spanien ist demokratisch, aber die Guardia verfügt immer noch über eine Übermacht, besonders wenn man ein entflohener Priester oder überzeugter Kommunist ohne Amt ist. Oder beides. Spanische Guardia civil, gehasste Staatssicherheit-Polizei, gilt in dieser Neubeschreibung der Abenteuer von den Ritter der Traurigen Gestalt und seinem Knappen als schreckliche Riesen-Windmühlen.

Padre Don Quijote, auf Geheiss von einem geheimnissvollen Bishof von Motopo zur Würde eines Monsignores erhoben, hält sich zu einem Nachkommen des Cervantesschen Ritters, obwohl SEIN Bischof, der ihn nicht leiden mag, der andere Meinung vertrit und meint, der wahre Don Quijote wäre eine Romanfigrur, mehr noch – eine Metapher, oder eine Parabel… Lediglich.

Es ist auch Barataria da, die Insel, die es nicht gibt, die auch lediglich eine Metapher, oder eine Parabel ist.

” Vermutlich liegt es am Wein”, sagt Monsignorr Quijote ze Sancho, “aber mir ist sehr warm”.
“Ich spüre die Hitze nicht. Ich finde die Temperatur sehr angenehm. Aber ich trage natürlich auch nicht so einen lächerlichen Kragen”.
“Ein Stückchen Zelluloid, das macht überhaupt nicht heiß, überlegen Sie einmal, was diese Guardia alles trägt. Versuchen Sie selbst, dann werden Sie schon sehen.”
“Gut. Geben Sie her. Wenn ich mich recht erinnere, wurde Sancho Statthalter über eine Insel und ich werde eben, mit Ihrer Hilfe, Statthalter über Seelen”. Er legte das Kollar um seinen Hals. “nein. Sie haben recht”. So heiß ist das gar nicht. Es beengt ein bißchen, das ist alles. Und reib mich wund am Hals. Sonderbar, Padre, ohme Ihr Kollar würde ich Sie nie für einen Padre halten und erst recht nichzt für einen Monsignore.”
“Nachdem Don Quijotes Haushalterin ihm die Lanze abgenommen und ihn von seiner Rüstung befreit hatte, hätten Sie ihn nie für einen fahrenden Ritter gehalten”, sondern nur für einen närrischen alten Mann. Geben Sie mir mein Kollar wieder, Sancho.” (S. 85)

Als sie in einem Restaurant hinter der Plaza Mayor in einem kleinen Patio an der Bar saßen und ein Glas Weißwein tranken, spürte Padre Quijote, wie seine fröhliche Laune zurückkehrte. Vorher, den besuch im Haus des cervantes, der sie 50 Peseten pro Person hekostet hatte, hatte er genossen, nur hätte er gerne gewußt, ob man ihm wohl bei Nennung seines Namens an der Kasse freien Eintritt gewährt hätte. Einige der Möbel stammten tatsächlich aus dem besitz des Biographen, win an den König gerichteter Brief über die Besteuerung von Öl hing an der weißgekalkten Wand, die er sie sich leicht mit Blut bespritzt vorstelklen konnte, als man in jener schrecklichen nacht Don Gaspar de Ezpelatas blutigen Leichnam ins Haus getragen und Cervantes unter dem falschen Verdacht, an seiner Ermordung beteiligt zu sein, verhaftet hatte. “Natürlich hat man ihn gegen Bürgschaft auf freien Fuß gesetzt”, erzählte Padre Quijote, “aber bedenken Sie, Sancho, was es bedeutet, an der Lebensbeschreibung meines Vorfahren weiterzuarbeiten, wenn man weiß, was einem Schreckliches droht. Ich frage mich manchmal, ob es diese nacht war, an die er dachte, als er niederschrieb, wie Ihr Ahnherr nach seiner Ernennung zum Stathalter über eine Insel einem Jüngling befahl, eine Nacht im Gefängnis zu schlafen, und der Jüngling erwiderte: ‘Eure Macht reicht nicht aus, den Schlaf im Gefängnis herbei zuzwingen’. Vielleicht waren es dieselben Worte, die der greise cervantes zu dem Beamten sprach. ‘Angenommen, Ihr werft mich ins Gefängnis, legt mich in Ketten, sperrt mich in eine Zelle, und doch, wenn ich nicht schlafen will, habt Ihr keine Gewalt über mich, meinen Schlaf zu erzwingen’.”
“Die Guardia Civil heutzutage”, sagte Sancho, “die wüßte schon, wie man so was macht. Die würden Sie schnell genug einschläfern, mit einem einzigen Schlag über den Schädel.” Düster fügte er hinzu. “Mir täte ein bißchen Schlaf gut.”
“Ah, aber Ihr Ahnherr, Sancho, der war ein freundlicher Herr, und er ließ den Jungen frei. Und der Beamte tat das gleiche mit Cervantes.” (S.112)

Aus welchem Grund auch immer, schweigt der Padre stur, was Sancho nervös macht.

“Denken Sie daran, Padre”, sagte Sancho, “was für einen guten Statthalter mein Ahnherr abgab. Trotz all seiner Ritterlichkeit und Tapferkeit hätte Don Quijote nie so gut regieren können. Was für ein heilloses Spektakel – ich meine heiliges Spektakel – er auf dieser Insel angerichtet hatte. meinem Ahnen fiel das Regieren genauso leicht wie Trotzki das Kommandieren einer Armee. Trotzki besaß keine Erfahrung, und doch schlug er die weißen Generale. Ach, ich weiß schon, wir sind Materialisten, wir sind bauern und Marxisten. Aber deswegen brauchen Sie uns nicht zu verachten.”
“Wann hätte ich Sie je verachtet, Sancho?”
“Ihrem Gott sei dank, Sie haben endlich wieder zu reden begonnen…” (S. 132/133)

Don Padre wird bald sterben, angeschossen von Guardia Civil.

Seine Stimme aber, die vom Bett herüber drang, klang jetzt fest und kräftig. “Was ich Ihnen anbiete, Sancho, ist nicht Statthalterschaft. Was ich Ihnen anbiete, ist ein Königreich.”
“Ein Königreich?”wiederholte Sancho.
“Geh mit mir, und du wirst das Königreich finden.” (S. 229)

Und jetzt suchen wir Barataria in den nächsten Don-Quijote-Film. Regie Rodney Bennett. Ein netter Film mit guter Musik, der hier zu sehen ist. Also bloss nicht bei Amazon kaufen, wo er zwischen 199,00 und 273,00 Euro kostet! By the way, ab der 14. Minute gefühlte 10 Minuten preist der Film die Vorzüge der polnischen Wodka Wyborowa. Sehr nettes Product Placement 🙂

Der ganze Film: HIER

Und am Ende noch ein Zitat von Shakespeare, dem Greene dem Roman als Motto vorgesetzt hatte:

An sich ist nichts weder gut noch böse, das Denken macht es erst dazu.

Zaproszenie w Andy / Einladung in die Anden

Liebe Freunde der Kunst und art.endart,
 
wir freuen uns, euch für die farbenprächtige Herbstkolonie im Oktober eine
kleine Reise in die Anden zu präsentieren:
„Die Anden als kulturelle Grenzzone Perus”
Malerei, Grafik und Kunstobjekte von Maria Eleonora Herbisz
 
Die Vernissage findet am Freitag, dem 25.Oktober 2019 um 19:00 Uhr statt.
Die Ausstellung läuft bis zum 8.November 2019.
 
art.endart ist ein Ort für kulturelle Begegnung und Kunst.Mehr Infos unter:
 
Lucyna Viale
art.endart
Drontheimer Str.22/23
13359 Berlin

Zaproszenie do Szczecina / Einladung nach Stettin

Ich fahre heute um 9.32 Uhr vom Hauptbahnhof nach Stettin und lade Euch ein, spontan mit mir zu fahren. Wir sind um 11:39 Uhr in Stettin. Ich komme erst morgen zurück, man kann aber auch heute um 19:50 Uhr nach Berlin fahren und ist um 21:38 Uhr in Gesundbrunnen.

Wenn ihr zu fünft sein, kostet es pro Person einen Klacks (Brandenburg-Ticket für 28 Euro deckt die Reisekosten für 5 Leute hin und zurück).

Inzwischen kann man bummeln, einkaufen, Pierogi essen und um 18:00 Uhr in die Bibliothek ProMedia gehen, wo ich lesen werde. Ich lese auf Polnisch, aber was soll es? Es geht doch um die Gesellschaft, um Klang der Sprache, Athmosphäre, schöne Stadt, schöne Leute… Und wenn Ihr wirklich kommt, werde ich einen Text auch auf Deutsch lesen – versprochen…

 

Frauenblick (colle caelius)

Monika Wrzosek-Müller

Monte Celio

Diesmal war die Zeit in Italien so schnell und unbemerkt vergangen, dass sie gar keine Zeit und keine Themen gefunden hatte, über die sie schreiben wollte. Lag es daran, dass sie dort so viele niederländische Autoren gelesen hatte und im Kopf irgendwie weg war von Italien? Eher nicht, sie war doch mit Herz und Seele da, genoss das gute Wetter und das Essen, die wunderbaren Ausblicke und das warme Meerwasser, sie traf sich mit ihren Freunden, war auch zu dem Litauer in der pesceria gegangen, um ihm zu erzählen, wie toll sie Litauen fand. Doch wieder hat er sie mit unheimlich vielen Bildern auf seinem Computer zugemüllt und nur gefragt: waren sie auch da, und da, und da? Und irgendwie war die Kommunikation gerissen, er reagierte eigentlich gar nicht auf ihre Erzählung, hatte nur seine Bilder im Kopf; da hatte sie den Rückzug angetreten, es waren auch kaum Fische zu kaufen.

Vielleicht war eben alles zu perfekt und zu leicht, so dass der Kopf wirklich abgeschaltet hatte, nicht aufmerksam genug, um sich etwas genau einzuprägen?

Doch einer von den niederländischen Autoren führte sie auch im Kopf immer wieder nach Rom. Seine Helden speisten da vorzüglich und kauften in exquisiten Boutiquen ein, tranken immer wieder die tollsten Weine bis sie todmüde umfiehlen und sich in vier Sterne Hotels ausruhten. Die Vorstellung vom dolce vita in Rom war allgegenwärtig. Die Helden ließen sich vom Kopf bis Fuß neu einkleiden, natürlich für aberwitzige Summen, die sie eigentlich gar nicht hatten aber doch ausgeben konnten. Alles schien möglich zu sein. Das gefiel ihr und sie konnte nicht widerstehen, also machte sie sich auf den Weg dahin, wo sowieso alle Wege hinführen, in die ewige Stadt. Die Reise mit dem Zug dauerte eigentlich ganz kurz, eine Stunde 50 Minuten, davon 25 Minuten innerhalb von Rom. Natürlich ist Rom nicht überall atemberaubend und schön; die Gegend um den Bahnhof Termini selbst sollte man am besten meiden; es ist so ein Geknäuel, dass man richtig auf sein Hab und Gut aufpassen muss. Doch dann, ein paar Schritte weiter, ändert sich wieder alles und man gerät ins Schwärmen.

Von den alten sieben Hügeln Roms (Quirinal, Viminal, Kapitol, Esquilin, Palatin, Aventin, Caelius) kannte sie inzwischen fast alle. Es kamen sogar einige dazu, von denen man wunderbare Aussichten auf Roms Dächer, Kuppeln und Türme hat: Gannicolo oder Pincio, auch Monte Testaccio nicht zu vergessen. Doch die ersten bildeten die alten sieben Hügel, auf denen Rom gebaut wurde, dabei waren Aventin und Celio/Caelius diejenigen, die etwas später dazu gekommen waren. Es ist schon erstaunlich, wenn man von der touristisch verstopften Gegend um das Kolosseum in ein paar Schritten in eine ruhige, fast ländliche Landschaft entschlüpfen kann. Da sie einen kleinen Hund dabei hatten, musste es auch etwas Auslauf geben.

Deswegen wählten sie diesmal den Monte Celio mit seinen Kirchen, Gärten und der Villa Celimontana. Der Weg führte gleich auf einer mit Kopfstein gepflasterten Straße nach oben, der Turm der Kirche des SS Giovanni e Paulo ragte schon von weitem auf. Das Sträßchen war menschenleer und winzig. Große Backsteinbögen spannten von einer zur anderen Straßenseite. Unter der Kirche befinden sich Ausgrabungen der case romane del Celio. Die Ausgrabungen sind für die Öffentlichkeit seit 2002 zugänglich; nach zahlreichen Restaurierungs- und Erhaltungsarbeiten wurden ungefähr 20 Räume unterirdisch für das Publikum geöffnet. Das Museum ist sehr schön gemacht, und seine Geschichte lang. Schon 1887 begann ein Mönch aus der darüber liegenden Basilika mit Ausgrabungen und legte diese alten, auf verschiedenen Niveaus gelegenen und zum Teil mit Fresken und Mosaikböden ausgeschmückten Räume frei. Es wird gemunkelt, dass es sich um das Privathaus von Johannes und Paulus handelt. Doch später wurde festgestellt, dass die Räume aus ganz verschiedenen Perioden der Antike stammen. Ein Raum ist dem Antiquarium gewidmet, in dem unter der Basilika ausgegrabenen Funde ausgestellt werden. Es sind verschiedene Vasen und Arbeitsgeräte, in die Augen sticht eine Sammlung islamischer Keramik, die ursprünglich den mittelalterlichen Turm der darüber liegenden Kirche schmückte.

Leider waren fast alle Kirchen unzugänglich. Zwei befinden sich im Moment in Restaurierung und stehen verstellt durch Baugerüste, bei zwei anderen hätten sie zwei Stunden warten müssen, um hineineingehen zu können. Monte Celio ist reich an wunderschönen Kirchen: die Basilika Santi Giovanni e Paulo; Santo Stefano Rotondo ist eine der ältesten Rundbau-Kirchen in Rom, man betritt die Kirche durch die Wand von Neros Aquädukt, sie ist von einer hohen Mauer umgeben und in einem waldähnlichen Park versteckt. Dann gibt es die Kirche von San Gregorio Magno, hinter der barocken Fassade versteckt sich eine frühchristliche Kirche, umgeben von kleinen Kapellen. Wenn man durch den kleinen Park am Monte Celio geht, an den Ruinen der Villa Celimontana vorbei, steht man vor der Kirche Santa Maria in Domenica, die mit wunderschönen Mosaiken aus dem 9. Jahrhundert ausgestattet ist. Etwas weiter weg, geleitet durch Zeichen auf dem Bürgersteig (als Pilgerweg) gelangt man zur Kirche des Klosters Santi Quattro Coronati. Viele von den Kirchen auf dem Monte Celio sind den Märtyrern gewidmet, die sich weigerten, den Götzen zu huldigen, und sich der christlichen Gemeinde angeschlossen haben; es mutet wie Publicity für Christentum an.

Die einzige weitere Kirche, die geöffnet und zugänglich war, befand sich auch in ein paar Minuten Entfernung und ist unter den Touristen sehr bekannt: die Basilika von San Clemente, dem Märtyrer. Mit ihren drei Ebenen, die übereinander liegen, ist sie wirklich faszinierend. Gleich beim Eingang wird man von dem herrlichen Apsismosaik und dem Marmormosaik auf dem Fußboden überwältigt. Die darunter liegenden Kirchen stammen aus dem 4 Jh. und man kann noch tiefer gelangen zu den Resten von Gebäuden aus dem 1. Jh. Ein Korridor führt zum Eingang einer Mithraeums, einer Mithras gewidmeten Kultstätte, der Weg hinaus führt durch Räume aus dem 1. Jh. Diese Kirche hatte sie schon bei früheren Besuchen in Rom gesehen, jetzt, im Kontext der ganzen Geschichte, dieses Teils von Rom, sah man, dass die Kirchen auf dem Monte Celio immer auf den Resten anderer Bauten entstanden waren. Die Gegend hier galt in der Antike schon als gute, wohlhabende Wohnlage, unweit vom Zentrum, sprich dem foro romano gelegen.

Man ist irgendwann wirklich überwältigt und müde von den vielen Kirchen-Besuchen, aber auch berauscht vom Atem der Geschichte und überrascht, wie unprätentiös die Römer mit ihren herrlichen Bauwerken umgehen. Sie dachte, sie würde gerne länger in dieser Stadt wohnen und leben können, um sich das alles einzuprägen und um besser verstehen zu können, wie das normale alltägliche Leben in diesen Denkmälern möglich ist. Neben den Kirchen gab es eine schöne, einfache Bar, in der man ganz preiswert essen und trinken konnte. Auch der Hund kam auf seine Kosten, er ist gelaufen, ohne auf Menschenmassen zu stoßen.

Ginkgo

Ewa Maria Slaska

Das Haus, in dem ich ab und zu arbeite, ist riesig groß. Im Laufe der Jahre belegten wir schon Zimmer in seinem verschiedenen Teilen. Diesmal, und es ist erst seit ein paar Wochen, befinden sich unsere Fenster direkt gegenüber Hochschule der Künste. Davor wachsen zwei wunderbare Ginkgobäume, die jetzt der hohen goldenen Flammen gleichen. Ich habe es schon seit Tagen mit Freude beobachtet, aber erst heute ist mir eingefallen, dass ich gerade diesen Baum schon vor fast 20 Jahren beschrieben habe. Ich war mir nicht sicher, ob ich den Text überhaupt finde, aber doch – hier ist er:

Ginkgo oder Ich mag Goethe nicht

Den Oktober verbrachten wir in Griechenland. Die Pracht von Blau und Weiß. Die Rückkehr nach Novemberberlin gleicht einem Schock. Es regnet. Alle Menschen in der U-Bahn sitzen mürrisch herum, schweigen und glotzen vor sich hin. Ihre Mundwinkel sind alle nach unten gesenkt, in einer grimmigen Grimasse von Unzufriedenheit, Neid und Verbissenheit. Die Berliner Fratze.

Es regnet die ganze Woche lang. Alles ist grau und kalt.

Samstag. Endlich blauer Himmel und Sonne. Kalt ist es immer noch, aber nicht mehr grau. Ich gehe spazieren, möchte goldene Bäume sehen. Auf dem Bayerischen Platz endlich ein paar Birken. Golden. Es ist kalt. Alle Straßen sind menschenleer. Die Bundesallee. Samstag früh – der Berliner will sich einmal ausschlafen. Vor mir ein großer goldener Baum. Ein Ginkgo. Groß, prächtig. Ein Baum, der von Goethe berühmt gemacht wurde. Daß ich eins und doppelt bin, schrieb er. Wie der Ginkgoblatt. Es ist ein Liebesgedicht. Goethe dachte dabei an sich und eine um 60 Jahre jüngere Frau.

Ich sammle ein paar Blätter. Als ich mich nach unten beuge, sehe ich ein paar Meter weiter einen anderen Goldbaum, unter dem sich zugleich drei Menschen, etwas pflückend, beugen. Chinesen, stelle ich fest. Drei Chinesen unter einem Ginkgo-Baum an einem menschenleeren Samstag. Der Baum dort ist kleiner. Die Chinesen arbeiten, das sieht man ihnen an. Es ist etwas zielbewußtes in ihren Bewegungen, rauf und runter. Jeder hält in der Hand eine durchsichtige, orangenfarbene Plastiktüte. Sie stecken das, was sie vom Boden heben, in diese Tüten. Ich bilde mir ein, daß sie die goldenen Blätter sammeln, um ein Zimmer mit den Ginkgo-Blättern zu tapezieren, damit ein schöner Meditationsraum entsteht. Einmal habe ich so ein Zimmer in einem fernöstlichen Haus gesehen, dessen Wände mit Magnolienblüten bedeckt waren. Es klingt romantischer als es aussah. Magnolienblüten mögen fabelhaft am Baum aussehen, aufgeklebt, sind sie schmutzigweiß. Ich hätte es lieber mit Ginkgo-Blättern gemacht.

Fest entschlossen, die Chinesen unter dem Baum gerade so ein Ziel vor den Augen haben und erpicht, ihnen zu helfen, gehe ich auf sie zu und behaupte, da, unter „meinem“ Baum, seien die Blätter schöner, beständiger, und in größerer Menge.

Es sind zwei Männer und eine Frau. Sie schauen mich mitleidig an und lachen. „Wissen Sie“, sagt die Chinesin und sie sagt es gerade so, wie die Chinesen sprechen, mit dünnem S, die durch eine dünne, kindliche Stimme fast komisch verändert wird. „Der Baum da, der ist ein Mann, der taugt nicht“.

„Und?“ – frage ich. „Dies da ist eine Frau und hat Früchte“. Sie zeigen mir kleine, rosiggelbe Beeren. Hilflos suche ich mir ein paar Früchte zusammen und schnupfe an ihnen. Sie riechen unangenehm, nicht schlecht, aber gerade so – unangenehm, nach Hundepisse. Die Chinesen essen doch alles, erinnere ich mich plötzlich. Ich bin keine Chinesin, für mich sind diese Früchte weder eine Bereicherung langweiliger europäischer Nahrung im Exil, noch ein Stück ferner Heimat an einem kalten Tag. Es sind ganz einfach kleine Beeren, die unangenehm riechen. Etwas ist in mir verlorengegangen, obwohl ich es nicht genauer weiß, was.

Mir kommt es vor, als ob ich wüßte, der Ginkgobaum sei männlich und weiblich. Ich bringe es nicht über mich, die Früchte zu kosten. Ich mache mir ein schönes herbstliches Gedeck. Ein paar weibliche Beeren mit zwei männlichen Blättern. Aber essen möchte ich davon nicht.

Der Ginkgo, der dank einem Dichter zum Symbol der Einigkeit zweier sich liebenden Menschen avancierte, ist in Wirklichkeit für uns, die wir keine Sachkundigen sind, eine Seltenheit – ein Baum, der entweder weiblich oder männlich ist. Geteilt. Fern von einander. Auf ewig und immer. Bis auf Gott sie verbindet.

Und der Mann, der taugt nicht.
Berlin im November 2000.


PS vom 16. Oktober 2019:

Die Ginkgobeeren werden geröstet und sollen eine Delikatesse sein, die man gern in China während einer Hochzeit serviert. Zwei Leute aus meiner Familie haben vor 10 Jahren geheiratet. Eine Rosenhochzeit wäre es, ist aber anders geworden… Trotzdem wünsche ich den beiden, dass sie glücklich sind. Auf Polnisch sind die Namen anders und sie ändern sich – als ich jung war und meine Eltern 10. Jahrestag ihrer Hochzeit feierten, hieß es “żelazne wesele” – Eiserne Hochzeit. Heutzutage ist es Aluminium oder Zinn. Und wiederum die Eiserne Hochzeit ist in Deutschland Name für den 65. Jahrestag der Ehe…


Und noch Goethes Gedicht (falls man sich nicht an Anhieb daran erinnert)

Ginkgo Biloba

Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich eins und doppelt bin ?

Johann Wolfgang von Goethe 1815
(1749 – 1832)

Dieses Gedicht, schrieb der Homepageautor, wo ich das gefunden habe, hat Johann Wolfgang von Goethe für seine späte Liebe Marianne von Willemer geschrieben.

Das Ginkgoblatt wird darin als Sinnbild für Liebe und Freundschaft beschrieben.