Joycearia (II)

Arkadiusz Łuba

Wie viel Don Quixote steckt in Lew Nikolajewitsch Myschkin und in Leopold Bloom

Nein, ich bin weder Cervantes- noch Don Quixote-Spezialist, dennoch fühle ich mich gezwungen, ein paar Worte über das Thema zu schreiben, da der hier genau vor einer Woche (im Post mdT: Jezus czyli ten Idiota Don Kichot (Barataria)) einbezogene James Joyce doch einer meiner Spezialgebiete ist und ich – mehr oder weniger – Pate Ewas Lektüre von Margaret Churchs Structure and theme – Don Quixote to James Joyce (und von James Joyces Finnegans Wake, wo sie nach „Sin Showpanza“ – FW 234.6 – und „dulsy nayer“ – FW. 234.23 – gesucht und es zuerst in Churchs Buch gefunden hat) bin.

In dem Buch von Margeret Church selbst habe ich keine direkte Referenz zu dem Fürsten Lew Nikolajewitsch Myschkin, dem Titelprotagonisten von Fjodor Dostojewskis Der Idiot, gefunden. Ein einziges Mal erwähnt sie dieses Buch (auf der Seite 85) und selbst dort tut sie es im Kontext von Die Brüder Karamasow. Sie beruft sich in ihrem Vorwort (und analysiert es auch in einem der Kapitel) auf Die Brüder Karamasow und seine [die des Romans] Protagonisten: „The structures of the novels that I discuss in the following pages provide a means of perspective on the development of the genre since Don Quixote and an ongoing thesis for this book. […] They [the novels – A. Ł.] are all tied together, as the title of the book [Structure and theme – Don Quixote to James Joyce] suggests, by the quixotic nature of characters in each one from Parson Adams, to Werther, to Emma Bovary, to Dmitri and Ivan Karamazov, to Raskolnikov and K., to Settembrini, and to Leopold Bloom, and by themes and techniques that also relate to the Quixote” (S. ix, x), also auf Deutsch: „Die Strukturen der Romane, die ich auf den folgenden Seiten untersuche, bieten einen Einblick in die Entwicklung des Genres seit Don Quixote und eine fortlaufende These für dieses Buch. […] [Die Romane] sind alle miteinander verbunden, wie der Titel des Buches [Struktur und Thema – Don Quixote bis James Joyce] suggeriert, durch die quixotische Natur der Charaktere in jedem einzelnen von Parson Adams über Werther, Emma Bovary, Dmitri und Ivan Karamasow, Raskolnikov und K., Settembrini und Leopold Bloom sowie durch Themen und Techniken, die sich auch auf den Quixote beziehen“ [alle Übersetzungen ins Deutsche, wenn nicht anders angegeben, von mir; meine Hervorhebung – A. Ł.].

Don Quixote wird von Church meistens kursiv geschrieben und als Titel eines prägenden Romans verstanden. Relativ selten bezieht sie sich auf die Figur Quixotes. Im Vordergrund stehen die Struktur und das Thema, die sich auf Cervantes‘ Roman beziehen, und nicht auf dessen Charaktere. –> „In Don Quixote, the ancestor, so to speak, of all fictions and of all metafictions, we find close and complex correlations between the structure of the book, the psychological development of the hero, and consequently, psychological theory, both Renaissance and modern. In fact, it is impossible to separate in Don Quixote intrinsic matters from extrinsic. On the one hand, Don Quixote is a statement about human behavior, psychology if you will, about the relationship of the individual to his society and to himself. On the other, it is a novel fully responsive to literary history, and it may be experienced simply as fiction” (S. 4). Zu Deutsch: „In Don Quixote, dem – sozusagen – Vorläufer aller Romanen und aller Metafiktionen [meine Hervorhebung – A. Ł.], finden wir enge und komplexe Zusammenhänge zwischen der Struktur des Buches, der psychologischen Entwicklung des Helden und folglich der psychologischen Theorie sowohl der Renaissance als auch der Moderne. Gewiss, es ist unmöglich, in Don Quixote intrinsische [also von innen her, aus eigenem Antrieb, stammende – A. Ł.] Angelegenheiten von extrinsischen [also von den von außen her anregenden, nicht aus eigenem innerem Antrieb folgenden – A. Ł.] zu trennen. Einerseits ist Don Quixote eine Aussage über menschliches Verhalten, Psychologie, wenn Sie so wollen, über die Beziehung des Individuums zu seiner Gesellschaft und zu sich selbst. Auf der anderen Seite handelt es sich um einen Roman, der voll und ganz auf die Literaturgeschichte eingeht und einfach als Fiktion erlebt werden kann.“ Zu stark scheint mir am Anfang von Ewas Post ihre Behauptung, dass Church Don Quixote (ohne die Kursivschrift, also den Protagonisten) „mit Sicherheit für das Vorbild von Prinz Leo Nikolaevich Myshkin“ hält (orig.: „Z całą pewnością, twierdzi autorka, był wzorem księcia Lwa Nikołajewicza Myszkina“). So eine starke Behauptung habe ich bei Church nirgendswo gefunden.
Vorbilder in diesem Sinne interessieren Church weniger als die „structure and theme“ der post-renaissanceschen Romane und deren moderne Entwicklung: Während „die innere Welt von Don Quixote sich in den Strukturen widerspiegelt, die Cervantes seinem Roman gibt“ (orig.: „The inner world of Don Quixote is mirrored in the structures Cervantes gives his novel“, S. 185), „geben die philosophischen, religiösen und psychologischen Spannungen der Charaktere Dostojewskis langen Werken Ordnung und Form“ (orig.: „the philosophical, religious, and psychological tensions of characters give order and form to Dostoevsky’s long works“, ebd.).

In ihrem Nachwort zu Der Idiot führt die Übersetzerin des Buches, Elisabeth Kaerrick (unter dem Pseudonym „E. K. Rahsin“), aus: Die von Dostojewski in seinen Entwürfen als „Fürst Christus“ bezeichnete und von Aglaja als „armer Ritter“ bespöttelte Mittelpunktgestalt, die als Gravitationszentrum alle Handlungen auf sich zieht, wird wegen ihrer komisch wirkenden, aber Sympathie ausstrahlenden Aktionen u. a. mit Cervantes Don Quixote verglichen, allerdings von Interpreten auch von ihm unterschieden, denn seine Charakterisierung folge nicht einem einfachen Gut-Böse-Schema: „Fürst Myschkin ist im Wesentlichen weder ein Don Quixote, noch schön und gut nur aus Güte, und beileibe kein ‚Demokrat’ […] ist auch kein Parzival oder ein Pestalozzi, sondern ist ein echter Dostojewski“ (E. K. Rahsin: Nachwort. In: F. M. Dostojewski: Der Idiot. Piper Verlag: München-Zürich 1980, S. 955). An einer Stelle schreibt Margaret Church sogar: „common factors in novels of different eras often abrogate time altogether so that Leopold Bloom or Settembrini or Emma Bovary may be seen to precede or to influence” Don Quixote“ (S. 4), also auf Deutsch: „Einige gemeinsamen Faktoren verwischen oft die Zeitunterschiede in Romanen verschiedener Epochen, so dass Leopold Bloom, Settembrini oder Emma Bovary Don Quixote vorausgehen oder ‚inspirieren‘ können“. Oder mit Worten von Jorge Luis Borges aus seinen Labyrinths: Selected Stories and Other Writings: „Jeder Schriftsteller entwirft sich seine eigenen Vorgänger“ (S. 201).

Auch im Falle Joyce ist der Einfluss Don Quixotes (wieder als Charakter verstanden) gering. Der irische Autor hat sich dazu selbst geäußert. Warum sollte man nicht zu allererst dem Autor glauben, bevor man zu Wissenschaftlern greift?! Joyce erzählte seinem Sprachschüler Georges Borach von seinem Buch, und dieser notierte in seinem Tagebuch: „Das schönste, alles umfassende Thema ist die Odyssee. Es ist größer, menschlicher als Hamlet, Don Quichotte, Dante, Faust. Das Jungwerden des alten Faust berührt mich unangenehm. Dante ermüdet rasch, wie wenn man in die Sonne blicken würde. Die schönsten, menschlichsten Züge enthält die Odyssee. Ich war zwölf Jahre alt, als wir in der Schule den Trojanischen Krieg behandelten, nur die Odyssee blieb mir haften. Ich will aufrichtig sein, mit zwölf Jahren gefiel mir am Ulysses das Mystische. Als ich Dubliners schrieb, wollte ich zuerst den Titel Ulysses in Dublin wählen, kam aber davon ab. In Rom, als ich ungefähr die Hälfte des Porträt vollendet hatte, sah ich ein, dass die Odyssee die Fortsetzung sein musste, und ich begann Ulysses zu schreiben.
Warum kam ich immer wieder auf dieses Thema? Gegenwärtig »nel mezzo del’cammin«, ist für mich der Stoff des Odysseus der menschlichste der Weltliteratur: Odysseus wollte nicht nach Troja ziehen, er wusste, dass der offizielle Kriegsgrund, Ausbreitung der Kultur Hellas‘, nur Vorwand war für die griechischen Kaufleute, die neue Absatzgebiete suchten. Als die Aushebungsoffiziere kamen, war er gerade beim Pflügen. Er stellte sich irrsinnig. Sein zweijähriges Söhnchen legte man ihm darauf in die Furche. Vor dem Kind hält er mit dem Pflug. Beachten Sie die Schönheit der Motive: der einzige Mann auf Hellas, der gegen den Krieg ist, und der Vater. Vor Troja verbluten die Helden umsonst. Man will abziehen. Odysseus ist dagegen. Die List des hölzernen Pferdes. Nach Troja spricht man nicht mehr von Achilleus, Menelaos, Agamemnon. Nur einer ist nicht erschöpft, seine Laufbahn hat kaum begonnen: Odysseus.
Dann das Motiv der Irrfahrt. Scylla und Charybdis, welch herrliches Gleichnis! Odysseus ist auch ein großer Musiker, er will und muss hören, er lässt sich an den Mastbaum binden. Motiv des Künstlers, der lieber sein Leben opfern will, als zu verzichten. Dann der köstliche Humor des Polyphemos. »Olus« ist mein Name. Auf Naxos der Fünfzigjährige, womöglich kahlköpfig, mit Ariadne, der kaum siebzehnjährigen Jungfrau. Welch feines Motiv. Und die Rückkehr, wie tief menschlich. Vergessen Sie nicht den Zug der Großmut bei der Begegnung mit Ajax in der Unterwelt und noch viele andere Schönheiten. Ich fürchte mich fast, ein solches Thema zu behandeln, es ist zu gewaltig.“

Seinem besten Freund in Zürich, Frank Budgen, erzählte Joyce, er schreibe ein Buch, das sich auf die Odyssee stütze, aber achtzehn Stunden aus dem Leben eines Zeitgenossen schildere. Es fiel ihm ebenso schwer, Budgen das vielseitige Wesen eines Helden zu verdeutlichen, wie seinerzeit gegenüber Borach: »Sie scheinen viel gelesen zu haben, Herr Budgen«, sagte er. »Ist Ihnen von irgendeinem Dichter ein lückenloser Allroundcharakter bekannt?« Als Budgen Christus nannte, wandte Joyce ein: »Er war Junggeselle und lebte nie mit einer Frau zusammen. Das Zusammenleben mit einer Frau ist aber zweifellos etwas vom Schwierigsten, was ein Mann tun muss, und das hat er nie getan.«
»Und wie steht‘s mit Faust«, fragte Budgen, »oder Hamlet?« »Faust«, sagte Joyce, »ist weit davon entfernt, ein ganzheitlicher Mensch zu sein; er ist überhaupt kein Mensch. Ist er ein alter oder ein junger Mann? Wo ist sein Heim, wo seine Familie? Wir wissen es nicht. Und er kann nicht ganzheitlich sein, weil er nie allein ist. Immer ist ihm Mephistopheles an der Seite oder auf den Fersen. Wir bekommen viel von ihm zu sehen, das ist aber auch alles.«
»Ihr ganzheitlicher Mensch in der Literatur ist wohl Odysseus, nehme ich an?«
»Ja«, sagte Joyce. »Der alterslose Faust ist kein Mensch. Aber Sie haben eben Hamlet erwähnt. Hamlet ist ein Mensch, aber er ist nur ein Sohn. Odysseus ist der Sohn von Laertes; aber er ist auch der Vater Telemachs, der Gatte der Penelope, der Geliebte Calypsos, der Waffengefährte der griechischen Helden vor Troja und der König von Ithaka. Er hatte viele Schicksalsschläge zu erdulden, überwand sie aber alle durch Weisheit und Mut. Vergessen Sie nicht, dass er ein Drückeberger war, der sich dem Militärdienst durch vorgeschützten Irrsinn zu entziehen versuchte. Er hätte vielleicht nie zu den Waffen gegriffen und wäre nie nach Troja gezogen, wäre nicht der griechische Aushebungsoffizier klüger gewesen als er und hätte den jungen Telemach vor den Pflug gelegt, während Odysseus das Sandufer pflügte. Als er aber einmal im Krieg war, wurde aus dem Kriegsdienstverweigerer ein Jusqu‘au-boutist. Als die anderen die Belagerung aufgeben wollten, war er es, der weiter auszuharren beabsichtigte, bis Troja gefallen wäre.« Dann fuhr er fort: Noch etwas: Die Geschichte des Odysseus hörte mit dem Ende des Trojanischen Krieges noch nicht auf. Sie begann erst, als die anderen griechischen Helden zurückkehrten, um den Rest ihres Lebens friedlich zu verbringen. Und dann« – Joyce lachte – »war er auch der erste Gentleman in Europa. Als er nackt vortrat, um die Junge Prinzessin zu begrüßen, verhüllte er vor ihren jungfräulichen Augen jene Teile seines von Meerwasser durchnässten und von Kletten überdeckten Körpers, auf die es ankam. Er war auch ein Erfinder. Der Panzer ist seine Schöpfung. Hölzernes Pferd oder Eisenkasten – das spielt keine Rolle. Beides sind Hüllen, die bewaffnete Krieger enthalten.«
»Was verstehen Sie dann«, fragte Budgen, »unter einem ganzheitlichen Menschen? Wenn zum Beispiel ein Bildhauer [Budgen war einer – Anm. A. Ł.] die Gestalt eines Menschen schafft, dann ist dieser Mensch ganz, dreidimensional, aber nicht notwendigerweise ganzheitlich in einem idealen Sinne. Alle menschlichen Körper sind unvollkommen, auf irgendeine Weise begrenzt, auch die Menschenwesen. Ihr Odysseus aber…«
»Der ist beides«, sagte Joyce. »Ich sehe ihn von allen Seiten, und deshalb ist er ganz im Sinne Ihrer Bildhauerfigur. Aber er ist ebenfalls ein ganzheitlicher Mensch – ein guter Mensch.«“ [alle Quellen zu James Joyce stammen aus: Richard Ellmann: James Joyce. Revidierte und ergänzte Ausgabe, betreut von Fritz Senn in Zusammenarbeit mit den Übersetzern Albert W. Hess, Klaus Reichert und Karl H. Reichert. Suhrkamp: Frankfurt am Main 1994.]

Bezogen auf Structure and Theme fasst Church zusammen: „In den Romanen von James Joyce findet man eine psychologische Struktur, die auf dem Viconischen System basiert und außerhalb der Werke liegt, aber von Joyce so geformt und neu gestaltet wurde, dass sie zu einem inneren Muster der Entwicklung seiner Protagonisten wird, beginnend mit dem Alter, in dem die Eltern dominieren, übergehend in die Pubertät und ihre Anpassungen, dann zur Reife und zu einer Rolle in der Gesellschaft, bis hin zu einem einschlagenden Blitz, wo man wie ein Phönix aus der Asche aufsteigen muss, um neu zu beginnen, »ein Commodius Vicus der Rezirkulation«“ (orig.: „In the novels of James Joyce, we find a psychological patterning, based on the Viconian system, exterior to the works but molded and redesigned by Joyce so that it becomes an interior pattern of the development of his protagonists, beginning with the age when parents dominate, moving to adolescence and its adjustments, then to maturity and a role in society, until lightning strikes and one must phoenix-like rise from ashes to begin anew, “a commodius vicus of recirculation“ (S. 185).

Die hier skizzierte Problematik schöpft weder das polemische noch das wissenschaftliche Potenzial der Frage „Wie viel Don Quixote steckt in Lew Nikolajewitsch Myschkin und in Leopold Bloom?“ aus und sollte hier als erste Anregung zu einer vertieften, gründlichen, komparatistischen Quellenforschung gelesen werden. Aber wen interessiert das schon außer ein paar besessene Anbeter?! 😉

Um es mit – wiederum – einem polnischen Schriftsteller abzuschließen, der u.a. durch sein Ferdydurke bekannt wurde und woraus auch folgender Zitat stammt:

„Schluss und Punktum!
Wer es las, der ist dumm!“

pozdrawiam
wiadomo kto 😉

Frauenblick und wieder Prag (6)

Monika Wrzosek-Müller

Aus Prag mit einem Bein in der Welt

Nach wie vor völlig von Prag begeistert, füllt sich der Kopf mit verschiedenen Gedanken, wandert doch in andere Teile der Welt. Irgendwie kommt mir jetzt immer wieder die Yoga-Lehre von den drei großen Gottheiten des Hinduismus: Brahma, Vishnu und Shiva, in den Sinn. Das als Trimutri im Hinduismus bezeichnete Zusammenspiel zwischen Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung gibt es auch in der christlichen Theologie und wird da Trinität genannt; wobei für mich da die Zuordnung nicht ganz klar ist – wer ist für was zuständig? Im Hinduismus dagegen ist es stark ausgeprägt und beeinflusst die ganze Philosophie in Bezug auf Individuen, aber auch auf alle Lebewesen einschließlich der Natur. Das Prinzip finden wir überall, ob bei Patanjali oder auch in den Veden; das Zusammenspiel der gegensätzlichen Kräfte und Neigungen, um ein Gleichgewicht zu erhalten, schwingt in allen Beschreibungen und Sutren mit. Krankheit wird somit als ein Verlust des Gleichgewichts angesehen und es wird empfohlen, daran zu arbeiten und sich zu bemühen, es wiederherzustellen. Alle Entwicklungen in der Geschichte, die mit Kriegen endeten, werden auf den Mangel an Harmonie und Gleichgewicht zurückgeführt. Natürlich sind diese Gedanken scheinbar sehr einfach und einfältig, doch sie enthalten viel Wahrheit über das Funktionieren von Individuen, aber auch von ganzen Gesellschaften oder gar Völkern. Wie reiht sich in diese Gedankengänge dann so eine Pandemie wie die jetzige ein?

Wenn man während der Pandemie, während des lock downs, von weitem, aus einem noch einmal anderen Staat, die Länder betrachtet, mit denen man verbunden ist – und in meinem Fall sind das mehrere: Polen als Geburtsland, Italien als Lieblingsland und Deutschland als Wohnort – dann werden die Unterschiede der Herangehensweisen so markant und deutlich, dass es einen manchmal selbst etwas überrascht und ängstigt, welche Züge und Merkmale besonders hervortreten. Man gerät leicht in Verallgemeinerungen und Vorurteile, deren Einfluss auf das Verstehen der Vorgänge eher gedämpft werden soll. Daher versuche ich diese Gedanken nicht weiter zu verfolgen oder aufzuschreiben…

Prag, dessen Schönheit ich hier mehrmals beschrieben habe, ist für mich ein Paradebeispiel der Erhaltung im weitesten Sinne des Wortes, obwohl es in der Vergangenheit und der näheren Gegenwart nicht an Beispielen für gründliche Veränderungen gefehlt hat.

Den ersten wunderbaren Umbau auf der Kleinseite unterhalb des Schlosses hat Wallenstein, der eigentlich Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein hieß, Herzog von Friedland usw., angeregt. Er kaufte ein riesiges Areal auf, ließ 26 Häuser abreißen und baute in den Jahren 1623 bis 1630 darauf ein Schloss der Superlative. Wenn man bedenkt, dass Wallenstein (so wie wir ihn von Schiller kennen) schon 1634 von einem kaisertreuen Soldaten ermordet wurde, weil er für alle rundherum zu mächtig, zu störrisch, zu stolz und vor allem zu reich geworden war, konnte er sich selbst nicht allzu lang an der Schönheit des Palastes, der Loggia und des weitläufigen Gartens erfreut haben. Wenn man durch diese Anlage wandert, die 1992 Sitz des Senats der Tschechischen Republik wurde, wird einem klar, warum die anderen mächtigen Herren eifersüchtig auf ihn waren. Die Kompliziertheit der politischen Verflechtungen und der Lage sowie der Persönlichkeit Wallensteins hat Schiller in seiner Trilogie der Wallenstein-Dramen dargelegt. So oder so ist es eine der schönsten Anlagen, die ich je gesehen habe; sie ist im Stil des sehr frühen böhmischen Barock errichtet, enthält aber Elemente der Spätrenaissance in manieristischem Stil, daher ist sie lebendig, offen und inspirierend. Die Loggia zum Garten hin erinnerte mich sehr an die Loggia der Villa Schifanoia in San Domenico bei Fiesole. Meine Intuition hatte mich nicht im Stich gelassen: sie wurde auch nach dem Vorbild der Loggia des Domes in Livorno von einem toskanischen Architekten errichtet. Drei große Bögen öffnen sich freizügig zur Gartenseite hin, dahinter befinden sich die große sala terrena und davor ein wunderschön angelegter Garten, der gerade eine aufwendige Renovierung erfahren hat. Einige der Elemente wie die Felsimitationen und die künstliche Tropfsteinhöhle, die Grotte, erinnern mich wiederum stark an Giardini di Boboli in Florenz. Der Blick von der Loggia fällt auf ein Spalier von Skulpturen des niederländischen Bildhauers Adriaen de Vries. Leider wurden die Originale während des Dreißigjährigen Krieges von den schwedischen Truppen geraubt und stehen (bis auf eine Figur der Venus) angeblich noch heute noch im Schloss Drottningholm. Hinter dem Labyrinth und einer höheren Buchenhecke kommt man an einen wirklich tiefen, mit sehr schönen Wasserpflanzen geschmückten Teich mit allerlei großen und wertvollen Fischen. In der Mitte des Teiches gibt es eine kleine Insel mit Springbrunnen, alles in stattlicher Größe und alles wirklich minuziös sauber und gepflegt gehalten. Nach der Renovierung des Gartens kamen auch noch weiße und bunte Pfauen dazu, die gemächlich und sehr würdevoll auf dem kurz gehaltenen englischen Rasen spazieren und mich wiederum an den Garten in der Villa Meleto erinnern, in der wir unzählige Sommerferien verbracht haben. Im Garten des Palais Wallenstein finden im Sommer Theateraufführungen statt. Um die Geschichte der wirklich einmaligen Anlage zu vervollständigen, sei erwähnt, dass ein Nachkomme der Wallensteins sie übernommen hat, der während der Nazizeit in die NSDAP eingetreten ist; daher wurde das Schloss nach dem Krieg verstaatlicht. Doch bis zum Jahr 1955 lebte in dem Palais eine Gräfin von Waldstein mit ihrer Kammerfrau; sie starb mit 104 Jahren. Dabei musste ich an die Erzählungen über den polnischen Grafen Stanisław Potocki denken, der nach seinem Tod in Lima in Łańcut bestattet wurde und der nach 1989 oft das Schloss und den Garten besucht haben soll.

Die nächste Veränderung die mir in dieser grundsätzlich auf Erhaltung fixierten Stadt auffiel, war die Auflösung des Ghettos und der alten Judenstadt in den Jahren zwischen 1898 und 1913: Eingemeindung derselben unter dem Namen Josefov, als IV Prager Bezirk. Die umliegenden Häuser wurden um 1900 mit Jugendstil-Fassaden, in Anlehnung an Pariser Architektur, erbaut und eine Prachtachse vom Altstädter Ring bis zum (heutigen) Metronom oben auf dem Letna-Park mit dem Namen Pariser Straße errichtet. Heutzutage ist das die erste Adresse für die teuersten Läden in Prag: Gucci, Louis Vuitton, Burberry, Prada, Armani, Escada, Dior, Boucheron, Karl Lagerfeld, Givenchy, Hermes, Versace, Chanel und viele mehr. Von der alten Judenstadt sind einige Synagogen und der älteste jüdische Friedhof Europas erhalten geblieben.

In der neuesten Zeit ist ein durchaus gelungenes Objekt dazugekommen: das Tanzende Haus, tánčici dům. Der Komplex steht am Moldauufer, am Rasinovo nábřeži, daher aus allen Erhebungen, vom Petřin auf der anderen Moldauseite gut sichtbar, errichtet auf einem Grundstück, das länger brach gelegen hatte. Dafür wurde nicht einmal etwas abgerissen, denn das Eckhaus, das an der Stelle vor dem Krieg stand, wurde versehentlich bei einem amerikanischen Luftangriff auf Prag am 14.02.1945 zerstört. Václav Havel wohnte in der Nachbarschaft und hat das Projekt von Anfang an unterstützt; es sollte ein Kulturzentrum beinhalten, davon ist eine Galerie übriggeblieben, alles andere wird eher kommerziell genutzt (ein Super-Hotel, ein sehr teures Restaurant und Café). Es ist vielleicht das am meisten abgebildete moderne Gebäude in Prag, es reiht sich mit seiner verspielten Fassade in das Meer der schönen Häuser am Moldauufer ein und es sticht aus ihnen heraus. Es wurde von den bekannten Architekten Vlado Milunic und Frank O. Gehry entworfen; in Prag wird es liebevoll Ginger & Fred genannt, denn die Fassade scheint wirklich in Bewegung zu sein, so als ob die beiden Häusertürme tanzen würden.

Natürlich hat die Epoche des Sozialismus/Kommunismus im Bild der Stadt ihre Spuren hinterlassen, hier wird diese Architektur Prager Brutalismus genannt; es sind vor allem große Hotels und Zentren, die in den sechziger und siebziger Jahren entstanden. Viele Menschen assoziieren sie mit dem Kommunismus, doch wurde in diesem Stil in der ganzen Welt gebaut. Auch diese Bauten, wie z.B.: das Kaufhaus Kotva oder Kaufhaus Máj, der neue Bühnenbau des Nationaltheaters, um nur die bekanntesten in der Stadtmitte zu nennen, sie alle fügen sich doch irgendwie in das Stadtbild und machen es auch lebendiger, bei allen erhaltenden Elementen, an denen gerade diese Stadt so reich ist.

Wenn man aber mit Bildern des zerstörten Warschau aufgewachsen ist, erscheinen einem diese Dimensionen der Zerstörung und Erneuerung sehr zurückhaltend und, sagen wir, minimalistisch. Was auffällt, ist die wunderbare Harmonie, Weichheit und Menschlichkeit, die auch auf die geografische Lage, die Hügellandschaft und die mäandrierende Moldau zurückgeht. Gut, dass vieles in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen worden ist und hoffentlich auch neue Generationen erfreuen wird.

Don Quijote… Don Qui… jote (Barataria)

Elem und German Klimow
Spiegel 19.08.1991

Ein russischer Don Quijote

Gefunden von Arkadiusz Łuba. Danke!

Der Regisseur Elem Klimow hat gemeinsam mit seinem Bruder German ein Drehbuch über Michail Bulgakows berühmten Roman „Der Meister und Margarita“ geschrieben. Für den SPIEGEL porträtieren die Brüder den Schriftsteller und russischen Volkshelden, der gegenwärtig auch in Deutschland eine Renaissance erlebt.

Kaum zu glauben, daß in diesem Jahr ein volles Jahrhundert vergangen ist, seit Michail Afanassijewitsch Bulgakow geboren wurde: In seiner Heimat noch immer einer der meistgelesenen und beliebtesten Schriftsteller. Woran liegt es, daß seine Werke, die in den zwanziger und dreißiger Jahren geschrieben wurden, auch heute noch so zeitgenössisch und aktuell sind? Wie konnte es geschehen, daß all das, was er voraussah, eintraf – was erst wir, die Menschen einer nachfolgenden Generation, bestätigen können? Unzweifelhaft ist Bulgakow mehr als nur ein hochbegabter Schriftsteller. Er ist ein Phänomen.

Bulgakows Aufstieg und Sturz waren einzigartig und dramatisch. Nach seinem strahlenden Auftauchen am Literaturhorizont, nach einer unglaublichen Popularität in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre, trat in seinem Leben 1929 eine Katastrophe ein. Gedungene Kritiker erklärten Bulgakow zum Feind des Systems. Dann wurde sein Name ganz aus dem Verkehr gezogen. Der Schriftsteller war noch am Leben, aber er war lebendig begraben.

Erst 1962, 22 Jahre nach dem Tod Bulgakows, erscheint die Moliere-Biographie, die er schon 1933 geschrieben hat. Erzählungen, Theaterstücke und der Roman “Die weiße Garde” folgen. Der Bekanntheitsgrad Bulgakows steigt ständig und erreicht seinen Höhepunkt, als die Zeitschrift Moskwa Ende 1966 den Roman “Der Meister und Margarita” zu drucken beginnt. Die Publikation wirkt als Sensation. Schon am Erscheinungstag sind die beiden Moskwa-Nummern, in denen der Roman abgedruckt ist, ausverkauft. Bald sind sie eine bibliographische Rarität und gehen von Hand zu Hand. Man liest buchstäblich Löcher hinein.
Das phantastische Sujet, wie Satan persönlich inmitten seiner unglaublich farbenprächtigen Truppe in Moskau eintrifft, begeistert die Leser. Ebenso die Phantasmagorie der sowjetischen Lebensweise, deren “Besonderheit” bis auf den heutigen Tag kein Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, begreifen oder erklären kann. Die sogenannten antiken Kapitel mit ihrer großen Überzeugungskraft und der sehr eigenwilligen Beschreibung, wie Pilatus Jesus Christus verhört, und die Hinrichtung am Kreuz. Und natürlich die beklemmend traurig stimmende Liebesgeschichte zwischen dem Meister und Margarita.
Man rühmt Bulgakows Sprache, genießt seinen glänzenden Humor, ist von der Handlung gefesselt: Urplötzlich wurde das ganze Land wie von einer Epidemie von dem ergriffen, woran Bulgakow während der letzten zehn Jahre seines Lebens gearbeitet hatte, als viele ihn schon nicht mehr unter den Lebenden wähnten. So erfüllte sich der prophetische Satz, den eine der Figuren seines Werkes sagt: “Manuskripte brennen nicht.”
Schnell wurden die Romane, Erzählungen und Theaterstücke Bulgakows in viele Weltsprachen übersetzt, sein Ruhm drang über die Grenzen der Sowjetunion hinaus. Gabriel GarcIa Marquez nannte den Roman “Der Meister und Margarita” sein Lieblingsbuch und erklärte ihn zur bedeutendsten Erscheinung in der Literatur des 20. Jahrhunderts.
Mitten in Moskau, an den “Patriarschije Prudy”, dort, wo die Handlung des Romans “Der Meister und Margarita” spielt, finden seit zwei Jahren grandios inszenierte Bulgakow-Feste in allen erdenklichen Kostümierungen statt. Dann versammeln sich an jenem Ort so viele Leute, daß buchstäblich “keine Stecknadel zu Boden fallen kann”: So wird nur ein echter Volksschriftsteller verehrt.
Zum erstaunlichsten Zeugnis für die Liebe des ganzen Volkes zu diesem Schriftsteller ist aber vielleicht das Haus am “Sadowoje Kolzo” geworden, und zwar das Treppenhaus im Hof, dort, wo in der Wohnung Nummer 50, in einem der Zimmer, Bulgakow zu Beginn der zwanziger Jahre lebte und darbte und wo er in seiner Phantasie Voland (Satan) und seine verrückte Truppe ansiedelte.
Das Treppenhaus verwandelte sich in einen Klub eigener Art. Dann fingen die Hausbewohner an, sich zur Wehr zu setzen. Sie überstrichen die Wandmalereien mit Ölfarbe, aber vergebens, denn in kurzer Zeit begann alles wieder von neuem. Auf den Wänden des Treppenhauses ging es wieder lebhaft zu, Zeichnungen und Aufschriften erschienen nacheinander.
Nach einer gewissen Zeit drangen sie dann sogar nach außen und erschienen auf den Wänden des Hauses. Charakteristische Aufschriften lauteten: “Voland, hilf Gorbatschow, er kommt nicht klar”, “Die sowjetischen Kater (Zuhälter) sind die fortschrittlichsten: Sie sind für die Perestroika”, “Haltet die Erde an, ich will aussteigen”. Aus den Adressen konnte man ungefähr die gesamte Geographie des Landes lernen.
Auf Bitten der geplagten Einwohner wurde am Eingang des Portals ein Milizkordon postiert, aber der Kordon wurde durchbrochen, die Wände und jetzt auch die Fenster wurden unerbittlich bemalt und beschrieben. So wurde das Treppenhaus auf Eigeninitiative in ein Volksmuseum umgewandelt. Durch Bemühungen der Künstlerverbände und vieler Enthusiasten kämpft man jetzt dafür, daß das gesamte Haus, in dem noch viele andere bekannte Maler, Dichter, Schriftsteller lebten und arbeiteten, in ein Kulturzentrum mit Museen, Bibliotheken, Theatern und Cafes umgewandelt wird. Wenn wir uns durchsetzen, entsteht auf der Karte Moskaus ein neuer Begriff: “Das Bulgakow-Haus”.
Der Schriftsteller wurde am 15. Mai 1891 in Kiew in einer Familie von Geistlichen geboren. Sein Vater war Dozent, später Professor an der Geistlichen Akademie. Der junge Michail Afanassijewitsch plagt im Gymnasium die Mitschüler und Lehrer mit Satiren und Epigrammen. Seine Begeisterung für die Literatur nimmt er jedoch selbst noch nicht ernst. Er wird Arzt und amputiert 1916 an der Front Beine von Verwundeten. Nach der Revolution arbeitet er als Landarzt, fühlt sich aber immer stärker zur Literatur hingezogen.
Die ersten fünf Stücke, die er im Norden des Kaukasus verfaßt, vernichtet der Autor anschließend unbarmherzig selbst. Schließlich zieht er 1921 nach Moskau und sucht sich Wohnung und Arbeit. Er verdingt sich als Zeitungsjournalist, Conferencier, Schauspieler, wird Feuilletonist bei der Zeitung der Eisenbahner, Gudok. Er schreibt immer sicherer, zeitweilig glänzend und sehr leicht.
Als Meister der Mystifikationen und des spontan inszenierten Spiels ist Bulgakow die Seele seines Freundeskreises. Gleichzeitig hält er immer Distanz, wird niemals familiär. In seinen Feuilletons macht er sich über die naive, fade Lebensweise, über den plebejischen Stil des sowjetischen Lebens lustig. Bulgakow setzt sich auch äußerlich davon ab: Ungeachtet der ewigen Geldknappheit erregt er allgemein Erstaunen mit seiner weißgestärkten Hemdbrust, dem tadellos gebügelten Anzug, dem makellosen Scheitel und dem Monokel an der Schnur.
Gar nicht zu reden von den betont aristokratischen Manieren. So verteidigte er seine Selbstachtung gerade in den Jahren, als die Achtung vor dem einzelnen immer mehr verlorenging. Niemand hätte damals wohl erraten, daß dieser glänzende Herr die Nächte hindurch selbstvergessen schwer arbeitete. Alles, was er schrieb, war eine Herausforderung an das, was um ihn herum vorging, es war eine Warnung vor drohenden Nöten und den Folgen jener sozialen Experimente, die die Bolschewiken an dem Lande vornahmen.
Bei den phantastischen Novellen Bulgakows muß man an Swift, an E. T. A. Hoffmann und natürlich an Gogol denken, den Bulgakow als seinen Lehrer bezeichnete. In der 1925 entstandenen Novelle “Hundeherz” ironisiert der Schriftsteller den Satz aus der Revolutionshymne, der “Internationale”: “Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger, alles zu werden, strömt zuhauf!” und erzählt, wie ein genialer Mediziner, Professor Preobraschenski, einen Hofhund in einen Menschen verwandelt, indem er ihm ein menschliches Gehirn einpflanzt.
Mit tödlichem Humor wird gezeigt, was aus diesem Experiment geworden ist. In der Vorstellung des Lesers entsteht jener schreckliche Sozialtypus, der mit nichts zu vergleichen ist und den unsere heutige Umgangssprache kurz als “Sowok” (in lateinischer Übersetzung “homo sovieticus”) bezeichnet.
Schon im Titel eine Herausforderung ist der Roman “Die weiße Garde”, denn dies ist ein Roman über den weißen Offiziersstand, der durch die Revolution dem Untergang preisgegeben ist. Mit Liebe wird die pro-monarchische Familie Turbin beschrieben, mit nostalgischem Schmerz erzählt, wie eine ganze Schicht der aristokratischen Kultur im Dunkel der Zeiten versinkt.
Alsbald interessiert sich das berühmteste sowjetische Theater, das “Moskauer Künstlertheater”, für “Die weiße Garde”, aber das Stück “Die Tage der Geschwister Turbin” (nach Motiven der “Weißen Garde”) läßt die Zensur nicht passieren; alles steht auf der Kippe. Erst das Ultimatum des großen Regisseurs Stanislawski, daß er sein Theater andernfalls schließen werde, ermöglicht schließlich die Inszenierung.
Die Premiere ist ein Triumph, und dieser Triumph wird dann fast tausendmal wiederholt. So wird Bulgakow 1926 berühmt. Das Publikum vergöttert ihn, und während die Parteikritik über das Stück herfällt, schwebt paradoxerweise der rettende Schatten des großen Führers über der Bühne.
Es ist bekannt, daß Stalin nach den Protokollen des Künstlertheaters das Stück “Die Tage der Geschwister Turbin” nicht weniger als 15mal gesehen hat. Wir scheinen hier vor einem unlösbaren Rätsel zu stehen: Hat etwa der Theaterfreund Stalin über den Politiker Stalin gesiegt? Es gibt aber noch eine andere Erklärung: Im Gespräch mit Künstlern soll Stalin ausgerufen haben: “Ja, Bulgakow geht richtig ran! Der bürstet gegen den Strich!”
Der Tyrann schätzte die “Gebildeten” nicht. Sie schreien und schreien, sagte er sich wohl, aber wenn man sie unter Druck setzt, dann geben sie Pfötchen. Häufig wählte er selbst das Opfer aus, das an der Reihe war, geschickt hetzte er den ganzen Apparat des ideologischen Terrors darauf, darunter auch die Kritik und die Redakteure. Bei Bulgakow sah Stalin plötzlich eine rückhaltlose Gradlinigkeit und Unnachgiebigkeit, das großartige Gefühl der eigenen Würde.
Aber “achtete” etwa Stalin den starken Gegner, ließ er ihn aus Edelmut am Leben, wie man annehmen könnte? Zweifel sind angebracht. Es besteht Grund zu der Annahme, daß er sich entschied, den Verwegenen auf die Probe zu stellen.
Bereits 1929 sind alle Stücke Bulgakows aus den Spielplänen der Theater verschwunden, und Bulgakow hat jegliche Hoffnung verloren, etwas gedruckt oder überhaupt noch Arbeit bekommen zu können. Am 28. März 1930 schreibt er einen Brief an Stalin. Sein Ton ist scharf und direkt. “Mit einem verlogenen Brief, in dem ich mich selbst beschmutze und dazu noch einen naiven politischen Bückling mache, würde es mir wohl kaum gelingen, mich vor der Regierung der UdSSR in einem günstigen Licht darzustellen. Den Versuch, ein kommunistisches Stück zu schreiben, habe ich erst gar nicht unternommen, da ich genau weiß, daß ich ein solches Stück nicht zustande bringe.
“Ich bitte zu berücksichtigen, daß ein Schreibverbot für mich gleichbedeutend ist mit einer Beerdigung bei lebendigem Leibe… Ich bitte die Regierung der UdSSR, mich innerhalb einer bestimmten Frist ausreisen zu lassen.” Falls man ihm dies abschlage, bitte er darum, als Regisseur, Statist oder wenigstens als Bühnenarbeiter beschäftigt zu werden.
Die Antwort trifft am 18. April 1930 ein, es ist der berühmte Telefonanruf Stalins. In dem Gespräch mit Bulgakow schlägt er ihm vor, sich beim Künstlertheater zu bewerben, wo er tatsächlich alsbald als Regieassistent angenommen wird.
Viele sahen darin ein unerhörtes Wohlwollen des großen Führers, hatte er doch Bulgakow wegen seines Briefes nicht vernichtet.
Im Leben Bulgakows ändert sich nichts außer der geringfügigen Bezahlung am Künstlertheater, wo er als Regieassistent und Schauspieler in kleinen Rollen arbeitet, dann zum Bolschoi-Theater geht, wo er Opernlibretti verfaßt. Nochmals schreibt er an Stalin und bezeichnet sich als den “einzigen literarischen Wolf” auf dem Feld der russischen Literatur.
“Man hat mir geraten, das Fell zu färben, das ist ein dummer Ratschlag. Man mag den Wolf färben, man mag ihn scheren, er wird doch nicht einem Pudel ähnlich.”
Auf diesen Brief erhält Bulgakow keine Antwort mehr. Gerade zu dieser Zeit erkrankt er an einer Neurasthenie mit Anfällen unbewußter Angst, mit Furcht vor der Dunkelheit. Während eines solchen Anfalls verbrennt er den Entwurf eines Romans über den Teufel. Aber der Plan ist in dem Schriftsteller schon fest verwurzelt, und nach kurzer Zeit beginnt er von neuem. In dem Roman taucht jetzt auch das Thema Liebe auf, und deshalb gibt er ihm schließlich den endgültigen Titel “Der Meister und Margarita”.
Ohne seine Frau Jelena Sergejewna, die er 1929 kennenlernt, hätte er seinen einsamen Kampf kaum so lange durchgestanden. Sie bringt es fertig, daß in den schlimmsten Hungerjahren ihr Haus für die Freunde immer gastfrei und offen ist. In den Tagen der tödlichen Krankheit, als er schon fast blind ist, diktiert Bulgakow seiner Frau die letzten Seiten seines Werkes, er korrigiert es wieder und wieder.
“Auf dem Sterbebett sagte er”, so erinnert sich Jelena Sergejewna: “Vielleicht ist es so richtig . . . was hätte ich noch nach dem ,Meister’ schreiben können?” In diesem Roman wird er sich seines Schicksals bewußt, so als betrachte er sich von außen, er rechnet mit dem Leben ab, mit den Feinden, und er tut es leicht, elegant, fröhlich.
Für Stalins 60. Geburtstag im Dezember 1939 soll Bulgakow ein den Führer verherrlichendes Theaterstück schreiben. Er weigert sich lange, gibt aber schließlich dem Druck nach und liefert das Stück “Batum” über Stalins revolutionäre Jugend ab.
Aber unverhofft wird eine ablehnende Äußerung Stalins bekannt; offensichtlich wünscht er nicht, die Aufmerksamkeit auf seine Jugend zu lenken, die er in einem Priesterseminar verbracht hat. Vielleicht befriedigt ihn allein die Tatsache, daß der ungehorsame Bulgakow das Stück über ihn geschrieben hat.
Das ist eine öffentliche Ohrfeige. Buchstäblich am Tag nach der negativen Nachricht beginnt er, das Augenlicht zu verlieren, er trägt eine schwarze Brille und verläßt überhaupt nicht mehr das Haus. Die in ihm schlummernde Krankheit (Nierensklerose) beginnt, sich dramatisch zu verschlimmern, und Bulgakow stellt sich als Arzt selbst die Diagnose. Er begreift, was ihm bevorsteht: Lähmung und ein langsames, qualvolles Sterben.
Der Roman, dem er die letzten Jahre gewidmet hat, muß beendet werden. Mit Mühe und Not diktiert er seiner Frau die letzten Seiten: “Oh, ihr Götter! Wie traurig ist die abendliche Erde! Wie geheimnisvoll brauen die Dünste über den Mooren! Wer durch diese Dünste irrte, wer vor dem Tode litt, wer über diese Erde hinwegflog, beladen mit überschwerer Bürde, der weiß das. Der Müde weiß es. Ohne Bedauern verläßt er die Nebel der Erde, ihre Sümpfe und Flüsse, und gibt sich leichten Herzens dem Tod in die Hände, wissend, daß nur er ihm Frieden schenkt.”
Schon als der Roman “Der Meister und Margarita” 1966 erstmals veröffentlicht wurde, dachten viele unserer Kollegen an seine Verfilmung; man stritt darüber, wer dazu in der Lage ist, wem diese Ehre gebührt. Andrej Tarkowski hatte den “Meister” in seine Pläne einbezogen, auch Federico Fellini dachte darüber nach. Die besten sowjetischen und internationalen Regisseure zerbrachen sich den Kopf darüber, wie die zauberhafte Magie der Werke Bulgakows auf der Leinwand in sichtbare Bilder umzusetzen ist.
Die mystische Einbildungskraft des Schriftstellers überstieg bei weitem die technischen Möglichkeiten des Kinos. Wie sollte man zum Beispiel eine über die Erde fliegende Frau aufnehmen, die wünschte, unsichtbar zu werden; wie sollte man einen großen, sprechenden, trinkenden und rauchenden schwarzen Kater darstellen?
Außerdem gab es drei völlig verschiedene Ebenen in dem Roman (die realistische, phantastische und religiöse), die von dem zukünftigen Regisseur ganz unterschiedliche Talente erfordern, die nur selten zusammentreffen.
Aber dennoch ließen sich die Filmleute auf die Herausforderung ein. In der UdSSR wurde der Impuls jedoch ziemlich schnell erstickt. Einer der damaligen Funktionäre, der für das Kino zuständig war, sagte sogar, solange die Sowjetmacht im Lande herrsche, werde dieser Roman nicht verfilmt.
Ausländische Versuche, den Roman zu verfilmen, mißlangen: Der Inhalt des Buches ging dabei verloren, und die Bemühungen, den phantastischen Teil des Themas darzustellen, scheiterten total. Auch die geringe Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse des sowjetischen Lebens in den dreißiger Jahren trug nicht zum Erfolg bei.
Hinzu kommt: Eine ganze Armee von Apologeten hat jede Zeile dieses Buches für absolut genial erklärt, das heißt für unberührbar. Kann man aber Kunst hervorbringen, wenn man auf den Knien liegt? Diese Frage hat Bulgakow selbst beantwortet, der die “Toten Seelen” des von ihm vergötterten Gogol recht frei inszenierte. Wir haben den gleichen Weg eingeschlagen. Als Überschrift zu dem Kinoprojekt “Der Meister und Margarita” könnte man schreiben: “Freie Phantasien über das Thema eines beliebigen Romans.”
Für das Abfassen des Drehbuchs haben wir fast zwei Jahre gebraucht. Wir wollten alles lesen, was der Autor auch gelesen hat, als er an diesem Werk arbeitete. Wir wollten sein ganzes Leben noch einmal durchleben, und für diese reiche Erfahrung sind wir sehr dankbar – unabhängig davon, ob unser Filmprojekt verwirklicht wird (es ist ziemlich unwahrscheinlich, schwierig und teuer).
Der Schriftsteller starb einen schweren Tod. Halb im Fieberwahn flüsterte er seine letzten Worte: “Don Quijote . . . Don Qui . . . jote”.
Don Quijote war Michail Bulgakows Lieblingsheld der Literatur. Uns scheint, auch er erinnerte an diesen Hidalgo. Nur die Mühlen waren zu seiner Zeit keine Windmühlen mehr.


HIER dieser Artikel als PDF dh. auch mit Bildern.

Der Text ist schon fast 30 Jahre alt, ich versuchte daher etwas über den Regisseur und seinen Bruder zu erfahren und nachzuprüfen, ob es den hier besprochenen Film gibt.

Elem Germanowitsch Klimow war ein studierter Flugingenieur und erst dann studierte er bis 1963 Filmregie. Bereits sein Diplomfilm Herzlich willkommen oder Unbefugten ist der Eintritt verboten erregte 1964 Aufsehen: Die in einem Pionierlager spielende Satire wurde zunächst kurz verboten, dann aber freigegeben und zu einem Publikumserfolg. Klimows international bekannteste Filme sind Agonia (1974/1981) über Rasputin und Komm und sieh (1985), eine düstere Parabel aus dem Zweiten Weltkrieg. Klimow war seit 1965 mit der Regisseurin und Drehbuchautorin Larissa Schepitko verheiratet, die 1979 während der Dreharbeiten zu ihrem Film Abschied von Matjora bei einem Autounfall ums Leben kam. Der Film wurde 1982 von Klimow vollendet.

German Klimow (geb. 1941) ist Drehbuchautor, der öftermal mit seinem älteren Bruder an dessen Filme gearbeitet hat. Man erwähnt aber weder bei einem Bruder, noch bei dem anderem den Film Meister und Margarita. 1994 wurde zwar von Yuri Kara ein gleichnamiger Film gedreht, beide Klimow Bruder werden aber nirgendwo erwähnt. Der Film selbst hat übrigens eine Geschichte, die an Terry Gilliams Film The Man, who killed Don Kichote erinnert. Mehr HIER.

Reblog: Yahya Hassan ist tot

#Walk_of_shame. Er ist schon vor ein paar Monaten gestorben. Wir haben es nicht bemerkt. Angeblich jede seine Zeile schrie! Wir haben ihn nicht gehört. Seine Gedichte waren sehr wichtig. Wir haben es nicht gewußt.

Matthias Wyssuwa

Er schrie mit jeder seiner Zeilen

Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH


Foto (c) Christoph Busse

Yahya Hassan schrie seine Leser mit jeder Zeile an. Jedes Gedicht seines Debüts wirkte, als schlage er wie wild um sich, und jeder Buchstabe war groß geschrieben. Es war ein gewaltiges und gewalttätiges Ereignis, und als sein selbstbetitelter Gedichtband 2013 erschien, wurde es für den Dänen zum Triumph.

Sein Schreien machte ihn berühmt, weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus. Nach kaum einem Jahr waren schon mehr als hunderttausend Exemplare des Buchs verkauft. Viel Glück brachte der frühe Ruhm dem Dichter aber nicht. Yahya Hassan wurde geschätzt und verstoßen, umworben und bedroht. Am Donnerstag wurde bekannt, dass man seinen leblosen Körper gefunden hat. Er wurde 24 Jahre alt. Ihren Nachruf auf Hassan überschrieb die dänische Zeitung „Politiken“ am Donnerstagabend mit der Zeile: „Yahya Hassans Tod ist kolossal schockierend, aber gleichzeitig schmerzlich vorhersehbar.“

Als Hassan berühmt wurde, war er kaum achtzehn Jahre alt, und sein Erfolg ist nicht zu verstehen ohne das Leben, das er bis dahin gelebt, die Zeilen sind nicht zu trennen von dem, was er erlebt hatte. Er war eben nicht nur ein talentierter Lyriker mit einer verkorksten Kindheit, er war auch das Migrantenkind aus dem Problemviertel, das herausschrie, was viele so noch nicht gehört hatten.

Hassan wuchs als Sohn palästinensischer Einwanderer in Aarhus auf, in einem schwierigen Viertel mit sehr hohem Ausländeranteil. Seine Kindheit war geprägt von Gewalt und Ängsten, früh schon wurde er als Kleinkrimineller auffällig und landete in Heimen. Dort fing er an, Gedichte zu schreiben, und sein Schreibtalent fiel bald auf. Er wurde gefördert. Mit einer fast vierzig Jahre alten verheirateten Betreuerin fing er eine Beziehung an, auch das sollte im Drama enden. Auch darüber sollte er in seinen Gedichten schreiben.

Was Hassan aber vor allem schrieb, ermöglichte einen Einblick in die Welt von Migranten, wie man ihn noch nicht kannte. Dänemark hatte lange keine Worte gefunden, um über das zu reden, was in manchen Vororten und Einwanderervierteln passierte. Dann kam eine rechtspopulistische Partei und nutzte die Sprachlosigkeit Anfang der zweitausender Jahre, um mit scharfer Rhetorik den Aufstieg zu schaffen.

Als Hassan dann sein Buch veröffentlichte, redeten viele oft mit erstaunlichen Härte über die Probleme von Integration und Einwanderung. Nur nicht jene, die in den Problemvierteln lebten. Aber Hassan erzählte nicht nur davon, wie er mit seiner Familie in seinem Viertel die Dänen und den dänischen Staat kennengelernt hatte. Vielmehr attackierte er unerbittlich die Einwanderergeneration seiner Eltern. Er berichtete von Gewalt in seiner Familie („Wenn mein kleiner Bruder ins Bett gepisst/ hatte/ wurde er mit Faustschlägen geweckt“), von Rückzug und Integrationsverweigerung: „Dann flüchtete Dein Vater von Flüchtlingslager/ Und dann flüchtet mein Vater von/ Flüchtlingslager/ Und dann unsere Väter verwandeln/ Dänische Blöcke in Flüchtlingslager/ Sie holen unser Großeltern/ Unser Onkel und Tanten/ und kriegen sie alle Sozialhilfe“, schrieb er, oder: „Er ist muslimisch verheiratet lebt aber/ getrennt für die Kommune/ damit seine Frau für das Sozialamt/ alleinerziehende Mutter ist.“ In einem Gedicht mit dem Titel „Du kommst in die Hölle mein Bruder“, verdichtete er das alles zu den Zeilen: „Ich liebe euch nicht Eltern ich hasse euer/ Unglück/ Ich hasse eure Kopftücher und Eure Korane/ Und eure analphabetischen Propheten.“

Sein Debüt wurde begeistert aufgenommen, die Kraft seiner Sprache gelobt, und natürlich wurde sein Werk auch politisch diskutiert. Er selbst verweigerte sich der politischen Integrationsdebatte, aber sollte sich später doch bei einer kleinen Partei engagieren, die eine Stimme für Migranten in Dänemark werden wollte, aber den Einzug ins Parlament verpasste. Hassan war aber nicht nur plötzlich eine Berühmtheit, er war auch ein Verstoßener. Er wurde nicht nur von Muslimen in Dänemark für seine Darstellung von integrationsunwilligen Einwanderern kritisiert. Er wurde bedroht, er wurde von einem Islamisten angegriffen, er erhielt Personenschutz. Er machte aber auch Schlagzeilen mit seinem Drogenkonsum, und 2016 wurde er zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, weil er ein junges Bandenmitglied angeschossen hatte, von dem er sich bedroht gefühlt hatte. Im vergangenen Jahr erschien „Yahya Hassan 2“. Er saß im Gefängnis und auch in der Psychiatrie. Am Mittwoch 29. April 2020 wurde seine Leiche in seiner Wohnung in Aarhus gefunden.

Barataria Britz 2020

Ela Kargol, Ewa Maria Slaska, Krystyna Koziewicz

Seit es in Berlin die Quarantäne gibt, gehen wir am Wochenende meistens zu dritt, seltener zu zweit, spazieren, jedes Mal woanders hin. Das Wetter spielt mit, April und Mai 2020 sind schön, auch wenn manchmal windig. Der Himmel über Berlin war seit Jahrzehnten nicht so sauber und klar gewesen, so strahlend blau.

Am Sankt Andreas Tag (16. Mai) gingen wir in den Stadtteil Britz, bekannte Gräber (Gräber der Bekannten) zu besuchen und fanden… Barataria.

Auf dem Friedhof hinter der U-Bahn-Station Grenzallee liegt Witold Kamiński, paar Kilometer weiter südlich, im Parkfriedhof Neukölln – Prof. Stanislaw K. Kubicki.

Beide Verstorbene waren Freunde, beide – wichtige, bescheidene Menschen, so eine heutzutage seltene Eigenschaftzusammensetzung. Beide, um die Wörter von Ernst Wiechert zu benutzen, legten ihre Hände auf der Oberfläche der Wirklichkeit, beide haben tiefen Spuren hinterlassen. Professor Kubicki war Gründer der Freien Universität Berlin, Witold Kamiński – des Polnischen Sozialrats, einer der wichtigsten Selbsthilfeorganisationen der Polen in Berlin. Beide waren gute, offene, tolerante, helle Menschen gewesen. Um die Beiden haben wir geweint und sie fehlen uns, werden immer fehlen. (20191027_tsp_Todesanzeigen für KundK).


Der Parkfriedhof Neukölln liegt neben einer schönen Windmühle. Bei der Mühle steigen wir aus dem Bus aus.
Ja, sagt Ela, Barataria. Ich stimme zu. Barataria ist in unseren Gesprächen und auch auf diesem Blog seit langem keine Insel-Stadt mehr, wo Sancho Pansa zehn Tage als Gubernator wirkte, sondern ein Platz egal wo für Don Quijote.
Ja, es ist eine wunderbare Barataria. Ruheinsel mitten in der Stadt. Ungemähte Gras. Schafe auf der Wiese. Blühende Büsche. Eine alte hölzerne Windmühle, wo man immer noch (oder wieder?) das Mehl herstellt und den Beruf Müller erlernen kann; die nächsten Kurse beginnen Ende August; es gibt noch Plätze frei.

Wir gehen in den Parkfriedhof, eine Friedhofsanlage, die sich in der Gestaltung am Konzept des englischen Landschaftsgartens orientiert und die man seit Beginn des 20. Jahrhunderts überall in Europa errichten ließ. Der Parkfriedhof Neukölln ist groß und sehr unterschiedlich gestaltet, er fasst 202.180 m² um. Er ist ziemlich jung, wurde erst 1949 angelegt. Bemerkenswert, schreibt Wikipedia, sind die auf dem Friedhof weitläufige parkähnliche Gesamtanlage, die Skulptur der Persephone von Max Kruse, ein Zierbrunnen und fünf bildhauerisch aufeinander abgestimmte Schöpfstellen mit Skulpturen.

Wir wissen noch nicht, dass sich in der Friedhofsanlage die große Barataria vom Außen in kleiner Skala wiederholen wird. Kleiner und bunter als die große.

Wir sollten es aber schon geahant haben, als wir bei dem Eingang eine Leserin trafen. So ist es jetzt in Berlin. Es gibt in der Stadt 270 Friedhöfe, alte und neue, historische und moderne, aber allesamt schön und an schönen Tagen zum Relaxen, Lesen, Träumen einladend.

Liest die holzerne Leserin den Don Quijote? Möglich ist es. Zum Britzer Mühle ist es doch von ihr nur einen Hasensprung. Und siehe, ihr gegenüber gibt es auch ein Grab, an dem der Grabstein sichtlich aus dem Mühlstein gefertigt wurde. Dass es nicht das Grab von Don Quijote ist…

Erst gehen wir aber zu der Wiese, wo Herr Professor beerdigt wurde. Quartal 27.

Liegt er hier, wo die Kerze steht? Das wissen wir nicht, ist es aber doch ganz unwichtig. Wir sind zu ihm gekommen und das weißt er, dessen sind wir uns sicher. Seien Sie gegrüßt, Herr Professor.

Nicht weit von der Wiese, wo Herr Professor begraben liegt, hat jemand eine Stelle für Kindergräber entworfen. Ein Ort der Farben und, ja, Fröhlichkeit. Solche Kinder-Grabfelder sind in Berliner Friedhöfen allerorts zu finden. Offensichtlich hat es irgendwann Jemand (ein Psychologe vielleicht) entdeckt, dass (vielleicht) eine Trauerarbeit um das Kind besser gelingt, wenn die Trauernden nicht in ein tiefes schwarzes Loch gestürzt sind, wenn um sie herum etwas optimistischer vorgeht. flyer_sternenkinder

Hier wiederholt sich alles: Es gibt ein kleines Palais (das von der Fürstin und den Fürsten, die Sancho Pansa zu Gubernator auf der Insel Barataria machten?)
Kleine gewundene Steinwege, hie und da mit bunten Kachelsteine inkrustiert, ganz im spanischen Stil, führen zu den Thronsesseln für die Fürstin und ihren Herr Gemahl. Mitten in einer Steinspirale steht ein Windrad, um ihn herum sind kleine Gräber voller bunter Windräder platziert, dahinten auf der Wiese stehen farbige Schafe. Heute sind sie pastellfarben, aber auf einem Foto aus dem Flyer sieht man, dass sie Mal starke, kräftige Farben hatten.

Nebenan fotografieren wir auf einer hölzernen Bank zwei alte Kuscheltiere. Ich schaue sie an und denke, dass der Dünne, der links liegt, vielleicht im depressiven Zustand, Don Quijote ist und der dicke, zufriedene – Sancho Pansa. Im Buch ist Barataria ein einziger Zeit-und-Raum, wo die Beiden getrennt sind. Hier sind sie wieder zusammen, einer leidet für die Welt und der Andere (eine Katze ist es) passt wachsam auf, dass dem Traurigen nicht passiert. Pass auf uns auch, Sancho Pansa.

Frauenblick: Prag 6

Monika Wrzosek-Müller

Prag immer wieder und noch immer!

Die Wege zu manchen Parks in Prag werden sich in mein Gedächtnis einprägen: mit der roten 18 oder der kurzen 2 nach Letna, mit der alten 22 nach Petrin und mit der meist modernen 20 nach Divoka Sarka, mit der 17 zur Stromovka oder in die anderen Richtung nach Visehrad, allesamt Straßenbahnlinien. Unterwegs ein Meer von soliden alten Bürgerhäusern mit differenzierten, sehr verschiedenen Fassaden, meistens in gutem Zustand, in allen Architekturstilen. Ab und zu ragen wunderschöne Türme, Kuppeln, Dächer von Klöstern, Kirchen, Theatern auf. Die Zahl der Theater ist unendlich; fast jedes Viertel hat nicht nur eins, meistens sind es mindestens zwei; eines für das tschechische Publikum das andere (früher) für das deutsche, und manchmal sogar für das jüdische und sie heißen nicht Theater, wie in fast allen europäischen Sprachen, sondern divadlo (was in der slawischen Sprache leicht zu erklären ist: dziwować się, patrzeć: sich wundern, schauen). Das mit der großen Zahl gilt auch für die Friedhöfe; Friedhofsmauern und -tore laufen an vielen Straßen entlang, manche bilden nur noch Oasen des Grüns und werden nicht mehr genutzt, es sei denn zum Verweilen und Ausruhen, manche sind inzwischen Teil von Museen. Die Fassaden der Kirchen, oft in die Fluchtlinie der Straße eingegliedert, doch mit bewegten, wellenförmigen Ornamenten sind eine gute Unterbrechung, damit das Auge wieder konzentriert betrachten kann. Es gibt auch enorm viele Denkmäler, neben den alten bronzenen menschlichen Gestalten zu Pferd oder auch sitzend, auf einem Sockel stehend, kommen neuere Skulpturen auf kleinen Plätzen, neben einem Gebäude, vor einer Kirche; sie signalisieren meistens: wir denken noch daran, immer, immer wieder. So zum Beispiel das Denkmal für die Opfer des Kommunismus; aber auch so viele ganz moderne Skulpturen im weitesten Sinne (wie die von Cerny) habe ich bis jetzt in keiner anderen Stadt gesehen. Es gibt sogar ein Lapidarium, in dem alle nicht mehr aufgestellten Skulpturen und Denkmäler versammelt und aufbewahrt sind. Ja, eine Stadt, die über so viele Jahrhunderte kontinuierlich gewachsen ist und das meiste erhalten und gepflegt hat, gibt es in Europa mit allen seinen Kriegen wirklich selten.

In dieser Stadt laufe ich jeden Tag herum, betrachte Fassaden, Denkmäler, Straßen und grübele, wie das Leben wohl früher hier aussah. Das ist ganz nah und greifbar und eigentlich leicht vorstellbar, doch vieles oder auf jeden Fall einiges ist auch auf ewig verschwunden. Das ganze jüdische Leben ist zum Beispiel zu einem musealen Komplex in Josefov-Viertel geworden, in Corona-Zeiten regt sich da nichts mehr. Die hier lebenden Juden wurden mehrmals auch in früheren Zeiten vertrieben, von Maria Theresia 1744, später durften sie ihr Handwerk oder ihren Beruf ausüben, doch kein Eigentum erwerben. Nach 1849 wurde das Ghetto allmählich aufgelöst und wegen des schlechten Zustandes und mangelnder Hygiene aufgrund der Assanierungsgesetze von 1893 völlig neu errichtet und später der Stadt als Josefov-Viertel eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind nun die alten Bewohner völlig verschwunden, zu denen auch die deutschen Bewohner dieser neu entstandenen prächtigen Bürgerhäuser zählten. Geblieben sind nur die alten Synagogen und der alte Friedhof als museale Objekte; einzig die Jerusalemer Synagoge wird noch für religiöse Zwecke genutzt; die heutige jüdische Gemeinde ist winzig. Fast jeden Morgen schaue ich mir auch vier Stolpersteine, die um die Ecke unserer Wohnung in das schöne Pflaster aus kleinen hellen Granit- und Marmorsteinchen eingelassen sind, sie zeugen von der Abwesenheit.

Mein Kopf geht manchmal in den schmalen, engen Gassen seinen eigenen Weg, verlässt die umgebende Realität. Seit Tagen sitze ich und übersetze Texte für einen Sammelband über die Entwicklung des Regionalismus in Polen. Die Entstehung dieser historischen Teildisziplin ist mir eher schleierhaft, aber manchmal werde ich durch diese Texte mit eigenen Erinnerungen konfrontiert. Einer der Texte handelt von der Herausbildung der Subregion Gorce-Gebirge neben der stark autonomen und folkloristisch interessanten Region Podhale. Da werde ich in die Vergangenheit katapultiert; als Kind fuhr ich nämlich jahrelang in die Gorce-Region: Rabka-Zdrój, Rabka Zaryte, Chabówka etc… das kleine Flüsschen Białka. Meine Großmutter konnte sich nicht in höheren Bergen aufhalten und so wurde die Familie nach Gorce gelenkt. Meist gleich für zwei Monate mieteten meine Eltern eine richtige Bauernhütte; ich erinnere mich an das Entsetzen meiner Oma, als wir das erste Mal in Rabka-Zaryte ankamen und das Häuschen sahen, in dem wir wohnen sollten, ein gemeinsamer Flur sozusagen für Mensch und Tier. Wir sollten auf der einen Seite, die Tiere auf der anderen Seite hausen. Ich erinnere mich an die laut summenden dicken Fliegen, und an den Geruch, um nicht zu sagen den Gestank. Meine Oma kämpfte resolut und mit allen Mitteln mit der Bäuerin und die Tiere wurden verlegt, die beiden Räume, in denen wir wohnen sollten, noch schnell geweißt. Wir blieben die ganzen zwei Monate der Ferien in den Bergen, zuerst mit der Oma, was mich am meisten freute und mir lieb war, dann kam noch meine Lieblingstante dazu, um in das Dorfleben eingeführt zu werden, meine Oma reiste ab, zum Schluss kamen meine Eltern und manchmal auch irgendwelche Freunde mit ihren Kindern. Auf den Fotos aus der Zeit sehe ich wie ein kleiner Junge aus, mit ganz kurzen Haaren und einem komischen Pony, ganz hoch, kurz geschnitten, ich fürchte von der Hand meiner Mutter; neben mir meine Schwester und zwei oder drei andere Kinder, dazu kamen dann auch oft noch die Kinder aus dem Dorf. Für uns waren das immer ganz tolle Ferien, mit verschiedenen Tieren, mit viel Auslauf und Freiheit, mit ganz anderem, fast exotischen Leben; wir lernten Butter schlagen in hohen hölzernen Gefäßen und hatten jede ein eigenes Küken, das mit der Zeit wuchs und später verspeist werden sollte, was aber jedes Mal mit einem Drama endete. Man musste Wasser aus dem Brunnen ziehen und auf einem alten Holz- oder Kohleofen heiß machen, damit man kochen konnte. Später gab es zum Wasserkochen große, kleine und mittlere Tauchsieder. Wir tobten in den Scheunen herum, gingen auf die Wiesen, um auf die Kühe aufzupassen, sammelten Eier, die die Hühner irgendwo auf dem Gelände gelegt hatten. Zum ersten Mal sah ich ganz kleine Küken, die gerade aus dem Ei geschlüpft waren. Nach Warschau kamen wir braungebrannt, gestärkt und meistens voller Läuse zurück. Dass diese Gegend so einen Aufschwung nehmen und zum Touristenmagnet werden würde, hätte ich nie gedacht. Natürlich fuhren wir wegen der guten Luft, der günstigen klimatischen Lage dorthin, aber auch und vor allem weil es da sehr preiswert war.

Mein Vater kam meistens nur für zwei Wochen dazu und nach ein paar Tagen ging er wandern. Er nahm seinen alten, rundlichen Stoffrucksack, mit zwei aufgesetzten Taschen mit ledernen Verschlüssen, und verschwand für zwei, drei Tage; es hieß, er würde den Turbacz besteigen, den höchsten der eigentlich ziemlich niedrigen Berge da. Er kam meistens voll von Erlebnissen aus dem Wald zurück, überwältigt von der Natur und den Ausblicken auf die Tatra-Gipfel; oft, das gab er auch freimütig zu, hatte er sich verlaufen, denn es gab keine vorgezeichneten Routen. Einmal hatte er eine Begegnung mit einem Luchs, der ihn den ganzen Nachmittag verfolgte und sich gegen Abend auf ihn stürzen wollte; und wohl hat er das auch getan, denn mein Vater kam mit Schrammen an Armen und Händen zurück und meine Mutter schimpfte, dass er sich solchen Gefahren aussetzte. Ich jedoch fand es fantastisch und stellte mir immer wieder vor, wie sich das abgespielt haben mochte.

Wir waren ganz in das Dorfleben integriert, spielten in der Scheune im Heu, gingen mit den Kühen auf die Weide, sangen mit den Dorfkindern Lieder; während der Ernte halfen wir, so gut wir konnten, und fuhren abends auf den hohen Heuwagen mit der ganzen müden Mannschaft nach Hause zurück. Wir gingen alle mit Eimern Blaubeeren und Himbeeren pflücken, am Ende des Aufenthalts auch Pilze sammeln. Pilze wuchsen zu Tausenden in der Gegend, man musste sie nicht besonders suchen, manchmal schnitt man sie mit einer Sichel (die Reizker und die Butterpilze), man stolperte über sie und wollte sie irgendwann gar nicht mehr sehen.

Diese Welt, so lese und übersetze ich, ist verschwunden; die Region hat sich herausgemacht, ist touristisch voll erschlossen. Man kann Appartements mieten oder im Hotel wohnen. Natürlich ist es gut, dass es den Menschen dort besser geht, doch ganz viel von dem authentischen Leben, dem aus meiner Erinnerung, ist weg. Eigentlich, denke ich, müsste man auch bestimmte Lebensformen wie die alten Denkmäler konservieren, erhalten, damit wir sehen können, wo wir waren und wohin wir gegangen sind und welche Entwicklungen dabei wirklich positiv waren.

Zurück zu Prag, die Stadt nutzt die Zwangspause und bessert alles aus: die Fassaden, die Straßenbahnschienen, die Trottoirs, die Gärten; auch viele Restaurants renovieren ihre Innen- und Außenräume, auch manche Museen sind mit Gerüsten versehen. Doch eigentlich, so geben auch unsere hiesigen Freunde zu, ist die Stadt jetzt schöner und zugänglicher mit der deutlich reduzierten Zahl an tobenden Menschenmassen; wäre das nicht ein guter Ansatz etwas zu ändern.

Mama, Rysia, Marx

Wenn es Pandemia nicht gegeben hätte…

Ewa Maria Slaska
Mein Leben kann man in
drei Phasen aufteilen, eine für Mama, eine für Marx und eine für Rysia.
Zufälligerweise sind sie alle drei am 5. Mai geboren: 1818 / 19
18/ 2018

– Mein Leben, sagte ich zu Marx, ist ganz genau der rechte Handschuh des Buches von deinem Freund, der Friedrich von Engels.
– Er war kein „von“. Ich war es. Und meine Frau.
– Egal. Er schrieb ein Buch, unter dem Titel: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats. Und bei mir war es gerade umgekehrt: Der Verlust der Familie, des Privateigentums und des Staats.

Kapitel Eins. Mama oder der Ursprung der Familie.

Du bist eine schreckliche Hexe, sagte meine Mutter, kein Mann wird dich je heiraten wollen.
Ich bin sechs. Verstehe kaum, was sie sagt, aber die Drohung ist unverkennbar.
Was habe ich getan, dass sie mir sowas sagte?

– Eee, sagt Rysia. Unwichtig. Einfache kolloquiale Übertreibung.

Der Tag liegt über 60 Jahre zurück. Es gab noch keine kleine Hexe namens Bibi Blocksberg, noch keine sympathischen Drachen, Vampire und Magier. Man brauchte noch Jahrzehnte, um die Kraft einer Hexe zu entdecken und sie zum Symbol der Frauenbewegung zu erheben. Ich war ein Kind. Eine Hexe war ein Schreck. Alles, wovon wir in der Märchenwelt umgeben wurden, war schrecklich, egal ob es die Gebrüder Grimm waren oder Andersen. Die kleine Sirene verliert lange Haare und Stimme, um die Liebe des Prinzen zu gewinnen. Die Hexe sagt ihr, dass sie zwar jetzt wunderbare Beine hat, aber mit der Liebe ist es so, dass man nie sicher sein kann, ob man geliebt wird. Und sie wird nicht geliebt. Sie steht im Schloss in einer dunklen Ecke und schaut zu, wie der Prinz eine Usurpatorin heiratet. Dich wird man nicht heiraten, kleine Sirene.
Und die Beine tun dir weh.
Deine Beine bluten.

Das Mädchen, das auf das Brot trat, ist auch von Andersen. Sie wollte tanzen gehen in ihren schönen roten Schuhen, und wollte sie nicht schmutzig machen. Sie musste durch einen Sumpf. Schnell holte sie das Brot aus ihrer Tasche, schmiss es in den Schlamm, und Hop, dachte sie, schon bin ich auf der anderen Seite. Aber nein. Sie versank in den Moorgrund und kam zur Moorfrau hinunter, die dort braut. Das sieht man, wenn die Wiesen im Sommer dampfen. Es ist schrecklich in der Brauerei der Schlammhexe, es ist eine stinkende Schlammgrube! Du wirst später selber eine Schlammhexe, Mädel. Man wird dich nie heiraten wegen deiner Füße in roten Schuhen.

– Hej, faucht Rysia. Schmeiß deine roten Schuhe weg.

Natürlich noch Aschenputtel. Beine, Füße, Schuhe, Blut, Prinz. Im Märchen wird er dich heiraten, aber im wahren Leben heiratet er eine von deinen Halbschwestern, die, die sich die Zehen abgehackt hatte, oder eh die, die ihre Fersen abhackte. Ihre Füße bluten, man wird dich nicht heiraten.

Och ja, klar, auch Rotkäppchen.

– Na, sagt Rysia, was sucht sie hier? Ihre Beine sind ganz in Ordnung. Und ihr Blut steckt ganz symbolisch im Rotkäppchen.

Man hackt auf dich ein, kleines Mädchen, deine Füße bluten. Du stehst in einer dunklen Ecke hinter dem Weihnachtsbaum und betest darum, dass dich niemand zum Tanzen auffordert. Du bist sieben. Deine Mutter hat dir ein Kleidchen gemacht, indem sie ihr Kleid grob abgeschnitten hat. Man sieht die Nähte ganz genau, jeder Stich ist so lang wie Mamas Finger. Mama hat sich mit der Nadel in den Finger gepiekt. Man sieht es nicht, aber auf dem Kleid ist Blut. Und du bist eine Hexe.
Hexe, Blut, Beine, Schuhe, Prinz, das wird gebraucht, um zu heiraten.
Aber siebenjährige Mädchen heiraten noch nicht.

Wir waren beide im Zimmer und standen neben dem Bücherregal. Mama in der Hocke, ich neben ihr stehend. Was habe ich damals getan, dass sie mir so etwas sagte? Seit Jahren versuche ich meine Unfähigkeit, mich daran zu erinnern, durchzubrechen, einen Schritt tiefer in die verlorene Zeit zu machen, nur eine Minute früher. Diese eine Minute.

Na, sagt Rysia. Lass die Minute sein. Es war eh eine Prophezeiung und keine Bedrohung. Du wolltest nie heiraten. Ja, wohl hast du es getan, aber dann biste weg, du warst weg, du wolltest es nicht und jetzt lebst du allein, das heißt mit mir, natürlich, und sagst immer selber, dass du so zufrieden bist, wie nie in deinem Leben.
Und rote Schuhe sind rote Schuhe. Und rote Socken sind rote Socken. Und eine Rose ist eine Rose.

Es gibt noch eine Frauengeschichte mit Blut. Eine Frauentag-Geschichte. Eine Frau sticht sich in den Finger. Die Frau bin ich, noch klein, aber in einer kleinen Frau steckt schon immer die zukünftige große Frau. Ich war acht Jahre alt, und ging zu einem Ballettkurs. Wir tanzten eine einfache Tanzszene. Zuerst gingen wir, Mädchen in weißen Ballettkleidchen, paarweise quer über die Bühne, als ob wir die Blumen sammelten. Dann kamen von der anderen Ecke Jungs in Leinenhosen und taten so, als ob sie uns erschrecken wollten. Wir liefen rum, die Jungs hinter uns, dann aber war klar, dass es nur ein Scherz war, wir bildeten einen Kreis, Mädchen, Junge, Mädchen, Junge, hielten uns fest an den Händen und tanzten im Kreis, schneller, schneller, schneller…

Einmal im Jahr tanzten alle Ballettkinder in der Oper, wir also mit unseren Wiesentanz auch. Der Ballettlehrer hat uns tausend Mal ermahnt, dass wir unsere Kleidchen schneeweiß waschen müssen und dann glatt und glänzend bügeln. Unsere Ballettschuhchen müssten auch schneeweiß sauber gekriegt werden, genauso wie Slips, die unter den kurzen Kleidchen hervorzulugen hatten. Es ist schwer zu begreifen, aber 1957, in der Volksrepublik Polen, war es fast unmöglich, diese Forderungen zu erfüllen. Es ist mir heut nicht klar, weshalb ich mich um mein Kostüm selber kümmern musste. War aber so. Plötzlich war es Frauentag und ich musste mich für die Matinee in der Oper fertig machen. Es geschah, wie es geschehen musste. Das Kleidchen war zwar vielleicht nicht schneeweiß, aber doch weiß, sauber und glatt gebügelt, die Schühchen waren ebenfalls eher eierschalen- als schneeweiß, aber irgendwie würde es gehen. Aber es gab KEINEN Slip! Keinen Slip! Keinen Slip! O Gott, was jetzt? Zur Erklärung: das, was in den Frühfünfzigern in Polen ein Mädchen an normalen Tagen trug, waren so genannte „Reformen“, Baumwollhöschen, meistens rosa. Zig mal getragen und ausgewaschen. Nirgendwo ein Slip. Nicht im Schrank, nicht im Wäschekorb. Dort aber finde ich weiße Nylonslips meiner Mutter. Sie sind ungewaschen, ja, und viel zu groß, ja, aber mindestens weiß und gleißend. Ich hole mir mein Nähzeug, und ruck zuck mit großen langen krummen Stichen nähe ich mir aus Mamas weißen Slips so etwas wie Mädchenslip für mich. Ich muss mich beeilen, es ist schon spät, gleich muss ich losrennen. Den letzten Stich ziehe ich durch meinen Finger! Ich reiße mich im Schreck hoch, zerreiße die Haut, Blut tropft auf… och… Gott sei‘s dank, Blut tropft auf den Fußboden und nicht auf meine hervorgezauberten Slips. Ich binde ein Taschentuch um meinen Finger, packe ein, binde mir ein weißes Tuch um die Haare und bin schon auf der Straße, laufend, so schnell ich kann.

Ich komme als Letzte, eine der Mutter entdeckt meinen blutenden Finger, klebt mir ein Wundpflaster um, zupft am meinem Haartuch, und schon stehen wir hinter der Bühne und warten auf unseren Auftritt. Vor uns sind noch die Kindergarten-Kinder und Erstklässler, die einen dummen Zwergentanz tanzen, nicht so wie wir, schon große schöne Mädchen, die einen lieblichen schönen Wiesentanz tanzen werden… Schöne Prinzessinnen, leicht wie Elfen…

Jetzt tanzen wir … Wir beugen uns, um die schönen Blumen zu pflücken, irgendein Mozart fließt von oben auf uns, tin tin tin tin, tanzen wir auf unseren Satinpointe-Schuhchen, hier so eine schöne Blume, und da noch eine und mein Slip beginnt sich aufzulösen… Ich höre es durch den Mozart sehr deutlich … Auf dem linken Pobacken. Schon kommen die Jungs, wir laufen weg, tirlirirlilalallala, weg in den Wald, die Jungs kommen näher, hop hop hop, Mädels lauft, laufe du Schöne, laufe Fraulein, Schmetterlinge kommet näher… Wir drehen uns, lach lach lach lacht die Musik, lach lach lach lachen die Mädchen über den Scherz, lach lach, meine Slips knistern auf dem rechten Po… Wir halten Händchen und tanzen schneller, schneller bis meine Slips, schon total zerissen, mir vom Po nach unten fließen und ich stolpere um sie, falle mit der Nase auf den Boden. Shame auf meinen Po. Ich hoffe, ich sterbe. Dong! Der ganze Kreis zerreißt, mehrere von uns fallen auf den Fußboden. Vorhang. Ende Gelände. Ich werde nie wieder auf der Bühne tanzen, keine Primaballerina werden.

So verliert man die Familie und ist allein auf der Welt. Sie können heftig wie sie wollen auf mich wirken, sich um mich drängen, mich umarmen mit ihren Judasumarmungen, ich habe keine Familie, keine, die mir Halt und Hilfe versprechen kann im Angesicht der Gefahren der weiten großen, schrecklichen Weltbühne. Egal wie schön sie immer wieder Mozart spielen mögen, ich werde ihnen allen nie mehr glauben… Sie haben mich alleine gelassen. Sie taugen als Familie nichts. Ende des Kapitels Eins.

Oder nein, noch nicht. Noch eine Bemerkung. Daher habe ich ja auch keine gute, feste, ewighaltende Familie gründen können.

Jetzt aber. Ende des Kapitels Eins. Verlust der Familie.

Kapitel Zwei. Marx oder der Ursprung des Privateigentums.

Man hatte in Polen gar nichts. Ich noch weniger als die anderen, weil meine Eltern keinen Wert auf das Materielle legten. Das sagten sie immer wieder und waren stolz drauf, Grashüpfer sein, keine Ameisen. Das hieß in der Praxis, dass meine Freundinnen aus der Schule Mama und Papa fragen konnten, ob sie ihnen etwas kaufen. Eine Jacke, einen Rock, Schuhe. Ich nicht. Ich trug immer etwas von den Älteren, etwas Abgelegtes, Nicht-Gewolltes. Das letzte woran ich mich erinnere, das für mich gekauft und genäht wurde, ist eine wollene Jacke, gemustert Dunkelblau und Schwarz. Da bin ich vielleicht zwölf gewesen. Sonst nie etwas Neues. Nie. Einmal, fragte ich, ob ich neue Handschuhe bekommen kann, meine sähen nämlich schrecklich kindisch aus. Nein, sagt Papa, es gibt kein Geld für neue Handschuhe, nur weil sie schrecklich aussehen. Ich hab selber gar keine.

Das prägt für immer. 60 Jahre später, ohne darüber nachzudenken, bin ich sofort im Stande das Prinzip Zero-Waste anzunehmen und zu wissen, dass ich bis Ende meines Lebens NIE MEHR etwas kaufen werde. Das macht mir nichts aus. Ich lernte es, als ich zehn war. Die Handschuhe waren mein letzter Versuch. Seitdem werde ich nie mehr drum bitten, dass man mir etwas kauft. Ich wachse in dem zu langen Mäntel und den zu engen Schuhen auf, in schlecht angepassten Klamotten. Seit dem Vorfall mit dem Slip für den Ballettauftritt versuche ich auch nie mehr, etwas für mich zu nähen.

Nie werde ich von alleine Shopping machen. Klamotten sind ja in Polen auch schlicht miserabel. Also kein Geld da, wenn aber doch, dann gibt es sowieso nichts, was man kaufen wollte. Da ich aus Danzig komme, einer Hafenstadt, hatte ich (rein theoretisch) noch eine andere Option, an Klamotten zu gelangen, nämlich die von Seemännern aus dem Ausland mitgebrachte, was dem Neckermann-Katalog-Angebot der 70ger entsprach. Die Dinge kamen zu einem entweder unter dem Tisch oder in den gesetzlich zugelassenen privaten Läden, die Komis hießen. Im Komis nahm man die Ware nur zum Provisionsverkauf. Die Dinge waren sündhaft teuer. Nur eine meiner Schulkameradinnen hatte solche Klamotten, die ihr ihre reiche Tante kaufte. Aber eine reiche Tante war eine seltene Ware. Ich hatte zwar auch eine, die wohnte aber in Australien. Etwa zweimal im Jahr schickte sie uns große Pakete voller Kleider und der Tag wenn Mama, meine Schwester und ich die Pakete öffneten, war ein buntes Fest fürs Leben in der grauen Wirklichkeit des kommunistischen Polens, aber die Kleider selber taugten für Nichts. Riesige raschelnde Taft- und Tüllballkleider, grosse Strickjacken, Kostümchen für Mitvierzigerinnen, die um vier oder fünf Konfektionsgrößen grösser und breiter waren als ich.

Als ich in den Westen kam, wiederholte sich die Situation. Zuerst hatte ich kein Geld, und als ich endlich an Geld kam, waren erst alle Dinge nie so, wie ich sie tragen wollte. Dazu kam noch ein mulmiges Gefühl, eine Art Gewissensbisse, als ich das Geld für mich selber ausgab. Mindestens zehn Jahre dauerte es, bis ich endlich ohne Probleme in einen Laden gehen konnte, um mir ein Kleid zu kaufen. Allmählich waren die Klamotten auch angenehmer, sahen nicht so verdammt steif und kleinbürgerlich aus, es kamen Boho-Looks, Ethno-Looks, Second-Hand-Looks, Urlaub-in-Toscana-Looks und was auch noch alles, bald aber wurden sie durch Billigzeug aus Indien, Pakistan und China ersetzt. Tand, Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand, schrieb Fontane. Tand, Tand, Tand. Aus dem Gefühl, dass alles Tand ist, erwuchs selbständig, unabhängig von Moden und Trends, die Entscheidung, dass die Klamotten für nichts taugen.

Sie sind mir zum Symbol geworden, Symbol für Alles, was man wollen könnte und nicht hatte, um dann festzustellen, dass man es auch nicht braucht. Haus – um Gotteswillen! nur zum weglaufen. Auto! Kein Führerschein, wie praktisch. Fahrrad – dito, nicht zu gebrauchen von Jemanden, der nicht Fahrrad fahren kann. Bücher – sind doch Bibliotheken da und Bücherstände auf dem Flohmarkt. Möbel, Tand Tand Tand ist alles von Menschenhand.

Und endlich ein Zitat, das zu mir passt. Das hilft unendlich. Was braucht ein Schriftsteller? Nicht viel, viel weniger als jeder andere, Bett, Tisch, Stuhl, Bücher vielleicht und ein bisschen Geld für Reisen, um die Welt zu sehen. Gott sei gedankt, dass ich eine Schriftstellerin bin.

Was für ein wunderbares Prinzip. Ja, Marx, im Allgemeinen geht es mir um soziale Gerechtigkeit, im Grunde aber, um das Prinzip, teilen zu können. Für Leute kann es schwer sein, zu teilen. Für mich nicht. Ich kann alles teilen, alles weggeben.
Was kann aber derjenige teilen, der nichts hat und nie den Sinn entwickelte, etwas zu besitzen?!

Ende des Kapitels zwei. Verlust des Privateigentums.

Kapitel Drei. Rysia oder die Entstehung des Staats.

Denken Sie bitte nicht, dass ich meinen Staat Polen verloren habe, als ich im Januar 1985 mit einem Koffer in einer Hand und mit der zweiten die Hand meines Sohnes haltend, einen Zug aus Danzig nach Berlin Ost bestieg.

Ich emigrierte, aber der Staat war da. Überhaupt und für mich. Ich wusste nicht, dass es so ist, aber jetzt weiß ich – solange ich mich für den Staat engagierte, hatte ich ihn. Sogar als PiS an die Macht gekommen ist, engagierte ich mich gegen diese Partei und dies bedeutete, dass ich ihn hatte, den Staat. Weil der Staat doch nicht die Regierung ist und nicht das Territorium. Nicht die Grenze und nicht die Leistung. Nicht Errungenschaften machen den Staat und sogar Fehler ändern nichts an dem, was er im Grunde ist. Der Staat, der dein ist, ist Liebe. Es sind Menschen mit denen wir gemeinsam unseren Staat lieben. Wir können auch stolz sein, dass muss aber nicht sein. Was sein muss, ist die gemeinsame Liebe. Je länger die Litanei der Verbrechen ist, die die Recht und Gerechtigkeit-Partei gegen die Demokratie verbrochen hat, desto schwieriger war diese Liebe, aber sie war da, immer noch war sie da. Oder mindestens – dachte ich, dass sie da war.

In nicht mal einer Woche soll in Polen eine Wahl-Farce stattfinden. Man hat wegen der Pandemie Briefwahl konzipiert, die Post, der die Territoriale Militäreinheiten zu Hilfe stehen werden, muss austragen und soll damit unabhängige Wahlkomitees ersetzen.

Die Wahlen werden von PiS gewonnen. Der gängige Witz lautet: sag mal, mit wie vielen Stimmen wird Duda am 10. Mai die Wahlen gewinnen?
Im kommunistischen Polen wären es 99%, in PiS-Polen wird man sich mit 61% begnügen. Das reicht. Mehr braucht niemand. 61% und die Pandemie, die den Diktatoren in aller Welt wie ein Himmelsgeschenk in den Schoß fiel, werden reichen, um die Diktatur der Einzigwichtigen-Partei für die nächsten 20 Jahre zu festigen. Sie sind keine Idioten, die von der PiS-Partei. O nein, die sind die klügsten Köpfe, die wir jemals am Steuerrad des Staatsschiffes hatten. Klüger als Boleslaus der Mutige, der erste polnische König, klüger als Kasimir der Große, der Polen modernisierte, klüger als Wladislaus Jagiello, der den größten Sieg in der Geschichte Polen ausgekämpft hatte. Klüger als Bierut, Gomułka, Gierek und Jaruzelski, als Wałęsa, Mazowiecki, Kwaśniewski und Tusk. Sie haben ganz Polen, einen 40-Milionen-Staat unterjocht, ohne eine einzige Strassenschlacht, ohne jedweden politischen Gefangenen, ohne Zensurbehörde und Unterdrückungsapparat. Nur durch Propaganda und die alte Römische Regel divide et impera, regiere und teile (sprich: bezahle), haben sie die absolute Macht bekommen, haben Millionen aber Millionen Zlotys aus den Staatskassen auswandern lassen: für sich und eigene Sippschaft und für die Katholische Kirche.

Und dies alles bei wachsender Popularität. 61%.

Das erschreckt und lässt die übliche Liebe im Hals stecken.
Gestern fragte mich mein Kumpel, ob ich wählen gehe?
Nein, sagte ich, wozu auch?
Ich liebe diesen Staat nicht.
Ende des Kapitels 3. Verlust des Staats.

Mach dir keine Sorge, sage ich zu Rysia, dich liebe ich.

Poniemieckie

Auf Deutsch siehe link im 2. Absatz

Ewa Maria Slaska

Pro domo sua

Dostałam już jakiś czas  temu i właściwie od razu przeczytałam książkę Karoliny Kuszyk, Poniemieckie, wydaną przez Wydawnictwo Czarne, ale dopiero teraz przyszedł czas, bym coś tu o niej napisała. Nie jest to powieść, jak się każdy z nas spodziewał, ani autobiograficzna opowieść, lecz zebranie danych na temat tego, co poniemieckie. Książka jest starannie opracowanym kompendium tego, co było poniemieckie. Miasta i wsie, pola, parki, ogrody i domy. Krowy i świnie. Bezpańskie psy i zdziczałe koty. Pomniki, linie kolejowe, mosty. Drzewa. Szpital, ratusz, gazownia, elektrownia. Cmentarz. Meble, obrazy, obrusy. Ubrania, buty, zabawki. Zapachy i kolory.

Ważny temat, dotąd rzadko poruszany, ale jednak wielu z nas już o tym pisało i mówiło. Ja też. Przypomnę więc tu moje bardzo dawne opowiadanie, które wiele lat temu przywołałam też TU na blogu. Napisałam wtedy: Po polsku opowiadanie nazywa się Lalka. Po niemiecku In fremden Schuhen. Obie wersje zostały wielokrotnie opublikowane, a wersja niemiecka była też kilkanaście razy czytana w radio w całych Niemczech. Był czas, że honoraria za opowiadanie o niemieckiej lalce i o tym, jak polska dziewczynka odkrywa niemiecką przeszłość swojego miasta, było moim podstawowym źródłem utrzymania. Kiedyś też czytałyśmy nasze opowiadania we dwie z nieżyjącą już niemiecką pisarką, Ursulą Höntsch, która jako mała dziewczynka ucieka z rodzicami i musi zostawić ukochanego misia. Temat pojawił się też niedawno w filmie wg autobiografii Judith Kerr, Kiedy Hitler ukradł różowego króliczka. Dzieci i ich poniemieckie zabawki, w poniemieckich domach i poniemieckich miastach.

Ewa Maria Slaska

Lalka

Urodziłam się w cztery lata po wojnie. Tylko cztery lata. A przecież wcale nie było to takie proste do pojęcia. Wojna była tak odległa, zatopiona w przeszłości, choć przecież decydowała o życiu tu i teraz. Była. Była zawsze. Ciągła cezura: przed wojną, po wojnie. Po wojnie było lepiej…
Wojna wyznaczała treść filmów, plakatów, książek, przemówień. Chłopcy bawili się w wojnę, biegali po podwórku, strzelali z patyków. Realna materia strachu, nierealna materia zabawy. Nic nie znacząca za dnia, straszliwa w sennym koszmarze. Najdawniejszy zapamiętany sen. Bombardowanie, płonące domy i ulice. Sen w kolorze płomieni. I szary sen. Ustawiczny sen o tym, że trzeba iść tam, gdzie na końcu nieruchome szeregi stoją na placu apelowym. Kolejka nagich postaci przed budynkiem. Ciemność, noc, zimno. Świat bez słońca. Dziecinna wizja wojny, której wciąż trzeba się bać, choć miało się szczęście urodzić cztery lata po jej zakończeniu.
Dopiero w szkole, czytając Gałczyńskiego ‐ kto się dziś bez wstydu przyznaje do czytania Gałczyńskiego, a przecież wszyscy go czytaliśmy ‐ straszne odkrycie, że wojna toczyła się też w pełnym blasku słońca, przy pięknej pogodzie, gdy kwitł wrzos i miedziane żmije wygrzewały się w beżowym piasku wydm. I dwa wyobrażenia o przyszłej wojnie, która nadchodziła nieuchronnie. Trwanie w ciemnej, na głucho zamkniętej piwnicy bez okien lub szukająca samobójstwa twarz pochylona nad piecykiem gazowym. Żydowski los, dobrowolnie wybrany ze wszystkich możliwych modeli przetrwania lub śmierci.

Gdańsk wyszedł z wojny jako morze ruin. Wcale ich nie pamiętam. Wszyscy moi koledzy pisarze z Trójmiasta zachowali jakieś niezwykłe wspomnienia z dzieciństwa, pamiętają zabawy w chowanego w ruinach gotyckich kościołów i niewypały w piaskowych lejach drążących okoliczne lasy. A we mnie nic, tylko kwitnące żółto krzaki janowca, grudki bursztynu na plaży w Mikoszewie i ogród za domem, w którym kwitły irysy i bez, a między dwoma drzewami głogu rozpięta była huśtawka. Tylko bajki Andersena i moje przedsenne marzenia, którymi odpędzałam od siebie strach przed zaśnięciem. Księżniczka motyli, wieszczka lalek, Indianka skacząca konno przez dwumetrową drewnianą palisadę Fortu Last Surprise, Kalipso o pięknych włosach. Dziś, jako dorosły człowiek, nie wiem, dlaczego nie widziałam wokół siebie śladów wojny, której przez całe dzieciństwo tak potwornie się bałam. Tak jak nie widziałam śladów codziennej rzeczywistości politycznej. Rokossowski był dla mnie człowiekiem, który w dzieciństwie pijał herbatę trzymając łyżeczkę w szklance, stąd została mu na zawsze jedna uniesiona demonicznie w górę brew.

Nie miałam pojęcia, że to Rosjanie obrócili Gdańsk w perzynę i wygnali Niemców. Czy mogę dziś twierdzić, że byłam bezmyślną ofiarą komunistycznej propagandy. Nawet tego nie jestem pewna. Chyba raczej tworzyłam sobie swoje własne wyjaśnienia. Byłam kilkakrotnie w Warszawie, a ponieważ wojenne ruiny w Warszawie ‐ te pamiętam znakomicie ‐ nie były tak wstydliwie pomijane, przeciwnie były jakimś masochistycznym świadectwem męstwa, bohaterstwa, patriotyzmu, powodem do chluby i chwały, więc przeniosłam warszawskie wyjaśnienia na gdański grunt. Za ruiny polskich miast byli odpowiedzialni Niemcy. I to wystarczyło.

Kochałam Gdańsk. Kochałam stare, odbudowane uliczki z wąskimi domami o wysokich oknach, z gankami, na które prowadziły niskie płaskie schody z metalową poręczą i ogromną kamienną kulą. Kochałam gotyckie kościoły tak dalece, że nie zauważyłam, iż były tylko ruiną, i mewy nad Motławą. Kochałam jazdy tramwajem nad morze. Uwielbiałam ‐ tak jak tylko małe rozmarzone dziewczynki mogą coś uwielbiać ‐ morze zimą. Szare fale wzburzonego morza rozbijające się z hukiem o nabrzeże, spłukujące piasek plaży w Brzeźnie i podmywające korzenie róż kutnerowych wzdłuż spacerowych alejek. W przenikliwie zimne niedziele trudno było uzmysłowić sobie, że to te same róże, które latem pachniały i odurzająco, i rybnie, tłuszczem do smażenia i piaskiem na gorącej skórze, natartej olejkiem do opalania. W sklepach można było dostać tylko jeden rodzaj olejku, więc cały świat pachniał tak samo. Róże latem były zakurzone i znikały pod wiecznie takimi samymi rozmowami plażowiczów. Zima należała do sfery szarej, była grisaille kolorystycznym i dźwiękowym. Chmury dotykały obwisłymi granatowymi brzuchami szarej powierzchni morza, tłumiąc rozdzierający pisk mew i rybitw.

Pewnej zimy Zatoka Gdańska zamarzła. Popielata pod bezsłonecznym niebem, ujęta w ramy nieba, portu i krwędzi Wysoczyzny Oksywskiej, była jak obraz holenderskiego mistrza. Na matowym, pełnym grud i załomów lodzie widać było daleko, w kierunku Helu maleńkie ludzkie figurki.

Och, moje miasto, pełne wspomnień o koronkach, aksamitach, atłasach, o lokach, w które wpięte były szare perły, o złotych siatkach na włosy i bursztynie, miasto pawany i sarabandy, uliczek zatopionych w srebrnym blasku księżyca i miłości. Być może naprawdę żyłam w wieku XVII i dlatego nie zauważałam ruin, Rosjan, pochodów pierwszomajowych ani czołgów. Myślałam, że w każdym mieście na świecie żyją razem Niemcy, Polacy, Holendrzy, Szkoci, Żydzi, Anglicy, ubierają się w cudowne stroje, połyskujące srebrem i tańczą na balach, podając rękę miłości, która wszystko zwycięża.

Ten świat był mi niedostępny, to prawda, ale nie dlatego, że nie istniał już dawno, bo tego wcale nie wiedziałam, lecz dlatego, że byłam za mała, a do tego brzydka. W moim świecie, jak w opowiadaniach Fitzgeralda, było miejsce tylko dla pięknych, młodych, bogatych, dobrze ubranych dorosłych.

O Rosjanach się nie mówiło. To znaczy politycy ‐ jak sądzę ‐ mówili i to dużo. Ja jednak potrafiłam w nie słyszeć polityki. Tak jak nie słyszałam kazań w kościele. Polityka i religia spływały wokół mnie wielkimi falami, zapewne próbowały mnie, każda na swój sposób, wychować i ukształtować ‐ a ja spałam. Byłam nieprzytomna. A może tylko głupia i niedojrzała. W kościele Serca Jezusowego, tym samym gdzie Günter Grass posadził Oskara Mazeratha na kolanach Matki Boskiej, patrzyłam co niedziela w witraże. Przedstawiały polskich błogosławionych, Andrzeja Bobolę, Stanisława Kostkę, Salomeę. Polskość tego przekazu wzruszała mnie równie mało, co jego religijna wzniosłość. Fascynowała mnie przejrzysta materia szkła, szkarłatne i głęboko błękitne szaty, przez które wyobraźnia przechodziła na drugą stronę, jak przez komin lub studnię. Faktycznie więc ‐ mimo religii co czwartek, mszy co niedziela, mimo plakatów politycznych w przedszkolu i na ulicy ‐ rosłam na istotę zupełnie pozbawioną wiedzy o ideologii. Sterylnie wyjałowiona.

Moja dziecinna odmowa dotyczyła treści przekazu, nie sięgając rytuału. Rytuał religijny był bajkowy, a więc sprawiał mi przyjemność. Boże Narodzenie, Wielkanoc. Nazwy, barwy, dźwięki. Anielskie włosy, białe suknie, kwiaty, lilie… Lilie sprawiły, że stałam się fanatyczną wielbicielką rytuału Bożego Ciała. Gdybym wiedziała już wtedy, że to moja patronka, święta Ewa, średniowieczna zakonnica z Liege, zadbała o to, by w połowie XIII wieku wprowadzić do chrześcijańskiego rytuału święto Bożego Ciała ‐ czy wtedy stałabym się nieco mniejszą poganką? Niemcy przypisują to święto Julianie, ale ja nadal ‐ wbrew historyczno kanonicznej prawdzie ‐ wolę, by to była Ewa. Obie były dziwnymi kobietami. Julianę przyjęto do klasztoru w wieku pięciu lat. Była bystrym dzieckiem, szybko nauczyła się czytać i pisać, również po łacinie, by studiować pisma świętego Augustyna i życie świętego Bernarda z Clairveaux. Miała 16 lat, gdy ujrzała Jezusa i ten nakazał jej uzupełnić chrześcijański rok rytualny o brakujące święto uwielbienia dla Eucharystii. Pokazał jej też symbol ‐ tarczę księżyca wyszczerbioną w jednym miejscu, a szczerba oznaczała właśnie owo brakujące święto. Juliana została przeorką i rozpoczęła długą i uporczywą kampanię o uczczenie osobnym świętem Corpus Dei. Znużone walką władze klasztorne wypędziły Julianę i kilka wiernych jej mniszek, i wtedy na arenie pojawiła się Ewa ‐ samotnica z kościoła świętego Marcina w Liege. Mówi się, że Ewa żyła najpierw jako światowa dama, zanim nie oddała się samotnemu bytowaniu w klauzurze romańskiego kościoła. Juliana wędrowała od klasztoru do klasztoru, głosząc wszędzie chwałę Bożego Ciała, gdy tymczasem Ewa nie ruszyła się z miejsca. Pozostała w Liege i pisywała listy do arcybiskupa i archidiakona prowincji, który, gdy został papieżem Urbanem IV, rzeczywiście ustanowił święto Bożego Ciała. Przekonała go ponoć krew Zbawiciela, która wypłynęła z hostii podanej przez księdza niedowiarka wieśniakom w Bolzano. Krew kapała z hostii na szaty księdza, patenę, marmurowe balaski i haftowane obrusy. Juliana już nie żyła już, ale Ewa nadal toczyła walkę o Boże Ciało. Urban zobaczywszy w swym pałacu w Orvieto procesję krwawiącego Bożego Ciała przypomniał sobie jej nawiedzone listy.
Krew i wizje. Śni mi się, że jestem małą dziewczynką, mam sześć lat i krwawię. Po udach spływają mi najpiew pojedyncze krople, a potem strumienie krwi. Mam sześć lat, nie wiem jeszcze, że istnieje coś, co nazywa się miesiączka. Krew zalewa biały dywan, ściany, korytarz. Wychodzę z pokoju. Czy zostanę ukarana za pokrwawienie podłogi? Sypię kwiaty z koszyczka. Kadzidło, ołtarze na ulicy. Dwie nawiedzone mniszki, które w XIII wieku sprawiły, że teraz idę w procesji z białą lilią na patyku w dłoni, zapatrzona w wizję księżniczki, którą mogłabym być, gdybym nie była mała i brzydka. Niewątpliwie bycie małą i brzydką nie sprzyjało rozumieniu treści religijnych. Mistyka melancholijnej dziewczynki. Niczego nie pojmowałam.

Indoktrynacja polityczna była jeszcze łatwiejsza do odrzucenia, bo nie miała w sobie elementów bajkowych i pięknych przedmiotów. W równym stopniu nie pojmowałam niczego, ale też nawet nie próbowałam brać w tym udziału. Rytuał komunistyczny lat pięćdziesiątych był zbyt słabo zrytualizowany, żeby mnie skusić. To kwestia smaku. Herbert też to zauważył, choć nie był małą dziewczynką. Dziwnym trafem ignorowanie rytuału politycznego nie przysporzyło mi żadnych problemów. Miałam szczęście. I wtedy, i potem. Nigdy nie zostałam ukarana za odrzucenie polityki, za to że niczym się nie interesowałam i nigdzie nie należałam. Później, już jako osoba dorosła, czerpałam z tego pewną satysfakcję, mogąc z czystym sumieniem wyznawać, że nic i nigdy. Były to jednak obłudne ćwierć prawdy, bo byłam tylko sennie odporna na świat i nigdy nie użyłam świadomości, by swą indolencję uzasadnić etycznie ani za nią zapłacić.

Mieszkaliśmy w domu nazywanym potocznie „poniemiecki“, ale ta nazwa nic mi nie mówiła. Można ją było rozumieć jako charakterystykę czasową: kiedyś niemiecki, jako przekazanie praw własności. Ja jednak, w najlepszym wypadku, jeżeli w ogóle poświęciłam jej choć trochę uwagi, używałam jej jako określenia stylu architektonicznego: gotycki, romański, poniemiecki. I nie stawiałam pytań. Myślę, że jako dziecko w ogóle niewiele stawiałam pytań ‐ poza tym jednym, wielkim, ciążącym nad moim życiem pytaniem: dlaczego? Dlaczego jestem brzydka? Już nawet nie pytałam, dlaczego nie jestem kochana? Brzydcy nie mają prawa do miłości, można ich tylko odrzucić. O to więc nie pytałam, a nic innego mnie nie zajmowało. Nie pytałam o przeszłość, o znaczenie słowa „poniemiecki“. Dzieci podobno wiecznie zadają pytania, ale mają one charkter poznawczo‐teraźniejszy, a nie historyczny. Przeszłość nie istnieje, bo dziecko w niej nie istniało. My, powojenne dzieci, byliśmy przybyszami, nie tylko w sensie dziejowym, byliśmy przybyszami w sensie biologicznym.

Poniemiecki dom był dwupiętrową willą z nisko opadającym ceglanym dachem, miał dwie okrągłe wieżyczki i dwa wykusze oraz ganek z żeliwną poręczą i oszklonym zadaszeniem. Przez witrażowe secesyjne okno przedostawało się do sieni biało‐fiołkowe światło, rzucając na podłogę wyblakłe cienie kanciastych, stylizowanych kwiatów. Na prawo z sieni wchodziło się do pokoju dziadka Jana, emerytowanego dyrektora PKP, który poświęcił czas emerytury wycinaniu z lipowego drewna gdańskich domów ze spiczastymi szczytami, gotyckich kościołów i szlachetnych w swych holendersko‐renesansowych proporcjach budowli miejskich. Średniowieczno‐barokowe miasto Gdańsk na stole dziadka Jana stanowiło dla mnie jedyny prawdziwy ideał piękna przeszłości, jedyną piękną prawdę. Był to rodzaj egzystencji urojonej, pojmowałam ją jednak bardzo dobrze.

Było raz sobie miasto Gdańsk (tak, tak, to jest parafraza Grassa), które nie przyjęło Johanna Sebastiana Bacha na kapelmistrza, bo nie zdał się szacownej Radzie Miejskiej dość dobry. Było raz sobie miasto Gdańsk, które po dwustu latach władzy krzyżackiej podjęło decyzję, że woli sprzymierzyć się z Rzeczpospolitą Polską. Było raz sobie miasto Gdańsk, które jeszcze trzysta lat później uroczyście świętowało obchody przyłączenia do Polski i zleciło muzykom skomponowanie z tej okazji kantaty na chór i orkiestrę. I nikomu w mieście nie wadziło, że ku czci powrotu do Polski chór śpiewał po niemiecku. Było raz sobie miasto Gdańsk, spowite w czarny aksamit i brabanckie koronki, w koralach i pierścieniach z bursztynu, wykarmione tłustą białą rybą Wschodniego Morza, nasączone słodkim, ciężkim winem Hiszpanii, miasto pachnące pieprzem i goździkiem, nieistniejące miasto moich fantazji.

W ogrodzie przed domem znajdowała się betonowa figura, przedstawiająca podobno Poezję. A może Miłość? Nie wiadomo dokładnie, bo wiatr i deszcz zmieniły alegorię w dość obły betonowy walec. Szare i płomiennopomarańczowe plamy znaczyły miejsca, gdzie porosty zdołały zamienić martwy beton w żywą i odżywczą materię natury. Poezja była poniemiecka, tajemnicza i fascynująca.

Mówiło się niekiedy, że w naszym domu mieszkał kiedyś lekarz. I dobrze. Kiedyś to znaczy w jakimś odległym, nieistniejącym czasie przeszłym. Aż przyszedł dzień i ciotka Karolina wspomniała mimochodem, że ów lekarz był Niemcem.
‐ Co? ‐ zapytałam oburzona. ‐ Co to znaczy?
‐ Przed wojną mieszkali tu Niemcy.
‐ Gdzie?!
‐ W Gdańsku.
‐ Dlaczego?!
Było mi niedobrze. Przecież wiedziałam doskonale, że Gdańsk był od wieków polskim miastem. Propaganda jednak robiła swoje. Takie rzeczy wiedziało w końcu każde dziecko. Niemcy nie mieli tu nic do roboty. Oczwiście pomijając wojnę. Wojna była tak czy owak czymś ponad wszelkie rozumienie okrutnym, a jej celem było właściwie tylko jedno ‐ nasycić niemiecką żądzę krwi. Niemiecki lekarz, ktoś osiadły, mieszkający w jakimś domu, w naszym domu nie pasował mi do obrazu wojny.
Idę na podwórko. Muszę to wszystko przemyśleć. W Gdańsku mieszkali Niemcy. A potem zniknęli. Ale nie całkiem. Niektórzy zostali i wtedy mówi się o nich: autochtoni. Dzień objawienia. Nareszcie wiem, kto to są autochtoni. Ale to objawienie zmienia też znaczenie słowa poniemiecki. Przy kolacji wracam więc do tematu:
‐ Czy to znaczy, że w naszym domu mieszkali Niemcy?
‐ Tak.
‐ No i co się z nimi stało? Umarli?
Tak powinien wyglądać świat: ci, którzy zamieszkiwali przeszłość, nie żyją.
‐ Czy ja wiem? Może uciekli.
‐ Przed kim?
‐ Przed Rosjanami.
‐ Przed Rosjanami, oni nas przecież wyzwolili?!!
Ciotka Karolina milczy. Ja uporczywie pytam dalej.
‐ Dokąd uciekli?
‐ No, chyba do Niemiec.
‐ I tam umarli?
‐ Dlaczego? To przecież było zaledwie dziesięć lat temu.
Dziesięć lat temu! A ja mam sześć lat. Liczby. Dziwne.
Następnego dnia zaczynam poszukiwanie prawdy. Muszę przyjrzeć się wszystkiemu pod nowym kątem. Niemiecki dom. Przed dziesięciu laty mieszkał tu niemiecki lekarz. Potem ja się urodziłam, a lekarz zniknął. Oglądam cały dom. Być może pierwszy raz naprawdę dostrzegam rzeczywistość. Klatka schodowa z biało‐czarnymi kwadratami posadzki, secesyjne okno, Poezja w ogrodzie. A może Miłość? Otwieram drzwi do kantorka pana Jasińskiego. Wydaje mi się, że w zatęchłym powietrzu ciasnej, komórki czuję nie tylko zapach smarów i oleju samochodowego, ale nagle dziwnie wyraźny zapach leków. Lekarza już nie ma, nie ma jego lekarstw, a przecież zapach trwa, mocniejszy niż wszystkie materialne fragmenty rzeczywistości, które tak łatwo spalić, zniszczyć, wyrzucić. Stoję w kantorku i wdycham zapach przeszłości.
‐ No, szkrabie, szukasz czegoś? ‐ pyta przyjaźnie pan Jasiński. Jest duży i tęgi. Trochę się go boję, bo pije. ‐ No? Szukasz czegoś? ‐ powtarza pytanie pan Jasiński.
‐ Tak ‐ kiwam głową. ‐ Niemców.
‐ To są Niemcy ‐ mówi pan Jasiński i pokazuje mi obrzydliwy obrazek wycięty z jakiejś gazety i oprawiony w ramki. Po co ludzie wieszają coś takiego na ścianie? Szary, straszny krajobraz, szereg kolczastych drutów, jakaś wieżyczka, brama, w oddali komin. ‐ Oświęcim ‐ mówi pan Jasiński.
Potakuję ze zrozumieniem, choć nic nie rozumiem. Nie wiem, co to jest Oświęcim.
‐ Tak ‐ mówię‐ ale ciotka Karolina mówiła, że Niemcy tu byli. U nas.
‐ Oczywiście ‐ mówi pan Jasiński.
Czy pan Jasiński ma to samo na myśli, co ja, gdy mówi to swoje tak, oczywiście? Też ma na myśli Niemców, a nie żołnierzy?
‐ I gdzie oni są?
‐ Wypędzeni. Przyszli nasi i wygonili cholernych Szwabów. I dobrze.
I dobrze, trzeba ich było po prostu wypędzić. Tych wszystkich uzbrojonych po zęby Niemców w mundurach koloru polnej szarości. Tylko tych moich, pięknych, w lokach, kaftanach i aksamitach, tych nikomu nie wolno tknąć, bo ich kocham.
‐ Widział Pan tych Niemców? Tych stąd?
‐ Tak.
Teraz mam się już zdecydowanie na baczności.
‐ To oni zbudowali ten dom?
‐ Tak.
Więc jednak.
‐ Inne domy też?
‐ Też. Tu mieszkali sami bogaci. Widziałaś kiedyś ich rzeczy? Jeszcze trochę tego zostało, choć większość poszła w szaber.
Pan Jasiński idzie ze mną do holu. Pod schodami we wnęce znajdują się małe, zamknięte na kłódkę drzwi. Jak z Alicji w krainie czarów. Tajemnicze drzwi do ogrodu. Że też nigdy nie zwróciłam na nie uwagi. Pan Jasiński podaje mi kluczyk.
‐ No, otwórz!
W środku są zabawki. Patrzę pytająco na pana Jasińskiego. Kiwa głową i wraca do swoich zajęć. Wyciągam po kolei przedmioty ukryte w schowku. Czy dlatego kiedyś w przyszłości będę studiowała archeologię, żeby jeszcze raz poczuć ten dreszcz zdumienia i grozy, a jednocześnie zachwytu, gdy nagle w codziennej powierzchni rzeczywistości otworzą się drzwi w przeszłość.
Skrzypce. Biorę je do ręki, opieram o ramię ‐ skąd wiem, że tak się trzyma skrzypce? Próbuję grać. Potworny wizg przywołuje do holu nie tylko pana Jasińskiego, lecz również panią Jasińską z Joanną i Antkiem. Joanna jest młodsza ode mnie, ale jest i tak moją jedyną towarzyszką zabaw. Dom jest mały, zamieszkany tylko przez cztery rodziny, nie to co nowe bloki w mieście. I tylko dwie rodziny mają dzieci.
‐ Czy Joanna może się ze mną pobawić? ‐ pytam.
Odkładam skrzypce i już teraz we dwie wyciągamy kolejne przedmioty z komórki. Papiery, strasznie dużo papierów, są pożółkłe i dziwnie pachną. Wyrzucamy je. Lalka. Ma prawdziwe, długie, jasne włosy i niebieskie oczy, które się zamykają i otwierają. Nigdy jeszcze nie widziałyśmy takiej zabawki. Właściwie ta lalka jest ładna, ale jest w niej coś strasznego. Boję się jej. Jasne włosy tylko luźno trzymają się płóciennej czaszki. Wypadające kosmyki odsłaniają szare placki lalczynej skóry. Jedno błękitne oko wepchnięte w ciemny oczodół. Wyrzucam lalkę na stertę papierów, po chwili jednak znowu biorę ją do ręki. Nie da się jej wyrzucić. Leży koło nas, patrzy czarną dziurą oka. Odwracam ją twarzą do podłogi. Szukamy dalej. Książki z obrazkami. Struwwelpeter. Nieznośny Piotruś. Włosy jak rosochate gałęzie sterczą na wszystkie strony. Paznokcie długie, spiczaste, jak pokrzywione i zardzewiałe ostrza noży. Kto wychowuje dzieci na takich książeczkach? Jestem zafascynowana i przerażona. Tak nie wyglądają żadne dzieci. To straszydło z bajki, jakiś niedorosły diabeł. Litery w książce nie dają się odczytać. Trudno nawet pojąć, że to litery. Raczej z wewnętrznej wiedzy niż ze zrozumienia czerpię pewność, że powyginane kanciasto znaki przypominające kawałki drutu to jednak pismo. Umiem już czytać, ale ta potworna książka z obrazkami nie daje się przeniknąć. Możemy tylko oglądać straszne obrazki. Gry. Niektóre podobne do naszych: młynek, chińczyk, gęsia ścieżka, halma. I jedna zupełnie odmienna, metalowa, lekko podrdzewiała. Gra magnetyczna, ale skąd możemy to wiedzieć?
Z trudem i pasją odkrywców przenikamy tajemnicę żelaznej planszy. Jeszcze dziś, pisząc o tym, czuję w dłoniach nieco odrażający, a przecież jak pokuszenie, dreszcz ‐ dotyk czegoś, co może się okazać obrzydliwe. W przeciwieństwie do papieru, który nie kryje w sobie żadnych odstręczających właściwości, metal zdaje mi się przykry, a rdza kojarzy się z krwią. W ustach czuję dziwny smak, jakby mi wybito wszystkie zęby. Na planszy trzeba ustawić drewniane figurki o metalowych podstawkach, a gdy od spodu przesuwa się małe kawałki magnesu, figurki poruszają się jak samodzielne, żywe istotki. Znamy obie tę bajkę ‐ to historia Jasia i Małgosi. Latami jeszcze będziemy się potem obie z Joanną bawić tą poniemiecką grą.
Najbardziej zachwyca nas w niej ilość szczegółów. Chatka Jasia i Małgosi, las, domek z piernika, wszystko jest jak zaczarowane. W lesie koło drzew rosną małe, do ostatniego detalu wiernie odtworzone muchomory. Szyszki wyglądają jakby zaraz miały się z nich wysypać nasiona. Listki i czerwone owoce kaliny aż się proszą o zerwanie. Skąd mogłyśmy wiedzieć, że to kicz, banalne, zwykłe, tak dobrze mi teraz znane niemieckie zamiłowanie do drobiazgowego odtwarzania przytulnej rzeczywistości, słodkiej, kolorowej, pełnej kotków, kwiatków i koronkowych firanek w oknach. Byłyśmy dziećmi naszego czasu, czasu szarych papierowych torebek i szorstkich, żółtawych stronic w książkach, z rzadka tylko ozdabianych jakimś prostym rysunkiem, w nudnych, brudnych kolorach. Nasze sukienki są brunatnoniebieskie lub granatowe, nigdy nie widziałyśmy nawet kawałka koronki, nie słyszałyśmy słowa jedwab, nie wiemy o istnieniu wywoskowanych posadzek i kryształowych żyrandoli. Pordzewiały, ale wciąż jeszcze barwny świat z bajki o Jasiu i Małgosi nie dopuszcza żadnych innych myśli, jak tylko tę jedną ‐ tak wygląda piękno, które nie jest naturą, lecz dziełem człowieka. Figurki odgrywają swoje prawdziwe role w nieprawdziwym świecie realnego piękna. Rodzice wyrzucają swoje dzieci. A ja nie pytam, dlaczego.

Teraz mieszkam w Niemczech i napatrzyłam się na rodziców, którzy wyrzucają swoje dzieci. Domek z piernika. Baba Jaga. Piec. Klatka. Zła czarownica pakuje Małgosię do pieca. Dzielny Jaś uwalnia siostrzyczkę i teraz oboje wrzucają do pieca wstrętną jędzę. Zgrzyt zamka, gdy dzieci zatrzaskują drzwi pieca. Niech się smaży powolutku w własnym tłuszczu aż do skutku. Co to za wierszyk? Baba Jaga siedzi w piecu. Tak. Wszystko jest w porządku ‐ dobro zwycięża, zło przegrywa i musi zostać ukarane. Takie są wymogi sprawiedliwości dziejowej. To ona pozwala dziecku zabić w piecu wstrętną czarownicę. Nie ma w tym nic złego, to bajka i sprawiedliwość ‐ obie są dobre. Jaś jest szczupły, jasnowłosy, błękitnooki. Jak lalka.

W nocy śnię o Jasiu. Jedzie na koniu przez szarozielone pastwisko. Ma wymierzyć karę czarownicy. Starej i nagiej, o czarnych włosach i długim haczykowatym nosie. Najpierw wyrwie jej złote zęby. Smak metalu w ustach. Złote zęby. Dlaczego ludzie mają złote zęby? Czarownica ma ich bardzo dużo. Budzę się z krzykiem. Zabawki nie dają mi spokoju. ‐ Kto się nimi bawił? ‐ Wreszcie udaje mi się sformułować mój niepokój. Ciotka Karolina przygląda mi się ze zdziwieniem.
‐ Córka, jak sądzę.
Lekarz miał więc córkę.
‐ Czy ona była dzieckiem?
‐ Oczywiście.
Czy jest możliwe, żeby Niemcy byli dziećmi? Niemcy. Kolumny żołnierzy bez oblicza. Maszerują na Wschód i umierają w śniegu Rosji. Niemcy. Czarno ubrani strażnicy z obozów, zawsze z czarnymi psami. Niemcy. Samoloty zrzucające bomby. Miasto płonie, ulicami, w szpalerze pożarów uciekają kobiety z dziećmi. Niemcy. Roboty, upiory, które nie potrafią mówić, a tylko szczekają jak ich czarne psy. Już wyobrażenie sobie, że Niemiec może być lekarzem, nosić biały kitel a nie mundur, mieszkać w domu, a nie kryć się po okopach lub wyskakiwać z czołgu, przekracza właściwie moje możliwości. Z trudem dociera do mnie, że Niemiec nie zawsze nosi hełm, wysokie ciężkie buty, ściśnięty pasem mundur.
‐ Dziewczynka? ‐ pytam uporczywie, choć ciotka mi to już w końcu powiedziała.
‐ Sądząc po zabawkach, dziewczynka.
Niemiec, który jest dziewczynką. Nie, nie niemiecka dziewczynka, lecz Niemiec, który jest dziewczynką. Niemiec, dorosły, mężczyzna, który nagle stał się mały i rodzaju żeńskiego ‐ dziewczynka. Biorę do ręki jej lalkę. Dziewczynka, która bawiła się tą lalką. Też chciałabym mieć taką piękną lalkę. Ale własną. Tą lalką nie mam ochoty się bawić. Ale nie umiem jej też wyrzucić. Boję się jej.
‐ Joanna ‐ mówię zdecydowanie ‐ musimy ją pochować. Ona nie żyje.
Joanna zrobi tak czy owak wszystko, co powiem, ale uporczywie zadaje pytania.
‐ Skąd wiesz, że umarła?
‐ Umarła, nie widzisz? Jej serce przestało bić.
W skupieniu Joanna przykłada buzię do piersi lalki. Jest cicho i upalnie.
‐ Jak ona miała na imię?
Kto? Lalka czy dziewczynka? Ale Joanna nie wie jeszcze, że była tu kiedyś jakaś dziewczynka. A ja jej o tym nie powiem.
‐ To czarownica ‐ odpowiadam. Jak ma na imię niemiecka Baba Jaga? Niemiecka lalka‐czarownica, która już nie żyje?
‐ Adolfa ‐ odpowiadam po chwili. To na pewno niemieckie imię, żadna Polka nie może się tak nazywać. Nawet jeśli jest tylko lalką.

Adolfa została pochowana. Tak jak się należy. Na odległym o parę ulic od domu niemieckim cmentarzu. Wystarczyło powiedzieć Eleonorze, mojej kaszubskiej niani, że chciałybyśmy znowu pobawić się na cmentarzu. Cmentarz był zupełnie w porządku. Groby czysto uprzątnięte, choć nie przyozdobione choiną, kwiatami i wieńcami, jak te na naszym cmenarzu w Dolinie Królewskiej. Wiosną na niemieckim cmentarzu kwitły niezliczone przylaszczki, które zbierałyśmy z zapałem, aby przyozdobić nimi kapliczki domowe, pracowicie klejone i malowane podczas lekcji religii. Posypałam obficie kwiatami papierowy kościółek.
‐ Matka Boska będzie się cieszyć ‐ oznajmiłam z zadowoleniem. Ozdobienie kwiatami domowej kapliczki, przed którą w maju powinnam się codziennie modlić, zalicza się na pewno do dobrych uczynków, a zależy mi bardzo na dobrych uczynkach. Właśnie minęły Wielki Post i Wielkanoc, kiedy to co dzień w małym notesiku „do słówek“ notowałam dobre uczynki. Prawdę mówiąc, mam nawet dwa zeszyciki ‐ jeden dla potrzeb siostry Julii z kościoła Najświętszego Serca Jezusowego, drugi do pokazania pani Helence w przedszkolu. Nie wszystkie dobre uczynki dają się zapisać dwa razy. Wiem o tym, chociaż nikt mi tego nie wyjaśniał. Przylaszczki i kapliczka należą do sfery sacrum, też to wiem, choć nie wiem, co znaczy sacrum. Ale wiem, że siostra Julia i pani Helenka nie mogą się nawzajem lubić.
‐ Z czego cieszy się Matka Boska? ‐ pyta nieco sceptycznie ciotka Karolina. Ja jednak nie mam jeszcze ucha wyczulonego na sceptycyzm i rezerwę, z jaką dorośli dość często reagują na dzieci.
‐ Z kwiatów.
Matka Boska cieszy się z bezkrwawych ofiar, które jej w naszej dziecięcej ufności i w miłości naszego dobrego dziecięcego serduszka przedkładamy. To słowa siostry Julii. A siostra Julia nosi wprawdzie czarny habit, ale ogromny śnieżnobiały kornet w zupełności zaspokaja mój podziw dla niezwykłych strojów i niezwykłych słów. Pan Bóg jest inny. Wcale mu się nie spodobała ofiara Kaina. Przyglądam się obrazkowi, który malowałyśmy na religii. Na kopczyku kamieni marchewka, jabłko, snopek zboża, przetkany kąkolem, rumiankiem i makiem. Dym ofiary ciągnie się nisko po szarej, zoranej ziemi. Obok, na piecyku Abla zabita owieczka. Nie bardzo rozumiem, o co Panu Bogu chodziło z Kainem, przecież owoce i kwiaty są znacznie lepsze na ofiarę niż mięso. Ale ja nie lubię mięsa, gdy muszę zjeść wołowinę, rośnie mi ustach coraz większa, nie dająca się przełknąć kula. Zgodnie z ówczesnym systemem wychowawczym nie wolno mi wstać od stołu, dopóki nie zjem, siedzę więc zrozpaczona, z grudą przeżutego mięsa w ustach i przyglądam się dzieciom, które już dawno mogą się bawić lalkami w dom. Pan Bóg widocznie lubi mięso. Jestem małą oddaną rytuałom dewotką i po raz pierwszy pojmuję, że istnieje różnica między kobietą a mężczyzną.

Biedna Eleonora! Została ostro skarcona przez mamę, widać Joanna musiała wypaplać pani Jasińskiej, co robiłyśmy na cmentarzu. Już nie wolno nam bawić się na niemieckim cmentarzu. Płaczę i nie można mnie pocieszyć. Przecież miałam jak najlepsze intencje. A poza tym, skąd bądę czerpała materię mych dobrych uczynków ‐ fiołki, przylaszczki, przebiśniegi. Ale zakaz zostanie na nas nałożony dopiero później. Na razie jest letni, pogodny dzień. Idziemy się bawić na cmentarzu. Zabieram ze sobą owiniętą w szalik, przygotowaną do pogrzebu Adolfę. Nie przychodzi mi do głowy, żeby poinformować Eleonorę o moich planach. Eleonora jest pogodną, siedemnastoletnią Kaszubką, ma dwa grube, jasne warkocze i rumiane policzki. Jest zachwycona, że nie musi harować w polu, lecz że wolno jej służyć w mieście i to u dobrych państwa. Jest ze mną od niedawna, bo ciotka Karolina pracuje teraz nie tylko na Politechnice, ale i w Urzędzie Morskim, nie ma więc tyle czasu, żeby się mną zajmować. Eleonora nie ma zbyt wielkiego pojęcia o wychowywaniu dzieci, a już na pewno ‐ oceniam to z dzisiejszej perspektywy ‐ nie była w stanie sprostać moim dziecinnym pomysłom. Była natomiast pogodna i przemiła, i opowiadała nam kaszubskie bajki o Purtku‐Wodniku i o Zazulce, którą porwały wodnice mieszkające w pałacu na dnie jeziora Wdzydzkiego. Bajki kaszubskie były pogodne, pełne zapachu sosnowych lasów i rybnych jezior. Czarownice kaszubskie, diabły i demony pomagały dobrym i biednym, a karały złych bogaczy. A Zazulka wróciła z dna jeziora ogromnie bogata, bo wodnice dały jej mnóstwo pereł, szmaragdów i srebra. I teraz poślubi Fredka, który jej cały czas szukał i wołał na brzegu jeziora płaczliwym głosem: Wróć, Zazulko, wróć, bo kocham cię bardzo! I nawet bogaci muszą się na to zgodzić.
‐ Kto to są bogaci? ‐ pytam.
‐ Niemcy ‐ odpowiada Eleonora. A po chwili dodaje: ‐ I Polacy.
Kaszubski punkt widzenia. Potakujemy posłusznie. Eleonora wie, co mówi. Może w jej kaszubskich bajkach nawet Polacy mogą być niedobrzy. Świat bajek jest tak inny od stołu, przy którym siedzi się żując mięso. Lubiłam bajki kaszubskie znacznie bardziej niż wydane właśnie ‐ jakież socjalistyczne osiągnięcie ‐ baśnie Grimmów. Te wydawały mi się okrutne i nieprzyjazne. I prawie zawsze o jakichś synach i innych chłopcach. Męski świat. Bez księżniczek, co najwyżej z siostrami, z których co najmniej dwie zawsze były niedobre i głupie. Mama uważała, że dzieci mają złe sny po lekturze baśni Grimmów. Zabrała mi książkę i dała coś jej zdaniem znacznie odpowiedniejszego. Na przykład mitologię grecką.
Idziemy na cmentarz ‐ Eleonora, Joanna i ja, i zabieramy zawiniętą w szalik Adolfę. Eleonora przysiadła na śmiesznej drewnianej ławeczce z żeliwnymi nóżkami, nam wolno zaś biegać do woli. Na cmentarzu jest cicho i cieniście, rosną tu niezwykłe drzewa i krzaki, jakich nigdzie indziej nie widziałam. Wiele lat później dowiem się, że Niemcy słynęli w całej Europie z upodobania do egzotycznych drzew i krzewów, i że miejsce, w którym stał niegdyś niemiecki dwór najłatwiej rozpoznać można właśnie po owych niezwykłych roślinach. Sumak octowy, którego cień jest niebezpieczny, bo może dzieciom wyssać krew, szarłat, złoty deszcz spadający na Danae. Pigwa i rajska jabłoń na konfitury. Morwa na jedwab. Azalie, cedry libańskie, tak piękne, że na pewno rosły również w raju, bambusy. Moja romantyczna natura pławi się w tych cudownych nazwach, wywołuje od razu z pamięci historie o boginiach, nimfach i ziemskich księżniczkach, które greccy bogowie zamienili w drzewa i kwiaty. Adolfa jest tylko niemiecką lalką, nie zasłużyła sobie na żadne wspaniałe drzewo, ale być może zmieni się w pęd bluszczu, ciemny, ponury, straszny, gdy o nim myśleć przed zaśnięciem.
Pochowałyśmy Adolfę w murowanym grobowcu rodziny Meier. To ja tak zadecydowałam. Grobowiec wygląda jak mały domek bez okien. Żelazne odrzwia przeżarte rdzą pozwalają zajrzeć do środka. W środku wprawdzie nic nie widać poza gęstym, czarnym, nieprzeniknionym mrokiem, ale z grobowca wydobywa się lekko tylko uchwytna, a przecież realna woń, mieszanina stęchlizny, chłodu i nieodwołalnej tajemnicy śmierci. Z trudem otwieram metalowe wrota.
‐ A jeśli siedzi tam upiór ‐ mówię do Joanny. Przyciskam lalkę do piersi i wyobrażam sobie upiora z grobowca rodziny Meier ‐ jest blady, przezroczysty, ma długie lodowato zimne palce. Zaraz wyciągnie ręce i dotknie nas. Wrzucam Adolfę niezbyt godnie do wnętrza ciemności. W imię Ojca, i Syna, i Ducha Świętego. Zgrzyt zatrzaskiwanych drzwi. Wieczny odpoczynek racz jej dać Panie, recytuję z namaszczeniem. Zamknąwszy upiora Meierów z powrotem w jego własnym mroku odzyskuję siłę modlitwy. Adolfa na zawsze spoczywa w grobie, a światłość wiekuista niechaj jej świeci, i wszystkim Niemcom też ‐ dodaję pośpiesznie.

Nic jednak nie jest tak „na zawsze“ jak się to może wydawać sześcioletniej dziewczynce. Dziesięć lat później miasto zrównało z ziemią cmentarze niemieckie ciągnące się wzdłuż Alei zwanej kiedyś Hindenburga, potem Hitlera, potem Rokossowskiego, a wreszcie Zwycięstwa. Na miejscu cmentarzy założono park, niezwykłe drzewa niemieckie pozostawiono i teraz ocieniają piaskownice i zieleńce. Chciałabym zobaczyć w tym obrazku coś kojącego, ale mi się nie udaje. Wciąż widzę stary zacieniony cmentarz i lalkę, której wraz ze wszystkimi innymi Niemcami nie dane było zażywać spokoju wiekuistego. Ale nie warto o tym pisać, bo już Grass rozkumaczył się wróżebnie o losie niemieckich cmentarzy w Gdańsku, a grassowaska wizja ich restytucji jest jeszcze gorsza niż moja własna opowieść o pogrzebie Adolfy.

Jedziemy do wioski Eleonory, bo Eleonora chce mnie pokazać. Nie przedstawić ‐ na to jestem zbyt mała i zbyt obca. Zostanę pokazana, jak lalka. Eleonora omawia z rodzicami tysięczne szczegóły i wreszcie jedziemy. Jest wiosna. Oglądam krowy na pastwisku, żółte kurczaczki w stodole, kaczeńce na podmokłych łąkach wzdłuż błotnistego strumienia, gdzie zbieramy młodą pokrzywę. Nie mogę zrozumieć, że nie parzy.
‐ Nie tylko nie parzy. Można ją nawet jeść ‐ mówi Eleonora.
Próbuję, jak może smakować pokrzywa. Jak nic. Jestem rozczarowana. Z torbą pełną uzbieranej zieleniny idziemy do pani Grocholskiej. Jest stara i słaba. Eleonora chętnie jej pomaga. Pokrzywa jest dla perliczek pani Grocholskiej. Jestem zachwycona. Pomoc staruszce jest tego rodzaju dobrym uczynkiem, który da się zapisać dwa razy. Pani Grocholska mieszka w małym domku, zanurzonym po małe okna w gęstwie wiosennych kwiatów. Jestem miejskim dzieckiem z domu przy głównej ulicy ‐ nie wiem, co to są gęstwy kwiatów. Jak urzeczona wpatruję się w tuliapany, żonkile, forsycje i hiacynty. W sadzie kwitną drzewka wiśni i ogromne stare jabłonie, a może grusze. Wielkie, sztywno wyprostowane czerwone tulipany wyłaniają się z morza żółtych, puszystych mleczy. Stado indyków i perliczek pasie się między kwiatami. Pani Grocholska staje na progu. Ma siwe włosy i jasnofioletową sukienkę.
‐ Guten Morgen, Frau Grocholsky ‐ mówi Eleonora, a ja nie mogę zrozumieć, co mówi. Pierwszy raz usłyszałam wówczas obcy język. Skubię fałdy niebieskiej spódniczki Eleonory.
‐ Co ty mówisz? ‐ pytam cicho.
‐ To po niemiecku.
Pani Grocholska nie zna ani polskiego ani kaszubskiego.
Niemka! Autochtonka! Baba Jaga! Drżę z przerażenia. Czy jest możliwe, żeby w tym swoim domku z piernika miała piec? Eleonora wcale się nie przejmuje. Pani Grocholska zaprasza nas do środka. Do kuchni. W końcu jesteśmy na wsi, a na wsi życie toczy się w kuchni. Pani Grocholska rozgrzewa czarne żeliwne serca w piecu. A więc ma piec! W gardle narasta mi straszna dławiąca kula, jeszcze gorsza niż nie przeżute mięso, bo nie można jej wypluć, gdy nikt nie patrzy. Za chwilę gorące gofry w kształcie serc lądują na stole. Do tego miód i śmietanka. Nigdy w życiu nie widziałam nic podobnego. Pochodzę z rodziny naukowców i artystów, nie wiem, jak piecze się ciasto czy robi ciastka. Ciastka zawsze były towarem, jak taksówki, lokomotywy, buty czy agrafki, czymś, co pojawia się nie wiadomo skąd. Serca z ciasta są pełne kwadratowych wgłębień, miód i śmietanka zatrzymują się w nich jak maleńkie sadzawki słodyczy. Jakie pyszne są serca z miodem. Ale nawet serca z miodem nie są w stanie przekupić mojego strachu. Domek z piernika też pysznie smakował! Wyjść! Wyjść! Wyjść! Płaczę, bo jestem wśród obcych i boję się krzyczeć.
Niedziela. Rano poszliśmy do kościoła, a teraz zostanę pokazana. Siedzę w kuchni napakowana jedzeniem do granicy mdłości. Co chwila otwierają się niebiesko pomalowane drzwi i nowa postać wsuwa się nieśmiało do kuchni. Najpierw tylko się na mnie patrzy. To sens i cel mojej wizyty ‐ pozwolić, by mi się przypatrywano jak lalce. Kuchnia jest pełna ludzi, którzy mówią coś, czego nie rozumiem. Jednak gdy zwracają się do mnie, mówią po polsku.
‐ Mówicie po niemiecku? ‐ pytam i czuję jak potworna klucha znowu podjeżdża mi do gardła.
‐ Nie, po kaszubsku ‐ mówi pani Hinz, matka Eleonory, podając mi pączka. Aha, po kaszubsku. Już wiem i na całe życie zapamiętam, że kaszubski jest odrębnym językiem, a Kaszubi odżywiają się ciastkami, które na dodatek sami robią. Mój ojciec podobno robi statki, moja matka obrazy, a moja ciotka książki. Statek jest większy od ciastka, ale nie da się go położyć na talerzu. Mój podziw dla Kaszubów jest nie do ogarnięcia. Zwłaszcza dla pani Hinz. Też chętnie załatwiłabym sobie taką mamę, która robi pączki.
‐ Przeczytasz nam coś? ‐ pyta ostrożnie i nieśmiało pan Hinz i podaje mi gazetę. Oto cud, który Eleonora prezentuje swojej wsi. To właśnie chcą zobaczyć na własne oczy i usłyszeć na własne uszy wszyscy zgromadzeni w kuchni Hinzów mężczyźni ‐ bo tylko mężczyźni zgromadzili się w tym ciasnym i dusznym pomieszczeniu. Otwieram gazetę i po cichu, sama dla siebie, przyglądam się tytułom. Co mam przeczytać? O tak, reportaż o odbudowie Gdańska. Niezwykła cisza zapada w kuchni Hinzów, gdy mała dziewczynka z miasta, czarodziejska żywa lalka ma starym i doświadczonym Kaszubom przeczytać na głos artykuł z gazety. Czytam. Dziesięć lat trwało, aż miasto Gdańsk podniosło się z ruin. Dziesięć lat wytężonej pracy. Dziesięć lat wysiłków i niezwykłego poświęcenia. Dziesięć lat owocnego współdziałania artystów i rzemieślników, którzy połączywszy swe zdolności odbudowali dawną świetność i niewysłowioną piękność mego miasta, perły Bałtyku.
Miasto Gdańsk niegdyś nasze…
Do diabła! ‐ odezwał się ze złością któryś z mężczyzn.
Czuję się niepewnie. Cytat z Mickiewicza zawisł w dusznym, słodko‐mdłym powietrzu. Pytająco spoglądam w stronę moich słuchaczy. Wszyscy mówią teraz jednocześnie. Podziw dla miejskiego dziecka, które nie dorósłszy jeszcze do wieku szkolnego, płynnie potrafi czytać „na gazecie“, znika, w zamian pojawia się oburzenie i złość na treść czytanego przeze mnie państwowo-twórczego reportażu. Nie rozumiem tego, odbieram więc zarzuty wypowiadane podniesionym głosem jako skierowane przeciwko mnie.
‐ Ja przecież nie kłamię ‐ szepczę płaczliwie i przytulam się mocniej do Eleonory. Lata miną, zanim będę w stanie jeszcze raz sprostać jakiemukolwiek publicznemu występieniu. Eleonora jest wprawdzie starsza ode mnie, ale jest równie co ja wystraszona i niezdolna stawić czoła siedzącym w kuchni mężczyznom. Pani Hinz pocieszająco podsuwa mi talerz z pączkami i gładzi mnie po głowie. Nie chcę jeść, nie chcę ciastek, nie chcę już nic więcej, chcę tylko do domu.
Do domu!

Papstjahr 2020

Nina Marzahn

Wie mir in Polen der Papst begegnete

Immer wenn ich im Fernsehen den Papst sah, musste ich an Polen denken. Dabei war er doch schon lange in Rom und nur noch ganz selten in Polen. Seit Beginn seiner Amtszeit war ich bestimmt häufiger in Polen als er. Jedesmal wenn ich da war, war er nicht da – und doch da.

Schon bei meiner ersten Polenfahrt tauchte er auf – als Überraschungsgast. Im Sommer 1979 reiste ich mit Eltern und Geschwistern ein in die damalige Volksrepublik Polen, für stolze 30 DM Zwangsumtausch pro Person und Tag, um die frühere Heimat meines Vaters kennen zu lernen. Der hatte längst in Niedersachsen neue Wurzeln geschlagen, trotzdem war diese Unternehmung aufregend für ihn – auch für uns Kinder, die das Land nur von wenigen verblichenen Schwarzweißfotos her kannten.

Hinter Szczecin fuhren wir mit maximal fünfzig Stundenkilometern über holperige Vorkriegslandstraßen durch ein idyllisches Pomorze, das frühere Pommern, in Richtung Osten, bestaunten unterwegs die vielen Seen oder versuchten die Störche auf den Wiesen zu zählen. Überall schien die Zeit stehen geblieben, auch im verträumten Heimatdorf meines Vaters: Panjewagen als einzige Fortbewegungsmittel, Pferde statt Traktoren, an den ohnehin schlichten einstöckigen Bauernhäusern seit Ewigkeiten nichts gemacht, Pumpe und Klohäuschen auf dem Hof. Sogar die kleine Düne, auf der mein Vater als Kind herumgetobt hatte, existierte noch und war nicht gewandert. Und auf einmal kam Farbe in die verblichenen Schwarzweißfotos und die Personen darin begannen sich zu bewegen wie in einem alten Film.

Wirklich mitspielen in einem solchen Film konnten wir kurz darauf in einem Dorf vor den Toren Danzigs, in Kaszuby, der Kaschubei, wo die alte Bäurin Maria Trzebiatowska uns zwei Zimmer vermietete: Morgens im kleinen Haussee baden, zum Frühstück warme Milch serviert bekommen, vergessene Apfelsorten von knorpeligen Obstbäumen pflücken, plaudern auf einer wackeligen Gartenbank bis zum Sonnenuntergang. Alle Wände im Haus gekalkt in verwaschenem Weiß, in kühlen Schlafkammern dicke Federbetten und riesige Kopfkissen zum Drin-Versinken, das „Latrinchen”, also Klohäuschen, auf dem nachts natürlich unbeleuchteten Hof inmitten aller dort zusammengetriebenen Tiere.

Nur ein Zimmer war tapeziert, die so genannte gute Stube. Stolz stand die kleine alte Frau in ihrer Kittelschürze dort vor einem funkelnagelneuen Bild an der Wand. “Das is äin grrosses Glick fier Pollen”, sagte sie und zeigte auf einen kernigen Karol Wojtyła, der gerade in Rom zum Papst gewählt worden war und deshalb als Johannes Paul der Zweite mit schicker Mitra auf dem Kopf selbstbewusst zu uns herunter schaute. „Ja, da haben Sie recht“, murmelten wir höflich, nicht ahnend, was wir da überhaupt sagten. Wir waren nicht katholisch, nur ein bisschen evangelisch, und eigentlich war dieser neue Heilige Vater nicht vorgesehen in unserem Heimatfilm. Das scherte den aber gar nicht, jeden Morgen leistete er uns Gesellschaft in der guten Stube, schaute uns beim Frühstücken zu und erreichte dadurch, dass wir immer wieder zu ihm hinschielten und über ihn redeten. Wer weiß, vielleicht habe ich es ja seinem auffordenden Blick zu verdanken, dass ich mir nachts mutig meinen Weg zum Latrinchen bahnte, es toll fand, mit einem bisschen „proszę“ und „dziekuję“ – bitte und danke aus Langenscheidts Reise-Sprachführer – im kleinen Dorfkonsum einzukaufen, mich an das einfache Landleben unter frommen Katholiken gewöhnte und schließlich gar nicht mehr weg wollte. Klar, dass wir unsere Vemieterin mit „Pani” Trzebiatowska anredeten und nicht mit „Frau”, insgeheim nannten wir sie aber liebevoll „Tschebbie“, auch später noch, denn solange sie lebte, machten wir auf unseren Polenreisen immer wieder Station bei ihr. Nach diesem ersten Besuch bei der guten Pani empfanden wir unseren anschließenden Aufenthalt im noch vom polnischen Sozialismus geprägten Danzig als herben Kontrast. Das Interhotel und die Westtouristen waren fest in der Hand des staatlichen Reisebüros Orbis, die Straßen in der Hand von polnischen Herren, die einem in aller Öffentlichkeit traumhafte Schwarztauschkurse für D-Mark in Zloty aufdrängten. Da freuten wir uns richtig, wenn wir mal einen Bekannten entdeckten: Johannes Paul, dessen Portrait in den Gebäuden seines Einflussbereichs hing, den großen alten Backsteinkirchen.

Im Sommer 1981 stellte ich Pani Trzebiatowska meinen neuen Freund Fred vor. Zusammen waren wir in unserem R4 von West-Berlin aus losgefahren, wo ich inzwischen lebte, und stellten – nach nervigen Zwischenstopps auf überfüllten Campingplätzen – unser Zelt auf ihrer idyllischen Streuobstwiese auf. Die hatten wir ganz für uns allein und vergaßen sofort alles um uns herum. Erst nachdem wir in der Wohnstube bei Kaffee und Kuchen dem Papst unsere Aufwartung gemacht hatten, begannen wir wieder wahrzunehmen, was sonst noch los war im Land. Der Heilige Vater hatte mittlerweile ziemlich viele Missionare beschäftigt, die am „Glick fier Pollen” bastelten. Einen kannten wir schon aus der Tagesschau, denn er war ein richtig berühmter Laienbruder, der zwar keine Kutte trug, dafur aber stets das Bildchen einer gewissen „Schwarzen Madonna” am Revers, und der Lech Wałęsa hieß. Ziemlich viele Leute hörten auf ihn, den Streikführer von der Danziger Leninwerft, weil er für eine gerechte Sache kampfte, und eigentlich mochte ich solche Kämpfer für die Gerechtigkeit bedingungslos, trotzdem war ich bei seinem Anblick immer wieder stutzig geworden. „Was hat ne Madonna mit nem Streik zu tun?“ fragte ich Fred, aber auch er war irritiert und wusste es nicht, denn von unseren West-Berliner Demos waren wir andere Streiksymbole gewohnt.

Die Antwort bekamen wir, als wir Tschebbie an einem Sonntag zur Messe fuhren. Gespannt schaukelten wir die alte Frau mit unserem R4 über etliche Schlaglöcher ins nächste Kirchdorf, blieben selber dann aber vor der Kirche stehen, die von den Ankommenden regelrecht gestürmt wurde. Auch draußen gab es viel zu sehen für uns, z.B. die ein bis zwei Trecker-Besitzer pro Dorf, die es sich nicht nehmen ließen, mit der ganzen Familie im Sonntagsstaat auf ihren frisch geputzten Treckern vorzufahren. Die Armen kamen in Panjewagen. Alles in allem stand da ein überraschend riesiger, bunt gewürfelter Fuhrpark um die kleine, brechend volle Dorfkirche herum, wahrend von deren Kanzel gerade die neue politisch-religiöse Botschaft für die kommende Woche verkündet wurde. Die Faszination des neuen Bewusstseins war hier, und fast überall auf dem Lande, ganz direkt zu spüren. Nur im hintersten Masuren, an der russischen Grenze, wohin es uns einmal verschlug, wirkten die Leute auf uns eher wie Wilderer und Fallensteller und soeben den Masurischen Geschichten von Siegfried Lenz entsprungen – und als ob es ihnen völlig egal war, wer gerade Polens Geschicke lenkte, die katholische Kirche oder die kommunistische Partei.

Um 1990, zur Wendezeit, waren Fred und ich in Gdańsk bei polnischen Kurzzeit-Freunden zu Besuch. Wer sicher gehen wollte, stellte damals sein Auto auf einem bewachten Parkplatz ab, das machten sogar die Polen so. Dieses Problem hatten wir nicht, denn instinktiv hatten wir unseren neuen Golf zu Hause gelassen. Vom Bahnhof Berlin-Lichtenberg aus waren wir mit dem Zug nach Gdańsk gefahren, zusammen mit unzähligen autolosen, schwer bepackten Polen, die im Westen für den privaten Verbrauch oder für einen sehr privaten Handel eingekauft hatten, zum Beispiel ganze Paletten River-Cola von Aldi. Auch Marian und Izabela, ein junges Pärchen, das in Berlin studierte, hatten einige Waren mitgenommen – und uns, weil wir ihrer Mutter und Schwiegermutter Jadwiga durch Zufall eıne gut bezahlte Putzstelle in West-Berlin vermittelt hatten. Von den dabei verdienten Devisen konnte sie sich nun ihre Wohnung in einer Gdansker Platte kaufen, und so etwas war neu in Polen. Viele ihrer Freundinnen machten es bekanntlich wie sie, ließen zu Hause ihren Job sausen, um im Westen D-Mark zu erwirtschaften. Bei Jadwiga ging den ganzen Tag Telefon, dem Tonfall nach führte sie sehr ernste Gespräche und notierte dabei etwas in einem Rechenheft. „Jetzt spricht sie über Wurst“, übersetzte Marian, oder: „Jetzt vermittelt sie Konserven mit Kochschinken“. Aha.

Einmal lud sie uns in ein neureich eingerichtetes „Restauracja“ ein. Die Kellner bewegten sich majestätisch in roten, silbrig betressten Zirkusdirektor-Jacketts und servierten mit weißen Handschuhen. Meine Cola wurde mir wie ein Pokal auf einem glänzenden Tablettchen gereicht. Mit einem eleganten Zipp zog unser weißer Handschuh die Dose auf und goss mir die Cola in ein Weinglas. So vornehm habe ich nie wieder eine Rıver-Cola von Aldi getrunken.

Jadwigas Plattenbauwohnung war nach westIichem Standard eingerichtet und Jadwiga selbst, eine wendige, umtriebige Frau, war nach westlichem Standard gekleidet. Unterwegs in den öffentlichen Verkehrsmitteln und auf den Straßen sahen wir oft ganz andere Leute, Männer in abgewetzten Anzügen und mit wodkatrübem Blick, Frauen in ärmlichen Pullis und Röcken, in der Hand den unvermeidlichen Einkaufsbeutel mit verblasstem Muster. Diese nicht wenigen, offensichtlich verarmten Menschen ohne Putzstellen und Schwarzmarkwerbindungen passten nicht ins Bild der schönen Stadt, nicht ins Bild vom „Glick fier Pollen”. „Hier ist was faul, Johannes Paul“, blaffte ich sein Portrait an, das im Schaukasten der Marienkirche in der Altstadt hing.

Immer wieder begegneten wir in Polen dem Heiligen Vater auf die eine oder andere Art. Schließlich begleitete er mich und meine Mutter im Sommer 1999 in Wrocław, dem früheren Breslau, als wir dort ein paar Tage Urlaub machten. Wir trafen auf eine junge und lebendige polnische Stadt, in die wir sofort bereitwillig eintauchten. Kaum hatten wir unser Gepäck im Hotel Monopol abgestellt, zog es uns wieder hinaus zu einem Bummel durch die quirrelige Innenstadt. „Fast wie früher”, sagte meine Mutter, die hier bis 1944 ihre Jugend verbracht hatte, und ließ lächelnd ihre Augen kreisen. Neugierig guckten wir in die Schaufenster der gutbestückten Schuh- und Modegeschäfte. Vor allem bewunderten wir die frisch restaurierten Häuserzeilen der Altstadt. „Extra für dich”, neckte ich meine Mutter. Gleich am ersten Abend versackten wir fast in einem der vielen Straßenrestaurants, die rund ums „Ratusz” und den „Rynek“ – das Rathaus und den großen Platz mit den schönen Patrizierhäusern – die Szene bestimmen. Wäre nicht das polnische Stimmengezwitscher um uns herum gewesen, ich hätte gemeint, in einer wohlhabenden Bürgerstadt irgendwo in Westeuropa zu sein.

An einem sonnigen Nachmittag bummelten wir über eine Oderbrücke hinüber zur berühmten Dominsel, wo uns ein malerisches, hervorragend restauriertes Ensemble von Kirchen und Funktionsgebäuden des Klerus erwartete und – wen wunderts noch – Seine Heiligkeit Johannes Paul der Zweite: Beinahe aus jedem Fenster eines Kirchenbüros oder Gemeindesaals schaute er uns an und nach, egal, um welche Ecke wir auch bogen. Auf dem Rückweg durch die Stadt nahmen wir nun auch an etlichen Fenstern von Privatwohnungen Fotos mit einem lächelnden Papst wahr, kleine Bildpostkarten, die wir bisher übersehen hatten.

Johannes Paul hatte Wrocław besucht. Das wusste außer uns hier jeder, natürlich auch der Kellner unseres Lieblingslokals am Rynek. Und die Altstadt hatten die Breslauer extra für den Papst so schön restauriert. „Also doch nicht für mich“, spielte meine Mutter die Enttäuschte und bestellte uns darauf noch zwei Wodka. Und dann fiel uns die gute Tschebbie wieder ein, die schon lange in Polens Norden unter der Erde lag und vielleicht von ihrem Heiligen Vater und dem „Glick fier Pollen” träumte. Ob sie wohl einverstanden gewesern wäre mit allem?

Am letzten Morgen blickte mich der Papst noch einmal an – und da beschloss ich, ihn mitzunehmen. Kurz vor der Abreise wollten wir im ehemaligen Kaufhaus Wertheim noch unsere übrig gebliebenen Zlotys unterbringen. Da mein Notzheft voll war mit Reiseerlebnissen, suchte ich ein neues in der Papierwarenabteilung und konnte mich dort nicht losreißen von einem Heft mit einem buntem Maria-und-Jesus-Bild und der Aufschrit „Religia”. So etwas hatte ich in einem deutschen Kaufhaus noch nie gesehen. Fasziniert schlug ich das oberste Heft des Stapels auf: Von der Innenseite des Heftdeckels schaute mich mit missionarischem Blick Johannes Paul der Zweite an. Und er hielt offenbar Rechenkästchen für die angemessene Religionsheft-Linierung. Zur Aufrechnung von guten und bösen Taten? Für meine schriftstellerischen Nofizen war dieses Heft weniger geeignet, aber eins war mir klar, es musste mit nach Deutschland, für einen ganzen Zloty.

Lange schob ich zu Hause das merkwürdige Heft vor einem Fach ins andere, bis ich am 1. Januar 2002 plötzlich eine Erleuchtung hatte. Von diesem Datum an, dem Euro-Stichtag, wurde es unser Haushaltsbuch. Ich fühlte mich unsicher der unbekanten Währung gegenüber, wollte erstmals in meinem Leben ehrlich alle Ausgaben noteren und fand dazu in diesem Heft nicht nur Reschenkästchen, sondern auch seelsorgerlichen Beistand – sozusagen. So kam es, dass Johannes Paul, der polnische Papst, kritisch über jede Flasche Wein und überhaupt über jeden unnötig ausgegebenen Euro in unserem Haushalt wachte und sich schon einmischte, obwohl Polen damals noch gar nicht zur EU gehörte. So war er eben.

2005, nach dem Tod des polnischen Papstes geschrieben