Auf dem Fahrrad und zu Fuß 3

Christine Ziegler

Liebe Ewa,

letzte woche sind wir nur ganz profan zum einkaufen nach havelberg gefahren, um uns in unserem feriendomizil gut einzurichten. Doch nun haben wir die stadt durchstreift und die wucht des doms auf uns wirken lassen.

wie seltsam, dass mensch sich heute streitet, ob der dom 946 oder 948 begründet wurde. lustig daran ist nur, dass schon früh die dokumente gefälscht wurden, um sich einen vermeintlichen vorteil zu verschaffen. Hat dann wohl nicht ganz so geklappt, das gleichaltrige magdeburg hat sich als stadt dann ganz anders entwickelt als havelberg.

der dom st. marien wird über die straße der romanik erreicht und viel romanisches ist auch noch erhalten, wenn auch der gotische umbau 1279 begann. Im grundriss sowie im baulichen kern blieb die romanische basilika erhalten. rings um den dom steht als extra bezirk eine kleine bischofsstadt. unten, umflossen von der havel steht die eigentliche stadt rund um die stadtkirche st. laurentius. und weil die havel, träge wie sie ist, zu mäandern neigt und sich gerne verzweigt, gehört zur stadt auch noch die petroleumsinsel, die ihren namen daher hat, dass aus feuerschutzgründen das petroleum da draußen gelagert wurde.

heute ist dort ein neuer schatz gebunkert. der NABU, in der ganzen prignitz fleißig, hat dort ein informationszentrum, das haus der flüsse, etabliert. und so wird deutlich, wie sehr in zeiten der industrialisierung die landschaft verändert wurde. heute werden zugeschüttetel havelarme wieder freigelegt und die fahrrinne kleiner gehalten und das leben kehrt ans naturbelassene ufer zurück.

unerwarteterweise ist havelberg schon sachsen-anhalt, obwohl es teil der historischen landschaft der prignitz ist und die havelberger bischöfe bis nach wittstock regierten. doch die grenzziehung zwischen den bezirken war in der ddr so, über elbe und havel hinweg. nach der wende haben die havelberger diese zugehörigkeit bestätigt.

mir gefällt dieser ungeheure turmbau sehr. Uund ich bin immer wieder beeindruckt, wenn ich landwärts hier ankomme und von dort in die havelniederung schauen kann. eine unglaubliche weite tut sich auf, der blick reicht bis stendal. da hat die eiszeit auch wieder was schönes gebaut.

liebe grüße

Christine

ps: Ich weiß noch nicht, wohin es uns diese tage noch verschlägt. Auf dem land ist viel los, die getreideernte wird eingefahren. die störche schlagen sich nochmal so richtig den bauch voll, bevor sie uns schon bald verlassen. Also schnell noch nach Rühstädt, damit sie nicht schon weg sind.

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