Neue Insekten in unserem Essen

po polsku

Ab 23. Januar 2023, also ab morgen, sind neue Insekten in Lebensmitteln zugelassen, schreibt die Zeitschrift FOCUS.
Worauf wir jetzt achten müssen?

edible seasoned fried crickets and worms

(Getty Images/iStockphoto: Die Hausgrille (Acheta domesticus) ist nun in der EU in Form von teilweise entfettetem Pulver als neuartiges Lebensmittel genehmigt.)

Käfer in Nudeln, Grillen in der Pizza: Das ist künftig möglich. Neue EU-Verordnungen genehmigen im Januar zwei neue Formen für Speiseinsekten. Einige ekeln sich, andere loben das Essen der Zukunft.

So mancher denkt direkt ans Dschungelcamp. Die Hausgrille und der Getreideschimmelkäfer dürfen nun in unserem Essen landen – in ganz bestimmter Form. Andere haben gar Sorge, dass ihnen Insekten unbemerkt untergejubelt werden. Die lässt sich ganz einfach nehmen. „Was als neuartiges Lebensmittel zugelassen ist, muss als Zutat auf der Zutatenliste erscheinen“, erklärt Daniela Krehl vom Verbraucherschutz Bayern im Gespräch mit FOCUS online. Die Europäische Union habe die Hausgrille wie andere Insekten vorher intensiv geprüft und hegt „anhand der vorliegenden Studien keine gesundheitlichen Bedenken“.

Krehl ergänzt: „Wir stehen Insekten grundsätzlich positiv gegenüber. Sie liefern viele wichtige Nährstoffe und sind proteinreich.“ Wichtig sei natürlich, dass für Allergiker ein Hinweis zu finden sei. Denn die Hausgrillen seien den Krustentieren sehr ähnlich, die zu den zwölf Hauptallergenen zählen. „Daher wäre es ein großes Problem, wenn es nicht richtig gekennzeichnet ist. Auch wer gegen Hausstaubmilben allergisch ist, sollte vorsichtig sein.“ Die Kennzeichnung ist in den aktuellen Verordnungen geregelt. Die Details dazu und was Sie zu den neu zugelassenen Insekten wissen müssen:

Zur Hausgrille: Was genehmigt die EU-Verordnung 2023/5 genau?

Die neue EU-Verordnung 2023/5 genehmigt teilweise entfettetes Pulver aus Acheta domesticus (Hausgrille) als neuartiges Lebensmittel– für fünf Jahre exklusiv für das Unternehmen Cricket One Co. Ltd (Sitz in Vietnam), das 2019 den Antrag hierzu gestellt hat.

Hier geht’s zur EU-Verordnung 2023/5 .

Die Hausgrille selbst – gefroren, getrocknet oder pulverförmig – ist bereits seit März 2022 zugelassen (Antragsteller: Fair Insects BV, Sitz in Niederlande).

In welchen Produkten kann die Hausgrille stecken?

Die Liste an genehmigten Verwendungen für das Pulver der Hausgrille ist lang. Sie ist zugelassen in

  • Mehrkornbrot und -brötchen,
  • Crackern und Brotstangen,
  • Getreideriegeln,
  • trockenen Vormischungen für Backwaren,
  • Keksen,
  • trockenen gefüllten und ungefüllten Erzeugnissen aus Teigwaren,
  • Soßen,
  • verarbeiteten Kartoffelerzeugnissen,
  • Gerichten auf Basis von Leguminosen und Gemüse,
  • Pizza,
  • Erzeugnissen aus Teigwaren,
  • Molkenpulver,
  • Fleischanalogen,
  • Suppen und Suppenkonzentraten oder -pulver,
  • Snacks auf Maismehlbasis,
  • bierähnlichen Getränken,
  • Schokoladenerzeugnissen,
  • Nüssen und Ölsaaten,
  • Snacks außer Chips sowie
  • Fleischzubereitungen.

Konkrete Produkte lassen sich für beide Speiseinsekten zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht nennen.

Zum Getreideschimmelkäfer: Was genehmigt die EU-Verordnung 2023/58 genau?

Die Larven von Alphitobius diaperinus (Getreideschimmelkäfer) in gefrorener, pastenartiger, getrockneter und pulverisierter Form dürfen zunächst exklusiv für fünf Jahre von der Firma Ynsect NL B. V. (Sitz Niederlande) in den Verkehr gebracht werden.

Konkret heißt es: „Das neuartige Lebensmittel besteht aus ganzem Getreideschimmelkäfer in gefrorener, pastenartiger, getrockneter und pulverisierter Form. Der Begriff ‚Getreideschimmelkäfer‘ bezieht sich auf die Larvenform von Alphitobius diaperinus, einer Insektenart, die zur Familie der Tenebrionidae (Schwarzkäfer) gehört. Die ganzen Getreideschimmelkäfer sind für den menschlichen Verzehr bestimmt, es werden keine Teile entfernt.“

Der Verordnungstext weist zudem darauf hin: „Vor dem Abtöten der Insekten durch eine Hitzebehandlung ist eine Futterkarenz von mindestens 24 Stunden erforderlich, damit die Larven ihren Darminhalt abgeben können.“

Hier geht’s zur EU-Verordnung 2023/58 .

In welchen Produkten kann der Getreideschimmelkäfer stecken?

Das neuartige Lebensmittel kann folgenden Lebensmitteln zugesetzt werden:

  • Getreideriegel,
  • Brot und Brötchen,
  • verarbeitetem Getreide
  • Frühstückscerealien,
  • Porridge,
  • Vormischungen (trocken) für Backwaren,
  • getrockneten Erzeugnisse aus Teigwaren,
  • gefüllten Erzeugnisse aus Teigwaren,
  • Molkenpulver,
  • Suppen,
  • Gerichten auf Getreide-, Teigwarenbasis,
  • Gerichten auf Pizzabasis,
  • Nudeln,
  • Snacks außer Chips.

Wie erkenne ich die neuen Insekten in Produkten im Supermarkt?

Grille: Die Bezeichnung im Zutatenverzeichnis lautet „teilweise entfettetes Pulver aus Acheta domesticus (Hausgrille)“ .

Getreideschimmelkäfer: Die Bezeichnung im Zutatenverzeichnis heißt entweder, „gefrorene Larven/Paste aus Larven von Alphitobius diaperinus (Getreideschimmelkäfer)“ oder „getrocknete Larven/Pulver aus Larven von Alphitobius diaperinus (Getreideschimmelkäfer)“ .

Welche Insekten sind grundsätzlich im Essen erlaubt?

Insekten werden in der EU als neuartige Lebensmittel gesehen. Wollen Unternehmen solche verkaufen, stellen sie einen Novel-Food-Antrag. Die Europäische Kommission unterzieht diesen dann durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einer intensiven Sicherheitsprüfung.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelten mehr als 2100 Insektenarten als essbar für den Menschen. Zwei von ihnen sind seit 2021 in der Europäischen Union als Nahrungsmittel zugelassen: der Mehlwurm und die Europäische Wanderheuschrecke. Nun kommen mit den neuen EU-Verordnungen die Hausgrille und der Getreideschimmelkäfer dazu.

Sind die Insekten gesund oder gefährlich?

Wer keine Allergien hat, kann die Insekten laut Verbraucherexpertin Krehl ohne Probleme ausprobieren. Denn sie liefern wertvolle Nährstoffe und Eiweiße. Allergiker dagegen sollten aufmerksam die Zutatenliste studieren.

Der Lebensmittelverband weist darauf hin, dass für beide Speiseinsekten der Hinweis erfolgen müsse, dass „diese Zutat bei Verbraucherinnen und Verbrauchern, die bekanntermaßen gegen Krebstiere und Erzeugnisse daraus sowie gegen Hausstaubmilben allergisch sind, allergische Reaktionen auslösen kann“. Dieser Hinweis muss – wenn auch nicht speziell hervorgehoben – in unmittelbarer Nähe der Zutatenliste angebracht werden. Die Nahrungsmittelfachleute betonen zudem, dass die Speiseinsekten extra gezüchtet werden, also unter kontrollierten Bedingungen mit speziellem Futter aufwachsen.

Ihre proteinreiche Nährstoffzusammensetzung :

  • Die Hausgrille liefert circa 68 Gramm Eiweiß pro 100 Gramm.
  • Der Getreideschimmelkäfer kommt auf circa 57 Gramm Eiweiß pro 100 Gramm.

Gefährlich könnte es für manche Menschen beim Bäcker oder im Restaurant werden.

Was ist aktuell problematisch?

Da die neuartigen Zutaten erst in den Markt kommen, haben sie noch nicht alle Allergiker auf dem Schirm. Krehl gibt daher zu bedenken, dass es aktuell bei loser Ware, also etwa Brot oder Brötchen beim Bäcker oder im Restaurant, problematisch sein könnte. Betroffene sollten daher nachfragen. Bäcker oder Gastronomen müssen auch die neu zugelassenen Insektenzutaten ausweisen.

Fazit:

Grundsätzlich gelten Nahrungsmittel mit Insektenanteilen als gesund und gleichzeitig als Essen der Zukunft. Die Verbraucherexpertin Krehl hofft, dass die Entwicklung in diese Richtung weitergeht. „Als protein- und nährstoffreiche Lebensmittel kann ich sie nur empfehlen“, sagt Krehl im Gespräch mit FOCUS online. „Es sind nachhaltige Lebensmittel, die etwa weniger CO2-Ausstoß und weniger Ausscheidungen produzieren.“ Allerdings gibt sie auch zu bedenken, dass noch sehr viele Fragen ungeklärt sind. Dazu zählen beispielsweise Regulation der Insektenfarmen, sodass gesichert ist, dass die hier gezüchteten Tiere nicht in die Umwelt gelangen oder Verordnungen dazu, womit die Grillen oder Heuschrecken gefüttert werden, bevor sie verarbeitet werden.

Surftipps:

My trzy i Urszula

Czyli jutro kolejne nasze spotkanie w Sprachcafé Polnisch.

Trzeci piątek miesiąca, 20 stycznia 2023
o godzinie 19:00

Polska Kafejka Językowa
Schulzestr. 1
13187 Berlin

Dojazd do stacji S-Bahn Wollankstraße

Uwaga – wokół Friedrichstrasse konunikacja zastępcza! Lepiej jechać kolejką albo metrem nr 8 do Gesundbrunnen!

Tym razem zapraszamy na spotkanie z Urszulą Usakowską-Wolff, poetką, publicystką, zbieraczką sztuki ludowej, tłumaczką, menadżerką kultury. Tak naprawdę Urszula po prostu jest i już samo jej bycie przynosi człowiekowi radość, choć jej cięte riposty i komentarze mogą też przyprawić o niepokój.
Urszula w Sprachcafé Polnisch podczas jubileuszu dziesięciolecia bloga. Fota: ktoś z uczestników wieczoru (przepraszam, nie wiem, kto?). W tle obraz Wiesława Stefana Fiszbacha.

Na swojej stronie internetowej Urszula pisze o sobie / auf ihrer Internetseite schreibt Urszula über sich:

Urszula Usakowska-Wolff wurde am 30. September 1954 in Warschau geboren. Sie lebte von 1964-1966 in Bern, dann von 1970-1974 in Bukarest, wo sie an der dortigen Universität Germanistik und Romanistik studierte.

Ihr Studium setzte sie am Institut für Germanistik der Warschauer Universität fort, das sie 1977 mit dem Grad eines Magisters beendete.

Von 1977-1981 war sie Redakteurin des Polnischen Rundfunks in Warschau.

Nach der Verhängung des Kriegsrechts am 13.12.1981 wurde sie entlassen und mit Publikationsverbot belegt.

Sie lebte von 1984-1986 in Schwaz (Tirol) und Wien.

1986 heiratete sie Manfred Wolff. Von 1986 bis 2006 lebte sie in Bad Oeynhausen. Von 1989 bis 1990 war sie Inhaberin der Galerie Usakowska-Wolff in Herford. Bis 2019 kuratierte sie über 60 Ausstellungen, vorwiegend polnischer und osteuropäischer Kunst, in Deutschland.

Seit Mai 2006 lebt sie in Berlin.

Urszula Usakowska-Wolff ist freie Journalistin, Lyrikerin, Herausgeberin und Übersetzerin polnischer Literatur; seit Mitte der 1990er Jahre publizierte sie in Polen und Deutschland hunderte Beiträge über die deutsche und internationale Kunstszene.

Von 2007 bis 2016 war sie Mitarbeiterin der Berliner Straßenzeitung strassen|feger, wo sie als freie Kulturredakteurin zweimal im Monat in der Rubrik »art strassenfeger« ihre Ausstellungskritiken und Texte über die zeitgenössische Kunst veröffentlicht.

Bis Ende 2022 war sie Korrespondentin der Vierteljahresschrift des Polnischen Skulpturenzentrums in Orońsko, für die sie seit 1998 jährlich vier umfangreiche Texte im Jahr über die deutsche und internationale Objekt- und Installationskunst schreibt. Sie war freie Mitarbeiterin der Kunstmagazine art in berlin und stayinart – und arbeitet mit dem Portal Porta Polonica in Bochum zusammen.

2006-2011 – Vizepräsidentin des PEN-Zentrums der Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Exil deutschsprachige Länder (Exil-PEN)

2009-2011 – Mitglied des Programmrats des Polnischen Skulpturenzentrums in Orońsko.

Preise und Auszeichnungen:

Ökumenischer Preis »Schafe Davids« der Stiftung Sacro-Art & der Stiftung Merkuryusz der Krakauer Journalisten für Aktivitäten zur deutsch-polnisch-jüdischen Aussöhnung

Pegasus-Medaille der Akademie der Schönen Künste in Warschau für die Popularisierung der polnischen Kunst in Deutschland

Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen für die Popularisierung der polnischen Kultur und Literatur in Deutschland

ART & POETRY BY URSZULA USAKOWSKA-WOLFF

Frauenblick: Bernardine Evaristo kontra Annie Ernaux

Monika Wrzosek-Müller

Jeder kämpft um seinen Platz in der Welt; selbst die bloße Existenz beweist das. Doch in der modernen, kapitalistischen Welt ist dieser Kampf zum Sinn des Lebens geworden. Manche haben mehr Kraft, Wut, Charisma, Talent, so dass sie sich an die Spitze durchkämpfen und sich da oben dann etablieren. Das Recht des Individuums auf Eigentum, auf seinen individuellen Weg ist festgeschrieben und das wird als Erfolg gefeiert. So wundert es niemanden, dass dieser Kampf und die Karriere wichtiger werden als das Leben mit den Mitmenschen, als die Moral – umso weniger, als die Kirchen immer weniger Zulauf haben und kaum jemand sich noch als gläubig bekennt und nach religiösen Geboten lebt.

Zunehmend kämpfen auch verschiedene Teilgruppen um ihre Rechte, wahrscheinlich zurecht. Nur, müssten wir nicht immer im Kopf behalten, dass mehr Platz für mich weniger Platz für andere bedeutet – was in den laufenden Auseinandersetzungen gar nicht beachtet wird.

Für mich interessant wird es, wenn solche Kämpfe in der Literatur ausgetragen werden, wenn die Literatur gar zur Waffe des Kampfs wird.

Der erste Satz in Annie Ernauxs Rede bei der Verleihung des Nobelpreises an sie klag nach erbittertem Kampf:

j`ai écrit pour venger ma race“ – „Ich habe geschrieben, um meine Rasse zu rächen“. Was meinte sie denn damit, sie, die weiße Tochter einer weißen christlichen Mittelklassefamilie in Frankreich. Es geht nicht um ethnische Herkunft auch wenig um das Geschlecht. Viel mehr meint sie ihre „Benachteiligung“ als eine, die nicht in die Elite der herrschenden und reichen hineingeboren wurde. Und letztendlich geht es um ihren persönlichen, eigenen Kampf um den persönlichen Aufstieg. So wie ich die Bücher unserer diesjährigen Nobelpreisträgerin verstanden habe (gelesen habe ich: „Die Jahre“, „Der Platz“, „Eine Frau“), hat sie tatsächlich für sich, für ihren Platz in der Welt, in der Literaturgeschichte geschrieben. Immer wieder über sich selbst, über ihre Eltern, ihre Mutter, ihren Vater berichtet – sachlich, wenig emotional, ausführlich, auch interessant, aber nur ihre Welt fand Eingang in die Beschreibung. Auch in der gut halbstündigen Rede drehte sich alles um ihr Schreiben, ihren Weg, ihre Suche nach der geeigneten Sprache, erst ganz zum Schluss kamen allgemeinere Aussagen über die Welt um sie herum. Mich macht immer wieder diese selbstbezogene Perspektive stutzig, die Welt ausschließlich durch die eigenen Augen, aber auch durch das Prisma der eigenen Interessen zu sehen, was bei manchen Autoren fast an Narzissmus grenzt; so bei Emmanuel Carrère in seinem Buch „Yoga“, bei dem ich völlig entsetzt war, da er gerade diesen Narzissmus als den yogischen Weg kennzeichnet, wo doch das Zügeln des eigenen Ego das Hauptziel des Yogaweges sein sollte. Ist das nicht ein bisschen dürftig für große Literatur, das ständige Kreisen um sich selbst…

Ein Gegenbeispiel bot mir das Buch von Bernardine Evaristo „Mädchen, Frau, etc.“. Auf 550 Seiten beschreibt sie Schicksale und Lebenswege von 12 britischen Frauen, die alle zu den „people of colour“ gehören. Ihre Lebensläufe sind miteinander verflochten und daraus resultiert für mich die Erkenntnis der Schriftstellerin: wir sind miteinander verbunden, wir leben nicht jeder für uns allein. Die geschilderten Umstände und Ereignisse werden auch durch autobiografische Tatsachen unterbaut und unterstützt. Wenn man sich die Interviews mit der Schriftstellerin anhört, erfährt man, wie viel Parallelen es zu ihrem eigenen Leben gibt; das macht das Buch so authentisch und kraftvoll.

Es ist durchaus ein feministisches Buch, es streitet für die Rechte der „coloured“ Frauen in England. Auch wenn Sätze fallen wie: „Feminismus ist doch voll Herdennummer, hat Yazz [die Tochter der Hauptheldin] ihr erklärt, ganz ehrlich, heute ist es sogar schon durch, noch eine Frau zu sein, neulich hat bei uns an der Uni diese nicht-binäre Aktivistenperson gesprochen, M M das war der mega Eye-Opener für mich, ich denke, in Zukunft sind wir irgendwann alle nicht-binär, weder männlich noch weiblich, was ja alles sowieso nur Genderperformance ist, und das heißt dann auch, Mumsy, dass deine Frauenpolitik überflüssig wird, abgesehen davon bin ich Humanistin, das spielt sich auf einer viel höheren Ebene ab als Feminismus
Hast du davon gehört?“

Das Buch dokumentiert fast auf ethnologische Art und Weise das Leben dieser 12 Frauen, in Gesprächen, Monologen stellen sich die Frauen vor. Sie stammen aus allen Teilen der Welt; das Einzige, was sie verbindet, ist ihre dunklere Hautfarbe und, daraus folgend, ihre komplizierten Schicksale, die irgendwie zusammenhängen. Die Schriftstellerin selbst wurde in London geboren, ihr Vater stammt aus Nigeria, die Mutter war englische Grundschullehrerin, sie studierte und war am Theater tätig, inzwischen lehrt sie kreatives Schreiben an der Londoner Universität. Über die Hauptheldin, die eindeutig die Züge der Autorin trägt: „sie widmete sich ganz der Mission, sich in schwarzer Geschichte, Kultur, Politik und Feminismus weiterzubilden, entdeckte die alternativen Buchläden von London…und stöberte dort stundenlang: Geld, um sich etwas zu kaufen hatte sie nicht, las aber Home girls: A Black Feminist Anthology von vorn bis hinten durch, im Stehen und in wöchentlichen Tranchen…
Die Buchhändlerinnen schien das nicht zu stören
Als ich schließlich an einer sehr konventionellen Schauspielschule genommen wurde, da war ich lange politisiert und stellte dort alles in Frage
Als einzige Nichtweiße der Schule…“

Das Buch liefert uns aber auch ein Panorama der Zeit; da die Frauen verschiedensten gesellschaftlichen Schichten angehören, aus unterschiedlichen Familien stammen, verschiedene Berufe ausüben, erfährt man, wie sich die Beziehungen mit der Zeit verändern, wie die Probleme sich vertiefen oder auch lösen. Es ist ein Roman, der etwas sehr Warmes, Menschliches an sich hat, er erinnert uns daran, was uns zusammenhält, was wichtig für das menschliche Zusammenleben ist. Mit Humor, wirklich oft witzig und augenzwinkernd, auf keinen Fall moralisierend, schlägt auch vor, die DNA zu untersuchen, um die eigenen Identitätsprobleme zu lösen:

„als das Testpaket eintraf, gab Penelope den Anweisungen gemäß eine Speichelprobe in das Teströhrchen, schickte es mit der Post zurück…
Jüdisch, das ging noch, aber nie im Leben hätte sie damit gerechnet, Afrika in ihrer DNA zu sehen, das war der größte Schock überhaupt, der Test hielt überhaupt keine Antworten bereit, er stellte sie vor lauter neue Fragen“

Überhaupt ist das Buch so undogmatisch und ohne jegliche Ansprüche, einer Ideologie folgen zu müssen, es zeigt die ganze Ambivalenz des Lebens in der modernen Welt.

Ich kann mir den Text sehr gut als ein Bühnenstück, vorstellen; vielleicht auf einige Episoden reduziert, aber mit dieser Wucht der Authentizität und des Gelebten, direkt vorgetragen, ohne sich in die Schablonen der gerade modernen Begriffe zwingen zu lassen.

„Dr. Roland Quartey, landesweit erster Professor für Modernes Leben an der University of London
Echt jetzt? Für das ganze moderne Leben, Dad? …‘
ist das nicht, na ja, ein bisschen sehr hoch gegriffen? Musst du dafür nicht eigentlich Experte für alles sein, in einer Welt mit über sieben Milliarden Menschen und, was weiß ich, zweihundert Ländern und mehreren Sprachen und Kulturen
ist das nicht mehr so Gottes Zuständigkeitsbereich? Sag bloß, du bist neuerdings Gott, Dad? Also, so ganz offiziell? …“

So und ähnlich laufen die Gespräche, es gibt aber auch einige episch erzählte Lebensläufe, die unkonventionell und einzigartig sind. Der Roman ist wirklich wert gelesen zu werden.

Wiersze z brodą i bez 7

Tibor Jagielski

indyk i niedziela

ptak przebiega po parapecie i potrąca ogonem kasztan
który wylądował tam przed paroma miesiącami
i rozgościł się
– brązem w srebrzystym metalu –
na moich tęczówkach

nie zmiotła go jesienna burza
ani ja
gotujący loggię do zimowego snu

a teraz
w styczniu
ogon! trach! mach!
koniec projekcji

tak to jest
z pierzastymi


jeden dzień dzieciństwa

kwiat lipy
strącany z drzew
wciskany do płóciennych worków
i zanoszony do skupu

jutro
na winniczki!

poeci

to jak wiadomo dupy
rzadko w okopach
a na bagnety to zapomnij

nie nadają się właściwie do niczego

jako meldunkowi
gubią rozkazy pod ogniem nieprzyjaciela

w kuchni upijają się z kucharzem
i przypalaja zupę

a postawieni na warcie
dają się natychmiast zastrzelić

nawet w oddziale propagandy
nikt nie chce o nich słyszeć

tylko ptaki
upominają się o nich
i chmury…

tak
jednym słowem
niepotrzebni
die dichter

sind wie jeder weiss ärsche
selten in den schützengräben
und beim bajonettangriff nie da

sie taugen eigentlich zu nichts:

als meldegänger
verlieren sie die befehle unter dem gegnerischen feuer

in der küche brennen sie die suppe an
und besaufen sich mit dem koch

und als wachposten gestellt
lassen sie sich gleich erschissen*)

sogar in der propagandaabteilung
will keiner was von ihnen hören

nur vögel
fragen nach ihnen
und wolken…

so
mit einem wort:
unbrauchbar

*) für den deutschen leser:
der polnische dichter krzysztof kamil baczynski
fiel, von einer kugel getroffen, als wachposten
während des warschauer aufstandes (1944)

Krieg und Panik

Der Beitrag wurde von Brigitte von Ungern-Sternberg zusammengestellt.

Deutschland liefert endlich Mal etwas mehr als alte Helme in die Ukraine. Dh. Panik wächst.

Liebe Ewa,  liebe Ela, (gemeint ist Ela Kargol – Anm.d.R.)

es gibt eine interessante ARTE Doku darüber, wie die Anrainerstaaten der Ostsee aufrüsten, um Putin ‚klare Kante‘ zu zeigen. Ihr habt sie ja vielleicht schon gesehen. 

Ich denke, Putin wird der Appetit auf weitere ‚militärische Aktionen‘ inzwischen vergangen sein, solange er sich mit der Ukraine abarbeitet. Aber man kann nie wissen.

Aus Estland bekam ich Fotos von Sandskulpturen mit aktuellem Thema, die im Sommer entstanden sind, zwei davon im Anhang.

Mit allen guten Wünschen für 2023, hoffentlich hört der Krieg bald auf!!!

Brigitte

Drei Freudinnen und die Mauer

https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/leben-in-zwei-systemen-die-generation-der-transformation-in-polen-swr2-leben-2022-11-21-100.html

Leben in zwei Systemen – Die Generation der Transformation in Polen

STAND 18.11.2022 RENATA NASSERI

Leben in zwei Systemen – Die Generation der Transformation in Polen

Malgorzata, Agnieszka und Renata wurden 1973 in Poznan geboren. In der Schule waren sie unzertrennlich und lernten, dass es kein besseres und gerechteres System als den Kommunismus gibt.

Beim Mauerfall 1989 waren sie 16 Jahre alt. 1991 erlebten sie, wie die Sowjetunion endgültig zerfiel. Die Welt stand für sie von nun an Kopf, alte Gewissheiten lösten sich auf. Die Freundinnen mussten sich mit der neuen ökonomischen und politischen Realität auseinandersetzen.

Die frühen 1990er Jahre haben ihr Leben geprägt – bis heute.

Manuskript zur Sendung / Sendung

Sendung vom Mo., 21.11.2022 15:05 Uhr, SWR2 Leben, SWR2

Wiersze z brodą i bez (6)

Tibor Jagielski

Mechtchild von Magdeburg (1207 – 1282)

Jak Bóg do duszy przybywa

Przybywam do ukochanej
Jak rosa na kwiat.


Ewa Lipska (1945)

Die Sturzflut hat mich nicht gerettet
obwohl ich tief am Boden lag.

Die Feuersbrunst hat mich nicht gerettet
obwohl ich viele Jahre brannte.

Die Katastrophen haben mich nicht gerettet
obwohl Autos und Züge über mich hinrollten.

Die Flugzeuge, die mit mir in der Luft explodierten
haben mich nicht gerettet.

Es stürzten auf mich
Die Mauern großer Städte.

Die giftigen Pilze haben mich nicht gerettet
und auch nicht die Salven der Exekutionskommandos.

Der Weltuntergang hat mich nicht gerettet
dafür hatte er keine Zeit übrig.

Nichts hat mich gerettet.

ICH LEBE.


Julian Kornhauser (1946)

Eine Frau

Eine Frau gebiert
wird eine Blume
führt den Mann an der Hand

Eine Frau schließt die Augen
berstet explodiert

Frauenleib
empfängt
dürstet

Eine Frau geht nicht
sie schwebt

wenn sie spricht
sprechen ihre Augen und Brüste
Haut und Finger

Eine Frau liebt keinen
sie gib sich hin

Frauenblick: Irgendeinen Zug nehmen

Monika Wrzosek-Müller

Wsiąść do pociągu byle jakiego
Nie dbać o bagaż
Nie dbać o bilet
Ściskając w ręku kamyk zielony
Patrzeć jak wszystko zostaje w tyle…

[Irgendeinen Zug nehmen, sich nicht ums Gepäck kümmern und nicht um eine Fahrkarte
In der Hand ein grünes Steinchen haltend, schauen wie alles zurückbleibt]

Als ich noch in Warschau Ende der siebziger Jahre dieses Lied von Maryla Rodowicz hörte, war mir eher der erste Satz des Reifrains wichtig, mit den Jahren gewinnt eher der letzte an Bedeutung. Gerade habe ich erfahren, dass die Verfasserin des Liedtexts, Magdalena Czaplińska einen Prozess gegen die Polnische Bahn (PKP) gewonnen hat. Die Bahn hat auf Plakaten mit dem Text geworben, ohne sich um die Rechte daran zu kümmern.

Continue reading “Frauenblick: Irgendeinen Zug nehmen”

Wiersze z brodą i bez 5

Tibor Jagielski

Władysław Zawistowski (1954)

Danzig, Januar

Spät in der Nacht haben nur Huren und Apotheken Dienst
im Angebot: Syphilis und Antibrechmittel
das Meer hustet mit dem Wind in die leeren Strassen
die Fußgängerstreifen verlieren ihren Sinn.

Spät in der Nacht sind die rosa Fenster
Muscheln der Liebe
ihre Fensterscheiben spenden den erhitzten Stirnen Kühle
und der Nachtwächter trägt seine Müdigkeit auf den Schultern
und fehlender Schnee nimmt der Stadt den Sinn.

Spät in der Nacht ist die Luft wie kalter Wodka
und Pharmazeuten,
Dichter der späten Nacht,
erschrecken den Januar mit seiner Sauberkeit
und zwei Kerle tragen einen Schrank
durch Danzig
und plötzlich gewinnt die Stadt
ihren Sinn wieder im Knattern
von tausend Weckern.


Julian Kornhauser (1946)

ein interview

man lebt nicht schlecht
frieden geld
interessante arbeit ausflüge

mit bestimmten entwicklungen
ist man nicht einverstanden
weil sie begrenzen
jenes oder dieses

aber wenn man hinschaut
allgemein
ob etwas fehlt
vielleicht zu wenig fußball
oder zu viel schlamperei
aber jeder hilft sich
und wer schafft sich aufzurichten
der arbeitet auch besser
also lebt man nicht schlecht
obwohl alle meckern

vielleicht lebt man zu langsam
man hätte es lieber schneller
intensiver
außerdem haben manche fast alles
und die anderen schaffen es kaum
das ist frustrierend

und obwohl alle wissen was gespielt wird
werden wir von denen die da oben
wie kinder behandelt
das ist lächerlich

ein bisschen ähnelt das
an pfadfinderlager

mehr mut
meine herren


Ewa Lipska (1945)

Das Heim der ruhigen Jugend

Im Leihgeschäft der Meuterei
funktioniert der Speisesaal.

Roter Wein des Sees
fließt vor den Fenstern.

Man kann in ihm schwimmen
aber nur unter Geschichtsgefahr.

Nicht alle Hurrarufe
bedeuten hier Sieg.

Die Popularität genießt
der nationale Gambit.

In den Spielhallen
gewinnt man große Niederlagen.

Manche sammeln Walderdbeeren
und Beweismittel.

Unter dem Segel der Bettwäsche
segeln sie in den Schlaf.

Andere starren stur auf die Tür
als ob von dort die Rettung kommen sollte.

Denen, die an das Land über dem Kopf denken,
brennt die Erde unter den Füssen.

Das Heim der Ruhigen Jugend
ist grau wie eine Taube.

guten rutsch!

tibor