Ewa, Maryla, Joasia, Irena, Viki, Anette

Es starben in der letzten Zeit ein paar Frauen, die zu ihren Lebzeiten eine Rolle in unserem Leben in Berlin gespielt haben. Da sie aber eben gestorben sind, werden sie allmählich aus unserer Gedächtnis verschwinden.

So ist eben der Lauf der Dinge auf dieser Welt. Die Menschen verschwinden, die Sachen verschwinden, die Erinnerungen. Und natürlich auch wir werden alle Mal verschwinden. Alles verschwindet so schnell. Eins zwei drei, im Laufeschritt läuft die Zeit, wir laufen mit, schrieb Heinrich Zille.
Die Frauen, über die ich gerade denke, sind aber für unsere  heutige Begriffe nicht nur zu schnell, sondern auch zu früh abgegangen. Größtenteils nicht Mal im Rentenalter waren sie.

Es ist unumkehrbar. Ich schrieb über sie, wohl wissend, dass über Jemandem zu schreiben, den Lauf der Zeit nicht anhalten wird.

Irena Mitręga, 41 lat
Anette Schill
, 57 Jahre
Ewa Bielska, 58 lat
Maria Gast-Ciechomska (Maryla), 62 Jahre (auch HIER)
Joanna Trümner (Joasia), 62 Jahre
Wiktoria Korb (Viki), 76 Jahre

Natürlich, ich weiß, dass in dieser Zeit als sie starben, auch Männer gegangen sind, auch solche, die in Berlin, und für mich besonders, wichtig waren – Olaf Münzberg, Witold Kamiński, Professor Stanislaw K. Kubicki, auch über sie schrieb ich hier auf dem Blog, heute bleibe ich aber bei den Frauen.

Mich beschäftigt die Frage, wie wir sie erinnern können, was können wir machen, damit sie unter uns bleiben. Sie waren wichtig, sie engagierten sie, sie waren selbstlos und bescheiden. Sie drängten sich nicht ein und sie puschten sich nicht in die ersten Reihen. Sie machten und dies war ihnen der Dank genug. Vielleicht gerade deshalb werden sie schneller vergessen als die, die fresch vorne stehen und in jeder Ecke ihre Größe preisen. Über eine von ihnen – Joanna Trümner nämlich – schrieb Małgorzata Tuszyńska vom Polnischen Rat ein paar Sätze, die man, wie ich glaube, über alle Frauen, die ich hier erwähnte, schreiben kan:

Sie wird uns auf vielerlei Weise fehlen: Ihre wohlwollende Unterstützung, ihre menschliche Wärme, ihre Ratschläge, ihre
ruhige Distanz und ihr uneingeschränktes Engagement in allen Belangen der polnischen Community. Wir behalten sie in Erinnerung als eine außerordentlich taktvolle und diskrete Person, die überall dort das Gute zu entdecken verstand, wo andere die Hoffnung verloren haben; als eine Frau, die das Leben und die Menschen liebte, immer bereit war, allen, die ihren Rat brauchten, Hilfe und Unterstützung zu geben – niemals urteilend, immer unterstützend. Ihr ganzes Leben widmete sie ihrer Familie und anderen Menschen. Sie arbeitete selbstlos, engagiert und bis zum Ende – für Polen, für die Polonia in Berlin und in Deutschland. Sie fand Zeit, ihre Erfahrungen, Reflexionen und Eindrücke niederzuschreiben.

Interessant, dass etwas, was eine von ihnen betraf, über alle andere schreiben könnte!

Wie also sollen wir ihnen gedenken? Seit ein paar Jahren denke ich darüber nach. Hier liste ich ein paar Ideen auf, was wir tuen können.

Zuerst kommt die Frage – eine? Wollen wir eine von ihnen in Erinnerung behalten, oder alle? Eine zu gedenken ist vielleicht einfacher, aber wenn eine, dann welche – und weshalb gerade sie und nicht die andere? Alle? Wunderbar, aber wie? Polinnen? Anette war keine Polin. Vernachlässigte Frauen? Um Gotteswillen! Auf keinen Fall! Nicht die Tatsache erinnern, die wir kaschieren wollen.

Und die nächste Frage, die fünf W-Fragen umfasst: Wie? Was? Wo? Wann? Und die wichtigste Frage: WER? Wer soll sich drum kümmern?

Und die Wie-Frage ist auch nicht einfach, weil was wollen anstreben?

  1. Strasse /Grünalage / Platz / Park/ Brücke – Benennung / Gedenktafeln da, wo sie wohnten?
  2. Buch – Bücherreihe – mit den Texten von ihnen und über ihnen – dies haben wir, Freunde von Johanna Trümner, schon angefangen:

    3. Bibliothek oder ein Saal in der Bibliothek, mit einer Büchersammlung bzw. einer Infotafel, die man (leider) stets ergänzen und erweitern muß?
    4. Bachelorarbeit bzw. eine Reihe – z.B. bei dem Studium / Fakultät der Kulturanthropologie oder Stadtetnografie.

    Schreib uns bitte, was ihr denkt…

 

 

 

3 thoughts on “Ewa, Maryla, Joasia, Irena, Viki, Anette”

  1. Wisława Szymborska miała często wspaniałe, trafne i proste skojarzenia, o ważnych sprawach, zagadnieniach.
    Np.takie oto zdanie:
    “Ktoś tutaj był i był, a potem nagle zniknął i uporczywie go nie ma”.
    I tak sobie myślę, że ta uporczywość czyjegoś już “niebycia”, świadczy o tym, jak się w nas, tych, którzy ciągle jeszcze tu są, zapisał.
    I ten powyższy wpis, jest właśnie tego najlepszym potwierdzeniem.
    Dziekuje Ewo,
    ⚘⚘⚘⚘⚘⚘⚘⚘⚘⚘
    🥀

  2. Wie kann man die Erinnerungen behalten? Das können nur wir, die Lebenden und nur solange wie wir leben. Dann wird man uns langsam vergessen und diejenigen, die wir noch gedenken. Pessimistisch? So ist der Lauf der Dinge.

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