Reblog: Eine Nacht im November

grynszpanChristian Böhme:
Am frühen Morgen des 7. November 1938 nimmt die Geschichte ihren schicksalsträchtigen Lauf. Herschel Grynszpan verlässt gegen 8 Uhr 30 das Pariser Hotel Suez und betritt wenig später das Waffengeschäft „Zur scharfen Klinge“. Dort kauft der 17-Jährige für 245 Francs einen Trommelrevolver der Marke Hammerless samt Patronen. Dann macht sich der junge Mann im hellen Trenchcoat auf den Weg in Richtung deutsche Botschaft. Er will ein Zeichen setzen, seiner Empörung über das Schicksal der Familie und vielen tausend anderen Juden spektakulären Ausdruck verleihen.

Um 9 Uhr 45 betritt Grynszpan einen kleinen Raum, in dem ein gewisser Ernst vom Rath sitzt, und zögert keinen Augenblick: Er zieht seine Waffe, ruft „Sie sind ein schmutziger Deutscher, hier ist das Dokument, im Namen von 12 000 verfolgten Juden“, zielt auf die Mitte des Körpers und gibt fünf Schüsse auf den Legationssekretär ab.

Zwei Kugeln treffen den Jungdiplomaten.

Lese weiter im Tagesspiegel Online vom 7.11.2013

Dederonin

Dieser Text hat schon ein paar Jahre, wurde aber nie veröffentlicht. Höchste Zeit also…

Ausländer aller Länder vereinigt Euch!
VIKTORIA KORB

DIE DEDERONIN IM ABSURDISTAN

Man kann nicht das ganze Leben in einem Condom verbringen, wie man gehofft hat. Weder im Ospen noch im Wespenland. Nicht mal das Schicksal der Wossis ist „vorprogrammiert“.
Jetzt müssen sogar Apo-Opas ihre Chaos-, Flirt- und Orgasmusschulen verlassen. Man hat nicht mal mehr Zeit für`s Couching beim Psychiater – der Schweißfaktor wächst, die Wende-Hälse haben sich dem Konkurrenzkampf angeschlossen. Opa nach Europa! Polen-Allergie greift um sich. Was tun mit den weißen Negern? Neues Deutschland. Aber man muss eine bestimmte Mitbringekapazität mitbringen. Das Arbeitsamt ruft – ein Programm der Arbeitslosenbekämpfung läuft an.
Sie drücken die Schulbank, zusammen mit einem grünen Türken aus Kreuzbergistan, der nicht mehr Berliner Kebab und anderes Kochgut nach Senatsvorschrift grillen will, obwohl die Ost-Kuh hoffentlich kein BSE hat. Neben ihnen als Frauen getarnte biologische Mannekins. Ist diese Gestalt hier ein als Frau verkleideter Mann oder eine als Frau verkleidete Frau? Aber unter ihnen, oh Wunder, auch eine Frau weiblichen Geschlechts. Die Dederonin teilt das Klassenzimmer mit Yuppie-Puppen, Atrappen der Menschen, ausgestopften Anzügen.
Puritanische Singles und Komputerwitwen unter sich. Man braucht nicht mal eine Anti-Sex-Liga oder Islamvorschriften, damit Ruhe herrscht. Wenn überhaupt, gibt es sterilen Micky-Maus-Sex mit Kondomen und Socken an, der oft auch mit der Dusche verwechselt wird.
Neurosenkavaliere, Vereinigung der Papieris, künftige Papiertiger.
Auch die Sozialistische Prinzessin aus Brandenburg ackert an den modernen Glaskugeln. Sie hat keine Angst mehr, die Maus in die Hand zu nehmen. Sie zieht jeden Tag ihren Panzer an und fährt mit der S-Bahn zur Schule. Dort kann sie sich im Internat vernetzen und digitalisieren. Nur ab und zu sagt der empörte Lehrer: „Aber Frau Schmidt, hier fehlt doch der Abstand nach dem Punkt!“
Sie wurde zum Mitglied der Fließbandgesellschaft mit einem Computerchip im Hirn. Auch wurde sie in den Marktstamm und in die Stressgemeinschaft aufgenommen. La deutsche Vita. Teutonik schlägt durch. Sie weiß, wann man Papiere in einer Plastikhülle verschicken soll und wann ohne. Sie weiß, wo was piepst. Sie verwöhnt sich mit dem Desodorant Marke German Sweat, trinkt Prosecco, den König der Weine und isst köstliche alternative Eier. Sie ist psychischen Verkaufsvampiren zum Opfer gefallen.
Jetzt ist auch sie Sklavin des mit Müll überfüllten Briefkastens.
Sie hat schon alles bundesweit im Kopf, sie kennt die Verbonnung und bald wird sie zum Staatsburger der BeBra.
Sie hat die Coca-Colonisierung überstanden, nur ihre Kunstblume ist eingegangen, trotz sorgfältigen Gießens. Oder gerade deswegen – zu spät hat sie bemerkt, dass sie aus Plastikstoff war.
Blume, Tier und Mensch als Störfaktor.
Aber „geh doch nach Drüben“ kann man ihr nicht mehr sagen,
„Drüben“ ist verschwunden. Nur ab und zu kommt die Ostalgie.
Aber die strenge, gnadenlose Buba, die BUndesBAnk, regiert das vereinigte Land. Von Stasiland zu Absurdistan. Sie liest, dass Mielke unter STASI-Verdacht steht. Berliner Amok häuft sich. Die Zeit der roten Grütze ist vorbei und die Dederonin muss am Rattenwettbewerb mit elektronischen Ellbögen teilnehmen.
Pre-feriale Hysterie abwechselnd mit toter Hose-Zeit der Ferien. Die Rucksack-Berliner fahren hektisch herum auf Rollenskatern und simulieren stürmische Aktivitäten.
Das ganze Jahr in wenige Monate eingepresst – Mein Krampf.
Die Kreis-Säge der Zeit dreht sich.
Deutsche Frau trägt wieder Zöpfe, sagen die Regenbogenblätter.
Nekrofilosemitismus blüht im Neuen Deutschland – wie schön und einfach ist es, tote Juden zu lieben. Ein guter Jude ist ein toter Jude. Die Flucht nach hinten hilft gegen die Zeit.
Ach dieses Hotel Adlon, ach die Comedian Harmonists, ach diese Klezmermusik, ach diese Hinterhöfe, Synagogen, ach diese umgebrachte Kultur, ach diese Wissenschaftler, die für Deutschland Nobelpreise ansammelten…
Mit den Lebenden ist es unendlich schwieriger. Die gibt es aber Gott sei Dank kaum – keine Luftmenschen mehr da.
Aber die Zeitbombe tickt – sie kommen doch aus Russland…
Ach diese Stättle, die sie nicht wollen… Ach diese Bomben vor den Gemeinden…
Die braune Soße kocht. “Ausländer raus aus Deutschland“ – “Deutsche raus aus Deutschland“, antwortet ein anderes Graffiti…
Es ist nicht wahr, dass die Deutschen ausländerfeindlich sind, sie sind untereinander auch so, sagt ein Andersrassiger.
Der Klassenkampf tobt wieder und die rote Socke wird zur weißen Weste des Moralisten oder zur weißen Socke des Unternehmers.
Stasigysi, Gysistasi, Stasigysi, Gysistasi singt das Fernsehen monoton zum Einschlafen abwechselnd mit der „Steuerreform“.
Das Rad der Geschichte dreht sich. Gestern war Jelzin in gefeierter Demokrat, der das Parlament stürmte, heute ist es umgekehrt. Oder doch nicht? Gestern begangen die Serben Brutalitäten gegen Moslems, unsere Verbündeten, und heute ist es umgekehrt. Oder doch nicht? Wie wurde es gerade im Fernsehen verkündet? Uran hilft allen.
Die Nachgeborenen von Hitler und Stalin regieren in Europa. Wie soll es denn aussehen?
Wir schützen Arbeitsplätze vor Ausländern. Aber vielleicht brauchen wir sie bald, damit sie unsere Renten zahlen?
Und je rauher die Sitten, umso herzlicher die Einladungen. Neuerdings gibt es nur noch “herzliche Einladungen“.

Ich lade in den Wald ein:
Ein deutscher Wald
und dadrinnen:
Deutsches Gras
Deutsche Eichen
Deutsches Moos
Deutsche Eichhörnchen
Deutsche Hirsche
und Deutsche Spinnen.
Deutsche Ameisen und ihre Haufen.
Und unser großer, Deutscher Scheißhaufen.

Was nicht im Lebenslauf steht

Dorota Cygan stellte uns wieder einen ihrer Texte zur Verfügung, der zwar auch, wie die anderen, schon im Jahrbuch des Internationalen Studienzentrums Berlin (ISB), diesmal 2002, veröffentlicht wurde, den man aber auch im Netz nirgendwo findet.

Dorota Cygan

Was nicht im Lebenslauf steht
Eine Glosse zum Fragebogen-Unwesen im Dritten Reich

In vielem war das Dritte Reich kaum zu überbieten, doch die Maßnahmen zur Disziplinierung und Gewissensprüfung des Subjekts bildeten hinsichtlich ihrer Zahl  sicherlich den absoluten Gipfel. Von den „harten“ Maßnahmen ganz abgesehen, waren die „weichen” Mittel, Einzelne für das Regime zu gewinnen, recht vielfältig und raffiniert. Unter vielen sei hier eine genannt, die die gesamte Nation umfasste: der Fragebogen. In Tausenden von Varianten entworfen, umspannte er wie ein engmaschiges Netz auf vielfache Weise die ganze Nation, weil die erwünschten Informationen von unterschiedlichen (miteinander aber eng verflochtenen) Stellen erhoben wurden. Doch was für widerspenstige Geister zur Qual oder sogar Falle werden konnte, hat bei manchen linientreuen Schriftstellern einen gewissen Selbstbestätigungseffekt erzeugt: Der eigene literarische Erfolg, vielfach in den Fragebogen (etwa der Reichsschrifttumskammer)* zu Protokoll gegeben, hat manchen bestätigt, wenn nicht sogar beflügelt. Und er hat manch einen dazu angeregt, den eigenen Werdegang und Schaffensweg nicht in langweiligen Lebensdaten und Auflagenzahlen auszudrücken, sondern zumindest in Form einer literarisierten Autobiografie dem Volke zu schenken. So haben in vielen Fällen die nach dem damaligen Verständnis „politisch korrekten” Schriftsteller ihren Leistungen einen vergoldeten Rahmen gegeben und ganze Ketten hochtrabender Sinnsprüche mit den schillernden Diamanten ihrer schriftstellerischen Erfolge besetzt. In diesen unzähligen Lebensgeschichten und Lebensbildern fanden sich Angaben über Auszeichnungen, Ehrungen, Abzeichen, Preise, Filmprojekte und Rundfunksendungen, vor allem aber Lebensweisheiten, die zu einer Devise für die Leser werden konnten. Diese erfüllten vorzüglich ihre Vorbildfunktion und dienten unterschwellig der Selbstbeweihräucherung – freilich mit der fatalen Folge für das Bewusstsein, dass der auf den Sockel gestellte Schriftsteller tatsächlich begann, sich selbst für ein Monument zu halten. Es ist aus heutiger sicht nicht sehr schade darum, dass etwa in den biografischen Zeugnissen des führenden Schriftstellers und Dramaturgen des Dritten Reiches Gerhard Schumann beispielsweise irgendeine gewöhnliche Lohnabrechnung nicht erwähnt oder eine 1941 erlittene Verwundung nicht präzisiert wird als Granatsplitter im Gesäß. Schade nur für den Betroffenen, dass in all den selbst verfassten und selbstbezogenen Lobhudeleien sein Sinn für das Normale verloren ging. So zeigt es sich manchmal, dass ihm sein Ruhm schwer zu schaffen machte: “Dichtertöchter” habe er laut seinen eigenen Worten gezeugt und nicht gewöhnliche Töchter.
schumann-dokumenty

Auf das Überzeitliche und Ewige bedacht, versetzte Schumann in seinem Schaffen das politische Drama mit sittlichem Pathos und war bemüht, dem Ganzen eine gleichnishafte Deutung und klare Botschaft zu verleihen. Dieser Kunstgriff wäre ihm wohl so wie vielen seinen regimetreuen Zeitgenossen auch in Bezug auf die eigene Biografie beinahe geglückt, und wir hätten heute nichts als makellose, glatte Konstrukte aus beschönigten Fakten und Wunschbildern, wenn nicht (Ironie der Geschichte?) ausgerechnet die um den Ruhm ihrer Dichter bemühten nationalsozialistischen Kulturbeamten selbst alle Dokumente und ihren ganzen Schriftverkehr aufs penibelste archiviert hätten. Und wenn dieses Material, von allen Kriegswirren verschont, nicht in den Beständen des Bundesarchivs gelandet wäre, sehr zum Leidwesen der einstigen Größen. Über den hoch gefeierten Schriftsteiler Gerhard Schumann, Gauleiter der NSDAP Württemberg, Chefdramaturg des Württembergischen Staatstheaters und schließlich SS-Untersturmführer, haben sich dank der Pedanterie der Beamten u.a. Fragmente eines interessanten Schriftwechsels erhalten, der an dieser Stelle herangezogen sei. Im Februar 1939 wandte sich nämlich Schumann, nachdem er, wohl ein wenig verdutzt, seinen Namen unter einem unbekannten Gedicht abgedruckt vorfand, an den Hauptschriftleiter der Zeitschrift ,,Der Sturm” mit der Bitte um Aufklärung, wer der Autor des Gedichts sein möge, denn es handle sich sichtbar um ein Plagiat: Diese Verse stammten mit Sicherheit nicht von ihm, Schumann. Den Ernst der Lage   eingeschätzt, wandte sich daraufhin die Schriftleitung dieser Zeitschrift ihrerseits gleichzeitig an den Autor und an die Reichsschrifttumskammer. Diese, da sie Chaos und Willkür nicht duldete, forderte umgehend den ominösen Autor des Gedichts mit größtem Nachdruck auf, unverzüglich der Reichsschrifttumskammer beizutreten und überdies zu dem Vorfall Stellung zu nehmen. Dessen Antwort kam prompt und versetzte alle Beteiligten in Staunen. Der Aufgeforderte schrieb nämlich folgendes:

„An die Reichsschrifttumskammer!

Ich erhielt lhr Schreiben vom 25. Februar 1939 und möchte Ihnen mitteilen, dass ich erst 16 Jahre alt bin. Als eifriger Leser des ,,Sturms” kam ich auf den Gedanken, das Gedicht „Regeln für Theaterbesucher” an die Redaktion desselben zu senden. Ich fand das Gedicht in einem alten Notizbuch meines Vaters, wo er auch selbst seine selbstverfassten Gedichte hinein schrieb, und war fest überzeugt, dass er das selber verfasste. Hatte ja auch keine Ahnung, dass es mir vom ,,Sturm” honoriert würde und habe das Honorar umgehend zurückgesandt. – Da ich wirklich nicht wusste, dass das Einsenden von Schriftsachen zum Eintritt in die Schrifttumskammer verpflichtet, bitte ich Sie herzlich, es mir nicht anrechnen zu wollen. Ich bin noch Schüler und so vollständig meinen Eltern abhängig. Es wäre mir daher schrecklich, wenn sie durch mich in Unannehmlichkeiten gerieten. – lch werde bestimmt nie wieder nicht von mir verfasste Artikel einsenden und bitte nochmals um gütiges Nachsehen. Heil Hitler! Gerhard Schumann”.

Im Post Scriptum desselben Briefes deutete aber der junge Schumann vorsichtig die nächste Publikationsabsicht an:

lch habe einen Artikel über die moderne Magie verfasst, den ich gern drucken lassen möchte. Da ich mich schon jahrelang damit befasse, ist er bestimmt fachmännisch. Bitte teilen Sie mir mit, ob dies zum Eintritt in die Reichsschrifttumskammer verpflichtet oder wie hoch die Befreiungsgebühr sein müsste. Muss man in der Reichsschrifttumskammer Beitrag zahlen und wie hoch ist dieser?

schumannDie Plagiatangelegenheit hätte sich leicht aufklären lassen, aber die „moderne Magie” wurde für die Reichsschrifttumskammer schon ein wenig zu heikel, schließlich stand der gute Ruf des führenden NS-Schriftstellers Gerhard Schumann auf dem Spiel. Kein geringerer als der Landesleiter der Reichsschrifttumskammer höchstpersönlich sollte folglich für die Belehrung des Jungen zuständig sein, und in der Begründung hieß es: „Es wäre ein unerträglicher Gedanke, etwa den Staatspreisträger Gerhard Schumann mit einem Artikel über die moderne Magie belastet zu sehen. Gez. Dr. Buhl“. Andere Stellen fanden den Vorfall ebenfalls bedauerlich, es hätte ja zur Verwechslung kommen können, und sie griffen zu dem weitaus bewährtesten Mittel: Sie ließen den etwas problematischen jungen Autor – was denn sonst – den Fragebogen der Reichsschrifttumskammer ausfüllen. Von nun an solle er nicht nur datentechnisch erfasst werden, sondern zur leichteren Unterscheidung auch den Zusatznamen ,,Riesa” tragen.

Die Angelegenheit hat also dank dem Einsatz mehrerer Ermittler und Abteilungen der gefürchteten Institution innerhalb eines Monats geklärt werden können, ohne dass einer der Sachbearbeiter  darüber einfach lieber beiläufig die Achseln gezuckt hätte oder die Akten in der Ablage hätte verschwinden lassen.

Was also in keiner der zahlreichen autobiografischen Aufzeichnungen Schumanns je gestanden hatte, ist nun heute zum allgemein zugänglichen Bestand des Bundesarchivs geworden und stellt den umworbenen und gefeierten Autor mit seinen kleinlichen Ängsten um Imageschädigung bloß: Der Nationaldichter Schumann bangt um seinen Ruf und mobilisiert einen ganzen Stab von Beamten, um nicht der Autorschaft eines Aufsatzes über die Magie bezichtigt zu werden. Dabei erscheint er so authentisch, wie ihn die Hochstilisierung zur Dichtergröße durch die Nationalsozialisten niemals zu zeigen vermochte.

Diese unscheinbare Anekdote vermag aber mehr auszusagen als nur den akkuraten Lebenslauf eines vorbildlichen Nationalsozialisten zu korrigieren. Sie sagt nämlich etwas über die Tätigkeit einer Institution aus, die als wichtiges Instrument der nationalsozialistischen Lenkung im Kulturbereich von den Akteuren des Kulturlebens gemeinhin gefürchtet wurde. Sie zeigt vielleicht, dass unter vielen weltanschaulich motivierten und für die einzelnen Betroffenen oft folgenschweren Entscheidungen der Reichsschrifttumskammer – etwa bei Publikationsgenehmigungen oder Berufsverboten – nicht nur unendlich viel verwaltungsnotwendiger Kleinkram stecke, sondern auch – im Kontrast zu dem institutionellen Ernst – manch ein Jux sich verbarg, wie etwa die Geschichte über einen 16-jährigen Plagiator. Bei der Durchsicht derartiger Dokumente fokussieren wir heute, nach über 60 Jahren, unseren Blick auf eher unscheinbare Momente und Angelegenheiten und können über manch einen Fund rätseln oder uns mit schmunzeln an ihm erfreuen. Die nicht hoch genug einzuschätzenden Fragebögen des Dritten Reiches sind ein gutes Gegengift gegen den hochdosierten Ernst der gelackten Schriftstellerbiografien aus dem Dritten Reich. Solche und ähnliche Schriftzeugnisse der Verwaltungspoesie sind eine Quelle für Erforscher der Alltagsgeschichte, die der üblichen groß angelegten Ideengeschichte misstrauen und verschmitzt hinter die offizielle Fassade bzw. in den Keller gucken wollen. Was ist denn authentischer als Menschen mit ihren Rivalitäten, Eifersüchteleien, Scharmützelkriegen um Anerkennung, Einflussbereiche und finanzielle Vorteile?  Umso mehr, als sie in der am stärksten dämonisierten und ideologisierten Epoche der deutschen Geschichte, im Dritten Reich, gelebt hatten. Wir gewinnen – freilich in einem ganz schmalen Spektrum – Einblicke in die Welt der mitwissenden Zeitgenossen und rekonstruieren aus den Fragmenten das Ganze. Auf diese Weise geben wir unserer indiskreten Schnüffelarbeit eine plausible Rechtfertigung… und profilieren uns als Forscher.

Ist das nicht schön?


* Reichsschrifttumskammer (kurz RSK) war ein obligatorischer Berufsverband fur diejenigen Schreibenden, die vom schreiben lebten bzw. viel publizierten. Alle anderen waren vor jeder beabsichtigten Publikation gezwungen, eine Befreiung von der Mitgliedschaft zu beantragen – diese wrde in der Regel auch erteilt. Die RSK verpflitete alle ihre Mitglieder, jedes Jahr einen Fragebogen über schrifistellerische Tätigkeit, Einnahmen. Zugehörigkeit zu den Berufsorganisationen und Parteizugehörigkeit auszufüllen.


Die Autorin ist sich natürlich sicher, dass jeder Sterbliche weiß, wer Gerhard Schumann war. Für diejenige, die es jedoch vielleicht nicht so ganz genau wissen, hier ein Link.

Zu sehen ist “…nur noch Niedertracht und Undank rings”, schrieb Gerhard Schumann über die Zeit seit dem Ende des Dritten Reiches.
Mehr

Buty

Kolejny tekst – tym razem wyróżniony – nadesłany w roku 2011 na ogłoszony przez Polską Radę w Berlinie konkurs literacki: “W 30 lat po wprowadzeniu stanu wojennego. Dziękujemy Berlinowi za pomoc.”

Zanim jednak przejdziemy do stanu wojennego 1981, przypomnę, że dziś rocznica wybuchu Powstania Styczniowego. Nie mam zamiaru włączać się w obelżywe dyskusje z użyciem argumentów takich jak trotyl i wrak lub ich negowanie, bo chodzi mi tylko o Powstanie, o pamięć pierwszej lektury “Nocy i dni” i “Nad Niemnem”, o Grottgera oglądanego w starej książce dziadka, o wspomnienia mojej mamy, która jako mała dziewczynka – a urodziła się w latach 20 XX wieku! – widywała jeszcze na ulicach Warszawy powstańców w czamarach…

Przygotowując ten wpis przypomniałam sobie, że zanim doszło do Powstania w całym zaborze rosyjskim wrzało, a już jesienią 1861 roku car Aleksander II napisał do namiestnika Warszawy, Lamberta: jeżeli wybory w Warszawie ukończone, nie zwlekając ogłosić stan wojenny. W 120 lat później rozkaz też przyszedł z Moskwy.

Dorota Cygan
‘Ich to po butach poznać’

‘Ich to po butach poznać’, rzuciła ciotka przy stole, która Niemców ani znała ani nie znała, ani lubiła ani nie lubiła, ani nie widywała jakoś często. Jakie  dziwne, po czym się niby poznaje  to, co nam obce. I jeszcze w to wierzy. Ale hasło ‘buty plus Niemcy’, raz wrzucone do intranetu pamięci, od razu posłusznie wyrzuciło skojarzenia i obrazy, bez porządku, według jakiegoś pokrętnego algorytmu, przeczącemu logice: ‘pod niemieckim butem’, ‘znów buty, buty, buty’, takie tam śmieci i odpryski pamięci. Ale jedno wrażenie, jakieś wyraźniejsze, odbite w majowym albo kwietniowym słońcu pewnego przedpołudnia w osiemdziesiątym drugim, przypadkiem wywołane, zostało na chwilę dłużej.

Taki oto widok z trzeciego piętra bloku na ścieżkę między domami: Sznureczek ludzi w drodze do kościoła, a co któraś pani w takich samych niebieskich butach. Czy były ładne, trudno powiedzieć, a dlaczego akurat niebieskie, jeszcze trudniej. Nie granatowe ani białe. Bo że buty mają być białe na lato, a brązowe lub czarne na resztę roku, to było oczywiste. Jak i to, że się nie znam na modzie, rzecz jasna. Ale niebieskie? Co to za kraj, te Niemcy, gdzie się nosi taki pośredni kolor? I to jako dorosły człowiek. I jeszcze wysyła ciężarówkami do Polski. Tirami tak ogromnymi, że ledwo się przecisnęły pod plebanię, każda na oko jak nasz Star razy sześć. Rozładowywane potem bez zbędnych słów przez bardziej zaangażowanych parafian.

Ile par nóg potem nosiło te buty, nikt chyba nie policzył. Ani nie zbadał, czy ci ludzie utworzyli jakąś  przejściową wspólnotę, taki sezonowy świecki zakon, ani czy uśmiechali się do siebie na ścieżce do kościoła, lub czy dzisiaj jeszcze siebie pamiętają. Z góry w każdym razie te  nogi w drodze na mszę wyglądały jak niebieskie wahadełka. Iwonka, napotkana innym razem na tej samej dróżce z czteroletnią siostrzenicą, pokazała palcem na buciki małej. Czarne lakierki, też z darów, niby nic zaskakującego. Ale, uwaga, zdjęte z nóg lalce. Coś podobnego. No, żeby produkować buty w niepotrzebnych kolorach, dla zbytku, w kolorze zarezerwowanym dla dziesiątej pary butów w szafie, to jedno. Ale robić lalki wielkości małych dziewczynek i ubierać je w prawdziwe lakierki? Jakiś inny ten kraj. Może nie ma się w sumie co dziwić, skoro można dostać w paczce stamtąd flamastry w trzydziestu sześciu kolorach. Od własnej matki co prawda, którą stan wojenny zastał na Zachodzie, ale taki niepojęty nadmiar barw jakby nabierał znaczenia interkulturowego przekazu. Dzieciom w szkole opowiedzieć nie miało sensu, to trzeba byłoby pokazać. Niemcy to taki kraj, gdzie jest sto kolorów do mazania w zeszytach, pełen indywidualizm, rzeczywistość, w której się takie rzeczy kupuje jako oczywistość, podobnie jak gdzieś indziej, przecież całkiem niedaleko od nich, istnieje sto odcieni szarości lub – to akurat znacznie dalej – rozróżnia się dziesięć odmian białego śniegu. To taki kraj, gdzie ktoś  sam z siebie wpadł na to, że gdzieś indziej potrzebne są buty. Może nie wszystkim, tym rozpieszczonym, mającym krewnych w Berlinie Zachodnim, niekoniecznie. Ale takim jak Jarek z VIa, który całą zimę chodził po śniegu w tenisówkach, bo czegoś innego matka w sklepie nie dostała, to owszem. Bo też szkolne akcje pod nośnym tytułem Buty dla każdego ucznia, dzięki nagłośnieniu na tyle wiarygodne, że na listę zapisywał się bez wyjątku każdy, kończyły się zwykle tym samym, mimowolną lekcją wychowania obywatelskiego – gdy butów przychodziło po jednej parze na klasę, komuna znów musiała lansować hasło kontaktu bosych stóp z Matką Ziemią. A dzieci solidarnie przyznawały tę jedyną parę jakiemuś Jarkowi ze swojej klasy.

Więc jednak przenikliwość darczyńców wielka, a i sprawność logistyczna też. Skądś musieli jednak wiedzieć, że akurat buty, bo kiedy przyjechał Heiner z Berlina w odwiedziny, też pytał, czy by się nie przydały jakieś adidasy. Długo faktycznie służyły, wygodne i wysokie nad  kostkę, można je było nosić do przykrótkich spodni, o których kolega złośliwie mawiał, że jak ktoś nosi za krótkie spodnie, to po to, by się wydawało, że ma bardzo długie nogi. No, albo żeby wyeksponować buty. Długo więc służyły, jeszcze po śmierci Heinera, po którym został także taki niespotykanie długi szalik do kostek oraz – jako dźwiękowy zapis w pamięci – jedyna fraza, którą znał po polsku i wciąż powtarzał, gdy się napił: ‘jeszcze Polska nie zginęła’.

W tirach były pewnie i inne różności, uprzywilejowanym dzieciakom znane skądinąd, ale otaczała je cisza i tajemnica, jak przystało na miejsce – rozdzielane w sąsiedztwie ołtarza wędrowały w ciszy do nowych właścicieli, stając się centrum niemal liturgicznego obrządku. Rytuał to sposób na chaos lub roszczeniowość potrzebujących, a wspólnota rozdzielających zalążkiem hierarchii. Będący poza kręgiem szemrali więc po cichu przeciw uprzywilejowanym, że należy im się więcej, a dary w wyobraźni robiły się coraz bardziej nieprzebrane. Wkrótce miały zaspokoić potrzeby wszystkich i to najlepiej na dłużej, na zawsze. Róg obfitości w kącie kościoła.

‘Pani, a czy to na pewno te zachodnie Niemcy dają? Czy może te tutaj bliżej, demokratyczne? Ach tak? No to jednak przyjaźnie nastawieni do nas, nie tak, jak mówią w telewizji.’ Ktoś inny na to odpowiadał, że Heinz z NRD też się bardzo stara, zawsze jak przyjeżdża, przywozi ze sobą cukier. Czyli wykazuje się o wiele większą przytomnością umysłu niż znajoma Polka z Berlina, przysyłająca swojej rodzinie w paczkach torby makaronu. Szkoda, że nie octu i musztardy. Akurat tego jeszcze nigdy nie brakło. Więc byli ci Niemcy jednak w większości jakoś tam zorientowani nie gorzej niż nasi, dorzucali się spontanicznie do paczek, które sunęły potem Odrą barkami do Kostrzyna,  dalej rozwożone prywatnym samochodem po rodzinach, zaliczywszy po drodze ileś postojów kontrolnych. Te akurat uciążliwe specjalnie nie były, wojskowi szukali raczej towaru z nielegalnego uboju, bo samochód niemal szorował  podwoziem, tak niemiłosiernie obciążony, zaś z paczek z Zachodu patrole interesowały najwyżej jakieś drobiazgi, które dałoby się zjeść od razu. Ciekawą w sumie wspólnotę razem tworzyły, gdy tak  zgodnie razem  podróżowały barką węgiel i czekolada. Czekolada w objęciach węgla, pokaźne paki w potrójnych kartonach, konstruowane – podobnie jak paczki zaszywane w prześcieradła i nadawane na dworcu ZOO do Polski w (nieco ograniczonym) zaufaniu do PKP – przez polskich prekursorów Verpackungskünstler Christo und Jean Claude, minidzieła, które nie znajdą się nigdy w żadnym w muzeum europejskiej współpracy transgranicznej. Zbiory paczek, jak pozasezonowe zbiory plonów międzyludzkiej solidarności, jako regularny transfer dobra symbolicznego w postaci namacalnego, jadalnego konkretu. No, zawartość jak zawartość, wiadomo, ale i te napisy. Łamańce językowe dla dwunastoletniego dzieciaka, jakieś dziwne kreacje spółgłoskowe ‘sch’ i ‘tsch’, nie do wymówienia, ale oglądane na opakowaniach raz po raz, utrwalane wraz z designem jako obraz oderwany od znaczenia. ‘Quelle, da weiß man, was man hat’, białe litery na granatowym tle, ‘kuelle’ brzmiało nawet fajnie. Ja, aber man weiß nicht, was man liest. Dopiero po latach, w miarę nauki języka, stawało się jasne, że ‘Götterspeise’ to nie po prostu nazwa gatunkowa galaretki, ale obietnica boskiej przyjemności, przekaz reklamowy ze zbioru symboli kultury konsumpcyjnej, który mógł faktycznie obsłużyć pewne potrzeby i tęsknoty po tej stronie granicy. I naprawdę stopniowo je wydobywał, by potem otwarcie wyjść im naprzeciw, jak się miało okazać wiele lat później.

A tak poza kwestią butów i ich prozaicznej użyteczności, przetrwały i inne obrazy pamięci, też po tej drugiej stronie. Kupowanie gazetek pod kościołem w pobliżu Osloer Straße, naładowane znaczeniowo do granic wytrzymałości, niewerbalne sygnały poparcia od znajomych Niemców, uśmiech życzliwości w zastępstwie brakujących słów, konwersacja zawężona do haseł ‘Solidarność ist eine tolle Sache’, bo język obcy zawodny, nie-giętki, ale komunikacja o ileż bardziej dynamiczna bez tej protezy języka. Kolacje wigilijne dla Polaków poza ojczyzną, włączanie obcych w kontekst własnych  Weihnachtsfeier, gesty interkulturowe nieświadomie przejęte ze zwyczajów katolickich, uważanych po drugiej stronie granicy za jedyne, własne i niepowtarzalne. Talerz dla każdego, co prawda bez siana pod obrusem, ale kto w tym miejskim krajobrazie widział kiedyś prawdziwe siano. A w kościele jedność i śpiew, potem zbiórka pieniędzy dla kraju. I trzymanie się razem. Ech, serce rosło. Jakiaś wyzwolona energia i u tych, co pakowali swoje VW Transporter do pełna proszkami, konserwami, pastą do zębów i ubraniami, żeby zafundować sobie kilka godzin trzepania na autostradzie i osobliwą przygodę z polską służbą celną, drobiazgowo studiującą konstrukcję niemieckich samochodów aż do zmęczenia materiału, także ludzkiego. Zahartowani znajdowali w tych rytuałach autopotwierdzenie, ‘was uns nicht umbringt, macht uns stärker’. Kto wie, ilu popadło w uzależnienie. Może pożenili się w końcu z Polkami? I przez następne lata praktykowali integrację europejską siedząc za wigilijnym stołem u teściowej, stopniowo włączając barszcz i gołąbki do swojego berlińskiego menu. Ile kilometrów wstęgi autostrady zapisało im się w pamięci, nie odtworzą już dziś, to wielkość niepoliczalna jak te pary niebieskich butów na ścieżce do kościoła w osiemdziesiątym drugim. Po butach ich poznacie.

Znów buty, buty, buty, tupot nóg
i ptaków oszalałych czarny wiatr.
Bułat Okudżawa, tłum. Witold Dąbrowski, Andrzej Mandalian

Weshalb nehmen wir es an?

Der Text ist vor drei Jahren entstanden und zig mal zu verschiedenen Redaktionen geschickt. Meistens ganz ohne Reaktion, aber auch da, wo man, angeblich, Interesse zeigte und etwas tun wollte, passierte gar nichts.

Offensichtlich nehmen wir es an, weil es uns überhaupt nicht interessiert.

Ewa Maria Slaska

Pavel S., geboren 1982, ist von der Geburt her ein Spastiker, einer, der unter spastischen Tetraparese leidet, einer Krankheit, die sich geistig und somatisch äußern kann, und die bei ihm, zum Glück, nur körperlich in Erscheinung trat. Diese „nur“ reicht aber vollkommen, um das Leben eines Menschen tief und unreparabel zu beeinflussen, im Grade, von dem wir, die Gesunden, überhaupt nichts wissen wollen, da die spastische Tetraparese eine Lähmung aller vier Gliedmassen bedeutet. Und dies bedeutet wiederum, dass der Mensch nie allein, ohne fremde Begleitung sein Leben gestalten wird. Nie – auch ein Wort, von dem wir, die Gesunden, keine Ahnung haben. Eine Hilflosigkeit, die einem würgen wird. Mich auf jeden Fall.

Er wurde aber als Kind sehr geliebt und wirkt heute ausgeglichen und gelassen ironisch.  Man hatte ihn fürs Leben erzogen, für Teilnahme und Teilhabe an sozialen, kulturellen und politischen Prozessen, die unsere Gesellschaft aufbauen und prägen oder aber dekonstruieren und degradieren. Ein normaler Bürger halt, mit Handicap zwar, aber bewusst und engagiert.

Er ging zuerst in eine Grundschule für Körperbehinderten, nach der 5. Klasse wechselte in eine „normale“, wo er nächste vier Jahre verbrachte. Dann kamen weitere vier Jahre in einer, ebenfalls „normalen“, Oberschule, anschließend zwei Jahre Berufsförderung, ein in Berlin und ein in München und letztendlich drei Jahre Ausbildung zur Bürokraft, die er mit Ausbildungszeugnis erfolgreich abgeschlossen hat. In dieser Zeit verbrachte er auch acht Jahre in einem Behinderten Sportverein, währenddessen er an zahlreichen Schwimmwettbewerben teilgenommen hat und etliche Medaille gewann.

2006 endete der Bildungsweg. Er kam zurück nach Berlin, war ein Jahr arbeitslos und suchte in dieser Zeit sowohl die Arbeit als auch die Wohnung. Beides gelang fast gleichzeitig und kam noch dazu mit der Zuerkennung des Pflegedienstes. Jetzt ist der Weg, auf dem er gelernt hatte, ein vollwertiger Bürger dieser Gesellschaft zu sein, abgeschlossen. Er kann zwar nicht ohne Hilfe leben, braucht eine ständige Lebens-Begleitung und eine besonders eingerichtete Wohnung, aber diese Umstände berücksichtigend, ist er jetzt ein vollberechtigter Mitglied der Gesellschaft. Mit Rechten und Pflichten, wie jeder Andere. Er arbeitet, wohnt, lebt. Beruflich kann er alles, was mit dem Büro zu tun hat: Datenverarbeitung, Internet und Emails, Telefon- und Faxdienst, Personalwesenpflege, Schriftverkehr. Dazu noch Englisch. Er reist gern, hört gern Musik, pflegt gesellschaftliche Kontakte durch das facebook, lässt sich ab und zu ins Kino begleiten.

Jetzt, drei Jahre später, ist er ein Rentner. Drei Jahre hatten gereicht, um aus einem engagierten und arbeitswilligen Menschen einen Menschen am Abstellgleis zu machen. Und, um es nach Heine zu wiederholen, dies hat mit ihren Taten die Gesellschaft getan. Mit einer, oder vielleicht zwei, Redewendungen. Es ist halt so. Und – es ist gang und gäbe. Beides bedeutet fast das gleiche. Beides weist Einen, der rebelliert, sanft aber entschieden ab. Es ist halt so, die Rebellen haben hier nicht zu suchen. Der Gehorsam ist Der Wert, der unterstützt wird. Nicht die Kritik, egal konstruktiv oder nicht. Es ist gang und gäbe.

Was ist also passiert? Es ist der 1. August 2007. Pavel beginnt eine Arbeit. Sein Arbeitsgeber waren die Berliner Werkstätten für Behinderte in Berlin-Wedding mit dem Hauptsitz Westhafenstr. 4. Einsatzort: Eine Aussenstelle der Werkstätten für Behinderten, Zeiss-Ikon Betrieb in der Goerzallee in Zehlendorf. Ein Betrieb also in dem man Geld vom Staat kassiert, dass man die Behinderten beschäftigt.

Am ersten Tag meldet sich Pavel bei der Arbeit und erfährt – von einem Gruppenleiter aber auch von einer Sozialarbeiterin – dass seine Toilettengehzeiten auf 8.00 Uhr und 12.00 festgelegt sind. Das geht bei einem Spastiker nicht. Und wenn ich darüber nachdenke, bin ich der Meinung, dass es bei einem normalen Menschen auch nicht geht. Wie kann man auf Kommando pinkeln? Oder ebenfalls auf Kommando den Stuhlgang drei Stunden anhalten? Dies war vielleicht in den Zeiten des wütenden Kapitalismus gang und gäbe, in den „Modernen Zeiten“ mit Charlie Chaplin gibt es zwar davon keine Rede, aber sich Ähnliches vorstellen kann man schon. Da sind aber 80 Jahre her und  man hat inzwischen ein paar Errungenschaften des Sozialen Staats entdeckt und auch praktiziert. Z.B. die Idee, dass der Arbeitnehmer ein Mensch ist und somit den menschlichen Nöten und Bedürfnissen ausgesetzt. Wie Pinkeln.

Was einem normalen Menschen nur schwierig erscheinen mag, ist für einen Spastiker das Unmögliche. Er kann nicht auf Kommando, und verlangt man es zu heftig, dann erlöst man bei ihm noch Angstzustände, die in Depression führen.

Er weißt es. Er weißt, dass er es nicht schafft. Er weiß, dass er auch die Ratschläge – sich bei Schwierigkeiten eine Windel zuzulegen – nicht annehmen wird. Es ist ein Höhn. Mit dem Ratschlag fühlt er sich gedemütigt und erniedrigt, und er möchte wie ein Mensch arbeiten und behandelt werden. Er ruft bei Kumpel aus den Ausbildungszeiten und bei anderen Werkstätten in ganz Deutschland an. Er möchte wissen, wie es gehandhabt wird. Was er erfährt, erschreckt. Es ist überall so. Es ist gang und gäbe in all solchen Betreiben, wo die Behinderten arbeiten. Es ist halt so! Trotzdem schreibt er an die Leitstelle des Betriebs und der Werkstätten und schildert die Situation. Benutzt die Worte, die ihm als Bürger zustehen, wie Menschenwürde.

Theoretisch gewinnt er. In einem klärenden Gespräch erfährt er plötzlich, dass es doch in dem Betreib keine festgesetzte Toilettengehzeiten gibt. Er darf aufs Klo, wann er will. Er fühlt sich in seinem Verlangen, wie ein Mensch behandelt zu werden, bestätigt. Wenn man sich wehrt, gewinnt man. Mensch-zu-sein muss man sich als Behinderte hart erkämpfen.

Die Freude dauert jedoch sehr kurz. Weil spätestens nach drei Wochen normalisiert sich die Situation im Betrieb wieder und er darf nicht mehr aufs Klo, wann er will. So also geht man mit den Rebellen um. Man lässt denen ein Gefühl, dass sie gewonnen haben und dann neutralisiert man es mit dem alltäglichen Kram. Und mit diesen zwei Redewendungen, die er nicht mehr hören kann: wieso regst du dich so auf, es ist halt so! Und zwar überall.

Bei ihm endete es so, wie es enden musste – irgendwann hielt er es nicht mehr aus. Irgendwann ging es in diesem Betrieb gar nichts mehr. Er bekam einen heftigen Nervenzusammenbruch, wurde entlassen und in die Rente geschickt. Mit so einem, der nicht auf Kommando pinkeln kann, kann diese Gesellschaft offensichtlich nichts anfangen.

Es ist jetzt ein Jahr her. Die Sache ist bei ihm immer noch heiß. Immer noch fragt er sich und die Umgebung, wie ist es möglich? Weshalb musste er wegen Pinkeln, nur wegen Pinkeln, in die Rente? Er ist doch nicht der Einzige in Deutschland. Weshalb wehren sich die Anderen nicht? Weshalb nehmen sie es an?