Weiter so, Deutschland! Vier Monate ohne Regierung… (Reblog)

Vier Monate nach der Wahl sind wir wieder da, wo wir gestartet sind: bei der Großen Koalition. Gewünscht hat sich das kaum einer. Aber wenn es nun so sein muss, dann sind hier sieben Bitten an die GroKo-Verhandler.

Spiegel online

Stefan Kuzmany

GroKo-Verhandlungen: Sieben Bitten eines müden Bürgers

Es war ein schöner Traum: Dass sich etwas ändert. Dass es eine Art Aufbruch geben könnte, je nach politischer Perspektive mehr Gerechtigkeit oder mehr Sicherheit. Oder vollen Einsatz fürs Klima oder vielleicht auch nur schnelleres Internet.

Sie war da, die Sehnsucht nach etwas Neuem. Nach einem mutigen Entwurf für ein neues Europa, das strahlt und lockt und dem unglückseligen Nationalismus ringsum etwas entgegensetzt. Oder auch die Sehnsucht nach einer Regierung, die die Grenzen sichert und die Anschläge verhindert. Es gab den Traum von mehr Debatte im Parlament, vom demokratischen Streit zwischen den Volksparteien, klaren Positionen und scharfen Auseinandersetzungen. Dieser Traum ist aus, jetzt kommt die neue GroKo. Schön ist das nicht, aber da müssen wir wohl durch. Bevor jetzt die offiziellen Verhandlungen beginnen, hier noch ein paar Bitten eines ermatteten Bürgers an die mitwirkenden Politiker:

1. Bitte keine Nachtsitzungen mehr. Sie können alles, was Sie zu klären haben, auch tagsüber entscheiden, vielleicht sogar vor Feierabend. Es ist ja nicht so, dass Sie über die offenen Fragen noch nie geredet hätten, geben Sie es doch zu: Eigentlich wissen Sie schon recht genau, wo Sie sich treffen werden. Das ist hier kein Wettbewerb um die tiefsten Augenringe, wir glauben Ihnen auch so, dass Sie sich sehr anstrengen. Zugegeben: Nachtsitzungen sind ein bewährtes Stilmittel des Politikbetriebs, sie vermitteln den Eindruck von Durchhaltewillen, Druckresistenz und Dramatik. Aber ehrlich gesagt, hat sich diese Inszenierung langsam etwas abgenutzt. Außerdem sitzen einige von Ihnen noch in der geschäftsführenden Regierung, und es wäre doch beruhigend, wenn Sie Ihr Amt einigermaßen wach ausüben könnten. Nicht dass Sie am Ende aus Versehen doch wieder ein paar Waffenlieferungen mehr genehmigen oder ähnlichen Unsinn. Bitte seien Sie vernünftig!

2. Bitte unterlassen Sie jegliche Aufplusterungen abseits der tatsächlichen Verhandlungen. Klar, das ist nicht so einfach: Mancher von Ihnen will noch was werden in der Partei, mancher will noch etwas bleiben, und da fällt es schwer, der Versuchung zu widerstehen, sich mit Klartext-Interviews und Provo-Tweets zu profilieren. Durchaus verständlich, dass Sie Ihren Parteimitgliedern und den Wählern zeigen wollen, dass Sie noch wissen, was Sie im Wahlkampf alles versprochen haben. Aber die Wahl ist jetzt vier Monate her, und bedenken Sie bitte: Sie haben nicht die absolute Mehrheit geholt – deshalb sind diese leidigen Koalitionsverhandlungen ja erst nötig geworden. Es geht jetzt um Kompromisse. Oder wollen Sie gar keine Kompromisse? Dann springen Sie bitte direkt zu Punkt 7.

3. Die CSU könnte ja bitte vielleicht doch nochmal in ihrem Herzen wühlen und dabei entdecken, dass Familie nicht nur bayerischen Wesen wichtig ist, sondern den meisten Menschen jeglicher Herkunft und Hautfarbe, was auch Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutzstatus einschließt. Sie könnten in ihrem eigenen Bundestagswahlprogramm nachschauen und feststellen, dass Sie dort einer Zwei- oder Mehrklassenmedizin “eine Absage” erteilen – da geht doch was! Gut, eine Bürgerversicherung lehnen Sie ebenfalls ab, aber die muss ja am Ende nicht so heißen. Die Obergrenze heißt ja jetzt auch nicht mehr so. Und bis zur Landtagswahl können Sie dann noch genug Krach schlagen, wenn die Koalition erst einmal steht. Der Markus macht das schon.

4. Die SPD könnte bitte mal kurz damit aufhören, sich mit sich selbst zu beschäftigen . Sicher, die eigenen Probleme sind immer die größten, aber langsam ist es auch mal gut. Sie haben doch wunderbar demokratisch debattiert auf Ihrem Sonderparteitag. Sie haben zwei Dinge geschafft, die niemand für möglich gehalten hätte: Bonn war für einen Tag wieder Hauptstadt. Und die SPD hat tatsächlich Spannung verbreitet mit ihrer Abstimmung über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen. Sie haben sich dafür entschieden, lassen Sie es damit gut sein. Dass Sie sich seither mehr mit der eigenen Jugendorganisation streiten als mit dem politischen Gegner, macht keinen besonders guten Eindruck.

Lassen Sie die Jungen doch machen! Vielleicht kommt ja sogar so etwas wie die Zukunft der SPD dabei heraus, für die Zeit nach dieser und der nächsten und der übernächsten GroKo, eine Zukunft, in der die SPD möglicherweise wieder etwas mehr Zuspruch bekommt, weil sie linker und entschlossener auftritt. Freuen Sie sich doch über neue Mitglieder, anstatt sie zu fürchten. Sie haben über 400.000, glauben Sie im Ernst, dass ein paar NoGroKo-Neuankömmlinge den Mitgliederentscheid kippen werden? Vielleicht sollten Sie besser gar nicht mehr so viel über diese Abstimmung reden. Sonst könnte noch jemand auf die Idee kommen, sich zu fragen, warum eigentlich ein halbes Prozent der deutschen Bevölkerung über Regierungsbildung oder Neuwahlen entscheiden soll.

5. Und die CDU könnte…… Ach, wissen Sie was, es ist eigentlich vollkommen egal, was die CDU macht, am Ende wird ja doch wieder Angela Merkel Kanzlerin. Aber weil das so ist und Sie im Grunde ja auch keine anderen Forderungen, Erwartungen, Visionen oder Ideen bei diesen Koalitionsverhandlungen haben, könnten Sie die Zeit nützen und sich, während die anderen beiden streiten, mal Gedanken darüber machen, wie es eigentlich nach Angela Merkel bei Ihnen weitergehen könnte. Dann ist es nämlich erstmal vorbei mit der automatischen Kanzlerschaft, daher sollten Sie einen Plan haben, was Sie mit dem sozialdemokratischen Erbe Merkels anstellen wollen. Vielleicht geben Sie es ja den Sozialdemokraten zurück?

6. Und weil wir gerade bei der Zukunft sind: Bitte tun Sie nicht so, als ob jetzt alles in diesem Koalitionsvertrag festgeschrieben werden könnte, was in den nächsten vier Jahren passiert. Wer weiß, mit welchen Krisen und Kriegen wir noch zu tun bekommen, welche revolutionäre Technik uns alle überrollt und was Trump noch so einfällt. Ein Vertrag als Grundlage einer stabilen Regierung ist schön und gut, aber es reicht nicht, so eine Vereinbarung Punkt für Punkt abzuarbeiten. Es darf keine Alternativlosigkeit mehr geben, es muss schon noch Raum für Debatten da sein. Aber eben auch das grundsätzliche Vertrauen, dass Sie auch dann zu guten Ergebnissen kommen, wenn die Realität über Ihren Vertrag hinauswächst.

7. Ach ja, und noch eine letzte Bitte: Wenn Sie das alles nicht hinbekommen, wenn die Gemeinsamkeiten doch fehlen und ganz grundsätzlich der Wille, gemeinsam zu regieren – dann sagen Sie uns das bitte schnell. Dann wählen wir eben neu. Aber glauben Sie bloß nicht, dass es danach einfacher wird.

Bracia Mann (1)

Lech Milewski

Król i rywal

Rywal

“W liście datowanym 19 marca 1950 roku, Tomasz Mann donosił:

Ceremonia pogrzebowa była godna. Przemawiali pastor kościoła Unitarnego i Lion Feuchtwanger , kwartet grał pięknie powolny utwór Debussy’ego, kroczyłem za trumną po ciepłej trawie cmentarza w Santa Monica.

Na wstędze na żałobnym wieńcu był napis: Mojemu Wielkiemu Bratu z miłością.

Tomasz Mann.

Napis bardzo konwencjonalny, ale jednak warto poświęcić mu chwilę, a to nasuwa pytanie – czy Tomasz Mann rzeczywiście uważał swojego brata za wielkiego człowieka, za ważnego twórcę? Czy w ogóle go kochał?”

Marcel Reich-Ranicki – The King and his Rival.

Ludwig Heinrich Mann urodzil się 27 marca 1871 roku jako najstarsze dziecko w rodzinie zamożnego kupca, senatora miasta Lubeki.

Lubeka… po której wędrując dzisiaj odnosi się wrażenie, że tkwi głęboko w gotyckim średniowieczu. (…) w jej atmosferze jest coś ze stanu umysłów w ostatnich dziesiątkach XV wieku, coś z histerii dogasającego już średniowiecza, coś z utajonej epidemii (…) można łatwo sobie wyobrazić, że nagle ni stąd ni zowąd będziemy świadkami jakiegoś tańca św Wita, że wyruszy skądś krucjata dzieci, że pojawią się stygmatycy…

T.Mann – odczyt O Niemczech i Niemcach – 1949 rok.

Poniżej fragment Tańca Śmierci – 30-metrowego fresku w St Marien Kirche.

Todendanz

Przez cztery lata Henryk nie musiał z nikim dzielić czasu spędzanego ze swoją matką. Tym bardziej odczuwał chwile samotności, gdy matka poświęcała się grze na fortepianie czy zapadała w długie okresy melancholii.

W roku 1875 przybył brat Tomasz, w 1877 siostra Julia, w 1881 Carla.

Rodzeństwo

Na powyższym zdjęciu Henryk ma 16 lat. Pewnie jeszcze bierze udział w przedstawieniach domowego teatrzyku kukiełkowego, który jego brat opisał w opowiadaniu Pajac.
Może jeszcze słucha jak matka czyta dzieciom. Wiadomo, że czytała im wiele opowiadań E.T.A. Hoffmana. Największe wrażenie robiło opowiadanie Sandmann (polskie tłumaczenie nosi tytuł Piaskun), o Natanielu, którego gnębią wizje Piaskuna kradnącego oczy dzieciom, które nie idą grzecznie do łóżka.

Rok później 13-letni Tomasz przeżywał głęboko nieokreślone uczucie do kolegi szkolnego – Armina Martensa.
W opowiadaniu Toni Kroger, nosi on imię Hans Hansen. Tytułowy Toni – kocha fontannę, stary orzech, swoje skrzypce, morze w oddali i cierpi z tego powodu… gdyż im bardziej kochasz tym bardziej jesteś w niekorzystej sytuacji i musisz cierpieć.
W tym samym okresie cztery lata starszy Henryk odwiedzał Pension Knoop gdzie po raz pierwszy doświadczył “normalnej zmysłowej błogości”.

To co dla Henryka było normalne, dla Tomasza było źródłem metafizycznych rozważań. Nic dziwnego, że Tomasz oceniał pisarstwo brata jako przesadne, nieumiarkowane, czasem bezwstydnie erotyczne.

Już w 1887 roku Henryk opublikował swoje pierwsze opowiadania i wiersze. Dwa lata później zrezygnował z nauki w szkole i rozpoczął pracę w księgarni Von Zahn und Jaensch w Dreźnie.

Praca była nudna i męcząca. Wolny czas spędzał w lokalach kulturalnych i rozrywkowych. Równieżw domach publicznych. Stwierdził u siebie wybuch patologicznej zmysłowości. Interpretował miłość jako najwyższą formę szczęścia, które musi prowadzić do literackiego sukcesu. Nie bez powodu nazywał swoje próby literackie Erguss.
W roku 1890 opublikował pierwszą książkę HaltlosBezpodstawnie. Następnego roku przeniósł się do Berlina gdzie pracował w wydawnictwie Samuel Fischer.

Ojciec rodziny – Thomas Johann Heinrich Mann – nie miał złudzeń co do charakteru swego najstarszego syna. W testamencie napisał:

Na kuratorów nakładam obowiązek oddziaływania na praktyczne wychowanie mych dzieci. Na ile to będzie leżało w ich mocy, przeciwdziałać skłonnościom mego najstarszego syna do tzw. działalności literackiej. (…) Podłożem jego skłonności jest marzycielski nieład i bezwzględność wobec drugich, biorąca się może z bezmyślności. Mój drugi syn podatny jest na spokojne wyobrażenia, ma dobry charakter i oswoi się z zawodem praktycznym. Po nim mogę się spodziewać, że będzie podporą dla swej matki.

Tomasz również nie spełnił oczekiwań ojca. Podobnie jak Henryk miał duże kłopoty w szkole, musiał powtarzać dwie klasy, nie uzyskał świadectwa maturalnego. Ojciec sprzedał rodzinną firmę.
Być może przedwcześnie gdyż ostatni z rodzeństwa, urodzony w 1891 syn Wiktor, odziedziczył po przodkach zdolności kupieckie. Niestety ojciec rodziny zmarł kilka miesięcy po urodzinach trzeciego syna – w październiku 1891 roku.

Zaraz po świętach Bożego Narodzenia Henryk dostał krwotoku płuc. Dwa lata spędził w sanatoriach. W tym czasie rodzina przeniosła się do Monachium. Po dojściu do pełni sił Henryk wyjechał do Włoch.

Tomasz został wezwany do odbycia rocznej służby wojskowej. Po kilku tygodniach nadciągnął sobie ścięgna w łydce i po dłuższym pobycie w wojskowym szpitalu został uznany za niezdolnego do służby wojskowej.
Jego wrażenie z wojska: wrzask, marnotrawstwo czasu i sztywny regulamin dręczyły mnie ponad wszelką miarę.

Mógł więc dołączyć do starszego brata przebywającego we Włoszech. Bracia otrzymywali od matki pensję, po 160 marek miesięcznie.

Najmłodszy członek rodziny, Wiktor 5 lat, wspominał: Wujkowie Heini i Ommo byli we Włoszech (…) czasem przychodziły od nich listy, takie jak ten –

Szkaradnie w głowę stuknięci,
przyślijcie natychmiast tysiąc.
h oraz t.

Nie zapominali jednak o najmłodszym bracie – napisali dla niego wspólnie książkę z obrazkami.

Dyskutowali też projekt napisania wspólnie książki dla dorosłych, roboczy tytuł Upadek.
Tomasz zbierał już rodzinne wspomnienia i anegdoty. Henryk miał napisać rodziały dotyczące historii rodziny, Tomasz rozdziały o jej upadku. Według Henryka napisali wspólnie kilka rozdziałów.
Nie sposób w tym miejscu pominąć wzmianki o wkładzie jeszcze jednej osoby do tego projektu.
Wiktor Mann, który każdą wolną chwilę spedzał na ulicy w towarzystwie dzieci zamieszkałych w okolicy rzemieślników, wspomina: Pewnego dnia Tomasz wziął mnie na bok i zażądał żebym wyobraził sobie następującą sytuację: monachijski drobnomieszczanin ma dosyć wymówek swojej pretensjonalnej żony i chce odciąć jej się tak, żeby nie mogła z tym się pogodzić, żeby skończyło się rozwodem.
– No więc – powiedział Ommo pełen oczekiwania – co ten człowiek zawołał do swojej eleganckiej żony?
Krzyknąłem nie zawahawszy się ani na sekundę: idź do dziabła ty ścierwo parszywe”.

Literackim owocem pobytu we Włoszech dla Henryka była książka Im Schlaraffenland (polski tytuł – W krainie pieczonych gołąbków) – satyra na szerzącą się chciwość. Dla Tomasza była nim opublikowana w 1901 roku książka Buddenbrookowie – dzieje upadku rodziny. Przyniosła mu sławę.
Może ktoś z czytelników pamięta, że w tej książce znajdują się wspomniane przez Wiktora Manna słowa.
Trudno powiedzieć, czy publikacja Buddenbrooków miała jakiś wpływ na załamanie nerwowe Henryka, w wyniku którego musiał spędzić kilka tygodni w sanatorium.

Henrykowi w dojściu do normy pomogła praca nad książką Die GöttinnenBoginie – trylogia o kobiecie, ktora odnajduje siebie – w poszukiwaniu wolności jako Diana, w pogoni za inspiracją jako Minerwa i w miłości jako Wenus. Oczekiwał, że książka, która mnie kojarzy się z Eat, Pray and Love, będzie wielkim sukcesem. Mocno się zawiódł.

W 1902 roku, najmłosza siostra, Carla, opuściła dom rodzinny, rozpoczynając karierę aktorską. Niezbyt fortunnie. Po przedstawieniu Hamleta, w którym z powodu choroby nie wystąpiła (w roli Ofelii), zabrała z teatru czaszkę i nazwała Nataniel, jak w bajce E.T.A. Hoffmanna.
Niepowodzenia kompensowała sobie ożywioną korespondencją z Henrykiem. Jej rezultatem była książka Die Jagd nach LiebiePolowanie na miłość. Dla kulturalnego świata Monachium była to książka z kluczem, rozpoznano w niej wiele znanych osobistości.
Matka Henryka miała do niego wielkie pretensje za opisywanie ekstrawaganckich czynów i marzeń swojej siostry oraz za wzorowanie jednej z głównych postaci na osobie szwagra, męża starszej siostry Julii.
Tomasz Mann napisał do brata krótko: ...was Du machst, ist krank – to co robisz jest chore.

W tym okresie Carla zakochała się w Alfredzie Flechtheimie, agencie giełdowym. Miłość była wzajemna, ale rodzice Alfreda kategorycznie zabronili mu małżeństwa z osobą nieżydowskiego pochodzenia.
Carla w dalszym ciągu w listach zwierzała się Henrykowi ze swoich przeżyć a on ponownie napisał książkę opartą na scenicznych i życiowych doświadczeniach siostry – Aktorka.
To chyba zbieg okoliczności, że w tym samym czasie przetłumaczył na niemiecki książkę Choderlos de Laclos – Niebezpieczne związki.

Rok 1905, we Florencji, Henryk poznał i zakochał się w Inez Schmied. Urodzona w Buenos Aires przypominała mu matkę – niemiecko-południowoamerykańskie pochodzenie.
W tym samym okresie napisał książkę Profesor Unrat.

W lutym 1905 roku Tomasz ożenił się z Katią Pringsheim, pochodziła z bardzo zamożnej i szanowanej żydowskiej rodziny. Karnawał bracia wraz z najbliższymi i z Carlą spędzili w Wenecji. Inez nie zyskała sobie sympatii Carli ani Tomasza, który odwracał głowę, gdy mówiła.

Goście hotelu, w którym mieszkali skarżyli się dyrekcji, że ktoś umieścił na parapecie trupią czaszkę. Było to okno Carli.
Henryk sprawdził, w czaszce była mała paczka. Carla wyjaśniła żartobliwie, że to oszczędności jej życia. Po usilnych naleganiach brata wyjawiła, że to dawka cjanku wystarczająca “na uśmiercenie całego batalionu”. Uspokoiła Henryka, że świadomość posiadania takiego arsenału wyostrza jej umysł.

Związek Henryka i Inez przeżywał burzliwe dwa lata, gdyż Inez obawiała się, że małżeństwo odbierze jej niezależność. W rezultacie związek rozpadł się.

Carla przeżywała nową miłość – Leon Landau, syn rabina z Galicji. Jego rodzina absolutnie nie akceptowała aktorki. Zaręczyli się potajemnie. Rodzice straszyli syna wydziedziczeniem, wahał się. Dotarły do niego plotki o jej aferach miłosnych Carli.
30 czerwca 1910 Carla wzięła dawkę cjanku zdolną wytruć cały batalion.
Prawie 40 lat później Tomasz Mann opisał bardzo skrupulatnie tragedię siostry w Doktorze Faustusie – Klaryssa Rodde.

W 1911 – adaptacja książki Henryka – Aktorka – została wystawiona na scenie teatralnej. W tym samym czasie Tomasz kończył Śmierć w Wenecji – wydana w roku 1913 odniosła fenomenalny sukces.

Lata 1911-13 Henryk miał romans z aktorką i mężatką, Edith Kann. Literackim owocem znajomości była sztuka Die grosse LiebeWielka miłość.
Miłość nie była chyba zbyt wielka, gdyż w tym samym teatrze poznał Marię (Mimi) Kanovą – Żydówkę jak Katia żona Tomasza, ale z dużo niższych sfer. Pobrali się w sierpniu 1914 i osiedlili w Monachium.

Rok 1914 – Wielka Wojna zaskoczyła obu braci. Ze względu na słabe zdrowie obaj nie zostali powołani do wojska.

Źródła:
1. Evelym Juers – House of Exile.
2. Aleksander Rogalski – Tomasz Mann. Instytut Wydawniczy PAX 1975.
3. Marcel Reich-Ranicki – The King and his Rival.
4. Wiktor Mann – Wir waren Fünf – Było nas pięcioro. Czytelnik 1966.

Mit den Augen des Westens (1)

Esther Schulz-Goldstein

Nackte Macht + Regression = Populismus

Vortrag gehalten am 8. 9. 2017 in der Regenbogenfabrik in Berlin- Kreuzberg

Gestatten Sie mir einen Blick in die deutsche Geschichte zu werfen, um Gegenwärtiges klarer akzentuieren zu können.

Nation war in erster Linie Staatsbürgergemeinschaft, mit gleichen Rechten für gleiche Bürger, und zwar unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft. Die Frage nach der Identität der Deutschen stellte sich im 19. Jahrhundert mit großer Dringlichkeit, denn keine wusste was das war, weil bisher die Stämme der Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben und Alemannen etc. Identität erzeugt hatten. Die deutsche Sprache als Identitätsbildner schied aus, weil sie auch von Schweizern und Österreichern genutzt wurde und deshalb erschien das deutsche Blut in den Restzuckungen der Romantik im Vordergrund.

In der Reichsgründung 1871 ließ sich Wilhelm I. im prachtvollen Spiegelsaal des Schloss Versailles, dessen Deckengemälde den Sonnenkönig, als Eroberer deutscher Städte und Länder feiert, „die vom Blut aller deutschen Stämme gekittete“ (1) Kaiserkrone aufs Haupt setzen.

In der Suche nach der Identität der Staatsbürgergemeinschaft, übertrug sich das Gefühl der Stammeszugehörigkeit auf die deutsche Nation. Die, den Stämmen innewohnende Blutsverwandtschaft übertrug sich mit und wurde zur Basis des Nationalismus. Er barg in sich nunmehr das “deutsche Blut” das die Identität dieser Mehrheit als ein Familienphantasma zu bestimmen schien. Dieser Nationalismus machte ganz langsam aus polnischen, kaschubischen ukrainischen, Staatsbürgern “Untermenschen” während man die Juden im anschwellenden Antisemitismus zu Dehumanisieren begann, weil sie das “deutsche Blut” nicht teilten. Das subjektive Bekenntnis der Bürger zum “deutschen Blut” wurde das einigende Kriterium im Nationalstaat, und nicht Mentalität oder Nationalcharakter.

Dieses familiäre Phantasma war die Abwehr einer angsterzeugenden Verunsicherung der Menschen. Die Verunsicherung nagte an ihrer bisherigen Identität, die von Bräuchen, Sitten und Traditionen definiert wurde, die sich aber aufzulösen begannen.

Der nietzscheanische Kult der autonomen Persönlichkeit als auch die Psychoanalyse, die Nacktbade- und Vegetarierbewegung, der Ausdruckstanz, die charismatischen Gemeindebildungen um Stefan George, Rudolf Steiner und Sigmund Freud, führten in therapeutische Gruppenbildungen eines von seiner Freiheit damals zutiefst schockierten Individuums.

Der heutige Populismus von lateinisch populus das Volk ist eine Abwehr von Angst durch Machterwerb (2).

Angst die durch die Auswüchse der angewendeten „marktradikalen“ Theorien Milton Friedmans entstehen, weil die Schere zwischen arm und reich sich immens vergrößert.

Ängste die durch die Grenzenlosigkeit und Auflösung alter Gewissheiten in der Globalisierung entstehen. Deren “alltägliches Handeln, in den verschiedenen Dimensionen der Wirtschaft, der Information, der Ökologie, der Technik, der transkulturellen Konflikte und (der) Zivilgesellschaft […]” (3) Ängste mobilisieren, die vergleichbar mit denen des 19. Jahrhundert sind.

Die Globalisierung begann zwar schon mit der Seidenstraße, wurde aber durch die industrielle und heutige digitale Revolution extrem beschleunigt.

Die Energiekrise, die Zeitenwende im Fall der Mauer, die immense Entwertungserfahrung im Kollaps des kommunistischen Erlösungsprojektes und der Klimawandel leiteten ein -oder fixierten- eine Regression auf der ganzen Welt, die im christlichen Raum den Populismus hervor brachte. Der Terrorismus als Antwort auf ein kriegsführendes Amerika und der Nato in Afghanistan und dem vorderen Orient, ist ein weiteres Angst provozierendes Faktum.

Das menschliche Angstproblem ist jedoch “ein Knotenpunkt im Seelenleben” (4), an welchem die verschiedensten Erlösungswege ihren Ausgang nahmen und immer noch nehmen. Einer davon ist die Regression die, die miteinander in Konflikt stehende Gefühle wie Schuld und Scham mental so bewältigt, dass die daraus resultierende seelische Befindlichkeit im Betroffenen konfliktfrei bleibt und sich daraus resultierende Wohlgefühle etablieren.

Die angestrebte Konfliktfreiheit führte in den Populismus, der Harmonie und Konsens verspricht. Sehnsucht nach beidem trägt jeder Mensch in sich. Sie entfaltet sich in seinem Regressionspotential in der Massenbildung.

Abzulesen an Fußballfans in den Arenen, auch mit entsprechender Gewaltentbindung oder bei sommerlichen Musikevents in der Nacht mit brennenden Feuerzeugen. Doch diese Form der Regression hat einen Anfang und ein Ende, während der Populismus zwar einen schleichenden Anfang besitzt aber das Ende nicht absehbar und deshalb eine permanente Gefahr für die Demokratie ist.

Angestoßen wird der Populismus in Westeuropa vom herrschenden Egozentrismus. Er ist sowohl Folge der Individualisierungsforderung als auch einer auf den Markt zentrierten und deshalb beziehungszerstörerische “Arbeitsmoral”, mit Zerfall familiärer Bindungen, die regressiv den Wunsch nach Homogenität verstärkten und in eine Umarmungsdemokratie führten.

Der rechte Populismus erzeugt einen apokalyptischen Ton aus der „Untergang des Abendlandes-Angst“, wenn sie sich von – Familienphantasma sprengenden- Muslimen “überrollt” fühlen.

Inzwischen entstand daraus ein einstimmiger Gesang, innerhalb der -von dumpfer Homogenitätssehnsucht erfüllten- Westeuropäern, der durch die osteuropäische staatstragende Visegrád-Gruppe verstärkt wird (5)

Es ist eine regressive Antwort auf bedrohliches in der Gegenwart, die alle auf der Strecke gebliebenen kindlichen Wünsche nach Geborgenheit und Harmonie verlebendigen. In der Visegrád-Gruppe kommt der einst erlebte Mangel an Schutz und die Frustrationen im Zusammenbruch des Sowjetreiches hinzu. Sie mobilisierte bei den Evangelikalen millenaristische Phantasien, die der Apokalypse des Johannes entstammen.

Der Populismus wurzelt in der Schamkultur.

In der Völkerpsychologie spricht man von einer Schamkultur, wenn ihre Grenzen und Motive durch kulturelle Muster die Harmonie und Konsens garantieren aus Tradition, Brauch oder Sittlichkeit festgelegt sind. Im Westen verloren diese Muster ihre prägende Kraft, durch den Untergang der Traditionen, Bräuche und Sitten in der sich entfaltenden Freiheit des Individuums. Deshalb ist die Schamkultur in der westlichen Gesellschaft nur noch in den homogenitäts- und konsenssüchtigen Mentalitätsträgern zu finden, und beschränkt sich auf den familiären Umgang. In der Massenbildung entäußert sie sich durch aggressive Impulse, ablesbar an den Hasspredigten auf den Montags- oder Dienstagsdemonstrationen im Osten der Republik.

Im kollektivistischen Sozialismus existierte eine vom Staat institutionalisierte Kollektivkultur und damit Schamkultur, in deren Nischen sich nur Individualisierung und Schuld- bzw. Verantwortungskultur entwickeln konnte oder auch nicht.

Dodd, der diesen Begriff prägte, untersuchte 1951 die Ilias, den ältesten Text der antiken Griechen und bemerkte, dass die Griechen der stammeskulturellen Schamkultur verhaftet waren. In diesem Zusammenhang ist ihre Schamfreiheitsformel in der “Rechtfertigung des Agamemnon” aufschlussreich. Er argumentiert, nicht er sei der eigentliche Verursacher des Krieges gegen Troja gewesen, sondern Zeus, der ihm seinen Verstand geraubt habe.

Eine solche Schamfreiheitsformel kann nur von einer Gewissenskonfiguration hervorgebracht werden, die durch Schamkultur geprägt wurde.

Scham im Kollektiv versus Schuld in der bürgerlichen Gesellschaft

So herrscht in der ehemaligen DDR, der Blick der Partei, des Arbeitskollektivs, der Schiedskommission u. ä. vor, die den Regelbruch be- und verurteilten. Es herrschte die Schamfreiheitsformel: “Man kann alles tun, nur sich nicht erwischen lassen” nicht nur bezüglich des Futters für die “private Kuh oder Sau” aus den Feldern der LPG.

Jedoch in einem ertappten “Sünder” reagierten die entstehenden Schamgefühle gleich Seismographen sensibel, auf die Infragestellung seines Grundbedürfnisses nach Anerkennung, Schutz, Zugehörigkeit und Integrität. Deshalb waren für ihn diese Gefühle so schwer zu ertragen und konnten der Schamabwehr zum Opfer fallen.

Der “Sünder Agamemnon” schützte sich mit seiner Schamfreiheitsformel nach dem trojanischen Krieg davor, dass sich in ihm ein Gefühl – sich im Mauseloch verstecken zu müssen – breit machen konnte.

Im Gegensatz dazu, beurteilt in einer Schuldkultur das Gewissen des “Sünders” sein Fehlverhalten. Denn die erst von seiner Familie und dann von der Gesellschaft aufgestellten Regeln und Normen internalisierte er in seiner Individuation. Diese Verinnerlichung verbietet jegliche Schamfreiheitsformel, denn in der Schuldkultur hätte Agamemnon bekennen müssen, dass er den trojanischen Krieg begonnen hat.

Der frühere Zwang der von den Blicken aus dem Kollektiv auf den heutigen Sünder einströmte, verwandelte sich in seiner Sozialisation in seinem Gewissen zu Selbstzwang. Entscheidet er sich, seine verinnerlichten Regeln und Normen zu übertreten, reagiert er mit Schuldgefühlen.

Im Okzident sollte idealerweise die Schuldkultur (6) mit dem Gewissen inhärenten „kategorischen Imperativ“ „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“ (7) dominieren, was voraussetzt, das, ein Individuum, die Stammesmentalität weit hinter sich gelassen hat.

Im „kategorischen Imperativ“ sind die Werte wie Wahrheit, Gerechtigkeit, Demokratie, Menschenrechte, Freiheit und Individualismus aufgehoben.

Diese Werte -in Normen übersetzt- würde einen potentiellen Sünder aus der Schuldkultur daran hintern einer zu werden.

Um Scham von Schuld noch deutlicher abzugrenzen, entstehen im “Sünder” bei Übertretung von Normen Gewissensangst die sich als Schuldgefühl äußert. Seine vom Gewissen ausgelöste Verlustangst meldet sich als Schamgefühl, weil es die Aufkündigung zwischenmenschlicher Bezogenheit signalisiert.

Jedoch niemals “sind wir ungeschützter gegen das Leiden, als wenn wir lieben, niemals hilfloser unglücklich, als wenn wir das geliebte Objekt oder seine Liebe verloren haben“ (8), um das zu verhindern lügt der Mensch und mit der Schamfreiheitsformel belügt er sich sogar selbst.

Schuld braucht keinen Blick von außen.

Sie ist die internalisierten Ge- und Verbote gestaltete Antwort unseres Gewissens. Schuld entsteht durch Handlung oder unterlassene Handlung und mündet in der aktiven oder passiven Täterschaft. Verantwortungsübernahme setzt die Anerkennung von Schuld voraus.

Scham, Sieg und Ehre

Scham ist immer ein intersubjektives Geschehen und emotionaler Ausdruck einer interpersonalen Situation. In ihr kann man seine Ehre verlieren, die aber durch die Schamfreiheitsformel immer wieder gerettet werden soll.

Falls unser fiktiver Sünder bei einer schweren Regelübertretung ertappt wird, verliert er seine Ehre, was bei schweren Vergehen, die Ausstoßung aus der menschlichen Solidargemeinschaft in den Tod evozierte.

Unter den deutschen Stämmen war in den Einigungskriegen die Gewalt eine Antwort auf ihre Not –ein Flickenteppich zu sein- gegenüber der Macht geeinter Nationen, die es umgaben.

Im Retten der eigenen Ehre, sang man in der preußischen Volks- und späteren Kaiserhymne:

Wir alle stehen dann
Mutig für einen Mann
Kämpfen und bluten gern
Für Thron und Reich!

Zum Sieg über Frankreich gehörte 1871 zusätzlich die Demütigung der Franzosen im Spiegelsaal von Versailles, als man dort das deutsche Kaiserreich gründete. Hier zeigt sich die Quintessenz jeglicher Schamkultur: Sie ist eine Veranstaltung des Gruppennarzissmus, ein Tummelplatz der Höhenflug antretenden Zugehörigkeitssolidarität, in der die Ehre gefeiert wird.

Schamkultur schützte aber auch den Narzissmus der Franzosen, durch seine inhärente Forderung zu siegen. Die Niederlage beschämte und bedeutete den Verlust ihrer Ehre. Damit wurde der Franzosen Selbstliebe 1871 zutiefst frustriert.

Festgehalten auf der Siegessäule im Berliner Tierpark, deren Fuß als polierter roter Granit vom Triumph “arischen Blutes” (9) über das der “Welschen” erzählt. Der aus französischen Kanonen gegossene Fries, verewigte den Triumph. Er wurde nach dem II. Weltkrieg von der französischen Besatzungsmacht abgeschraubt und erst 1987 zur 750-er Jahrfeier als Beutekunst des Krieges von Präsident Mitterrand zurückgegeben. So tief saß die Demütigung.

Die Spaltung des Gewissens

Eine den Narzissmus einer Gruppe rettenden und deshalb am Sieg orientierte Moralität vertieft die Spaltung der Gewissen.

Sie bringt das Rechts des Stärkeren hervor. Es erlaubt eine illusorische Versöhnung von ethischem Anspruch und Wirklichkeit.

Deshalb verabschiedete sich der kategorische Imperativ aus den Gewissensstrukturen als am säbelrasselnden deutschen Wesen die Welt genesen sollte. Denn es begann damals zu gelten: „jeder Schuss ein Russ, jeder Stoß ein Franzos, jeder Tritt ein Britt und jeder Klaps ein Japs“. Das Volk sang:

Herrscher des Vaterlands!
Heil, Kaiser, dir!
||: Fühl in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil Kaiser, dir! :||

Auf diese Weise begann das Volk den neuen Kaiser – mit ihren an ihn abgetretenen Narzissmus – zu verehren.

Auf dem Hintergrund des narzisstischen Höhenflugs im Spiegelsaal von Versailles reagierten die Deutschen nach dem I. Weltkrieg mit der Schamfreiheitsformel des “Versailler Schandvertrags” (10), der zu rächen war.

Gleichzeitig verstärkten sich die ausgiebig verteilten gefühlsmäßigen Bindungen des Einzelnen an die frühen elterlichen Bezugspersonen. Sie wurden einst auf den Kaiser übertragen, von Hitler eingesammelt und offenbarten eine Regression in die Stammeskultur mit der zu ihr gehörenden Schamkultur.

Das führte in einen nationalistischen Trampelpfad breittretenden Überschwang vaterländischer Gefühle. Auf ihm ging Hitler, das kaiserliche Heil auf sich vereinigend und die Massen hinter sich, “erfolgreich” weiter.

Die in der Masse versunkenen heilrufenden Volksgenossen enthüllten einen Mangel an Selbständigkeit, kritischer Denkfähigkeit und Initiative, eine unbewusste Abgleichung der Antworten, als Folge ihres kindlichen Anspruchs – nun mehr mit allen ganz harmonisch – ein Herz und eine Seele sein zu wollen (11). Das schließt aber die “Blutfremden” aus, mit denen das nicht so ohne weiteres möglich ist.

Schamfreiheitsformel und Homogenitäts-Forderung sind die jeweilige Seite einer Münze, die Nationalismus heißt.

In seiner Entfaltung entstanden Bilder der Grandiosität und wurden konstituierender Inhalt eines Größenwahns. In ihm begannen die, die keine Imperien besaßen zu träumen: Die Deutschen von einer Landesgrenze kurz vor Moskau, Mussolini vom römischen Reich, die Griechen von Byzanz.

Es war das Jahrhundert, in dem ein aggressiver Nationalismus in vielen Ländern Wurzel fasste. Es war das Jahrhundert, dass europäischen Nationen die Legitimität zu zusprechen schien, Minderheiten unterdrücken zu können.

Die Selbstidealisierung der Deutschen wurde mit „kulturexportierenden“ Trugbildern aufgefüllt:

„Deutschlands Berufung,
Macht und Freiheit, Recht und Sitte,
klarer Geist und scharfer Hieb
zügeln dann aus starker Mitte
jeder Selbstsucht wilden Trieb,
und es mag am deutschen Wesen
einmal noch die Welt genesen!“ (12)

Die Sündenböcke

Doch was der Selbstsucht wilder Trieb ausrottete, war der scharfe Hieb der Projektionen. Er landete auf Personen, “die unbeliebt, leicht identifizierbar und vor allen real machtlos waren” (13) und sich deshalb zu Sündenböcken (14) eigneten. Sie wurden in den Köpfen der Projizierenden mit Macht ausgestattet und zum Inhalt ihrer Schamfreiheitsformel.

In der Psychoanalyse wird Projektion als eine seelische Operation bezeichnet, durch die der Mensch eigene Impulse, eigenes Unbewusstes und all das, was er an sich selbst nicht mag, aus sich ausschließt und auf einen anderen Mensch projiziert. Dabei geht es dem Projizierenden offenkundig immer darum, „etwas nach außen zu werfen, was in sich selbst zu erkennen oder selbst zu sein man sich weigert“ (15).

Besser ausgedrückt, Agamemnon übertrug seine Regungen auf Zeus, was ihn zum Träger seiner Schamfreiheitsformel macht und deshalb wurde Zeus zum Sündenbock Agamemnons.

Auf diese Weise lokalisiert er seine eigenen Regungen in Zeus, die ihm nach seinem angezettelten Krieg nunmehr als äußere reale Gefahr im – von ihm induzierten Irrsinn – erschien.

Geglückt ist eine Projektion, wenn es den Projizierenden gelingt, die eigene (innere) Quelle dieses Vorgangs vollkommen zu verschleiern und dem, was nunmehr real geworden zu sein scheint, volles Interesse und vollen Glauben schenken kann.

Das Ziel dieser projektiven Veräußerlichung eines ursprünglich inneren Vorgangs ist es, unliebsame eigene Tendenzen so zu behandeln, als ob sie eine von außen kommende reale Bedrohung darstellen, der man, wenn Flucht nicht möglich ist, nun entgegentritt, in dem man sie vernichtet.

Zwei Vorteile erzielt der Mensch mit seiner Schamfreiheitsformel: er wird den Anforderungen seines Gewissens gerecht und findet zugleich Gelegenheit, unter der Denkweise einer legitimen Bestrafung, die eigene aggressive Bereitschaft ausleben zu dürfen.

Der Sündenbock der Arier – der Jude oder der Zigeuner – unterlag 1935 einer wahnhaften Verzerrung im Außen.

Das Blut der deutschen Mehrheit wurde in den Nürnberger Gesetzen normiert. Sie verurteilten nicht des Sündenbocks Erniedrigung und Verfolgung. Im Gegenteil forderten sie im letzten Drittel des „Dritten Reiches“ die Auslöschung fremden Blutes und wurden auf diese Weise Matrix aller Genozide. Die Nürnberger Gesetze signalisieren den Tiefpunkt der Regression im Deutschen Reich”.

Die Wiedererrichtung einer Schuldkultur im Gewissen der Deutschen

Auf dem Nürnberger-Prozess gegen die Nazielite herrschte die Schamfreiheitsformel “Ich war’s nicht, Adolf Hitler war’s gewesen”. Sie ergriff das ganze Volk. Deshalb mobilisierten die Alliierten verstärkt durch die deutsche Opposition aus dem Exil oder den Konzentrationslagern, wieder die Verantwortungskultur. Sie bescherten dem deutschen Grundgesetz den Satz: “Die Würde des Menschen ist unantastbar”.

Deutsche Historiker, und die hartleibige deutsche Justiz unter dem Frankfurter Staatsanwalt Fritz Bauer beantworteten nach einer 25. jährigen Schamfrist, die ethische Katastrophe im deutschen Zivilisationsbruch mit seiner Aufarbeitung und Analyse. Ihre Ergebnisse sickerten durch die Medien und Bildungseinrichtungen in die Gewissensstrukturen der nachfolgenden Generation. Sie begründeten in der Bundesrepublik ein Verantwortungsgefühl sowohl für die Folgen der Barbarei in der Elterngeneration und ließ die Frage entstehen, wie die deutsche Schamfreiheitsformel entstehen konnte.

In den letzten 70 Jahren hat sich dank der, in der Schuldkultur verankerte Europäische Union, ein identitärer Sockel friedlicher Nationalkulturen entwickelt. Ein Krieg in dieser Union ist nicht mehr vorstellbar, solange die Vertreter der Schamfreiheitsformeln, die wie dargelegt dem Sieg verpflichtet sind, in den Wahlen nicht mehrheitsfähig werden.

Im Auftauchen aus der Schamkultur verwandelte sich der Hass in Freundschaft gegenüber den „Erbfeinden“, weil nur in einer Schuld anerkennenden Kultur um Verzeihung und der Möglichkeit der Wiedergutmachung gebeten werden kann, in der ehemalige Feinde in der darauffolgenden Generation zu Freunden werden können.

Es entwickelt sich im Untergang der siegen müssenden Schammentalität eine europäische Friedenszone. In dieser Zone werden Konflikte nicht mit Gewalt, sondern durch Verhandlungen gelöst, was Schuldkultur auszeichnet.

Neue regressive Tendenzen

Schleichend begannen die regressiven Tendenzen in der Ölkrise und dem ersten “autofreien Sonntag”. Deshalb schaffte es der Begriff des Populismus 1980 in den Rechtschreibduden. Er beschreibt einen alten Wein in neuen Schläuchen und benennt eine janusköpfige Psychodynamik, die jedoch den Blutkult im gesellschaftlichen Unbewussten der Deutschen belässt. Im Populismus gibt es zwei Strömungen: Sowohl die eines durch Homogenität bestimmten Nationalismus, der in ihr die romantische und schöpferische Verbindung der wahren Deutschen und ihrer Kultur erblickt, als auch den Willen zur Macht um der Macht willen. Beide Tendenzen waren vor dreißig Jahren in der neuen populistischen Partei der Republikaner als Flügel vertreten, in der, der Eine, eine wertkonservative Agenda unterhielt und der Andere eine nationalistische Blut und Boden Romantik im Bewusstsein ihrer Befürworter, mit dem Begriff der Homogenität verschleierte. Dieser seelische Verarbeitungsmechanismus im Dienste der Angstabwehr wurde in Deutschland von den Volksparteien in ihren rechten Flügeln einst in Schach gehalten. Jedoch diese Angstabwehr begann die etablierten Parteien zu dominieren, als sie entschieden, dass nur noch in -der Mitte- die Macht im Staate gewonnen werden könne. Seit die Parteien die Themen der anderen an sich reißen, auf Visionen verzichten und eigene Konzepte, mit denen der politischen Gegner harmonisieren, verstärkten sie gleichzeitig die Anzahl der Feindbilder produzierenden Homogenitätssüchtigen, die dem politischen Gegner einst ihre Feindbilder überstülpten.

Jedoch in die Mitte eingebunden, verloren sie ihre Adressaten und deshalb wurden die eigenen ehemaligen Parteien zu ihren Gegnern, die jetzt die Reihen der “Alternative für Deutschland” auffüllen.

In ihrer neuen Heimat der AFD formulierte sie eine deutsche Mutter und viele neue Feinde, wenn auf ihrem Plakat die deutsche Kanzlerin als Miss Germany 2020 -mit Burka- die Goldschmiedegasse Eisenachs ziert. Neben ihr prangt die Burg, deren Turmkreuz durch den Halbmond ersetzt wurde. “Wartburga 500 Jahre Reformation-Toleranzwahn mit bösem Erwachen”. Weil die AFD die Fremdenfeindlichkeit ihrer Klientel ausformuliert, kann sie ihren auf Homogenität bestehenden Flügel nicht in Schach halten, wie die Causa Höcke oder Gauland belegen.

In der AFD treffen sich zwei spezifische Gruppenregression des Ostens und des Westens. In ihnen dominiert die nationale christlichen Leitkultur, obwohl in Mecklenburg oder Brandenburg von dem herbei gezwungenen Identitätsmerkmal nicht mehr gewusst wird, wie: „Kein schöner Land in dieser Zeit…“

Ein solches Identitätsmerkmal verbindet sich in der neuen Partei mit den Neonazis und der mit ihnen verwandten Gruppierungen in Dresden, Rathenow oder Köln die auf heutigen Montagsdemonstrationen “Wir sind das Volk” verkünden.

Entschuldigt wird dieser völkische Zungenschlag von Wohlmeinenden mit der seelischen Adaptionsleistung an einen Kulturschock, aus der Zeit der Wiedervereinigung.

Auf ihn antworteten einige Menschen mit regressiven Homogenitätswünschen und kreierte den Begriff des Wessis. In ihn eingewickelt ist der noch ältere Begriff des Klassenfeindes, als umgangssprachlicher Sündenbock, aus der Zeit des kollektivistischen Sozialismus

Die Homogenitätswünsche verstärkten eine fremdenfeindliche Haltung gegenüber Muslimen in der Gegend des Landes in denen keine lebten und anderswo als alle ein vertrautes Land verloren hatten ohne es verlassen zu haben.

Die Homogenitätswünsche seien der narzisstischen Kränkung geschuldet, dass ein Inhomogener das mühsam erworbene innere Gleichgewicht wieder in Frage stellen könnte, was ihn geradezu als Sündenbock prädestiniere. Natürlich hat dieser Kulturschock stattgefunden, doch er kann nicht hinreichend die Regression der Ostdeutschen in den Ausschluss des Dritten begründen

Die Hypothese der Autorin ist, dass die Kollektivkultur der Nationalsozialisten eine staatlich fixierte Regression war, die sich bis in den Untergang der DDR verlängert hatte, und erst die Opposition in ihrer friedlichen Revolution aus ihr aus brach. Der Populismus trägt die Regression weiter und poliert mit seinen Homogenitätsanspruch die neue Identität der wiedervereinigten Deutschen. Weil das eine Hauptaufgabe ist, besitzt er kein eigenes Wertesystem. Er gebraucht nicht die Macht im Dienste einer Sache, Vision oder Konzeptes. Der Populismus ist ein quer gelaufener Verarbeitungsmodus eigenen Elendes, der Zeitenwende oder allgemeiner Überforderung.

Die AFD Wähler und die nicht in dieser Partei organisierten Rechtsradikalen schaffen es nicht aus dieser Regression auszutreten.

Vordergründig scheint ein Hauptwesensmerkmal des Populismus seine Anti-Establishment-Orientierung zu sein, in der das “einfache” Volk gegen die herrschenden gesellschaftlichen und politischen Eliten oder gegen das System protestiert. In ihm kam es im schamkulturellen Sektor der deutschen Gesellschaft zu Hassausbrüchen auf die existierende Kultur, auf den Kapitalismus etc., was sich im Schwarzen Block, den Hooligans, den Identitären, den ostdeutschen Bürgerbündnissen oder Reichsbürgern zeigt.

Hass als Antwort auf die eigenen zerbrochenen oder gebrochenen Elternhäuser oder Lebensentwürfe.

Umgeleitet wird dieser Hass auf Sündenböcke, die Oberen, die Polizisten, die Richter, die Lehrer, Ärzte, Politiker oder auf die Europäische Union. Somit wurde der Sündenbockmechanismus Kern linker oder rechtsradikaler Gewalt.

Der verängstigte Zeitgeist verstärkt, durch die als schleichend angenommene „Asylkatastrophe“ (16), den Wunsch nach Homogenität.

Deutschland und die Schutzsuchenden

Kaiser Wilhelm II. verkündete auf seiner II. Orientreise in Bagdad auf einem Bankett 1898 (17): “Möge seine Majestät der Sultan und mögen die 300 Millionen Mohammedaner, welche auf der Erde zerstreut leben, in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der deutsche Kaiser ihr Freund sein wird”.

Dieser Satz eines deutschen Kaisers, ist heute noch festgeschrieben im kollektiven Gedächtnis der Muslime, denn er wurde der Autorin öfters auf ihren Reisen durch den Orient zitiert. Er ist in den zerschellenden islamischen Staaten ein starkes Motiv für die Flucht in Richtung Bundesrepublik und nicht nur das volle Depot des Sozialstaates innerhalb seiner Willkommenskultur.

Wie tief die Ehre eines schutzsuchenden Familienvaters attackiert wird, wenn er nicht in der Lage ist, für die Seinen durch eigene Hände Arbeit in der Fremde zu sorgen, kann sich der Fremdenhasser gar nicht vorstellen, weil er seine eigenen Versorgungswünsche auf ihn projiziert.

Deshalb wird die vertrauensvolle Zuneigung von Menschen aus den islamischen Ländern mit Hasstiraden beantwortet.

Sie führen in die Spitze des Hassberges auf Facebook. Er signalisiert in der Anonymität, die Ohnmacht der Hassenden. Weil die Hassenden sich in einem Flügel der AFD sammeln, verwandelten sie ihre Ohnmacht in Macht. Dieser neue Machtzuwachs der Ohnmächtigen erlaubt Asylsuchende zu diskriminieren und im Anlauf das Recht des Stärkeren wieder durch zu setzen.

Begründet mit: “Ich hasse nicht meine Familie, meinen Vorgesetzten, den Staat, die mir die Erfüllung meiner Wünsche verweigern. Ich hasse, die Inhomogenen, oder andere Diskriminierte, die ich als Feinde des eigenen Deutschseins wahrnehme”. Sie alle tangieren die Homogenisierungssehnsucht im fremdenfeindlichen Sektor der Gesellschaft. In ihr sammelt sich der Rückstand aus den Bewusstseinsinhalten der Nazizeit und empfiehlt den Migranten die Heimreise anzutreten, oder behauptet der Islam gehöre nicht zu Europa (18).

Deshalb drängte sie -bei uns lebende Menschen mit Migrationshintergrund- in die Rolle der Strohpuppe, wie die Mordserie der bis in den Verfassungsschutz reichenden Nationalsozialistischen Untergrund-Connection offenbart.

In dieser Form des Machterwerbs brauchen die sich Ermächtigenden, Schwache, als Inkarnation des eigenen Unglücks.

Ein solch innerseelischer Verarbeitungsmodus greift in der Bevölkerung um sich.

Dieser Verarbeitungsmodus der Angst drängt die Schutzsuchenden in die Rolle der Strohpuppe. Sie soll die Ängste der Homogenitätssüchtigen exorzieren, wenn sie ihre Unterkünfte verglühen lassen.

Deshalb propagieren sie Positionen in denen sie versprechen die “Fata Morgana einer Welt, in der sich leben lässt und in der ganz unvorstellbar ist, dass man sie aus freien Stücken verlässt” (19), wie das unsere Schutzsuchenden scheinbar getan haben.

Sie befriedigen stammeskulturelle Bedürfnisse in der Anweisung, eine Welt zu denken, die gegen ihre Entwicklung möglich wäre, “eine Welt also (…), in der Begründungen nicht benötigt, nicht gesucht, nicht einmal entbehrt werden” (20).

Dadurch befriedigt sie ein mobilisierbares archaisches Sicherheitsbedürfnis im Menschen. In ihm soll alles gleich bleiben, und keine Veränderung irritieren oder ängstigen.

Populisten stabilisieren die Verleugnung, das Leben Veränderung bedeutet oder auch Abschied und innere Not deshalb, weil man in entscheidenden Momenten die moralische Integrität nicht besaß.

Zusätzlich bedienen sie die Exklusionswünsche des kleinen Mannes gegenüber den inhomogenen “Sozialstaatsschmarotzern”, Immigranten und Asylbewerbern. Sie geben vor die politische sowie soziale Teilhaberechte nur für den kleinen deutschen Mann zu reservieren.

Möglich wurde das “wahre Volk”, oder die “Bio-Deutschen”, in die Vorstellung eines nationalen Gleichschritts ein zu binden, weil mit den Schutzsuchenden und Migranten genügend Menschen für die Äußerungen ihres Hasses übrigbleiben.

Deshalb sitzt das “wahre” Volk in einer paranoiden Wagenburg, und zwingt die Verfremdeten die Rolle der Strohpuppe zu übernehmen, um sie verbrennen zu können.

Das “wahre deutsche Volk” wird jedoch nicht die Überhand gewinnen, weil inzwischen die Mehrheit in Deutschland weiß, wohin sein Zivilisationsbruch (21) führte, der einst mit ihm begann. Die antiregressiven Institutionen in der deutschen Demokratie sind deswegen die große zivilisatorische Errungenschaft, weil sie unser – von Panik gesteuertes – destruktives Potential – den Sündenbock der Vernichtung anheim geben zu können – oder als Bereitschaft Krieg zu führen – zumindest in Europa-in Verhandlung und Vertrag sublimiert haben.

Berlin 10. 9. 2017


Literatur

Alter, Peter: Nationalismus. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985.

Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie. Pearson Studium. 6. Auflage 2008

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Blumenberg, Hans: Theorie der Lebenswelt, hrsg. von Manfred Sommer, Berlin 2010

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Dodd, E., R.: Die Griechen und das Irrationale. Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt, 1970 [Orig. The Creeks and the Irrational. 1951]

Elias, Norbert: Studien über die Deutschen. Machtkämpfe und Habitusentwicklung im 19. und 20. Jahrhundert (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) 1992

Fleischhauer Jan: Fürchtet euch! Spiegel Nr. 29. S. 32

Freud S: Massenpsychologie und Ich-Analyse/Die Zukunft einer Illusion. Frankfurt a. M. Studienausgabe Bd. IX 1974

Freud S: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Frankfurt a. M. Studienausgabe Bd. III 1974

Freud S: Das Unbehagen in der Kultur. Frankfurt a. M. Studienausgabe Bd. IX 1974

Girard, René: Generative Scapegoating. In: R. Hamerton-Kelly (Hrs.): Violent Origins. Walter Burkert, René Girard, and Jonathan Z. Smith on Ritual Killing and Cultural Formation. Stanford University Press, Stanford 1987

Hobsbawm Eric: Nationen und Nationalismus. Mythos und Realität seit 1780. Campus, Frankfurt am Main 1991,

Klever, Ulrich: Das Weltreich der Türken. Vom Steppenvolk zur modernen Nation Bayreuth 1983

Neumann Franz, Herbert Marcuse, Otto Kirchheimer: Im Kampf gegen Nazideutschland: Die Berichte der Frankfurter Schule für den … Campus Verlag 2014

O’mahony, Anthony/Peterburs, and Wulstan/Shomali, Mohammad Ali (Hg.): Catholics and Shi‘a in Dialogue: Studies in Theology and Spirituality, London 2004

Taggart Paul: Populism and Representative Politics, in: Journal of Political Ideologies, 9 (2004)


(1) Friedrich von Dincklage-Campe: Kriegs-Erinnerungen, Bong & Company, Leipzig/Berlin 1895, S. 1.
(2) Buber Martin: Kampf um Israel; Schocken Verlag Berlin. 1933. S. 226
(3) Beck, Ulrich: Was ist Globalisierung? Irrtümer des Globalismus – Antworten auf Globalisierung, Frankfurt am Main 1999, S. 44. AYISH, Muhammad I.: Arab World Television in the Age of Globalization. An Analysis of Emerging Political, Economic, Cultural and Technological Patterns, Hamburg 2003, S. 69f.
(4) Freud Sigmund: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Kapitel 25 „Die Angst“ Studienausgabe 1974
(5) In Visegrád wurde am 15. Februar 1991 ein Freihandelsabkommen von den damaligen Gründerstaaten Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei beschlossen, um nach dem Ende von Ostblock und Kaltem Krieg die gemeinsamen Probleme möglichst kooperativ zu lösen. Ein weiteres Treffen der Gruppe erweitert mit Slowenien fand am 6. Oktober 1991 Visegrád statt. Im November 1998 haben die damaligen Regierungen bei einem Treffen in Budapest eine Wiederaufnahme der Zusammenarbeit in Form von regelmäßigen halbjährlichen Treffen beschlossen die inzwischen zu einem Treffen der EU-Visegrád- Staaten geworden sind.
(6) Scham- und Verantwortungskultur sind keine absoluten Kriterien weil jede Verantwortungskultur solche schamkulturellen Elemente enthält.
(7) Kant Immanuel: § 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft . in der Kritik der reinen praktischen Vernunft. S.54
(8) Freud Sigmund: Das Unbehagen in der Kultur, Kapitel 2 Studienausgabe, 1974
(9)arisch Sanskrit edel
(10) Neumann Franz, Herbert Marcuse, Otto Kirchheimer Hg. Raffaele Laudani: Im Kampf gegen Nazideutschland: Die Berichte der Frankfurter Schule für den … Campus Verlag 2016, S. 223
(11) Vgl. Freud S. Fragen der Gesellschaft Ursprünge der Religion Studienausgabe Frankfurt a. M. 1976 “Der Herdentrieb” S. 109-113
(12) Geibel Immanuel 1861
(13) Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie. Pearson Studium. 6. Auflage 2008. S. 448
(14) Die Sündenelimination in Lev 16, 20b -22 besteht aus dem Bekennen der Sünden über dem Bock und dem Fortschicken des „lebendigen Bockes“ in die Wüste. Er stellt ein Eliminationsritual dar und dient der Sühnung für Hohenpriester und Volk sowie der Reinigung von Heiligtum und Altar. Der Ritus wird von Aron als dem Hohenpriester vollzogen. Mit Hilfe der Handauflegung wird die als „Sündenschmutz“ verstandene Schuld auf den lebendigen Bock übertragen und so „das stofflich verstandene Böse räumlich entfernt“ (Janowski, 2000, 219; vgl. Janowski / Wilhelm, 1993, 129f; Maul, 1994, 6). Anschließend wird der so mit Sünden beladene Bock in die Wüste geschickt. Durch das Wegschicken des Bocks werden die Sünden „in das abgeschnittene Land“ fortgetragen (vgl. Lev 17,7), das für den Gegensatz zum kultisch reinen Lagerbereich steht. Zitiert nach Henrike Frey-Anthes in https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/31946/
(15) Laplanche/Pontalis Lexikon der Psychoanalyse. 1972 Suhrkamp S. 406)
(16) Fleischhauer Jan: Fürchtet euch! Spiegel Nr. 29. S. 32
(17) Klever, Ulrich: Das Weltreich der Türken. Vom Steppenvolk zur modernen Nation Bayreuth 1983. S. 380
(18) Parteiprogramm der AFD zur Wahl 2017 entnommen 2.). 2017
(19) Blumenberg, Hans: Theorie der Lebenswelt, hrsg. von Manfred Sommer, Berlin 2010, S. 230
(20) Ebd., S. 235.
(21) Dan Diner Hrsg.: Zivilisationsbruch: Denken nach Auschwitz. Fischer Taschenbuch 4398, Frankfurt am Main 1988

Aus der Rede von Dr. Norbert Lammert

Interessante Überlegungen…

am Tag der Deutschen Einheit in Dresden
3. Oktober 016

Meine Damen und Herren,

vor 100 Jahren, im Dezember 1916, mitten im ersten Weltkrieg, erhielt das Eingangsportal unseres Parlaments in Berlin als Widmung die markante Inschrift: „Dem deutschen Volke“, das Reichstagsgebäude selbst war damals bereits 22 Jahre alt.

Die Festlegung auf eine Inschrift war im Kaiserreich ebenso umstritten wie die Volksvertretung selbst. Dem Kaiser, dem das Parlament ebenso entbehrlich schien wie das dafür errichtete Reichstagsgebäude, wurden die Worte „Dem deutschen Reich“ vorgeschlagen, Wilhelm II. plädierte für den Schriftzug „Der deutschen Einigkeit“ – er misstraute dem Parlament als einem Ort widerstreitender Meinungen und Interessen und beschwor die nationale Geschlossenheit.

Alles nur Geschichte? Die vor einhundert Jahren beschlossene Widmung „Dem deutschen Volke“, die dem im Kriegsverlauf zunächst gewachsenen Selbstvertrauen der meisten damaligen Parlamentarier entsprach, konnte unmittelbar vor Weihnachten 1916 montiert werden. Es war das Jahr brutaler deutsch-französischer Schlachten um Verdun und an der Somme, an deren Ende es ohne wesentliche Verschiebung des Frontverlaufs und damit ohne Geländegewinne auf beiden Seiten mehr als hunderttausend Tote gab. Die Lettern der Widmung waren aus eingeschmolzenen französischen Kanonen­kugeln gegossen – erbeutet in den Befreiungs­kriegen gegen Napoleon.

Die damit beauftragte Bronzegießerei Loewy gehörte einer jüdisch-deutschen Familie, deren Sohn sich vom Judentum abgewandt hatte. Er ließ sich taufen, und nachdem er sich 1918 hatte adoptieren lassen, glaubte er sich mit seinem neuen Namen Erich Gloeden sicher – zu sicher. Von den National­sozialisten wurde er verhaftet, weil er Verfolgten geholfen hatte – darunter auch einem General aus dem Widerstand des 20. Juli. Gloedens Frau, seine Schwiegermutter und er selbst wurden im November 1944 in Plötzensee durch das Fallbeil getötet.

Geschichte. Die Nationalgeschichte jedes Landes ist die Summe der vielen, persönlichen Geschichten von Menschen, die meist unbeobachtet bleiben oder schnell vergessen werden. Geschichten wie die Erich Gloedens zählen zu unserem historischen Erbe. Seine Geschichte zeigt beispielhaft, wie in unserem Land noch vor wenigen Generationen Menschen ausgeschlossen wurden aus der Nation, deren selbstverständliche Mitglieder sie waren, wie sie Rechte und Schutz verloren, ausgeliefert waren – in einer Zeit, da die Weimarer Republik zerschlagen, der Reichstag ausgebrannt, das Parlament entmachtet und politische Gegner an Leib und Leben bedroht waren.

Diese Erfahrungen sind uns Verpflichtung und sie lassen uns gerade am Nationalfeiertag auch darüber nachdenken, wie und was sich in den vergangenen einhundert Jahren verändert, glücklich gewandelt hat, wer und was deutsch ist und wen Deutschland heute in seine Rechtsordnung einschließt – für wen die gewählten Abgeordneten des Deutschen Bundestages unter der Widmung „Dem deutschen Volke“ Gesetze debattieren und beschließen.

Angesichts vieler Veränderungen, der objektiven Schwierigkeiten und der bisweilen auch zu Unrecht aufgetürmten scheinbaren Probleme, die uns heute beschäftigen, steht außer Frage, dass „dem deutschen Volke“ selbst aufgegeben ist, nach einer zeitgemäßen Bestimmung dessen zu suchen, was Deutschland im 21. Jahrhundert sein will. Das wissen wir gegenwärtig offensichtlich nicht so genau. Darüber darf und muss gestritten werden. Wer aber in diesem Streit das Abendland gegen tatsächliche und vermeintliche Bedrohungen verteidigen will, muss seinerseits in dieser Auseinandersetzung den Mindestansprüchen der westlichen Zivilisation genügen: Respekt und Toleranz üben und die Freiheit der Meinung, der Rede, der Religion wahren und den Rechtsstaat achten.

Dieser Staat, dessen Einheit wir heute feiern, unsere Gesellschaft, kann und will Möglichkeiten eröffnen, ein Leben in Frieden und Freiheit zu führen: „Dem deutschen Volke“, Hiergeborenen und Zugewanderten, Jungen und Alten, Frauen und Männern, Christen, Muslimen und Juden, Armen und Reichen. Vielfalt ist keine Worthülse – längst wohnen hier in Sachsen gebürtige Schwaben, aber auch Tschechen und Polen, haben Brandenburgerinnen Bremer mit türkischen Wurzeln geheiratet, sind einst aus der DDR freigekaufte Berliner vom Rhein zurück an die Spree gezogen, Westfalen haben in Mecklenburg-Vorpommern ihr Glück gemacht, Niedersachsen in Thüringen – als Ministerpräsidenten zum Beispiel. Und ein Dresdner Schauspieler beeindruckt seit Jahren ein millionenstarkes Fernsehpublikum im „Münster-Tatort“.

Deutschland ist ein vitales Land, ein attraktiver Standort, eine vielfältige, bunte Gesellschaft, durch Persönlichkeiten geprägt, die Tradition wie Innovation überzeugend verkörpern:

Ein in Bangkok geborener Oberstleutnant leitet die Big Band der Bundeswehr, eine Chinesin wurde Vizepräsidentin einer bayerischen Universität, eine Syrerin ist in diesem Jahr Weinkönigin in Trier, ein türkischstämmiger Muslim war Schützenkönig einer katholischen Schützenbruderschaft in Werl/Westfalen, und eine Fernsehmoderatorin, deren Familie aus dem Irak stammt, verteidigt die Freiheit sowie die Rechte und Pflichten der Presse in Deutschland gegen demokratie­gefährdende Anwürfe. Deutsche Fußball-, Olympia- und Paralympics-Mannschaften sind erfolgreich, auch deshalb, weil ihre Mitglieder mit ihren Mannschaftskameraden mit welcher Herkunft und Hautfarbe auch immer, gemeinsame Ziele verfolgen und zusammen kämpfen. Unter einer Flagge.

***

Fotos (aus Wikipedia)

Oben – Reichstagsgiebel mit der Inschrift “Dem deutschen Volke”

Unten – moderne Auslegung, Reichstagshof mit der Inschrift “Der Bevölkerung”

Es war ein Freitag

C. C.

Es war der 11. Geburtstag meines kleinen Bruders D.

Mein großer Bruder P. war mit mir mit dem Motorrad – es war wohl ein milder Dezembertag – zur Feier von Kreuzberg zu meinen Eltern nach Wilmersdorf gefahren.

Am frühen Abend klingelte das Telefon meiner Eltern für meinem großen Bruder P. Es war ein sehr kurzes Gespräch, P. kam aufgeregt an den Tisch, an dem ich mit Vater, Großvater und Onkel Skat spielte, und sagte: „Wir müssen los, in Kreuzberg wird ein Haus geräumt.“ Eine Telefonkette war ausgelöst worden, was damals aber nicht so einfach war, weil Handy und Internet gab’s ja noch nicht – aber zum Glück wusste die Freundin meines Bruders wo wir waren.

Ohne uns groß zu verabschieden und nur erklärend „In Kreuzberg wird ein Haus geräumt“, zogen wir unsere Klamotten an verließen die kleine 2 ½ -Neubau-Zimmerwohnung in der ich 12 Jahre mit Eltern und drei Brüdern gewohnt hatten. Zurück ließen wir neben unseren Eltern und Großeltern, Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins – den Großteil unserer Verwandtschaft.

Wir sprangen auf Motorrad und fuhren nach SO36, parkten am Wassertorplatz und gingen zu Fuß zur Kohlfurterstraße/Ecke Admiralstraße, die Helme setzten wir nicht ab. Genaueres hatte P. mir bis dahin noch nicht gesagt, aber er wusste ja wo wir hin mussten.

Die Schule, die dort heute steht, befand sich gerade im Bau, konkret wurden gerade die Kellergeschosse gebaut, also war hauptsächlich Beton und Eisen zu sehen, jetzt aber kaum zu erkennen, da es schon dunkel war. Ein schmaler Holzweg führte als südliche Verlängerung der Admiralstraße mitten durch die Baustelle. Auf der anderen Seite der Baustelle, wo sich besetzte Häuser befanden, hörten wir Lärm:

  • Bullenwannensirenen
  • Geschrei und Gegröle
  • die typischen Geräusche von geworfenen Pflastersteinen, die auf die Straße oder gegen Bullenschildern krachten,
  • und von abgeschossenen Tränengasgranaten

– alles uns wohl bekannte Geräusche, bis dahin aber noch nicht im Zusammenhang mit Hausbesetzungen, sondern u.a. von Anti-Nazidemos, Knast-Demos, Räumung des besetzten Daches des Amerika-Hauses und 1. Mai-Demos – die damals übrigens noch nicht in Kreuzberg stattfanden.

Bevor wir den schmaler Holzweg Richtung „Kampfgetümmel“ nahmen „bewaffneten“ wir uns mehreren Pflastersteinen, mit deren Umgang wir geübt waren.

Meinem Bruder P. hinterherlaufend, der immer viel „forscher“ war als ich, betrat ich den Holzweg. Aber nach wenigen Metern verließ mich der Mut bzw. wurde ängstlich, fing an zu denken:

Was passierte auf der anderen Seite des schmalen Weges?

Liefen wir den Bullen direkt in die Arme bzw. in deren Knüppel?

Wir sind in der Falle, wenn die Bullen jetzt selbst auch noch von der Kohlfurterstraße Richtung Kanal vordrangen!

Während P. mit einigen anderen, die sich mittlerweile auch an der Ecke eingefunden hatten, weiter Richtung „Kampfgetümmel“ stürmte, kehrte ich um. Und dann sah ich sie von links kommen: Ein ganzer Zug Bullenwannen rasten mit hoher Geschwindigkeit in unsere Richtung. Ich hatte in diesem Augenblick eine wahnsinnige Angst.

Als ich wieder den Anfang des Holzweges erreichte, bremsten die Wannen genau von mir. Ich sah nur eine Chance zu entkommen: Zwischen den Wannen durch, Richtung Kotti. Kurz bevor ich durch kam, öffnete sich die hintere Tür der Wanne, die ich passieren wollte, und ein Bulle in Kampfmontur mit Helm und Schild erschien in der Tür.

Ich schleuderte kurz hintereinander zwei Pflastersteine, die ich in den Händen hielt, in die Wanne. Ich sah den ersten Stein auf das Visier des Helmes krachen, den zweiten Stein hörte ich nur „einschlagen“, da ich diese während des Laufen oder genauer gesagt während des Sprints „abfeuerte“, und mich ganz schnell auf der anderen Seite der Wannenreihe befand. Ich rannte immer weiter, erst kurz vor dem Kotti drehte ich mich um und sah: keinen Bullen oder anderen Menschen hinter mir.

Ich war alleine. Mein Bruder wurde jetzt sicher von den Bullen, denen ich gerade noch entkommen war, gejagt. Ich hatte Angst um ihn.

An der Ecke Kotti/Admiralstraße befindet sich heute eine Bank, damals war dort ein Supermarkt. Voll Wut und Hilflosigkeit schleuderte ich die zwei Pflastersteine, die sich noch rechts und links in den Taschen meiner Lederjacke befanden, in die Schaufensterscheibe des Supermarktes – die Geschäfte schlossen damals schon um 18:00 Uhr.

In diesem Augenblick hörte ich von der anderen Seite des Kottis das Klirren von Fensterscheiben – da waren also auch andere am werken.

Ich sprintete rüber, da ich nicht alleine sein wollte und irgendwie war ich auch noch tatendurstig.

Zwischen Adalbertstraße und Reichenberger Straße direkt an den Geschäftseingang eines Ladens – heute Rossmann – sah ich einen Mann zwischen 40 und 50 Jahren auf einem Vermummten sitzen und auf diesen mit Fäusten einschlagen. Ich stürmte auf die beiden zu und rammte den einschlagenden Mann, damals ein sogenannter „Aktivbürger“, so dass er zur Seite weg kippte und der Vermummte fliehen konnte. Zu zweit rannten wir in Richtung Reichenberger Straße.

Um dann aber wieder umzukehren und jetzt direkt an der Straße entlang wieder Richtung Adalbertstraße zu laufen, da wir von dort Geschrei und weiterhin Scheiben der Berliner Bank und von Kaisers klirren hörten und zu Recht Mitstreiter vermuteten.

Ich sah wieder den „Aktivbürger“, diesmal aber zusammen mit einem Bullen, der seine Knarre in der Hand hielt. Der „Aktivbürger“ zeigte in unsere Richtung, wobei ich nicht wusste, ob er mich oder den von mir Befreiten meinte.

  • Von dieser Szene gibt es ein Foto, welches ich schon oft in Veröffentlichungen gesehen habe und mich immer wieder erinnern läßt.-f-12-12-1980-3

Angesichts der gezogenen Waffe hatte ich zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten sehr große Angst – alles spielte sich sehr schnell und mit hoher Geschwindigkeit ab.

Im Sprint ging es weiter in die Adalbertstraße rein. Hinter der Treppe, die zum Kreuzberg-Café hoch führt, sah ich aus den Augenwinkeln wie ein Zivilpolizist einem Mann mit Lederjacke und schwarzem Tuch eine Pistole an den Kopf hielt. Da war bei mir alles vorbei. Ich rannte den Durchgang von der Adalbertstraße zur Dresdener Straße und so schnell ich konnte in eine Wohnung in der Dresdener, in der ich gerade bei Freunden unterkommen war.


Foto:Michael Kipp/Umbruch Bildarchiv https://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/30jahre_hausbesetzungen_in_berlin.html

Ich zitterte am ganzen Leibe und nach dem ich mich Helm und Lederjacke entledigt hatte hielt ich meinen Kopf unter die Dusche. Ich wollte einen klaren Kopf bekommen, aber hatte immer noch Angst und vor allem Angst um meinen Bruder.

In der Wohnung, in der ich alleine war, rauchte ich dann zur Beruhigung erst mal eine Tüte und blieb mindestens eine Stunde dort.

Erst dann wagte ich mich wieder raus und traf erst am Kotti eine Freundin, die sich gerade bei einer Spontandemo ein paar Prellungen am Arm durch Polizeiknüppeln eingefangen hatte und kurz darauf auch meinen Bruder. Er erzählte mir dann, dass sie über die Baustelle vor den Bullen flüchten konnten und er dabei seinen Helm verloren hat. Das er danach dabei war als der Bullen-VW-Bulli am Kotti umgeworfen wurde, hat er mir nie erzählt, aber angesichts von Fotos, die ich später sah und auf denen ich ihn erkannte, wusste ich es.

Vermutlich war es der VW-Bulli des Polizisten in dessen Knarre ich geschaut hatte.

Wo ich danach war und ob und wie ich gekämpft habe weiß ich nicht mehr – irgendwie fehlen mir da ein paar Stunden.

Erinnern kann ich mich nur noch, das wir, P. und ich, gegen 23:30 Uhr zur Ecke Dresdener Straße/Oranienplatz gegangen sind und den dort versammelten Leuten gesagt haben, sie sollten jetzt verschwinden, da der Kampf jetzt schon seit Stunden toben würde und die Bullen jetzt bald alles platt machen würden. Wir haben uns dann in die Wohnung zurückgezogen.

Die Leute sind unserer Aufforderung aber nicht gefolgt. Kurze Zeit später ist eine Bullenwanne in diese kleine Menge gefahren und hat einem Mann zwischen Wanne und einem großen Beton-Blumenkübel beide Beine abgequetscht. Der Mann musste seit dem – salopp ausgedrückt –  im Rollstuhl Platz nehmen.

Ach ja, es war der 12. Dezember 1980.

Nachwort:

Seit September 1979 waren bis dahin 19 Häuser besetzt worden, 1 Haus davon wurde im Sommer 1980 sofort nach der Besetzung geräumt -auch da wurde eine Telefonkette ausgelöst, wir waren aber gerade mal 10 Leute, die sich den Bullen dann lieber doch nicht in den Weg stellten.

Nach dem 12.12. haben wir in den nächsten drei Tagen noch zweimal große Demos organisiert, die durch brutales Vorgehen der Bullen jedes mal zu heftiger Randale auch auf dem Kudamm führten.

Wir sagten damals: „Unsere Argumente sind endlich im Rathaus Schöneberg – dem damaligen Regierungssitz West-Berlins – angekommen.“ Denn dann wurde erst mal kein Haus mehr geräumt, der Senat trat zurück, die Wohnungsbaupolitik änderte sich, Kreuzberg wurde nicht weiter zerstört und aus ein paar Hausbesetzungen wurde eine Bewegung, in der u.a. 3 Monate später als ca. 114. Haus am 14. März 1981 die Regenbogenfabrik besetzt wurde.

Nachtrag:

Ein Teil meiner Verwandtschaft, die unseren Abgang vom Geburtstag mitbekommen und dann im Fernsehen die Nachrichten aus Kreuzberg gesehen hatte, hat danach kaum noch mit mir geredet. Politische Diskussionen gab’s in der Familie eigentlich sowieso nie.

Zwei Bilder einer Wirklichkeit

Ewa Maria Slaska

Ein Treffen in Löcknitz

Ende Januar bekam ich eine Einladung aus Löcknitz vom Projekt Perspektywa: Vom Grenzraum zum Begegnungsraum.

Die Akteure von Perspektywa, lese ich im beigefügten Flyer, sind die Bewohnerinnen und Bewohner der Amtbereiche Löcknitz-Penkun im Landkreis Vorpommern-Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) und Gartz (Oder) im Landkreis Uckermark (Brandenburg). Ihre Ideen und Vorschläge für das Zusammenleben in der Region stehen im Zentrum von perspektywa. Unser Projektteam unterstützt und begleitet sie dabei, neue Impulse für Begegnungen zwischen deutschen und polnischen Bürgern und Bürgerinnen im Alltag zu entwickeln und auszuprobieren. Mehr dazu: http://www.raa-mv.de/pl/content/perspektywa-od-pogranicza-do-spotkania.

Und weiter im Brief:

In Antwort auf die aktuelle politische Situation bietet unser Projekt die Unterstützung des polnisch-deutschen Engagements für Flüchtlinge an. Wir arbeiten mit der Stettiner Gruppe „Refugees welcome in Pomerania” zusammen, die solche Aktionen durchgeführt hatte wie Fahrräder-Sammeln zu Gunsten der auf der deutschen Seite lebenden Flüchtlinge. Leider, angesichts der Bedürfnisse, reichen diese Initiativen noch nicht aus, und die Haltung einiger Menschen ist nicht immer angenehm oder annehmend. Ich habe den RBB-Beitrag vom Dezember letzten Jahres gesehen, in dem man über Sie und ihr Engagement für Flüchtlinge in Berlin berichtete. So ist mir etwas eingefallen. Um dem fremdenfeindlichen Verhalten und fehlender Toleranz entgegenzuwirken, werde ich gern im März eine Diskussion für in Löcknitz und Umgebung lebende polnische Bürger organisieren, damit sie dabei einerseits über die Situation der Flüchtlinge informiert werden und andererseits eine Gelegenheit bekommen, ihre Fragen zu stellen.

Deshalb würde ich Sie gern fragen, ob Sie bei solcher Veranstaltung bereit wären als Referentin zu wirken?

RAA Mecklenburg-Vorpommern e. V.
www.raa-mv.de  www.facebook.com/perspektywaDE  www.twitter.com/perspektywaDE

Bild I

Ich stimmte zu, wir haben uns geeinigt, dass es zwei Treffen sein werden, in Löcknitz und in Tantow, dass ich in Löcknitz übernachten werde und dass ich in der zweiten Märzhälfte komme. Irgendwann danach verschoben wir den Termin auf Anfang April. Am Mittwoch den 7. April kam ich mit dem Zug über Neubrandenburg nach Löcknitz. Eine Mitarbeiterin des Projekts wartete auf mich auf dem Bahnhof. Wir aßen zu (Nach)Mittag und meldeten mich dann in der Burg-Pension neben dem Burgfried an. Dieser Burgfried ist alles, was von der mittelalterlichen Burg aus dem Jahre 1212 übriggeblieben ist. Auf dem Turm wohnen Dohlen. Sie sammeln die Haselnüsse in den benachbarten Garten, schmeißen sie nach unten, um sie zu zerbrechen und den Kern zu essen. Die ganze Turmumgebung ist bestreut mit Haselnussschalen.

Das Treffen mit den polnischen Bewohnern von Löcknitz fand in einer Alten Schule statt, die jetzt als Bürgerhaus fungiert. Auf der 2. Etage befinden sich Büro und Veranstaltungssaal von RAA – Perspektywa. Das Einladungsplakat ist auf Polnisch und richtet sich an die Polen, die in Stadt und Umgebung wohnen. Manche werden es als eine Beleidigung wahrnehmen. Dazu ein Zettel auf Deutsch:

Das Projekt perspektywa der RAA Mecklenburg-Vorpommern e.V. behält sich vor, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Manche werden es als eine weitere Beleidigung wahrnehmen.

Kurz danach ist der Saal schon voller Gäste, darunter zwei Kinder im Grundschulalter und vier syrische Flüchtlinge aus einer Notunterkunft in der Nähe. Jemand kommt mit der Kunde, dass draußen vor der Tür lokale Neonazis stehen. Der Saal reagiert, scheint mir so, mit der stoischen Ruhe. Ich auch.

Gleich kommt er hoch zu uns, Herr Bahlmann, der NPD Leader und, wie ich später erfuhr, Mitglied des Gemeinderats. Der Saal reagiert weiter nicht, die Meisten kennen ihn vielleicht, wie es halt in einer kleinen Stadt üblich ist. Dann wissen sie auch, was ich nicht weiß, dass er zwar vorher, irgendwann Mal, vorbestraft war, jetzt aber ist er Gemeinderats-Mitglied und wird sich nicht tätlich aggressiv zeigen. Auch verbal hält sich alles mehr oder weniger im Rahmen.

Herr Bahlmann schreit etwas, ich weiß nicht was, weil ich gar nicht zuhöre. Ich sitze an meinem Tisch und schaue die Menschen an, die gekommen sind, um zu erfahren, was ihnen eine gewisse Śląska (so wurde ich angesagt) sagen wird, weshalb sie keine Angst vor den Flüchtlingen haben sollen. Der einsam im Türrahmen stehende Schreier interessiert mich zuerst nicht. Vielleicht in dieser Phase sagt Herr Bahlmann Wörter, wegen denen er später beschuldigt wird und die ich nicht wahrgenommen habe: dass die Polen Parasiten sind und sich verpissen sollen.

Ich erhebe mich von meinem Platz erst dann, als ich wahrnehme, dass sich ihm eine blonde Frau aus dem Publikum nähert. Sie versucht ihm etwas zu erklären. Intuitiv denke ich, dass man sie dort nicht alleine stehen lassen soll. Ich trete also an die Beiden heran und stelle mich neben Herrn Bahlmann. Da der Saal höher als der Flur liegt und vom Flur her über zwei Stufen zu erreichen ist, und Herr Bahlmann im Flur steht, überrage ich ihn ein bisschen, was mir, einer ziemlich kleinen Frau, selten passiert. Dies ist selbstverständlich ein verstärkendes Gefühl. Im Flur sehe ich zwei Begleiter von Herrn Bahlmann. Er selbst ist ein typischer kahlgeschorener Haudegen mit dickem Nacken, breiten Armen und Beinen. Seine zwei Kameraden sehen dagegen ganz anders aus. Es sind ein älterer schlanker Herr mit einer Brille und ein kleiner schmächtiger Typ ungewissen Alters in einer rot-schwarzen Windjacke. Bewusst analysiere ich es nicht, unbewusst aber klassifiziere ich die vor mir stehenden Volksvertreter: Ein Schreihals-Muskelprotz, ein Intellektueller und ein von niemandem geliebtes Männeken, ein Mitläufer, der der Gruppe angehört, um nicht einsam zu verrecken.

Ich höre mir an, worüber die Blondine und der Bahlmann miteinander reden. Ich glaube nicht, viel verpasst zu haben davon, was er vorher gesagt hat, weil er sowieso nur ein paar Floskeln zu sagen hat, die er immer wieder erneut losbrummt. Zwei Sätze und drei Fragen…

Mit welchem Recht hält man das Treffen nur auf Polnisch?
Mit welchem Recht hat man beschlossen, dass die Teilnehmer nur Polen sein dürfen?
Mit welchem Recht wurde auf dem Zettel geschrieben, dass er und seinesgleichen kein Zutritt haben?

herrbahlmann

Man kann nicht umhin – seine Fragen haben eine gewisse Berechtigung. Ich weiß nicht, was das Gesetz sagt (später erfahre ich, dass ein Verein so seine Treffen organisieren darf, und denke, klar, Jäger und Angler auch), aber vielleicht, Gesetze hin oder her, in Berlin hätte man ein Treffen nicht so organisiert, auch wenn man darf. Denn wenn es schon Konflikte gibt, dann verschärft man sie nur.

Schlimmer hören sich Bahlmanns Kernsätze an. Wir sollen uns unsere polnischen Treffen in Polen organisieren und nicht in Deutschland mit dem Geld von deutschen Steuerzahlern. Er zahlt Steuer und hat das Recht, den Saal zu betreten. Und die Flüchtlinge bedrohen die Reinheit der deutschen Rasse…

Es ist wie eine Tibetische Gebetsmühle, die sich dreht und dreht… Die Frau neben mir argumentiert, sie zahle auch Steuern, sie wohne in Deutschland, sie hat das Recht… Ich höre noch immer nur zu. Als aber der Satz über Verunstalten der deutschen Rasse das dritte Mal kommt, mische ich mich ein, und frage, ob der Schreiende selber Kinder hat?

– Ja. Zwei. Eigentlich drei…
– Wieso „eigentlich drei”? – frage ich.
– Eins ist gestorben.
– Wie gestorben, wieso?
– Krankheit…
– Och, wie es mir leid tut…

Ein winziger Dialog, der jedoch den Duktus und die Rhetorik der Kommunikation unter uns ändert. Er schreit nicht mehr, meine Nachbarin spricht mit ruhigerer Stimme, wir reden miteinander. Der Inhalt ist immer noch der gleiche, aber wir reden miteinander. Ein wesentlicher Schritt in Richtung Deeskalation des Konflikts. Meine Gesprächspartnerin und ich stellen gemeinsam fest, dass wir beide nichts dagegen hätten, wenn Herr Bahlmann und seine zwei Compagnons zu uns in den Saal gekommen wären und an unserem Treffen teilnähmen. Man kann über all die Meinungen diskutieren. Bahlmann pariert, dass es unmöglich wäre, da das Treffen auf Polnisch stattfindet. Macht nichts, beteuern wir beide, wir werden es übersetzen, nicht alles, aber so, dass er immer weiß, wovon die Rede ist.

Der Vorschlag kommt jedoch zu spät, die Polizei ist schon unterwegs. Ich bin total baff. Wieso die Polizei? denke ich. Wofür die Polizei? Es gibt doch keinerlei Bedrohung! Mindestens ich sehe keine…

Die Polizei tritt ein, schmeißt Herrn Bahlmann und seine zwei Kameraden aus dem Flur, aus dem Haus, aus dem Markt, wo das Bürgerhaus steht. Um die Gebäude herum stellen sich die Polizisten in schwarzen Kampfmonturen. Unsere Sicherheit wird von 30 Polizisten und neun Polizeiautos geschützt!

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Der Platz vom Bürgerhaus. Foto gemacht während der Veranstaltung.

Bild II

loecknitz-gazetaAm nächsten Tag beim Frühstück erfahren wir, wie die Meldung lautet, die die Polizei über den gestrigen Vorfall bei der Kreiszentrale vorgelegt hat (Löcknitz ist eine Gemeinde, Kreisstadt ist Greifswald mit Außenstellen in Passewalk und Anklam) – „großer Polizeiansatz“. Am nächsten Tag gab es schon Berichte in der lokalen Presse – „Nordkurier”, „Passewalker Zeitung” und andere. Die Journalisten schreiben von vielen Neonazis, viel mehr, denke ich mir, als wir sie gesehen haben: „die Situation war bedrohlich, richtig bedrohlich!” und „Nazis stören massiv Infoveranstaltung in Löcknitz“. Es geht weiter und höher. Es sind immer mehr Neonazis gewesen, mehr Bedrohung… Bald sind wir schon bei der “Deutschen Welle” und “Gazeta Wyborcza”. Und bei jeder lokalen Webseite.

***

Erst als ich dass alles aufgeschrieben habe, habe ich im Netz das Foto gesehen. Und die Unterschrift – auf Polnisch: Neonaziści zaatakowali Polaków. Neonazis greiften Polen an.

neonaziscizaatakowalipolakow

Ich möchte nicht behaupten, das Foto zeigt etwas, was nicht da war. Ich war im Saal, im Haus, also drinne, ich habe nicht gesehen, wer draußen stand und ob, und wenn ja, wie viele es wären. Ich kann nur sagen, ich nahm nichts dergleichen wahr. Es war ruhig, man hörte weder Schreie noch Parole, auch keine Befehle seitens der Polizei. Nicht Mal den Gemurmel, den man hört, seien viele Menschen beisammen. Zwei Frauen nacheinander gingen raus, um die Kinder nach Hause zu bringen, und kamen zurück. Leute schauten aus den Fenster, machten Fotos. Kein Mensch sagte, dass da eine massive Präsenz der Neonazis zu beobachten wäre. Keiner hatte Angst, scheint mir, wir lachten. Meines Erachtens war es, alles in allem, ein sehr eingenehmes Treffen.

Ich schaue mir genau das Foto an. Irgendetwas stimmt da nicht.

Herr Bahlmann hatte an dem Tag einen blau-weissen Sportanzug an. Es gab keine Sonne, er hatte, glaube ich, keine Sonnenbrille an, und hier haben sie alle Anwesenden an. Alle Streifenwagen, die ich später gesehen habe, waren blau. Auf “unseren” Fotos sind sie auch blau. Auf dem Foto oben ist der Wagen grün.

Unheimlich.

Haben die Journalisten aus einer Mücke einen Elephanten gemacht? Oder bin ich leichtsinnig und bagatelisiere die Gefahr?

 

Z pamiętnika wolontariuszki (i wolontariusza)

Wielu z nas angażuje się jako wolontariusze w pracy na rzecz uchodźców. Otwieram niniejszym platformę wymiany uwag i doświadczeń dla wszystkich, którzy chcieliby opowiedzieć o swojej pracy. Również, jeśli spotkało nas coś przykrego czy złego. Teksty nie muszą mieć starannej formy literackiej (ale oczywiście mogą!), bo chodzi o to, żeby się wypowiedzieć, a nie żeby sprawdzać poprawność, gramatyczną czy polityczną. Oczywiście, możecie pisać w każdym języku! Będę Was publikowała co drugą środę, a jak będzie dużo uwag i komentarzy, to w każdą środę.

***
Tanja i Joasia uczą dzieci niemieckiego. Sie schrieben:
jetzt wo wir da waren versteh ich pegida
weil klar… gegen diese klugen und hübschen kids
können die selber und mit ihren dumpfbratzengören
doch gleich einpacken…

Und eine Woche später:

Wie bringen zwei, die von Pädagogik keine Ahnung haben, einer Menschenmasse von 40 Leuten deutsch bei? Irgendwie intuitiv. Die Fragen die wir uns stellen: Was brauchen Syrer in Deutschland? Natürlich könnten wir “Blume”, “Wolke” und “Reh” üben, lässt sich gut malen, gut sprechen – und dann? Geht ein Syrer zum Einbürgerungsamt und sagt: “Das Reh ist süss”? Also haben wir beschlossen Körperteile zu üben. Kopf, Ohr, Auge, Nase, Brust – bis zum Fuss. Nach 15 Minuten konnten alle alles. Also weiter mit Möbeln, Türen, Fenstern, Farben, Kleidung. Nach weiteren 10 Minuten konnten alle auch diese Begriffe. Fazit: Die Syrer sind einfach zu intelligent. Die Bulgaren, Rumänen, Albaner, die angeblich auch im gleichen Heim wohnen, bekommen wir nicht zu Gesicht – wir mutmassen: sie ahnen, dass sie nicht bleiben werden, und sehen keinen Sinn drin, Körper, Möbel und Farben auf deutsch benennen zu können? Weil sie sowieso bald wieder da landen, wo sie versucht haben, weg zu kommen?

Anita

Od dłuższego czasu wiedziałam, że muszę zaangażować się w pomoc dla uchodźców. Przestać rozmawiać o nich i zacząć rozmawiać z nimi. Nie miałam już siły czytać kolejnych wiadomości o ich cierpieniu i strachu. Zaczęłam więc pomagać dla siebie – po to, żeby uspokoić swoje sumienie.

Pracuję jako wolontariuszka w schronisku dla uchodźców, gdzie, wraz z drugą koleżanką, zajmuję się opieką nad 62 dziećmi w wieku od 2 do 11 lat. To uchodźcy głównie z Syrii, Pakistanu i Afganistanu. Prowadzimy świetlicę, w której uczymy niemieckiego i organizujemy zabawy. Często odwiedzają nas rodzice, którzy chętnie korzystają z nauki języka.

Mój pierwszy dzień w schronisku nie był szokujący. Zdziwiła mnie tylko panująca tam spokojna atmosfera – ani smutek, ani radość, tylko jakby pustka. Szok przyszedł później, kiedy wróciłam do domu. Siedziałam przed komputerem odpisując na maila i nagle nie mogłam powstrzymać wybuchu płaczu. Dotarło do mnie, że te twarze, które dziś widziałam, są mi dobrze znane. To twarze dzieci, które często widziałam na zdjęciach – także tych zmarłych.

Opieka nad dziećmi w schronisku jest wyzwaniem. Trzeba pogodzić się z prowizorycznością sytuacji. Z tym, że nie możemy poświęcić każdemu uwagi, bo jest nas za mało do opieki. Z tym, że dzieci czasem się nudzą, bo prawie nie maja zabawek. Jeśli zabawka się pojawi, jest też duże prawdopodobieństwo, że zaraz zniknie, bo dzieciaki, które nie mogły zabrać ze sobą prawie niczego, mają dużą potrzebę posiadania na własność i chowają zabawki w swoich pokojach. Nawet jedną kredkę lub klocka.

Wiele z tych dzieci, głównie starszych, ma za sobą traumatyczne doświadczenia, co przejawia się np. w sytuacjach rozłąki z rodzicami, gdzie gniew szybko przeradza się w panikę i łzy. Pomimo tego praca z nimi przynosi mi wiele radości. Dzieciaki są bardzo pracowite i bystre, chłoną nowy język jak gąbka i potrafią też wiele wrazić mową ciała – nawet ironię! Kiedy wychodzę po kilku godzinach ze schroniska, jestem okropnie zmęczona, ale zanim przejdę parę metrów do przystanku autobusowego, zaczynam za nimi tęsknić. Rozmyślam nad tym, co robią i co możemy zrobić wspólnie następnym razem. Może jakieś tradycyjne niemieckie piosenki? A potem zamęczam znajomych opowieściami o „moich” dzieciakach.

Krysia

W kierunku Niemiec rozpoczął się niekontrolowany napływ uchodźców. Informacje o ludziach nadciągających masowo do Europy wywołały w kręgach politycznych totalne zaskoczenie, bezradność i zakłopotanie. Tragiczny los uchodźców, którzy ginęli na morzu szukając wolności i bezpieczeństwa, zmienił jednak podejście Europy do uchodźców. Zwrot w polityce azylowej nastąpił wtedy, kiedy świat opublikował zdjęcie martwego chłopca wyrzuconego przez fale w tureckim Bodrum. Kanclerz Niemiec Angela Merkel wysłała w świat sygnał: „nie będziemy przyglądać się ludzkiej tragedii, jak to miało miejsce w czasie II wojny światowej. Musimy dać schronienie uciekającym. Damy radę”.

Niemiecki rząd w przyśpieszonym trybie znowelizował ustawę o azylu tak, że nowe przepisy obowiązywać będą od listopada b.r.

Tyle rząd i właściwie AŻ tyle. Decyzje niemieckie są tak odważne, że aż dech zapiera, zdumiewają odwagą decyzji, by dać wszystkim potrzebującym bezpieczny dach nad głową. Angela Merkel oświadczyła, że jeśli Niemcy nie pokażą uchodźcom życzliwej twarzy, to ten kraj nie jest jej. Te słowa zapamiętam na zawsze. I chylę czoła!

deutschland heisst willkommen

 

Die kleine große Welt (16)

Monika Wrzosek-Müller

Die Flüchtlinge

Das Flüchtlingsheim war groß und unförmig; ein langes, hässliches Gebäude an einer sehr belebten Straße mit einem für Berliner Verhältnisse selten schmalen Trottoire. Es lag in einer Industriegegend, einem so genannten Gewerbegebiet mit vielen Betrieben und billigen Supermärkten einerseits und kleinen Einfamilien- oder auch Reihenhäusern andererseits. Eine Gegend, in der man sich fremd fühlen musste, aber nicht schlechter oder besser als andere dafür vorgesehene. Die Flüchtlinge waren zufrieden, manchmal sehr sogar. Sie waren immerhin dankbar für ein Dach über dem Kopf. Innen war alles frisch angestrichen, kleine Küchen und Bäder, die separat für Frauen und Männer, mit Duschen wurden eingerichtet; doch alles strahlte solche Ungemütlichkeit, Strenge und Leere aus, dass sie sich kaum vorstellen konnte, wie Menschen dort länger wohnen bleiben sollten und wollten. Immerhin hatten die Familien größere Räume, manchmal auch zwei; die alleinstehenden Männer mussten sich mit Zwei- bis Dreibettzimmern zufrieden geben. Sie bekamen eine Erstausstattung mit einem Set von in Folie eingeschweißten drei Töpfen, zwei Pfannen, Schneidebrett, einigen Messern etc…alles neu, von mittelmäßigen Qualität. In den Küchen gab es auch neue Herde, und Geschirrspüler; Kühlschränke standen in den Zimmern, alles fabrikneu, ungebraucht. Sie dachte, wer verdient hier so massiv, sind das die Unternehmen, die diese Gegenstände produzieren, warum kann man nicht gebrauchte Geräte benutzen und die Kosten auf diese Weise senken, damit man dafür andere Sachen bezahlen kann? Es gab auch einen Innenhof, auf dem für ihr Empfinden immer nur gestritten oder ständig laut geredet wurde, was sie dann als Streiten wahrnahm, und überall spielten Kinder in allen Altersstufen; Grüppchen von Männern standen verstreut auf dem ganzen Gelände herum, die Frauen immer ein paar Schritte weiter. Sie bildeten in kürzester Zeit ihre eigenen Gemeinschaften, mit ihren spezifischen Hierarchien, ihren Sitten und Bräuchen, von außen ziemlich abgeschottet und undurchdringlich; jede Nationalität für sich allein.

Und jeden Morgen so ab zehn Uhr schlichen die Ehrenamtlichen durch das Gelände, laut grüßend und unsicher, ob man sich auf die Menschen einlassen, wie man weiter mit ihnen kommunizieren sollte. Sie unterrichteten Deutsch, spielten mit den Kindern, organisierten manchmal Ausflüge, damit die Menschen aus der Gegend in eine andere rauskamen. Sie wollten aber oft zu viel Perfektion beim Organisieren, so dass die Menschlichkeit sich hinter den Ordnern, den Mappen und den Fragebögen versteckte und die Flüchtlinge manchmal verschreckte. Aber der Wille alles richtig zu machen, d.h. auch richtig zu helfen überwog. Es gab auch Helfer, die Spielzeug, gebrauchte Kleidung, Haushaltsgeräte etc. brachten, manchmal zu viel, manchmal zu stark gebraucht, so dass die Mitarbeiter es nicht schafften, alles zu sortieren, oder dass es sich das Sortieren nicht lohnte. Sie sah, dass die Hilfe spontan, herzlich, wenn auch oft unbeholfen kam.

Sie wollte auch helfen; es war ein innerer Wunsch, denn am Anfang war es auch ihr in der Fremde schlecht gegangen, und alles war so kompliziert und neu, dass sie sich gar nicht vorstellen konnte, wie diese Leute, nach ihren Erlebnissen im Mittelmeer oder auf dem Weg über die Berge, es hier schaffen sollten. Schließlich hatte sie selbst auch nie eine feste Arbeit bekommen, obwohl sie perfekt Deutsch sprach, aus Europa kam, einen deutschen Mann hatte, über einen (wie sich zeigte, völlig unbrauchbaren) Magistertitel in einem humanistischen Fach verfügte.

Sie spürte instinktiv, dass der Flüchtlingsstrom ein großes Problem sein würde; ein großes Problem für sie, für die anderen, für Deutschland, für Europa, schließlich für die ganze Welt. Aber obwohl man immer öfters darüber sprach, schien die Welt andere Probleme ernster zu nehmen als die Schicksale der Menschen, die sich in Bewegung gesetzt haben. Sie überlegte immer wieder, warum das erst seit Kurzem in so extremen Form aufgetreten war, warum die Leute so lange gewartet hatten, um sich jetzt umso desperater in ihr Abenteuer zu stürzen, ohne andere Wege zu sehen, zu erkennen oder wirklich zu haben; waren daran die Mobiltelefone und die globalen Vernetzungen schuld oder hilfreich, dass die große Welt so klein geworden war. Je länger sie sich damit beschäftigte, nicht nur im Kopf sondern auch ganz praktisch, indem sie ihnen half Deutsch zu lernen, erkannte sie, dass jeder Fall individuell und einzigartig war, jeder von den Flüchtlingen seine eigene Geschichte schrieb, und sie passierte schon und fand in Deutschland statt, ob man es wollte oder nicht. Es gab keine allgemeinen Lösungen; oder anders: es gab einige Lösungen, die die juristische Seite betrafen, doch ansonsten war jeder sein eigener Fall und es reichte nicht, ein paar Brocken Deutsch zu sprechen und etwas mehr zu verstehen, es war ein sehr kompliziertes Gefüge von allen möglichen Faktoren, die ihren Aufenthalt in Deutschland zum Gelingen bringen konnte – oder auch zum Scheitern.

Den Flüchtlingen war der Schrecken der langen Reise anzusehen; im Deutschunterricht saßen manche mit weit geöffneten, fast aufgerissenen Augen da, unbeweglich, andere wiederum bewegten sich ständig und zappelten und konnten nicht stillhalten. Es gab auch welche, die aus so diametral anderen Verhältnissen kamen, dass sie ernsthaft zweifelte, wie eine Sozialisation für diese Menschen aussehen sollte. Aber, und darüber war sie sehr erstaunt, es gab auch solche , die sich in Windeseile von den Strapazen erholt zu haben schienen, laut und herzlich lachten, entspannt waren, munter und zuversichtlich. Sie staunte, wieviel Kraft und Energie diese Menschen haben mussten, um unter diesen Umständen fröhlich sein zu können. Sie selbst war da viel düsterer und tat sich unnötig schwer mit der Umstellung; sie tauchte alles in Schwarz, war unzufrieden, abwesend und ablehnend. Klar, sie hatte Gründe dafür dazu, klar, es war nicht leicht, doch sie erkannte, dass letztlich jeder sein Leben so lebte, wie er konnte, und man musste sich bemühen, besonders in der Fremde, das Beste daraus zu machen.

Reblog: Muzeum Kraszewskiego w Dreźnie

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opublikowała piękny tekst Leonarda Paszka o Muzeum Kraszewskiego w Dreźnie. Leonard jest twórcą i administratorem Pol-Cafe i Pepe TV, tak w wersji wirtualnej, jak i całkowicie realnej. Poprosiłam go o zgodę na zreblogowanie jego tekstu Kraszewskim.

Był autorem nadzwyczajnym! Napisał 232 powieści!

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Muzeum niczym z bajki

Już w momencie przekroczenia bramy posesji przy Nordstrasse 28 w Dreźnie można wyczuć dziwny i niecodzienny klimat. Drzewa, wypielęgnowana trawa, alejki i kwiaty, a w głębi piękna willa w szwajcarskim stylu. Wszystko to przypomina obrazy niczym z „Tajemniczego ogrodu”. W takim to miejscu mieszkał i tworzył w okresie drezdeńskim Józef Ignacy Kraszewski – najpłodniejszy pisarz polski wszystkich czasów i jeden z najpłodniejszych pisarzy świata. Obecnie w domu tym, od 1960 roku, mieści się muzeum upamiętniające jego twórczość i związki Polski z Saksonią. Jest to obecnie jedyne muzeum polskie na terenie Niemiec, a także miejsce spotkań i konferencji polsko-niemieckich i polonijnych.

Dom

Sam Kraszewski, chociaż po zakupie domu narzekał na wysokie koszta remontu, to jednak cieszył się jak dziecko z lasu za domem i z drzew w ogrodzie. W liście do najmłodszego brata – Kajetana pisał: U mnie zielono, drzewa szumią, a ja piszę i piszę lub w ogródku pracuję. Kosy, szpaki i wróble mi się przypatrują, a wiewiórki tylko czasami (…) Z okna pokoju, w którym piszę, zupełnie wiejski widok w las, na łąkę i strumień. Było dla niego wielkim szczęściem, że udało się znaleźć w Dreźnie, stolicy Saksonii, która zawsze rozjaśniała kulturalną mapę Niemiec, zakątek tak uroczy i sprzyjający twórczej pracy.

A pracował w Dreźnie bardzo konsekwentnie, narzucając sobie surową dyscyplinę, którą podziwiali wielbiciele jego talentu. Wstawał o ósmej, pół godziny na poranną toaletę, później skromne śniadanie i kawa, a przy tym przegląd prasy, której otrzymywał wówczas 60 tytułów. Później odpisywał na liczne listy. Doręczyciele z korespondencją przychodzili czasami kilka razy dziennie. Zawsze starał się odpisywać własnoręcznie i w tym samym dniu. O jedenastej robił przerwę i przyjmował gości. Przed obiadem jeszcze starał się wrócić do lektury prasy i korespondencji. O czternastej zasiadał do obiadu, a po nim obowiązkowa godzinka pieszego spaceru lub praca w ogrodzie. Miedzy szesnastą a osiemnastą znowu wracał do korespondencji i prasy. Do dziewiętnastej, godzinę poświęcał na fortepian, tylko oczywiście dla przyjemności. Później kolacja, po której w pokoju na piętrze, przy lampce olejnej przystępował do pisania, które kończył około drugiej w nocy. Pisanie przychodziło mu łatwo. Pismem drobnym zapełniał szybko kolejne kartki brulionu. W willi przy Nordstrasse powstały takie powieści jak: „Hrabina Cosel”, „Brühl” czy „Z siedmioletniej wojny”, które nazywane są również saską trylogią.

(…)

Kraszewski i Drezno

Kraszewski przyjechał do Drezna w lutym 1863 roku, czyli w 51 roku życiu. Była to ucieczka przed zesłaniem na Sybir z powodu zaangażowania w Powstanie Styczniowe. Ta 800-letnia metropolia od początków XIX wieku służyła jako schronienie dla uchodźców politycznych m.in. po upadku Powstania Listopadowego. Kraszewski nie zamierzał zostawać tutaj dłużej. Pragnął jedynie przeczekać polityczną zawieruchę i szybko wrócić do Warszawy, gdzie zostawił rodzinę. Pobyt w Dreźnie jednak przedłużył się na niemal całą resztę jego życia. Wspominał później: Z Warszawy wyjechałem w przekonaniu, że ją opuszczam na parę miesięcy, a pozostałem za granicą lat przeszło dwadzieścia w oczekiwaniu na coś nieokreślonego.

Słowa powyższe przypominają niejeden emigracyjny życiorys. Wielu uchodźców politycznych w ciągu całej historii Polski, opuszczało najbliższe sercu okolice, z myślą o rychłym powrocie. Jednak po pewnym czasie zapuszczają korzenie i zostają, traktując nowe miejsce jako drugą ojczyznę. Autor „Starej baśni” bronił się jednak przed nasiąkaniem niemieckością. Podczas wcześniejszego pobytu w Paryżu widział jak niektórzy uchodźcy polityczni z 1831 roku powoli „francuzieli”, dlatego był na tym punkcie przewrażliwiony. (…)

Całość tekstu i galeria zdjęć: TU.

Reblog: Münchener Kunstfund

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reblog-muenchener-kunstfund2Der Münchner Fund von 1400 Gemälden und Papierarbeiten in einer Schwabinger Wohnung, die zuletzt von dem 1933 geborenen Cornelius Gurlitt bewohnt wurde, beschäftigt nicht nur die Augsburger Staatsanwaltschaft, sondern auch die Kunstgeschichte. Während Ermittler der Staatsanwaltschaft, Zollfahnder und Polizisten Indizien und Beweise zusammentragen, müssen Kunsthistoriker Originale begutachten, in Datenbanken nachforschen und die Archive von Koblenz bis Washington auf den Kopf stellen. Der Münchner Fund ist ein einzigartiger Fall, wegen der Menge der Bilder: Alle stammen aus den Beständen des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt (1895 bis 1956), der vor allem im Nationalsozialismus Karriere machte.

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Auch aus einem zweiten Grund ist der Münchner Fund einzigartig: eben weil juristische und kunsthistorische Recherche Hand in Hand gehen. Was die Ermittlungen anbetrifft, stehen zwei Personen im Zentrum: Der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz und die Kunsthistorikerin Meike Hoffmann, die als Sachverständige an Bord geholt wurde und hauptberuflich Mitarbeitern und Projektkoordinatorin an der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ der Berliner Freien Universität ist.

Wie passt das alles zusammen?

scanSchon jetzt hat diese Zusammenarbeit von Staatsanwaltschaft und Kunstgeschichte zum Zusammenbruch einer scheinbar unumstößlichen Großerzählung der bundesdeutschen Nachkriegszeit geführt. Der Eisberg, an dem diese Erzählung wie ein Dampfer im Meer zerschellt, ist die Person Hildebrand Gurlitts. Nichts scheint bei ihm zusammenzupassen: ein Kunsthändler mit einer jüdischen Großmutter, der wegen seiner Abstammung und seines Einsatzes für Avantgardekunst in Zwickau 1930 seinen Posten als Museumsdirektor verlor und in Hamburg 1933 den als Leiter des Kunstvereins – und der dann zu einem der erfolgreichsten Kunsthändler im Nationalsozialismus aufstieg. Der sogar in der Nachkriegszeit Kunstvereinsleiter in Düsseldorf wurde. Und seiner Familie nach dem Tod 1956 eine Kunstsammlung hinterließ, die jetzt in München aufgetaucht ist. Geht das alles auf einmal?

Es ist zu einer Floskel geworden, dass die hintergründigsten Geschichten immer noch das Leben selbst schreibt. Zu diesen Geschichten gehört eine bisher unveröffentlichte, die in das Amsterdam des Jahres 1943 zurückführt, zu dem Künstler Max Beckmann, der dort im Exil lebte. Von Beckmann befand sich in Hildebrand Gurlitts Sammlung die Gouache „Der Löwenbändiger“, die sein Sohn Cornelius im Dezember 2011 über das Auktionshaus Lempertz in Köln versteigern ließ. Was indessen nicht bekannt war ist, dass Gurlitt 1943 Beckmann in Amsterdam aufsuchte. Der Maler hatte 1937 Berlin verlassen, als in München die Propaganda-Ausstellung „Entartete Kunst“ eröffnete, in der auch zehn Gemälde und zwölf Graphiken von seiner Hand gezeigt und diffamiert wurden; aus Museumsbesitz wurden insgesamt 28 seiner Gemälde beschlagnahmt. Beckmann, darüber kann kein Zweifel bestehen, verletzten die Diffamierungen zutiefst. Bereits 1933 war er als Dozent an der Frankfurter Städelschule entlassen worden, in einem Hetzschreiben wurde er als „Judenknecht“ bezeichnet, der „Kunsthurerei“ betreibe.

„Entartete Kunst“ verkaufte sich weiterhin

Umso erstaunlicher ist dieser Besuch: Am 19.Oktober 1943, einem Dienstag, kam Hildebrand Gurlitt in Begleitung von Erhard Göpel zu Beckmann, am nächsten Tag, dem 20. Oktober, ein zweites Mal. Dass Göpel Beckmann in Amsterdam besuchte, ist bekannt. Nicht bekannt ist, dass auch Gurlitt dabei war – und das aus gutem Grund. Denn nach Recherchen, deren Unterlagen dieser Zeitung vorliegen, kamen Göpel und Gurlitt, um Kunst zu kaufen. Genannt wird dort das Gemälde einer „Frau mit weißer Jacke“. 1944, bei einem weiteren Besuch, folgen Bilder einer „Franz. Bar“, eines „Fischs“ und einer „Südl. Landschaft“. Gurlitt, das darf man nicht vergessen, war zu diesem Zeitpunkt bereits zu einem der Chefeinkäufer für Adolf Hitlers pompöses Museumsprojekt in Linz aufgestiegen. Von 1938 an gehörte er außerdem zum Kreis der Kunsthändler, die als „entartet“ beschlagnahmte Kunst ins Ausland verkaufen sollten, um Devisen zu beschaffen.