Ach, diese Mutter (Reblog)

OmaIch komme nach Hause, ein Donnerstag am späten Nachmittag, Weihnachten ist längst vorbei, mein Sohn wird erst in Monaten sechs. Es gibt keinen Grund auf der Welt, weshalb er gerade jetzt beschenkt werden sollte und doch liegt da ein neuer Lego-Karton auf dem Tisch. „Ninjago-Masters of Spinjitzu“, ein Set mit zwei futuristischen Motorrädern und einem Fluggerāt für Lego-Ninjas. Meine Laune erreicht einen Tiefpunkt. Während der Sohn in der Küche das neue Spielzeug zusammenbaut, mache ich meiner Mutter im Wohnzimmer Vorwürfe, es mündet im Streit und schlechter Stimmung. Der Abend ist hin. Oma geht eingeschnappt, der Kleine bekommt das natürlich mit! Ich bin jetzt der blöde Papa, der Konflikt erstreckt sich plötzlich über drei Generationen.

Warum muss sie ihn beschenken? Erst letzte Woche bekam er nach einem Besuch im Museum für Naturkunde einen Plüschdino und drei Plastikdinos in einer Gipsplatte zum selbst Rausbuddeln. ,,Das ist was für kleine Archäologen und weil ihm ,Tristan’ so gut gefallen hat”, erklärte meine Mutter. Diesmal die Ninjas. Es gibt immer irgendeinen Grund, irgend- eine Ausrede. Mal sind es Treuepunkte, die es einzulösen gilt oder eine ,,Bekannte“ hat das Geschenk vorbeigebracht, manchmal wurden die neuen Dinge ,,gefunden“.

Auch ich hatte früher Oma-Tage, kann mich aber nicht daran erinnern, derart verwöhnt worden zu sein. Meist wurde vorgelesen oder gekocht. Reicht auch. Wollte ich irgend- was „außer der Reihe“, musste ich es mir quasi ,,erkämpfen”. Das klingt nach „früher war alles besser“ und deshalb doof, ist aber so! Man sollte es dem Nachwuchs heute nicht zu einfach machen, zumal Konsum, Materialismus und Nachhaltigkeit für uns moderne Großstädter in der nördlichen Hemisphäre ja grundlegende Lebensthemen sein sollten, die es verantwortungsvoll seinen Kindern näher zu bringen gilt.

Omas neigen wohl dazu, sich einzumischen, Erziehungstipps zu geben und alles besser zu wissen! Bei meiner Mutter ist es der Schenkzwang, mit dem sie sich beim Enkel beliebt machen will. Doch statt die Sache zu durchschauen, locker zu bleiben und entspannt mit dem Ganzen umzugehen, reagiere ich über, werde aggressiv und streitsüchtig. Dann kommt der Ärger über mich selbst, weil „ich” doch recht habe und dann finde ich mich rechthaberisch, was mich wieder ärgert. Würde ich Ratgeber lesen, was ich nicht tue, Würde man mir Vermutlich raten, mit meiner Mutter zu sprechen: Wunderwaffe Kommunikation. Aber versuchen Sie mal mit einer Oma, die zu sehr schenkt, vernünftig zu diskutieren. Ich habe es versucht, es funktioniert nicht. Kinder hören nicht auf ihre Eltern, Eltern hören nicht auf ihre Kinder, jeder macht was er will und bei Lego klingelt die Kasse.

Geld und Ressourcen werden verschwendet, das Kinderzimmer wird immer voller, kistenweise stapeln sich dort Autos, Comics, Bücher, Kuscheltiere, Lego, Duplo, Playmobil. Es ist nie genug. Gespielt wird damit kaum. An den eigentlichen Geschenk-Anlassen, ist das Kind kaum noch zu begeistern, es erstickt im Überfluss. Ich komme nicht weiter, muss an Waldsterben und verseuchte Ozeane denken und trage voller Schuldgefühle bezüglich Klimawandel, Kindererziehung und der Beziehung zu meiner Mutter, alle paar Wochen das Zeug heimlich in den Keller. Schwache Lösung, aber aus den Augen aus dem Sinn hilft zumindest fürs Erste!

Apel w sprawie uchodźców / Appel um Unterstützung für Flüchtlinge

deutsche Version – bitte nach unten scrollen

Szanowni Państwo, Drodzy Przyjaciele, Koleżanki
i Koledzy, Znajomi i Solidarni Ludzie!

Zwracam się z apelem o wsparcie akcji dobroczynnej na rzecz uchodźców. Akcja polega na zbieraniu datków pieniężnych, różnego rodzaju talonów, bonów, darmowych wejściówek na baseny, do akwarium, do ZOO, do muzeum, na wystawy, na koncerty, etc. Szczególnie ważne dla dzieci: np. do Legolandu, na Wieżę Telewizyjną, FEZ (Freizeit und Erholungszentrum), na przedstawienia tetralne (np. kukiełkowe) i wszlkiego rodzaju imprezy umilające życie i pozwalające oderwać się od monotonności pobytu w ośrodku dla uchodźców. Od dwóch miesięcy pracuję w takim ośrodku w dzielnicy Weißensee przy Woelckpromenade 11. Określenie ośrodek jest moim zdaniem zbyt przesadne. Jest to po prostu szkolna hala sportowa zaadaptowana na potrzeby ok 100 osób. Krótko mówiąc brakuje wszystkiego. Grono wolontariuszy robi co może by urozmaicić mieszkańcom czas, jednak większości nie stać na korzystanie z ogólnie dostępnych form rozrywki i rekreacji.

Jeśli jesteście gotowi wesprzeć akcję, proszę pamiętać o tym, że do większości aktywności potrzebna jest zawsze osoba towarzysząca, w przypadku dzieci osoba dorosła, niekiedy dwie gdyż oprócz rodzica nieodzowna jest osoba znająca język, miasto i jego rytm. Byłoby świetnie, by osoby te miały również zapewnione np. darmowy wstęp. Akcja ta jest moją prywatną inicjatywą. W porozumieniu z Polską Radą Społeczną, której byłem wieloletnim pracownikiem i wciąż jestem jej członkiem, uzgodniliśmy, że najprościej będzie ewentualne datki pieniężne przelewać wpłat darowizn na konto tej właśnie organizacji:

Polska Rada Społeczna
http://www.polskarada.de
Oranienstraße 34, 10999

Tel.:     0049 30 / 6151717 
Fax:     0049 30 / 61659288 
E-mail: polskarada@polskarada.de

Konto:
Polnischer Sozialrat e.V.
Deutsche Kreditbank AG Berlin
IBAN: DE 5512 0300 0000 1838 8306
BIC: BYLADEM 1001

Tytuł przelewu: Filet-Refugees

W przypadku talonȯw, bonȯw, wejściówek itp. proszę o kontakt ze mną lub o przysyłanie mi ich na mój prywatny adres, albo poinformowanie mnie gdzie można je ewentualnie odebrać. Możliwość odbioru „przy wejściu/kasie” jest też do przyjęcia. Wraz z Polską Radą Społeczną gwarantujemy uczciwość i wgląd do dokumentacji wszystkich wydatków. Proszę nie czuć się zobowiązanym do odpowiedzi/odzewu na mój apel. Proszę również o powstrzymanie się od komentarzy negujących słuszność mojej inicjatywy.

Z serdecznym braterskim pozdrowieniem „aby do wiosny!”
Andrzej filet Fikus
Mobil: 0172 32 10 815
filetosz@yahoo.de

refugees-welcome

Naszywka na swetrze sfotografowana podczas urodzin przyjaciółki / gesehen bei einem Geburtstag (Foto EMS)

An alle Damen und Herren, Freunde und Kollegen und solidarischen Mitmenschen,

die Flüchtlingskrise hat bereits seit längerem Berlin erreicht und rückt die Multikulturalität der Stadt mit seinen vielen Herausforderungen, aber auch Chancen immer mehr in unser tägliches Bewusstsein.

Persönlich wird mir dies seit meiner Arbeit in einer Unterkunft in Berlin Weißensee immer deutlicher. In dieser sogenannten provisorischen ‘Unterkunft‘ in einer ehemaligen Schulsporthalle fehlt es an allem. Vor allem aber an Abwechslung vom tristen und monotonen Alltag und der Bewältigung von Traumata und Flucht.

Gemeinsam mit euch möchte ich bei der Integration dieser Menschen mithelfen und durch kleine Lichtblicke ihr Leben in der Fremde aufhellen und mit Lebensfreude füllen.

Diese Lichtblicke können in Form von euch eingereichten Gutscheinen, Spenden bzw. Eintrittskarten für sportliche, kulturelle und ähnliche Aktivitäten geschehen. Egal ob Tickets für den Besuch im Schwimmbad, Zoo, Museum, Aquarium, Legoland, FEZ (Freizeit- und Erholungszentrum), Theater, Fernsehturm oder Kino – mit jedem eingereichten Ticket oder Gutschein können wir Kinder- und Elternherzen höher und glücklicher schlagen lassen.

Anregungen und Ideen für Ausflüge oder Freizeitangebote in Berlin könnt ihr unter

www.visitberlin.de/de/erleben finden.

Bitte denkt auch an Begleiter wie Übersetzer oder Kinderbetreuer, denen ein Eintritt mit einem Gutschein oder gekauftem Ticket erleichtert werden kann.

In freundlicher Zusammenarbeit mit dem Polnischen Sozialrat wurde für alle eingehenden finanziellen Unterstützungen ein Spendenkonto bereitgestellt.

Adresse und Kontodaten hierfür sind wie folgt:

Polska Rada Społeczna
Oranienstraße 34, 10999 Berlin
www.polskarada.de
Tel.: 0049 30 / 6151717 Fax: 0049 30 / 61659288
E-mail: polskarada@polskarada.de
Spendenkonto
Empfänger: Polnischer Sozialrat e.V.
Bankinstitut: Deutsche Kreditbank AG Berlin
IBAN: DE 5512 0300 0000 1838 8306
BIC: BYLADEM 1001
Betreff: filet-refugees

Gespendete Gutscheine können außerdem an meine Postadresse geschickt bzw. bei der Kino- oder Theaterkasse etc. hinterlegt oder von mir persönlich bei euch entgegen genommen werden. Bitte zögert nicht, mich bei Rückfragen zu kontaktieren oder per Mail mit mir in Kontakt zu treten.

Persönliche Daten:

Andrzej Fikus
Böhmische Str. 48/ II
12055 Berlin
Tel. 030/ 61 35 900
Mobil: 0172 32 10 815
E-Mail: filetosz@yahoo.de

Alle Spenden werden von mir und dem Polnischen Sozialrat ehrlich und transparent behandelt und zu 100% für die oben beschriebenen Aktivitäten verwendet werden.

Dieser Aufruf soll keine Verpflichtung zum Spenden darstellen, sondern Anstoß zum Helfen und Nachdenken geben.

Ich bitte außerdem von Kommentaren, bezüglich dieser Aktion abzusehen und appelliere an eure Mithilfe, Solidarität und Gemeinschaftsgefühl.

Ich verbleibe mit solidarischem Gruß und ‘aby do wiosny‘.

Solidarność według Kobiet / Frauen und Solidarność

Die unsichtbaren Frauen: Solidarność, polnischer Feminismus und das Feindbild „Gender“
Filmabend und Diskussion
Frauen der Solidarność (OmU, Polen, 2014) Reg. Marta Dzido, Piotr Śliwowski

Letztes Jahr feierte Polen 25 Jahre Freiheit. „Solidarność“ hat grammatisch das weibliche Geschlecht, trägt aber ein männliches Gesicht, und die dominante Erzählung über den antikommunistischen Widerstand verschweigt die Beteiligung der Frauen an der Bewegung. Die Geschichte dieser unsichtbaren Frauen hat jedoch bis heute Auswirkungen auf den polnischen Feminismus. Wie kann die Geschichte der Frauen im und gegen den Kommunismus rekonstruiert bzw. wiedergewonnen werden? Hat der Triumph der Solidarność im Jahr 1989 den polnischen Frauen Befreiung gebracht? Und wie geht es weiter mit Frauenfragen im heutigen Polen, wo die aktuelle Regierung die „Gender-Ideologie“ zum Feindbild macht?

Kommentar zum Film und Einführung in die Online-Ausstellung „Women under Communism“ von Ewa Maria Slaska (Autorin und Journalistin) und Prof. Dr. Magdalena Waligórska (Universität Bremen)

Solidarnosc in RBF7xx
Der Film widmet sich den polnischen Frauen, die sich in den 1980er Jahren in der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc engagierten und damit zur politischen Wende 1989 beitrugen. Doch im kulturellen Gedächtnis Europas ist der Beitrag dieser Aktivistinnen nahezu ausradiert und in der Geschichtsschreibung sozialer Bewegungen wird der politische Aktivismus beteiligter Frauen häufig ausgeblendet. Stattdessen wird Bewegungsgeschichte auf männliche Akteure verkürzt. So auch im Falle der Solidarnosc, der größten Oppositionsbewegung im kommunistischen Osteuropa, die in ihren besten Zeiten zehn Millionen Mitglieder zählte, davon die Hälfte Frauen. Obwohl die Gewerkschafterinnen Seite an Seite mit ihren männlichen Kollegen für eine Demokratisierung der Gesellschaft kämpften, ist kaum eine der rund fünf Millionen Frauen aus der Solidarnosc namentlich bekannt. Und das, obwohl es gerade die Frauen waren, die in den Jahren nach der Verhängung des Kriegsrechts und dem Verbot der Gewerkschaft 1981 konspirative Strukturen aufbauten. Innerhalb der Gewerkschaft blieben ihnen Führungspositionen verwehrt, und 1989 saß lediglich eine einzige Frau aus der Solidarnosc bei den Verhandlungen mit am „Runden Tisch”. Der Film begibt sich auf Spurensuche nach den vergessenen Aktivistinnen.
D. Brunow, Feministische Studien

In Zusammenarbeit mit Städtepartner Stettin e.V.

Veranstalter Solidarnosc

Zum Frauentag organisiert Regenbogenkino beginnend am 3. März eine Reihe mit den Filmen zum Thema Migrantinnen / Frauen in anderen Ländern und Kulturen.

Siehe

Die Badende von Ingres und die Steckdose


Maryna Over erinnerte uns an Die Badende von Ingres, ein Bild gemalt im Jahre 1808 von einem der wichtigsten Maler des Romantismus. Ich schaute mir das Bild genau an und – plötzlich! – dachte ich, dass ich an der Wand, zwischen dem Bett rechts und den grünen Vorhang links eine Steckdose sehe!

Was denn? Wäre es überhaupt möglich?

Ich suchte und wer sucht, der früher oder später findig ist. Ich fand, dass es glatt unmöglich war, dass Ingres eine Steckdose an der Wand im Jahre 1808 sah. Im Internet ist doch alles, also auch die Geschichte des Stroms.

Sie geht weit bis ins 18. Jahrhundert zurück. Bereits im Jahr 1774 hat James Watt die erste Dampfmaschine erfunden und wurde somit Pionier der Stromerzeugung. Einen maßgeblichen Beitrag leistete ebenfalls Allesandro Graf Volta, denn dieser stellte zunächst erfolgreiche Theorien über die Erzeugung von elektrischen Strom auf. 1826 wurde das Ohm’sche Gesetz aufgestellt.

In den Jahren 1840 bis 1879 wurde das erste Transatlantikkabel verlegt. Die Telegrafie war eines der ersten Neuerungen, die im Zuge dieses Vorhabens eingeführt wurde. 1866 stellte Werner von Siemens ersten elektrischen Generator her. Erst dann konnte allmählich Strom in die private und öffentliche Haushälte kommen. Zuerst aber sorgte Strom für Strassenbeleuchtung.

ingres-kontaktBewaffnet mit diesem Wissen, schnitt ich den entsprechenden Fragment des Ingresschen Bilde aus und stellte ihn im Photoshop scharf. Erst jetzt sah ich, dass es keine nah an der Wand anliegende Steckdose ist, sondern weit entfernte und daher so klein wirkender Wasserhahn in Form eines Löwenkopfes, und dies was ich für einen Stromkabel hielt, in der Wirklichkeit sprudelnder Wasserstrahl ist.

Berlin Oder Stettin

Als ich den Titel der Veranstaltung mit Bogdan Twardochleb in einem Vereinsprotokoll geschrieben hat, umgehend korrigierte mich meine Kollegin: Berlin oder Stettin. Und notierte am Rande, dass sie dachte, ich, nach 30 Jahren in Deutschland, endlich Mal lernen kann…

Also meine Damen und Herren…

Berlin Oder Stettin

In unserer Reihe “Sttetin für Berliner” ein Vortrag von Bogdan Twardochleb

9.2.16 | 20 Uhr | Regenbogen Kino

In Kooperation mit Regenbogenfabrik

Was uns heute verbindet, was uns teilt und warum?

Wie wichtig ist Berlin in Stettin und warum ist es so wichtig?

Wohin fließt Berlin heute – zur Oder oder weg von der Oder? Das ist heute auch die Frage betreffs der EU.


Ist (wird) die Oder wieder die Grenze?


Warum mag ich Berlin und warum wollte ich mehr Berlin an der Oder und mehr Stettin in Berlin sehen?

Bogdan Twardochleb, (geb. 1954), seine Mutter stammte aus Großpolen, sein Vater aus Przemyslany bei Lemberg (Lwow, Lviv). Er wohnt seit 1960 in Stettin.

Bodgan Twardochleb studierte Polonistik in Stettin, arbeitete dann als Lehrer an der Stettiner Uni, seit 1989 ist er Journalist und Publizist. Seit 1991 arbeitet er in der Stettiner Zeitung Kurier Szczecinski. Seine Themen sind: Kultur (Literatur), Geschichte Pommerns, Gesellschaft, Minderheiten in Pommern, Grenzregion, deutsch-polnische Beziehungen. Zu seinen Aufgaben gehört es, die Kontakte mit Schulzeitungen, die mit seiner Redaktion kooperieren, zu pflegen. Bogdan ist Redakteur zweier Beilagen: seit 15 Jahren Szkolny Pulitzer (Schulen-Pulitzer), einer Beilage für Schulzeitungen, und seit mehr als drei Jahren für „przez granice“ (Über die Grenze), die Beilage für deutsch-polnische Themen, speziell in der Grenzregion. Bogdan hat als Redakteur einige Bücher vorbereitet, unter anderem mit Poesie und Reportagen.

Bogdan sagt zu seinen Hobbies: „Sehr lange Reisen in der Umgebung von Stettin, vor allem nach Pommern und in die Grenzregion. Nicht weit unterwegs, dafür umso tiefer in der Geschichte und Gegenwart verankert.“

Bogdans Träume: „Mehr Zeit für Berlin und auch für Stettin finden, mit meinen Enkeln mehr spielen und plaudern, mit meiner Frau mehr wandern und auch – mein schwaches Deutsch verbessern. Ich möchte so gut deutsch sprechen, wie zum Beispiel meine Freunde in Berlin: Ruth Henning und Uwe Rada.“

Eintritt frei – Spenden willkommen.

Twardochleb in der Regenbogenfabrik

Die große kleine Welt

Monika Wrzosek-Müller

Holland: um Leiden herum

Holland ist schön, aber so gar nicht ihr Land. Flach, von großen, auch kleinen und winzigen Wasserkanälen durchzogen. Von den typischen Mühlen, denen auf dem Land, hatte sie nur wenige gesehen. Aus dem Zugfenster blickt man über weite Strecken auf so etwas wie ein Schachbrettmuster, Wasser und Gras; die Züge fahren schnell, schweben lautlos, man ist von Leiden in 15 Minuten in den Haag und in 17 Minuten in Delft und in 12 auf dem Flughafen Schiphol. Weit und breit Wasser, und Grüne Flächen; sie wusste nicht, dass Leiden auch am Rhein liegt, dass sie sogar extra eine „Burcht“ gebaut hatten, die im Falle einer Flut allen Bewohner von Leiden Zuflucht bieten sollte; die Hauptgracht – das ist der alte Rhein, und der Fluss ist wohl gelegentlich über die Ufer getreten, bis die komplizierten Systeme der Schleusen, Regulierungen und Dämme alles unter Kontrolle brachten.

Für sie war es zu viel Wasser, ganze Landstriche mit Gewächshäusern, sogar die kleinen Wäldchen liegen alle auf dem Wasser, man hat den Eindruck alles liegt auf dem Wasser, auf Moor, die Kanäle und das Gras, alles so flach, dass man schon von ganz weit weg die Skyline von den Haag sieht. Die ist auch wirklich sehenswert; eine Skyline mit holländischen Motiven, das muss man können, dazu noch so bunt und trotzdem sehr ästhetisch. Das schöne, sehr bescheidene Museum in Mauritshuis, Königliche Bildergalerie, zeigt wunderschöne Werke; man steigt nach unten und arbeitet sich nach oben durch, alle Säle voller Preziosen; kleinen, manchmal wirklich sehr kleinformatigen aber wunderschönen Gemälden. Für das Museum wirbt das Bild „Mädchen mit dem Perlohrring“ von Vermeer, das von Plakaten die Fußgänger anschaut und von Fotografen nachgestellt wird.

Sie staunte über den Geruch, den wunderbaren Duft, der sich im ganzen Museum verbreitete und sie magisch anzog und neugierig machte; dann sah sie auf den Zwischengeschossen riesige Vasen mit Blumenarrangements, die an die aus den Bildern erinnerten, es waren echte Blumen, echter Duft, mit weißen Lilien und Alstremerien, alten englischen Rosen und Glockenblumen, dazu Gräsern, Efeu, allerlei kleinen Blumen; sie dachte, wie oft muss so eine Vase wohl neu arrangiert werden, damit der Duft so betörend ist und die Blumen so frisch und lebendig aussehen. Das Museum war nicht allzu groß und die Werke waren allesamt bedeutend, man hatte für den Betrachter eine Auswahl getroffen. Überhaupt fand sie den Haag sehr lebendig, ja lebenswert, großstädtisch; mit der schönen Altstadt, mit Parks, in denen sie zum ersten Mal riesige Sträucher von blühenden Christrosen gesehen hatte, und der bunten Skyline, mit der Lage fast am Meer. Es war eine tolle Stadt.

Später, schon zu Hause, dachte sie über das Element Wasser nach, warum ihr das Element so fremd und zuwider war. Sie selbst tendierte zur Erde, weil Stier und Aszendent irgendwas…, und Erde vernichtet Wasser, sie saugt sie auf. Aber in Holland war Wasser überall, auch unterirdisch, das musste einen Einfluss auf die Menschen haben. Wasser symbolisiert den Fluss von Energien, von Materie, Wasser trägt und reinigt; es nimmt den Weg des geringen Widerstands, doch es ist beharrlich, es fließt immer. Auf die Fähigkeiten der Menschen übertragen bedeutet das Kommunikation, Diplomatie, gute Geschäfte, Handel, neue Ideen und deren Vermittlung und Ausdauer. Etwas zu viel Wasser führt dann zu Gefühlslosigkeit und Überheblichkeit, Kälte und herrischem Auftreten. Ja, das dachte sie, nachdem sie aus Holland zurückgekommen war, zugegeben sie war sehr erkältet und hat sich ein Virus zugezogen und konnte das ganze Wasser nicht aufnehmen und wieder ausspucken.

Die Städte Leiden und Delft sehr schön, von fast makelloser Schönheit, mit Grachten und schönen alten Häusern, herausgeputzt und nach außen sauber; dass es hinter den Fassaden anders aussah, wusste sie von ihrem Sohn, der in so einem alten Haus wohnte. Es war das Haus einer männlichen Studentenverbindung; in Holland wohnen Studentinnen und Studenten getrennt. Das war für sie auch so eine Schocknachricht; in dem nach Außen freizügigen Holland wohnten tatsächlich Mädchen und Jungen getrennt. Dass ihr Sohn der Verbindung nicht beitreten wollte, fand sie mehr als vernünftig. Denn immer wieder gab es alarmierende Berichte in den holländischen, aber auch deutschen Zeitungen, wie es bei den Aufnahmeritualen der Verbindungen mit Demütigungen und Überforderungen der Seele und des Körpers zuging.

Sie sah sich diese jahrhundertealten Städte an und dachte, wie eine Postkarte, man kann nichts hinzufügen, aber auch nicht dahinterkommen. Es lud sie nicht ein, wie in Italien, wo die Landschaft noch schöner oder anders war als auf der Postkarte, mit dem Duft, den Gesprächen. Nicht dass die Holländer still wären, nein sie redeten eher laut und lachten viel und schienen durchaus mit sich zufrieden zu sein. Aber sie stand vor einer Mauer, auch wenn die Fenster keine Gardinen und man Einsicht ins Wohnzimmer hatte, die Mauer der prachtvoll verzierten Fassaden konnte sie nicht durchdringen. Vielleicht wenn man viel, sehr viel darüber wusste und sich aufklären ließ; doch das war eben nicht ihr Weg.

Es gab auch die Kirchen, riesige Backsteinbauten, sowohl in Leiden als auch in Delft; sie waren fast immer geschlossen, obwohl Adventszeit war und sie mehrmals angeklopft haben. Doch in Delft erwartete sie eine Überraschung, für ein paar Euro konnte man sowohl die Oude wie auch Nieuwe Kerk besichtigen. Die alte Kirche mit ihrem schiefen Turm, malerisch an einer Gracht gelegen, drin mit der Grabplatte für Johannes Vermeer und Bleiglasfenstern aus verschiedenen Epochen, eine Kirche, die ständig umgebaut und erneuert wurde, hatte sie weniger berührt. Ein paar Schritte weiter gelangt man auf einen riesigen Marktplatz, an dessen einem Ende sich das Rathaus und am anderen die Neue Kirche mit dem höchsten Turm weit und breit steht. Man kann sich hier gut die Zeremonien aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft des Königshauses Oranje vorstellen; Hochzeiten, Begräbnisse, es gibt einen Grabkeller für die Beisetzung der Mitglieder der königlichen Familie. Die Kirche lebt immer noch ihre Größe, das kann man auf einem Video sehr gut verfolgen. Es ist eine sehr harmonisch angelegte und 1655 in der jetzigen Gestalt ausgeführte Kreuzbasilika, mit großen, farbigen Bleiglasfenster, die viel buntes Licht im Innenraum spielen lassen.

Sie wusste, dass ihre Schul- und Studienfreundin seit Jahren in Holland lebte, sie hatten den Kontakt verloren, dann wieder gefunden und dann gelockert. Aber sie hatte das im Hinterkopf und versuchte sich Anka in diesem Land vorzustellen und dachte, das ist verdammt schwer und mühsam, hier richtig anzukommen. Du musst ihre Geschichte, ihren Stolz annehmen und dich nicht unterkriegen lassen, für sich da sein und einen Weg finden. Die Freundin wohnte auch noch dazu in einer ganz kleinen Ortschaft, nicht einmal in einer Großstadt, wo sich alles mischt Menschen, Haut- und Haarfarben, Häuser, Autos; doch sie schien zufrieden und angekommen.

Sie fuhren auch nach Katwijk, wanderten in der Dünenlandschaft herum. Eine unheimliche Landschaft, mit silbergrauem und frisch grünem Moos, auch einigen Sträuchern, Ginster und Sanddorn, kleinen Grüppchen von höheren Gräsern, leicht hügelig, weit und breit; war man mittendrin, dann hatte man den Eindruck, die Landschaft würde unendlich so weitergehen. Es schimmerte und leuchtete in der Sonne nach dem Regen. Davor lag ausgebreitet der lange und breite Streifen des Sandstrandes, der sich wie ein riesiges gelbes Band bis ins Unendliche zog, dahinter die graue Nordsee.

Irgendwann kehrten sie in einem der Strandrestaurants ein, für einen Wochentag war es erstaunlich voll und lebendig. Sie saßen an einem schönen Tisch, nebenan gab es eine größere Gesellschaft, es war laut, gesellig und sehr warm. Jetzt hätte der Teil kommen sollen, wo sie auf einmal ihre Freundin in einer Ecke sitzen sah, doch so war es nicht. Die wohnt für holländische Verhältnisse weit weg, in der Umgebung von Groningen. Was sollte sie denn hier auch suchen. Wir hatten uns nicht verabredet, seit Längerem nicht einmal geschrieben. So ist nur die flüchtige Erinnerung an sie da, und das ist alles.

In 80 Texte um die Welt

Lesung mit Viktoria Korb und Joanna Trümner

4.2.16 | 20 Uhr | RegenbogenCafé

Eine weitere Lesung aus dem Blog von Ewa Maria Slaska

Viktoria Korb wurde 1945 in Guriew (damals UdSSR), jetzt Atyrau (Kasachstan) geboren und wuchs in Breslau und Warschau auf. Sie studierte Außenhandel in Warschau und engagierte sich früh in der studentischen Presse. Nach den sog. März-Unruhen 1968 i Polen die von Studentenprotest in die antisemitische Hetzte mutiert sind, wanderte ihre Familie aus Polen aus. So begannen Vikis Wanderungen um die Welt, die bis heute dauern. Erinnert Ihr euch noch an den berühmten Polanskis Film Rosemaries Baby? Nennen Sie mir ein Ort, sagt der unvergessene Sidney Blackmer als Roman Castevet, und ich war dort. So ist es mit Viki. Sie war dort. Meistens auf eine abenteuerliche Art und Weise. Auf den Camel quer durch die Wüste. Oder ähnlich.

Es begann aber ziemlich bescheiden: Wien, Köln, London und letztlich Berlin. Es ist das Jahr 1971. Zeit des Etablierens vieler Freiheitsideen der Generation 68. Linke, Hippies, Protestler finden zusammen ausgefallene Formen des Lebens. Viki macht nicht alles mit, aber beobachtet es schon sehr genau…  Nach dem Magister in Wien folgt 1979 der Doktor an der Freien Universität und Ende der 70er ein Kurs in der Entwicklungspolitik. Jetzt beginnt es richtig: Zypern, Indonesien, Philippinen und die Schweiz. Dies beruflich. Privat fast alles in der Welt. Nennen Sie mir… sie war da. Afghanistan, Ägypten, Türkei… Irgendwann gesellt sich dem Wandern das Schreiben. Sie wird Journalistin, Autorin, Schriftstellerin…

Joanna Trümner

Die Literatur hat mich schon immer fasziniert, sagt Joanna, mit dem Schreiben habe ich schon vor vielen Jahren, während meines Studiums der Germanistik in Polen, angefangen. Inzwischen lebt sie seit über 30 Jahren in Berlin und in der Zeit sind einige Kurzgeschichten und Gedichte über das Leben in einem fremden Land entstanden. Oder in den fremden Länden, weil es sie immer wieder woandershin treibt. Teils aus prosaischen Gründen – es gibt Familienmitdglieder, die wie es unter Polen oft der Fall ist, überall wohnen, teil aus Wanderlust. Kanada, Amerika, Mexico, Australien, weite Länder, weite Ziele… Es spiegelt sich in den Texten, die zum teil eine nachdenkliche Reiseberichte sind, teils aber Erzählungen über die anderen. Und immer das Allgemeine, das was uns verbindet, egal ob uns das Leben nach Poniewież, Hammeln oder Kurytyba geworfen hat. Am liebsten schreibe ich von mir bekannten Menschen, sagt Joanna, deren Lebenswege voller Niederlagen und Neuanfängen waren. Die künstlerische Freiheit und einige beabsichtigten Veränderungen nutze ich, um die Lebensgeschichten nicht ganz zu „klauen“. Da ich bis jetzt viel Glück hatte, einigen faszinierenden Leuten zu begegnen, habe ich vor, weitere Kurzgeschichten zu schreiben.

“Samolot wznosi się coraz wyżej, ziemia powoli przestaje być widoczna, schowana pod dywanem białych jak śnieg chmur. Każdy metr oddala go od spraw, które zostawił za sobą: niepopłaconych rachunków, niewykonanych telefonów, spotkań, na które nie przyszedł – całego tego chaosu poprzedzającego dzisiejszy lot – być może początku najważniejszej podróży w życiu. Z perspektywy 10.000 metrów wszystko pozostawione na dole widziane jest jak z lotu ptaka – małe i odległe. A to, co czeka go w Brazylii chowa się w chmurach. Myśli o wczorajszym pożegnaniu z synem, tej nieprzyjemnej, pełnej wyrzutów rozmowie: „Nie myślałem, że znowu będziesz takim idiotą. Zaczynanie wszystkiego od nowa w twoim wieku jest infantylne, wnuki powinieneś bawić!” – „Ale ty się o nie nie postarałeś!” – odwarknął, zmęczony ciągłym wysłuchaniem, jakim idiotyzmem jest przeprowadzka do Brazylii w wieku 74 lat – bez znajomości portugalskiego, bez ubezpieczenia, tuż nad grobem!”

Reblog: “Eva, auch du wirst das Patriarchat hier in diesem Chaos nicht ändern können!”

Wie die Autorin arbeite auch ich in einem Flüchtlingswohnheim. Vieles, was sie hier beschreibt, scheint mir klischeehaft, vieles habe ich nie bemerkt, ist mir nicht passiert. Es ist mehr in diesem Text und zugleich zu wenig, viel zu wenig. Der Text ist kontrovers. Mehr noch, er hat mich irritiert. Aber ich finde es gut, dass es auch solche kontroverse Texte veröffentlicht werden, weil es tatsächlich viele Probleme gibt. Nicht nur unter und mit den Flüchtlingen, auch mit den Nutznießer und Profiteure der jetzigen Flüchtlingskrise, und das sind nicht nur reine kapitalistische Ausbeuter, weil es auch vermeintliche Gutmenschen sind oder diejenige, die sich angeblich für sie einsetzen sollen. Es bleiben noch viele Fragen, die hier nicht gestellt wurden, viele Beobachtungen, die stärker und präziser in die Gesellschaft geschickt werden müssen.

Ich sehe sie, bin aber durch unterschriebene Schweigepflichterklärung gebunden. Daher hier nur eine der vielen Fragen, eine, die mich seit Wochen um den Schlaf bringt.

In “meinem” Wohnheim zähle ich die Mädchen und Jungs, weil ich wissen möchte, wie viele Puppen und wie viele Autos vor Weihnachten zu kaufen gilt. Mit Schrecken stelle ich fest, dass bei uns ca. 60 Kinder wohnen, davon 45 sind Jungs und 15 – Mädchen! Statistisch unmöglich!  Ich frage rum herum, kein Mensch kennt die Antwort.

Wo sind die Mädchen?

Eva Quistorp

25.01.16

Mich nervt die sture Borniertheit vieler Männer

Wallraff-mäßig gehe sie vor, sagt die Autorin, die in einem Berliner Flüchtlingsheim arbeitet. Täglich muss sie mit den Männermassen klarkommen, ohne zu resignieren. Denn sie will Frauen helfen.

In der Kantine: ein Raum voller Männer, das ist eine europäische Frau nicht mehr gewohnt
Foto: E. Quistorp

Nein, ich bin nicht als sogenannter Gutmensch oder Vertreterin der euphorischen Willkommenskultur Ehrenamtliche geworden im Flüchtlingshaus in Berlin.

Ich ging nicht naiv in das Flüchtlingsheim, sondern eher wallraffmäßig auf feministisch, wusste, dass sexuelle Belästigung auch älterer Frauen durch die vielen jüngeren Männer kommen kann, dass sie Frauen ohne Schleier bedrängen könnten und auch die „eigenen“, falls sie allein geflohen sind. Ich wusste, dass einige Frauen auf der Flucht schon, wie Amnesty International jetzt bestätigt, vergewaltigt wurden. Ich wusste, dass die Väter dazu neigen, ihre Kinder zu schlagen, um die Kontrolle und Macht zu behalten.

Ich war schockiert, als ich merkte, wie wenige Familien und Männer direkt aus Syrien oder dem Krieg kommen, wie von Politik und Medien immer behauptet wurde.

Keine Frau spricht hier offen mit mir

Viele junge Männer sind aus Pakistan, aus dem Irak, aus dem Iran und die meisten aus Flüchtlingslagern in der Türkei oder dem Libanon, weshalb sie zu dem Haus, in dem sie jetzt in Zweier- oder Dreierzimmern wohnen, auch immer noch “Camp” sagen.

Ich kann den Frauen nicht einfach so Fragen nach sexueller Gewalt stellen. Wenn ich ihnen helfen will, muss ich behutsam sein. Ich muss viel Zeit und Geduld mitbringen, erst einmal Vertrauen und Stabilität einer Beziehung aufbauen.

Die Sozialarbeiterinnen und die Frauen im medizinischen Flüchtlingsdienst können zwar sichtbare Wunden feststellen, falls die Frauen überhaupt zu ihnen kommen. Doch die unsichtbaren Wunden sehen sie nicht.

Kaum eine Frau geht mit ihren Ehe- und Sexualitätsgewalterfahrungen zu einem Sozialarbeiter oder einer Ärztin hier. Schon viele Übersetzer sind Männer, die nicht gerade sensibel wirken. Die meisten Helfer bräuchten selbst erst einmal einen Sensibilisierungskursus!

Eva Quistorp mit einer großen Familie. Die Frauen haben, wenn sie älter als 27 sind, mindestens drei bis fünf Kinder. Die Mädchen müssen helfen, die Jungs dürfen spielen. Kennen wir das nicht auch von früher?
Foto: E. Quistorp

Schauen Sie sich doch die Security-Leute in den Heimen an. Viele sehen aus wie Türsteher vor Discos, nicht gerade wie Vertrauenspersonen, die man wegen Missbrauchs von Mädchen ansprechen kann.

Einer mit Salafistenbart wollte mich, breitbeinig dastehend, einmal nicht ins Haus lassen und behandelte mich, als sei ich eine Hexe. Inzwischen ist er zum Chef aufgestiegen und hat sich rasiert.

Nach dem täglichen Gang an den Sicherheitsmännern vorbei bin ich oft schon geschafft, weil ich es gar nicht mehr gewohnt bin, mich in einem so männerdominierten Milieu zu bewegen.

Als ich mir das erste Mal die lange Schlange von jungen Männern vor der Kantine ansah, wurde mir mulmig. Weniger, was sie mir antun könnten, sondern was sie wohl bei dem überstandenen Frust während der Flucht, bei dem Druck, unter dem sie stehen, Geld zu verdienen, denken.

Sie müssen lernen, mir die Hand zu geben

Was, wenn sie hier nicht klarkommen, die Welt nicht mehr verstehen und sich weiter durchschlagen in unserer Gesellschaft – wie auf einer ewigen Flucht? Die Männer aus der syrischen Mittelschicht, die öfter auch mit ihren Familien da sind, oder Studenten sind anders.

Ich gehe an der Menge der Männer vorbei, ohne den Blick zu senken, mit sicherem Schuhwerk, bunter Kleidung, meist mit offenem Haar. Ich lasse mir das laute Lachen, das Händeschütteln nicht nehmen, teste die Männer.

Sie lernen bei mir, einer deutschen Frau die Hand zu geben, auch zu fragen, wie es ihr geht. Einige Männer, aus Afghanistan meist, strecken mir nur ihren Arm mit Pullover hin. Die Hand zu geben ist wohl schon unrein und zu nah an der weiblichen Sexualität.

Doch gleichzeitig scheint es ein Doppelleben im Heim zu geben, wie Huerdem, die Sozialarbeiterin, die Türkisch und Arabisch spricht, mir sagte. “Abends und nachts brodelt hier das Liebes- und Sexleben. Es gibt neu Verliebte, was natürlich Spannung bringt.”

Kinder werden von ihren Vätern verprügelt

Die Männer wissen alle, wo die Frauen wohnen, die alleine geflohen sind. Zwei Frauen haben mich schon gefragt, wie sie abtreiben können. Sie lacht dabei, als ginge es um das freiheitliche Leben in Prenzlberg.

Seit Kurzem gibt es sogar Mädchen, die schon mit neun Jahren ein Kopftuch tragen, eines sogar schon mit vier Jahren, was eindeutig wahabitischer Einfluss ist.

Eine Afghanin hat mir aufgeregt erzählt, dass ein Vater sein Mädchen schlimm schlägt und es zwingt, darüber zu schweigen. Er drohe ihm mit Abschiebung und will es mit sieben Jahren zurückschicken, um es früh zu verheiraten. Was tun?

Der Kinderschutz reagierte wie ein Trampeltier, vollkommen ineffektiv kamen sie spät am Abend, brachten einen Teddybären mit und befragten in Anwesenheit des Vaters das Kind. Was soll das? So wird doch der schlagende Vater nur lernen, besser aufzupassen und den Nachbarn zu verbieten, irgendetwas zu sagen.

Seitdem ich das weiß, fühle ich mich auch von Männern, die mir nichts tun, irgendwie betrogen und bin angespannt, weil es ein Doppelleben zu geben scheint, das ich nicht durchschauen kann.

Die Frauenärztin wartet oft stundenlang umsonst auf Frauen und Mädchen. Einmal reichte es Huerdem, und sie klopfte an die Türen und rief mit drohender Stimme: “Ihr müsst jetzt alle sofort zur Frauenärztin kommen!” “Das ist die Sprache, die sie verstehen, Eva”, sagte sie mir.

Für die Kinder ein Spielzimmer, für die Frauen ein Frauenzimmer. Alleingänge und Trennungen haben manchmal Sinn
Foto: E. Quistorp

Ein Aufruf der Ministerin oder von Politikerinnen zu mehr Kinderbetreuung und zu mehr Schutz der Frauen ist wohlfeil. Ministerin Schwesig habe ich auf dem SPD-Parteitag Anfang Dezember letzten Jahres darauf aufmerksam zu machen versucht, jedes Heim brauche mindestens eine Sozialarbeiterin und Ärztin, die auf das Thema sexuelle Gewalt spezialisiert sind und entsprechende Übersetzerinnen haben müssten.

Alle Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen müssen zum Thema weitergebildet und auch geprüft werden. Es muss viel genauer hingeguckt werden, ob es auch unter Ehrenamtlichen und Besuchern Männer gibt, die ähnlich wie am Lageso an kleinen Kindern ein Missbrauchsinteresse haben. Da reichen polizeiliche Führungszeugnisse wirklich nicht.

Zettel auf Arabisch gegen Gewalt

Dass in Deutschland bestraft werden kann, wenn ein Mann seine Frau oder sein Kind schlägt, das hängt zwar als Zettel auf Arabisch an der Wand. Aber ich habe das noch niemanden lesen sehen, und selbst das Lesen würde ja nicht reichen.

Das muss zum Diskussionsthema in allen Deutsch- und Integrationskursen werden, mit Apps, Bildern und Rollenspielen und Comics ergänzt werden. Das müssen Autoritäten der Moscheen, der Schulen, der Sport- und Popwelt und eventuell eigene Fernsehprogramme beibringen.

“Beratung” und “Integration” sind große Worte. Haben sie den gleichen Klang auf Arabisch?
Foto: E. Quistorp

Die Erfahrungen, in der U-Bahn verfolgt und gierig angestarrt zu werden, habe ich zum Glück nicht gemacht. Auch schwere Belästigung von Ehrenamtlichen kamen bei uns im Haus, wo es kleine Zimmereinheiten gibt, bisher nicht vor. Eher sind Turnhallen und Zeltlager Brutstätten sexueller und anderer Gewalt.

Ob die Frauen, die zwar die Duschen abschließen können, aber sich in die Masse der jungen Männer begeben müssen, draußen angemacht worden sind, weiß ich nicht. Angst werden sie auf jeden Fall haben. Sie sollten einen eigenen Duschbereich bekommen, und allein flüchtende Frauen sollten ihre
Zimmer abschließen können.

Christinnen werden beleidigt und bedroht

Die Mädchen sollten nicht wegen der Faulheit der Eltern auf die Männertoiletten geschickt werden, die meist offen stehen und mit Papierabfällen verdreckt sind. Die meisten Kinder laufen unbeaufsichtigt herum. Da hilft auch kein Infozettel an der Wand.

Ich fürchte, dass es viel unsichtbare Gewalt und Belästigung gibt. Die Frauen werden aber erst dann reden, wenn sie den Asylstatus haben, eine Wohnung, wenn sie mit der deutschen Sprache auch gelernt haben, ihre Rechte in Anspruch zu nehmen, sich sicher fühlen und wagen können, ihren Männern zu widersprechen.

Es gibt auch syrische Christinnen, die sich als extreme Minderheit im Heim bedroht fühlen, weil sie kein Kopftuch tragen. Eine Polizistin aus Bagdad wurde sogar mit dem “Hals ab”-Zeichen der Islamisten aus Algerien, Afghanistan und des IS-Terrors bedroht, wenn sie sich nicht endlich an die Muslime anpassen würde.

Die syrische Christin Boshra mit Sohn vor Multikulti-Werbung in Berlin. Sie zeigt Tatkraft, will, dass ihr Sohn zur Schule geht. Sie selbst war Chemielehrerin in Aleppo
Foto: E. Quistorp

Sie werden mit dem Abspielen von “Allah Akbar”-Rufen eingeschüchtert und erniedrigt. Auch die Christinnen aus Eritrea sind eher für Gespräche offen, doch auch sie haben zuallererst Überlebenssorgen um ihre Kinder, ihren Mann, eine Wohnung.

Wir müssen besser werden in den Beratungsformen, die Frauen den Weg weisen, über Tabus zu reden, die Angst zu verlieren, sich auf Hilfe zu verlassen, müssen endlich auch die Gewalt gegen Mädchen anzusprechen wagen, statt wegzugucken. Große Sprüche und Kampagnen helfen da nicht.

Extra Zimmer nur für Frauen, die “Frauenzimmer”, sind ein bescheidener Anfang, wo es nicht nur Nähmaschinen gibt, sondern auch Aufklärungsmaterial in allen nötigen Sprachen. Viele sollten Workshops mit dem in Präventionsarbeit gegen Salafisten erfahrenen Ahmed Mansour machen, der erst jetzt langsam in der deutschen Öffentlichkeit in all seiner Kostbarkeit wahrgenommen wird.

Wir werden den Flüchtlingen die Freiheit unserer Frauen erklären müssen, als Nächstes den Karneval. Doch nicht alles in diesem Lande können wir schönreden, indem wir sagen, das seien unsere guten Sitten, der Lebenslust geschuldet, der Ekstase gegen die Herrschaft des öden Arbeitsalltags, der katholischen Kirche oder des Militärs. Das Dschungelcamp und Werbung für Pornos und Prostitution insgesamt als Ausdruck von Freiheit zu verkaufen wird schwer werden.

Die Flüchtlinge geraten in schwere Identitätskonflikte, siehe auch die Karriere von Bin Laden, der vom Lebemann zum Terroristen mutierte. Viele sagen mir deutlich, dass sie fürchten, ihre Töchter würden hier zu selbstständig werden und eventuell nicht jungfräulich bleiben bis zur Ehe. Daher kapseln sie sich ab.

“Mama, wir machen Deutschland kaputt!”

Denn Aufklärung ist für viele Verunsicherung, Kontrollverlust der Väter, Mütter, Ehemänner. Die “taz” macht es sich da zu einfach, die bisherigen Hefte zur Sexualkunde zu nutzen, Sex voraussetzungslos als etwas ohne Eros, ohne Liebe, ohne Kultur, ohne Bindungen. Soll das etwa unsere Leitkultur sein?

Ich werde noch nicht aufgeben. Doch ich war auch schon nahe am Nervenzusammenbruch, denn es sind emotional enorme Belastungen, weil ich mich in diesem Sprachvakuum bewege und in einem Labyrinth undurchschaubarer Regeln. Die Arbeit ist ein Fass ohne Boden, da ständig neue große Gruppen an jungen Männern nachkommen.

Ich werde mehr Grenzen ziehen müssen, denn mich nerven Unzuverlässigkeit, zu hohe Erwartungen, mangelnder Respekt gegenüber meinem Engagement, meiner Zeit, die sture Borniertheit vieler Männer, die Heuchelei gegenüber dem Wunsch nach Sexualität, das Misstrauen gegenüber unseren Regeln der Freiheit.

Ein Afghane, den ich wegen Arthrose zum Arzt begleitete und der mich “Mama” nennt, meinte: “Eva, wenn das so weitergeht, werden wir Deutschland kaputt machen.” Die Gynäkologin im Heim, die ich noch aus der Frauenbewegung kenne, meinte letztens lapidar: “Eva, auch du wirst das Patriarchat hier in diesem Chaos nicht ändern können!”

Uciekinierzy refugees Flüchtlinge

List w sprawie patronatu / ein Brief über Patenschaften

Szanowni Państwo,

w związku z napływem dużej ilości uchodźców zainicjonowany został nowy program pomocy tzw. “Gemeinsam.Schaffen.Patenschaften für das WIR der Verschiedenen.” Poszukiwani są wolontariusze, którzy chcieliby pomóc uchodźcom w integracji i objąć ich swoim “patronatem”. Zainteresowane osoby proszone są o kontakt z Polską Radą Społeczną w Berlinie:

tel.030/6151717

mail: polskarada@polskarada.de

Event na facebooku

PSR_Flüchtlinge

Meine Damen und Herren,

wegen der großen Anzahl von Flüchtlingen wurde ein neues Förderprogramm mit dem Namen “Gemeinsam.Schaffen. Patenschaften für das WIR der Verschiedenen” ins Leben gerufen. Wir suchen nach Freiwilligen, die helfen wollen Flüchtlinge zu integrieren und sie zu unterstützen.Personen, die Interesse haben, können sich gern an den Polnischen Sozialrat wenden:

Tel.:030/6151717

E-Mail: polskarada@polskarada.de

Facebook-Event

z poważaniem
mit freundlichen Grüßen

Dorota Kot
&
Polnischer Sozialrat e.V.
Berlin-Kreuzberg
Städtepartner Stettin-Kreuzberg/Friedrichshain

Polnischer Sozialrat e.V.
Oranienstraße 34
10999 Berlin
Tel.: 0049 30 / 6151717
Fax: 0049 30 / 61659288
email: polskarada@polskarada.de
Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag
10.00 – 16.00

patronat-chlopaki

“Wir gehen zum Bowling” / Idziemy na kręgle
Unsere polnische Patin, Iwona, mit den syrischen Jungs aus einem der Flüchtlingswohnheime von AWO / Iwona, polska wolontariuszka, z syryjskimi chłopakami z jednego ze schronisk prowadzonych w Berlinie przez AWO (Arbeiterwohlfahrt)

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Und noch eine kleine Bemerkung: