… und zwar so vergessen, als ob sie nie exitierten. Und dabei habe ich den honorarlosen Text gern geschrieben und ihm den ganzen Sommer 2015 gewidmet. Er erschien 2016 in einer Zeitschrif mit dem Datum 2014 und so vielen Fehlern, dass ich mich schämte die Autorenexemplare jemanden zu zeigen. Somit ist es offiziell ein Nachdruck und nicht Originaltext. Obwohl, ich habe es natürlich umgehend geändert und korrigiert. Durchgesehen, wie man es schön auf Deutsch sagt.
Ich bedanke mich bei Frau Pastorin Elisabeth Kruse, Ehrwürdigen Schwester Walburga, Pfarrer Peter Beier, Herrn Diakon Andreas Buntrock, Pfarrer Eberhard Kort, Herrn Engelbert Kremser, Pfarrer Horst Pietralla, Herrn Bernd Thürling
Als ich – Schriftstellerin und Publizistin – damit beauftragt wurde, über Carl Ulitzka zu schreiben, war ich mir über das Ausmaß dieses Wagnisses nicht im Klaren. Ich wusste, wer er war und dass er zu den vielen Persönlichkeiten gehörte, die schon vor dem Kriege grenzübergreifend zwischen Deutschland und Polen tätig waren, als symbolische Figuren der deutsch-polnischen Verständigung einen wichtigen Rang verdienten und stattdessen mit der Zeit in Vergessenheit geraten sind. Was mich aber persönlich an seiner Biographie am tiefsten berührte, war die Tatsache, dass er von der Nazis als „Polenkönig“ verfolgt und von den Polen als „Scheiß-Deutscher“ beschimpft wurde. Und ich wusste noch, dass (und wo) er in Berlin beerdigt wurde. Mehr noch, ich war einmal bei seinem Grab. Aber das war auch schon alles. Daher dachte ich, als mir der Auftrag erteilt wurde, prima, ich kann dabei mehr über Ulitzka erfahren…
Jeder Journalist, der über etwas schreibt, prüft heutzutage nach, was sich über sein Thema im Internet finden lässt. Auch ich tat nichts anderes. Und dabei überkamen mich Zweifel. Zuerst fand ich Hunderte und Aberhunderte Texte über Ulitzka. Auf Deutsch und auf Polnisch.
Dann kam es aber noch schlimmer, als ich das Buch von Guido Hitze entdeckte – Carl Ulitzka (1873-1953): Oberschlesien zwischen den Weltkriegen. 1440 Seiten! Der Autor schrieb darin folgendes:
Seine Biografie spiegelt gleichsam die besondere Entwicklung dieser umkämpften Grenzregion, die Abstimmungskämpfe in Oberschlesien nach dem Versailler Friedensvertrag wieder. Deutlich werden die Positionen des Zentrums innerhalb des Parteienspektrums sowie des deutschen Katholizismus vor und während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die umfassende Studie porträtiert erstmals die Geschichte Oberschlesiens bis 1945 und den Lebensweg Ulitzkas aufgrund neuester Forschungsergebnisse. Der Autor wertet bisher unbekanntes Quellenmaterial deutscher und polnischer Archive aus und kommt zu neuen Ergebnissen…
Wie kann ein Journalist, ein Laie, ein Unwissender wagen, über einen Mann zu schreiben, über den allein dieser Autor 1440 Seiten geschrieben hatte? Und erst recht all die anderen Forscher…!
Aber bei all diesen Zweifeln ob eigener Unzulänglichkeit wusste ich, dass ich doch etwas über Ulitzka zu sagen habe, dass ich einen persönlichen Zugang zu ihm habe. An einem Novembertag 2006 war ich auf dem Friedhof und versuchte sein Grab zu finden. Vergeblich. Am nächsten Tag rief ich bei der Friedhofsverwaltung an. „Ach,“ sagte meine Gesprächspartnerin, „unser Prälat Ulitzka“… der liegt dort und dort begraben. Es folgten genaue Hinweise…
Interessant, dachte ich, dass er für Menschen, die ihn nicht persönlich kannten, immer noch „ihr Prälat“ war. 60 Jahre und mehr nach seinem Tod bewahrt ihn die kollektive Erinnerung. Das wollte ich näher untersuchen. So begann die Spurensuche, deren Etappen Bernau bei Berlin, Biesenthal bei Bernau, Templin, Lobetal, Berlin-Karlshorst, Berlin-Friedrichshagen, Berlin-Lankwitz und Potsdam wurden. Ich wurde mit einer Empfehlung von einem Ort in den nächsten geschickt. Nur die erste Etappe bestimmte ich selber, ich ging dorthin, wo ich sicher war, etwas zu finden: Auf den Friedhof. Das heißt, mein Ausgangspunkt war das Ende – von da rollte ich seine Geschichte auf.
Ich kannte das Wort Prälat, wusste aber nicht, was es/er ist? Ulitzka ist 1926 Päpstlicher Hausprälat geworden. Wikipedia informiert, dass in der katholischen Kirche als Prälat der Inhaber ordentlicher Leitungsbefugnisse, Inhaber höherer kurialer Ämter oder ein verdienter Priester, der den Ehrentitel vom Papst erhalten hat, bezeichnet wird.
Fortsetzung folgt in ein paar Tage
Quellen:
Guido Hitze, Carl Ulitzka 1873-1953 oder Oberschlesien zwischen den Weltkriegen, Düsseldorf 2002
Forscher behaupten immer wieder das Gegenteil. Richtig aber ist: Die Gene haben kaum einen Effekt – es kommt auf die Förderung an.
Manchmal ergibt ein einziges Wort einen großen Unterschied. Carol Dweck, eine der weltweit führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der Lernmotivation, erzählt dazu in Vorträgen gerne von einer Schule in Chicago, auf der Schüler nach einer schlechten Leistung anstatt der Note “nicht bestanden” die Note “noch nicht bestanden” bekommen. Ein minimaler Unterschied, mit großer Wirkung. Das “noch” transportiert nämlich etwas, das sich in zahlreichen Studien mit Hunderttausenden Schülern als einer der zentralen Motoren für Lernen und Leistung erwiesen hat: die Überzeugung, dass jeder prinzipiell zu guten Leistungen fähig ist, weil Intelligenz nichts Angeborenes oder Festes ist, sondern vielmehr erst durch bestimmte Lernerfahrungen entsteht. Und diese kann man durch bessere Lernstrategien, mehr Anstrengung oder besseren Unterricht erreichen.
Schlägt man aktuell eine Zeitung auf, findet man immer wieder Beiträge von Wissenschaftlern, in denen die gegenteilige Überzeugung verbreitet wird – dass Intelligenz hochgradig vererbt sei. Aus diesem angeblichen Einfluss der Gene werden bildungsbezogene Schlüsse gezogen: “Das Verständnis, dass die DNA den wichtigsten Einfluss auf den Bildungserfolg hat, kann Eltern helfen, die Schwierigkeiten ihres Kindes zu akzeptieren”, schrieb der Genforscher Robert Plomin Anfang Oktober in der Zeit. 2015 behauptete er dort sogar: “zehn Prozent sind das, was Lehrer aus einem Kind herausholen können”. Und die Intelligenzforscherin Elsbeth Stern schrieb unlängst in der Zeitschrift Forschung und Lehre: “Ich halte sehr viele Vorträge vor Lehrern und Lehrerinnen, und die akzeptieren inzwischen, dass angeborene Intelligenzunterschiede existieren”.
Solche Sätze haben eine fatale Wirkung auf Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Demnach wären schlechte Leistungen naturgegeben und müssten hingenommen werden. Anstatt zu versuchen, etwas zu lernen, sollten die betroffenen Kinder dann besser lernen, mit ihrer Dummheit gut zu leben.
In den entsprechenden Beiträgen wird auf umfangreiche Studien verwiesen, die scheinbar zeigen, dass die Intelligenz zu mindestens 50 Prozent und im Erwachsenenalter sogar bis zu 70 Prozent oder mehr vererbt sei. Ein genauerer Blick hinter diese Studien eröffnet allerdings eine Welt, in der nichts so ist, wie es zunächst erscheint, und in der sich offenbar selbst Fachexperten verirren. Der Begriff der “Erblichkeit” ist in dieser Welt sehr eigentümlich definiert, ohne dass dies bei der Interpretation der Ergebnisse beachtet und in der Kommunikation nach außen kenntlich gemacht wird. Um es vorwegzunehmen: Der Blick hinter diese Studien zeigt genau das Gegenteil – dass Gene in Wirklichkeit bei der Intelligenz kaum eine Rolle spielen.
Diese sogenannten populationsgenetischen Studien halten diverse Überraschungen bereit. Die wohl größte ist: Die Studien untersuchen gar nicht, ob bestimmte Gene die Intelligenz verringern oder erhöhen. Das wird erst in jüngerer Zeit erforscht – mit ganz anderen Ergebnissen, wie wir noch sehen werden. Stattdessen ermitteln die Studien, wie stark in einer Gruppe die IQ-Werte von Individuen um den Mittelwert der Gruppe streuen – egal, wo dieser Mittelwert liegt. Die Annahme ist, dass die Streuung durch genetische Unterschiede und unterschiedliche Umwelteinflüsse erzeugt wird. Je unterschiedlicher die Gene und die jeweilige Umwelt sind, umso breiter die Streuung.
Ein logischer Fehlschluss
Durch den Vergleich bestimmter Personengruppen versucht man dann, darauf zu schließen, welchen Anteil die Gene an der Streuung haben. Etwa bei gemeinsam aufgewachsenen Zwillingen: Streuen die IQ-Werte der Eineiigen weniger als die der Zweieiigen, schließt man, das beruhe auf den Genen, weil die Umwelt pro Zwillingspaar ja gleich war. Fällt die Streuung zum Beispiel um 25 Prozent geringer aus, wird daraus errechnet, dass 50 Prozent der Streuung genetisch bedingt sind. (Da sich zweieiige Zwillinge die Hälfte ihres Genmaterials teilen, wird zur Abschätzung der Geneffekte der Wert verdoppelt.)
Worauf also fußt eine solche angebliche “Erblichkeit” von 50 Prozent? Sie stützt sich auf nichts weiter als auf die Streuung von Intelligenzwerten in Gruppen. Schlussfolgerungen über den Einfluss von Genen auf die Intelligenz von Individuen, beispielsweise von Schülern, oder auf die durchschnittliche Intelligenz einer Gruppe, lassen sich daraus grundsätzlich nicht ziehen. Eben das ist aber der Aspekt, der Eltern, Lehrer oder Bildungsforscher interessiert. Daher ist die Aussage, “zehn Prozent sind das, was Lehrer aus einem Kind herausholen können”, auch so gefährlich. Sie ist ein klassischer logischer Fehlschluss.
Die Menschen werden immer intelligenter
Wie viel man tatsächlich trotz der angeblich so hohen “Erblichkeit” aus Kindern “herausholen” kann, zeigt sehr eindrücklich der Flynn-Effekt. Er beschreibt das Phänomen, dass die Menschen immer intelligenter werden. Laut einer Überblicksstudie hat der durchschnittliche IQ von 1909 bis 2013 um etwas mehr als 29 Punkte zugenommen. Verglichen mit einer Person, die 1909 gelebt hat, sind wir heute im Schnitt hochbegabt. Dazu sei gesagt: Substantielle Veränderungen im menschlichen Genpool sind in so kurzer Zeit unmöglich. Der wundersame Anstieg des Denkvermögens beruht fast ganz auf Umwelteffekten wie besserer Bildung oder Ernährung.
Betrachtet man nun, welche Komponenten der Intelligenz überhaupt von Genen beeinflusst werden können, stellt sich heraus: Eigentlich sollte der Effekt der Gene relativ klein sein. Hilfreich ist der Vergleich mit einem Computer. Die Problemlösefähigkeit eines Computers hängt vom Potenzial seiner Hardware und von der Qualität der darauf installierten Software ab. Übertragen auf den Menschen heißt das: Seine Intelligenz besteht aus zwei Komponenten. Erstens der Hardware der biologisch vermittelten Fähigkeiten des Gehirns, etwa der neuronalen Speicherkapazität. Und zweitens der Software der im Laufe des Lebens erworbenen Wissensinhalte und Verhaltensstrategien. Wie beim Computer stammt die für intelligenzbezogene Tätigkeiten – Denken und Problemlösen – benötigte Software aus der Umwelt. Und da die beste Hardware ohne gute Software nichts leisten kann, hängt der Einfluss der Gene prinzipiell davon ab, dass die Umwelt eine gute Software bereitstellt.
Nun könnte man einwenden, dass genetische Effekte auf der Hardware-Ebene des Gehirns dem Erwerb qualitativ hochwertiger Software Grenzen setzen. Ein Blick in die Gehirnentwicklung zeigt aber, dass das unwahrscheinlich ist. Anders als oft vermutet wird, nimmt das Gehirnpotenzial eines Kindes nicht zu, sondern ab, während es wächst und klüger wird. Ein evolutionärer Trick: Kinder produzieren zunächst genetisch bedingt neuronale Verknüpfungen in großem Überschuss, damit sie flexibel auf die Umwelt reagieren können. Und während sie sich dann an ihre jeweilige Umwelt anpassen, wird der neuronale Überschuss erfahrungsbedingt abgebaut. Am Anfang der Intelligenzentwicklung steht also paradoxerweise ein relativ großes Gehirnpotenzial, das mit zunehmender Intelligenz abnimmt. Damit können Gene die Intelligenzentwicklung nur bedingt beeinflussen.
Studien, die den Einfluss bestimmter Gene auf die Intelligenz tatsächlich messen, bestätigen das. Es gibt Untersuchungen mit mehreren hunderttausend Personen, in denen zahlreiche Gene identifiziert wurden, die einen Einfluss auf die Intelligenz haben könnten. Allerdings ist der Effekt der einzelnen Gene verschwindend gering. Selbst wenn man alle Geneffekte kombiniert, kann die aktuelle Forschung Unterschiede in der Intelligenz nur zu vier Prozent erklären. Das Problem: Populäre Populationsgenetiker wollen den geringen Anteil der Gene an der Intelligenz nicht anerkennen. Stattdessen stellen sie mit statistisch fragwürdigen Extrapolationstechniken Vermutungen an. Etwa die, dass mit noch viel größeren Studien – eine Million Probanden oder mehr – weitaus mehr Gene identifiziert werden könnten. Irgendwann werde man sich dann der hohen populationsgenetischen “Erblichkeit” annähern. Aber auch diese Hoffnung ist ein Fehlschluss. Denn die möglicherweise zusätzlich identifizierbaren Geneffekte würden zunehmend immer kleiner ausfallen, so dass substanziell höhere genetische Anteile nicht zu erwarten sind.
Kommen wir zurück zu dem kleinen “noch”. Kindern zu sagen, sie hätten “noch nicht bestanden”, ist nicht nur aus pädagogischer, sondern auch aus biologischer Sicht angebracht. Weil die Intelligenz viel weniger mit den Genen zu tun hat, als einige Wissenschaftler behaupten. Sie verbreiten ihre Thesen, ohne wirklich überzeugende empirische Belege dafür zu haben. Das ist ethisch fragwürdig. Solche falschen Glaubenssätze können bei Kindern, die sich in der Schule schwertun, einen Teufelskreis auslösen. Das Kind selbst, seine Eltern, die Lehrer, alle haben dann weniger Vertrauen in das Potenzial, weil sie glauben das Kind sei “genetisch weniger intelligent”. Das demotiviert das Kind und verleitet Erwachsene, es weniger zu fördern, weil “es ja eh nichts bringt”. Klar, dass dann die Leistung sinkt – was wiederum zu bestätigen scheint, das sei vorherbestimmt. Und das Schlimmste: Bei dieser sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird tatsächlich eine geringere Intelligenz entwickelt. Mit den Genen hat das aber nichts zu tun. Umso mehr mit der Umwelt, die auf diese Weise verhindert, dass Kinder ihr wahres Potenzial entfalten können.
Wer Kinder beim Lernen, beim Welterforschen begleitet, muss aber noch etwas anderes wissen. Die Tatsache, dass jedes Kind potenziell eine hohe Intelligenz entwickeln kann, heißt nicht, dass der Weg dorthin einfach ist. Vielmehr ist es ein Weg, auf dem es Motivationstiefs gibt, vor denen man nicht weglaufen kann. Ein Schüler, der diesen Weg noch nicht gegangen ist, wird also nicht, wenn er anfängt, an sich zu glauben, urplötzlich nur noch Fortschritte machen. Und die Erkenntnis vom geringen Einfluss der Gene auf die Intelligenz bedeutet auch nicht, dass Schüler ständig angetrieben werden sollten, in allen Fächern Höchstleistungen zu vollbringen. Wer das tut, verkennt den wichtigen Unterschied zwischen Intelligenz und Expertise. Die Intelligenz ist eine grundlegende mentale Ressource. Bei der Expertise stellt sich die Frage, wo man schwerpunktmäßig diese Ressource investiert. Auf dieser Suche sollten Schüler begleitet werden, damit sie ihre wahren Interessen finden und ihr Intelligenzpotenzial dort auch entfalten können. Und wenn dann in Bereichen, die ihnen weniger interessant erscheinen, ihre Expertise kleiner ist, muss man das akzeptieren.
Christof Kuhbandner, 44, ist Professor der Psychologie und Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogische Psychologie an der Universität Regensburg.
Ich habe in einer Kiste ein paar Skizzen zu den Projekten, die ich vor ca. 20 Jahren selbst realisiert oder an denen ich mitgearbeitet habe, ausgegraben. Ein Weihnachtsfeier war auch dabei…
Wygrzebałem z pudła ze starymi papierami szkice, jakie przed 20 laty wykonałem do kilku projektów, własnych lub tych, przy których współpracowałem. Było też pewne święto bożonarodzeniowe…
1. Projekt eines Plakats zum Theaterstück “Wilde Hunde”
Projekt plakatu sztuki teatralnej “Dzikie psy”, 1998, Berlin
2. Seelauf und Kanufahrt
Kajakiem i na piechotę, 1999, Brandenburgia
3. Skizze zum “Sommernachtstraum”
Szkic do “Snu nocy letniej”, 1996, Berlin
4. Der Ritter der Schwerte (Tarot)
Rycerz mieczy, projekt karty do gry w taroka (Koziorożec/ Wodnik), XII 1996, Vals
5. Einladung zum 25-jährigen Jubiläum des Klubs der alten Junggesellen in Stettin
Projekt zaproszenia na 25-lecie Klubu Starych Kawalerów, Szczecin, XII 2004
Diese Arschlöche Santa Kläuse greifen ein Weib an
Komentarz adminki: Jak szybko zmieniają się obyczaje (bo przecież nie natura ludzka). Obawiam się, że dzisiaj za taką ilustrację kobiety obdarłyby rysownika ze skóry.
6. Happy Hannuka,E-Postcard nach NY
Happy Hannuka, pocztówka elektroniczna do ny, 2004
Rabi's levitation or the pernicious effects of reading Kabbalah
7. Entwurf eines Logos auf dem Portal “XXX”
Projekt logo na portalu “XXX”, XII 2004
Feministische Aktionen gegen Bevölkerungspolitik
Ein Rückblick in die 80er Jahre
Ein Film
2000-2003, 46 Min, Dokumentarfilm von der Filmgruppe Frauengeschichte(n) im Film
Im Anschluss Gespräch mit den Filmemacherinnen
In den 80er Jahren beschäftigten sich Frauengruppen in vielen Ländern mit dem Thema Bevölkerungspolitik. In der Dokumentation erzählen Aktivistinnen aus Deutschland von Debatten und Aktionen zum Thema Geburtenkontrolle. Sie berichten von der Entstehung humangenetischer Beratungsstellen, über Gen- und Reproduktionstechnologie und letztlich über Selbstbestimmung von Frauen über ihre Körper und feministische Kritik an Bevölkerungspolitik und Gentechnologie.
Frauen bildet Banden – Eine Spurensuche zur Geschichte der Roten Zora
2018, 80 Min, Dokumentarfilm vom Frauenlesben Filmkollektiv Las Otras
Im Anschluss Gespräch mit den Filmemacherinnen
Die „Rote Zora“ war in den 70er und 80er Jahren eine militante Frauengruppe in der BRD. Ihre Aktivitäten richteten sich gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen, gegen Gen- und Reproduktionstechnologie als Teil der Bevölkerungspolitik und internationalen Ausbeutungsbedingungen als Ausdruck patriarchaler Herrschaft.
In der linken Geschichtsschreibung in Deutschland weitestgehend ausgeblendet, greifen heute junge Frauen auf ihre Texte und Geschichte zurück.
Es ist auch den wissenschaftlichen Forschungen der in Großbritannien arbeitenden Katharina Karcher zu verdanken, dass wir heute wieder mehr über diese Gruppe erfahren können. Der Film trägt dazu bei, eine Lücke in der bundesdeutschen Geschichtsschreibung zu linkem Widerstand zu füllen. Erzählungen von Zeitzeuginnen, Interviews mit Katharina Karcher und ehemaligen Zoras lassen die Geschichte der „Roten Zora“ und der damaligen Frauenbewegung wieder lebendig werden.
Rathaus Kreuzberg, Yorkstr 4-11, 10965 Berlin, II Etage
Wiesław Stefan Fiszbach ist ein polnischer Maler, der seit der 80. in Berlin lebt. Vor ein paar Jahren begann er, die Menschen zu porträtieren, die man im Görlitzer Park trifft – Spaziergänger, Dealer, Junkies, Obdachlosen. Der Blick des Künstlers sieht sie an, sie werden nicht beurteilt und nicht bemitleidet. Sie sind, wer sie sind. Das sind wir, die Zuschauer, die uns darüber Gedanken machen sollen.
Die Ausstellung ist vom Mo 10. Dez bis Fr 4. Januar an den Werktagen von 7:00 bis 19:00 im Rathaus Kreuzberg zu sehen.
Ein kleiner Umtrunk mit dem Künstler haben wir für Freitag 14. Dezember ab 18 Uhr vorgesehen.
Bringt das Geld mit, man kann die Kunstwerke auch kaufen!
Und Weihnachten steht vor der Tür!
Stanislaw Karol Kubicki prägte Berlin in der Nachkriegszeit wie kaum ein anderer: Der Mediziner gründete mit Kommiltonen vor 70 Jahren die Freie Universität und später die Berlinische Galerie. “Das bot sich einfach an.”
Annika Leister von der Berliner Zeitung schreibt über Professor Kubicki und wünscht sich im hohen Alter Kubickis Gelassenheit.
Der Text ist sehr gut, informativ und doch voller Gelassenheit, ernsthaft aber doch humorvoll. Die Frau hat den Nerv getroffen.
Und aber nun… Jaaaa…
Der Name Kubicki ist hier immer wieder präsent, das letzte Mal vor zwei Monaten listete ich hier alle Beiträge auf, die auf diesem Blog über den Maler und Dichter Stanisław Kubicki (1889-1942), seine Ehefrau, Malerin und Lehrerin Margarete Kubicka, geb. Schuster (1891–1984) und auch über und von deren Sohn, jetzt schon emeritierten Professor der Neurophysiologie, St. Karol Kubicki (Pseud. Peter Mantis) veröffentlicht wurden.
Es tat wirklich weh, dass Frau Leister in ihren schönen Artikel, die Eltern des Professors kaum erwähnt, und es doch schafft, über beide etwas falsch zu schreiben. Der Stanisław Kubicki, der Vater des Professors, stammte aus einer polnischen adligen Familie und war ein Maler und nicht ein Musiker! Und Margarete Kubicka, war vor allem eine Künstlerin und erst dann eine Lehrerin, auch wer eine sehr begnadete. Die Bilder der beiden Künstlern sind unter anderen in der Berlinischen Galerie zu sehen, über die Frau Leister so viel schreibt.
Schade! Es hätte gereicht, bei Wikipedia zu schauen.
Nun aber der Text selber…
Kämpfer für die Freiheit
Stanislaw Karol Kubicki sitzt versunken in einem Ledersessel in seinem Wohnzimmer, eine dicke Strickjacke um seine Schultern. Um ihn herum finden sich, dicht an dicht, Zeugnisse seines beeindruckenden Lebens. An jeder Wand Regale, die vielen Hundert Bücher darin sind abgegriffen, die Einbände sind abgewetzt und haben Knicke. Sie handeln von der Nazi-Zeit oder von archäologischen Ausgrabungen in Mexiko, von seltenen Vögeln und expressionistischer Malerei. Einige davon hat Kubicki selbst geschrieben. Immer wieder gibt es Leerstellen im Regal. Kubicki stellt sein Wissen nicht aus. Er nutzt seine Bibliothek täglich. Internet, ein Handy oder eine Email-Adresse hat er nicht.
Vor den Büchern stehen, ohne jedes Kalkül gemixt, kostbare Marmorbüsten und Kinderbilder, auf denen Kubickis Enkel Löwen und Schmetterlinge gemalt haben. Obwohl dem 92-Jährigen das Gehen inzwischen schwer fällt, ebenso wie das Hören, steigt er regelmäßig auf einen wackeligen Sessel, um die Bücher im obersten Fach zu erreichen. „Aber nur, wenn meine Frau nicht hinguckt“, sagt er und lächelt schelmisch. „Sonst gibt es Ärger.“
Stanislaw Karol Kubicki, von seiner Frau wird er nur Karol genannt, hat in seinen 92 Lebensjahren Berlin geprägt wie wenige andere. Er war der erste Anästhesist der Stadt, eine Koryphäe auf seinem Spezialgebiet in der Neurophysiologie, gründete nach dem Krieg einen Berliner Kunstverein und die Berlinische Galerie. Sein größtes Projekt aber ist bis heute die Freie Universität, die erst auf Drängen und dank des Engagements von Studenten wie Kubicki entstand. Am 4. Dezember 1948 war das, vor genau 70 Jahren. Zur Feier an diesem Dienstag wird auch Kubicki in Dahlem erscheinen.
Er sei damals tief enttäuscht von der einzigen anderen Universität der Stadt gewesen, erzählt Kubicki. Die Berliner Universität Unter den Linden, die 1949 in „Humboldt-Universität“ umbenannt wurde, lag im Ostsektor der Stadt. Nach der Wiederaufnahme des Lehrbetriebs 1946 schlug sich die Politik des SED-Regimes bald in den Hörsälen nieder. Manche Gruppen – Arbeiter- und Bauernkinder zum Beispiel – wurden bei der Immatrikulation bevorzugt, andere hatten deshalb kaum Chancen, angenommen zu werden. Immer wieder wurden regimekritische Studenten exmatrikuliert, verhaftet, zu Zwangsarbeit verurteilt und sogar exekutiert.
Unerträglich waren die Verfolgungen aus Gesinnungsgründen für jemanden wie Kubicki, der damals Anfang 20 und für Medizin eingeschrieben war. Er hatte schon ein Semester unter den Nationalsozialisten studiert und deren Methoden und Einflussnahme auf den Lehrbetrieb zutiefst verabscheut. „Und dann war der Krieg vorbei, die Nazis entmachtet – und die neue Uni tut genau dasselbe!“ Kubicki schüttelt noch heute fassungslos den Kopf, richtet sich in seinem Sessel auf. „Das fehlte noch!“
Kubicki hat keine Lust, zuzusehen, wie sich Geschichte wiederholt. Er schließt sich mit Kommilitonen zusammen, die denken wie er, darunter viele Halbjuden. Der harte Kern des Widerstandes trifft sich oft in seinem kleinen Haus im Neuköllner Stadtteil Britz. Dasselbe Haus, in dem Kubicki noch immer lebt, seit 92 Jahren. Hier kamen die Studenten auf die Idee, eine eigene Universität zu gründen, im Westen der Stadt, unter der Obhut der Amerikaner. Der Name „Freie Universität“ habe von Anfang an festgestanden, sagt Kubicki. Denn genau das sollte sie vor allem anderen sein: ein Ort, an dem freies Denken und Lernen möglich sein sollte, ohne politische Restriktionen, ohne Denkverbote und Strafen. „Als Mahnmal gegen die Ost-Uni“, sagt Kubicki.
Die Studenten suchen Kontakt zu den Amerikanern. Die Besatzungsmacht ist von der Idee einer Uni im Westsektor schnell zu begeistern. Jeder Schritt muss mit ihnen abgesprochen werden, Änderungen verlangen sie kaum. Kubicki ist für die Bewerbungen und die Aufnahme der ersten Studenten zuständig. Die Uni im Osten verlangt Antwort auf Dutzende Fragen, um die Studenten zu durchleuchten, ein „Riesen-Fragebogen“ sei das damals gewesen, sagt Kubicki. Er macht es anders: Von den Bewerbern an der Freien Universität will er nur Name, Alter, vorangegangene Studienerfahrungen wissen – und ob sie Mitglied in NSDAP oder SED waren. Letztere sind die einzigen harten Ausschlusskriterien. Sieben einfache Fragen, die Antworten passen locker auf ein DIN-A4-Blatt. „Jeder sollte studieren können, der wollte“, sagt Kubicki.
Die Amerikaner segnen den Plan ab und stellen die ersten Gebäude in der Boltzmannstraße in Dahlem zur Verfügung. Die Studenten karren Möbel herbei, richten ein provisorisches Sekretariat ein. Circa 2 000 Bewerber melden sich zum ersten Semester, erzählt Kubicki, ebenso wie die ersten Professoren. Die meisten seien aus dem Osten gekommen. „Die hatten die Nase voll, genau wie wir.“ Im Westen habe die FU in den ersten Jahren hingegen keinen guten Ruf gehabt, habe als „aufständische Studenten-Uni“ gegolten. Schließlich ist es deutschlandweit ein Novum, dass Studenten so maßgeblich den Ton angeben.
Kubicki ist der erste Student, der sich an der neuen Universität einschreiben darf. Matrikelnummer 1. Eine historische Eintragung, in dunkelblauer Tinte, heute ist das Papier darunter vergilbt. Entschieden hat das der Zufall: Helmut Coper, Kubickis Kommilitone und ebenfalls Mitgründer der FU, wollte eigentlich auch an erster Stelle stehen. Kubicki und er warfen eine Münze. Das Glück war auf Kubickis Seite. „Ich behaupte gerne: Das hat Coper mir nie verziehen“, sagt er. Heute ist der Münzwurf Legende in der Geschichte der Freien Universität, verewigt in Büchern und auf der Uni-Homepage.
Auch an der FU studiert Kubicki Medizin. Wegen der „Pinkepinke“, behauptet er, reibt Daumen und Zeigefinger aneinander und lacht. Parallel will er, dessen Vater Musiker und Schriftsteller war, auch Kunstwissenschaft belegen. Doch der Vortrag des Professors in der Einführungsveranstaltung ist dröge. Also wechselt er einfach einen Saal weiter, wo Friedrich Wilhelm Goethert gerade eine Veranstaltung in Archäologie gibt. Goethert sei ein fantastischer Lehrer gewesen, sagt Kubicki, seine Stimme tief und eindrucksvoll, sein Vortrag immer mitreißend. An seiner Seite bereist Kubicki später Europa.
Doch auch in seinem Hauptfach, der Medizin, kommt er herum. Er konzentriert sich auf die Elektroenzephalographie, eine damals neue Methode, die Aktivität des Gehirns zu messen. In der Zeit vor der Erfindung der Computertomographie ist es die erste Möglichkeit, „den Menschen in den Kopf zu gucken“, wie Kubicki es formuliert. „Auch wenn in manchen Köpfen nicht besonders viel los war.“ Er reist zu Ärztekongressen weltweit, hält Vorträge. Das laut Kubicki „stinklangweilige“ Thema transportiert er lebendig, bunt, witzig. 1969 wird er als Professor an die FU berufen – und bleibt es, bis er mit 65 Jahren in Rente geht.
An so manche Zeit nach seinem Studium erinnert sich Kubicki heute nur noch schwer. Seine Frau Petra Kubicki sitzt mit im Wohnzimmer. Wenn er in seinen Erzählungen mal den Faden verliert, blickt er zu ihr und fragt: „Mensch, was wollte ich denn noch mal sagen?“ „Das weiß ich doch nicht!“, sagt die 76-Jährige dann lachend. „Warum denn nicht?“, erwidert er. „Du weißt doch sonst immer, was ich sagen will!“
Die beiden waren früher schon mal zusammen, Petra Kubicki hat bei ihm studiert. Sie trennten sich, bekamen Kinder mit anderen Partnern, fanden sich wieder und heirateten spät. Eigentlich habe sie in Kubickis kleines Haus ziehen wollen, erzählt sie. Das aber sei so voll gewesen, gefüllt mit Erinnerungen aus neun Jahrzehnten, dass sie sagte: Da ist kein Platz für meine eigenen Sachen. Kurzerhand kaufte sie ein Häuschen gleich gegenüber. Aus Kubickis Fenster kann man es sehen.
Fast vollständig verblasst ist bei Kubicki die Erinnerung an die prägende Zeit um 1968, als die Freie Universität Zentrum der Studentenproteste war. Rudi Dutschke, Benno Ohnesorg, Gudrun Ensslin, Otto Schily – sie alle waren Studenten der FU. Für viele von ihnen herrschte auch in so manchem Fachbereich an der noch jungen, von Studenten gegründeten FU bereits der „tausendjährige Muff unter den Talaren“. Die Revolution wollten sie an den Universitäten starten – und einige linksextreme Gruppen waren bereit, Gewalt anzuwenden. Andersdenkende Professoren wurden an Vorlesungen gehindert, eingeschlossen, manche auch mit Schlägen und Tritten aus dem Saal getrieben. Kubicki gründete damals die „Notgemeinschaft für eine freie Universität“ mit, die gegen den Extremismus protestierte. Zu sehr erinnerten die Übergriffe an die totalitären Methoden unter Nazi- und SED-Regime – nur dass er nun von den Studenten selbst ausging. Heute regt Kubicki das nicht mehr auf. „Ach, die“, sagt er nur über die 68er. „Studentenpalaver. Die waren praktisch ja zu nichts zu gebrauchen.“
Auch Kubicki redet gern. Noch lieber aber hat er schon immer Fakten geschaffen. In den 70ern sorgt er mit einem Artikel für die Gründung der Berlinischen Galerie, nur eines von vielen Kunstprojekten, die er in der Stadt anleiert. „Ich habe mir damals einfach angeguckt, was in Berlin alles gefehlt hat“, sagt er, als sei das alles nichts.
Die 68er? „Studentenpalaver“
Ob er nicht stolz sei auf sein beeindruckendes Leben? Auf die einzigartige Art, mit der er Berlin geprägt hat, für Hunderttausende Studenten und Kunstliebhaber? Wenigstens ein kleines bisschen? Kubicki verweist auf seine Eltern, vor allem auf seine Mutter, „eine beeindruckende Frau, eine aufrechte Demokratin, eine Revolutionärin, ohne Revoluzzerin“ zu sein. Sie setzte sich für die Entnazifizierung in Schulen im Westen ein. Sie habe ihn maßgeblich geprägt. Sich selbst kreidet Kubicki keine Verdienste an. „Es passierte damals so viel“, sagt er schulterzuckend. „Die Amerikaner waren bereit, Ideen zu unterstützen. Da musste man gründen. Das bot sich einfach an.“
Auf die Freie Universität sei er aber auch heute noch stolz. Sie habe sich gut entwickelt, biete inzwischen Fächer an, von denen er selbst gar keine Ahnung habe. „Eine richtige Elite-Uni“ sei die FU geworden, sagt er – und man weiß nicht genau, ob das jetzt Lob oder Tadel aus dem Mund eines Mannes ist, der immer dafür einstand, dass jeder sich beweisen dürfen sollte.
Wichtiger als sein vergangenes Leben, an das die Erinnerungen langsam schwinden, wichtiger als alle Einrichtungen, die er gegründet hat, ist ihm heute die Familie. Seine Frau, die sechs Kinder, sechs Enkel und eine Urenkelin. Der Hund seiner Frau, Fenja, schlecke die Jüngste gerne ab, die juchze dann und lache. „Das sollten sie mal sehen“, sagt Kubicki. „Es gibt nichts Besseres.“
Archäologe, Mediziner, Kunstliebhaber: Karol Kubicki ist inzwischen 92 Jahre alt.
Foto: Bernd Wannenmacher
Below please find our call for a Worldwide Reading on December 10, 2018, signed, among others, by Nobel laureates Elfriede Jelinek, Herta Müller, Wole Soyinka, Mario Vargas Llosa, as well as Manal al-Sharif, Margarete Atwood, Bernard Henri Levy, Roberto Saviano, Eva Menasse, David Van Reybrouck and the President of PEN International, Jennifer Clement. The list of over 100 authors who support the call can be found below.
With kind regards,
Ulrich Schreiber
Festival Director
international literature festival berlin
Sehr geehrte Damen und Herren,
unten stehend finden Sie unseren Aufruf für eine weltweite Lesung am 10.12.2018, den u. a. die Literaturnobelpreisträger*innen Elfriede Jelinek, Herta Müller, Wole Soyinka, Mario Vargas Llosa sowie Manal al-Sharif, Margarete Atwood, Bernard Henri Levy, Roberto Saviano, Eva Menasse, David Van Reybrouck und die Präsidentin von PEN International, Jennifer Clement, unterzeichnet haben. Die Liste der über 100 Autor*innen, die den Aufruf unterstützen, finden Sie unten.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Schreiber
Festivaldirektor
internationales literaturfestival berlin
Worldwide Reading for Freedom of the Press and in Memory of Jamal Khashoggi on the 70th Anniversary of the Declaration of Human Rights, December 10, 2018
On December 10, 1948, 70 years ago, the Universal Declaration of Human Rights was announced by the United Nations General Assembly at the Palais de Chaillot in Paris. On this anniversary, the international literature festival berlin (ilb) calls upon individuals, institutions, universities, schools, and media who value freedom of the press and human rights to organize and participate in a worldwide reading in memory of the murdered Saudi journalist Jamal Khashoggi.
The last time Khashoggi was seen alive was when he entered the Saudi consulate in Istanbul on October 2. After nearly three weeks of silence, Saudi Arabia admitted that he died there during a fight with Saudi officials. However, the evidence – such as the deployment of a fifteen-member team of security officers including a forensic scientist – indicates that the murder of Khashoggi was planned well in advance or, at the very least, accepted. The involvement of the highest levels of the Saudi Arabian government, including the crown prince, Mohammed bin Salman, is very likely, since such an action against a prominent critic of the regime would hardly be undertaken without the approval of the royal family. Until now, Saudi Arabia has not offered any clues about the location of Khashoggi’s body. The initiators of the worldwide reading demand the complete and transparent truth about the events that transpired. The responsible parties must be held accountable.
In the last text written by the 59-year-old (he would have celebrated his sixtieth birthday on October 13, 2018) Saudi journalist, which the Washington Post published two weeks after his disappearance, Khashoggi emphatically calls for freedom of expression in the Arab world. His firm stance has now cost the journalist his life.
This murder is the climax of a series of oft-unsolved murders of male and female journalists in recent years, as seen by recent cases in Mexico, Bulgaria, Malta, and Slovakia. Freedom of the press and freedom of expression, the indispensability of which Khashoggi emphasized with regard to the Arab world, is under threat everywhere, including in Europe. Consequently, journalists and political dissidents, even those in exile, are no longer safe, as this case blatantly shows. Jamal Khashoggi is simply the most prominent victim thus far. Many murders against journalists do not even reach the attention of the world public. We also remember that in Turkey, too, freedom of the press is extremely restricted. Over 150 journalists and authors are imprisoned, with some serving lifelong sentences.
At the same time, this incident has already led to serious consequences for international politics and the global economy. Numerous leading managers and economic policy makers will no longer participate in the large Future Investment Initiative scheduled to take place in Riyadh at the end of October. Therefore, this incident clearly shows that the protection of freedom of the press and freedom of expression and the fight against the murder of journalists and extrajudicial state killings are not about some kind of unrealistic idealism in terms of human rights, but rather that we are all affected by these crimes – culturally, politically, and economically.
If this incident, the most stunning murder of a journalist in recent years, does not lead to consequences – what then? Who will be the next murdered journalist, activist, or dissident, and in which country? Even after the partial confession by the Saudis, this incident may not be swept under the rug. Remembering Khashoggi on the anniversary of the Declaration of Human Rights is intended to make this emphatically clear.
With all this in mind, on December 10, we call upon you to participate in the worldwide reading of texts by Jamal Khashoggi and – depending on the specific national context – other murdered, missing, and imprisoned journalists. Please send information about the reading in your location to worldwidereading@literaturfestival.com so that we may publicize the events on our websites http://www.worldwide-reading.com and www.literaturfestival.com.
Ulrich Schreiber
Festival Director, international literature festival berlin
Our film “What Matters”, which presents a reading of the 30 articles of human rights with Vivienne Westwood, Nina Hoss, Can Dündar, Patti Smith, Simon Rattle, Ai Weiwei, Elfriede Jelinek, David Grossman, and others, is now available online with subtitles in 9 languages (Arabic, Chinese, English, French, Russian, Hindi, Turkish, Spanish and German) – we especially recommend screening the film in schools, universities, and cultural institutions: http://literaturfestival.com/festival-en/projekte-en/what-matters-en?set_language=en
خاشقجي
في الذكرى السبعين للإعلان العالمي لحقوق الإنسان بتاريخ 10 ديسمبر 2018
في العاشر من ديسمبر عام 1948 صدر الإعلان العالمي لحقوق الإنسان من الجمعية العامة للأمم المتحدة في باريس. بهذه المناسبة يدعو مهرجان الأدب الدولي في برلين كل من تهمّهم حرية الصحافة وحقوق الإنسان من أفراد ومؤسسات وجامعات ومدارس ووسائل إعلام لتنظيم قراءات عالمية أو المشاركة فيها في ذكرى الصحفي السعودي المقتول جمال خاشقجي.
شوهد الأخير حياً للمرة الأخيرة في 2 أكتوبر، عندما دخل القنصلية السعودية في اسطنبول. وقد اعترفت السعودية بعد ثلاثة أسابيع من اختفائه أن خاشقجي مات من جراء “اشتباك” حصل بينه وبين موظفين سعوديين. إلا أن الأدلة، منها إرسال طاقم أمني سعودي الى القنصلية في ذات النهار، بينهم طبيب شرعي، تشير إلى أن اغتيال خاشقجي كان مخططاً له أو مقبولاً على الأقل لدى القيادة السعودية، مع العلم أن تورُّط أعلى المسؤولين في السعودية في الجريمة، بما في ذلك ولي العهد محمد بن سلمان، أمر وارد جداً. كما أن السعودية لم تشر بأية عبارة إلى مكان وجود جثة المقتول. يطالب المبادرون للقراءة العالمية بالكشف الكامل والشفاف عن حيثيات هذه الجريمة وبمحاسبة المسؤولين عنها.
لقد طالب جمال خاشقجي الذي كان سيدخل الـ60 سنة من عمره في 13 أكتوبر 2018 في مقاله الأخير في صحيفة واشنطن بوست، والتي نشرتها الصحيفة بعد أسبوعين من اختفائه، بضرورة حرية الرأي في العالم العربي، ودفع ثمن هذا الموقف حياته.
قتل جمال خاشقجي هو الأخير في سلسلة اغتيالات بحق صحفيين وصحفيات في الآونة الأخيرة، منها جرائم حدثت في المكسيك وبلغاريا ومالطا وسلوفاكيا، ولم يُكشف عن جميع حيثياتها. مما يوضح أن حرية الرأي والصحافة التي طالب بها خاشقجي للعالم العربي مهددة في كل مكان، وأيضاً في أوروبا، وأن أي شخص معارض ليس في أمان، حتى لو تواجد في المنفى. قضية جمال خاشقجي قضية بارزة، إلا أن الكثير من حالات القتل ضد الصحفيين لا تصل أخبارها إلى عناوين الصحف العالمية. يضاً في أوروبا
انعكست هذه القضية على السياسة والتجارة الدولية، فالكثير من رؤساء الشركات والسياسيين الاقتصاديين ألغوا مشاركتهم في مؤتمر استثماري كبير في الرياض في نهاية شهر أكتوبر، مما يُثبت أن حماية حرية الصحافة والرأي ومقاومة قتل الصحفيين على أيدي الدول ليست مجرد مثالية ساذجة، بل أنها قضية تهمّنا جميعاً من الناحية الثقافية والسياسية والاقتصادية.
أما إذا كانت قضية خاشقجي بصفتها أفدح حالة اغتيال بحق صحفي في السنوات الأخيرة لا تؤدي الى عواقب، فمن سيكون مصيره نفس مصير جمال خاشقجي من الصحفيين والناشطين والمعارضين، وفي أية دولة؟ حماية الصحفيين والناشطين تعني حماية الجميع. لا يجوز أن يُستر على هذه القضية حتى بعد شبه الاعتراف الذي جاءت به السعودية. نود أن نشير إلى ذلك بإلحاح بمناسبة ذكرى الإعلان العالمي لحقوق الإنسان، عندما نذكّر بمصير جمال خاشقجي في الوقت نفسه.
كما نذكّر أيضاً بأن حرية الصحافة مقيدة الى حد بعيد في تركيا أيضاً، حيث يقبع في سجونها أكثر من 150 صحفياً وكاتباً، وقد صدرت بحق بعضهم أحكام تصل إلى السجن مدى الحياة.
على هذه الخلفية ندعو للمشاركة في القراءات العالمية لنصوص جمال خاشقجي في العاشر من ديسمبر، أو قراءة نصوص غيره من الصحفيين المقتولين أو المختفين أو المسجونين، بحسب سياق كل بلد. مع الرجاء أن ترسلوا لنا معلومات عن هذه الفعاليات في أماكنكم إلى العنوان worldwidereading@literaturfestival.com ، حتى نشير إليها في صفحاتنا الالكترونية www.worldwide-reading.com و www.literaturfestival.com.
أولريش شرايبر
رئيس مهرجان الأدب الدولي في برلين
فيلمنا بعنوان “What Matters” والذي يحتوي على قراءة بنود حقوق الإنسان الثلاثين بمشاركة العديد من الفنانين والممثلين والصحفيين العالميين متوفر على الانترنت بترجمات مكتوبة بتسع لغات (عربي، صيني، إنجليزي، فرنسي، روسي، هندي، إسباني، ألماني). ننصح بعرض الفيلم خاصةً في المدارس والجامعات والمراحكز الثقافية: http://literaturfestival.com/festival-en/projekte-en/what-matters-en?set_language=en
Weltweite Lesung für Pressefreiheit und in Erinnerung an Jamal Khashoggi am 70. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte, am 10. Dezember 2018
Am 10. Dezember 1948, vor 70 Jahren, wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Palais de Chaillot in Paris verkündet. Anlässlich dieses Jahrestages ruft das internationale literaturfestival berlin (ilb) Menschen, Institutionen, Universitäten, Schulen und Medien, denen Pressefreiheit und Menschenrechte wichtig sind, zur Organisation und Teilnahme an einer weltweiten Lesung in Gedenken an den getöteten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi auf.Zum letzten Mal wurde Khashoggi lebend gesehen, als er am 2. Oktober das saudische Generalkonsulat in Istanbul betrat. Nach fast dreiwöchigem Schweigen haben die saudischen Machthaber eingeräumt, dass er dort während eines Streits mit Beamten ums Leben gekommen ist. Die Indizien, etwa die Entsendung eines fünfzehnköpfigen Teams von Sicherheitsbeamten inklusive eines Forensikers, deuten jedoch darauf hin, dass die Ermordung Khashoggis von langer Hand geplant oder zumindest billigend in Kauf genommen wurde. Die Verwicklung höchster Regierungsstellen bis hin zum Kronprinzen Mohammed bin Salman in Saudi-Arabien ist sehr wahrscheinlich, da eine solche Aktion gegen einen prominenten Regimekritiker wohl kaum ohne die Billigung des Königshauses hätte durchgeführt werden können. Über den Verbleib von Khashoggis Leichnam ist Saudi-Arabien bis jetzt jeden Hinweis schuldig geblieben. Die Initiatoren der Weltweiten Lesung fordern die vollständige und transparente Aufklärung des Falls. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.Im letzten Text, den der 59 Jahre alt gewordene (am 13.10.2018 hätte er seinen sechzigsten Geburtstag gefeiert) saudische Journalist geschrieben hat und den die Washington Post zwei Wochen nach seinem Verschwinden publiziert hat, fordert Khashoggi mit großem Nachdruck die Meinungsfreiheit in der arabischen Welt ein. Für seine klare Haltung hat der Journalist nun mit seinem Leben bezahlt.Dieser Fall ist der Höhepunkt einer Reihe von oftmals unaufgeklärten Morden an Journalistinnen und Journalisten in den letzten Jahren, wie die jüngsten Beispiele in Mexiko, Bulgarien, Malta und der Slowakei gezeigt haben. Die Presse- und Meinungsfreiheit, deren Unerlässlichkeit Khashoggi mit Blick auf die arabische Welt betont hat, ist überall bedroht, auch mitten in Europa. Folglich sind Journalistinnen, Journalisten und politische Oppositionelle selbst im Exil längst nicht mehr geschützt, wie dieser Fall auf eklatante Weise zeigt. Jamal Khashoggi ist nur das bislang prominenteste Opfer. Viele Journalistenmorde rücken gar nicht mehr ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Wir erinnern daran, dass auch in der Türkei die Pressefreiheit extrem eingeschränkt ist. Über 150 Journalisten und Autoren sind inhaftiert, einige erhielten lebenslange Haftstrafen.Zugleich hat dieser Fall bereits jetzt schwerwiegende Folgen für die internationale Politik und Wirtschaft. Zahlreiche führende Manager und Wirtschaftspolitiker werden nicht an der großen, Ende Oktober geplanten Future Investment Initiative in Riad teilnehmen. Der Fall zeigt damit exemplarisch, dass es sich bei dem Schutz von Presse- und Meinungsfreiheit, beim Kampf gegen Journalistenmorde und extralegale Tötungen staatlicherseits nicht um einen weltfremden menschenrechtlichen Idealismus handelt, sondern dass wir alle von diesen Verbrechen betroffen sind – kulturell, politisch, wirtschaftlich.
Wenn der Fall, als der spektakulärste von allen Journalistenmorden der letzten Jahre, nicht zu Konsequenzen führt – was dann? Wer wird der nächste ermordete Journalist, Aktivist, Oppositionelle sein, und in welchem Land? Der Schutz von Journalisten und Aktivisten ist der Schutz aller Menschen. Der Fall darf auch nach dem Teilgeständnis der Saudis nicht unter den Tisch gekehrt werden. Die Erinnerung an Khashoggi anlässlich des Jahrestages der Deklaration der Menschenrechte soll dies mit Nachdruck deutlich machen.
Vor diesem Hintergrund rufen wir am 10. Dezember zur Teilnahme an der Weltweiten Lesung von Texten Jamal Khashoggis und – je nach länderspezifischem Kontext – anderer ermordeter, verschwundener und inhaftierter Journalisten auf. Bitte senden Sie Informationen über die Lesung an Ihrem Ort an worldwidereading@literaturfestival.com, damit wir die Veranstaltungen auf unseren Websites www.literaturfestival.com und www.worldwide-reading.com kommunizieren können.
Ulrich Schreiber
Festivaldirektor, internationales literaturfestival berlin
Unser Film „What Matters“ ist nun mit Untertiteln in neun Sprachen (Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch, Türkisch, Hindi, Spanisch und Deutsch) online verfügbar – wir empfehlen die Präsentation vor allem in Schulen, Universitäten und kulturellen Einrichtungen: http://literaturfestival.com/festival-en/projekte-en/what-matters-en?set_language=en
Héctor Abad, Colombia
Basma Abdel Aziz, Egypt
Anna Aguilar-Amat, Spain
Manal al-Sharif, Saudi Arabia
Scott Anderson, USA
Kerri Arsenault, USA
Vladimir Arsenijević, Serbia
Margaret Atwood, Canada
Hanan Awwad, Palestine
Zsófia Bán, Hungary
Doreen Baingana, Uganda
Maria Cecilia Barbetta, Argentina/ Germany
Priya Basil, UK/ Germany
Zoë Beck, Germany
Charles Bernstein, USA
Manfred Bissinger, Germany
Hans Christoph Buch, Germany
Brian Castro, Australia
Evans Chan, China/ USA
Bernice Chauly, Malaysia
Amir Hassan Cheheltan, Iran
Christos Chryssopoulos, Greece
Jennifer Clement, Mexico/ USA
Bora Ćosić, Serbia/ Germany
Mark Z. Danielewski, USA
Emmanuel Delloye, France
Migmar Dhakyel, Germany
Ariel Dorfman, Chile
Reimer Eilers, Germany
Hannele Eskola, Finland
Stella Gaitano, South Sudan
V.V. (Sugi) Ganeshananthan, Sri Lanka/ USA
Paul Gilroy, UK
Namita Gokhale, India
Elvira M. Gross, Austria
Christian Grote, Germany
Miriam Haidle, Germany
Milton Hatoum, Brazil
Alban Nikolai Herbst, Germany
Iman Humaydan, Lebanon
Elfriede Jelinek, Austria
Pierre Joris, Luxembourg/ USA
Christoph Jürgensen, Germany
Archil Kikodze, Georgia
Vjačeslav G. Kuprijanov, Russia
Andrei Kurkov, Ukraine
Stan Lafleur, Germany
Louis Jensen, Denmark
Christoph Leisten, Germany
Bernard Henri Lévy, France
Joris Lieve, Belgium
Mario Vargas Llosa, Peru/ Spain
Jonas Lüscher, Germany/ Switzerland
Nikola Madzirov, Republic of Macedonia
Sindiwe Magona, Southafrica
Vasyl Makhno, Ukraine
Zakes Mda, South Africa
Claus Martin, Germany
March for Science e.V.
Lorenzo Marsili, Italy
John Mateer, Southafrica/ Australia
Eva Menasse, Austria/ Germany
Maaza Mengiste, Ethiopia/ USA
Amanda Michalopoulou, Greece
Fanny Moreno, Colombia
Davide Morosinotto, Italy
Ibrahim Nasrallah, Jordan
Ralf Nestmeyer, Germany
Norman Ohler, Germany
Laksmi Pamuntjak, Indonesia
Elisabeth Plessen, Germany
Francine Prose, USA
Laura Restrepo, Colombia
David Van Reybrouck, Netherlands
Daniel Roeder, Germany
Meg Rosoff, USA/ UK
Jaroslav Rudis, Czech Republic
Alberto Ruy-Sanchez, Mexico
Philippe Sands, UK
Sapphire, USA
Allen Say, Japan/ USA
Roberto Saviano, Italy Wolfram Schrettl, Germany
Gereon Sievernich, Germany
Eduardo Sguiglia, Argentina
Samuel Shimon, Iraq/ UK
Tajima Shinji, Japan
Ostap Slyvynsky, Ukraine
Maria Sommer, Germany
Wole Soyinka, Nigeria
Gerhard Stadelmaier, Germany
Heino Stöver, Germany
Rick Stroud, UK
Murat Suner, Turkey/ Germany
George Szirtes, UK
Janne Teller, Denmark
Stefan Thome, Germany
Imre Török, Hungary/ Germany
Mario Vargas Llosa, Peru/ Spain
Joachim Walther, Germany
Dima Wannous, Syria
Steve Wasserman, USA
Peter Wawerzinek, Germany
Stefan Weidner, Germany
Suse Weisse, Germany
Levin Westermann, Switzerland
Herbert Wiesner, Germany
Viktor Yerofeyev, Russia
Abraham Zere, Eritrea
Jenni Zylka, Germany
W Wikipedii czytamy: Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (krótko nazywany Sgt. Pepper) to ósmy album studyjny grupy The Beatles, opublikowany 26 maja 1967 roku. 50 lat temu, ale o tym już pisałam. Zresztą wszyscy pisali.
Właśnie zdawałam maturę. Nie wiem, czy w ogóle dotarło do mnie, że Beatlesi wydali coś nowego. Dla mnie świat Beatlesów kończył się na filmie Help. Ale świat nie stoi w miejscu, nawet jeśli my siedzimy i kujemy do matury. Przypomnę nas tu, bo myślę, że nikt nigdy nie zrobił nam wspólnego zdjęcia.
Magda Dankiewicz, Mariusz Barański, Antek Szczepkowski i ja: Ewa Bogucka. Z Magdą spotkałyśmy się w zeszłym roku. Z okazji 50-lecia matury! Z Antkiem (mieszka w Teksasie) rozmawiałam przez telefon. “Nie zdałbym matury, gdyby nie ty”, powiedział Antek. “Nie paliłabym papierosów, gdyby nie ty”, odpowiedziałam. No ale już nie palę. Za słuchanie piosenek odpowiadała Baśka Owsiana (też się z nią spotkałam). Może ona będzie wiedziała, czy słuchałyśmy Sierżanta Pieprza tego lata 1967 roku. Pytam. Baśka twierdzi, że tak i że od tego nam skrzydła rosły.
Sierżant Pieprz był częścią Summer of Love, kiedy to ruch hippisów w USA osiągnął swój złoty szczyt. Zapowiadał przyszły rok i Festiwal Woodstock, ale na razie był maj 1967 i matura, a potem powtórne kucie, ale już osobno, do egzaminu wstępnego na studia. Nie chciałam studiować, chciałam zostać hippiską. Nie wiedziałam, co mogłabym zrobić. Miałam długie potargane włosy, nosiłam długie spódnice, opaski przez czoło i naszyjniki z łańcuchów kupionych w sklepie żelaznym (koło Mody Polskiej). Kosztowały 2 złote za metr. Moje ówczesne marzenia stały w jawnej sprzeczności z tym, jak nasze matki i nasi ojcowie przygotowali nas do wejścia w dorosłość. Kilka dni temu, dzięki Facebookowej zabawie “w książki”, wymieniłam od ręki kilka pozycji, którymi mama-tata sterowali naszymi ambicjami. Lucy Maud Montgomery “Błękitny zamek”, “Jajko i ja” Betty MacDonald, “Serca Dalili”, co się po polsku zwało “Imitacja życia”, Fanny Hurst i “Tajemniczy opiekun” Jean Webster. Same amerykańskie powieści. Stara panna, panna na wydaniu, wdowa i sierota. Kobiety opisane przez kobiety. To dzięki tym książkom i ich autorkom, zdając maturę, byłyśmy obywatelkami świata, młodymi nowoczesnymi istotami płci żeńskiej, które wzięły życie w swoje ręce. I tak nam to zostało.
Nie pamiętam, żebyśmy ucząc się do matury złapali kiedykolwiek w radio Luxemburg Sierżanta Pieprza. Ale San Francisco (Be Sure to Wear Flowers in Your Hair), hymn tego lata, w wykonaniu Scotta McKenzie, puszczała Trójka, a może nawet przedziwny produkt Komuny – Muzyka i Aktualności. Aktualności były straszne, muzyka – świetna.
If you’re going to San Francisco,
be sure to wear some flowers in your hair.
If you come to San Francisco,
Summertime will be a love-in there.
Ale oczywiście Scott McKenzie to typowy dla naszej młodości wyciskacz nastrojów, tymczasem Sierżant Pieprz Beatlesów oznaczał rewolucję. Jak to ktoś napisał – piosenka i płyta przekroczyły możliwości ówczesnej techniki grania i nagrywania w studio. U szczytu powodzenia kultury hippisów narodził się psychodelic.
It was twenty years ago today,
Sgt. Pepper taught the band to play
They’ve been going in and out of style
But they’re guaranteed to raise a smile
So may I introduce to you
The act you’ve known for all these years
Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
We’re Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
We hope you will enjoy the show
Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
Sit back and let the evening go
Sgt. Pepper’s lonely, Sgt. Pepper’s lonely
Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
It’s wonderful to be here
It’s certainly a thrill
You’re such a lovely audience
We’d like to take you home with us
We’d love to take you home
I don’t really want to stop the show
But I thought that you might like to know
That the singer’s going to sing a song
And he wants you all to sing along
So let me introduce to you
The one and only Billy Shears
And Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
Wszystko pięknie, ale to wciąż nie jest Barataria. Bo Barataria zacznie się zaraz za rogiem czyli w filmie Żółta łódź podwodna, który powstał w roku 1968. No i tam właśnie rozgrywa się typowa baśniowo-utopijna sytuacja.
Bissige Türken, Clowns und der furchtbare fliegende Handschuh, die Blaumiesen schrecken vor nichts zurück. Sie wollen Schrecken verbreiten und das freundliche Pepperland mit ihrer finsteren Blauheit überziehen. Ein mutiger Kapitän will das verhindern, er besteigt sein gelbes Unterseeboot und macht sich auf zu einer fantastischen Reise. Unterwegs trifft er die Fab Four und kehrt mit ihnen, über einige Umwege, zurück ins unterjochte Land. Mit der Kraft der Musik vertreiben sie die blauen Aggressoren und Pepperland wird wieder zum psychedelischen Paradies, das es einst war.
Czyli klasyczna sytuacja. Jakiś kraj, tu Pepperland (chętnie kraj na wyspie) zostaje zaatakowany przez Złych (tym razem Sine Smutasy, który moim zdaniem mogłybby się nazywać Siniaki – Blue Meanies, Paskudni Turcy, Niebieska żarłoczna Rękawica). Bohaterski super hero (Kapitan) sprowadza pomoc (Beatlesi) – wspólnymi siłami udaje się pokonać zło. Wszyscy tańczą i śpiewają.
Szczęśliwy kraj (Pepperland)
Wrogowie
Narzędzie walki
Super Heros
Yellow Submarine
The Beatles
In the town where I was born
Lived a man who sailed to sea
And he told us of his life
In the land of submarines
So we sailed up to the sun
Till we found a sea of green
And we lived beneath the waves
In our yellow submarine
We all live in a yellow submarine Yellow submarine, yellow submarine
We all live in a yellow submarine
Yellow submarine, yellow submarine
And our friends are all aboard
Many more of them live next door
And the band begins to play
We all live in a yellow submarine
Yellow submarine, yellow submarine
We all live in a yellow submarine
Yellow submarine, yellow submarine
(Full speed ahead Mr. Boatswain, full speed ahead
Full speed ahead it is, Sergeant.
Cut the cable, drop the cable
Aye, Sir, aye Captain, captain)…
As we live a life of ease
Every one of us has all we need
Sky of blue and sea of green
In our yellow submarine
We all live in a yellow submarine
Yellow submarine, yellow submarine
We all live in a yellow submarine
Yellow submarine, yellow submarine
We all live in a yellow submarine
Yellow submarine, yellow submarine
Film był gotowy 17 lipca 1968. O godzinie 20 w Londynie w Pawilonie na Piccadilly Circus odbyła się prapremiera z udziałem Beatlesów. Byliśmy już po pierwszym roku studiów.
W marcu studenci Uniwersytetu Warszawskiego rozpoczęli rozruchy (zwane potem wydarzeniami marcowymi) w obronie Dziadów Mickiewicza, co dało asumpt do rozgrywek partyjnych, przekształciło się w propagandę skierowaną przeciwko intelektualistom i nagonkę antysemicką, a w końcu doprowadziło do masowej emigracji Żydów z Polski.
W Pradze od 5 stycznia 1968 roku trwała praska wiosna. Mogliśmy żywić nadzieje, że wreszcie coś się ruszy.
Ruszyło się (w miesiąc po prapremierze filmu) w nocy z 20 na 21 sierpnia tego roku, ale nie tak, jak myśleliśmy. Państwa członkowskie Układu Warszawskiego (ZSRR, Polska, Węgry, NRD i Bułgaria) dokonały inwazji, topiąc we krwi praskie nadzieje.
Na festiwalu w Sopocie w roku 1968 I miejsce zdobyła wykonana przez Urszulę Sipińską piosenka Po ten kwiat czerwony. Jej refren brzmiał:
Żołnierz dziewczynie nie skłamie,
Chociaż nie wszystko jej powie.
Żołnierz zarzuci broń na ramię,
Wróci, to resztę dopowie.
Taki to był rok. Beatlesi nie przybyli do Warszawy ani do Pragi, by wyrwać nas spod władzy Siniaków, polscy żołnierze poszli do Pragi i to o tym się w Polsce śpiewało. A w końcu Praga to też było jakieś nasze marzenie o Baratarii.
Am 23. November (Thanksgiving Day!) bekomme ich per Mail folgendes Schreiben:
Sehr geehrte Frau Slaska, sehr geehrte Frau Kuzio-Weber,
heute möchte ich auf den im Jahr 2013 mit der damaligen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt geführten Schriftwechsel zurückkommen und Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, dass der Senat von Berlin in seiner Sitzung am 6. November 2018 mit Senatsbeschluss Nr. S-1667/2018 unter anderem auch die Verlängerung der Grabstätte von Professor Aleksander Brückner (1856-1939) auf dem Parkfriedhof Tempelhof als Ehrengrabstätte des Landes Berlin für die Dauer von weiteren 20 Jahren beschlossen hat.
Ich bedanke mich für Ihr Engagement in Bezug auf diese Ehrengrabstätte des Landes Berlin.
Mit freundlichen Grüßen
Christian Krüger
Senatskanzlei / Senate Chancellery
Also doch… Ich spüre ein Kribbel im Bauch. Die Sache mit dem Grab von Profesor Brückner beschäftigte mich schon lange. Es war mühsam, manchmal, wenn es um Kontakte mit den Obrigkeiten in Polen ging, recht unangenehm, in Deutschland dafür immer freundlich, aber, oje, wie langwierig und scheinbar ergebnisslos. Die Bürokratische Mühlen mahlen sehr sehr langsam. Die Senatssitzung, auf der es entschieden wurde fand am 14. August statt. Die zweite, die es bestättigte – am 6. November, zu mir kam die Mitteilung am 23. November.
Höhepunkt unserer Bemühungen ums Grab von Prof. Brückner. Am 14. März 2014 der Marschall des Polnischen Sejms, Bogdan Borusewicz, in Begleitung von den polnischen und deutschen Parlamentarier sowie des Generalkonsuls der RP in Berlin bei der Niederlegung der Blumen auf dem Grab. Anna Kuzio-Weber und ich waren dabei. Ich stehe ganz klein dahinten, Anna machte das Bild.
Irgendwie kann ich es nicht wahrnehmen, dass es jetzt erledigt idt.
Aber, o happy Thanksgiving Day!, es ist wahr, ein hohgestellter Beamter des Berliner Sentas wird sich doch keine kleine Scherze mit Frau Slaska und Frau Kuzio-Weber erlauben.
Auch der Arnold Słucki ist immer noch da, obwohl mathematisch-technisch gesehen, ist seine Zeit auch abgelaufen. Die Entscheidung über Ehrengrab fiel nämlich am 2.09.1997. 20 Jahre der Gültigkeit von Ehrengrab-Entscheidung sind somit schon mehr als ein Jahr hin. Wird sich jetzt jemand es zum Herz nehmen, sich demnächst auch um Słucki zu bemühen?Polnische Botschaft? Polnisches Institut in Berlin? Stowarzyszenie Pisarzy Polskich w Polsce? Polska Akademia Nauk w Berlinie? Polski Instytut Pamięci Narodowej? Uniwersytet Warszawski? Alles Institutionen, die wir wegen des Grabs von Prof. Brückner vergeblich “abgeklappert” haben.
Ich habe mehrere male hier auf dem Blog über das problem mit dem Grab vom Professor Brückner geschrieben, habe unseren Glanz und unseren Elend “besungen”. Jetzt ist es getan.
Ich rufe Anna Kuzio-Weber an. Es ist doch “unser Ding”.
– Wir haben es! schrie ich ins Handy.
Sie weiss noch vom nix.
– Schau in die Post, antworte ich.
Eine Minute Ruhe und nach dem schlichten Anerkennungsausdruck, kommt eine schlichte nüchterne Frage:
– 20 Jahre. Und was wird danach geschehen?
Shit. Sie hat Recht. Und was wird danach geschehen? Der Friedhof wird 2027 völlig aufgelöst. Ist eigentlich schon fast leer. Das Grab wird bis 2038 gepflegt. Dort? Umgebetet? Nach Polen übergebracht, wie während der Diskussion schon manche vorgeschlagen haben.
– Vielleicht, sage ich zögernd, vielleicht… werden sich die von uns damals angeschriebenen Institutionen doch rechtzeitig darum kümmern. Vielleich die Universitäten Halle und Jena, die doch seit 2012 gemeinsam ein Alexander-Brückner-Zentrum führen? Wer weiß.
– Wir werden es nicht mehr erleben, antwortet sie.
Da hat sie recht.
Andere Beiträge (auch die, wo das nur am Rande erwähnt ist) von diesem Blog über das Problem mit dem Grab von Professor Brücken (auf Deutsch und/oder Polnisch) habe ich hier aufgelistet:
Und hier noch eine auf Polnisch für Facebook verfasste Liste von all denen, die uns auf dem Weg zum Erfolg tätlich unterstützt haben:
Ewa Maria SlaskaPięć lat walczyłyśmy – Anna Kuzio-Weber i ja – o przyznanie grobowi Profesora Brücknera statusu grobu honorowego. W tej walce wspierały nas przez te lata liczne osoby, a niekiedy również instytucje. Postaram się wymienić tu wszystkich, ale jeśli o kimś zapomniałam, to niech się nie obraża, tylko natychmiast sam siebie dopisze:
Ewa Maria SlaskaBzdurę napisałam powyżej. Zaczęłyśmy z Anią samotną walkę znacznie wcześniej, bo w roku 2011 – czyli 7 lat temu. Po tym, jak żadna z instytucji i żadna z ważnych osobistości, do których się zwróciłyśmy, nie zwróciły na nas uwagi, poskarżyłam się na FB, że tak jest – wtedy dopiero (dzięki Fejsbuczku kochany) zrobił się raban, znalazłyśmy osoby wspierające nasze wysiłki. I wtedy też postanowiłyśmy machnąć ręką na instytucje i osobiście we dwie, w imieniu WIR-u, który już przestał istnieć, i całej zaangażowanej Polonii, złożyłyśmy wniosek do Senatu o (najpierw) przedłużenie i (potem) przywrócenie grobowi profesora statusu grobu honorowego, pozostającego pod opieką władz Berlina. Było to 5 lat temu! I to na TEN LIST otrzymałyśmy właśnie tę fantastyczną odpowiedź… Tak było
Ewa Maria SlaskaWiem, wszyscy mieliście i mieliśmy, masę problemów i nieprzyjemności z powody naszych starań. Ale uzyskaliśmy to, co chcieliśmy uzyskać, i to sami, my, powiem szumnie – obywatele! i nasze obywatelskie instytucje!
Ewa Maria SlaskaMaria Gast-Ciechomska i (nie istniejące już) Stowarzyszenie Frauen Initiative Berlin-Warschau.
Ewa Maria SlaskaJeśli mowa o Stowarzyszeniach Już Nieistniejących, to muszę tu przypomnieć, że Anna Kuzio-Weber i ja reprezentowałyśmy w momencie rozpoczęcia starań Polsko-Niemieckie Towarzystwo Literackie WIR.
Ewa Maria SlaskaBardzo dziękujemy panu (wówczas) Marszałkowi Sejmu RP, Bogdanowi Borusewiczowi, który wraz z delegacją parlamentarzystów polskich i niemieckich odwiedził grób w marcu 2014 roku
Ewa Maria SlaskaWielkie zasługi “dla sprawy” położyła też Szewczyk Maria prowadząca od lat program polski w Volkshochschule Wedding oraz jej liczni kursanci.
Jede Nacht gab es einen Ton, der wie ein Metronom, gleichmäßig und metallisch klang; er kam von verschiedenen Stellen vom Campingplatz nebenbei. Wir dachten alle, es wäre eine Art Alarm, ein Sicherheitssystem oder eine Abschreckungsvorrichtung gegen Mäuse, Ratten oder Geckos, oder vielleicht auch gegen Mücken. Der Ton setzte in der Dunkelheit ein und dauerte immer ziemlich lang. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus, und nach der nächsten unruhigen oder eher durchwachten Nacht, in der nicht nur ich den Ton gehört habe, sondern noch zwei junge Leute, die bei uns zu Gast waren, lief ich zum Campingplatz und fragte ganz sachlich den Besitzer.
Was das nun eigentlich sei, wir wären doch Nachbarn und es könnte ihm doch nicht daran gelegen sein, so unsere gute Beziehungen zu zerstören. Er tat erst mal überrascht und dann verstand er sofort, worauf ich hinaus wollte, wahrscheinlich sah ich auch sehr unausgeschlafen aus. Er sagte ganz knapp: „Das ist ein Vogel.“ – „Ein Vogel?“ Ich konnte mein Staunen nicht unterdrücken, die Skepsis klang auch ganz stark mit. Er nahm ein Stück Papier und schrieb mir nur ein Wort mit Druckbuchstaben auf: L`ASSIOLO, dazu sagte er: „Schauen sie im Internet nach. Wir haben versucht ihn abzuschießen, ging nicht, ist zu klein, versteckt sich in den Baumkronen“. Er war ein netter Mann, ich habe ihn früher schon mal beobachtet, wie er die Blätter fegte und sehr ordentlich die Einfahrt zum Campingplatz sauber machte. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mich zufrieden zu geben; ich fragte nur um mein Mistrauen auszudrücken: „Wir kommen seit vielen Jahren hierher, der Vogel muss extra dieses Jahr gekommen sein“. „So ist es; er kommt und fliegt auch weg, manchmal bleibt aber doch länger, baut sich ein Nest“. Nun blieb mir nichts anderes übrig als „Danke“ zu sagen und zu gehen.
Natürlich schaute ich sofort im Internet nach: da fand ich otus scops, Zwergohreule. In Deutschland kommt sie eher selten vor, doch in Toskana, in Italien, ist sie sehr verbreitet. In Wikipedia fand ich folgende Beschreibung des Lauts vor: „Er ist ein peilsenderartiges, fast immer einsilbiges, etwas nasales und nicht besonders lautes ‘Djü‘, das in Abständen von zwei bis 3,5 Sekunden oft stundenlang wiederholt wird. Die Gesangaktivität beginnt kurz nach Sonnenuntergang und endet in der Morgendämmerung; nach Mitternacht geht die Rufaktivität für ein zwei Stunden deutlich zurück.“ Die Beschreibung passt, wir haben es genau so erlebt; unsere italienische Freundin wusste sofort Bescheid. Sie lachte und sagte: „Ach ihr leidet also auch unter dem Vogel“.
Dass ich in Italien immer wieder Menschen kennenlerne und mit ihnen ins Gespräch komme, läge, dachte ich, an meinen Italienisch-Kenntnissen, dem ist, war aber nicht so. An einer eher absurden Stelle, in einem kleinen italienischen Städtchen, erlebte ich in diesem Sommer eine unglaubliche Begegnung. Sonst sind die Begegnungen auch nett, von gegenseitigem Interesse geprägt, aber eher recht gewöhnlich.
In der Fischereigenossenschaft von Orbetello traf ich einen netten Fischverkäufer, der uns seine frischen Fische sehr preiswert verkaufte und dazu weit ausholende Erklärungen gab, welchen Fisch man warum nehmen sollte. Er war so freundlich und gesprächig, dass wir länger in dem kleinen Laden standen, und zwischendurch auch mal unter uns Polnisch redeten – bis wir merkten, dass an der Wand des Geschäfts eine kleine Karte mit einer Ansicht aus Litauen und auch litauische Flagge hingen. Da sprach uns der Mensch an der Theke in gutem Polnisch an; er war Litauer, der aber fließend polnisch sprach und offensichtlich sein Land sehr liebte und sich danach sehnte. Er fing an zu erzählen, wie toll es den Menschen in Litauen jetzt gehen würde und wie schön das Land sei. Ich tat unvorsichtig und ziemlich plump die Äußerung: „ach, Vilnius ist ja eine wunderschöne polnische Stadt“. Daraufhin sprang er fast in die Luft: Vilnius wäre seit Jahrtausenden eine litauische Stadt. Es prasselte die ganze Geschichte von Litauen und Polen auf mich nieder. Wahrscheinlich war es ein Hobby von ihm, die Geschichte seines Landes auf den Internetseiten zu präsentieren; auf jeden Fall bekam ich dann, beginnend mit dem Jahr 1008, in zum Glück verkürzter Version die Geschichte des kleinen Landes zu hören. Man muss sich das vorstellen, eine kleine pescheria, hier die toten Fische und da der Computer mit einem großen Bildschirm, auf dem die ganze Geschichte Litauens ablief: da ein Radziwiłł und dort ein Jagiełło und irgendwelche Schlachten und Unionen. Er kommentierte alles noch eingehend folgendermaßen: damals war Litauen viel größer als Polen etc… Natürlich kam dann auch irgendwann die Ermahnung, Vilnius wäre die Hauptstadt von Litauen und nicht eine polnische Stadt. Polen lebten dort und haben die Stadt verschönert, das gab er zu, aber sie war immer litauisch. Ich wand mich in Entschuldigungen und meinte, es wären da so viele für Literatur und Geschichte bedeutende Polen geboren, nur deswegen hätte ich das erwähnt. Er ließ mir mein Fauxpas nicht so einfach durchgehen. Ich musste beteuern, dass ich jetzt verstanden habe; es wäre die litauische Hauptstadt. Der größte Vorwurf kam dann auch gleich: wieso wären wir da noch nicht gewesen? Als Patriot und Pole müsste man Litauen gesehen haben. Wir beteuerten, dass es unser nächstes Ziel sein würde und versuchten zu verschwinden, was auch nicht so leicht war, denn er redete nun mal gerne Polnisch.
Auf jeden Fall empfahl er uns das Fischrestaurant in der Genossenschaft, an der Lagune, das offensichtlich sehr angesehen und gefragt war, denn als wir am Abend vorbeischauten und dort essen wollten, standen schon Schlangen vor der Anmeldung. Wir wurden in eine Ecke gezwängt und haben unsere Fische, ohne Beilage bekommen. Nicht, dass es irgendwie besonders geschmeckt hätte.
Die nächste Begegnung ereignete sich auf einer Fähre zu einer kleinen Insel nahe Monte Argentario. Wir fuhren mit einer Gruppe von Italienern; manche griffen sofort nach ihren Essenspaketen. Wir setzten uns auf dem Deck hin und eigentlich gleich danach, sprach mich ein junger Mann in bemüht korrekten Deutsch an. Er wäre ein Student aus Triest und würde Spanisch und Englisch studieren, aber eigentlich würde er lieber arbeiten, doch eine Arbeit bekommt ein junger Mensch in Italien sehr selten, so muss er eben studieren… und Sprachen wären doch nicht schlecht, nicht wahr? Seine Mutter würde ihm immer sagen, studieren wäre was Gutes und er hätte eben auch etwas Deutsch gelernt, damit er über Anorexie lesen könnte. Seine Schwester würde immer weniger essen und hätte große psychischen Probleme, und er würde sich Sorgen machen. Das alles prasselte auf mich in einem Gemisch aus Italienisch und Deutsch ein und er war nicht aufzuhalten. Und was würden wir auf so einem Schiff machen, mit dem eigentlich nur Italiener fahren, und ob ich denn alle toskanischen Inseln kennen würde und warum gerade die Insel Giannutri, und ohne meine Antwort abzuwarten, legte er gleich wieder los. Er würde an der Grenze zu Latio wohnen, am Lago di Bolsena, und es sei eine wunderschöne Gegend, doch so im Sommer langweilig, also macht er so einen Ausflug, außerdem hätte er beschlossen alle Inseln im Sommer zu besichtigen und das macht er also jetzt.
Bald haben wir dann auch die Insel erreicht und waren erstaunt als wir feststellen mussten, dass es kein Café und kein Restaurant auf der Insel gab. Wie das so auf einer kleinen Insel ist, bald darauf trafen wir den jungen Mann wieder, an einem Strand mit den Ruinen einer römischen Villa. Natürlich setzte er sich zu uns und setzte seine Erzählung fort… Das Beste für uns waren seine panini, die ihm seine Mutter gemacht hat und die er mit uns teilte. Wir schwammen zusammen in einem antiken Becken, schnorchelten und er erzählte immer wieder, was er denn gerne machen würde und noch nicht getan hätte.
Beim Sonnenuntergang fuhr unser Schiff nach Porto S. Stefano zurück. Ich habe mich leider nur flüchtig von dem jungen Mann verabschiedet, hätte ihm meine Telefonnummer, E-Mail geben sollen, denn Geschichten erzählen konnte er schon.
Eine nette und überraschende Begegnung geschah in einer Pizzeria, in die wir seit Jahren gehen, auch mit unserem Sohn und seiner Freundin, auch mit anderen Gästen, weil sie die netteste, preiswerteste und schmackhafteste in Orbetello ist. Nie im Leben hätten wir gedacht, dass…
Also dieses Jahr kam auch meine Schwester mit ihrem Sohn uns in Italien zu besuchen. Natürlich gingen wir in unsere kleine Pizzeria; wir bestellten meistens unsere gewöhnlichen, sehr einfachen Sachen, trinken auch dazu den Hauswein (immer gut sortiert); sie probierte alles, alle Salate und Stücke von Pizza und Crostini auch Fische etc… natürlich sprachen wir dann alle Polnisch miteinander, denn sie wollte auch alles wissen. Was das sei? Und wie es auf Italienisch heißen würde. Daraufhin sprach uns eine Bedienung in der Pizzeria im reinsten und klarsten Polnisch an und sie meinte: „seit Jahren beobachte ich sie und weiß nicht, was sie sind, Deutsche oder doch Polen. Jetzt aber traue ich mich, sie anzusprechen. Wir machen hier schon Wetten, wer sie sind. Meine Kollegin hat richtig getippt und gewonnen…“ Daraufhin stürzten noch zwei Frauen aus der Küche in den Laden; wie sich herausstellte allesamt Polinnen. Wir haben alle vorzüglich gegessen, Polnisch gesprochen und gelacht. Die Frauen, muss ich zugeben, sprachen exzellent Italienisch, sie wohnten auch da, waren verheiratet, hatten Familien…