Wieder eine Buchseite auf der Strasse

…am Tag der Deutschen Einheit in Berlin gefunden. Eine Seite auf der Strasse direkt vor meinem Haus liegend. Ich kann nicht umhin, jetzt muss ich einfach all diese aus den Büchren rausgerissenen Seiten IMMER aufheben und entdecken, was für ein Buch es ist. Es ist inzwischen eine Sucht geworden…

Ich bin schon geübt, ich weiss schon, was ich aus dem sorgfältig gelesenem text als Keywords herauspicken muss, um das Buch im Google zu identifizieren. Diesmal schrieb ich die Reihe nach alle Namen, die auf den beiden Seiten auftauchen in die Suchspalte: Travis Amy Leiche David George Frankie Craig. Die Antwort kam prompt:

Craig Morgenstern is a total scaredy cat, even with his reputation as such being well known amongst everyone. But as of late, things are looking up for Craig! He has moved to a new town and even saved a baby from being hurt in a car accident. Everyone is then considering Craig to now be very brave for what he did. Despite him falling off of his bike and nearly getting hit by the careening car. Not to mention, accidentally getting inside of it and managing to stop it. The car slows to a stop in front of his new school on his first day of classes, branding him a hero to the entire student body, save a few skeptical students. The mother of the baby rushes over to thank him, having accidentally left the car for just a moment while the baby was still inside.

Craig’s good fortune continues to escalate even higher! He befriended the cutest girl in school, Amy. Who is very impressed with his bravery. Unfortunately, her best friends Travis and Brad happen to be Craig’s harshest critics. They refuse to be won by the boys charms, even after he saves a bird’s nest. Other random lucky streaks happen to strike Craig also. Such as screaming in horror during a scary movie, which Amy agrees that it is fun to scream along with characters in films.

But jealous of all the attention Craig receives, Travis becomes obsessed with trying to prove that Craig is a scaredy cat. He then talks with a cousin, who happens to know about Scaredy Cat Craig from his previous town/school. So Travis shows up with a jar full of spiders and dares Craig to stick his hand in the jar for five minutes. Craig is goaded on by Amy and does so, only to be bitten so many times that he can’t even remove his swollen hand after five minutes are up. So Amy talks Travis into going double-or-nothing and Craig has to keep his hand submerged twice as long.

Travis pledges to go double or nothing again the following day. The bravery challenge this time will be to kiss a poisonous snake on the lips, but really what one boy does it pluck out a single eyeball of his own and shove it into Craig’s mouth. Craig comes out of this one looking brave by spitting out the eyeball and nobody is really surprised when they find it is a fake gag eyeball. They do not think this is enough to prove how brave Craig is however and Travis reveals that his father works at a funeral parlor. So now the newest bravery test involves Craig sneaking into the funeral home and sitting in a coffin.

But unfortunately for him, the coffin he chooses is occupied. His “friends” egg him on anyways, as a truly brave person would sit in a corpse-filled coffin no problem. The corpse then comes to life and tries to choke Craig, but Craig allows himself to be choked by the “corpse”. This shocks Travis, who had been the corpse in hopes of outing him. But then Amy challenges Travis to let Craig repeat the challenge again the next day. At some point, Craig comes clean with Amy, but Amy just thinks he is not only brave but sweet to not want to take Travis’ money by pretending to be afraid.

Sometime after then, Craig accidentally beats up Brad’s older brother! Once again everyone is at the funeral home when all of the corpses rise and begin to attack! Everyone runs away, but Craig stays to bravely defend those who abandoned him. Proving to them all that he really was brave all along.

It turns out that the corpses were all set up by Craig, with some help from Brad. Who felt bad about how devoted Travis was to proving Craig’s bravery. The zombies were actually Brad’s older brother (the one Craig “beat up”) and his friends. Brad’s brother walks in and apologizes for his friends not being able to make it to the cemetery, which results in Brad racing away to vomit in horror.

It turns out Brad’s brother just said that to get back at Brad! Craig walks home and remarks to the reader on how it turns out he really is brave… even if he is still afraid of the dark.

Otto Müller Ausstellung & Buch / Wystawa & książka

Tekst po polsku na dole

 

MALER. MENTOR. MAGIER.

Otto Mueller
und sein Netzwerk
in Breslau

Der Expressionist Otto Mueller (1874–1930) ist als Mitglied der Künstlergruppe Brücke international bekannt. Kaum jemand weiß jedoch um seine über zehn Jahre andauernde
Lehrtätigkeit an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau.
Vor allem in den 20er-Jahren beflügelte diese – aufgrund ihrer liberalen und weltoffenen
Atmosphäre – innovative Ideen in der Malerei. Besonders Otto Mueller genoss
enormen Einfluss in einem weitgespannten Netzwerk aus befreundeten Kunst- und
Kulturschaffenden. Zu seinem Kreis zählten Künstler und Künstlerinnen, Architekten,
Kunstkritiker, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Sammlerinnen und Sammler
sowie seine Studierenden.
Das Buch macht es sich zur Aufgabe, Muellers dreifache Rolle als Maler, Mentor und Magier aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Es ist das Ergebnis eines
deutsch-polnischen Ausstellungs- und Forschungsprojektes.


Otto Mueller, Selbstbildnis mit Pentagramm, um 1924 (Detail) © Von der Heydt-Museum Wuppertal / Foto: Antje Zeis-Loi, Medienzentrum Wuppertal

MALER. MENTOR. MAGIER.
Otto Mueller und sein Netzwerk in Breslau

12.10.2018 bis 03.03.2019
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

Die Ausstellung „MALER. MENTOR. MAGIER.“ stellt erstmalig den enormen Einfluss des ehemaligen Brücke-Künstlers und Expressionisten Otto Mueller (1874–1930) in den Mittelpunkt: Der Maler lehrte länger als zehn Jahre an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau, die seinerzeit zu den fortschrittlichsten Kunstschulen in Europa zählte. Vor allem seit den 1920er Jahren – durch die zahlreichen Neuberufungen des damaligen Direktors Oskar Moll – genoss die Breslauer Akademie den Ruf von Weltoffenheit und Liberalität. Hier standen gleichberechtigt die vielfältigen Strömungen der modernen Malerei nebeneinander: der Expressionismus mit Otto Mueller, die französische Peinture der Académie Matisse mit Oskar Moll, die Neue Sachlichkeit mit Alexander Kanoldt und Carlo Mense sowie das Bauhaus mit Oskar Schlemmer, Georg Muche oder Johannes Molzahn.

Das Hauptaugenmerk der Ausstellung gilt der Malerei der Moderne: Otto Mueller und sein Netzwerk erlebten in Breslau eine schöpferische Phase, die sie angeregt durch Austausch und gegenseitige Einflussnahme als höchst produktiv beschrieben. Ersichtlich wird diese Beeinflussung der Maler-Kollegen untereinander durch thematische Übereinstimmungen und andere Querverweise: in Gemälden, Arbeiten auf Papier, schriftlichen Äußerungen oder Fotografien. Vor allem der charismatische, von Sehnsucht und Freiheitsdrang getriebene Otto Mueller hatte maßgeblichen Einfluss auf die Breslauer Kunstszene. Ein „Romantiker“ und sogar ein „Magier“ soll Otto Mueller nach Aussagen seines unmittelbaren Umfeldes, darunter auch Kunstkritiker und Schriftsteller, gewesen sein. Carl Hauptmann setzte ihm bereits in der Künstlerbiografie „Einhart der Lächler“ (1907) ein Denkmal – damit leistete der Dichter seinen entscheidenden Beitrag für die Grundsteinlegung eines „Künstler-Mythos“.

Muellers auffällige Erscheinung und sein unbürgerlicher Lebenswandel übten eine enorme Faszination auf seine Schüler und Schülerinnen an der Akademie aus. Sie schätzten dessen vollkommene Hingabe an die Kunst, dessen unkonventionelle Lehrmethode und Humor. Einige seiner Schüler – wie Alexander Camaro oder Horst Strempel – gingen von Breslau aus nach Berlin und erlebten hier den Höhepunkt ihrer Maler-Karrieren.

Eine Besonderheit des kuratorischen Konzeptes von „MALER. MENTOR. MAGIER.“ ist das Prinzip des „Gastes“: gemeint sind hiermit ausgewählte Bilder, durch die spotlightartig, epochenübergreifend und interkulturell, insbesondere im deutsch-polnischen Kontext, auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede verwiesen werden kann. Das Einbeziehen „Polnischer Expressionisten“ ermöglicht einmalige Sehvergleiche und neue Zusammenhänge, zugleich verschränken sie die deutsch-polnische Ausrichtung dieser Ausstellung.

Die immense Wertschätzung von Otto Muellers Wirken – aus der Perspektive seines Künstlernetzwerks – reicht bis in die Nachkriegsmoderne: Ein wichtiges Kapitel deutsch-polnischer Kunstgeschichte wird unter besonderer Berücksichtigung der Wechselbeziehung zwischen den Städten Berlin und Breslau/Wrocław neu erzählt.

Denn auch die Beziehungen zwischen der Nationalgalerie in Berlin und dem ehemaligen Schlesischen Museum der bildenden Künste in Breslau (heute Muzeum Narodowe in Wrocław) waren durch intensiven Austausch und Zusammenarbeit charakterisiert. Paradigmatisch ist die Otto-Mueller-Gedächtnisausstellung, die 1931 – kurz nach dem Tod des bedeutenden Expressionisten – durch Direktor Erich Wiese in Breslau initiiert und noch im gleichen Jahr von Ludwig Justi, Direktor der Nationalgalerie, als Gedenk-Ausstellung nach Berlin übernommen wurde.

Die aktuelle Schau „MALER. MENTOR. MAGIER.“ nimmt den umgekehrten Weg. Erarbeitet in Berlin, wird sie danach in modifizierter Form in Breslau/Wrocław zu sehen sein. In Berlin setzt die Ausstellung die Folge von Präsentationen zur Klassischen Moderne fort, die während der Sanierung der Neuen Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin gezeigt wurden: „Die schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung. 1933–1945“, „Ernst Ludwig Kirchner. Hieroglyphen“ und „Rudolf Belling. Skulpturen und Architekturen“.

Künstler*innenliste: Jankel Adler, Alexander Archipenko, Isidor Aschheim, Henryk Berlewi, Alexander Camaro, Johnny Friedlaender, Grete Jahr-Queißer, Alexander Kanoldt, Ernst Ludwig Kirchner, Ludwig Peter Kowalski, Margarete Kubicka, Stanisław Kubicki, Wilhelm Lehmbruck, Carlo Mense, Oskar Moll, Marg Moll, Johannes Molzahn, Georg Muche, Otto Mueller, Żdzisław Nitka, Oskar Schlemmer, Willy Schmidt, Horst Strempel, Heinrich Tischler, Witkacy, u.a.

Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiger, umfangreicher Katalog im Kehrer Verlag, der von deutschen und polnischen Wissenschaftler*innen erarbeitet wurde. Herausgegeben von Dagmar Schmengler, Agnes Kern und Lidia Głuchowska. Zwei separate Sprachausgaben (deutsch und polnisch) sind ab Oktober 2018 erhältlich. Der Katalog wird realisiert durch: ZEIT-Stiftung, Ernst von Siemens-Kunststiftung

1. Station
12.10.2018-3.3.2019, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin
2. Station
8.4.2019-30.6.2019, Nationalmuseum Wrocław, Breslau

Eine Ausstellung der Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, in Zusammenarbeit mit der Alexander und Renata Camaro Stiftung und dem Muzeum Narodowe we Wrocławiu.

Die Ausstellung wird gefördert durch: Freunde der Nationalgalerie, Hauptstadtkulturfonds, Kulturstiftung der Länder, Ernst von Siemens-Kunststiftung, Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, Stiftung Preußische Seehandlung

Im Rahmen von 100 Jahre Bauhaus.
Neue Galerie

Die Neue Galerie im Hamburger Bahnhof fungiert als Dependance für die Neue Nationalgalerie während der Dauer ihrer Sanierung. In wechselnden Präsentationen werden hier Ausschnitte aus der Sammlung zur Kunst des frühen 20. Jahrhunderts vorgestellt. Ganz bewusst und vor dem Hintergrund der Planungen für einen Neubau am Kulturforum dient die Neue Galerie dabei der Erprobung neuartiger Sichtweisen auf die „klassisch” gewordene Moderne.

Inhalt-Otto-Mueller

Otto Mueller, Zwei Mädchen, um 1925, Leimfarbe auf Rupfen (Detail) © bpk / Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders

MALARZ. MENTOR. MAG.
Otto Mueller a środowisko artystyczne Wrocławia

Od 12 października 2018 do 13 marca 2019
Wystawa w Hamburger Bahnhof w Berlinie

Jest to pierwsza wystawa, która skupia się na ogromnej sile oddziaływania Ottona Muellera (1874–1930), ekspresjonisty i artysty grupy Die Brücke. Przez ponad dziesięć lat był on wykładowcą w Państwowej Akademii Sztuki i Rzemiosła Artystycznego we Wrocławiu, która za jego czasów należała do najbardziej postępowych uczelni artystycznych w Europie. Od lat 20 ubiegłego wieku ówczesny dyrektor szkoły, Oskar Moll, sprowadzał tu licznych wykładowców, co sprawiło, że Wrocławska Akademia Sztuki cieszyła się opinią uczelni liberalnej i otwartej na świat. Na równi stały tam ze sobą różnorodne prądy współczesnego malarstwa: ekspresjonizm, reprezentowany przez Ottona Muellera, francuskie malarstwo Académie Matisse – przez Oskara Molla, Nowa Rzeczowość – przez Alexandra Kanoldta i Carlo Mensego oraz Bauhaus – przez Oskara Schlemmera, Georga Muchego i Johannesa Molzahna.

Wystawa poświęcona jest przede wszystkim malarstwu modernistycznemu. Otto Mueller przeszedł we Wrocławiu wraz ze swoim środowiskiem przez etap twórczości opisywany przez nich jako niezwykle produktywny, zainspirowany wymianą i wzajemnym oddziaływaniem. To, jak pracujący ze sobą malarze wpływali na siebie nawzajem pod względem artystycznym, ujawnia się w obrazach, pracach na papierze, w wypowiedziach pisemnych i na fotografiach. To właśnie charyzmatyczna, przepełniona tęsknotą i pragnieniem wolności postać Ottona Muellera miała największy wpływ na wrocławską scenę artystyczną. Był on „romantykiem” a nawet „magiem”, jak wynika z przekazów jego najbliższego otoczenia, do którego należeli również krytycy sztuki i pisarze. Carl Hauptmann już w 1907 r. upamiętnił malarza w biografii artystycznej „Einhart der Lächler” – przyczyniając się w znacznym stopniu do powstania „mitu artysty”.

Niezwykła powierzchowność Muellera i jego wolny od konwenansów styl życia budziły ogromną fascynację w jego uczniach i uczennicach na Akademii. Cenili oni jego całkowite oddanie sztuce, niekonwencjonalne metody nauczania i poczucie humoru. Niektórzy spośród jego uczniów – tacy jak Alexander Camaro czy Horst Strempel – z Wrocławia udali się do Berlina, gdzie ich kariera malarska sięgnęła szczytu.

Cechą szczególną kuratorskiej koncepcji wystawy MALARZ. MENTOR. MAG. jest wybranie obrazów wiodących, pozwalających dostrzec istotne podobieństwa i różnice, a także kontekst ponadepokowy i międzykulturowy, w tym polsko-niemiecki. Włączenie „polskich ekspresjonistów” daje wyjątkową szansę dokonania porównań i odkrywania nowych związków, a jednocześnie pozwala połączyć ze sobą polskie i niemieckie motywy przewodnie wystawy.

Ogromne uznanie dla twórczości Ottona Muellera – z perspektywy jego środowiska artystycznego – sięga aż do modernizmu powojennego, gdy ten ważny rozdział w polsko-niemieckiej historii sztuki napisano na nowo z uwzględnieniem wzajemnych powiązań między Berlinem a Wrocławiem, niegdyś Breslau.

Stosunki między Nationalgalerie w Berlinie a dawnym Śląskim Muzeum Sztuk Pięknych w Breslau [obecnie Muzeum Narodowe we Wrocławiu] charakteryzowały się bowiem również intensywną wymianą i współpracą. Najlepszym przykładem jest retrospektywa Ottona Muellera, zorganizowana przez dyrektora Muzeum we Wrocławiu, Ericha Wiese, w 1931 r., tuż po śmierci wybitnego ekspresjonisty, która jeszcze w tym samym roku została przeniesiona przez Ludwiga Justiego, dyrektora Nationalgalerie do Berlina.

Obecna wystawa MALARZ. MENTOR. MAG. podąża w odwrotnym kierunku. Opracowana w Berlinie, zostanie następnie pokazana w zmodyfikowanej formie we Wrocławiu.
W Berlinie wystawa stanowi kontynuację serii prezentacji na temat klasycznego modernizmu, które podczas renowacji Neue Nationalgalerie zostały pokazane w Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart: „Die schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung. 1933–1945” [Mroczne lata. Opowieści z kolekcji. 1933–1945], „Ernst Ludwig Kirchner. Hieroglyphen” [Ernst Ludwig Kirchner. Hieroglify] i „Rudolf Belling. Skulpturen und Architekturen” [Rudolf Belling. Rzeźby i architektury].

Lista artystów: Jankel Adler, Alexander Archipenko, Isidor Aschheim, Henryk Berlewi, Alexander Camaro, Johnny Friedlaender, Grete Jahr-Queißer, Alexander Kanoldt, Ernst Ludwig Kirchner, Ludwig Peter Kowalski, Margarete Kubicka, Stanisław Kubicki, Wilhelm Lehmbruck, Carlo Mense, Oskar Moll, Marg Moll, Johannes Molzahn, Georg Muche, Otto Mueller, Zdzisław Nitka, Oskar Schlemmer, Willy Schmidt, Horst Strempel, Heinrich Tischler, Witkacy i inni.

Wystawie towarzyszy obszerny katalog pod tym samym tytułem, opracowany przez polskich i niemieckich naukowców, wydany przez wydawnictwo Kehrer Verlag pod redakcją Dagmar Schmengler, Agnes Kern i Lidii Głuchowskiej. Katalog zrealizowany dzięki wsparciu: ZEIT-Stiftung, Ernst von Siemens-Kunststiftung

Wystawa Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin we współpracy z Alexander und Renata Camaro Stiftung i Muzeum Narodowym we Wrocławiu.

Sponsorzy wystawy: Freunde der Nationalgalerie, Hauptstadtkulturfonds, Kulturstiftung der Länder, Ernst von Siemens-Kunststiftung, Fundacja Współpracy Polsko-Niemieckiej, Stiftung Preußische Seehandlung

Sela 5/3

For Iwona Schweizer
Remember? We visited the opening of their 2nd exhibition one year ago 🙂

Gruppenausstellung Sela5

Galerie Kungerkiez, 12435 Berlin-Treptow, Karl-Kunger-Straße 15

  1. Oktober – 25. November 2018

Eröffnung: 6. Oktober / 19 Uhr

KünstlerInnen-Gruppe „Sela5“

2018 mit:

Kermit Berg (San Francisco/Berlin)

Joachim Froese (Brisbane/Australien)

Karsten Hein (Berlin)

Hiroko Inoue (Nara/Japan)

Sonia Klausen (Berlin)

Rainer Komers (Mülheim/Ruhr)

Jörg Möller (Berlin)

Fyodor Moon (Ukraine)

Matthias Ring (Hamburg)

André Schmidt (Berlin)

Ingrid Völlmeke (Hamburg)

Micha Winkler (Berlin/Brandenburg)

Fotografen sind normalerweise Einzelkämpfer. Die Leute von Sela5 bevorzugen das Miteinander und den gegenseitigen Austausch und arbeiten projektweise und in wechselnden Konstellationen immer wieder zusammen.

Sela5 ist ein gemeinschaftlicher Fotoblog, in dem sich Fotograf/innen zusammengefunden haben, die alle eine leise, nicht spektakuläre Fotografie praktizieren, die den Betrachter nicht „anspringt“ und langsam ihre Wirkung entfaltet.

Dies ist unsere dritte Ausstellung.

Im Showroom der Galerie Kunkerkiez zeigen wir Porträts, inszenierte, Dokumentar- und Straßenfotografie, Stillleben und Landschaftsaufnahmen in wie gehabt sehr unterschiedlichen künstlerischen Sprachen in wilder „Petersburger Hängung“. Im Vordergrund steht das Ausloten unterschiedlicher fotografischer Möglichkeiten und Positionen. Die Bilder haben sehr unterschiedliche Formate und nutzen verschiedene Techniken, so wie sie auch in Sela5 zusammenkommen: Analog und digital, Farbe und Schwarzweiß, Plot und individuelle Drucktechniken. Die Bilder sind in unserer Hängung so in Bezug gesetzt, dass sich ein Gesamteindruck, eine Gesamt-Stimmung ergibt. Das Bild der Ausstellung ist die Gesamtheit aller Bilder an der Wand – eine mehrstimmige Erzählung.

„Every time I get back into the editing room, I feel the wonder of it. One image is joined with another image, and a third phantom event happens in the mind’s eye – perhaps an image, perhaps a thought, perhaps a sensation. Something occurs, something absolutely unique to this particular combination or collision of moving images.” (Martin Scorsese)

Was Scorsese beschreibt, bzw. was daran die Überschneidung zu dieser Ausstellung darstellt ist, wie er es im Schneideraum immer wieder als Wunder empfindet, wie zwischen den einzelnen, konkreten Filmbildern, die Vorstellungsbilder (phantom events) entstehen, der eigentliche Film, der im Kopf stattfindet. Und sogar noch größeres Wunder, nicht nur in seinem Kopf, dem des Machers, sondern auch in den Köpfen der Zuschauer. Diese Zwischenbilder, diese Plätze zwischen den Rahmen, will die Ausstellung erforschen.

 

Stanisław Kubicki und Hermann Stöhr

Stanisław Kubicki, geboren 1889, gestorben (ermordet) 1943, war ein polnischer Maler, Graphiker und Dichter, aber auch ein politisch engagierter Mensch, der den grössten Teil seines Lebens in Deutschland lebte und und somit als Vermittler zwischen den Deutschen und Polen aktiv war. Er diente als Soldat während des 1. WK. Studierte Kunst auf der Königlichen Kunstakademie in Berlin. Kubicki machte sich als origineller Graphiker und Maler einen Namen. Er war ein wichtiger Vertreter der modernen Avantgarde Europas. Er verfasste utopische Manifeste,  zT in der Gedichtform und naturphilosophische Abhandlungen.


Während des 2. WK schloss sich Kubicki dem polnischen Widerstand. Als Kurier brachte er Informationen aus Polen zur Berliner Botschaft von Mandschukao, die von dort weiter nach London gelangten. Auf dem Rückweg schmuggelte er Geld für den Widerstand nach Polen. Mitte 1941 wurde er verhaftet. Ein genaues Todesdatum ist unbekannt. Sein letzter Brief aus dem Pawiak-Gefängnis in Warschau wurde am 14. Januar 1942 gestempelt.

Hermann Stöhr, geboren 1898, gestorben (hingerichtet) 1940, war ein deutscher Schriftsteller, Publizist, Verleger und Doktor der Staatswissenschaften, tätig in Stettin und Berlin.

Auch er diente als Soldat während des 1. WK.  1919 bis 1922 studierte Stöhr Volkswirtschaft, öffentliches Recht und Sozialpolitik; er promovierte 1922. Er lebte in Berlin wo er bei verschiedenen evangelischen Friedens- und Sozialorganisationen tätig war, wie zB. Sozialen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Ost. Er kümmerte sich um arbeitslose Jugendliche, die sich rund um Ostbahnhof, aufhielten. Als Publizist schrieb er über die Notwendigkeit der Aussöhnung mit Polen. Dafür verlor er seine Arbeit und kehrte in seine Geburtsstadt Stettin zurück. Dort gründete er 1936 den Ökumenischen Verlag. Er war Mitglied der Bekennenden Kirche.

Im Frühjahr 1939 wurde er zur Armee einberufen – verweigerte aus Gewissensgründen den Kriegsdienst. Am 31. August 1939 wurde er verhaftet  und zum Tode verurteilt. Er starb am 21. Juni 1940 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee.

***

In ihrer Biographien gibt es wichtige Gemeinsamkeiten
– fast dieselbe Lebens- und Wirkenzeit
– tiefe soziale Prägung, Engagement für arme, sozial benachteiligte Menschen
– tiefer Pazifismus
– tiefes Christentum
– beide engagierten sich gegen das Naziregime und zahlten dafür mit ihrem Leben

Sie sind beide Vorreiter der deutsch-polnischen Versöhnung und Symbolfiguren der modernen deutsch-polnischen Beziehungen


Beiträge über Stanisław Kubicki und Hermann Stöhr. Texte auf Deutsch/Polnisch/Englisch (manchmal nur eine Sprache, manchmal in 2 oder 3 Sprachen)

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2016/10/28/hermann-stohr-i-stanislaw-kubicki/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2017/04/21/hermann-stohr-stanislaw-kubicki-1/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2017/05/02/wernisaz-vernissage-hermann-stohr-stanislaw-kubicki/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2017/05/27/finissaz-finissage/

Bericht Stöhr – Kubicki 2017 

http://staedtepartner-stettin.org/language/de/aus-unserer-veranstaltungsreihe/

http://staedtepartner-stettin.org/wp-content/uploads/2015/07/2016-Bericht-Compatibility-Mode.pdf

http://staedtepartner-stettin.org/language/de/hermann-stohr-und-stanislaw-kubicki/

http://staedtepartner-stettin.org/language/pl/stanislaw-kubicki-i-hermann-stohr/

http://staedtepartner-stettin.org/wp-content/uploads/2015/07/2016-Bericht-Compatibility-Mode.pdf;15 KUBICKI Stoehr UZ

http://staedtepartner-stettin.org/language/pl/w-starej-rzezni-o-hermannie-stohrze-i-stanislawie-kubickim/


Andere Beiträge über Stanisław Kubicki (und Avantgarde & Bunt):

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2017/05/20/der-turmbau-zu-babel/ 

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/11/26/exhibition-bunt-expressionism-

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/07/01/nie-dziela-nasze-sa-wazne-lecz-zycie/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/12/10/17526/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2014/04/23/kubicki-und-hufeisensiedlung/ 

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/11/17/poezja-poesie-stanislaw-kubicki/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2014/07/31/hulewicz-kraft-kubicki/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2014/04/29/dwa-pomniki/ 

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/08/26/zdroj/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/04/29/artifex-doctus/ 

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/04/02/der-brennende-dornbusch/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/04/01/mojzesz/


Beiträge über Kubicki und seiner Frau Margarete

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/12/03/bilder-von-margarete-kubicka-in-der-hufeisensiedlung/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2017/05/19/artpieces-by-the-kubickis/


Beiträge über Schenkung Professors Stanislaw K. Kubicki an polnische Museen 2015

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/12/11/bunt-und-bunt-and-also-the-revolt/

transborder-avant-garde-in-wroclaw/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/11/07/finissage/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/10/03/bunt-und-die-gegenwartskunst/ 

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/09/30/bunt-3-filme/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/09/04/es-ist-bunt-in-dresden/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/07/15/15640/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/05/31/15095/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/05/15/noc-muzeow-ulotka/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/04/19/powrot-grafik-ruckkehr-der-praphiken/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/04/17/bunt-ekspresjonizm-transgraniczna-awangarda/

Beiträge von Stanislaw Karol Kubicki (Professor) über seine Kindheitsaufenthalte in Polen

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/09/02/immer-montags-der-polnische-adel/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/09/09/immer-montags-der-polnische-adel-2/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/09/16/immer-montags-der-polnische-adel-3/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/09/23/immer-montags-der-polnische-adel-4/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/09/30/immer-montags-der-polnische-adel-5/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/10/07/immer-montags-der-polnische-adel-6/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/10/14/immer-montags-der-polnische-adel-7/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/10/28/immer-montags-der-polnische-adel-8/

Otto Müller Einladung / Zaproszenie

Ab 12. Oktober im Hamburger Bahnhof / am 11. Oktober Vernissage

Tekst po polsku: otto-mueller-wstep-pl

Otto Mueller Exhibition – Flyer

Zum Buch, das die Ausstellung begleitet

MALER. MENTOR. MAGIER.

Otto Mueller und sein Netzwerk in Breslau

Beides ist zugleich das Resultat eines deutsch-polnischen Forschungsprojektes. Erstmalig findet der enorme Einfluss des ehemaligen Brücke-Künstlers und Expressionisten Otto Mueller während seiner Lehrtätigkeit in Breslau tiefergehende Berücksichtigung: Dort lehrte der Maler von 1919 bis zu seinem frühen Tod 1930 an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe, die damals zu den fortschrittlichsten Kunstschulen in Europa zählte. Der Schwerpunkt liegt auf der modernen Malerei. Vor allem der charismatische, von Sehnsucht und Freiheitsdrang getriebene Otto Mueller hatte maßgeblichen Einfluss auf die Breslauer Kunstentwicklung. So entstand die Idee, ihn zur zentralen Figur werden zu lassen: An seiner Person und an seinem Werk entlang entfaltet sich das Konzept von Ausstellung und Katalogbuch.

Vor allem seit 1925 – begünstigt durch die zahlreichen Neuberufungen von Professoren durch den amtierenden Direktor Oskar Moll – genoss die Breslauer Akademie den Ruf von Weltoffenheit und Liberalität. Die vielfältigen Strömungen der Moderne standen hier gleichberechtigt nebeneinander: der Expressionismus mit Otto Mueller, die französische Peinture der Académie Matisse mit Oskar Moll, die Neue Sachlichkeit mit Alexander Kanoldt und Carlo Mense sowie das Bauhaus und dessen Umfeld mit Oskar Schlemmer, Georg Muche und Johannes Molzahn.
Otto Mueller und sein Netzwerk: hierzu gehören vor allem seine unmittelbaren Malerkollegen sowie seine Schüler und Schülerinnen – die alle durchweg in Breslau eine schöpferische, höchst produktive Phase erlebten, angeregt durch wechselseitige Inspiration und Austausch. Die Freundschaften zu eigenständigen und kunstsinnigen Frauen spielten im Leben des Breslauer Akademieprofessors eine nicht zu unterschätzende Rolle: An erster Stelle standen Muellers Partnerinnen, allen voran seine erste Ehefrau Maschka Mueller. In sein Netzwerk gehörten aber auch Künstlerinnen und Intellektuelle wie die Bildhauerin und Grafikerin Marg Moll oder die Schriftstellerin Ilse Molzahn. Ersichtlich wird der Austausch und die gegenseitige Beeinflussung der Breslauer Malerprofessoren untereinander durch thematische und motivische Anleihen oder technische Übereinstimmungen der Malmittel: z. B. in der Farbgebung als Medium zur Ausdruckssteigerung, in den sich entwickelnden Tendenzen der Abstraktion oder in der Angleichung der Bildträger. Gemälde, Arbeiten auf Papier, schriftliche Äußerungen oder Fotografien dienen als Querverweise, die in deutsch-polnischer Zusammenarbeit zusammengetragen und ausgewertet wurden – geleitet von folgenden Aspekten:

*
das engmaschige Netz aus Kunst- und Kulturschaffenden im Zeitraum von 1919 bis 1932 mit besonderem Fokus auf der Malerei der Moderne zu durchleuchten, in dem die Wechselbeziehung zwischen den Städten Berlin und Breslau – Breslau und Berlin sichtbar ist

*
den Schaffensdrang und die kreativen Impulse im Umfeld der Breslauer Akademie und ihre spezifische Atmosphäre im Hinblick auf die Malerei der Moderne zu untersuchen und

*
schließlich den Einfluss des Malers und der Lehrpersönlichkeit Otto Mueller herauszustellen.

Unter diesem Blickwinkel entstand ein Ausstellungsparcours entlang der Leitfigur Otto Mueller, der eine persönliche Geschichte in einem lebendigen Breslau der 1920er-Jahre – parallel zur Darstellung der sich dort entfaltenden Kunst – erzählt. Dadurch ist es möglich, für die Besucherinnen und Besucher unterschiedliche Identifikationsmöglichkeiten zu schaffen, für besondere Tendenzen der dortigen künstlerischen Entwicklung zu sensibilisieren und letztlich auch Trends der musealen Sammlungspolitik und Forschung zu berücksichtigen: Neben großen Namen aus dem Netzwerk der klassischen Moderne werden auch weniger bekannte Künstler und Künstlerinnen der Folgegeneration vorgestellt.

Nachhaltigen Eindruck hinterließ der liberale Lehrer Otto Mueller gerade auch bei seinen nicht wenigen Schülerinnen: seine Aktzeichenkurse waren die ersten überhaupt, die auch Studentinnen wie Grete Jahr-Queißer oder Margarete Schultz offen standen. Einige seiner ehemaligen Schüler wie Alexander Camaro oder Horst Strempel gingen später von Breslau aus nach Berlin und erlebten in der unmittelbaren Nachkriegszeit den Höhepunkt ihrer Malerkarrieren.

1932 wurde die Breslauer Akademie geschlossen, ein Jahr später erfolgte die nationalsozialistische Machtergreifung. Diesen Umständen ist es geschuldet, dass diese Maler und Malerinnen die sog. „verschollene Generation“ vertreten: Ihre Karrieren begannen zunächst vielversprechend. Zu Beginn des Faschismus standen sie noch am Anfang ihrer künstlerischen Laufbahn, viele wurden zur Flucht und zu einem Leben im Exil gezwungen, andere überlebten die Verfolgungen und den Holocaust nicht.

Ihnen gemeinsam aber sind ihre künstlerischen Anfänge an der Breslauer Akademie im Allgemeinen und bei Otto Mueller im Besonderen. Vertiefte Recherchen ermöglichten es, Arbeiten und Dokumente zusammenzutragen, die zumindest einen Eindruck des künstlerischen Erbes von Otto Mueller am Beispiel von Breslauer Studierenden demonstrieren – selbstverständlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Für die Charakterisierung des Kunst- und Kulturlebens in der niederschlesischen Hauptstadt der 1920er-Jahre spielte die engagierte jüdische Bevölkerung eine tragende Rolle: Breslau besaß zu dieser Zeit neben Berlin und Frankfurt am Main die drittgrößte jüdische Gemeinde im Deutschen Reich.

In Bezug auf Otto Mueller macht ein neuer Ansatz der Forschung deutlich, wie anziehend dieser Maler auf die jüngere Generationjüdischer Künstler und Künstlerinnen in Breslau wirkte: u. a. seine ihm nachgesagte Beschäftigung mit Magie und Mystik verband sich hervorragend mit deren künstlerischen Positionen und zentralen Fragestellungen nach der eigenen Identität.

Eine Besonderheit im kuratorischen Konzept ist das Prinzip des „Gastes“: gemeint sind hiermit ausgewählte Werke, durch die spotlightartig, epochenübergreifend und interkulturell auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede verwiesen werden kann. In Deutschland kaum bekannt ist, dass viele Künstler und Künstlerinnen der polnischen Avantgarde beide Sprachen beherrschten: Deutsch und Polnisch, so Stanisław Kubicki, Margarete Kubicka, Jerzy Hulewicz oder Henryk Berlewi. Vor allem das Einbeziehen des polnischen Expressionismus und Neo-Expressionismus ermöglicht einmalige Sehvergleiche und neue Zusammenhänge, zugleich verschränken diese Erscheinungsformen die deutsch-polnische

Ausrichtung des Projekts. Diesen Ansatz begünstigte die intensive Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die auch grenzübergreifende Perspektiven zuließ.

Unser besonderer Dank gilt Teresa Laudert, Stipendiatin der Camaro Stiftung, für ihre tatkräftige Unterstützung. Wir danken sehr unseren Autorinnen und Autoren. Weiterer Dank gebührt der Übersetzungsleistung durch Simon von Kleist und seinem Team sowie allen, die unser Projekt durch ihr Interesse und mit Anerkennung und Zuversicht begleitet haben.

Wir bedanken uns besonders bei dem Direktor der Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Udo Kittelmann für die Aufnahme dieser Ausstellung in das Programm des Hamburger Bahnhofs – Museum für Gegenwart – Berlin. Großer Dank gilt dem Direktor des Muzeum Narodowe in Wrocław, Piotr Oszczanowski, der bereit ist, Teile dieser Ausstellung nach Polen zu übernehmen. Herzlich danken wir dem Vorstand der Camaro Stiftung, besonders dem Vorstandsvorsitzenden Theodor Gentner, für das große Vertrauen in unsere Arbeit und die Bereitschaft, unsere Initiative in diesem umfänglichen Projekt zu unterstützen.

Zur praktischen Handhabe dieses Buches sei schließlich noch angemerkt:

Wir bemühen uns um geschlechtergerechte Sprache. Frauen sind in der Kunst- und Kulturgeschichte nach wie vor unterrepräsentiert. Selbstverständlich spielten in den 1920er-Jahren im Breslauer Kunstgeschehen talentierte und einflussreiche Künstlerinnen, Sammlerinnen, weibliche Intellektuelle und Kulturschaffende eine Rolle.

Auf sie hinzuweisen, sie sichtbar zu machen, ist uns ein Anliegen. Der Katalog erscheint in einer deutschen und polnischen Sprachausgabe. Zu betonen ist an dieser Stelle, dass dieses Grundlagenwerk keinen Anspruch auf Geschlossenheit verfolgt, sondern beabsichtigt, Anregungen zu liefern für weitere Forschung. Für die deutsche Sprachausgabe haben wir uns bewusst auf die Verwendung des deutschen Namens Breslau bis 1945 geeinigt. Dafür sind die historischen Fakten geltend zu machen:

Breslau war der wichtigste Wirtschafts- und Kulturmittelpunkt des deutschen Ostens. Erinnert werden soll daran, dass Breslau Hauptstadt der damals deutschen Provinz Niederschlesien war. Mit dieser Tatsache verbunden ist auch die Kontinuität der kulturellen Wechselbeziehung der Städte Berlin – Breslau. 1945 wurden Breslau und Schlesien Polen angeschlossen. Deshalb gebrauchen wir explizit den Städtenamen Wrocław für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und verwenden die aktuellen polnischen Namen von Ortschaften, Museen und Institutionen.

Die Herausgeberinnen

Dagmar Schmengler, Agnes Kern und Lidia Głuchowska

I jutro…

Donnerstag, 27. September 2018 von 19:00 bis 21:00

ostPost berlin
Choriner Str. 84, 10119 Berlin

“Ich weiß wie es nicht ist, und ich weiß nicht wie es ist…”
Es ist eine Titelzeile eines Gedichts von Marek Maj und zugleich der Titel einer CD, die er gemeinsam mit Ryszard Leoszewski aufgenommen hat.

Es mag banal klingen, ist aber eine tiefe Lebenseinsicht, ein Sokratischer Gedanke, auf den sich der Dichter stützt, um die Welt zu beobachten und zu beschreiben, nachzudenken, zu reflektieren, uns hie und da etwas darüber zu sagen. Auf keinen Fall aber will er uns Ratschläge geben, nie wird der Dichter uns sagen, was wir tun sollen, was wissen, was denken… Wir sind einsame Menschen, sagt uns der Dichter, die der grossen unbegreiflichen Welt gegenüber stehen und sich mit Kunst wie mit einem Regenschirm vom Regen der Alltäglichkeit schützen.

Die Gedichte von Marek Maj werden auf Deutsch von Irena Mitręga vorgelesen.

***
Marek Maj, geb. 1962 in Stettin, ist ein Dichter und Kulturmanager; er arbeitet im Kulturhaus Skolwin und ist Organisator der Gartenmesse, die zweimal im Jahr, im Mai und September, an der berühmten Wały Chrobrego (Hakenterassen) statt findet. Marek Maj hat mehrere Gedichtbänder auf Polnisch veröffentlicht; zehn seiner Gedichte wurden 2017 im Rahmen der von uns organisierten Translator Workshop ins Deutsche übersetzt. Sie wurden in dem Onlinemagazin Stadtsprachen veröffentlicht und werden jetzt dem Berliner Publikum präsentiert.
***
Ryszard Leoszewski, ist Pädagoge, Komponist und Leader der Musikgruppe Sklep z ptasimi piórami (Ein Laden mit dem Vogelgefieder); seit ein paar Jahren ist er auch der Ehrenbotschafter Stettins. Er hat viele Gedichte von Marek Maj vertont – so viele, dass es für eine gemeinsame CD und ein Programm Leoszewski Majem reichte… An dem Abend werden wir ihn in einem Teil des gemeinsamen Repertoires hören.
***
Irena Mitręga ist eine in Polen geborene Germanistin, Autorin und Literatur-Übersetzerin, die uns auch durch den Abend führen wird.

***

Von Inseln / O wyspach – Frauenblick

Monika Wrzosek-Müller

Isole del arcipelago toscano – die Inseln in der Toskana

Die Italiener in der Toskana lieben ihre Inseln, ihren arcipelago toscano; vielleicht weil sie davon nicht so viele haben. Verglichen mit Griechenland oder Kroatien sind die paar Inseln an der toskanischen Küste wirklich ein Klacks. Die Inseln bedeuten aber irgendwie die Sehnsucht nach Freiheit, Stille, aber auch Flucht, Isolation oder positiv gesehen ein Zufluchtsort… sie stehen für viele für Abgeschiedenheit und reine Natur: Wasser, Vogelwelt, Wald etc… In den siebziger Jahren war es sehr en mode auf eine Insel zu fahren und „natürlich“ zu leben. Doch viele von diesen „natürlichen“ Lebensweisen bringen den Inseln nur den Dreck des Festlandes mit und kopieren die Gewohnheiten, die man anderswo hatte; wie kann man sonst erklären, dass man 20 Meter vom Meer entfernt Schwimmbäder baut?

Zugegeben, ich persönlich bin kein Freund von Inseln, denn sie geben mir ein Gefühl von Enge, von Eingeschlossen-rrrrrre und Unfrei-Sein; das ist wohl verständlich, denn oft kommt man nicht so leicht von einer Insel wieder weg. Das An- und Ablegen dauert immer lange, man wartet auf die letzten Passagiere oder gar Autos (bei den Fähren), dann ist das Meer zu bewegt und man kommt gar nicht weg. Doch man wird für die Unannehmlichkeiten entlohnt: es sind hauptsächlich Italiener, besonders auf den kleineren Inseln, die dahin reisen, die ausländischen Touristen belassen es bei Elba oder Giglio. Das Wasser ist auch immer sehr sauber, sauberer als am Festland. Dafür sind die Einkaufsmöglichkeiten immer begrenzt und die Preise höher.

Neulich bei einem Ausflug auf die private, ja wirklich private, Insel Giannutri, hat mich ein junger Italiener gefragt, wie viele toskanische Inseln ich denn kennen würde. Ich kannte fünf vom Hörensagen; gewesen bin ich nur auf dreien. Er klärte mich auf, dass es ganz viele gäbe: sieben große, da musste ich schmunzeln, und dazu noch Formiche di Grosseto (formiche bedeutet Ameisen) und nicht zu vergessen Cerboli und Palmaiola (davon hat doch niemand je gehört). Er würde auf alle Inseln fahren und sie besichtigen wollen und zählte auf: Capraia, Elba, Pianosa, Isola Montecristo, Gorgona, Isola del Giglio, Giannutri. Ohne stolzer Besitzer einer Yacht zu sein, ist die Unternehmung auch schwierig; für manche Inseln muss man sich auch anmelden und Genehmigungen einholen, zu vielen gibt es keine feste Verbindung. Doch er ist auch jung genug und kann sich seinen Traum von den Inseln noch erfüllen.

Wenn man von Monte Argentario aus (das auch eine fast Insel ist, durch zwei Landzungen mit dem Festland verbunden) ins Landesinnere fährt und die ersten Städtchen in höheren Lagen erreicht, ist der Ausblick atemberaubend. Man steht vor grünen und gelblichen Hügeln und dahinter erstreckt sich der Horizont mit Meer gefüllt und auch mit kleinen und größeren Inseln und Buchten. Fragt man allerdings die Einheimischen nach ihren Isole, beginnen sie zu streiten: ist das jetzt Giglio oder schon Montecristo oder gar Elba, nein das ist eher Giannutri, die sind doch alle zu klein, das sind doch die Formiche… etc. Niemand weiß es genau, alle haben ihre Theorien dazu.

Landschaft und Natur auf den Inseln sind erstaunlich ähnlich; meistens sind sie mit der mehr oder weniger dichten mediterranen macchia bewachsen, manche, vor allem größere Insel haben auch alte Steineichen oder verschiedene Kastanienarten, auch gibt es manchmal Pinienwälder. Es ragen hier und da Felsen in verschiedenen Ockerfarben auf; natürlich sind ihre Formen unterschiedlich, es gibt oft Grotten und kleine Buchten, selten Sandstrände, öfters muss man von einem Felsen aus ins Wasser springen. Schön ist dabei, etwas zu tauchen, allerdings immer öfters ist die Unterwasserwelt abgestorben und nicht so farbenprächtig wie man sie sich vorstellt, doch ab und zu kriegt man Fischschwärme zu sehen oder einzelne größere Fische. Ich habe auch gehört, dass früh im Sommer oder gar Frühjahr die Unterwasserwelt bunter und interessanter ist, oft sieht man Seeigel und Seeanemonen, auch Seegurken; Manchmal begleiten Delphine das Schiff, immer mehrere zusammen, sie springen wellenartig am Schiffsrumpf entlang. Natürlich kann man von den Inseln die Weite des Horizonts bewundern, und die Sonnen Auf- und Untergänge sind beachtlich.

Mit einigen Inseln verbinden mich Erinnerungen, die immer wieder hochkommen, wenn ich nach Italien fahre. Als Teenager las ich sehr fasziniert das Buch „Der Graf von Monte Christo“ von Alexandre Dumas; es war ein Buch aus der Bibliothek meiner Oma, die in Warschau eine private Leihbibliothek geführt hatte, die dann in fünfziger Jahren verstaatlicht wurde. Einige Bücher aus der Bibliothek sind mir geblieben, darunter eben „Der Graf von Monte Christo“. Das Buch faszinierte nicht nur mich, sondern fast meine halbe Klasse, so haben wir die Seiten vorsichtig herausgetrennt und jeder las einzelne Seite und gab sie dann weiter. Damals schon wollte ich unbedingt die Insel Montecristo sehen, wo ein Teil der Handlung spielte. Da geht es um das große Geheimnis von Faria, der vom Schatz des Grafengeschlechtes Spada auf der Insel Montecristo weiß; der Graf soll ihn da vergraben haben. Dantés sollte in Folge der Erbe des Grafen Spada werden, er entflieht aus dem Gefängnis, findet den Schatz und kehrt nach Frankreich und Paris als reicher Mann zurück und legt sich eine neue Identität als Graf von Monte Christo zu… es folgen weitere sehr komplizierte und interessante Episoden. Das Buch wurde zum großen Erfolg in meiner Klasse und in der Literaturgeschichte. Ich verbinde immer die Insel mit der Lektüre des Romans. Übrigens die Insel ist unbewohnt und schwer zugänglich.

Die Insel Elba ist mir in Erinnerung geblieben, weil wir mit unserem kleinen Sohn einmal im Oktober auf die Insel fuhren, nachdem er eine Blinddarmoperation über sich ergehen lassen musste. Auf der Insel hat er dann schwimmen gelernt und sich vollständig von der Operation erholt. Natürlich haben wir nebenbei Napoleons Wohnsitz Villa San Martino besichtigt (alle Wege auf Elbe führen dahin)… Elba ist eine der größten Inseln, sie hat auch wunderschöne kleine Sandstrände in den zahlreichen Buchten.

Die Insel Giglio, die nach der Blume Lilie genannt wird, müsste eigentlich voll von diesen Blumen sein, doch ich habe keine einzige gesehen; man müsste vielleicht im Frühjahr kommen. Ich verbinde die Insel mit einem ausgedehnten Urlaub und das Jahr darauf mit einem Schiffsunglück. Gerade von unserem Haus auf der Insel konnte man die vorbeifahrenden, erleuchteten riesigen Kreuzfahrtschiffe sehen und fast die Leute darauf erkennen, so nah kamen die Schiffe an die Felsen der Insel, bis… bis eben das Unglück passierte. Die berühmte Costa Concordia, die auf einem Felsen an der Insel Giglio aufsetzte und kippte, so dass sie Wasser aufnahm. Das Unglück kostete 32 Todesopfer, zog einen langen Prozess gegen den Kapitän Francesco Schettino nach sich und die lange Bergung des Wracks von der Insel. Es diente jahrelang als Gesprächsstoff mit den Italienern, was denn genau mit dem Kapitän passiert ist und wer jetzt das Wrack abholen soll und wie hoch die Kosten seien. Es wurde ausführlich in den Zeitungen darüber berichtet. Zu meinem Erstaunen verhalf das Unglück eher der Insel zu ihrem touristischen Boom, die Leute kamen extra, um sich das Wrack anzusehen.

Die letzte Insel, die ich persönlich besuchte, ist die Insel Giannutri; eine relativ kleine Insel (die Ausdehnung reicht an die 3 Km). Eine Insel, die sich in Privatbesitz befindet und angeblich zum Naturreservat erklärt wurde. Wie da die unzähligen Ausflügler mit ihren Booten und die kleinen Ferienanlagen, wie Bienenwaben an den Hängen, zu erklären sind, bleibt mir ein Rätsel. Sie hat eben alles, was so eine Insel haben soll, und noch eine achtbare Ruine einer römischen Villa (mit einem Hafen, römischen Straße etc…) dazu. Allerdings existiert auf der Insel (außerhalb der Saison) überhaupt keine Infrastruktur, kein Café, kein Laden; man sollte darauf vorbereitet sein.

Noch eine weitere Insel aus dem Archipel kenne ich zwar nicht persönlich, aber aus dem Buch von Francesca Melandri „Über Meereshöhe“. Lange wusste ich nicht, um welche Insel es in dem Buch geht. Doch dann erzählte mir jemand, dass auf der Insel Pianosa ein Gefängnis existiert, in dem früher Viele ihre Strafen abbüßten. Es muss sich also um die Insel in ihrem Buch handeln.

Am schönsten sehen für mich die Inseln vom Boot und aus der Ferne aus; meistens mit einem Leuchtturm bestückt, erheben sich majestätisch über das Meer und locken immer wieder Menschen an.

Von Inseln / O wyspach – Männerblick

Auf Amrum
(Augenzeugenbericht)

Anfang August alarmierten anfliegende Austernfischer* Amrumer Areal.
Amrumbewohner, aber auch Amerikatouristen, achteten angespannt auf
außergewöhnlichen Aufruhr am Abendhimmel.
„Ach!“ – ächtzte ängstliche Apothekenangestellte Annabell Aalglatt – „Austernfischer
am Abend! Abscheulich! Alle abschießen!!“
Aber allgemeiner Aufstand anständiger Anwohner animierte Austernfischerliebhaber,
arge Agitation abzulehnen.
Auch angriffslustige arabische Allahanhänger ahnten allmählich – Attacke abblasen!
Auf abendrotgetünchten Austernbänken aßen Austernfischer ausgezeichnete
Amrumaustern.

VIII 06
* 1 793 Aexemplare

Amrum – Möwe und Krähe

Amrum – Kormorane

oko gwiazdy otwiera kalejdoskop nocy
na ekranie granatowego nieba
odbija sie ocean
błyski migoty olśnienia

Amrum – Morgenflut

Amrum – Ebbe am Abbend

fraszka na kota (morskiego)

nie ma już kota na statku (a marynarzy – niewielu),
sam stoi kapitan na mostku i mruczą komputery.

w kambuzie kucharz-automat piecze ciasto w sekund 15…
leniwie na grzbiecie fali sunie dziób, czasami mewa wrzaśnie…
……………………………………………………………………………
……………………………………………………………………………
nie czekaj na fraszki morał, bo go wcale nie będzie,
delfiny lądują w garnku, a śpiewają – łabędzie.

 

PS von der Administratorin:

Frauenblick morgen…

Die Musiker und die 20 Jahre

Ewa Maria Slaska

Zwanzig und nicht die Zwanzigern! Die Musiker und die 20 Jahre. Eine Bestandsaufnahme aus der Filmindustrie der letzten Jahre und meinem eigenem Leben, aufgeschrieben 20 Jahre nachdem ich in Berlin zwei unbekannte Musiker traf, die in der Wohnung meines Sohnes wohnen sollten. Der Sohn war weg. Ich traf die zwei junge Kanadier auf der U-Bahn, brachte ihnen die Wohnungsschlüssel und führte sie in die kleinen Geheimnisse ein, die jede Wohnung verbirgt. Die beiden waren sehr blass und sehr schlank, oder eigentlich dünn. Sie hatten unglaublich viel Gepäck – das erste mal sah ich damals jemanden, der zwei Rücksäcke trug – einen riesigen auf den Rücken und einen nicht zu kleinen vorne auf der Brust. Handtaschen und Plastiktüten ergänzten den Eindruck, zwei solche vor sich zu haben, die nach Berlin für immer kamen, alles mitbrachten, was sie Mal hatten (viele Musikinstrumente), dass sie sich in Berlin nur der Kunst widmen werden und, na ja, nie zu etwas bringen werden. Sie sahen so aus, wie so viele andere, die mit demselben Ziel nach Berlin kamen und nie zu etwas brachten. Der Trend, der jetzt das ganze Stadtleben prägt, hat gerade angefangen, aber man sah schon genug von denen, um zu wissen…
Wir verabschiedeten uns damit, dass sie ab morgen im Klub Berlin Tokyo spielen werden und ich sei eingeladen. Den Klub kannte ich, er befand sich in einem langem dunklem Hof in der Mitte, direkt neben den anderen Hof, wo sich das Literaturbüro befand, in dem ich damals arbeitete. Relativ oft ging ich ins Kino neben dem Klub. Immer wenn ich dabei den Klubeingang sah, dachte ich, ich soll Mal da reinschauen und sehen, wie es den beiden geht, es kam aber nie dazu. Ein paar Jahre später fragte mich mein Sohn, ob ich mich an die beiden erinnere, ich bejahte, er erzählte, sie machen jetzt Kariere. Wir belassen es dabei.

Erfolgreiche Geschichte nach 20 Jahren.

Gestern zeigte er mir im TIP eine Filmbesprechung: Biopic Shut up and play the piano über Chilly Gonzales. Das ist er, sagte er. Wer? Der Kanadier von damals. Und sie?, fragte ich. Weisst du es nicht? Gonzales und Peaches.
Berlin, schon vereint, im Osten ramponiert, billig, faszinierend. Die Stadt arm aber sexy, noch keine Hipsters, es kommen alle, denken an die große Kariere und versagen, die beiden aber nicht. Elektro-Sound, Spiel mit sexuellen Identitäten, Clubs überall, Chilly Gonzales und Peaches. Und ein Film.

Der kommt heute ins Kino.

Überall im Kino gibt es jetzt Filme über die Musiker. Ich dachte, es begann mit Sugar man, der Sohn wusste (natürlich) besser – Walking the line über Johnny Cash… Klar, ja, aber trotzdem bleibe ich bei der Reihe, die ich gestern angesammelt hatte, der Film über Gonzales eingeschlossen. Dokus, Biopics, Fiction, egal. Die Musiker und die 20 Jahre, auch wenn 20 etwas symbolisch oder gar biblisch ist. Zwanzig Jahre. Noch unsere Zeiten, aber schon Geschichte, schon vergessen.

Gundermann von Andreas Dresen, 20 Jahre nach dem Tod des noch jungen Musikers gedreht. Ein Musiker der zu einem gewissen Ruhm in der DDR gebracht hatte und von dem im Westen kaum jemand kaum was weisst.

Sugar man, ein Film von Sixto Rodriguez, ein Musiker der mit dem Album Cold fact in den Staaten so gefeiert wurde wie Bob Dylan. Und danach als Bauarbeiter in vollkommener Vergessenheit lebt, bis Anfang der Zehnerjahre Malik Bendjelloul ein Film über ihn drehte.
Niko, 1988 alias die Mondgöttin alias Christa Päffgen, die Muse von Andy Warhol – auch hier sind die symbolischen 20 Jahre in der Tat 40. Muse? Göttin? Quatch. Fragen sie auf der Strasse. Niemand weisst was…

Das sind alles wahre Musiker gewesen. Es gibt aber auch Features darüber. Ein Chancon für dich mit Isabelle Huppert und Kévin Azais – eine Geschichte einer Sängerin und ihr coming back nach Jahren… Ein Drama.
Juliet, naked, ein Film nach der Buch Vorlage von Nick Hornby über einen Rockmusiker (gespielt von Ethan Hawke), der vor 20 Jahren plötzlich von der Oberfläche verschwand und erst gerade jetzt auftaucht. Eine Komödie oder, wie man es jetzt sagt, eine romantische Komödie über Liebe und Patchwork-Families.

Den Film habe ich gerade gestern gesehen und schon bei der Vorführung dachte ich über all die anderen Filme nach. Ein wahrer Trend, oder? All diese verschwundene, vergessene, unbekannte Musiker…

Es war eine Pressevorführung dh früh. Die sind immer ziemlich früh, diese Pressevorführungen. Um 13 Uhr gehe aus dem Kino Filmkunst 66 und gehe unter die S-Bahn-Brücke. Jemand spielt Gitarre. Ich gehe zu dem Musiker. Er heisst Leo. Ich frage, ob ich ihn fotografieren darf. Ich erkläre, worüber ich schreiben werde und dass er mit seiner Gitarre einen Abschluss meines Beitrags bilden wird.

OK, sagt er. Kannst schreiben. Ich spiele seit 22 Jahren Gitarre…

Verdammte 20 Jahre.

In Juliet, naked sitzt ein Unidozent mit seiner neuer Arbeitskollegin in der Kantine. Sie sagt, sie glaubt an Kunst, daran, dass die Kunst den Menschen heilt. Er schaut auf die Leute an den Tischen und sagt: die hier… die lassen sich nicht heilen, auch wenn Bob Dylan hier käme und für sie spielte, würden sie den Kopf nicht von ihrem Sudoku heben…

Ich weiss es doch. Ein weltberühmter Geiger spielte letztens unter einer Brücke (In Paris? Ich weiss es nicht). Seine Geige war ein Stradivarius. Er sammelte vielleicht 2 Euro…

Leo

Geschichter Berlins

Polnische Gräber in Berlin
historische Stadtführung

16. September 2018, 15-19 Uhr
Treffpunkt Cafe Strauss um 15 Uhr
am Eingang des Friedrichswerderschen Friedhofs
Bergmannstr. 42
10961 Berlin–Kreuzberg

In Berlin gibt es 270 Friedhöfe, darunter ca. 30 sog. historische, die man also als Kulturdenkmal betrachtet und wiederum auch ca. 30, die, wie der Friedhof wo Prof. Brückner begraben liegt, aufgelöst werden. Wie man auf diesen Friedhöfen die polnische Gräber sucht, wie man sie identifiziert, obwohl die dort begrabenen manchmal deutschen Namen tragen und Polen sind, manchmal aber polnische Namen haben und die Familien ihre polnische Abstammung abstreiten. Welche Schicksale erzählen uns die Gräber, über die Menschen, aber auch über die Deutsch-Polnischen Beziehungen. Dies und mehr erzählt uns Ewa Maria Slaska bei unserem Spaziergang in den historischen Friedhöfen auf der Bergamnnstrasse iun Kreuzberg.

Abschliessend gehen wir Kaffee trinken und leckere Kuchen Essen im Café Strauss auf dem Friedrichwerderschen Friedhof.

Ewa Maria Slaska organisierte vor ein paar Jahren eine erfolgreiche Aktion zur Rettung des Grabes von Professor Aleksander Brückner (1856-1939) auf dem Tempelhofer Parkfriedhof in Berlin und seit 2011 organisiert sie immer am Tag der Allerheiligen die Treffen der Polonia und Sympathisanten bei dem Grab diesen berühmten Wissenschaftlers, Sprachhistorikers und Linguist, der an der Berliner Universität das Slawistik Institut gegründet und 44 Jahre geleitet hat.

Professor Brückner ist in einer deutschen Familie in Ukraina geboren, die im 18. Jahrhundert nach Polen ausgewandert ist. Obwohl die Familie den deutschen Namen beibehielt, hat sie sich gänzlich polonisiert und der junge Wissenschaftler der aus Russischpolen nach Breslau und danach na Berlin ausgewandert ist verstand sich als Pole in Deutschland. Man hat ihn in diesem Blog schon zig Mal getroffen.