Wir(r) und der Krieg

Wie immer, wenn etwas Wichtiges passiert, versuche ich auf dem Blog den Schritt mit der Zeit zu halten. Und wie immer, das wichtigste scheint mir, was Ihr, meine Leser, darüber denkt. Es waren schon Elżbieta Kargol, Joasia Rubinroth und Michał Talma-Sutt mit ihren Gedanken hier. Heute präsentiere ich zwei weitere Reaktionen von Euch – ein Foto von Krzysztof Pukański und einen Brief, den ich per Mail von Christine Ziegler bekommen habe. Ihr seid alle gebeten, Eure Gedanken mit uns zu teilen.

Eure Administratorin

Krzysztof Pukański

Die Franziskanerkloster-Ruine in Berlin Mitte. Das Foto hat Krzysztof Pukański 2014 gemacht. Als wir am Wochenende seine Bilder sortiert haben, schaute er es an und sagte nur ein Wort: Ukraine.

Christine Ziegler

Liebe Ewa,

das ist nun unser Balanceakt, den wir zur Zeit vollbringen müssen. Das eigene Leben nicht verlieren, uns darauf konzentrieren. Und gleichzeitig nicht aus den Augen verlieren, wie nun die Welt sich ganz neu formiert.

Es ist Krieg und ich begehr, nicht schuld daran zu sein. Das war schon ein Stoßseufzer im 30-jährigen Krieg und in der Beziehung hat sich nichts geändert bis hin zu uns. Denn natürlich sind wir Menschen miteinander verwoben und was wir dem Menschen gegenüber antun, tun wir uns selber an.

Meine Freundin Moni wohnt nicht weit von Ramstein, sie kann den Krieg hören. Sie erzählt von ihren Söhnen, Wehrdienstverweigerern, die jetzt überlegen, wo sie wohl schießen lernen können, um ihre Familien verteidigen zu können. Was natürlich bei einem nuklearen Angriff Quatsch ist, wie sie resümmiert. Es gehe wohl mehr darum, sich nicht hilflos zu fühlen. Ja, da gehe ich ganz mit ihr, es geht im Moment darum, sich nicht hilflos zu fühlen. Fatalerweise suggeriert schießen können einen Ausstieg aus der Hilflosigkeit. Wenn wir in all der Misere vielleicht ein Quentchen Glück haben, dann bringt uns dieser abartige Konflikt vielleicht doch bei den erneuerbaren Energien voran. Aber wer weiß, vielleicht auch nur dreckiges LNG (Liquefied Natural Gas, verflüssigtes Erdgas – Weiteres dazu HIER – Anm. der Administratorin).

Und jetzt werfen sie bei ihren Reden im Bundestag mit unglaublichen Summen um sich und wollen der Bundeswehr alles vorn und hinten reinschieben, geht’s noch? Das wird schwer hier rational gegenzuhalten.

Wenn nix mehr geht, noch was zum Schmunzeln:

Das ist die Serie, in der Wolodymyr Selenskyj den ukrainischen Präsidenten gespielt hat. Ach, die kennst du sicher sowieso. Ihm wurde ja oft sein Dasein als Commedian negativ angekreidet, aber verflixt, Reagan war auch vorher Schauspieler…

Ach, sagt ein Freund, der grad in Afrika ist, hätte er doch vorher angeschaut, was aus dem Schauspieler Reagan geworden ist.

Auf jeden Fall ist das Thema Inszenierung wieder vollkommen virulent. Da ist dann allerdings Putins Inszenierung hoffnungslos oldschool. Doch dann wird Krieg nicht allein mit Öffentlichkeitsarbeit gewonnen, Wirtschaftskraft und Rüstung und schlichte Mehrheiten sind dann doch ausschlaggebend.

Wie finden wir den Pfad, auf dem wir weiter unser Leben leben können, uns gegenseitig stärken können, ohne dem jeweils aktuellen Darth Vader anheimzufallen. Krieg ist unerbittlich und lässt ein sowohl als auch schlecht zu. Entweder bist du für mich oder gegen mich. Dabei ist die Weisheit von Karl Kraus weiterhin hochaktuell: “Krieg – das ist zuerst die Hoffnung, daß es einem besser gehen wird, hierauf die Erwartung, daß es dem anderen schlechter gehen wird, dann die Genugtuung, daß es dem anderen auch nicht besser geht, und hernach die Überraschung, daß es beiden schlechter geht.”

Die Sonne scheint zum Glück auch heute und inzwischen werden nicht nur HartzIV-Empfänger:innen dazu aufgefordert, einen Pullover mehr anzuziehen und mit der Bahn zu fahren ;-))

Rede ich wirr?

Liebe Grüße

Christine

Ewa Maria Slaska

Nein, liebe Christine, Du redest nicht wirr.

***

Aus Polen:

Eduard Koller

The most beautiful photo I’ve seen today: Polish moms left strollers at the train station, for Ukrainian moms who may need them when they arrive in Poland with kids. 🇵🇱🇺🇦

За вашу і за нашу свободу! / Za wolność naszą i waszą

Dziś / today / heute…

Für Eure und für unsere Freiheit!
Stimmen zum Krieg in der Ukraine – live
Sonntag, 6. März 2022
14.00 bis 17.00 Uhr
Bebelplatz, Berlin
Ukrainian, English, and Russian version below
Wir können nicht länger warten. Seit dem frühen Morgen des 24. Februar 2022 führt Putin Krieg gegen die unabhängige Ukraine und ihre Bevölkerung. Soldaten und Panzer dringen ins Land vor. Putin lässt Städte mit Raketen und Bomben beschießen. Die Etappen seiner Kriegsführung sind aus der Geschichte bekannt: Belagerung, Zerstörung, Vernichtung. Wir kennen sie von Grosny und Aleppo.
Putins Angriff auf die Ukraine ist der Angriff auf ein Land, das geschichtlich, sprachlich, kulturell ein Europa im Kleinen ist. Selbstverständlich zweisprachig und multikonfessionell. Kiew, Odesa, Lemberg, Charkiw sind europäische Metropolen, die alle Katastrophen des 20. Jahrhunderts, zuerst die des Stalinismus, dann die der deutschen Herrschaft überlebt haben. Nun sind der Krieg und der Terror in die Ukraine zurückgekehrt.
Die Wahrheit über diesen Krieg wird trotz Zensur und Propaganda auch in Russland ankommen. Die Bilder von den Bombeneinschlägen im Zentrum von Charkiw, von den Rauchwolken über den Wohnvierteln von Kiew, von den Toten und von den Millionen auf der Flucht.
Ob in Warschau, Paris, Sarajevo oder Berlin: Wir dürfen nicht schweigen. Wir müssen den Angegriffenen in Worten und Taten beistehen. Es ist Krieg, zwei Flugstunden von Berlin entfernt. Wir müssen die Urheber der Kriegsverbrechen benennen. Wir dürfen den vor Gewalt und Krieg Fliehenden nicht unsere Hilfe verweigern. Und wenn wir uns machtlos und sprachlos fühlen, müssen wir den Stimmen der anderen zuhören.Lasst uns unsere Sympathie und Solidarität mit dem Volk der Ukraine demonstrieren. Hören wir ihren Stimmen zu. Lassen Sie uns in Worte fassen, was wir im Augenblick der Not empfinden und über die Grenzen hinweg miteinander in Kontakt treten: analog und digital, mit Wort und Musik, im offenen Raum, im Zentrum Berlins.

Im Kampf für Eure und für unsere Freiheit!


Ablaufplan Kundgebung Bebelplatz, Berlin, 14.00 bis 17.00 Uhr

Begrüßung durch die Moderatoren Gesine Dornblüth & Thomas Roth

Life und Zuschaltungen:

I. Musik: Yuriy Gurzhy
1.1.. Karl Schlögel
1.2. Kateryna Mishchenko
1.3. Jurko Prochasko
1.4. Martin Pollack
1.5. Dany Cohn-Bendit
1.6. Marieluise Beck

II Volny Chor aus Belarus
2 1. Svetlana Aleksievič
2.2. Irina Bondas
2.3. Juri Andruchowytsch
2.4. NN zum Thema Krieg und Umwelt
2.5. Andrij Lubka

III Musik: Yuriy Gurzhy
3.1. Timothy Garten Ash
3.2. Video: Das Grauen des Krieges. Aus Černigov
3.3. Christian Tomuschat
3.4. Mario Vargas Llosa
3.5. Wolf Biermann
3.6. Rüdiger von Fritsch: Aufruf an die Diplomaten

IV: Musik: Yuriy Gurzhy
4.1. Katja Petrowskaja
4.2. Olga Tokarczuk
4.3. Ai Weiwei
4.4. Navid Kermani
4.5. Oleksandra Bienert
4.6. Gerd Koenen
4.7. Auszug Rede von Volodymyr Zelens’kyj
V Nationalhymne der Ukraine. Volny Chor

Verantwortlich i.S. des Pressegesetzes und Organisation: Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik e.V., Berlin

Live-Stream
За вашу і за нашу свободу!

До війни в Україні – live
Неділя, 6 березня 2022 р.
з 14:00 до 17:00
Бебельплац, Берлін

Ми більше не можемо чекати. З ранку 24 лютого 2022 року Путін воює з незалежною Україною та її народом. Солдати і танки просуваються в країну. Українські міста обстріляні  ракетами та бомбами. Етапи  війни Путіна відомі з історії: облога, руйнування, знищення. Ми знаємо це із ітосрї Грозного та Алеппо.
Напад Путіна на Україну – це напад на країну, яка історично, лінгвістично, культурно є мініатюрною Європою, звісно, двомовною та багатоконфесійною. Київ, Одеса, Львів, Харків – це європейські метрополії, які пережили всі катастрофи ХХ століття, спочатку сталінізм, а потім  німецьку окупацію. Тепер війна і терор повернулися в Україну.
Незважаючи на цензуру та пропаганду, правда про цю війну дійде і до Росії. Зображення вибухів у центрі Харкова, клубів диму над житловими кварталами Києва, загиблих і мільйонів людей, які тікають від насильства.
У Варшаві, Парижі, Сараєво чи Берліні: ми не повинні мовчати. Ми повинні підтримати словом і ділом тих, на кого нападають. Війна йде   лише за це дві години перельоту з Берліна. Ми повинні назвати винних у цих військових злочинах. Ми не повинні відмовляти в нашій допомозі тим, хто тікає від насильства та війни. Ми, люди з усіх верств суспільства, старі люди, які ще пам’ятають світову війну, і молоді люди, які можуть сподіватися, що вони уникнуть війни.
Давайте продемонструємо наше співчуття та солідарність з народом України. Прислухайтеся до їхніх голосів і передайте словами те, що ми відчуваємо у цей момент. Давайте спілкуватися один з одним через кордони: онлайн чи офлайн, за допомогою слів і музики, на відкритому просторі, в центрі Берліна. У боротьбі за вашу і за нашу свободу!Карл Шльогель, Герд Кьенен, Клаус Леггеві, Катаріна Раабе, Манфред Саппер, Ульріх Шрайбер, Вольфганг Клоц.

За вашу і за нашу свободу!
For your and for our freedom!

Voices on the War in Ukraine – live

Sunday, 6 March 2022
2:00 p.m. to 5:00 p.m.
Bebelplatz, Berlin

We cannot wait any longer. Since the early morning of 24 February 2022, Putin has been waging war against the independent country of Ukraine and its people. Soldiers and tanks are invading the country. Putin targets cities with missiles and bombs. The stages of his warfare are known from history: siege, destruction, annihilation. We know them from Grozny and Aleppo.
Putin’s attack on Ukraine is the attack on a country that is historically, linguistically, and culturally a Europe in miniature. Naturally, it is bilingual and multi-confessional. Kiev, Odessa, Lviv, and Kharkiv are European metropolises that have survived all the catastrophes of the 20th century, first that of Stalinism, then that of German rule. Now war and terror have returned to Ukraine. Despite censorship and propaganda, the truth about this war will also reach Russia. The images of the bombings in the center of Kharkiv, of the clouds of smoke over the residential districts of Kiev, of the dead and of the millions on the run.
Be it in Warsaw, Paris, Sarajevo or Berlin: we must not remain silent. We must stand by the attacked in words and deeds. It is a war, two hours’ flight from Berlin. We must name the perpetrators of war crimes. We must not refuse our help to those fleeing violence and war. And when we feel powerless and speechless, we must listen to the voices of others.

Let us demonstrate our sympathy and solidarity with the people of Ukraine. Let us listen to their voices. Let us put into words what we feel in the moment of need and connect with each other across borders: analog and digital, with words and music, in the open space, in the center of Berlin.

In the fight for your freedom and for ours!
За вашу и нашу свободу!
Голоса о войне в Украине — live

Воскресенье, 6 марта 2022 года
с 13:00 до 17:00
Бебельплац, Берлин

Мы не можем больше ждать. С раннего утра 24 февраля 2022 года Путин ведет войну против независимой Украины и ее народа. Солдаты и танки продвигаются вглубь страны. Путин обстреливает города ракетами и бомбами. Этапы его военных действий известны: oсада, разрушение, уничтожение. Мы знаем их по Грозному и Алеппо.
Нападение Путина на Украину – это нападение на страну, которая исторически, лингвистически, культурно представляет собой Европу в миниатюре. Само собой разумеется, – двуязычную и мультиконфессиональную. Киев, Одесса, Львов, Харьков – европейские метрополии, которые пережили все катастрофы 20-го века: сначала сталинизм, затем немецко-фашистское господство. Теперь война и террор вернулись в Украину.

Правда об этой войне дойдет и до России несмотря на цензуру и пропаганду. Кадры взрывов в центре Харькова, клубы дыма над жилыми кварталами Киева, погибшие и миллионы бегущих.Будь то Варшава, Париж, Сараево или Берлин: мы не должны молчать. Мы должны поддержать подвергшихся агрессии словами и делами. Это не война где-то далеко, а на расстоянии двух часов полета от Берлина. Мы должны назвать виновных в военных преступлениях. Мы не не имеем права отказывать в помощи тем, кто спасается от насилия и войны. И когда мы чувствуем себя бессильными и безмолвными, мы должны прислушаться к голосам других.

Давайте же продемонстрируем нашу симпатию и солидарность с народом Украины. Давайте прислушаемся к его голосу. Давайте выразим словами то, что мы чувствуем в трудную минуту, и соединимся друг с другом через границы: аналоговые и цифровые, с помощью слов и музыки, на открытом пространстве, в центре Берлина.

В борьбе за вашу и нашу свободу!
internationales literaturfestival berlin
Chausseestr. 5
10115 Berlin
Tel. +49 (0) 30 – 27 87 86 65
Fax +49 (0) 30 – 27 87 86 85
bauer.eli@web.de
22. internationales literaturfestival berlin | 7.–17. September 2022
#ilb22 #ilb
www.literaturfestival.com
www.litfestodessa.com
www.worldwide-reading.com

       
***
Und hier noch ein link zu einem Interview von Arkadiusz Łuba mit dem ukrainischen Schriftsteller Juri Andruchowytsch: Andruchowytsch: “Die EU wird von Putin sowieso angegriffen” – Deutsche Redaktion – polskieradio.pl

Errare humanum est…

Michał Talma-Sutt

…oder Stalins posthumes Kichern und der Kaiser ist nackt

English: https://www.linkedin.com/pulse/errare-humanum-est-michal-talma-sutt/

Polski: https://www.linkedin.com/pulse/errare-humanum-est-michal-talma-sutt-1f/

Und bald sogar blank. Die im Laufe der Jahre angehäuften Devisenreserven (etwa 640 Milliarden Dollar) könnten schneller verpuffen als gedacht, nachdem die Sanktionen des Westens auch auf die russische Zentralbank ausgedehnt wurden. Schneller sogar als der Morgennebel, von dem Putin in seiner ersten Ansprache an die Nation am 21.02.2022 so poetisch sprach, als er die führende Rolle der Kommunistischen Partei in der zusammenbrechenden UdSSR spurlos verschwinden sah.

Die beiden Reden Putins finden Sie hier. Die erste, nach der Russland die Unabhängigkeit der beiden sogenannten Volksrepubliken in Donbass anerkannte, und die zweite vom 24.02.2021, nach der die Welt, die wir bisher kannten, aufhörte zu existieren. Denn obwohl sie im Großen und Ganzen eine Ansammlung von Unsinn, Lügen und Manipulationen sind, haben sie doch eine historische Bedeutung bekommen. Das ist eine Sache, die Putin gelungen ist: Er schreibt Geschichte. Unrühmlich, aber immerhin.

Allerdings sind ihm viele Dinge nicht gelungen. Oder doch, aber im Gegenteil, je nachdem, von welcher Seite man es betrachtet. Nun, errare humanum est, et Putin erravisse, wie es scheint.

Erstens hat er scheinbar die Schriften von Sun Tzu (544 v. Chr. – 469 v. Chr.), dem legendären chinesischen General und Denker, über die Kunst des Krieges nicht sorgfältig gelesen. “Wenn es in einer Armee Unordnung gibt und kein Vertrauen zwischen Offizieren und Soldaten in ihren Reihen, werden die Führer der Nachbarländer erfolgreich sein.” “Wenn man weder mit der Stärke des Gegners rechnet noch seine eigene Stärke kennt, kann man sich der Niederlage sicher sein.” Für diejenigen, die die Berichte über die Kämpfe in der Ukraine verfolgt haben, mögen die beiden obigen Zitate irgendwie passend klingen, vielleicht sogar prophetisch, hoffentlich.

Seit einigen Tagen liest und hört man von einer mehrere Kilometer langen Kolonne von Kampf- und Transportfahrzeugen der russischen Armee in der Nähe von Kiew. Wie jemand zu Recht schrieb, entpuppt sie sich einfach als ein gigantischer Stau (und aus strategischer Sicht als ein nicht sehr mobiles Ziel). Sun Tzu sagte, es sei gefährlich, lange an einem Ort zu bleiben. Die letzten drei der fünf Umstände, die seiner Meinung nach für den Sieg wichtig sind, lauten:

“Derjenige wird gewinnen, dessen Soldaten durch den Willen zum Sieg geeint sind.”

“Derjenige wird gewinnen, der besonnen ist.”

“Derjenige, dessen Generäle vorbereitet sind, wird gewinnen.”

Heute, und während ich diese Zeilen schreibe, geht der siebte Tag des Krieges langsam vorüber, kann man sagen, dass diese Umstände für die Erben der Roten Armee nicht gerade günstig sind.

Man kann nur “Slava Ukraini” hinzufügen. Ohne jedoch einen Moment zu vergessen, dass dieser Krieg, der Putins Krieg ist, eine große Tragödie bleibt, für unzählige Menschen, für die Familien, die ihre Angehörigen, Eltern, Kinder, Geschwister verlieren.

“Ich will nicht, dass sie mich umbringen, ich will nur, dass es schnell vorbei ist” – das Bild eines weinenden Mädchens, 8 oder 9 Jahre alt, das in einem Keller sitzt, bleibt im Gedächtnis haften. Solche und andere Bilder, und leider wird es wahrscheinlich noch viel mehr geben, sollten wir versuchen, massenhaft in das kontrollierte Internet in Russland zu schmuggeln.

Appellieren wir an das russische Volk: Wollt ihr euch wirklich mit dieser Regierung identifizieren? Wenn Sie die Ukrainer als Ihre brüderliche Nation betrachten, und ich glaube, die meisten von Ihnen denken so, wie können Sie dann akzeptieren, was geschieht? Überwinden Sie Ihre Angst, gehen Sie auf die Straße, protestieren Sie gegen diesen Krieg!!!

Putin lügt Euch an, dies ist keine friedliche Militäroperation!

Es stimmt nicht, dass in der Ukraine eine Nazi-Junta herrscht. Er ist selbst ein nationalistischer Faschist. Putin ist derjenige, der Euch, liebe Russen, als Geiseln genommen hat. Er ist der Diktator, lasst ihn nicht machen, was er macht, es ist Zeit “Putin Niet!” zu sagen. Nur ihr allein könnt ihn aufhalten!

Hätte die Tragödie, die sich jetzt in der Ukraine abspielt, verhindert werden können? Wäre es möglich gewesen, Putin früher zu stoppen, sodass er es gar nicht erst wagen würde, ein anderes Land in Europa anzugreifen? Und das nicht zum ersten Mal, aber nie in diesem Ausmaß. Soweit ich weiß, gehört Georgien eher zu Europa als zu Asien, und die Krim ist offiziell immer noch ukrainisches Gebiet.

Natürlich war es möglich. Garri Kasparow, der Schachgroßmeister und übrigens Putins Gegenkandidat bei den Präsidentschaftswahlen 2008, warnte schon vor 7 Jahren in seinem Buch “Warum wir Putin stoppen müssen” vor dem, was heute passieren würde. Aber so wie Putin Sun Tzu nicht gelesen hat (oder er hat gelesen, nun wahrscheinlich nicht verstanden, wenn doch, dann verkehrt herum), haben die westlichen Politiker Kasparow offenbar gar nicht gelesen.

Aber heute möchte ich nicht über Fragen wie “was wäre, wenn?” diskutieren. Ob es möglich gewesen wäre, oder noch besser, wie es möglich gewesen wäre, hat kürzlich in einem hervorragenden und sehr bitteren Artikel Mykola Rjabtschuk, ukrainischer Politikwissenschaftler, Schriftsteller und Journalist, teilweise beantwortet.

Für solche was-wenn Gedanken ist es jedoch zu spät, denn wie ich bereits erwähnt habe, hat die Welt, wie wir sie kannten, am 24.02.2022 aufgehört zu existieren, auch wenn sich vielleicht nicht jeder dessen bewusst ist. Natürlich nicht im physischen Sinne, obwohl nahezu offene Drohungen und das Schwenken nuklearer Säbel (wie war das mit den Säbeln, Herr Schröder? Behaupten Sie immer noch, dass es die Ukrainer sind, die sie schwenken?) können solche Ängste hervorrufen, durchaus. Vor dem russischen Einmarsch in der Ukraine zeigte die Weltuntergangsuhr 100 Sekunden vor 12 Uhr, und ich fürchte, der Zeiger könnte jetzt noch näher an 12 heranrücken.

Aber keine Panik, das ist nicht meine Absicht, auch wenn Putin das sicher gerne hätte. Umso mehr sollten wir nicht darauf hereinfallen. Außerdem glaube ich nicht, dass die Prozeduren für einen nuklearen Angriff in Russland auf so etwas wie einen elektronischen Autoschlüssel hinauslaufen würden, den Putin für den Fall der Fälle immer in seiner Hosentasche hat. Aber lass uns diese Weltuntergangthematik beenden. Wenn wir nicht mehr sagen sollen, dass die Welt, wie wir sie kannten, aufgehört hat zu existieren, dann hat sie sich zumindest auf den Kopf gestellt, oder sagen wir, plötzlich um 180 Grad gedreht.

Das ist genau das Ding, das Putin gelungen bzw. nicht gelungen ist, je nachdem, wie man es sieht. Exakt, beim politischen Pokerspiel hat er sich schlicht selbst überboten. Aber machen wir uns keine Illusionen. Wäre dies eine Szene aus einem klassischen Western, wäre er der Typ, der erst alle Mitspieler und dann den Barkeeper erschießt, und dann die Bar verlässt. In der nächsten Einstellung sehen wir ein Fahndungsplakat mit seinem Gesicht. Angeblich wird in Den Haag bereits ein solches Plakat vorbereitet.

Mal abgesehen davon, dass Putin zu hören ungefähr so ist, als würde man Hitlers Reden mit einer Zeitmaschine live hören. In der Tat kann man, wenn man sucht, viele Ähnlichkeiten in der Rhetorik finden. Es ist schockierend und archaisch, was er da redet; in den Zwanziger des 21. Jahrhunderts, hundert Jahre nach dem Beginn der politischen Karriere des Nazi-Diktators.

Putins Geschwafel, sein Revisionismus, seine Verzerrung und Mythologisierung der Geschichte sind wirklich bizarr. Putin sieht das moderne Russland als Erbe der UdSSR und sogar des Zarenreichs. Das ist so, als würde Bundeskanzler Scholz heute verkünden, Deutschland eine Fortsetzung des Dritten Reiches sei und Österreich die Schaffung eines gemeinsamen Staates vorschlagen. Russland kann jedoch kaum mit einem Bearbock-Lawrow-Pakt rechnen. Aber wenn man dieser Logik folgt, was für eine Chance für Berlusconi, in die Politik zurückzukehren. Man muss nur erklären, dass Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Ägypten und die Türkei zu Italien gehören, als dem historischen Erben des Römischen Reiches, natürlich mit ihm als Kaiser. Aber was ist mit den Griechen? Nun, sie können zumindest verlangen, dass alle Olympischen Spiele von nun an immer in Athen stattfinden müssen. Erdogan wird sich auf die bulgarischen und rumänischen Territorien stürzen. Johnson wird Indien eine Rückkehr zum Vereinigten Königreich Großbritannien anbieten. Außerdem ist es vielleicht eine echt gute Idee, den Chinesen Afrika abzujagen?

In Putins Stimme klingen übrigens die quasi philosophischen Träumereien von Alexander Dugin an, welcher etwas wie der Rasputin des Kremls ist. Er wünscht sich eine polyzentrische Welt, nicht eine monozentrische. Er meint, dies sei nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geschehen. In einem Interview für Xportal TV, einem polnischen Portal, das aus seinen neofaschistischen Sympathien keinen Hehl macht, kann man das hören. Herr Dugin, es war genau ein solches polyzentrisches System, das zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte. Dieser wiederum führte zum Zweiter Weltkrieg, aus welchem ein bipolares System der Kräfte resultierte: kapitalistischer und demokratischer Westen – kommunistischer Osten. Natürlich mag der Zusammenbruch des kommunistischen Blocks den Eindruck erweckt haben, dass eine monozentrische Welt entstanden ist. Vorausgesetzt, man erkennt die EU als einen Vasallenstaat der USA an, was natürlich Unsinn ist. Und man vergisst China.

Was können wir in Putins Reden noch hören? Zunächst einmal fragen wir uns irgendwann: Über welches verdammte Land spricht er? Vor allem, wenn wir Tiraden über Korruption, das Fehlen unabhängiger Gerichte, die Verfolgung von Presse und politischen Gegnern oder über die Diskriminierung der eigenen Bevölkerung, über die Oligarchen, die den Staat bestehlen, hören. Zweifellos handelt es sich dabei um Geschichten über ein Land, das Putin in- und auswendig kennt. Nämlich sein eigenes.

Auch Stalin taucht auf. Putin beklagt nicht, wie viel Elend dieser Tyrann nicht nur über das ukrainische Volk, sondern vor allem über die Russen selbst gebracht hat. Nein, Putin hegt einen Groll gegen Stalin. Darüber, dass er es versäumt hat, seinen Regierungsstil zu formalisieren, die Verfassung nicht geändert und damit die völlig zentralistische Herrschaft der einheitlichen (und somit unteilbaren) UdSSR in ihrer damaligen Form sanktioniert hat. Putin sagte, dies sei ein riesiger Fehler, vielmehr ein gigantischer Fehler. Ein unverzeihlicher Fehler. Niemand habe in Russland an die Zukunft gedacht, beklagt Putin, wie immer, fügt er bitter hinzu. Das ist ihre Schuld. Hätten Stalin oder seine Nachfolger das offiziell in Gesetzen, in der Verfassung und in verschiedenen Paragrafen niedergeschrieben, hätten wir kein Problem gehabt. Keine Ukrainer, Weißrussen oder Georgier hätten unsere historischen Territorien verlassen. Sie hätten kein Recht, dies zu tun.

Natürlich können die baltischen Staaten sehr berechtigte Sorgen haben; auch sie waren Sowjetrepubliken.

Der Tag, an dem Sie diesen Artikel lesen, ist der 69. Todestag Stalins, der aus dem Grabe heraus kichert. Es ist auch der 10. Tag des Putin-Krieges. Natürlich müssen wir hoffen, dass Stalins Kichern am 70. Jahrestag nicht in ein lautes Lachen übergeht.

Aber eines ist sicher: Putin hat einen Fehler gemacht, und zwar einen sehr großen. Er hat sich völlig verrechnet.

So entpuppt sich Wolodymyr Zelenski als hervorragender Politiker und Putin als schlechter Schauspieler. Der heldenhafte Präsident der Ukraine erhält weltweite Unterstützung und wird zu einem echten Staatsmann, während niemand Putin glaubt. Niemand, außer natürlich die Russen, die von der Propaganda verdummt wurden und von denen wir hoffen, dass es in Zukunft immer weniger gibt.

Schließlich reicht es aus, sich ein Foto von Zelenski mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern anzusehen. Lächelnd, glücklich, eine ganz normale Familie. Und jetzt rufen wir uns all die Bilder von Putin in Erinnerung: mit nacktem Oberkörper, auf einem Pferd, mit einer Schrotflinte, als Judo-Meister, als Eishockeyspieler, kurz gesagt, als starker Mann, als Macho ganz sicher. Wen mögen Sie mehr?

Und woanders? Die polnische Regierung liebt plötzlich die Flüchtlinge, obwohl es vor nicht allzu langer Zeit an der Grenze zu Belarus noch ganz anders aussah. Ja, aber das sind jetzt keine dreckigen Araber. Natürlich ist die Unterstützung für Frauen und Kinder (die Männer kehren zurück, um zu kämpfen) aus der Ukraine groß und aufrichtig. Die Polen verstehen sehr gut, wie sich die Ukrainer fühlen müssen.

In Deutschland sagte Bundeskanzler Scholz noch kürzlich, Nord Stream 2 sei ein rein privatwirtschaftliches Projekt. Es stellt sich heraus, dass dies nicht der Fall ist, und es kann gut sein, dass er bald sagen wird, dass Nord Stream 1 ebenfalls stillgelegt wird. Außerdem wird Deutschland doch 2 % für die Verteidigung ausgeben, sogar einen Sonderfonds von 100 Milliarden für die Armee geschaffen. Sie haben jetzt nicht nur die Granaten in die Helme für die Ukrainer gepackt, sondern auch noch moderne tragbare Stinger-Systeme dazu geschickt. Mit anderen Worten: ein völliger Bruch mit dem Prinzip, keine Waffen in die Kriegsgebiete zu schicken. Der deutsche Finanzminister und Vorsitzende der FDP, einer Partei, die immerhin neoliberalen Ideen huldigt, sagt, dies sei nicht die Zeit für business as usual. Der ehemalige Grünen-Chef, Minister und Vizekanzler Robert Habeck sagt, dass wir die Kohle länger nutzen müssen. Und Annalena Baerbock wird plötzlich von allen geliebt, obwohl ihr viele noch vor Kurzem jede Kompetenz als Außenministerin abgesprochen haben.

Ja, die Welt steht auf dem Kopf. Aber es gibt auch Hoffnung. Natürlich ist Putin nicht ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Er kann noch viel Böses schaffen. Aber seine Fehleinschätzung könnte sich letztlich für die Welt zum Guten wenden. Wäre die Welt ohne Putin nicht ein besserer und vor allem sicherer Ort? Diese Frage sollte jeder für sich selbst beantworten.

Genauso wie die Russen selbst Putin loswerden müssen, das kann niemand für sie tun. 141 der 181 Staaten in der UN-Vollversammlung haben für die Resolution zur Verurteilung der russischen Aggression gestimmt, während es nur 5 Gegenstimmen und 35 Stimmenthaltungen gab. Vielleicht wird ihnen dadurch klar, dass an Putins Aussage, das Recht und die Wahrheit seien auf der Seite Russlands, etwas nicht stimmt. Und wenn das der Fall sein sollte, warum werden dann russische Sportler von fast allen Wettbewerben ausgeschlossen?

Ikea hat jüngst die Schließung aller seiner Einkaufszentren in Russland angekündigt, und die Liste der Firmen, Banken und Unternehmen, die Russland verlassen, wird immer länger. Bald werden die Russen also keine Ikea-Möbel, Klamotten von HM, iPhones, MacBooks, westliche Autos und die Motorradgang der Nachtwölfe keine Harleys mehr kaufen können. Dann bleibt ihnen nur noch der Wodka zu trinken, den sie in Hülle und Fülle haben werden, weil der Westen nicht mehr davon importieren will. Aber das sollte natürlich nicht ihre Hauptmotivation sein, mit Putins verbrecherischem Regime zu brechen. Die Popularität des russischen Diktators wird dadurch jedoch sicherlich nicht steigen, besonders bei den jüngeren Generationen, und wer weiß, ob nicht auch bei den Nachtwölfen, denn für sie ist ein Mann ohne Harley wie ein Kerl ohne Eiern.

Putin selbst hat eine rote Linie überschritten, eine Linie, an der es kein Zurück mehr gibt, absolut kein. Er hat sich in die Reihe der unrühmlichen Figuren der Geschichte eingeordnet. Für Russland wird es keine Rückkehr zum System Putin geben. Das gilt auch für alle Akteure in diesem Regime, wie Lawrow und andere. Je eher die Russen das begreifen, desto besser für ihr Land. Sie haben aber einen Politiker, der Russland in ein modernes und angesehenes Land verwandeln könnte, das für die Welt wichtig ist, mit einer fantastischen Kultur, voller Farben. Sein Name ist Navalny, und er sitzt im Gefängnis. Aber wissen Sie was? Mandela saß auch im Gefängnis.

Berlin, 2-4.03.2022

Haiku w Berlinie

Joasia Rubinroth (+ Eva Strasser, Tania Krüger)

Heute ist der merkwürdigste Tag in unserem Jahrhundert: 22.02.2022. Nur ein Punkt stört die (nie erreichbare) vollkommene Symetrie dieses Datums.

Foto Tanja Krüger
Foto aus dem Netz
Haiku von Eva Strasser
Haiku und Foto von Tanja Krüger

Wyjaśnienia dla polskich Czytelników:

Drzewa

Bardzo niepokojące w tych wichurach, które latają przez miasto przez zmiany klimatyczne, jest to, że już coraz mniej bywa Złotej Jesieni ze złotymi i czerwonymi liściami na drzewach, ponieważ jak tylko te liście kolorowieją, to robią się słabsze i wichury je zganiają i łamią duże gałęzie drzew, więc miasto wizualnie robi się coraz bardziej nieprzyjemne i niepokojące z takimi sterczącymi drzewo-badylami.

Pod mostem

Rosjanie tu i Rosjanie tam – to most przy Stuttgart Platz, pod którym mieszkają polscy i rosyjscy bezdomni, a za mostem jest sklep rosyjski otwarty 24 godziny na dobę, gdzie o 2:00 w nocy alfonsi rosyjscy z portfelami napchanymi banknotami po 500 € kupują kawior.

Noce między świętami a dniem Trzech Króli

Naprawdę można się zmartwić, gdy jedna Babcia mówi, że w żadnym razie nie wolno prać między rokiem i rokiem, w te specjalne dni, bo przecież złe duchy mogą się w praniu zawieruszyć i na pewno ktoś umrze, a druga babcia mówił, że w żadnym razie nie wolno iść w Nowy Rok z brudnym praniem. Życie jest po prostu niesprawiedliwe i czasami jesteśmy po jednej, czasami po drugiej stronie.

Basen na zewnątrz

Basen znajduje się na wyspie Hermanswerder w hotelu. W hotelu niby było fajnie, ale jednak koleżanka miała dziwne uczucie. Takie samo, jakie miała, kiedy się uczyła na Uniwersytecie, a potem się okazało, że właśnie pod tym budynkiem, w którym się uczyła i studiowała, znaleziono szkielety tych, na których eksperymentował doktor Mengele (jak jeszcze żyły).

Krogulec

Joasia: To się Tani zdarzyło kilka dni temu!!!!
Ewa: O matko. No, ale krogulec też musi coś jeść.
Joasia: No tak, bo w Rewe nikt mu nic nie sprzeda bez pieniędzy.
Ewa: Ale nawet za pieniądze musiałby kupić mięso, czyli niewidoczną dla kupującego krew. Bo to zapach krwi sprawia, że również my, ludzie tak lubimy jeść mięso. Nie kolor krwi, nie smak – zapach krwi.
Joasia: Na pewno kiedyś będzie dział z żywnością dla krogulców i dla wampirów, gdzie będą mogły kupić mięso z krwią i krew.
Ewa: Sztuczną krew, jak w tym filmie z Tildą Swinton, Only Lovers Left Alive.

Schwesterschaftsvertrag * Traktat o siostrzeństwie

(Wersja polska poniżej)

Botschaft der Polinnen*

Ein Vertrag über gute Schwesternschaft und feministische Zusammenarbeit

Februar 2022

Nicht nur in Polen, sondern auch in anderen Ländern Europas und der Welt werden patriarchalisch-nationalistische und konservative Bewegungen, die sich zu einem aggressiven Kampf für traditionelle Werte zusammenschließen, immer stärker. Diese Organisationen, Gruppen und Parteien gewinnen immer mehr Macht, indem sie versuchen, Regierungen und Gesellschaften ihre fanatischen Visionen aufzuzwingen und die Rechte von Frauen*, LGBT+ Personen und andere Minderheiten einzuschränken.

In den wirtschaftlichen, politischen und bewaffneten Konflikten der Welt werden die Entscheidungen – ohne Rücksprache mit anderen – meist von weißen, alten Männern getroffen. Sie sind die Spieler, und die Körper der Frauen* sind der Ball in ihren Spielen. Frauen und Kinder, die LGBT+ Gemeinschaft und Minderheiten, die mit den Folgen leben müssen, sind Opfer von bewaffneten Konflikten, der Politik des Kapitalismus und des globalen Marktes, und es liegt an ihnen, die Stabilität zu erhalten und wiederherzustellen. 

Misogynie, Chauvinismus und Rassismus sowie Nationalismus und religiöser Fanatismus gewinnen auf den Straßen, in den Ämtern und Regierungen immer mehr an Bedeutung. Systemische Gewalt, Hassreden in den Medien und zunehmende Gewalt im Alltag sind das Ergebnis der Übernahme virtueller und realer Räume durch Fanatiker. Die Polarisierung der Gesellschaften in Bezug auf politische Meinungen und Weltanschauungen ist überall auf der Welt zu beobachten und nimmt von Jahr zu Jahr zu. 

Damit sind wir nicht einverstanden! Wir kämpfen für die Freiheit und die Rechte von Frauen*, für die Rechte von LGBT+ und für die Menschenrechte, unabhängig von Wohnort und Nationalität. So wie internationale rechte und nationalistische Bewegungen zusammenarbeiten, fordern wir eine feministische Zusammenarbeit über Grenzen hinweg! Solidarität ist unsere Waffe! 

Wir organisieren uns im Ausland und unterstützen uns gegenseitig in unseren Kämpfen. Wir handeln lokal und denken global, gleichzeitig handeln wir global und denken lokal, weil wir wissen, dass wir nur gemeinsam eine Welt schaffen können, die auf den Werten beruht, die uns wichtig sind – Gerechtigkeit, Freiheit, Respekt, Fürsorge und Liebe; nur gemeinsam können wir religiöse Fanatiker und den gierigen Kapitalismus besiegen. Fanatismus vernichtet, Feminismus erschafft. 

Wenn die europäische Gemeinschaft in der Krise steckt, wenn die Regierungschefs keine Gemeinsamkeiten finden oder sich politisch korrekt geben, wenn antideutsche Vorurteile in Polen auf dem Vormarsch sind, wenn die gemeinsame Geschichte nicht aufgearbeitet wird und ein ernsthafter Dialog mit der aktuellen polnischen Regierung schwierig ist, dann gibt es umso mehr Grund für eine deutsch-polnische Freundschaft auf gesellschaftlicher Ebene, die von unten nach oben verläuft. 

Vor 31 Jahren unterzeichnete Polen den Grenzvertrag und den Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem vereinten Deutschland, die am 16.1.1992 ratifiziert wurden. Heute stehen wir, die deutschen und polnischen Schwestern*, über Grenzen hinweg zusammen, unterstützen uns gegenseitig und kämpfen gemeinsam für die Freiheit von Rassismus, Nationalismus, Fanatismus und Frauenfeindlichkeit. Gemeinsam kümmern wir uns um eine gute Schwesternschaft und unsere feministische Zusammenarbeit ist das, was die Flut der braunen Ideologie in der Region stoppen kann. 

Dziewuchy Berlin

* Wenn wir Frauen* schreiben, meinen wir FLINTA. 

***

Botschaft der Polinnen* 

Traktat o dobrym siostrzeństwie i feministycznej współpracy

Luty 2022

Nie tylko w Polsce, ale i w innych krajach Europy i na świecie, patriarchalne ruchy nacjonalistyczne i konserwatywne rosną w siłę, łącząc się we wspólnej agresywnej walce o tradycyjne wartości. Te organizacje, grupy i partie zdobywają coraz więcej władzy próbując narzucić swoje fanatyczne wizje rządom i społeczeństwom, ograniczając prawa kobiet*, osobom ze społeczności LGBT+ i mniejszościom.

W konfliktach ekonomicznych, politycznych i zbrojnych na świecie, decyzje – bez konsultacji z innymi – podejmują najczęściej biali, starzy mężczyźni. To gracze, a ciała kobiet* są piłką w ich rozgrywkach. Ofiarę konfliktów zbrojnych, polityki kapitalizmu i globalnego rynku ponoszą kobiety i dzieci, społeczność LGBT+ i mniejszości, które żyją z konsekwencjami i na nich spoczywa ciężar utrzymywania i przywracania stabilności. 

Mizoginizm, szowinizm i rasizm a także nacjonalizm i fanatyzm religijny zdobywają coraz więcej przestrzeni na ulicach, w urzędach czy rządach. Przemoc systemowa, język nienawiści w mediach oraz coraz większa przemoc w życiu codziennym są rezultatem przejęcia przestrzeni wirtualnej i realnej przez fanatyków. Polaryzacja społeczeństw pod względem opinii politycznych i światopoglądu widoczna jest na całym świecie i z roku na rok się pogłębia. 

Nie zgadzamy się na to! Walczymy o wolność i prawa kobiet, prawa LGBT+, prawa człowieka, niezależnie od miejsca zamieszkania czy narodowości. Tak jak międzynarodowe ruchy prawicowe i nacjonalistyczne współpracują ze sobą, tak i my nawołujemy do współpracy feministycznej ponad granicami! Solidarność jest naszą bronią! 

Organizujemy się za granicą i wspieramy się w naszych zmaganiach. Działamy lokalnie i myślimy globalnie, jak również działamy globalnie i myślimy lokalnie, ponieważ wiemy, że tylko razem możemy współtworzyć świat oparty na wartościach dla nas istotnych – sprawiedliwości, wolności, szacunku, trosce i miłości; tylko razem możemy pokonać fanatyków religijnych i chciwy kapitalizm. Fanatyzm niszczy, feminizm buduje. 

Kiedy wspólnota Europejska znajduje się w kryzysie, przywódczynie i przywódcy rządów nie potrafią znaleźć wspólnego języka lub udają polityczną poprawność, kiedy w Polsce wzrastają antyniemieckie uprzedzenia, wspólna historia nie jest przepracowana a poważny dialog z obecnym polskim rządem jest utrudniony, tym bardziej potrzebna jest obustronna oddolna przyjaźń polsko-niemiecka na poziomie społeczeństw. 

Trzydzieści jeden lat temu Polska podpisała ze zjednoczonymi Niemcami Traktat Graniczny i ​​Traktat o dobrym sąsiedztwie i przyjaznej współpracy, które ratyfikowane były 16.1.1992. Dziś my – siostry z Polski i Niemiec – stajemy solidarnie ponad granicami, wzajemnie się wspieramy i wspólnie walczymy o wolność od rasizmu, nacjonalizmu, fanatyzmu i mizoginii! Wspólnie dbamy o dobre siostrzeństwo a nasza feministyczna współpraca jest tym, co może powstrzymać zalew brunatnej ideologii w regionie. 

Dziewuchy Berlin

* pisząc w rodzaju żeńskim mamy na myśli osoby utożsamiające się, lub które czytane są jako kobiety, czyli m.in. kobiety, kobiety homoseksualne, osoby intern, nie-binarne i trans*. 

Dziewuchy Berlin 

— 

Feminizm ponad granicami! Feminism beyond borders! 

Polsko-niemieckie siostrzeństwo! 

Polish-German Sisterhood! 

Polnisch-deutsche Schwesternschaft 

#PatriarchatMusiUpaść #PatriarchyMustFall #PatriarchatMussFallen

#FeminizmPonadGranicami #FeminismBeyondBorders

#SolidarnośćKobiet #FeministSolidarity

#PolskoNiemieckieSiostrzeństwo #PolishGermanSisterhood #PolnischDeutscheSchwesternschaft 

Der süsse Donnerstag

Joasia Rubinroth

DER SÜSSE DONNERSTAG

SWEET THURSDAY

SŁODKI CZWARTEK

Bevor es in die Askese geht, schnell noch ein Lobgesang auf den Zucker!

ZUCKER IST etwas göttliches, Zucker ist etwas tröstliches, Zucker ist ein Sehnsuchtsort, Zucker bedeutet Wärme, Vertrauen, Geborgenheit, geradezu Glück. Der lang ersehnte Lolli, der rosa Kaugummi, die Schokolade die Tränen trocknet.

Marcel Proust, der sein ganzes Leben lang auf der Suche nach dem Geschmack der Madelaine war. Ein Geschmack aus der Kindheit, der wir unser Leben lang nachjagen.

Manche behaupten, jeder Mensch suche sein Leben lang seine eigene private Madelaine…

Angeblich kommen in der Bibel und im Koran kein Zucker vor. Der indische Gott Krishna hingegen ist vernarrt in die Süßigkeit Laddu, süss, buttrig, mit dem exotischen Geschmack von Kardamon:

(c) public domain

Wie unterschiedlich fällt der Vergleich des sinnlichen Happy Buddha der mit seinem dicken Bauch aussieht, als würde er von morgens bis abends kichernd süß, sweet und umami in sich reinstopfen, gegen den armen ausgemergelten Jesus aus…

Zucker bedeutet das Gegenteil von bitter, also von giftig, Zucker bedeutet Vertrauen. Das Gehirn hat die Erfahrung aus der Steinzeit noch gespeichert. Fruchtwasser und Muttermilch schmecken süß.

Mit Zucker verbinden wir Lob, Belohnung, Geselligkeit. Ein Geburtstag ohne Torte? Ein Namenstag? Eine Hochzeit? Weihnachten ohne Zimtstern und Ostern ohne Mazurki und Zuckerlamm?

In Zucker eingelegt wurden die ersten exotischen Obstsorten nach Europa gebracht und 1412 hat ein Kalif eine Moschee aus Zucker bauen lassen, die die Bettler verspeisen durften.

Und des Zuckers Formel, die chemische Formel von Saccharose, diese zwei sich an den Händchen lieblich haltenden Kügelchen!

Ach, Zucker, wenn er doch nicht diese verfluchte andere, finstere, Seite hätte… die Seite die zerstört, und manche von uns zu willenlosen Zombies verwandelt…

PS.

Vielleicht war Eva auch einfach nur von der Süße der Apfelfrucht angelockt, vielleicht ging es gar nicht um die Erkenntnis…

PPS.

Ein Lied, das mit Zucker lockt, in black & white.

White:

Black:

PPPS a propos black:

Das Gedicht von OGLALA LAKOTA:

“When I’m born I’m black, when I grow up I’m black, when I’m in the sun I’m black, when I’m sick I’m black, when I die I’m black, and you… when you’re born you’re pink, when you grow up you’re white, when you’re cold you’re blue, when you’re sick you’re blue, when you die you’re green and you dare call me colored”

Besser nicht zusehen…

Schrecklich dieser Krieg, es wird keine Sieger geben

Tibor Jagielski, der sich diesen Beitrag ausgedacht hat

Jürgen Kaube (reblog)

Drei Wörter, sagt Filmemacher Raoul Peck in der FAZ, fassen die gesamte Historie der Menschheit zusammen: Zivilisation, Kolonisation und Vernichtung. Kurz danach sagt er, ein einziger Satz fasse die Geschichte der westlichen Welt und des europäische Kontinent zusammen. Er stammt aus Joseph Conrads Herz der Finsternis, wird dort von einem Kolonialverbrecher gesagt und lautet „Rottet die Bestien aus!“
Peck zufolge, gibt es stets die Gewissheit einer überlegenen Rasse, stets wird aus ihr das Recht abgeleitet, die Unterlegenen zu bekriegen, umzusiedeln, zu bestehlen, zu missionieren, zu töten oder sterben zu lassen. In den Spielszenen ist es immer derselbe Schauspieler, der die Grausamkeit repräsentiert, vom Mord an der Seminolen um 1815 über den Oberkongo 1895 bis in die Gegenwart. Einen geschichtlichen Fortschritt weg von diesem so selbstbewussten wie grausamen Rassismus kann der Film nicht finden. Den Abscheu gegenüber dem Schrecklichen behandelt er als Einstellung Weniger, zu denen auch er selbst gehört. Deswegen spricht er wiederholt seine Biographie und seine vorigen Filme an. Sätze wie Die bloße Existenz dieses Films ist ein Wunder, klingen selbstgefällig. Wichtiger aber ist, dass Peck den Eindruck erweckt, wir lebten nach wie vor oder demnächst wieder im neunzehnten Jahrhundert, in der Zeit der totalitärer Massenmorde und einer allgemeinen Überzeugung, es gebe sterbende Nationen, denen man Sterbehilfe leisten dürfe. Einmal stellt er die Frage, was jemals großartig an Amerika gewesen sei. Der Eintritt in den Zweiten Weltkrieg fällt ihm nicht ein.

Ein zum Tode Verurteilter auf dem elektrischen Stuhl des Gefängnisses „Sing Sing“ im Bundesstaat New York

Der Film Rottet die Bestien aus! von Raoul Peck erzählt die Verbrechensgeschichte des Westens. Dabei schert er sich nicht um die Unterschiede zwischen Kolonialismus und Judenvernichtung.

Rottet die Bestien aus! alle vier Teile sind momentan bei Arte zu sehen: https://www.arte.tv/de/videos/RC-022134/rottet-die-bestien-aus/
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Tibor Jagielski sagte dazu noch:
In einem Punkt hat Peck sicherlich recht: Wir funktionieren mental im 19. Jahrhundert, und wenn wir nicht aufpassen, werden wir nach der nuklearen Nacht auf das Niveau der Steinzeit zurückfallen.

Ich erinnerte mich dabei daran, dass ich einmal, 1997, in einem Theater ein Faultier gespielt hatte. Die Role war schrecklich, aber was sollte es, die Bezahlung stimmte und drum ging es… Die ganze Vorstellung über hing ich eigentlich nur an einem Ast, pfiff ab und zu oder kratzte mich unter den Achseln und erst am Ende des dritten, letzten Aktes warf ich mich auf eine Piratin. Ich zertrümmerte ihren Schädel und aß ihr Hirn (es war Vanillepudding mit Erdbeersoße), wobei ich versuchte, nicht zu schmatzen, weil während der Probe einer der Zuschauer in Ohnmacht fiel und die Regisseurin mir verbot, die hochtrabenden Ideen des Stücksschreibers zu expressionistisch zu interpretieren.

Frauenblick: Norblin-Fabrik

Monika Wrzosek-Müller

Neue Räume in Warschau

Eigentlich hatte ich vor, in Warschau lange Spaziergänge zu meinen alten, aber auch den neuen Orten zu unternehmen. Doch die Tage sind zu kurz, auch es ist zu dunkel, das Wetter spielt manchmal völlig verrückt; es gibt Schneegewitter oder Hagelstürme, dann scheint plötzlich die Sonne und mich überfällt eine Lethargie, die ich erst einmal überwinden muss, bevor ich mich überhaupt in Bewegung setzten kann. Sich aus dem geschützten und noch sehr altmodischen Viertel Saska Kępa in die Großstadt zu bewegen, erfordert Mut; hier ist alles klein, bekannt, überschaubar; drei größere, vertikal verlaufende Straßen und etwas mehr horizontale. Natürlich findet man auch hier schöne alte Bauhaus-Häuser, noch nicht herausgeputzt, noch im Urzustand, die mich anlächeln. Manchmal verfehlen die allzu pingeligen Renovierungen ihr Ziel, sie lassen die alte Patina verschwinden, zusammen mit der Schönheit und Einfachheit, zu schade. Doch die große neue Welt befindet sich eindeutig außerhalb von diesem Viertel.

Vor ein paar Tagen habe ich mich dann doch rausgewagt und bin in andere Räume, Stadtteile von Warschau aufgebrochen, eigentlich ganz im Zentrum, wohin ich früher nie vorgedrungen war. Der Raum hinter dem Zentralbahnhof, hinter der Shoppingmall „Złote Tarasy“, voll von richtigen Wolkenkratzern, Hochhäusern und mit ganz breiten geraden Straßen, hat mich erstaunt. Es ist da so viel entstanden, ganz neue Viertel, die für mich eher nach einer Metropole in Amerika aussehen und dem mir unbekannten New York als nach dem mir bekannten Warschau. Umso mehr freute ich mich, als ich die alten, gerade renovierten Gebäude der Norblin-Fabrik von weitem sah. Sie bilden einen schönen Kontrast zu der übrigen Bebauung in der Gegend. Eigentlich müssten wir in Europa doch aufpassen, nicht überall dasselbe zu produzieren und zu reproduzieren, dieselben Glasfassaden mit den schnell sich bewegenden Liften draußen, alles hochmodern und zugleich eher unmenschlich, so dass das individuelle Gesicht einer Stadt völlig verschwindet. Am „Rondo ONZ“ wehte der Wind so stark, dass viele Leute ihre ursprüngliche Route aufgaben und umkehrten; ein Mann im Rollstuhl wäre fast auf die Straße geweht worden, wären da nicht zwei kräftige junge Männer gewesen, die ihm halfen.

Endlich aber war ich doch bei der Norblin-Fabrik, Gebrüder Buch und T. Werner, angelangt und bewunderte erst einmal von außen das sehr schöne Objekt, das sich über mehrere alte Fabrikgebäude erstreckt mit den integrierten Bürotowern dazwischen. Von weiten sieht man schon ein nicht allzu buntes Murale von Pola Dwurnik, das die Fabrik darstellt und im Stil ihres berühmten Vaters, einen Maler, gehalten ist. Die Wahl der Materialien bei der Instandsetzung der Fabrik hat mich begeistert, neben edlen Holzarten gibt es Rosteisen [oxidierten Stahl], schöne Steinfußböden mit eingelassenen alten Schienenresten, die schöne Muster auf dem Boden bilden. Alles ist sehr elegant, präzise und in guter Harmonie zwischen der alten und modernen Struktur eingerichtet. Revitalisiert wurden insgesamt 9 alte Gebäude, die auch Baudenkmäler sind, sowie 50 Maschinen aus dem alten Maschinenpark, die im ganzen Gelände ausgestellt stehen, z.B. eine hydraulische Presse, die 50 Tonnen wiegt. Manche der Maschinenteile wurden ihrer ursprünglichen Funktion enthoben und fungieren z.B. als Untersätze für die Glastische, für die Bänke. Manche von den Gebäuden wurden komplett neu, aber in historischer Gestalt wiederaufgebaut.

Die Geschichte der Familie ist bemerkenswert: der Sohn eines Zeichners und Malers Warschauer Motive, des Franzosen Jean Pierre Norblin de la Gourdine, Aleksander Jan Konstanty Norblin, genannt John, geboren 1777, wurde nach langer Ausbildung in Paris zum Metallgießer (Bronze) nach Warschau angeworben und gründete dort 1820 die Norblin-Fabriken, damals „Warszawska Fabryka Bronzów“ (Warschauer Bronze-Fabriken) genannt. Sie produzierten hauptsächlich künstlerische Objekte in Bronze, z.B. große Leuchter für Kirchen, Epitaphien, auch Büsten. Er arbeitete viel für die Familie Czartoryski, fertigte eine Büste des Fürsten, auch Figuren und Ornamente für die Gräber der ganzen Familie. Erst später begann die Fabrik, auch Alltagsgegenstände wie Besteck etc. herzustellen. Die Fabrik wurde immer größer, fertigte auch die Samoware für russische Adelige; die Nachfrage nach den schönen, edlen Gegenständen stieg ständig, so wundert die Größe des Terrains, das die Fabrik einnahm, nicht. Auf dem Gelände befindet sich jetzt auch ein Museum, das die Firmengeschichte dokumentiert.

Noch sind nicht alle Räume in der Fabrik fertig und belegt, das Gelände wurde erst Ende September 2021 eröffnet; doch jetzt schon kann man sehen, dass es eine gelungene Mischung von Kunst bietet: zwei Galerien, Kultur, ein sehr luxuriöses Kino, „Kinogram“, mit einer noch moderneren Bar, mit mehreren Kinosälen, ein Bereich für eine Bio-Markthalle, „Biobazar“, wo man frische Bioprodukte kaufen und auch essen kann, und ein ganz großer Bereich für eine Food Town mit 23 gastronomischen Konzepten aus Europa, und anderen Teilen der Welt, wo man in geräumigen Fabrikhallen gut essen kann. Hier ist auch eine wunderschöne Piano-Bar untergebracht mit einer Bühne für die live-Musik und Tanzflächen.

Ich schlenderte langsam durch das ganze Gelände, das noch nicht überlaufen ist, und irgendwann gelangte ich in den ersten Stock mit einer wunderschönen Ausstellung in geräumigen, sehr gut designten Vitrinen, die aus den alten historischen Wagen der Fabrik gefertigt sind: die ganze Produktion der Fabrik von silbernen und versilberten Objekten; wir sehen Vasen, Platten, Besteck, Kelche, Kannen, Unterteller, Silberringe, Zuckerdosen, überhaupt Dosen etc… Großer Beliebtheit erfreuten sich kleine Tischbürsten mit ebenso kleinen, schön verzierten Schaufelchen. Ich erinnere mich an die alten, halb „aufgegessenen“ Löffel, die meine Oma in ihrer winzigen Wohnung in Mokotów noch benutzte und die sie über die Verbannung nach Kasachstan bewahrt und dann mit zurückgebracht hatte. Mit den Löffeln konnte man nichts mehr essen, die Versilberung war gesprungen, sie kratzten und man konnte sie nicht mehr richtig reinigen. Das meiste Silber war natürlich da, in der Verbannung, verkauft oder in Essbares eingetauscht worden; geblieben waren für uns Enkelkinder Erinnerungen wie: „das war doch echtes Norblin, oder eher Fraget“. Meine Oma schätzte die Erzeugnisse dieser polnischen Fabriken sehr und sie erzählte mir, dass in dem Flügel, den sie in ihrer Wohnung in Lemberg hatten zurücklassen müssen, drei Komplette von je 24 Besteckteilen für jede ihrer drei Töchter eingelagert waren; sie konnten nicht so viel in die Verbannung mitnehmen. Als ich vor ein paar Jahren in Lemberg war, auch in ihrer Wohnung, zwar verkleinert, denn da wohnten nun drei Familien, konnte ich keinen Flügel ausfindig machen, geschweige denn die Besteckkomplette für die Mädchen.

Die Norblin-Fabrik scheint mir eine Mischung aus Zukunft und fortgesetzter Vergangenheit in diesem während des Zweiten Weltkrieges wirklich total zerstörten Warschau zu sein. Im Sommer wird sich der Ort bestimmt mit Tausenden von Besuchern füllen.

Sweet Thursday

A tu po polsku

Von der Administratorin: Von heutigem Donnerstag her wird Joasia Rubinroth vom Zucker schreiben. Donnerstag und Zucker ergaben gemeinsam den von ihr vorgeschlagenen Titel der Reihe: Sweet Thursday. Ich freute mich sehr, als ich das hörte, weil ich das gleichnamige Buch von John Steinbeck sehr mag. Ich bin mir sogar sicher, dass wenn ich etwas an Amerika liebe, ich es eben diesen drei Steinbecks Büchern verdanke, die ich als junges Mädchen im Original las: Tortilla Flat, Cannery Row und eben Sweet Thursday.
Wonniger Donnerstag ist übrigens, laut John Steinbeck, der Tag nach dem lausigen Mittwoch (Lousy Wednesday).

Was ist aber Wonniger Donnerstag? Steinbeck beschreibt ihn im Kapitel 19.:

Schaut man zurück, so vermag man in der Regel den Tag festzustellen, an dem etwas angefangen hat, den Tag von Sarajewo, den Tag von München, den Zeitpunkt von Stalingrad oder Valley Forge. Man prägt sich Tag und Stunde mittels eines Vorfalls ein, der einem selbst zugestoßen ist. Man entsinnt sich genau, was man getan hat, als die Japaner Pearl Harbour bombardierten. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß an diesem Donnerstag sich in Cannery Row bestimmte Kräfte in Bewegung gesetzt hatten. Gewisse Ursachen und Zielrichtungen sind schon seit Generationen in Wirkung. Es gibt immer Leute, die behaupten, sie hätten deren Herannahen gespürt. Diejenigen, die sich dessen erinnern, sagen, es sei gewesen, als habe ein Erdbeben in der Luft gelegen. Es war ein Donnerstag und einer jener Tage in Monterey, an dem die Luft wie gewaschen und geputzt ist, daß man wie durch eine Linse die Häuser in Santa Cruz zwanzig Meilen über der Bucht drüben und die Rotholzbäume auf dem Berg über Watsonville sehen kann. Die Felsspitze des Frémont’s Peak jenseits Salinas hebt sich edel gegen den Osthimmel ab. Die Sonne schimmerte in goldenem Schein, und rote Geranien versengten gleichsam die sie umgebende Luft. Die Ritterspornblüten waren wie kleine Löcher im Himmel. Tage gleich diesem kommen nirgendwo viele vor. Die Menschen halten sie wert gleich seltenen Schätzen. Kleine Kinder geben grundlos Schreie wie aus Blechpfeifen von sich, und Geschäftsleute finden es plötzlich notwendig, eine Fahrt zu einem Grundstück hin zu unternehmen. Greise sitzen da, schauen in die Ferne und erinnern sich verschwommen daran, dass die sämtlichen Tage ihrer Jugendzeit so gewesen seien wie dieser. Pferde wälzen sich auf den Weiden an einem solchem Tag, und Hennen brechen in gräßliches Freudengegacker aus. Ein zauberischer Tag war dieser Donnerstag, ein Wundertag.

Eure Ewa Maria Slaska

***

Joasia Rubinroth

DER SÜSSE DONNERSTAG
SWEET THURSDAY
SŁODKI CZWARTEK

In seinem Video HOW DO I LOVE MYSELF (link s.u. im PS) spricht Thích Nhất Hạnh davon, was für ein WUNDER unser Körper ist, und wie wichtig es ist, dieses Wunder, dieses Meisterstück des Kosmos, zu würdigen, und sich dieses Wunders Bewusst zu sein.

Und so entschließe ich mich: um das Wunder meines Körpers, der ein Meisterstück des Kosmos ist, zu würdigen, starte ich ein 8 – Wochen – Zucker – Entwöhnungsprogramm.

Auch wenn Zucker so wunderschön sein kann, wie diese Süssigkeiten aus Vietnam, aus Hue, der Stadt, in der Thích Nhất Hạnh am 22.01.2022 gestorben ist:


Ich bin zuckersüchtig. Unfassbar zuckersüchtig.

Ich liege stundenlang auf dem Sofa, nicht irgendeinem Sofa, auch nicht der Psychoanalytikercouch sondern auf dem wunderschönen Riesenkolonialsofa namens Maharadscha und träume von Kuchen, Torten, Eis, Milchreis, Grießbrei, von Schüsseln voller Tiramisu, von Lastwagen voller Doughnuts, die ich nicht mal mag, aber es ist egal, HAUPTSACHE SÜSS WEIL AUS ZUCKER.

Übrigens: Kolonial-sofa, also überhaupt „Kolonialmöbel“ und „Kolonialstyl“ sollten vielleicht als Begriff ausdienen… wäre es nicht treffender zu sagen Unterwerfung-Rassismus-Mord-Möbel?

Zurück zum Zucker: Wer also seinen Körper wertschätzen will, kann ihn logischerweise nicht mit Zucker vollstopfen, nur für diesen kurzen Dopamin-Kick.

In Amerika baut ein Reverend in seine Predigt den berühmten Zucker-Coca-Cola-Vergleich ein: er stellt 33 Zuckerwürfel neben einer Cola-Dose auf, um aufzuklären, wieviel Zucker eine Cola enthält. Um dann, nach dem Begräbnis des Nächsten Diabetes-Toten mit der Gemeinde den Leichenschmaus bei Donuts und Riesen-Cola-Flaschen zu begehen.

In seinem Film „Voll verzuckert“ macht der Regisseur Damon Gemeau einen Selbstversuch: 60 Tage lang 40 Teelöffel Zucker täglich essen. (die WHO empfiehlt 6 Teelöffel pro Tag). Nach 60 Tagen ist er nicht nur 8 kg schwerer – er hat eine Fettleber.

Was wird mit mir in 8 Wochen geschehen? Wird es mir gelingen, den Wolf in mir zu bändigen? (((An dieser Stelle noch eine Buchempfehlung: DER WILDE! – der Wolf ist dem meinem sehr ähnlich…)) Und was alles wird mir zum Thema Zucker so einfallen?

PS. Thích Nhất Hạnh, er ruhe in Frieden
HOW DO I LOVE MYSELF?

PPS. In Vietnam wohnen die Toten oben im Himmel, in einer Parallelwelt, und die Verbliebenen verbrennen Papier-Motorräder, Papier-Visa-Karten, Papier-Lacoste-Hemden, Papier-Handys – in dem Glauben, dass der Rauch alles zu den Verstorbenen bringt – und diese es brauchen. Auch TNH?


Don Kichot in der neuen deutschen Regierung?

Echt, jetzt? Ist das wirklich wahr? Kann mich mal jemand kneifen, um zu wissen, ob dass der Realität entspricht?

Na ja, so behauptet es zumindest der Berliner Tagesspiegel.

Kampf gegen Vorbehalte der Union. Habecks Klimaplan für Deutschland – vom Winde verweht? Wirtschaftsminister Habeck tourt durch Deutschland und trommelt bei den Ministerpräsidenten für die Energiewende. Bei Söder in Bayern erhielt er am Donnerstag ordentlich Gegenwind.1

Er ist Deutschlands „grüner“ Wirtschafts- und Klimaminister (Bündnis 90/ Die Grünen) und er schmiedet einen großen Plan für Deutschland. Er meint, dass Deutschland in der Sache Klimaschutz gar nicht so fortschrittlich sei, wie wir seit Jahren geglaubt hatten.

Kaum zu glauben, oder? Ich erinnere noch sehr gut, als Angela Merkel plötzlich und ohne großen Konsultationen die Energiewende ankündigte und gleichfalls versprach, in 10 Jahren auf Atom gar zu verzichten.

Die ganze (zugegeben – nicht sonderlich große) „linke Bulb” in Polen, die seit Jahrzehnten ergebnislos gegen polnische Kohlenwirtschaft und für Windenergie kämpfte, war regelrecht außer Atem vor Bewunderung.

Wie kann man nur um Gottes Willen? – fragten wir uns.
Ich kann und will um jeden Willen – antwortete Deutschland.

Die zehn Jahre sind vorbei!

Am 1. Januar diesen Jahres ist es dazu gekommen – die ersten zwei von den zehn, deutschen Atomkraftwerken wurden angehalten. Merkels Versprechen trat in Kraft und …

Und alle waren unzufrieden. Vor allem die jungen Menschen, die aus heiterem Himmel entdeckten, dass es vielleicht mit Atom besser und schneller zur nachhaltigen Energiewende kommen würde, als mit all den anderen Energiegewinnformen allerseits.

Die ältere Generation ist wiederum dabei so baff, dass man kaum etwas murkst. Sie haben doch seit Jahrzehnten dafür gekämpft, dass man das Atom stoppt – ihre ganze Jugend wurde von diesem Kampf bestimmt. Man blockierte die Zugangswege zu den Kraftwerken, die deswegen wie mittelalterliche Festungen gebaut wurden, man blockierte die Atommülltransporte, jedes Jahr wieder gingen die Osternmarsche los. Die Grüne-Partei, die sich jetzt an der Macht beteiligt, verdankt gerade dieser zähen Anti-Atomstimmung ihre nachhaltige Profilierung.

Die Ironie der Geschichte ist, dass gerade die CDU-Kanzlerin dies entschieden hat, dass Deutschland auf Atom verzichte. Es war eine von diesen emotionalen Entscheidungen Merkels, die nach der Fukushima-Katastrophe ganz genau wusste, dass jetzt nur radikale Worte ihre Macht weiter tragen werden. So ist sie gewesen. Nette Mutti, die plötzlich zur Diktatorin wurde.

Schon zuvor hat sie genauso alleinhändig und emotional entschieden, dass man den Euro retten muss, koste es, was es wolle. Als Nebenwirkung wurde die Mitgliedschaft Griechenlands in der EU gerettet. Das dritte Mal kam sie mit ihrer Entscheidung während der Flüchtlings-Krise 2015 zum Wort. „Wir schaffen es“, sagte sie und ließ eine Million Flüchtlinge nach Deutschland kommen.

Da man sich nie bei allen beliebt machen kann, wurde sie für all` diese drei Entscheidungen sowohl gelobt und geliebt, als auch gehasst und gebrandmarkt. Das Entscheidende ist, dass sie in allen drei Fällen gewonnen hat. Griechenland blieb in der EU und wir zahlen immer noch mit Euro. Die Flüchtlinge kamen in einem Massenandrang hier her und sie tun es immer noch, vielleicht nicht in solchen Massen, dafür aber stetig. Ah-ja, und auf Atom verzichten wir auch noch gerade.

Eine weitere Ironie der Geschichte ist es, dass wir uns Anfang 2022 in unglaublicher Energiekrise befinden und dass wir dies dem SPD-Kanzler, Gerhard Schröder zu verdanken haben. Klar, er war nicht der Erste, schon in Kohl-Zeiten wollte man Deutschland mit dem sowjetischen Gas verkuppeln. Das Siegel kam aber von Schröder, der ohne zu zögern, für eigenen Wohl ganz Deutschland in die Situation schubste, wo wir Russlands Gas lieben und Putins Gnade fürchten müssen. Wenn Putin es für nötig hält, zittern bald 80 Millionen Deutschlands Bewohner vor Kälte und unser ganzer Wohlstand binnen zwei Wochen stützt in ein schwarzes, kaltes Loch.
Ja und was will und was kann Habeck in dieser Situation noch tätigen? Was ist also sein Plan?

Wirklich schneller mehr Ökostrom herzustellen?
Tatsächlich neues “Wind-an-Land-Gesetz” einzuführen?
Ernsthaft die Solardachpflicht für Neubauten zu oktroyieren?
Sicher die Abschaffung der EEG-Umlage umzusetzen?
Und dazu noch die Maßnahmen zur finanziellen Unterstützung der Industrie zu unterstützen?

Das sind die Hauptbestandteile Habecks “Klimaschutz-Sofortprogramms”. Von dem russischen Gas und Putin selbst ist ja nicht die Rede. „Was uns in die Schnelle treibt“, meint unser Klimaminister, „sind Klima-Konferenzen-Ergebnisse: Verschärfter Klimaziele für 2030 und der angestrebten Klimaneutralität bis 2045.“2

Aha.

Aber egal. Die Namen sind Schall und Rauch, wie Goethe es sagt. Der Klimawandel ist wichtig. Und es soll schnell gehen. Aber schnell in der deutschen Politik soll es immer sein – und dann handelt es sich nur um ein paar Monate. Das weiß Merkel ganz genau und falls es wirklich schnell ging, war es ihr bewusst, dass sie auf alle Unterredungen und Verhandlungen verzichten und diese diktatorisch beschließen muss. Habeck ist jedoch nicht Merkel. Der erste Teil seiner geplanten Sofort-Maßnahmen sollen noch im April beschlossen werden. Gut zu wissen, dass “sofort” drei Monate bedeutet und “schnell” – ein Jahr: Der Rest des Programms soll bis zum Jahresende folgen und im kommenden Jahr in Kraft zu treten.

Bis zum Jahr 2030 sollen 80 % der Energie vom Wind und Sonne gewonnen werden. Dafür soll jedes Bundesland 2 % seiner Fläche für Energie-Anlagen zur Verfügung stellen. Die Windräder werden jetzt auch dichter zueinander stehen. Es werden Wälder und Förste der Windräder entstehen.
Die bürokratischen Hürden sollen verschwinden, damit jeder, der will, sofort seine eigene Windmühle bauen kann.

Na ja. Der einzige Knackpunkt, den Habeck vielleicht vergessen hat, ist, dass Deutschland eine Föderation ist – ein Bund. Manches, was er will, kann er überhaupt nicht entscheiden, da es den Länder-Befugnissen unterliegt. Es ist klar, dass wir es zügig brauchen, die Frage ist lediglich: Wie? Wie zwingt man 16 unabhängige und teils sehr autarke Länder, gemeinsam und schnell zu entscheiden?

Es ist aber noch härter. Es gibt nicht nur 16 Länder und 16 Länderchefs, die zum Teil gar nicht das wollen, was die Regierung will. Es gibt noch ein anderes Problem und zwar ca. 80 Millionen Deutsche, die zwar generell vielleicht für die Wende wären, wenn sie aber nicht direkt vor deren Tür stattfindet. Im Klartext bedeutet es: Der Habeck kann sich so viele Windräder und Solaranlagen bauen lassen, wie er will, nun bitte nicht in meinem Garten. Und die Solardächer, bitte sehr, überall, aber nicht bei uns. Nicht in unserem eigenen Heim. Zur Zeit heißt es, nur die wirtschaftliche Neubauten müssen Solardach erhalten, aber im Koalitionsvertrag steht es klip und klar: “Alle geeigneten Dachflächen sollen künftig für die Solarenergie genutzt werden”.

Das heißt im Klartext: Hier ist Solidarität von Nöten – und globale Verantwortung. Dies sind aber nicht die sozialen Eigenschaften, die momentan in Europa vorhanden sind. Wir sind ein Kontinent von 450 Millionen Individuen. Man hätte vielleicht Pflicht und gesetzlichen Zwang einführen müssen.

Aber Pflicht & Zwang – mit welchen Wörtern jonglieren wir hier überhaupt?

Soll wirklich eine Pflicht-Diskussion – über Pflicht-Impfung auf einmal reichen? Und wenn wir nicht auf unsere soziale Verantwortung zählen können, wenn es um unsere Gesundheit geht, wie können wir uns auf diese wage Emotion berufen in der abstrakten Sache der globalen Klima-Krise? Welche Krise?

“In meinem Garten ist das Wasser klar und das Gras grün.”

Zu guter Letzt bleibt ja noch die Sache der sozialen Gerechtigkeit. Die Wende darf nicht auf Kosten der Bevölkerung stattfinden und schon gar nicht deren armen Teil. Die Menschen benötigen also finanzielle Unterstützung. Wenn die Regierung es tut, wird es sehr viel kosten und immer noch und vor allem symbolische Bedeutung haben. Wenn wir die Angelegenheit ernst nehmen sollen, muss die Wirtschaft leiden und die Kosten der Klimawende auf eigenem Rücken tragen. Stattdessen erwägt man jetzt schon die finanzielle Unterstützung für die Industrie, die die klimaneutrale Energie anwenden wird.

Ahja, das war noch nicht alles – Die Sache mit dem Atom. Da war ja was.

Was ist, wenn doch das Atom die Zukunft bildet und nicht die Windräder und Solardächer? Die Jugend, die viel mehr Hoffnung in der künstlichen Intelligenz legt und überhaupt lieber an modernen Technologien glaubt als Versprechungen der “Alten” (und Habeck ist schon “der Alte”), hofft auf neue, kleine, effiziente Atomgewinnungsanlagen, die man in eigenem Auto nutzen und in eigener Tasche tragen wird.

Science fiction? Vielleicht.

Aber vieles, was wir jetzt für eine Selbstverständlichkeit halten, schien vor noch 10, 20 oder 50 Jahren, Hirngespinst zu sein.

Es scheint, die Energiewende sei ein schwieriges Unternehmen. Dazu noch sind alle Habecks Maßnahmen zu teuer,

zu wenig,

zu veraltet,

zu spät,

zu langsam.

Der Habeck, als Ritter einer sehr traurigen Gestalt, hat sehr viel zu tun, um seine Windmühlen allerseits zu verteidigen. So lässt sich sagen: Der moderne Don Quixote säet, der erntet aber nicht, sondern um seine Mühlen kämpft.

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1 https://plus.tagesspiegel.de/politik/kampf-gegen-vorbehalte-der-union-habecks-klimaplan-fur-deutschland–vom-winde-verweht-367501.html

2 https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_91453804/robert-habecks-klimaplan-das-sind-die-knackpunkte.html