Wir(r) und der Krieg

Wie immer, wenn etwas Wichtiges passiert, versuche ich auf dem Blog den Schritt mit der Zeit zu halten. Und wie immer, das wichtigste scheint mir, was Ihr, meine Leser, darüber denkt. Es waren schon Elżbieta Kargol, Joasia Rubinroth und Michał Talma-Sutt mit ihren Gedanken hier. Heute präsentiere ich zwei weitere Reaktionen von Euch – ein Foto von Krzysztof Pukański und einen Brief, den ich per Mail von Christine Ziegler bekommen habe. Ihr seid alle gebeten, Eure Gedanken mit uns zu teilen.

Eure Administratorin

Krzysztof Pukański

Die Franziskanerkloster-Ruine in Berlin Mitte. Das Foto hat Krzysztof Pukański 2014 gemacht. Als wir am Wochenende seine Bilder sortiert haben, schaute er es an und sagte nur ein Wort: Ukraine.

Christine Ziegler

Liebe Ewa,

das ist nun unser Balanceakt, den wir zur Zeit vollbringen müssen. Das eigene Leben nicht verlieren, uns darauf konzentrieren. Und gleichzeitig nicht aus den Augen verlieren, wie nun die Welt sich ganz neu formiert.

Es ist Krieg und ich begehr, nicht schuld daran zu sein. Das war schon ein Stoßseufzer im 30-jährigen Krieg und in der Beziehung hat sich nichts geändert bis hin zu uns. Denn natürlich sind wir Menschen miteinander verwoben und was wir dem Menschen gegenüber antun, tun wir uns selber an.

Meine Freundin Moni wohnt nicht weit von Ramstein, sie kann den Krieg hören. Sie erzählt von ihren Söhnen, Wehrdienstverweigerern, die jetzt überlegen, wo sie wohl schießen lernen können, um ihre Familien verteidigen zu können. Was natürlich bei einem nuklearen Angriff Quatsch ist, wie sie resümmiert. Es gehe wohl mehr darum, sich nicht hilflos zu fühlen. Ja, da gehe ich ganz mit ihr, es geht im Moment darum, sich nicht hilflos zu fühlen. Fatalerweise suggeriert schießen können einen Ausstieg aus der Hilflosigkeit. Wenn wir in all der Misere vielleicht ein Quentchen Glück haben, dann bringt uns dieser abartige Konflikt vielleicht doch bei den erneuerbaren Energien voran. Aber wer weiß, vielleicht auch nur dreckiges LNG (Liquefied Natural Gas, verflüssigtes Erdgas – Weiteres dazu HIER – Anm. der Administratorin).

Und jetzt werfen sie bei ihren Reden im Bundestag mit unglaublichen Summen um sich und wollen der Bundeswehr alles vorn und hinten reinschieben, geht’s noch? Das wird schwer hier rational gegenzuhalten.

Wenn nix mehr geht, noch was zum Schmunzeln:

Das ist die Serie, in der Wolodymyr Selenskyj den ukrainischen Präsidenten gespielt hat. Ach, die kennst du sicher sowieso. Ihm wurde ja oft sein Dasein als Commedian negativ angekreidet, aber verflixt, Reagan war auch vorher Schauspieler…

Ach, sagt ein Freund, der grad in Afrika ist, hätte er doch vorher angeschaut, was aus dem Schauspieler Reagan geworden ist.

Auf jeden Fall ist das Thema Inszenierung wieder vollkommen virulent. Da ist dann allerdings Putins Inszenierung hoffnungslos oldschool. Doch dann wird Krieg nicht allein mit Öffentlichkeitsarbeit gewonnen, Wirtschaftskraft und Rüstung und schlichte Mehrheiten sind dann doch ausschlaggebend.

Wie finden wir den Pfad, auf dem wir weiter unser Leben leben können, uns gegenseitig stärken können, ohne dem jeweils aktuellen Darth Vader anheimzufallen. Krieg ist unerbittlich und lässt ein sowohl als auch schlecht zu. Entweder bist du für mich oder gegen mich. Dabei ist die Weisheit von Karl Kraus weiterhin hochaktuell: “Krieg – das ist zuerst die Hoffnung, daß es einem besser gehen wird, hierauf die Erwartung, daß es dem anderen schlechter gehen wird, dann die Genugtuung, daß es dem anderen auch nicht besser geht, und hernach die Überraschung, daß es beiden schlechter geht.”

Die Sonne scheint zum Glück auch heute und inzwischen werden nicht nur HartzIV-Empfänger:innen dazu aufgefordert, einen Pullover mehr anzuziehen und mit der Bahn zu fahren ;-))

Rede ich wirr?

Liebe Grüße

Christine

Ewa Maria Slaska

Nein, liebe Christine, Du redest nicht wirr.

***

Aus Polen:

Eduard Koller

The most beautiful photo I’ve seen today: Polish moms left strollers at the train station, for Ukrainian moms who may need them when they arrive in Poland with kids. 🇵🇱🇺🇦

2 thoughts on “Wir(r) und der Krieg

  1. Janusz Marchwiński napisał na Facebooku komentarz, który przytaczam poniżej. Nie wiem, czy ma rację, ale chciałabym, żeby tak było, jak pisze. Sława Ukrainie!

    Jestem przekonany, że każdym dniem rosyjskiej agresji, Zachodowi trudniej będzie dać przegrać Ukrainie, wycofać się, odpuścić i oddać ten kraj na pastwą Rosji. Sądzę zresztą, że czerwona linia została już przekroczona. Zachód (NATO, Unia, USA, i inne potęgi przemysłowe i militarne) nie może sobie po prostu na to pozwolić. Dać teraz wygrać Rosji niesie z sobą takie samo niebezpieczeństwo jak ryzyko wybuchu globalnej wojny w przypadku bezpośredniego zaangażowania NATO na Wschodzie (zamknięte niebo etc) – a może nawet większe. Zwycięska Rosja z Putinem na czele stałaby się kompletnie nieobliczalna w swych imperialistycznych, agresywnych dążeniach. I dziwię się, że ten (logiczny przecież) element nie pojawia się w żadnym scenariuszu rozwoju sytuacji na Wschodzie. Chodzi zresztą nie tylko o niebezpieczeństwo natury militarnej. Zachodnie społeczeństwa w krajach demokratycznych, ich elity, tak dalece zaangażowały się w obronę suwerenności Ukrainy że trudno sobie wyobrazić by pozwoliły swoim przywódcom na rejteradę. Nigdy by im tego nie wybaczyły. Nie ma też szans na jakiekolwiek porozumienie z putinowską Rosją, nawet jeśli Kremlowi udało się wyjść z tej wojny zwycięsko, lub nawet z twarzą. Nie ma mowy o żadnych układach, paktach czy traktatach, ponieważ dla wszystkich jest jasne że Rosja umów nie respektuje. Aby przywrócić jaką taką równowagę w Europie i na świecie – Putin musi zniknąć. I dlatego sądzę, że zaangażowanie Zachodu w konflikt będzie się wzmagało, popłynie tam rzeka pieniędzy i broni. Właśnie teraz, kiedy Ukraińcy mają jeszcze szansę pokonać siły inwazyjne przy pomocy zaawansowanej broni zachodniej. Zachód już postawił na Ukrainę a nie na gaz i ropę Putina. I dlatego Ukraina wygra.

  2. Tak, powinniśmy trzymać wszyscy kciuki,
    aby ludzie na Ukrainie wytrzymali coraz cięższe warunki tam panujące, też w to, że jak najmniej żołnierzy w tej chwili z obu stron zginie.
    I wierzmy w logikę ludzi, którzy się tym zajmują
    profesjonalne analizy nam sugerując.
    Lepiej wierzyć niż wątpić!
    Chwała Ukrainie!

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