Lotte Laserstein und die Katzen

Ewa Maria Slaska

In der Berlinischen Galerie gibt es bis 12. August 2019 eine Ausstellung von Lotte Laserstein, eine von vielen vergessenen Künstlerinnen, die sich vor dem Kriege eine interessante Karriere aufgebaut haben, der die Hitlers Herrschaft, Krieg, Vernichtung und die dem Krieg folgende Teilung der Welt in Ost und West ein jähes Ende setzten.

Lotte Laserstein ist eine von denen, glücklicher als die anderen, als Julia Wolfthorn zum Beispiel, weil sie überlebt hat, aber, zugleich eine, die, wie viele Andere, wie Dodo, wie Jeanne Mammen oder Margarete Kubicki, oder gar Hannah Höch, in Unwichtigkeit oder gar Vergessenheit geraten waren. Welche Mühe, sie alle jetzt dem kunstinteressierten Publikum wieder zu präsentieren.

Lotte Laserstein (*1898 in Preußisch Holland im ostpreußischen Oberland; †1993 in Kalmar, Schweden) war eine deutsch-schwedische Malerin. Sie gilt als bedeutende Vertreterin der gegenständlichen Malerei der Weimarer Republik. 1937 emigrierte sie  nach Schweden. In Schweden war sie bis zu ihrem Tod als Porträtistin und Landschaftsmalerin tätig. Die in den 1920er und 1930er Jahren in Deutschland entstandenen Bilder stehen der Neuen Sachlichkeit nahe und gelten als der Höhepunkt ihres umfangreichen Schaffens. In Schweden war Lotte zwar immer noch als Malerin tätig, ihren Ruhm, den sie eine kurze Zeit in Berlin genossen hat, erlangte sie nie wieder.

Sie wird zwar der Neuen Sachlichkeit zugerechnet und tatsächlich war sie, was die Themen betrifft, eine moderne, emanzipierte Frau, aber in ihrem Schaffen war sie eine Traditionalistin. Sie war unglaublich stolz auf ihre künstlerische Bildung. Darauf, dass sie schon als junges Mädchen eine Kunstschülerin war. Sie und ihre Familie lebten in Danzig, wo Lottes Tante, Else Birenbaum eine Kunstschule leitete und selber dort lehrte. Lotte war als sehr junges Mädchen in der Ausbildung bei ihrer Tante und deshalb, wie uns unsere Kunstführerin erzähle, seit eh wusste, dass in der Kunst eine Frau einem Mann gleichberechtigt ist und sie die Kunst sowohl lehren als auch lernen kann. Als sie nach Berlin kam, war sie eine der ersten Studentinnen, die in der Königlichen Hochschule der Künste lernen dürfte. Mehr noch – sie dürfte gar die Aktmalerei studieren, darunter auch die Männerakte malen!

Lotte widmete sich der Staffelmalerei, dem Porträt und der Landschaft, und hielt nicht von der Moderne. In bester rembrandtschen Maniere malte sie verschiedene Stoffe so, dass man in einem Leinenkittel jede Falte sieht und in einem Katzenfell jedes Haar. So wie hier, in ihr Selbstbildnis mit einer Katze.

Das Bild ist exemplarisch für das Œuvre von Lotte Laserstein. Sie malte gern Porträts und darunter auch mehrere Selbstporträts. Sie schilderte sich oft als Künstlerin, als eine Malerin, die ihr Können gern zur Schau stellt, mit Attributen ihrer Zunft, was vor Kurzem nur den Männern erlaubt war. Sie liebte die Porträts mit dem Fensterblick im Hintergrund, wo man die Stadthäuser sehr genau wahrnahm. Und sogar die Katze war ein Beweis, dass sie alles kann, was sie sich vornimmt, weil die Katze musste doch sehr lange unbeweglich sitzen, wie jedes Modell auch (man munkelt, dass die Katze jeweils vor der Sitzung von einem guten Schluck Brandy betäubt wurde, aber ob es stimmt?)

Lotte wusste sehr geschickt, wie sie sich positionieren soll, wie sie ihre Kunst selber fördern kann. Sie engagierte sich im Frauenbund, sie schickte ihre Bilder zu Wettbewerben und Ausstellungen. Sie gründete auch eine Malschule für Studenten der Akademie der Künste, die an ihrem Abschluss-Portofolio gearbeitet haben. Mit ihrer StudentInnen fuhr sie unter anderen nach Worpswede, wo eine der berühmten deutschen Künstlerkolonie entstanden ist. Dort ist ihre Bilderreihe Dorfkinder entstanden. Ob diese Katze wohl auch betäubt werden müsste, darüber schweigt man.


Berlinische Galerie

Landesmuseum für Moderne
Kunst, Fotografie und Architektur
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Alte Jakobstraße 124–128
10969 Berlin

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Frauenblick. Petersburger Hängung

Monika Wrzosek-Müller

Sammlung Hoffmann

Es war die „Petersburger Hängung“; der Begriff ist ihr im Ohr geblieben. Da nahm ihre Aufmerksamkeit zu. Eine Freundin hatte die hohe Wand in ihrer Wohnung mit den unbeholfen aufgehängten Bilder betrachtet und, da sie freundlich sein wollte, sagte sie: Ach, Petersburger Hängung. Es war aber eigentlich eine bunte Mischung aus allen möglichen Bildern, die sie an diese Wand gehängt hatten, in unregelmäßigen Abständen, von verschiedener Couleur, Größe und Techniken, nicht immer zueinander passend, doch insgesamt irgendwie die Wand bedeckend. Sie wollte diese weißen, hohen Wände füllen, ihre Wohnung heimischer und gemütlicher gestalten.

Das zweite Mal hörte sie den Begriff: Petersburger Hängung kurz darauf in der Sammlung Hoffmann, während einer Führung, fast gleich im ersten Raum der neuen Installation von Joelle Tuerlinckx. Man stand in einem Raum, der von ausgeschnittenen Kartons verklebt war, die wiederum deutliche Spuren der roten Farbreste trugen, so als ob sie Schablonen für rote Bilder wären. Sie bildeten eine Art von Tapete, die die Wände bedeckten. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine umgestaltete Installation des Roten Zimmers handelte, die die Künstlerin für die Ausstellung in der Eremitage in Sankt Petersburg geschaffen hatte. Hier, für die Sammlung Hoffmann, hat sie die roten Kartons umgedreht; geblieben waren die weißen Flächen mit roten Rändern und Ausschnitten für die dort vorhandenen Gegenstände an den Wänden: Steckdosen, Lichtschaltern, Röhren, Heizung und offensichtlich auch irgendwelche Bilder. Sie hat es in Petersburger Hängung arrangiert. Die Fenster wurden mit roten Kartons von außen verklebt, so als ob das Rot das Licht am Eindringen in die Räume hindern würde. Der Raum übt eine starke Wirkung auf den Betrachter aus; eben politische Kunst, wie viel konnte man mit so einfachen Mitteln ausdrücken, wie viel hätte man in so einen Raum hinein interpretieren können.

Es ist eine Besonderheit der großen Städte, der Metropolen, dass man sich private Sammlungen anschauen darf. In Berlin sind gleich mehrere solche Plätze vorhanden: neben der genannten Sammlung Hoffmann, der Boros-Bunker, die Camaro-Stiftung, das Atelier der Malerin Jeanne Mammen und viele andere.

In die Sammlung Hoffmann gelangt man durch die Hackeschen Höfe, sie befindet sich in den Sophie-Gips-Höfen, in einer ehemaligen Fabriketage, sehr schön restauriert, nicht überrenoviert, sondern so, dass das Alte gerade noch herausgeholt und wohnlich gemacht wird. Die Sammlung nimmt die 3., 4. und Teile der 5. Etage ein. Man fährt mit dem Lift nach oben und landet in großen, lichtdurchfluteten oberen Räumen der Fabrik; die übergroßen Filzpantoffeln, die man über die eigenen Schuhe ziehen soll, erinnerten sie sofort an die Klassenausflüge in die Warschauer Museen, wo das früher immer der Fall war, man schützte die Böden und polierte sie zugleich, auch wurde wahrscheinlich so der Staub abgewischt. Damals versuchten wir mit den Filzpantoffeln über die Flächen, wie mit den Schlittschuhen zu gleiten, wer kam als erster an, wie weit konnte man mit Schwung rutschen.

Die Sammlung – das sind zugleich Ausstellungs-, Wohn- und Arbeitsräume der Familie. Für den Besuch muss man sich anmelden und eine Führung buchen, damit die Leitung der Sammlung auch den Überblick hat, wie viele Menschen darin unterwegs sind. Jedes Jahr wird die Ausstellung neu konzipiert und trägt jeweils einen interessanten Titel und wird unter einem Aspekt arrangiert. Die diesjährige läuft unter dem Titel „Zweifel“. Die Geschichte der Sammlung war für sie interessant; auch wenn man das meiste im Internet nachlesen kann, erzählte der junge Mann, der sie durch die Räume führte, Folgendes: Sie ist in den 60er Jahren entstanden. Da begannen Erika und Rolf Hoffmann Werke meist befreundeter Künstler zu kaufen. Nach dem Verkauf des Unternehmens, in den späten 80er Jahren, steigerten sie ihr Engagement für die Kunsteinkäufe deutlich. Mit der Wiedervereinigung wollten sie aktiv am Prozess der Einigung teilnehmen und es gab die Idee einer Kunsthalle in Dresden, sie sollte nach einem Entwurf von Frank Stella gebaut werden. Zum Glück für Berlin und zum Nachteil für Dresden wurde diese Idee nicht realisiert. 1994 fanden die Hoffmanns eine leer stehende Fabrik, die sich dem Ziel der Unterbringung der Sammlung und als Wohn- und Arbeitsräume eignete. Ab 1997 ließen sie an jedem Samstag auch die Öffentlichkeit an ihrer Sammlung teilhaben. Im März letzten Jahres hat Erika Hoffmann die Sammlung doch den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden geschenkt. Bis 2022 bleiben Teile der Sammlung mit immer wechselnden Ausstellungen zu verschiedenen Themen doch in Berlin zugänglich.

Der Titel „Zweifel“ erlaubt alle möglichen Formate der Kunst vorzustellen, zwingt jedoch den Betrachter noch mehr zum Nachdenken. Die Führung beschränkt sich jeweils auf ausgewählte Objekte und dauert meistens nicht länger als anderthalb Stunden. Der Eingang mit der umgedrehten roten Tapete wurde bereits erwähnt. Vieles weitere lässt zweifeln, manchmal lächeln oder gar schmunzeln, das ist hier auch Programm. Besonders herausfordernd fand sie einen Künstler der die Werke, Bilder oder Fotografien anderer Künstler einfach übermalt hat. Arnulf Rainer fordert den Betrachter sehr heraus, indem er z.B. im Bild „Schwarze Zumalung“ Selbst begraben einfach fast das ganze Bild schwarz übermalt, überlässt nur ein helles Zipfelchen des alten Werk sichtbar. Was kann uns mehr zum Zweifeln bringen, oder ein Werk von Bruce Nauman Hanging Cat – die plastische Nachbildung eines abgeheueten Tieres, die von der Decke hängt.

Ein Wohnzimmer mit der Nr. 17 hat ihr sehr gut gefallen; ein Triptychon von Sean Landers hängt an einer Wand und erzählt über Meerwasser, das sich den Gesetzen der Physik entzieht, und auf der gegenüber liegenden Wand seine zwei riesigen Ölwände mit den Titeln: The Ether of Memory und Looking für Mr. God Bar. Der Künstler schreibt seine Gedanken mit dem Pinsel dicht und erstaunlich gleichmäßig auf Englisch auf die Leinwand über seinen Zustand, Gedanken und Gefühle auf (das zweite Gemälde angeblich sehr erotisch). Sowohl die Bilder vom Meer als auch die mit seinen Notizen haben etwas beruhigendes, monotones fast meditatives in sich und zugleich zweifelt man an ihrer äußeren Schale; beim näheren Hinsehen wird klar, dass das Meerwasser und die Wellen nie so schlagen und die Notizen sehr aufgewühlte Zustände beschreiben, alles ist anders, als auf den ersten Blick erscheint…

Auch die mehr privaten Räume, wie das Wohnzimmer mit dem Kamin eigerichtet mit echten Mies van der Rohe Möbeln, Barcelona Sesseln und Liege, einem Glastisch und Vitrine sind wunderschön. Die Wand hoch ist mit Acryl-Farben von Katharina Grosse gesprayt und harmoniert wenigstens von der Farbgebung mit zwei großen Acryl-Gemälden. An der seitlich liegenden Wand ist ein Gebilde von Frank Stella zu sehen: Of Whales in Paint, in Teeth, in Wood, in Sheet Iron, in Stone, in Mountains, In Stars (Moby Dick Series) aus bemalten Aluminium; es sieht wie ein bunter, ästhetischer Drache aus. Im Esszimmer bestaunt man wunderbare Lampen (4) von Bauhaus und Esstisch mit Stühlen von Eero Saarinen und ganz feines Teegeschirr in einer Glasvitrine.

Eine andere Art von Kunst bringt das Projekt von Katarzyna Kozyra, einer polnischen Installationskünstlerin, die einen langen Film Looking for Jesus/Szukając Jezusa in Jerusalem gedreht hat, der sich hauptsächlich mit dem Thema oder dem Phänomen des Jerusalem-Syndroms beschäftigt. Den Film hat sie in der Sammlung leider nicht gesehen, doch Kozyra ist für sie eine so gute Künstlerin, dass sie sich sofort im Internet alles Zugängliche angesehen hat. Kozyra hat sechs Jahre lang immer wieder mit Menschen in Jerusalem und Umgebung gesprochen, die sich für Jesus halten, sie hat dann das Material zusammengeschnitten und auf 73 Minuten gekürzt. Die Menschen berichten von ihrem Leben, Glauben und dem Platz des Glaubens, der Religion in ihrem Leben und in der heutigen Welt von den Werten, die ihnen wichtig sind. In einer der Szenen, die auf dem Trailer zu sehen ist, hören wir folgenden Dialog: „Are you Jesus or you think you are Jesus?“ – „Yes, I am Jesus“- „So we have to follow you“, und wir sehen wie der Mensch flüchtet und die Künstlerin ihn verfolgt. Bei einigen Treffen mit polnischen Zuschauern erzählt Kozyra, wie sie ihre Helden gefunden hat und warum sich für sie dieses Projekt zu einem Mammut-Projekt entwickelt hat. Sie sagt, natürlich ist das nicht objektiv, sie filtert alles durch ihr eigenes Interesse und ihren eigenen Willen, eine Antwort zu finden. Doch das, was wir sehen, ist ein gewaltiges Bild und ein Dialog über Religion und Glauben. Im heutigen Polen, gerade jetzt, nach mehreren Filmen über die Katholische Kirche und Missbrauchsfälle in der Kirche, müsste es mit sehr großem Interesse verfolgt und aufgenommen worden sein. Leider hat sie nicht am Treffen zwischen Erika Hoffmann und Kozyra teilgenommen, das am 24.01. 2018 stattfand, als der Film zum ersten Mal in der Sammlung gezeigt worden ist. Da wäre ihr wahrscheinlich klar geworden, warum diese Installation unter dem Titel der Ausstellung „Zweifel“ läuft.

Viele Räume hat sie nicht gesehen und sie nimmt sich vor, sie beim nächsten Besuch doch zu betreten (wenigstens), was sie Allen empfiehlt. Bis 2022 haben wir noch Zeit!

Barataria 119. O bzach i poezji

Ewa Maria Slaska

Takie zdjęcie przysłane na messengera. A w nim warstwy znaczeń, aluzji, przypomnień.  Ale nie wszystkie widać od razu. Pierwsza, najprostsza – zasuszone wielopłatkowe kwiatki bzu, a w tekście – powracający motyw bzu

Dla A

When Lilacs Last in the Dooryard Bloom’d
By Walt Whitman

1
When lilacs last in the dooryard bloom’d,
And the great star early droop’d in the western sky in the night,
I mourn’d, and yet shall mourn with ever-returning spring.

Ever-returning spring, trinity sure to me you bring,
Lilac blooming perennial and drooping star in the west,
And thought of him I love.

2
O powerful western fallen star!
O shades of night—O moody, tearful night!
O great star disappear’d—O the black murk that hides the star!
O cruel hands that hold me powerless—O helpless soul of me!
O harsh surrounding cloud that will not free my soul.

3
In the dooryard fronting an old farm-house near the white-wash’d palings,
Stands the lilac-bush tall-growing with heart-shaped leaves of rich green,
With many a pointed blossom rising delicate, with the perfume strong I love,
With every leaf a miracle—and from this bush in the dooryard,
With delicate-color’d blossoms and heart-shaped leaves of rich green,
A sprig with its flower I break.

4
In the swamp in secluded recesses,
A shy and hidden bird is warbling a song.

Solitary the thrush,
The hermit withdrawn to himself, avoiding the settlements,
Sings by himself a song.

Song of the bleeding throat,
Death’s outlet song of life, (for well dear brother I know,
If thou wast not granted to sing thou would’st surely die.)

5
Over the breast of the spring, the land, amid cities,
Amid lanes and through old woods, where lately the violets peep’d from the ground, spotting the gray debris,
Amid the grass in the fields each side of the lanes, passing the endless grass,
Passing the yellow-spear’d wheat, every grain from its shroud in the dark-brown fields uprisen,
Passing the apple-tree blows of white and pink in the orchards,
Carrying a corpse to where it shall rest in the grave,
Night and day journeys a coffin.

6
Coffin that passes through lanes and streets,
Through day and night with the great cloud darkening the land,
With the pomp of the inloop’d flags with the cities draped in black,
With the show of the States themselves as of crape-veil’d women standing,
With processions long and winding and the flambeaus of the night,
With the countless torches lit, with the silent sea of faces and the unbared heads,
With the waiting depot, the arriving coffin, and the sombre faces,
With dirges through the night, with the thousand voices rising strong and solemn,
With all the mournful voices of the dirges pour’d around the coffin,
The dim-lit churches and the shuddering organs—where amid these you journey,
With the tolling tolling bells’ perpetual clang,
Here, coffin that slowly passes,
I give you my sprig of lilac.

7
(Nor for you, for one alone,
Blossoms and branches green to coffins all I bring,
For fresh as the morning, thus would I chant a song for you O sane and sacred death.

All over bouquets of roses,
O death, I cover you over with roses and early lilies,
But mostly and now the lilac that blooms the first,
Copious I break, I break the sprigs from the bushes,
With loaded arms I come, pouring for you,
For you and the coffins all of you O death.)

8
O western orb sailing the heaven,
Now I know what you must have meant as a month since I walk’d,
As I walk’d in silence the transparent shadowy night,
As I saw you had something to tell as you bent to me night after night,
As you droop’d from the sky low down as if to my side, (while the other stars all look’d on,)
As we wander’d together the solemn night, (for something I know not what kept me from sleep,)
As the night advanced, and I saw on the rim of the west how full you were of woe,
As I stood on the rising ground in the breeze in the cool transparent night,
As I watch’d where you pass’d and was lost in the netherward black of the night,
As my soul in its trouble dissatisfied sank, as where you sad orb,
Concluded, dropt in the night, and was gone.

9
Sing on there in the swamp,
O singer bashful and tender, I hear your notes, I hear your call,
I hear, I come presently, I understand you,
But a moment I linger, for the lustrous star has detain’d me,
The star my departing comrade holds and detains me.

10
O how shall I warble myself for the dead one there I loved?
And how shall I deck my song for the large sweet soul that has gone?
And what shall my perfume be for the grave of him I love?

Sea-winds blown from east and west,
Blown from the Eastern sea and blown from the Western sea, till there on the prairies meeting,
These and with these and the breath of my chant,
I’ll perfume the grave of him I love.

11
O what shall I hang on the chamber walls?
And what shall the pictures be that I hang on the walls,
To adorn the burial-house of him I love?

Pictures of growing spring and farms and homes,
With the Fourth-month eve at sundown, and the gray smoke lucid and bright,
With floods of the yellow gold of the gorgeous, indolent, sinking sun, burning, expanding the air,
With the fresh sweet herbage under foot, and the pale green leaves of the trees prolific,
In the distance the flowing glaze, the breast of the river, with a wind-dapple here and there,
With ranging hills on the banks, with many a line against the sky, and shadows,
And the city at hand with dwellings so dense, and stacks of chimneys,
And all the scenes of life and the workshops, and the workmen homeward returning.

12
Lo, body and soul—this land,
My own Manhattan with spires, and the sparkling and hurrying tides, and the ships,
The varied and ample land, the South and the North in the light, Ohio’s shores and flashing Missouri,
And ever the far-spreading prairies cover’d with grass and corn.

Lo, the most excellent sun so calm and haughty,
The violet and purple morn with just-felt breezes,
The gentle soft-born measureless light,
The miracle spreading bathing all, the fulfill’d noon,
The coming eve delicious, the welcome night and the stars,
Over my cities shining all, enveloping man and land.

13
Sing on, sing on you gray-brown bird,
Sing from the swamps, the recesses, pour your chant from the bushes,
Limitless out of the dusk, out of the cedars and pines.

Sing on dearest brother, warble your reedy song,
Loud human song, with voice of uttermost woe.

O liquid and free and tender!
O wild and loose to my soul—O wondrous singer!
You only I hear—yet the star holds me, (but will soon depart,)
Yet the lilac with mastering odor holds me.

14
Now while I sat in the day and look’d forth,
In the close of the day with its light and the fields of spring, and the farmers preparing their crops,
In the large unconscious scenery of my land with its lakes and forests,
In the heavenly aerial beauty, (after the perturb’d winds and the storms,)
Under the arching heavens of the afternoon swift passing, and the voices of children and women,
The many-moving sea-tides, and I saw the ships how they sail’d,
And the summer approaching with richness, and the fields all busy with labor,
And the infinite separate houses, how they all went on, each with its meals and minutia of daily usages,
And the streets how their throbbings throbb’d, and the cities pent—lo, then and there,
Falling upon them all and among them all, enveloping me with the rest,
Appear’d the cloud, appear’d the long black trail,
And I knew death, its thought, and the sacred knowledge of death.

Then with the knowledge of death as walking one side of me,
And the thought of death close-walking the other side of me,
And I in the middle as with companions, and as holding the hands of companions,
I fled forth to the hiding receiving night that talks not,
Down to the shores of the water, the path by the swamp in the dimness,
To the solemn shadowy cedars and ghostly pines so still.

And the singer so shy to the rest receiv’d me,
The gray-brown bird I know receiv’d us comrades three,
And he sang the carol of death, and a verse for him I love.

From deep secluded recesses,
From the fragrant cedars and the ghostly pines so still,
Came the carol of the bird.

And the charm of the carol rapt me,
As I held as if by their hands my comrades in the night,
And the voice of my spirit tallied the song of the bird.

Come lovely and soothing death,
Undulate round the world, serenely arriving, arriving,
In the day, in the night, to all, to each,
Sooner or later delicate death.

Prais’d be the fathomless universe,
For life and joy, and for objects and knowledge curious,
And for love, sweet love—but praise! praise! praise!
For the sure-enwinding arms of cool-enfolding death.

Dark mother always gliding near with soft feet,
Have none chanted for thee a chant of fullest welcome?
Then I chant it for thee, I glorify thee above all,
I bring thee a song that when thou must indeed come, come unfalteringly.

Approach strong deliveress,
When it is so, when thou hast taken them I joyously sing the dead,
Lost in the loving floating ocean of thee,
Laved in the flood of thy bliss O death.

From me to thee glad serenades,
Dances for thee I propose saluting thee, adornments and feastings for thee,
And the sights of the open landscape and the high-spread sky are fitting,
And life and the fields, and the huge and thoughtful night.

The night in silence under many a star,
The ocean shore and the husky whispering wave whose voice I know,
And the soul turning to thee O vast and well-veil’d death,
And the body gratefully nestling close to thee.

Over the tree-tops I float thee a song,
Over the rising and sinking waves, over the myriad fields and the prairies wide,
Over the dense-pack’d cities all and the teeming wharves and ways,
I float this carol with joy, with joy to thee O death.

15
To the tally of my soul,
Loud and strong kept up the gray-brown bird,
With pure deliberate notes spreading filling the night.

Loud in the pines and cedars dim,
Clear in the freshness moist and the swamp-perfume,
And I with my comrades there in the night.

While my sight that was bound in my eyes unclosed,
As to long panoramas of visions.

And I saw askant the armies,
I saw as in noiseless dreams hundreds of battle-flags,
Borne through the smoke of the battles and pierc’d with missiles I saw them,
And carried hither and yon through the smoke, and torn and bloody,
And at last but a few shreds left on the staffs, (and all in silence,)
And the staffs all splinter’d and broken.

I saw battle-corpses, myriads of them,
And the white skeletons of young men, I saw them,
I saw the debris and debris of all the slain soldiers of the war,
But I saw they were not as was thought,
They themselves were fully at rest, they suffer’d not,
The living remain’d and suffer’d, the mother suffer’d,
And the wife and the child and the musing comrade suffer’d,
And the armies that remain’d suffer’d.

16
Passing the visions, passing the night,
Passing, unloosing the hold of my comrades’ hands,
Passing the song of the hermit bird and the tallying song of my soul,
Victorious song, death’s outlet song, yet varying ever-altering song,
As low and wailing, yet clear the notes, rising and falling, flooding the night,
Sadly sinking and fainting, as warning and warning, and yet again bursting with joy,
Covering the earth and filling the spread of the heaven,
As that powerful psalm in the night I heard from recesses,
Passing, I leave thee lilac with heart-shaped leaves,
I leave thee there in the door-yard, blooming, returning with spring.

I cease from my song for thee,
From my gaze on thee in the west, fronting the west, communing with thee,
O comrade lustrous with silver face in the night.

Yet each to keep and all, retrievements out of the night,
The song, the wondrous chant of the gray-brown bird,
And the tallying chant, the echo arous’d in my soul,
With the lustrous and drooping star with the countenance full of woe,
With the holders holding my hand nearing the call of the bird,
Comrades mine and I in the midst, and their memory ever to keep, for the dead I loved so well,
For the sweetest, wisest soul of all my days and lands—and this for his dear sake,
Lilac and star and bird twined with the chant of my soul,
There in the fragrant pines and the cedars dusk and dim.


Autora wiersza rozpoznaję jednak wcale nie po bzie, lecz po… słowie “kapitan”, które pojawi się w tytule następnego wiersza na tej samej stronie.

O Captain! My Captain

O Captain! my Captain! our fearful trip is done;
The ship has weather’d every rack, the prize we sought is won;
The port is near, the bells I hear, the people all exulting,
While follow eyes the steady keel, the vessel grim and daring:
But O heart! heart! heart!
O the bleeding drops of red,
Where on the deck my Captain lies,
Fallen cold and dead.

O Captain! my Captain! rise up and hear the bells;
Rise up—for you the flag is flung—for you the bugle trills;
For you bouquets and ribbon’d wreaths—for you the shores a-crowding;
For you they call, the swaying mass, their eager faces turning;
Here Captain! dear father!
This arm beneath your head;
It is some dream that on the deck,
You’ve fallen cold and dead.

My Captain does not answer, his lips are pale and still;
My father does not feel my arm, he has no pulse nor will;
The ship is anchor’d safe and sound, its voyage closed and done;
From fearful trip, the victor ship, comes in with object won;
Exult, O shores, and ring, O bells!
But I, with mournful tread,
Walk the deck my Captain lies,
Fallen cold and dead.

Oba wiersze są lamentem na cześć Abrahama Lincolna, zamordowanego 14 kwietnia 1865 roku, w porze kiedy kwitną bzy. Piszę do A, że podoba mi się słowo “kapitan”, ale nie piszę, że jest dla mnie ważne. Nawet nie wiem, czy on wie, dlaczego jest ważne – że to mój Ojciec, i że tak jak o Mamie wszyscy mówili Artist lub Artysta, tak o Ojcu – Kapitan lub Captain. O Captain! My Captain! A właśnie o nim pisałam…

W odpowiedzi dowiaduję się, że owszem, jestem uważną czytelniczką, a jakbym zauważyła coś jeszcze, to żebym dała znać. Nie zawracam sobie tym głowy. Takie sobie komplementy. Wszyscy, my, którzy zajmujemy się książkami, jesteśmy uważnymi ich czytelnikami. Zresztą, o czym tu pisać? Oczywiście zauważyłam zasuszone kwiatki bzu, oczywiście je pamiętam, bo miesiąc temu A pokazał mi je świeżo zerwane, być może w jednym z ogrodów na mojej wiecznie kwitnącej ulicy. Mamy tu kwiaty, które kwitną jeszcze w grudniu i takie, które już w grudniu zakwitają.

Dopiero po kilku godzinach pojawią się następne skojarzenia. Walt Whitman! Wiersze po angielsku! Oczywiście!

15 kwietnia. Wczoraj A, który zebrał i zasuszył fioletowe kwiatki i włożył je do zielonej książki, tam, gdzie Whitman pisze o bzie, miał urodziny. Nie było mnie jednak.
15 kwietnia zostanę więc zaproszona na ciasto urodzinowe, upieczone przez solenizanta. Prezent dałam mu już przed wyjazdem – wiersze Lorki w tłumaczeniu Mamy, zakupione przez moją siostrę i sprowadzone w skomplikowany sposób z Gdańska do Berlina. Ale jednak jak się idzie na urodziny, to nie można iść z pustymi rękoma. Rozglądam się po mieszkaniu
i widzę zieloną książkę. Nie powinno jej tu być, ale jest. Nie została odłożona na półkę przez kolegę, który wczoraj dokonał dorocznego i dogłębnego odkurzania książek. Whitman nie wrócił tam, skąd się pojawił – na półkę, gdzie stoją książki po angielsku ze zbiorów Mamy. I już nie wróci, bo zabieram go zamiast prezentu. Lorca Mamy, Whitman Mamy, kwiatki bzu. Nawet śmierć obecna w obu wierszach Whitmana towarzyszyła nam, żywym, tego dnia, bo po herbacie i cieście z lodami poszliśmy na cmentarz, na grób zmarłego przed miesiącem kolegi dziennikarza.


A gdy już to wszystko napiszę, to nagle dojrzę misterną, baratarystyczną sieć pułapek, jaką na mnie zarzucił A. Bo tego dnia rano (jest 21 maja), przy dzbanku herbaty na balkonie, rozmawiamy o Don Kichocie. Już jakiś czas temu A zapytał mnie, dlaczego właściwie tak mnie interesuje Don Kichot? Odpowiedziałam wtedy, że nie wiem, że tak się zdarzyło i że jest to zapewne zasłużona kara za to, iż przez wiele lat nie lubiłam tej książki i nie chciało mi się jej czytać. Teraz wracam do tego pytania i mówię, że lubię rozmyślać o wędrówkach motywów w kulturze – w końcu jestem archeolożką i etnolożką, a to zawody, które tym się zajmują. A poza tym lubię, jak rzeczywistość przeplata się z kulturą – lubię usłyszeć w autobusie, od przypadkowo siedzącego obok mnie pasażera, odpowiedź na pytanie, które zadał sobie i mnie bohater czytanej wczoraj powieści.

Tym razem, rzecz się jeszcze komplikuje, bo tę powieść, po raz kolejny oczywiście, czytał A. I wieczorem przysłał mi nie tylko wiersz Whitmana, ale i tę karteczkę. Właśnie skończył lekturę.
– Po cóż iść za tropem tego, co się już skończyło?
– Bo tak, odpowiedział mi dziś żebrak w metrze.

Berlin, 22 maja 2019

PS 1. znaleziony tego dnia na FB u Danusi:

Ponieważ “To był maj / pachniała Saska Kępa / szalonym, zielonym bzem”… ponieważ 175 lat temu, 22 maja, urodziła się Mary Cassatt, amerykańska malarka i graficzka tworząca we Francji, impresjonistka, autorka wielu obrazów inspirowanych prozą Henry’ego Jamesa… “Lilacs in a Window” (Bez w oknie), 1879 r., Metropolitan Museum of Art (The Met), Nowy Jork:

PS 2. Pisałam ten wpis przez kilka tygodni. W międzyczasie, 31 maja, minęła dwusetna rocznica urodzin poety. Z tej okazji różne instytucje przypominają jego wiersze. Np berliński festiwal poezji, który 19 czerwca zaprasza do Kulturbrauerei na rozmowy o whitmanowskich źdźbłach trawy. Wszystko się łączy ze wszystkim.

Und es ist gut so!

Zjednoczone stany miłości

Jutro Morgen Jutro

Polnisches Institut BerlinPolnisches Institut Berlin

Film im Thalia Kino Potsdam-Babelsberg
03. 06. | 18. 00

ZJEDNOCZONE STANY MIŁOŚCI / UNITED STATES OF LOVE

Drama, R: Tomasz Wasilewski, PL 2016, 104 min, OdmU

mit Julia Kijowska, Magdalena Cielecka, Dorota Kolak u. a.

In diesem Drama stehen vier Frauen im Mittelpunkt, die jeweils auf ihre Weise im Frühjahr des Jahres 1990 versuchen, ihre Sehnsucht nach Liebe zu stillen. Agata erstickt in einer Ehe, die nur noch auf dem Papier existiert. Das Möchtegern-Model Marzena muss auf ihren Mann verzichten, der im Westen arbeitet. Ihre Nachbarin Renata – eine Lehrerin im fortgeschrittenen Alter – hat wiederum ein Auge auf sie geworfen. Deren Chefin Iza wiederum sucht ihr Liebesglück in einer Affäre. Das sind Ausgangspunkte für große Romanzen, aber das Glück gönnt Wasilewski seinen Heldinnen nicht. Es regiert klimatische und soziale Kälte, fotografiert ohne schnelle Schnitte, Musik, Schwenks, Fahrten oder Zooms. Doch die äußerliche Reizarmut kontrastiert lediglich die unterschwellig brodelnden emotionalen Vulkane.

Vor ein paar Jahren hatte Tomasz Wasilewski mit der Coming-Out-Story „Tiefe Wasser“ schon einen Film in die deutschen Kinos gebracht. Für den Nachfolger „United States of Love“ gewann er 2016 einen Silbernen Berlinale-Bären für das beste Drehbuch.

Tomasz Wasilewski ist Regisseur, Drehbuchautor und Produzent sowohl von Spiel- als auch Dokumentarfilmen. Er absolvierte die Filmhochschule in Łódź und die Film- und Fernsehakademie in Warschau. Seine Karriere begann mit dem preisgekrönten Spielfilm „W sypialni / In a Bedroom“. Wasilewski wirkte u. a. bei Lars von Triers „Antichrist“ mit und war Regieassistent für Małgorzata Szumowskas „33 Szenen aus dem Leben“.

Veranstalter: Polnisches Institut Berlin in Kooperation mit dem Polnischen Filmclub der Uni Potsdam und dem Programmkino Thalia

Veranstaltung auf Facebook

Ort: Thalia Filmtheater, Rudolf-Breitscheid-Str. 50, 14482 Potsdam-Babelsberg
http://www.thalia-potsdam.deTytuł zdjęcia

Aus der Pressemappe:

1990 in der polnischen Provinz. Nach Jahrzehnten des Sozialismus weht ein neuer politischer Wind durch das Land. Freie Wahlen, Neoliberalismus und westliche Gepflogenheiten halten Einzug ins still gestandene Polen. Mittendrin vier Frauen, deren Sehnsüchte und Gefühle vom Umbruch übergangen und verraten werden.

Gast: Ewa Maria Slaska (Schriftstellerin und Journalistin in Berlin)


©Foto: film I Väst, TVP, PIST, Manana

ZUR ERINNERUNG – DER FILM IST NUR FÜR VOLLJÄHRIGE GÄSTE GEEIGNET! (FSK 18)

Wycieczka do Tübkego / Zum Tübke

Zdjęcia: Ania, Netz i komórka Adminki
Wstęp: Adminka
Teksty: Sieć
Uczestniczki: Dorotek, Ania, Ewa (Adminka), Ela
Tübke (duchem)
Golf Touran (piękny)
Maj (piękny)
Kwiaty, trawa, drzewa (piękne)
Język: słubfurcki / Beitrag verfasst in der Slubfurter Sprache (Erklärung siehe TU)

Wstęp
Przed wielu wielu laty Dorotek obiecała, że na urodziny zabierze Adminkę (dalej: Ewę) na wycieczkę dokądś (Ewa nie zapamiętała dokąd, ale wiedziała, że gdzieś na południe od Berlina), aby jej pokazać panoramę namalowaną przez Tübkego. Dorotek zakładała, że Ewa wie, dokąd i co tam będzie, bo istnieje pewne (nie do końca uzasadnione, ale też nie całkiem nieuzasadnione) przekonanie, że Ewa wie (wszystko). Kilka razy w ciągu minionych lat Dorotek i Ewa uzgadniały nawet pewne terminy (w środę za tydzień od tego słupka), ale z przyczyn najróżniejszych, znanych ogólnie jako Vis Maior, wycieczka nie dochodziła do skutku, zmieniając się powoli w mityczną opowieść o krainie, w której jest piękna pogoda, piękna sztuka i piękna panorama Tübkego i do której “się” kiedyś dotrze.

Sprawa była mityczna już kilka lat temu, w październiku 2015 roku, gdy Dorotek i Ewa były wspólnie w Lipsku. Dorotek prowadziła tam lekcje niemieckiego, a ponieważ Ewa zna już niemiecki, mogła robić, co chciała. Poszła więc zwiedzić Bibliotekę Narodową, a potem odwiedziła Pomnik Bitwy Narodów, o czym napisała TU. Ponieważ, mimo tak ambitnych planów i ich realizacji, Ewa wciąż miała dużo czasu do końca lekcji, to z przyzwyczajenia poszła na cmentarz, który był tuż obok (Südfriedhof), gdzie przeczytała na tablicy (zawsze czyta), że jedną z osób, które są tam pochowane jest Tübke. Znalazła grób, sfotografowała i po lekcjach oznajmiła, że już wszystko w porządku, temat Tübke został odhaczony i już nie trzeba w ogóle jechać do Bad Frankenhausen.

Aż tu nagle, w maju 2019 roku temat powrócił. Dorotek kupiła nowe auto (piękne) i obiecała Ani, że zabierze ją tym autem na przejażdżkę. Na wyprawę została jeszcze zaproszona Ela, której Dorotek obiecała nie wiadomo co, ale na pewno coś.

I tak to w pewną majową sobotę pojechałyśmy we cztery “do Tübkego”.


Werner Tübke gehört zu den bedeutenden und gleichzeitig umstrittensten Maler des 20.Jahrhunderts und zur sogenannten Leipziger Schule.

Tübke wurde vor allem durch das Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen populär. Das gigantische Rundgemälde von 14 Metern Höhe und 120 Metern Umfang mit mehr als 3000 Figuren war ein Auftragswerke des DDR-Kulturministeriums. 1976 begonnen, dauerte die Vollendung 11 Jahre.
1997 schuf er einen Flügelaltar für die St. Salvatoris-Kirche in Clausthal-Zellerfeld.
Zwischen 1970 und 1973 gestaltete er das Wandbild „Arbeiterklasse und Intelligenz“, es befand sich im Hauptgebäude der Karl-Marx-Universität Leipzig und lagert derzeit im Depot des Museums der Bildenden Künste Leipzig.
1972 wurde er zum Professor ernannt, von 1973 bis 1976 war er Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Er hinterließ neben tausenden von Zeichnungen mehr als 500 Aquarelle und 353 Gemälde.
Sein Lebenswerk stiftete Tübke testamentarisch dem Germanischen Nationalmuseum, ausgestellt wird es in einer Dauerausstellung in seinem ehemaligen Haus mit Atelier, der Villa Tübke in der Leipziger Springerstraße 5.


Pewnego (pięknego) majowego dnia wyjechałyśmy więc z Berlina, przejechałyśmy 300 kilometrów, dojechałyśmy na parking, wysiadłyśmy z auta (pięknego) i poszłyśmy (piękną) drogą wśród (pięknych) tzw. okoliczności natury…

I tak sobie szłyśmy, aż doszłyśmy.

W muzeum (bilety po 8 euro, ulgowe po 7!). Kolejne zdziwienie, bo nie wszystkim z nas udało się w kawiarni dostać zamówioną kawę (no ale cóż, nie wszyscy uczciwym życiem zasłużyli sobie na kawę z widokiem, a widok był niezwykły; na szczęście oglądało się go również bez kawy i zasług).

W muzeum nie wolno fotografować słynnej panoramy. Also wenn ihr sehen wollt, wie es dort drinne ist, schaut HIER. Oder – fährt HIN.

PS. Potem jeszcze pojechałyśmy do Erfurtu. I też było przyjemnie, a kelnerki przyniosły kawę i/lub herbatę 🙂

Villa, Ausstellung, Filme, Brunch

Podlasie meets Berlin

 

 

 

 

Im Rahmen der Ausstellung veranstaltete am Sonntag 28. April filmPOLSKA den Festivalbrunch in der Villa Westend. Hier traf Kunst auf kulinarische und filmische Spezialitäten aus der Region Podlasie im Nordosten Polens präsentiert von den Kuratoren des Filmfestivals Żubroffka. Bei dieser Gelegenheit könnte man sich auch eine Ausstellung von 20 Künstlern – Studierende und Dozenten der Kunstakademie Stettin/Szczecin – anschauen.

Die Villa, die die Gabriele Fink Stiftung aus Hamburg zur Verfügung stellte, ist zum Abriss bestimmt. Das Thema der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Ort und dem Zeitgeist war „The End“.

Mehr oder weniger so viel fand man(findet man immer noch) in einer kurzen Beschreibung des Tages und des Events auf der Internetseite des Festivals. Dazu gibt es eigentlich nur ein Foto von der Villa, kein von Kunstobjekte, kein Wort über Filme, die während des Brunches gezeigt wurden, dafür aber… (Fotos Joanna Jakubiuk)

Schön arrangiert sind all die Würste auf den Fotos. Vielleicht sahen die Servierplatten tatsächlich so aus. Kann ich nicht sagen, weil ich sie nicht gesehen habe. Vor den Filmen sah die Wirklichkeit viel prosaischer aus, keine grüne Zweige, keine üppige Beerendolden, aber (zugegeben) viele schöne Äpfel. Wenn man in den Buffetsaal nach den Filmen kam, gab es zwar immer noch sehr viel Fleisch, Wurst, Gurken, Brot und Äpfel, aber von der Schönheit des Fleischfressens ist nix geblieben, es war eh eine Landschaft nach der Essschlacht. Oder (was ich leider vermute) gab es das Schöne nur fürs Fotografieren und das Bildliche stimmte mit dem Gegessenem überhaupt nicht überein. Genauso wie das einzige Foto von der Villa (oberes Foto unten) nicht das zeigte, was wir an diesem Sonntag gesehen haben.

Aber zum Glück war das, was wir sahen, viel schöner als das, was uns Festival-Portfolio anbietet. Dieses bemalte Haus machte schon Geschichte in Berlin und ganz viele Leute, die vom Festival und der Ausstellung gar nicht wussten, wussten doch, dass es am Ende der Stadt eine Villa gibt, die von den Kunststudenten aus Polen rot bemalt wurde…!

Ich versuche den knappen Bericht des Festivalsmachers ein Bisschen mit meinen eigenen Fotos und Impressionen zu ergänzen. Zuerst: kein Mensch hat verstanden, weshalb diese schöne fin de siecle Villa zu dem Abriss bestimmt ist. Jeder von uns dachte: aber wieso, wieso? Und die nächste Frage: Wenn sie schon weg ist, was wird hier entstehen? Noch ein Bürohaus? Ein Hotel? Eine Apartment-Siedlung für die Reichen? Es gab Zeiten, dass sich Berlin damit schmückte, arm aber sexy zu sein. Vorbei. Jetzt sind wir weiterhin arm, gar nicht sexy und an Reichen ausverkauft.

Die nächste Frage bereiteten uns die Filme. Wieso hat man sich für solch ein Motto entschieden: Podlasie atakuje (Podlasie greift an)? Das war schon 15. Festival der Filme aus Podlasie, in Berlin aber (glaube ich) das erste Mal gezeigt. Ohne Vorgeschichte fällt einem nicht ein, weshalb drei kurze Dokufilme (den vierten wollte man schon gar nicht mehr sehen, weil alle zum Buffet wollten), schön, ruhig, etnografisch-poetisch, plötzlich als Angreiferprodukte dargestellt werden sollen. Man hat sich sicher etwas dabei gedacht. Aber was?

Und letztendlich die Kunst. So lange man nicht wusste, dass das Thema der Ausstellung “The End” war, könnte man die 40 mit der Kunst “befallenen” Räume wirklich bewundern. Aber das Thema bereitet einem Kopfschmerzen vor. OK, die schönste Instalation (leider ist mir das Foto nicht gelungen) bildete einer auf dem Fussbpoden in einem Klo liegende Männeranzug, hergestellt aus der Klein-Fliesen-Matte, genauso einer wie die aus der Jahre zuvor der Fußboden gefertigt wurde. Der graue Anzug als der Überbleibsel von einem Mann, den es nicht mehr gibt, das Ende also.

Aber ein Kreis der Salzkristalle im Garten? Ein roter (lustig gefederter) Schnabeltier? Eine Glasflasche voller Wasser, in dem sich die Klänge der Umgebung angesammelt haben? Ein Raum voller Gegenstände, die nicht das sind, was sie darstellen (eine Fußmatte wie eine metallne Reibe, ein Mülleimer aus grünen Lutschbonbons, die Teller aus Pelz – vielleicht ein Hommage an Meret Oppenheim)? Symbolisieren sie “the End”? Keine Ahnung. Aber schön sind sie, keine Frage. Oder waren. Die Ausstellung ist nämlich zu Ende. Also “The End”.

Die Ausstellung gibt es nicht mehr, aber ich glaube die rote Villa kann man immer noch sehen, wahrscheinlich bis sie abgerissen wird. Es lohnt sich, hinzugehen, zumal es auch gegenüber eine schöne halbwilde Grünanlage mit Skulpruren gibt: Pillkaller Allee 2 in 14055 Berlin.

Weitere Filmberichten folgen.

DMAO oder Berlin erinnert sich

DenkMalAmOrt – Denkmal am Ort – DMAO

In der Wohnung, im Treppenhaus, im Hof, im Keller, im Schrebergarten, bei der alten Tante weit in Köpenick, im Hinterzimmer eines Nazi-Günstlings wie es bei der Lale Andersson der Fall war, bis zuerst ihr Garderobier und später auch sie selbst in einem KZ landeten.

Berlin erinnert sich.

DENK MAL AM ORT  ist eine persönliche Erinnerung an einen Menschen oder eine Familie in Berlin, die während der NS-Zeit verfolgt wurde.
DENK MAL AM ORT findet statt an den authentischen Wohn- und Lebensorten in Berlin, in der ehemaligen Wohnung, im Hof, im Keller, im Treppenhaus oder vor dem Wohnhaus. Wir leben in Wohnungen mit Vergangenheit.

Am jeweils ersten Wochenende, das auf das Kriegsende in Berlin am 2. Mai folgt, werden Haus- oder Wohnungstüren in Berlin geöffnet und die Namen unserer ehemaligen Nachbarn, Bruchstücke ihrer Biografien, Verfolgungs- und Fluchtgeschichten werden sichtbar in Gesprächen, Lesungen, Installationen, Zeichnungen, Texten, Musik, Audio, Film, Poesie, Gesang und mehr.

www.denkmalamort.de
facebook.com/denkmalamort

Hier ist es, das pdf mit allen DMAO_2019_Veranstaltungen und Orten.
Es kann bequem überallhin verschickt und ebenso problemlos gelesen, vergrössert und ausgedruckt werden.

DMAO_2019_Faltblatt_als_pdf_DE

DMAO ist ein Projekt von drei Personen:

Jani Pietsch, M.A. Politische Wissenschaft, Geschichte, Philosophie – Historikerin und freischaffende bildende Künstlerin in Berlin
www.janipietsch.de

 

Marie Rolshoven, M.A. Theater- und Filmwissenschaft, Kunstgeschichte – Mitarbeiterin der Gedenkstätte Stille Helden Berlin und Mitmacherin des Ausstellungsprojekts Wir waren Nachbarn – Biografien jüdischer Zeitzeugen im Rathaus Berlin-Schönebergwww.marie-rolshoven.com

Florian Voß, ein junger Biologe, geboren 1973, Projektentwickler für Umwelt- und Bildungsprojekte, ist 2016 gestorben.

2019 sind es 14 Orte am 4. Mai und 12 am 5. Mai. Ich habe für Euch eins ausgesucht. Ich suche weitgehend unbekannte Geschichte aus, obwohl man sich an diesem Wochenend auch an Max Liebermann oder Albert Einstein erinnern kann. Eigentlich suchte ich einen Ort in der Krefelder Strasse in Moabit, wo ein arabischer Doktor, Mod (Mohamed) Helmy, eine jüdische Familie versteckte – die Erinnerung an ihn wurde von meinem Orthopäden gepflegt und er war  der, der das Schreiben eines Buchs über ihn vorgeschlagen hat. Wie das Leben es will, der Autor, Igal Avidan, ein Israeli, der seit über 30 Jahre in Berlin lebt, ist auch mein Bekannte. Er präsentiert sein Buch immer wieder auch in Berlin und es ist bei ihm oder bei dem Verlag käuflich zu erwerben.

Dann denke ich mir, dass auch ich bei dem Projekt mit machen könnte, um unsere beide Protagonisten, mit denen ich mich seit Jahren beschäftige, zu erinnern: Hermann Stöhr (links unten), der erste Kriegsverweigerer des 2. WK, hingerichtet in Plötzensee und Stanisław Kubicki, polnischer Maler, Vorreiter des Pazifismus und der Deutsch-Polnischen Versöhnung, zum Tode gefoltert in Gestapo Gefängnis Pawiak in Warschau.

 

 

 

 

Zum lesen gibt es darüber viel – man kann HIER starten.

Soll ich es machen. Schaffe ich es? Jedes Projekt bedeutet so unheimlich viel zu tun, was die Freischaffenden vor allem aus eigener Tasche und aus dem eigenem Kraftreservoir schöpfen müssen. Halte, Ewa, es ist ein Zukunftslied über die Vergangenheit. Kehren wir lieber zurück in die Gegenwart.

Aus dem diesjährigen DMAO-Projekt wähle ich eine Geschichte aus:

Nummer 10 am 4. Mai

Mommsenstraße 6, Hochparterre, 10629 Berlin-Charlottenburg
14 17 Uhr Ausstellung, Gespräch und Lesung (Deutsch und Englisch)
Im Gedenken an die ehemaligen Hausbewohner, Familie Fiegel, Familie Isaacsohn und Familie Selten, öffnen Dr. Wolf-Rüdiger Baumann und Claudia Saam ihre Wohnung. Die Geschwister Naomi und Paul Fiegel kommen aus Sydney (Australien), um an ihren Vater Bernhard und an ihre Großeltern Erna und Paul Fiegel zu erinnern.

S3, S5, S7, S9, S75 / Station Savignyplatz

Fuga / Fugue

Uwaga, jak się poszuka, znajdzie się też króciutką opinię o filmie po polsku – niebieską 🙂

Aus der Pressemappe des Festivals:

Kategorie: Neues Polnisches Kino
Polnischer Titel: Fuga
Deutscher Titel: Fugue
Produktionsjahr: 2018
Dauer: 01:40:00
Festivalausgabe: 2019
Regie: Agnieszka Smoczyńska
Drehbuch: Gabriela Muskała
Kamera: Jakub Kijowski
Darsteller: Łukasz Simlat, Zbigniew Waleryś, Halina Rasiakówna, Gabriela Muskała, Małgorzata Buczkowska
Musik: Filip Míšek

W Berlinie dziś jeszcze do obejrzenia / Heute noch im Kino
19:00 / Wolf Kino

Pressetext:

Nach ihrem gefeierten, furiosen, bunten Horror-Trash-Musical Córki dancingu/ Sirenengesang/ The Lure überrascht Smoczyńska mit einem ernsten Psycho-Kammerspiel, zu dem die Hauptdarstellerin Gabriela Muskała das Drehbuch schrieb. Sie verkörpert eine Frau mit einem doppeltem Knick in ihrer Biografie: Vor zwei Jahren war die brave Mutter aus der Gegend von Wrocław plötzlich verschwunden und hatte sich ohne jegliche Erinnerung in Warschau neu erfunden. Als starke, selbstbewusste Frau hat sie sich durchs Leben geboxt, bis eine TV-Sendung ihre Identität offenlegt. Nun ist sie zurück in den Armen ihrer Familie und könnte sich dort kaum fremder fühlen.

In dunklen Bildern und mit mutigem Sounddesign entblättert die Regisseurin das zerrissene Innere ihrer Hauptfigur, der sie stets dicht auf den Fersen bleibt. Dass diese nicht zwingend sympathisch, aber stets nachvollziehbar bleibt, ist neben einem gekonnten Schnitt vor allem der grandiosen Leistung der Hauptdarstellerin zu verdanken, welche Blicke tief in die Seele ihrer Figur zulässt, ohne sie vollständig zu enträtseln.

Ela Kargol napisała:

Pomiędzy flizą, płytą, kaflem jest fuga. Większa mniejsza, szersza, węższa, trwała, krucha….
Fuga wypełniona pewną masą łączy części w całość. Zabrakło w filmie spoiwa wypełniającego fugę. Może się wykruszyło, tak jak pamięć głównej bohaterki, a może z powodu zaniku pamięci nie da się już nic scalić i fuga zostaje pusta.
Mój tata miał takie widzimisię, że kładł fugi kolorowe, potem blakły, tak mi się tylko przypomniało…


Jetzt werden hier Texte von drei weiteren Frauen folgen. Wir trafen uns alle im Kino, aber wir haben nicht miteinander über den Film gesprochen. Das, was wir über den Film denken, trifft sich erst hier.

Ewa Maria Slaska

Ich lese solche Texte stets erst nachdem ich den Film gesehen habe. Ich versuche, mich vor den Spoilern zu schützen. Ich hasse es, schon vorher belehrt zu werden, was ich zu denken habe. Besonders in der deutschen Kritikpraxis ist es eigentlich gang und gäbe, dass einem der Inhalt, das Ende und der Sinn des Filmes von den Rezensenten gnadenlos enthüllt werden. Ist es die unterbewusste Überzeugung, dass der Rezipient keine Ahnung hat und Auslegung braucht, ist es der Wunsch des Publikums, oder ist es blosse Machtlosigkeit der Kritik, die selber nichts weiß und doch über irgendetwas schreiben muss?

Dies aber nur am Rande. Ich bin also ins Kino gegangen ohne jedwede Vorkentnisse. Ich ließ den Film auf mich wirken und… und der ließ mich unberührt. Mir hat der Film nicht gefallen. Vielleicht bin ich aber nur die Einzige im Kino, die das dachte, weil ich vermute, von den Zuschauerinnen (es waren überwiegend Frauen im Kino) bei dem Weggehen kleine Anerkennungssätze zu schnappen.

Ich kann aber nicht anders. Auch wenn alle andere anders denken. Die Geschichte scheint mir unlogisch und voller Lücken konstruiert zu sein. Und damit meine ich nicht den künstlerischen Anspruch der Regisseurin und der Drehbuchautorin, ihre Protagonistin geheimnisakzeptierend und nicht entblössend darzustellen. Nein, ich meine Konstruktionsfehler des Films selber, das Ignorieren der Tatsachen und Prozedern, das Weglassen der nüchternen Fakten. Nichts in der Geschichte von Alicja könnte so gewesen sein, wie es im Film gezeigt ist. Alles stimmt nicht, alles ist nur bloßes Fantasieren um ein Frauenschicksal herum, unterlegt mit frecher Gewissheit der Filmmacherinnen, dass wenn es Frauengeschichte ist, wird sie aufgenommen sein, weil 2019 Frauengeschichten einfach aufgenommen werden und niemand wird sie hinterfragen.

Die Geschichte entwickelt sich nicht, sie dreht sich nur rum. Man weißt nicht, weshalb etwas im Film gerade gezeigt wird, es ist wurscht und egal, was die Menschen im Film machen und weshalb gerade jetzt. Die einzelnen Szenen sind lose nacheinander geworfen. Irgendwas. Irgendwie. Irgend… Ich fühle mich als Zuschauerin regelrecht verarscht und hab’ Gefühl, die große Worte des Pressetexts wollen mich nur einschüchtern, damit ich es doch nicht tue, was man (frau) sich nicht wünscht: nicht frage.

Auch die große schauspielerische Leistung der Hauptprotagonistin, die im Pressetext hochgepriesen ist, scheint mir ein Humbug zu sein. Frau Muskała verfügt, meiner Meinung nach, nur über zwei Gesichtausdrücke – entweder ist sie weit weg vom Hier und Jetzt und somit traurig oder hat einen delikaten fast unmerkbaren Lächeln parat, der sicher ihre Stärke ist, wird aber so oft und so sinnlos eingesetzt, dass es schon gar nichts bedeuten kann.

Also bei der Frage Hit oder Kitt, sage ich Kitt, obwohl mir sehr bewusst ist, dass der Film beste Chancen hatte, den Filmfestivalpreis zu bekommen. Und weisst der Kuckkuck, weshalb er ihn nicht bekam?

Monika Wrzosek-Müller

Irgendwie beschäftigen sich übermäßig viele Filme des diesjährigen Neuen Polnischen Kinos mit psychologischen Problemen, wenn nicht Anomalien. Schon die Titel weisen daraufhin: 7 Gefühle, Panikattacken, Fugue, Over the Limit. Ich habe nun den 2018 von Agnieszka Smoczynska gedrehten Film Fugue gesehen. Eigentlich könnte man bei diesem Film von der Illustration eines dissoziativen Phänomens, nämlich der Dissoziativen Fugue, auch psychogene Fugue genannt, sprechen. Die Hauptdarstellerin Gabriela Muskała, die übrigens auch das Drehbuch schrieb, spielt hervorragend; doch der Film war für mich an manchen Stellen künstlich und überzogen.

In der Klassifikation nach ICD-10 der psychischen Störungen wird Dissoziative Fugue unter der Nummer F44.1 aufgelistet. Zu den Symptomen gehören eine unerwartete, desorientierte Flucht aus der gewohnten Umgebung (Zuhause, Arbeitsplatz), teilweise Amnesie in Bezug auf Teile der Vergangenheit, Verwirrung über die eigene Identität, manchmal die Annahme einer neuen. Die Störung kann von ein paar Stunden bis zu mehreren Monaten dauern. Nun im Film dauert sie zwei Jahre, die Frau nimmt eine neue Identität an und kämpft sich an einem neuen Ort, in Warschau, durchs Leben, bis sie durch eine TV-Sendung erkannt wird. Der Vater ruft die Moderatorin an und entschlüsselt ihre Identität.

Es folgen berührende Szenen, in denen die ganze Familie und besonders der Vater versuchen, sie wieder an ihre Vergangenheit heranzuführen. Doch alle Versuche scheitern, sie scheint sich an nichts zu erinnern. Man sieht nur, dass all das sie quält und ihr unangenehme Gefühle bereitet.

Eigentlich stellt sich für mich in dem Film als wichtigste Frage, warum sie das getan hat, warum sie „geflüchtet“ ist. Das erfährt der Zuschauer peu à peu, in kleinen Schritten – bis er erfährt, dass sie einen Autounfall im Wald hatte. Sie wollte vor ihrem Mann fliehen, der ihr gedroht hatte, sich scheiden zu lassen und ihr den Sohn wegzunehmen. Nach dem Unfall dachte sie, ihr Sohn sei dabei gestorben, und daraufhin, aus Entsetzen über die eigene Tat, wäre sie von der Unfallstelle geflohen und hätte das Geschehene vergessen. Doch ihr Psychotherapeut spricht von dissoziativer Fugue und hilft ihr dabei, ihre wahre Identität zu finden. Aber ihr früheres Leben, in dem sie sich gar nicht mehr zurecht findet, stellt für sie keine Alternative für eine Fortsetzung dar. Am Ende des Films verlässt sie ihren Mann und ihren Sohn. Die Sentenzen, die Szenen mit ihrem Sohn, einem Jungen von 5 oder 6 Jahren, sind sehr berührend: das Kind ist klug und mein Herz zog sich regelrecht zusammen, als ich sah, wieviel der Junge von der Situation auf sich übertrug und wie ihn das direkt betraf. Insofern eine Warnung an alle Eltern, wie direkt ihr Leben das ihrer Kinder betrifft.

Doch letztendlich verdankt der Film seine ganze Wirkung dem enormen, perfekten und mutigen Spiel der Hauptdarstellerin. Trotzdem habe ich den Saal mit einem Gefühl des leisen Missmuts verlassen.

Anne Schmidt

Liebe Ewa,
Der Titel des Films Fuga beschäftigt mich, seitdem ich mir diesen Film angeschaut habe.
Leider konnte ich nicht bis zum Gespräch mit der Hauptdarstellerin und Drehbuchautorin bleiben, denn sie hätte mich vielleicht darüber aufgeklärt, ob die musikalische Fuge oder die handwerkliche Fuge gemeint ist. Vielleicht hast Du die Gelegenheit Gabriela Muskala nach der Bedeutung des Titels zu fragen.
In der Anfangsszene des Films kraxelt eine zierliche junge Frau in Stöckelschuhen über den Schotter einer unterirdischen Bahntrasse (Fuge), bis sie in einem unterirdischen Bahnhof ankommt. Dort zieht sie sich mühsam zum Bahnsteig hoch, taumelt unter den Augen der indigniert schauenden Passagiere ein paar Schritte vorwärts, hockt sich nieder, lupft ihren seriösen Trenchcoat und uriniert auf den Bahnsteig.
Ich frage mich, ob sie damit den Ruf nach der Polizei und einem Arzt provozieren wollte, denn in der nächsten Szene sehen wir sie in einer psychiatrischen Klinik. Sie wird dort zwei Jahre lang als Frau ohne Gedächtnis unter dem Namen Alicja von einem sehr engagierten Professor behandelt bis dieser auf die Idee kommt, sie im Fernsehen der Öffentlichkeit vorzustellen. Sofort nach der Ausstrahlung meldet sich ein Mann, der sie als seine Tochter, die vor zwei Jahren verschwunden ist, erkannt hat.
Ab jetzt wird die Geschichte kompliziert, denn Kinga, wie Alicija richtig heisst, reagiert auf ihre “Heimführung” in ihr ehemaliges Zuhause mit Mann und Kind aggressiv und ablehnend. Auch ihr Mann wirkt weder erfreut noch erleichtert darüber, dass seine Frau wieder zurück ist. Der kleine Sohn scheint sie nicht als seine Mutter wiederzuerkennen und fühlt sich mehr zu einer ehemaligen Kollegin von ihr hingezogen.
Die Frage, was stimmt in dieser Familie nicht, wird erst zum Schluss beantwortet.
Die Frage, hat Kinga wirklich ihre Vergangenheit vergessen, bleibt bis zum Schluss bestehen, denn manche Dinge kann sie seltsamerweise richtig zuordnen.
Nachdem ihr ihr Ehemann den letzten Tag ihres alten Lebens ins Gedächtnis zurückgerufen hat, zieht sie daraus eine unerbittliche Konsequenz. Ob sie damit ihrem Kind das verlorengegangene Gleichgewicht wiedergibt und ihrem Mann ein glückliches Leben ermöglicht, sei dahingestellt.
Aber was wird aus ihr? Kann sie ohne ihren Psychiater nicht mehr leben? Hat er aus ihr eine Kurwa gemacht?
Wie beurteilst Du ihr Verhalten und ihre Zukunftsaussichten, Ewa?
Mich haben die Geschichte und die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin sehr beeindruckt.
Die Tatsache, dass sie die Verwirklichung ihres Drehbuches über mehrere Jahre verfolgt hat, deutet meiner Meinung nach auf ein starkes persönliches Interesse an diesem Stoff hin. Leider kann ich sie nicht nach den Gründen für ihre starke Ambition fragen, aber Du hast vielleicht noch diese Chance.

Ewa Maria Slaska

Liebe Anne, ich glaube Fuga ist hier als lateinsches Wort Flucht gemeint. Mit Bach und seiner berühmten Fuge (fliehende musikalische Motive geben der Fuga ihren Namen her) hat die Geschichte wohl wenig zu tun. Ob es damit aber (auch) die handwerkliche Fuge gemeint ist, also ein Spalt zwischen den Kacheln, die man zusammenbinden muss, damit sie nicht auseinander geraten? ich weiß es nicht. Möglich wäre es. Man sieht, dass in dieser Familie etwas fehlt, dass hier alle auseinander geraten. Monika meint, die Fugue ist der Name einer psychischen Krankheit.

Fotos: FUGUE_Stills_2_4_6 © Alpha Violet

Weitere Filmkritiken folgen

Atak paniki / Panic Attak

Liebe Ewa, schreibt mir die Autorin, als Erstes möchte ich meine Entrüstung darüber bekunden, dass ich weder in der Berliner Zeitung noch im Tagesspiegel
einen einzigen Hinweis auf das polnische Filmfestival gefunden habe.

Inzwischen habe ich mir zwei Filme angesehen, u.zw.
Atak paniki und Fuga.

EMS: Zu der Bemerkung, dass es in der Berliner Presse keine Info über das Festival gab, kann ich mich nicht äussern. Aber in der Stadt ist das Festival doch sehr schön präsent. Wir wohnen nicht weit voneinander, die Autorin des Texts und ich. Bei mir in der U-Bahn-Station gab es Festivalplakats in der Vitrine (Wartezeit ist doch Werbezeit), aber ich fahr’ ja U-Bahn oder S-Bahn und die Autorin Auto oder Fahrrad :-), da sieht man die Plakate nicht so oft…

Anne Schmidt

Der Film “Atak paniki” beschäftigt mein Hirn immer noch, obwohl seit seinem Genuss einige Tage vergangen sind.
Dank der Hinweise im Progammheft wusste ich, dass ich mich auf eine Montage gefasst machen musste,
aber dennnoch verwirrten mich die Namen der Personen so sehr, dass ich die Konstellationen der Gruppen zueinander nicht unbedingt sofort erkannte und immer noch nicht alle Puzzleteile korrekt zuordnen kann.
Die verschiedenen zeitlichen Ebenen, die kommentarlos ineinander übergehen, machen meinen Erkenntnisprozess nicht leichter, aber genau das will ich, erkennen und deshalb denke ich immer wieder darüber nach, ob der Tierpsychologe im Flugzeug der Vater von dem jungen Selbstmörder und den bekifften Jugendlichen ist oder ob der neben ihm sitzende Fluggast der Vater von beiden oder nur einem der beiden ist. Ein junger Spielsüchtiger, der seinen Job als Kellner bei einer exklusiven Hochzeit aufs Spiel setzt, zwingt seine ahnungslose, tierliebende Mutter, sein Spiel am heimischen Computer fortzusetzen, damit er nicht von einem geheimnisvollen Anrufer vernichtet wird.


Drei junge Frauen, von denen eine ein Baby hat und mit diesem irgendwann bei
der Hochzeit auftaucht, scheinen die Töchter der Tierschützerin und Schwestern des jungen Kellners zu sein.
Die todschicke Hochzeitsgesellschaft lauscht verständnislos den Erklärungen der schönen, schwangeren Braut zur Wassergeburt ihres Babys, lässt sich aber nicht durch das Fehlen des Bräutigams vom Schmausen und Feiern abhalten.
Ist der Bräutigamer etwa der Typ, der sich zu einem letzten Abendessen mit seiner Nochfrau getroffen hat und der er vor ihrer letzten Verführungsattacke von seiner schwangeren Braut erzählt?
Bei der Frühgeburt mitten im Festsaal scheint er dann doch zugegen zu sein, obwohl er gerade noch in einer leidenschaftlichen Sexszene mit seiner Ex zu sehen war.
Geburt und Tod liegen in diesem Film nahe beieinander, wenn auch nicht zeitlich. Der finale Schuss, mit dem sich der junge Musikredakteur ins All katapultiert hat, scheint zeitlich parallel zum Flug seiner Eltern von Ägypten nach Polen stattzufinden. Noch wissen sie nichts von seinem Tod, werden aber mit dem Tod als Phänomen konfrontiert, weil ein Sitznachbar von ihnen während einiger Turbulenzen des Flugzeugs einen plötzlichen Herzstillstand erleidet. Sein Tod wird nicht gemeldet, damit der Ankunftstermin in Warschau nicht verzögert wird.


Während die drei Jugendlichen nach ihrem Drogenkonsum in Panik verfallen, einer der Drei verzweifelt seinen Bruder telefonisch zu erreichen versucht (wahrscheinlich der junge Selbstmörder), rücken die zwei Töchter, die von ihrer tierlieben Mutter nie erwähnt wurden, der Schwester, die dem spielsüchtigen Kellner als arbeitsames Vorbild vorgehalten wird, auf die Bude. Diese schöne junge Frau, die gerade bei der Arbeit, Telefonsex, war, fühlt sich von ihren aufdringlichen Schwestern und dem Kleinkind einer der beiden äußerst gestört; in letzter Minute gelingt es ihr, ihre Arbeitsmaterialien, u.a. eine Wasserpistole, unter ihrem Bett zu verstecken, als ihre Schwestern sie mit der Nachricht von dem Selbstmord des jungen Musikredakteurs überfallen und sie daran erinnern, dass sie während der Schulzeit mit ihm befreundet gewesen sei. Die junge Frau kann sich offensichtlich nicht an ihn erinnern, gerät aber dermaßen in Panik darüber, dass ihre Schwestern ihren wahren Broterwerb erkennen könnten, dass sie sie
aus ihrem Appartement drängt und anschließend mit einer vollgestopften Reisetasche fluchtartig die Wohnung verlässt. Am Flughafen nimmt sie den erstbesten Flug nach Südamerika, zerrt Pullover, Felljacke und ähnlich warme Kleidung aus ihrer übergewichtigen Tasche und zieht sie sich übereinander an; nicht nur diese Szene ist lustig, auch andere wirken eher komisch als traurig.
Wenn ich den Film noch nicht gesehen hätte, würde ich ihn mir anschauen, nicht nur wegen der Rätsel, die er mir aufgibt, nicht nur wegen der Komik, sondern auch wegen der vielen schönen Menschen und Dinge, die kaum Raum für die hässliche Ralität lassen.


Aus der Pressemappe:

Panic Attak
Film nominiert für den Wettbewerb

Der Episodenfilm erzählt Geschichten von Menschen, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben: Zwei Teenager verpassen sich beim ersten Kiffen gleich eine Überdosis. Ein Noch-Ehepaar versucht im Restaurant, gesittet seine längst fällige Scheidung zu organisieren. Eine Internet-Porno-Queen bekommt mitten in den Dreharbeiten ungebetenen Besuch. Fluggäste schlagen sich mit unbequemen Sitznachbarn herum. Eine Braut muss ihre Hochzeitsfeier hochschwanger hinter sich bringen. Und ein Kellner versucht, moralische Spielschulden zu begleichen.

In seinem gefeierten, meisterhaft montierten Debüt webt der Regisseur in vorerst getrennten Erzählfäden, die er später geschickt und auf überraschende Weise miteinander verknüpft, ein Bild von gewöhnlichen Menschen, die in alltäglichen Situationen unvermittelt aus der Bahn geworfen werden. Wie sie sich mit allen Kräften gegen ihr grausames Schicksal wehren, ist tragisch und saukomisch zugleich, vor allem aber zutiefst menschlich. Denn in jedem von ihnen erkennen die Zuschauer_innen ein Stück von sich selbst wieder.


Kategorie: Neues Polnisches Kino
Polnischer Titel: Atak paniki
Deutscher Titel: Panic Attak
Produktionsjahr: 2017
Dauer: 01:40:00
Festivalausgabe: 2019
Regie: Paweł Maślona
Drehbuch: Aleksandra Pisula, Bartłomiej Kotschedoff, Paweł Maślona
Kamera: Cezary Stolecki
Darsteller: Dorota Segda, Magdalena Popławska, Artur Żmijewski, Małgorzata Hajewska-Krzysztofik, Nicolas Bro, Grzegorz Damięcki, Julia Wyszyńska, Bartłomiej Kotschedoff
Musik: Radzimir Dębski

Fotos: PanicAttack©New Europe Film Sales

Weitere Filmkritiken folgen

Frauenblick auf Museum an der Weichsel

Monika Wrzosek-Müller

Gedanken zu der Ausstellung von Daniel Rycharski im Museum an der Weichsel

Der Taxifahrer sprach immer wieder von seinem Schwager aus der Provinz, genauer aus einem Dorf. Irgendwie würden die auf dem Land immer nur klagen, nichts lohne sich, jede Anstrengung sei zu viel; zwar hätte sich viel verändert, doch die Bereitschaft, Verantwortung für etwas Größeres (ein richtiges Unternehmen) zu übernehmen, würde fehlen; oder es wagen doch nur ganz wenige. Sollen sie doch in die Stadt kommen, sich hier ausprobieren, bitte schön… usw… usf.

Das war der Anfang meiner Episode mit dem Nachdenken über das Landleben, die Dörfer, die Bauern in Polen. Mehrere Faktoren haben zusammengespielt. Vor einigen Monaten erzählte mir eine Freundin von einer fantastischen Ausstellung in Krakau, die Stanisław Wyspiański gewidmet war und unheimlich viele seiner Werke versammelte. Er war der Hauptvertreter der „Bauernmanie“ [Chłopomania] aus der Kunstrichtung Junges Polen [Młoda Polska] in der Zwischenkriegszeit. Als Künstler war er nicht nur Maler, Projektant von Glasfenstern und Bildhauer; er schrieb auch – und sein bekanntestes Drama „Die
Hochzeit“ [Wesele] wurde immer wieder aufgeführt; es zeigte das stilisierte, farbenfrohe, manchmal bedrohliche Bauernleben, das die Vertreter dieser Kunstrichtung feierten. Andrzej Wajda drehte 1997 einen monumentalen Film aufgrund des Dramas, „Die Hochzeit“.

Ein anderer wichtiger Schriftsteller dieser Richtung, allerdings eher aus dem Realismus kommend, war Władysław Reymont. Er verfasste das Epos „Die Bauern“ [Chłopi] und erhielt dafür, so lernte ich in der Schule, den Literaturnobelpreis. Er lebte längere Zeit in einem Dorf, das damals Lipce hieß (später erhielt das Dorf den Beinamen Reymontowskie), wohin ich als Kind in die Sommerferienlager (sog. kolonie) fuhr. Im Dorf gab es ein Museum, es sollte sein Haus gewesen sein, mit vielen bunten Stuben, wo kleine Betten standen mit aufgetürmten Kissen darauf. So jedenfalls war meine Erinnerung daran. Der Roman „Die Bauern“ war lang, zog sich über vier Bände, die nach
Jahreszeiten unterteilt waren, und langweilte mich. Doch wir mussten ihn lesen, denn er stand auf der Lektüreliste. Er enthielt wohl auch viele Wahrheiten und treffende Beobachtungen über das Bauernleben in Polen. Für die meisten von uns Städtern meiner Generation existierte das Dorf eigentlich kaum – und wenn dann nur als Fluchtort aus dem mühsamen, strapaziösen Stadtleben; Ort für Ferien, um sich zu erholen. Ein Bewusstsein für Land, Dorf wurde nicht entwickelt, kaum jemand beschäftigte sich damit. Die Tatsache, dass die Bauern diejenigen waren, die uns ernährten, drang gar nicht zu uns vor.

Vor zwei Jahren war ich auf Einladung einer Freundin in ihrem Sommerhäuschen auf dem tiefen polnischen Land. Wir haben uns wunderbar amüsiert, wurden auch auf ein Dorffest eingeladen. Dort wurde so heftig getrunken, getanzt und geredet, dass ich es ungeheuerlich fand, mich fast davor fürchtete. Die Menschen erzählten mir, was für sie die „500 plus“ bedeuteten, das von der PiS-Regierung eingeführte großzügige Kindergeld; einige von ihnen hatten zum ersten Mal so viel Geld auf einmal gesehen, konnten zum ersten Mal nachdenken, was sie mit Geld anfangen würden, ob sie zum ersten Mal irgendwohin weg fahren würden. Neuerdings rücken die Bauern, das Landleben, die Landwirtschaft mehr in den Vordergrund, in das moderne Bewusstsein aller Menschen; sei es durch das zunehmende ökologische Bewusstsein, besonders nach dem heißen und trockenen Sommer des letzten Jahres, oder als Alternative zum Stadtleben, schließlich durch die Suche nach Wählerstimmen, die da noch zahlreich zu gewinnen waren.

Bei meinem letzten Besuch in Warschau habe ich eine Ausstellung in dem neu entstandenen Museum für Moderne Kunst („Museum an der Weichsel“) gesehen, die sich auch mit der Bauernproblematik auseinandersetzt, auf sehr interessante Weise. An jenem Abend war eine herrliche Stimmung schon vor dem Gebäude zu spüren. Auf den schönen Holzterrassen, und an Deck der Schiffe am Weichselufer saßen Unmengen von jungen Leuten, in einer fröhlichen, ausgelassenen Stimmung, die sich echt und ohne Events und viel Alkohol ausbreitete und in der Luft vibrierte. Die letzten Sonnenstrahlen schienen auf die wunderschöne neue Swiętokrzyski-Brücke und das Nationalstadion.
Das frische, feine Frühlingsgrün der Bäume und Sträucher auf dem anderen Weichselufer hob sich bewusst von dem regulierten, verbauten auf der Museumsseite ab. Drinnen, in dem provisorisch errichteten Gebäude, gab es eine Ausstellung, die mich gefesselt und gebannt hat, wie seit längerer Zeit keine mehr.
Es handelte sich um die Ausstellung von Daniel Rycharski „Strachy“ [Angst, Furcht, Schreck, Vogelscheuche]; sie enthält Arbeiten aus der langen Zeit der Suche des Künstlers nach Antworten auf die Fragen nach religiöser, gesellschaftlicher Identität, nach Gemeinschaft, nach der Andersartigkeit. Der Künstler kehrte nach seinem Studium an der Krakauer Kunstakademie in sein Heimatdorf zurück und setzte sich mit dem dortigen Leben auseinander. Er selbst suchte einen Weg, um sich mit der Kirche zu versöhnen und seinen Glauben zu praktizieren, obwohl er zur Gruppe der LGBT-Leute gehört und somit von der Kirche eher ausgegrenzt wird. Alle Exponate, die in der Ausstellung gezeigt werden, fand der Künstler irgendwo auf dem Dorf herumliegen und bearbeitete sie so, dass er sie als tragende Objekte seiner Ideen hinstellen oder aufhängen konnte. Doch sie haben ihre eigene Geschichte und diese schimmert durch die vom Künstler erzählte hindurch. So finden wir eine Tafel mit einem eingravierten Text aus dem Katechismus, aus dem hervorgeht, dass Homosexuelle zu den Riten der Kirche zugelassen werden sollen. Die Objekte sprechen den Betrachter durch ihre authentische Geschichte an und zugleich sind sie Stellungnahmen des Künstlers zu den bewussten Fragen. Er ist gläubig und will den Glauben auf eigene Art praktizieren. Seine Vogelscheuchen entstehen aus alten Kreuzen verschiedener Bekenntnisse, die er sammelt und in fröhlichen Farben bemalt und
entsprechend verkleidet. Hinter den bunten Farben verstecken sich aber bei näherem Hinsehen viele grausame Praktiken. Zu den Vogelscheuchen gelangt man durch ein bunt bemaltes Tor – für mich ein Tor, das man immer durchschreiten muss, um ins Innere zu kommen, um sich zu erklären, wozu man gehören will. Diese Momente der bewussten Entscheidung für eine Gemeinschaft bilden den Kern der Aussagen in seinen Arbeiten; es gibt auch einen Ornat, dem Rycharski eine Ku Klux Klan-Haube aufgesetzt hat. Er geht mutig mit den sakralen Gegenständen um, ohne in irgendeinem Moment die Institution zu
verletzen, doch er hinterfragt einige ihrer Praktiken, setzt sich mit ihnen auseinander. Seine eigene Biografie und seine familiäre Situation bilden den Ausgangspunkt für seine Reflexionen. Er setzt sich mit Vorurteilen und eben mit der Angst vor Neuem, vor dem Unbekanntem auseinander und da er das sehr intensiv, intuitiv aber auch leidenschaftlich tut, wird der Betrachter angesprochen und muss sich selbst mit den Fragen beschäftigen.

Ich fand die Ausstellung sehr gut und fühlte mich so direkt angesprochen, dass ich die Exponate lange nachdem wir die Ausstellung verlassen hatten, vor meinen Augen immer wieder sah. Es wurde mir plötzlich auch bewusst, wie wenig wir uns mit den Fragen der Menschen, die auf dem Land leben, auseinandersetzen. Und dann kamen mir auch all die Gedanken, die ich oben aufgeschrieben habe.