Der Sommer

Monika Wrzosek-Müller

„Lachend, lachend, lachend, lachend kommt der Sommer über das Feld, über das Feld kommt er lachend, ha, ha, ha lachend über das Feld“. Das sangen die Waldorfer etwas unsicher, beschämt vielleicht auch falsch auf den Sommerfesten in Kleinmachnow. Manchmal wusste ich nicht: lachen sie sich selbst aus oder lachen sie echt mit den Kindern.

Aber wie auch immer der Sommer ist da, überall Hitze, Dürre, Brände, Gewitter, Mücken und Zeckenplage, Sonnenschirme nicht an der richtigen Stelle und das wunderbare Gefühl von Wärme und Grün und die erlaubte Langeweile.

In der Uckermark Ruhe, himmlische Ruhe, auch an den schönsten Badestellen, auf den wunderbaren, schattigen Waldwegen voll mit Himbeerbüschen, manchmal auch wilden Sauerkirschen am Wegrand. Ich habe das Gefühl, immer weniger Menschen zu begegnen; Füchsen ja, die sieht man immer wieder. Und die Kühe, malerisch und majestätisch auf weiten Wiesen stehend, wie für ein Foto platziert; immer fotogen, gelangweilt in die Gegend oder direkt ins Objektiv schauend. Sie sind nicht mehr schwarz-weiß gefleckt, sondern beige, fast creme-weiß, mit vielen Kälbern. Schwierig dagegen, unterwegs gute Kneipen, Cafés zu finden, die immer verlässlich geöffnet wären. Was nutzt einem ein Café, das dienstags und donnerstags von 14.00 bis 17.30 geöffnet ist; oder ein Restaurant, das ab 12.00 durchgängig geöffnet sein soll, die Küche aber schon ab 14.30 eine Pause bis zum Abend einlegt?

Manche Kirchen sind immerhin geöffnet und man kann reinschlüpfen und sich umschauen. Die Schönste unter den Schönen, der Liebling unserer Ex-Kanzlerin, nämlich „Das Kirchlein im Grünen“ steht einige Fahrminuten (10 Km) von Templin entfernt, in Alt Placht, einer schönen, alten Försterei. Ein besonderer Ort, umgeben von Wäldern, Feldern, Mooren und Seen. Das Kirchlein selbst wurde vermutlich um 1700 von Hugenotten, sprich hugenottischen Flüchtlingen erbaut, in einem Stil, der an die nordfranzösische Lehmbauweise des Fachwerks anknüpft. Auch das Reetdach erinnert daran, eher untypisch für die Kirchen unserer Gegend, und das dunkelblau, marineblau der Holzstreben. Extra für die Wiederherstellung der Kirche wurde ein Lehmbauseminar ins Leben gerufen und so haben dessen Azubis die Kirche wirklich wunderbar restauriert und an manchen Stellen wiederaufgebaut. Besonders hat sich dabei der Pfarrer Horst Kasner verdient gemacht; jetzt lese ich, dass er eigentlich Horst Kazmierczak hieß und der Vater von Angela Merkel war. Man muss sich diesen Ort, wie einen heiligen Platz vorstellen, der schon bei der slawischen Besiedlung eine Rolle gespielt hat. Die Kirche ist von wirklich jahrhundertealten Linden umgeben, manche halb verfallen, abgesägt und halb mit neuen Bäumen bewachsen. Das Kirchlein wirkt wie ein Kleinod in der Gegend, nur auf einem Schotterweg zu erreichen, daher bei Fahrradtouristen sehr beliebt. Manche Szenerien sind hier wunderschön – wo der Blick immer weiter über sanfte Hügel und Täler mit Wasserläufen hinwegreicht, weiter geht bis zu dem unendlichen Grün oder zum Himmel mit einigen Wolken und den Vögeln verschiedenster Art und noch weiter zu den Seen in allen Größen und Formen. Manche der Seen sind eigentlich nur Erweiterungen der Flüsse, die sich über Kilometer erstrecken, so als ob irgendwo jemand einen Staubahndamm gebaut hätte.

Platz wäre hier noch für Tausende von Besuchern, auch wenn man sich über die Fahrradtouristen in der Regionalbahn bereits beschwert. Es müsste halt nicht allzu teuer und nicht so besonders sein, aber solide und bodenständig, und natürlich dauert die Saison höchstens drei Monate. Besonders die erschöpften Berliner Kinder müssten hier in den Ferien ihre Ruhe und Verbundenheit mit der Natur finden.

Jetzt sind einige der Kornfelder schon abgeerntet, das trockene Gelb sticht vom Grün der riesigen Bäume ab, die runden Heuballen liegen da wie verlassene Rollen und warten darauf, abgeholt zu werden. Früher waren sie maschinell zu Quadern gepresst worden, sie waren viel kleiner; an die runden Ballen konnte ich mich aus Frankreich erinnern, sie sind riesig, manchmal sogar mit Plastik überzogen, wegen der Feuchte. Die Zylinderballen sind auch sehr fotogen, warten förmlich darauf, abgelichtet zu werden.

In Polen sammelten die Menschen damals das Heu auf den Feldern und hievten es zu riesigen Heuhaufen zusammen, vielleicht nicht so ganz großen wie die auf den Bildern von Van Gogh. Das schönste Bild davon malte 1871 der polnische Maler Józef Chełmoński „Zbiór siana w okolicach Warszawy“ [Heuernte in der Umgebung von Warszawa]. Die Ernte war eine ungeheure Arbeit; ich selbst half irgendwann in den Ferien als Kind dabei, das schönste war auf dem Heuwagen, ganz oben zu sitzen und todmüde nach Hause gefahren zu werden.

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