Das Märchen von den Zwillingen 2

Krzysztof Jagielski
übersetzt von Tibor Jagielski

Der Himmelhohe Birnbaum

Die Mädchen gingen zu der ausgebrannten Eiche. Dort warteten schon der Rabe Hollo, der Schäferhund Lusto und die Feldmaus Okosch auf sie.

„Ich komme, oder besser gesagt, ich fliege mit euch,“ krähte von dem Ast der Rabe Hollo „ Ich werde euch zu Mut verhelfen“

„Ich werde auf euch aufpassen,“ bellte der Schäferhund Lusto im Bass und wedelte mit dem Schwanz.

„Auch ich werde euch in der Not nicht verlassen. Ich habe euer Gespräch mit Opa Ferenc mitbekommen,“ piepste die Feldmaus Okosch, die auf dem Rücken des Hundes saß.

Die Zwillinge steckten die aus der Baumhöhle herausgenommene Äxte, das Glöckchen, den Feueranzünder, und die kraftspendenden Tropfen in ihre Taschen, schulterten die Bögen und die Schnüre, nahmen die Stöcke in die Hände und gingen, gemeinsam mit den Tieren, in Richtung des höchsten Berges los.

„…Und hinter diesem Berg wird es sechs und sieben Flüsse geben. Auf der anderen Seite werdet ihr den schlafenden Riesen finden. Im linken Ohr hält er einen Schlüssel versteckt, mit dem man den Pass zum Himmelshohen Baum öffnen kann. Hütet euch, den Riesen zu wecken, sonst wird er euch auffressen…“ – so sprach Janos im Traum zu den Mädchen.

Nach vielen Tagesmärschen überquerten sie sehr müde den letzten Fluss.

Am Fuße des senkrecht aufsteigenden, spiegelglatten Berges, dessen Gipfel sich in den Wolken verlor, schlief ein Riese, so groß, dass sein Cousin Goliath, ihm gegenüber, wie ein Zwerg aussah.

Ich sage Euch das nur, damit Ihr Euch vorstellen könnt, wie riesig er war. Sein Zeigefinger war hundert Meter lang.

Das Hindernis schien unüberwindlich zu sein. Und so standen alle hilflos und ratlos herum.

Nur die Feldmaus Okosch lief an dem schlafenden Riesen entlang und sagte schließlich:

„Ich hole den Schlüssel und lasse ihn zu euch runter fallen“

Hollo rief: „Warte mal. Setz dich auf meinen Rücken, ich flieg dich auf seinen Arm.“

So gelang es Okosch, das Ohr des Riesen zu erreichen, das so groß war wie dreißig Elefantenohren.

Sie hatten Glück. Der Schlüssel lag am Ohrenrand und kam duch das Schnarchen des Riesen immer mehr zum Vorschein. Ohne zu warten, da sich der Riese gefährlich zu drehen begann, zog Okosch den Schlüssel und ließ ihn herunterfallen. Sie selbst rutschte auf dem Ärmel des Riesen wie auf einer Eisbahn mit großer Geschwindigkeit herunter, machte einen Purzelbaum über seine Finger und landete weich auf dem Rasen.

Der Schlüssel war nicht groß, ebenso wie das Schloss in der Felsspalte. Und als Oronka ihn drehte, sprangen plötzlich zwölf Riesenriesen heraus und fingen an zu klagen, dass man sie aufgeweckt hatte. Zum Glück waren sie zahm wie Rehe und riefen mit milden Stimmen:

„ Wem sollen wir helfen? Wem sollen wir helfen?“

Der Rabe Hollo flog um ihre Köpfe und krähte so laut wie möglich:

„Passt auf! Passt auf! Unter euren Füßen warten die Zwillinge Orsolya und Aranka, eure Gebieterinnen aus Siebenbürgen. Verneigt euch vor ihnen.“

Die Riesenriesen konnten die Mädchen und ihre Begleiter kaum sehen. Doch sie vernahmen ihre Stimmen:

„Seid gegrüßt, verehrte Onkel. Bitte, macht uns den Felsen auf. Wir sind unterwegs zum Himmelhohen Birnbaum, um Großvater Ferenc zu retten. Gott soll euch gesund erhalten.“

So schön sprachen die beiden, dass die Riesenriesen sich mit ihren schon geweckten Brüder, sich auf die Felsen stürzten und sie zur Seiten schoben. Das war nicht einfach, weil der Berg selten geöffnet worden war und mächtig verrostet zu sein schien.

Eine grüne Ebene öffnete sich vor ihnen, die wie die Puszta aussah, und weit, weit weg am Horizont sahen sie einen einsamen Birnbaum. Wie groß mochte er sein, dass man ihn von hier aus sehen konnte?. Die Reisenden bedankten sich herzlich bei den Riesenriesen für deren Hilfe.

„Stets zu Diensten,“ antworteten die Riesenriesen, „vor allem für so nette und gut erzogene Gäste. Solltet ihr in Not sein, ruft uns zu Hilfe. Wir kommen gleich.“

Das Gras roch nach frischem Thymian, der Himmel war wolkenlos, und Lerchen schwirrten in der Luft und begleiteten die Wanderer mit ihrem Gesang. Die Feldmaus Okosch reiste auf dem Rücken von Lusto, und der Rabe Hollo nahm Platz auf dem Arm von Orsolya und gönnte sich ein Nickerchen, während die Mädchen unermüdlich, Stunde um Stunde, in Richtung des langsam größer werdenden Baumes liefen. Spät am Abend erreichten sie ihr Ziel – den Himmelhohen Birnbaum. Man brauchte mindestens vier Stunden, um ihn zu umkreisen. Seine Wurzeln waren so dick wie eine Scheune. Sein poröser Baumstamm, war mit Moosen und Flechten übersät. Er bot Platz für unzählige Vögel und andere Tiere und reichte hoch über die Wolken. Der Rabe Hollo, als Kundschafter ausgeschickt, kam atemlos zurück, doch er hatte nicht einmal die Hälfte der Strecke nach oben geschafft.

Die Reisenden machten Rast unter einer haushohen Wurzel. Die Zwillinge entfachten ein Feuer und kochten eine Suppe, die sie aus den unterwegs gesammelten Kräutern und Früchten zubereiteten.

Die Feldmaus Okosch lud ihre hier zahlreich wohnende Verwandtschaft ein. Der Rabe Hollo besuchte seine lange nicht gesehenen Freunde, die hier wohnten. Als das Feuer ausging, kuschelten sich beide Mädchen an den Schäferhund Lusto und schliefen fest ein.

Am Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, fing die mühsame Kletterpartie an. Für den Schäferhund Lusto erwies sie sich als besonders schwierig. Die Zwillinge benutzten also die Leinen, um an den unüberwindlichen Stellen den Hund hochzuziehen. Dort, wo der Stamm sehr glatt war oder die Risse in der Rinde zu weit, benutzten sie die Äxte. Der Rabe Hollo flog unbekümmert um ihre Köpfe herum und machte überflüssige Bemerkungen, bis Orsolya den Geduldsfaden verlor und rief:

„ Wenn du uns nicht hilfst, werden wir den Wipfel nie erreichen! Nimm die Leine in den Schnabel und winde sie um den Ast….Ja, so ist es richtig; jetzt hält sie, danke.“

Die Feldmaus Okosch suchte ständig nach dem besten Kletterweg. Ihre scharfen Nägel erwiesen sich als ideal auf diesem beschwerlichen Weg. Als Gebirgsbewohner, war sie ein ausgezeichneter Kletterer und ging allen anderen voran. Orsolya und Aranka

haben ihr diese wichtige Aufgabe anvertraut, und die Maus löste sie ausgezeichnet. Manchmal kamen Augenblicke des Grauens, als Okosch auf einen Uhu, einen Falken oder einen Adler traf.

Doch der Rabe Hollo flog voraus und warnte sie von den drohenden Gefahren.

Sie kamen sehr langsam voran auf dieser gefährlichen Besteigung. Ein einziger Augenblick der Unaufmerksamkeit könnte den Tod bedeuten. Oft fielen Riesenbrocken von Baumrinde wie eine Gebirgslawinen herunter.

Spät am Abend fanden die Wanderer eine große Baumhöhle. Dort gab es einen kleinen Teich aus dem man trinken und in dem man sogar baden konnte. Aranka entfachte das Feuer und Orsolya fand eine Harzader, die sich als schmackhaft und süß wie Honig erwies. Auf diese Art bekamen sie ein ausgezeichnetes Abendessen. Und wie am Vorabend kuschelten sich die Zwillinge an den Schäferhund Lusto. Auch die Feldmaus Okosch fand im Riesenfell des Hundes ihren Platz. Nur der Rabe Hollo hielt schläfrig Wache am Rande der Höhle.

Die Mädchen hatten schon aufgehört, die Tage des Kletterns zu zählen. Sie wussten nicht mehr, ob es Donnerstag oder schon Sonntag war. Doch sie kamen den Wolken immer näher. Es wurde merklich kälter, und die Zwillinge zogen ihre Schaffelljacken an. Die Winde wurden so stark, dass der Rabe Hollo Schwierigkeiten mit dem Fliegen bekam. Aranka und Orsolya fingen zu zweifeln, ob sie das Ziel je erreichen würden. Sie waren sehr, sehr müde, und das Klettern wurde für sie immer schwieriger. Manchmal weinten sie in Erinnerung an die warme Stube zu Hause…Dann griffen sie zu dem Glöckchen, und sein Klang gab ihnen Trost, Wärme und neue Kräfte.

Eines Tages gerieten sie in schwarze, undurchdringliche Wolken. Eine klebrige Dunkelheit umhüllte sie; die Zwillinge spürten sie an ihren Gesichtern und Händen. Und in dieser Dunkelheit vernahmen sie plötzlich unheimliches Weinen, Winseln und Klagen. Etwas Unbeschreibliches näherte sich den Wanderern und flößte ihnen Angst ein.

Okosch schlüpfte unter das Hemd von Aranka und zitterte erschrocken; der Rabe Hollo versteckte sich unter dem Bauch des Schäferhundes, und selbst der blieb an den Beinen der Mädchen stehen und knurrte.

Die Zwillinge zündeten Fackeln an und hielten sie hoch über ihre Köpfe. Sie sahen, dass sie sich an einer Weggabelung befanden. Auf dem rechten Ast, der größer als ein Weg war, sahen sie ein Riesennest, in dem hundert oder mehr Kühe Platz gefunden hätten. Überall lagen Knochen und dampfende Körperreste von Tieren und Vögeln, und aus seiner Mitte stiegen beißende Schwaden von Schwefelrauch.

Plötzlich ertönte ein so schreckliches Geheul, dass der ganze Ast zu beben begann.

Die Mädchen fielen um, doch glücklicherweise gingen die Fackeln nicht aus. Lusto kugelte sich wie ein Ball in Richtung des Nestes herunter, doch er blieb am Rande des Nestes inmitten der abscheulichen Gerippe stecken. Der Rabe Hollo verschwand in einem Versteck.

„Wer wagt mich zu wecken? Wer zu mir kommt, wird aufgefressen!“, heulte der Teufel unvermittelt.

Er schwebte über den Mädchen auf seinen Drachenflügeln und war mit schwarzen Schweineborsten bedeckt, seine Beine hatten Hufe, und seine Tatzen waren mit säbellangen und messerscharfen Klauen bestückt. Aus seinem Rachen ragten die mit grünem Speichel bedeckten, spitzen Zähne. Zwischen seinen hervorquellenden Augen wuchs ein spiralförmiges Horn.

Aranka und Orsolya erstarrten zuerst vor Schreck, doch sie erinnerten sich sogleich an den Rat des Janosch und warfen mit einer Fackel nach dem Teufel.

Der bekam einen solchen Schreck, dass er von dem Nest wegflog und anfing wie Espenlaub zu zittern. Die Macht der Mächte, die den Himmelhohen Birnbaum bewacht hatte, fiel von ihm ab. Jetzt sah er wie ein alter, hilfloser Hahn.

„Sei gegrüßt, Herr Teufel, hab keine Angst. Wir kommen zu dir auf der Suche nach der Frucht des Lebens. Sei so nett und zeige uns den Weg, dann lassen wir dich in Frieden.“

Der Teufel beruhigte sich, als er merkte, dass die Mädchen ihm nichts antun wollten.

Die Feldmaus Okosch schlüpfte aus dem Hemd von Aranka heraus und nahm Platz an ihrer Schulter; der Rabe Hollo flatterte – der Teufel weiß woher! – hervor und nahm auf dem Kopf von Orsolya Platz, und der Schäferhund Lusto richtete sich auf und fing an mit dem Schwanz zu wedeln.

„Kehrt um,“ sagte der Teufel mit der Stimme, die lieblich klingen sollte, aber nicht überzeugend klang. „Kehrt um, hier endet der Baumstamm. Der Erzengel bewacht mit den Schwert der Wipfel, rechts von ihm befindet sich das Land der Drachen, über dem Baum herrscht der Gott Isten, und links ist das Land der Nymphen, dessen Königin jeden Eindringling von dem Baum herunterstürzt. Doch wenn ihr sagt, ihr wollt in ihre Dienste eintreten, dann wird sie euch verschonen, und euch vielleicht, wenn sie zufrieden mit euch ist, die Frucht des Lebens schenken.

Ich rate euch jedoch umzukehren. Wenn ihr wollt, fliege ich euch zu der Ebene zurück.“

„Vielen Dank für deine kostbare Anweisungen und Ratschläge,“ antworteten die Mädchen. „Ohne sie wären wir verloren. Doch wir müssen weiter, Opa Ferenc wird von Tag zu Tag schwächer. Wir gehen ins Land der Nymphen. Obwohl du ein Teufel und Feind des Lichtes bist – Gott sei dir gedankt.“

Als der Teufel diese Worte hörte, griff er sich an die Ohren, verlor das Gleichgewicht und stürzte aus dem Nest mit einem Winseln hernieder.

Der Platz blieb aber weiterhin unheimlich. Die Wanderer verließen ihn schnell und wandten sich nach links, zu dem Land der Nymphen.

Fortsetzung folgt.
Bild – Tibor Jagielski

Lato…

Wyginam

Tak się czuję, nie mam siły na więcej… Dorota Kot – dziękuję, że to znalazłaś!

Unbeholfene Übersetzung für deutsche Leser:
Was tust du?
Aussterben.
Ich bitte die Puristen, das, was oben steht, nicht zu korrigieren.
Es soll so sein: Was tust du? Aussterben (tue ich).
Ich hab’ fertig!
(Auf Polnisch ist es wirklich lustig :-))


Poza tym… / Ausserdem

ComicInvasionBerlin am 16./17. und 23./24. Juni 2018

Tag der Architektur

48 Stunden Neukölln

Es gibt dabei durchaus auch polnische Akzente, obwohl man sie auf den ersten Blick nicht sofort erkennt.

Dimensionen

Fiszbach und Hartmann zeigen Zeichnungen und Fotos von Leuten ohne Namen.
Sa 16:00 bis 22:00

Mehr umsonst / Więcej za darmo

Und wenn es kosten darf (Achtung: ab 60 Euro, aber Tickets für Rolling Stones, als ich sie last minute gestern kaufen wollte, begannen ab 105 euro… Es war Konzert Ü70, aber Jungs waren in Form und Olympiastadion voll. Als Zugabe gab es „Satisfaction“ mit Feuerwerk – ein passender Schlusspunkt, schreibt Meike Schulz in Berliner Zeitung)

Fast & Furious in der Mercedes Benz Arena


Und sonst, ein Schönes Wochenend

HIER / TU

Das Märchen von den Zwillingen 1

Krzysztof Jagielski

aus dem Polnischen von Tibor Jagielski

Einführung

Es gab einmal vor langer, langer, sogar sehr langer Zeit, in Siebenbürgen, ein ungarischer Dorf namens Kaszoningyar. Dort wohnte ein Bauer, der Zsigmond Gabosi hieß.

Er hatte so viele Kinder, dass er – wie er lachend sagte – nicht einmal wußte, welche im Frühjahr und welche im Herbst geboren waren.

Um die Wahrheit zu sagen, es gab deren elf, sechs Söhne und fünf Töchter.

In diesen alten Zeiten sagte man: “Hut geht vor der Haube“, darum war der Bauer Gabosi traurig, daß so wenig Söhne im Hause herumliefen. Aber er hatte die Hoffnung, daß seine Frau Terezia, die gerade wieder schwanger war, ihm noch einen Sohn gebären würde. Es kam jedoch nicht dazu…Aber der Reihe nach.

Die Bäuerin Terezia gebar ihre Kinder in ihrem Haus, in der Küche. Das war der größte Raum, dessen Löwenanteil ein gemauerter Ofen einnahm, man konnte auf ihm nicht nur viele Töpfe unterbringen, Brot backen und während der Feiertage ein Ferkel oder ein paar Gänse braten, man konnte auf ihm sogar sehr bequem schlafen. Während des strengen Winters strahlte er wärme aus, so daß man sich nicht wundern darf, daß die Bewohner sich dort am liebsten versammelten.

Eines Novembernachmittags, als der Schnee schon bis zum Dachrand reichte und die rote Sonne sich hinter den hohen Berggipfeln zu verschwinden schickte, konnte das geschäftige Treiben der Nachbarinnen in der Küche, das Gurgeln des heißen Wassers in den Töpfen, die leere, mit duftendem Stroh ausgelegte Wiege, nur eines bedeuten – die Vorbereitungen auf die Ankunft des zu erwartenden Kindes.

Und so erblickte ein zartes Mädchen das Licht der Welt, und, als man den Bauern rief, damit er sich mit dem frisch Geborenen freuen durfte, passierte etwas Unerwartetes: fünf Minuten später gebar die Bäuerin noch ein zweites.

Es wurde still. Man konnte nur das Rauschen des brennendes Holzes hören. Auch die Neugeborenen schrien, wie es üblich ist, nicht. Der Bauer, an den Tisch gelehnt, schwieg erschüttert, und die Brüder und Schwestern, die inzwischen in die Küche gedrängt waren, beobachteten mit großen Augen dieses Naturwunder. Zwei Mädchen?! Das konnten sogar die Erwachsenen nicht verstehen. Bis heute hatten sogar die Ältesten nichts von einem solchen Ereignis berichtet, ja, nicht einmal davon gewusst, jedenfalls hier, im Gebirge, im Komitat Nagykaszon. Und Bauer Gabosi, der mit allen Wassern gewaschen war, konnte kein Wort über die Lippen bringen.

Endlich erinnerten sich die Zwillinge an ihre Pflicht und fingen an zu schreien; man weiß nicht, ob vor Kälte oder Hunger, oder ob sie einfach ein Zeichen setzen wollten, daß sie geboren worden waren und man sich mit ihnen beschäftigen sollte.

Schon goss man warmes Wasser in den Trog, in dem man üblicherweise Brot knetete, schon

fing die Geschwisterschar auch zu schreien und zu drängen an, um den Schwestern näher zu kommen, schon half man der Bäuerin, schon genossen die Mädchen ihr erstes Bad.

Der Bauer rief den Opa Ferenc und goß in die Kelche Birnenschnaps. Und als sie ein und ein zweites Mal getrunken hatten, setzten sie sich auf die Bank, um über die Namen für die Mädchen zu beraten. Dann legten sie sie fest – die ältere soll Aranka, die jüngere Orsolya heißen; wie die Großmutter. Und so wurden sie getauft.

Als die Neugeborenen, eingewickelt in saubere Leinentücher, schliefen und die Bäuerin Terezia auf dem warmen Ofen ruhte und die Dunkelheit von den Öllampen erhellt wurde, saßen am Tische der Bauer Zsigmond, Großvater Ferenc, Großmutter Ildiko, Bäuerinnen, die bei der Geburt geholfen hatten, sowie die ältesten Söhne. Man langte zu dem speziel für diesen Tag gebackenen Kuchen Pogatsch, trank vorsichtig den starken Birnenschnaps oder genoss den alten Wein aus den Tonkrügen.

Kein Gespräch kam zustande. Der Bauer schaute manchmal die Zwillinge an. Doch sein Gesicht war trübe, man weiß nicht, ob aus Enttäuschung, dass es die Mädchen und nicht den erhofften Jungen gegeben hatte, oder ob schwarze, abergläubische Gedanken ihn plagten. Aus Achtung schwiegen alle.

Großvater Ferenc räusperte sich, zog zweimal an der Pfeife und sagte:

„Heute haben wir den 13.November, dreizehn Kinder wurden geboren, und wie ich gerade zähle, sitzen wir in der Stube, deren Decke von dreizehn Balken getragen wird, auch zu dreizehn; ich heiratete die Großmutter auch am Dreizehnten. So sehe ich, dass 13 eine glückliche Zahl sein muss. So war es früher. Ich sage euch, es ist ein gutes Zeichen, ein Geschenk des Erzengels und nicht, pfui!, der Teufelsmacht“.

Als in der Küche die Aufbruchstimmung einzusetzen begann, kam plötzlich ein unerwarteter Gast herein und fegte den Schnee von der Schafskutte und von seinen langen, weißen Haaren herab. Im Halbdunkel konnte man zuerst sein Gesicht nicht erkennen, aber als er an den Tisch, ins Öllampenlicht trat – erhoben sich die Anwesenden und riefen durcheinander:

„ Janosch Kovacs, um Himmelswillen…!“

„ Sei gegrüßt Bauer, seid gegrüßt Leute. Mich friert und ich habe Hunger von der langen Reise, erlaubt es mir, ein Weilchen auszuruhen“. Und ohne auf die Erlaubnis zu warten, warf er die Kutte auf die Bank und kam an die Wiege. Die Zwillinge öffneten die Augen und lächelten ihn an. Dann setzte er sich an den Tisch und aß gierig, tunkte Brot in die Soße und langte oft zum Weinkrug, ohne sich um seinen langen Schnurbart zu kümmern.

Obwohl jeder tausend Fragen stellen mochte, schwiegen alle und ließen den unerwarteten Gast seinen Hunger stillen. Man beobachtete aufmerksam jede seiner Bewegungen.

Vor vielen Jahren war er im Dorfe ein angesehener Schmied gewesen und lebte gut, bis eines Frühjahrs die Bäche über die Ufer gestiegen waren und die Täler überschwemmt hatten, die Anwesen vernichtet und viele Menschen getötet wurden. Auch die Familie von Janosch – die Frau und seine vier Kinder gehörten zu Unglücklichen.

Seitdem war er verschunden, als ob ihn die Erde verschluckt hatte, und es wurde still um ihn.

Jetzt war er zurückgekommen. Aber wie hatte er den meterhohen Schnee überwunden, der die Wege versperrte?

Bis jetzt war das keinem gelungen; auch im Sommer brauchte man aus dem nächstgelegenen Dorf viele Stunden, um hierher zu gelangen. Die Zwillinge, die Rückkehr des Janosch, der dreizehnter November – sollte das ein Zufall sein? Alle warteten auf Kovacs Worte.

Der hörte auf zu essen und setzte sich auf den Ofen, angelehnt an den warmen Kamin. Großvater Ferenc reichte ihm eine seiner langen Pfeifen und das Säckchen mit Tabak. Janosch stopfte langsam den Pfeifenkopf, zündete ihn mit einem Holzstück an und zog ein paarmal.

In der Stube war es so still, dass man das Zischen der Öllampendochte hören konnte.

„ Vielen Dank, Bauer, für Speis und Trank“ – sagte Janosch endlich. Obwohl seine Haare weiß und sein Gesicht mit Furchen gepflügt auf ein hohes Alter hinwiesen, klang seine Stimme hell und kräftig, und seine Augen brannten wie Glut im Halbdunkel.

– “Vielen Dank für die Gastfreundschaft. Einen langen Weg habe ich hinter mir, ich wollte hier sein, wenn die Zwillinge geboren werden. Woher ich von diesem Ereignis wusste und wie ich den Schnee überwand, das kann ich euch nicht berichten.

Mein Leben wäre sonst in Gefahr. Ich bin zurückgekommen und werde hier bleiben. Wenn der Frühling kommt, werde ich auf meiner Erde ein Haus bauen und dort wohnen. Jetzt erlaubt mir, Bauer, in die Scheune zu gehen und auszuruhen, da ich sehr müde bin, und auch die Zwillinge brauchen ihre Ruhe.“

Die Versammlung löste sich zögernd auf. Janos unerwartete Rückkehr, die Geburt der Zwillinge, der dreizehnte November, all das erfüllte die Menschen mit abergläubischer Furcht. Alle waren Christen, doch seit Menschengedenken glaubte man in Siebenbürgen an Zauber und Hexen. Die umliegenden Berge und Wälder waren voll von Geistern, die in Tiergestalten herumwanderten und fähig waren, in Menschenleiber einzudringen; in den Schluchten und Grotten wohnten Drachen und Lindwürmer, die unermessliche Schätze argwöhnisch bewachten. Man sprach vom Himmelhohen Birnbaum, dessen Früchte jede Krankheit heilen sollten, und von Wagemutigen, die auf der Suche nach ihm vom Teufel gefressen worden waren. Doch wo dieser Baum wuchs, wusste niemand. Vielleicht sind die Geister von Bären oder Bergadler in den Zwillingen wiedergeboren worden? Fragen über Fragen…

In Erwartung des Frühlings und um sich bei dem Bauern für Obdach und Bewirtung zu bedanken, half Janos Kovac´s auf dem Hof. Er reparierte nicht nur kaputte Schlösser, Pflüge und andere Feldgeräte, sondern nahm eine dampfgetriebene Dreschmaschine in Betrieb. Die meiste Zeit verbrachte er im Stall. Die Pferde wieherten zufrieden, ihre Haut glänzte, man sah, dass Kovacs Obhut ihnen gut tat. Er sprach mit den Rössern wie mit den Menschen, doch keiner wunderte sich. In Ungarn war das Pferd nicht nur ein Freund, es gehörte einfach zur Familie. So war es seit jeher, als die Ungarn noch in den Steppen wohnten.

Kovac´s zweites Steckenpferd waren die Zwillinge. Obwohl sich, nach altem Brauch, ausschließlich die Frauen um die Kinder zu kümmern hatten, wurde Janos Kovacs ihr ständiger Begleiter. Großmutter Ildiko fluchte laut über diese Unanständigkeit, aber der Schmied lies sich nicht beirren und tat das Seine. Unter die Wiege zimmerte er Kufen und zog sie überall mit hin, wo er sich bewegte. Und da er die meiste Zeit im Stall verbrachte, so kann man sagen, dass die Zwilinge mit den Pferden aufwuchsen. Seine Liebe zu den Mädchen wurde von den Dorfbewohnern mit der Sehnsucht nach den eigenen, in der Katastrophe umgekommenen Kindern erklärt.

Doch Janos Kovacs war der einzige im Siebenbürgenland, der die Wahrheit kannte. Aranka und Orsolya waren sein Trost auf dieser Erde, und er brachte den beiden die Sprache der Tiere bei, wie es der Wille der Königin der Nymphen vom Himmelshohen Birnbaum war.

Sie hatte ihm auferlegt, auf die Erde zurückzukehren, in sein Dorf Kaszoningyar, um die Zwillinge in seine Obhut zu nehmen. Obwohl Kovacs die Liebe und den Frieden in dem Königreich der Nymphen wahrlich genossen hatte, beugte er sich dem Befehl der Königin, die ihm während der Wanderung zu dem Himmelshohen Birnbaum das Leben gerettet hatte, als er die lebensspendenden Früchte für seine Frau und Kinder gesucht hatte. Aber diese lebten schon glücklich im Siebten Himmel. Und der Erzengel, Wächter der Sieben Himmelsphären, ließ ihn einen Einblick gewähren.

Und so war Janos Kovacs zurückgekommen auf dem siebenbeinigen, geflügelten Ross, das schneller als die schneeschwangeren Wolken und der Abendfrost war, und war vor dem Haus des Bauers Gabosi unbemerkt gelandet, wo alle so mit der Geburt beschäftigt gewesen waren.

Die Tage vergingen, die Monate vergingen. Die Zwillinge wuchsen rasch und genauso prächtig heran wie ihre Zeitgenossen, obwohl man munkelte, dass sie „anders“ seien. Vielleicht waren sie doch etwas kräftiger, reger, aufmerksamer. Ihre Augen funkelten, pechschwarze Zöpfe fielen auf die Arme, die Gesichter waren braungebrannt von Sonne, Wind und Regen. Man hörte sie mit Schwalben, Kühen, Pferden, Mäusen, sogar Käfern, sprechen. Doch keiner nahm es ihnen ab; andere Kinder lachten sie aus, und die Erwachsenen zeigten ihnen einen Vogel.

Je älter sie wurden, desto kürzer wurde die Zeit für Spiele. Es kamen neue Hausaufgaben auf sie zu. Die Mädchen waren sehr tüchtig und halfen gerne überall mit. Sie fegten mit den Gänseflügeln Haus und Hof; sie tränkten die Pferde, melkten die Kühe und weideten, gemeinsam mit den älteren Geschwistern, die Schafe auf der Alm. Das strenge Klima, die schwere Hofarbeit, das Klettern auf den Felsen, das Sammeln von Beeren, Kräutern und Pilzen, härteten sie ab.

Sie durchstreiften nicht nur das Gebirge und halfen der Mutter, sondern lernten ihre Welt genau kennen. Und sie hatten zwei ausgezeichnete Lehrer dabei – Opa Ferenc und Janos Kovacs.

Im Hause Gabosi gab es, außer der Bibel, alte, schon vergilbte Zeitschriften, diverse Bauernkalender und sogar ein Kochbuch. Das waren die Wissensquellen für Orsolya, Aranka und ihre Geschwister. Opa Ferenc bemühte sich redlich, allen Kinder Lesen und Rechnen beizubringen.

Die Zwillinge erwiesen sich als erstaunlich lernfähig. Im Alter von fünf Jahren hatten sie schon ihre Geschwister überflügelt.

An die Stelle des alten, durch die Flut vernichteten Anwesens, baute sich Janos Kovacs eine kleine Hütte. Den Schmiedeberuf hängte er an den Nagel. Er half den anderen Dorfbewohnern bei den täglichen Arbeiten, doch vor allem widmete er jede freie Minute Orsolya und Aranka. Er kümmerte sich um sie und wurde zu ihrem Schatten. Die Mädchen hingen an ihm, da er die Sprache der Tiere kannte und ihnen die Geheimnisse der Natur offenbarte.

Er lehrte sie die Kraft der Kräuter, die Heilkraft der Bäume, der Steine und Felsen kennen. Gemeinsam durchwanderten sie kniehohe Moraste, voll von Blutegeln und Mücken; gingen durch halshohen Schnee; kletterten auf steile, bemooste Wände, übersät von scharfen Steinen; durchquerten hohe Gebirgspässe, um dorthin zu gelangen, wo die Familie des Steinadlers wohnte und der Bär seine Höhle hatte; sie wateten durch Bäche, wo sich Forellen versteckten und Krebse im Krebsgang krochen; durchstreiften die Täler, wo Murmeltiere huschten und Steinböcke sprangen; beobachteten das Leben der Ameisen, der Spechte und schauten zu, wenn der Falke das Kaninchen fing; sie spürten die Winde und den Lauf der Wolken und lernten das Wetter vorauszusagen – ob sonnige Tage, ob Gewitter voll Regen oder Schnee zu erwarten wären

So lehrte Janos Kovacs die Mädchen, die Welt zu lieben und zu achten.

Doch über den Himmelshohen Birnbaum schwieg er.

Die Zwillinge wurden erwachsen. Man beäugte sie im Dorfe inzwischen nicht mehr, sondern brachte ihnen viel Achtung entgegen, da sie imstande waren, viele Dorfbewohner von ihren Krankheiten zu heilen. Auch kranke Tiere wussten sie zu pflegen – auch ein gebrochenes Kuh– oder Schafsbein vermochten sie zu richten.

Doch der Großvater bereitete ihnen Sorgen. Er blieb immer öfter auf dem Ofen liegen. Geplagt von Schmerzen, die seine Hände krümmten, konnte er nicht mehr seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen – dem Schnitzen von Stöcken, die Bauer Gabosi oft auf den umliegenden Märkten verkauft hatte. Großvater hatte selbst mehrere davon: einige für den Alltag, und andere für die Feiertage.

Nur einen außergewöhnlichen, der auf dem Ofen hing, lies er niemanden anfassen, nicht einmal die Zwillinge. Warum? Das blieb Großvaters Geheimnis.

Keine Medizin, weder Kräuterbäder, Murmeltier- oder Bärensalben, weder Janos Kovacs’ Besprechungen noch Gebete der Nächsten, vermochten ihm zu helfen. Der Großvater bereitete sich auf den Tod vor.

Orsolya und Aranka waren verzweifelt und baten sogar die Tiere und Vögel um Hilfe. Doch keiner wusste Rat – und Opa Ferenc wurde von Tag zu Tag schwächer.

Eines Sommernachmittags kamen die Zwillinge auf der Rückkehr vom Forellenfang, bei Janosch vorbei. Im Schatten der Eiche im Garten, als sie die, sehr schmackhaft vorbereitete, Fischsuppe gegessen hatten, hörten sie Janoschs Erzählung zu. Er offenbarte den beiden sein Geheimnis. Er sprach von der Reise zum Himmelshohen Birnbaum und seiner Suche nach den Früchten des Lebens. Die Mädchen wurden murcksmäuschenstill, ergriffen von der Ungewöhnlichkeit der Geschichte. Es fing schon an zu dämmern, als Janosch, das Gesicht in den Händen vergraben, sichtlich erschöpft, seine Geschichte beendete. Orsolya und Aranka schmiegten sich an den Mann, um ihn zu trösten und zu zeigen, wie nah er ihnen war. Jetzt begriffen die Zwillinge, dass die einzige Rettung für den Großvater die Früchte des Lebens sein könnten. Sie waren zum Aufbruch bereit, trotz aller Gefahren und Ängste, die sie, nur auf die eigenen

Kräfte bauend, würden überwinden müssen. Doch wie könnten sie aufbrechen ? Die Eltern würden es bestimmt verbieten, und der Großvater würde davon abraten.

Janosch merkte ihre Ängste, ihre Zweifel. Er wusste, dass die Königin der Nymphen ihn auf die Probe stellte. Die Zwillinge waren sein Trost, er liebte sie wie seine eigenen in der Flut verlorenen Kinder. Doch jetzt musste er über den Abschied entscheiden. Wenn sie zurückkommen würden, würde er nicht mehr da sein, sondern bei seinen Nächsten, im Siebten Himmel.

Die Entscheidung aber war schon gefallen. Die Mädchen waren entschlossen, diese abenteuerliche Reise zu wagen. Und keiner konnte sie mehr aufhalten, nicht einmal Janosch selbst.

So musste er sie vorbereiten und ihnen viele Ratschläge erteilen. Doch nicht jedes Geheimnis konnte er preisgeben, da ihm das doch die Königin der Nymphen strengstens verboten hatte.

Sie müssten alleine zurecht kommen, selbst lernen, richtige Schlüsse zu ziehen, die Angst und eigenen Schwächen zu überwinden.

Als über den Wipfeln die rote Sonne herunterfloss und der Schatten der Tannen immer länger wurde, entfachte Janosch Kovacs ein Lagerfeuer und ging zurück in die Hütte.

Nach einer Weile, genau bei Einbruch der Dunkelheit, hörte man rhythmische Trommelschläge, und Janosch trat heraus. Mit einem Spitzhut mit Eulenfeder und Hirschledermantel verkleidet, mit Glöckchen und Krimskrams behangen, kam er an das Feuer heran und fing an zu tanzen, gleichzeitig mit den hölzernen Stöckchen auf die Trommel schlagend. Er stieß dabei kaum verständliche Laute raus. Die Mädchen erkannten den Ruf des Falken, das Heulen des Wolfes, und Schrei eines Schafes, das zerrissen wird.

Plötzlich fing er an zu singen:

Ko – ho –i ke – ho oj – kej –kou
Ko – ho – i … Alle toten Geister,
Wenn ich euch darum bitte,
oj – kei – kou!
Hört auf die verzauberte Stimme meiner Trommel!

Die Bewegungen des Tänzers wurden immer ruhiger, und die Stöcke wirbelten immer langsamer, und seine Stimme wurde farblos und monoton.

Orsolya und Aranka schliefen ein. Und ihnen träumte, dass Janosch mit ihnen sprach.

Er wies den Mädchen den Weg zum Himmelhohen Birnbaum; er zeigte ihnen den über den Gebirgspass wachenden Riesen, in dessen Ohr sich ein Schlüssel befand; er erzählte von dem Teufel über den Wolken, der den Birnbaum hütete und wie man ihn mit Feuer besiegte; er erzählte und erzählte…

Die Mädchen wachten am nächsten Morgen in ihren Betten auf und wunderten sich, wie sie wohl nach Hause gelangt waren. An den Traum konnten sie sich beide jedoch genau erinnern : sie sollten zur Eiche mit der ausgebrannten Höhle gehen, dort einen Stock nehmen mit dem Knauf in Gestalt des Kopfes der Königin der Nymphen; Äxte mit kurzen Griffen, mit Silber beschlagene Bögen aus Knochen, deren Saiten aus Hirschgedärmen gefertigt waren; meterlange, elastische Schnüre; das Glöckchen und den Feueranzünder sowie wundersame Krafttropfen. Dort sollten auch Tiere auf sie warten.

Doch welche, hatte Janosch nicht erwähnt.

Den Eltern konnten sich Orsolya und Aranka bezüglich ihrer Reise zum Himmelhohen Birnbaum nicht offenbaren; sie wären dann sicher in einer dunklen Kammer eingesperrt und streng bewacht worden. Sie gingen zum Opa Ferenc.

Großvater hörte ihnen schweigend zu, weinte , schloss sie in die Arme, küsste und bekreuzigte sie. Dann zeigte er auf den Stock, der an dem Ofen hing und sagte:

„Nehmt ihn mit. Er kann euch in vielen gefährlichen Situationen behilflich sein. Ich weiß, dass ich euch nicht aufhalten kann. Ich warte auf euch.“

Die Zwillinge packten Käse, Pogatsch, Räucherspeck und warme Sachen in die leinenen Säcke und verließen das Haus.

 

Fortsetzung folgt
Die Bilder – Tibor Jagielski

Über die Zufälle: Ochsen und Zebu am Strand

Ewa Maria Slaska, Johanna Rubinroth, Tanja Krüger, Adam Soboczynski und…

Johanna und Tania waren in Indien. Das wissen wir, hier habe ich schon auf dem Blog mehrere Sontage ihre Fotos und Eindrücke veröffentlicht.

Aber ein Foto war nicht dabei. Ein Foto von einem Zebu am Strand. Dieses Foto habe ich analog als Geschenk bekommen.

Zebu wanderte zu den blauen Büchern…

Abends stand ich neben dem Zebu und suchte mir etwas zum lesen. Ich wahle meistens ziemlich wahllos. Das Buch lag schon lange unter den blauen Büchern und wartete drauf, dass ich es wahllos wähle. An dem Abend war es so weit. Ob der Zebu vom Foto etwas dabei mitgeholfen hat?

Sie sahen ziemlich ähnlich aus, der Hund und der Zebu. Und dann erst der Beginn des Buches…

Sieht ihr es? Seite 8, gerade Beginn des Buches. Der Maler Hans Weinling, der Protagonist des Buches ist, wurde berühmt durch sein Bild, das Ochsen am Strand zeigte. Und seitdem malte er nur Tiere an Strand…

Ochse, Zebu, Rind, Hund, Tier am Strand… Zufall? Sicher, aber welcher!

Ich schau in Impressum:

Umschlag: Anzinger / Wüschner / Rasp München
Unter Verwendung des Bildes “Beach Dog II” von Ben Schonzeit
1990. Private Collection / Lahr & Partners for Ben Schonzeit/
Bridgeman Art Library / Bridgeman Images

Ich suche den Schonzeit im Netz. Der Mensch malt imposant. Wirklich imposant. Sehet mal. Er malt viel und sehr verschieden, nicht nur Tiere am Strand.

“Beach dog” ist unter dem Begrif “realistic painting” zu finden:


A Beach Dog, 1986. Acrylic on Canvas, 32″ X 36″

Das Buch über den Maler, der nur die Tiere am Strand malt, ist gut (obowhl nicht SO gut, wie es sich ansagt, zum Ende verläuft sich alles irgendwie, obwol die Kritiker meinen, dass es sich in dem Moment gerade wunderbar zuspitzt), aber ich finde, dass die Malerei von Schonzeit noch besser ist. Daher so ein Vorschlag für Summer time… Buch, Hund, Zebu und Ochse mitnehmen und zum Strand!

Oder ein Bild kaufen?

Hazy Lake Placid II, 2008. Acrylic on Linen, 48″ X 48″

Frauenblick Lemberg I

Monika Wrzosek-Müller

Reise in die lebendige Vergangenheit – Lviv, Lwów, Lemberg

Das erste, was ihr wirklich und ganz lebendig auffiel, waren zwei große Käfige mit seltsam großen „Mäusen“, die auf dem um das ganze Hinterhaus gehenden Balkon standen. Diese Balkone waren das Merkmal der Stadt, sie dienten guter Kommunikation zwischen den Hausbewohnern. Am Anfang dachte sie, es wären vielleicht Ratten, doch es stellte sich schnell heraus, dass es sich um Chinchillas handelte. Chinchillas sind Nagetiere, die in freier Wildbahn in den Bergen Südamerikas leben. Sie werden sehr oft als Haustiere oder auch wegen des schönen, weichen und seidigen Felles in Farmen eben als Felllieferanten gezüchtet. Eine junge Ukrainerin hielt sich zwei Chinchillas als Schmusetierchen; das Weibchen war irgendwie unförmig und sehr unbeweglich. Sie machte sich Sorgen, dass es krank wäre. Am vierten Tag des Aufenthaltes in Lviv rief uns die Ukrainerin abends zu sich in ihre Wohnung und zeigte uns drei winzige Chinchillas, unheimlich beweglich und mit wunderbarem Fell. Sie war sehr stolz, dass gleich drei Tiere geboren worden waren, und klärte uns darüber auf, dass normalerweise zwei oder gar eins auf die Welt kämen.

Der Flughafen in Lvivwar modern und sauber, auf den Bus, der sie in die Stadt bringen sollte, warteten sie vierzig Minuten, dazwischen verschwanden fast alle Ukrainer in bestellten Taxis; sie blieben zusammen mit einem jungen Paar, vielleicht aus England, unbeirrt an der Bushaltestelle stehen. Als der Bus endlich kam, waren plötzlich doch viele Passagiere vorhanden, die in die Stadt mitfuhren. Schon beim Schauen durch das Busfenster spürte sie, dass es eine Reise in die eigene Vergangenheit, in ihre Jugend in Warschau, in Polen sein würde. Die Wohnblocks, typische Überbleibsel der Sowjetära, die die ganze post-sozialistische Welt verschandeln, die kaputten Bürgersteige, das Grau der Mauerwerke, alles erinnerte sie an die Vergangenheit, an ihre Jugend in Warschau.

Mit den älteren Häusern änderte sich doch etwas die Perspektive, die Stadt nahm Charakter und Gesicht an.  Sie stiegen bei dem Universitätsgebäude aus und versuchten verzweifelt, die Richtung zu ihrem Appartement zu finden. Natürlich dachten sie, man müsse sich auf Englisch verständigen, doch zu ihrer Verwunderung sprach fast jeder Polnisch. Das Sträßchen, in dem das Appartement lag, war offensichtlich unbekannt und so mussten sie ihren Vermieter kontaktieren und erst mit ihm um ein paar Ecken gehen. Das Appartement lag nah am Zentrum, aber sehr ruhig in einer Seitenstraße. Die Häuser waren allesamt alt und sehr heruntergekommen, die Straße noch wegen des Anstiegs und wahrscheinlich vielen Schnees mit Sand gestreut. Dieser viele Sand fiel ihr immer wieder auf. Er lag dick zwischen den Kopfsteinpflastern und drang manchmal in die Schuhe. Sie fanden ihr Appartement wunderbar, auch weil es drin eher kühl war im Vergleich zur Hitze draußen, später, als es kälter wurde und sogar regnete, stellten sie fest, es war sehr kühl und vielleicht feucht. Doch für ihre sieben Tage genau richtig.

Schon auf den ersten Blick schien ihr die Stadt wie eine Kreuzung zwischen Krakau und Wien nur dass sie viel kleiner war, aber doch eine Metropole, eine stattliche Stadt.

Während der Fahrt mit dem Bus sahen sie wunderbare alte, meistens ziemlich heruntergekommene Häuser, Villen, Bürgerhäuser. Die meisten stammten aus der Zeit um Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und sie waren seitdem kaum renoviert worden. Sie waren alle gräulich-beige und viele Balkone verschwanden in riesigen dunklen Plastikhüllen. Ziemlich schnell begriffen sie, dass es sich um den Schutz der Passanten und auch vielleicht der Balkonehandelte; die marode Substanz fiel einfach von den Fassaden ab. Ehrlich gesagt gefiel ihr dieses Heruntergekommene und Morbide sehr, es machte alles unheimlich melancholisch und sympathisch, zumal es das schönste Wetter mit frischem Maigrün, blühenden Fliederbüschen und Kastanienbäumen, noch letzten Tulpen und allerlei anderen Frühlingsblumen gab; und Lemberg ist eine grüne Stadt. Immer wieder gelangt man in Parks, manchmal kleine grüne Oasen, andermal riesige, fast waldähnliche Flächen, die sich in die umliegenden Hügel ausbreiten. Sie durchliefen den Ivan Franko-Park vor dem Universitätsgebäude und dann auch den riesigen Stryjski-Park, gelangten auf die Hügel um den Wysoki Zamek (Hohes Schloss), wollten unbedingt das Freilichtmuseum finden und bewältigten gewaltige Anstiege, um endlich festzustellen, dass sie gar keine Zeit mehr hatten in das Museum zu gehen, denn es wartete sie schon die Besichtigung der Lviver Oper und ein kleines Konzert dort.

Lemberg hat eine gute Größe, alles oder fast alles lässt sich zu Fuß erreichen; ist manchmal mit etwas Anstrengung verbunden, doch meistens waren sie sehr überrascht, dass man innerhalb von einer halben Stunde bereits an dem von ihnen angestrebten Ort war. Sie durchliefen Straßenzüge mit schönsten Fassaden und Eingängen, schauten in die Treppenhäuser und entdeckten immer wieder überraschend schöne Ecken. Es gab alte schwere hölzerne Eingangstüren und marmorne Treppen, verspiegelte Wände, manchmal bescheidener aus Gusseisen geformte Treppen und Geländer mit bunten Kacheln an den Wänden, oder ganz einfach mit Ölfarbe bis zur Hälfte angestrichene Wände und hölzerne Treppen; Das alles in unterschiedlichem Erhaltungsgrad. Von gut bis sehr gut erhalten bis verfallen, morsch, feucht unbegehbar…

Doch wenn sie jetzt, im Nachhinein, nachdenkt, erscheint es ihr sehr schade und empörend, dass diese Stadt einfach so zerfällt, dass vielleicht in baldiger Zukunft einige der Häuser ganz verschwinden könnten, denn sie sind wirklich wunderschön und sehenswert. Nur die Altstadt, das zum Weltkulturerbe zählende, ziemlich kleine Areal, wird ständig erneuert und restauriert. Für die rundum liegenden Häuser vom Ende des 19. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts reicht das Geld bei Weitem nicht aus. Man spürt, dass es an allen Ecken an Geld mangelt, aber die Menschen bemühen sich beharrlich, das auszugleichen; die Stadt ist sauber und mit Blumen bepflanzt, die Menschen sind sehr hilfsbereit; sie ist reich nicht an Geld aber an Flair, guter Luft, Höflichkeit und Schönheit, das entschädigt für Vieles.

Überhaupt sind die Menschen sehr freundlich, beweglich und kaufmännisch orientiert; es wird gestickt und gehäkelt, gestrickt und genäht, und alles dann zum Kaufen angeboten; lange Reihen von Buden mit den verschiedensten Souvenirs stehen nicht nur auf der Flaniermeile vor der Oper, sondern an verschiedenen Ecken der Altstadt.

Die Lviver sind sehr erfinderisch, die Cafékultur erlebt ihre Blühte. Es werden verschiedenste Kuchensorten, auch diejenigen aus der Vergangenheit (wie z.B. „Pischinger“, eine Art von Waffeln mit einer 5 Sorten Nussfüllung) serviert, durch ganze Sortimente von hervorragenden Kaffee- und Teesorten ergänzt, alles sehr freundlich und professionell. Die jungen Ukrainer lieben ihre Cafékultur und sitzen stundenlang bei einem Kaffee und unterhalten sich, so dass man sich nicht als blöder, reicher Tourist einsam in einem teuren Café fühlen muss. Es gibt immer genügend Einheimische um einen herum.

Die jungen Ukrainerinnen laufen oft mit den Blumenkränzen im Haaren à la Timoschenko und es sieht nicht kitschig aus, es ist sogar oft wunderschön. Viele tragen ihre Haarpracht in Zöpfen geflochten, tragen an die in Volkstracht angelehnte Kleider. Die Stadt, der Staat und seine Bürger suchen nach ihren Wurzeln nach Identität, was angesichts ihrer Geschichte selbstverständlich ist; diese identitätsbildende Kultur ist auch an vielen Ecken dieses großen Landes sehr unterschiedlich und sie zu verbinden wird ein echtes Kunststück sein.

Fussball und die Frauensache

Heute beginnt es, was uns allen sechs Wochen lang in Spannung versetzt. Ich schreibe bewusst “uns allen”, weil ich schon seit eh glaube, Fußball ist keine Männersache mehr, genauso wie er seit eh kein nationalistisches Thema ist. Daher plannte ich für heute lediglich ein bisschen über Fußball zu plappern, über Indianer, die es als erste gespielt haten und solches…

Und was essen wir dabei, was trinken?

Darüber habe schon ich vor Jahren etwas veröffentlicht, auf einem anderem Blog, und dann  Brygida Helbig hier auf diesem Blog: Ralf guckt Fußball. Ich auch.

Na eben, das meine ich. WIR gucken Fußball. In manchen Berliner Kneipen, in denen ich schon Fußball gekuckt habe, gab es gar mehr Frauen als Männer.

Vor ein paar Tagen fand ich aber im Internet, fand ich aber im…, fand ich aber… Wie soll ich es beschreiben, was soll ich darüber schreiben, fand ich also so was…

Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Ich dachte, es ist ein ironischer Streich von der Firma Dr.Oetker und Firma Love Cake. Ich dachte, es gab so eine Werbung in den 50. oder 60. und man bediente sich sie, um sie auszulachen und neu zu gestalten…

Aber es ist leider genauso möglich, dass man es… dass MANN es ernst gemeint hatte und dass es Nix Ironie ist.

Na ja. Ironie ist in Deutschland sowieso eine Waffe, mit der man Schwierigkeiten hat, um verstanden zu werden. Dies ist interessant übrigens, dass im Land, das Mal strikte und harte Regel für Konjunktiv erstellt hate, der Konjunktiv gerade im Sterben liegt und die alte gut Ironie gleich mit ihm in den Abgrund geht.

Ich kopierte also schnell das Bild, weil ich vermutete, Ironie hin oder her, dies Zeug wird so ein Shitstrom bekommen, dass an dem Tag, an dem ich meinen Beitrag veröffentliche, dh. heute, das Bild nur hier, auf meinem Blog, noch zu sehen bekommt.

Eine Frau soll also für ihren Liebsten einen Fußball-Kuchen backen und es an oetker.ch/lovecake schicken. Oder auf die Fanpage auf dem Facebook/ Instagramm stellen: #lovecakeOetker.

Zu gewinnen gibt es 50 Packete Backzutaten im Wert von 30,- CHF. Na ja, nicht die Welt… keine Traumreise (mit dem Liebsten selbstverständlich), kein dickes Auto…

Ausgeschrieben wurde der kleine Wettbewerb schon im Mai. Es gibt schon viele schöne Zusendungen. Aber nicht gerade das, was sich der Schirmherr des Werttbewerbs ausgedacht hate. Die Torten sind eigentlich allersamt Geburtstagstorten von Omas und Mamas für Söhne und Enkel.

Wie ich erwartet habe, gab es auch empörte Kommentare, aber, unter uns, nicht so schrecklich viele…

Unglaublich: ist das aus 1958 oder echt 2018? “Back deinen Mann glücklich” ???
Aus dem letzten Jahrhundert?

Seid Ihr über die 1950iger Jahre noch nicht hinweg gekommen?! Dieses rückschrittliche Frauenbild im Jahre 2018 – wollt Ihr AfD, FPÖ, konservative Christen und sonstige konservative Kräfte nun zum Backen von Fußballtorten bringen, damit sie sonst kein Unwesen mehr treiben? Dieser “Schuß” ist eindeutig ein Eigentor, weil ich werde in Zukunft angesichts dieser sexistischen Werbung sehr darauf bedacht sein, keine Produkte aus dem Hause Dr. Oetker mehr zu kaufen!

Was ist denn das für eine konservative und sexistische Werbung? Leute. Wir haben das Jahr 2018! Offensichtlich seid ihr in den 50er Jahren stecken geblieben. Von solch einer antiquierten Firma, die mich als Frau derart auf “hinter den Herd gehörend” darstellt bekommt keinen Cent meines hart erarbeiteten Geldes. Und gerne werde ich diese Meinung auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis kund tun.

Die können mich mal alle gaaanz gerne haben 😂. Macht weiter Werbung über Frauen, die so deppert sind, ihren Männern solchen Krampf zu backen und vielleicht auch noch das Bier zum Fernseher bringen 🤨. Wenn Fussball angesagt ist, geht mein mir angetrauter Ehemann zu seinem Spezl, schauen usw. Ich geh derweilen raus an den Weiher und sehe den Fischen zu, wie raushüpfen und nachsehen, wo die Angel ist. In diesem Sinne wünsche ich allen Medls eine stressfreie Zeit und den Prinzen eine gesegnete WM, Hauptsache, i hob mei Ruah

Die Kommentare führten dazu, dass sich der Slogan zwar nicht geändert hat, wohl aber das Bild – lovecakeOetker liess die Frau verschwinden.

Die Empörung wuchs aber weiter. Der Slogan wurde geändert, dann verschwand das ganze Wetbewerb… Und dann meldete sich ein Mann zu Wort:

Soviel darf ich anmerken: Ihr spinnt alle miteinander, das ist schon krankhaft diese Paranoia vor etwaigen Rollenbildern. Vielleicht kommt euch einmal in den Sinn dass es Frauen gibt die das durchaus gerne machen, die ein anderes Frauenverständnis haben und dieses ganze feministische Emanzentum irrsinnig auf die Nerven geht, weil sie in ihrer Rolle u. a. auch als backendes Weibchen (so würdet ihr das bezeichnen) oder so der Rest der Welt es sieht, als liebendes, fürsorgliches weibliches Familienoberhaupt welches in ihrer Rolle voll und ganz aufgeht. Aber das vertragt ihr offensichtlich nicht, dass andere Menschen glücklich und zufrieden mit ihrem Familienleben sind obwohl es nicht eurer Weltanschauung entspricht. Also, wenn ihr euch von einer Produktwerbung nicht angesprochen fühlt, so kauft das Produkt eben nicht. Wenn es euch schmeckt und ihr jemanden habt der das für euch zubereitet, weil selber könnt ihr das ja nicht, weil ihr ja emanzipiert seid… dann kauft es. Aber belästigt nicht die Öffentlichkeit mit geistigen Rauchzeichen der minderen Art und erklärt anderen wie sie ihr Leben zu gestalten haben.

Ja, also, wie immer. Nix Neues.

Das ist die Tradition des Hauses Oetker, das sich als “kleiner Helfer” an der Seite der berufstätigen Frau positionierte und in der oben erwähnten Werbung daran anspielt:

Es hätte gereicht, wenn man Frau und Mann in der Küche gezeigt haben, die schnell gemeinsam etwas zaubern, bevor es pfeifft.

Und trotzdem denke ich mir, Hundert Jahre Frauenrechte, nicht nur bei uns, in Polen, sondern auch in Deutschland. Fünfzig Jahre verbissener Kampf der Frauen gegen alten Stereotypen. Und was? Und nix. Meine Freunde von Facebook meinen, dass die Marketingtypen zu jedem raffinierten Vorschlag fähig sind, um den Umsatz zu steigen. Ich finde aber, dass es einfach dumm ist und dass die Dummheit der Menschen, auch Marketingmenschen, grenzenlos ist.

Übrigens, ein Mann, der schon einmal bei mir publiziert hat und sich Tabor Regresywny (was schwierig zu übersetzen ist und bedeutet so etwas, dass die Ziegeuner mit ihren Wagen ziehen, aber immer weniger Vehickel mir sich führen) nennt, meint, die menschliche Dummheit ist ein wichtigster Argument dafür, dass es Gott gibt. Der Mensch musste von einem hehrem Wesen erdacht werden, in der Natur gibt es nämlich die Dummheit nicht…

Jagielski

Tibor Jagielski

Zeichnungen und Gedichte

Ungarische Metamorphosen

Im Frühling explodiere ich wie ein Kirschbaum
Und beherrscht vom Rhythmus fließe ich
Wie ein Blütengewitter
Ins fruchtbare Tal
Wo Stierblut dämmert im Krug
Und auf schwarzen Tellern
Warten Käse und Brot.

Erde
Meine Mutter
Ich komme zurück!
Doch lass jetzt mein Herz
Ein Vogel sein
Im Himmel.

III MMI

Ich bin ein Gedicht

Ich bin ein Gedicht
Aber niemand liest mich außer dir
So viele Gedichte
Jung und alt
Wandern durch die Zeit

Meine letzte Strophe hat noch nicht angefangen
Und weil du dich gerade in der Mitte befindest
Singe ich und tanze
Es ist Zeit der Freude

Doch ich weiß jedes Gedicht hat sein Ende
Schade
Du liest gerade meine letzte Zeile

T.J. 1992

gleisbett

muede
am samstagvormittag
nebligtrueb
moechte ich an der stelle einschlafen
ins bett
wiederfallen

——————————————————————

Am Samstagvormittag musste der U-Bahnverkehr der Linie U8 zwischen der Bernauer Straße und dem Kottbusser Tor unterbrochen werden.
Grund war ein Feuerwehreinsatz.  Wie ein Pressesprecher der Feuerwehr erklärte, wurden
Einsatzkräfte gegen 9.27 Uhr alarmiert,
weil sich eine Person im Gleisbett am U-Bahnhof Jannowitzbrücke befand.
Nach Angaben der Polizei hatte sie geschlafen.

Ta nić czarna… / Der schwarze Faden…

Przybywajcie, facet dobrze śpiewa, a zarzeka się, że nigdy więcej! Jedyna taka okazja w życiu!

Ale te linijki poniżej i w tytule to nie nasz muzyk, to …

Cyprian Kamil Norwid

MOJA PIOSNKA

 POL. – I’ll speak to him again.
What do you read, my lord?…
HAM. – Words, words, words!
Shakespeare

Źle, źle zawsze i wszędzie
Ta nić czarna się przędzie:
Ona za mną, przede mną i przy mnie,
Ona w każdym oddechu,
Ona w każdym uśmiechu,
Ona we łzie, w modlitwie i w hymnie…

Nie rozerwę, bo silna,
Może święta, choć mylna,
Może nie chcę rozerwać tej wstążki;
Ale wszędzie – o! wszędzie,
Gdzie ja będę, ta będzie:
Tu w otwarte zakłada się książki,
Tam u kwiatów zawiązką,
Owdzie stoczy się wąsko
By jesienne na łąkach przędziwo:
I rozmdleje stopniowo,
By ujednić na nowo,
I na nowo się zrośnie w ogniwo.

Lecz, nie kwiląc jak dziecię,
Raz wywalczę się przecie.
Niech mi puchar podadzą i wieniec!…
I włożyłem na czoło,
I wypiłem, a wkoło
Jeden mówi drugiemu: “Szaleniec!!”

Więc do serca, o radę,
Dłoń poniosłem i kładę,
Alić nagle zastygnie prawica:
Głośno śmieli się oni,
Jam pozostał bez dłoni,
Dłoń mi czarna obwiła pętlica.

Źle, źle zawsze i wszędzie
Ta nić czarna się przędzie:
Ona za mną, przede mną i przy mnie,
Ona w każdym oddechu,
Ona w każdym uśmiechu,
Ona we łzie, w modlitwie i w hymnie.

Lecz, nie kwiląc jak dziecię,
Raz wywalczę się przecie;
Złotostruna nie opuść mię lutni!
Czarnoleskiej ja rzeczy
Chcę – ta serce uleczy!
I zagrałem…
…i jeszcze mi smutniéj.

Sonntag und Montag in Berlin oder Demo und Dialog

AfD wollte gegen Islamisierung Berlins und Deutschlands protestieren. Es sollten 12 Tausend kommen. Im Endefekt kamen nur zwei Tausend.

In 13 Gegendemonstrationen und einfachen Zulauf einfacher Leute nahmen teil zig Tausende Demonstranten, die gegen Hass und Rassismus und für Demokratie und Toleranz auf die Strassen gingen. Bei den Gegendemos und den bis abend andauernden Parties und spontanen Strassenfeste nahmen ca. 100 Tausend teil. Well done, Berlin. ❤️ #StopptdenHass

Es ging um mehr als eine Demo. Die ganze Stadt war auf den Beinen. Sie feierten, tanzten, sangen, freuten sich und haben gesiegt!

Achtung: die Zahl 72. Tausend (an sich schon imponierend) war nur eine Zwischenbilanz. Soviele nahmen teil an der sechs größten Protestveranstaltungen in der Mitte; sie wurden um ca. 14 Uhr zusammengezählt.

Unten ein Bericht einer Demonstrantin unter Hunderttausend.

Anne Schmidt

Demonstration am 27.5.2018 in Berlin
gegen die AfD

Die Gegendemonstration wurde so umfassend angekündigt, wie es früher immer vor Demonstrationen gegen Rechts der Fall war. Wahrscheinlich hat Ulrich Matthes mit seinem Interview in der Berliner Zeitung ein Glanzlicht für die “glänzende Demonstration” gesetzt, das die Medien zu einer breiten Publikation dieser Veranstaltung veranlasste. Sogar ein kleiner Routenplan war in der Berliner Zeitung abgedruckt, der mir zeigte, wie ich am einfachsten auf schattigen Wegen zu dem (Gegen)Zug stoßen könnte, der schon im Prenzlauer Berg beginnen sollte.
Ich, fußlahme alte Frau, stieg nichts ahnend in Tempelhof in die U6, freute mich über die frische Luft und viel Platz im Waggon, als drei Stationen weiter eine lärmende, sichtlich aufgekratzte Menge von Jugendlichen in die Wagen stürmte.
Aus den Fragen und suchenden Blicken auf handy-displays war zu schließen, dass sie nicht aus der Mitte Berlins kamen.
An der Friedrichstraße verließ ich die desorientierte Gruppe, die nicht meinen Ausgang zur Spree nahm, sondern sich offensichtlich lieber den Ravern an der Siegessäule als den Theaterleuten am Bertolt-Brecht-Platz anschließen wollte.
Noch herrschte Ruhe auf der Friedrichstraße und ich fragte mich, ob ich etwa zu spät gekommen war. Aber auf der kleinen Bühne neben dem Brecht-Denkmal klärte ein Organisator darüber auf, dass in der Lehrter Straße eine Bockade errichtet worden sei und kurze Parodien uns die Zeit bis zum Eintreffen des Zuges verkürzen sollten.
Meine Bank im Schatten musste ich nach kurzer Zeit aufgeben, weil auf der anderen Seite der Spree ein ohrenbetäubender Lärm einsetzte. Menschen mit goldenen oder silbernen Umhängen zogen am Tränenpalst vorbei und unter der S-Bahnbrücke durch in Richtung Luisenstraße, über die sich die AfDler vom Hauptbahnhof kommend nähern sollten.
In Sorge den glänzenden Zug zu verpassen, machte ich mich eilends auf den Weg an den vollbesetzten Restaurant-Terrassen vorbei zur S-Bahnbrücke an der Albrechtstraße. Es staute sich auf der Brücke und ich musste plötzlich an Duisberg denken. Aber bevor bei mir Panik einsetzen konnte, war ich schon am jenseitigen Ufer angekommen und suchte mir eine Lücke zur Aufstellung.
Eine zierliche ältere Dame (etwa in meinem Alter) machte mir bereitwillig Platz und tippte in ihrem Handy herum; sie hatte ihre Leute verloren, mit denen sie wegen der Demo mit der Bahn aus Hamburg gekommen war.
So gut die Lautstärke es zuließ, erzählte sie mir von ihrer Begegnung mit alten rechten Säcken im Hauptbahnhof, die mit ihrer angeblichen unteren Potenz geprahlt hätten. Wir ergötzten uns an dem Konter ihrer Freundin, das sie bei nächster Gelegenheit in einen Slogan verwandeln wollte.
Als sich die erste Freundin bei ihr meldete, fand ich endlich eine Lücke im nicht enden wollenden Zug der Glänzenden.
Der Schlagzeuger hatte unter der Brücke das Echo zu einem besonders langen Solo genutzt und die johlenden und pfeifenden Menschen übertönt. Ein kleines Stück weiter wurde der Zug am weiteren Geradeausgehen von der Polizei gehindert.
Alle versuchten einen Platz am Brückengeländer zu erhaschen, um die Boote, die unterhalb der Luisenstraße auf der Spree lagen, zu sehen und zu bewundern; sie sahen aus, wie Mark Twains Flöße vom Mississippi, hatten aber große Boxen an Bord, um die fahnenschwenkende Masse, die sich von der Charite her auf die Brücke zubewegte, zu übertönen.
Der Coup war gelungen, denn trotz Straßensperre konnten die Gegner der AfD deren Singsang und Rufe übertönen.
Vor dem Brandenburger Tor verhinderten Polizisten aus Dresden den Weitermarsch der ca. 10.000 Menschen, aber alle Demonstranten wussten, dass jenseits des Brandenburger Tores, auf der anderen Seite der AfD, die Raver auf der Straße des 17. Juni herantanzten und auf der Wiese vor dem Reichstag Parteien und Gewerkschaften den Ring um den kleinen braunen Haufen vervollständigten. Der braune Haufen war umzingelt und konnte nur sich selbst beweihräuchern. Ihre Hetzreden gingen unter in Slogans wie “Nazis raus”. Die Demonstranten, die lieber bunt, glänzend und hedonistisch sein wollten, hielten lange aus, trotz einiger Regentropfen. Es war die größte Demonstration Berlins seit langem und sie endete genauso friedlich wie sie begonnen hatte.
Der riesige Polizeieinsatz war völlig überpropotionalisiert. Am Bahnhof Friedrichstraße hätte ich beinahe rohe Gewalt angewendet, um in den U/S-Bahneingang zu kommen, aber da der bullige Typ, der mir den Durchgang verwehrte, sich nicht auskannte, mussten wir nur über die Straße gehen, um ungehindert unsere U-Bahn zu erreichen.

***

Die Strassen bebten, die Menschen jubelten die Freiheit. In jedweder Hinsicht. Eine fröhliche Mischung von alten Love Paraden, Christopher Street Day and Karneval der Kulturen.

Berlin zwischen Siegssäule und Brandenburger Tor


Ewa Maria Slaska

Am nächsten Tag gab es im Auswärtigen Amt eine Veranstaltung zum Thema Polen in Deutschland.

Eine ziemlich viel versprechende Veranstaltung – es kommen zwei Politiker, die für deutsch-polnische Beziehungen zuständig sind, sie reden ganz ganz kurz und danach dürfen wir, das Publikum, Fragen stellen oder uns zu Wort melden. Ich habe mich gemeldet, wurde nicht akzeptiert. Obwohl ich nicht glaube, dass man so eine “blaue Frau”, wie ich an dem Tag aussah, übersehen kann. Deshalb möchte ich hier schreiben, was ich am Montag nicht sagen konnte oder dürfte. Es war eine Antwort auf drei nacheinander gestellten agressiven Fragen, wieso Deutschen uns Polen belehren, wieso dürfe ein Volk, dass in letzten Hundert Jahren zwei Weltkriege entfacht hat, uns, polnischen Patrioten sagen, was wir tun sollen? Usw.

Die Fragenden, nur Männer, gaben sich als private Personen aus, waren aber, um Fragen zu stellen, abgeordnet.

Frau Szczęch und Herr Woidke antworteten mit ein paar beruhigenden Parolen, die um diese patriotische Brei sich ziemlich schüchtern herumschlichen. Daher wollte ich folgendes sagen:

Ja, Pytający Panowie Patrioci – tak, die fragenden Herren Patrioten! Ja, tak, Sie haben recht. Die Deutschen, die in letzten 104 Jahren zwei Weltkriege entfacht haben, dürfen uns nicht belehren. Die gibt es aber nicht mehr. Die Deutschen von heute haben wie kaum eine Nation der Welt ihre Verbrechen offen gestanden, sich für das getane Unrecht entschuldigt und ihre Schuld aufgearbeitet. Und dies können wir Polen wohl und gut lernen, um nicht als die Ewiggestrigen immer wieder gegen den Deutschen ins Feld zu ziehen.

Und sicher könnten wir am vergangenen Sonntag von den Deutschen lernen, wie man sich sowohl spontan als auch institutionell gegen Hass und Rassismus erhebt.Wie fröhlich die Offenheit und Toleranz und Liebe und Freiheit sind.

Ich finde es richtig schade, dass ich es nicht sagen dürfte. Daher werde ich einen Link zu diesem Beitrag an Herrn Woidke und Frau Szczęch schicken…

***

Übrigens war Frau Szczęch in ihrer Aussagen ziemlich mutig, wenn man bedenkt, was die PiS Regierung über deutsch-polnische Beziehungen denkt… Ich glaube, sie wird gehen… Viel Glück Frau Szczęch!

Der blaue Spuk im Auswärtigen Amt: Ich und Herr Woidke und unser Buch von Michał Rembas und mir; Foto Krystyna Koziewicz.

aus dem zyklus “tod im tegel”

Tibor Jagielski

johanssen

1,

seine größte stunde kam an einem samstag
punkt zwanzig uhr übertrug das fernsehen der ddr
ein kessel buntes aus dem friedrichstadtpalast
und er kniete auf der mitte der bühne
vor der mirelle mathieu

in seiner ückermarkischen geburtsstadt saß in diesem moment
vor jetwedem empfänger
fast jeder
nur ein zum fernsehverbot verdonnerter arrestierter der dortigen volkspolizeiwache
sowie das notaufnahmekollektiv
das brav auf kommando
– aber fluchend –
die zentrale und das schwarzweiss gerät
– wo gerade die grosse weite welt
in der vertretung der wunderbarsten beine des mikrokosmos
zu schwingen begann –
verlassen musste
(weil irgendein idiot einen unfall gebaut hat)
konnten es nicht
nein
hautnah erfahren:
dass johannsen
es geschafft hat

ja
er steppte in dieser stunde um sein leben
und warf seine tanzpartnerin fünf centimeter höher als gewöhnlich
und kaschierte einen schrittfehler von katja ebstein mit einem grandiosen spagat
(gleichzeitig sein hut so werfend, dass er in seine hand zurückkam…)
er spielte einfach hinreißend
bis seine mutter vor der mattscheibe zu weinen begann

was konnte ein stockschwuler von märkischer heide
damals
in dem land der arbeiter und bauern
mehr erreichen

dazu:
eigene wohnung in der hauptstadt
mal tournee durch feindliches ausland
schuhe von salamander
oder amerikanische jeans
vielleicht morgen eine datscha in der ruppiner schweiz
beziehungsweise an der usedomer riviera

doch es kam anders
2,

ein vierteljahrhundert später
lag seine verkohle leiche am bett
er wurde erdrosselt
die wohnung ausgeraubt und dann angezündet
von einem mann den er zu lieben glaubte

3,

als ich ihn zum ersten mal traf
war er schon unten
arbeitete als raumpfleger in einer sklavenfirma
und putzte vor meiner tür
my fair lady pfeifend
ständig auf der suche nach der entschwundener jugend
wie ein ton auf der sternleiter
der unermüdlichen begierde

19 08 11

XXV SEPTEMBER

zuletzt schleppte sich eitelberg auf das dach und sprang in die tiefe
er lebte im siebten stock und unter seiner loggia wuchsen die zwergkiefern
er wollte auf nummer sicher gehen, darum erklomm er
mit letzter kraft die sechs etagen und stürzte sich
auf die betonplatten; genau dort wo siebenhundert bewohner des hauses tagein tagaus
vorbeigehen; einen monat lang trat aus den poren des steines sein blut heraus
und färbte rostrot das grau, zwei handflächen gross.

neunundvierzig tage wollte ich an ihn denken.

manchmal legte ich eine wildrose, zog die mütze ab und blieb eine minute stehen,
doch meistens blieb es nur beim rose werfen und mütze ziehen(szybciej, franek, szybciej);
einmal wachte ich in der nacht auf, genau um die zeit als er sprang, und fragte mich: warum?
(ich suchte dann die brahmsplatte aus, weil bei ihm die träne, die von dem auge fällt
das herz erleichtert);
ein paar mal sprach ich für ihn das vaterunser (so wie ich es die ganze kindheit und jugend tat, wenn jemand starb);manchmal meditierte ich am seeufer oder dachte an ihn beim schwimmen; doch es gab auch tage wo ich eitelberg komplett vergaß;
es ging schnell – so reisst sich leben von dem tode weg und versucht zu fliehen.

es ging schnell: zuerst verschwand die leiche, dann die polizei, die gaffer und die reporter;reinigungsarbeiter schütteten den sand und kamen drei tage hintereinander mit den besen;keiner legte einen blumenstrauss oder zündete eine kerze – tschüss, erledigt;- eeyyy!!! läßt es liegen…- rief ich einmal so laut wie ich konnte,
als irgendwelche idioten meine blume zertraten (sie wurden plötzlich zehn zentimeter kleiner und bogen im rudel brav um die ecke), es war mitternacht und später, viel später, kurz vor dem sonnenaufgang,
flog das reiherpaar mit dem jungen am rostroten himmel vorbei und dahin.

am siebenunddreißigsten tag fing es zu regnen an; die wolken kamen aus dem westen
und brachten näße drei tage lang; dann fuhr ich weg auf die insel gepeitscht vom wind
und von zweifel; doch die ließen bald nach, als ich die wellen umarmte, sanddorn pflückte und schnitt ab den flundern die köpfe; es wurde stiller und stiller; bis die feuerquallen an den strand kamen und tanzten im seichten gewässer; sie waren rostrot;

doch ich ging am fünfzigsten tag
mit undine
in das blau
an ihnen vorbei.

2009