Z cyklu “Ogrody”/ Aus dem Garten-Zyklus/ From the serie “Garden”
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Portugal
Bevor ich Christine Ziegler eine Möglichkeit gebe, mit uns über ihre Reise nach Portugal zu sinnieren, veröffentliche ich hier, was ich vor drei Tagen im Spiegel-Online gefunden habe: Portugal ist einziges Land Europas, das sich mehr Flüchtlinge ausdrücklich wünscht… Leset Mal!
christine ziegler / fotos: martin cames
liebe ewa,
der urlaub dauert noch fast eine woche an, juhu, das haben wir lange nicht mehr so gemacht. hier ist der sommer sehr verträglich, der wind vom atlantik sorgt für höchsttemperaturen von 26 grad, das ist sogar für mich ganz in ordnung.

dazu kommt jede menge schönheit, sei es an der küste, sei es im weltkulturerbe von sintra. lauter unverhoffte sachen, so verschieden von allem, was ich schon anschauen durfte.

hast du schon mal einen prunksaal gesehen, der mit elstern ausgemalt wurde? das fand ich verblüffend. dazu die wunderbaren kacheln an der wand. hier eine, die ganz anders war als all die floralen elemente.
elstern und kacheln sind aus dem nationalpalast in sintra. zitat aus der tourismusseite: „Im Herzen von Sintra befindet sich der gotische Nationalpalast, der der am meisten genutzte königliche Palast war und dessen herausstechendes Merkmal seine riesigen Schornsteine sind, die von der Küche nach Außen führen.“



die schornsteine sind wirklich beeindruckend! von oben nach unten: erst mal von innen, dann von außen. und unten drunter ein blick in den dazugehörigen küchenraum.

und hier noch die küste zum atlantik, gleich daneben ist das „ende der welt“, na ja zumindest von europa, gleich beim cabo da roca.
aber vielleicht ist dir das alles ganz vertraut. du bist ja schon so viel mehr rumgekommen. liebe freundin, die mail trifft dich hoffentlich in guter laune und besserer gesundheit an. bis bald hoffe ich, liebe grüße
christine
Heute abend auf dem Himmel
gestern schrieb ich über metaphorische Mondgöttin, heute
Klaus-Peter Schröder
schreibt über total un-metaphorische
totale Mondfinsternis über Deutschland (Reblog)
Nur selten fällt eine totale Mondfinsternis mit der günstigsten Sichtbarkeit eines äußeren Planeten zusammen: Am späten Abend des 27. Juli 2018 steht tief über dem Südosthorizont, nur knapp sechs Grad nördlich des Roten Planeten Mars, der ebenfalls rötlich leuchtende, verfinsterte Erdtrabant. Lesen Sie hier, wie Sie diesen besonderen Anblick am besten genießen können.
Am Abend des letzten Freitags im Juli 2018, zwischen 21:30 Uhr und 23:13 Uhr, ist es endlich wieder so weit: Zur Vollmondzeit tritt der Erdtrabant in den Schatten unseres Planeten ein und schimmert dann in einem kupferroten Licht. Währenddessen leuchtet nur eine Hand breit unterhalb des verfinsterten Mondes ein weiterer Himmelskörper, der ebenfalls durch eine rötliche Farbe auffällt: Es ist der Planet Mars, der nun besonders hell ist und während der gesamten Nacht über dem Horizont bleibt. Hat jeder der beiden Akteure für sich genommen schon viel zu bieten, so ist das Rendezvous am 27. Juli 2018 erst recht ein astronomisches Highlight. Bereits die Beobachtung dieses Himmelsschauspiels mit bloßem Auge verspricht Eindrücke, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten!
Beim Betrachten durch ein Fernglas oder ein Teleskop zeigen sich im Umfeld des verfinsterten Erdtrabanten mehrere lichtschwache Sterne, die im gleißenden Licht des Vollmonds niemals sichtbar wären. Dies verleiht dem Anblick eine ungeahnte räumliche Tiefe. Hinzu kommt die ungewohnte Farbe des Mondes, die besonders zur Mitte der Verfinsterung, gegen 22:23 Uhr, die Blicke auf sich zieht.
Bei einer solchen totalen Mondfinsternis steht der Erdtrabant der Sonne am Himmel gegenüber: Sonne, Erde und Mond sind dann entlang einer Linie aufgereiht. Gleiches gilt an diesem Tag für den Mars: Wie der Vollmond, so geht auch er zu Sonnenuntergang im Südosten auf und zu Sonnenaufgang im Südwesten unter – man sagt, der Planet befindet sich in Opposition zur Sonne.
© SuW-Grafik (Ausschnitt)
Der Erdschatten: Gar nicht so finster
Bereits um 20:24 Uhr MESZ beginnt der Ostrand des Mondes etwas angeknabbert auszusehen. Allerdings ist diese Phase der partiellen Verfinsterung nur in den östlichen und südöstlichen Teilen Europas gut sichtbar. In Mitteleuropa erreicht der Mond erst ab etwa 21:30 Uhr ausreichende Höhen über dem Horizont und ist dann bereits vollständig in den Kernschatten der Erde eingetaucht. Erheblich besser lassen sich die partiellen Phasen der Mondfinsternis nach dem Ende der Totalität, ab 23:13 Uhr, verfolgen.
© Fred Espenak / NASA / SuW-Grafik (Ausschnitt)
Hätte die Erde keine Atmosphäre, so wäre der Mond während der totalen Phase der Finsternis unsichtbar. Die Brechkraft der irdischen Luftschichten lenkt aber ein wenig Sonnenlicht in den Kernschatten der Erde hinein, der in Mondentfernung etwa noch zweieinhalb Monddurchmesser groß ist. Ein Astronaut auf dem Mond würde unseren Planeten in diesem Moment als dunkle Scheibe mit zwei Grad Durchmesser wahrnehmen, die sich vom umgebenden Weltraum durch einen dünnen, feurig roten Lichtsaum abgrenzt: Aus seiner Sicht würde die Erdatmosphäre von hinten beleuchtet.
Es ist dieses vom Staub und Dunst der Atmosphäre rot gefilterte Licht, in dem wir den verfinsterten Vollmond am irdischen Himmel sehen. Besonders eindrucksvoll ist der Anblick, wenn Sie ein Fernglas benutzen – denn im Vergleich zu einem herkömmlichen Teleskop bietet dieses kompakte optische Gerät den Vorteil, dass Sie mit beiden Augen zugleich hindurchsehen können. Da der Mond den Erdschatten diesmal nahezu zentral durchläuft, erscheint er während der Totalität besonders dunkel.
Das Ende der totalen Verfinsterung ist um 23:13 Uhr erreicht; etwa um 23:45 Uhr erscheint der Mond noch halb verfinstert. Was ihn dann jedoch von einem gewöhnlichen Halbmond im letzten Viertel unterscheidet, ist sein Anblick im Fernglas oder Teleskop: Im letzten Viertel fällt das Sonnenlicht nahe der Hell-Dunkel-Grenze unter einem sehr flachen Winkel auf die Mondoberfläche, so dass hier Kraterwände und Gebirge lange, schwarze Schatten werfen. Entlang der reichlich unscharfen Hell-Dunkel-Grenze einer Mondfinsternis erscheinen diese langen Schatten jedoch nicht, denn das Licht trifft ja nun weiterhin direkt von oben auf die Mondoberfläche – und nicht von der Seite, wie beim echten Halbmond.
Um 00:19 Uhr MESZ ist auch der letzte fehlende Bissen am Westrand des Mondes verschwunden; der Mond hat dann den Kernschatten der Erde vollständig verlassen. Den Kernschatten der Erde umgibt eine ringförmige, weniger dunkle Zone, der Halbschatten. Er verrät sich kurz nach dem Ende der Totalität durch eine geringe, sehr diffuse Abschattung in der Nähe derjenigen Stelle, an welcher der Kernschatten soeben noch auf den Vollmond fiel.
Seltenes Ereignis
Das schöne Schauspiel einer Finsternis tritt nicht bei jedem Vollmond ein, denn dazu müsste die Mondbahn genau innerhalb der Erdbahnebene liegen. Tatsächlich ist die Bahn jedoch um rund fünf Grad geneigt. Dies hat zur Folge, dass der Mond die Erdbahnebene während eines vollen Umlaufs an zwei Punkten durchquert: an den so genannten Knotenpunkten. Durchläuft der Mond die Erdbahnebene von Nord nach Süd, steht er im absteigenden Knoten. Ihm gegenüber befindet sich der aufsteigende Knoten, in dem er die Erdbahnebene von Süd nach Nord durchläuft.
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Demzufolge müsste sich der Erdtrabant zur Vollmondzeit genau in einem der Knotenpunkte befinden, damit eine Finsternis eintreten kann. Dank der Größe des Erdschattens, der in Mondentfernung mehr als zweimal so groß ist wie der Mond, genügt es jedoch, wenn der Vollmond einem der Knoten sehr nahe kommt. Zumeist läuft er aber zu weit nördlich oder südlich am Erdschatten vorbei, so dass keine Finsternis eintritt. Und selbst wenn die Bedingung erfüllt ist, kann es vorkommen, dass wir in Mitteleuropa keine Finsternis erleben können, denn schließlich muss unser Kontinent zur passenden Zeit dem Mond zugewandt sein, so dass er für uns während der Nacht über dem Horizont steht.
Beispielsweise konnten wir die totale Mondfinsternis am 31. Januar 2018 nicht sehen, weil sich Mitteleuropa zur fraglichen Zeit auf der mondabgewandten Seite der Erde befand. Meist muss ein ortsgebundener Beobachter ein bis zwei Jahre auf die nächste totale Mondfinsternis warten. Partielle Verfinsterungen, bei denen der Trabant nur teilweise in den Schatten der Erde eintaucht, sind etwas häufiger.
Günstige Sichtbarkeit mit Handikap
Unser äußerer Nachbar Mars erreicht während seiner diesjährigen Opposition einen Winkeldurchmesser von rund 24 Bogensekunden, was beinahe der größtmögliche Wert ist. Auch seine scheinbare Helligkeit ist Ende Juli maximal. Dies hat einen einfachen geometrischen Grund: Sonne, Erde und Mars liegen am 27. Juli ja aufgereiht auf einer Linie. Der Planet steht dabei nahe am sonnennächsten Punkt seiner Bahn, dem Perihel. Gleichzeitig steht die Erde im Juli noch nahe an ihrem sonnenfernsten Punkt, dem Aphel. Somit kommen sich Mars und Erde während ihrer Begegnung diesmal viel näher als in durchschnittlichen Oppositionen. Der Abstand beider Planeten beträgt am Monatsende nur rund 58 Millionen Kilometer, während er in ungünstigen Fällen bis zu 101 Millionen Kilometer betragen kann.
Doch leider gibt es einen Wermutstropfen: Auf Grund der räumlichen Lage der Marsbahn ereignen sich Periheloppositionen stets im weit südlich gelegenen Teil des Tierkreises. Am 27. Juli steht Mars im westlichen Teil des Sternbilds Steinbock, das in Mitteleuropa niemals hoch über den Horizont gelangt. Das vom Planeten kommende Licht muss somit einen relativ langen Weg durch die Erdatmosphäre zurücklegen, bevor es das Teleskop des Beobachters erreicht. Deshalb ist es auch wahrscheinlich, dass die allgegenwärtige Luftunruhe die Sichtbarkeit feiner Details deutlich einschränkt.
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Unser roter Nachbar im Teleskop
© NASA / USGS (Ausschnitt)
Der Mars benötigt für eine volle Umdrehung rund 37 Minuten länger als die Erde. Beobachtet man ihn also täglich zur gleichen Uhrzeit, dann bemerkt man von Nacht zu Nacht eine kleine Verschiebung der Oberflächenstrukturen. Dem Zeitunterschied entspricht im Gradnetz des Mars ein Längenunterschied von rund neun Grad, so dass allmählich neue Gebiete auf den sichtbaren Teil der Marsscheibe vorrücken. Besonders deutlich wird dies, wenn das große, dunkle Hochplateau Syrtis Major auf der Vorderseite des Planeten angelangt ist. Diese Region wurde bereits im Jahr 1659 von dem niederländischen Physiker und Astronomen Christiaan Huygens (1629–1695) entdeckt. Schon in den ersten Julinächten wird sie kurz nach Mitternacht sichtbar sein.
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Ein weiterer Leckerbissen ist die weiße Polkappe auf der uns zugeneigten Hemisphäre des Mars. In den Monaten vor der Opposition verringert sich ihre Ausdehnung im Verhältnis zum zunehmenden scheinbaren Marsdurchmesser, denn auch auf dem Mars gibt es Jahreszeiten. Ein Rotfilter verstärkt bei solchen Beobachtungen die Kontraste der Bodenformationen, weil das von der Oberfläche reflektierte rötliche Licht den bläulichen Dunst der darüberliegenden Atmosphäre besser durchdringt.
Keine technische Maßnahme hilft allerdings gegen einen Staubsturm auf dem Mars, der sich binnen ein bis zwei Wochen wie ein gelbes Tuch auf dem Planeten ausbreiten kann und dann den Blick auf die Oberfläche verhindert. Gerade in den Periheloppositionen kommen solche Stürme häufiger vor, weil die nun stärkere Sonneneinstrahlung mehr Energie in die Marsatmosphäre pumpt – ein Effekt, den wir beim Blick auf unseren atmosphärelosen Mond nicht befürchten müssen.
Der Autor ist Professor für Astrophysik an der Universität Guanajuato in Zentralmexiko. Als Student beobachtete er über viele Jahre hinweg regelmäßig mit dem eigenen Teleskop; heute sind die stellare und solare Aktivität seine Forschungsschwerpunkte.
Nico, eine Mondgöttin
Sie liegt auf dem Selbstmörder Friedhof in Berlin begraben, obwohl sie gar keine Selbstmörderin ist, sondern ist auf Ibiza vom Fahrrad gefallen und gestorben. Am 18. Juli 1988.
Nico…
Von Andy Warhol entdeckt, kam sie zu Ruhm als weibliche Stimme des ersten Albums von The Velvet Underground und, wie Berliner TIP behauptet, werden ihre Soloplatten bis heute immer dann angehört, wenn man einmal so richtig tief depressive Musik hören möchte.
Sie war vielleicht keine Selbstmörderin, das ja, aber, na ja, sie war heroinsüchtig und depressiv, wirkte selbstzerstörerisch und ihr Leben war zu letzt lediglich ein Haufen dubiöser Umstände…
Ihr Grab ist eine Pilgerstätte für viele ihre todessehnsüchtigen Fans aus aller Welt, die dort eine Blume, aber auch einen Joint, eine Schnapsflasche oder eine Heroinspritze niederzulegen pflegen.
Anne Schmidt
schrieb über sie zum Buss- und Bettag letztes Jahres…
Es gibt Gräber, die muss man suchen, wenn man sie besuchen will.
Sie wurden anonym angelegt, weil die dort begrabenen Personen mit ihren Geschichten zur Zeit ihres Todes als Aufrührer oder gar Verbrecher galten, deren Gräber keinesfalls zu Pilgerstätten werden sollten.
Andere wiederum wünschten sich schon zu Lebzeiten ein idyllisches Plätzchen an einem weltfernen Ort für ein ewiges Ausruhen nach einem ruhmreichen, turbulenten,
Christa Päffgen, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen „Nico”, hatte sich schon in noch unbeschwerten Jugendjahren den Waldfriedhof am Schildhornweg im Grunewald als letzten Ruheort ausgesucht. Dort findet man auf einem Grab unter dem Stein mit ihrem und dem Namen ihrer Großmutter ein gerahmtes Foto von ihr, das in ihrer glücklichen Zeit als Sängerin und Muse von Jim Morrison gemacht sein dürfte.
Wie lange man sie dort noch besuchen kann, ist der Wilmersdorfer Gemeinde überlassen, die den Friedhof aus Kostengründen schließen will.
Die russichen Selbstmörder, nach denen der Friedhof benannt ist, die vielen Toten einer Bombennacht im Jahre 1945 würden dann genau wie Nico und Rolf von Zukowsky umgebettet werden müssen oder dem Verfall preisgegeben werden.
Die Wildschwein rotten um den Friedhof herum, warten schon jetzt auf ein Offenlassen der Pforte.

Foto Elżbieta Kargol
Im Kino gibt es jetzt ein Film über sie. Ein, wie TIP Berlin es bezeichnet, beeindruckendes Biopic über die Spätphase der gefeierten Popikone: Nico, 1988.
I/B 2018, 93 Min., R: Susanna Nicchiarelli, D: Trine Dyrholm, John Sinclair, Anamaria Marinca.
Eine Geschichte über zwei letzte Jahre Nicos Leben.
Trine Dyrholm, die Nico spielt, singt im Film alle Lieder selbst.
Der Film ist fantastisch. Und es gibt gar eine merkwürdige halluzinatorische Vision Polens AD 1987 im Film. Polen an Allen Toten Tag.
Zwei ihre Aussagen, die sich einem für eine Ewigkeit einprägen.
– Bin ich hässlich? Ja? Gut. Ich war sehr unglücklich, als ich schön war.
Und
– Ich war ganz oben und ich war ganz unten. Auf den beiden Orten ist man verdammt allein.
Im TIP erzählt der Musiker Lüül (Lutz Graf-Ulbrich) über seine einstige Liebe und ihr Grab. Er war Musiker der Berliner Krautrockbands Agitation Free und Ashra, Mitglied des Kollektivs 17 Hippies – und Nicos ehemaliger Gitarrist und Liebhaber.
„Es gab niemanden, der etwas Vergleichbares machte“, sagt Lüül. Er hat ein Buch geschrieben über seine Jahre mit Nico und es „Im Schatten der Mondgöttin“ genannt. Darin beschreibt er seine erste Begegnung mit ihr in der Pariser Opéra Comique 1973: „Nur ein Scheinwerfer. Dann kam sie. Nico. Überirdisch. Unnahbar schön. Allein mit ihrem indischen Harmonium.“ Magisch hat das damals auf Lüül gewirkt. Ja, und auch er hat sie angehimmelt. „Sie war sagenumwoben“, erinnert er sich. Wie von einem Nebelschleier umgeben, all die Geschichten, die man so von ihr erzählte und die sie über sich selbst erzählte, blieben vage, halb erlebt, halb erdacht. Die Kult- und Kunstfigur Nico lebte von ihrer Aura und dem Mysterium, das sie um sich herum schuf. „Sie war unergründlich“, sagt Lüül.
Schleierhaft ist ihm bis heute auch, weshalb sie sich ausgerechnet ihn ausgesucht hat, damals bei der Party des gemeinsamen Managers Assaad und später im Backstage-Zelt eines Festivals in Frankreich. Weshalb sie sich im Hotel vor ihm auszog und nackt aufs Bett legte. Vielleicht waren sie sich ja doch gar nicht so fern: Sie aufgewachsen in Schöneberg, im KaDeWe als Model entdeckt, er Musiker aus Charlottenburg, beide Kinder des Nachkriegsberlins. So jedenfalls kam die Mondgöttin ins Leben des 14 Jahre jüngeren Lutz Ulbrich und verlieh ihm ungeahnte Größe. Es folgte: „die wilde Zeit“. Ein Leben aus dem Koffer, von Paris nach Amsterdam, immer dem billigen Heroin nach, die Konzertreisen durch die USA. Apropos Heroin: Es machte sie selbstsicherer, sagt Lüül, aber auch selbstsüchtiger. „Sie war die egozentrischste Person, die ich je kennengelernt habe. Alle halten sie ja so hoch, aber hey, sie war auch eine Bitch! Sie hat Menschen betrogen.“ Doch so wie sie nicht vom Heroin loskam, kam er nicht von ihr los.
Dann das große Finale im Chelsea Hotel, New York. Einem Drehbuchautor würde man diese Szene wohl aus seinem Skript streichen, weil maßlos übertrieben: Nico auf Methadon und Alkohol, es kommt zum Streit, ein Bügeleisen fliegt durchs Fenster (Lüül: „Ich hätte es sonst voll in die Fresse gekriegt.“), sie spuckt ihm ins Gesicht, er würgt und schlägt sie, bis sie fällt und liegen bleibt (Lüül: „Ich dachte schon: Jetzt biste ein Mörder!“), doch sie lebt, die Polizei kommt, der Vorhang fällt. Im wahren Leben geht die Geschichte weiter, die beiden bleiben „in Freundschaft verbunden“, wie man so sagt, sie singt das Lied „Reich der Träume“ für ihn ein, er organisiert ihr letztes Konzert im Planetarium Berlin, sechs Wochen vor ihrem Tod, von dem Lüül am Telefon erfährt. Am 18. Juli 1988 fällt sie in Ibiza vom Fahrrad. Gehirnblutung.
Ein Kinotrailer, huch, so was habe ich noch nie gesehen. Ist 20Uhr51, ich klicke den Trailer an und lese eine merkwürdige Zeile: Aus jugendschutzrechtlichen Gründen darf dieser Trailer nur zwischen 23:00 Uhr und 06:00 Uhr abgespielt werden. Sogar den link zum Trailer kann man vor 23 Uhr nicht kopieren…
Hmmmm… Na egal… Der Trailer
Reblog: Lyrische und drastische
Urszula Usakowska-Wolff
Feministische Kunst aus Indien
Die in der Ausstellung »Facing India« gezeigte Kunst ist ohne Zweifel feministisch, politisch und engagiert. Aber unabhängig davon, wie man sie nennt, ist es eine Kunst, die äußerst suggestiv wirkt und lange im Gedächtnis bleibt. Der Einfallsreichtum, das Wissen und der Weitblick der Künstlerinnen, die Dynamik und Energie, mit der sie ihre perfekt ausgeführten Werke realisieren, die Vielzahl von Techniken, Materialien und überraschenden Lösungen kommen in allen Arbeiten, die im Erdgeschoss des Kunstmuseums Wolfsburg präsentiert werden, zum Ausdruck.

Reena Saini Kallat, Woven Chronicle
Die von mehr als 1,3 Milliarden Menschen bewohnte Republik Indien ist die bevölkerungsstärkste Demokratie der Welt. Dieses riesige Land, das den größten Teil des südasiatischen Subkontinents einnimmt, ist ein nationales, religiöses und sprachliches Konglomerat voller Kontraste. Es gibt dort extreme Armut und unvorstellbaren Reichtum, das Kastensystem ist vor allem in ländlichen Gebieten gang und gäbe. Trotz der in der Verfassung verbrieften Gleichberechtigung ist die Situation der Frauen tragisch: Sie werden erniedrigt, vergewaltigt, verbrannt oder auf andere grausame Art umgebracht. Blutige ethnische- und Grenzkonflikte dauern bis heute an, religiöser Fanatismus und Nationalismus breiten sich aus. In den Metropolen gibt es kaum Luft zum Atmen und selbst heilige Flüsse sind kontaminiert. Andererseits ist Indien eine der sich am dynamischsten entwickelnden Volkswirtschaften der Welt, die indische IT-Industrie wird seit vielen Jahren international als konkurrenzlos angesehen, während ein Drittel der indischen Bevölkerung Analphabeten sind. Die Nutznießer der Globalisierung, die soziale Ungleichheiten festigt und vertieft, ist die Mittel- und Oberschicht.
Blick in die Ausstellung „Facing India“ mit Arbeiten von Vibha Galhotra
Sechs Frauen im fast gleichen Alter
Weniger bekannt ist, dass in diesem großen Land auch Kunst gedeiht, nicht nur die Koch- oder die Filmkunst aus Bollywood und Tollywood, sondern auch die zeitgenössische Kunst, in der vor allem Frauen den Ton angeben. Während die japanische und chinesische Kunst schon seit längerer Zeit international ausgestellt und gesammelt wird, hat die indische erst jetzt begonnen, sich im Westen zu etablieren. Das liegt vor allem an der Unsichtbarkeit dieser Kunst, denn in Indien gibt es kaum Ausstellungsorte und Ausstellungsmöglichkeiten. Um sich also eine Meinung über die indische Kunst zu bilden, muss man nicht nach Mumbai, Delhi oder Bengaluru fahren, sondern in die etwas kleinere Stadt Wolfsburg in Niedersachsen. Dort befindet sich bekanntlich der Hauptsitz des VW-Konzerns, der Autos auch in Indien produziert. Aber das ist mitnichten der einzige Grund, warum die erste so umfangreiche Schau der indischen Kunst gerade im Kunstmuseum Wolfsburg stattfindet. Als sein Direktor vor zwei Jahren Ralf Beil wurde, versprach er, das Museumsprogramm globaler zu gestalten und vor allem den Künstlerinnen und ihrer Sicht auf die Dinge dieser Welt mehr Platz als bisher einzuräumen. Er hielt sein Wort, was die Ausstellung »Facing India« vorführt, in der sechs indische Künstlerinnen das Gesicht, konkreter: die vielen Gesichter ihres Landes zur Schau stellen.
Bharti Kher (* 1969), Mithu Sen (* 1971), Reena Saini Kallat (* 1973), Vibha Galhotra (* 1978), Tejal Shah (* 1979) und Prajakta Potnis (* 1980), von der Kuratorin Uta Ruhkamp während ihrer drei Indienaufenthalte ausgewählt, gehören größtenteils der Generation der 30- und 40jährigen an. Obwohl sie aufgrund ihrer Herkunft zur privilegierten Klasse zählen, behandeln sie in ihren Werken mehr oder weniger radikal soziale, politische, ökologische und moralische Probleme, die an der Schnittstelle zwischen Modernisierung und Tradition auftauchen: Das ist in der Tat eine recht explosive Mischung, nicht nur in Indien.

Bahrti Kher, Sing to Them that Will Listen, Reiskörner Metallschale und Marmorsockel
Digitalisierung, Degradierung, Globalisierung
Die in der Ausstellung »Facing India« gezeigte Kunst ist ohne Zweifel feministisch, politisch und engagiert. Aber unabhängig davon, wie man sie nennt, ist es eine Kunst, die äußerst suggestiv wirkt und lange im Gedächtnis bleibt. Der Einfallsreichtum, das Wissen und der Weitblick der Künstlerinnen, die Dynamik und Energie, mit der sie ihre perfekt ausgeführten Werke realisieren, die Vielzahl von Techniken, Materialien und überraschenden Lösungen kommen in allen Arbeiten, die im Erdgeschoss des Kunstmuseums Wolfsburgs präsentiert werden, zum Ausdruck. Man kann unmittelbar spüren, dass die Kunst für sie eine Mission, eine Botschaft oder eine Art ist, die verschwiegenen, sorgfältig vor den Augen versteckten, unsichtbaren und nicht ausgesprochenen, also nicht existenten Probleme ans Tageslicht zu bringen. Und, was besonders wichtig erscheint, haben die von den Künstlerinnen in ihren Arbeiten aufgegriffenen und dargestellten Themen einen universellen Charakter, denn es gibt sie schon oder wird es bald auch in unserer Weltgegend geben. »Doch machen wir uns nichts vor: So drastisch all dies von Europa aus auf den ersten Blick wirkt, es sind in jedem einzelnen Punkt auch unsere Probleme und Gegenwartsfragen, die hier – zum Teil sogar für uns – verhandelt werden«, schreibt Ralf Beil, Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg, im exzellenten Ausstellungskatalog. »Indien ist eines der Labore für das Gelingen oder Scheitern unserer globalen Zukunft. Ob Geschlechter-, Umwelt-, Digitalisierungs- oder Nationalitätsfragen, alles ist auf das Extremste verdichtet.« Es ist nicht einfach zu verstehen, was in Indien wirklich geschieht, denn, nach Meinung der Schriftstellerin Arundhati Roy, »dreht sich ganz Indien um Grenzen. Im Westen hält man Indien fälschlicherweise für eine anarchische, chaotische Gesellschaft. Dabei ist Indien ein Meister im Grenzziehen. Jenseits des chaotischen Verkehrs ist die Gesellschaft durch ein eisernes Gatter aus Kasten, Regionen, Religionen getrennt.« Die aus der Tradition resultierenden Spaltungen sowie die von der Tradition und Gesellschaft sanktionierte Gewalt sind eines der Themen der Gruppenschau »Facing India« im Kunstmuseum Wolfsburg.
Faktische geografische und metaphorische Grenzen
Das Erste, was direkt am Eingang der Ausstellung ins Auge fällt, ist eine riesige Weltkarte, die aussieht, als sei sie aus farbiger Wolle gehäkelt worden. Beim näheren Hinschauen merkt man jedoch, dass diese riesige kartographische Installation namens »Woven Chronicle«, die die gesamte grau gestrichene Wand einnimmt, aus Elektrokabeln gefertigt wurde. Aus acht Lautsprechern, die auf sechs Kontinenten platziert sind, ertönt eine Kakophonie von Geräuschen, ein Mix aus knisternden Hochspannungsleitungen, blubberndem Wassers, dem Besetztzeichen eines Telefons, heulenden Fabrik- und Schiffssirenen, den Geräuschen der Flügel und Stimmen der Zugvögel. »Die gewebte Chronik« ist, wie ihre Autorin Reena Saini Kallat (Foto oben) erklärt, eine Kartographie historischer und gegenwärtiger Migrationsbewegungen. Obwohl sich heute dank der Mobilität der Menschen und des schnellen Informationsflusses verschiedene Kulturen viel schneller vermischen als je zuvor, wurden die Grenzen paradoxerweise nie so streng kontrolliert und überwacht wie jetzt. » Elektrokabel sind für mich eine ambivalente Metapher: einerseits verbinden sie, andererseits bilden sie lineare Formationen in Gestalt von Netzen und anderen Zäunen, sodass sie teilen. Der Glaube daran, dass dank der globalen, das heißt grenzenlosen Kommunikation die faktischen geographischen, ethnischen und sozialen Grenzen aufhören zu existieren, hat sich als illusorisch erwiesen. Im Gegenteil: Dank fortschrittlicher Technologien können regressive Inhalte umgehend verbreitet werden: Stereotypen, zweifelhafte Ideologien, Nationalismen«.
Die provokanten Mutanten
Reena Saini Kallat, Hyphenated Lives (Installationsfragment)
Reena Saini Kallat ist eine vielseitige Künstlerin: Sie schafft Wand- und Klanginstallationen, ist Malerin, Bildhauerin und Fotografin. Man sieht und hört, dass die Kunst der Erinnerung ihre Leidenschaft ist. In der Fotoserie »Crease / Crevice / Contour« möchte sie das Leid der Frauen vor dem Vergessen bewahren, die nicht nur während der Kriege zwischen Indien und Pakistan um Kaschmir die erste Kriegsbeute waren. Sexuelle Gewalt, Komponente eines jedes Krieges, hat blutige Male auf der Haut der Frauen hinterlassen. Auch wenn sie unsichtbar sind, erinnert sich der Körper daran. Kallat ist auch Autorin der Installation »Hyphenated Lives«, die wie der Saal eines Naturkundemuseums anmutet, mit Bildern der Fauna und Flora an den Wänden und Fossilien in den Vitrinen. Wenn man sie genauer betrachtet, handelt es sich um Porträts von Mutanten, die die geteilten, aber historisch miteinander verbundenen Länder symbolisieren, welche um die Kontrolle über natürliche Ressourcen kämpfen, hauptsächlich über das Wasser. Sie tragen doppelte Namen, zum Beispiel Sun-Poe, eine Kreuzung zwischen dem palästinensischen Sonnenvogel (Sunbird) und dem Wiedehopf (Hoopoe), dem Nationalvogel Israels. Auf diese farbigen Gouachen, die mit handschriftlichen Kommentaren der Künstlerin versehen sind, klebt sie Stacheldraht. Geopolitik teilt Länder, obwohl es schwer ist, die Natur in streng nationale Teile zu zerlegen. »Diese Bindestrich-Porträts können als poetische Provokationen einer Spezies, die es in der Vergangenheit nicht gegeben hat – oder als ein Vorschlag für die Zukunft verstanden werden«, sagt Reena Saii Kallat.
Äquilibristik der (Un)linguistik
Auch Mitu Sen (Foto) liebt Provokationen. Die begnadete Sprachkünstlerin, Bildhauerin und Malerin begann ihre künstlerische Laufbahn als bengalische Dichterin. Nachdem sie 1997 nach Delhi gezogen war, musste sie Hindi und Englisch lernen, was ihr zunächst recht schwer fiel. Die meisten ihrer Werke tragen Titel, in denen die Vorsilbe »un« steht. Sie ist eines der Hauptelemente ihrer Un- oder Nichtsprache. Es ist offensichtlich, dass es mit eigenen Zähnen oder mit dem Zahnersatz leicht fällt, sich in jeder Sprache oder Nichtsprache zu artikulieren. Wie alle Arbeiten von Mitu Sen ist auch die Installation »Border Unseen« Ausdruck eines absurden Sinns für Humor. Im Deutschen klingt »Unseen« phonetisch ein wenig wie Unsinn. Künstliches Zahnfleisch, in dem künstliche Zähne stecken, sieht natürlich wie eine Grenze aus, die im geschlossenen Mund unsichtbar ist, aber man kann sie nicht übersehen, wenn sie an einer Wand als Zahnrad hängt.
Mithu Sen, Phantom Pain 2
Mitu Sen nennt ihre Zeichnungen und Skulpturen Performances, denn das Publikum soll sich daran aktiv beteiligen. Eine großartige Idee ist zum Beispiel die Serie der 40 Grafiken und Zeichnungen unter dem Titel »The Same River Twice« (Derselbe Fluss zweimal), die in einem geschlossenen Raum betrachtet werden kann. Es ist eine Kunst der Camouflage, die sich vielleicht vor dem Auge des Zensors tarnt, denn nur, wenn man mit einer Taschenlampe weiße Papierblätter beleuchtet, sieht man ihren zweiten Boden: erotische, leicht pornografische Spiele nicht heterosexueller Paare. Die benachbarte Installation »Mou (Museum of Real Estate) beherbergt eine Sammlung von Kitschartikeln, Souvenirs und anderen Nippes in einer runden Vitrine, die einer leicht zu transportierenden Wunderkammer gleicht.
Mithu Sen, Mou (Museum of Real Estate)
Symphonie der Zeit oder Kakofonie
»Wir leben in einer sich schnell verändernden Welt und betrachten uns als anpassungsfähig«, sagt Vibha Galhotra (Foto oben). »Gleichzeitig berücksichtigen wir kaum das Ausmaß der Umweltverschmutzung und akzeptieren sie passiv als die neue Realität.« In multimedialen Rauminstallationen, in Filmen und Fotografien stützt sich die Künstlerin auf die platonische Theorie der fünf Elemente und zeigt, was mit dem Wasser des heiligen Flusses Yamuna, mit Luft, Erde, Äther und Feuer geschieht. Nach dem Eintauchen eines weißen Tuchs in Yamuna wird es sofort schwarz. Neu-Delhi ist die am meisten verschmutzte Stadt der Welt, die, wie Vibha sagt, einer Gaskammer gleicht, sodass die Menschen ständig Masken tragen müssen, in denen sie aussehen, als ob ihnen, wie in Nostradamus’ Prophezeiung, anstelle der Nasen Schweinerüssel wachsen würden. In den Städten ist jedes Stückchen Boden zugebaut, und sogar in den Vierteln, die von getarnten Sicherheitsmännern bewacht werden (Installation »Neo Camouflage«), liegen die Häuser extrem dicht beieinander: Das ist eine bunte Betonwüste, ohne einen Grashalm. Eine große Weltkarte unter dem Titel »Time Symphony Or Cacophony« wird immer dunkler, schreckliche Geräusche dringen aus ihr nach Außen: Die klassische Symphonie der Zeit verschwindet, ersetzt durch eine Kakophonie der Zerstörung.



Vibha Galhotra, Neo Camouflage (Installationsfragmente)
Gedemütigte, schweigende und gequälte Frauen
Wenig optimistisch sind auch die Arbeiten von Bharti Kher (Foto), der einzigen Teilnehmerin der Wolfsburger Ausstellung, die nicht in Indien, sondern in Ostlondon geboren wurde, und seit 1992 dauerhaft in der Hauptstadt Indiens lebt. Die Künstlerin, deren Werk um die Situation der indischen Frauen kreist, ist eine Perfektionistin und Ästhetin, die die sogar in den überraschendsten Materialien verborgene Energie und Schönheit an die Oberfläche zaubert. Neben Skulpturen aus Bronze, Kleiderstoff, Reis und Reliefs aus Bindis zeigt sie in Wolfsburg auch eine Säule aus roten Armreifen, den Bangles, unter dem Titel »Bloodline« (Stammbaum): Frauen sind zwar die Stützen und die treibende Kraft der indischen Gesellschaft, leben aber oft in einem »Deaf Room« (Tauben Zimmer), das von einer Mauer des Schweigens umgeben ist. Diese beindruckende Plastik besteht aus zehn Tonnen Glasziegeln, die Bharti Kher aus geschmolzenen Armreifen und Ton errichtete. Das Schicksal der Frauen, die im ältesten Beruf der Welt arbeiten, ist auch nicht einfach, wie die Gipsskulptur der sechs Sitzenden unter dem Titel »Six Women«, also sechs Sexarbeiterinnen aus Kolkata, zeigt. Bharti Khers Werke sind Monumente für die extrem müden, gequälten und tagtäglich gedemütigten Frauen in Indien.
Bharti Kher, Six Women
Dem dritten Geschlecht geht es häufig sehr schlecht
Tejal Shah ist auch vielseitig begabt, sie macht fantastische Zeichentrickfilme, sie zeichnet und fotografiert meisterhaft, wovon die Fotoserie » Women like us« zeugt. Sie stellt »Frauen wie wir« dar, also solche, die nicht einverstanden sind, die ihnen zugeschriebenen Geschlechterrollen zu spielen, weil sie sich wie Männer fühlen. Die Genderfrage ist das, was diese Künstlerin, die lange Zeit in Indien nicht ausstellen durfte, am meisten interessiert. Sie befasst sich nämlich mit Themen, die verschwiegen werden sollen wie die Gewalt gegen Hijras, die offiziell als Göttinnen des dritten Geschlecht verehrt werden, aber in Wirklichkeit den Massenvergewaltigen zum Opfer fallen, verletzt, bepisst und umgebracht: zu sehen in der erschütternden Foto- und Videoinstallation »Untitled (On Violence)«.
Prajakta Potnis mit Dr. Uta Ruhkamp (links)
In der Ausstellung »Facing India« gibt es auch weniger drastische, witzige und ironische Arbeiten. Ihre jüngste Teilnehmerin, die 28jährige Prajakta Potnis, arrangiert und fotografiert seltsame Landschaften und Stillleben in spezifischen Interieurs. Die Digitaldruckserie »Capsule« wartet mit Rollteppen auf, die auf einer Plastikserviette im Kühlschrank stehen. Eines der »Still Lifes« zeigt Blumenkohls in Gefrierfächern, die wie Atompilze aussehen. Kann die Natura (morta) eines Blumenkohls explosiv sein oder nicht explosiv sein, das ist hier die Frage.

Prajakta Potnis, Capsule
Alle Fotos © Urszula Usakowska-Wolff
FACING INDIA
Kunstmuseum Wolfsburg
29.04-7.10 2018
Katalog, 38 Euro
www.kunstmuseum-wolfsburg.de
Barataria 74 Wyspy
Tibor Jagielski

tauben an moens klint
hochsommer
gołębie na moens klint
szczyt lata

moen
chwila
rudzik wskakuje na łodygę rokitnika
tyle farb daje mi wiatr
moen
ein moment
das rotkelchen springt auf den sanddornzweig
so viele farben gibt mir der wind

moen
eichelhäher im garten
herbstwind wartet
moen
sójka w ogrodzie
wiatr jesienny nadchodzi
koniec poezji
haiku, jako ostatni,
uchyla kapelusza
ende der poesie
haiku, als letzter,
lüftet den hut
10/01/13
Wird der “große Text” in der Ära der Blogs überleben?
Wer will, kann noch Einiges aus dem Programm miterleben…

Julia Kissina
Eine Rede zum URBAN DICTIONARY BERLIN_NEW YORK LITERATUR FESTIVAL 2018
Worüber sprechen wir, wenn wir über Literatur sprechen? Sprechen wir über Unterhaltung? Ist Literatur ein Rohstoff für Massenkultur oder eine Grauzone zwischen Philosophie, Politik und Emotionen?
Spielt die Literatur noch eine Rolle bei der Meinungsbildung?
Was ist für uns wichtiger: Politik oder Poesie?
Welche Art von Lesen wird uns von den Verlagen und der Presse aufgezwungen?
Wessen Urteil über Bücher kann man vertrauen?
Es gibt eine neue Ethik. Es gibt neue Spielregeln: politische Korrektheit, Diversity, Gleichheit der Geschlechter und so weiter. Kann politische Korrektheit die Literatur töten?
Was ist der literarische Underground heute?
Was ist eine unabhängige Presse?
Ob die “Creative Writing” die Seele frisst? Weder Cervantes noch Dostojewski noch Rimbaud haben jemals solche Creative Writing Kurse besucht.
Im Laufe unseres Lebens haben sich die Grenzen unserer Wahrnehmung verändert. Jetzt reden wir über den Mangel an Aufmerksamkeit, den Mangel von Zeit, wir reden über Blogs. Wird der “große Text” in der Ära der Blogs überleben?
Wozu braucht man Verlage im Internetzeitalter?
Brauchen wir veröffentlicht sein? Homer veröffentlichte keine Bücher.
Das Konzept des kulturellen Gedächtnisses hat sich verändert. Wo ist die Grenze zwischen Literatur und Journalismus? Gibt es wirklich einen Unterschied zwischen Fiktion und Dokument?
Wie wird Literatur zur Ware? Zur Zeit des Aristoteles gab es nur drei Hauptgenres der Literatur; Komödie, Tragödie und Drama. Heute habe ich in der deutschen Wikipedia 226 aufgezählt, darunter solche mysteriöse, wie Elf-Punk, Eco-Horror und andere – das ist pure Marktwirtschaft.
Was wollen wir lesen?
Warum New York und Berlin?
Man sagt, dass die Amerikaner nichts über uns wissen. Stimmt das?
Was wissen wir über New York? Ich glaube: gar nichts.
Diese und viele andere Themen werden wir im Rahmen von Urban Dictionary diskutieren.
Die Landkarte der Kultur und die Landkarte der Literatur haben sich verändert. Es wurde offensichtlich, dass es keine einzelne, allgemien-gültige Karte der Literatur gibt, da es keine universelle Geschichte und kein gemeinsames Gedächtnis gibt. Heute reden wir nicht über Literatur, sondern über Literaturen. Jedes Land hat seine eigene Vorstellung von Sprache, Wort und Mythos. Wir sprechen nicht über die Literatur der Nationen, wir sprechen über Literatur in tongues, im weitesten Sinne sprechen wir über Grammatik. Jedes Land hat seine eigenen hundert Romane, die jeder in dem jeweiligen Land lesen muss. Die hundert Romane eines Landes sind radikal anders als die hundert eines anderen.
So unterscheiden sie sich ebenfalls in zwei Epizentren der Kultur: Nordamerika und Europa, Berlin und New York.
Um sich zu definieren, um unseren Platz zu finden, um zu verstehen, was wir lesen, müssen wir eine neue Literatur-Karte zeichnen.
Mit dem Berlin New York Festival schaffen wir den Rahmen, die Bedingungen, eine Plattform, einen Arbeitstisch, um diese neue Karte zu zeichnen.
Nicht nur die Lesungen unserer Autoren, sondern auch Seminare zu folgenden Themen finden statt:
Metaphysik versus Politik ist eine Spannungszone zwischen Poesie und Prosa, zwischen Poesie und der Verteidigung nationaler und sozialer Interessen.
Die unabhängigen Verlage werden uns von ihren Überlebensstrategien erzählen.
Darüber hinaus werden wir diskutieren, was gewöhnlich und bequem ist, und über das Vertaute und das Fremde sprechen, und jedem, der das Wort “Exotic” verwendet, die Zunge abschneiden.
Ludzie, których znałam / Bartoszewski-Ausstellung in Berlin
Pamiętam taki moment na Targach Książki we Frankfurcie. Dawno. Odwiedziłam właśnie stoisko polskie, stała nas grupka osób, gdy nagle zrobił się szum i przy wejściu na stoisko pojwiło się kilka osób, a wśród nich Władysław Bartoszewski. Wszystkie rozmowy umilkły. Wszyscy obrócili się jak słoneczniki w tę samą stronę. Zaaferowani “urządnicy polskiej książki” prowadzili wielkiego gościa na zaplecze. On szedł jak zwykle lekko pochylony, uśmiechał się, ale tak raczej do ogółu niż do nas indywidualnie, i nagle wyszedł poza szereg, podszedł do mnie, podał mi rękę i powiedział, “dzień dobry, pani Ewo”.
Poszli. Ja zostałam, z niedowierzaniem oglądając własną dłoń. Obecni na stoisku zasypali mnie pytaniami. Znasz go? Dobrze? Jak to się stało, że przywitał się właśnie z tobą? Odpowiadałam bezmyślnie: tak, nie, znam, nie znam, poznałam, dawno, nie wiem…
Jest oczywiście wielka różnica pomiędzy znać a poznać. Kurt Vonnegut, nazwał to kiedyś “znajomość nowojorska”, ale wtedy nie było jeszcze świata globalnego i Nowy Jork coś znaczył. Zresztą powiedzonko się nie przyjęło. Ale ja je wysoko cenię. Już go TU kiedyś użyłam.
Tak, znałam Bartoszewskiego. Była to znajomość nowojorska…
Władysław Bartoszewski (1922 – 2015)
Widerstand – Erinnerung – Versöhnung
Eröffnung der Ausstellung – Mo 11.06.2018, 18.00 Uhr
10178 Berlin, Berliner Rathaus (Wappensaal), Rathausstr.
15 Lebensstationen eines großen Politikers und Brückenbauers zwischen Deutschland und Polen
Programm zur Ausstellungseröffnung
18.45 Uhr: Vorabführung durch die Ausstellung
mit dem Kurator Marcin Barcz
19.30 Uhr: Grußwort
Staatssekretär Christian Rickerts, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Berlin
Festrede: Kosmopolit und Brückenbauer – Erinnerungen an Władysław Bartoszewski
Prof. Dr. Joachim Rogall, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung und Vorsitzender des Vorstandes des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen
Einführung in die Ausstellung
Marcin Barcz, Kurator der Ausstellung und langjähriger persönlicher Referent von Władysław Bartoszewski
Die Ausstellung ist vom 12. Juli bis 31. August 2018 für Einzelbesucher und Gruppen von Montag bis Freitag von 9.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Aufgrund des täglichen Veranstaltungsbetriebes sowie aus Sicherheitsgründen kann es jedoch zu vorübergehenden Schließungen des Rathauses kommen.
Über die Ausstellung
Die Ausstellung widmet sich dem Lebenswerk des im April 2015 verstorbenen polnischen Auschwitz-Überlebenden, Außenministers und Historikers Władysław Bartoszewski.
Die Ausstellungsmacher führen entlang der Themen Widerstand, Erinnerung und Versöhnung durch die Lebensbereiche von Władysław Bartoszewski, die ihm selbst am wichtigsten waren und den besten Einblick in seine facettenreiche Persönlichkeit geben. In Bartoszewskis Biografie spiegeln sich die Schattenseiten und Hoffnungsschimmer der miteinander verwobenen deutsch-polnisch-jüdischen Geschichte im zwanzigsten Jahrhundert. Zugleich erzählt die Ausstellung vom Widerstand des frei denkenden Menschen gegen jede Form von Unterdrückung, erinnert an die Opfer von Verfolgung und zeigt, wo Versöhnung trotz vergangenen Leids möglich ist. Weil Władysław Bartoszewski jahrzehntelang aktiv an wichtigen historischen Prozessen beteiligt war, ist diese Ausstellung auch eine Erzählung über die neueste polnische und mitteleuropäische Geschichte.
Die Ausstellung wurde aus Anlass seines Todes vor drei Jahren nach einem Konzept von Cyryl Skibiński und Marcin Barcz unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Andrzej Friszke realisiert. Sie wurde im September 2015 am Sitz der polnischen Regierung in Warschau der Öffentlichkeit vorgestellt, wo Bartoszewski bis zum Ende seines 93-jährigen Lebens beruflich tätig war. Erstmalig ist die Ausstellung jetzt in Deutschland zu sehen. Die Texte in polnischer Sprache werden durch deutsche Übersetzungstafeln ergänzt.
Im letzten Jahr wurde in Berlin die eine Bartoszewski-Initiative gegründet. Sie hat einen wesentlichen Anteil daran, dass dank einer Förderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien diese Ausstellung an weiteren Standorten in Deutschland gezeigt werden kann.
Veranstalter:
– Deutsch-Polnische Gesellschaft Berlin e. V.
– Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei
Das Märchen von den Zwillingen 3
Krzysztof Jagielski
übersetzt von Tibor Jagielski
Die Königin der Nymphen Tuende und ihr Land
Die Wanderer kamen rasch voran, da der Weg nur sanft anstieg und es keine Hindernisse gab. Sie wussten nicht, wie weit es noch bis zum Land der Nymphen war, doch sie kannten die Richtung, und das versetzte sie in gute Stimmung. Um das Essen brauchten sie sich nicht zu kümmern, weil sie unterwegs Früchte, Kräuter, süßen Harz und Käferlarven in Mengen fanden.
Das Ziel ihrer Reise schien immer näher zu kommen. Ein glänzender Nebel umhüllte sie. In der Luft schwirrten goldene Faden und der Rabe Hollo flatterte ihnen nach, um sie mit dem Schnabel einzufangen.
„Ich werde mir ein goldenes Nest bauen, ein goldenes Nest!“, krähte er begeistert.
„Wenn du hier bleiben wirst, dann tue es“, machte sich die Feldmaus Okosch über ihn lustig. „Doch pass auf, dass du nicht zu viel runterschluckst, sonst kannst du nicht mehr fliegen“.
Der vorausgeeilte Schäferhund Lusto kam fast atemlos zurück und rief:
„Ein Schloss, ein goldenes Schloss! Riesig! Kommt schneller..!“
Der Nebel löste sich auf, und sie sahen die, hoch in die Luft ragenden Türme des Schlosses, das mit saphirgrünen Wassern umgeben war. Da es noch weit entfernt zu sein schien, entschlossen sich unsere Freunde, ein Nachtlager aufzubauen und erst am nächsten Morgen den Weg fortzusetzen. Auf einer saftiger Wiese, wo Unmengen von farbenprächtigen Schmetterlingen schwirrten, ließen sie sich nieder und entfachten ein Feuer.
Plötzlich sprang der Schäferhund Lusto auf:
„Seht! Seht! Ein Knochen! Ich habe davon geträumt, und er liegt da!“
„Ich will ein Stück Käse…“, piepste die Feldmaus Okosch. Doch nichts geschah.
„Du musst träumen, träumen!“, bellte Lusto.
Okosch schloss die Augen und fing aus ganzen Kräften zu träumen an. Und… vor ihr lag ein prächtiges Stück goldgelben Käses.
Der Rabe Hollo wollte auch mitmachen und bedeckte seinen Kopf mit den Flügeln… und rief voller Begeisterung:
„Hurra!“… Vor ihm stand ein Topf voller fetter Würmer.
Jetzt waren Aranka und Orsolya an der Reihe. Sie träumten von einem warmen Bad und neuen Kleidern und… vor ihnen dämpfte gleich eine Badewanne und daneben stand eine Kiste mit zauberhaften Kleidern…

Es könnte nichts anderes bedeuten, als sie im Land der Wunschträume angekommen sind.
Nach dem Bad träumten die Mädchen von einer guten Nacht und schliefen augenblicklich fest ein. Doch dieser Schlaf sollte nicht lange dauern. Ein Löwengebrüll weckte sie auf:
„Steht auf! Ihr sollt uns zum Palast begleiten. Unsere Herrin Tuende, die Königin der Nymphen, ruft euch.“
Aus dem tiefen Schlaf erwacht rieben sich die Mädchen erschrocken die Augen. Vor ihnen standen tatsächlich die Löwen. Der älteste von ihnen, mit einer Silbermähne bedeckt, sagte:
„Unsere Herrin hat schlechte Laune. Doch, obwohl sie für Fremde ein Herz aus Eis hat, wird sie euch nichts antun. Reisst euch zusammen und kommt mit uns mit.“
Millionen von Sternen der Milchstrasse glänzten über den Köpfen der Zwillinge. Orsolya und Aranka erinnerten sich an des Großvaters Worte: „Die Sterne sind die Seelen unserer Vorfahren und helfen euch bei jeder Gefahr“. Sie fassten Mut und standen auf.
Viele Tiere schauten den Wanderern zu: der Wolf und das Reh, der Hase und der Fuchs, die Katze und die Maus, der Falke und das Kaninchen. Und alle schienen in Eintracht und in Freundlichkeit verbunden zu sein.
Unterwegs entpuppte sich der alte Löwe als gesprächig, und so erfuhren die Mädchen nicht nur, dass er Hofmarschall war, sondern auch vieles über das Land der Nymphen und seiner Königin.
„In unserem Königreich bauen wir die Häuser nur aus Gold. Und darauf sind wir stolz. Die Königin Tuende herrscht schon seit einer Ewigkeit. Unser Land wird auch das Land des Ewigen Lebens genannt. Wir altern sehr langsam. Ich selbst bin schon über hunderttausend Jahre alt, obwohl ich viel jünger aussehe, nicht wahr?“, fragte der alte Löwe und wackelte kokett mit seiner silbergrauen Mähne.
„Bei uns gibt’s ewigen Frühling und die Blumen blühen ständig. Und weil hier jeder Traum in Erfüllung geht, haben wir schon alles und brauchen eigentlich nicht mehr zu träumen. Und alle Einwohner, Nymphen und Tiere, leben hier in Eintracht und in gegenseitiger Liebe, wie könnte es auch anders sein, nicht wahr?“, plapperte der alte Löwe, während sich die Wanderer dem goldenen Schloss immer mehr näherten.
Es kamen immer mehr Tiere als Schaulustige hinzu. Die Kunde von der Ankunft der Zwillinge verbreitete sich wie Lauffeuer. Die Mäuse wunderten sich, dass die Feldmaus Okosch ihnen so ähnlich sah. Die Hunde jedoch konnten in Lusto kaum einen Verwandten erkennen, da die Siebenbürgischen Schäferhunde eher einem Wollknäuel ähnelten als einem richtigen Hund. Der Rabe Hollo stellte fest, dass sein Schnabel viel größer war, als der der einheimischen Raben.
Der alte Löwe sprach unterdessen weiter:
„Unsere Königin ist eine Göttin des Lichts und des Lebens, der Sonnenstrahlen und aller Tiere. Sie liebt ihre Untertanen grenzenlos, doch für Fremde hat sie ein Herz aus Eis. Ich kann mich an eine Begebenheit erinnern…,“ seine Stimme stockte kurz „ Ah… wir sind schon vor dem Haupttor.“
An den Seiten der Hängebrücke, die zum Schloss führte, standen in Habachtstellung die Wachen, die aus Rehen und Hunden bestanden. An ihnen vorbei gingen die Wanderer, vom alten Löwen geleitet, auf das Schloss zu.
Die Straße war mit Silber gepflastert. In den Häusern aus Gold gab es Fenster ohne Scheiben, und die Türen waren weit geöffnet. Hier regnete oder schneite es nie und es gab keine Winde. Es gab auch keine Geschäftshäuser, da man sich doch alles, was man brauchte, erträumen konnte.
Schließlich kamen sie an den Palast der Königin. Er war von wunderbaren Gärten, voll von prächtigen Blumen und wundersamen Bäumen umgeben. Vor dem Eingangstor salutierten die aus Adlern und Kaninchen bestehenden Wachen. Der alte Löwe kämmte sich noch schnell seine Mähne glatt. Auch Aranka und Orsolya ordneten ihre Kleider und Haare. Die Feldmaus Okosch nahm Platz auf dem linken Arm von Aranka, während der Rabe Hollo auf dem rechten Arm von Orsolya Platz fand. Der Schäferhund Lusto schüttelte sorgfältig sein Fell. Und so betraten sie das Schloss.
Fortsetzung folgt.
Bild – Tibor Jagielski
Die Heilige Mutter der „Solidarität“ (Berlin – West)
Tibor und ich haben uns in Mały książe, einem polnischen Café gegenüber von der polnischen Kirche an der Grenze zwischen Neukölln und Kreuzberg verabredet. Ich bekam einen Strauss von Kornblumen (meine Lieblingsblumen!), bevor wir aber zum Kaffeetrinken kamen, sagte mir Tibor, wir sollen uns etwas in der Kirche anschauen. Erst nach einer Weile erfuhr ich, dass wir ein Bild suchen. Es gab es aber nicht. Die Büroangestellte in der Kirche wusste sogar nicht wovon wir überhaupt reden. Erst Herr Priester wusste es. Wir gingen in die… Kaiserloge. Der Name klang vielversprechend, die Realität war wie immer… nich besonders reizend.

Tibor Jagielski
Das Bild wurde von einer Vereinigung der polnischer Exilanten in Auftrag gegeben und in Westdeuschland,
von einem Flüchtling aus, durch den Kriegszustand (1981-83) erschütterten, Polen gemalt,
Wie die Ikone genau enstanden ist weiss ich nicht zu berichten, ausser daß hier auch meine Mutter, Magdalena Jagielska,
eine Rolle gespielt hat.
Die Einweihung fand (1985?) in der kleinen polnischen Kirchengemeinde in Mariendorf statt, und es hing dort,
bis zum Mauerfall an der Wand und fand allgemeines gefallen sowie genoss verehrung.
Doch, vermutlich nach dem Umzug der Gemeinde in die geräumige Basilica in Kreuzberg verschwand es,
wie ich und Frau Ewa Maria es neulich festellen mussten, in der Rumpelkammer.
Persönlich finde ich das Bild schön, harmonisch, sanft und milde,
und vielleicht gerade deswegen passt sie, diese Mutter der Hoffnung, nicht in die, ehrlich gesagt, grauenvolle und gruftartige Austattung der Kirche.

