Reblog: Spazierengehen

Ich beginne mit einem Reblog, danach kommen Koziewicz, Auster, Slaska, Robert, Nova in beliebiger Reiehnfolge. Ein Spaziergang pro Woche. Immer Samstags (nur heute ist es ausnahmsweise Sonntag, weil ich gestern über Hanau berichten wollte). Ich lade ein, weitere abgefahrene Stadtwanderungen zu beschreiben.

Reblog: Jacek Slaski, TIP Berlin, 29.01.2021

Den Spaziergang würfeln? So erkundet ihr Berlin per Zufall

Ein gewürfelter Spaziergang in Berlin: In der eigenen Stadt losgehen und nicht wissen wohin. Wann passiert das schon mal? In der Regel hat man ein festgelegtes Ziel. Büro, Schule, Restaurant, die Wohnung von Freunden oder den Supermarkt. Selbst beim Spazieren gibt es meist eine konkrete Idee. Man schlendert im Park umher, flaniert über eine Geschäftsstraße oder durch einen belebten Kiez.

Ich wollte es anders machen. Die scheinbar bekannte Gegend auf neue Art entdecken, ohne zu wissen wohin der Weg führt. An jeder Straßenecke und an jeder Kreuzung sollte der Zufall entscheiden, wie es weitergeht. Plötzlich wurde die Stadt zum unbekannten Terrain. Mehr als einen handelsüblichen Spielwürfel brauchte es nicht für dieses urbane Abenteuer.

Spaziergang Berlin: Der Würfel entscheidet über den Weg. Foto: Jacek Slaski

Der Würfel entscheidet über den Weg. Foto: Jacek Slaski

Euere Spaziergänge sind langweilig? Würfelt euch den Weg!

Es ist ein angenehm milder Wintertag. Ich trete aus meinem Kreuzberger Wohnhaus, hier ist der Startpunkt, direkt vor der eigenen Tür. Mein Freund Stan wartet auf mich, wir wollen den experimentellen Stadtspaziergang zusammen machen. Links geht es zur Skalitzer Straße, rechts zum Paul-Lincke-Ufer. Wo lang jetzt?

Die Regeln sind simpel. Man würfelt. Bei einer Eins oder Zwei geht es nach links, bei einer Drei oder Vier geradeaus und bei einer Fünf oder Sechs nach rechts. Kann man nur in zwei Richtungen gehen, so wie wir gerade, vereinfachen sich die Regeln. Eins bis Drei links und Vier bis Sechs rechts. Die Stadt wird zum Spielbrett, wir zu den Spielfiguren.

Spaziergang Berlin: Provisorisches Lager eines Obdachlosen am Landwehkanal. Foto: Jacek SlaskiProvisorisches Lager eines Obdachlosen am Landwehrkanal. Foto: Jacek Slaski

Ich würfle. Eine Fünf. Wir gehen Richtung Paul-Lincke-Ufer. An der Reichenberger Straße muss wieder gewürfelt werden. Es geht weiter geradeaus, dann links am Ufer des Landwehrkanals entlang. Stan hat eine Eins gewürfelt. Wir schauen den Schwänen auf dem Wasser zu, es geht an der Emmaus-Ölberg-Kirche vorbei. Sie sieht verlassen aus. Ich frage mich, ob da jemals jemand reingeht.

Auf dem kleinen Platz spielen Leute Boule und trinken Kaffee aus Thermoskannen

Auf einer alten Matratze hat jemand einen Sponti-Spruch gesprüht. Überall kleben Corona-Plakate. Maske auf. Impfzentrum. Schnelltest hier. Auf dem kleinen Platz hinter der Forster Straße spielen Leute Boule und trinken Kaffee aus Thermoskannen, auf der anderen Uferseite hat sich jemand ein provisorisches Lager eingerichtet.

Das Würfelglück führt uns weiter am Kanal entlang. Dabei hätten wir auch im Kreis laufen können, das ist die Gefahr bei diesem Experiment. Vielleicht auch die Schwachstelle. Aber dann wäre es eben so. Es gibt Regeln, selbst auferlegte, doch wenn man sie nicht befolgt, kann man es gleich sein lassen.

Spaziergang Berlin: Free-Box mit ausgedienten Dingen in der Pflügerstraße. Foto: Jacek Slaski

Free-Box mit ausgedienten Dingen in der Pflügerstraße. Foto: Jacek Slaski

Erst an der Glogauer Straße müssen wir rechts abbiegen, über die Thielenbrücke geht es auf die Pannierstraße. Wir sind in Neukölln. An jeder Straßenecke wächst die Spannung, Stan will Richtung Treptower Park, ich hoffe nur, wir drehen uns nicht im Kreis und müssen auf der anderen Kanalseite wieder zurück. Hoffnungen, Wünsche und Angst vor Wiederholung und Langeweile auf der einen Seite. Abenteuerlust und die Möglichkeit der Entdeckung, des Unerwarteten, auf der anderen.

Gegen die Stadt der Reichen. Foto: Jacek Slaski

Sind wir Forscher, Touristen oder zwei Schwachköpfe mit einem Würfel?

Wir geben die Entscheidungen über den Verlauf der Strecke ab, aber wir schalten nicht ab. Wir unterwerfen uns dem Würfelglück, aber wir hadern mit der Situation. Die Würfe werden antizipiert, man lobt und ärgert sich, beschwört den Würfel. So, los, jetzt eine Sechs! Nein, Du Idiot, keine Eins. Bei aller Ohnmacht wollen wir den Weg irgendwie trotzdem bestimmen und freuen uns zugleich über dieses leicht absurde Projekt, das uns auf neue Art durch den eigenen Kiez führt. Sind wir Forscher, Touristen oder zwei Schwachköpfe mit einem Würfel? Alles drei, nehme ich an.

Eine „Free-Box“ mit alten Büchern, Klamotten und Dingen des täglichen Gebrauchs steht in der Pflügerstraße. Wir kommen an Häusern vorbei, an denen Transparente gegen die neuen Eigentümer hängen. Neben einem Spielplatz ist ein weiteres Obdachlosenlager aufgebaut, auf den Fassaden bemängeln revolutionäre Sprüche den Wandel der Stadt.

Die Gentrifizierung ist unser ständiger Begleiter, sie schneidet sich hier im Nordneuköllner Kiez tief ins Gewebe der Stadt. Auch jetzt, obwohl wegen Corona alles geschlossen ist, werden die Fronten klar. Altmieter, Investoren, Hipster, Türken, die ramschigen Läden, ausgebaute Dachgeschosse und die schicken Bars und Cafés. Alls drängt sich zusammen, es brodelt und der Quadratmeterpreis steigt. Pandemie hin oder her.

Die Idee eines experimentellen Stadtspaziergangs ist nicht von mir. Die Methode mit den Würfeln schon, zumindest ist sie nicht abgeschaut. Auch wenn es sein mag, und das ist recht wahrscheinlich, dass sich schon jemand vor mir exakt so durch eine Stadt bewegt hat.

Die ganze Sache geht auf die Psychogeografie zurück

Eine mit Theorie unterlegte, literarische Form der Stadterkundung. Es geht um Stadträume, Stadtplanung, die Wirkung der Architektur, Journalismus, Reportage. Zumeist steht die Stadt und das Verhältnis des Einzelnen (oder einer bestimmten Gruppe) zu ihr, im Vordergrund.

Schon in den 1950er-Jahren haben die französischen Situationisten mit ähnlichen Aktionen begonnen und versuchten, sich die Stadt in Form von Kunst-Happenings anzueignen. Der Kasseler Spaziergangswissenschaftler Lucius Burkhard ließ seine Studenten experimentelle Spaziergänge machen, sie sollten etwa untersuchen, wie der Autoverkehr oder abgeschlossene Firmengelände den Stadtraum beeinflussen.

Psychotherapy während einer psychogeografischen Erkundung der Stadt. Foto: Jacek SlaskiPsychotherapy während einer psychogeografischen Erkundung der Stadt. Foto: Jacek Slaski

Die britische Schriftstellerin Aminatta Forna beschrieb No-Go-Areas für Frauen und Persons of Color und machte darauf aufmerksam, dass nicht jede Stadt gleichermaßen für jeden begehbar ist. Eine Erfahrung, die auch der jamaikanische Schriftsteller und Journalist Garnette Cadogan machte, dessen dunkle Hautfarbe ihm zwar bei Streifzügen durch seine Heimatstadt Kingston keine Probleme bereitete, in New York aber seine Bewegungsfreiheit in bestimmten Gegenden oder zu bestimmten Uhrzeiten extrem erschwerte.

Und ein Autor namens Iain Sinclair zeichnete irgendwann in den 1990er-Jahren den Buchstaben „V“ in den Londoner Stadtplan, den er anschließend ablief und seine Erfahrungen, die er entlang der Strecke machte, beschrieb.

Stan interessieren die alten Psychogeografie-Geschichten und Theorien nicht

Viel lieber erzählt er bei unserem Würfelspaziergang, wo er mal gewohnt hat, wo seine Exfreundinnen lebten oder alte Kumpel. Erinnerungen an Orte, WG-Zimmer, flüchtige Begegnungen, Umzüge und Partys.

Er hat instinktiv das Wesen der Psychogeografie erfasst, dazu muss man sich schließlich nicht unbedingt mit Wissen aufladen. Stadt und Erinnerung verschmelzen. Bilder, Gedanken und Verknüpfungen treten hervor, verstärkt vom zufälligen Ablaufen der an sich bekannten Straßen und Plätze. Der Zufall erzeugt zwangsläufig einen Bewusstseinsstrom.

Wir wohnen beide schon lange hier. Im Dreieck zwischen Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln. Die Adressen wechselten, die Gegend blieb. Wären wir in Reinickendorf, Köpenick oder Spandau unterwegs, gäbe es weniger oder andere Erinnerungen. In einer anderen Stadt erst recht, doch auch völlig unbekannte Orte ließen sich gewürfelt gut erkunden. Vermute ich. Irgendwann probiere ich es mal aus.

Der Neukölln Bierdosensammler mit Außenwerbung. Foto: Jacek Slaski

Wir sind im Rütlikiez. Im Späti kaufen wir zwei Flaschen Cola. In einem mit Dosen zugestellten Fenster hängt ein Schild. Ein Bierdosensammler hat seine Telefonnummer drauf geschrieben. Wer seltene Exemplare hat, soll anrufen, ist der nicht ausgesprochene Aufruf.

Ich überlege, ob man diese Würfelspaziergänge nicht an bestimmte Aktionen knüpfen sollte. Die Auflage, mit der Stadt zu interagieren, sich überwinden und Kontakte knüpfen, mit fremden Menschen reden, Dinge tun, die man sonst nicht tun würde. Etwa beim Bierdosensammler anrufen und fragen, welche Dose ihm fehlt und diese dann suchen und ihm vorbeibringen. Nächstes mal. Doch die Möglichkeiten sind unendlich, ein beflügelndes Gefühl.

Am Weichselplatz finde ich ein Buch, jemand hat es in einen Hauseingang gelegt. Es ist Jack Londons Roman „Wolfsblut“. Gelesen habe ich es nicht, aber ich meine mich zu erinnern, dass es darin um Wanderungen, um Abenteuer und das Ungewisse geht. Der Mensch und die Natur. Der Mensch und seine Umgebung. Bei London ist es die Wildnis, bei uns Neukölln.

Ganz kurz sehe ich Stan und mich, wie wir in Jacks tiefe Fußstapfen treten. Wir beide, unterwegs im urbanen Dschungel. „Dunkler Tannenwald dräute finster zu beiden Seiten des gefrorenen Wasserlaufs“, lautet der erste Satz aus dem Klassiker. Könnte man so die Beschreibung einer Berlin-Wanderung beginnen?

Weichselstraße, Ossastraße, Rütli-Campus.

Hier beginnt sich das System gegen uns zu wenden, wir laufen drei mal um den Block

immer wieder über das Gelände der berüchtigten Neuköllner Schule, die wegen der Gewalt und der verzweifelten Hilferufe der Lehrer vor Jahren landesweit für Schlagzeilen sorgte und dann mit viel politischem Willen und Fördergeldern umgekrempelt wurde.

Rütli und wieder Rütli. Irgendwas müssen wir übersehen haben, sagen wir uns, leicht irritiert von der Wiederholung. Und tatsächlich entdecken wir bei jeder weiteren Runde ein neues Detail. Eine im Boden eingelassene Gedenktafel für den Weltraumhund Laika, ein großes Backgammon-Feld, einen ungewöhnlichen Blick auf eine Brandmauer, ein altes Tor, das seinen Zweck nicht mehr erfüllt, weil es von einem neuen Zaun verdeckt wurde.

Immer wieder Rütli-Campus. Foto: Jacek Slaski

Keiner von uns war vorher auf dem Rütli-Gelände, jetzt haben wir es drei mal, von verschiedenen Seiten kommend, entdeckt, entdecken müssen. Die Würfel lassen uns nicht weg, wir kommen nicht mehr in den Treptower Park, auch am Kanal bleiben wir nicht. Doch das Ende naht. Der Spaziergang musste von Beginn an begrenzt werden. Nach 90 Minuten ist Schluss, so der Entschluss.

Die Hipster-Meile wirkt im hellen Winterlicht seltsam trüb

Der Zufall leitet uns endlich auf die Weserstraße. Die Hipster-Meile wirkt im hellen Winterlicht seltsam trüb. Müll und Hundescheiße vor verschlossenen Läden sind kein einladendes Bild. Stan lacht bei dem Gedanken, was wohl der Freund seiner Mutter, ein patenter Ur-Spandauer, zu dem verlotterten Bezirk sagen würde. Doch für nicht wenige Berliner ist Neukölln so weit weg wie die Bahamas.

Wir kehren auf die Pannierstraße zurück und landen schließlich auf der geschäftigen Sonnenallee. Noch fünf Minuten, dann ist der Spaziergang vorbei. An der Ecke Sonnenallee und Jansastraße erreichen wir unser zeitlich festgelegtes Ziel. Ziemlich genau sieben Kilometer haben wir zurückgelegt, sagt die App MyTracks. Dieser Endpunkt soll der Startpunkt für den zweiten Würfelspaziergang werden. Wer weiß, wohin uns der Weg dann führt. Zurück oder weiter weg von den vertrauten Straßen?

Eine mit der App MyTracks erstellte Karte des gewürfelten Spaziergangs. Screenshot: MyTtracks


Inspiration und Dank gilt Anneke Lubkowitz. Ohne den von ihr herausgegebenen Band „Psychogeografie“ hätte ich den Würfel wohl nicht in den Stadtraum geworfen.

Psychogeografie herausgegeben von Anneke Lubkowitz, Matthes & Seitz, 240 S., 22 €

Reblog: Man wird sehen

Danke, Joasia! Dziękuję, Joasiu!

Aus der Zen-Schatztruhe:

Ein Bauer hatte ein Pferd, aber eines Tages lief es fort und der Bauer und sein Sohn mussten ihre Felder selbst pflügen. Die Nachbarn sagten: “Was für ein Pech, dass euer Pferd weggelaufen ist!”. Aber der Bauer antwortete: “Man wird sehen”.
Eine Woche später kam das Pferd zum Bauernhof zurück und brachte eine ganze Herde wilder Pferde mit. “So viel Glück!” riefen die Nachbarn, aber der Bauer sagte: “Man wird sehen”.
Kurz danach versuchte der Sohn des Bauern, eines der wilden Pferde zu reiten – aber er wurde abgeworfen und brach sich ein Bein. “Oh, so ein Pech!” Die Nachbarn hatten Mitleid, aber der Bauer sagte wieder: “Man wird sehen”.
Ein paar Tage später zog der Landesherrscher alle jungen Männer in sein Heer ein, um in die Schlacht zu ziehen. Aber den Sohn des Bauern ließen sie wegen seines gebrochenen Beins zu Hause: “Was für ein Glück, daß dein Sohn nicht in die Schlacht ziehen muss!” freuten sich die Nachbarn. Aber der Bauer bemerkte nur: “Man wird sehen”.
Akhal-Teke, Pferderasse aus Asien; man sagt, es ist das schönste Pferd der Welt und es gibt in der ganzen Welt nur 1250 davon. In China wurden sie Engelpferde genannt.

Glück oder Unglück – wer weiß das schon?

eine alte Chinesische Erzählung, Autor unbekannt

Im alten China lebte einst ein armer alter Bauer, dessen einziger Besitz ein wundervoller weißer Hengst war, Selbst der Kaiser träumte davon, dieses Pferd zu besitzen. Er bot dem Alten Säcke voller Gold und Diamanten, doch der Alte schüttelte beharrlich den Kopf und sagte: “Mir fehlt es an nichts. Der Schimmel dient mir seit vielen Jahren und ist mir zum Freund geworden. Und einen Freund verkauft man nicht; nicht für alles Geld der Welt.” Und so zogen die Gesandten des Kaisers unverrichteter Dinge wieder ab.

Die Dorfbewohner lachten über so viel Unvernunft. Wie konnte der Alte bloß wegen eines Pferdes soviel Reichtum und Glück ausschlagen?

Eines Morgens war das Pferd verschwunden. Die Dorfbewohner liefen aufgeregt vor dem leeren Stall zusammen, um das Unglück des alten Bauers zu beklagen. “Sag selbst, Alter, hat sich deine Treue gelohnt? Du könntest ein reicher Mann sein, wenn du nicht so eigensinnig gewesen wärst. Jetzt bist du ärmer als zuvor. Kein Pferd zum Arbeiten und kein Geld zum Leben, Ach, das Unglück hat dich schwer getroffen.”

Der alte Bauer blickte bedächtig in die Runde, nickte nachdenklich und sagte: “Was redet ihr da? Das Pferd steht nicht mehr im Stall, das ist alles, was ich sehe. Vielleicht ist es ein Unglück, vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon so genau?” Tuschelns gingen die Leute auseinander. Der Alte musste durch den Schaden wirr im Kopf geworden sein, anders ließen sich seine Worte nicht erklären.

Einige Tage später, es war ein warmer, sonniger Frühlingstag und das halbe Dorf arbeitete in den Feldern, stürmte der vermisste Schimmel laut wiehernd die Dorfstrasse entlang. Die Sonne glänzte auf seinem Fell, und die Mähne und Schweif flatterten wie feinste Silberfäden im Wind. Es war ein herrlicher Anblick, wie er voller Kraft und Anmut dahergaloppierte.

Doch das war es nicht allein, was die Dörfler erstaunt die Augen aufreißen ließ. Noch mehr Staunen riefen die sechs wilden Stuten hervor, die hinter dem Hengst hertrabten und ihm in die offene Koppel neben dem leeren Stall folgten.

“O du Glücklicher, von den Göttern gesegneter Mann! Jetzt hast du sieben Pferde und bist doch noch zum reichen Mann geworden. Bald wird Nachwuchs deine Weiden füllen. Wer hätte gedacht, dass dir noch einmal soviel Glück beschieden wäre?” riefen sie, während sie dem alten Mann zu seinem unverhofften Reichtum gratulierten.

Der Alte schaute gelassen in die aufgeregte Menge und erwiderte: “Ihr geht zu weit. Sagt einfach: Jetzt hat er sieben Pferde. Ob das Glück oder Unglück bringt, niemand weiß es zu sagen. Wir sehen immer nur Bruchstücke, wie will man da das Ganze beurteilen. Das Leben ist so unendlich vielfältig und überraschend.”

Verständnislos hörten ihm die Leute zu. Die Gelassenheit des Alten war einfach unbegreiflich. Andererseits war er schon immer etwas komisch gewesen. Na ja, sie hatten andere Sorgen.

Der alte Bauer hatte einen einzigen Sohn. In den folgenden Wochen begann er die Wildpferde zu zähmen und einzureiten. Er war ein ungeduldiger, junger Mann,und so setzte er sich schon früh auf eine der wilden Stuten. Dabei stürzte er so unglücklich vom Pferd, dass er sich beide Beine mehrmals brach. Obwohl die Heilerin ihr Bestes tat, war allen klar, dass seine Beine nie wieder ganz gesund werden würden. Für den Rest seines Lebens würde er ein hinkender, behinderter Mann bleiben.

Wieder versammelten sich die Leute vor dem Haus des Alten. “O du armer, alter Mann!” jammerten sie, “nun entpuppt sich dein Glück als großes Unglück, dein einziger Sohn, die Stütze deines Alters, ist nun ein hilfloser Krüppel  und kann dir keine Hilfe mehr sein. Wer wird dich ernähren und die Arbeit tun, wenn du keine Kraft mehr hast? Wie hart muss dir das Schicksal erscheinen, das dir solches Unglück beschert.”

Wieder schaute der Alte in die Runde und antwortete: “Ihr seid vom Urteilen besessen und malt die Welt entweder schwarz oder weiß. Habt ihr noch immer nicht begriffen, dass wir nur Bruchstücke des Lebens wahrnehmen. Das Leben zeigt sich uns nur in winzigen Ausschnitten, doch ihr tut, als könntet ihr das Ganze beurteilen. Tatsache ist, mein Sohn hat beide Beine gebrochen und wird nie wieder so laufen können, wie vorher. Lasst es damit genug sein. Glück oder Unglück, wer weiß das schon.”

Nicht lange danach, brach ein Krieg aus. Das ganze Dorf war von Wehklagen und Trauer erfüllt, denn alle wussten, dass die meisten Männer nicht mehr heimkehren würden.

Wieder einmal liefen die Dorfbewohner vor dem Haus des alten Bauern zusammen: “Wie recht du hattest. Jetzt bringt dein Sohn dir doch noch Glück.”

Der Alte schaute nachdenklich in die verstörten Gesichter der Leute. “Könnte ich euch nur helfen, weiter und tiefer zu sehen, als ihr es bisher vermögt. Wie durch ein Schlüssellloch betrachtet ihr euer Leben, und doch glaubt ihr, das Ganze zu sehen. Niemand von uns weiß, wie sich das große Bild zusammensetzt. Was eben noch ein großes Unglück scheint, mag sich im nächsten Moment in Glück erweisen. Anderseits erweist sich scheinbares Unglück auf längere Sicht oft als Glück und umgekehrt gilt das gleiche. Sagt einfach: Unsere Männer ziehen in den Krieg, und dein Sohn bleibt zu Hause. Was daraus wird, weiß keiner von uns. Und jetzt geht nach Hause, und teilt die Zeit miteinander, die euch bleibt.”

Schwarzes Pferd aus Friesland; auch von dem behauptet man, es sei das schönste in der Welt

Reblog. Barataria. Josef Menčík.

Do publikacji podał Tabor Regresywny

Monia Dębowska

“Dziś prawdziwych rycerzy już nie ma… Ostatni zmarł w 1945 roku.

Nazywał się Josef Menčík. Zasłynął z brawurowej akcji, kiedy w 1938 roku samotnie wyjechał konno w pełnej zbroi rycerskiej i z halabardą przeciwko… nazistowskim czołgom. Niemcy nawet nie wystrzelili w jego kierunku, tylko popukali się w głowy, uznając, że to miejscowy głupek. Po chwili wahania ominęli go i przekroczyli granicę na szumawskiej Bučinie, rozpoczynając tym samym aneksję Czechosłowacji.

W 1911 roku spłonęła część twierdzy Dobrš. Josef Menčík odkupił zniszczony zamek od rodu Schwarzenbergów i rozpoczął jego odbudowę. Kolekcjonował średniowieczne pamiątki związane z rycerstwem, często nabywając je na czarnym rynku czy przemycając z Francji. Umieścił nawet w fosie drewnianego krokodyla dla przypomnienia żyjącego tam kiedyś prawdziwego, przywiezionego przez Kryštofa Koce z jednej z wypraw. Josef jeździł konno po okolicznych ziemiach ubrany w zbroję i próbował zainteresować młodzież historią i ideałami stanu rycerskiego. Do swojego zamku zapraszał wycieczki szkolne.

Czeski Don Kichot był wielkim pasjonatem historii średniowiecznej. Nazywanie go wariatem to raczej nadinterpretacja, bardziej pasuje tutaj określenie pierwszorzędny rekonstruktor i propagator cnót rycerskich. Odrzucał nowoczesne udogodnienia, takie jak choćby elektryczność, a jako oświetlenia w zamku używał świec i pochodni. Lokalna społeczność nazywała go “Fousatý táta” (“Brodaty Tata”) lub “Poslední rytíř” (“Ostatni rycerz”). Wśród miejscowych był znany ze szlachetności, honoru, odwagi, gościnności i uczynności. Słynął także z niekonwencjonalnych rytuałów przy spożywaniu posiłków. Przed wyjściem z karczmy zawsze połknął całego śledzia, popił szklanką rumu i głośno ryknął.
Josef Menčík mieszkał w swojej twierdzy do 1945 roku, kiedy to została znacjonalizowana. Zmarł kilka dni później, 19 listopada 1945 roku w wieku 75 lat, prawdopodobnie z powodu przysłowiowego złamanego serca.”

Oryginalny post na facebookowej grupie Historia bez spiny
Tabor Regresywny znalazł go już jako reblog na stronie facebookowej Regnum Barbaricum

Tam też znalazło się prawie 150 komentarzy, często gęsto nieważnych, ale nie zawsze. Bo np. Krzysztof Pochwicki napisał: “Konno z halabardą? Jako rekonstruktor nie popełniłby raczej takiego błędu. To nie jest broń do walki z końskiego grzbietu natomiast piechota używała jej skutecznie do ściągania rycerzy.”

Pod długiej dyskusji komentatorzy, biorąc w obronę czeskiego Don Kichota, domyślają się raczej błędu tłumacza, ale znawca nie popuszcza. To jednak, jego zdaniem, błąd samozwańczego rycerza, który zapewne nie miał pojęcia i był rycerzem nie znającym się na subtelnych odmianach rycerstwa. Doszukuje się “Nie pasuje mi też hełm tego pana. Nie widzę z boku, lecz wygląda mi to na morion, którego rycerstwo nie stosowało (chyba, że to kapalin, “ojciec” moriona). Zbroja, pas i miecz to też raczej swobodne traktowanie tematu. Podobnie krój kolczugi. Zresztą zakładanie płyt na kolczugę jest bez sensu. Chyba, że mamy tu do czynienia z połączeniem półpancerza z kolczugą, zabieg częsty w średniowieczu (później też, stosowany jeszcze u naszej husarii).” A jeszcze “u pasa ma rapier a nie miecz.”

Nie wiem. Na koniu wyglądał tak:

A autorka pisze, że na pewno w oryginale czeskim było użyte słowo halabarda.

Grudzień w ogrodzie

dziennik niecodzienny czyli krótko o...

Miesiące zimowe to w ogrodzie czas odpoczynku. Kiedy jednak zacznie się w niego wgłębiać można dostrzec kilka ciekawych rzeczy. Bardzo podoba mi się ten spokój. W sumie to trochę zazdroszczę roślinom, które mogą przespać tych kilka mało przyjemnych miesięcy, zwłaszcza kiedy za oknem taka szarówa z deszczem jak dziś.

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Worldwide Screening of I AM NOT YOUR NEGRO by Raoul Peck on December 10, 2020

Deutsch unten

Worldwide Screening: I Am Not Your Negro by Raoul Peck on December 10, 2020

On December 10, 2020, the anniversary of the day the United Nations General Assembly adopted, in 1948, the Universal Declaration of Human Rights, a second Worldwide Screening will take place. Cinemas, schools, universities, and cultural institutions have responded to the call of the international literature festival berlin (ilb) to screen I Am Not Your Negro by Raoul Peck. This award-winning 95-minute 2016 documentary was shot on the basis of the unfinished manuscript “Remember This House” by James Baldwin (1924 – 1987).

The worldwide screening is intended to underscore our responsibility to examine the history of colonialism and racism. Over the course of almost four centuries, 10-12 million enslaved Africans were transported to America, mainly by European traders. More than 250 years after the abolition of the Atlantic slave trade, equal treatment of white people and People of Color has by no means been established – neither in America, nor in Europe, or any other region of the world.

In addition to analogue events, digital screenings will take place. Here you can find a list of participating institutions and links.

website

Worldwide Screening: I Am Not Your Negro von Raoul Peck am 10. Dezember 2020

Am Jahrestag der, durch die Vereinten Nationen im Jahr 1948 verkündeten, Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte findet das zweite Worldwide Screening am 10. Dezember 2020 statt. Kinos, Schulen, Universitäten und kulturelle Institutionen folgten dem Aufruf des internationalen literaturfestivals berlin (ilb) zu einer weltweiten Filmvorführung von I Am Not Your Negro von Raoul Peck. Der preisgekrönte, 95-minütige Dokumentarfilm aus dem Jahr 2016 wurde auf Basis des unvollendeten Manuskripts „Remember This House“ von James Baldwin (1924 – 1987) gedreht.

Mit der weltweiten Vorführung soll unsere Verantwortung unterstrichen werden, die Geschichte der Kolonisation und des Rassismus detailliert aufzuarbeiten. Im Laufe von fast vier Jahrhunderten wurden 10-12 Millionen versklavte Afrikaner nach Amerika transportiert, hauptsächlich von europäischen Händlern. Mehr als 250 Jahre nach der Abschaffung des atlantischen Sklavenhandels ist die Gleichbehandlung von Weißen und People of Color keineswegs festgeschrieben – weder in Amerika noch in Europa noch in anderen Regionen der Welt.

Neben analogen Veranstaltungen finden an dem Tag weltweit auch digitale Screenings statt. Schauen Sie sich die Liste der teilnehmenden Institutionen und Links hier an.

Webseite


internationales literaturfestival berlin
Chausseestr. 5
10115 Berlin
Fon +49 (0) 30 – 27 87 86 65
Fax +49 (0) 30 – 27 87 86 85
presse@literaturfestival.com

21. internationales literaturfestival berlin | 8.–18. September 2021
7. internationales literaturfestival odessa | 22.–25. September 2021

www.litfestodessa.com
www.worldwide-reading.com
www.comics-berlin.de
www.wordalliance.org

Wish oder auf der Suche nach den erfolgreichen Polen (Reblog)

zeit.de 
Wish-App: Wenn du wirklich bei Wish bestellst
Von Nele Spandick

Wish ist das Gegenmodell zum Edelhändler Manufactum. Kein schönes Einkaufserlebnis, keine Qualität, kein als Minimalismus getarnter Konsum. Sondern: billig, billig, billig. Die App selbst sieht bereits so trashig aus, dass man daran zweifeln könnte, ob überhaupt irgendetwas ankommt, wenn man hier bestellt. In quadratischen Kacheln sind die Produkte präsentiert: Der Zähnebleicher wird mit einem Vorher-Nachher-Bild von gelben und weißen Zähnen beworben. 2,79 Euro. Eine Unterhose lässt den Hintern mit Schaumstoff größer und praller wirken. 2,19 Euro. Ein BVB-Fan-Pullover für 21,92 Euro, ein Schraubenschlüssel für 3,81 Euro, pinke Einwegmasken für 5,06 Euro.

Auf einer extra Seite können Nutzer einmal am Tag am virtuellen Glücksrad drehen. Je nachdem, auf welcher Zahl es landet, darf man länger oder kürzer in angeblich besonders guten Sonderangeboten wühlen. Teleshopping im Internet, ein unendlicher Stream abgefahrenster Produkte. Alle vor allem günstig.

Während viele Unternehmen zurzeit versuchen, sich nachhaltiger und hochwertiger zu positionieren, macht Wish genau das Gegenteil und hat damit Erfolg. Nach Firmenangaben nutzen monatlich 100 Millionen Menschen die App, mehr als zwei Millionen Produkte werden pro Tag verkauft. Fußballstars wie Neymar und Gareth Bale machen Werbung für die Verkaufsplattform. Nächstes Jahr soll der Börsengang folgen. Das ist auch der Grund, warum das Unternehmen sich aktuell nicht öffentlich zu seiner Entwicklung äußert.

Wer aber shoppt hier? Der polnisch-kanadische Firmengründer Piotr Szulczewski, gerade mal 39 Jahre alt, bezeichnete seine Zielgruppe einmal selbst als “the invisible half” – die unsichtbare Hälfte. Ihm seien Investoren begegnet, die sich nicht hätten vorstellen können, wer bei Wish bestellt, weil es in ihrem Bekanntenkreis niemand tat. Szulczewski meint, das sei der blinde Fleck von reichen Großstädtern. In Deutschland ist die App vor allem bei Menschen bekannt, die auf Facebook aktiv sind. Dort wirbt das Unternehmen intensiv, fast aggressiv. Eine Studie des privaten Instituts für Handelsforschung in Köln (IFH), das sich auf Trends im E-Commerce spezialisiert hat, zeigt, dass sowohl Alte als auch Junge, Reiche wie Arme und Gebildete wie Ungebildete auf Wish bestellen – ungefähr zu gleichen Teilen. Aber wieso? Ist es nur der Preis?

“Wish befriedigt bestimmte Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten: Schnäppchenjagd, Stöbern und exklusive Produkte”, sagt Mailin Schmelter vom IFH, die die Studie mit erstellt hat. Für die Erkenntnisse befragte das Institut 1.200 Menschen, denen die Marke vom Namen her bekannt war. Schmelter sagt, die ständig aufblinkenden Rabattaktionen und das ungeordnete Anzeigen der absurden Produkte setzten Reize, die zum Kauf motivierten. Und das, obwohl den Leuten bewusst sei, dass sie mit schlechter Qualität rechnen müssten. Manche hätten sogar selbst schon schlechte Erfahrungen gemacht. “Bei einigen Käuferinnen und Käufern gibt es einen richtigen Spieltrieb”, sagt Schmelter. “Die finden das einfach spannend.” Und für den günstigen Preis seien sie bereit, das Risiko zu tragen. Ein Spieleinsatz von zwei oder fünf Euro scheint ihnen verschmerzbar.

Dabei ist dieses Risiko tatsächlich ziemlich groß: Produkte kommen oft verspätet oder gar nicht an. Ihre Qualität ist schlecht, manchmal entsprechen sie nicht der eigentlichen Beschreibung. Das berichten Verbraucher in ihren Beschwerden bei den Verbraucherzentralen. Und wenn das iPhone, das man bestellt hat, dann nur in Puppengröße ankommt, kann auch der günstige Preis nicht über die Enttäuschung hinweghelfen.

Die Verbraucherzentralen nehmen vermehrt Beschwerden entgegen, allein in diesem Jahr waren es bereits 200. Peter Gerlicher, Marktbeobachter der Verbraucherzentrale Bundesverband vermutet, dass die Dunkelziffer noch höher sei. “Die Beschwerden kommen nicht nur hier und da mal auf, sondern immer wieder und über alle Bundesländer verteilt.” Vor dem Hintergrund, dass Wish nicht der Marktführer im Onlinehandel ist, seien 200 Beschwerden bereits beachtlich.

Gerlicher erzählt, dass Wish-Kunden sich auch über den Versand beklagen. Er dauere länger als bei anderen Anbietern, auch weil viele Produkte aus dem ostasiatischen Raum kämen. Vor allem werde die Bestellung durch Versand- und Rücksendekosten teurer, als der ausgeschriebene Preis zunächst vermuten lässt. Gerlicher kennt Fälle, in denen automatisch verschickte Mahnungsschreiben sogar noch vor dem Produkt bei den Kunden ankamen. “Teilweise sind die Verbraucher verwundert, dass bei der Bestellung auch noch Zoll-Gebühren auf sie zukommen”, sagt Gerlicher.

Das Problem ist: Wish ist nur eine Plattform. Die Kundinnen bestellen direkt bei kleineren Unternehmen. Wish selbst hat mit dem Versand und der Produktion nichts zu tun, das Unternehmen erhält eine Provision. Der direkte Vertragspartner der Kundinnen und Kunden ist nicht Wish, sondern ein kleines Unternehmen, das im schlechtesten Fall tausende Kilometer entfernt sitzt und schwer zu erreichen ist.

Für einige scheint das alles aber einfach ein Witz zu sein. In sozialen Medien kursiert sogar inzwischen ein Meme zu Wish: Ein Bild zeigt etwa den britischen Premier Boris Johnson im Laborkittel – der Kommentar darunter lautet: “Wenn du Christian Drosten bei Wish bestellst.”

Oder ein Bild der deutschen Girlgroup Tic Tac Toe – “Wenn du Destiny’s Child bei Wish bestellst.” “Bei Wish bestellt” als Sinnbild für schlechte Qualität. Wäre die Plattform ein normales Unternehmen, wäre dieses Meme der Untergang, aber sie ist eben nicht normal. Wish funktioniert vielleicht sogar genau deswegen.

Ergänzung von der Administratorin: Es stimmt nicht, dass es im Netz eine oder andere Meme zu Wish kursiert. Wahr ist der Gegenteil: Es ist so, dass es im Netz, vor allem in Tweeter, einen Meme-Erstellung-Spiel gibt zu dem Begriff: Bei Wish bestellt. Der Boris Johnson und die Tic Tac Toe Girls sind nur zwei Beispiele von Tausenden. 

Wie hier

PS. Mein Sommer-Kleid für 1,- Euro (+ 2,95 Euro Versand-Kosten) ist nie angekommen.

Pomnik / Denkmal (Reblog)

EMS: I ja tu jestem wymieniona. Tak o mnie będą kiedyś pisać: “Ta, wzmiankowana tu i tam.” / Auch ich bin hier erwähnt. So werde ich vielleicht mal in gemeinsamer Erinnerunng funktionieren, als “die, die hie und da erwähnt wurde”.

Krzysztof Ruchniewicz

Drogie Koleżanki, Drodzy Koledzy,

bardzo się cieszę z ostatniej decyzji Bundestagu w sprawie „Pomnika-Polskiego”.

Postanowiłem przypomnieć sobie moje nieoficjalne próby ruszenia sprawy z miejsca. Być może część z Was przypomina sobie mój apel z … 2016 roku. Niestety, wtedy moja inicjatywa nie spotkała się z wielkim poparciem. Pamiętam, że odradzono mi. Uznano, jest jeszcze za wcześnie itd. Nawiązałem wtedy kontakt z F. Mausbachem (lub on ze mną). Wywiązała się ciekawa korespondencja. Przekonałem go, by przejął inicjatywę i by odtąd była to tylko niemiecka inicjatywa. Do listu dołączam mój tekst z 2016 roku i kopię listu p. Mausbacha.

Świetnie, że wreszcie udało się podjąć decyzję o stworzeniu takiego miejsca pamięci, dopełnia ono mapę pamięci, która tworzy się w stolicy Niemiec.

Serdecznie pozdrawiam

Krzysztof

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ich bin sehr erfreut über die jüngste Entscheidung des Bundestages zum “Polen-Denkmal”.

Ich beschloss, mich an meine inoffiziellen Versuche zu erinnern, die Angelegenheit voranzubringen. Vielleicht erinnern sich einige von Ihnen an meinen Appell von … 2016.
Leider stieß meine Initiative damals nicht auf große Unterstützung.

Ich erinnere mich, dass ich entmutigt war. Es wurde gesagt, es ist noch zu früh und so weiter. Ich nahm Kontakt mit F. Mausbach auf (oder er suchte den Kontakt mit mir). Es gab eine interessante Korrespondenz. Ich überzeugte ihn, die Initiative zu ergreifen, und von da an würde es nur noch ein deutsches Projekt sein. Ich füge dem Brief meinen Text von 2016 und eine Kopie des Briefes von Herrn Mausbach bei.

Es ist großartig, dass die Entscheidung zur Schaffung eines solchen Gedenk- und Erinnerungsortes endlich gefallen ist, sie vervollständigt die Landkarte der Erinnerung, die in der deutschen Hauptstadt entsteht.

Ich grüße herzlich

Krzysztof

PolendenkmalProjekt   PolendenkmalInitiative

 

Louise Glück (czyli Szczęście)

Literacka nagroda Nobla 2020

Nagroda dla Louise Glück, amerykańskiej poetki i eseistki. Wybór Akademii Szwedzkiej oceniają z Wrocławia prof. Inga Iwasiów, Justyna Sobolewska, Michał Nogaś i Michał Rusinek.

 

Louise Glück was born in New York City in 1943 and grew up on Long Island. She attended Sarah Lawrence College and Columbia University. Considered by many to be one of America’s most talented contemporary poets, Glück is known for her poetry’s technical precision, sensitivity, and insight into loneliness, family relationships, divorce, and death. The poet Robert Hass has called her “one of the purest and most accomplished lyric poets now writing.” In 2020 she was awarded the Nobel Prize in Literature “for her unmistakable poetic voice that with austere beauty makes individual existence universal.”

Glück is the author of 12 books of poetry, including the recent collections Faithful and Virtuous Night (2014), winner of the National Book Award, and Poems 1962-2012 (2012), which won the Los Angeles Times Book Prize, as well as the essay collection American Originality (2017). Glück’s early books feature personae grappling with the aftermaths of failed love affairs, disastrous family encounters, and existential despair, and her later work continues to explore the agony of the self. Her first book of poetry, Firstborn (1968), was recognized for its technical control as well as its collection of disaffected, isolated narratives. Helen Vendler commented on Glück’s use of story in her New Republic review of The House on Marshland (1975). “Glück’s cryptic narratives invite our participation: we must, according to the case, fill out the story, substitute ourselves for the fictive personages, invent a scenario from which the speaker can utter her lines, decode the import, ‘solve’ the allegory,” Vendler maintained. But she added that “later, I think … we read the poem, instead, as a truth complete within its own terms, reflecting some one of the innumerable configurations into which experience falls.” According to poet-critic Rosanna Warren, Glück’s “power [is] to distance the lyric ‘I’ as subject and object of attention” and to “impose a discipline of detachment upon urgently subjective material.”

Glück’s poems in books such as Firstborn, The House on Marshland, The Garden (1976), Descending Figure (1980), The Triumph of Achilles (1985), Ararat (1990), and the Pulitzer Prize-winning The Wild Iris (1992) take readers on an inner journey by exploring their deepest, most intimate feelings. Glück’s ability to create poetry that many people can understand, relate to, and experience intensely and completely stems from her deceptively straightforward language and poetic voice. In a review of Glück’s The Triumph of Achilles, Wendy Lesser noted in the Washington Post Book World that “‘direct’ is the operative word here: Glück’s language is staunchly straightforward, remarkably close to the diction of ordinary speech. Yet her careful selection for rhythm and repetition, and the specificity of even her idiomatically vague phrases, give her poems a weight that is far from colloquial.” Lesser went on to remark that “the strength of that voice derives in large part from its self-centeredness—literally, for the words in Glück’s poems seem to come directly from the center of herself.”

Because Glück writes so effectively about disappointment, rejection, loss, and isolation, reviewers frequently refer to her poetry as “bleak” or “dark.” The Nation’s Don Bogen felt that Glück’s “basic concerns” were “betrayal, mortality, love and the sense of loss that accompanies it… She is at heart the poet of a fallen world.” Stephen Burt, reviewing her collection Averno (2006), noted that “few poets save [Sylvia] Plath have sounded so alienated, so depressed, so often, and rendered that alienation aesthetically interesting.” Readers and reviewers have also marveled at Glück’s gift for creating poetry with a dreamlike quality that at the same time deals with the realities of passionate and emotional subjects. Holly Prado declared in a Los Angeles Times Book Review piece on The Triumph of Achilles (1985) that Glück’s poetry works “because she has an unmistakable voice that resonates and brings into our contemporary world the old notion that poetry and the visionary are intertwined.” Glück’s Pulitzer prize-winning collection, The Wild Iris (1992), clearly demonstrates her visionary poetics. The book, written in three segments, is set in a garden and imagines three voices: flowers speaking to the gardener-poet, the gardener-poet, and an omniscient god figure. In the New Republic, Helen Vendler described how “Glück’s language revived the possibilities of high assertion, assertion as from the Delphic tripod. The words of the assertions, though, were often humble, plain, usual; it was their hierarchic and unearthly tone that distinguished them. It was not a voice of social prophecy but of spiritual prophecy—a tone that not many women had the courage to claim.

Meadowlands (1996), Glück’s first new work after The Wild Iris, takes its impetus from Greek and Roman mythology. The book uses the voices of Odysseus and Penelope to create “a kind of high-low rhetorical experiment in marriage studies,” according to Deborah Garrison in the New York Times Book Review. Garrison added that, through the “suburban banter” between the ancient wanderer and his wife, Meadowlands “captures the way that a marriage itself has a tone, a set of shared vocal grooves inseparable from the particular personalities involved and the partial truces they’ve made along the way.”

Vita Nova (1999) earned Glück the prestigious Bollingen Prize from Yale University. In an interview with Brian Phillips of the Harvard Advocate, Glück stated: “This book was written very, very rapidly… Once it started, I thought, this is a roll, and if it means you’re not going to sleep, okay, you’re not going to sleep.” Although the ostensible subject matter of the collection is the examination of the aftermath of a broken marriage, Vita Nova is suffused with symbols drawn from both personal dreams and classic mythological archetypes. Glück’s next collection, The Seven Ages (2001) similarly takes up both myth and the personal in forty-four poems whose subject matter ranges throughout the author’s life, from her earliest memories to the contemplation of death. Glück’s next book, Averno (2006) takes the myth of Persephone as its touchstone. The book’s poems circle around the bonds between mothers and daughters, the poet’s own fears of ageing, and a narrative concerning a modern-day Persephone. In the New York Times, Nicholas Christopher noted Glück’s unique interest in “tapping the wellsprings of myth, collective and personal, to fuel [her] imagination and, with hard-earned clarity and subtle music, to struggle with some of our oldest, most intractable fears—isolation and oblivion, the dissolution of love, the failure of memory, the breakdown of the body and destruction of the spirit.”

William Logan called Glück’s A Village Life (2009), “a subversive departure for a poet used to meaning more than she can say.” The book is a marked formal departure for Glück, relying on long lines to achieve novelistic or short-story effects. Logan saw A Village Life as a latter-day Spoon River Anthology in its use of “the village as a convenient lens to examine the lives within, which counterpoint the memories of her [Glück’s] life without.” Dana Goodyear, reviewing the book for the Los Angeles Times found A Village Life “electrifying,” even as it presumed to tell its “polite” story of a “dying agriculture community, probably in Italy, probably some time between the 1950s and today.” Goodyear added: “Ordinariness is part of the risk of these poems; in them, Glück hazards, and dodges, sentimentality. The near miss makes us shiver.” Glück’s selected Poems 1962-2012 (2012) was published to great acclaim. While highlighting her work’s fierceness and “raking moral intensity,” in the words of New York Times reviewer Dwight Garner, the collection also allowed readers to see the arc of Glück’s formal and thematic development. According to Adam Plunkett, reviewing the collected poems in the New Republic, “Very few writers share her talent for turning water into blood. But what emerges from this new, comprehensive collection—spanning the entirety of her career—is a portrait of a poet who has issued forth a good deal of venom but is now writing, excellently, in a softer vein.”

In 2003 Glück was named the 12th US Poet Laureate. That same year, she was named the judge for the Yale Series of Younger Poets, a position she held until 2010. Her book of essays Proofs and Theories (1994) was awarded the PEN/Martha Albrand Award for Nonfiction. In addition to the Pulitzer and Bollingen Prizes, she has received many awards and honors for her work, including the Lannan Literary Award for Poetry, a Sara Teasdale Memorial Prize, the MIT Anniversary Medal, the Wallace Stevens Award, a National Humanities Medal, and a Gold Medal for Poetry from the American Academy of Arts and Letters. She has received fellowships from the Guggenheim and Rockefeller Foundations, and from the National Endowment for the Arts. In 2020 she was awarded the Nobel Prize in Literature.

Glück is currently writer-in-residence at Yale University and lives in Cambridge, Massachusetts.

October (section I)
 
Is it winter again, is it cold again,
didn’t Frank just slip on the ice,
didn’t he heal, weren’t the spring seeds planted

didn’t the night end,
didn’t the melting ice
flood the narrow gutters

wasn’t my body
rescued, wasn’t it safe

didn’t the scar form, invisible
above the injury

terror and cold,
didn’t they just end, wasn’t the back garden
harrowed and planted—

I remember how the earth felt, red and dense,
in stiff rows, weren’t the seeds planted,
didn’t vines climb the south wall

I can’t hear your voice
for the wind’s cries, whistling over the bare ground

I no longer care
what sound it makes

when was I silenced, when did it first seem
pointless to describe that sound

what it sounds like can’t change what it is—

didn’t the night end, wasn’t the earth
safe when it was planted

didn’t we plant the seeds,
weren’t we necessary to the earth,

the vines, were they harvested?

Reblog: Wrześniowe wiersze

Mietek Węglewicz

napisał:

Cześć Ewo Mario, Koleżanko, Pielgrzymko,
sztuka to wolność, życie to sztuka, prawo do życia to prawo do wolności, do sztuki. Ani sztuka, ani wolność nie mogą odbierać prawa do życia. Nie mogą! Inaczej same sobie odbierają prawo…

z blogu morze żywe

Z pamiętnika jesiennej dziewczyny

Wrzesień przez miesiąc był wierny
Odszedł…
Przyszedł Październik..
Świt późniejszy,
zmierzch śmielszy
Ręce takie chłodne…
Ponad cztery tygodnie
złotem liści mamił
welon z mgły mi zakładał
A w końcu zostawił
Potem był Listopad
Bardzo smutny chłopak
Odszedł zimny jak szkło
…z taką jedną … Mgłą

Apel

Czytelniku
nie czytaj krytyków
U nich każdy przecinek się liczy
Wiadomo jak
to krytycy
i każdy zwróci drab
uwagę na każdy brak
Brodacze w okularach
nad wierszem pochyleni
na brak przecinka zaraz
uwagę zwrócą
jak Lenin
Pochylą się badacze
rozgadają gadacze
Rozpiszą się pismaki
że on taki a taki
Czytelniku
nie czytaj krytyków

Dzień Aptekarza

Rzadko się zdarza
Dzień Aptekarza
no może raz do roku
całymi dniami
mierzy, odważa
a w pracy musi mieć spokój
Dlatego rząd rozważa
świętować Noc Aptekarza
Ale aptekarz w nocy
też ma zajęty czas
bo w świetle księżyca wytwarza
azotan srebra
z gwiazd

26.09.2020

O wojskowych piosenkach

Na polach bitew świata
Żołnierz strzela i ginie
Trata tatata, trata tatata
Od Amazonki po Łydynię
Płynie też pieśń
Dopomóż Bóg
i chciej
w opiece mieć
Ty nasze kule wrogom nieś
a nad duszami świeć
Tu wróg,
tu wróg,
a z nami
Bóg
Broń ciężka
i ta pieśń
Ty nas w opiekę weź
i nasze
kule nieś
Słysząc to Bóg
zawołał
Bo miał otwarte okno
czy wreszcie ktoś by mógł
zmienić tę pieśń okropną!!

Ostrzeżenie

Gdy palą owocowe skrzynki
to noc ma zapach mandarynki
Gdy dla ogrzania palą zbożem
to jest za dobrze
będzie gorzej
Gdy teczki z policyjnych szaf
noc pachnie zdradą, cuchnie strach
ale gdy książki idą w ogień
to nic już nie rób
tylko w nogi

mój kot

mój kot jest zawsze niewinny
bo nawet jak coś zrzuci
to na innych

Tyle dróg

byłem na mieście
o mieście nie śnię
byłem w lesie
w lesie już jesień
leciałem lotnią
w lotni samotność
byłem u Ciebie
u Ciebie… w niebie

Teatr

Pięknie się bawi
jesień światłem
Zamienia się
miejscami
z cieniem
bo dla jesieni
to jest łatwe
co roku
na tej samej
scenie
akt pierwszy
mgły
w drugim
natchnienie
w trzecim powszechne zaziębienie
czwarty zaklęty
Wszystkich Świętych
między aktami
aspiryna
i różne smutki
że dzień krótki
i co? – i…zima
już na scenie
akt…
Boże Narodzenie

 

Reblog+: Gegen das Klischee der Steinzeit

Annika Bangeter

Jagen war nicht nur Männersache

Der Mann war Jäger, die Frau hütete Kinder: Dieses Bild der Urzeitmenschen wird oft herangezogen, um­­­ Familienmodelle oder Sexualtriebe zu rechtfertigen. Archäologin Brigitte Röder räumt mit Klischees auf.

Bis heute werden die Unterschiede der Geschlechter mit den Steinzeitmenschen erklärt. Was ist da dran?

Brigitte Röder: Die Idee, dass Männer «von Natur aus» Jäger seien, ist ein Klischee. Das Bild vom mutigen Jäger, der einem Mammut auflauert, finden wir in vielen Schulbüchern, Museen, Romanen oder Filmen. Der Mann soll seit Urzeiten die Familie ernährt haben, während sich die Frau um Kinder und Haushalt gekümmert habe.

Was spricht dagegen?

Um dieses Klischee rankt sich die Vorstellung von der gefährlichen und heldenhaften Grosswildjagd, die Männersache gewesen sei. Sie fand zwar statt, aber ihre Bedeutung wird massiv überschätzt. Das zeigen moderne archäologische Untersuchungen. Dank feinerer Grabungsmethoden finden wir an Fundstellen aus der Altsteinzeit inzwischen auch Skelettreste von kleinen Tieren und sogar Fischschuppen. Daher wissen wir, dass der Fischfang eine grosse Rolle spielte, ebenso die Jagd auf Kleinwild und Vögel. Das Bild der heldenhaften Grosswildjagd muss also überdacht werden. Das Nahrungsspektrum war viel breiter.

Wer hat denn tatsächlich gejagt?

Einem Speer oder einem Bogen sieht man nicht an, ob ein Mann oder eine Frau ihn benutzt hat. Wer in der Urgeschichte gejagt hat, ist nicht mit letzter Sicherheit zu entscheiden. Dafür bräuchte man Schriftquellen, die jedoch fehlen. Deshalb ziehen wir Vergleiche aus historischen Zeiten heran. So haben Ethnologen Gemeinschaften beschrieben, in denen auch Frauen gejagt haben. Bekannt ist auch, dass bei den Inuit Mädchen zur Grosswildjagd ausgebildet wurden, wenn der männliche Nachwuchs in der Familie fehlte. Kurz: Es gibt keinen Grund auszuschliessen, dass Frauen auch in der Urgeschichte gejagt haben.

Weshalb besteht dann dieses Bild vom Mann als Jäger und der Frau als Sammlerin?

Die Geschlechterrollen, die für die gesamte Urgeschichte gezeichnet werden, sind ungemein stereotyp. Stets erscheinen die Männer als Ernährer, die mobil waren, Handel oder Bergbau betrieben und sämtliche Innovationen kreierten. Ihnen stehen die ewigen Hausfrauen und Mütter am Herdfeuer gegenüber. Diese Rollenteilung geht auf Idealvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts zurück. Damals wurde das Geschlechter- und Familienmodell neu konstituiert und für universal erklärt. Es wurde auch festgelegt, welchen «Geschlechtscharakter» Männer respektive Frauen haben. Noch heute gilt dieses bürgerliche Geschlechtermodell vielfach als ursprünglich – und wird auf die Urgeschichte projiziert.

Wie lebten die damaligen Menschen wirklich?

Historisch und ethnografisch ist eine unglaubliche Vielfalt an Geschlechtermodellen, Familien-, Verwandtschafts- und Haushaltsformen belegt. Wer für archäologische Befunde Analogien sucht, müsste also ein breites Spektrum in Betracht ziehen. Interessanterweise fokussieren die meisten Interpretationen aber auf das, was wir von der bürgerlichen Gesellschaft kennen. Etwa die Idee, dass in jedem Pfahlbau eine Kernfamilie wohnte. Studien der Universität Basel zeigen jedoch, dass diese Idee falsch ist. Die Siedlungen waren erstaunlich kurz bewohnt, manche nur acht oder zwölf Jahre. Die Gruppen müssen sich immer wieder aufgeteilt und neu zusammengesetzt haben. Die Vorstellung von Bauernfamilien, die über Jahrhunderte im selben Dorf gelebt haben, muss aufgegeben werden.

Haben die Steinzeitväter auch mal den Brei vorgekaut oder die Kinder betreut?

Mit archäologischen Funden können wir das nicht beantworten. Wie auch? Wir haben Hausruinen, materielle Kultur und darunter ganz wenige Objekte, die wir mit Kindern in Verbindung bringen können. Ohne Schriftquellen ist völlig offen, wer sich um sie gekümmert hat. Das sieht man auch einem Skelett nicht an. Die Wissenslücken werden deshalb leider häufig mit ­Vorstellungen gefüllt, die uns ­vertraut sind und die wir für ursprünglich halten. Deshalb er­scheinen sie plausibel und werden nur selten hinterfragt.

Wann begann die Archäologie, die angebliche Rollenteilung zu hinterfragen?

Vor etwa dreissig Jahren. Seither gibt es diverse Beispiele, die bisherige Bilder auf den Kopf stellen. Sehr interessant finde ich Hallstatt, eine Fundstelle in Österreich. Dort gab es in der Eisenzeit sowohl ein Salzbergwerk als auch den dazugehörigen Friedhof. Anhand markanter Unterschiede an den Skeletten von Männern und Frauen liess sich eine geschlechtsspezifische Ar­beitsteilung rekonstruieren. Ergänzt durch die Funde im Berg, liess sich zeigen, dass die Männer das Salz mit Bronzepickeln geschlagen und die Frauen es nach oben getragen haben. Ein sehr überraschendes Ergebnis brachte auch die Untersuchung der Kinderskelette: Sie zeigte, dass auch Kinder in den Bergbau involviert waren und sehr schwer gearbeitet haben.

Wie alt waren diese Kinder?

Im Bergwerk fand man neben Kinderschuhen auch eine Babykappe. Die Kinder waren also von klein auf dabei und sind in die Arbeit buchstäblich reingewachsen. Nach Ausweis der Skelette müssen die Kinder etwa ab dem Alter von fünf bis sieben Jahren hart gearbeitet haben. Das sprengt all unsere Vorstellungen von einer behüteten Kindheit. Die Bergleute von Hallstatt waren zudem enorm reich. In ihren Gräbern fanden sich kunsthandwerkliche Spitzenprodukte aus kostbaren Rohmaterialien, darunter importiertes Elfenbein und Bernstein. Auch das sprengt gängige Klischeevorstellungen.

Wieso?

Wir nehmen ja an, dass Menschen, die so reich waren wie jene in Hallstatt, andere – beispielsweise Sklaven – für sich arbeiten liessen und sich darauf beschränkten, den Reichtum abzuschöpfen. Doch selbst bei ganz reich bestatteten Individuen sieht man anhand der Skelette, dass sie von frühster Kindheit an hart gearbeitet haben. Das passt nicht zu den gängigen Vorstellungen von Reichtum und gesellschaftlichen Hierarchien.

In Hallstatt waren die Menschen bereits sesshaft. Gibt es Skelette, die Aufschluss über noch frühere Zeiten geben?

Für die ganz frühen Zeiten gibt es nur Fossilien, und zwar meist nur Fragmente, so dass eine Geschlechtsbestimmung oft gar nicht möglich ist. Erst aus den letzten 40000 Jahren gibt es dann auch vermehrt komplette Skelette, die im Hinblick auf Tätigkeiten, Gesundheitszustand oder Lebenserwartung von Frauen und Männern untersucht werden können. Neue geschlechtsgeschichtliche Erkenntnisse liefern auch forensische Methoden. Etwa zur Höhlenmalerei. Bis vor kurzem ging man ganz selbstverständlich davon aus, dass sie das Werk von Männern war.

Das stimmt nicht?

Das Bild von den altsteinzeitlichen Männern, die die Kunst erfunden haben, bekommt Risse, weil man an Handabdrücken sehen kann, dass auch Frauen ihre Hände auf den Höhlenwänden verewigt haben. Ebenso Kinder. Wir müssen davon ausgehen, dass Männer, Frauen und Kinder vermutlich gemeinsam in Höhlen rituelle Praktiken durchführten. Nicht zuletzt deshalb ist zu hinterfragen, weshalb die figürlichen Darstellungen ausschliesslich von Männern stammen sollten. Dafür gibt es keinen Beweis – und auch keinen Grund. Was für Männer selbstverständlich und ohne wissenschaftliche Grundlage gesetzt wird, braucht für Frauen umgekehrt eine hieb- und stichfeste wissenschaftliche Beweisführung – etwa, dass sie auch einen Beitrag zur Ernährung, zur Kunst oder zu Innovationen geleistet haben.

Ärgert Sie das?

Ich finde es unsinnig – und obendrein unwissenschaftlich, denn hier wird methodisch mit zweierlei Mass gemessen. Das Denken verändert sich, aber sehr langsam. Als Prähistorikerin, die auf zweieinhalb Millionen Jahre Menschheitsgeschichte zurückblickt, bin ich an das Denken in langen Zeiträumen jedoch gewöhnt.


Anmerkungen der Administratorin:


Frau und Mann (unten) aus Dolni Vestonice, einer paläolithischen Siedlung der Mammutjäger in Möhren; Dolni Vestonice ist wichtigste archäologische Ausgrabungsstelle in Tschechien.

Es ist interessant, dass die, sagen wir es so, “westlichen” Archäologinnen diese Erkenntnisse erst vor 30 Jahren und sehr mühsam, mit viel Widerstand seitens der Arbeitskollegen UND Kolleginnen ansammeln könnten. Ich habe selber Archäologie in kommunistischen Polen 20 Jahre früher als Brigitte Röder studiert und kann mich auf gar nichts so einseitiges erinnern, als das, was hier Frau Röder als große Errungenschaft der mutigen Wissenschaftlerinnen in der Schweiz erinnern. Die Archäologie, die uns in den 60/70 beigebracht wurde, war zwar auf keinen Fall als modern feministisch zu bezeichnen, war aber auch kein nach Hinten projieziertes Bild der bürgerlichen Verhältnisse. Ich glaube seit eh zu wissen, dass die Frauen mit den Männern zusammen für Ernährung der Familien sorgten vor allem aber, dass diese (auch hier) hochgepriesene Jagd auf großes Wild, diese berühmte Jagd mit einem Speer in der Hand, im Paläolithikum kein Muster war. Man hat entweder kleine Tiere gegessen, Frösche, Fische, Wasserratten, Muschel und Schnecken, die quasi auf Sammlerweise aufgesammelt wurden, oder machte man eine Großjagd auf große Tiere, die man laufend in eine Falle, höher Kliff, eine Schlucht forttrieb. An der Laufjagd hinter einer Herde (oder deren Teil) beteiligte sich der ganze Stamm, Männer, Frauen, Alte, Kinder. Als die Tiere in der Falle lagen, wurden sie erst mit großen Steinen beworfen und letztendlich könnte es sein, dass man mit einem Speer einem Tier einen Gnadenschlag verabreicht hat.
All das wussten wir Archäeologen eigentlich von Anfang an, vielleicht schon, bevor wir angefangen haben zu studieren.

Und woher? Aus einem Buch :-). Lovci mamutů. Ein Jugendroman.

Sein Autor, Edward Štorch, war ein Tscheche; Archäologe und Schriftsteller; er schrieb seinen “paläolithischen Roman” 1918; auf Polnisch ist das Buch 1949 erschienen; auf Deutsch (Die Mammutjäger) in Globus-Verlag Wien, 1953 (Übersetzung Felix Rausch) und Kinderbuchverlag Berlin, 1958. Nun ja, Kinderbuchverlag war ein Ost-Berlin Verlag… In Polen wurde das Buch gern und viel gelesen. Kann aber sein, dass Frau Röder in der Schweiz keine Romane gelesen hat, die in einem jämmerlichen Ostberlin-Verlag herausgegeben wurden. Dazu noch Jugendromane :-). Wissenschaftler lesen wissenschaftliche Abhandlungen…