Sela 5/3

For Iwona Schweizer
Remember? We visited the opening of their 2nd exhibition one year ago 🙂

Gruppenausstellung Sela5

Galerie Kungerkiez, 12435 Berlin-Treptow, Karl-Kunger-Straße 15

  1. Oktober – 25. November 2018

Eröffnung: 6. Oktober / 19 Uhr

KünstlerInnen-Gruppe „Sela5“

2018 mit:

Kermit Berg (San Francisco/Berlin)

Joachim Froese (Brisbane/Australien)

Karsten Hein (Berlin)

Hiroko Inoue (Nara/Japan)

Sonia Klausen (Berlin)

Rainer Komers (Mülheim/Ruhr)

Jörg Möller (Berlin)

Fyodor Moon (Ukraine)

Matthias Ring (Hamburg)

André Schmidt (Berlin)

Ingrid Völlmeke (Hamburg)

Micha Winkler (Berlin/Brandenburg)

Fotografen sind normalerweise Einzelkämpfer. Die Leute von Sela5 bevorzugen das Miteinander und den gegenseitigen Austausch und arbeiten projektweise und in wechselnden Konstellationen immer wieder zusammen.

Sela5 ist ein gemeinschaftlicher Fotoblog, in dem sich Fotograf/innen zusammengefunden haben, die alle eine leise, nicht spektakuläre Fotografie praktizieren, die den Betrachter nicht „anspringt“ und langsam ihre Wirkung entfaltet.

Dies ist unsere dritte Ausstellung.

Im Showroom der Galerie Kunkerkiez zeigen wir Porträts, inszenierte, Dokumentar- und Straßenfotografie, Stillleben und Landschaftsaufnahmen in wie gehabt sehr unterschiedlichen künstlerischen Sprachen in wilder „Petersburger Hängung“. Im Vordergrund steht das Ausloten unterschiedlicher fotografischer Möglichkeiten und Positionen. Die Bilder haben sehr unterschiedliche Formate und nutzen verschiedene Techniken, so wie sie auch in Sela5 zusammenkommen: Analog und digital, Farbe und Schwarzweiß, Plot und individuelle Drucktechniken. Die Bilder sind in unserer Hängung so in Bezug gesetzt, dass sich ein Gesamteindruck, eine Gesamt-Stimmung ergibt. Das Bild der Ausstellung ist die Gesamtheit aller Bilder an der Wand – eine mehrstimmige Erzählung.

„Every time I get back into the editing room, I feel the wonder of it. One image is joined with another image, and a third phantom event happens in the mind’s eye – perhaps an image, perhaps a thought, perhaps a sensation. Something occurs, something absolutely unique to this particular combination or collision of moving images.” (Martin Scorsese)

Was Scorsese beschreibt, bzw. was daran die Überschneidung zu dieser Ausstellung darstellt ist, wie er es im Schneideraum immer wieder als Wunder empfindet, wie zwischen den einzelnen, konkreten Filmbildern, die Vorstellungsbilder (phantom events) entstehen, der eigentliche Film, der im Kopf stattfindet. Und sogar noch größeres Wunder, nicht nur in seinem Kopf, dem des Machers, sondern auch in den Köpfen der Zuschauer. Diese Zwischenbilder, diese Plätze zwischen den Rahmen, will die Ausstellung erforschen.

 

Otto Müller Einladung / Zaproszenie

Ab 12. Oktober im Hamburger Bahnhof / am 11. Oktober Vernissage

Tekst po polsku: otto-mueller-wstep-pl

Otto Mueller Exhibition – Flyer

Zum Buch, das die Ausstellung begleitet

MALER. MENTOR. MAGIER.

Otto Mueller und sein Netzwerk in Breslau

Beides ist zugleich das Resultat eines deutsch-polnischen Forschungsprojektes. Erstmalig findet der enorme Einfluss des ehemaligen Brücke-Künstlers und Expressionisten Otto Mueller während seiner Lehrtätigkeit in Breslau tiefergehende Berücksichtigung: Dort lehrte der Maler von 1919 bis zu seinem frühen Tod 1930 an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe, die damals zu den fortschrittlichsten Kunstschulen in Europa zählte. Der Schwerpunkt liegt auf der modernen Malerei. Vor allem der charismatische, von Sehnsucht und Freiheitsdrang getriebene Otto Mueller hatte maßgeblichen Einfluss auf die Breslauer Kunstentwicklung. So entstand die Idee, ihn zur zentralen Figur werden zu lassen: An seiner Person und an seinem Werk entlang entfaltet sich das Konzept von Ausstellung und Katalogbuch.

Vor allem seit 1925 – begünstigt durch die zahlreichen Neuberufungen von Professoren durch den amtierenden Direktor Oskar Moll – genoss die Breslauer Akademie den Ruf von Weltoffenheit und Liberalität. Die vielfältigen Strömungen der Moderne standen hier gleichberechtigt nebeneinander: der Expressionismus mit Otto Mueller, die französische Peinture der Académie Matisse mit Oskar Moll, die Neue Sachlichkeit mit Alexander Kanoldt und Carlo Mense sowie das Bauhaus und dessen Umfeld mit Oskar Schlemmer, Georg Muche und Johannes Molzahn.
Otto Mueller und sein Netzwerk: hierzu gehören vor allem seine unmittelbaren Malerkollegen sowie seine Schüler und Schülerinnen – die alle durchweg in Breslau eine schöpferische, höchst produktive Phase erlebten, angeregt durch wechselseitige Inspiration und Austausch. Die Freundschaften zu eigenständigen und kunstsinnigen Frauen spielten im Leben des Breslauer Akademieprofessors eine nicht zu unterschätzende Rolle: An erster Stelle standen Muellers Partnerinnen, allen voran seine erste Ehefrau Maschka Mueller. In sein Netzwerk gehörten aber auch Künstlerinnen und Intellektuelle wie die Bildhauerin und Grafikerin Marg Moll oder die Schriftstellerin Ilse Molzahn. Ersichtlich wird der Austausch und die gegenseitige Beeinflussung der Breslauer Malerprofessoren untereinander durch thematische und motivische Anleihen oder technische Übereinstimmungen der Malmittel: z. B. in der Farbgebung als Medium zur Ausdruckssteigerung, in den sich entwickelnden Tendenzen der Abstraktion oder in der Angleichung der Bildträger. Gemälde, Arbeiten auf Papier, schriftliche Äußerungen oder Fotografien dienen als Querverweise, die in deutsch-polnischer Zusammenarbeit zusammengetragen und ausgewertet wurden – geleitet von folgenden Aspekten:

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das engmaschige Netz aus Kunst- und Kulturschaffenden im Zeitraum von 1919 bis 1932 mit besonderem Fokus auf der Malerei der Moderne zu durchleuchten, in dem die Wechselbeziehung zwischen den Städten Berlin und Breslau – Breslau und Berlin sichtbar ist

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den Schaffensdrang und die kreativen Impulse im Umfeld der Breslauer Akademie und ihre spezifische Atmosphäre im Hinblick auf die Malerei der Moderne zu untersuchen und

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schließlich den Einfluss des Malers und der Lehrpersönlichkeit Otto Mueller herauszustellen.

Unter diesem Blickwinkel entstand ein Ausstellungsparcours entlang der Leitfigur Otto Mueller, der eine persönliche Geschichte in einem lebendigen Breslau der 1920er-Jahre – parallel zur Darstellung der sich dort entfaltenden Kunst – erzählt. Dadurch ist es möglich, für die Besucherinnen und Besucher unterschiedliche Identifikationsmöglichkeiten zu schaffen, für besondere Tendenzen der dortigen künstlerischen Entwicklung zu sensibilisieren und letztlich auch Trends der musealen Sammlungspolitik und Forschung zu berücksichtigen: Neben großen Namen aus dem Netzwerk der klassischen Moderne werden auch weniger bekannte Künstler und Künstlerinnen der Folgegeneration vorgestellt.

Nachhaltigen Eindruck hinterließ der liberale Lehrer Otto Mueller gerade auch bei seinen nicht wenigen Schülerinnen: seine Aktzeichenkurse waren die ersten überhaupt, die auch Studentinnen wie Grete Jahr-Queißer oder Margarete Schultz offen standen. Einige seiner ehemaligen Schüler wie Alexander Camaro oder Horst Strempel gingen später von Breslau aus nach Berlin und erlebten in der unmittelbaren Nachkriegszeit den Höhepunkt ihrer Malerkarrieren.

1932 wurde die Breslauer Akademie geschlossen, ein Jahr später erfolgte die nationalsozialistische Machtergreifung. Diesen Umständen ist es geschuldet, dass diese Maler und Malerinnen die sog. „verschollene Generation“ vertreten: Ihre Karrieren begannen zunächst vielversprechend. Zu Beginn des Faschismus standen sie noch am Anfang ihrer künstlerischen Laufbahn, viele wurden zur Flucht und zu einem Leben im Exil gezwungen, andere überlebten die Verfolgungen und den Holocaust nicht.

Ihnen gemeinsam aber sind ihre künstlerischen Anfänge an der Breslauer Akademie im Allgemeinen und bei Otto Mueller im Besonderen. Vertiefte Recherchen ermöglichten es, Arbeiten und Dokumente zusammenzutragen, die zumindest einen Eindruck des künstlerischen Erbes von Otto Mueller am Beispiel von Breslauer Studierenden demonstrieren – selbstverständlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Für die Charakterisierung des Kunst- und Kulturlebens in der niederschlesischen Hauptstadt der 1920er-Jahre spielte die engagierte jüdische Bevölkerung eine tragende Rolle: Breslau besaß zu dieser Zeit neben Berlin und Frankfurt am Main die drittgrößte jüdische Gemeinde im Deutschen Reich.

In Bezug auf Otto Mueller macht ein neuer Ansatz der Forschung deutlich, wie anziehend dieser Maler auf die jüngere Generationjüdischer Künstler und Künstlerinnen in Breslau wirkte: u. a. seine ihm nachgesagte Beschäftigung mit Magie und Mystik verband sich hervorragend mit deren künstlerischen Positionen und zentralen Fragestellungen nach der eigenen Identität.

Eine Besonderheit im kuratorischen Konzept ist das Prinzip des „Gastes“: gemeint sind hiermit ausgewählte Werke, durch die spotlightartig, epochenübergreifend und interkulturell auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede verwiesen werden kann. In Deutschland kaum bekannt ist, dass viele Künstler und Künstlerinnen der polnischen Avantgarde beide Sprachen beherrschten: Deutsch und Polnisch, so Stanisław Kubicki, Margarete Kubicka, Jerzy Hulewicz oder Henryk Berlewi. Vor allem das Einbeziehen des polnischen Expressionismus und Neo-Expressionismus ermöglicht einmalige Sehvergleiche und neue Zusammenhänge, zugleich verschränken diese Erscheinungsformen die deutsch-polnische

Ausrichtung des Projekts. Diesen Ansatz begünstigte die intensive Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die auch grenzübergreifende Perspektiven zuließ.

Unser besonderer Dank gilt Teresa Laudert, Stipendiatin der Camaro Stiftung, für ihre tatkräftige Unterstützung. Wir danken sehr unseren Autorinnen und Autoren. Weiterer Dank gebührt der Übersetzungsleistung durch Simon von Kleist und seinem Team sowie allen, die unser Projekt durch ihr Interesse und mit Anerkennung und Zuversicht begleitet haben.

Wir bedanken uns besonders bei dem Direktor der Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Udo Kittelmann für die Aufnahme dieser Ausstellung in das Programm des Hamburger Bahnhofs – Museum für Gegenwart – Berlin. Großer Dank gilt dem Direktor des Muzeum Narodowe in Wrocław, Piotr Oszczanowski, der bereit ist, Teile dieser Ausstellung nach Polen zu übernehmen. Herzlich danken wir dem Vorstand der Camaro Stiftung, besonders dem Vorstandsvorsitzenden Theodor Gentner, für das große Vertrauen in unsere Arbeit und die Bereitschaft, unsere Initiative in diesem umfänglichen Projekt zu unterstützen.

Zur praktischen Handhabe dieses Buches sei schließlich noch angemerkt:

Wir bemühen uns um geschlechtergerechte Sprache. Frauen sind in der Kunst- und Kulturgeschichte nach wie vor unterrepräsentiert. Selbstverständlich spielten in den 1920er-Jahren im Breslauer Kunstgeschehen talentierte und einflussreiche Künstlerinnen, Sammlerinnen, weibliche Intellektuelle und Kulturschaffende eine Rolle.

Auf sie hinzuweisen, sie sichtbar zu machen, ist uns ein Anliegen. Der Katalog erscheint in einer deutschen und polnischen Sprachausgabe. Zu betonen ist an dieser Stelle, dass dieses Grundlagenwerk keinen Anspruch auf Geschlossenheit verfolgt, sondern beabsichtigt, Anregungen zu liefern für weitere Forschung. Für die deutsche Sprachausgabe haben wir uns bewusst auf die Verwendung des deutschen Namens Breslau bis 1945 geeinigt. Dafür sind die historischen Fakten geltend zu machen:

Breslau war der wichtigste Wirtschafts- und Kulturmittelpunkt des deutschen Ostens. Erinnert werden soll daran, dass Breslau Hauptstadt der damals deutschen Provinz Niederschlesien war. Mit dieser Tatsache verbunden ist auch die Kontinuität der kulturellen Wechselbeziehung der Städte Berlin – Breslau. 1945 wurden Breslau und Schlesien Polen angeschlossen. Deshalb gebrauchen wir explizit den Städtenamen Wrocław für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und verwenden die aktuellen polnischen Namen von Ortschaften, Museen und Institutionen.

Die Herausgeberinnen

Dagmar Schmengler, Agnes Kern und Lidia Głuchowska

I jutro…

Donnerstag, 27. September 2018 von 19:00 bis 21:00

ostPost berlin
Choriner Str. 84, 10119 Berlin

“Ich weiß wie es nicht ist, und ich weiß nicht wie es ist…”
Es ist eine Titelzeile eines Gedichts von Marek Maj und zugleich der Titel einer CD, die er gemeinsam mit Ryszard Leoszewski aufgenommen hat.

Es mag banal klingen, ist aber eine tiefe Lebenseinsicht, ein Sokratischer Gedanke, auf den sich der Dichter stützt, um die Welt zu beobachten und zu beschreiben, nachzudenken, zu reflektieren, uns hie und da etwas darüber zu sagen. Auf keinen Fall aber will er uns Ratschläge geben, nie wird der Dichter uns sagen, was wir tun sollen, was wissen, was denken… Wir sind einsame Menschen, sagt uns der Dichter, die der grossen unbegreiflichen Welt gegenüber stehen und sich mit Kunst wie mit einem Regenschirm vom Regen der Alltäglichkeit schützen.

Die Gedichte von Marek Maj werden auf Deutsch von Irena Mitręga vorgelesen.

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Marek Maj, geb. 1962 in Stettin, ist ein Dichter und Kulturmanager; er arbeitet im Kulturhaus Skolwin und ist Organisator der Gartenmesse, die zweimal im Jahr, im Mai und September, an der berühmten Wały Chrobrego (Hakenterassen) statt findet. Marek Maj hat mehrere Gedichtbänder auf Polnisch veröffentlicht; zehn seiner Gedichte wurden 2017 im Rahmen der von uns organisierten Translator Workshop ins Deutsche übersetzt. Sie wurden in dem Onlinemagazin Stadtsprachen veröffentlicht und werden jetzt dem Berliner Publikum präsentiert.
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Ryszard Leoszewski, ist Pädagoge, Komponist und Leader der Musikgruppe Sklep z ptasimi piórami (Ein Laden mit dem Vogelgefieder); seit ein paar Jahren ist er auch der Ehrenbotschafter Stettins. Er hat viele Gedichte von Marek Maj vertont – so viele, dass es für eine gemeinsame CD und ein Programm Leoszewski Majem reichte… An dem Abend werden wir ihn in einem Teil des gemeinsamen Repertoires hören.
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Irena Mitręga ist eine in Polen geborene Germanistin, Autorin und Literatur-Übersetzerin, die uns auch durch den Abend führen wird.

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Geschichter Berlins

Polnische Gräber in Berlin
historische Stadtführung

16. September 2018, 15-19 Uhr
Treffpunkt Cafe Strauss um 15 Uhr
am Eingang des Friedrichswerderschen Friedhofs
Bergmannstr. 42
10961 Berlin–Kreuzberg

In Berlin gibt es 270 Friedhöfe, darunter ca. 30 sog. historische, die man also als Kulturdenkmal betrachtet und wiederum auch ca. 30, die, wie der Friedhof wo Prof. Brückner begraben liegt, aufgelöst werden. Wie man auf diesen Friedhöfen die polnische Gräber sucht, wie man sie identifiziert, obwohl die dort begrabenen manchmal deutschen Namen tragen und Polen sind, manchmal aber polnische Namen haben und die Familien ihre polnische Abstammung abstreiten. Welche Schicksale erzählen uns die Gräber, über die Menschen, aber auch über die Deutsch-Polnischen Beziehungen. Dies und mehr erzählt uns Ewa Maria Slaska bei unserem Spaziergang in den historischen Friedhöfen auf der Bergamnnstrasse iun Kreuzberg.

Abschliessend gehen wir Kaffee trinken und leckere Kuchen Essen im Café Strauss auf dem Friedrichwerderschen Friedhof.

Ewa Maria Slaska organisierte vor ein paar Jahren eine erfolgreiche Aktion zur Rettung des Grabes von Professor Aleksander Brückner (1856-1939) auf dem Tempelhofer Parkfriedhof in Berlin und seit 2011 organisiert sie immer am Tag der Allerheiligen die Treffen der Polonia und Sympathisanten bei dem Grab diesen berühmten Wissenschaftlers, Sprachhistorikers und Linguist, der an der Berliner Universität das Slawistik Institut gegründet und 44 Jahre geleitet hat.

Professor Brückner ist in einer deutschen Familie in Ukraina geboren, die im 18. Jahrhundert nach Polen ausgewandert ist. Obwohl die Familie den deutschen Namen beibehielt, hat sie sich gänzlich polonisiert und der junge Wissenschaftler der aus Russischpolen nach Breslau und danach na Berlin ausgewandert ist verstand sich als Pole in Deutschland. Man hat ihn in diesem Blog schon zig Mal getroffen.

Kino für den Herbst!!!

Meine Lieben! Es ist sicher DER Film des Jahres!

WERK OHNE AUTOR feierte seine Weltpremiere im Wettbewerb der 75. Internationalen Filmfestspiele von Venedig.

 

Regie und Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck

mit: Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci

Produktion: Pergamon Film und Wiedemann & Berg Film
Deutscher Kinostart: 3. Oktober 2018
im Verleih von Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Inspiriert von wahren Begebenheiten, erzählt WERK OHNE AUTOR über drei Epochen deutscher Geschichte von dem dramatischen Leben des Künstlers Kurt (Tom Schilling), seiner leidenschaftlichen Liebe zu Elisabeth (Paula Beer) und dem folgenschweren Verhältnis zu seinem undurchsichtigen Schwiegervater Professor Seeband (Sebastian Koch), dessen wahre Schuld an den verhängnisvollen Ereignissen in Kurts Leben letztlich in seiner Kunst und seinen Bildern ans Licht kommt.

WERK OHNE AUTOR ist eine emotionale Achterbahnfahrt durch drei Epochen deutscher Geschichte, die den Wahnsinn und die Tragik des 20. Jahrhunderts anhand von drei Schicksalen beleuchtet.

Tom Schilling („Oh Boy“), Sebastian Koch („Das Leben der Anderen“) und Paula Beer („Frantz“) spielen die Hauptrollen in diesem fesselnden Drama, das tragische Familiengeschichte, flammender Thriller und eine Hommage an die befreiende Kraft der Kunst in einem ist – ein packender Kinostoff, der mitreißt und bewegt.


Geht unbedingt ins Kino, um den Film zu sehen. Er ist so gut, so rührend, so menschlich, so wahr… Im Film wird ein paar Mal wiederholt, dass wenn die Geschichte stimmig ist, in sich stimmig, ist sie auch wahr. Und wenn sie wahr ist – ist sie schön.

Es ist ein schöner Film…


Interessanterweise hat das deutsche Kino in diesem Herbst zwei weitere Filme zum Thema DDR hergestellt:

Gundermann

und

Ballon

Sie sind beide gut und interessant. Der Gundermann ist ein Bisschen wie Searching for a Sugarman. Der Ballon ist rührend und spannend.

Der einsame Wolf

und seine Kunst…

Er hat mir eine Mail geschickt:

Liebe Freund*innen der Street-Art,
ich lade euch herzlichst zur Finissage am So.,19.08.2018  um 18:00 Uhr ein

Es erwartet euch ein Vortrag mit vielen Fotos
„Einblicke in die Street-Art-Welt Berlin“
erlebt, fotografiert und vorgetragen von Lupo

Fotoausstellung von Lupo Finto noch bis 23.08.2018
“Vielfältige Street-Art-Welt Berlin”
RegenbogenCafé, Berlin-Kreuzberg
Lausitzer Str. 22
So-Fr 9:00 – 17:00 Uhr, Eintritt frei

Liebe Grüße
Lupo Finto


Lupo präsentiert in seinem Vortrag „Einblicke in die Street-Art-Welt Berlin“ unter anderem ungewöhnliche und einzigartige Street-Art der letzten 10 Jahre. Wer kennt z.B. die “Galerie Bürknerstraße”? Oder was ist “Street-Art-Fake”? Lasst euch überraschen, wie Street-Art-Künstler*innen das Stadtbild verändern bzw. kurzzeitig bereichert haben.

Ja. Alles, was Lupo in der Haupstadt findet, ist schön und interessant, meine Katze aber ist natürlich die Schönste :-). Ich habe mir dieses Bild von Lupo als Eigengeschenk schon vor ein paar Jahren zum Geburtstag gekauft…

 

Hungrige Zeiten

Es ist zu heiss zum Essen. Um die Gelegenheit zu nutzen, mache ich, nach dem Beispiel von Doktor Jackson, ein 3-Tage-Programm des Nicht-Essens. Gesundheitsfasten ist zu leichtes Wort dafür. Aber egal. Ich bin nicht zu sehr hungrig (gewesen – die 3 Tage sind schon vorbei, wenn ihr es liest), aber Hunger ist immer noch da. Und mit ihm auch laute Versuchungen, überall wo man nur hinschaut. Da wird leckeres Eis verkauft (Vanille & Marille Eismanufaktur), hier sitzt eine Frau alleine am einen kleinen Tischchen und bekommt gerade eine Kaloriebombe ganz in Altrosa und Grün, och lecker…
Ich flüchte mich nach Hause, wo zwar unter dem Dach die Temperaturen über 40 Grad herrschen, aber die Versuchung viel geringer ausfällt.
Ich werde mich hinlegen und etwas sehr leichtes lesen (leichte Kost! hahaha!), schiebe also weg alle harte Schinken (Schinken! hahaha – na ja, ich bin zwar eine Vegetarierin, aber Schinken ist, mindestens theoretisch – auch essbar) und hole mir ein Buch von Jalid Sehouli, Marakesch, das mir vorgestern Monika brachte. Sie war im Marakesch, schrieb darüber

Ich gehe unter die Dusche (3 Mal am Tag!), lege mich hin (man soll viel liegen!), trinke grünen Tee (2 bis 3 Liter am Tag!) und lese… Glaubt mir oder nicht, aber es ist ein Buch übers Essen (Entschuldige, Professor Sehouli, ich weiß, ihr Werk hat auch andere Schichten, die viel tiefer reichen)… Schon der Untertitel des Buches betrifft das Essen: Viele Geschichten in einer Geschichte oder Die besondere Geschichte der Pastilla… Und Pastilla, auch Bastilla, Bstilla oder Bsteeya (und auch wenn man es nicht weißt, erfährt man sofort, weil es ein Buch über Pastilla ist) ist etwas Essbares! Und wie! Am Ende des Buches gibt es mehrere Rezepte für Pastilla.
Pastilla, schreibt der Autor, verbindet verschiedene Aromen und ist eine Komposition aus Fleisch (und Fisch oder Milch) und knusprigen, warmen, übereinandergeschichteten dünnsten Teigblättern mit süßen Gewürzen. Das Huhn (oder Fisch und Frutti di Mare, oder Ente, oder, och je, Tauben) wird vorsichtig gekocht, die Knochen werden entfernt, das Fleisch zerkleinert und geröstete gemahlene Mandeln beigegeben. Puderzucker und Zimt runden das Gericht ab.

Der Autor isst eine Fischpastilla bei Khalid, einem marokkanischen Freund, dann fährt er nach Hamburg und in Piment, einem kleinem, elegantem Restaurant, wo der marokanische Koch gerade als Koch des Jahres gekürt wurde, isst er Pastilla mit Ente und diese beide Pastillas ändern plötzlich seine ganze Lebenseinstellung. Er ist in Deutschland geborener erster Professor (der Medizin) mit marokkanischer Familiengeschichte, total modern und westlich, und plötzlich findet er, dass ein New-York-Bild, das seine Wohnung ziert… Na ja, lassen wir es den Autor erzählen, er ist ein richtiger Geschichtenerzähler von Djemaa el Fna, den Platz der Toten, Hauptmarkt in Marrakesch, der berühmte Nachtmarkt …

Ich schaute etwas müde, aber wach genug auf das Bild und fühlte, dass es nicht das richtige Bild für meine Wohnung war. Nach dem Erlebnis mit Enten-Pastilla empfand ich, dass ich das Bild durch etwas Orientalisches zu ersetzen habe.
Am nächsten Tag erzählte ich Khalid von meiner kulinarischen Erfahrung in Hamburg und das ich ein orientalisches Bild für meine Wohnung suchte. Khalid sagte, er würde mir ein besonderes Bild besorgen.
Etwa eine Woche später erhielt ich einen Anruf: “Das Bild ist da!” Ich fuhr umgehend zu Khalid und traute meinen Augen nicht. Das Bild zeigte einen Blich auf den Markt von von Djemaa el Fna. Man schaut hindurch zwischen zwei Orangenverkäfer-Wagen, die an ältere englische Pferdekutschen erinnern und an denen frisch gepresster Orangensaft zu kaufen ist. Im Hintergrund erkennt man andere Verkaufsstände, zum beispiel einen Dattel- und Nuss-Verkäufer, weiter dahinter eine der Moscheen auf dem Platz. Der Marktplatz ist noch nicht voll, es scheint Spätnachmittag zu sein, die Zeit, wenn die Vorbereitungen für den Abend beginnen. Das Bild schien mir so vertraut, als hätte ich diesen Blick auf den markt schon seit Jahren in meinem Herzen getragen.
Etwas Besonderes an dem Bild ist auch, dass es sich dem Licht in der Wohnung anzupassen scheint. Abends hat man das gefühl, auf dem Bild sein es neunzehn Uhr; morgens kommt es mir vor wie eine Szene um acht Uhr früh.

So sind die Geschichten, die der Professor erzählt… Das Kulinarische ist dafür da, um etwas anderes erzälen zu können. Aber das Kulinarische ist nicht nur der Vorwand. Und am Ende des Buches gibt es leckere Rezepte. So viel zumindest vermute ich. Ich hungre immer noch und sowieso sind die Rezepte für Fleischfresser oder eventuell Milchtrinker… Also nichts für hungrige Zeiten einer Vegetarierin…

Heute abend auf dem Himmel

gestern schrieb ich über metaphorische Mondgöttin, heute

Klaus-Peter Schröder

schreibt über total un-metaphorische

totale Mondfinsternis über Deutschland (Reblog)

Nur selten fällt eine totale Mondfinsternis mit der günstigsten Sichtbarkeit eines äußeren Planeten zusammen: Am späten Abend des 27. Juli 2018 steht tief über dem Südosthorizont, nur knapp sechs Grad nördlich des Roten Planeten Mars, der ebenfalls rötlich leuchtende, verfinsterte Erdtrabant. Lesen Sie hier, wie Sie diesen besonderen Anblick am besten genießen können.

Am Abend des letzten Freitags im Juli 2018, zwischen 21:30 Uhr und 23:13 Uhr, ist es endlich wieder so weit: Zur Vollmondzeit tritt der Erdtrabant in den Schatten unseres Planeten ein und schimmert dann in einem kupferroten Licht. Währenddessen leuchtet nur eine Hand breit unterhalb des verfinsterten Mondes ein weiterer Himmelskörper, der ebenfalls durch eine rötliche Farbe auffällt: Es ist der Planet Mars, der nun besonders hell ist und während der gesamten Nacht über dem Horizont bleibt. Hat jeder der beiden Akteure für sich genommen schon viel zu bieten, so ist das Rendezvous am 27. Juli 2018 erst recht ein astronomisches Highlight. Bereits die Beobachtung dieses Himmelsschauspiels mit bloßem Auge verspricht Eindrücke, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten!

© Felix Nendzig (Ausschnitt)

Beim Betrachten durch ein Fernglas oder ein Teleskop zeigen sich im Umfeld des verfinsterten Erdtrabanten mehrere lichtschwache Sterne, die im gleißenden Licht des Vollmonds niemals sichtbar wären. Dies verleiht dem Anblick eine ungeahnte räumliche Tiefe. Hinzu kommt die ungewohnte Farbe des Mondes, die besonders zur Mitte der Verfinsterung, gegen 22:23 Uhr, die Blicke auf sich zieht.

Bei einer solchen totalen Mondfinsternis steht der Erdtrabant der Sonne am Himmel gegenüber: Sonne, Erde und Mond sind dann entlang einer Linie aufgereiht. Gleiches gilt an diesem Tag für den Mars: Wie der Vollmond, so geht auch er zu Sonnenuntergang im Südosten auf und zu Sonnenaufgang im Südwesten unter – man sagt, der Planet befindet sich in Opposition zur Sonne.

© SuW-Grafik (Ausschnitt)

Der Erdschatten: Gar nicht so finster

Bereits um 20:24 Uhr MESZ beginnt der Ostrand des Mondes etwas angeknabbert auszusehen. Allerdings ist diese Phase der partiellen Verfinsterung nur in den östlichen und südöstlichen Teilen Europas gut sichtbar. In Mitteleuropa erreicht der Mond erst ab etwa 21:30 Uhr ausreichende Höhen über dem Horizont und ist dann bereits vollständig in den Kernschatten der Erde eingetaucht. Erheblich besser lassen sich die partiellen Phasen der Mondfinsternis nach dem Ende der Totalität, ab 23:13 Uhr, verfolgen.

© Fred Espenak / NASA / SuW-Grafik (Ausschnitt)

Verlauf der Mondfinsternis | Am 27. Juli 2018 durchläuft der Mond den Erdschatten nahezu zentral und erscheint daher besonders dunkel. In weiten Teilen Mitteleuropas steht er ab etwa 21:30 Uhr MESZ hoch genug über dem Horizont, um in einem Fernglas sichtbar zu sein. Zu dieser Zeit ist er bereits vollständig in den Kernschatten der Erde eingetreten.

Hätte die Erde keine Atmosphäre, so wäre der Mond während der totalen Phase der Finsternis unsichtbar. Die Brechkraft der irdischen Luftschichten lenkt aber ein wenig Sonnenlicht in den Kernschatten der Erde hinein, der in Mondentfernung etwa noch zweieinhalb Monddurchmesser groß ist. Ein Astronaut auf dem Mond würde unseren Planeten in diesem Moment als dunkle Scheibe mit zwei Grad Durchmesser wahrnehmen, die sich vom umgebenden Weltraum durch einen dünnen, feurig roten Lichtsaum abgrenzt: Aus seiner Sicht würde die Erdatmosphäre von hinten beleuchtet.

Es ist dieses vom Staub und Dunst der Atmosphäre rot gefilterte Licht, in dem wir den verfinsterten Vollmond am irdischen Himmel sehen. Besonders eindrucksvoll ist der Anblick, wenn Sie ein Fernglas benutzen – denn im Vergleich zu einem herkömmlichen Teleskop bietet dieses kompakte optische Gerät den Vorteil, dass Sie mit beiden Augen zugleich hindurchsehen können. Da der Mond den Erdschatten diesmal nahezu zentral durchläuft, erscheint er während der Totalität besonders dunkel.

Das Ende der totalen Verfinsterung ist um 23:13 Uhr erreicht; etwa um 23:45 Uhr erscheint der Mond noch halb verfinstert. Was ihn dann jedoch von einem gewöhnlichen Halbmond im letzten Viertel unterscheidet, ist sein Anblick im Fernglas oder Teleskop: Im letzten Viertel fällt das Sonnenlicht nahe der Hell-Dunkel-Grenze unter einem sehr flachen Winkel auf die Mondoberfläche, so dass hier Kraterwände und Gebirge lange, schwarze Schatten werfen. Entlang der reichlich unscharfen Hell-Dunkel-Grenze einer Mondfinsternis erscheinen diese langen Schatten jedoch nicht, denn das Licht trifft ja nun weiterhin direkt von oben auf die Mondoberfläche – und nicht von der Seite, wie beim echten Halbmond.

Um 00:19 Uhr MESZ ist auch der letzte fehlende Bissen am Westrand des Mondes verschwunden; der Mond hat dann den Kernschatten der Erde vollständig verlassen. Den Kernschatten der Erde umgibt eine ringförmige, weniger dunkle Zone, der Halbschatten. Er verrät sich kurz nach dem Ende der Totalität durch eine geringe, sehr diffuse Abschattung in der Nähe derjenigen Stelle, an welcher der Kernschatten soeben noch auf den Vollmond fiel.

Seltenes Ereignis

Das schöne Schauspiel einer Finsternis tritt nicht bei jedem Vollmond ein, denn dazu müsste die Mondbahn genau innerhalb der Erdbahnebene liegen. Tatsächlich ist die Bahn jedoch um rund fünf Grad geneigt. Dies hat zur Folge, dass der Mond die Erdbahnebene während eines vollen Umlaufs an zwei Punkten durchquert: an den so genannten Knotenpunkten. Durchläuft der Mond die Erdbahnebene von Nord nach Süd, steht er im absteigenden Knoten. Ihm gegenüber befindet sich der aufsteigende Knoten, in dem er die Erdbahnebene von Süd nach Nord durchläuft.

Stellung des Mondes zur Erde | Am 27. Juli 2018 steht der Erdtrabant zur Vollmondzeit in der Nähe des Punktes, in dem er die Erdbahnebene von Nord nach Süd durchquert: im absteigenden Knoten seiner Bahn. Die nun eintretende totale Mondfinsternis wird von zwei Sonnenfinsternissen flankiert, denn rund zwei Wochen zuvor, am 13. Juli, und zwei Wochen danach, am 11. August, befindet sich der Mond zur Neumondphase nahe dem aufsteigenden Knoten zwischen Erde und Sonne. Allerdings ist keine dieser partiellen Finsternisse von Mitteleuropa aus sichtbar.

Demzufolge müsste sich der Erdtrabant zur Vollmondzeit genau in einem der Knotenpunkte befinden, damit eine Finsternis eintreten kann. Dank der Größe des Erdschattens, der in Mondentfernung mehr als zweimal so groß ist wie der Mond, genügt es jedoch, wenn der Vollmond einem der Knoten sehr nahe kommt. Zumeist läuft er aber zu weit nördlich oder südlich am Erdschatten vorbei, so dass keine Finsternis eintritt. Und selbst wenn die Bedingung erfüllt ist, kann es vorkommen, dass wir in Mitteleuropa keine Finsternis erleben können, denn schließlich muss unser Kontinent zur passenden Zeit dem Mond zugewandt sein, so dass er für uns während der Nacht über dem Horizont steht.

Beispielsweise konnten wir die totale Mondfinsternis am 31. Januar 2018 nicht sehen, weil sich Mitteleuropa zur fraglichen Zeit auf der mondabgewandten Seite der Erde befand. Meist muss ein ortsgebundener Beobachter ein bis zwei Jahre auf die nächste totale Mondfinsternis warten. Partielle Verfinsterungen, bei denen der Trabant nur teilweise in den Schatten der Erde eintaucht, sind etwas häufiger.

Günstige Sichtbarkeit mit Handikap

Unser äußerer Nachbar Mars erreicht während seiner diesjährigen Opposition einen Winkeldurchmesser von rund 24 Bogensekunden, was beinahe der größtmögliche Wert ist. Auch seine scheinbare Helligkeit ist Ende Juli maximal. Dies hat einen einfachen geometrischen Grund: Sonne, Erde und Mars liegen am 27. Juli ja aufgereiht auf einer Linie. Der Planet steht dabei nahe am sonnennächsten Punkt seiner Bahn, dem Perihel. Gleichzeitig steht die Erde im Juli noch nahe an ihrem sonnenfernsten Punkt, dem Aphel. Somit kommen sich Mars und Erde während ihrer Begegnung diesmal viel näher als in durchschnittlichen Oppositionen. Der Abstand beider Planeten beträgt am Monatsende nur rund 58 Millionen Kilometer, während er in ungünstigen Fällen bis zu 101 Millionen Kilometer betragen kann.

Doch leider gibt es einen Wermutstropfen: Auf Grund der räumlichen Lage der Marsbahn ereignen sich Periheloppositionen stets im weit südlich gelegenen Teil des Tierkreises. Am 27. Juli steht Mars im westlichen Teil des Sternbilds Steinbock, das in Mitteleuropa niemals hoch über den Horizont gelangt. Das vom Planeten kommende Licht muss somit einen relativ langen Weg durch die Erdatmosphäre zurücklegen, bevor es das Teleskop des Beobachters erreicht. Deshalb ist es auch wahrscheinlich, dass die allgegenwärtige Luftunruhe die Sichtbarkeit feiner Details deutlich einschränkt.

Oppositionsschleifen von Mars, Saturn und Pluto | Die hellen Planeten Mars und Saturn tummeln sich derzeit im südlichen Teil der Ekliptik, in den Sternbildern Steinbock beziehungsweise Schütze. Hier, vor dem sternreichen Hintergrund der Milchstraße, zieht auch der lichtschwache Zwergplanet Pluto seine Bahn.

Unser roter Nachbar im Teleskop

© NASA / USGS (Ausschnitt)

Landkarte unseres Nachbarn | Viele der hellen und dunklen Gebiete, die auf diesem Gesamtbild der Marsoberfläche sichtbar sind, lassen sich unter günstigen Bedingungen schon in einem Amateurteleskop erkennen. Die Karte entstand aus Aufnahmen der NASA-Sonden Viking Orbiter 1 und 2, die den Roten Planeten ab 1976 mehrere Jahre lang erforschten.

Der Mars benötigt für eine volle Umdrehung rund 37 Minuten länger als die Erde. Beobachtet man ihn also täglich zur gleichen Uhrzeit, dann bemerkt man von Nacht zu Nacht eine kleine Verschiebung der Oberflächenstrukturen. Dem Zeitunterschied entspricht im Gradnetz des Mars ein Längenunterschied von rund neun Grad, so dass allmählich neue Gebiete auf den sichtbaren Teil der Marsscheibe vorrücken. Besonders deutlich wird dies, wenn das große, dunkle Hochplateau Syrtis Major auf der Vorderseite des Planeten angelangt ist. Diese Region wurde bereits im Jahr 1659 von dem niederländischen Physiker und Astronomen Christiaan Huygens (1629–1695) entdeckt. Schon in den ersten Julinächten wird sie kurz nach Mitternacht sichtbar sein.

Dunkles Gebiet auf dem Mars | Auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten Mars zeigen sich im Teleskop dunkle Gebiete. Am auffälligsten ist die Region Syrtis Major. Reinhard Neul fotografierte sie am 16. April 2014. Am 27. Juli 2018 steht der Rote Planet in Erdnähe.

Ein weiterer Leckerbissen ist die weiße Polkappe auf der uns zugeneigten Hemisphäre des Mars. In den Monaten vor der Opposition verringert sich ihre Ausdehnung im Verhältnis zum zunehmenden scheinbaren Marsdurchmesser, denn auch auf dem Mars gibt es Jahreszeiten. Ein Rotfilter verstärkt bei solchen Beobachtungen die Kontraste der Bodenformationen, weil das von der Oberfläche reflektierte rötliche Licht den bläulichen Dunst der darüberliegenden Atmosphäre besser durchdringt.

Keine technische Maßnahme hilft allerdings gegen einen Staubsturm auf dem Mars, der sich binnen ein bis zwei Wochen wie ein gelbes Tuch auf dem Planeten ausbreiten kann und dann den Blick auf die Oberfläche verhindert. Gerade in den Periheloppositionen kommen solche Stürme häufiger vor, weil die nun stärkere Sonneneinstrahlung mehr Energie in die Marsatmosphäre pumpt – ein Effekt, den wir beim Blick auf unseren atmosphärelosen Mond nicht befürchten müssen.


Der Autor ist Professor für Astrophysik an der Universität Guanajuato in Zentralmexiko. Als Student beobachtete er über viele Jahre hinweg regelmäßig mit dem eigenen Teleskop; heute sind die stellare und solare Aktivität seine Forschungsschwerpunkte.

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Nico, eine Mondgöttin

Sie liegt auf dem Selbstmörder Friedhof in Berlin begraben, obwohl sie gar keine Selbstmörderin ist, sondern ist auf Ibiza vom Fahrrad gefallen und gestorben. Am 18. Juli 1988.

Nico…

Von Andy Warhol entdeckt, kam sie zu Ruhm als weib­liche Stimme des ersten Albums von The ­Velvet Underground  und, wie Berliner TIP behauptet, werden ihre Soloplatten bis heute immer dann angehört, wenn man einmal so richtig tief depressive Musik hören möchte.

Sie war vielleicht keine Selbstmörderin, das ja, aber, na ja, sie war heroinsüchtig und depressiv, wirkte selbstzerstörerisch und ihr Leben war zu letzt lediglich ein Haufen dubiöser Umstände…

Ihr Grab ist eine Pilgerstätte für viele ihre todessehnsüchtigen Fans aus aller Welt, die dort eine Blume, aber auch einen Joint, eine Schnapsflasche oder eine ­Heroinspritze niederzulegen pflegen.

Anne Schmidt

schrieb über sie zum Buss- und Bettag letztes Jahres…

Es gibt Gräber, die muss man suchen, wenn man sie besuchen will.

Sie wurden anonym angelegt, weil die dort begrabenen Personen mit ihren Geschichten zur Zeit ihres Todes als Aufrührer oder gar Verbrecher galten, deren Gräber keinesfalls zu Pilgerstätten werden sollten.

Andere wiederum wünschten sich schon zu Lebzeiten ein idyllisches Plätzchen an einem weltfernen Ort für ein ewiges Ausruhen nach einem ruhmreichen, turbulenten,

Christa Päffgen, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen „Nico”, hatte sich schon in noch unbeschwerten Jugendjahren den Waldfriedhof am Schildhornweg im Grunewald als letzten Ruheort ausgesucht. Dort findet man auf einem Grab unter dem Stein mit ihrem und dem Namen ihrer Großmutter ein gerahmtes Foto von ihr, das in ihrer glücklichen Zeit als Sängerin und Muse von Jim Morrison gemacht sein dürfte.

Wie lange man sie dort noch besuchen kann, ist der Wilmersdorfer Gemeinde überlassen, die den Friedhof aus Kostengründen schließen will.

Die russichen Selbstmörder, nach denen der Friedhof benannt ist, die vielen Toten einer Bombennacht im Jahre 1945 würden dann genau wie Nico und Rolf von Zukowsky umgebettet werden müssen oder dem Verfall preisgegeben werden.

Die Wildschwein rotten um den Friedhof herum, warten schon jetzt auf ein Offenlassen der Pforte.

Foto Elżbieta Kargol


Im Kino gibt es jetzt ein Film über sie. Ein, wie TIP Berlin es bezeichnet, beeindruckendes Biopic über die Spätphase der gefeierten Popikone: Nico, 1988.
I/B 2018, 93 Min., R: Susanna Nicchiarelli, D: Trine Dyrholm, John Sinclair, Anamaria Marinca.
Eine Geschichte über zwei letzte Jahre Nicos Leben.
Trine Dyrholm, die Nico spielt, singt im Film alle Lieder selbst.

Der Film ist fantastisch. Und es gibt gar eine merkwürdige halluzinatorische Vision Polens AD 1987 im Film. Polen an Allen Toten Tag.

Zwei ihre Aussagen, die sich einem für eine Ewigkeit einprägen.
– Bin ich hässlich? Ja? Gut. Ich war sehr unglücklich, als ich schön war.
Und
– Ich war ganz oben und ich war ganz unten. Auf den beiden Orten ist man verdammt allein.


Im TIP erzählt der Musiker Lüül (Lutz Graf-Ulbrich) über seine einstige Liebe und ihr Grab. Er war Musiker der Berliner Krautrockbands Agita­tion Free und Ashra, Mitglied des Kollektivs 17 Hippies – und Nicos ehemaliger Gitarrist und Liebhaber.

„Es gab niemanden, der etwas Vergleichbares machte“, sagt Lüül. Er hat ein Buch geschrieben über seine Jahre mit Nico und es „Im Schatten der Mondgöttin“ genannt. Darin beschreibt er seine erste Begegnung mit ihr in der Pariser Opéra Comique 1973: „Nur ein Scheinwerfer. Dann kam sie. Nico. Überirdisch. Unnahbar schön. Allein mit ihrem indischen Harmonium.“ Magisch hat das damals auf Lüül gewirkt. Ja, und auch er hat sie angehimmelt. „Sie war ­sagenumwoben“, erinnert er sich. Wie von einem Nebelschleier umgeben, all die Geschichten, die man so von ihr erzählte und die sie über sich selbst erzählte, blieben vage, halb erlebt, halb erdacht. Die Kult- und Kunstfigur Nico lebte von ihrer Aura und dem Mysterium, das sie um sich herum schuf. „Sie war unergründlich“, sagt Lüül.

Schleierhaft ist ihm bis heute auch, weshalb sie sich ausgerechnet ihn ausgesucht hat, damals bei der ­Party des gemeinsamen Managers Assaad und später im Backstage-Zelt eines Festivals in Frankreich. Weshalb sie sich im Hotel vor ihm auszog und nackt aufs Bett legte. Vielleicht waren sie sich ja doch gar nicht so fern: Sie aufgewachsen in Schöneberg, im KaDeWe als Model entdeckt, er Musiker aus Charlottenburg, beide Kinder des Nachkriegsberlins. So jedenfalls kam die Mondgöttin ins Leben des 14 Jahre jüngeren Lutz Ulbrich und verlieh ihm ungeahnte Größe. Es folgte: „die wilde Zeit“. Ein Leben aus dem Koffer, von Paris nach Amsterdam, immer dem billigen Heroin nach, die Konzertreisen durch die USA. Apropos Heroin: Es machte sie selbstsicherer, sagt Lüül, aber auch selbstsüchtiger. „Sie war die egozentrischste Person, die ich je kennengelernt habe. Alle halten sie ja so hoch, aber hey, sie war auch eine Bitch! Sie hat Menschen betrogen.“ Doch so wie sie nicht vom Heroin loskam, kam er nicht von ihr los.

Dann das große Finale im Chelsea Hotel, New York. Einem Drehbuchautor würde man diese Szene wohl aus seinem Skript streichen, weil maßlos übertrieben: Nico auf Methadon und Alkohol, es kommt zum Streit, ein Bügeleisen fliegt durchs Fenster (Lüül: „Ich hätte es sonst voll in die Fresse gekriegt.“), sie spuckt ihm ins Gesicht, er würgt und schlägt sie, bis sie fällt und liegen bleibt (Lüül: „Ich dachte schon: Jetzt biste ein Mörder!“), doch sie lebt, die Polizei kommt, der Vorhang fällt. Im wahren Leben geht die Geschichte weiter, die beiden bleiben „in Freundschaft verbunden“, wie man so sagt, sie singt das Lied „Reich der Träume“ für ihn ein, er organisiert ihr letztes Konzert im Planetarium Berlin, sechs Wochen vor ihrem Tod, von dem Lüül am Telefon erfährt. Am 18. Juli 1988 fällt sie in Ibiza vom Fahrrad. Gehirnblutung.


Ein Kinotrailer, huch, so was habe ich noch nie gesehen. Ist 20Uhr51, ich klicke den Trailer an und lese eine merkwürdige Zeile: Aus jugendschutzrechtlichen Gründen darf dieser Trailer nur zwischen 23:00 Uhr und 06:00 Uhr abgespielt werden. Sogar den link zum Trailer kann man vor 23 Uhr nicht kopieren…

Hmmmm… Na egal… Der Trailer