Im Stil von Frank O’Hara (2)

Ewa Maria Slaska

Rapport von einer Reise

Ich kam aus dem Land der Poeten und Propheten

Eines Tages kam ich nach Berlin
Hierher
Es war Januar
Es war kalt
Mein Sohn war klein
Und ich war jung

Eines Tages kam ich nach Berlin
Hierher
ins Land der Dichter und Denker
ins Land von Hermann Hesse und Thomas Mann

Es war das Jahr 1985
Die die in diesem Jahr kamen
waren keine Helden
mehr
Und keine „liebe polnische Gäste“
mehr

Es war das Jahr 1985
Die die in diesem Jahr kamen
waren keine Europäer
noch
und keine Bereicherung unserer Multikultur
noch

Sie waren
Sie waren
Sie waren Putzfrauen und Bauarbeiter
Sie waren
Ich auch

Ich kam ins Land das
von den Dichter und Denker
nichts wusste
mehr
und von Richter und Henker
nicht wissen wollte
noch

Ich kam ins Land
wo keiner mehr Hesse und Mann las
weil man nur Frauen las
die schrieben
Mary Daly Julia Kristeva Susan Sonntag

Und natürlich Alice Schwarzer
noch

Es war kalt
der Winter was coming
and coming

Ich brauchte etwas warmes
und ich wusste nicht
was

Ich dachte es wäre Essen
Pfannkuchen
Krapfen
Blini

Ich dachte mir fehlen
Waffeln
Nuddeln
und Piroggi

Meine Welt war ein kalter Punkt
von Italo Calvino

Wir waren alle Bewohner des Null-Raums. Es war kalt.

Selbstverständlich befanden wir uns alle dort, sagte der alte Qfwfq – wo den sonst? Dass es einem Raum geben könne, wusste noch keiner. Ebensowenig eine Zeit. What use did we have for time, packed in there like sardines? Es war ein Punkt, in dem sie alle waren und alle ihre Dingen, und Sachen, und Taten. Wir fühlten alle diesen Punkt aus. Alle unsere polnischen Ellbogen und Knie.

Und dann sagte Frau Ph(i)Nkos mit einemmal: Kinder, wenn ich ein bisschen Raum hätte, wie gern würde ich euch Nudel machen. Und in dem Augenblick dachten wir alle an dem Raum, den ihre runden Arme einnehmen würden, sich vorwärts und rückwärts mit dem Nudelholz über den Teig beugend, wie ihre Brust (ich war jung) sich über den Haufen Mehl und Eier senken würd, der das große Nudelbrett fühlte, während ihre Arme kneteten…

Und so ist die Welt entstanden. Felder zum Anbau des Getreides, Berge von denen das Wasser käme, Raum, der nötig wäre, damit die Sonne mit ihren Strahlen hinkäme, Raum damit die Sonne sich kondensiere… Die Sonne, um mich zu wärmen.

Und so kam ich in die Regenbogenfabrik
Wo ich Blini briet
Salate mischte
Nudel mit Nudelholz
vorwärts und rückwärts
walzte

So ist der Raum entstanden

Wo eine Frau mich in die Regenbogenfabrik holte

Vor 20 Jahren war es
oder gar 30
Und so war es
auch wenn sie behauptet
es waren höchstens 12 Jahre
oder sagen wir Mal
17

Und wir kochten
Und aßen
Und badeten
Und lasen Bücher
Und redeten oder schwiegen
Und machten
Und organisierten
Vorwärts und rückwärts
Vorwärts und rückwärts
Vorwärts und rückwärts

Die Zeit wuchs
und sich dehnte
und dehnte
Mit Puderzucker
bestreut

Sie war und ist
meine einzige dicke wahre warme deutsche Freundin
deutsch-polnisch
Wie Maultaschen und Piroggi
Wie Karpfen und Pączki
Wie deutsch-polnische Waffeln

Und eisgekühlte wyborowa

Danke Christine!

waflwRF

PS.

Dieses Gedicht trug ich am 17. März 2016 in der Regenbogenfabrik vor und dabei machte ich (live auf der Bühne) die Waffeln, natürlich mit Puderzucker bestreut. Es war ein Teil eines wunderschönen Abends zum 35sten Geburtstag von der Regenbogenfabrik und zugleich ein Teil des Festivals “Berlin erzählt!”

Werbung:

Wir stehen (zeitlang mindestens) auf der RBF-Kulturwebseite mit dem Link: http://www.regenbogenfabrik.de/kultur-news-anzeigen/aufbrechen-ankommen-weitersuchen.html

Hier ist der Link zum Erzählnetzwerk Berlin, dessen Festival “Berlin erzählt!” unser Programm umrahmt: http://www.berlin-erzaehlt.de/2016_veranstaltungen.htm

128 (Reblog)

Für Dorota Kot mit dem Dank für ihr Geschenk zum Frauentag 🙂

coverfrauen128128 ist das Magazin der Berliner Philharmoniker, entsprechend der Anzahl der Musiker des Orchesters. Das Magazin widmet sich aktuellen Debatten aus der Welt der Klassik, berichtet über die Berliner Philharmoniker und bespricht kulturelle Themen über den philharmonischen Kosmos hinaus. Es erscheint 4-mal pro Jahr in der Auflage von 15.000 Exemplaren.

Die Nr. 1 im Jahre 2015 wurde den Frauen in der Klassik gewidmet, Sängerinnen, Komponistinnen, aber auch Musikjournalistinnen. Eine von ihnen, Eleonore Büning, schrieb einen Text, der mich heute, ein Jahr später, als ich ihn gelesen hat, sehr stark getroffen hat. Online habe ich ihn nicht gefunden, ich fotografiere also, lasse durch OCR laufen und korrigiere. Eine Arbeit, sage ich Euch.

bueningbeethoven winietaES IST SCHON EIN PAAR JAHRE HER. Bei einem  Beethoven-Symposion an der amerikanischen Ostküste lernte ich einen Armvoll neuer, verrückter Theorien kennen, die Musik betreffend, die ich liebe. Damals war der Begriff Genderstudies in Deutschland noch nicht in  Gebrauch, aber in der Neuen Welt hatte Susan McClarys  Buch ››Feminine Endings‹‹ längst Furore gemacht und  eine Fülle an weiteren Grundlagenforschungen zum Sexismus in der Musik nach sich gezogen. Nur für die Praxis  war dies vorerst noch folgenlos. Nach wie vor wurde das  New York Philharmonic von einem kurzen, rundlichen  und – streng gendermäßig sowie unter Vermarktungsgesichtspunkten doch eher unauffälligen – männlichen Dirigentenexemplar angeleitet; wohingegen die Person,  die den Solopart des Beethovenschen Klavierkonzertes am Flügel bestritt, wie so oft weiblich, gertenschlank, höchst  attraktiv und in Glitzerstoff verpackt war. Auch hierzulande  gab es vorerst nur zwei weibliche Dirigenten,  also etwa 0,1 Prozent, die es geschafft hatten, ein eigenes Orchester zu leiten. Sie hießen Pfund und Mounk. In Boston sagte man mir, Beethoven sei schuld an dieser beklagenswerten Quote.
Ein male chauvinist par excellence, habe Beethoven  eine virile Instrumentalmusik geschaffen, die, postum  weltweit durchgesetzt und zu einem Leitbild für andere  Komponisten, ja, zur Alphatier-Musikform eines neuen  Klassikzeitalters geworden, Ausdruck eben dessen sei:  frauenfeindlich. Die Durchführung des ersten Satzes der  Neunten wurde analysiert als die gewalttätigste Episode der Musikgeschichte überhaupt. In der Struktur der

Sonatenhauptsatzform, wie sie den meisten ersten Symphoniesätzen seit Beethoven zugrunde liegt, mit ihrem männlichen und weiblichen Thema, erkannte man den Reflex der hierarchischen Denkformen einer männlich dominierten alten Welt, welche demnächst dem Untergang geweiht sei. Und sogar die hehre Idee der absoluten Musik entpuppte sich, mit ihrer philosophisch unterfütterten Meinungsherrschaft, als ein verkapptes Unterdrückungsinstrument.
Natürlich konnte ich, nachdem ich zurückgekehrt war, Beethovens Neunte oder auch Schumanns Vierte nicht mit anderen Ohren hören als zuvor. Ich sah auch nicht plötzlich weniger Musikerinnen in den großen Symphonieorchestern herumsitzen, es wurden, im Gegenteil, nach und nach immer mehr. Hier hatten administrative Gleichstellungsmaßnahmen offenbar teilweise Erfolg. Es gibt mittlerweile Orchester, bei denen Probespiele hinter einem Vorhang stattfinden, womit die Fragen, ob Frauen emotionaler phrasieren oder Männer sich von Geigerinnendekolletés ablenken lassen, ebenso obsolet geworden sind wie die, ob ein Kontrabassist den Betriebsablauf stört, wenn er seine Tage hat. Geschlechtszugehörigkeit ist kein relevantes Kriterium mehr für die (Nicht-)Einstellung. Für die Beförderung aber mitunter doch noch.
Auch di Zahl der Dirigentinnen hat sich seither vervielfacht, in der laufenden Opernsaison haben zum Beispiel gerade drei neue junge Generalmusikdirektorinnen im deutschsprachigen Raum ihre Arbeit aufgenommen. Trotzdem ist die Quote hier immer noch mies. Was Führungspositionen anbelangt, hinkt der Musikbetrieb anderen Kulturbereichen mit kreativem Personal hinterdrein. Es gibt ganz selbstverständlich erfolgreiche Museumsdirektorinnen, Intendantinnen, Pilotinnen, Regisseurinnen. Wir haben eine Kanzlerin. Eine Verteidigungsministerin. Aber eine Wunschkandidatin für die Rattle-Nachfolge? Die ist so was von nicht in Sicht, dass ich mich selbst ein bisschen auslachen muss in dem Moment, da mir der Gedanke kommt und ich ihn aufschreibe.

Nur, was kann Beethoven dafür? So durchgeknallt, wie mir diese Frage einst vorkam, ist sie vielleicht doch nicht. Einerseits wird der Kanon des Orchester-Repertoires, dieser großartige erfolgreiche Fortsetzungsroman der Symphonie, von Überwältigungsmetaphern und antagonistischen Prinzipen geradezu durchwuchert. Überall tummeln sich Helden. Fast alle groß besetzten, öffentlichen Instrumentalmusiken des 19. und 20. Jahrhunderts berichten von Märschen, Kämpfen, Opfern, Krieg und Sieg, Überwindung und Apotheose, das reicht von Beethoven über Mahler bis Schostakowitsch. Gewiss ist das genuin kein Genderproblem, eher ein wie auch immer gebrochener Spiegel der realen Zeitläufte, und betroffen sind von solchen politischen und sozialen Erschütterungen Männer, Frauen und Kinder gleichermaßen. Allerdings werden Kriege nicht von den Krankenschwestern geführt, sondern von Generälen. Auch in diesem gesellschaftlichen Bereich ist Gleichberechtigung noch lange keine Selbstverständlichkeit.
Dagegen herrscht sie in der Vokalmusik zu fast hundert Prozent, zumal in der Gattung Oper schon seit über vierhundert Jahren (oder, enger gerechnet, wenigstens seit die letzten Kastraten, immerhin auch eine Art Mann, haben abtreten müssen). Madrigalkomponistinnen reüssierten in der Renaissance. Operndiven regierten die Barockoper, und sie gaben diese Führungsrolle auch nicht auf in der französischen Revolutionsoper, in der Grand Opéra, im Belcanto, bei Rossini, Donizetti, Verdi und Wagner, wo die stärkste Figur, die am Ende fackelschwingend übrig bleibt, Brünnhilde heißt, nicht Siegfried.
Dieser Siegfried ist ein Kindskopf, Wotan impotent. Von der Oper lernen, heißt siegen lernen. Möglicherweise war es also doch kein Zufall, dass ausgerechnet Beethoven, der Held der absoluten Instrumentalmusik, nur ein einziges Werk zu dieser zukunftsträchtigen Gattung hat beisteuern können, und das auch noch unter heftigen Wehenschmerzen. Doch drückte er dabei, und das war gut so, der Frau die Pistole in die Hand.

Ach, diese Mutter (Reblog)

OmaIch komme nach Hause, ein Donnerstag am späten Nachmittag, Weihnachten ist längst vorbei, mein Sohn wird erst in Monaten sechs. Es gibt keinen Grund auf der Welt, weshalb er gerade jetzt beschenkt werden sollte und doch liegt da ein neuer Lego-Karton auf dem Tisch. „Ninjago-Masters of Spinjitzu“, ein Set mit zwei futuristischen Motorrädern und einem Fluggerāt für Lego-Ninjas. Meine Laune erreicht einen Tiefpunkt. Während der Sohn in der Küche das neue Spielzeug zusammenbaut, mache ich meiner Mutter im Wohnzimmer Vorwürfe, es mündet im Streit und schlechter Stimmung. Der Abend ist hin. Oma geht eingeschnappt, der Kleine bekommt das natürlich mit! Ich bin jetzt der blöde Papa, der Konflikt erstreckt sich plötzlich über drei Generationen.

Warum muss sie ihn beschenken? Erst letzte Woche bekam er nach einem Besuch im Museum für Naturkunde einen Plüschdino und drei Plastikdinos in einer Gipsplatte zum selbst Rausbuddeln. ,,Das ist was für kleine Archäologen und weil ihm ,Tristan’ so gut gefallen hat”, erklärte meine Mutter. Diesmal die Ninjas. Es gibt immer irgendeinen Grund, irgend- eine Ausrede. Mal sind es Treuepunkte, die es einzulösen gilt oder eine ,,Bekannte“ hat das Geschenk vorbeigebracht, manchmal wurden die neuen Dinge ,,gefunden“.

Auch ich hatte früher Oma-Tage, kann mich aber nicht daran erinnern, derart verwöhnt worden zu sein. Meist wurde vorgelesen oder gekocht. Reicht auch. Wollte ich irgend- was „außer der Reihe“, musste ich es mir quasi ,,erkämpfen”. Das klingt nach „früher war alles besser“ und deshalb doof, ist aber so! Man sollte es dem Nachwuchs heute nicht zu einfach machen, zumal Konsum, Materialismus und Nachhaltigkeit für uns moderne Großstädter in der nördlichen Hemisphäre ja grundlegende Lebensthemen sein sollten, die es verantwortungsvoll seinen Kindern näher zu bringen gilt.

Omas neigen wohl dazu, sich einzumischen, Erziehungstipps zu geben und alles besser zu wissen! Bei meiner Mutter ist es der Schenkzwang, mit dem sie sich beim Enkel beliebt machen will. Doch statt die Sache zu durchschauen, locker zu bleiben und entspannt mit dem Ganzen umzugehen, reagiere ich über, werde aggressiv und streitsüchtig. Dann kommt der Ärger über mich selbst, weil „ich” doch recht habe und dann finde ich mich rechthaberisch, was mich wieder ärgert. Würde ich Ratgeber lesen, was ich nicht tue, Würde man mir Vermutlich raten, mit meiner Mutter zu sprechen: Wunderwaffe Kommunikation. Aber versuchen Sie mal mit einer Oma, die zu sehr schenkt, vernünftig zu diskutieren. Ich habe es versucht, es funktioniert nicht. Kinder hören nicht auf ihre Eltern, Eltern hören nicht auf ihre Kinder, jeder macht was er will und bei Lego klingelt die Kasse.

Geld und Ressourcen werden verschwendet, das Kinderzimmer wird immer voller, kistenweise stapeln sich dort Autos, Comics, Bücher, Kuscheltiere, Lego, Duplo, Playmobil. Es ist nie genug. Gespielt wird damit kaum. An den eigentlichen Geschenk-Anlassen, ist das Kind kaum noch zu begeistern, es erstickt im Überfluss. Ich komme nicht weiter, muss an Waldsterben und verseuchte Ozeane denken und trage voller Schuldgefühle bezüglich Klimawandel, Kindererziehung und der Beziehung zu meiner Mutter, alle paar Wochen das Zeug heimlich in den Keller. Schwache Lösung, aber aus den Augen aus dem Sinn hilft zumindest fürs Erste!

Apel w sprawie uchodźców / Appel um Unterstützung für Flüchtlinge

deutsche Version – bitte nach unten scrollen

Szanowni Państwo, Drodzy Przyjaciele, Koleżanki
i Koledzy, Znajomi i Solidarni Ludzie!

Zwracam się z apelem o wsparcie akcji dobroczynnej na rzecz uchodźców. Akcja polega na zbieraniu datków pieniężnych, różnego rodzaju talonów, bonów, darmowych wejściówek na baseny, do akwarium, do ZOO, do muzeum, na wystawy, na koncerty, etc. Szczególnie ważne dla dzieci: np. do Legolandu, na Wieżę Telewizyjną, FEZ (Freizeit und Erholungszentrum), na przedstawienia tetralne (np. kukiełkowe) i wszlkiego rodzaju imprezy umilające życie i pozwalające oderwać się od monotonności pobytu w ośrodku dla uchodźców. Od dwóch miesięcy pracuję w takim ośrodku w dzielnicy Weißensee przy Woelckpromenade 11. Określenie ośrodek jest moim zdaniem zbyt przesadne. Jest to po prostu szkolna hala sportowa zaadaptowana na potrzeby ok 100 osób. Krótko mówiąc brakuje wszystkiego. Grono wolontariuszy robi co może by urozmaicić mieszkańcom czas, jednak większości nie stać na korzystanie z ogólnie dostępnych form rozrywki i rekreacji.

Jeśli jesteście gotowi wesprzeć akcję, proszę pamiętać o tym, że do większości aktywności potrzebna jest zawsze osoba towarzysząca, w przypadku dzieci osoba dorosła, niekiedy dwie gdyż oprócz rodzica nieodzowna jest osoba znająca język, miasto i jego rytm. Byłoby świetnie, by osoby te miały również zapewnione np. darmowy wstęp. Akcja ta jest moją prywatną inicjatywą. W porozumieniu z Polską Radą Społeczną, której byłem wieloletnim pracownikiem i wciąż jestem jej członkiem, uzgodniliśmy, że najprościej będzie ewentualne datki pieniężne przelewać wpłat darowizn na konto tej właśnie organizacji:

Polska Rada Społeczna
http://www.polskarada.de
Oranienstraße 34, 10999

Tel.:     0049 30 / 6151717 
Fax:     0049 30 / 61659288 
E-mail: polskarada@polskarada.de

Konto:
Polnischer Sozialrat e.V.
Deutsche Kreditbank AG Berlin
IBAN: DE 5512 0300 0000 1838 8306
BIC: BYLADEM 1001

Tytuł przelewu: Filet-Refugees

W przypadku talonȯw, bonȯw, wejściówek itp. proszę o kontakt ze mną lub o przysyłanie mi ich na mój prywatny adres, albo poinformowanie mnie gdzie można je ewentualnie odebrać. Możliwość odbioru „przy wejściu/kasie” jest też do przyjęcia. Wraz z Polską Radą Społeczną gwarantujemy uczciwość i wgląd do dokumentacji wszystkich wydatków. Proszę nie czuć się zobowiązanym do odpowiedzi/odzewu na mój apel. Proszę również o powstrzymanie się od komentarzy negujących słuszność mojej inicjatywy.

Z serdecznym braterskim pozdrowieniem „aby do wiosny!”
Andrzej filet Fikus
Mobil: 0172 32 10 815
filetosz@yahoo.de

refugees-welcome

Naszywka na swetrze sfotografowana podczas urodzin przyjaciółki / gesehen bei einem Geburtstag (Foto EMS)

An alle Damen und Herren, Freunde und Kollegen und solidarischen Mitmenschen,

die Flüchtlingskrise hat bereits seit längerem Berlin erreicht und rückt die Multikulturalität der Stadt mit seinen vielen Herausforderungen, aber auch Chancen immer mehr in unser tägliches Bewusstsein.

Persönlich wird mir dies seit meiner Arbeit in einer Unterkunft in Berlin Weißensee immer deutlicher. In dieser sogenannten provisorischen ‘Unterkunft‘ in einer ehemaligen Schulsporthalle fehlt es an allem. Vor allem aber an Abwechslung vom tristen und monotonen Alltag und der Bewältigung von Traumata und Flucht.

Gemeinsam mit euch möchte ich bei der Integration dieser Menschen mithelfen und durch kleine Lichtblicke ihr Leben in der Fremde aufhellen und mit Lebensfreude füllen.

Diese Lichtblicke können in Form von euch eingereichten Gutscheinen, Spenden bzw. Eintrittskarten für sportliche, kulturelle und ähnliche Aktivitäten geschehen. Egal ob Tickets für den Besuch im Schwimmbad, Zoo, Museum, Aquarium, Legoland, FEZ (Freizeit- und Erholungszentrum), Theater, Fernsehturm oder Kino – mit jedem eingereichten Ticket oder Gutschein können wir Kinder- und Elternherzen höher und glücklicher schlagen lassen.

Anregungen und Ideen für Ausflüge oder Freizeitangebote in Berlin könnt ihr unter

www.visitberlin.de/de/erleben finden.

Bitte denkt auch an Begleiter wie Übersetzer oder Kinderbetreuer, denen ein Eintritt mit einem Gutschein oder gekauftem Ticket erleichtert werden kann.

In freundlicher Zusammenarbeit mit dem Polnischen Sozialrat wurde für alle eingehenden finanziellen Unterstützungen ein Spendenkonto bereitgestellt.

Adresse und Kontodaten hierfür sind wie folgt:

Polska Rada Społeczna
Oranienstraße 34, 10999 Berlin
www.polskarada.de
Tel.: 0049 30 / 6151717 Fax: 0049 30 / 61659288
E-mail: polskarada@polskarada.de
Spendenkonto
Empfänger: Polnischer Sozialrat e.V.
Bankinstitut: Deutsche Kreditbank AG Berlin
IBAN: DE 5512 0300 0000 1838 8306
BIC: BYLADEM 1001
Betreff: filet-refugees

Gespendete Gutscheine können außerdem an meine Postadresse geschickt bzw. bei der Kino- oder Theaterkasse etc. hinterlegt oder von mir persönlich bei euch entgegen genommen werden. Bitte zögert nicht, mich bei Rückfragen zu kontaktieren oder per Mail mit mir in Kontakt zu treten.

Persönliche Daten:

Andrzej Fikus
Böhmische Str. 48/ II
12055 Berlin
Tel. 030/ 61 35 900
Mobil: 0172 32 10 815
E-Mail: filetosz@yahoo.de

Alle Spenden werden von mir und dem Polnischen Sozialrat ehrlich und transparent behandelt und zu 100% für die oben beschriebenen Aktivitäten verwendet werden.

Dieser Aufruf soll keine Verpflichtung zum Spenden darstellen, sondern Anstoß zum Helfen und Nachdenken geben.

Ich bitte außerdem von Kommentaren, bezüglich dieser Aktion abzusehen und appelliere an eure Mithilfe, Solidarität und Gemeinschaftsgefühl.

Ich verbleibe mit solidarischem Gruß und ‘aby do wiosny‘.

Solidarność według Kobiet / Frauen und Solidarność

Die unsichtbaren Frauen: Solidarność, polnischer Feminismus und das Feindbild „Gender“
Filmabend und Diskussion
Frauen der Solidarność (OmU, Polen, 2014) Reg. Marta Dzido, Piotr Śliwowski

Letztes Jahr feierte Polen 25 Jahre Freiheit. „Solidarność“ hat grammatisch das weibliche Geschlecht, trägt aber ein männliches Gesicht, und die dominante Erzählung über den antikommunistischen Widerstand verschweigt die Beteiligung der Frauen an der Bewegung. Die Geschichte dieser unsichtbaren Frauen hat jedoch bis heute Auswirkungen auf den polnischen Feminismus. Wie kann die Geschichte der Frauen im und gegen den Kommunismus rekonstruiert bzw. wiedergewonnen werden? Hat der Triumph der Solidarność im Jahr 1989 den polnischen Frauen Befreiung gebracht? Und wie geht es weiter mit Frauenfragen im heutigen Polen, wo die aktuelle Regierung die „Gender-Ideologie“ zum Feindbild macht?

Kommentar zum Film und Einführung in die Online-Ausstellung „Women under Communism“ von Ewa Maria Slaska (Autorin und Journalistin) und Prof. Dr. Magdalena Waligórska (Universität Bremen)

Solidarnosc in RBF7xx
Der Film widmet sich den polnischen Frauen, die sich in den 1980er Jahren in der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc engagierten und damit zur politischen Wende 1989 beitrugen. Doch im kulturellen Gedächtnis Europas ist der Beitrag dieser Aktivistinnen nahezu ausradiert und in der Geschichtsschreibung sozialer Bewegungen wird der politische Aktivismus beteiligter Frauen häufig ausgeblendet. Stattdessen wird Bewegungsgeschichte auf männliche Akteure verkürzt. So auch im Falle der Solidarnosc, der größten Oppositionsbewegung im kommunistischen Osteuropa, die in ihren besten Zeiten zehn Millionen Mitglieder zählte, davon die Hälfte Frauen. Obwohl die Gewerkschafterinnen Seite an Seite mit ihren männlichen Kollegen für eine Demokratisierung der Gesellschaft kämpften, ist kaum eine der rund fünf Millionen Frauen aus der Solidarnosc namentlich bekannt. Und das, obwohl es gerade die Frauen waren, die in den Jahren nach der Verhängung des Kriegsrechts und dem Verbot der Gewerkschaft 1981 konspirative Strukturen aufbauten. Innerhalb der Gewerkschaft blieben ihnen Führungspositionen verwehrt, und 1989 saß lediglich eine einzige Frau aus der Solidarnosc bei den Verhandlungen mit am „Runden Tisch”. Der Film begibt sich auf Spurensuche nach den vergessenen Aktivistinnen.
D. Brunow, Feministische Studien

In Zusammenarbeit mit Städtepartner Stettin e.V.

Veranstalter Solidarnosc

Zum Frauentag organisiert Regenbogenkino beginnend am 3. März eine Reihe mit den Filmen zum Thema Migrantinnen / Frauen in anderen Ländern und Kulturen.

Siehe

Die Badende von Ingres und die Steckdose


Maryna Over erinnerte uns an Die Badende von Ingres, ein Bild gemalt im Jahre 1808 von einem der wichtigsten Maler des Romantismus. Ich schaute mir das Bild genau an und – plötzlich! – dachte ich, dass ich an der Wand, zwischen dem Bett rechts und den grünen Vorhang links eine Steckdose sehe!

Was denn? Wäre es überhaupt möglich?

Ich suchte und wer sucht, der früher oder später findig ist. Ich fand, dass es glatt unmöglich war, dass Ingres eine Steckdose an der Wand im Jahre 1808 sah. Im Internet ist doch alles, also auch die Geschichte des Stroms.

Sie geht weit bis ins 18. Jahrhundert zurück. Bereits im Jahr 1774 hat James Watt die erste Dampfmaschine erfunden und wurde somit Pionier der Stromerzeugung. Einen maßgeblichen Beitrag leistete ebenfalls Allesandro Graf Volta, denn dieser stellte zunächst erfolgreiche Theorien über die Erzeugung von elektrischen Strom auf. 1826 wurde das Ohm’sche Gesetz aufgestellt.

In den Jahren 1840 bis 1879 wurde das erste Transatlantikkabel verlegt. Die Telegrafie war eines der ersten Neuerungen, die im Zuge dieses Vorhabens eingeführt wurde. 1866 stellte Werner von Siemens ersten elektrischen Generator her. Erst dann konnte allmählich Strom in die private und öffentliche Haushälte kommen. Zuerst aber sorgte Strom für Strassenbeleuchtung.

ingres-kontaktBewaffnet mit diesem Wissen, schnitt ich den entsprechenden Fragment des Ingresschen Bilde aus und stellte ihn im Photoshop scharf. Erst jetzt sah ich, dass es keine nah an der Wand anliegende Steckdose ist, sondern weit entfernte und daher so klein wirkender Wasserhahn in Form eines Löwenkopfes, und dies was ich für einen Stromkabel hielt, in der Wirklichkeit sprudelnder Wasserstrahl ist.

Berlin Oder Stettin

Als ich den Titel der Veranstaltung mit Bogdan Twardochleb in einem Vereinsprotokoll geschrieben hat, umgehend korrigierte mich meine Kollegin: Berlin oder Stettin. Und notierte am Rande, dass sie dachte, ich, nach 30 Jahren in Deutschland, endlich Mal lernen kann…

Also meine Damen und Herren…

Berlin Oder Stettin

In unserer Reihe “Sttetin für Berliner” ein Vortrag von Bogdan Twardochleb

9.2.16 | 20 Uhr | Regenbogen Kino

In Kooperation mit Regenbogenfabrik

Was uns heute verbindet, was uns teilt und warum?

Wie wichtig ist Berlin in Stettin und warum ist es so wichtig?

Wohin fließt Berlin heute – zur Oder oder weg von der Oder? Das ist heute auch die Frage betreffs der EU.


Ist (wird) die Oder wieder die Grenze?


Warum mag ich Berlin und warum wollte ich mehr Berlin an der Oder und mehr Stettin in Berlin sehen?

Bogdan Twardochleb, (geb. 1954), seine Mutter stammte aus Großpolen, sein Vater aus Przemyslany bei Lemberg (Lwow, Lviv). Er wohnt seit 1960 in Stettin.

Bodgan Twardochleb studierte Polonistik in Stettin, arbeitete dann als Lehrer an der Stettiner Uni, seit 1989 ist er Journalist und Publizist. Seit 1991 arbeitet er in der Stettiner Zeitung Kurier Szczecinski. Seine Themen sind: Kultur (Literatur), Geschichte Pommerns, Gesellschaft, Minderheiten in Pommern, Grenzregion, deutsch-polnische Beziehungen. Zu seinen Aufgaben gehört es, die Kontakte mit Schulzeitungen, die mit seiner Redaktion kooperieren, zu pflegen. Bogdan ist Redakteur zweier Beilagen: seit 15 Jahren Szkolny Pulitzer (Schulen-Pulitzer), einer Beilage für Schulzeitungen, und seit mehr als drei Jahren für „przez granice“ (Über die Grenze), die Beilage für deutsch-polnische Themen, speziell in der Grenzregion. Bogdan hat als Redakteur einige Bücher vorbereitet, unter anderem mit Poesie und Reportagen.

Bogdan sagt zu seinen Hobbies: „Sehr lange Reisen in der Umgebung von Stettin, vor allem nach Pommern und in die Grenzregion. Nicht weit unterwegs, dafür umso tiefer in der Geschichte und Gegenwart verankert.“

Bogdans Träume: „Mehr Zeit für Berlin und auch für Stettin finden, mit meinen Enkeln mehr spielen und plaudern, mit meiner Frau mehr wandern und auch – mein schwaches Deutsch verbessern. Ich möchte so gut deutsch sprechen, wie zum Beispiel meine Freunde in Berlin: Ruth Henning und Uwe Rada.“

Eintritt frei – Spenden willkommen.

Twardochleb in der Regenbogenfabrik

Die große kleine Welt

Monika Wrzosek-Müller

Holland: um Leiden herum

Holland ist schön, aber so gar nicht ihr Land. Flach, von großen, auch kleinen und winzigen Wasserkanälen durchzogen. Von den typischen Mühlen, denen auf dem Land, hatte sie nur wenige gesehen. Aus dem Zugfenster blickt man über weite Strecken auf so etwas wie ein Schachbrettmuster, Wasser und Gras; die Züge fahren schnell, schweben lautlos, man ist von Leiden in 15 Minuten in den Haag und in 17 Minuten in Delft und in 12 auf dem Flughafen Schiphol. Weit und breit Wasser, und Grüne Flächen; sie wusste nicht, dass Leiden auch am Rhein liegt, dass sie sogar extra eine „Burcht“ gebaut hatten, die im Falle einer Flut allen Bewohner von Leiden Zuflucht bieten sollte; die Hauptgracht – das ist der alte Rhein, und der Fluss ist wohl gelegentlich über die Ufer getreten, bis die komplizierten Systeme der Schleusen, Regulierungen und Dämme alles unter Kontrolle brachten.

Für sie war es zu viel Wasser, ganze Landstriche mit Gewächshäusern, sogar die kleinen Wäldchen liegen alle auf dem Wasser, man hat den Eindruck alles liegt auf dem Wasser, auf Moor, die Kanäle und das Gras, alles so flach, dass man schon von ganz weit weg die Skyline von den Haag sieht. Die ist auch wirklich sehenswert; eine Skyline mit holländischen Motiven, das muss man können, dazu noch so bunt und trotzdem sehr ästhetisch. Das schöne, sehr bescheidene Museum in Mauritshuis, Königliche Bildergalerie, zeigt wunderschöne Werke; man steigt nach unten und arbeitet sich nach oben durch, alle Säle voller Preziosen; kleinen, manchmal wirklich sehr kleinformatigen aber wunderschönen Gemälden. Für das Museum wirbt das Bild „Mädchen mit dem Perlohrring“ von Vermeer, das von Plakaten die Fußgänger anschaut und von Fotografen nachgestellt wird.

Sie staunte über den Geruch, den wunderbaren Duft, der sich im ganzen Museum verbreitete und sie magisch anzog und neugierig machte; dann sah sie auf den Zwischengeschossen riesige Vasen mit Blumenarrangements, die an die aus den Bildern erinnerten, es waren echte Blumen, echter Duft, mit weißen Lilien und Alstremerien, alten englischen Rosen und Glockenblumen, dazu Gräsern, Efeu, allerlei kleinen Blumen; sie dachte, wie oft muss so eine Vase wohl neu arrangiert werden, damit der Duft so betörend ist und die Blumen so frisch und lebendig aussehen. Das Museum war nicht allzu groß und die Werke waren allesamt bedeutend, man hatte für den Betrachter eine Auswahl getroffen. Überhaupt fand sie den Haag sehr lebendig, ja lebenswert, großstädtisch; mit der schönen Altstadt, mit Parks, in denen sie zum ersten Mal riesige Sträucher von blühenden Christrosen gesehen hatte, und der bunten Skyline, mit der Lage fast am Meer. Es war eine tolle Stadt.

Später, schon zu Hause, dachte sie über das Element Wasser nach, warum ihr das Element so fremd und zuwider war. Sie selbst tendierte zur Erde, weil Stier und Aszendent irgendwas…, und Erde vernichtet Wasser, sie saugt sie auf. Aber in Holland war Wasser überall, auch unterirdisch, das musste einen Einfluss auf die Menschen haben. Wasser symbolisiert den Fluss von Energien, von Materie, Wasser trägt und reinigt; es nimmt den Weg des geringen Widerstands, doch es ist beharrlich, es fließt immer. Auf die Fähigkeiten der Menschen übertragen bedeutet das Kommunikation, Diplomatie, gute Geschäfte, Handel, neue Ideen und deren Vermittlung und Ausdauer. Etwas zu viel Wasser führt dann zu Gefühlslosigkeit und Überheblichkeit, Kälte und herrischem Auftreten. Ja, das dachte sie, nachdem sie aus Holland zurückgekommen war, zugegeben sie war sehr erkältet und hat sich ein Virus zugezogen und konnte das ganze Wasser nicht aufnehmen und wieder ausspucken.

Die Städte Leiden und Delft sehr schön, von fast makelloser Schönheit, mit Grachten und schönen alten Häusern, herausgeputzt und nach außen sauber; dass es hinter den Fassaden anders aussah, wusste sie von ihrem Sohn, der in so einem alten Haus wohnte. Es war das Haus einer männlichen Studentenverbindung; in Holland wohnen Studentinnen und Studenten getrennt. Das war für sie auch so eine Schocknachricht; in dem nach Außen freizügigen Holland wohnten tatsächlich Mädchen und Jungen getrennt. Dass ihr Sohn der Verbindung nicht beitreten wollte, fand sie mehr als vernünftig. Denn immer wieder gab es alarmierende Berichte in den holländischen, aber auch deutschen Zeitungen, wie es bei den Aufnahmeritualen der Verbindungen mit Demütigungen und Überforderungen der Seele und des Körpers zuging.

Sie sah sich diese jahrhundertealten Städte an und dachte, wie eine Postkarte, man kann nichts hinzufügen, aber auch nicht dahinterkommen. Es lud sie nicht ein, wie in Italien, wo die Landschaft noch schöner oder anders war als auf der Postkarte, mit dem Duft, den Gesprächen. Nicht dass die Holländer still wären, nein sie redeten eher laut und lachten viel und schienen durchaus mit sich zufrieden zu sein. Aber sie stand vor einer Mauer, auch wenn die Fenster keine Gardinen und man Einsicht ins Wohnzimmer hatte, die Mauer der prachtvoll verzierten Fassaden konnte sie nicht durchdringen. Vielleicht wenn man viel, sehr viel darüber wusste und sich aufklären ließ; doch das war eben nicht ihr Weg.

Es gab auch die Kirchen, riesige Backsteinbauten, sowohl in Leiden als auch in Delft; sie waren fast immer geschlossen, obwohl Adventszeit war und sie mehrmals angeklopft haben. Doch in Delft erwartete sie eine Überraschung, für ein paar Euro konnte man sowohl die Oude wie auch Nieuwe Kerk besichtigen. Die alte Kirche mit ihrem schiefen Turm, malerisch an einer Gracht gelegen, drin mit der Grabplatte für Johannes Vermeer und Bleiglasfenstern aus verschiedenen Epochen, eine Kirche, die ständig umgebaut und erneuert wurde, hatte sie weniger berührt. Ein paar Schritte weiter gelangt man auf einen riesigen Marktplatz, an dessen einem Ende sich das Rathaus und am anderen die Neue Kirche mit dem höchsten Turm weit und breit steht. Man kann sich hier gut die Zeremonien aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft des Königshauses Oranje vorstellen; Hochzeiten, Begräbnisse, es gibt einen Grabkeller für die Beisetzung der Mitglieder der königlichen Familie. Die Kirche lebt immer noch ihre Größe, das kann man auf einem Video sehr gut verfolgen. Es ist eine sehr harmonisch angelegte und 1655 in der jetzigen Gestalt ausgeführte Kreuzbasilika, mit großen, farbigen Bleiglasfenster, die viel buntes Licht im Innenraum spielen lassen.

Sie wusste, dass ihre Schul- und Studienfreundin seit Jahren in Holland lebte, sie hatten den Kontakt verloren, dann wieder gefunden und dann gelockert. Aber sie hatte das im Hinterkopf und versuchte sich Anka in diesem Land vorzustellen und dachte, das ist verdammt schwer und mühsam, hier richtig anzukommen. Du musst ihre Geschichte, ihren Stolz annehmen und dich nicht unterkriegen lassen, für sich da sein und einen Weg finden. Die Freundin wohnte auch noch dazu in einer ganz kleinen Ortschaft, nicht einmal in einer Großstadt, wo sich alles mischt Menschen, Haut- und Haarfarben, Häuser, Autos; doch sie schien zufrieden und angekommen.

Sie fuhren auch nach Katwijk, wanderten in der Dünenlandschaft herum. Eine unheimliche Landschaft, mit silbergrauem und frisch grünem Moos, auch einigen Sträuchern, Ginster und Sanddorn, kleinen Grüppchen von höheren Gräsern, leicht hügelig, weit und breit; war man mittendrin, dann hatte man den Eindruck, die Landschaft würde unendlich so weitergehen. Es schimmerte und leuchtete in der Sonne nach dem Regen. Davor lag ausgebreitet der lange und breite Streifen des Sandstrandes, der sich wie ein riesiges gelbes Band bis ins Unendliche zog, dahinter die graue Nordsee.

Irgendwann kehrten sie in einem der Strandrestaurants ein, für einen Wochentag war es erstaunlich voll und lebendig. Sie saßen an einem schönen Tisch, nebenan gab es eine größere Gesellschaft, es war laut, gesellig und sehr warm. Jetzt hätte der Teil kommen sollen, wo sie auf einmal ihre Freundin in einer Ecke sitzen sah, doch so war es nicht. Die wohnt für holländische Verhältnisse weit weg, in der Umgebung von Groningen. Was sollte sie denn hier auch suchen. Wir hatten uns nicht verabredet, seit Längerem nicht einmal geschrieben. So ist nur die flüchtige Erinnerung an sie da, und das ist alles.

In 80 Texte um die Welt

Lesung mit Viktoria Korb und Joanna Trümner

4.2.16 | 20 Uhr | RegenbogenCafé

Eine weitere Lesung aus dem Blog von Ewa Maria Slaska

Viktoria Korb wurde 1945 in Guriew (damals UdSSR), jetzt Atyrau (Kasachstan) geboren und wuchs in Breslau und Warschau auf. Sie studierte Außenhandel in Warschau und engagierte sich früh in der studentischen Presse. Nach den sog. März-Unruhen 1968 i Polen die von Studentenprotest in die antisemitische Hetzte mutiert sind, wanderte ihre Familie aus Polen aus. So begannen Vikis Wanderungen um die Welt, die bis heute dauern. Erinnert Ihr euch noch an den berühmten Polanskis Film Rosemaries Baby? Nennen Sie mir ein Ort, sagt der unvergessene Sidney Blackmer als Roman Castevet, und ich war dort. So ist es mit Viki. Sie war dort. Meistens auf eine abenteuerliche Art und Weise. Auf den Camel quer durch die Wüste. Oder ähnlich.

Es begann aber ziemlich bescheiden: Wien, Köln, London und letztlich Berlin. Es ist das Jahr 1971. Zeit des Etablierens vieler Freiheitsideen der Generation 68. Linke, Hippies, Protestler finden zusammen ausgefallene Formen des Lebens. Viki macht nicht alles mit, aber beobachtet es schon sehr genau…  Nach dem Magister in Wien folgt 1979 der Doktor an der Freien Universität und Ende der 70er ein Kurs in der Entwicklungspolitik. Jetzt beginnt es richtig: Zypern, Indonesien, Philippinen und die Schweiz. Dies beruflich. Privat fast alles in der Welt. Nennen Sie mir… sie war da. Afghanistan, Ägypten, Türkei… Irgendwann gesellt sich dem Wandern das Schreiben. Sie wird Journalistin, Autorin, Schriftstellerin…

Joanna Trümner

Die Literatur hat mich schon immer fasziniert, sagt Joanna, mit dem Schreiben habe ich schon vor vielen Jahren, während meines Studiums der Germanistik in Polen, angefangen. Inzwischen lebt sie seit über 30 Jahren in Berlin und in der Zeit sind einige Kurzgeschichten und Gedichte über das Leben in einem fremden Land entstanden. Oder in den fremden Länden, weil es sie immer wieder woandershin treibt. Teils aus prosaischen Gründen – es gibt Familienmitdglieder, die wie es unter Polen oft der Fall ist, überall wohnen, teil aus Wanderlust. Kanada, Amerika, Mexico, Australien, weite Länder, weite Ziele… Es spiegelt sich in den Texten, die zum teil eine nachdenkliche Reiseberichte sind, teils aber Erzählungen über die anderen. Und immer das Allgemeine, das was uns verbindet, egal ob uns das Leben nach Poniewież, Hammeln oder Kurytyba geworfen hat. Am liebsten schreibe ich von mir bekannten Menschen, sagt Joanna, deren Lebenswege voller Niederlagen und Neuanfängen waren. Die künstlerische Freiheit und einige beabsichtigten Veränderungen nutze ich, um die Lebensgeschichten nicht ganz zu „klauen“. Da ich bis jetzt viel Glück hatte, einigen faszinierenden Leuten zu begegnen, habe ich vor, weitere Kurzgeschichten zu schreiben.

“Samolot wznosi się coraz wyżej, ziemia powoli przestaje być widoczna, schowana pod dywanem białych jak śnieg chmur. Każdy metr oddala go od spraw, które zostawił za sobą: niepopłaconych rachunków, niewykonanych telefonów, spotkań, na które nie przyszedł – całego tego chaosu poprzedzającego dzisiejszy lot – być może początku najważniejszej podróży w życiu. Z perspektywy 10.000 metrów wszystko pozostawione na dole widziane jest jak z lotu ptaka – małe i odległe. A to, co czeka go w Brazylii chowa się w chmurach. Myśli o wczorajszym pożegnaniu z synem, tej nieprzyjemnej, pełnej wyrzutów rozmowie: „Nie myślałem, że znowu będziesz takim idiotą. Zaczynanie wszystkiego od nowa w twoim wieku jest infantylne, wnuki powinieneś bawić!” – „Ale ty się o nie nie postarałeś!” – odwarknął, zmęczony ciągłym wysłuchaniem, jakim idiotyzmem jest przeprowadzka do Brazylii w wieku 74 lat – bez znajomości portugalskiego, bez ubezpieczenia, tuż nad grobem!”