Professor Brückner – Ende einer Geschichte

Am 23. November (Thanksgiving Day!) bekomme ich per Mail folgendes Schreiben:

Sehr geehrte Frau Slaska, sehr geehrte Frau Kuzio-Weber,

heute möchte ich auf den im Jahr 2013 mit der damaligen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt geführten Schriftwechsel zurückkommen und Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, dass der Senat von Berlin in seiner Sitzung am 6. November 2018 mit Senatsbeschluss Nr. S-1667/2018 unter anderem auch die Verlängerung der Grabstätte von Professor Aleksander Brückner (1856-1939) auf dem Parkfriedhof Tempelhof als Ehrengrabstätte des Landes Berlin für die Dauer von weiteren 20 Jahren beschlossen hat.

Die Presserklärung des Senats finden Sie hier:

https://www.berlin.de/…/pr…/2018/pressemitteilung.755287.php

Ich bedanke mich für Ihr Engagement in Bezug auf diese Ehrengrabstätte des Landes Berlin.

Mit freundlichen Grüßen
Christian Krüger

Senatskanzlei / Senate Chancellery

Also doch… Ich spüre ein Kribbel im Bauch. Die Sache mit dem Grab von Profesor Brückner beschäftigte mich schon lange. Es war mühsam, manchmal, wenn es um Kontakte mit den Obrigkeiten in Polen ging, recht unangenehm, in Deutschland dafür immer freundlich, aber, oje, wie langwierig und scheinbar ergebnisslos. Die Bürokratische Mühlen mahlen sehr sehr langsam. Die Senatssitzung, auf der es entschieden wurde fand am 14. August statt. Die zweite, die es bestättigte – am 6. November, zu mir kam die Mitteilung am 23. November.

Höhepunkt unserer Bemühungen ums Grab von Prof. Brückner. Am 14. März 2014 der Marschall des Polnischen Sejms, Bogdan Borusewicz, in Begleitung von den polnischen und deutschen Parlamentarier sowie des Generalkonsuls der RP in Berlin bei der Niederlegung der Blumen auf dem Grab. Anna Kuzio-Weber und ich waren dabei. Ich stehe ganz klein dahinten, Anna machte das Bild.

Irgendwie kann ich es nicht wahrnehmen, dass es jetzt erledigt idt.

Aber, o happy Thanksgiving Day!, es ist wahr, ein hohgestellter Beamter des Berliner Sentas wird sich doch keine kleine Scherze mit Frau Slaska und Frau Kuzio-Weber erlauben.

Ich studiere alle weiterführende links. Er ist da. Nach Hans Baluschek und Willy Brandt.

Auch der Arnold Słucki ist immer noch da, obwohl mathematisch-technisch gesehen, ist seine Zeit auch abgelaufen. Die Entscheidung über Ehrengrab fiel nämlich am 2.09.1997.  20 Jahre der Gültigkeit von Ehrengrab-Entscheidung sind somit schon mehr als ein Jahr hin. Wird sich jetzt jemand es zum Herz nehmen, sich demnächst auch um Słucki zu bemühen? Polnische Botschaft? Polnisches Institut in Berlin? Stowarzyszenie Pisarzy Polskich w Polsce? Polska Akademia Nauk w Berlinie? Polski Instytut Pamięci Narodowej? Uniwersytet Warszawski? Alles Institutionen, die wir wegen des Grabs von Prof. Brückner vergeblich “abgeklappert” haben.

Ich habe mehrere male hier auf dem Blog über das problem mit dem Grab vom Professor Brückner geschrieben, habe unseren Glanz und unseren Elend “besungen”. Jetzt ist es getan.

Ich rufe Anna Kuzio-Weber an. Es ist doch “unser Ding”.
– Wir haben es! schrie ich ins Handy.
Sie weiss noch vom nix.
– Schau in die Post, antworte ich.
Eine Minute Ruhe und nach dem schlichten Anerkennungsausdruck, kommt eine schlichte nüchterne Frage:
– 20 Jahre. Und was wird danach geschehen?
Shit. Sie hat Recht. Und was wird danach geschehen? Der Friedhof wird 2027 völlig aufgelöst. Ist eigentlich schon fast leer. Das Grab wird bis 2038 gepflegt. Dort? Umgebetet? Nach Polen übergebracht, wie während der Diskussion schon manche vorgeschlagen haben.
– Vielleicht, sage ich zögernd, vielleicht… werden sich die von uns damals angeschriebenen Institutionen doch rechtzeitig darum kümmern. Vielleich die Universitäten Halle und Jena, die doch seit 2012 gemeinsam ein Alexander-Brückner-Zentrum führen? Wer weiß.
– Wir werden es nicht mehr erleben, antwortet sie.
Da hat sie recht.


Andere Beiträge (auch die, wo das nur am Rande erwähnt ist) von diesem Blog über das Problem mit dem Grab von Professor Brücken (auf Deutsch und/oder Polnisch) habe ich hier aufgelistet:

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2012/12/30/bruckner/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2014/11/01/profesor-bruckner-jak-co-roku/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2015/10/31/bruckner-raz-jeszcze-wieder-prof-bruckner/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2017/06/10/gron-na-cmentarzu-w-berlinie/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2018/09/16/gesichter-berlins/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2018/10/30/ich-bin-nicht-tot-nie-umarlem-ne-son-gia-morto/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2018/11/02/halloween-wszystkich-swietych-zaduszki/

https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2018/11/08/reblog-nachts-am-meer/


Und hier noch eine auf Polnisch für Facebook verfasste Liste von all denen, die uns auf dem Weg zum Erfolg tätlich unterstützt haben:

Ewa Maria Slaska Pięć lat walczyłyśmy – Anna Kuzio-Weber i ja – o przyznanie grobowi Profesora Brücknera statusu grobu honorowego. W tej walce wspierały nas przez te lata liczne osoby, a niekiedy również instytucje. Postaram się wymienić tu wszystkich, ale jeśli o kimś zapomniałam, to niech się nie obraża, tylko natychmiast sam siebie dopisze:
Ewa Maria Slaska Bzdurę napisałam powyżej. Zaczęłyśmy z Anią samotną walkę znacznie wcześniej, bo w roku 2011 – czyli 7 lat temu. Po tym, jak żadna z instytucji i żadna z ważnych osobistości, do których się zwróciłyśmy, nie zwróciły na nas uwagi, poskarżyłam się na FB, że tak jest – wtedy dopiero (dzięki Fejsbuczku kochany) zrobił się raban, znalazłyśmy osoby wspierające nasze wysiłki. I wtedy też postanowiłyśmy machnąć ręką na instytucje i osobiście we dwie, w imieniu WIR-u, który już przestał istnieć, i całej zaangażowanej Polonii, złożyłyśmy wniosek do Senatu o (najpierw) przedłużenie i (potem) przywrócenie grobowi profesora statusu grobu honorowego, pozostającego pod opieką władz Berlina. Było to 5 lat temu! I to na TEN LIST otrzymałyśmy właśnie tę fantastyczną odpowiedź… Tak było
Ewa Maria Slaska Dawid Jung poeta i Łukasz Narolski, rekonstruktor historii, którzy założyli stronę internetową Profesor Aleksander Brückner In Memoriam. Moi kochani, dziękuję!!! Ta strona poruszyła w Polsce niebo i ziemię!
Ewa Maria Slaska Jacek Tyblewski i Monika Stefanek z Radia Funkhaus Europa (dziś Cosmo) oraz Bogdan Twardochleb, z redakcji Kuriera Szczecińskiego!!!!
Ewa Maria Slaska Wiem, wszyscy mieliście i mieliśmy, masę problemów i nieprzyjemności z powody naszych starań. Ale uzyskaliśmy to, co chcieliśmy uzyskać, i to sami, my, powiem szumnie – obywatele! i nasze obywatelskie instytucje!
Ewa Maria Slaska Maria Gast-Ciechomska i (nie istniejące już) Stowarzyszenie Frauen Initiative Berlin-Warschau.
Ewa Maria Slaska Jeśli mowa o Stowarzyszeniach Już Nieistniejących, to muszę tu przypomnieć, że Anna Kuzio-Weber i ja reprezentowałyśmy w momencie rozpoczęcia starań Polsko-Niemieckie Towarzystwo Literackie WIR.

Ewa Maria Slaska Bardzo dziękujemy panu (wówczas) Marszałkowi Sejmu RP, Bogdanowi Borusewiczowi, który wraz z delegacją parlamentarzystów polskich i niemieckich odwiedził grób w marcu 2014 roku

Ewa Maria Slaska Od lat w staraniach o zachowanie grobu wspierało nas również Stowarzyszenie Städtepartner Stettin e.V., a zwłaszcza Wolfgang Hahn, Anne i Folker Schmidt oraz Dorota Kot
Ewa Maria Slaska Wielkie zasługi “dla sprawy” położyła też Szewczyk Maria prowadząca od lat program polski w Volkshochschule Wedding oraz jej liczni kursanci.
Ewa Maria Slaska I wreszcie (choć wcale nie na końcu) moi przyjaciele, znajomi i nieznajomi, którzy od lat chodzili z nami 1 listopada na grób profesora: Roman Brodowski, Krystyna Koziewicz, Krystyna Jesse, Andreas M. Völker, Tereska Michońska, Tibor Jagielski, Monika Wrzosek-Mueller… Och mój ty Boże, na pewno o kimś zapomniałam…        

Frauenblick (Begegnungen)

Monika Wrzosek-Müller

Jede Nacht gab es einen Ton, der wie ein Metronom, gleichmäßig und metallisch klang; er kam von verschiedenen Stellen vom Campingplatz nebenbei. Wir dachten alle, es wäre eine Art Alarm, ein Sicherheitssystem oder eine Abschreckungsvorrichtung gegen Mäuse, Ratten oder Geckos, oder vielleicht auch gegen Mücken. Der Ton setzte in der Dunkelheit ein und dauerte immer ziemlich lang. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus, und nach der nächsten unruhigen oder eher durchwachten Nacht, in der nicht nur ich den Ton gehört habe, sondern noch zwei junge Leute, die bei uns zu Gast waren, lief ich zum Campingplatz und fragte ganz sachlich den Besitzer.

Was das nun eigentlich sei, wir wären doch Nachbarn und es könnte ihm doch nicht daran gelegen sein, so unsere gute Beziehungen zu zerstören. Er tat erst mal überrascht und dann verstand er sofort, worauf ich hinaus wollte, wahrscheinlich sah ich auch sehr unausgeschlafen aus. Er sagte ganz knapp: „Das ist ein Vogel.“ – „Ein Vogel?“ Ich konnte mein Staunen nicht unterdrücken, die Skepsis klang auch ganz stark mit. Er nahm ein Stück Papier und schrieb mir nur ein Wort mit Druckbuchstaben auf: L`ASSIOLO, dazu sagte er: „Schauen sie im Internet nach. Wir haben versucht ihn abzuschießen, ging nicht, ist zu klein, versteckt sich in den Baumkronen“. Er war ein netter Mann, ich habe ihn früher schon mal beobachtet, wie er die Blätter fegte und sehr ordentlich die Einfahrt zum Campingplatz sauber machte. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mich zufrieden zu geben; ich fragte nur um mein Mistrauen auszudrücken: „Wir kommen seit vielen Jahren hierher, der Vogel muss extra dieses Jahr gekommen sein“. „So ist es; er kommt und fliegt auch weg, manchmal bleibt aber doch länger, baut sich ein Nest“. Nun blieb mir nichts anderes übrig als „Danke“ zu sagen und zu gehen.

Natürlich schaute ich sofort im Internet nach: da fand ich otus scops, Zwergohreule. In Deutschland kommt sie eher selten vor, doch in Toskana, in Italien, ist sie sehr verbreitet. In Wikipedia fand ich folgende Beschreibung des Lauts vor: „Er ist ein peilsenderartiges, fast immer einsilbiges, etwas nasales und nicht besonders lautes ‘Djü‘, das in Abständen von zwei bis 3,5 Sekunden oft stundenlang wiederholt wird. Die Gesangaktivität beginnt kurz nach Sonnenuntergang und endet in der Morgendämmerung; nach Mitternacht geht die Rufaktivität für ein zwei Stunden deutlich zurück.“ Die Beschreibung passt, wir haben es genau so erlebt; unsere italienische Freundin wusste sofort Bescheid. Sie lachte und sagte: „Ach ihr leidet also auch unter dem Vogel“.

Dass ich in Italien immer wieder Menschen kennenlerne und mit ihnen ins Gespräch komme, läge, dachte ich, an meinen Italienisch-Kenntnissen, dem ist, war aber nicht so. An einer eher absurden Stelle, in einem kleinen italienischen Städtchen, erlebte ich in diesem Sommer eine unglaubliche Begegnung. Sonst sind die Begegnungen auch nett, von gegenseitigem Interesse geprägt, aber eher recht gewöhnlich.

In der Fischereigenossenschaft von Orbetello traf ich einen netten Fischverkäufer, der uns seine frischen Fische sehr preiswert verkaufte und dazu weit ausholende Erklärungen gab, welchen Fisch man warum nehmen sollte. Er war so freundlich und gesprächig, dass wir länger in dem kleinen Laden standen, und zwischendurch auch mal unter uns Polnisch redeten – bis wir merkten, dass an der Wand des Geschäfts eine kleine Karte mit einer Ansicht aus Litauen und auch litauische Flagge hingen. Da sprach uns der Mensch an der Theke in gutem Polnisch an; er war Litauer, der aber fließend polnisch sprach und offensichtlich sein Land sehr liebte und sich danach sehnte. Er fing an zu erzählen, wie toll es den Menschen in Litauen jetzt gehen würde und wie schön das Land sei. Ich tat unvorsichtig und ziemlich plump die Äußerung: „ach, Vilnius ist ja eine wunderschöne polnische Stadt“. Daraufhin sprang er fast in die Luft: Vilnius wäre seit Jahrtausenden eine litauische Stadt. Es prasselte die ganze Geschichte von Litauen und Polen auf mich nieder. Wahrscheinlich war es ein Hobby von ihm, die Geschichte seines Landes auf den Internetseiten zu präsentieren; auf jeden Fall bekam ich dann, beginnend mit dem Jahr 1008, in zum Glück verkürzter Version die Geschichte des kleinen Landes zu hören. Man muss sich das vorstellen, eine kleine pescheria, hier die toten Fische und da der Computer mit einem großen Bildschirm, auf dem die ganze Geschichte Litauens ablief: da ein Radziwiłł und dort ein Jagiełło und irgendwelche Schlachten und Unionen. Er kommentierte alles noch eingehend folgendermaßen: damals war Litauen viel größer als Polen etc… Natürlich kam dann auch irgendwann die Ermahnung, Vilnius wäre die Hauptstadt von Litauen und nicht eine polnische Stadt. Polen lebten dort und haben die Stadt verschönert, das gab er zu, aber sie war immer litauisch. Ich wand mich in Entschuldigungen und meinte, es wären da so viele für Literatur und Geschichte bedeutende Polen geboren, nur deswegen hätte ich das erwähnt. Er ließ mir mein Fauxpas nicht so einfach durchgehen. Ich musste beteuern, dass ich jetzt verstanden habe; es wäre die litauische Hauptstadt. Der größte Vorwurf kam dann auch gleich: wieso wären wir da noch nicht gewesen? Als Patriot und Pole müsste man Litauen gesehen haben. Wir beteuerten, dass es unser nächstes Ziel sein würde und versuchten zu verschwinden, was auch nicht so leicht war, denn er redete nun mal gerne Polnisch.

Auf jeden Fall empfahl er uns das Fischrestaurant in der Genossenschaft, an der Lagune, das offensichtlich sehr angesehen und gefragt war, denn als wir am Abend vorbeischauten und dort essen wollten, standen schon Schlangen vor der Anmeldung. Wir wurden in eine Ecke gezwängt und haben unsere Fische, ohne Beilage bekommen. Nicht, dass es irgendwie besonders geschmeckt hätte.

Die nächste Begegnung ereignete sich auf einer Fähre zu einer kleinen Insel nahe Monte Argentario. Wir fuhren mit einer Gruppe von Italienern; manche griffen sofort nach ihren Essenspaketen. Wir setzten uns auf dem Deck hin und eigentlich gleich danach, sprach mich ein junger Mann in bemüht korrekten Deutsch an. Er wäre ein Student aus Triest und würde Spanisch und Englisch studieren, aber eigentlich würde er lieber arbeiten, doch eine Arbeit bekommt ein junger Mensch in Italien sehr selten, so muss er eben studieren… und Sprachen wären doch nicht schlecht, nicht wahr? Seine Mutter würde ihm immer sagen, studieren wäre was Gutes und er hätte eben auch etwas Deutsch gelernt, damit er über Anorexie lesen könnte. Seine Schwester würde immer weniger essen und hätte große psychischen Probleme, und er würde sich Sorgen machen. Das alles prasselte auf mich in einem Gemisch aus Italienisch und Deutsch ein und er war nicht aufzuhalten. Und was würden wir auf so einem Schiff machen, mit dem eigentlich nur Italiener fahren, und ob ich denn alle toskanischen Inseln kennen würde und warum gerade die Insel Giannutri, und ohne meine Antwort abzuwarten, legte er gleich wieder los. Er würde an der Grenze zu Latio wohnen, am Lago di Bolsena, und es sei eine wunderschöne Gegend, doch so im Sommer langweilig, also macht er so einen Ausflug, außerdem hätte er beschlossen alle Inseln im Sommer zu besichtigen und das macht er also jetzt.

Bald haben wir dann auch die Insel erreicht und waren erstaunt als wir feststellen mussten, dass es kein Café und kein Restaurant auf der Insel gab. Wie das so auf einer kleinen Insel ist, bald darauf trafen wir den jungen Mann wieder, an einem Strand mit den Ruinen einer römischen Villa. Natürlich setzte er sich zu uns und setzte seine Erzählung fort… Das Beste für uns waren seine panini, die ihm seine Mutter gemacht hat und die er mit uns teilte. Wir schwammen zusammen in einem antiken Becken, schnorchelten und er erzählte immer wieder, was er denn gerne machen würde und noch nicht getan hätte.

Beim Sonnenuntergang fuhr unser Schiff nach Porto S. Stefano zurück. Ich habe mich leider nur flüchtig von dem jungen Mann verabschiedet, hätte ihm meine Telefonnummer, E-Mail geben sollen, denn Geschichten erzählen konnte er schon.

Eine nette und überraschende Begegnung geschah in einer Pizzeria, in die wir seit Jahren gehen, auch mit unserem Sohn und seiner Freundin, auch mit anderen Gästen, weil sie die netteste, preiswerteste und schmackhafteste in Orbetello ist. Nie im Leben hätten wir gedacht, dass…

Also dieses Jahr kam auch meine Schwester mit ihrem Sohn uns in Italien zu besuchen. Natürlich gingen wir in unsere kleine Pizzeria; wir bestellten meistens unsere gewöhnlichen, sehr einfachen Sachen, trinken auch dazu den Hauswein (immer gut sortiert); sie probierte alles, alle Salate und Stücke von Pizza und Crostini auch Fische etc… natürlich sprachen wir dann alle Polnisch miteinander, denn sie wollte auch alles wissen. Was das sei? Und wie es auf Italienisch heißen würde. Daraufhin sprach uns eine Bedienung in der Pizzeria im reinsten und klarsten Polnisch an und sie meinte: „seit Jahren beobachte ich sie und weiß nicht, was sie sind, Deutsche oder doch Polen. Jetzt aber traue ich mich, sie anzusprechen. Wir machen hier schon Wetten, wer sie sind. Meine Kollegin hat richtig getippt und gewonnen…“ Daraufhin stürzten noch zwei Frauen aus der Küche in den Laden; wie sich herausstellte allesamt Polinnen. Wir haben alle vorzüglich gegessen, Polnisch gesprochen und gelacht. Die Frauen, muss ich zugeben, sprachen exzellent Italienisch, sie wohnten auch da, waren verheiratet, hatten Familien…

Barataria 91 Essen wie Don Kichote

Ewa Maria Slaska

Leider ist das Essen bei Don Quijote sehr Tiereiweiß trächtig, was ich nicht beweisen kann, da es im Netz keine Speisekarte gibt. Klickt man die entsprechende Stelle auf der Seite, bekommt man lediglich (sehr leichtes) Bedauern: “Unsere Speisekarte ist momentan noch nicht online. Bitte besuchen Sie uns zu einem späteren Zeitpunkt wieder.”
Ich war aber persönlich da und habe die Speisekarte selber gesehen. Sie bat genau all das an, oder gar mehr, was man in Spanien überall zum Essen bekommt: Fisch, Fleisch, Käse, Eier, Fleisch, Fisch… Zugegeben – viele Tomaten, Paprika, Oliven. Und (fast) alles (fast) immer frisch zubereitet. Aber mir als Vegetarierin scheint diese berühmte mediterrane Küche, die den Zugang zur Welterbeliste von UNESCO fand, eigentlich unerwarteterweise, sehr unfreundlich zu sein. In Don Quijote kann man die Patas de conejo con salsa de ajillo al estilo Don Quijote con potatos panadera also Kaninchenschenkel à la Don Kichote in der Knoblauchsosse mit gebackenen Kartoffeln essen.

Oben ist das Kaninchen ein bisschen einfacher zubereitet – das Gericht heisst einfach Conejo asado, Bratkaninchen und man kann vermuten, dass der gute Don Qijote genau so etwas gegessen hat. Bevor aber die Kaninchenpfoten so ausgesehen haben wie auf dem Bild oben, müssten sie leider so aussehen, wie sie hier von Jean-Baptiste-Siméon Chardin gemalt wurden.

Conejo asado

Zutaten

1 ganzes Kaninchen
1/4 Tasse Olivenöl
1 Glas Weißwein
2 Knoblauchzehen
Salz und Pfeffer

Das Kaninchen in Stücke hacken. Die Fleischstücke mit Öl, gehacktem Knoblauch, Salz und Pfeffer bestreuen.
Ofen vorheizen und Kaninchen in eine Schüssel geben.
Nach den ersten 10 Minuten Wein zufügen.
Weitere 35 Minuten bei 170°C braten.

So ein gebratenes Kaninchen wurde sicher auch Sancho Pansa, dem gnädigen Statthalter der Insel Barataria, serviert und zugleich von seinem Leibarzt verboten.

»Auf die Art wird mir die Schüssel gebratener Rebhühner dort, die, wie es scheint, gut zubereitet sind, keinen Schaden tun.«
Worauf der Arzt antwortete: »Diese soll der Herr Statthalter nicht essen, solange ich das Leben behalte.«
»Aber warum nicht?« fragte Sancho.
Und der Arzt antwortete:
»Weil unser Meister Hippokrates, der Polarstern und das Licht der ganzen Arzneikunst, in einem von seinen Aphorismen sagt: ›Omnis saturatio mala, perdicis autem pessima‹, welches heißt: ›Alle Übersättigung ist schädlich, die aber von Rebhühnern die schädlichste.‹«
»Wenn dem so ist«, sagte Sancho, »so suche mir der Herr Doktor unter diesen Gerichten selber aus, was mir zuträglich und am wenigsten nachteilig ist, und lasse mich dies essen, ohne darauf zu klopfen: denn beim Leben des Statthalters, und so gewiß das Gott erhalten soll, ich sterbe vor Hunger, und mir das Essen verweigern, der Herr Doktor mag auch sagen und behaupten, was er will, hieße mir eher das Leben nehmen, als es mir erhalten.«
»Der gnädige Herr Statthalter hat recht«, antwortete der Arzt, »und daher bin ich auch der Meinung, daß Ihr nicht von den gebratenen Kaninchen essen dürft, die dort stehen, denn es ist Speise von einem langhaarigen Tier; von jenem Kalbfleische könntet Ihr wohl versuchen, wenn es nicht gebraten und gesäuert wäre, aber so auf keine Weise.«

Auf einem der vielen Blogs, die in Spanien dem melancholischen Rittern gewidmet sind, fand ich einen Aufsatz über Vorbereitungen von Hasen und Kaninchen im Werk von Miguel Cervantes. Man hatte die beiden Tiere gebraten, aus dem Fleisch die Empanadas vorbereitet – gefüllte Teigpasteten, oder in saurer Marinade eingelegt. Man machte auch Gigote (das Fleisch kleingehackt, gebraten und dann gekocht). Aber es gibt auch barocke Variationen, wie z.B. Fleisch in eigenem Blut des Tieres gekocht oder mit sog. “Gingebrada” verfeinert – mit Lebkuchen, Ingwer, Mandeln, Zitrone und Zucker.

Guten Appetit!

Janz Berlin is eene Wolke

Die Autorin kam erst 1969 nach Berlin, hat also nicht die ganze Mauer-Zeit miterlebt, den Abbau umso intensiver.

Anne Schmidt

Der Mauerfall in Berlin (in der Erinnerung einer Tempelhoferin ) 

Am 10. November 1989 standen in klirrender Kälte morgens um 7.30 mein Mann, einige Leute aus unserer Bürgerinitiative und ich am Reichstagsgebäude neben einem stinkenden Dieselaggregat und hielten Schilder in die Luft; auf den Schildern standen Losungen mit Ausrufezeichen, die sich an die Geschäftsführer von westdeutschen Flughafengesellschaften richteten, die sich um 8.00 im Reichstagsgebäude zu einer wichtigen Konferenz treffen sollten.

Wir, die Mitglieder der ” Bürgerinitiative Flughafen Tempelhof”,  beschallten den Eingangsbereich des östlichen Flügels des Gebäudes mit den aufgezeichneten Geräuschen eines startenden Flugzeuges.

Der Ü-Wagen des SFB, der unsere Aktion aufzeichnen wollte, traf nicht ein. Bei meinem Marsch vom Hotel Esplanade zum Reichstagsgebäude hatte ich ihn am Brandenburger Tor stehen sehen, wo verschlafene Reporter auf die Öffnung der Mauer warteten.

Mit dem Ausweis einer Abgeordneten der “Alternative(n) Liste” gelangte ich in den großen Sitzungssaal des Reichstagsgebäudes, wo schon die Akivisten der TegelerAnt-Fluglärm-Initiative Platz genommen hatten. Sie hatten Schilder mit in den Saal geschmuggelt und gaben ihrem Unmut während der Reden verhalten Ausdruck.

Als der bayrische CSU-Mann Erich Riedel mit rollendem R von Peenemünde zu schwafeln begann, hielt es mich nicht länger auf meinem Sitz.Ich stürmte in den Gang im 1. Stock am nördlichen Ende des Gebäudes und hatte den Todesstreifen genau unter mir.

Im Saal hatte niemand die Ereignisse der vergangenen Nacht erwähnt, die unglaublichen Worte des Genossen Schabowski wiederholt, einen Blick in die Zukunft gewagt.  Als hätten diese Scheuklappenbeamten in ihrem abgeschirmten Bereich die Außenwelt mit ihrem Tunnelblick beeinflusst, bot sich mir ein Bild langweiliger, unspektakulärer Tristesse: Ein Kübelwagen der Volksarmee rollte langsam über den Fahrstreifen entlang der Mauer, als wolle er die Posten auf ihren Wachtürmen mit Essen versorgen. Die Aufregung der Nacht schien in Gleichgültigkeit zu versinken. Ich war grenzenlos enttäuscht, aber dennnoch zu aufgeregt, um zu den Ignoranten im Saal zurückzukehren.

Als ich aus dem Gebäude stürmte, kamen die ersten Schulklassen mit Willkommensgrüßen die Scheidemannstraße hinaufgezogen. Da ich meine kleine Tochter aus der Kita abholen musste, konnte ich mich nicht dem Zug zum Brandenburger Tor anschließen, sondern eilte zu meinem Auto vor dem Hotel Esplanade. Meine Vorausschau war davon ausgegangen, dass sich am Reichstagsgebäude und vor dem Tor die Massen drängeln und meiner Abfahrt im Wege stehen würden. Dem war nicht so, aber ab Friedrichstraße ließ die endlose Parade von Trabants und Wartburgs kein Durchkommen zu. Verzweifelt versuchte ich der stinkenden Blechlawine zu entkommen, sie zu umfahren, aber plötzlich waren sie überall in Kreuzberg. Ich hatte keinen Blick für die Insassen, denn der Termin in der Kita saß mir im Nacken.

Als ich mit 11/2 Stunden Verspätung in Tempelhof ankam,  empfing mich ein weinendes Kind und eine verständnisvolle Erzieherin. Die Nachricht von der Invasion der Blechkisten aus dem Osten hatte sich bis nach Tempelhof verbreitet.

Ab diesem Tag war nichts mehr so wie vorher: unser langerwarteter Besucher aus Pankow, der überraschenderweise Ende Oktober ein Visum für einen Besuch im Westen bekommen hatte, traf mit den Massen, die sich durch die wenigen Öffnungen der Sperranlagen drängelten, total erschöpft bei uns ein. Jeden Tag gab es neue aufregende politische Meldungen in den Medien. Meine Freundin, die unter widrigsten Umständen drei Jahre zuvor hatte ausreisen dürfen und eine Wohnung direkt vor der Mauer gefunden hatte, fürchtete den Überfall ihrer Verwandten und den Besuch ihrer bisherigen “Blicknachbarn”, meine Kreuzberger Schüler beschwerten sich über lange Schlangen vor den Supermärkten und meine Freundin aus Ost-Friesland schleppte mich in das Willkommenskonzert von Barenboim in der Philharmonie.

Dort vergoss ich Tränen der Rührung zusammen mit Musikfreunden aus Leipzig, die nur wegen dieses Konzertes aus Leipzig angereist waren.

Die anschließende Wanderung an der Mauer entlang auf dem Potsdamer Platz fand in einem einzigen Freudentaumel statt, den auch die Wagenburgler, die damals noch an ihr Bleiberecht glaubten, nicht beeinträchtigen konnten.

Trotz der warnenden Megaphondurchsagen der Polizei drängelte auch ich mich auf einen Wachtturm, um unvergessliche Fotos zu machen. Unvergesslich blieb beim Öffnen der Kamera für mich der Song von Nina Hagen “Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael”. So bleiben die Bilder dieser Nacht nur auf meinem inneren Schirm, aber Bilder auf der Mauer und Löcher in der Mauer dokumentierte ich in den nächsten Wochen fast täglich.

Diese einzigartige  Ausnahmesituation konnte ich nicht begreifen, ohne immer wieder zu den Orten des Geschehens zu fahren, am Anfang noch unsicher mit dem Pass in der Hand. Freudiges Strahlen war in den Gesichtern, die ich wahrnahm, nicht Skepsis und auch nicht Missgunst. Fremde Menschen sprachen und lachten miteinander, staunten ungläubig und tauschten Neuigkeiten aus. Freunde nahmen Jugendliche, die extra aus Wismar angereist waren, zur Übernachtung mit zu sich nach Hause und feierten mit ihnen auf der Mauer Parties.

“Janz Berlin is eene Wolke” ist ein Spruch, der schon zu Kaisers Zeiten geprägt wurde, aber nie besser gepasst hat als in diesen kalten Novembertagen.

Reblog: Nachts am Meer

Andreas M. Völker

Der Dünen Grau vom Monde matt versilbert,
Der Bäume kahle Äste fahle steh’n,
Durch dürre Blätter raschelnd Winde gehen,
Vom Meeresrauschen zart und weich gefiltert.

Der Wogen Klang, ihr ewigliches Singen
Von Ferne und von Sehnsucht, Liebesschmerz,
Dringt sich in nächtlich’ Strandwandernden Herz,
Und wird in Träumen ewig weiter klingen.

Wie Finger streichen, fast als ob sie tasten,
Des Leuchtturms Strahlen durch die Dunkelheit,
So wie der Mond blassweiß vom Himmel scheint,
Und wie der Mond sie niemals wirklich rasten.

Des Tages Licht kommt schleiergleich geflogen,
Des Mondes Silber Gold nun weichen muss,
Und wie zu einem letzten Abschiedskuss
Berührt der Mond die fernsten Meereswogen.


Dieses Gedicht entstand aus einer Laune heraus abends am Strand. Ich habe es später noch einmal bearbeitet und in eine klare und strukturierte Form gebracht.


Das Gedicht wurde veröffentlicht am 20. Januar 2012 auf der Seite deviantart.


PS von Ewa Maria Slaska

Angeblich trifft man sich immer zweimal. So war es auch mit dem Autor dieses Gedichts und mir. Das erste Mal trafen wir uns 2012 auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Das zweite Mal – vor ein paar Tagen, bei dem Grab von Prof. Brückner. Ich habe ihn nicht erkannt, er mich aber schon.

Es war das Jahr 2012. Meine Freundin Kinga und ich gingen den sog. Portugesischen Weg, aus Porto. Für mich war es schon das zweite Mal, dass ich nach Santiago ging, das erste war 2007.
Andreas und seine Freunde gingen den ganzen Weg in mittelalterlichen Kleider.

Die letzte Strecke, am 1. August, gingen wir nur zu dritt, Andreas, Kinga und ich. Wir gingen schnell, Andreas aber wollte es noch schneller, damit er um 12 Uhr im Dom der Heiligen Messe beiwohne. Kinga verewigte den Moment, als er sich von uns beiden löste und vorwärts ging.

Wir sahen uns zwar noch einmal am nächsten Tag, als auch wir die Pilgermesse besuchten, aber das war auch der letzte Tag.

Es sind sechs Jahre vergangen. Andreas wohnt inzwischen in Berlin. Er besuchte hier Jemandem für ein Wochenende und blieb. So passiert es oft in Berlin.

Am 1. November 2018 organisierte ich, wie schon seit Jahren, gemeinsames Ausgehen zum Grab vom Professor Brückner. So trafen wir uns wieder.

 

Eli kwietnik jesienny i jabłka Tibora

Ela Kargol

1
Lawendzieją zagony
fioletem barwione,
jeszcze latem pachnące,
jeszcze słońca łaknące,
a już nić babiego lata
za sobą ciągnące.

2
Skąd się wzięła tak nagle
ta nawłoć wszędobylska?
Ozłociła pola, rowy i ugory
i urządza finisaż letniej roku pory.

3
Sloneczniki van Gogha rosną w moim ogrodzie.
Radowałby się Vincent,
gdyby je zobaczył
wziąłby pędzel do ręki,
usiadł przy sztaludze
i na płótnie zatrzymał
ostatnie lata tchnienie
i te słoneczniki ze starości zgarbione,
ku zachodowi slońca się chylące.
i te ostatnie
te za późno kwitnące,
które już nie zdążą,
ptakom ziarnem sypnąć
I te co już nie zakwitną,

4
Petunia jak unia,
ciągnie ku jesieni
i pnie się w prawą stronę.
Choć kwiaty jeszcze w rozkwicie,
liście już przysuszone.
Może na wiosnę,
zmieni zdanie,
i piąć się na prawo
w końcu przestanie.

5
Widzę dalie w oddali
za daliami daleko
też dalie,
Dal się w daliach przegląda,
z oddalenia ogląda
barwy, stroje,
nadobność i czar,
elegancję bez miar.
Jesień minie,
zima minie,
wiosna minie
i znów późnym latem zakwitną…..
georginie.

6
Dąbki zdębiały,
bo dęby takie wielkie,
i zamiast kwiatów żołędzie rozdają.
A dąbki kwiaty tylko mają,
zimna się nie boją,
cmentarze ozdobią,
w wazonie postoją
i podziwiać będą okazałość dęba,
którego korona
aż do nieba sięga.

7
Rdest Auberta
trelem wróbli wypełniony,
obserwowany przez gołębie w locie,
pod autostradą na Szczecin
z powodu ocieplenia klimatu
zakwitł drugi raz.
Był październik
i nie był to kwitnięcia rdestu czas.


Tibor Jagielski

voll der äpfel
der runden speicher der sonnenenergie
und keiner gleicht dem anderen
manche haben rotbäckchen
die in der hand lachen
bis es kitzelt  zwischen den fingern

ein tag
voll von stillen sonnentropfen
gesammelt ausgebreitet
wie gedichte eines buches
genannt
wink des himmels
………………………………………………………………….
mein schrebergarten ist jetzt auf winter bereit
apfelwein ist angesetzt

Ich bin nicht tot / Nie umarłem / Nè son già morto

Einladung zum Besuch bei dem Grab von Prof. Brückner

Zapraszamy na wspólne odwiedziny przy grobie prof. Brücknera

Michelangelo Buonarroti  (1475-1564)

Qui vuol mie sorte c’anzi tempo i’ dorma:
Nè son già morto: e ben c’ albergo cangi,
resto in te vivo, c’ or mi vedi e piangi;
se l’un nell’ altro amante si trasforma.

Es sandte mir das Schicksal tiefen Schlaf.
Ich bin nicht tot, ich tauschte nur die Räume.
Ich leb in euch, ich geh in eure Träume,
da uns, die wir vereint, Verwandlung traf.

Los chciał, bym spał tu, nim moja wybije
Pora; nie zmarłem; po siedziby zmianie
W tobie płaczącym, żywy, mam mieszkanie,
Jeśli kochany w kochającym żyje.

Gesichter Berlins: Polnische Gräber in Berlin II
historische Führung auf den polnischen Spuren
Donnerstag, 1. November 2018 von 17:00 bis 20:00
Treffpunkt / Spotkanie: U-Bahnhof Ullsteinstraße (unten / na dole)
Ansprechpartnerin: Ewa Maria Slaska

Traditionell zum 1. November gehen wir mit Ewa Maria Slaska zum Grab von Prof. Brückner.
Über die polnische Persönlichkeit Berlins wird die Schriftstellerin und Bloggerin ausführlich berichten.
Unsere Wurzeln, unsere Geschichte in der Hauptstadt – lass uns mehr über uns selbst erfahren!

In Berlin gibt es 270 Friedhöfe, darunter ca. 30 sog. historische, die man also als Kulturdenkmal betrachtet und wiederum auch ca. 30, die, wie der Friedhof wo Prof. Brückner begraben liegt, aufgelöst werden. Wie man auf diesen Friedhöfen die polnische Gräber sucht, wie man sie identifiziert, obwohl die dort begrabenen manchmal deutschen Namen tragen und Polen sind, manchmal aber polnische Namen haben und die Familien ihre polnische Abstammung abstreiten. Welche Schicksale erzählen uns die Gräber, über die Menschen, aber auch über die Deutsch-Polnischen Beziehungen.

Abschliessend gehen wir Kaffee trinken und leckere Kuchen in der Ufa-Fabrik essen…


Bei der Führung könnte man das Buch von Ewa Maria Slaska und Michał Rembas kaufen: Ich bin nicht tot / Nie umarłem – ein kleines schönes Buch über polnische Gräber in Berlin und deutsche in Stettin.

Nur 5 €! Beim Versenden + 2,5 € für Verpackung und Versendung.

Reblog: Vampirengrab

Franziska Fleischer

Ausgrabungen in Italien: Archäologen legen “Vampirbegräbnis” frei

Auf dem “Friedhof der Babys” in Italien haben Archäologen ein sogenanntes “Vampirbegräbnis” entdeckt. Sie fanden das Skelett eines zehnjährigen Kindes, welches daran gehindert werden sollte, von den Toten wieder aufzuerstehen. Die Menschen hatten vermutlich Angst davor, dass es das Böse über die Lebenden bringt.

In der italienischen Gemeinde Lugnano in Teverina sind Archäologen auf ein sogenanntes “Vampirbegräbnis” gestoßen. Forscher der Universität von Arizona, der Stanford Universität und Archäologen aus Italien haben das Skelett eines zehn Jahre alten Kindes auf einem antiken römischen Friedhof gefunden. Das schreibt die Universität von Arizona auf ihrer Presseseite.

Das Alter des Schädels konnte anhand der Zahnentwicklung bestimmt werden, allerdings nicht das Geschlecht.

Im Mund des Kindes fanden die Archäologen einen Stein. Sie glauben, dass dieser bewusst dort hineingelegt wurde, um zu vermeiden, dass es von den Toten wieder aufersteht. Außerdem vermuten sie, dass das Kind womöglich mit Malaria infiziert war und das Ritual die Ausbreitung der Krankheit verhindern sollte.

Mitte des fünften Jahrhunderts starben viele Babys und kleine Kinder in der Region an Malaria. Deswegen heißt die Stätte auch “La Necropoli dei Bambini” – oder “Friedhof der Babys”.

“Ich habe so etwas vorher noch nie gesehen. Es ist extrem unheimlich und seltsam”, sagt der Archäologe David Soren auf der Seite der Universität von Arizona. Er beaufsichtigt seit 1987 Ausgrabungen in der Region. Sie nennen es den “Vampir von Lugnano”. Solche Bestattungen werden häufig als “Vampirbegräbnisse” und die Betroffenen als Vampire bezeichnet, weil sie mit dem Glauben in Verbindung gebracht werden, dass die Toten wieder auferstehen könnten.

Bei früheren Ausgrabungen waren die Archäologen bereits auf Kleinkinder und Säuglinge gestoßen, neben denen Gegenstände wie Rabenkrallen, Krötenknochen und Überreste von Hundewelpen gefunden wurden. Diese Dinge werden häufig mit Hexenkunst und Magie in Verbindung gebracht.

Außerdem wurde vor einiger Zeit das Skelett eines drei Jahre alten Mädchens gefunden, welches in ihrem Grab an Händen und Füßen mit Steinen fixiert wurde. Eine Praxis, die die Verstorbenen in ihren Gräbern halten sollte. “Wir wissen, dass die Römer sogar zu Hexerei gegriffen hätten, um das Böse – was auch immer den Körper verunreinigt – daran zu hindern, heraus zu kommen”, so Soren.

Das “Böse” könnte in diesem Fall Malaria gewesen sein. DNA-Tests der ausgegrabenen Gebeine unterstützen diese Theorie. Die Knochen des zehnjährigen Kindes wurden bisher aber noch nicht auf Malaria untersucht.

Bisher waren die Archäologen davon ausgegangen, dass auf dem Friedhof vor allem Säuglinge, Kleinkinder und ungeborene Kinder beigesetzt wurden. 50 Gräber haben die Forscher bereits entdeckt. Der Fund des zehn Jahre alten Kindes zeigt, dass der Friedhof wohl auch für ältere Kinder benutzt wurde.

“Es gibt immer noch Abschnitte auf dem Friedhof, die wir noch nicht ausgegraben haben, also wissen wir nicht, ob wir noch andere ältere Kinder finden werden”, sagt Bioarchäologe Jordan Wilson, der die Skelettreste analysiert hat.

Entdeckungen wie diese können Forschern dabei helfen, mehr über die verheerende Malaria-Epidemie in der Region Umbrien vor beinahe 1.500 Jahren zu lernen – und wie die Menschen damit umgegangen sind. Die Archäologen werden im Sommer 2019 wieder an die Ausgrabungsstätte zurückkehren.

Verwendete Quellen:

Biblioteka jednego wiersza

Tibor Jagielski

… albo poczta butelkowa

płonące ptaki
(21 lipca 356 p.n.e.)

sukces
za wszelką cenę sukces
powtarza sobie herostrates
każdego dnia
i rozgląda się po okolicy

na rynku kupuje koguta
widziano go jak w bibliotece przglądał stare pergaminy
– bogobojny człowiek – mówi przekupka
– głodny wiedzy – kiwa głową pisarz
nie raz siedział w sali do zachodu słońca,
aż trzeba go było wypraszać –

wreszcie podejmuje decyzję
i podpala świątynię miłości
przypadkowo czy nie
tego samego dnia rodzi się wojna
która grzebie stary świat

ostatni dzień września
jeden po drugim zapalają się
klony
to wszystkie odcienie czerwieni maszerują na skraju lasu przed
zmrokiem
po raz ostatni biegnie chłopiec z latawcem
budzi
gwiazdy
septembers letzter tag
einer nach dem anderen fangen die ahorne zu glühen an
alle farbtöne der röte marschieren am rande des waldes vor der
dämmerung
ein letztes mal läuft ein junge mit dem drachen
er weckt
die sterne

11.10.

o duszy kobiety

ukryła się
w krysztale górskim
proroczo

Monika Maas

Kai liebste
schau mir zu
Ich schlüpfe grade in deine Rolle
erforsche so wie Du
ob Nächte wach sind
oder
wie man ohne Wissen fällt
oder
andere brückenlos mich
in ein Dunkel ohne Bilder
schicken
und in mein Inneres
mit Licht und Messer dringen
und mit Blicken
zutiefst ungehörig
Meine Seele
hatte sich
in Bergkristall verborgen
hellsichtig
Endoskopie
19.05.2010
Kai ukochany
spójrz na mnie
wskakuję właśnie w twoją rolę
badam jak ty
czy noce nie śpią
albo
jak upada się bezwiednie
albo
jak inni wysyłają mnie bezpośrednio
w ciemność bez obrazów
i wdzierają się w moje wnętrze
ze światłem i nożem
i spojrzeniami
najgłębiej bezwstydnie
Moja dusza
ukryła się
w krysztale górskim
proroczoendoskopia
19.05.2010


herbst 18

Barataria 87 Terry Gilliam oder Don Quixote

Der Mann, der Don Quijote getötet hat (2018)

Ein Film von Terry Gilliam mit Jonathan Pryce und Adam Driver
Kinostart: 27. September 2018, 132 Min., Abenteuer, Fantasy, Komödie

Die Geschichte eines verwirrten alten Mannes, der überzeugt davon ist, er sei Don Quijote, und den Werbefilmer Toby für seinen treuen Knappen Sancho Panza hält. Vor den beiden liegt eine bizarre Reise, wobei der Film in der Zeit hin- und herspringt, zwischen dem 21. Jahrhundert und einem magischen 17. Jahrhundert. Wie der berühmt-berüchtigte spanische Ritter selbst wird Toby nach und nach von der Scheinwelt verzehrt und kann seine Träume irgendwann nicht mehr von der Realität unterscheiden. Wenn er letztlich und aus Versehen Don Kichote getötet hat, wird er selber Don Kichote werden, der in die Welt geht…

Sancho Pansa trifft die Fürstin, die ihm im Buch seine Insel (Insel auf dem Land) Barataria geschenkt hatte; im Vorfilm, Lost in La Mancha, kam es lediglich einmal zu Wort, dass Sancho Pansa einen Preis bekommt – er soll ein König werden. Im neuen Film bekommt er gar nicht und niemand verpricht ihm auch was. Auch diese Szene gibt es nicht mehr.

Der Film bekam sehr schlechte Kritiken, ich muss aber sagen, mir gefiel er sehr gut. Er ist verrückt, springt stets in sieben Dreiecken, nichts ist hier logisch und gerade das Bizarre im Film fesselt Einem erbarmungslos.

***
Die Geschichte der Filmentstehung ist selbst Don Kichote würdig und Terry Gilliam kann man ohne weiteren Windmülenkämpfer nenen. Schon vor 30 Jahren wollte er einen Film über Don Quixote machen.

Josef Grübl

Es gibt jene Regisseure, die bekannt sind für das, was sie gemacht haben. Die sich ihr Lebenswerk auf silberne Scheiben gepresst ins Regal stellen können, feinsäuberlich nach Titel, Genre oder Entstehungsjahr geordnet. Und dann gibt es noch die anderen Regisseure. Die sind für Filme berühmt, die sie nicht gemacht haben, die auf halber Strecke verloren gegangen sind und es nie ins Kino geschafft haben, geschweige denn ins Regal.

Terry Gilliam gehört eher zur zweiten Kategorie, trotz seiner vielen großartigen Regiearbeiten: Brazil, Der König der Fischer oder Die Ritter der Kokosnuss sind moderne Klassiker, letzterer entstand gemeinsam mit seinen Kollegen von der legendären Komikergruppe Monty Python. Das Filmfest zeigt diese Werke, man hat ihren Regisseur eingeladen und ehrt ihn mit dem Cinemerit Award. Doch für Gilliam geht es nicht so sehr ums Preisabholen, er hat einen neuen Film gemacht, den er in Deutschland vorstellen will. Dieser galt etwa 20 Jahre lang als der berühmteste nicht verfilmte Film aller Zeiten. Die Entstehungsgeschichte von The Man Who Killed Don Quixote ist lang und hat etwas mit Düsenjägern, Regenstürmen, Bandscheibenvorfällen und wackligen Finanzierungskonzepten zu tun. Einzeln hätte man die Probleme vermutlich lösen können, in ihrer Gesamtheit führten sie aber dazu, dass die im Jahr 2000 begonnen Dreharbeiten abgebrochen werden mussten. In den Jahren darauf versuchte der Regisseur immer wieder, das Projekt wiederzubeleben, mit neuen Partnern, überarbeiteten Drehbüchern, anderen Schauspielern als den ursprünglich vorgesehenen Stars Jean Rochefort und Johnny Depp. Doch nichts klappte, es war ein sprichwörtlicher Kampf gegen die Windmühlen – den übrigens auch schon Gilliams Regiekollege Orson Welles verloren hatte, der zwölf Jahre lang an einem Don-Quixote-Film drehte, ihn aber nie vollenden konnte.

In der legendären britischen Komikergruppe Monty Python war er der einzige Amerikaner

Doch Terry Gilliam gab nicht auf, er ist nicht nur kreativer Bilderstürmer, sondern auch unermüdlicher Kämpfer. Und so konnte er im Juni 2017 auf seiner Facebook-Seite den Abschluss der Dreharbeiten zu The Man Who Killed Don Quixote bekannt geben – fast 30 Jahre nach der ersten Idee zu diesem Film. Die Dreharbeiten verliefen angeblich ohne größere Komplikationen, doch ganz ohne Katastrophe ging es auch dieses Mal nicht: Kurz vor der Premiere bei den Filmfestspielen Cannes im Mai 2018 klagte ein portugiesischer Produzent auf Urheberrechtsverletzung, er war vor Jahren an dem Film beteiligt und wollte die Aufführung verhindern. Es hätte also gut sein können, dass Gilliams Herzensprojekt auf den letzten Metern doch noch gestoppt worden wäre – und so ganz in trockenen Tüchern ist es wohl immer noch nicht. Hinter den Kulissen tobt immer noch eine Anwaltsschlacht, die selbst ihm zu viel wurde. Wenige Tage vor Cannes erlitt er einen Schwächeanfall und musste ins Krankenhaus. Britische Medien spekulierten sogar über einen Schlaganfall des 77-Jährigen, was sich glücklicherweise nicht bestätigte. Und so konnte er doch noch nach Cannes, der Film wurde aufgeführt, der Regisseur zeigte sich gut gelaunt auf dem roten Teppich.

Sein Monty-Python-Kollege Terry Jones sagte einmal, dass Gilliam nur arbeiten könne, wenn er einen Gegner hätte. Erst dann laufe er zu großer Form auf. An Gegnern hat es ihm nie gemangelt, davon zeugen auch die Filme, die er nicht machen konnte: Er war J. K. Rowlings erste Wahl für den ersten Harry Potter-Film, auch Charlie und die Schokoladenfabrik oder die Comicverfilmung Watchmen sollten unter seiner Regie entstehen. Doch den jeweiligen Produzenten erschien Gilliams überbordende Fantasie als unkontrollierbar. Im Jahr 1993 arbeitete er an einem Hollywoodfilm namens The Defective Detective, Nicolas Cage und Robin Williams wollten die Hauptrollen spielen, es sah ziemlich lange ziemlich gut aus – doch irgendwann zog das Studio den Stecker. Genauso lief es bei der Dickens-Verfilmung A Tale of Two Cities mit Mel Gibson, danach hatte Terry Gilliam von Amerika die Nase voll.

Es war nicht das erste Mal in seinem Leben: 1940 im amerikanischen Minneapolis geboren, arbeitete er nach einem Studium in Los Angeles als Zeichner für ein New Yorker Satiremagazin. Ein junger Engländer, den er dort kennenlernte, vermittelte ihm einen Job bei der BBC. Sein Name lautete John Cleese, gemeinsam mit anderen Komikern gründeten sie Monty Python. Terry Gilliam war der einzige Amerikaner in der Gruppe, er kümmerte sich vor allem um die schrägen Animationen, die die Sketche in ihrer Fernsehserie Monty Python’s Flying Circus zusammenhielten. Im Jahr 1975 kam Die Ritter der Kokosnuss ins Kino, es war der erste Spielfilm der Pythons, Gilliam führte gemeinsam mit Terry Jones Regie. In den Jahren darauf arbeitete er neben den Monty-Python-Projekten auch schon an eigenen Filmen.

Die Liste an Leuten, die sich an dem Tischlersohn aus Minnesota aufgerieben haben, ist lang, sein Verhältnis zu John Cleese ist schwierig. 1988 brachte er den deutschen Produzenten Thomas Schühly mit gewaltigen Budgetüberschreitungen bei Die Abenteuer des Baron Münchhausen in finanzielle Schieflage, im Jahr 2005 legte er sich mit dem mächtigen Harvey Weinstein an: Dessen ständiges Einmischen habe den Film Brothers Grimm verhunzt, behauptete Gilliam später. Der längst in England sesshaft gewordene Regisseur war schon öfter in München zu Gast, 2009 eröffnete er mit Das Kabinett des Doktor Parnassus sogar das Filmfest. Auch bei diesem Film gab es große Probleme, Hauptdarsteller Heath Ledger starb während der Dreharbeiten – und Gilliam musste kämpfen. Wieder einmal.

Ledgers noch fehlende Szenen übernahmen die Hollywoodstars Johnny Depp, Colin Farrell und Jude Law. Das funktionierte wider Erwarten sogar, dementsprechend erleichtert zeigte sich der Regisseur am Eröffnungsabend. Er brachte sogar seine Produzentin mit, die Zusammenarbeit mit ihr sei einfach großartig gewesen, schwärmte er. Ein Zeichen von Altersmilde? Nicht wirklich: Amy Gilliam ist seine Tochter, sie war auch jetzt beim Don-Quixote-Projekt beteiligt. Die beiden wissen vermutlich sehr genau, was sie aneinander haben.

Ryszard Ka schrieb Fogendes für allocine:

Pour moi décidément le meilleur film de Gilliam après Brazil. Une aventure de deux heures que je n’ai pas vu passer. Une histoire ficelée de main de maitre qui sillonne la limite de l imaginaire et de la réalité. Celles ci s’entremelant a chaque séquences au gré de la folie du personnage avec plusieurs couches de lecture possible.. Mise en scene d un Don Quichote dans ce monde moderne aussi impitoyable que le moyen âge le plus sombre auquel le rêve fou d un idéal est le seul echapatoire. Le Don de Terry est aussi touchant que le personnage de Cervantes. Loin d etre un auto portrait, le réalisateur s’amuse à coller des épisodes de sa galère de 25ans pour produire ce qui a mon avis restera le film le plus complexe qu il a réalisé. J espère que le film aura son succès,il le mérite amplement.