Osteuropa-Tage 2020 Übersetzerworkshop

Die Osteuropa-Tage Berlin 2019/2020 werden seit 2019 von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert. Beim Festival stehen Künstler*innen, Autor*innen und Aktivist*innen im Mittelpunkt, die wegen ihrer pro-demokratischen und pro-feministischen Ansichten in ihren Herkunftsländern oft auf Kritik stoßen. In Berlin kommen Protagonist*innen aus Polen, Bulgarien, Tschechien und Russland in einem Polylog zusammen, um die Kooperation und Entwicklung gemeinsamer Methoden zu fördern, mit denen Feminismus & Demokratie den Mittelpunkt dieser Gesellschaften (wieder) erreichen.

Das Programm richtet sich an Interessierte an der Kultur der vier mittel-/osteuropäischen Länder, aber auch an diejenigen, die offen sind, zum ersten Mal damit in Berührung zu kommen.

Alle Veranstaltungen finden online statt.

Übersetzungsworkshop “Voices to be heard”

Wann:  24 und 25. Oktober, 10-16 Uhr (CET)
Wo: online, Anmelden via Eventbrite
Preis: kostenlos

Quo vadis, Osteuropa?

Polnische Städte erklären sich zu LGBTQ-freien Zonen, in Bulgarien protestieren Menschen gegen die Ratifizierung der sog. “Istanbul-Konvention” zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, die russische Regierung beschließt die Errichtung eines eigenen Internets unter kompletter Staatskontrolle… Solche Geschichten dominieren die deutsche Nachrichtenlandschaft in Bezug auf osteuropäische Länder. Wie ist es eigentlich, alles das “live” als Teil einer dieser Gesellschaften zu erleben? Unsere Autor*innen berichten. Sie schildern Kontexte, Zusammenhänge und Umstände für ihre Landesleute, so wie wir sie hier selten erleben können. Genau das wollen wir bei diesem Übersetzungsworkshop ermöglichen.

Zwei Tage lang werden wir in kleinen Gruppen publizistische Texte zu den aktuellen gesellschaftlichen Themen aus Polen, Bulgarien, Tschechien und Russland ins Deutsche übersetzen, um ihren Botschaften eine (weitere) Stimme in Deutschland zu geben. Die Gruppen werden von erfahrenen Übersetzer*innen geleitet, die die Teilnehmer*innen bei der Arbeit an den Texten unterstützen.

Es werden Texte von Monika Tichy (Polen, Vorstandsmitglied beim Stettiner LGBTQ+ Verein Lambda Szczecin), Nadezhda Dermendjieva (Bulgarien, Geschäftsführerin des Bulgarian Fund for Women), Jiří Přibáň (Tschechien, Juraprofessor an der Universität Cardiff) und Alexey Kovalev, Anna Vilisova & Ilya Schevelev (Russland, Investigativ-Ressort des unabhängigen Nachrichtenportals Meduza) übersetzt.

Alle Übersetzungen werden im Anschluss am Workshop lektoriert und voraussichtlich Ende 2020 veröffentlicht.

Du kannst dich für diese Veranstaltung auf Eventbrite registrieren.

***Der Zoom-Link zur Online-Veranstaltung wird innerhalb einer Woche vor dem Event an alle Teilnehmer*innen per Mail zugeschickt.***


So viel findet sich auf der offizieller Seite der OET. Ich werde hier noch meine Bemerkungen zufügen. Mindestens zwei Themen sind für mich persönlich interessant: die Werkstatt und Monika Tichy, Autorin aus Stettin.

Die Werkstatt haben wir uns vor 20 Jahren ausgedacht. 1994 gründeten wir den WIR e.V., Verein zur Förderung der Deutsch-Polnischen Literatur. Primärer Zweck des Vereins war es, Bücher herauszugeben. Inzwischen und danach gab es ganz viele andere Tätigkeiten, Lesungen, Performances, Festivals. Irgendwan junge Autoren, die mit WIR zusammen gearbeitet hatten, kamen zu den Vorstand mit der Frage, ob wir bereit wären, für junge Dichter aus Deutschland und Polen, einen Übersetzer-Werkstatt zu organisieren, um danach ein Buch mit deren Texten in beider Sprachen herauszugeben. Wir sagten zu, ohne zu wissen worauf wir uns ranlassen. Es gab insgesamt sechs wunderbare Workshops, mehrere Veranstaltungen, eine gemeinsame Fahrt auf der Oder und am Ende drei Bücher. Ca. 100 junge Dichter*Innen nahmen an all diesen Events teil. Manche sind danach sehr erfolgreich geworden und wir sind stolz, dass sie, als noch unbekannt, bei uns waren. Michał Witkowski, Alexander Gumz, Daniela Seel, Radek Wiśniewski, Janusz Gabryel, Łukasz Kaniewski sind inzwischen feste Bestandteile der Literaturszene in beiden Ländern.

Alexander Gumz, Jan Kettner und Jacek Slaski (die Gruppe nannte sich Arte Nova), die Initiatoren der Workshops, haben intuitiv eine wunderbare Methode ausgearbeitet, wie man an die Texten rangehen soll. Man wollte keine von oben herab vorbereitete Übersetzungen, die sehr oft die Themen, Worte, Ideen verfehlten. Die Übersetzungen sollten in einer gemeinsamer Arbeit der polnischen und deutschen Autoren entstehen. Jede(r) sollte mit jeder/m über seine / ihre Texte reden können, Ratschläge bei anderen suchen, immer wieder neu ausprobieren. Fachübersetzer sollten nur im Ernstfall eingreifen, meistens hielten sie sich am Rande der Workshops und dienten nur als Berater.
Junge Menschen bereiteten nicht nur Texte und Abschlußveranstaltungen vor, aber redigierten auch ihre eigene WIR-Bücher.

Irgendwann ging die Idee vom Autoren-Workshop in die Welt. Vor ein paar Jahren brachte ich sie in die Osteuropa-Tage und seitdem freue ich mich immer, dass sie sich so konsequent und erfolgreich entwickelt :-).

Bei der ersten Werkstatt, 2017, war mit uns noch Joanna Trümner, die in der Gruppe, die mit den Gedichten von Marek Maj, eines Dichters aus Stettin gearbeitet hat, mitübersetzte. In letztem Jahr wollte sie wieder dabei sein, als (Vor)Übersetzerin eines Texts von Frau Prof. Inga Iwasiów und eine Gruppenleiterin, aber die Krankheit war schon schneller als sie. In diesem Jahr weilt sie nicht mehr unter uns.

***

Monika Tichy traf ich schon ein paar Mal, einmal in Februar 2020, als wir, Berliner vor dem Polnischen Institut gegen Anti-LGBT-Politik der polnischen Regierung protestierten und Monika eine fantastische, sehr persönliche Rede hielt. Sie war auch vor einem Monat bei einem Protestmarsch aus Słubice nach Frankfurt / Oder, an dem ca. 1000 Deutsche und Polen teilnahmen (ich berichtete HIER). Ela Kargol und ich diskutierten HIER über einen Mural in Stettin, dessen Initiatorin Monika war. Ich finde, sie ist eine wunderbare Frau und ich werde gern erfahren, was sie schreibt und was hier übersetzt wird. Das aber erfahren wir erst am Tag des Workshops bei dem Workshop oder (hier) ein paar Tage später 🙂

3 thoughts on “Osteuropa-Tage 2020 Übersetzerworkshop”

  1. glück auf, glück auf…
    egal, diese frau taugt tausendhaft mehr, als der, sorry für den ausdruck, und auch die fehlgeschlagene aktion,iwaszkiewicz, mit seinen arbeiterkumpels samt federgeschmückten uniformen;

  2. p.s.
    sz. to kuznia profesorow, najlepsze sily wzschechswiata skupily sie tam. aby doktorzy m – l, zostali tam profesorami teologii (sic);

  3. ale jak tu isc dalej, kiedy wszystko cofa sie w kierunku sredniowiecza?;
    patrz wczorajsza decyzja TK w polsce;

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