Kosmopolen oder Bevor man ein Verein gründet

Emanuela Danielewicz

Aller Anfang ist leicht, wenn man den Humor nicht verliert
oder das
was am Anfang über Polen im Ruhrgebiet in aller Anstandskürze erzählt werden sollte und die Gründung der Kosmopolen Künstlerinitiative nicht verhinderte

Bevor man ein Verein gründet, muss man etwas erlebt haben, was einen dazu bewegt. Meistens ist es ein Mangel. Bei mir war es eigentlich umgekehrt. Ich habe so viel nicht gesehen und so viel nicht erlebt, aber viel geträumt, beobachtet, gehört, gefühlt, verstanden, dass sich der Wunsch, Ideen auch zu verwirklichen vergrößerte. Und ich habe eine Weite an Möglichkeiten dafür gesucht und hier entdeckt.

Im Ruhrgebiet, höflich in der hiesigen Umgangssprache Ruhrpott genannt, um zu betonen, dass wir hier alle im selben Topf stecken, ist die Vereinsstruktur seit Jahrzehnten alltäglich. Ständig werden hier Vereine gegründet, die sehr konkret die Stadt mitgestalten. Hier kann man sich auf die Kumpels-Kultur und SPD Führung verlassen. Jeder hier engagiert sich und manche in sehr vielen Vereinen gleichzeitig. So ist es auch was ganz selbstverständliches ein Vorstand zu sein, oder Präsident und man bindet es anderen nicht sofort auf die Nase, wann man sich zum ersten Mal begegnet.

Die Stadt Bochum war als Ort für die Gründung von Kosmopolen von Anfang an perfekt. Die Geschichte um die ersten drei polnischen Vereinigungen um 1920 (mit dabei mein Großonkel Jan im Vorstand, wie ich viel später erfuhr) trugen dazu bei, dass ich persönlich als “Polin, die aktiv ist” wahrgenommen, schnell städtische Unterstützung fand. Die Politik, die auf Strukturwandel setzt und dabei die lokale sowie  internationale Kulturarbeit die Hauptrolle spielt, hilft. Der “Zeitgeist” lebt heute zeitgleich und fordert Mehrsprachiges, fördert Selbstorganisation, unterstützt alles mit Geschichte und liebt gute Kunst und Diskussionen.

Naiv dachte ich, dass das Interesse an einem neuem “Deutsch-Polnischem” Verein, dass ausnahmsweise künstlerisch-kulturelle Ausrichtung hätte, schnell wachsen könnte. Immerhin wird behauptet, jeder dritte hier im Ruhrgebiet stamme aus Polen. Also nahm ich an, es müsse doch an der Polnischen Kultur auch etwas Interesse geben bzw. am Osten allgemein. Doch es kam anders. Künstler tun sich schwer Ihre eigene Interessen organisierter zu gestalten und zu pflegen, erst Recht Mitglied im weiteren Verein zu werden. Die Deutschen… pardon: Biodeutschen…  haben weiterhin Panik in einem solchen Verein zu oft mit der Vergangenheit beschäftigt zu sein und sind trotz Hochkultur dem Künstler als mündige Person eher skeptisch gegenüber…  Die Polen bzw. die aus den heutigen polnischen Gebieten stammende Arbeitsmigranten und Emigranten sind mit der eigenen  oft sehr persönlichen Repräsentation und Identifikation so sehr beschäftigt, dass die Frage: Was ist eigentlich Polnisch? dominant aufkreuzt und sie an Aktivitäten außerhalb der katholischen Gemeinden stoppt.

Polen außerdem haben auch einen zwiespältigen Ruf. Das Warum kann man z.B. täglich vor der Christuskirche Bochum hören, oder vor der Stadtbücherei. Dort trifft sich eine Gruppe der noch nicht eingetragenen Biertrinkerpartei und schreit sich vollprozentig laut an, polnisch selbstverständlich. Wenn man Polen als Polin kennenlernt, wollen sie schnell etwas von einem. Der letzte z.B. ein Jacek mit einem neuen Job, wollte von mir gleich eine neue Wohnung und auch Hilfe beim Möbelkauf. Nein penetrant wurden seine Wünsche nicht geäußert, sondern ganz leise, wie zur Mutter, die immer zuhört und sofort reagiert.
Es gibt kein Polnisches Café in Bochum. Das Kalinka Cafe, gegenüber meinem alten berühmten 10 Meter Balkon, wo auch Kosmopolen eV gegründet wurde (11 Künstler im Hellweg 18 am 19. Mai 2008) klingt russisch, ist aber von der NEW German Generation of NEW Vegans geführt. Es gibt noch an verschiedenen Locations auftauchende Polonia Diskothek, heute unter einer türkischen Führung, vor deren Tür kaum ein Taxi halten möchte und wirklich jeder Taxifahrer haarsträubende Geschichten erzählt.

Was Polen können, ist Drama und wie weit sie damit gehen, zeigt die letzte Wahl in Polen.

Beinahe vergessen hätte ich das sogenannte Polnische Haus am Kortländer, über das vor acht Wochen beim Symposium des Nationalkomites aus Stuttgart “Charta von Venedig”  für ein größeres Publikum, doch ohne Publikum (weil es keine Interessierten zu diesem Thema gab) fachmännisch u.a. auch mit mir debattiert wurde, ob es sich um ein Haus handelt, das einen deutschen Denkmalschutz überhaupt erhalten sollte. Bis heute kann man dort historisch wertvolle “Schätze” finden und ein Namensschild verrät, dass Bund der Polen, einer der ersten polnischen Vereine, hier seinen Raum hat. Angeblich treffen sich dort die Älteren noch. Angeblich schreiben Damen noch Protokolle. Das Haus daneben ist schöner. Es war zur gleichen Zeit ein Bordell, das nächste Haus eine Polnische Arbeiterbank, deren Schriftzug man noch irgendwie lesen kann und das mich zu Phantasien inspiriert, in mir Fragen hervorruft: “Ob eine Arbeiterbank wirklich andere Finanzpolitik steuerte?”

Das Haus der Polen selbst ist marode, hässlich und alt. Daher wäre ich dafür es abzureißen und etwas Neues für heutige Zwecke Nützlicheres zu gestalten und aufzubauen. So ist es dem großen Kloster unweit dieser Straße ergangen. Große Schlesisch-Deutsch- Polnische Gemeinde hat den Abriss dieses Klosters mit extrem interessanter Geschichte 1971 nicht verhindern können. Heute wachsen noch die Bäume und auf dem Platz ist ein moderner Wohnbau für Weisenkinder entstanden, das St. Vincenz.
Kann man aber die letzten Steine der “Zeit der Ruhrpolen” überhaupt abreißen?  Es gibt doch seit wenigen Jahren ein neues vom BUND Unterstützes Projekt: das digitale Archiv der Polen genannt Porta Polonica, Leitung Herr Dr. Jacek Barski, auf deren Webseiten die nächsten Jahre personenbetonter die Geschichte der Polen in ganz Deutschland neu zusammengetragen und attraktiv dargestellt wird. Zum Teil werde auch ich mit einigen Portraitarbeiten beitragen können.

Was mich bei diesem ganzen Thema anfing zu interessierten war, ähnlich meines persönlichen Dilemmas keiner eindeutigen Kultur, Nation und Sprache anzugehören: die Tragik der Schlesier hier im Ruhrgebiet. Sie kamen in Ihrem Selbstverständnis als Deutsche nach Deutschland und wurden zu Ruhrpolen und das zu einer Zeit in der Polen seit 100 Jahren auf der Landkarte Europas nicht existierte.  Sie fühlten nationale Zugehörigkeit zu Deutschen, wurden aber als Polen wahrgenommen. Die Folge ist nun, dass hier jeder fast Pole ist. Auch das erschwert irgendeine vernünftige Abgrenzung, zum Glück. Kann es sein, dass wir nicht von Organisationen oder kultiviertem Bewusstsein, sondern einfach durch die klimatische Lage mehr beeinflusst werden? Sehr logisch wurde daher der Zusammenhang und Vortrag des Museumsleiters der Zeche Hannover Dietmar Osses  betitelt: “Von den Ruhrpolen zu den Kosmopolen” und erinnert auch uns indirekt, dass die Geschichten sich wiederholen können. Ich selbst komme aus Poznań, lebte über zwölf Jahren in Berlin, schlesische Kultur kenne ich nicht, habe aber Verständnis dafür, dass  die Liebe zu einem besonderen Flecken Erde durch Kultur und in Erinnerung länger gelebt, geschmeckt, gehört und erzählt werden möchte. Artur Beckers masurische Geschichten sprechen Bände. Auch er träumt von Kosmopolen, wenn er sich meditativ entspannen möchte.

Man muss wissen, dass vor 150 Jahren kaum jemand hier im Ruhrgebiet lebte. Alle waren Migranten, die hierher kamen. Auch das ist beste Voraussetzung gerade hier Kosmopolen zu gründen und den polnischen Aspekt der Geschichte in Form von etwas aufgefrischter europäischer Interkultur anzubieten, denn gemeinsame Geschichte ist immer auch ein Geschenk der gemeinsamen Lebenserfahrung und dass sollte man meiner Meinung sehr feinsinnig pflegen, statt Geschichte dramatisch und aggressiv den anderen gegenüber umzudeuten versuchen.

Wir haben Kosmopolen gegründet, um eben aus dem Deutsch Polnischem Dilemma auszutreten, einen dritten Weg vorzuschlagen, dem Kosmopolitischen auch Ausdruck zugeben, was aber am Wort Polen bei manchen hängen bleibt und manchmal einen Kontext aufdrängt, der für uns längst überwunden ist.
Man kann daher Kosmopolen als ein Tor begreifen von etwas nach?… vom Nationalen raus ins Inhaltliche… Basil Kerski, Chefredakteur der Zeitschrift Dialog und der Geschäftsführer vom Europäischen Kulturzentrum Solidarność in Gdansk,  meinte in den 90er Jahren dazu Andrzej Bobkowski mitzitierend, dass Kosmopole ein Mensch ist der scheinbar Widersprüchliches sich widersetzendes in sich vereint.

Ich begreife Kosmopolen eV als etwas Komplexes: Grenzenlose Offenheit im Begriff (Kosmos größer als ein Ich, Polen als Plural, nicht Singular!) und exklusive Geschlossenheit durch das Naturgesetz der Bipolarität zugleich. (Nord und Südpol als Beispiel der Bipolarität sowie gemeinsamer Einheit, in Deutsch an den Polen bedeutet an den Erdpolen, Verein als Struktur der möglichen Exklusivität und Inklusion)
Man kann sich nicht verlieren, weil es zugleich auch Halt gibt.

Wonach klingt das für Sie? Es gibt viele Antworten, daher werde ich die meinen hier nicht alle verraten. Ich bin ein Freund der gemeinsamen Diskussion, kitzel’ gerne und hoffe durch die Publikation dieses Textes auf der Webseite der Autorin Ewa Maria Slaska neue Freunde zu finden und zu motivieren, sich in diesem Rahmen mal mitzubewegen. Die nächste Aktion ist ein No Budget Neujahreskonzert am Donnerstag, den 21.01.2016.

Und was wir in diesen acht Jahren geschafft haben? Hier eine kleine Zusammenfassung:

Über sechs kleine Festivals, neue Produktionen u.a. auch für Kinder, neues Publikum für Polnische Kultur gefunden, Partner in ganz Ruhrgebiet bis Köln, die an Kosmopolen Aktionen Interesse haben, Familienkonzerte, neue Jazzreihen, Literaturreihen, neue etwas nettere Vorurteile gegenüber Polen… wir gewannen eine Goldene Eule in Wien, ein Zukunftswettbewerb, öffneten paar Herzen und bekamen gute Förderungen, so dass alle Teilnehmer normal honoriert wurden (auch dafür engagiere ich mich persönlich)… wir sind heute 14 deutschlandweit, haben zwar mehr Freunde, suchen aber neue Unterstützer und Mitglieder vor Ort im gewichtigen Jahr “25 Jahre Deutsch-Polnischer Nachbarschaftsvertrag” und in der prickelnden neuen politischen Situation jetzt in Polen.

Zu viele ungesehene, ungehörte, hoch talentierte, sensible und einsame weil eher introvertierte Menschen begegne ich und tue beruflich mein Möglichstes, um deren Dasein, deren Leben und Schaffen lauter zu kommunizieren, erst Recht im extrovertiertem technischem Zeitalter. Jeder ist seines Glückes Schmied, sagt man im Westen. Das stimmt im Fall der Kunst nicht ganz, denn Kunst ist tot und hat ohne Zuschauer, Zuhörer kaum irgendein Sinn. Kultur machen wir selbst. Ich mag Kunst, Musik, Fotografie, Literatur und dafür habe ich mit ein paar anderen Zeitgenossen aus verschiedenen Ländern Raum erkämpfen und schaffen dürfen.

Kosmopolen als Verein raubt mir viel Zeit, manchmal zum Glück auch den Verstand, nie die Geduld, aber am 21.01.2016 wird der vieldimensionale Sinn der ganzen Unternehmung zu hören und zu finden sein. Meine Herzliche Einladung nach Bochum ins Planetarium:

emanuelaplakatKOSMOPOLEN NEUJAHRESKONZERT 
Donnerstag, der 21.01.2016 – 20.00h
Konzert unter Sternen

es spielen:
Robert Kusiolek / Akkordeon
Elena Chekanova / Elektronik

ORT: Zeiss Planetarium Bochum
Castroper Straße 67 – 44791 Bochum
Eintritt: VVK 10,–/AK 12,–
Infos & VVK: www.planetarium-bochum.de
www.kosmopolen.de

X

P.S.
Zum Schluss eine kleine Anekdote. Seit nun vier Jahren suche ich neue Räume, vielleicht Galerie tauglich und für Organisatorisches von Kosmopolen nützlich.
Mein neuer Vermieter hat mir nach zwei Jahren Versprechungen beinahe den Schlüssel dazu in die Hände gegeben. Er, der stolze Besitzer vom ehemaligen Bunker, den er innerhalb von drei Jahren phänomenal umbaute und mit genügend Räumen bestückt, hat auch das zweite Mal Kosmopolen eV keinen Raum gegeben, als sich die Möglichkeit ergab. Alle Bitten halfen nichts. Der Bunker wäre mir gegenüber, im Raum war vorher eine Künstleragentur. Kosmopolen darf nicht rein, aber im selben Raum leuchtet es heute Violett und Damen leichtbekleidet lernen an der Stage Poledance.
Geistige Kunst und Kultur ist offensichtlich “gefährlicher” als Sex. In diesem Sinne: lass es uns 2016 krachen und diese Energie nützen 🙂

Kosmopolen Aktionen – in Planung 2016
Wir bekommen wieder die große Bühne in der Stadt Bochum!
Konzerte: NEW Polish Tunes 2016 in Essen, Bochum und Dortmund
Lesungen und Diskussionen: Die Kunst der Übersetzungen / Sztuka Tłumaczeń
Kinderaktionen und Polnische Weihnachten im mondo mio Dortmund auf Wunsch Vermittlung  bzw. Empfehlungen von Programmen, Konzerten…

KONTAKT:
Kosmopolen eV
Klarastrasse 6
44793 Bochum
Germany

www.kosmopolen.de          info@kosmopolen.de
Tel: +49 6872 9965
Mówimy po polsku

Wie kann ich Kosmopolen eV unterstützen?

Klicke regelmäßig: www.kosmopolen.de – die Klickzahlen werden gezählt

Unterstütze den Verein, Künstler, Kunst, Deutsch Polnische Kultur im Ruhrgebiet mit Deiner Fördermitgliedschaft   (€ 5,-/Monat, ab € 30,-/Jahr möglich)

Persönliches von Emanuela Danielewicz
Fotografin, Dipl. Kommunikationsdesignerin
und seit Oktober 2015 Studentin von Kulturreflexionen & Philosophie – Uni Witten Herdecke
www.danielewicz.de

Bilder von Margarete Kubicka in der Hufeisensiedlung

1 KUBICKA Selbstbildnis1917

Margarete Kubicka, Selbstbildnis, 1917

Noch bis zum Sonntag, den 6. Dezember sind in der Berliner Hufeisensiedlung, entworfen vom bekannten Avantgardearchitekten, Bruno Taut, Bilder von Margarete Kubicka (1891-1984) zu sehen.

 

 

Die Hinterglasmalerei Weltenwanderer (1923) im expressionistisch-theosophischen Geist gehört dazu.

2 KUBICKA Weltenwanderer

Die Finissage
dieser sorgfältig vorbereiteten Schau
findet am 6. Dezember, um 15.00 Uhr
im Hufeisen-Café
Fritz-Reuter-Allee 44, 12-359 Berlin
statt

Lidia Głuchowska

Margarete Kubicka. Ihr Beitrag zur Herausbildung und Entwicklung der Gruppe Bunt (1917-1922), einer deutsch-polnischen Künstlervereinigung der Avantgarde

Sie war Ehefrau des polnischen Malers und Graphikers, Stanisław Kubick und die einzige Frau und die einzige Deutsche unter den Mitbegründern der Posener Gruppe „Bunt“ (Revolte), deren Hauptforum die Kunstzeitschrift Zdrój (Quelle) bildete.

Im März 1918 erschien in diesem Periodikum das Programmheft der Vereinigung, deren zweisprachige Name, sowohl auf Deutsch und Polnisch sinnbildhaft für ihr expressionistisches Programm steht.

Margarete Kubicka hat das einzige im Linolschnitt festgehaltene Dokument der Diskussionen im Zentrum des Posener Expressionismus, dem Gut von Jerzy Hulewicz in Koscianki bei Września/Wresen geschaffen, auf dem sie Mittels kubo-futuristischer Bildsprache den Gedankenaustausch von Stanisław Kubicki, Jerzy Hulewicz, seiner Ehefrau und sich selbst darstellte.

3 KUBICKA Bei Hulewicz

Margarete Kubicka, Bei Hulewicz, Linolschnitt , 1917, Zdrój Febr, 1918, II, Nr. 4

 Kubicka sorgte dafür, dass die Gruppe Kontakte zu internationalen Avantgardekreisen Berlins um die Zeitschrift Die Aktion knüpfte. Sie war auch hauptverantwortlich für die Organisation ihrer kollektiven Ausstellung in den Redaktionsräumen von Die Aktion im Juni 1918. Anlässlich davon erschien eine Sondernummer dieser Zeitschrift. Es folgten weitere Publikationen und Ausstellungen.

4 - 5- 6 Bunt

Ankündigung der Bunt-Ausstellung in den Redaktionsräumen von Die Aktion mit dem Linolschnitt von Margarete Kubicka Opfer

 Sie hat auch das internationale Profil der Zeitschrift Zdrój und ihre grafische Gestaltung in Anlehnung an die der Berliner Periodika Die Aktion und Der Sturm, geprägt, da sie Covers der Einzelhefte vom Juli und November 1918 und vom Gesamtband VI entworfen hat.

7-8-9 Kubicka

Stilistisch und kompositorisch souverän, beeinflusste ihr Werk das Schaffen ihrer Kollegen, Jerzy Hulewicz und Władysław Skotarek.

In der historischer Perspektive war es auch ihr Verdienst, dass sie die nach den vier „Bunt“-Ausstellungen in Berlin gebliebenen Werke ihrer Künstlerkollegen während des Zweiten Weltkriegs beschützte und für die Nachwelt rettete.

Diese bilden den Kern der Ausstellung Bunt –Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde. Werkle aus der Berliner Sammlung von Prof. St. Karol Kubicki, deren letzte Schau in Wrocław (ehemals Breslau) parallel zur Ausstellung von Kubicka eröffnet wurde und noch bis zum 12. Dezember 2015 zu sehen ist.

SIEHE HIER

10 BUNT Expressionism Grenzuebergreifend 2 11 BUNT expressionismus Grenzuebergreifend BreslauMehr über das Leben und Werk der Künstlerin in:

  • Lidia Głuchowska, Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945, Berlin 2007
  • Lidia Głuchowska (Hg,): Bunt – Ekspresjonizm – Transgraniczna awangarda. Prace z berlińskiej kolekcji prof. St. Karola Kubickiego / Bunt – Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde. Werke aus der Berliner Sammlung von Prof. St. Karol Kubicki, Poznań: Muzeum Narodowe, 2015

sowie
in den Begleitheften zur Ausstellung im Hufeinsen-Café,
herausgegeben von der Anwohnerinitiative „Hufeisern gegen Rechts“

13 KUBICKA Hufeisen Cafe

12-14 lidia

Auszüge aus dem Referat von der Autorin gehalten am 29. November 2015 im Café in der Hufeisensiedlung

From Skolwin with love. And more.

einladungSkolwin

Kulturhaus Klub Skolwin in Stettin

und

Städtepartner Stettin – Friedrichshain/Kreuzberg Berlin e.V.

laden herzlich zur Vernissage der Fotoausstellung ein

Stettin – der zweite Blick

Wir stellen die Ergebnisse eines Stettiner Fotowettbewerbs vor, der von 2014-2015 stattfand.

Berlin, Rathaus Kreuzberg, Yorckstraße 4-11 (2. Etage)
17. November 2015 / 18:30 Uhr

Wir laden Sie ein, eine Auswahl der besten Fotos einer Gruppe von Fotoenthusiasten anzusehen, für die Fotografie eine Leidenschaft ist – sie widmen ihr jeden freien Augenblick, arbeiten mit all ihren Talent, Gefühl und Sensibilität. Stettin, wie es auf den Fotografien der Teilnehmer gezeigt wird, ist eine Stadt, die einen Besuch wert ist und sich lohnt entdeckt zu werden, jeder tut es auf seine Weise.

Als Vorgeschmack können Sie manche Bilder auf unserer Fanpage sehen.
Wir sind auch auf Social Media zu finden

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Es sprechen
Sascha Langenbach
Pressesprecher
Bezirksamt Friedrichshain Kreuzberg von Berlin
Folker Schmidt
Vorstandsmitglied
Städtepartner Stettin e.V.
Adam Komorowski
Direktor
Kulturhaus Skolwin

***

Und danach!

Fotospaziergang

Im Rahmen der Ausstellung planen wir je einen generations- und interessenübergreifenden Foto-Spaziergang.

In Berlin gehen wir direkt ins Zentrum, ins Herz der Stadt. Sozusagen: Vom Aussen nach Innen. Der Spaziergang findet am 29. November statt.

Treffpunkt ist Weltzeituhr am Alexander Platz umd 10.30 Uhr.

Die Fortsetzung dieses Spaziergangs findet am 6. Dezember in Skolwin statt, wo wir uns in die ganz andere Richtung bewegen werden, sozusagen: Vom Innen nach Aussen.

Skolwin, wenig bekannter Stettiner Bezirk, ist ein ausgesprochen schöner und interessanter, weit weg vom Zentrum gelegener Stadtteil, wo die Natur and die Industriebrachen stießt, und neue Ideen an soziale Brennpunkte. Und mittendrin agiert unser Veranstalter – Kulturhaus Skolwin.

Treffpunkt ist Bahnhof Gesundbrunnen um 7:45 Uhr.
Wir werden um 8:05 abfahren und am Abend zurückkommen. Die Fahrtkosten übernehmen die Organisatoren.

Bitte sich für beide Veranstaltungen bei Dorota melden dh. HIER.

***

Mit freundlicher Unterstützung von Regenbogenfabrik & Polnischer Sozialrat

Organisation, PR und Graphik: Dorota Kot

Margarete Kubicka in der Hufeisensiedlung

Am Sonntag, den 15. November wird in der Berliner Hufeisensiedlung, erbaut 1926 vom avantgardistischen Architekten, Bruno Taut, eine Werkschau der Berliner Künstlerin, Margarete Kubicka eröffnet. Wenn sie auch häufig als Expressionistin bezeichnet wird, da sie der polnischen Gruppe Bunt (Revolte) angehörte, trägt ihr frühes grafisches Werk eher kubo-futuristische Züge. Ihre Stärke, neben dem Linolschnitt, waren die leuchtenden Aquarellen, die sie gerne in die Serien gesammelt hat und die of eine Art Geschichte erzählen.

Einige ihrer Werke gehören der Berlinischen Galerie, darunter die Folge, Drei Sprünge des Wan Lung zum gleichnamigen Roman von Alfred Döblin.

Begleitend zur Ausstellung finden Sonderveranstaltungen statt, darunter ein Interview mit dem Sohn der Künstlerin, Mitbegründer der Freien Universität, St. Karol Kubicki sowie zwei kunstgeschichtlichen Vorträge.

Im Namen der Organisatoren, denen wir zu diesen Initiative auch gratulieren, laden wir Sie herzlich ein.

Mehr über das Leben und Werk der Künstlerin in:

Lidia Głuchowska, Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945, Berlin 2007.

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Margarete Kubicka, Hommage à Kubicki: Stanislaw Kubicki, der Agitator, 1924, Aquarell, Privatbesitz

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Margarete Kubicka, Neukölln: Bau der U-Bahn-Überführung 3, Linolschnitt, 1928, Privatbesitz

Für die Reproduktionsgenehmigung danken wir Herrn Prof. St. Karol Kubicki

Kubicka Hufeisen1 Kubicka Hufeisen 2

Finissage

Lidia Głuchowska

Bunt, internationaler Expressionismus und die avantgardistische „Neue Welt“ – Finissage und Buchpräsentation im Kraszewski-Museum, Dresden

Sonntag, 8. November um 15.00 Uhr

Nur noch wenige Tage ist im Kraszewski-Museum, Dresden die Ausstellung Bunt – Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde. Werke aus der Berliner Sammlung von prof. St. Karol Kubicki zu sehen.

Ab dem 26. November wird sie noch in Wrocław gezeigt.

Anlässlich der Finissage findet im Kraszewski-Museum, Dresden Vortrag und Führung von Dr. Lidia Głuchowska sowie die Präsentation der Begleitpublikation zur Ausstellung

10 Gluchowska Poet in TransituAuch wenn Expressionismus zumeist als eine „deutsche“ Stilrichtung bezeichnet wird, war der Radius seiner Wirkung durchaus viel breiter. Im Grunde entfaltete er sich international mit jeweils spezifischen lokalen Ausprägungen, häufig folkloristisch gefärbt, und verlieh der Idee der „neuen Staaten“ Ausdruck, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden war.

1a Gluchowska BuntKuratorin der Ausstellung und Autorin vor der Dokumentation der internationalen Vernetzung der Gruppe Bunt, Kraszewski-Museum, Dresden.

Foto: Mariola Nehrebecka

Das expressionistische Universum erstreckte sich von Skandinavien bis zum Balkan. Sein wichtigstes Zentrum in Polen wurde Poznań/Posen, wo die literarisch-künstlerische Gruppe Bunt (Revolte) und die Zeitschrift Zdrój (Quelle – 1917-1922) entstanden sind.

Der Sohn ihrer zweier Mitbegründer, eines deutsch-polnischen Künstlerpaares, Margarete und Stanisław Kubicki, hat sich entschieden, Werke der Posener Künstlervereinigung die nach ihren Berliner Ausstellungen in den Jahren 1918-1922 in der Sammlung seinen Eltern verblieben sind, den polnischen Museen zu vermachen. Dies war der Anlass, eine Wanderausstellung, auf der sie alle zu sehen sind, zu organisieren.

Die Gruppe Bunt, die Teil der transnationalen Kunstbewegung wurde, verkündete in ihren parallel auf Deutsch und Polnisch verfassten Manifesten die Utopie der avantgardistischen, grenzenlosen „Neuen Welt“. Die Fotodokumentation zur ihrer internationalen Zusammenarbeit der ist leider nur fragmentarisch erhalten. Aus ihrer Zeitschrift Zdrój und aus ihrem Briefwechsel ist jedoch bekannt, dass Kontakte mit Künstlerkreisen nicht nur in Deutschland gepflegt wurden, sondern auch in Frankreich, Belgien, Italien, Russland, Tschechien, Island und sogar Indien. Somit werden Initiativen der Künstlervereinigung von eindrucksvoller Reichweite bestätigt, die auch alle drei damaligen Teilungsgebiete Polens miteinbezogen. Diese wird ebenfalls durch die Publikationen in solchen expressionistischen Kunstzeitschriften wie Die Aktion, Der Sturm, Der Weg oder Die Bücherkiste bestätigt.

2 Skotarek BuntPlakate der ersten Ausstellung der Gruppe Bunt (Revolte) in Poznań/Posen 1918 sowie expressionistische Linolschnitte von Władysław Skotarek , darunter Schrei und Panik, inspiriert vom Schrei Edvard Munchs

Die Bunt-Mitglieder verewigten nicht einmal ihre erste Ausstellung, die als strategischer succès du scandale gilt und deren Aura den Veranstaltungen der Zürcher Dadaisten und Modernisten in Paris gleichen sollte. Das einzige Foto, welches das Zentrum ihrer Tätigkeit dokumentiert – den Gutshof des Verlegers der Zeitschrift Zdrój Jerzy Hulewicz in Kościanki – zeigt diesen nur in Begleitung ihrer ersten informellen Herausgebers, Stanisław Przybyszewski, der seinerzeit in Berlin als der „geniale Pole“ bezeichnet wurde. Dieser hat allerdings in Berlin 1894 die erste Monographie über den Urexpressionisten Edvard Munch und somit auch die erste Theorie des Expressionismus verfasst.

3 Przybyszewski HulewiczStanisław Przybyszewski und Jerzy Hulewicz vor dem Porträt Przybyszewskis aus der Hand von Jerzy Hulewicz. Kościanki, Wielkopolska [Großpolen].
Aus: Stanisław Przybyszewski, Listy, Hg. v. Stanisław Helsztyński, Bd. 2., Warszawa/Gdańsk 1938.

Ein groteskes Anti-Gruppenbildnis ist wiederum das Foto von den Separatisten des Kongresses Internationale Union fortschrittlicher Künstler in Düsseldorf im Jahr 1922, an dem Margarete und Stanisław Kubicki teilnahmen. Hier ist der spiritus rector des radikalen Flügels der Künstlervereinigung Bunt unter den wichtigsten Vertretern der internationalen Avantgarde zu sehen.

Dem Ex-Dadaisten Raoul Hausmann gelang es wiederum mithilfe von Licht-Schaffen-Effekten das expressionistische Linolschnittbildnis von Kubicki nachzuahmen.

4 Separatysci Hausmann

Links: Separatisten des Kongresses der Union Fortschrittlicher Internationaler Künstler, Düsseldorf, 1922 Stanisław Kubicki (sitzend), Franz W. Seiwert, Hannah Höch, El Lissitzky, Otto Freundlich, Ruggero Vasari, N.N., Nelly van Doesburg, Cornelis van Eesteren, Hans Richter, Theo van Doesburg, Raoul Hausmann, Werner Graeff.
Foto: Retina, aus: Central European Avant-Gardes: Exchange and Transformation, 1910-1930, Hg. Timothy O. Benson, Cambridge 2002, S. 35
Rechts: Raoul Hausmann, Korb mit Lampe, 1930, Fotografie, Privatsammlung von Prof. St. Karol Kubicki, Berlin. Foto: Mariola Nehrebecka

Ein im Privatarchiv Kubickis erhaltenes Foto der Gruppenmitglieder von Jung Jiddisch aus Łódź bestätigt die Einbindung von Bunt in das multikulturelle künstlerische Leben Polens nach dem ersten Weltkrieg. Suggestiv wirken auch die Porträts einiger Künstler beider Vereinigungen aus der Serie Menschen des 20. Jahrhunderts von August Sander, gestaltet in der Konvention der Neuen Sachlichkeit. Von Hausmann wurde Kubicki nicht nur porträtiert. Zusammen mit ihm realisierte er auch Fotoexperimente, deren Dokumente zwei in seinem Atelier entstandene und in seinem Nachlass erhaltene Aufnahmen, mit dynamisch und abstrakt wirkenden Formen bilden.

5Hausmann IdyszRechts: Marek Szwarc, Moses Broderson und Jankiel Adler präsentieren das zweite Heft ihrer Zeitschrift Jung Idysz (Jung Jiddisch) 1919, Nr. 2–3. / Links: Raoul Hausmann, Korb mit Lampe, 1930. Foto: Lidia Głuchowska

1926 in Berlin führte Kubicki in Berlin Gespräche mit dem polnischstämmigen Vertreter der russischen Avantgarde, Kasimir Malewich. Diese desillusionierten ihn endgültig zur Idee der „proletarischen Kunst“, was in seinen Beiträten in der Kölner Kunstzeitschrift a bis z zum Ausdruck kam. Diese wurde von der Gruppe progressiver Künstler herausgegeben, mit der die Kubickis zwischen 1923 und 1933 zusammen ihre Werke ausstellten. 1929 wurde Kubicki auf Empfehlung ihres Wortführers, Franz Wilhelm Seiwert, vom Hoffotografen der Progressiven, August Sander, in der Berliner Hufeisensiedlung auf einen für dessen Serie Menschen des 20. Jahrhunderts bestimmten Porträt verewigt.

6 Malevich Kubicki SanderLinks: Kasimir Malewitsch und Tadeusz Peiper in Berlin, Frühling 1927, Fotografie gesendet als Postkarte an Jalu Kurek in Krakau, aus: Andrzej Turowski, Malewicz w Warszawie, Kraków 2002, S. 212. /Rechts: August Sander, Der Maler (Stanislaw Kubicki), 1929, Privatsammlung von Prof. St. Karol Kubicki, Berlin. Foto: Mariola Nehrebecka

Wie ein Memento Mori an die nationalsozialistische Ära und an die Verbannung der sg. ‚entarteten Kunst’ aus dem offiziellen Kunstleben wirken Fotografien von Skulpturen Weiblicher Torso von Otto Krischer sowie Mutter und Kind von Pola Lindenfeld, welche von SA und SS während der Durchsuchungen im Berliner Haus der Kubickis zerstört wurden.

7 Kirscher LindenfeldOtto Krischer, Weiblicher Torso, ca. 1919 (links) und Pola Lindenfeld, Mutter und Kind, Gips, ca. 1922 (rechts).
Fotografie der Plastiken aus der Privatsammlung Kubicki die von den Nazis im Rahmen der Aktion ‚entartete Kunst’ vernichtet wurden. Foto: Lidia Głuchowska

Das nur noch von einer alten Postkarte bekannte Denkmal Zum ewigen Andenken an Józef Piłsudski, das einzige klassizistische Werk im Œuvre von Kubicki, bezeugt nicht nur den Kult um den polnischen Staatsanführer angesichts der wachsenden Stärke des sowjetischen und nationalsozialistischen Totalitarismus, sondern erinnert auch die Affinität der Bunt-Künstler zur Idee der Vereinigung Polens im Geiste seiner Politik während des Ersten Weltkrieges. Es veranschaulicht auch die Ambivalenz ihrer Selbstidentifizierung, die zwischen romantischer Begeisterung für den 1918 entstandenen polnischen ‚neuen Staat’ einerseits und avantgardistischer Utopie der internationalen ‚Neuen Gemeinschaft’ andererseits schwankte.

9 Kubicki PilsudskiStanisław Kubicki, Denkmal Zum ewigen Andenken (1935–1939) an Józef Piłsudski und seine Legionäre aus der Gemeinde Kobylepole, die in den Jahren 1919–1920 gefallen sind. Park des Palastes vom Grafen Stanisław Mycielski in Kobylepole. Denkmal vernichtet in den 1940ern.

Kubicki war nicht nur ein bildender Künstler, dessen Werke eine besondere geometrische Stringenz aufweisen, sondern auch ein Kunsttheoretiker und Dichter. 1918-1921, am Ende des Ersten Weltkriegs und in den Folgejahren verfasste er seine expressionistischen, manifestartige Poemen zugleich auf deutsch und polnisch, womit er seinen Beitrag zum avantgardistischen Internationalismus geleistet hat. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs schloss er sich der der polnischen Widerstandsbewegung an und wurde 1942 von der Gestapo ermordet, womit er die Wahrheit seiner eigenen Aussage „Nicht unsere Werke sind wichtig, sondern das Leben“ bestätigt hat.

11 Gluchowska Bunt EkspresjonizmWenn nicht anders beschrieben, stellen Fotos in diesem Beitrag Fragmente des Arrangements der Ausstellung Bunt – Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde im Kraszewski-Museum, Dresden

Mehr zum Thema in: Lidia Głuchowska (Hg.): Bunt – Ekspresjonizm –Transgraniczna awangarda / Bunt – Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde, Poznań: Muzeum Narodowe, 2015

Eine Lesung “vom Blog”

monika-einladungDie kleine große Welt

Lesung mit Monika Wrzosek-Müller

20.10.15 | 19 Uhr | RegenbogenCafé

Lausitzer Straße 22
10999 Berlin

Geboren bin ich in Warschau, noch in den Kinderboom-Jahren, was zur Folge hatte, dass es überall eng war, die Aufnahmeprüfungen für die Oberschule oder an der Uni. Nach turbulenten Jahren in Warschau; Mitgliedschaft bei der Solidarność, Arbeit im Polnischen Fernsehen, Entlassung nach Verifikationsgesprächen, siedelte ich 1984 in die BRD erst nach Frankfurt/Main dann nach West-Berlin. Hier habe ich zwei Jahre Kunstgeschichte studiert. Einige Jahre arbeitete ich im Polnischen Kulturzentrum in Berlin und längere Zeit unterrichtete ich Deutsch als Fremdsprache für Ausländer in der VHS Neukölln. Immer wieder übersetzte ich auch längere Texte und Bücher aus dem Polnischen ins Deutsche z. B: Solidarność, Geschichte einer Gewerkschaft, Die zwei Köpfe des Adlers…
Es folgte ein vierjähriger Aufenthalt in Italien, der mein Leben erleuchtete und wärmte. Zurück in Deutschland lebte ich längere Zeit in Kleinmachnow und beschäftigte mich mit Yoga, ich absolvierte auch eine vierjährige Yoga Ausbildung, mehrere Reisen nach Indien und Sri Lanka. Bis jetzt unterrichte ich Yoga an verschiedenen Stellen. Ich bin verheiratet und habe einen Sohn.
Geschrieben habe ich eigentlich schon immer; auf Deutsch bewusst und persönlicher erst in der Abschlussarbeit für die Yoga Ausbildung. Einen Ansporn meine Gedanken wirklich niederzuschreiben gab mir Ewa, indem sie mir ein Plätzchen in ihrem Blog einräumte. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass die Texte alle auf Deutsch aus mir herauskamen:

Und wie immer war die Überfahrt (nach Kladow zum Yogafestival) ein Erlebnis für sich; sie war in ihrem Kopf noch Meilen von dem Yoga Event entfernt; schaute verträumt um sich herum, auf das Wasser, die vielen Boote, die bewaldeten Ufer des Wannsees; die schöne Seite von Berlin stimmte sie melancholisch. So lange kämpfte sie schon mit sich um ihren Platz in diesem Berlin und den Platz von Berlin in ihr; es war unendlich schwer das zu verbinden, sich zu finden als Mensch, als Ehefrau, als Mutter, als Fremde, als Germanistin, als Arbeitskraft, als Yogalehrerin, als Übersetzerin und als Deutschlehrerin. Immer wieder nagte das Gefühl an ihr, nicht dazu zu gehören, etwas verpasst zu haben; sich nicht einmischen zu wollen, das Leben von außen zu betrachten, nicht bemerkt zu werden und nicht das eigentliche Leben zu leben. Es lag an ihr, der langsame passive Gang ihres Lebens, sich vorwärts schaukeln, wie die Wellen nach vorne rollen und schnell wieder zurückkehren, sich zurücknehmen, was man schon erreicht hat, zerstören. Die Überfahrt war lang und doch kurz oder genau richtig, um nicht zu lange grübeln zu können.

Eintritt frei – Spenden willkommen.

Eine Veranstaltung von Blog ewamaria2013 & Regenbogenfabrik

Berlin for everybody

It is well known, that we are living in the city which is dirty and ugly, but, alas!, everybody wants to live here. And everybody important lives here or at least comes to visit us. We can do nothing, everything will be done for us. Look, just now, next week, comes my favorite German journalist, Meike Winnemuth, in November Ai Weiwei  (yes yes THAT! Ai Weiwei) and in one month Miranda July… He comes for one year, they just for one day…

Meike Winnemuth

dressmeikeShe is a very funny girl. She spend one year in one blue dress and wrote a book about it. So funny!

In a year 2010 she took part on TV Programmm Who becomes a millionaire?, got really half a million euro, took the money and spend one year living every month in another big city all over the world. And of course she wrote a book about living one year in the world. So funny!

I wrote about it HERE.

Now she does nothing! And she wrote a boook about it. So funny!

You will meet her:

Wed, 21. Oktober 2015 – 20:00

Babylon
Rosa-Luxemburg-Str. 30

10178 Berlin

Tickets (ach!) 12 €

Just go!

Ai Weiwei

12141735_993862160635176_394371024703387085_nI am not very fond of him though I know to appreciate his doings and deeds. He is a hero, it is interesting to meet a hero. One does not have many occasions like that in one’s life.

Sun, 1st of November 17:00

Konzertsaal der UdK
Hardenbergstraße 33
10623 Berlin-Charlottenburg

There are no tickets any more, so do not try to go! But there will be a live video stream at www.livestream.udk-berlin.de – in German, English and Chinese.

Miranda July

She comes tu Huxleys New World to present her new book:
“Der erste fiese Typ”.

Moderation: Thomas Böhm
German voice: Tatiana Nekrasov
Presented by Verlag Kiepenheuer & Witsch and BUCHBOX! bookstores
The event will be in German and English

Miranda July Fr, 13.11.2015  at 20:00
Huxleys Neue Welt, Hasenheide 107, 10967 Berlin

Tickets, ach, 17,5 €

Buy the tickets and go!

Die kleine große Welt (18)

Monika Wrzosek-Müller

Wittenberg
Cranach der Jüngere und die Cranachs

Seitdem sie den Umschlag des Katalogs der Cranach-Ausstellung gesehen hatte, war sie so in das feine Bild der Prinzessin Elisabeth von Sachsen verliebt, dass sie es sehen musste. Die Fahrt nach Wittenberg, in die weitere Umgebung von Berlin war gut für einen Sonntagsausflug. Sie wählten eine Route abseits der Autobahn, wie sich herausstellte auch zurecht, denn wie immer wurden in den Sommermonaten die Fahrbahnen repariert und ausgebessert und es staute sich direkt nach der Ausfahrt aus Berlin; Staus gab es auch schon in Berlin, wie immer im Sommer, wenn verstärkt an den Straßenschäden gearbeitet wurde, und sie standen da auch einige Minuten länger. Es war Sommer in voller Blüte und Trockenheit, doch das Grün überwog und manchmal blühten sogar noch Kornblumen, die Mohnblumen waren dagegen fast gänzlich verschwunden; an manchen Stellen war die Trockenheit nicht zu übersehen, der Mais stand nur halbhoch, die Maiskolben ganz ausgetrocknet und bräunlich, manche Felder schon abgeerntet. Doch der Weg führte durch kleine Ortschaften, in deren Mitte fast immer eine schöne alte Dorfkirche aufragte und an den Straßenrändern Menschen saßen und Pflaumen, Karotten, Blumen, alles was ihre Gärten hergaben,verkauften und dann wieder führte die Straße durch größere Waldstücke, Wälder, manchmal sogar leicht hügelig, also sehr reizvoll.

Die Stadt Wittenberg kannte sie von früheren Ausflügen, doch sie änderte sich mit jedem Jahr und es war immer wieder interessant das nachzuverfolgen, was neu dazu gekommen war; die Wasserläufe mit den prächtigen Blumen-, eher Pflanzen Arrangements, die vielen Plakate zur Cranach-Ausstellung und große über ungenutzten Flächen aufgespannte Abbildungen der Werke der Cranachs stachen in die Augen und auch die vielen Menschen, die doch offensichtlich zu der Ausstellung gekommen waren. Es war diesmal nicht Luther selbst, sondern seine Maler – denn man musste den Sohn auch einbeziehen – denen die Aufmerksamkeit galt. Besonderes gedacht wurde diesmal Cranach d. J. anlässlich seines 500. Geburtstages, mit einer extra für ihn eingerichteten Ausstellung: Lucas Cranach der Jüngere – Entdeckung eines Meisters, damit der Sohn einmal aus dem Schatten seines Vaters heraustreten und seine Arbeit und Werke erstrahlen konnten.

Das Konzept der Ausstellung, sie in realen von der Familie Cranach bewohnten Plätzen einzurichten, gefiel ihr sehr. So war die Ausstellung auf drei Orte in Wittenberg verteilt, an jedem kam man dem Werk des Künstlers näher: Cranach-Haus, Augusteum und Stadtkirche. Für sie war die Einführung Cranachs Welt im Cranach-Haus am Markt sehr einleuchtend; man lernte die Familie kennen, ihr Umfeld und das Schaffen. Demnach gehörten die Cranachs zu den einflussreichsten Familien in der Stadt; sowohl der Senior als auch der Junior wussten sehr wohl, wie man die Güter der Familie vermehrte, sie in Immobilien, die Apotheke und einen florierenden Weinausschank investierte. Natürlich war die Hauptbeschäftigung mit der Malerwerkstatt verbunden; da entstanden die vielen Werke, die Ideen, wie man sie schneller produzieren konnte; verbreitet war die Kunst des Pausens, d.h. eine einmal gemalte Figur, ein Gesicht konnte mit einer Technik, die in der Ausstellung mit einem Video erklärt wurde, sehr einfach auf ein neues Bild übertragen werden. So entstanden die zahllosen Bilder von Luther mit verschiedenen Kopfbedeckungen.

Eine Malerwerkstatt funktionierte wie ein kleines Unternehmen, die der Cranachs mit ihrer enormen Produktivität glich fast einer Bildermanufaktur; es waren viele Leute beschäftigt, die einen produzierten Farben, die anderen bespannten die Leinwände, die Söhne versuchten sich im Zeichnen, wurden von dem Vater an das Handwerk herangeführt. Das alles kann man sehr anschaulich und authentisch in den Cranachwerkstätten nachempfinden. Sie musste während des Gangs durch die Ausstellung immer wieder an die Beschreibung in einem Roman über Leben und Tun von Tintoretto in Venedig denken, auch er führte seine Kinder an das Handwerk heran und verstand es sehr gut zu investieren und sich immer weiter zu entwickeln, auch er verstand sich eher als ein perfekter Handwerker denn als ein genialer Künstler. Sie dachte, wie anders hatte man die Künstler damals wahrgenommen; sie richteten ihr Tun ganz nach den Marktgesetzen, produzierten die Bilder für die ganze Region in unheimlichen Mengen, zogen alle Aufträge an sich, oft konnte man nicht eindeutig feststellen, wer letztendlich der richtige, ausführende Künstler war, denn es gab einfach zu viel zu tun. Diese Gedanken kamen ihr verstärkt in den Räumen der Ausstellungen über die Cranachs.

Und noch eins beschäftigte sie die ganze Zeit, aber den Zugang dazu fand sie nicht; es war doch die Entstehungsstunde der protestantischen Kirche, d.h. die Cranachs bildeten die Ikonografie dieser neuen Glaubensrichtung. Lag das an ihrem Unwissen oder hatte man diesem Aspekt zu wenig Platz eingeräumt, zwar gab es Bilder wie die fantastische Darstellung: Die Arbeit im Weinberg des Herren, wo explizite der Kampf zwischen den guten, fleißigen Protestanten und den faulen, prächtig angezogenen Katholiken wunderbar zum Ausdruck kam, doch sie fand wenig Erklärungen und Erläuterung zu diesem Themenkreis. Vielleicht, dachte sie, alle die sich die Ausstellungen anschauen, sind selber Protestanten und das meiste ist für sie einfach selbstverständlich.

Erschreckend fand sie die Abbildungen, Fotos vom Zustand des Cranach-Hauses vor der Wiedervereinigung; erstaunlich, dass in der DDR nicht einmal so renommierte Künstler Beachtung gefunden hatten, jedenfalls dass ihre Wohnstätte so vernachlässigt worden war; sie selbst hatte doch vor vielen Jahren im Kulturzentrum der DDR in Warschau einen großen, sehr gut dokumentierten Bildband über die beiden Cranachs gekauft, also war das Werk von ihnen bekannt und anerkannt.

Doch am meisten berührt, bewegt oder einfach auch gefallen haben ihr die 13 Zeichnungen von Cranach dem Jüngeren. Sie kamen aus dem Musée des Beaux-Arts de Reims und sind zum ersten Mal alle zusammen in Wittenberg zu sehen, in einer Art von Schatzkammer, mit gedämpften Licht. Die Zeichnungen auf dem vergilbten, alten Papier leuchten trotzdem durch ihre Schönheit, Präzision und Ausdruckskraft. Man steht verzaubert und erstaunt von der Lebendigkeit und Bildhaftigkeit der Porträts. Lucas Cranach d.J. verstand es meisterhaft, die feinen Linien, die Lichteinfälle, die Schattierungen wiederzugeben; seine Zeichenskizzen erinnerten sie wiederum an diejenigen von Leonardo da Vinci, aus dem Museum in Vinci. Gerade diese Zeichnungen bilden für sie den Mittelpunkt der Ausstellung, sind modern, leben weiter und inspirieren junge Künstler.

Wichtig und interessant fand sie auch die Herausarbeitung der Unterschiede in der Malweise, dem Malduktus zwischen dem Vater und dem Sohn; denn nach dem Weggang des Vaters nach Augsburg blieb die Werkstatt weiterhin sehr gut ausgelastet mit neuen Aufträgen, hauptsächlich bürgerlicher Porträts, Epitaphien und Altären.

Viele der Epitaphien und Altarbilder hat sie dann in der Stadtkirche gesehen, der Rundgang bildete auch das Ende der Besichtigungstour; die anderen Ausstellungsorte in Dessau und Wörlitz, sowie in den kleineren Kirchen der Umgebung von Wittenberg konnte man an diesem einen Tag niemandem zumuten.

***

Heute vor 500 Jahren, am 4. Oktober 1515, wurde Lucas Cranach der Jüngere als jüngster Sohn von Lucas Cranach dem Älteren und Barbara Brengebier in Wittenberg geboren. Das Land Sachsen widmete ihm und der ganzen Cranach-Familie mehrere Ausstellungen und Veranstaltungen – mehr

Bunt und die Gegenwartskunst

Lidia Głuchowska

Am Sonntag, den 4. Oktober um 15.00 Uhr finden im Kraszewski-Museum Dresden, begleitend zur Ausstellung ,Bunt’ – Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde. Werke aus der Berliner Sammlung von Prof. St. Karol Kubicki, ein öffentlicher Vortrag und eine kuratorische Führung von Dr. Lidia Głuchowska statt: Das Werk der Gruppe Bunt (Revolte) als Inspiration für Gegenwartskünstler in Deutschland und in Polen.

 Hier im Voraus Einiges zu diesem Thema.

Die Ausstellung expressionistischer Werke der Posener Expressionistengruppe Bunt (Revolte, 19181922), welche noch bis zum 8. November im Kraszewski-Museum Dresden und dann in Wrocław zu sehen ist, wird von zeitgenössischen Kunstpräsentationen begleitet. Die daran beteiligten Kunstgrafiker, Glaskünstlern und eine Bildhauerin beziehen sich in ihren Werken auf die Programme und Ästhetik der Künstlergruppe Bunt (Revolte) und dabei vor allem auf die Idee der engagierten Kunst.

1 PlakatLogo Bobrowski 2015Das auf dem Plakat abgebildetes Logo der Ausstellung – Linolschnitt von Andrzej Bobrowski Transformation M/S (2015) – knüpft an die expressionistischen Selbstbildnisse derjenigen Bunt-Mitglieder an, die die Kontakte der dieser Vereinigung zu den internationalen Künstlerkreisen in Deutschland initiiert haben – Margarete und Stanisław Kubicki.

So wie die Bunt-Künstler ein Gruppenporträt in der Art des Bildnisses Eine Künstlergruppe von Ernst Ludwig Kirchner (1926) nie geschaffen haben, so haben sich auch die Kubickis nie als Paar porträtiert. Andrzej Bobrowskis Linolschnitt Transformation M/S [M(argarete)/S(tanisław)] verbindet in sich ihre Selbstbildnisse aus den Jahren 1917–1918. Das Selbstporträt IV von Kubicki hat sich bis in unsere Zeit nicht erhalten und ist nur noch aus den Publikationen in den Kunstzeitschriften Zdrój (Quelle) und Die Aktion bekannt.

Das zeitgenössische grafische Werk, eine horizontal-panoramische, an Bannerform angelehnte Komposition, ist zum einen eine Reflexion über die künstlerischen und privaten Beziehungen zwischen den Kubickis, und zum anderen darüber, wie die Zeit vergeht, wie die Einzelheiten der künstlerischen Biografien im kollektiven Gedächtnis verblassen, über die Gruppenidentität und schließlich über die fehlende Integrität des Kunstwerkes im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit.
Von den selben Selbstbildnissen der Mitbegründer von Bunt wie das Ausstellungslogo wurde die monumentale Installation Przenikanie /In-Einander-Greifen (2015) von Karolina Ludwiczak und Marcin Stachowiak angeregt.

2 Przenikanie Ludwiczak StachowiakDas Ergebnis des Dialogs mit dem Schaffen der Kubickis ist hier jedoch ein ganz anderes.

Zum ersten verdeutlicht diese Installation, die um mehrfaches größer ist als die ursprünglichen Selbstporträts, dass der zeitgenössische Kontakt mit Kunstwerken der Vergangenheit, die häufig nur aus dem Internet oder anderer Vervielfältigungsmedien bekannt sind, nicht selten eine sehr beschränkte Vorstellung von deren materieller Gestalt verleiht. Und diese ist von wesentlicher Bedeutung auch wenn die manuellen und intellektuellen Fähigkeiten eines Künstlers Vorrang haben vor dem Material, mit dem er arbeitet.

Zum zweiten macht sie auf ein Paradox der von ihnen verwendeten Technik aufmerksam. Obwohl man im Falle des Werks von Ludwiczak und Stachowiak von einem „Inter-Gattungsspiel“ sprechen kann, da sie ein plastisches Bild und nicht lediglich ein flaches geschaffen haben, so knüpfen sie trotzdem in der reliefartigen Form ihrer Installation an die Form der Linolschnittplatte an, mit der die Bildnisse der Kubickis gedruckt wurden. Und wenn sie somit das expressionistische Vervielfältigungsverfahren verdeutlichen, muss klar werden, dass ihr eigenes Werk einmalig und nicht reproduzierbar ist. Paradoxerweise kann nämlich die Gussform ihrer Relief-Plastik, die in einer individuellen Technik entworfen wurde, nur einmal verwendet werden.

Die aufeinander abgestimmten halbtransparenten Glasporträttafeln, die sie aufgestellt auf eisernen Ständern vom Licht durchleuchten lassen, veranschaulichen die Idee des In-Einander-Greifens vom Leben und Werk zweier schöpferischer Menschen. Dieses wird konventionell als Harmonie verstanden, muss jedoch zumeist im Kontext des Alltäglichen aufgrund von Rivalitäten und materiellen Verpflichtungen immer einen Kompromiss bedeuten.

Weiterhin sind in der Ausstellung Gruppenpräsentationen Refleks / Reflex (Kurator: Maciej Kurak), Ulotka / Flyer (Kurator: Maciej Kurak) und Ich 7 / Sie 7 zu sehen, die jene Formen der medialen Kommunikation aufgreifen, welche typische Ausdrucksformen der Künstlergruppe Bunt und der internationalen Avantgarde waren. Dazu zählten in erster Linie die Form des Kunstbuchs, Informations- sowie Propagandadrucke politischer Provenienz. Diese wurden auf Kundgebungen verbreitet und unterstützten künstlerische Manifeste wie auch die Ideen der sozialen und politischen Emanzipation.

3-4-5Von links: Plakate der Ausstellung der Gruppe Bunt 1918 mit dem Motiv aus dem Linolschnitt Turmbau zu Babel von Stanislaw Kubicki und das Kunstbuch Refleks, Hg. v. Maciej Kurak

Motiv aus dem Plakat der Kunstpräsentation Refleks mit dem Linolschnitt von Andrzej Bobrowski (inspiriert von Turmbau zu Babel von Stanislaw Kubicki)


Maryna Mazur, Cardinal, Metaltechniken, aus dem Kunstbuch Refleks, 2014

Das Ergebnis des Projektes Refleks / Reflex (20142015) ist eine Kunstinstallation, deren wichtigste Komponente ein bibliophiles Buch mit Originalgrafiken ist. Ihre erste Präsentation in der Posener Galerie Rarytas im Frühjahr 2014 wurde durch ein Poster von Andrzej Bobrowski ergänzt, welches eine Transformation des Plakats zur ersten Ausstellung der Gruppe Bunt im Jahre 1918 darstellt. Das Originalplakat mit dem Linolschnitt von Stanisław Kubicki Der Turmbau zu Babel (1917) ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Auf dem Plakat der Kunstpräsentation Refleks wird anstelle des ursprünglichen Turms jedoch ein Tunnel gezeigt – ein Teil des Arrangements der Erstaufführung und eine Metapher des gesellschaftlichen Wandels.

Einen Teil der Präsentation Refleks / Reflex bildet ein 2015 entstandener Film desselben Titels – ein Einblick in das Kunstbuch mit den darin enthaltenen 16 Originalgrafiken.

Der zweite Film in der Ausstellung, betitelt Bunt Re-Vision – dokumentiert alle Stationen der internationalen Ausstellung, die als Würdigung der Schenkung von Professor St. Karol Kubicki an das Nationalmuseum Poznań und das Leon-Wyczółkowski-Kreismuseum in Bydgoszcz konzipiert wurde. Im Film sind die Vernissagen weiterer zeitgenössischer Kunstpräsentationen zu sehen. Über die Filme haben wir in der vorigen Besprechung dieser Ausstellung berichtet HIER.

Die Kunstpräsentation Ulotka / Flyer besteht aus einer Sammlung von 31 Werken, von zeitgenössischen Grafikern die mit Kunstschulen in Poznań und Wrocław in Verbindung stehen, und zeigt als Sammlung von symbolischen Flyern die soziale Problematik aus verschiedenen lokalen Perspektiven.

6-7-8Von links: Magdalena Czerniawska, 2015, aus der Kunstpräsentation Ulotka / Flyer

Stefan Ficner, Hołobutów, 2015, aus der Kunstpräsentation Ulotka / Flyer

Małgorzata EtBer Warlikowska, Blood is always black, Serigraphie, 2015, aus der Kunstpräsentation Ulotka / Flyer

Die Künstler, die an dieser Präsentation beteiligt sind, legen in ihren Werken Konventionen, Anzeichen des Provinzialismus und der Fremdenfeindlichkeit offen, bekämpfen die Idealisierung der Wirklichkeit in den Medien ebenso wie die Verfestigung der gesellschaftspolitischen Heuchelei sowie die Beschränkungen, die dem Menschen von offiziellen Institutionen auferlegt werden.

Die Sammlung der Flyern mit sozialkritischer Aussage wird auf zwei zylinderartigen Ständern in Form einer Windrose präsentiert und wie in einem Zeitungsständer aus den Cafés der expressionistischen Epoche betrachtet. Die in Bewegung gezeigten Kunstwerke werden wie Flyer zu einer Metapher der Flüchtigkeit und Synonym der Idee der Öffnung für innovative soziale und kulturelle Werte.

9-10Oben: Kunstpräsentation Ulotka / Flyer: 1 der 2 Ständern

Radosław Włodarski, ein der Teilnehmern der Kunstpräsentation vor seiner Das Cabinet, Digitalprint, 2015 (inspiriert vom Film Robert Wienes Das Cabinet des Doktor Caligari, 1920)

Die Kunstpräsentation, welche im Film Bunt Re-Vision zu sehen ist, heißt Ich 7 / Sie 7 (2015). Sie umfasst Werke eines größeren Formats, welche von einer informellen Gruppe aus sieben Künstlern geschaffen wurden und programmatisch wie auch technologisch an das Schaffen der Gruppe Bunt anknüpfen. Sie zeigen sowohl die Langlebigkeit der Ideen und Ästhetik der Avantgarde auf, als auch mögliche Richtungen einer Neuinterpretation dieser. Der Name des Projektes, welches auf Deutsch ich und auf Polnisch sie 7 bedeutet, bezieht sich auf die Anzahl der Mitglieder von Bunt und ist ein Echo des zweisprachigen Namens, welcher die grenzübergreifenden Anforderungen des Expressionismus aus dem Programm von Bunt ausdrückte.

12 Ich 7 Tyszkiewicz Gertchen Szurek Kopczynska 11 Bunt Bydg Szewczyk_filmUlotka foto LG Oben: Jacek Szewczyk, Aleja bez pracy, rysunek (1999), cokół z prezentacją książki artystycznej Refleks (2014) oraz film Bunt –Re-wizje, koncepcja: Lidia Głuchowska, Anna Kraśko, realizacja: Anna Kraśko (2015).

Fragment der Kunstpräsentation Ich 7 / Sie 7 im Leon-Wyczółkowski-Bezirksmuseum in Bydgoszcz (Juni-August 2015), sichtbar im Film Bunt Re-wizja / BuntRe-Vision im Kraszewski-Museum Dresden. Von links nach rechts Werke von Przemysław Tyszkiewicz, Agata Gertchen, Małgorzata Kopczyńska und Piotr Szurek.

Die Ausstellungsbesucher können als Souvenir ein von den Teilnehmern der Kunstpräsentation Ulotka / Flyer gestalteten Badges mitnehmen.

13 Badges Flyer

 

 

VotiVtraum

Lila Karbowska & Lucyna Viale

karbowska_berlin

VotiVtraum

“VotiVtraum”, Rauminstallation, 2015
in Projektraum “art.endart”
Drontheimer Str. 23
13359 Berlin

Vernissage am 25 September 2015 um 19.00 Uhr,
Ausstellung von 25.09 bis 11.10.2015

Ilustracja na zaproszeniu to tylko inspiracja. VotiVtraum to instalacja efemeryczna – zamiast naszyjników z koralików Karbowska wykorzystała ususzone zioła i rośliny zebrane w Polsce i w Berlinie. Zwiedzających czeka intensywne doznanie wizualne i zapachowe.

lila-mimozy***

Lila Karbowska, polska artystka, od roku 1983 zamieszkała w Berlinie. Studiowała historię sztuki na Wolnym Uniwersytecie Berlińskim. Tworzy instalacje, wideo, fotografia, obiekty, rysunki.

Więcej / more: http://www.lilakarbowska.de

Lucyna Viale, organizatorka wystawy, należy do Stowarzyszenia Artystów “Kolonie Wedding” i co miesiąc – w ostatni piątek miesiąca – organizuje nową wystawę – prezetuje artystów z krajów Europy Wschodniej, przede wszystkim z Polski ale też z Ukrainy, Bialorusi, Czech, Litwy.

Więcej / mehr: www.koloniewedding.de/art.endart