Haus Europa

Brigitte von Ungern-Sternberg

Kindheiten in Europa: Heidi Ramlow

Überquert man eine Landesgrenze und kommt in ‘fremdes’ Land so ist einfach alles anders: die Sprache, das Essen, die Musik, wie sich Menschen zueinander verhalten …die Art zu denken. Oft erlebt, aber immer wieder spannend!

Ganz gleich ob und wie sich das ‘Haus Europa’ entwickeln wird, es wird in diesem großen ‘Haus’ immer viele separate Wohnungen geben, die sich höchst unterschiedlich präsentieren: polnische, französische, deutsche, griechische, italienische … Wohnungen (Wie viele? Siehe Europakarte!)

‘Haus Europa’? Das reicht nicht! Eigentlich sollte man eher von einer großen ‘Wohnanlage Europa’ sprechen.

Es empfiehlt sich, in diesen europäischen Wohnungen gelegentlich das Kinderzimmer aufzusuchen – denn wann haben wir sprechen, singen, denken gelernt, die Art Feste zu feiern und zu kochen? In der Kindheit natürlich! War man einmal in einer solchen Kinderstube, versteht man schon einiges davon, warum ein Mensch, der da groß geworden ist, so ist wie er ist. Und gut ist es auch, sich bei einer passenden Gelegenheit gegenseitig etwas von seinen prägenden Kindheitserlebnissen zu berichten.

Heidi RamlowHeidi Ramlow hat angefangen, diesen Faden des gegenseitigen Kennenlernens und Verstehens über die Kindheitserzählungen aufzugreifen. Sie ist 1941 in Pustchow/Pustkowo zur Welt gekommen, hat also Wurzeln in Pommern, die sie in ihrem langen Leben in Hamburg, München und Berlin nicht vergessen hat. Und schon ist man mitten drin in gar nicht so einfachen Kindheiten. Viele sind in Europa nicht in säuberlich abgetrennten Wohnungen aufgewachsen, sondern sind einmal oder sogar mehrmals in der ‘Wohnanlage’ umgezogen. Da steht in einer verlassenen oder aufgegebenen Wohnung so ein Kindheitskoffer herum. Die jetzigen Bewohner fragen sich vielleicht: Wie ist der denn dahin gekommen? Anzumerken ist natürlich, dass das ‘Haus Europa’ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz und gar nicht ein Ort friedlichen Zusammenlebens war.

Ein von Heidi Ramlow herausgegebenes Buch über Kindheiten in Schweden und Deutschland gibt es seit Mai 2015 schon im Handel.

Ein zweites Buch mit dem Titel “Kindheit in Deutschland – Kindheit in Polen” ist im Entstehen, soll am 1.9.2015 erscheinen und 12 Euro kosten. Es werden in der zweisprachigen Anthologie 27 polnische und deutsche Autoren und Autorinnen von ihren Kindheitserlebnissen berichten, in unterschiedlicher literarischer Form, von Familie, Liebe, Religion, Ideologie, Fluchterlebnissen und Heimatsuche erzählen. Es ist ein Beitrag zum gegenseitigen Verstehen und auch zur Versöhnung, so Heidi Ramlow. Herausgeber des Buches ist Heinrich von der Haar, Vorsitzender des Literatur-Kollegs Brandenburg e.V., Schirmherrin der Anthologie – Gesine Schwan, Präsidentin der Europauniversität Viadrina, Frankfurt/Oder.

Es gibt auch bereits einen Terminplan für eine Reihe von Lesungen in Deutschland und Polen, fünf davon im Oktober und November in Berlin. Von Kindheiten zu lesen ist interessant, sie erzählt zu bekommen einfach schön!

Flyer Deutsch  Flyer Po polsku

Die Herstellungskosten des Buches sind noch nicht gedeckt, über den Crowdfan-Link erfährt man, wie man mit einer Spende dazu beitragen kann.

Berliner Strassenmusik

Für Sigrid

Letztens bin ich zu einem sehr gelungenem Geburtstag eingeladen und Mo Calaz war eine der mehreren Trophäen, die ich von diesem Event so zu sagen “nach Hause” genommen habe. Er sang dort, er ist nämlich, wie er selber sagt, “buchbar”, und in der Woche trifft man ihm auf dem sog. Türken Markt. Immer Dienstag und Freitag, zwischen 12:00 und 14:00 Uhr.

Der Markt am Maybachufer in Neukölln ist mit der U-Bahn Linie 8 (U-Bhf. Schönleinstraße) zu erreichen. Außerdem hält dort der Bus 140.

maybachufer

Ausstellung / Exhibition / Wystawa: Bruno Schulz

Lidia Głuchowska

Foto oder Grafik? »Kabinett der historischen Fototechniken« von Mariusz Kubielas bei dem Europäischen Monat der Fotografie in Berlin 2014

Der Fotozyklus „Bruno Schulz – Mariusz Kubielas – In Transitu“ ist das Ergebnis eines 2004 initiierten Kunstexperiments, das vom literarischen und bildkünstlerischen Werk des polnisch-jüdischen Künstlers Bruno Schulz aus Drohobytsch (früher Österreich-Ungarn und Polen, heute Westukraine) inspiriert wurde. Sein Effekt bilden inszenierte und auf dem Negativ festgehaltene Szenen aus dem Grenzbereich zwischen Performance und Pantomime, die an eingefrorene Bildausschnitte aus einem Stummfilm erinnern.

Schulz 1Dieses transmediale Projekt, das auch durch Auszüge aus Schulz’s Prosa und die metaphorischen Titel der Arbeiten bereichert wird, dient der Aktivierung des internationalen und generationsübergreifenden Diskurs über das multinationale und multikonfessionelle Kulturerbes Mittelosteuropas.

Schulz 2Die größte Attraktion dieser Fotoschau ist jedoch das »Kabinett der historischen Fototechniken«, welches ca. 20 einmaliger Aufnahmen umfasst, welche Zeichen des persönlichen Stils des Künstlers tragen. Wie kaum einem zeitgenössischen Fotografen ist es Kubielas (geb. 1953) gelungen, einige um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts verwendete manuelle Techniken der Fotografie und deren Varianten zu rekonstruieren. Damit erreichte er Effekte von genauester Wiedergabe der Wirklichkeit sowie schärfster Licht-Schatten-Kontraste oder bis zur „impressionistischen“ Körnigkeit und edlen Matts der Bildoberfläche.

Der Realisierung des Kabinetts gingen Kubielas Studien zur Rekonstruktion archivalischer Technologien zur Schaffung von Lichtbildern voraus, die er 2004 an der Hochschule für Fotografie in Jelenia Góra/Hirschberg begann und bis heute in Zusammenarbeit mit führenden polnischen Experten, wie Cezary Chrzanowski, Roman Michalik, Janusz Sochacki und Rafał Warzecha weiterführt. Der Initiator dieser Arbeiten war Andrzej Pytliński, Patron des informellen Freundeskreises der historischen Fototechniken.

Das „Kabinett der historischen Techniken” von Mariusz Kubielas ist ein offenes Projekt: auch nach Ablauf des Europäischen Monats der Fotografie wird es fortgeführt und um weitere Varianten derselben Motive in weiteren Techniken ergänzt. In näherer Perspektive ist die Präsentation des Zyklus in Belgrad, Helsinki, Brüssel, Bratislava und Prag geplant – vorbereitet von dem Künstler in Zusammenarbeit mit der Kuratorin Dr. Lidia Głuchowska.

Ausstellung Bruno Schulz – Mariusz Kubielas – In Transitu

Kuratorin: Dr. Lidia Głuchowska
Vernissage: Donnerstag, 2. Oktober 2014, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 4. Oktober bis 14. November 2014

Begleitpublikation:
Lidia Głuchowska (Hg.): Bruno Schulz – Klisza Werk – Transgresiones, Wrocław: Ośrodek Kultury i Sztuki we Wrocławiu, 2013.

Über das Projekt wurde schon auf diesem Blog berichtet
https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/04/18/bruno-schulz-reloaded/
https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/03/22/kobieta-i-kon-rewers/

Ein Projekt im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie Berlin
http://www.mdf-berlin.de
und des Berliner Kunst- und Kulturfestivals Kunstkreuz: 10. bis 12. Oktober 2014
http://www.kulturring.org/kunstkreuz/

Vorbereitet vom Kultur- und Kunstzentrum OKiS in Wrocław
Mitfinanziert aus den Mitteln der Woiewodschaft Niederschlesien
http://www.okis.pl/site/zapowiedzii/n/1/n/1/951/n.html

Fotogalerie Friedrichshain, Helsingforser Platz 1, 10243 Berlin
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa 14 bis 18 Uhr, Do 10 bis 18 Uhr
Tel. (030) 296 16 84, Fax (030) 29 04 98 02
fotogalerie@kulturring.org • www.kulturring.org
S- und U-Bahnhof Warschauer Straße, Tram M10 und M13

Abbildungen

1. Mariusz Kubielas, Das große Glas oder Damals war die Mutter noch nicht da, jedoch…, 2010/14, 42 x 54,5 cm, 3 Paralell-Aufnahmen aus dem „Kabinett der historischen Techniken”
2. Mariusz Kubielas, Gebadet, Gummi
-4-chromatschicht, „Kabinett der historischen Techniken”, 2011/14 (Im Rahmen).
2a. Mariusz Kubielas, Gebadet, Gummi
-4-chromatschicht, „Kabinett der historischen Techniken”, 2011/14 (ohne Rahmen)

***

Photo or Graphics? “Cabinet of Historic Techniques” by Mariusz Kubielas during the European Month of Photography in Berlin 2014

Schulz2aThe photography cycle „Bruno Schulz – Mariusz Kubielas – In Transitu“ is a result of an artistic experiment inspired by the literary and fine arts oeuvre of the Polish-Jewish artist of Drohobycz (previously Austria-Hungary and Poland, today located in Western Ukraine). Its result are scenes from the edge of performance and pantomime, recorded on the negative, which resemble the stopped frames of a silent movie.
That trans-media project also comprises fragments of Schultz’s poetry and metaphorical titles of the works. It aims at activating an international and beyond-generational discourse about a collective future, and the future of the multicultural and multi-confessional cultural heritage of Central-Eastern Europe.
The very special attraction of the show is the “Cabinet of Historic Techniques”, to which belong c. 20 versions of the unique photographs, which carry the hallmarks of inimitability as well as the artist’s style. Unlike many contemporary artists, Kubielas (1953) has managed to reconstruct numerous photographic methods from the turn of the 19th and 20th centuries, as well as their abbreviations. Using traditional manual techniques, he achieved not only a precise reflection of details of the reality or the sharp light-shadow effects but also the sophisticated mat of the picture’s surface up to its “impressionist” graininess.
The development of “Cabinet” was preceded by Kubielas’ study on the reconstruction of archival methods of creating photographs which he had started in 2004 at the Photography Professional School in Jelenia Góra and has continued up to today in cooperation with leading Polish experts, such as Cezary Chrzanowski, Roman Michalik, Janusz Sochacki and Rafał Warzecha. The initiator of these works was Andrzej Pytliński, patron of the informal Society of Historic Photographic Techniques.

“Cabinet of Historic Techniques” by Mariusz Kubielas is an open project: also continued after the end of the European Month of Photography it will be enriched by further variants of the same motifs in other techniques. In the nearest future it will be shown in Belgrade, Helsinki, Bratislava and Prague prepared by the artist in cooperation with the curator Dr. Lidia Głuchowska.

Curator: Dr. Lidia Głuchowska
Vernissage: Thursday, Oktober, 2nd, 2014, 7 pm.

4th of October until 14th of November 2014

Related publikation:

Lidia Głuchowska (ed.): Bruno Schulz – Klisza Werk – Transgresiones, Wrocław: Ośrodek Kultury i Sztuki we Wrocławiu, 2013.

Projekt in the framework of the European Month of Photography Berlin
http://www.mdf-berlin.de
and the Berlin Art- and Culture Festival „Kunstkreuz“: 10- 12. Oct. 2014
http://www.kulturring.org/kunstkreuz/

Prepared by the Culture and Art Office OKiS in Wrocław
Supported by the of the Województwo Lower Silesia
http://www.okis.pl/site/zapowiedzii/n/1/n/1/951/n.html

Fotogalerie Friedrichshain, Helsingforser Platz 1, 10243 Berlin
Opening times: Tuesday, Wednesday, Friday, Saturday 2-6pm, Thursday 10am-6pm
Tel.
(030) 296 16 84, Fax (030) 29 04 98 02
fotogalerie@kulturring.org • www.kulturring.org
S- and U-Station Warschauer Straße, Tram M10 and M13

Images
1.
Mariusz Kubielas, The Great Glazing – The Mother Was Still not Present Then, Though 2010/14, 42 x 54,5 cm, 3 Paralell-Photographs from the “Cabinet of Historic Techniques”
2.
Mariusz Kubielas, Bathed, gum 4-chromate technique, “Cabinet of Historic Techniques”, 2009/14 (in the frame)
2a. Mariusz Kubielas, Bathed,
gum 4-chromate technique, “Cabinet of Historic Techniques”, 2011/14 (without the frame)

Go down, Moses…

barbe1
Moses – Ein Experiment
von
Barbe Maria Linke

Was für ein Roman! Man mag es nicht glauben, dass die in Berlin lebende Autorin Barbe Maria Linke – 1944 in Köslin/Pommern geboren, in der DDR aufgewachsen, Theologiestudium an der Humboldt-Universität Berlin, oppositionelle Arbeit in der DDR, Mitbegründerin der Gruppe ‚Frauen für Frieden‘, 1983 Ausreise nach Westberlin, Arbeit in der Klinikseelsorge und in der politischen Bildung, seit 1993 freiberuflich arbeitend, Gedichte, Essays, Erzählungen verfasst, mit Moses ihren Debütroman vorlegt. Ein Roman, der sprachlich und gestalterisch die Grenzen des literarisch Alltäglichen sprengt, inhaltlich eine hochintellektuelle und doch für jeden Leser nachvollziehbare Auseinandersetzung um die „Frage von Zuneigung und Wahrhaftigkeit, von der Erfahrung menschlicher Grenzen und von der Umkehrung des Gesetzes in Liebe“, wie die Autorin es selbstformuliert.
Zentraler Protagonist des Romans ist zum einen Moses, der aus seiner dreieinhalbtausend Jahre alten Geschichte, die im Roman in Episoden immer wieder eingewoben ist, hinauskatapultiert wird und sich plötzlich in einem Flugzeug Richtung Schweiz wiederfindet.
„Ein Traum im Traum, gibt es das?“ Er drückt den Kopf an die Lehne, grinst seine Nachbarin an. „Sie sind ja ein Poet“, sagt sie und lächelt. „Wer soll ich sein?“ Genau das weiß er nicht mehr. Das ist ja das Erregende an diesem Experiment. Das also die Ausgangssituation. Ein Experiment, bei dem der Betroffene nicht weiß, was die Absicht des Experiments ist, warum Jahwe ihn von seiner Aufgabe der Herausführung seines Volkes aus Ägypten plötzlich in eine andere Zeit hineinversetzt.
Moses trifft im Flugzeug bereits auf die zweite Protagonistin des Romans, Kati, Theologiestudentin und Redakteurin aus Bern, die ihn zu sich nach Hause einlädt. Beide entdecken ihre Zuneigung füreinander. Moses unterliegt rasch der Versuchung, die neue Lebenssituation für das gelobte Land zu halten. Er reißt die Arme hoch, was für ein Leben! Tag für Tag musste ich für andere da sein. Was sag ich? Jahr für Jahr. Unzählbare Jahre. Jahrzehnte, in denen er unterwegs war, ohne das Ziel zu erreichen. Nicht weniger Kati, die sich fasziniert zeigt von der gelebten Moses-Gestalt. Wozu habe ich Theologie studiert? War es Neugier, Wissbegier? Im Grunde hoffte ich, hinter die Buchstaben vorzudringen. Es ist mir nicht geglückt. Nichts habe ich von dem Mythos begriffen, den der ausstrahlt, der in weißem Hemd und dunklen Jeans vor mir steht.
Doch Moses täuscht sich, als ihn seine Zuneigung zu Kati und seiner neuen Lebenssituation zu der Aussage treiben lässt: Es gibt kein Davor, kein Danach, weiß er, als wäre eine Tür aufgesprungen. Es gibt nur diesen Augenblick. Nur er ist wirklich.
Doch ihrer beider Geschichte und Realität ermöglicht vorerst keine tiefe Lebensgemeinschaft. Sie gehen auf Distanz zueinander, erfahren Geschichte und Realität auf neue Art und Weise. Moses erfährt über Simon, den Schmied, über die unfassbaren Verbrechen im Holocaust. Kati gerät über die Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit ihres Vaters sogar in eine Identitätskrise.
In einem Gespräch schlussfolgert Moses: „Das Böse besitzt Macht über uns, und gleichzeitig ist es ein Teil von uns. Es geht darum, das zu erkennen.“ Moses weiß, wovon er redet, ist er doch in seiner eigenen Vergangenheit zum Mörder geworden.
Im Roman spitzt sich das Geschehen dramatisierend zu. Kati stürzt während einer Feier in Berlin, wohin sie mittlerweile gegangen ist, von einem Balkon, wird aufgrund ihrer psychischen Verfassung in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Moses findet sie nach einer verzweifelten Suche schließlich in einer Reha-Klinik. Gemeinsam kehren sie in die Schweiz zurück. Kati befreit sich von ihrer Identitätskrise durch einen Brief an den Vater. Erst danach steht der Verbindung der beiden nichts mehr im Weg.
„Dann feiern wir ein Fest, wie du es dir wünschst. Wichtig sind nicht der Ort, nicht das Land in dem wir leben werden. Wichtig ist, dass du geborgen und ohne Angst bist.“
Ein Roman, dessen komplexe, mehrschichtige Handlung und bis ins letzte sprachliche Detail durchkomponierte Gestaltung faszinieren – selbst Randfiguren sind feinfühlig und empfindsam dargestellt – führt jeden Leser an die Fragen eigener Verantwortung gegenüber sich, gegenüber dem Partner/der Partnerin, gegenüber der Gesellschaft, dem historischen und aktuellen Geschehen, ohne dabei das faszinierende Handlungsgeschehen des Romans aus den Augen zu verlieren.
Bleibt die abschließende Frage: Was ist es nun für ein Experiment, das uns gezeigt wird? Vielleicht ein theologisch-philosophisches Experiment zur Bewusstwerdung von wirklicher Humanität – der eines Moses, de reiner Kati und der von uns Lesern?
Ein Roman, der sicherlich viele Diskussionen und Gespräche anregen wird.

Alfred Büngen
Leiter des Geest-Verlags

***

Ein Textfragment:

„Wenn alles ein Traum war bislang, was ist jetzt?” „Realität“, antwortet die Junge Frau.

Wenn sein Körper auch derselbe geblieben ist, so scheint sich der Geist verjüngt zu haben.

Das Leben ist ein Spiel! Wie oft hat Ramses diesen Satz gerufen, dazu in die Hände geklatscht, als wollte er seine Lebensart auf Moses übertragen.

Ich saß auf einem Stein und wartete auf Naba… Irritiert schaut Moses hoch. Wieso möchte ich der Unbekannten von mir erzählen? Dann sagt er doch: „Ein Adler kreiste und kreiste, bis er im Dunst verschwand. Dann, wie aus dem Nichts, war er wieder da, glitt dahin, ohne mit den Flügeln zu schlagen. Es könnte aber auch sein, dass mir das gleißende Licht den Adler nur vorgegaukelt hat. Woran ich mich jedoch genau erinnern kann, war etwas Leuchtendes am Horizont, das sich auf mich zubewegte.”

Mehr

***

Go down, Moses, way down in Egypt land
Tell old Pharaoh
To let my people go.

Now when Israel was in Egypt land
(Let my people go)
Oppressed so hard they could not stand
(Let my people go)

So the Lord said:
Go down, Moses
way down in Egypt land
Tell old Pharaoh
To let my people go.

So Moses went to Egypt land
(Let my people go)
He made old Pharaoh understand
(Let my people go)

Yes the Lord said:
Go down, Moses
way down in Egypt land
Tell old Pharaoh
To let my people go.

Thus spoke the Lord, bold Moses said,
(Let my people go)
If not I’ll smite your firstborn dead
(Let my people go)

‘Cause the Lord said:
Go down Moses
Way down in Egypt land
Tell old Pharaoh
To let my people go

Tell old Pharaoh
To let my people go

Kubicki und Hufeisensiedlung

StolpersteinStanislaw_KubickiAusstellung im Hufeisen-Café
1. – 18. Mai 2014
Info-Station Fritz-Reuter-Allee 44
Berlin Britz

Freitag / Samstag / Sonntag 14.00 – 18.00

Stanisław Kubicki
– ein deutsch-polnischer Avantgardist aus der Hufeisensiedlung

Stolperstein, Onkel-Bräsig-Straße 46, in der Hufeisensiedlung

Der Graphiker, Maler und Dichter Stanisław Kubicki, ein wichtiger Vertreter des Expressionismus und Konstruktivismus,  wohnte von 1927 bis 1934 in der Hufeisensiedlung , bevor er von den Nazis bedroht in seine polnische Heimat zurück ging. Dort schloß er sich 1939 dem polnischen Widerstand an. 1941 von der Gestapo in Warschau verhaftet, wurde er 1943 im Gefängnis Pawiak ermordet.

stasmalgosiaDie Ausstellung wird begleitet vom Rahmenprogramm.

Donnerstag, 1. Mai, 15:00 Uhr
Ausstellungseröffnung und Treffen mit Dr. Stanislaw Karol Kubicki – der Sohn des Künstlers wird einen Einblick in die Persönlichkeit seines Vaters und einen Überblick über seinen Lebensweg geben

Sonntag, 4. Mai, 15:00 Uhr
Dr. Lidia Głuchowska
hält einen Vorträg über Bilder des Künstlers
Achtung! andere Adresse:
Seniorenfreizeitstätte Bruno Taut
Fritz-Reuter-Allee 50
12359 Berlin

Sonntag, 11. Mai, 15:00
Przemysław Walkowiak & Laura Schwickerat tragen zweisprachig Gedichte des Künstlers, die er 1919-1921 auf Deutsch und Polnisch schrieb bzw. jeweils selbst in die andere Sprache übersetzt

Sonntag, 18. Mai, 15:00 Uhr
Dr. Andreas Hüneke
hält einen Vorträg mit dem Titel “Verfemt und vernichtet. Das Schicksal von Künstlern und ihren Werken in der NS-Zeit”

Es gibt die Möglichkeit während der Ausstellung die Bücher von Frau Dr. Lidia Głuchowska, herausgegeben vom Verein WIR zur Förderung der Deutsch-Polnischen Literatur, über den Künstler zu kaufen:

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Zum Weiterlesen:

Der deutsch-polnische Avantgardist Stanisław Kubicki ist dem Leser dieses Blogs bestens bekannt. Wir schrieben viel über ihn.

Längere Texte nur über ihn wie hier:
https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/04/29/artifex-doctus/
https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/04/01/mojzesz/
Oder auch über ihn im Kontext seiner Epoche:
https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/08/26/zdroj/
https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/03/20/yiddishland/
Auch seine Gedichte gab es schon hier zum Lesen:
https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/04/02/der-brennende-dornbusch/
https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/11/17/poezja-poesie-stanislaw-kubicki/
Und da gab es auch, acht Wochen lang, die Erinnerungen seines Sohns an seine Kindheit unter den polnischen adeligen Familien – der erste Beitrag wurde am 2. September 2013 veröffentlicht und dann immer Montags:
https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/09/02/immer-montags-der-polnische-adel/

Reblog: Haytarma – Rückkehr

Zwei Jahrzehnte nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Rückkehr der Tataren auf die Krim ist ein Film entstanden, der ein Ausdruck einer lebendigen und selbstbewussten krimtatarischen Kulturszene und eine lang ersehnte filmische Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse ist. “Haytarma” –  ein Film über die Deportation der Krimtataren nach Uzbekistan im Jahre 1944.
Wir übernehmen den Artikel „Повернення народу, що вистояв проти знищення“ aus der Zeitschirft “Кіно-Театр”, Ausgabe 5/2013, übersetzt aus dem Ukrainischen von Oleksandra und Ingo Jakobs vom Ukrainschen Kinoklub
in Berlin.

Die Redaktion hat den Text gekürzt und z.T. neu redigiert, weil er für den Blog zu umfangreich war.

Marija Teterjuk
Die Rückkehr eines Volkes, das die Vernichtung überlebte
Titel: “Haytarma”
Regie: Achtem Sejtablajew
Drehbuch: Mykola Rybalka
Kamera: Wladimir Iwanow
Darsteller: Achtem Sejtablajew, AlexejGorbunow, Usnije Chalilowa, Andrij Mostrenko, Andrij
Saminin, Lesja Samajewa
Produktionsstudio: ART. Ukraine, 2012

Die Erfahrungen eines kollektiven Traumas sind zu Beginn unmöglich in Worte zu
fassen. Nach und nach jedoch wird das traumatische Ereignis in die Geschichte einer
Gemeinschaft übernommen und verliert durch die Integration auf symbolischer Ebene mit der Zeit seine destruktive Wirkung. Erst hierdurch wird die Interpretation des traumatischen Ereignisses möglich. Nach dem Ende der sowjetischen Repressionen gegen das krimtatarische Volk dauerte es 24 Jahre bis es möglich wurde, das wichtigste historische Trauma der Krimtataren filmisch aufzubereiten: Die stalinistische Deportation am 18 Mai 1944.
Die Premiere des Filmes “Haytarma” fand am 17. Mai 2013 statt, einen Tag vor dem
Gedenktag an die Opfer der Deportation. (…) Die Idee zum Film”Haytarma”
stammt vom Leiter des KrimTV-Senders ART Lenur Isljamow, der auch zum wichtigsten Investor und Produzentendes Filmes wurde. Er bat dem Schauspieler des Kiewers Theaters auf dem linken Ufer Achtem Sejtablajew an, den Film zu drehen, der davon so hingerissen war, dass er auf Honorar verzichtete. Obwohl eigentlichTheaterschauspieler, hat Sejtablajew umfangreiche Erfahrungen als Filmschauspieler und Regisseur. (…)
“Haytarma” ist der Name eines tatarischen Volkstanzes, und bedeutet “Rückkehr”.
Die Umsetzung des Filmes ist ein Werk von erfahrenen Profis. Bei der Arbeit am Drehbuch stützte sich Mykola Rybalka auf historische Tatsachen und Erinnerungen von Augenzeugen der Tragödie. Die durchdachte, in sich schlüssige Handlung hält die Spannung beim Zuschauer über die gesamte Dauer des Filmes aufrecht. Diese basiert auf einer realen Episode aus der Biographie eines „Helden der Sowjetunion“, dem Piloten Amet-Chan Sultan (siehe Foto rechts). Im Mai 1944 erlaubte ihm das Kommando seines Regiments, seine Eltern in Alupka zu besuchen. Gerade in die Zeit seines Besuchs fiel die Operation des NKWD zur Deportation der Krimtataren. Es gelang ihm seine Eltern zu retten und sie in dieRegion Krasnodar zu bringen (Nach dem Krieg konnten sie nach Alupka zurückkehren). Dieses historische Gerüst erwacht zum Lebenund wird angereichert durch humorvolle, alltägliche Szenen, Liebesgeschichten und unerwartete Wendungen.  (Den Filmemacher gelang es) die historische Atmosphäre der Kriegsjahre authentisch darzustellen (…) und spektakuläre Kampfszenen in der Luft zu drehen. Da der Film zum Massenkino gehört, beinhaltet er viele Zufälle und einfache Metaphern. (…) Diese “rhetorischen” Abläufe bewegen sich jedoch innerhalb der Grenzen des gesunden Menschenverstandes und der Glaubwürdigkeit.
“Haytarma” arbeitet mit dem kollektiven Trauma der Deportation, das nicht nur die
Krimtataren, sondern auch andere Völker (Kalmücken, Inguschen, Tschetschenen, Karatschai, Balkarien, Mescheten) erlebt haben. Der Film überschneidet sich in einer Episode mit dem Holocaust: Als der Vater von Amet-Chan Dankbarkeit für die Frauen ausdrückt, die gegen die Besatzung gekämpft haben, wird die Tatarin Sajide erwähnt, die jüdische Kinder versteckte.
Der Film versucht dieses Trauma zu überwindenund es in die Geschichte hineinzuschreiben: In der letzten Szene des Filmes strecken sich Kinder unter dem löcherigen Dach eines Güterzuges nach Licht und Luft: Eine strahlende Metapher für die Lebenskraft des krimtatarischen Volkes, die ihm half, unter den unmenschlichen Bedingungen in der usbekischen Siedlungen auf die Rückkehr zu warten. Damit nimmt „Haytarma“ auch an der Bildung der nationalen Identität der Krimtataren teil, für die eine Rekonstruktion des nationalen Gedächtnisses nötig ist. Diese nationale Identität lehnt Aggressionen gegen andere Völker der Krim ab: Der Film zeigt gute nachbarschaftliche Beziehungen zwischen Ukrainern, Russen, Armeniern und Tataren vor der Deportation.
Obwohl „Haytarma“ ein Spielfilm ist, wurde die Deportation selbst im dokumentarischen Stil dargestellt. Das Ziel der Filmautoren war es, (…) die Tragödie zu zeigen und die Erinnerung an sie zu bewahren. So herrscht in Szenen, bei denen es um die Vertreibung geht, nicht die Atmosphäre von Terror und Grausamkeit, sondern von Verlust, Trauer und Sehnsucht. Es gibt weder überflüssiges Pathos noch Theatralik. Beim Dreh der Vertreibungsszenen nahmen Zeitzeugen der Deportation teil, die zum damaligen Zeitpunkt 5-6 Jahre alt waren. Deren Gesichtsausdrücke sind stärker als jede filmische Fiktion. Die Kamera konzentriert sich hierbei nicht an den naturalistischen Details der Gewalt, obwohl es genug davon gibt: Ein Baby zurückgelassen im leeren Haus, ein alter Mann sterbend auf einer Treppe, eine Frau auf die während eines Fluchtversuchs Hunde gehetzt werden.
Man muss jedoch vermerken, dass die Ursachen der Deportation im Film nicht vollständig geklärt werden. Zum Verantwortlichen der Tragödie wird Stalin, jedoch nicht als politische Figur oder reale Persönlichkeit, sondern als infernale Gestalt und böses Schicksal,welches über allen schlüssigen Momenten der Deportation schwebt: Seine Portraits „überwachen“, was im Arbeitszimmer eines Generals und auf dem Bahnhof geschieht. Der Vater von Amet-Chan Sultan stößt gerade auf Stalin an und ahnt nichts Böses, als der General den Befehl zur Deportation gibt. Stalin wird als eine irrationale, böse Macht gezeigt und somit gleicht die Deportation einer Naturkatastrophe: Eine plötzliche, unerklärliche Zerstörung. Der Film widerspricht die Theorie des Verrats an die Nazis, die von der sowjetischen Propaganda verwendet wurde, um das historische Verbrechen der Deportation zu legitimieren. Aber auch wenn die Krimtataren keine Kollaborateure waren, bleibt die Frage, welche Gründe die Deportation in der Tat gehabt hat? War es eine wirtschaftliche Nachfrage nach Arbeitskräften zum Ausbau der östlichen Republiken oder soll man die Tragödie als Vorbereitung zum möglichen Krieg gegen die Türkei verstehen? (…)

https://i0.wp.com/upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/41/18_May_Monument_in_Sudak_%28Monument_of_Crimean_Tatars_Deportation%29.jpg/320px-18_May_Monument_in_Sudak_%28Monument_of_Crimean_Tatars_Deportation%29.jpg

Und noch eine Frage bleibt im Film unbeantwortet sehr wohl aber in der Reaktionen zum Film: Wie steht Russland von heute zu dieser Tat? Und die Antwort ist paradoxal: „Die Deportation ist die Tragödie des sowjetischen Volkes, nicht des krimtatarischen Volkes“, kommentiert den Film der russische Botschafter in Krim.

Ja, klar, die Täter haben auch ihre Traumas…

 

 

Pierogi w Café Freysinn

freysinnberlin
Café und Bistro im Brunnenviertel, Berlin-Mitte

freysinnCafé und Bistro Freysinn
Jasmunder Straße 5 | 13355 Berlin
Inhaberinnen: Ann-Kathrin Mätzold, Marta Susid
E-Mail: info [at] freysinn.com

Ja? Was ist das? Produktplacement? Werbung? Gar vielleicht – bezahlte? Nein, nein… Hier lesen wir heute – Nicola Caroli und ich. Um 18 Uhr.  Wir lesen auf Deutsch. Im Rahmen des Projekts Woche der Sprache und des Lesens im Wedding 2013. 

Und hier kleine Leseprobe von mir, die auch erklärt, weshalb man nach der Lesung polnische Pirogge essen kann. Überhaupt ist das Essen im Café Fraysinn hervorragend! Echt hervorragend!

Ewa Maria Slaska, Die Persona von Bergmann

“Drei Wochen. In drei Wochen kann man ganz viel schaffen. Was hast du zu verlieren?”
“25 Tausend Euro!!!”
Ich entschließe mich Pierogi vorzubereiten. Ich bin eine Polin, und angesichts einer Katastrophe fängt eine echte Polin an, zu kochen. Es darf etwas nahrhaftes sein und am liebsten auch etwas arbeitsaufwendiges und zeitraubendes. Und ich ahne schon die Ausmaße der Katastrophe… 25 Tausend Euro!
Zuerst kocht man das Sauerkraut. Bis es weich und samten wird. Mit Kümmel, Majoran und Pfeffer. 25 Tausend Euro, verdammt noch mal!
Ich ziehe einen Leinenbeutel aus dem Küchenschrank. Es duftet herrlich nach Weihnachten, Lagerfeuer im dunklen, weißen Wald und Faschingszug auf Schlitten. Die getrockneten Steinpilze.
“Was machst du?! Ich rede mit dir, und du beschäftigst dich mit deinen Pilzen.”
Gerade deshalb denke ich, aber ich sage es nicht. Einem Genie sagt man sowas nicht.
“Ich höre dir zu, Liebling.”
Herrlich duften meine Steinpilze. Ich fühle mich glücklich. Im Hinterkopf wächst zwar die winzige Frage, ob das alles gutgehen wird, ob es nicht zu voreilig ist, schon heute zu sagen, ich sei glücklich. Angesichts einer Katastrophe gehe ich heute noch gern in die Küche und bereite Pierogi vor, währenddessen der Mann an meiner Seite mit seinen intellektuellen Aufgaben ringt. Ich tue es gern, ich bin aber vorsichtig… ach was, es ist schön…
Ich lasse das Wasser kochen, tue die schönen, weissen, breiten Pilzscheiben darein und lasse sie im bedeckten Topf eine Stunde lang schwach sieden.
“Eine von den beiden Frauen ist 40, schön, reich und intelligent…”
“Sprichst du vielleicht von mir? Ausser reich stimmt alles. Ist sie auch in ihrem Beruf erfolgreich?”
“Joanna!!!”
“Ja, ja.”
“Der ganze Film spielt in einer Nervenklinik.”
“War es nicht schon mal in einem Film?”
“Alles war schon mal… ”
Das stimmt.
Ich hacke eine üppige Zwiebel klein und brate sie in der Butter. Herrlich!
“Sie leidet unter unerklärbarer Todesangst. Es beeinflusst sie, die Familie, die Karriere ihres Ehemannes. Carolina…”
“Wer ist Carolina?”
Peter nimmt meine Frage nicht wahr: ” … und ihr Ehemann entscheiden gemeinsam…”
Eine Frau und ihr Mann entscheiden selten gemeinsam. Das sagt mir meine Erfahrung. Aber Peter hat wohl andere Erfahrungen angesammelt. “…dass ob sich Carolina untersuchen lässt. Sie bleibt in einer Klinik. Lediglich die Beobachtungen werden durchgeführt. Dadurch schafft man für den Film eine metaphorische Situation: es spielt sich weder medizinisch noch psychotherapeutisch etwas ab, trotzdem bleibt die Hauptfigur in der Anstalt.”
“Und wozu?” frage ich.
“Wie wozu?”
“Wozu soll sie im Krankenhaus leiden? Zuhause hätte sie besser gehabt. Möchtest du probieren, wie die Pilze schmecken?”
“Mein Gott, Joanna, ich rede mit dir über ernsthafte Probleme und du…”
Oho!
„Ich höre dir doch mit äußerstem Ernst zu.” Ich zerkleinere die Steinpilze. “Wieso leidet sie eigentlich unter Todesangst?”
“Wie wieso? Was meinst du?”
“So wie ich es sage: Wieso hat sie Angst vor dem Tod?”
“Jeder hat doch Angst vor dem Tod.”
“Ich nicht.”
Ich gieße den Pilzsud ins Sauerkraut. Jetzt wird es gekocht, bis das sie bräunlich wird. Kochen ist vielleicht ein Schutzwall gegen die Angst. Man schafft die Welt, das All, was weiß ich…, es gibt bei Italo Calvino eine Frau N-gdx-zungh, eine nichtexistierende Existenz in dem Knollen des Alls vor dem Urknall, die eines Tages sagt: ach Kinder, ich hätte euch so gern köstliche Pasta zubereitet. Pastateig und Pierogiteig bereitet man auf ähnliche Weise zu. Mehl, Ei, Salz und Wasser. Und viel menschliche Mühe beim Kneten. Man knetet und knetet, eine demiurgische Aufgabe, und dann rollt man und wälzt, und rollt, und bei jeder Bewegung der Teigrolle wächst das All unter den Händen der Frau N-gdx-zungh.
Ich setze den Wassertopf auf.
“OK OK, sie hat Angst. Und?”
“Ihr Zustand verschlechtert sich.”
“Warum?”
“Sie ist krank. Sie weiß es aber nicht.”
“Unmöglich. Eine Krankheit, die in einer deutschen Klinik unerkannt bleibt?”
“Gehirntumor?”
“Der wird doch entdeckt.”
“Vielleicht nicht. Wenn er sich in den Falten verbirgt.”
“Na gut…”
Ich schneide kleine Kreise aus dem gerollten Teig, fülle sie mit Sauerkraut-Zwiebel-Pilz-Mischung und verklebe ihre Ränder zum Halbmond. Kosmische Formen. Alles lässt sich kosmisch auslegen, man braucht nur seinen Willen, um die Welt als das All zu sehen und nicht als Jammertal.
“Zuerst unternimmt Carolina noch Versuche gegen ihre Angst zu kämpfen oder sie zu erklären…”
“Warte doch mal, ihre Angst sei ist durch ihre Krankheit bedingt, sie braucht keine intellektuelle Erklärungen.”
“Sie weiß es nicht. Für sie ist sie unerklärbar. Sie ist eine intelligente Frau, die glaubt, ihre Angst intellektuell zu erfassen zu können. Erst später, schon im Krankenhaus, unterliegt sie der Angst und spürt, wie sie sie langsam wegfrisst.”
Ich werfe die erste Portion der Pierogi ins kochende Wasser hinein.

Und den Rest kann man heute um 18.00 Uhr hören. Und danach köstliche Pierogi bestellen. Ach, wie schön, dass es Oktober gibt, und Pilze, und gutes Essen, und überhaupt…

13.10.2013 / 13:13

Zacznę obowiązkowo czyli od zaproszenia na wernisaż w dniu 13.10.2013 o godzinie 13:13 / Morgen findet eine Ausstellungseröffnung statt und zwar um diese magische Zeit: 13.10.2013 um 13:13 Uhr.

plakatela Ela/ Elżbieta Woźniewska

fionaIch kenne sie / Znam ją.
Ich bewundere ihre Kunst. / Cenię i podziwiam jej malarstwo.
Jak kiedyś będę miała dość pieniędzy, na pewno kupię sobie jej obraz. / Wenn ich mal genug Geld haben werde, werde ich mir ihr Bild kaufen.
Na przykład ten. / Zum Beispiel dieses.
Fiona
Oder ich lasse mir von Ela mein Portait malen. / Albo zamówię u Eli mój portret.
Na przykład jak jeden z tych. / Zum Beispiel wie ein von diesen.

portretyelaSie macht auch andere Sachen, sie nennt sie Ikonen und Kryptograme. Die mag ich nicht besonders, aber sie sind farbenfroh, lustig und finden viele Bewunderer. Sie haben eine wunderbare, rauhe Oberfläche, wie eine Katzenzunge./ Maluje też inne rzeczy. Nazywa je Symbole i Kryptogramy. Nie przepadam za nimi, ale przyznaję, są barwne, wesołe i znajdują wielu nabywców. Mają wspaniałą strukturę, są szorstkie jak język kota.

buzki Robi też przedziwne, piękne, wyszukane książki artystyczne. / Sie macht auch aussergewöhnliche, exquisite Kunstbücher.

bookselaSie ist eine tief glaubende Christin. / I jest głęboko wierzącą chrześcijanką.
Daher die Ausstellung in der Kirche? / Dlatego wystawa w kościele polskim w Berlinie?

tryptykrzymski-aniol-tekstKrystyna Koziewicz tak napisała o wystawie:

W 35 rocznicę wyboru papieża Polaka na Stolicę Piotrową. 13.10.13 w Galerii pod Bazyliką w Berlinie Ela Woźniewska zadedykowała wystawę ”Próg nadziei”  Błogosławionemu Janowi Pawłowi II.

Ksiądz proboszcz Marek Kędzierski jest kustoszem tej galerii, w której realizuje słowa Jana Pawła II, że należy ewangelizować kulturę. „Przestrzeń sakralna ma nas wzmacniać w wierze”.

Ela Woźniewska ukończyła malarstwo na Akademii Sztuk Pięknych w Krakowie, grafikę w ASP w Katowicach, studiowała w Berlinie w Akademie der Künste.

ela-wystawa2Dzieła przedstawione na wystawie „Próg nadziei” powstawały przez ostatnich 15 lat i są odzwierciedleniem życiowej refleksji Eli na temat aktualnych wydarzeń i postaw ludzkich. Na suficie galerii artystka umieściła kryptogramy – barwną płaszczyznę symboli, pokazujących dążenie do doskonałości i perfekcji człowieka wolnego od cierpienia i pogardy.  Ale to niełatwe. Nie było łatwe w socjalizmie, ale nie było też łatwe na Zachodzie, i nie jest łatwe teraz, po roku 2001, po wojnach w Afganistanie, Iraku, Syrii, Pakistanie. Ela w swojej twórczości nawiązuje do ogromu zniszczeń człowieczeństwa w serii obrazów, przypominających zgliszcza WTC.

Artystka przekazuje swoje przemyślenie, zmuszając nas do refleksji, opamiętania, bo Opatrzność każdy czyn oceni – przestrzega. Na obrazach pokazuje też piękno, które pochodzi z pokory. Każdy musi sam zajrzeć w głąb swojego ego, by zrozumieć samego siebie, odnaleźć sens życia. Ona to zrobiła. Jak sama twierdzi, późno znalazła drogę do Boga, ale bez Boga nie może planować ani tworzyć.

Wystawa w polskim kościele poświęcona jest Błogosławionemu Janowi Pawłowi II.  Dobrymi czynami przekraczajmy próg nadziei.  Zachęcam do obejrzenia i refleksji!

300 Jahre Nachhaltigkeit

Vor 300 Jahren schrieb Hans Carl von Carlowitz sein Buch Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht, das als erstes Werk gilt, das Nachhaltigkeit fordert: „Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weil es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.“

Dass es mit Herrn von Carlowitz so gewesen ist, wurde ich von Tarik Mustafa informiert, Präsidenten des Bundesverbandes Nachhaltigkeit. Wir treffen uns auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof, auf dem Gelände von Arche Metropolis. Ich drehe seine Visitenkarte in der Hand rum. Ha, Bundespräsident! Wir alle sind doch irgendwelche Präsidenten. Er ist ein Präsident der Eutopie, eines glucklichen Ortes. Es ist ein Kunstprojekt fżr die Chancen und die Entwicklung der urbanen Gesellschaft in 21. Jahrhundert. Kunsprojekt. Akademie für Fortschriftliche Rückbesinnung. Auszeichnungen durch UNO. Ich schaue mir sein Feld an und weiß nicht, ist es ein schönes Projekt, ist es ein Bluff? Tarik selber ist jedoch ein unglaublich netter Mensch. Offen, entgegenkommend. Ich vermute, dass er auch ein Frauenversteher ist, weil er mir so leicht alle meine anfängliche skeptische Gedanken weg nimmt.  Das Projekt soll dem Gründungsvater der Nachhaltigkeit gebürtige Ehre zuweisen.

An einem schönem, kalten, windigen Tag sitzen wir auf einer Holzbank mitten im Nichts des riesiggrossen ehemaligen Flughafens und reden von bürgerliche Partizipation, Zukunftsvisionen und sozialen Aufgaben jedes Einzelnen. 1,3 Hektar Feld mieten er und seine Mitstreiter, wo sie kleine Hütten bauen, kleine Gartenbeete für Schulklassen zur Verfügung stellen, kleine Bühne betreiben, gedeckt von einem Dach aus den Plastikresten voll von gewollten Leerräume. Wir reden miteinander und ich bin enthusiastisch und hingerissen.

archeDas haben die charismatischen Menschen an sich. Sie bezirzen uns. Was hat er mir erzählt, der Tarik? Ausser Bilder von kleinen Hüten, vom weiten Feld und der Geschichte von Herrn Carlowitz, habe ich wenig im Kopf. Trotzem, eins ist sicher: Ein interessantes Bildungs- und Kunstprojekt.

Adresse:
Tempelhofer Feld, zwischen den beiden Eingängen vom Tempelhofer Damm und dann ganz einfach dorthin gehen, wo man kleine Häuschen und flattriges Dach sieht

Bilder: Wikipedia Commons

Zusätzliche Information vom November 2013. Arche Metropolis wird ausweichen müssen.
wymowienie