Die kleine große Welt (18)

Monika Wrzosek-Müller

Wittenberg
Cranach der Jüngere und die Cranachs

Seitdem sie den Umschlag des Katalogs der Cranach-Ausstellung gesehen hatte, war sie so in das feine Bild der Prinzessin Elisabeth von Sachsen verliebt, dass sie es sehen musste. Die Fahrt nach Wittenberg, in die weitere Umgebung von Berlin war gut für einen Sonntagsausflug. Sie wählten eine Route abseits der Autobahn, wie sich herausstellte auch zurecht, denn wie immer wurden in den Sommermonaten die Fahrbahnen repariert und ausgebessert und es staute sich direkt nach der Ausfahrt aus Berlin; Staus gab es auch schon in Berlin, wie immer im Sommer, wenn verstärkt an den Straßenschäden gearbeitet wurde, und sie standen da auch einige Minuten länger. Es war Sommer in voller Blüte und Trockenheit, doch das Grün überwog und manchmal blühten sogar noch Kornblumen, die Mohnblumen waren dagegen fast gänzlich verschwunden; an manchen Stellen war die Trockenheit nicht zu übersehen, der Mais stand nur halbhoch, die Maiskolben ganz ausgetrocknet und bräunlich, manche Felder schon abgeerntet. Doch der Weg führte durch kleine Ortschaften, in deren Mitte fast immer eine schöne alte Dorfkirche aufragte und an den Straßenrändern Menschen saßen und Pflaumen, Karotten, Blumen, alles was ihre Gärten hergaben,verkauften und dann wieder führte die Straße durch größere Waldstücke, Wälder, manchmal sogar leicht hügelig, also sehr reizvoll.

Die Stadt Wittenberg kannte sie von früheren Ausflügen, doch sie änderte sich mit jedem Jahr und es war immer wieder interessant das nachzuverfolgen, was neu dazu gekommen war; die Wasserläufe mit den prächtigen Blumen-, eher Pflanzen Arrangements, die vielen Plakate zur Cranach-Ausstellung und große über ungenutzten Flächen aufgespannte Abbildungen der Werke der Cranachs stachen in die Augen und auch die vielen Menschen, die doch offensichtlich zu der Ausstellung gekommen waren. Es war diesmal nicht Luther selbst, sondern seine Maler – denn man musste den Sohn auch einbeziehen – denen die Aufmerksamkeit galt. Besonderes gedacht wurde diesmal Cranach d. J. anlässlich seines 500. Geburtstages, mit einer extra für ihn eingerichteten Ausstellung: Lucas Cranach der Jüngere – Entdeckung eines Meisters, damit der Sohn einmal aus dem Schatten seines Vaters heraustreten und seine Arbeit und Werke erstrahlen konnten.

Das Konzept der Ausstellung, sie in realen von der Familie Cranach bewohnten Plätzen einzurichten, gefiel ihr sehr. So war die Ausstellung auf drei Orte in Wittenberg verteilt, an jedem kam man dem Werk des Künstlers näher: Cranach-Haus, Augusteum und Stadtkirche. Für sie war die Einführung Cranachs Welt im Cranach-Haus am Markt sehr einleuchtend; man lernte die Familie kennen, ihr Umfeld und das Schaffen. Demnach gehörten die Cranachs zu den einflussreichsten Familien in der Stadt; sowohl der Senior als auch der Junior wussten sehr wohl, wie man die Güter der Familie vermehrte, sie in Immobilien, die Apotheke und einen florierenden Weinausschank investierte. Natürlich war die Hauptbeschäftigung mit der Malerwerkstatt verbunden; da entstanden die vielen Werke, die Ideen, wie man sie schneller produzieren konnte; verbreitet war die Kunst des Pausens, d.h. eine einmal gemalte Figur, ein Gesicht konnte mit einer Technik, die in der Ausstellung mit einem Video erklärt wurde, sehr einfach auf ein neues Bild übertragen werden. So entstanden die zahllosen Bilder von Luther mit verschiedenen Kopfbedeckungen.

Eine Malerwerkstatt funktionierte wie ein kleines Unternehmen, die der Cranachs mit ihrer enormen Produktivität glich fast einer Bildermanufaktur; es waren viele Leute beschäftigt, die einen produzierten Farben, die anderen bespannten die Leinwände, die Söhne versuchten sich im Zeichnen, wurden von dem Vater an das Handwerk herangeführt. Das alles kann man sehr anschaulich und authentisch in den Cranachwerkstätten nachempfinden. Sie musste während des Gangs durch die Ausstellung immer wieder an die Beschreibung in einem Roman über Leben und Tun von Tintoretto in Venedig denken, auch er führte seine Kinder an das Handwerk heran und verstand es sehr gut zu investieren und sich immer weiter zu entwickeln, auch er verstand sich eher als ein perfekter Handwerker denn als ein genialer Künstler. Sie dachte, wie anders hatte man die Künstler damals wahrgenommen; sie richteten ihr Tun ganz nach den Marktgesetzen, produzierten die Bilder für die ganze Region in unheimlichen Mengen, zogen alle Aufträge an sich, oft konnte man nicht eindeutig feststellen, wer letztendlich der richtige, ausführende Künstler war, denn es gab einfach zu viel zu tun. Diese Gedanken kamen ihr verstärkt in den Räumen der Ausstellungen über die Cranachs.

Und noch eins beschäftigte sie die ganze Zeit, aber den Zugang dazu fand sie nicht; es war doch die Entstehungsstunde der protestantischen Kirche, d.h. die Cranachs bildeten die Ikonografie dieser neuen Glaubensrichtung. Lag das an ihrem Unwissen oder hatte man diesem Aspekt zu wenig Platz eingeräumt, zwar gab es Bilder wie die fantastische Darstellung: Die Arbeit im Weinberg des Herren, wo explizite der Kampf zwischen den guten, fleißigen Protestanten und den faulen, prächtig angezogenen Katholiken wunderbar zum Ausdruck kam, doch sie fand wenig Erklärungen und Erläuterung zu diesem Themenkreis. Vielleicht, dachte sie, alle die sich die Ausstellungen anschauen, sind selber Protestanten und das meiste ist für sie einfach selbstverständlich.

Erschreckend fand sie die Abbildungen, Fotos vom Zustand des Cranach-Hauses vor der Wiedervereinigung; erstaunlich, dass in der DDR nicht einmal so renommierte Künstler Beachtung gefunden hatten, jedenfalls dass ihre Wohnstätte so vernachlässigt worden war; sie selbst hatte doch vor vielen Jahren im Kulturzentrum der DDR in Warschau einen großen, sehr gut dokumentierten Bildband über die beiden Cranachs gekauft, also war das Werk von ihnen bekannt und anerkannt.

Doch am meisten berührt, bewegt oder einfach auch gefallen haben ihr die 13 Zeichnungen von Cranach dem Jüngeren. Sie kamen aus dem Musée des Beaux-Arts de Reims und sind zum ersten Mal alle zusammen in Wittenberg zu sehen, in einer Art von Schatzkammer, mit gedämpften Licht. Die Zeichnungen auf dem vergilbten, alten Papier leuchten trotzdem durch ihre Schönheit, Präzision und Ausdruckskraft. Man steht verzaubert und erstaunt von der Lebendigkeit und Bildhaftigkeit der Porträts. Lucas Cranach d.J. verstand es meisterhaft, die feinen Linien, die Lichteinfälle, die Schattierungen wiederzugeben; seine Zeichenskizzen erinnerten sie wiederum an diejenigen von Leonardo da Vinci, aus dem Museum in Vinci. Gerade diese Zeichnungen bilden für sie den Mittelpunkt der Ausstellung, sind modern, leben weiter und inspirieren junge Künstler.

Wichtig und interessant fand sie auch die Herausarbeitung der Unterschiede in der Malweise, dem Malduktus zwischen dem Vater und dem Sohn; denn nach dem Weggang des Vaters nach Augsburg blieb die Werkstatt weiterhin sehr gut ausgelastet mit neuen Aufträgen, hauptsächlich bürgerlicher Porträts, Epitaphien und Altären.

Viele der Epitaphien und Altarbilder hat sie dann in der Stadtkirche gesehen, der Rundgang bildete auch das Ende der Besichtigungstour; die anderen Ausstellungsorte in Dessau und Wörlitz, sowie in den kleineren Kirchen der Umgebung von Wittenberg konnte man an diesem einen Tag niemandem zumuten.

***

Heute vor 500 Jahren, am 4. Oktober 1515, wurde Lucas Cranach der Jüngere als jüngster Sohn von Lucas Cranach dem Älteren und Barbara Brengebier in Wittenberg geboren. Das Land Sachsen widmete ihm und der ganzen Cranach-Familie mehrere Ausstellungen und Veranstaltungen – mehr

Bunt und die Gegenwartskunst

Lidia Głuchowska

Am Sonntag, den 4. Oktober um 15.00 Uhr finden im Kraszewski-Museum Dresden, begleitend zur Ausstellung ,Bunt’ – Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde. Werke aus der Berliner Sammlung von Prof. St. Karol Kubicki, ein öffentlicher Vortrag und eine kuratorische Führung von Dr. Lidia Głuchowska statt: Das Werk der Gruppe Bunt (Revolte) als Inspiration für Gegenwartskünstler in Deutschland und in Polen.

 Hier im Voraus Einiges zu diesem Thema.

Die Ausstellung expressionistischer Werke der Posener Expressionistengruppe Bunt (Revolte, 19181922), welche noch bis zum 8. November im Kraszewski-Museum Dresden und dann in Wrocław zu sehen ist, wird von zeitgenössischen Kunstpräsentationen begleitet. Die daran beteiligten Kunstgrafiker, Glaskünstlern und eine Bildhauerin beziehen sich in ihren Werken auf die Programme und Ästhetik der Künstlergruppe Bunt (Revolte) und dabei vor allem auf die Idee der engagierten Kunst.

1 PlakatLogo Bobrowski 2015Das auf dem Plakat abgebildetes Logo der Ausstellung – Linolschnitt von Andrzej Bobrowski Transformation M/S (2015) – knüpft an die expressionistischen Selbstbildnisse derjenigen Bunt-Mitglieder an, die die Kontakte der dieser Vereinigung zu den internationalen Künstlerkreisen in Deutschland initiiert haben – Margarete und Stanisław Kubicki.

So wie die Bunt-Künstler ein Gruppenporträt in der Art des Bildnisses Eine Künstlergruppe von Ernst Ludwig Kirchner (1926) nie geschaffen haben, so haben sich auch die Kubickis nie als Paar porträtiert. Andrzej Bobrowskis Linolschnitt Transformation M/S [M(argarete)/S(tanisław)] verbindet in sich ihre Selbstbildnisse aus den Jahren 1917–1918. Das Selbstporträt IV von Kubicki hat sich bis in unsere Zeit nicht erhalten und ist nur noch aus den Publikationen in den Kunstzeitschriften Zdrój (Quelle) und Die Aktion bekannt.

Das zeitgenössische grafische Werk, eine horizontal-panoramische, an Bannerform angelehnte Komposition, ist zum einen eine Reflexion über die künstlerischen und privaten Beziehungen zwischen den Kubickis, und zum anderen darüber, wie die Zeit vergeht, wie die Einzelheiten der künstlerischen Biografien im kollektiven Gedächtnis verblassen, über die Gruppenidentität und schließlich über die fehlende Integrität des Kunstwerkes im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit.
Von den selben Selbstbildnissen der Mitbegründer von Bunt wie das Ausstellungslogo wurde die monumentale Installation Przenikanie /In-Einander-Greifen (2015) von Karolina Ludwiczak und Marcin Stachowiak angeregt.

2 Przenikanie Ludwiczak StachowiakDas Ergebnis des Dialogs mit dem Schaffen der Kubickis ist hier jedoch ein ganz anderes.

Zum ersten verdeutlicht diese Installation, die um mehrfaches größer ist als die ursprünglichen Selbstporträts, dass der zeitgenössische Kontakt mit Kunstwerken der Vergangenheit, die häufig nur aus dem Internet oder anderer Vervielfältigungsmedien bekannt sind, nicht selten eine sehr beschränkte Vorstellung von deren materieller Gestalt verleiht. Und diese ist von wesentlicher Bedeutung auch wenn die manuellen und intellektuellen Fähigkeiten eines Künstlers Vorrang haben vor dem Material, mit dem er arbeitet.

Zum zweiten macht sie auf ein Paradox der von ihnen verwendeten Technik aufmerksam. Obwohl man im Falle des Werks von Ludwiczak und Stachowiak von einem „Inter-Gattungsspiel“ sprechen kann, da sie ein plastisches Bild und nicht lediglich ein flaches geschaffen haben, so knüpfen sie trotzdem in der reliefartigen Form ihrer Installation an die Form der Linolschnittplatte an, mit der die Bildnisse der Kubickis gedruckt wurden. Und wenn sie somit das expressionistische Vervielfältigungsverfahren verdeutlichen, muss klar werden, dass ihr eigenes Werk einmalig und nicht reproduzierbar ist. Paradoxerweise kann nämlich die Gussform ihrer Relief-Plastik, die in einer individuellen Technik entworfen wurde, nur einmal verwendet werden.

Die aufeinander abgestimmten halbtransparenten Glasporträttafeln, die sie aufgestellt auf eisernen Ständern vom Licht durchleuchten lassen, veranschaulichen die Idee des In-Einander-Greifens vom Leben und Werk zweier schöpferischer Menschen. Dieses wird konventionell als Harmonie verstanden, muss jedoch zumeist im Kontext des Alltäglichen aufgrund von Rivalitäten und materiellen Verpflichtungen immer einen Kompromiss bedeuten.

Weiterhin sind in der Ausstellung Gruppenpräsentationen Refleks / Reflex (Kurator: Maciej Kurak), Ulotka / Flyer (Kurator: Maciej Kurak) und Ich 7 / Sie 7 zu sehen, die jene Formen der medialen Kommunikation aufgreifen, welche typische Ausdrucksformen der Künstlergruppe Bunt und der internationalen Avantgarde waren. Dazu zählten in erster Linie die Form des Kunstbuchs, Informations- sowie Propagandadrucke politischer Provenienz. Diese wurden auf Kundgebungen verbreitet und unterstützten künstlerische Manifeste wie auch die Ideen der sozialen und politischen Emanzipation.

3-4-5Von links: Plakate der Ausstellung der Gruppe Bunt 1918 mit dem Motiv aus dem Linolschnitt Turmbau zu Babel von Stanislaw Kubicki und das Kunstbuch Refleks, Hg. v. Maciej Kurak

Motiv aus dem Plakat der Kunstpräsentation Refleks mit dem Linolschnitt von Andrzej Bobrowski (inspiriert von Turmbau zu Babel von Stanislaw Kubicki)


Maryna Mazur, Cardinal, Metaltechniken, aus dem Kunstbuch Refleks, 2014

Das Ergebnis des Projektes Refleks / Reflex (20142015) ist eine Kunstinstallation, deren wichtigste Komponente ein bibliophiles Buch mit Originalgrafiken ist. Ihre erste Präsentation in der Posener Galerie Rarytas im Frühjahr 2014 wurde durch ein Poster von Andrzej Bobrowski ergänzt, welches eine Transformation des Plakats zur ersten Ausstellung der Gruppe Bunt im Jahre 1918 darstellt. Das Originalplakat mit dem Linolschnitt von Stanisław Kubicki Der Turmbau zu Babel (1917) ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Auf dem Plakat der Kunstpräsentation Refleks wird anstelle des ursprünglichen Turms jedoch ein Tunnel gezeigt – ein Teil des Arrangements der Erstaufführung und eine Metapher des gesellschaftlichen Wandels.

Einen Teil der Präsentation Refleks / Reflex bildet ein 2015 entstandener Film desselben Titels – ein Einblick in das Kunstbuch mit den darin enthaltenen 16 Originalgrafiken.

Der zweite Film in der Ausstellung, betitelt Bunt Re-Vision – dokumentiert alle Stationen der internationalen Ausstellung, die als Würdigung der Schenkung von Professor St. Karol Kubicki an das Nationalmuseum Poznań und das Leon-Wyczółkowski-Kreismuseum in Bydgoszcz konzipiert wurde. Im Film sind die Vernissagen weiterer zeitgenössischer Kunstpräsentationen zu sehen. Über die Filme haben wir in der vorigen Besprechung dieser Ausstellung berichtet HIER.

Die Kunstpräsentation Ulotka / Flyer besteht aus einer Sammlung von 31 Werken, von zeitgenössischen Grafikern die mit Kunstschulen in Poznań und Wrocław in Verbindung stehen, und zeigt als Sammlung von symbolischen Flyern die soziale Problematik aus verschiedenen lokalen Perspektiven.

6-7-8Von links: Magdalena Czerniawska, 2015, aus der Kunstpräsentation Ulotka / Flyer

Stefan Ficner, Hołobutów, 2015, aus der Kunstpräsentation Ulotka / Flyer

Małgorzata EtBer Warlikowska, Blood is always black, Serigraphie, 2015, aus der Kunstpräsentation Ulotka / Flyer

Die Künstler, die an dieser Präsentation beteiligt sind, legen in ihren Werken Konventionen, Anzeichen des Provinzialismus und der Fremdenfeindlichkeit offen, bekämpfen die Idealisierung der Wirklichkeit in den Medien ebenso wie die Verfestigung der gesellschaftspolitischen Heuchelei sowie die Beschränkungen, die dem Menschen von offiziellen Institutionen auferlegt werden.

Die Sammlung der Flyern mit sozialkritischer Aussage wird auf zwei zylinderartigen Ständern in Form einer Windrose präsentiert und wie in einem Zeitungsständer aus den Cafés der expressionistischen Epoche betrachtet. Die in Bewegung gezeigten Kunstwerke werden wie Flyer zu einer Metapher der Flüchtigkeit und Synonym der Idee der Öffnung für innovative soziale und kulturelle Werte.

9-10Oben: Kunstpräsentation Ulotka / Flyer: 1 der 2 Ständern

Radosław Włodarski, ein der Teilnehmern der Kunstpräsentation vor seiner Das Cabinet, Digitalprint, 2015 (inspiriert vom Film Robert Wienes Das Cabinet des Doktor Caligari, 1920)

Die Kunstpräsentation, welche im Film Bunt Re-Vision zu sehen ist, heißt Ich 7 / Sie 7 (2015). Sie umfasst Werke eines größeren Formats, welche von einer informellen Gruppe aus sieben Künstlern geschaffen wurden und programmatisch wie auch technologisch an das Schaffen der Gruppe Bunt anknüpfen. Sie zeigen sowohl die Langlebigkeit der Ideen und Ästhetik der Avantgarde auf, als auch mögliche Richtungen einer Neuinterpretation dieser. Der Name des Projektes, welches auf Deutsch ich und auf Polnisch sie 7 bedeutet, bezieht sich auf die Anzahl der Mitglieder von Bunt und ist ein Echo des zweisprachigen Namens, welcher die grenzübergreifenden Anforderungen des Expressionismus aus dem Programm von Bunt ausdrückte.

12 Ich 7 Tyszkiewicz Gertchen Szurek Kopczynska 11 Bunt Bydg Szewczyk_filmUlotka foto LG Oben: Jacek Szewczyk, Aleja bez pracy, rysunek (1999), cokół z prezentacją książki artystycznej Refleks (2014) oraz film Bunt –Re-wizje, koncepcja: Lidia Głuchowska, Anna Kraśko, realizacja: Anna Kraśko (2015).

Fragment der Kunstpräsentation Ich 7 / Sie 7 im Leon-Wyczółkowski-Bezirksmuseum in Bydgoszcz (Juni-August 2015), sichtbar im Film Bunt Re-wizja / BuntRe-Vision im Kraszewski-Museum Dresden. Von links nach rechts Werke von Przemysław Tyszkiewicz, Agata Gertchen, Małgorzata Kopczyńska und Piotr Szurek.

Die Ausstellungsbesucher können als Souvenir ein von den Teilnehmern der Kunstpräsentation Ulotka / Flyer gestalteten Badges mitnehmen.

13 Badges Flyer

 

 

VotiVtraum

Lila Karbowska & Lucyna Viale

karbowska_berlin

VotiVtraum

“VotiVtraum”, Rauminstallation, 2015
in Projektraum “art.endart”
Drontheimer Str. 23
13359 Berlin

Vernissage am 25 September 2015 um 19.00 Uhr,
Ausstellung von 25.09 bis 11.10.2015

Ilustracja na zaproszeniu to tylko inspiracja. VotiVtraum to instalacja efemeryczna – zamiast naszyjników z koralików Karbowska wykorzystała ususzone zioła i rośliny zebrane w Polsce i w Berlinie. Zwiedzających czeka intensywne doznanie wizualne i zapachowe.

lila-mimozy***

Lila Karbowska, polska artystka, od roku 1983 zamieszkała w Berlinie. Studiowała historię sztuki na Wolnym Uniwersytecie Berlińskim. Tworzy instalacje, wideo, fotografia, obiekty, rysunki.

Więcej / more: http://www.lilakarbowska.de

Lucyna Viale, organizatorka wystawy, należy do Stowarzyszenia Artystów “Kolonie Wedding” i co miesiąc – w ostatni piątek miesiąca – organizuje nową wystawę – prezetuje artystów z krajów Europy Wschodniej, przede wszystkim z Polski ale też z Ukrainy, Bialorusi, Czech, Litwy.

Więcej / mehr: www.koloniewedding.de/art.endart

Es ist Bunt in Dresden / Bunt w Dreźnie

Wersja polska poniżej

Dr. Lidia Głuchowska

„Bunt– Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde“ verwandelte das Kraszewski-Museum Dresden

„In der dreijährigen Geschichte der Sonderausstellungen im Kraszewski-Museum Dresden gab es eine solche Ausstellung noch nie. Sie hat unsere Innenräume komplett verwandelt. Und die Glasinstallation In-Einander-Greifen von Karolina Ludwiczak und Marcin Stachowiak, deren Erstausstellung morgen stattfindet, ist einfach phänomenal”, meint Joanna Magacz, Museumsleiterin.

In den historischen und überraschend so umfangreichen Räumlichkeiten der Villa des literarischen Museums von Józef Ignacy Kraszewski, welche in einer pittoresken Ecke Dresdens liegt, wird morgen die nächste, bereits dritte Enthüllung der internationalen Ausstellungstour Bunt – Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde. Werke aus der Berliner Sammlung von Prof. St. Karol Kubicki“ stattfinden. Nicht ohne Grund. Bunt war nämlich nicht nur eine Gruppierung deutsch-polnischer Künstler, sondern auch ein Bund von bildenden Künstlern und Literaten.

1 Drezno

Bisher wurde die Ausstellung im Nationalmuseum Poznań und im Leon-Wyczółkowski-Kreis-Museum in Bydgoszcz präsentiert – eben in den Museen, die von der großzügigen Schenkung des Sohns von Margarete und Stanisław Kubicki profitiert haben. Berichte dazu befinden sich u.a. HIER HIER HIER HIER HIER HIER

5 bunt-pion

Im Zentrum der Schau stehen über 80 Grafiken, Zeichnungen und Plakate der Expressionistengruppe Bunt (dt. Revolte, 1918–1922) – Kunstwerke der Kubickis und von Jerzy Hulewicz, Jan Panieński, Władysław Skotarek, Stefan Szmaj und Jan Jerzy Wroniecki.

6 Dresden Stefan SzmajStefan Szmaj

Die Ausstellung wird von Präsentationen zeitgenössischer Künstler begleitet. In Dresden findet die Erstausstellung der monumentalen Installation statt, die aus zwei aufeinander aufgestellten Porträtglastafeln besteht und mit In-Einander-Greifen (2015) betitelt ist. Ihr Hauptbestandteil ist ein Paar von Reliefs, die vom künstlerischen Tandem Karolina Ludwiczak und Marcin Stachowiak geschaffen wurden. Als eine Entsprechung der Mitbegründer von Bunt – Margarete und Stanisław Kubicki – unternehmen sie ein gattungsübergreifendes Spiel mit deren künstlerischem Schaffen. Sie knüpfen dabei an die plastikartige Form der Linolschnittplatten an, von denen die Linolschnittporträts der beiden Kubickis um1918 abgedruckt wurden.

kubicki-fotoDas Logo der Ausstellung, geschaffen von Andrzej Bobrowski, wie auch die kollektiven Präsentationen von 31 Grafikern – Reflex (2014-2015), Flyer und Sie 7 (2015) –, veranschaulichen den stilistischen und programmatischen Einfluss des Œuvres der Gruppe Bunt auf die aktuelle Kunst.

10 Dresden Bunt Reflex FilmFilm Reflex

Die Bunt-Künstler schufen das umfangreichste internationale Netzwerk unter den polnischen frühavantgardistischen Gruppierungen. Der grenzübergreifende Kontext ihrer Wirkung wird in der Ausstellung von zahlreichen großformatigen Fotografien und Dokumenten veranschaulicht, die auf den arrangierten Litfasssäulen präsentiert werden.

Obwohl Berlin zweifelsohne das wichtigste der ausländischen Zentren für die Aktivitäten der Gruppe Bunt darstellte, pflegten ihre Mitglieder ebenfalls zur Kunstszene Dresdens Kontakte, insbesondere zur Dresdner Sezession: Otto Dix, Conrad Felixmüller, Henryk Barciński und Otto Krischer. Dies ist ein weiterer Grund, weshalb die Ausstellung derzeit in der Heimat des Expressionismus stattfindet, wo 1905 die erste Gruppe dieser stilistischen Formation – Die Brücke – gegründet wurde.

Freitag, 04.09.2015, 19.00 Uhr

Eröffnung der Ausstellung mit thematischer Einführung

„Die Gruppe Bunt, die internationale Wanderausstellung und die Spezifik der Schau in Dresden”, mit Dr. Lidia Głuchowska, Universität Zielona Góra, Institut für Visuelle Künste, Künstlerische Fakultät, Kuratorin

Sonntag, 04.10.2015, 15.00 Uhr

Vortrag und Führung von Dr. Lidia Głuchowska

„Das Werk der Gruppe Bunt (Revolte) als Inspiration für Gegenwartskünstler in Deutschland und Polen”

(über die Kunstpräsentationen Reflex, Flyer und Ich sowie die Installation In-Einander-Greifen von Karolina Ludwiczak und Marcin Stachowiak).

Sonntag, 08.11.2015, 15.00 Uhr

Vortrag und Führung von Dr. Lidia Głuchowska
„Bunt, internationaler Expressionismus und die avantgardistische ,Neue Welt’“

Sonntags, 20.09.2015 und 11.10.2015, jeweils 15.00 Uhr

Öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung mit Susanna Käpler, Museologin
„Vom Aufruf zur Versöhnung bis zur künstlerischen Revolution. Der expressionistische Charakter der der deutsch-polnischen Künstlervereinigung Bunt

Konzeption / Kuratorin der internationalen Ausstellungstour: Dr. Lidia Głuchowska

Ausstellung
05.09–08.11.2015
Kraszewski-Museum Dresden (Museen der Stadt Dresden)
Nordstraße 28, 01099 Dresden
http://www.museen-dresden.de


Dr Lidia Głuchowska

Bunt – Ekspresjonizm – Transgraniczna awangarda” przeobraziły Muzeum im Józefa Ignacego Kraszewskiego

„W trzyletniej historii wystaw czasowych w Muzeum im Józefa Ignacego Kraszewskiego w Dreźnie takiej ekspozycji jeszcze nie było. Ta całkowicie przeobraziła nasze wnętrza. A instalacja Przenikanie Karoliny Ludwiczak i Marcina Stachowiaka, której premiera będzie miała miejsce dziś, jest po prostu fenomenalna” – twierdzi Joanna Magacz, kierowniczka muzeum.

W historycznych i zaskakujaco obszernych wnętrzach położonej w malowniczym zakątku Drezna willi – muzeum literackim Józefa Ignacego Kraszewskiego zostanie jutro otwarta kolejna, trzecia już odsłona międzynarodowego tournée wystawy „Bunt – Ekspresjonizm –Transgraniczna awangarda. Prace z berlińskiej kolekcji prof. St. Karola Kubickiego”. Nie bez powodu. Bunt był bowiem nie tylko grupą o polsko-niemieckim składzie, lecz również stowarzyszeniem plastyków i literatów.

2 DresdenDotychczas pokazywana była w Muzeum Narodowym w Poznaniu i Muzeum Okręgowym im. Leona Wyczółkowskiego w Bydgoszczy, które są beneficjentami hojnej darowizny syna polsko- niemieckiej pary artystów Margarete i Stanisława Kubickich. Relacje na ten temat znajdują się HIER HIER TU HIER TU HIER

Zasadniczą część wystawy stanowi ponad 80 grafik, rysunków i plakatów ekspresjonistycznej grupy Bunt (1918–1922), do której należeli Kubiccy, Jerzy Hulewicz, Jan Panieński, Władysław Skotarek, Stefan Szmaj i Jan Jerzy Wroniecki.

4 trzywszeregu 3 trzy kwadratoweEkspozycji towarzyszą pokazy realizacji współczesnych. W Dreźnie ma miejsce premiera unikalnej, monumentalnej instalacji z nakładających się szklanych portretowych tafli – Przenikanie (2015), której główny element stanowi para reliefów autorstwa tandemu artystycznego Karolina Ludwiczak i Marcin Stachowiak. Jako odpowiednik współzałożycieli Buntu – Margarete i Stanisława Kubickich – podejmują oni transmedialny dialog z ich twórczością graficzną, wskazując na paradoks niemożności powielania ich linorytowego dzieła.

5Logotyp wystawy autorstwa Andrzeja Bobrowskiego oraz grupowe realizacje 31 grafików – Refleks (2014-2015), Ulotka oraz Ich 7 (2015), ukazują stylistyczny i programowy wpływ dokonań grupy Bunt na sztukę najnowszą. Poza pracami na papierze wystawa obejmuje także dwa filmy artystyczne – Refleks i Re-Wizje.

6Poza pracami na papierze i witrażową instalacją ze szkła wystawa obejmuje także dwa filmy artystyczne – Refleks i Re-Wizje. Pierwszy z nich prezentuje komentarze do prezentowanej na wystawie książki artystycznej pod tym samym tytułem, zawierającej 16 oryginalnych prac współczesnych autorstwa grafików poznańskich. Drugi dokumentuje tournée wystawy donacyjnej od momentu przekazania polskim muzeom daru z berlińskiej kolekcji prof. St. Karola Kubickiego.

Artyści grupy Bunt stworzyli najrozleglejszą spośród polskich ugrupowań wczesnoawangardowych sieć kontaktów międzynarodowych. Ów transgraniczny kontekst ukazują na wystawie liczne fotografie oraz dokumenty reprodukowane na zaaranżowanych słupach ogłoszeniowych.

7Choć najważniejszym z zagranicznych ośrodków działalności Buntu był Berlin, jego członkowie utrzymywali także kontakty z artystami Drezna, w tym Dresdner Sezession: Ottonem Dixem, Conradem Felixmüllerem, Henryk Barcińskim i Ottonem Krischerem. To jeszcze jeden powód, dla którego wystawa odbywa się obecnie w ojczyźnie ekspresjonizmu, gdzie w 1905 powstała pierwsza grupa tej formacji stylistycznej, Die Brücke.


Program towarzyszący wystawie obejmuje:

Piątek, 4.09.2015, godz. 19.00

Wernisaż

„Grupa Bunt, międzynarodowe tournée wystawy donacyjnej i specyfika odsłony w Dreźnie”
dr Lidia Głuchowska, Uniwersytet Zielonogórski, Wydział Artystyczny, Instytut Sztuk Wizualnych

Niedziela, 4.10.2015, godz. 15.00

Wykład i oprowadzanie kuratorskie w języku niemieckim: dr Lidia Głuchowska

„Twórczość grupy Bunt jako inspiracja dla współczesnych twórców w Polsce i w Niemczech” (o prezentacjach artystycznych Refleks, Ulotka i Ich 7 oraz instalacji Przenikanie Karoliny Ludwiczak i Marcina Stachowiaka).

Niedziela, 8.11.2015, godz. 15.00

Wykład i oprowadzanie kuratorskie w języku niemieckim: dr Lidia Głuchowska
„Bunt, międzynarodowy ekspresjonizm i ‘nowy świat‘ awangardy”

W niedziele, 20.09.2015 i 11.10.2015, o godz. 15.00

Zwiedzanie wystawy z przewodnikiem (w języku niemieckim): Susanna Käpler, muzeolog
„Od apelu o pojednanie do artystyczno-politycznej rewolucji. Ekspresjonistyczny charakter polsko-niemieckiej grupy artystów Bunt


Kuratorka międzynarodowego tournée wystawy / autorka koncepcji: dr Lidia Głuchowska

Wystawa: 5.09–8.11.2015
Muzeum im Józefa Ignacego Kraszewskiego w Dreźnie
Nordstraße 28, 01099 Drezno
http://www.museen-dresden.de
środa–sobota, godz. 13.00–18.0


O Muzeum w Dreźnie już kiedyś był wpis na blogu

Ein schöner Sommersamstag in Berlin (2)

Ewa Maria Slaska

Guten Abend. Oder eigentlich: Gute Nacht. Vor ein paar Wochen schrieb ich, dass es in Berlin am Wochenende keinen “Guten Morgen” gibt, weil der Berliner sich ausschlafen muss. Eigentlich gibt es in Berlin erst den Nachmittag, noch lieber Abend und gestern gar die Nacht.

plakat Ich habe eine Karte als Ehrengast und versuche den schönen Sommersamstag in Berlin zu genießen. Es begann wunderbar. Ich stieg aus der U-Bahn und ging nach oben, wo mich sofort eine schöne blonde Frau in einer Rikscha angesprochen habe, ob ich eben zur Langen Nacht will. Es gibt nämlich kostenlos die Schuttle-Rikscha finanziert von Volkswagen-Museum zur Museum Insel und zurück. Es ist eigentlich kein Museum, es ist Drive – das Volkswagen Group Forum, ehemals Automobilforum Unter den Linden, aber was soll es, an der Langen Nacht der Museen seien verschiedene Einrichtungen plötzlich Museen, Hochschulen, Kirchen, Banken…

Ich habe vergessen Foto zu machen, aber es war ungefähr so eine Rikscha, nur mit einer schicken Fahrerin drinne. Rikscha ist natürlich ein Vergnügen für Touristen. Kein Berliner wird es je machen, sich mit so  einem Ding chauffieren zu lassen, aber was soll es…

brautpaarXXX
XXX
Vor dem Altenmuseum eine Fotosession mit einem Mix-Brautpaar. Sehr schön. Komisch, als ich vor ein paar Wochen meinen Tag in Berlin beschrieb, berichtete ich von einem Polsterabend. Offensichtlich heiraten jetzt die Menschen in Berlin wieder.

Altes Museum. Filetstück der Museum-Insel. Auf der Museum-Homepage liest man einen Text. Bescheidener.

Karl Friedrich Schinkels Altes Museum, entstanden von 1823 bis 1830, zählt zu den bedeutendsten Bauwerken des Klassizismus. Die monumentale Ordnung der 18 ionischen kannelierten Säulen, die weit gespannte Vorhalle, die Freitreppe, die zum Beschreiten einlädt, sowie die mit antiken Skulpturen geschmückte Rotunde – Raum innerer Sammlung und ausdrücklicher Rückgriff auf das römische Pantheon – sind architektonische Würdezeichen, die bis dahin nur Herrschaftsbauten vorbehalten waren. Die Inschrift über der Säulenfront lautet: „Friedrich Wilhelm III. hat dem Studium jeder Art Altertümer und der freien Künste das Museum gestiftet 1828“. Heute beherbergt das Haus die Antikensammlung, die hier ihre Dauerausstellung zur Kunst und Kultur der Griechen, Etrusker und Römer zeigt. Das Münzkabinett komplettiert mit seinen antiken Objekten diese Gesamtschau des klassischen Altertums.

boginiIch schaue mir die Antikensammlung an. Prächtig, prächtig… Nix wie jeder Woche hin… Also wieso war ich eigentlich seit Jahren nicht hier? Pergamon, Bodemuseum, Neues Museum, ja, aber hier, nein, hier nicht…

Ich habe einfach vergessen wie wunderschöne Sachen sie hier haben.

Die Frau links ist eine Göttin aus Tarent. Man weißt nicht welche, Hera, Aphrodite, Proserpina? Ich schätze, dass es Hera ist, weil sie sehr majestätisch thront.

Jetzt weiter, also in die Alte Nationalgalerie, wo es diese Ausstellung ImpEx  gibt, was nicht Export Import bedeutet, sondern Expressionismus / Impressionismus (Achtung – nur bis 20. September!) Und meine geliebte Prinzessinnen – Frederike und Louise Hochenzollern – eine Skulptur von Schadow.

Alte Nationalgalerie nimmt an der Langen Nacht der Museen nicht teil. Die Exponate bei Imp/Ex sind zu kostbar.

Schade.

OK, dann das Neue Museum, so schick restauriert von David Chipperfield. Und dort natürlich Nofretete.

Das Neue Museum ist voll, vor dem Museum steht Schlange für mindestens eine Stunde.

Schade

Ins Pergamon-Museum gehe ich gar nicht hin. Es ist bis 2019 geschlossen. Oder länger, wie es in Berlin so ist.

Schade.

Jetzt aber schnell los. Ich möchte um 21 Uhr ins Kino vor der Gemäldegalerie… Man kommt hin mit Schuttle-Bus Linie 1.

schuttlebusEs geht schnell, ich habe noch halbe Stunde Zeit, gehe also in Gemäldegalerie, wo man die wunderbare Madonna mit Engel und Lilien von Botticelli sehen kann dh. sog. Tondo Raczynski.

20150829_203426Die Italiener sind aber nicht zu sehen, man baut schon die Botticelli-Ausstellung auf. Sie wird am 24. September geöffnet und wir werden alle scharrenweise hingehen, ist ja klar. Aber dass man zur Langen Nacht der Museen deswegen keinen Italiener sehen darf, das ist schon Schade.

Schade, Schade, Schade…

Ich habe also immer noch 29 Minuten Zeit und gehe zu mittelalterlichen Maler, die hier in großer Menge ausgestellt sind. Gleich im erstem Saal haltet mich eine Vorführung an. Ein Vergolder zeigt uns, wie man im Mittelalter den goldenen Hintergrund schaffte. Ein raffiniertes Kunstwerk war es mit vielen Geheimnissen und kleinen Tricks.

geschlossen-aufbau21:20 Uhr. Mit 20-Minütigen Verspätung beginnt der Film, den man auf Arte am 27. September um 17:35 Uhr im Programm Rendezvous sehen MUSS.

botticelli-filmEin wunderbarer Film… Regie und Drehbuch: Grit Lederer
Produktion: Medea Film, 52 min., 2015

Ein wunderbarer Film… Ach ich sagte es schon, sorry…

Es ist spät, mir ist kalt, ich möchte essen, Tee trinken, diesen Post machen… Ich gehe nach Hause.

Es ist Vollmond!

vollmond

 

 

Haus Europa

Brigitte von Ungern-Sternberg

Kindheiten in Europa: Heidi Ramlow

Überquert man eine Landesgrenze und kommt in ‘fremdes’ Land so ist einfach alles anders: die Sprache, das Essen, die Musik, wie sich Menschen zueinander verhalten …die Art zu denken. Oft erlebt, aber immer wieder spannend!

Ganz gleich ob und wie sich das ‘Haus Europa’ entwickeln wird, es wird in diesem großen ‘Haus’ immer viele separate Wohnungen geben, die sich höchst unterschiedlich präsentieren: polnische, französische, deutsche, griechische, italienische … Wohnungen (Wie viele? Siehe Europakarte!)

‘Haus Europa’? Das reicht nicht! Eigentlich sollte man eher von einer großen ‘Wohnanlage Europa’ sprechen.

Es empfiehlt sich, in diesen europäischen Wohnungen gelegentlich das Kinderzimmer aufzusuchen – denn wann haben wir sprechen, singen, denken gelernt, die Art Feste zu feiern und zu kochen? In der Kindheit natürlich! War man einmal in einer solchen Kinderstube, versteht man schon einiges davon, warum ein Mensch, der da groß geworden ist, so ist wie er ist. Und gut ist es auch, sich bei einer passenden Gelegenheit gegenseitig etwas von seinen prägenden Kindheitserlebnissen zu berichten.

Heidi RamlowHeidi Ramlow hat angefangen, diesen Faden des gegenseitigen Kennenlernens und Verstehens über die Kindheitserzählungen aufzugreifen. Sie ist 1941 in Pustchow/Pustkowo zur Welt gekommen, hat also Wurzeln in Pommern, die sie in ihrem langen Leben in Hamburg, München und Berlin nicht vergessen hat. Und schon ist man mitten drin in gar nicht so einfachen Kindheiten. Viele sind in Europa nicht in säuberlich abgetrennten Wohnungen aufgewachsen, sondern sind einmal oder sogar mehrmals in der ‘Wohnanlage’ umgezogen. Da steht in einer verlassenen oder aufgegebenen Wohnung so ein Kindheitskoffer herum. Die jetzigen Bewohner fragen sich vielleicht: Wie ist der denn dahin gekommen? Anzumerken ist natürlich, dass das ‘Haus Europa’ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz und gar nicht ein Ort friedlichen Zusammenlebens war.

Ein von Heidi Ramlow herausgegebenes Buch über Kindheiten in Schweden und Deutschland gibt es seit Mai 2015 schon im Handel.

Ein zweites Buch mit dem Titel “Kindheit in Deutschland – Kindheit in Polen” ist im Entstehen, soll am 1.9.2015 erscheinen und 12 Euro kosten. Es werden in der zweisprachigen Anthologie 27 polnische und deutsche Autoren und Autorinnen von ihren Kindheitserlebnissen berichten, in unterschiedlicher literarischer Form, von Familie, Liebe, Religion, Ideologie, Fluchterlebnissen und Heimatsuche erzählen. Es ist ein Beitrag zum gegenseitigen Verstehen und auch zur Versöhnung, so Heidi Ramlow. Herausgeber des Buches ist Heinrich von der Haar, Vorsitzender des Literatur-Kollegs Brandenburg e.V., Schirmherrin der Anthologie – Gesine Schwan, Präsidentin der Europauniversität Viadrina, Frankfurt/Oder.

Es gibt auch bereits einen Terminplan für eine Reihe von Lesungen in Deutschland und Polen, fünf davon im Oktober und November in Berlin. Von Kindheiten zu lesen ist interessant, sie erzählt zu bekommen einfach schön!

Flyer Deutsch  Flyer Po polsku

Die Herstellungskosten des Buches sind noch nicht gedeckt, über den Crowdfan-Link erfährt man, wie man mit einer Spende dazu beitragen kann.

Berliner Strassenmusik

Für Sigrid

Letztens bin ich zu einem sehr gelungenem Geburtstag eingeladen und Mo Calaz war eine der mehreren Trophäen, die ich von diesem Event so zu sagen “nach Hause” genommen habe. Er sang dort, er ist nämlich, wie er selber sagt, “buchbar”, und in der Woche trifft man ihm auf dem sog. Türken Markt. Immer Dienstag und Freitag, zwischen 12:00 und 14:00 Uhr.

Der Markt am Maybachufer in Neukölln ist mit der U-Bahn Linie 8 (U-Bhf. Schönleinstraße) zu erreichen. Außerdem hält dort der Bus 140.

maybachufer

Ausstellung / Exhibition / Wystawa: Bruno Schulz

Lidia Głuchowska

Foto oder Grafik? »Kabinett der historischen Fototechniken« von Mariusz Kubielas bei dem Europäischen Monat der Fotografie in Berlin 2014

Der Fotozyklus „Bruno Schulz – Mariusz Kubielas – In Transitu“ ist das Ergebnis eines 2004 initiierten Kunstexperiments, das vom literarischen und bildkünstlerischen Werk des polnisch-jüdischen Künstlers Bruno Schulz aus Drohobytsch (früher Österreich-Ungarn und Polen, heute Westukraine) inspiriert wurde. Sein Effekt bilden inszenierte und auf dem Negativ festgehaltene Szenen aus dem Grenzbereich zwischen Performance und Pantomime, die an eingefrorene Bildausschnitte aus einem Stummfilm erinnern.

Schulz 1Dieses transmediale Projekt, das auch durch Auszüge aus Schulz’s Prosa und die metaphorischen Titel der Arbeiten bereichert wird, dient der Aktivierung des internationalen und generationsübergreifenden Diskurs über das multinationale und multikonfessionelle Kulturerbes Mittelosteuropas.

Schulz 2Die größte Attraktion dieser Fotoschau ist jedoch das »Kabinett der historischen Fototechniken«, welches ca. 20 einmaliger Aufnahmen umfasst, welche Zeichen des persönlichen Stils des Künstlers tragen. Wie kaum einem zeitgenössischen Fotografen ist es Kubielas (geb. 1953) gelungen, einige um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts verwendete manuelle Techniken der Fotografie und deren Varianten zu rekonstruieren. Damit erreichte er Effekte von genauester Wiedergabe der Wirklichkeit sowie schärfster Licht-Schatten-Kontraste oder bis zur „impressionistischen“ Körnigkeit und edlen Matts der Bildoberfläche.

Der Realisierung des Kabinetts gingen Kubielas Studien zur Rekonstruktion archivalischer Technologien zur Schaffung von Lichtbildern voraus, die er 2004 an der Hochschule für Fotografie in Jelenia Góra/Hirschberg begann und bis heute in Zusammenarbeit mit führenden polnischen Experten, wie Cezary Chrzanowski, Roman Michalik, Janusz Sochacki und Rafał Warzecha weiterführt. Der Initiator dieser Arbeiten war Andrzej Pytliński, Patron des informellen Freundeskreises der historischen Fototechniken.

Das „Kabinett der historischen Techniken” von Mariusz Kubielas ist ein offenes Projekt: auch nach Ablauf des Europäischen Monats der Fotografie wird es fortgeführt und um weitere Varianten derselben Motive in weiteren Techniken ergänzt. In näherer Perspektive ist die Präsentation des Zyklus in Belgrad, Helsinki, Brüssel, Bratislava und Prag geplant – vorbereitet von dem Künstler in Zusammenarbeit mit der Kuratorin Dr. Lidia Głuchowska.

Ausstellung Bruno Schulz – Mariusz Kubielas – In Transitu

Kuratorin: Dr. Lidia Głuchowska
Vernissage: Donnerstag, 2. Oktober 2014, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 4. Oktober bis 14. November 2014

Begleitpublikation:
Lidia Głuchowska (Hg.): Bruno Schulz – Klisza Werk – Transgresiones, Wrocław: Ośrodek Kultury i Sztuki we Wrocławiu, 2013.

Über das Projekt wurde schon auf diesem Blog berichtet
https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/04/18/bruno-schulz-reloaded/
https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/03/22/kobieta-i-kon-rewers/

Ein Projekt im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie Berlin
http://www.mdf-berlin.de
und des Berliner Kunst- und Kulturfestivals Kunstkreuz: 10. bis 12. Oktober 2014
http://www.kulturring.org/kunstkreuz/

Vorbereitet vom Kultur- und Kunstzentrum OKiS in Wrocław
Mitfinanziert aus den Mitteln der Woiewodschaft Niederschlesien
http://www.okis.pl/site/zapowiedzii/n/1/n/1/951/n.html

Fotogalerie Friedrichshain, Helsingforser Platz 1, 10243 Berlin
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa 14 bis 18 Uhr, Do 10 bis 18 Uhr
Tel. (030) 296 16 84, Fax (030) 29 04 98 02
fotogalerie@kulturring.org • www.kulturring.org
S- und U-Bahnhof Warschauer Straße, Tram M10 und M13

Abbildungen

1. Mariusz Kubielas, Das große Glas oder Damals war die Mutter noch nicht da, jedoch…, 2010/14, 42 x 54,5 cm, 3 Paralell-Aufnahmen aus dem „Kabinett der historischen Techniken”
2. Mariusz Kubielas, Gebadet, Gummi
-4-chromatschicht, „Kabinett der historischen Techniken”, 2011/14 (Im Rahmen).
2a. Mariusz Kubielas, Gebadet, Gummi
-4-chromatschicht, „Kabinett der historischen Techniken”, 2011/14 (ohne Rahmen)

***

Photo or Graphics? “Cabinet of Historic Techniques” by Mariusz Kubielas during the European Month of Photography in Berlin 2014

Schulz2aThe photography cycle „Bruno Schulz – Mariusz Kubielas – In Transitu“ is a result of an artistic experiment inspired by the literary and fine arts oeuvre of the Polish-Jewish artist of Drohobycz (previously Austria-Hungary and Poland, today located in Western Ukraine). Its result are scenes from the edge of performance and pantomime, recorded on the negative, which resemble the stopped frames of a silent movie.
That trans-media project also comprises fragments of Schultz’s poetry and metaphorical titles of the works. It aims at activating an international and beyond-generational discourse about a collective future, and the future of the multicultural and multi-confessional cultural heritage of Central-Eastern Europe.
The very special attraction of the show is the “Cabinet of Historic Techniques”, to which belong c. 20 versions of the unique photographs, which carry the hallmarks of inimitability as well as the artist’s style. Unlike many contemporary artists, Kubielas (1953) has managed to reconstruct numerous photographic methods from the turn of the 19th and 20th centuries, as well as their abbreviations. Using traditional manual techniques, he achieved not only a precise reflection of details of the reality or the sharp light-shadow effects but also the sophisticated mat of the picture’s surface up to its “impressionist” graininess.
The development of “Cabinet” was preceded by Kubielas’ study on the reconstruction of archival methods of creating photographs which he had started in 2004 at the Photography Professional School in Jelenia Góra and has continued up to today in cooperation with leading Polish experts, such as Cezary Chrzanowski, Roman Michalik, Janusz Sochacki and Rafał Warzecha. The initiator of these works was Andrzej Pytliński, patron of the informal Society of Historic Photographic Techniques.

“Cabinet of Historic Techniques” by Mariusz Kubielas is an open project: also continued after the end of the European Month of Photography it will be enriched by further variants of the same motifs in other techniques. In the nearest future it will be shown in Belgrade, Helsinki, Bratislava and Prague prepared by the artist in cooperation with the curator Dr. Lidia Głuchowska.

Curator: Dr. Lidia Głuchowska
Vernissage: Thursday, Oktober, 2nd, 2014, 7 pm.

4th of October until 14th of November 2014

Related publikation:

Lidia Głuchowska (ed.): Bruno Schulz – Klisza Werk – Transgresiones, Wrocław: Ośrodek Kultury i Sztuki we Wrocławiu, 2013.

Projekt in the framework of the European Month of Photography Berlin
http://www.mdf-berlin.de
and the Berlin Art- and Culture Festival „Kunstkreuz“: 10- 12. Oct. 2014
http://www.kulturring.org/kunstkreuz/

Prepared by the Culture and Art Office OKiS in Wrocław
Supported by the of the Województwo Lower Silesia
http://www.okis.pl/site/zapowiedzii/n/1/n/1/951/n.html

Fotogalerie Friedrichshain, Helsingforser Platz 1, 10243 Berlin
Opening times: Tuesday, Wednesday, Friday, Saturday 2-6pm, Thursday 10am-6pm
Tel.
(030) 296 16 84, Fax (030) 29 04 98 02
fotogalerie@kulturring.org • www.kulturring.org
S- and U-Station Warschauer Straße, Tram M10 and M13

Images
1.
Mariusz Kubielas, The Great Glazing – The Mother Was Still not Present Then, Though 2010/14, 42 x 54,5 cm, 3 Paralell-Photographs from the “Cabinet of Historic Techniques”
2.
Mariusz Kubielas, Bathed, gum 4-chromate technique, “Cabinet of Historic Techniques”, 2009/14 (in the frame)
2a. Mariusz Kubielas, Bathed,
gum 4-chromate technique, “Cabinet of Historic Techniques”, 2011/14 (without the frame)

Go down, Moses…

barbe1
Moses – Ein Experiment
von
Barbe Maria Linke

Was für ein Roman! Man mag es nicht glauben, dass die in Berlin lebende Autorin Barbe Maria Linke – 1944 in Köslin/Pommern geboren, in der DDR aufgewachsen, Theologiestudium an der Humboldt-Universität Berlin, oppositionelle Arbeit in der DDR, Mitbegründerin der Gruppe ‚Frauen für Frieden‘, 1983 Ausreise nach Westberlin, Arbeit in der Klinikseelsorge und in der politischen Bildung, seit 1993 freiberuflich arbeitend, Gedichte, Essays, Erzählungen verfasst, mit Moses ihren Debütroman vorlegt. Ein Roman, der sprachlich und gestalterisch die Grenzen des literarisch Alltäglichen sprengt, inhaltlich eine hochintellektuelle und doch für jeden Leser nachvollziehbare Auseinandersetzung um die „Frage von Zuneigung und Wahrhaftigkeit, von der Erfahrung menschlicher Grenzen und von der Umkehrung des Gesetzes in Liebe“, wie die Autorin es selbstformuliert.
Zentraler Protagonist des Romans ist zum einen Moses, der aus seiner dreieinhalbtausend Jahre alten Geschichte, die im Roman in Episoden immer wieder eingewoben ist, hinauskatapultiert wird und sich plötzlich in einem Flugzeug Richtung Schweiz wiederfindet.
„Ein Traum im Traum, gibt es das?“ Er drückt den Kopf an die Lehne, grinst seine Nachbarin an. „Sie sind ja ein Poet“, sagt sie und lächelt. „Wer soll ich sein?“ Genau das weiß er nicht mehr. Das ist ja das Erregende an diesem Experiment. Das also die Ausgangssituation. Ein Experiment, bei dem der Betroffene nicht weiß, was die Absicht des Experiments ist, warum Jahwe ihn von seiner Aufgabe der Herausführung seines Volkes aus Ägypten plötzlich in eine andere Zeit hineinversetzt.
Moses trifft im Flugzeug bereits auf die zweite Protagonistin des Romans, Kati, Theologiestudentin und Redakteurin aus Bern, die ihn zu sich nach Hause einlädt. Beide entdecken ihre Zuneigung füreinander. Moses unterliegt rasch der Versuchung, die neue Lebenssituation für das gelobte Land zu halten. Er reißt die Arme hoch, was für ein Leben! Tag für Tag musste ich für andere da sein. Was sag ich? Jahr für Jahr. Unzählbare Jahre. Jahrzehnte, in denen er unterwegs war, ohne das Ziel zu erreichen. Nicht weniger Kati, die sich fasziniert zeigt von der gelebten Moses-Gestalt. Wozu habe ich Theologie studiert? War es Neugier, Wissbegier? Im Grunde hoffte ich, hinter die Buchstaben vorzudringen. Es ist mir nicht geglückt. Nichts habe ich von dem Mythos begriffen, den der ausstrahlt, der in weißem Hemd und dunklen Jeans vor mir steht.
Doch Moses täuscht sich, als ihn seine Zuneigung zu Kati und seiner neuen Lebenssituation zu der Aussage treiben lässt: Es gibt kein Davor, kein Danach, weiß er, als wäre eine Tür aufgesprungen. Es gibt nur diesen Augenblick. Nur er ist wirklich.
Doch ihrer beider Geschichte und Realität ermöglicht vorerst keine tiefe Lebensgemeinschaft. Sie gehen auf Distanz zueinander, erfahren Geschichte und Realität auf neue Art und Weise. Moses erfährt über Simon, den Schmied, über die unfassbaren Verbrechen im Holocaust. Kati gerät über die Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit ihres Vaters sogar in eine Identitätskrise.
In einem Gespräch schlussfolgert Moses: „Das Böse besitzt Macht über uns, und gleichzeitig ist es ein Teil von uns. Es geht darum, das zu erkennen.“ Moses weiß, wovon er redet, ist er doch in seiner eigenen Vergangenheit zum Mörder geworden.
Im Roman spitzt sich das Geschehen dramatisierend zu. Kati stürzt während einer Feier in Berlin, wohin sie mittlerweile gegangen ist, von einem Balkon, wird aufgrund ihrer psychischen Verfassung in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Moses findet sie nach einer verzweifelten Suche schließlich in einer Reha-Klinik. Gemeinsam kehren sie in die Schweiz zurück. Kati befreit sich von ihrer Identitätskrise durch einen Brief an den Vater. Erst danach steht der Verbindung der beiden nichts mehr im Weg.
„Dann feiern wir ein Fest, wie du es dir wünschst. Wichtig sind nicht der Ort, nicht das Land in dem wir leben werden. Wichtig ist, dass du geborgen und ohne Angst bist.“
Ein Roman, dessen komplexe, mehrschichtige Handlung und bis ins letzte sprachliche Detail durchkomponierte Gestaltung faszinieren – selbst Randfiguren sind feinfühlig und empfindsam dargestellt – führt jeden Leser an die Fragen eigener Verantwortung gegenüber sich, gegenüber dem Partner/der Partnerin, gegenüber der Gesellschaft, dem historischen und aktuellen Geschehen, ohne dabei das faszinierende Handlungsgeschehen des Romans aus den Augen zu verlieren.
Bleibt die abschließende Frage: Was ist es nun für ein Experiment, das uns gezeigt wird? Vielleicht ein theologisch-philosophisches Experiment zur Bewusstwerdung von wirklicher Humanität – der eines Moses, de reiner Kati und der von uns Lesern?
Ein Roman, der sicherlich viele Diskussionen und Gespräche anregen wird.

Alfred Büngen
Leiter des Geest-Verlags

***

Ein Textfragment:

„Wenn alles ein Traum war bislang, was ist jetzt?” „Realität“, antwortet die Junge Frau.

Wenn sein Körper auch derselbe geblieben ist, so scheint sich der Geist verjüngt zu haben.

Das Leben ist ein Spiel! Wie oft hat Ramses diesen Satz gerufen, dazu in die Hände geklatscht, als wollte er seine Lebensart auf Moses übertragen.

Ich saß auf einem Stein und wartete auf Naba… Irritiert schaut Moses hoch. Wieso möchte ich der Unbekannten von mir erzählen? Dann sagt er doch: „Ein Adler kreiste und kreiste, bis er im Dunst verschwand. Dann, wie aus dem Nichts, war er wieder da, glitt dahin, ohne mit den Flügeln zu schlagen. Es könnte aber auch sein, dass mir das gleißende Licht den Adler nur vorgegaukelt hat. Woran ich mich jedoch genau erinnern kann, war etwas Leuchtendes am Horizont, das sich auf mich zubewegte.”

Mehr

***

Go down, Moses, way down in Egypt land
Tell old Pharaoh
To let my people go.

Now when Israel was in Egypt land
(Let my people go)
Oppressed so hard they could not stand
(Let my people go)

So the Lord said:
Go down, Moses
way down in Egypt land
Tell old Pharaoh
To let my people go.

So Moses went to Egypt land
(Let my people go)
He made old Pharaoh understand
(Let my people go)

Yes the Lord said:
Go down, Moses
way down in Egypt land
Tell old Pharaoh
To let my people go.

Thus spoke the Lord, bold Moses said,
(Let my people go)
If not I’ll smite your firstborn dead
(Let my people go)

‘Cause the Lord said:
Go down Moses
Way down in Egypt land
Tell old Pharaoh
To let my people go

Tell old Pharaoh
To let my people go