Frauenblick: Unbegleitete

Aus den Gedanken einer Lehrerin in der Zeit der großen Flüchtlingsströme, in Deutschland im Jahre 2017

Natürlich arbeitete sie weiter und natürlich schimpfte sie auch. Die Sachen sind immer komplizierter, als wir sie uns vorstellen oder wahrhaben wollen. Die Zusammenhänge bringen uns an den Rand des Verstandes und doch verstehen wir immer weniger. Und es ist nicht der schlechte Wille, sondern die Umstände, die der Weltpolitik, sorgen dafür, dass wir verzweifeln.

Wie kam es, dass unter den sog. Unbegleiteten, d.h. den Kindern, die ohne Angehörige sich nach Deutschland durchgeschlagen haben oder durchgeschlagen sind, kein einziger Syrer war, sondern eher gut situierte Teenager aus Gambia, Mali, Somalia, Moldawien, Albanien etc… alle seit drei Monaten in Berlin. Von den Eltern auf die Reise gut vorbereitet, nicht alle, aber einige, viele, auch nicht schlecht ausgestattet?

Wie kam es, dass ihre Freundin, die ihr Leben lang hart gearbeitet hat, in dem Moment, in dem sie auf das Geld vom Staat angewiesen war, vor dem Nichts stand? Wie ging das zusammen mit der Tatsache, dass sie, die Lehrerin, Flüchtlingskinder in der Schule einzeln unterrichtete – damit die den Anschluss fanden – und dafür auch ganz gut entlohnt wurde; einzelne Kinder aus Flüchtlingsfamilien, nicht fünf, sechs Kinder in einer Gruppe? Woher kam plötzlich das Geld, scheinbar im Überfluss? Nicht dass diese Kinder das nicht brauchten, doch diese großzügigen finanziellen Gesten schockierten sie. Denn andererseits gab es eben diese Freundin, der, obwohl schwer krank, das Jobcenter die Erstattung ihrer Aufwendungen verweigerte. Oder die älteren Menschen in den neuen Bundesländern, die den Anschluss nicht geschafft haben und jetzt dahinsiechen.

Natürlich waren da die Ämter und die Beamten und Zufälle, und die Mühlen mahlten langsam – aber ob in die richtige Richtung; da war sie sich plötzlich nicht mehr so sicher. Die Welt geriet aus den Fugen und rundherum vergnügten sich die `richtigen` Menschen auf Reisen zu immer entfernteren Zielen, auf immer größeren Kreuzfahrtschiffen mit immer ausgedachteren und pompösen Menüs auf den Tellern, mit Theater, Kino, Swimmingpool, Casino und was sie alles noch brauchten. Sie wollte aber Gerechtigkeit in der Welt und für sich und helfen und sah, dass das nicht mehr ging, also sie konnte für sich diese Gerechtigkeit in der Welt nirgendwo entdecken.

Sie sah auch ganz deutlich, dass sich viele Flüchtlinge nicht anpassen wollten oder nicht konnten, dass sie sich auch in der Zukunft nicht anpassen würden. Und die ganze political correctness wurde plötzlich für sie ein Albtraum; sie vermutete manchmal, dass die Leute heuchelten und sich in etwas hineinredeten, woran sie selber nicht glaubten, indem sie z.B. Vorsicht bei der Bearbeitung des Themas Familie anmahnten, denn die Flüchtlinge wären weit weg von ihren Familien. Sie sah eher freche, fordernde Jugendliche, die Forderungen stellten, sich irgendwelche Hirngespinste zugelegt hatten und hauptsächlich hinter ihren Handy-Spielen verschwanden. Natürlich sah sie ein, dass es sinnvoll war, die Jugendlichen zu beschäftigen, erwartete aber Respekt und ein Minimum an Anpassungswillen.

Manchmal fragte sie sich, ob man diesen jungen Menschen etwas Gutes tat, wenn man ihnen hier eine goldene Zukunft vorgaukelte. Das Problem war so komplex, sie versuchte nicht daran zu denken. Klammerte sich an die wenigen geglückten Fälle, die sie inzwischen erlebt hatte, und ermahnte ihre Schüler, sich zu bemühen, richtig und fleißig Deutsch zu lernen, alles gleich mit den Artikeln, und die Handschrift zu üben.

Auch ihre persönlichen Gründe, warum sie diese Arbeit doch so magisch anzog, waren ihr oft nicht ganz klar. Manchmal fühlte sie sich doch ausgebrannt und leer und nicht fähig, ihnen etwas zu geben; doch sie fotokopierte, überlegte, baute Kreuzworträtsel, spielte mit ihnen Sprachspiele. Eines war sicher, sie brauchte das auch für sich; sie brauchte ihre Lebendigkeit, die sie hier vermisste, ihre Direktheit und ihr einfaches Lachen über nichts und keine Hintergedanken und große Denkkapriolen, und sie konnte da, mit ihnen, der förmlichen Höflichkeit entkommen.

Dazu kam noch die Achtung den Leuten gegenüber, die mit Flüchtlingen arbeiteten, und sie litt an dem Mangel von Achtung für sie in dem Land, in dem sie inzwischen so lange lebte, für ihren Beruf; da befielen sie wiederum Zweifel, ob das denn die richtigen Gründe wären, mit den Jugendlichen arbeiten zu wollen.

Manche Kinder mochte sie sehr und freute sich, dass sie ihnen helfen würde, sich im fremden Land zu orientieren; manchmal aber merkte sie, die Familien von ihnen wussten viel besser Bescheid über Ämter und Gänge zu den Ämtern als sie selbst; sie wäre in der Situation untergegangen; sie strotzten vor Zufriedenheit und verlangten nach mehr und suchten unbeirrt alle Möglichkeit, die ihnen zustehenden Zuwendungen auszuschöpfen. Da schlich sich bei ihr ein Gefühl von Unwohlsein ein, eine kleine Gemeinheit, denn sie dachte an das Konkurrenzpotential; oder nein, es kam der Gedanke an ihre Kinder, würden sie um ihre Existenz so kämpfen können, würden sie es schaffen, sich so um das Überleben zu kümmern. Daran zweifelte sie.

Irgendwann kam das Wort Übermut, ja, das Wort spielte eine große Rolle in der ganzen Sache: war das das Erbe der Kolonialgeschichte, dass sich die westliche Welt immer doch als Retter aus allen möglichen Weltproblemen auch für die Anderen aufspielte, von denen sie aber keine Ahnung hatte. Sie spürte oft, dass die Gedanken nicht gerecht waren, dass sie Leute traf, die ganz spontan halfen und sich aufopferten, ihre Zeit den Flüchtlingen widmeten, ohne dafür etwas zu verlangen. Sie bewunderte sie, verstand manchmal nicht und aber sah einen riesigen Berg sich vor ihr und vor der Gesellschaft auftun und dann klingelte das Wort Übermut leise im Hinterkopf.

Spassfaktor

Ewa Maria Slaska

Herbst 2016 in Berlin. Eine Lesung über Spass.

Für Agnieszka und Tomasz

Ich komme von einem Geburtstag zurück. Es war alles elegant, wundervoll elegant, wir aßen kleine Häppchen, tranken Ingwer-Limonade, von der glatten Schokoladentorte ist viel geblieben, die Gastgeberin packt mir ein großes Stückchen in einen großen Karton, in dem sie vorher die ganze Torte von Nikos gebracht hatte.

Es ist Freitagabend, in Berlin gerade Höhepunkt der Völkerwanderung. Alle wollen irgendwohin, um Spaß zu haben.  Es kommt ein kleiner alter Mann in den U-Bahn-Wagen rein. Ich vermute er ist ein Türke, sieht aber wie ein alter Jude aus, ein alter Jude im Warschauer Ghetto. Mir schaudert… So wie er aussieht, ist es noch einigermaßen OK im Ghetto, man stirbt noch nicht auf den Straßen, aber wenn man nicht im vergangenem Leben wohlhabend war, alt ist, zerbrechlich, da ist man schon zum Betteln verurteilt. Er macht beim gehen einen Buckel, damit er uns, die wir auf den Banken sitzen, nicht von oben herab anschaut, sondern unterwürfig, von unten… Erfahrener Bettler also, kennt sein Metier. Aber das denke ich mir jetzt, als ich es schreibe, als wir uns begegneten, war ich nicht imstande auf etwas anderes zu denken, außer meinen Großonkel Stefan in Ghetto. Er war vor dem Krieg so elegant, so gutaussehend, verkehrte in den mondänen Kreisen Warschaus, ging zum Tanzen in die Adria, danach musste er aber so ausgesehen haben, und dann starb er… Ich hoffe, er beugte sich nicht, ich möchte fest daran glauben, dass er stehend um sein Leben kämpfte und nicht, sich beugend. Er gab im Ghetto eine Zeitschrift heraus, sie hieß Żagiew / Die Fackel …

Ich stelle den Karton mit der Torte af den Boden ab und krame in meiner Tasche, suche meinen Geldbeutel, aber natürlich, Scheiße! wie immer! wieso habe ich nie Geld dabei?! Ich nehme den Karton mit der Torte und gebe ihn dem Mann. Bitte, nehmen Sie es, stammele ich, das ist die beste Torte in Berlin… Er schaut mich verwundert aus, ich wiederhole etwas von dem glauben Sie mir, die beste Torte… Ich habe Schweißperlen auf der Stirn. Jakob-Kaiser-Platz, der Mann steigt aus, ich fahre nach Hause, die große Masse fährt weiter, nach Mitte, Friedrichshain, Prenzelberg, um Spaß zu haben…

Den polnischen Film Ida über einer Novizin, die ihre jüdische Abstammung entdeckt, habe ich bei der Vorpremiere im Kino gesehen. Ein schöner, ruhiger, überhaupt nicht aggressiver Film, ich bin jedoch erschüttert von der Geschichte. Ida und ihre Tante fahren nach irgendwohin, in die polnische Provinz, in die Nacht, in die Walachei, um heimlich das Grab der Eltern zu besuchen, ach was, es ist kein Grab, es ist nur ein Beerdigungsort, aus dem ein Bauer die Skelette Idas Eltern ausbuddelt. Ida und ihre Tante besuchen nicht den Ort, sie berauben ihn, das ist das Wort dafür, oder, wenn man Totenköpfe und Gebeine der Leichen aus dem Grab entfernt?

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Als ich dann in Polen bin, kaufe ich eine Illu mit dem Film. So ist es in Polen oft, dass man beim kaufen einer Zeitschrift noch etwas bekommt, sei es eine Strandtasche, einen billigen Schmuck oder eben einen Film auf DVD. Diesmal kaufe ich Zeitschrift Forum und Ida. In Berlin rufe ich meine Freudinnen an, lade sie zum Filmgucken ein. Wir essen Kuchen, trinken Kaffee. Mitten im Film sagt eine von ihnen, aber Ewa, du siehst es dir schon das zweite Mal, wie kannst du es aushalten, mir macht er keinen Spaß, es ist so langweilig… Ich zucke mit den Armen. Mir gefällt`s, sage ich, weil wenn ich es sage, hütet es mich davon, ihr ins Gesicht zu schreien, dass ich es super finde, dass sie an dem Film keinen Spaß hat… und dass wir den Film zusammen gucken, weil ich Glück habe… weil es genauso gut die Leiche meiner Mutter sein konnte, die sich halt auch den ganzen Krieg verstecken musste… Wie Idas Mutter. Und dann wäre ich nicht geboren…

Natürlich habe ich meinen kleinen Spaß, wenn ein paar Monate später Ida den Oskar gewinnt. Das Ida angeblich ein monotoner langweiliger Film sein sollte, ist offensichtlich ganz vergessen. So ist es mit dem jüdischen Spaß in der zweiten Generation nach Holocaust. Keine einfache Sache. Mal ist er da, mal doch nicht…

Wir waren gerade im Jüdischen Museum. Nach wie vor finde ich das Museumsgebäude schrecklich, preußisch, militärisch und die Ausstellung kindisch, unintelligent, manchenorts gar primitiv. Aber ich habe Gäste aus Polen und die wollen. So ist es. Die Deutschen fahren nach Polen und suchen die Juden, die Polen kommen nach Deutschland und suchen ebenfalls Juden. Mich können sie alle allemal, sie sollen sich zum Teufel scheren und nach Israel fahren… Oder mich mindestens in Ruhe lassen. Aber es gibt kein Auswinden aus der Sache. Wir sind im Museum, schauen uns alles an. Auch das Innere des Holocaustturmes, in dem eine dicke Schicht metallener Gesichter aufgelegt wurde. Dicke knirschende Schicht, jeder Gesicht für einen Ermordeten, alles in der Farben, die letztens fürs Erinnern bestimmt wurden, Betongrau und Rostbraun. Es kommt eine Gruppe der jungen Mädchen rein, eine nach der anderen gehen sie auf die Gesichter, die unter ihren Schritten klingeln. Es macht Spass, klar.

ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen
der schreibt der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne
er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Wir gehen zum Holocaust-Mahnmal. Pärchen machen sich händehaltend Selfies zwischen den Säulen, Jungs springen obendrein von einer Stele zu der anderen, die Mädchen gucken hinter der Pfeilern vor, lächeln kokett, lassen sich Bilder machen, die sind für Tinder… Es gibt eine besondere Internetseite dafür: tinder holocaust monument. Hat sogar eigenen Namen: tindercaust. Wissen meine Leser überhaupt, was der Tinder ist? Ein Zunder, eine mobile Dating-App… App wisst ihr schon, oder? Eine Applikation… Egal. Man stellt dort ein Foto von sich und gibt ein paar Angaben über sich und ein paar über den, den man daten will. Geschlecht, Alter, Wohnort, Interessen… Aus diesen Angaben stellt das Portal ein Angebot für mich. Das heißt nicht für mich, ich benutze den Tinder nicht, aber egal, es ist einfacher zu schreiben, als ob die Tinder-Offerte für mich gemeint wäre. Und wenn ich einen Mann suchen würde. Klassisch langweilig also. Ich gucke mir das, was für mich ausgesucht wurde und zack, der, der mir nicht gefällt wird von mir nach links verschoben, und nach links, nach links und wenn mir jemand gefällt, dann nach recht. Wenn es auf der anderer Seite zufällig auch nach rechts geschoben wurde, stellt der Portal uns beide auf den Chat-Modus um. Der Rest hängt schon von uns beiden ab.
Und dafür ist es jetzt in Mode für den Zunder die Fotos zu haben, die man im Denkmal geschossen hat.

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken

Ich liebe dieses Gedicht, obwohl ich ihn nicht ganz verstehe. Es geht um Musik machen in einem Kazet, das ist klar, Leonard Cohen sang auch ein Lied darüber, dance me dance me to the end of love… Ich found es auf you tube, in Bebilderung ein schönes Paar tanzt, dazwischen kommen Flammen und die Bilder von Auschwitz. Ein der Kommentare darunter: wieso packt ihr Juden immer wieder und überall diese verdammte Bilder?

Na. Ist doch eine Frage… Wieso eigentlich? Meine Mutter und meine Tante schwiegen über den Krieg als ob sie das Schweigen geschworen hätten. Papa übrigens auch. Jeder hatte seine eigene Gründe dafür. Von dem Krieg zu erzählen gehörte zu denen da oben, na, Kommunisten halt, Quatsch, keine Kommunisten, die an der Macht… Unter uns machte man es nicht… Als Kind wollte ich es sowieso nicht, weil ich fürchterliche Angst hatte. Danach fanden wir es einfach peinlich. Wir mochten auch keine Kriegsfilme, bis dann diese Sekunden entscheiden und die Vier Panzersoldaten mit dem Hund produziert wurden. Aber ich hab sie eigentlich auch ungern gesehen. Oder gar nicht. Bohaterszczyzna mag ich nicht. Bo-ha-ter-szczy-zna… Könnt ihr das Wort geniessen. Und dann auch seine Bedeutung. Unschatzbar. Keine Übersetzung, nirgends. Niepotrzebna, właściwa Polakom skłonność do brawury i osiągania mało znaczących zwycięstw kosztem ogromnych strat w ludziach. Unnötige, charakteristische für die Polen Neigung zur leichtsinnigen Kühnheit, um unbedeutende Siege auf Kosten der großen Verluste zu erzielen.

Und viel erzählen darüber! Total uncool.

Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Also, wie gesagt, es ist jetzt in Mode die Fotos im Denkmal zu schiessen. Zu schiessen. Ja, jetzt kann ich nicht umhin, ich muss einen kleinen Abzweig machen, wegen des Fotosschiessens. In einer Schule hat man mit Hilfe des Googles-Translator einen Zettel für die Eltern übersetzt. Mit solcher Übersetzungen ist immer etwas dabei, was unerwartend komisch sein kann. Als mein Sohn noch klein war, hat man uns, den polnischen Eltern ein höflich gemeinten Briefchen gegeben, das etwa so anfing: Miłość Ojciec Matka (die Liebe der Vater die Mutter). Wir brauchten schon ein Bissl Zeit, um zu verstehen, dass man so mit Hilfe des Wörterbuches die Redewendung Liebe Eltern übersetzt hat. Diesmal wurden die syrischen Eltern auf Arabisch um Erlaubnis gebeten, das Kind in der Schule erschießen zu dürfen… Es war halt in der Schule Fotoshooting vorgesehen.  صور اطلاق النار. Viel Spaß!

Aber Spaß bei Seite, wir sind immer noch im Museum, unsere Runde endet im Raum mit Gästebuch. Hier müssen wir kurz warten bis uns ein Museummitarbeiter abholt und mit dem Fahrstuhl zum Ausgang bringt. Wir sind nämlich zu Dritt und eine von uns sitzt im Rollstuhl. Wir warten, wir sind müde. Ob einem die Ausstellung gefällt oder nicht ist eine Sache, aber auch, wenn sie uns nicht gefällt, müde macht sie trotzdem. Wir lehnen uns an die Wand, nach ein paar Sekunden fahre ich jäh hoch. Wisst ihr was da an der Wand steht? frage ich. Auf der Wand gibt es nämlich drei Fragen, in großen Buchstaben auf Deutsch, in kleineren auf Englisch. WAS HAT EUCH SPASS GEMACHT? Ich schau auf den Englischen Text, vielleicht irre ich mich, vielleicht verstehe ich etwas falsch, aber nein, auf Englisch ist dasselbe gefragt: What was the most fun? Es musste aber ein Mensch übersetzt haben, weil der Google macht daraus die Frage: WHAT HAPPENED?

Ja, Mensch, WHAT HAPPENED? Was willst du eigentlich?

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf
Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts

***

Das hier zitierte Gedicht ist die Todesfuge von Paul Celan

Reblog oder so. Also.

Den Text hat Elke Heidenreich geschrieben. Ich habe es gefunden, gelesen und staunte, wie heil und glücklich doch unser Welt vor nicht mal 30 Jahren war. Seit Januar 1985 lebte auch ich schon in dieser Welt und ich kann mich ganz gut daran erinnern, dass wir alle dachten: So ist unser Leben und so wird es IMMER sein. Wer von uns ahnte im Dezember 1988, was im nächsten Jahr alles beginnt und wie es endet?! Und die Bundeskanzlerin haben wir auch, Gott sei es Dank, und sie soll ewig regieren. Heute braucht sie uns noch mehr als vorher! Frohe Weihnachten Angela Merkel! Mir scheint, du bist die einzige, die etwas für uns, für Deutschland, für Europa, für Aleppo machen wird! Ich bin stolz auf Dich. Du schafft es!

Crazy Christmas!

. . . woran kann man sich denn bloß noch halten? Sagen Sie doch selbst – irgendwie ist nichts mehr wie früher, oder? Früher wußten wir: Sonntag war, wenn es nach Braten roch und man die weißen Kniestrümpfe anziehen mußte. Weihnachten war, wenn es nach Plätzchen roch, draußen Schnee lag und man nicht ins Wohnzimmer durfte, Mai war, wenn es Erdbeeren, Dezember, wenn es Grünkohl gab. Eine Schreibmaschine sah aus wie eine Schreibmaschine. Heute sind Schreibmaschinen Computer mit Fähigkeiten wie speichern (?) und Proportionsschrift (??). Und Weihnachten… ach, du liebe Zeit. Wo ist sie, die letzte Woche vor Heiligabend, wenn in jedem Zimmer noch schnell was gebastelt, geklebt und heimlich getan wurde. Weihnachtsgeschenke kaufen wir doch im Sommer, wenn der neue Katalog kommt, und dann haben wir diese Kiste, in der immer Geschenke für alle Gelegenheit liegen. Und wahrscheinlich, ja so gut wie sicher, sind wir Weihnachten sowieso nicht zu Hause – was sollen wir auch hier bei Nieselregen. Weihnachten geht es ab in die warme Sonne! Unter Palmen wollen wir sitzen und eisgekühlte Cocktails trinken, zum Teufel mit Mandelkeksen und Tannenbäumchen, außerdem kann man sich einen Wahnsinnspaß machen und ein zusammenklappbares Plastikweihnachtsbäumchen mitnehmen, das steht dann am Swimmingpool und wirkt rührend.

Was sollen wir denn Weihnachten essen, wir dennoch Daheimgebliebenen? Festtagsbraten ist auch passsé, wie wäre es mit einem leichten Spargelgericht? Es gibt ja alles immer, Mandarinen im Sommer, Spargel im Winter, Erdbeeren rund ums Jahr, und das Weihnachtsoratorium, „Jauchzet! Frohlocket!“, das bringt und am meisten in Stimmung, wenn wir im Frühling auf der Wiese in Toskana liegen und in den blauen Himmel gucken. Alles ist verschiebbar! Alle Werte lassen sich umkrempeln! Männer haben wieder Zöpfe, Frauen ausrasierten Nacken, Unterwäsche trägt man außen, und im Sommer fährt man Ski, um im Winter surfen zu können.

Ich will ewige Werte! Ich will Regen am Totensonntag und Schnee an Neujahr, Kirschen im Sommer und Nüsse im Herbst, ich will männliche Männer und weibliche Frauen und nicht dies androgyne Getue, ich will Weihnachten Weihnachten und Ostern Ostern, und die Braut soll Weiß tragen und der Gärtner eine grüne Schürze, und der Mörder ist der Gärtner. Alles soll sein wie immer, und alle Menschen sollen alles verstehen. Prost.

Wahrscheinlich habe ich jetzt ein Glas zu viel getrunken? Was ist denn los?

Ich weiß auch nicht. Da sitze ich im Dezember, im leichten Blumenkleid in der Sonne, ich sag nicht wo! Und sehne mich nach Weihnachten und Stille Nacht, hier ist heute „Rock um die Uhr“ und wir essen Mangos und schenken uns nix, Schenken ist out, und alles ist möglich, und alles ist egal, ja, was denn nun? Will ich alles so haben wie früher? Nein, nicht doch! Aber das Romantische, das Althergebrachte, das Gewohnte, ach, wenn es so ganz verschwindet, dann wird der Mensch ein Rohr im Winde. Wo anfangen? Wo aufhören? Mit zehn lesen wir Shakespeare, mit vierzig sehnsüchtig umflort „Die Häschenschule“. Rote Rosen auf dem Grab, weiße Lilien am Bett, nicht Mal der Bundeskanzler ist heute mehr, was er früher Mal war. Und stellen Sie sich mal vor, eines Tages könnte der Bundeskanzler sogar eine Frau sein! Dann fällt Weihnachten auf Ostern, wetten?

Dezember 1988, Brigitte Nr 26

Frauenblick 11

Monika Wrzosek-Müller

Juli Zeh „Unterleuten“

„Die Klatschsucht war ein Juckreiz und das Dorf kratzte sich.“

Es gibt Sätze, die einfach bleiben, die einen festhalten und nicht sich vorwärts zu bewegen erlauben, bis man sie auswendig kennt und sich irgendwann an sie erinnert, wie an Sprichwörter. Der Roman ist so gut, dass er jetzt schon wahrscheinlich zu den Klassikern zählt, obwohl er nicht einmal ein Jahr alt ist. Die Welt im Mikrokosmos, in Brandenburg, weit weg und nah zugleich. Das Buch ist über 600 Seiten dick, trotzdem schnell zu lesen. Die Mitwirkenden sind wie auf einer Bühne, es hat etwas von einem Welttheater, einer Weltbühne an sich und es ist wie ein antikes Drama. Ein Drama, in dem die Einheit von Ort, Zeit und Handlung im Groben beibehalten wird. Das Dorf rast auf eine Katastrophe zu und wir, die Leser, werden zum Chor stilisiert, der für sich alles kommentiert und Vermutungen anstellt. Die Handlung ist an sich einfach, doch die Charaktere und Beschreibungen der einzelnen Figuren meisterhaft. Zwar steht der Titel Unterleuten (unter Leuten) für menschliches Zusammensein, doch man spürt von der ersten Seite an, dass die Gemeinschaft des Dorfes in kleinere Parteien aufgeteilt ist, die am Anfang bedingungslos aneinander hängen. Die Schriftstellerin lässt zwei Paare aus Berlin nach Unterleuten kommen und sie dann streiten; die Paarbeziehungen gehen zu Bruch; ob man an der dörflichen Realität verzweifelt, muss jeder für sich entscheiden.

Die Ankunft der Neuen führt dazu da, dass sich die Konstellationen verändern. Man ist unter Leuten und die Konflikte werden direkter ausgetragen, man sucht ein Kind zusammen mit den anderen, man hetzt einen gegen den anderen auf, man geht von Tür zu Tür und sammelt Unterschriften; die Polizei wird immer erst zum Schluss gerufen.

Es ist ein Dorf, das alles miterlebt – in den sechziger Jahren die Kollektivierung, die Enteignungen und dann die Gründung einer LPG, und nach der Wende gründen dieselben Leute einen landwirtschaftlichen Biobetrieb, der alle mit Arbeitsplätzen versorgen soll. Und es kommen die Neuen, die Zivilisationsmüden aus der Stadt, halb Intellektuelle, Naturnaive und Freunde. Sie mischen die Bevölkerung neu auf und versuchen mitzumachen und den Lauf der Dinge mitzubestimmen.

„Für Gerhard hingegen war ständig irgendwas „unfassbar“ und er selbst dabei „fassungslos“.

Damit sorgen sie für ein Ferment, das vielleicht noch bedrohlicher wird, als es das Leben mit Leichen im Keller ohnehin ist. Sie geben ihren Frust, Durchsetzungswillen, Individualismus und einfach eigene Vorstellungen noch dazu.

Und es ist die Art, wie Juli Zeh schreibt, wie sie auf den Punkt genau formuliert und keine überflüssigen Wörter verliert und das trägt auch bestimmt zum Erfolg des Buchs bei. Es fallen Sätze, die man fast Aphorismen nennen würde, die aber ganz einfach nebenbei geäußert werden, in denen viel Klugheit und Einsicht in die zwischenmenschlichen Beziehungen steckt.

Der Epilog erklärt das Unerklärbare, wie die Schriftstellerin auf diesen Sammelsurium gestoßen ist, und er rundet die Geschichte ab. Ein gutes, wichtiges Buch für unsere Zeit und über unsere Zeit.

„Draußen legt sich die frühe Nacht dem Dorf wie eine beruhigende Hand auf den Scheitel“

Muzeum kotów

Ewa Maria Slaska (tekst), Maria Gast Ciechomska (zdjęcia)

Poszłyśmy do Muzeum Kotów, miało więc być o muzeum kotów, ale gdy siadłam do pisania przypomniało mi się nagle Muzeum Psów, dość niemiła ale świetna książka Jonathana Carolla, którą czytałam wiele lat temu w wydaniu Rebisu i tłumaczeniu Pawła Kwiatkowskiego. Wydawnictwo dołączyło do książki taki tekst:

Harry Radcliffe, sławny i błyskotliwy architekt, bez skrupułów wykorzystuje każdą nadarzającą się okazję i każdą piękną kobietę. Podejmuje się nawet zaprojektowania Muzeum… Psów, na które sułtan Saru, obawiający się zamachu na swoje życie, chce wydać miliard dolarów, by się zapisać w pamięci potomnych.

Ciekawe, wydawało mi się, że akcja powieści rozgrywa się przede wszystkim w rozmowach projektanta muzeum z synem zleceniodawcy. A że facet jest bez skrupułów, nie wiem, nie pamiętam… Chyba przede wszystkim pamiętam puste spalone słońcem górskie krajobrazy, gdzie w jakiejś rozpadlinie powstanie muzeum… W gruncie rzeczy nic nie pamiętam. A mimo to wiem, że była to świetna książka. Niespokojna.

Muzeum kotów mieści się w spokojnej mieszczańskiej dzielnicy Berlina, w spokojnej mieszczańskiej kamienicy i nie ma w nim, na szczęście, nic demonicznego… Przeciwnie – jest Helmut Glantz, miły starszy pan, który od ponad 40 lat zbiera wszystko o kotach – figurki, obrazki, porcelanę, przedmioty codziennego użytku i wyszukane obiekty kolekcjonerskie. Masową produkcję pamiętkarską i cenne unikaty. A zaczęło się wszystko od małego białego kotka, kupionego za kilka marek przez ucznia ze szkoły średniej… Teraz koty zajęły całe mieszkanie, kurator i jego rodzina (teraz już tylko żona, dzieci poszły na swoje) oraz, oczywiście, koty zajmują inne mieszkanie w tej samej kamienicy. Tu nie ma miejsca dla żywych, tu rządzą koty uprzedmiotowione. Ale jak!

Katzenmuseum
Über 30 Jahre sammelten Katzenliebhaber Helmut Glantz und seine Frau alles, was mit Katzen zu tun hat. Das Ergebnis dieser Leidenschaft macht er der interessierten Öffentlichkeit in Berlins einzigen Katzenmuseum zugänglich.

Tassen, Teppiche und Vasen mit Katzenmotiven, gestrickte Katzen, Katzen aus Holz, Spieluhren mit Katzen und über 1000 Katzen-Porzellanfiguren. Es gibt buchstäblich nichts, was nicht mit Glantz’ Lieblingsmotiv verziert wurde. Zusätzlich verfügt das in einer 3 Zimmer-Wohnung in Lichterfelde beheimatete Katzenmuseum über eine kleine Bibliothek mit Sachbüchern zur Katzenzucht und Pflege. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht, die Besucher werden nur nach telefonischer Voranmeldung empfangen und durch das Museum geführt.

Adresse / Adres:
Luisenstraße 38
12209 Berlin
Telefon: (030) 772 51 49
Öffnungszeiten / godziny otwarcia: Besichtigung nur nach Terminvereinbarung möglich / trzeba się umówić
Eintrittspreise / Ceny: frei / bezpłatnie (Spenden willkommen, datki mile widziane)

Frauenblick 10

Monika Wrzosek-Müller

Giorgio Morandi

Morandi kehrt immer wieder und in ganz unerwarteten Momenten zu mir zurück. Einige Bilder sehe ich diesen Sommer, ganz erschöpft, in den Vatikanischen Museen, in der Sammlung moderner religiöser Kunst, die sich den langen Korridoren über oder unter der Sixtinischen Kapelle anschließt. Die Werke sind hauptsächlich Schenkungen der Künstler an den damaligen Papst Paul VI, der die Sammlung 1973 begründete. Darunter auch zwei natura morta, meine Lieblingsbilder von Morandi, wie er sie sein ganzes Leben lang gemalt hat. Vor allem die Pastellfarben, die Schatten und die Komposition bewundere ich immer wieder (Form, Farbe, Raum und Licht). Es sind kleinformatige Bilder und nach den riesigen Tafeln und Fresken, die sich über ganze Wände ziehen, sind sie mir auch wegen des Formats sympathisch und willkommen.

Dann sitze ich mit einer Freundin in meinem neuen Wohnzimmer, das noch nicht eingerichtet ist. Ihr Blick fällt auf die zusammengestellten, fast alle weißen oder cremeweißen Vasen, Töpfe und Schüsseln, die ich auf dem alten Brotschrank aufgestellt habe; „das sollst du so stehen lassen, das erinnert mich an einen Maler“, sagt sie…Morandi, klar. Daraufhin bringe ich einen Katalog mit den Bildern von Morandi, ganze Serien von verschieden Variationen der Zusammenstellungen seiner Objekte: Kannen, Dosen, Flaschen, Tassen, Vasen sind abgebildet; wir schauen und bewundern. Mal reduziert er die Zahl der Gegenstände, mal stellt er sie eng zusammen. Am Anfang sind die Schatten auch wichtig, mit den Jahren werden die Objekte noch mehr vereinfacht, die Schatten verschwinden, die cosidetta realta [die sogenannte Wirklichkeit] (so spricht Morandi selbst von seinen Bildern) manifestiert sich dann im Licht und in der Helligkeit, wir haben fast den Eindruck, er sieht die Bilder durch eine milchige Glasscheibe; auf jeden Fall ist der Anteil an Weiß in allen von ihm benutzten Farben sehr hoch. Sie sind reduziert und doch erzählen sie von den Vorgängen in der realen Welt; Nähe, Vortritt, Hintergrund, Enge, Platz. Das alles spielt bei Morandi eine wichtige Rolle, er selbst jongliert damit, er erforscht diese Vorgänge. Angeblich sieht man in seinem Atelier Markierungen und Skizzen, wie welche Gegenstände aufgestellt werden sollen; es wird nichts dem Zufall überlassen.

Ich habe die Bilder von Morandi nachgemalt, dann auch nach ihm die Stillleben eingerichtet; die vielen Flaschen, Krüge, Vasen, Töpfe, alle in einem Ton alle zusammenpassend hingestellt. Mit den klaren Linien und eintönigen Farben ist er sehr modern und aber eigenwillig; es geht nicht nur um Ästhetik. Er will in den Darstellungen der Objekte die cosidetta realta nachvollziehbar machen. Gibt es einen Platz für zwei, oder doch für drei Gegenstände oder sollen es fünf sein. Dieses Ausprobieren und den Weg dahin zeigt er; manchmal sind die Abstände groß und es spricht mehr Kälte und Abgeschiedenheit aus den Bildern, dann wieder rücken sie alle eng zusammen, so als ob es keinen Platz mehr geben würde. Auch die Formen werden immer weiter vereinfacht von dreidimensionalen Darstellungen zu den ganz flachen Quadraten, Vierecken.

Auf jeden Fall war und ist er der wahre Wegbereiter der modernen Kunst gewesen, bei ihm lernte ich, dass die Vereinfachung so unendlich schwierig ist und dahinter viele Jahre des mühseligen Probierens liegen. Genauso, wie uns die Engelbilder von Paul Klee so einfach, leicht gekritzelt vorkommen. Die wahre Einfachheit speist sich immer aus dem großen Schatz der komplizierten Erfahrung.

morandimonika

Advent steht vor der Tür

Vor einem Jahr hat uns der Autor schon einmal nach Magdeburg eingeladen. Man hätte gern hier geschrieben, dass es alle Jahre wieder statt findet oder statt finden soll. Dem ist es jedoch leider nicht so. 

Hans-Jürgen Moder

Künstlerisches Holzspielzeug aus Polen im Magdeburger Allee-Center

Polnische Schnitzkunst hat einen Namen in der Welt. Und dank des Magdeburger Sammlerehepaar Edeltraut und Horst Gierathts seit vielen Jahren immer  zur Weihnachtszeit auch einen festen Ort in Magdeburg. Nun endet diese Tradition.

Das Magdeburger Allee-Center präsentiert letztmalig vom 24.11.2016 bis 23.12.2016 Schnitzkunst aus Südpolen.

p1050411_20Thematischer Schwerpunkt ist diesmal “Spielzeug in der Weihnachtszeit”. Jan Mika aus Piatkowa (Paszyn), einer Hochburg der “Naiven” zeigt Holzspielzeug, wie es seit Jahrhunderten an langen Winterabenden in den Dörfern geschnitzt wurde. Seine Spielzeuge sind immer auch kleine Kunstwerke – authentisch, naiv, ursprünglich. Jan Mika, Sohn des großen Stanisław Mika, gilt als einer der letzten naiven Schnitzer. Der ebenso bedeutsame Józef Zganiacz (1904-1996) lädt mit seinen Karussels und Riesenrädern auf einen Dorfrummel ein, während Antoni Toborowicz originelles, funktionales Spielzeug ausstellt.
p1050572_20Die Engel, Musikanten und Krippen von Stanisław Apriasz haben schon viele Freunde und neue Besitzer gefunden. Einmalig an ihnen ist, dass sie aus einem Stück gearbeitet sind und nichts angeklebt ist. Der Meister ist täglich von 12 Uhr bis 18 Uhr anwesend und freut sich auf die Begegnung mit den Ausstellungsbesuchern.
Tatkräftig unterstützt wurden die Gieraths auch diesmal wieder durch die rührige Deutsch-Polnische Gesellschaft Sachsen-Anhalt und deren Vorsitzenden Krzysztof Blau. Auch wenn die Gieraths altersbedingt jetzt kürzer treten müssen, diese Tradition hätte eine Fortsetzung verdient.
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Weitere Informationen unter: http://naivekunstinmagdeburg.blogspot.de/ und
http://www.dpg-sachsen-anhalt.de/show/8061843.html

Eliza & Wilhelm. Film.

Wpis na przemian po polsku i po niemiecku.  / Ein Beitrag abwechselnd auf Deutsch und Polnisch.

Am 18.09.2016 fand in der Robert-Jungk-Oberschule in Berlin die Filmpremiere des Filmes über die Liebe von Eliza Radziwiłł und Wilhelm von Hohenzollern, dem späteren Kaiser Wilhelm I statt. Die Geschichte basiert auf dem Buch von Dagmar von Gersdorff “Auf der ganzen Welt nur sie”, in der Übersetzung in die polnische Sprache von Frau Grażyna Prawda.

Im ersten Halbjahr 2016 erarbeiteten die SchülerInnen der Klasse 11.4, sowie ein Schüler und eine Schülerin aus der Katharina-Heinroth-Grundschule, die Realisierung dieses Projektes. Sowohl Szenario, Charakterisierung, Regie und Montage wurden von den SchülerInnen übernommen, natürlich von zwei Lehrerinnen betreut.

wilhelmeliza1dr Daria Smoczyńska-Reiner i Agnieszka Bernegg

Opis projektu „ Zakazana miłość”

Kiedy tłumaczka książki autorstwa Dagmar von Gersdorff – pani Grażyna Prawda zaproponowała nam w zeszłym roku przeprowadzenie w naszej szkole projektu, którego treścią miała być historia niespełnionej miłości Wilhelma Pruskiego do Elizy Radziwiłł, trudno nam było w pierwszej chwili podjąć się tego zadania. Miałyśmy obawy, jak zdołamy zainteresować uczniów dawną, romantyczną i tak odbiegającą od realiów naszych czasów historią dziewiętnastowiecznej pary. Pełne sceptycyzmu i obaw o to, że usłyszymy: „kogo interesują wydarzenia, które rozegrały się tak dawno? Jakie to ma dla dzisiejszego świata znaczenie?, postanowiłyśmy jednak zaryzykować. Założyłyśmy, że ponieważ głównym tematem książki, a zatem i planowanego projektu jest miłość dwojga młodych ludzi, to niezależnie od tego, jaki okres będzie przedmiotem naszych zainteresowań – mamy pewne szanse.

7-listopadaNa wszelki wypadek unikając słowa „ projekt” przedstawiłyśmy uczniom 11 kl. naszą propozycję. Dalej wydarzenia potoczyły się już wartko. Młodzież częściowo w domu, częściowo zaś w ramach zająć szkolnych zapoznała się z obszernymi fragmentami książki, jednocześnie przystąpiłyśmy do omawiania podczas lekcji różnych związanych z treścią książki zagadnień, które zostały podzielone na dwie ścieżki tematyczne.

Pierwsza z nich obejmowała problematykę aranżowania małżeństw. Poruszone zostały tu różne zagadnienia, które omówiono na przykładach znanych z historii lub literatury (historia Romea i Julii, małżeństwo królowej Jadwigi z Władysławem Jagiełłą, małżeństwo Jagny z Boryną w „ Chłopach” W. Reymonta). W ramach zajęć historii omawiane były zagadnienia odwołujące się do historii dziewiętnastowiecznych kontaktów Polaków i Niemców na terenie Prus, a później zjednoczonych Niemiec.

Znaczna część z wymienionych zagadnień została przygotowana przez uczniów naszej szkoły wspólnie z młodzieżą z XX Liceum Ogólnokształcącego w Poznaniu w Poznaniu w ramach wymiany międzyszkolnej. Opracowane przez grupy składające się z uczniów obu szkół tematy zaprezentowano następnie podczas spotkania z tłumaczką książki – panią Grażyną Prawdą, które odbyło się w marcu.

17579Najwyraźniej nie mogąc poprzestać na tych działaniach, rozpoczęliśmy także pracę nad krótkim filmem, w którym chcieliśmy przedstawić historię miłości Wilhelma i Elizy. Wraz z uczniami przystąpiliśmy do pisania scenariusza filmu, który ulegał następnie wielokrotnym zmianom, tak aby możliwe stało się jego powstanie przy skromnych środkach, jakimi dysponowaliśmy. Zaplanowana początkowo z wielkim rozmachem fabuła musiała zostać ograniczona i zastąpiona tekstem narracji, tak aby nagrane sceny można było połączyć w spójną całość. Prawdziwym wyzwaniem stało się zdobycie kostiumów, które organizowaliśmy na wszelkie możliwe sposoby, nie rezygnując z sięgania po stare szpargały i pamiątki rodzinne. Dekoracje i rekwizyty stanowiły dla nas głównie prywatne zasoby naszych mieszkań, jak i skarby udostępnione przez uczniów i ich rodziny. Wielce pomocna okazała się wreszcie uroda niektórych zakątków Berlina oraz sprzyjająca aura. Dzięki tym dobrodziejstwom nakręciliśmy niemal wszystkie nasze „plenery”stanowiące chyba jeden z atutów filmu.

Film został w całości zmontowany i udźwiękowiony (początkowo w polskiej wersji językowej) przez uczniów, którzy w ramach odbywających siȩ w naszej szkole zajęć w zakresie montażu filmowego zdobyli w poprzednich latach niezbędną w tym zakresie wiedzę. Kolejnym wyzwaniem było przygotowanie wersji niemieckiej, którą zrealizowaliśmy dzięki opracowanemu przez uczniów przekładowi, zastępując narrację w jȩz. polskim narracją niemiecką i umieszczając niemieckie napisy w scenach obejmujących dialogi.

Die deutsche Version des Filmes wurde im 2. Schulhalbjahr 2016 hergestellt.

Uwaga z roku 2025 / Anmerkung vom 2025: Der Film ist leider nicht mehr zu sehen / Niestety nie można już obejrzeć tego filmu

Ta jedna w pamięci mej tkwi 4

Kinga Szpuler

ostatnia część pracy magisterskiej o tłumaczeniach Ireny Kuran-Boguckiej, napisanej w tym roku pod kierunkiem profesora Piotra Sawickiego w Wyższej Szkole Filologicznej we Wrocławiu. Również Memento ukazało się w obu językach, a po raz pierwszy po polsku w Polsko-Niemieckiej Edycji Literackiej WIR, w tomie Poetki z ciemności – Dichterinnen aus dem Dunkel (Berlin 1995). Wiersz został przez nas użyty, gdy publikowaliśmy w prasie nekrolog Mamy; został też umieszczony przez architekta Jacka Krenza na murze Cmentarza nieistniejących cmentarzy w Gdańsku, przywołuje go też stała wystawa w Ratuszu Schöneberg w Berlinie – Wir waren Nachbarn, o co zadbał księgarz i wydawca berliński Wojciech Drozdek.

Memento de Mascha Kaléko (1957)

Memento

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muß man leben.

(Slaska 2013)

Memento

Ja mojej własnej śmierci wcale się nie boję,
A tylko śmierci ludzi, którzy są mi bliscy.
Jakże mam żyć, jeżeli porzucą mnie wszyscy?

We mgle, błądząc samotna, szukam śmierci swojej,
I chętnie w ciemny mrok przyjmę wygnanie.
Odejście boli dwakroć mniej, niż pozostanie.

Ci wiedzą to najlepiej, którzy to spotkali.
Ci, co to znieść umieli, niechże mi wybaczą.
Pomyślcie, jak dni własnej śmierci mało znaczą,
Lecz ze śmiercią najbliższych musimy żyć dalej.

(Slaska 2013)

El poema Memento, tan significativo y emocionante, no requiere mucho comentario. Cuenta las verdades las cuales compartimos todos, más tarde o más temprano, durante nuestra vida. Lo más doloroso de la existencia humana es tener que sobrevivir la muerte de las personas que amamos. Nos cae bastante difícil separar la voz de la autora del yo poético del texto: son las mismas personas. Kaléko describe lo todo con las palabras sencillas, anda sin rodeos.

El texto consta de tres estrofas, dos primeras de tres versos y la última de cuatro. Las rimas están situadas de manera interesante, se riman las palabras: “bang; todentlang”, que terminan los primeros versos de dos estrofas. Además hay rimas en el segundo y tercero verso: “sind; sind” y “treiben; Bleiben”. En la tercera estrofa las rimas se cruzan y tienen la estructura abab. En cada línea encontramos diez u once sílabas, por eso el texto parece bastante armonioso.

En la primera estrofa el sujeto lírico constata que no teme su propia muerte, solo la de las personas más cercanas; no se imagina su vida sin ellos. En la segunda parte dice que le gustaría morir, porque esto, le doliera menos que quedarse viva. En la tercera estrofa encontramos una moraleja muy sabia e irónica: “Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,/ Doch mit dem Tod der andern muß man leben.; Pomyślcie, jak dni własnej śmierci mało znaczą, Lecz ze śmiercią najbliższych musimy żyć dalej.”. Es tan simple como eso.

La traductora no pretende decir más que la autora del poema, todo lo contrario, busca las palabras más naturales para guardar la sabíduria y la sencillez del texto original. Los versos son un poco más largos, de once o trece sílabas. Otra vez tuvo que buscar las soluciones para algunas expresiones, como p.ej.: “Allein im Nebel tast ich todentlang”, es un neologismo muy original pero también claro para una persona que habla alemán. Esto significaría “errar y palpar a lo largo de la muerte”, como si la muerte fuera un camino que sentimos pero no lo podemos ver. Bogucka tradujo la expresión con mucho ingenio: “ We mgle, błądząc samotna, szukam śmierci swojej”. En las formulaciones como la mencionada el traductor no solo tiene que entenderla, sino sentirla. La moraleja de la estrofa final suena muy bien en la lengua polaca, entendemos el mensaje principal y sentimos este matiz de ironía en el texto.

Para terminar el análisis de los poemas citamos el comentario del blog de Ewa Maria Slaska, la hija mayor de la traductora:

Mi madre murió en el agosto de 1995. Hace 20 años. Miro con recelo lo que he escrito. 20 años, pienso, 20 años. Hace 20 años hablé con mi hermana por teléfono. -Escribe una nota necrológica- me dice Kasia. No tengo ningún ejemplo de cómo se escribe las notas, no tengo ni idea de lo que tuviera escribir, pero no lo discuto. A distancia de decenas de años escucho la voz de mi Madre
-Cuando no sabes que escribir, sírvete de una cita- un consejo de una madre inteligente para su hija haciendo deberes. (…) Ya lo sé que lo que estoy buscando es el Memento de Mascha Kaléko. (…) Escribí la nota, todos la reimprimieron. El poema de Mascha en la traducción de mi Madre se encontró en la losa de su tumba. Despúes de 20 años no se ve nada, sin embargo, sabemos que está allí. Mi Padre, que le acompanía a mi Madre a la hora de traducir los poemas de Mascha, decía que estaba fascinada por ella, como si después de muchos años hubiera encontrado a su hermana que nunca tenía. (Slaska 2013) [traducción propia: KS]

Irena Kuran-Bogucka, Xilografía del ciclo “Metopy barbarzyńskie”, 1964

Postdeutsches Stettin

Beata Kozak

Feministin, Chefredakteurin der Frauenzeitschrift Zadra, wuchs in Stettin auf. In ein paar Tagen wird sie aus dem unveröffentlichten Manuskript in der Regenbogenfabrik lesen.

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Poster Dorota Kot

Hier ein Prosafragment:

Wenn man das Wort „poniemieckie” bei Google eingibt, erscheinen verschiedene Vorschläge: postdeutsche, das heißt ehemals deutsche Häuser, postdeutsche Geheimfächer, Schätze, Bunker. Auf das Wort „Postdeutschsein” (poniemieckość) reagiert die Suchmaschine, als ob sie einen Fehler korrigieren würde. Sie ignoriert die Vorsilbe „post” und schlägt einfach das Deutschsein vor, konkret das Deutschsein der DDR, von Wrocław (Breslau), von Śląsk (Schlesien),von Gdańsk (Danzig). Aber was für eine Ahnung kann diese amerikanische Erfindung von der Realität der polnischen Westgebiete haben? Mehr weiß darüber das „Wörterbuch der Polnischen Sprache”, das das Adjektiv „postdeutsch” erklärt als „erstmalig gebraucht nach dem Zweiten Weltkrieg: von den Deutschen, auch von den deutschen Besatzern, übriggeblieben; früher den Deutschen gehörend”. An einer anderen Stelle präzisiert das Wörterbuch, dass man so „das Vermögen, die Gebiete, die von den Deutschen geblieben sind, [bezeichnet], welche bis zum Zweiten Weltkrieg in den westlichen Gebieten des heutigen Polens lebten”. Interessant ist, dass es in der polnischen Sprache eine ähnliche Verbindung des Präfixes „post” (po) mit einer Nationalitätenbezeichnung nur noch in der Form „postjüdisch” (pożydowski) gibt, wobei das Wort „postjüdisch” am ehesten mit Gold, Vermögen und Immobilien kombiniert wird. Die Geschichte hinterließ in der Sprache eine tiefe Spur.

Das Wort „postdeutsch” (poniemiecki) besteht im Polnischen aus vier Silben. Nur die erste, „po”, bezieht sich darauf, was später stattfand, nachher, danach. Dazu sieht diese erste Silbe zufällig wie eine Abkürzung des Wortes „polnisch” aus, was ihr, im Zusammenhang mit dem gesamten Wort „po-niemiecki”, eine zusätzliche Bedeutung verleiht. So ist eben das Postdeutsche: ein kurzes Jetzt, das die Last der Vergangenheit hinter sich herschleppt.

Die ersten zwanzig Jahre meines Lebens war ich, ähnlich wie alle meine Altersgenossen, vom Postdeutschen umgeben. Das ehemals Deutsche war in Städten wie Stettin allerorten vorhanden, es war ein Teil der Wirklichkeit. Ich besuchte postdeutsche Schulen in postdeutschen Städten und wohnte in Wohnungen in postdeutschen Häusern, in denen moderne Hochglanzschrankwände neben den postdeutschen Möbeln standen. Das Postdeutsche bedeutete etwas Großes, Erdrückendes, Dunkles, Düsteres, Bedrohliches, was in modrigen Kellern und in Dachböden lauerte. Es lauerte in finsteren gotischen Buchstaben, die unter dem Verputz an den Hauswänden hervorlugten, oder in Form schwerer Kredenzen und Deckenlampen in den Wohnungen. Postdeutsch waren auch kleine, bunte Fensterscheiben in den Treppenhäusern und der Stuck an den Zimmerdecken der Mietshäuser, der aber weiss gestrichen war und dadurch leicht wirkte. Postdeutsch waren auch Gehsteigplatten und kleine eiserne Schlitze in den schweren Wohnungstüren mit der Aufschrift „Briefe &Zeitungen”, durch die der deutsche Briefträger einst Briefe und Zeitungen hineingeworfen hatte. Auf all dieses Postdeutsche legte sich ein Jahr nach dem anderen, eine Dekade nach der anderen, eine dünne Schicht der Gegenwart. Aber das polnische Jetzt stand, ging und lief bis zu den Knien im Postdeutschen umher. Diejenigen, die in den Städten und Städtchen mit dem doppeltem Boden, mit den eisernen Türschlitzen „Briefe & Zeitungen” geboren wurden und heranwuchsen, trugen und tragen ein mehr oder weniger bewusstes Gefühl in sich, das Gefühl nämlich einer fehlenden Eindeutigkeit und Sicherheit gegenüber allem, was sie umgibt.

Es war – und ist – nichts, was aus all denen, die seit 1945 in Stettin lebten, psychiatrische Patienten machen würde. Und trotzdem empfand ich einen grossen Unterschied zwischen der Atmosphäre in Stettin, wo ich in die Grundschule und ins Gymnasium ging, und derjenigen in Krakau, wo ich nach dem Studium in Deutschland wohnte. Am deutlichsten spürte ich es an einem Sommerabend, als ich auf dem Weg vom Krakauer Bahnhof, wo ich mit einem Nachtzug aus Stettin angekommen war, über die Sławkowska Strasse, über den Markt und die Planty nach Hause ging. In den sogenannten Wiedergewonnenen Gebieten war alles doppelt, uneindeutig, kompliziert. Keine Stadt, kein Städtchen, kein Dorf hatte schon immer so geheißen, wie es jetzt hieß, jede Strasse und jeder Platz trug einen neuen Namen, der von Beamten oder von zu diesem Zweck angeheuerten Dichtern ausgedacht worden war. Auf dem Lande gab es keine traditionellen Trachten oder Volkstänze, in den Wäldern und in den Vorstädten wimmelte es von Bunkern und unterirdischen Durchgängen, die wer weiß wohin führten. Die Menschen lebten in diesen Gebieten wie Kiefern im flachen Sand. Alles, was man sah, warf einen beunruhigenden Schatten, hatte einen doppelten Umriss, vielleicht, so spürte man untergründig, war nichts so, wie es aussah. Im Vergleich dazu schien Krakau ruhig und selbstsicher, es strahlte ein ungebrochenes Selbstwertgefühl aus. Die Tuchhallen, Sukiennice, hießen nie anders, Wawel war nicht ein slawischer Name, der künstlich konstruiert werden musste, um den vorherigen deutschen Namen zu überdecken. Alles war hier authentisch und in sich ruhend, die Stadt gaukelte nichts vor, nervöse Diskussionen über Identität waren überflüssig. Die Stettiner aber, die der jahrelangen Propaganda über die piastischen, urpolnischen Gebiete, der ständig wiederholten Slogans über die historische, gerechte Rückkehr der Stadt zum polnischen Mutterland überdrüssig geworden waren, lachten schließlich darüber in privaten Gesprächen. So lautete eine ironische Antwort auf die übliche Begrüßung „schön, dass ihr gekommen seid”: „wir sind nicht hierher gekommen, wir sind hierher zurückgekehrt”.

Weiter am Dienstag in der Regenbogenfabrik!