“Na saksy” oder als Senioren-Betreuerin in Deutschland zu arbeiten

Saksy ist ein Kurzwort und bedeutete ursprünglich Sachsen. Dorthin fuhren im 19. Jh (oder gingen auch) Menschen aus den armen Gegenden Polens (es war ein Land, das es wohlbemerkt im 19. Jh gar nicht gab), um zu arbeiten. Na saksy, nach Sachsen. Wie viele andere Polinnen und Polen macht es auch unsere Autorin. In der modernen Version fährt sie schon seit Jahren na saksy. Sie hat darüber drei Bücher veröffentlicht. Małgorzata Behlert übersetzte ein paar Kapitel des letzten Buches ins Deutsche und schickte es zu Ullstein, Knaur, Piper, Fischer… Es kam noch keine Antwort.

Łucja Fice

Hinter dem Kristalglas

Das Buch beginnt mit einer ziemlich ungewöhnlichen Danksagung.

DANKSAGUNG

Unendlich dankbar bin ich Frau Krystyna Kamińska für ihre wertvollen Bemerkungen, die ich mir sehr zu Herzen genommen habe. Bedanken möchte ich mich selbstverständlich auch bei meinem Mann, der meine häuslichen Pflichten übernimmt, damit ich mich dem Schreiben widmen kann. Des Weiteren bei den drei deutschen Damen, deren Eltern ich betreut habe: Angelika Fortmann aus Duisburg, Monika Kaufmann aus Hackenhaim, Helga Rauss aus Kapsweyer und ihrer ganzen Familie. Ich wurde bei ihnen mit Liebe und Verständnis behandelt. Ich weinte nicht, was darüber zeugt, dass ich mich in edler Gesellschaft befand und dass meine mühevolle Arbeit gewürdigt wurde. Es kam zwar vor, dass wir bei ideologischen Gesprächen nicht immer derselben Meinung waren, das macht aber nichts. Es geht ja darum, dass man sich “schön unterscheidet”. Ich begriff, dass wir alle Europäer sind. Dank der Achtung, die Ihr mir entgegengebracht habt und dank Eurer Geduld, mir die deutsche Sprache beizubringen, hat sich meine Meinung über Euch, die Deutschen total verändert. Und in der Vergangenheit war es unterschiedlich. Meine historisch zu rechtfertigende Abneigung stammte noch aus dem elterlichen Haus und aus der Schulzeit. Es sind alte Zeiten, die zum Glück nie wieder kommen werden. Heute beobachte ich die jungen, einander freundlich gesinnte Menschen und… ich finde es schön. So wurde ich auch und habe es Euch zu verdanken.

PROLOG

In Deutschland fühle ich mich wie in der Schule, wo man mir das Bügeln, Einräumen, Saubermachen, Putzen und Kochen aufs Neue beibringt, aber diesmal auf Deutsch. Die Häuser, in welchen ich arbeite, dienen mir als Vergrößerungsgläser, mit welchen ich die letzten Lebenstage meiner Schützlinge beobachte. Ich entdecke immer diesen Fremden in mir. In vielen Häusern fühlte ich mich wie ein Schatten, den die Familie einfach passierte, ohne ihn wahrzunehmen, jedoch habe ich überall die Spuren meiner Arbeit zurückgelassen. Momentan klettere ich immer noch nach oben und versuche, den Weg nicht zu verfehlen. Ich sehe mich um. Sehe Spuren vor mir und hinter mir. Nach fünf Jahren Arbeitstourismus in Deutschland fühle ich mich wie ein abgebranntes Stück Kohle. Meine Wärme schenkte ich den Alten, den Leidenden. Die Notwendigkeit, Geld für ein würdiges Leben zu verdienen, hat meinen Charakter geschliffen. Ich weiß! Meine Taten haben keine Bedeutung. Diese Reisen, um jemanden zu pflegen, waren auch Reisen ins UNBEKANNTE, denn ich bin immer nach etwas Neuem aus.

Meine Wanderungen durch die deutschen Länder, vom Norden nach Süden, sind wie das Suchen eines Brunnens am Ende der Welt. Ich möchte diese Welt bewundern. Reisen bilden nicht nur. Reise machen auch müde.

ILONA

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Irgendwo, im Unterbewusstsein hatte ich das Gefühl, als ob Ilona wüchse, zu einer anderen Ebene emporschweben würde und als ob meine warmen Wangen ihre Sehnsucht zum Schmelzen gebracht hätten. Ich hatte den Eindruck, sie wolle mir das Glück stehlen, von dem ich selbst gar nicht so viel hatte.

“Von wem ist das?”, fragte ich neugierig, als ich wieder zu mir kam. Sie schien in diesem Moment viel älter, lebensmüde, ermattet, gealtert zu sein.

“Gabi! So belesen, wie du bist, schon nach den Büchern auf der Bank urteilend. Hast du nie von Goethe gehört?”

Ich war baff. Musste mich konzentrieren. Ich wusste nun nicht, was ich von dieser Frau halten soll, aber das schönste an Menschen ist für mich, dass ich sie jeden Tag neu entdecken kann und niemals erfahre, wer sie wirklich sind. Ich liebe dieses Geheimnisvolle an den Menschen und die Überraschungen, die in ihnen verborgen liegen. Womit wird mich wohl diese Frau noch überraschen?

“Ich kenne ein anderes Gedicht von ihm”, revanchierte ich mich.

“Na, sag schon! Welches?”, sie schaute mich wie hypnotisiert an.

„Glaube mir, in jedem Menschen liegt ein schönes Wesen verborgen. In einem Lehmklümpchen verstecktes Goldklumpen.”

“Von wem stammt das?”, fragte Ilona neugierig.

“Du kennst Goethe und diesen schönen Spruch kennst du nicht?“

Ilona dachte nach, als wäre sie mit diesem schönen Wesen, das sie in sich trug, eines geworden. Ich schubste sie.

“Das tut och weh!” Der starke Schubs, den ich ihr verpasst habe, hat sie auf die Erde zurückgebracht.

“Wir gehen zu Adolf.”

“Wer ist den dass?”, fragte ich.

“Das ist die Kneipe von diesem Kerl, von dem ich dir erzählte. Geschlafen habe ich noch nicht mit ihm, aber eines Tages, wenn ich mir einen ansaufe, werde ich ihn ran nehmen. Was soll’s? Ich hatte so viele Kolben in mir drin, dann verkrafte ich auch ihn.”

Ich entgegnete nichts, ließ es kommentarlos stehen. Ich begann, mich vor dieser Bekanntschaft zu fürchten, langsam bereute ich es, diese Frau überhaupt kennengelernt zu haben.

“Was liest du denn da, du Dussel? Hast du nichts Besseres zu tun?” Sie warf die Bücher um sich, als seien es verdorbene Fleischsstücke. Sie schenkte sich wieder ein und trank alles in einem Schluck, während ich nur nippte.

“Warum schleppst du diese dicken Wälzer mit? Erstens sind sie schwer und zweitens brauchen sie viel Platz.”

“Wieso? Magst du die dünnen, ballaststoffreichen lieber?”, fragte ich etwas gereizt.

“Nicht ganz. Aber ich ziehe den Inhalt der Form vor.”

“Also Krimis?”

“Also auch Schmöker”, lachte Ilona höhnisch, dann wurde sie aber ernst und korrigierte sich schnell.

“Da mag ich Dostojewski lieber. Ist wenigstens Schonkostliteratur und keine schweren, fetten Fosters, kein literarischer Brei.”

Meine Meinung über diese Frau schwenkte voll um. Wer ist sie? Jetzt war es die einzige Frage, die ich mir stellte.

Unerwartet ließ sie mich wissen, dass sie über großes Wissen verfügt und ich war verblüfft. Wo mag sie es denn gewonnen haben? In dem Augenblick, als ich traurig, stutzig und argwöhnisch war, sprühte sie vor Verachtung für alles. Irgendetwas Unerklärbares steckte in ihr.

“Trink doch, zum Teufel! Lass uns gehen!” Ihre schrille Stimme ging mir auf die Nerven.

Ich fühle mit allen Sinnen, wie ihre Aggression und Unduldsamkeit tosen. Mir schien, sie macht mich gleich zum Plasma. Manche müssen gar nicht sprechen, man erkennt schon an ihrer Denkweise, dass sie schrecklich lispeln.

“Ich gehe und sage der Omi, dass ich mit einer Freundin aus Polen ausgehe, vielleicht kann sie’s verstehen.”

Ich kam lächelnd zurück. “Ich hab’ eine Stunde!” Ich rieb mir vor Freude die Hände.

Ilona ließ ihr Rad vor dem Haus stehen. Ich lief ihr hinterher. Ihr dichtes, schwarz gefärbtes Haar war hinten mit Spangen und Haarklemmen festgehalten. Sie trug einen Top mit Nudelträgern und einen Minirock. Ihren Hals schmückten Perlen und Anhänger, die teils ins Dekolletee rutschten und teils auf ihrem Rücken landeten. Am rechten Unterarm klirrte eine Armreifenkollektion.

“Billiger Schmuck, billige Person”, dachte ich insgeheim. Woher kam die denn angeflogen? Diese Anhänger passten zu ihr, ungefähr wie der Sattel zu einer Kuh. Ich hätte beinahe laut losgelacht. Das Glas Wein hat mich erheitert.

Gut, dass es solche Menschen gibt, sie machen die Welt bunter. “Vielleicht bin ich auch anders, nur will ich das nicht zeigen? Ich achte auf Prinzipien und guten Ruf. Vielleicht bin unnatürlich, vielleicht täusche ich was vor, vielleicht möchte ich so hemmungslos sein, wie diese Frau”, spann ich meine Gedanken weiter.

Nein! So ist es nicht! Ich mag mich und auch wenn nicht alles echt ist, mag ich diese Trugbilder und ich werde mit diesen Trugbildern sterben. Ich latschte Ilona wie ein zahmes Lahm nach. Wir betraten das Lokal. An den Tischen saßen rund ein dutzend Personen, sie aßen, tranken und lachten laut, wie es die Deutschen halt tun. Wir setzten uns an einen freien Tisch. Ilona kramte einen Kamm hervor, löste ihr Haar auf und kämmte es. Die Spangen und Klemmen breitete sie auf dem Tisch aus. Es kam mir vor, als wolle sie auf diese banale Weise ihre Überlegenheit über die anderen Gäste zeigen. Ich sah die merkwürdigen Blicke, mit welchen der Barkeeper die Polin bedachte. Er hatte rotes, gekräuseltes Haar und blaue Augen, muskulöse, sehnige Arme und war nicht älter als fünfunddreißig. Er erinnerte mich an Nero. Um einen seiner Vorderarme wand sich eine Schlange. Mit diesem Tattoo sah er wie ein von einem Plakat heruntergekratzter Bodybuilder aus. Er machte keinen guten Eindruck auf mich. Er zog Ilona mit seinen betatschenden Blicken aus. Als sie so breitbeinig dasaß, wurde ihr kurzer Rock noch kürzer, so dass man ihren Slip sehen konnte. Sie schaukelte unbefangen auf dem Stuhl, zog ihren Rock noch höher und exhibierte ihre Oberschenkel. Dann zog sie ihre Bluse aus. Sie hatte ein schmuckes Korsett darunter, aus dem ihre großen, vanilleeisähnlichen Brüste hervorquollen. Durch den Wein ermuntert, wurde sie vom wilden Begehren gepackt. Sie schaute die Gäste an, als sei sie sicher, dass sie bewundert werde. Ich saß reglos da und wartete nur darauf, dass sie mir Referenzen über ihre Sexualität abverlangt. Ich schaute zum Barkeeper hin. Er stand wie hypnotisiert da und geiferte wie der Pawlowsche Hund.

“Zwei Bier bitte und Kaffee für mein Freundin und zwei Flaschen Wein, roten Wein.”

Der Barkeeper winkte ein junges Mädchen heran, das im Nu an unserem Tisch erschien.

“Ich zahle. Ich hab’ dem Alten fünfzig Euro abgerungen, fuck. Eigentlich wollte ich’s meinen Töchtern schicken, die sollen sich aber verpissen und selbst ihr Leben meistern, wie ich einst”, sagte sie auf Polnisch.

Sie begann von ihrer Jugend, von der kranken Mutter und vom Vater zu erzählen, der nie ausnüchterte. Sie sprach laut und brach immer wieder in Gelächter aus. Der Deutsche vom Tisch gegenüber schielte auch gierig unter ihren Rock. Die jungen Gäste grinsten vielsagend. Ich versuchte unverbal kenntlich zu machen, dass ich nicht dazugehöre, dass ich rein zufällig hier bin. Ilona war bereits volltrunken, sie schoss wie die Dicke Bertha mit fetten Wortgranaten umher, sie schimpfte auf das Leben und auf diesen ganzen Pflegescheiß, gestikulierte, krempelte ihren Rock hoch, entblößte ihren Busen. Es wurde peinlich. Nach den wenigen Weingläsern, die ich intus hatte, fühlte ich mich nicht betrunken, aber ich war schon angetütert und für mich war Ilona ein obszöner Regenwurm, an dem die Augen aller Kneipengäste kleben bleiben.

“Schau nur zu, Gabi, wie diese deutschen Psychos uns beobachten, als hätten sie nie eine besoffene und ausgezogene Frau gesehen, ha, ha, ha, ha… Ich will jetzt nur noch lachen. Saufen und lachen.” Sie stand auf und straffte ihren viel zu kurz geratenen Rock. Die Augen der Männer am Nebentisch waren voller wallender Begierde.

“Na, ihr Guten? Noch nie Kleopatra gesehen?”, diesmal sprach Ilona Deutsch. “Eure Frauen, eure Geliebten und die dicken Berthas, die euch überhaupt nicht anmachen… Na, wer will mich denn? Ich lecke euch alle ab und… sie streifte das Korsett weiter runter und entblößte ihren Busen ganz. Das Verhalten Ilonas, ihre ganze Säufermanier, von ihren vulgären Sprüchen abgesehen, war einfach widerwärtig.

“Ilona! Ich muss jetzt nach Hause!”, sagte ich etwas verlegen. Ich fühlte nicht nur Scham, ich hatte auch Angst davor, was gleich passieren könnte. Außerdem fühlte ich mich öffentlich gedemütigt, am liebsten wäre ich zu einem Krümelchen zusammengeschrumpft. Ilona drehte sich betrunken um ihre eigene Achse, schrie etwas auf Polnisch und hielt ihre nackten Brüste mit den Händen zusammen. „Hört einmal zu, ihr deutschen Psychos, den wir, Polinnen, die Ärsche putzen, wenn ihr alt werdet, deutsche Scheiße einatmen und eure Buden sauber halten, ihr… ihr… deutschen Versager. Guckt euch meine Freundin an, eine Polin, sie tut wie eine Heilige und lässt sich von euren Landsleuten für schäbige tausend Euro manipulieren, … ha, ha, ha.”

“Soll ich das auch deutsch wiederholen?”, schrie sie aus voller Kehle Richtung Theke.

“Ilonka! Lass uns hier verschwinden, hab’ Erbarmen!”, flehte ich sie an.

“Wohin? Schlafen? Ich schlafe nicht, ich flattere über den Erdball, hin und her. Hört zu, ihr Deutschen! Diese Pflegerin muss zurück in irgendjemandes Haus, in ein Gefängnis”, schrie sie auf Deutsch. „Ich muss nichts, ich scheiße auf alles“. Sie setzte sich kurz auf den Stuhl, weil ihre Beine versagten, sie wankte. Sie benahm sich, als wolle sie unbedingt einen Skandal heraufbeschwören.

“Hei! Gabi!”, grölte sie. Die Gäste guckten erschrocken. “Diese Alten tun doch mit dir, was sie wollen. Du tust mir leid, dass du dich so herumkommandieren lässt. Mich wird keiner manipulieren. Ich tu, was ich zu tun habe und die Abende gehören mir.”

Ich schrumpfte regelrecht zusammen. Ich fühlte mich wie Plasma, übrig blieben nur Moleküle. Ich wollte hier raus. Ilona saß vor mir wie ein unheimliches Wesen aus dem Kosmos, wie ein Alien, lachend und gallebittersten Sarkasmus versprühend. So erschien sie mir jedenfalls. Ich nahm an, sie hat sowieso nicht alles gesagt. Während sie lachte und diesen dämlichen “Vortrag” hielt, analysierte ich im Hinterkopf die Lage und ordnete meine von ihr durcheinandergebrachten Gedanken. Eigentlich wollte ich nichts sagen, trotzdem schoss es aus mir heraus:

“Weißt du was? Du bis widerwärtig. Du hast den Deutschen zu verstehen gegeben, dass du eine Spermabüchse bist und eine Fotze anstatt Gehirn hast. Wir gehen nach Hause!”

“Ach so! Und deine alte Fotze ist ein Geschwür. Keiner zeigt Interesse für dich!”, zischte sie wie eine Schlange, die zufrieden ist, dass sie ihre Beute lahmlegen konnte.

“Noch ein Wort und ich verpasse dir eine perfekte Tracheotomie”, ich sparte auch nicht mehr mit Worten.

Diese wenigen Worte waren ein genialer taktischer Zug, denn obwohl sie mich mit einem Lurchblick anschaute, habe ich mein Ziel erreicht. Sie schrak auf. Trotz der Demütigung warf ich ihr einen besorgten Blick zu und schaute mich im Raum um. Das Blut wich langsam von meinem Gesicht. Ich spürte die Spannung der Gäste. Bis Ilona meiner Bitte folgte, vergingen etwa zehn Sekunden. Ich schaute zum Barkeeper. In seinen Pupillen lag keine wallende Begierde mehr, sie sprühten vor Zorn. Er rief jemanden vom Handy an. Sicherlich die Polizei. Ich wusste nicht, ob ich bleiben oder fliehen soll, bis ich begriff, wie hoffnungslos die Lage war. Ich verachtete diese Frau, obwohl ich vermutlich dem kläglichsten Augenblick ihres Lebens beiwohnte.

Ich lief ihr nach. Sie hielt eine Weinflasche unterm Arm, zappelte und zitterte merkwürdig am ganzen Körper. Ich lief ihr hinterher. Plötzlich fiel die Flasche auf den Boden und rollte klirrend die Treppe herunter. Ich drehte mich um und breitete meine Arme aus. Ich wollte die Deutschen auf diese Weise wissen lassen, dass ich keine Schuld trage. Ilona taumelte und fiel gleich hinter der Tür hin. Sie hielt sich am Geländer fest, versuchte ihren Körper hoch zu hieven und sich aufzurichten. Das Geräusch reißenden Stoffes machte mich sofort frisch. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass meine Sprache oder mein Gang verraten, dass ich auch angetrunken bin. Ich bemühte mich also, auf der Treppe stramm zu stehen. Der Adrenalinspiegel in meinen Venen war so hoch, dass er den Schmerz Ilonas hätte lindern können. Ein Junger Deutscher trat aus der Kneipe und brüllte:

“Ruft die Polizei! Wer ist denn diese Frau?”

Ich versuchte, Ilona festzuhalten, aber sie entglitt meinen Händen wie ein Spulwurm. Das, was da drin geschehen ist, war Beleidigung pur, für mich und für alle Anwesenden. Ein wenig an das Verhalten meiner Landsleute im Ausland gewöhnt, fasste ich mich wieder und sah Ilona nach einem Augenblick nicht als einen Vampir an, sondern als eine Frau, die ihre Ängste mit Alkohol zu heilen versuchte, die im Trinken nach Halt suchte. Ich begriff, dass ihr Auftritt, dieses Schauspiel, Selbstverteidigung war. Oder vielmehr eine Verteidigung vor sich selbst. Ilona stand auf. Ihr Rock war zerrissen, ihr Knie wund. Das schäbige Schauspiel war vorbei.

“Wie kommst du jetzt nach Hause? Du kannst doch nicht aufs Rad steigen!”, ich bemühte mich, meine Aggression im Zaum zu halten und ruhig zu sprechen.

“Belehre mich nicht, blöde Kuh!”

Ich schwieg. Ich hatte Angst, etwas zu sagen. Ich erklärte es mir so, dass die dunklen Aspekte des Lebens verschiedene Reaktionen hervorrufen. Ein Glück, dass sie mich nicht anzubellen begann. Ich lächelte zaghaft und wusste, dass das Trinken einen unendlichen Schmerz dieser Frau lindert. Wir bogen in eine Gasse ein. Ilona konnte sich kaum auf den Beinen halten. Die Gegend sah um diese Uhrzeit nicht besonders verlockend aus. Ich fasste sie am Arm. Sie begann abwechselnd zu quasseln und schweinische polnische Lider zu singen. Für mich klangen alle Laute, die aus ihrer Kehle kamen wie pures Lallen. Ich sagte nichts. Nur so konnte ich ihren Angriff vermeiden. Wir waren angekommen. Ich sah Elvira am Fenster stehen. Sie schrie: “Ich lasse dich nicht rein. Alle Türen sind abgeschlossen.” Ich sah, wie sie von diesem rot beleuchteten Fenster auf die betrunkene Ilona herunterschaut, als sähe sie den Teufel selbst. Ilona stieg auf ihr Fahrrad und fuhr im Zickzack weg. Und mir gelang es, irgendwie in den zweiten Stock zu schleichen.

Am nächsten Morgen, beim Frühstück sagte Elvira höhnisch: “Das Säufergeschrei war fürchterlich, zum Erschrecken. Super Freundinnen hast du da.”


Während einer Buchpräsentation (auf Polnisch) spielten Schauspielerinnen vom Osterwa-Theater in Gorzów (Landsberg an der Warthe) eine kurze Szene aus dem obigen Kapitel. Bogumiła Jędrzejczyk als Gabriela und Beata Chorążykiewicz als Ilona. Gorzów, 7. November 2017.

Reblogi na cztery nogi czyli Gurlitt i Siemiradzki…

Newsweek

Nie tylko Siemiradzki. Jak wygląda walka o odzyskanie słynnych polskich obrazów?

“Taniec wśród mieczów” – Henryk Siemiradzki

Obraz zaginiony od II WŚ nagle się pojawił na aukcji wystawiony przez niemieckiego kolekcjonera…// Dieses herrliche Gemälde von bekanntem, polnischen Maler, Henryk Siemiradzki war seit dem II WK in Polen verschollen… Jetzt wird es plötzlich von einem deutschen Sammler zum Kauf angeboten… Beutekunst?


Marta Grzywacz 10.11.2017

Ministerstwo ma tylko trzy tygodnie na zablokowanie sprzedaży w Londynie zaginionego w czasie wojny obrazu Siemiradzkiego „Taniec wśród mieczów”. Prywatny niemiecki kolekcjoner chce go sprzedać za kwotę od 80-120 tysięcy funtów czyli 400-600 tysięcy złotych. Siemiradzki był celebrytą – Sienkiewicz zainspirowany jego „rzymskimi” obrazami napisał „Quo Vadis”.

***

Lato 1939 r: Warszawiacy tłumnie zmierzają do Zachęty na wystawę dzieł Henryka Siemiradzkiego, ulubionego malarza Polaków i Rosjan. I jedni i drudzy uważają go za swojego. Rosjanie, bo urodził się jako syn Hipolita Siemiradzkiego, carskiego oficera w Charkowie, Polacy – bo jego matka, Michalina z Prószyńskich, wychowywała go w tradycji własnego kraju, a poza tym sam Siemiradzki chętniej przyznawał się do polskich korzeni.

Na wystawie prezentowany jest między innymi „Taniec wśród mieczów” – scena ze starożytnego Rzymu, namalowana przez Siemiradzkiego już po jego osiedleniu się we Włoszech.

Siemiradzki stworzył cztery wersje tego obrazu, które różnią się rozmiarem i drobnymi szczegółami, ale temat jest ten sam: naga kobieta na tarasie willi tańczy pomiędzy sześcioma wbitymi w ziemię krótkimi, rzymskimi mieczami, przygrywa jej kobiecy tercet, obserwujący taniec mężczyźni piją wino, a w tle widać zatokę, którą otaczają łagodne, górskie szczyty. Najmniejsza rozmiarem wersja „Tańca…” widziana jest wówczas publicznie w Polsce po raz ostatni. Wkrótce obraz zaginie w niewyjaśnionych okolicznościach. Zniszczony wybuchem bomby? A może zagrabiony przez Rosjan lub Niemców,

Nie byłoby w tym nic dziwnego. Grabili i jedni i drudzy z tym, że naziści byli do tego wyjątkowo dobrze przygotowani. Na kilka lat przed wojną do Polski przyjeżdżali niemieccy i austriaccy historycy sztuki i muzealnicy, którzy pod pretekstem współpracy z polskimi kolegami po fachu katalogowali cenne dzieła, żeby potem łatwo je było zlokalizować i wywieźć. Kiedy więc we wrześniu 1939 r. do Polski wkroczyła regularna niemiecka armia, tuż za nią podążały zastępy wykształconych złodziei gotowych kraść wszystko, co wpadnie im w ręce.

Siemiradzki w Londynie: To ten sam!

Kilka tygodni temu Ministerstwo Kultury i Dziedzictwa Narodowego dostało informację, że „Taniec…” Siemiradzkiego pojawił się na aukcji Sotheby’s w Londynie. Prywatny niemiecki kolekcjoner chce go sprzedać za kwotę od 80-120 tysięcy funtów czyli 400-600 tysięcy złotych. Dzieło otrzymał od rodziców, którzy mieli je kupić w 1960 r. Aukcja zaplanowana jest na 28 listopada, Ministerstwo podjęło więc kroki, żeby ją zablokować i odzyskać obraz. Jesteśmy niemal pewni, że to ten sam, który był wystawiony w Zachęcie w 1939 r. i należał do polskich zbiorów – mówi rzeczniczka MKiDN Monika Pętas-Kurek, i liczy, że to się uda, bo Sotheby’s nie odmawia współpracy z polskim MKiDN.

Siemiradzki – celebryta

Henryk Siemiradzki jest po Tamarze Łempickiej najdroższym polskim malarzem. Od jego śmieci w 1902 r. minęło w sierpniu 115 lat, tymczasem w latach 2002-2012, pięć jego obrazów sprzedało się za kwotę 7 mln dolarów.

Tryumfalna kariera Siemiradzkiego rozpoczęła się w Rzymie, gdzie malarz osiedlił się w 1872 r. Nie miał zamiaru opuszczać na zawsze Warszawy, chciał tylko zobaczyć Wenecję, Weronę, Florencję i wybuch Wezuwiusza w Neapolu. Ale gdy odwiedził Rzym, nagle poczuł, że dotarł do kresu podróży. Jak wspomni po latach jego córka Wanda: „Oprócz Rzymu nic się już nie liczyło, to był jego świat. Jego powołanie jako artysty”. Malarza od początku fascynował antyk i życie Rzymian w czasach wczesnego cesarstwa. I to właśnie ten okres pokazał w serii czterech obrazów „Taniec wśród mieczów” (1897-1880), w „Antoniuszu i Kleopatrze”, czy „Pochodniach Nerona”. W swoich pracach sięgał też do tematyki starożytnej Grecji, mitologii, motywów biblijnych.

Siemiradzki mieszkał początkowo w samym centrum Rzymu, przy Placu Hiszpańskim, ale dwa lata później, już po ślubie ze swoją 18-letnią kuzynką Marią Prószyńską, wybudował willę na przedmieściach, przy położonej na wzgórzu ulicy Via Gaeta, skąd miał widok na dachy rzymskich kamienic i Góry Albańskie, widoczne na wielu jego obrazach. Uznanie jakim darzyli go wielbiciele sztuki sprawiło, że stał się celebrytą swoich czasów. Jego salon odwiedzały słynne postaci epoki: Ignacy Jan Paderewski, królowa Włoch Małgorzata, brat cara Rosji, wielki książę Paweł czy Henryk Sienkiewicz, który, zainspirowany „rzymskimi” obrazami malarza, napisał „Quo Vadis”. Koronowane głowy przychodziły też na wystawy Siemiradzkiego w stolicach Europy, akademie sztuk pięknych przyznawały mu honorowe członkostwa, a międzynarodowe wystawy sztuki obsypywały nagrodami.

Nigdy nie stracił więzi z Polską

W 1879 podczas krakowskiego jubileuszu Józefa Ignacego Kraszewskiego ofiarował „narodowi polskiemu” swój monumentalny obraz „Pochodnie Nerona”, inicjując tym samym utworzenie Muzeum Narodowego w Krakowie. 15 lat potem Teatr im. J. Słowackiego w Krakowie dostał od niego kurtynę – olejny obraz na płótnie rozciągniętym na drewnianym blejtramie, który do dziś otwiera i zamyka przedstawienia. Teraz jest szansa, że do Polski wróci kolejne dzieło mistrza – utracony w czasie wojny „Taniec wśród mieczów”.

Gigantyczna skala grabieży

Ministerstwo Kultury i Dziedzictwa Narodowego, które gromadzi dane na temat dzieł sztuki zaginionych podczas II wojny światowej szacuje, że na skutek zniszczeń i grabieży straciliśmy około 500 tysięcy bezcennych zabytków, w tym takich mistrzów jak Rafael, Breughel, van Dyck, Matejko, Malczewski, Kossak i Wyspiański. Ich wartość sięga 11,4 mld dolarów.

O ich odzyskanie zaczęto walczyć już w czasie wojny. W Londynie, przy Ministerstwie Prac Kongresowych powstało Biuro Rewindykacji Strat Kulturalnych, którym kierował polski historyk sztuki Karol Estreicher. W oparciu o własną wiedzę, a także raporty muzealników, bibliotekarzy i archiwistów przesyłanych do Londynu za pośrednictwem AK opracował „Katalog Strat Kultury Polskiej pod okupacją niemiecką 1939-1944”, który miał stanowić podstawę przyszłych polskich roszczeń. On też uporczywie poszukiwał cennych dzieł zrabowanych przez nazistów. W efekcie, 30 kwietnia 1946 r. do Krakowa, w 26 wagonach przyjechały odnalezione w Niemczech polskie zabytki, wśród nich ołtarz Wita Stwosza, obrazy Canaletta, czy „Dama z gronostajem” Leonarda da Vinci. Po powrocie do kraju Estreicher odbył jeszcze kilka podróży rewindykacyjnych, zawsze przywożąc ze sobą zagrabione dzieła, ale wraz z opadaniem żelaznej kurtyny rewindykacja stawała się coraz trudniejsza. W końcu, w latach 50 uznano, że jego biuro nie ma już racji bytu i zlikwidowano je.

Do sprawy grabieży dzieł sztuki wrócono w 1992 r. W MKiDN powstał wówczas zespół nazwany Wydziałem Strat Wojennych, który na powrót zaczął poszukiwania, w myśl przepisów, że grabież dóbr kultury się nie przedawnia.

Jak szukać?

Jednak jak szukać zagrabionych dzieł kilkadziesiąt lat po ich zaginięciu? Obserwować rynek sztuki – odpowiada MKiDN. Każdego dnia pracownicy Wydziału Strat Wojennych sprawdzają obiekty wystawione na sprzedaż w 4500 domach aukcyjnych w 72 krajach, które tylko w ubiegłym roku wystawiły na sprzedaż 938,000 dzieł sztuki. Analizują też uważnie wszystkie informacje napływające od muzealników, konserwatorów, historyków i pasjonatów sztuki. A przede wszystkim próbują zaangażować w poszukiwania zwykłych obywateli. Dlatego w maju 2016 r. powstała aplikacja telefoniczna ArtSherlock, która umożliwia automatyczne rozpoznawanie dzieł sztuki z dziedziny malarstwa, rysunku i tkaniny, zrabowanych z polskich zbiorów podczas II wojny światowej. Obiekty można weryfikować w dowolnym miejscu i czasie.

Czasem jednak, żeby trafić na ślad zaginionego dzieła potrzeba trochę szczęścia albo dobrej woli ze strony obecnego posiadacza. Jak w przypadku żony amerykańskiego dyplomaty, która zwróciła kupioną kiedyś przez męża martwą naturę gdy dowiedziała się, że jest to strata wojenna. W efekcie obraz „Bukiet kwiatów” holenderskiego malarza Jacoba van Walscapelle od 2001 r. znowu wisi w Muzeum Narodowym w Warszawie.

Biurko z pałacu w Wilanowie dostrzegli pod koniec 2014 r. uczestnicy projektu badawczego „Daphne” poświęconego m.in. inwentaryzacji eksponatów. Prowadziły go Państwowe Zbiory Sztuki w Dreźnie. Uwagę badaczy zwróciły ślady papierowych etykietek na meblach, nawiązali więc kontakt z Muzeum Pałacu, a gdy własność dzieła się potwierdziła, w lutym 2016 r. land Saksonii zwrócił je Polsce.

Aresztować ten obraz!

Bywa i tak, że dzieło trzeba „aresztować”. Pewnego dnia ktoś zadzwonił do Muzeum Narodowego w Warszawie z informacją, że chciałby pośredniczyć w sprzedaży obrazu. Z nadesłanych zdjęć wynikało, że może to być zaginiona w czasie wojny „Pomarańczarka” Aleksandra Giermyskiego.

Wydział Strat Wojennych przez jakiś czas prowadził z ewentualnym pośrednikiem korespondencję, ale po jakimś czasie kontakt się urwał. Polska strona poprosiła o pomoc policję, jednak interwencja nie poskutkowała. Tymczasem obraz pojawił się na aukcji, w małym, prowincjonalnym miasteczku Buxtehude pod Hamburgiem, gdzie niezależnie od siebie zauważyło go kilku prywatnych kolekcjonerów sztuki. Dom aukcyjny, a raczej antykwariat, nie chciał jednak negocjować z polskim MKiDN twierdząc, że posiadaczka obrazu odziedziczyła go po babce, która w 1948 r. wyszła za mąż za przemysłowca i kolekcjonera z Duesseldorfu. Do aukcji pozostały dwa dni. Polska strona zwróciła się więc do niemieckiego adwokata Petera Raue, który specjalizował się w szybkim zajmowaniu mienia i natychmiast uzyskała decyzję sądu niemieckiego o zatrzymaniu sprzedaży. „Pomarańczarka” wróciła do Polski w 2011 r.

Trudno było też o zwrot dwóch obrazów Juliana Fałata „Naganki na polowaniu w Nieświeżu” i „Przed polowaniem w Rytwianach” zrabowanych w czasie II wojny światowej z Zachęty i wystawionych w 2006 r. na aukcji w Nowym Jorku. MKiDN udało się powstrzymać ich sprzedaż, ale żeby obrazy zwrócono Polsce, trzeba było prosić o pomoc federalną agencję dochodzeniową Immigration & Customs Enforcement. ICE przejęła oba dzieła i dopiero gdy zakończyła dochodzenie w ich sprawie, decyzją amerykańskiego sądu, w 2011 r. obrazy wróciły do Polski.

Meklemburska klempa

Z upływem czasu odzyskiwanie zagrabionych dóbr kultury jest więc coraz trudniejsze. Powodzenie w dużej mierze zależy od tego czy dane dzieło znajduje się w zbiorach publicznych jakiegoś kraju, czy w rękach prywatnych. W tym pierwszym przypadku negocjacje odbywają się na szczeblu rządowym. MKiDN przygotowuje wniosek o restytucję, w którym musi udowodnić, że zabytek należał do polskiej kolekcji, i przedstawić w jakich okolicznościach został utracony. A potem czekać na decyzję władz strony przeciwnej. Jeśli posiadacz dzieła jest osobą prywatną, sprawa jest jeszcze trudniejsza. Kilkadziesiąt lat po wojnie nie ma już tych co kradli, są tylko ich spadkobiercy, albo osoby, które kupiły dany zabytek na rynku i często nie chcą go zwrócić.

Na początku roku syn Otto Wächtera gubernatora dystryktu krakowskiego, Horst Wächter zdecydował się oddać Polsce trzy dzieła wywiezione pod koniec wojny przez jego rodziców: akwarelę Julii Potockiej przedstawiającą Pałac Potockich pod Baranami, XVIII-wieczną mapę Rzeczypospolitej Obojga Narodów, a także rysunek renesansowego Krakowa. Podczas okupacji Krakowa, jego matka Charlotte Wächter – nazywana przez krakowian złośliwie „meklemburską klempą”, przychodziła do Muzeum Czartoryskich w nocy, żeby nikt jej nie przeszkadzał i przyświecając sobie latarką, wyszukiwała co cenniejsze dzieła do dekoracji swojego mieszkania w kamienicy „Pod Baranami”, a przed końcem wojny zabrała je do Niemiec.

W latach 2011-2016 udało się zakończyć 24 postępowania restytucyjne i odzyskać 23 dzieła. To znakomity wynik – mówi MKiDN. Do Polski wróciły m.in. „Murzynka” Anny Bilińskiej-Bohdanowicz, „Św. Iwo wspomaga biednych” – dzieło Jacoba Jordaensa, rokokowy stolik z kolekcji Stanisława Augusta w Łazienkach i obraz Francesco Guardiego „Schody Pałacowe”, zrabowane przez gubernatora części okupowanych ziem polskich Hansa Franka w Warszawie.

Utracony Rafael?

To wszystko mało – stwierdza Najwyższa Izba Kontroli w swoim raporcie z 2016 r. I wylicza, że wartość odzyskanych dzieł sięga 7,3 mln zł, a koszty poniesione w związku z ich odzyskiwaniem – czyli pensje prawników, delegacje, zewnętrzna obsługa prawna, koszty pozyskania dokumentacji czy odbitek fotograficznych wyniosły 1,16 mln.

To bardzo niewielka kwota – mówi rzeczniczka MKiDN, Monika Piętas – Kurek, tym bardziej, że rachunek ekonomiczny nie może nas powstrzymać przed próbą odzyskania dzieła, bo oprócz wartości materialnej zabytki mają znaczenie dla kultury, artystyczne i historyczne. Piętas-Kurek podkreśla przy tym, że MKiDN nigdy nie wykupuje dóbr kultury, które zostały zagrabione wskutek wojny. Dlatego starania o zwrot niektórych zabytków trwają wiele lat. W nielicznych skrajnie niekorzystnych sytuacjach wypłacana jest rekompensata kosztów konserwacji lub ułamek kwoty, za którą nabywca dokonał zakupu. Zanim jednak rekompensata zostanie wypłacona, polska strona musi mieć pewność, że posiadacz dzieła kupił je w dobrej wierze, nie wiedząc, że pochodzi z kradzieży. Kwotę rekompensaty pokrywają sponsorzy.

Spośród zarejestrowanych w bazie danych 63 tysięcy zaginionych w czasie wojny dóbr kultury, udało się odzyskać 360 obiektów. Jednak większości z nich już nigdy nie zobaczymy, bo nie zostaną odnalezione – zostały zniszczone lub ukryte, albo też nie będziemy mieć wystarczających dowodów, że pochodziły z polskich kolekcji. Zachowane opisy są często zbyt fragmentaryczne, aby udało się nam udowodnić nasze racje – mówi rzeczniczka MKiDN.

Symbolem tych utraconych i wciąż nie odzyskanych dzieł stał się “Portret młodzieńca” Rafaela Santi, także wywieziony przez Hansa Franka z Krakowa, z Muzeum Czartoryskich. Twarz młodego mężczyzny w czarnym berecie widnieje na stronie Wydziału Strat Wojennych, w informatorach muzealnych, w aplikacji ArtSherlock, na widokówkach. „Portret młodzieńca” jest jednym z najbardziej znanych obrazów w polskich zbiorach, choć większość z nas nigdy go nie widziała. MKiDN wciąż ma nadzieję, że to się kiedyś zmieni.


Die andere Seite der polnischen Bemühungen bildet Cornelius Gurlitt (1932–2014), ein quasi “normaler” Deutsche, der sich während des Kriegs eine riesige Kunstsammlung der entartete Kunst zugelegt hat.

Seine Sammlung wird gerade in der Bundeskunsthalle Bonn und in Kunstmuseum Bern  gezeigt. 2014 vermachte Gurlitt  testamentarisch seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern. Bei der Ausstellung werden rund 250 Werke gezeigt, die man auch online mit detaillierten Fotos und ausführlichen Provenienzangaben, die den aktuellen Stand der Forschung angeben, betrachten kann (Datenbank Gurlitt). Die Kuratoren der Ausstellung in Bonn sind Rein Wolfs und Agnieszka Lulińska, eine Polin.


Agnieszka Lulińska jest kuratorem wystaw w jednym z najważniejszych niemieckich muzeów. Polka na takim stanowisku to wielka rzadkość.

Agnieszka Lulińska w jej bońskim muzeum

Agnieszka Lulińska jest piękną, elegancką kobietą około czterdziestki. Mimo, że większą część życia spędziła za granicą, mówi przepiękną, literacką polszczyzną.

Jej pasją od najmłodszych lat była historia sztuki. I zawsze jak sięgnie pamięcią, chętnie chodziła na wystawy. Dziś organizuje je w jednym z najważniejszych niemieckich muzeów – Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland w Bonn.

więcej


 Aber zurück zu Gurlitt.

Als im November 2013 bekannt wird, dass die bayrische Staatsanwaltschaft die Kunstbestände von Cornelius Gurlitt (1932–2014) beschlagnahmt hat, ist das öffentliche Aufsehen groß. Denn die 1500 Kunstwerke, die der zurückgezogen lebende Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt (1895–1956) von seinem Vater geerbt hatte, sind verdächtig: Handelt es sich um Raubkunst aus der Zeit der national-sozialistischen Gewaltherrschaft?

Um diesem Verdacht nachzugehen, stellte der deutsche Staat die für die Forschung nötigen Mittel zur Verfügung, während sich Cornelius Gurlitt verpflichtete, als Raubkunst identifizierte Werke zu restituieren. So konnten bislang vier Werke an die Nachfahren der rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden.


Ja, vier… Vier Werke aus der Fülle von 1500 Stück. Vier Werke in vier Jahre. Bedeutet es, man würde 1500 Werke aus der Gurlitts kollektion in 1500 Jahre richtig einordnen können? Man gibt doch zu, dass bei 200 von 255 Werken, die in Bonn gezeigt werden, besteht nach früheren Angaben der Kuratoren ein NS-Raubkunstverdacht. OK, Papierkramm ist zu erledigen. Aber ein Bild in einem Jahr?

Jetzt aber Ausstellung!
Bestandsaufnahme Gurlitt. Der NS-Kunstraub und die Folgen:

Die Bundeskunsthalle in Bonn und das Kunstmuseum Bern präsentieren in zwei zeitgleichen Ausstellungen eine Auswahl aus diesem umfangreichen Nachlass. Unter dem Titel »Entartete Kunst«– beschlagnahmt und verkauft liegt der Schwerpunkt der Berner Ausstellung auf der von den Nationalsozialisten verfemten Moderne, während Bonn den Fokus auf den NS-Kunstraub und die Folgen legt. Eingebettet in den historischen Kontext, zeichnet diese Ausstellung den Werdegang Hildebrand Gurlitts nach. Gurlitt, obwohl ein leidenschaftlicher Verfechter der Moderne, stieg er zu einem der wichtigsten Kunsthändler im nationalsozialistischen Deutschland auf. Nach dem Krieg konnte er ungeachtet der Schuld, die er auf sich geladen hatte, weitgehend problemlos an seine Vorkriegskarriere als Museumsdirektor anknüpfen. Parallel zu Gurlitts Lebensweg werden exemplarische Biografien von Zeitgenossen vorgestellt. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Schicksalen der verfolgten, meist jüdischen Künstler, Sammler und Kunsthändler, die dem NS-System zum Opfer fielen.

Die Ausstellung Bestandsaufnahme Gurlitt – Der NS-Kunstraub und die Folgen zeigt somit nicht nur eine Auswahl an Kunstwerken, die – von Dürer bis Monet, von Breughel bis Beckmann – ein breites Spektrum der Kunstgeschichte abbilden und jahrzehntelang dem Blick der Öffentlichkeit entzogen waren. Indem die Herkunft jedes Kunstwerks thematisiert wird, eröffnet sie auch einen spannenden Blick in die Geschichte der Objekte.

Bundeskunsthalle Bonn 3. November 2017 bis 11. März 2018

Kunstmuseum Bern 2. November 2017 bis 4. März 2018

und demnächst auch in Berlin. Für Herbst 2018 wird eine weitere Ausstellung zum Thema angesagt, im Martin-Gropius-Bau. 

Szopa w salonie 13

Łukasz Szopa

Dzieci

Czytam ja sobie dziś gazetę z weekendu, artykuł o intelektualnym i rozwojowym „zostaniu w tyle“ dziesiątek milionów dzieci w środkowych Chinach. No fakt, problem jest, i to smutny.

Smutne i problematyczne jest jednak również to, że w owej niemieckiej gazecie jako główny negatywny skutek tej sytuacji – szczególnie z perspektywy przyszłości – wskazany jest… zaniżony produkt krajowy brutto (PKP) Chin za kilka-kilkanaście lat. Co ja mówię, „główny negatywny skutek“ – doczytawszy do końca dwustronicowego artykuł stwierdzam, że autor nie podaje aż do kończącej kropki żadnego innego „negatywnego efektu“. Ani słowa o szansach życiowych tych dzieci, intelektualnych, ekonomicznych, kulturowych, ani słowa o tym, że niestety raczej niemal żadne z nich nie podyskutuje za kilka-kilkanaście lat na temat Kanta, nie będzie konstruktorem mostu, nikogo nie wyleczy, czy nie zaprogramuje jakiejś praktycznej aplikacji. Nie wspominając o tak „banalnych“ kwestiach jak dobre samopoczucie, spełnienie, czy po prostu szczęście tych dzieciaków.

Bo dzieciaki chińskie, ale autor niemiecki – i przypomniało mi się, jak często w Niemczech raziło i razi mnie takie „ekonomiczne“ podejście do dzieci i ich przyszłości. Nie, nie tylko w mediach, ale w powszechnych rozmowach. Mówi się często i chętnie (czasem ze szczerą troską) o „przyszłości naszych dzieci“.

Tu pytam się zawsze, od kiedy to wszystkie dzieci są „nasze“. Kolektywne prawa rodzicielskie czy co?

Niemniej dziwi mnie i irytuje, że wspomina się tylko ich „przyszłość“ – jakby pomijając fakt, że dla dziecka najważniejsza jest – teraźniejszość! Tu i teraz, czy z rodzicami, czy z rówieśnikami, zabawa, jedzenie, gry, przytulanki, czytanki, wrzaski. No właśnie, może właśnie przez te wrzaski. Bo o ile Niemcy lubią mówić o „przyszłości“ „naszych“ dzieci – czasem nie lubią ich obecności, czyli teraźniejszości, w przestrzeni publicznej – czy to kawiarni, czy nawet placów zabaw i roznoszących się stamtąd decybeli.

Innym powodem, iż tak chętnie w tym kraju przywołuje się „przyszłość dzieci“, to właśnie wspomniana ekonomia. Albo też, mówiąc krócej – emerytury. Gdyż to właśnie ma większość z nich na myśli, w sumie szczerze troszcząc się o tychże dzieci przyszłość – czyli o swoje emerytury, które ktoś będzie musiał opłacać, a co się z tym wiąże – na nie zarabiać. Oto cała „miłość“ do dzieci, dlatego są one „nasze“, i oczywiście słowo „dzieci“ brzmi ładniej niż „demografia“, czyż nie?

Może w powyższych słowach aż za bardzo „jadę“ po Niemcach. Gdyż wcale nie sądzę, iż są mniej szczerzy, mniej pazerni i mniej egoistyczni niż inne ludy. Ale wydaje mi się, że dlatego tak często i otwarcie „troszczą się“ o te dzieci, że wierzą jeszcze w… emerytury. W system emerytalny. Podczas gdy ani Rosjanin, ani Amerykanin, ani Polak czy Brazylijczyk w takie obiecanki-cacanki wierzy albo dużo mniej, albo wcale.

Pamiętam, jak uczono mnie zarówno w polskim socjalizmie, jak i austriackim „socjal-wolnorynkizmie“ o „zacofanych Afrykańczykach“, którzy „rodzą tyle dzieci“, wierząc, że im ich więcej, tym większe szanse, że ich te dzieci na starość utrzymają.

Czy jednak „troska demograficzna“ Niemców jest mniej zacofana? Jakby nie chcieli wiedzieć, że liczyenie PKB ma sens, jeśli się go liczy nie jako sumę całej gospodarki, lecz „na głowę“? Jakby nie chcieli zauważyć, że adenauerowski system emerytur i rent to nic innego, jak dofinansowana od dziesięcioleci miliardami (i dlatego tylko nie waląca się) piramida finansowa? Jakby nie zastanawiali się nad tym, że może technologia i tak wykluczy fakt, że – czy będzie tych Młodych (a za kilkanaście i więcej lat – dorosłych) więcej czy mniej, to drugorzędne. Bo liczyć się będzie to, czy będą mieli miejsca pracy i dochód, by na Starych płacić.

Na koniec, co wkurza mnie najbardziej. Nie to, co opisałem powyżej, że ktoś „troszczy się“ o „nasze“ dzieci – a myśli o pewnej i słodkiej emeryturze. Wkurza mnie podtekst takich „życzeń“. Albowiem, tłumacząc to na prosty język, oznacza to proste hasło rzucone w kierunku młodych rodziców: „Do łóżka! Kopulować! Zapładniać się! (i tak dalej… aż do…) Wychowywać! Niech dorastają, uczą się, by potem móc zarabiać! Dla gospodarki, dla systemu emerytalnego, dla nas!“

Sorry, ale jak idę z kimś do łóżka, i ewentualnie zdarzy mi się kopulować, to nie mam ochoty mieć przed oczyma ekonomicznych i demograficznych wykresów, czy też wizji obecnie 30-50 letnich sąsiadów w wieku emerytalnym.

Podobny tekst w języku niemieckim dla pisma „der Freitag“ sprzed czterech lat:

https://www.freitag.de/autoren/lukasz-szopa/werden-es-unsere-kinder-besser-haben

Barataria 40 Teneryfa / Teneriffa

Tekst / Text: +/- Wikipedia

Teneriffa (span. Tenerife) ist die größte der Kanarischen Inseln und gehört zu Spanien. Die Insel ist 83,3 Kilometer lang, bis zu 53,9 Kilometer (Ost-West-Ausdehnung) breit und hat eine Fläche von 2034,38 Quadratkilometern. Sie ist mit etwa 888.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Insel Spaniens. Die Hauptstadt ist Santa Cruz de Tenerife. Die Einheimischen werden Tinerfeños genannt.

Teneriffa ist eine Vulkaninsel. Sie gehört – wie alle Kanarischen Inseln – topografisch zu Afrika, liegt 288 Kilometer vor der Küste Marokkos und der Westsahara und ist 1.274 Kilometer von der Südküste des spanischen Mutterlandes entfernt. Teneriffa und die benachbarte Insel Gran Canaria werden aufgrund verschiedener Landschaftsformen und mehrerer dort auftretender Klimazonen oft als Miniatur-Kontinent bezeichnet (Schon vor ein paar Wochen behauptete ich, dass die Fantasy-Territorien eigentlich immer eine interessant gebaute Insel sind – Anm. d.Red. EMS).

Einer Legende nach, ist Teneriffa die Überreste der verlorenen Atlantis. Bei dem spanischen Schriftsteller Miguel de Unamuno ist sie die Barataria von Cervantes! Natürlich ist es metaphorisch gemeint, aber dies ist eben das, was mich fasziniert – das Leben der Metapher.

Teneryfa – należąca do Hiszpanii wyspa na Oceanie Atlantyckim, u północno-zachodnich wybrzeży Afryki, zaliczana do Makaronezji. Jest największą i najludniejszą wyspą w archipelagu Wysp Kanaryjskich i najludniejszą wyspą hiszpańską. Teneryfa, choć geograficznie leży w północnej Afryce, jest integralną częścią Hiszpanii i Unii Europejskiej. Obowiązującą na wyspie walutą jest euro, a językiem urzędowym język hiszpański.

Santa Cruz de Tenerife jest największym miastem na wyspie i zarazem jej stolicą oraz prowincji Santa Cruz de Tenerife. Jest też, wspólnie z Las Palmas de Gran Canaria, stolicą autonomii Wysp Kanaryjskich.

Teneryfa oraz sąsiednia wyspa Gran Canaria jest często nazywana kontynentem w miniaturze ze względu na kilka typów krajobrazu i kilka stref klimatycznych na nich występujących (Nie będę się przechwalać, ale już kilka tygodni temu twierdziłam, że to właśnie takie wyspy o interesującej budowie geograficznej są pierwowzorem wszystkich terenów z opowieści fantasy – EMS). Na Teneryfie znajdują się dwa obiekty wpisane na Listę Światowego Dziedzictwa Kulturowego i Przyrodniczego UNESCO: wulkan Teide, który jest parkiem narodowym, oraz zabytkowe miasto La Laguna.

Legenda głosi, że Teneryfa jest pozostałością zaginionej Atlantydy. Hiszpański pisarz Miguel de Unamuno widzi w niej i Atlantydę, i Baratarię!!! Oczywiście to metafora, ale w tym serialu to właśnie najbardziej mnie fascynuje – długie i szczęśliwe życie metafor!

Fotos/y: Anne Schmidt

Anstelle des Unabhängigkeits-Marsches

oder Zamiast Marszu Niepodległości

Seit ein paar Jahren schon “kämpfen” die Polen verschiedener politischen Weltanschauungen untereinander darum, zu wem der Unabhängigskeitstag (ein Polnischer Nationalfeiertag) gehört. Es ist einer der wichtigsten Jahrestagen in der Geschichte Polens. An diesem Tag, nach 123 Jahren der Teilung und der politischen Nichtexistenz, rief der Marschall Joseph Piłsudski die Unabhängigkeit Polens auf. Dass auf diesem Tag in Compiegne in Frankreich der 1. Weltkrieg beendet wurde, war mehr oder weniger ein Zufall.

Leider wird gerade dieser festliche Anlass zu einer radikal-nationalistischer Demonstration der politischen Macht der extremen Rechtgruppierungen Polens umfunktioniert. Und leider geniessen diese Parteien und Organisationen nicht nur immer stärkeren Zugang der Anhänger, sondern, und dies ist geradezu erschreckend, die Unterstützung der katholischen Kirche und der PiS-Regierung.

Seit Jahren gehen an diesem Tag in die Welt die erschreckende Nachrichten aus Polen. Die Wikipedia auf Deutsch schreibt z.B.: Während Tausende Polen in der Hauptstadt Warschau und anderen Städten des Landes überwiegend friedlich ihren Unabhängigkeitstag feiern, kommt es in den letzten Jahren wiederholt zu Ausschreitungen, bei denen sich Nationalisten bei den Kundgebungen heftige Auseinandersetzungen mit den Einsatzkräften der Polizei liefern. Vor allem in Warschau kommt es zu heftigen Ausschreitungen mit Festnahmen bei “Unabhängigkeitsmärschen” von Nationalisten und Rechtsradikalen.

Ein schrecklicher Tag für Polen. Ich habe gar keine Lust, darüber nachzudenken. Vergessen wir es, hoffen wir, dass es irgendwann vorbei ist. Ich  lade stattdessen zu einer Ausstellungeröffnung ein.

***

Dzisiaj 11 listopada. Od kilku lat ohydny dzień i myślę, że nie muszę moim Czytelnikom tłumaczyć – dlaczego. Ohydny. A najgorsze jest to, że ta obrzydliwa polska gęba ma wsparcie Kościoła i polityki. Nie chcę o tym nawet myśleć. Zamiast na demonstrację, zapraszam na wernisaż…

***

Es ist eine sehr originelle Veranstalltung, und wenn man in Berlin diese Adjektiv benutzt, bedeutet es wirklich was. Seit 6. Oktober gibt es schon in Kungerkiez eine Fotoausstellung

Sela5/2 – FRAMES. AND THE SPACE BETWEEN.

Die Ausstellung dauert zwei Monate und zeigt im Hauptraum die Werke von elf Fotografen, und in einem Nebenraum werden jede Woche die Fotos von einem der teilnehmenden Fotografen gezeigt. Ich weiss nicht, ob ich es besser erklären kann, aber auch nirgendwo, weder im Katalog noch auf der Fanpage, finde ich eine entsprechende Beschreibung des Vorhabens von Karsten Hein, der eine der Kuratoren ist und jetzt eben am 11. November in dem Gallerie-Nebenraum seine Fotos ausstellt (er steht ganz recht im Bild unten). Seine ungewöhnliche Foto-Projekte habe ich hier (und woanders) schon ein paar Mal vorgestellt: Fiktive Fotografen, Fotos für die Blinden oder Mode für die Blinden. Manchmal mache ich bei seinen Projekten mit.

Karsten Hein

KungerKiezInitiative e.V.
Karl-Kunger-Str. 15
12435 Berlin

U-Bahn Treptower Park und dann zu Fuß… Oder Schlesiches Tor und ebenfalls zu Fuß (beide – ziemlich lang :-)).

Ich fand nirgendwo, um welcher Uhrzeit diese Teilausstellungen eröffnen werden. Ich nehme an, 19 Uhr ist ein schöner Termin. Kommet alle hin!

***

Und noch bis 5. November im Martin-Gropius-Bau, Berlin > Der Luthereffekt > Raum 15 – 19 Karsten Heins Tansaniabilder… mehr

Hilferuf / Wołanie o pomoc


Celina Muza
Drodzy Przyjaciele, Liebe Freunde,

dzisiaj, troszkę weekendowo, piszę do was w zupełnie innej sprawie.

Byłam w połowie października na Kaszubach w regionie, przez który przeszła w nocy z 11 na 12 sierpnia nawałnica niszcząc hektary lasów i wiele domów, przede wszystkim tych starszych i biedniejszych. Pojechałam tam razem z 7-osobową silną grupą męską z firmy SchoPa, w której pracuje mój małżonek. Dowiedzieliśmy się od przyjaciół, że w dalszym ciągu potrzebna jest tam pomoc. Aktualnie brakuje nie tylko materiałów, ale przede wszystkim fachowców: murarzy, elektryków, malarzy, dekarzy… Po prostu ich tam nie ma, a jeżeli są, to stawiają takie warunki finansowe, że zatrudnić ich mogą tylko najbogatsi (ale akurat te domy najmniej ucierpiały).

heute schreibe ich Euch – ein wenig in Wochenendstimmung – in einer ganz anderen Sache.

Mitte Oktober war ich in der Kaschubei, in der Region, in der in der Nacht vom 11. auf den 12. August ein schlimmer Sturm gewütet hat, der ganze Hektar von Wäldern und viele, vor allem ältere und ärmere Häuser zerstört hat. Ich bin zusammen mit einer 7-Mann starken Gruppe von der Firma SchoPa, bei der mein Mann arbeitet, dorthin gefahren. Wir hatten von Freunden erfahren, dass dort weiterhin Hilfe gebraucht werde. Aktuell fehlt es dort nicht nur an Baumaterial, sondern vor allem an Handwerkern: Maurern, Elektrikern, Malern, Dachdeckern… Es gibt sie einfach nicht, und wenn welche da sind, dann stellen sie solche finanziellen Forderungen, dass nur die Reichsten es sich leisten können, sie anzustellen (deren Häuser jedoch am wenigsten unter dem Sturm gelitten haben!).

Nie sądziłam, że na dwa miesiące po tragedii zastanę tam taki obraz nędzy i rozpaczy! Załączam kilka zdjęć, ale uwierzcie mi, żadne nie oddaje nawet w przybliżeniu rozmiarów zniszczeń. Stałam na drodze pomiędzy dwiema wsiami w gminie Brusy i zwyczajnie płakałam patrząc na to co zostało po pięknych lasach.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich zwei Monate nach der Tragödie ein solches Bild des Jammers vorfinden würde. Ich füge einige Fotos hinzu, aber glaubt mir bitte, keines der Bilder kann auch nur annähernd die Ausmaße der Zerstörungen widergeben. Ich stand in der Gemeinde Brusy auf der Straße zwischen zwei Dörfern und weinte einfach beim Anblick dessen, was dort von den wunderbaren Wäldern übriggeblieben ist.

Nasi wolontariusze pracowali przez cały weekend w trzech wsiach, w trzech gospodarstwach, które do tego czasu nie miały jeszcze w ogóle dachu. I natychmiast po powrocie do Stargardu oznajmili, że muszą pojechać na Kaszuby jeszcze raz aby położyć poszkodowanym elektrykę i podłogi. Z nadzieją, że uda się tym rodzinom, które otrzymały tylko dotacje na zakup desek na dach i ewentualnie nowego pieca grzewczego (ale nie wszyscy), spędzić Święta we własnym domu.

Unsere Freiwilligen haben das ganze Wochenende über in drei Dörfern gearbeitet, in drei Bauernhöfen, die bis dahin überhaupt keine Dächer hatten. Und sofort nach ihrer Ankunft in Stargard erklärten sie, sie würden sofort wieder in die Kaschubei fahren müssen, um den Geschädigten noch die Elektroleitungen und die Fußböden zu legen. Mit der Hoffnung, dass es diesen Familien, die nur eine Zuwendung für den Kauf von Brettern für das Dach und eventuell für einen neuen Heizofen erhalten hatten (es waren nicht alle), gelingen wird, Weihnachten im eigenen Haus zu verbringen.

Ale kiedy już uda się w miarę odbudować dom, zaczną się kolejne problemy. Po wichurze lało przez kilka dni i domy bez dachów zalane były doszczętnie. W pośpiechu przenoszono dobytek do stodół przykrytych plandekami i niedługo okaże się, że na przykład poduszki przemokły, pościel zgniła, odkurzacz już nie działa, produkty chemiczne są nie do użytku… ubrania do wyrzucenia. Najbiedniejsi w okolicy stracili wszystko.

Aber nachdem sie ihr Haus einigermaßen wiederaufgebaut haben, werden weitere Probleme beginnen. Nach dem Sturm hatte es mehrere Tage geregnet und die dachlosen Häuser wurden völlig überschwemmt. In aller Eile wurde das Hab und Gut in mit Planen bedeckte Scheunen gebracht, und bald wird sich herausstellen, dass zum Beispiel die Kissen nass geworden sind, die Bettwäsche vermodert ist, der Staubsauger nicht mehr funktioniert, chemische Produkte nicht mehr zu gebrauchen sind, und die Kleidung weggeworfen werden muss. Die Ärmsten in der Gegend haben alles verloren.

Moich przyjaciół mieszkających w Polsce zachęcam do wsparcia Komitetu Społecznego Przymuszewo po nawałnicy. W każdy weekend grupa wolontariuszy pracuje na budowach.

https://www.facebook.com/search/top/?q=przymuszewo%20po%20nawa%C5%82nicy

Społeczny Komitet Przymuszewo po nawałnicy

BGŻ BNP PARIBAS: 83 1600 1462 1832 3260 4000 0001

IBAN: PL83160014621832326040000001

BIC: PPABPLPK

Moich przyjaciół mieszkających w Niemczech chciałam poinformować, że 3 listopada zostanie przeze mnie założone specjalne konto w Berliner Volksbank, na którą będę zbierać darowizny na rzecz 3 rodzin w gminie Brusy.

Meine Freunde, die in Deutschland leben, möchte ich informieren, dass ich am 3. November ein SonderSpendenKonto bei der Berliner Volksbank einrichten werde.

Zastanówcie się proszę czy, jaką sumą i w jakim miesiącu w ciągu najbliższych miesięcy moglibyście włączyć się do pomocy?

Bitte, überlegt ob Ihr helfen könnt den 3 Familien ein normales Leben wieder führen zu können? Wenn ja, mit welcher Summe und wann in den nächsten paar Monaten?

Liczę na Was!

Ich zähle auf Euch!

Pozdrawiam serdecznie… viele Grüße

Celina

Frauenblick 16 – Kaschmir und Indien

Monika Wrzosek-Müller

Arundhati Roy, Das Ministerium des Äußersten Glücks

Berlin begrüßte mich mit Regen und Kälte, nach dem langen warmen Monat in Italien eine Zumutung, also griff ich nach meinem Lieblingsschal, den aus Kaschmir – wortwörtlich aus Kaschmir: er ist aus Kaschmirwolle und stammt auch aus der Region Kaschmir in Indien. Ich hab ihn in der Altstadt von Cochin in einem sehr netten kleinen Laden gekauft, den zwei junge Juden aus Kaschmir führen. Sie erzählten mir, dass sie nach den Auseinandersetzungen in Kaschmir die Region verlassen mussten. Doch sie träumten jeden Tag davon, dahin zurückzukehren, sahen vor ihren inneren Augen die wunderschönen verschneiten Bergspitzen und grünen Wiesen, Felder und die Obst- und Blumengärten; sie vermissten die klare Luft, ohne Feuchtigkeit und Nebel, die kühlen Abende mit den scharfen Farben der Sonnenuntergänge; es war ganz offensichtlich sie sehnten sich sehr nach ihrer Heimat. Doch die vielen Toten jeden Tag auf den Straßen und in den Dörfern und der Terror, der überall lauerte, hielten sie davon zurück, nach Hause zurückzukehren.

Nach dem Buch von Arundhati Roy Das Ministerium des Äußersten Glücks musste ich immer wieder an die beiden denken.

Das Buch ist wie ein Puzzle, die Geschichten fügen sich ineinander, verdichten sich irgendwann zu einem Ganzen, aber sie könnten auch weiter fortgesetzt werden, oder jede für sich könnte allein stehen. Es gibt eine Hauptheldin, Anjum, oder von hinten aus gelesen Mujna. Sie ist eine hijra, halb männlich, halb weiblich, ein Hermaphrodit, aber eigentlich sind die hijras Transvestiten. Schon mit jungen Jahren flieht sie aus ihrem Elternhaus, wo sie als Junge erzogen wird, in ein Frauenhaus, doch da hält sie es nach einem schlimmen Gewalterlebnis nicht mehr aus. Sie lebt den größten Teil ihres Lebens auf einem Friedhof in Dehli, in der Altstadt, nicht weit vom Roten Fort, wo sie eine Art Kommune aufbaut und mit anderen zusammenlebt. Dann gibt es die Geschichte von den drei Freunden, die in einem College an einer Inszenierung des Stücks Norman, bist du das? mitwirken, das aber nie zur Aufführung kommt: Naga, Journalist, Tilo, Architektin und Designerin, und ein späterer Geheimdienst-Offizier in Kaschmir und Hausbesitzer, der ich Erzähler weiter Teile des Buches; sie alle verbindet die Liebe der beiden Männer zu Tilo. Später kommt ein auf der Straße gefundenes Baby dazu, um das sich Anjum und Tilo streiten, bis sie dann im äußersten Glück auf dem Friedhof zusammenwohnen. Wichtig ist auch Tilos Mann Musa, ein Unabhängigkeitskämpfer für Kaschmir und Jammu. Den Hintergrund bilden die achtziger und neunziger Jahre, mit dem Konflikt um Kaschmir, und das Leben in der Stadt Delhi.

So wie das Leben in Indien selbst ist die Erzählweise oft wirr und chaotisch, sie stockt manchmal und wird wieder fortgesetzt, eine neue Geschichte nimmt an Wichtigkeit den Platz der vorangegangenen ein. Man spürt das Brodeln, Ausufern, die Unbeherrschbarkeit der Konflikte der Charaktere, der Helden, ihre Schicksale. Die Wirklichkeit des Lebens auf den Straßen entzieht sich manchmal der literarischen Erzählung, man spürt, dass sie noch grausamer und unerbittlicher ist. Alle Helden leben ihr gefährliches aber freies Leben, so wie sie es sich vorstellen, so wie es ihnen gelingt, so wie sie es letztendlich wollen. Interessant, dass der Hauptteil des Buchs auf dem Friedhof spielt, dort, wo eigentlich Tote begraben liegen; nur dort gibt es Freiheit, Freizügigkeit und ein ziemlich sorgenfreies Leben. Draußen herrscht Terror, Menschen werden umgebracht, gefoltert. Die Muslime gegen die Hindus und umgekehrt, niemand ist besser; alle verfolgen ihre vielfältigen und komplizierten Interessen, und durch misslungene Aktionen des Geheimdienstes sterben mehr Menschen, als gerettet werden sollten. Kaschmir soll, wie das mit den Kurden im Moment passiert, auf keinen Fall unabhängig werden. Aufgeteilt zwischen Pakistan, Indien, China und Afghanistan kämpfen die Kaschmiris oft gegeneinander, sterben unnötig, immer zu heldenhaften Taten bereit und dazu auch verurteilt.

Seit den achtziger Jahren sind in dem Konflikt zwischen Pakistan und Indien mindestens 70 000 Menschen gestorben, getötet worden; 8 000 sind verschwunden, unzählige haben völlig traumatisiert überlebt und finden keine Ruhe, bis heute. Das ist der Hintergrund des Romans; doch wie die Schriftstellerin damit umgeht und die Verhältnisse beschreibt, lässt uns an den Ereignissen und Emotionen wirklich teilhaben. Die leeren Zahlen füllt sie mit Leben, Farben, Tempo. Sie hat als Journalistin und Menschenrechtlerin, Kritikerin der Globalisierung und des Kapitalismus, viel damit zu tun gehabt, kennt den Konflikt und die Situation aus eigener Anschauung, vielleicht auch als Betroffene. Die Zweitheldin des Romans Tilo, Tilottama, trägt autobiografische Züge der Autorin; in Kerala geboren, ist sie mit 16 nach Dheli gegangen, dort das Studium der Architektur, später gehen die Wege der beiden auseinander. Doch der Kampf, den die beiden Frauen führen ist bestimmt durch Arundhatis Roy Erlebnisse. Wir erfahren viel von den Ereignissen, aber wichtiger sind die Emotionen, die dabei hervorgerufen werden; die zerstörten Leben, Pläne, Familien.

Ich würde gern eine dieser kultivierten Geschichten schreiben, in denen zwar nichts passiert, aber es trotzdem viel gibt, worüber man schreiben kann. So etwas ist in Kaschmir nicht möglich. Es ist nicht kultiviert, was hier passiert. Es gibt zu viel Blut für gute Literatur.

F.1. Warum ist es nicht kultiviert?

F.2. Wie groß ist die hinnehmbare Menge Blut für gute Literatur?

Ich habe mir dann auch den Film Stern von Indien angesehen, hauptsächlich um die Orte des Geschehens zu sehen, die alte Stadt Delhi mit dem Roten Fort; im Film geht es um die Zeit gleich nach dem Krieg, da hat der Konflikt um Kaschmir angefangen, mit dem Abzug der Engländer, mit dem Vize-König von Indien Earl Mountbatten und dem Plan der Gründung von Pakistan. Gab es andere Lösung, wäre die Bildung eines Vereinten Indien besser gewesen?

Die Schriftstellerin macht in dem Roman klar, dass zwar das Erbe des Kolonialismus über Indien hängt, aber eben auch über der Literatur, die kultiviert zu sein versucht – doch die Umstände, die Grausamkeiten erlauben ihr das nicht. Doch für Arundhati Roy sind auch die Leute selbst an ihren Schicksalen schuld, sie können sich nicht hinter der großen Tragödie der Geschichte verstecken, sie erleben ihr Leben, und das kann selbst in schlimmen Zeiten gelungen sein. Das Ministerium des äußersten Glücks findet sich auf dem Friedhof, zwischen Menschen aller möglicher Orientierungen, sowohl religiös als auch geschlechtlich und sozial; sie versuchen das Beste aus ihrem Leben zu machen, ohne dabei trivial und naiv zu wirken. Es ist die große Stärke des Textes, alle diese Charaktere und Geschehnisse in einem Buch, in einer Geschichte zusammen zu bringen und sie dem Leser zu präsentieren, auch vielleicht mit Fragezeichen, das ist doch auch möglich, oder? Das Schöne dabei ist, man spürt in dem Roman viel Freiheit, Raum und Toleranz, die die Leute sich selbst geben, nehmen, oder die die Schriftstellerin ihnen einräumt. Sie sind nicht in ihre Rollen gezwängt, sie bewegen sich am Rande, aber da ist für sie in dem verrückten Indien viel Platz!

Und die Beschreibungen, die Sprache der Schriftstellerin, poetisch, leicht sarkastisch und pointiert, lässt von Anfang an vermuten, dass wir in das Buch reingezogen werden, und das aber bedeutet nicht, dass es ein Roman ist, den man verschlingt. Es wird verlangt dass man langsam und konzentriert liest, nachschaut, die historischen Hintergründe hinterfragt.

In der magischen Stunde, wenn die Sonne fort, das Licht noch da ist, lösen sich die Heere fliegender Hunde von den Banyanbäumen auf dem alten Friedhof und lassen sich über der Stadt treiben wie Rauch. Wenn die Fledermäuse wegfliegen, kommen die Kühe nach Hause. Der große Lärm ihrer Rückkehr kann die Stille nicht füllen, die die verschwundenen Spatzen hinterlassen haben und die alten Weißrückengeier, Wächter der Toten seit über hundert Millionen Jahren, die ausgemerzt wurden. Die Geier starben an Diclofenac-Vergiftung. Diclofenac, Rinder-Aspirin, das den Kühen verabreicht wird, um die Muskeln zu entspannen, Schmerzen zu lindern und die Milchproduktion zu erhöhen, wirkt – wirkte – wie Nervengas auf die Weißrückengeier. Jede chemisch entspannte, milchproduzierende Kuh oder Büffelkuh, die starb, war vergiftete Geierbeute. Während die Kühe zu besseren Milchmaschinen wurden, während die Stadt mehr Eis, Karamell, Cornettos und Nogger Chocs aß und mehr Mango-Milchshakes trank, begannen die Geier, die Hälse hängen zu lassen, als wären sie müde und konnten einfach nicht wach bleiben. Silberfarbene Speichelbärte tropften aus ihren Schnäbeln, und einer nach dem anderen stürzte von dem Ast, auf dem der saß, tot.

Nur wenigen fiel das Aussterben der freundlichen alten Vögel auf. Es gab viel anderes, worauf man sich freuen konnte.

Dass sie eine gute Schriftstellerin ist, hat Arundhati Roy schon in ihrem ersten Roman Der Gott der kleinen Dinge bewiesen, doch in ihrem zweiten zeigt sie umso mehr, dass sie genial schreibt, beobachtet, die Sachen auf den Punkt bringt. So viel Klarheit, bei so einem verwirrten und komplizierten Thema ist selten jemandem gelungen.

Mit den Augen des Westens 2

Esther Schulz-Goldstein

Was geschieht in Polen?

Für Bogna Czałczyńska

Tekst po polsku: Co sie zdarzylo w Polsce

Um diese Frage beantworten zu können, betont die Autorin: das Geschichte der Menschen auch die Geschichte großer Traumen ist. Traumatische Erfahrung der Individuen, als auch Gruppen, Kohorten und Bevölkerungen begründen einschlägigen Folgen für die psychische Struktur sowohl im Einzelnen als auch in der gesellschaftlich mentalen Verfasstheit einer Nation (1).
Traumatische Erfahrung, als Drohung des “Nicht-Seins”, die uns abgrundhaft beschämt, mobilisiert die Schamabwehr im Betroffenen. Sie spaltet, verleugnet oder verdrängt unsere Schamgefühle.
Schamabwehr steht im Dienste des Lebenswunsches und erschafft die Schamfreiheitsformel, die die Spannung reduziert, zwischen dem wie man Sein möchte und wie man Sein kann.
Es ist nicht schwer, die bisherigen Auswahlkriterien, für die Bildungen eines nationalen Gedächtnisses zu bestimmen.
Bisher ging es in ihm regelmäßig um solche Bezugspunkte in der Geschichte, die, das eigene Gewordensein ausschmücken um ein positive Selbstbild zu etablieren. Was nicht in dieses heroische Bild passt, die Panik, die Verwundungen, die vielen Toten, fällt der Schamabwehr zum Opfer und verwandelt sich in einer gesellschaftlichen Regression in einen heldenhaften Gang durchs Feuer, das keinen verbrannt haben sollte.
Deshalb finden tragische Niederlage im nationalen Gedächtnis, das die Verantwortungskultur via Regression verlassen musste, ihren Platz. In ihr wird die nationale Identität innerhalb eines “Opfer- Bewusstsein wachgehalten, um “Widerstand zu legitimieren und heroische Gegenwehr zu mobilisieren” (2).

Das kollektive polnische Gedächtnis ist ebenso empfangsbereit für historische Momente der Erhöhung vor “Wien” wie der Erniedrigung in der “Teilung”, weil beides in ein heroisches Geschichtsbild eingearbeitet werden konnte.
Für Polen wurde die Opferrolle erstrebenswert, weil sie vom Pathos unschuldigen Leidens während der mehr als 120 Jahre dauernden Teilungen verklärt wird.
Was die Deutschen den Polen an Gewalt antaten, als sie mit ihrer Schamfreiheitsformel in Gleiwitz “zurück zuschießen” begannen, verstärkt diese Haltung.
Kein Einlass fand in ihr nationales Gedächtnis, die Momente der Schuld und Scham im Verhalten des polnischen Adels, die zu den Teilungen führten. Auch keine Entschuldigung bei den Bauern, deren Sklavenstatus in der Leibeigenschaft erst von den Teilungsmächten aufgehoben wurde.


Ende der Träume – Stettin ’45, Bild von Kobas Laksa im Museum Umbrüche in Stettin

Kein Einlass fand in ihr nationales Gedächtnis, die Momente der Schuld und Scham im Verhalten des polnischen Adels, die zu den Teilungen führten. Auch keine Entschuldigung bei den Bauern, deren Sklavenstatus in der Leibeigenschaft erst von den Teilungsmächten aufgehoben wurde.
Jedoch Einlass fand im neuen Stettiner Museum, das von der Schamabwehr gemalte Bild Polens, dass die polnische Heimatarmee nach dem II. Weltkrieg, sich in einem heldenhaften Guerillakrieg gegen die Sowjets gestählt habe, als ob es kein Lubliner Komitee gegeben hat, das sie bekämpfte.
Eine gegenwärtige Homogenisierungstendenz im polnischen Volkskörper zeigt sich in der Gedenkstätte Auschwitz, wo keine zwei Millionen jüdisch geprägte Polen mehr registriert sind, sondern nur noch Juden ohne nationale Wurzeln.
Dieser Ausstoß ehemaliger Polen aus dem katholischen Volkskörper signalisiert, dass die PIS die Demokratie bereits verlassen hat, und die Werte des polnischen Bürgertums keine Geltung mehr besitzen. Zur Aufrechterhaltung eines positiven Selbstbildes, wurden alte Feindbilder neu belebt, wie das Deutschen-, Weißrussen- oder Litauer-bashing belegt.

Das Unglück von Smolensk mit dem Tod des Staatspräsidenten Lech Kaczyński, samt der politische Elite Polens, verstärkte -nach den Vorgaben seines in Warschau überlebenden Zwillings Jaroslaw- das kollektive Selbstbild einer Opfernation.
Das Auserwähltheitsphantasma Polens als “Augapfel Gottes” (3), erschuf nach dem Flugzeugabsturz den Mythos von Smolensk.
Der überlebende Zwilling Jaroslaw beantwortete diese Katastrophe mit einer paranoiden Grundhaltung.
In ihr bezeichnete er alle, die sich weigerten den Bruder als neuen “Augapfel” zu feiern, als Totengräber eines “solidarischen Polens”, dass er aus dem Boden stampfen möchte.
Er konnte Lech nicht trauernd in sein Selbstbild integrieren und deshalb nutzte er ihn auf dem Weg zur Macht. Dies führte zu seiner und der Schwägerin Beerdigung in der königlichen Basilika am Wawelhügel als Vorstufe künftiger Heilig- Sprechung. Auf diese Weise wird der Mythos von Smolensk mit dem Märtyrerpathos von Katyn angereichert.

Was die Vermischung von Religion und Politik anrichtet lehrte uns Amerika. Franklin Graham, der Sohn des spirituellen Beraters Präsident Bushs jr. verkündete: “Die Operation Iraqi Freedom ist ein Glückstreffer für Jesus. Wir gehen dorthin, um den Irakern in Liebe unsere Hand zu reichen um sie zu erretten” (4).

Diese amerikanische Regierung behauptete dass der Irak die saudi- arabischen Terroristen von 9/11 unterstützt und Giftgas lagere, worauf die Amerikaner die Welt von Saddam Hussein zu erlösen verkündeten und der Irak am demokratischen Wesen Amerikas genesen sollte.
Diese Schamfreiheitsformel legalisierte den III. Golfkrieg und spaltete mit seinen geheimen okzidentalen Folterzentren, Europa in ein Altes und Neues.

Die Angst vor der Rache der Gefolterten und der Araber verstärkte die Regression in den Populismus in ganz Europa und wurde in Polen von der PiS instrumentalisiert.

Er ließ den Begriff des Helden ins Kraut schießen.

Als Galilei vor der Inquisition seine Lehre von der Bewegung der Erde wiederrufen musste ließ Brecht ihn sagen: “Unglücklich das Land, das Helden nötig hat”.
Heute, an der Macht, als Führer der Regierung stellenden Partei, reißt der überlebende Zwilling Jaroslaw Kaczyński in einem gesellschaftlich verunglückten Trauerprozess, ganz Polen in ein religiös gegürtetes paranoides Heldentum hinein.
Doch Heldentum kann sich nur ganz klassisch gegenüber einem Feind bewähren, den man sich – so fürchtet man unbewusst- in einem Folterzentren auf polnischen Boden, geschaffen hat (5).
Er jedoch füllt nunmehr ein paranoides Phantasma, von dem Homogenitätsanspruch mit hervorgebracht, der die auf Deutsch verfassten Protokolle der Sitzungen des Stadtrats von Krakau oder das Privileg von Kalisch vergessen machen soll (6).
Er negiert zusätzlich die einstige polnische-litauische Union, angeführt von einer gemeinsamen Monarchie mit Polen, Ruthenen (den späteren Bürgern der Ukraine und Weißrussland) sowie Litauern (7).

In der polnischen Teilung entwickelte sich der Mythos des katholischen Polen, weil kath. Adel und Kirche eine differenzierte identitäre Überlebensstrategie entwickelten, durch die im Untergrund übermittelte national betonte Bildung.
Dieser Mythos dient heute der Selbstidentifikation der PIS-Anhänger und der Abgrenzung des wahren Volkes gegenüber den Schutzsuchenden aus dem Orient.
Stehend betend, mit dem Rücken zur weißrussischen, deutschen, tschechischen und litauischen Grenze, an deren Rändern – ganz paranoid – Horden von Muslime ins Land einzufallen schienen, versicherten sich Polen 2017 im herbstlichen Monat der “Königin des Rosenkranzes” Macht, ausgerechnet gegen die Orientalen.

Polen wurde geteilt, von drei Mächten: dem orthodoxen Russland, dem protestantischen Preußen und den katholischen Habsburgern. Nach dem polnischen Novemberaufstand von 1830/1831 gegen die Herrschaft des Zaren nahm hingegen das Osmanische Reich zahlreiche Anhänger des ehemaligen Regierungschefs der polnischen Revolutionsregierung Fürst Adam Jerzy Czartoryski auf.
Neben Paris wurde Polonezköy (Adamopol) bei Istanbul zum zweiten Exilzentrum des polnischen Widerstands, als der Dissident Michał Czajkowski den Ort als Vertretung der polnischen Exilregierung etablierte. Noch heute leben dort Nachfahren dieser Flüchtlinge und ihr bedeutendster war der große Dichter Nazim Hikmet
Heute jedoch fürchtet Polen, dass Muslime das Land zerstören könnten?

Zum Trost aller Europafreunde, erschienen von den anvisierten 7 Millionen, die sich an der Grenze treffen sollten, nur einhundertfünfzigtausend BeterInnen, die dies mit einem Ausflug an die Ostsee, den Bug und der Tatra verknüpften.
Die polnische Schamfreiheitsformel lautet, dass sie schon über eine Million ukrainischer Flüchtlinge aufgenommen haben, und deshalb keinen Platz mehr am Tisch der Nation für einen Moslem hätten.

Es gibt aber keine ukrainischen Flüchtlinge in Polen, sondern Billigstarbeiter aus der Ukraine die, die jetzige Regierung zu Flüchtlingen ummodelliert (8).
Abgewehrte Momente der Angst befördern die ideologische Macht der PiS, die solche Schamfreiheitsformeln hervorbringt.
Dazu braucht man Muslime, die mit russisch-iranisch atomkraftgetriebenen Schnellfeuergewehren, Polen vernichten wollen (9).

Zur Selbstprofilierung braucht Polen Sündenböcke. Es sind die Russen, die in Smolensk, an den Flügeln der abgestürzten Turbolew Sprengstoffrückstände (10) hinterlassen haben sollen. Diese möchte man in der Schändung der Totenruhe auch an den inzwischen wieder Ausgegrabenen nachweisen.
Die muslimisch jünglingshaften Schutzsuchenden an der Grenze in Terespol und Brest, werden in Projektionsgefäße für polnisch vergewaltigende Männerphantasien verwandelt und in Mitesser an den Trögen des Sozialstaates.
Die aufkeimende Angst in einer, durch die digitale Revolution unsicher, gewordenen Welt, weil sie sich wie ein Dorf anfühlt, wehrt Polen heute mit seinem Wunsch nach Homogenität ab.
Er lässt Hass im ehemaligen Vielvölkerstaat Polens auf inhomogene Menschen entstehen. Er verhindert Verantwortungsübernahme für die Schutzsuchenden, als auch die Einfühlung in ihre Not. Es wird verleugnet, dass, die eigenen Soldaten in der Nato sie mit herbei gebombt haben.
Aufgefangen wird der Hass von der Agenda der PiS oder Radio Maria in der Ausformulierung fremdenfeindlicher Statements. Die darin enthaltenen paranoiden Phantasmen zerstören die Wertvorstellungen der katholischen Soziallehre.
Sie führen auch zur Ablehnung der universellen Wertegemeinschaft europäischer Verantwortungskultur im europäischen Recht.

Die PiS versteht nicht die Symbolik der europäischen Flagge: „Gegen den blauen Himmel der westlichen Welt stellen ihre Sterne die Völker Europas in einem Kreis, dem Zeichen der Einheit, dar. Die Zahl der Sterne ist unveränderlich auf zwölf festgesetzt, diese Zahl versinnbildlicht die Vollkommenheit und die Vollständigkeit … Wie die zwölf Zeichen des Tierkreises das gesamte Universum verkörpern, so stellen die zwölf goldenen Sterne alle Völker Europas dar, auch diejenigen, welche an dem Aufbau Europas in Einheit und Frieden noch nicht teilnehmen können.“ (11)
In ihrem jüdisch-christlichen Fundament verbirgt sich die Zahl 12 in der Anzahl der Apostel aus der christlichen Bibel, und den Söhnen Jakobs aus der Torah, die, in einer ihnen vorauslaufenden Welterklärung, die Stunden des Tages und die Monate des Jahres bargen.
Während der Herausschälung der Flaggensymbolik Europas unterschrieb man im Saal des Palazzo Barberini in Rom, die Europäische Menschenrechtskonvention. Sie wurde, von der in der Mitte seiner Decke residierende Gottesmutter mit ihrem 12 er Sternenkranz gesegnet. Es ist die, die die PIS an den Landesgrenzen im Oktober 2017 in einem kollektiven Gebetsrausch so missbrauchte (12).

Palazzo Barberini, Rom: Maria Immacolata mit Sternenkranz von Pietro da Cortona

Der Homogenitätsanspruch der PIS signalisiert den Grad der Regression Polens in die “Vierte Republik”. Das politische Establishment verlässt inzwischen Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, die inzwischen nur noch von den Bürgermeistern in den Selbstorganisationen mühsam verteidigt wird.
Deshalb mussten in der “Vierten Republik” die Medien in Staatshaftung genommen werden und die Unabhängigkeit der Justiz verschwinden, weil sie als Vertreter des Realitätsprinzips die neuen staatstragenden Mythen zertrümmern könnten.
Wenn eine der Grundannahmen der PiS lautet: “Wer gegen mich ist, gehört nicht zu uns”. Er oder auch sie gehören dann nicht mehr zum wahren Volk und werden rechtslos und vogelfrei, wie männerliebende Polen oder abtreibungswillige Frauen usw.
Flankiert wird ein solches Denken mit einer Zunahme an Ehrenfragen und eine Abnahme von Fragen der Moral, die den Wertekanon Polens spaltet.

Wenn Loyalität zur “Vierten Republik” zum erhabensten Wert (13) erklärt ist, kann Kritik an ihm, aus dem Volk heraus verfolgt werden. Dieses Volk lebt dann seine Hassausbrüche gegen Andersdenkende oder Ausländer aus, die kein Gericht mehr verfolgt (14).
Ohne “Check and Balance” haben anordnungsgebundene Verfassungsgerichte ihre Funktion verloren. Im Zweifelsfalle waren sie dazu da, verwundbare Minderheiten zu schützen.
In der Kollektivkultur des untergegangenen Ostblocks existierte kein „kategorischer Imperativ“ mit seinem „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“ (15), weil in der kommunistischen Schamfreiheitsformel wiederum paranoid, der Klassenfeind im anderen Lager lauerte.
Auf die Leerstelle des untergegangenen Klassenfeindes werden heutzutage in einer katholisch paranoiden Wagenburgmentalität, von der Propaganda, Muslime, Russen und Deutsche lanciert.
Durch den institutionellen Umbau in eine “Vierte Republik”, kann die Obrigkeit, keine Gerechtigkeit für alle transportieren und keine Demokratie, Menschenrechte, Freiheit oder Individualismus als universalistische Werte verteidigen.

Die PiS zeigt ein paranoides Leitmotiv im neuen Heldenmythos, der innenpolitisch den Mut und den Sieg der politischen Elite in der Solidarność mit der mythischen Verschwörungstheorie eines Verrats von “Magdalenka” abwerten muß.
In ihm modelliert die PiS die Dritte Republik um, zu einem Auffangbecken für abgehalfterte kommunistische Eliten.
Der neue Mythos aus einem mit Kiefern bestandenen idyllischen Vorort von Warschau, wurde belegt im zuprosten der Vertreter von Solidarnosc und damaliger Regierung. Nach 27 Jahren ausgestrahlt im TV, ohne den prostenden – in Smolensk verunglückten – Zwilling, dient der Mythos “Magdalenka” zusätzlich des Beweises der Kollaboration der politischen Elite der Solidarnosc mit den Kommunisten.
Dieser neue Mythos, verstaut gleichzeitig die vielen Quislinge, Szmalcowniks und die von Bürgern ausgeführten Pogrome gegen Juden in Jedwabne oder nach dem II. Weltkrieg in Kielce und anderswo, im kollektiven Unbewussten der polnischen Nation. Alle Mythen verhindern aber auch gleichzeitig polnische Bürger als “Gerechte unter den Völkern” wahrzunehmen.
Polen integriert seine Verstöße gegen “Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinen anderen zu”, in seine gegenwärtige Politik, und fixiert auf diese Weise seine Regression in eine katholische Volksgemeinschaft.
Angekommen in ihr existiert “die Würde des Menschen ist unantastbar” nicht für alle, sondern nur für das eigene wahre Volk, was die Flüchtlinge an der Ostgrenze in besonders sadistischer Weise deutlich erfahren.
Dieser damit einhergehende ausgehebelte Universalismus, ist eng mit Polens neuer Selbstdefinition verknüpft.
Für die PiS ergibt sie sich nicht durch eigene Leistungen und Werke, sondern – auf dem Hintergrund des ihr inhärenten Homogenitätswunsches – aus kulturellen und ökonomischen Differenzen, langgehegte Eifersüchteleien, Ehrschwulst und Gruppenegoismus.
In ihm gibt es ein regressives Verlangen nach Gewissensentlastung durch Verantwortungsübergabe an ein Kollektiv. Dies geschah schon in kommunistischen Zeiten und davon lebt die PiS, in der die breite polnische Masse, sich der Selbstregulation oder Selbststeuerung durch einen Führer, entledigen.

Gegenwärtig ist es Jaroslaw Kaczyński, mit seiner nationalistischen “Polen über alles” Verkündung, im Inszenieren dyadischer Gebetsräusche an der Grenze des Landes.
Die PiS, regredierte in einen Politikansatz des 19. Jahrhunderts, um das 20. Jahrhunderts – im Zuge der Konstruktion eines neuen kollektiven Gedächtnisses – ungeschehen zu machen.
Es findet die PiS keine Abgrenzung zu der existenten polnischen Herrenrasse, weil sie auf deren Stimmen angewiesen ist, deshalb können polnische Nazis in Warschau paradieren und werden von ihr zu Verteidigern polnischer Identität ausgedeutet.
Wohin das Herrenmenschentum einst führte, könnte doch in Polens kollektivem Gedächtnis am stabilsten eingeschlossen sein. Die Regression ins polnisch katholische völkische soziale “Polen den Polen” radierte ein vernichtende Urteil aus, gegen das Abrutschen der Mehrheit in den braunen Sumpf.
Deshalb können die heutigen polnischen Machthaber, Europa nicht als Wertegemeinschaft schätzen. Aus Angst vor dem russischen Bären, verbleiben sie unter dem Schutz der Nato und aus Bedürftigkeit an den Trögen der EU.
Die Nato und die EU sollen dem russischen Bären die Krallen ziehen, die er einst im Hitler Stalin-Pakt und der kommunistischen Ära, tief in Polens Leib eingeschlagen hatte.
Daraufhin bekam der Bär Angst, durch die offiziell in Richtung Teheran aufgepflanzten Bajonette der Nato, an der Grenze seines Territoriums.
Dies ist auf dem Hintergrund der traumatischen Spuren hinterlassen gehabenen Feldzüge Napoleons und Hitlers nachvollziehbar.
Allerdings nur, wenn man den Nachbarn verstehen möchte und ihn nicht nur unter einer zeitlosen Brille mit Namen Katyn bei Smolensk oder dem Gulag betrachtet.

Wie die Schamfreiheitsformel für Katyn die kommunistische Zeit höchst Ambivalent determinierte, spielt die für Smolensk, in der “Vierten Republik” ihre Opferrolle.
Sie führen in einen paranoiden Politikstil (16) aller involvierten Staaten, der von der Nato abgesichert wird.
Diese Angst wird Polen in der EU belassen, weil sie realpolitisch stärker antreibt, als die Macht der “Königin des Rosenkranzes” im Alltagsgeschäft der Demagogie an der Landesgrenze.
Deshalb werden die in Rom einstmals von ihr gesegneten Menschenrechte letztendlich auch in Polen sich durchsetzen.
Weil das Vergessen müssen, das Trauma am Leben hält, seine Erinnerung jedoch erlöst, plädiert die Autorin für eine polnische Erinnerungskultur, die nicht von der Helden suchen müssenden Schamabwehr geprägt ist, durch eine zuverlässig dokumentierte und zutreffend interpretierte Geschichte.
Vor allem bezogen auf die polnische Nationalgeschichte setzt das voraus, dass Geschichtsschreibung den Versuchungen entgegenwirkt der Landesgeschichte goldene Wurzeln in neuen Mythen zu verpassen.
Nationalgeschichte ist nicht die Geschichte Polens, sondern ein Rahmen, der sein kollektives Gedächtnis bestimmt. Dieser Rahmen wird nicht unbedingt von der akademischen Geschichtsschreibung geprägt, obwohl sie dazu beitragen kann. Der Rahmen schließt ein, wie polnische Geschichte in der breiten Öffentlichkeit, in Kinder-und Schulbüchern, in Zeitungen, im Fernsehen und im Kino, in populärwissenschaftlichen Darstellungen, bei Gedenkveranstaltungen und ihren Ritualen dargestellt wird.
Das alles formt das Bewusstsein eines Volkes von seiner Geschichte viel nachhaltiger als gelehrte Werke.
Nationalgeschichte wurde hauptsächlich von Polen entworfen und führt deshalb in biographisches, weil sich Autor und Gegenstand eine Identität teilten. Deshalb ist die Nationalgeschichte durch die gesellschaftliche Schamabwehr in Abwehr der Traumata, vergessen wie Polonezköy in der Türkei oder verherrlicht wie im neuen Museum Umbrüche in Stettin.

Das kollektive Gedächtnis neigt zur narzisstischen Verzückung, was in eine nationalistische Geschichtsschreibung, mit Entwertung anderer Nationen, führt.
Deshalb ist es erforderlich die jeweiligen Gegenstände polnischer Geschichte, in das Licht einer kritischen Außenwahrnehmung zu rücken.
Eine zutreffende polnische Geschichte erfordert daher, die Einbeziehung und Verarbeitung der Sichtweisen Außenstehender. Diese externen Blicke sollten einfließen in den Interpretationsrahmen derer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Subjekte darzustellen, mit denen sie eine grundlegende Identität teilen.
Ihre Ergebnisse könnten dann in den Rahmen von Nationalgeschichte eingeführt werden um ein kollektives Gedächtnis, dass nicht nur der Mythenbildung, sondern auch dem Realitätsprinzip verpflichtet ist zu konstruieren.
Wer sich mit seiner Geschichte befasst, kann aus ihr lernen und ist somit weniger anfällig, deren dunkle Kapitel zu wiederholen.
Um das zu ermöglichen könnte von einer Historiker-Kommission das Netzwerk unter den europäischen Geschichtsfakultäten genutzt werden. In denen -vergleichbar des Schulbuchprojektes-, die Nationalgeschichte vom Nachbarland mit geschrieben würde.

Bis zu Bischoff Desmond Tutus Wahrheits- und Versöhnungskommissionen in Südafrika, waren traumatische Erfahrungen der Geschichte in der Öffentlichkeit kaum ansprechbar, weil es dafür keine kulturellen Verarbeitungsmuster gab. Doch um die zerstörerische Macht des Schweigens (17) aufzulösen, hat er einen Weg aufgezeigt, der zwischen den jeweiligen polnischen Nachbarländern modifiziert weiter gegangen werden könnte.
Auf diesem Hintergrund könnte Erinnerungskultur zur Voraussetzung individueller Verantwortungskultur werden, die zu einer Versöhnungskultur, innerhalb Polens und zwischen seinen Nachbarländern führt.
Dies eröffnete die Möglichkeit, die Würde der Schutzsuchenden an den Landesgrenzen Polens und die Inhomogenen in seiner Mitte, unangetastet zu lassen.


(1) Vgl. Horkheimers „Geschichte und Psychologie“ Zeitschrift für Sozialwissenschaft 1932. S. 128
(2) Assmann, Aleida: Kollektives Gedächtnis Dossier: Geschichte und Erinnerung (Erstellt am 06.09.2017)
(3) 5. Mo 32,10; Ps 17,8. Sacharja 2,12
(4) Bogna Czałczyńska: Vortrag: Festung-Europa: Bericht aus der östlichen Außengrenze. am 19.09.2017 in der Regenbogenfabrik in Berlin-Kreuzberg
(5) Fake von Gmyz Cezary: Rzeczpospolita 30 10 2012.
(6) Bogna Czałczyńska: Vortrag: Festung-Europa a. a. O.
(7) Victor, Barbara: Beten im Oval Office. (2005) Christlicher Fundamentalismus in den USA und die internationale Politik. München u. Zürich: Pendo. [engl. 2004: The Last Crusade; Erstausgabe frz. 2004: La Dernière Croisade. Plon: Paris. S. 29
(8) Domin Florian, Facebook Metadaten-Analyse 2017 entnommen 16.08.2017
(9) Vgl. Alter, Peter: Nationalismus. Frankfurt am Main 1985, S. 14.
(10) Bogna Czałczyńska: Vortrag: Festung-Europa. A. a. O.
(11) Kant Immanuel: § 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft . in der Kritik der reinen praktischen Vernunft. S.54
(12) Hofstadter Richard: The paranoid Style in American Politics. Erstveröffentlichung Harper’s Magazine 229.1374 (1964): 77-86
(13) Vgl. Schwan Gesine: Politik und Schuld. Die zerstörerische Macht des Schweigens. 1997, S. 240
(14) Vgl. Schwan Gesine: Politik und Schuld. Die zerstörerische Macht des Schweigens. 1997, S. 240


Literatur
Alter, Peter: Nationalismus. Frankfurt am Main 1985, S. 14.
Assmann, Aleida: Kollektives Gedächtnis Dossier: Geschichte und Erinnerung (Erstellt am 06.09.2017)
Barbara Victor: Beten im Oval Office. (2005) Christlicher Fundamentalismus in den USA und die internationale Politik. München u. Zürich: Pendo. [engl. 2004: The Last Crusade; Erstausgabe frz. 2004: La Dernière Croisade. Plon: Paris.
Bogna Czałczyńska: Vortrag: Festung-Europa: Bericht aus der östlichen Außengrenze. am 19.09.2017 in der Regenbogenfabrik in Berlin-Kreuzberg
Hofstadter Richard: The paranoid Style in American Politics. Erstveröffentlichung Harper’s Magazine 229.1374 (1964): 77-86
Horkheimers „Geschichte und Psychologie“ Zeitschrift für Sozialwissenschaft 1932.
Kant Immanuel: § 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft . in der Kritik der reinen praktischen Vernunft.
Schwan Gesine: Politik und Schuld. Die zerstörerische Macht des Schweigens. 1997
Entnommen aus dem Internet:
Fake von Gmyz Cezary: Rzeczpospolita 30. 10. 2012.
Domin Florian, Facebook Metadaten-Analyse 2017 entnommen 16.9.2017

Mit den Augen des Westens (1)

Esther Schulz-Goldstein

Nackte Macht + Regression = Populismus

Vortrag gehalten am 8. 9. 2017 in der Regenbogenfabrik in Berlin- Kreuzberg

Gestatten Sie mir einen Blick in die deutsche Geschichte zu werfen, um Gegenwärtiges klarer akzentuieren zu können.

Nation war in erster Linie Staatsbürgergemeinschaft, mit gleichen Rechten für gleiche Bürger, und zwar unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft. Die Frage nach der Identität der Deutschen stellte sich im 19. Jahrhundert mit großer Dringlichkeit, denn keine wusste was das war, weil bisher die Stämme der Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben und Alemannen etc. Identität erzeugt hatten. Die deutsche Sprache als Identitätsbildner schied aus, weil sie auch von Schweizern und Österreichern genutzt wurde und deshalb erschien das deutsche Blut in den Restzuckungen der Romantik im Vordergrund.

In der Reichsgründung 1871 ließ sich Wilhelm I. im prachtvollen Spiegelsaal des Schloss Versailles, dessen Deckengemälde den Sonnenkönig, als Eroberer deutscher Städte und Länder feiert, „die vom Blut aller deutschen Stämme gekittete“ (1) Kaiserkrone aufs Haupt setzen.

In der Suche nach der Identität der Staatsbürgergemeinschaft, übertrug sich das Gefühl der Stammeszugehörigkeit auf die deutsche Nation. Die, den Stämmen innewohnende Blutsverwandtschaft übertrug sich mit und wurde zur Basis des Nationalismus. Er barg in sich nunmehr das “deutsche Blut” das die Identität dieser Mehrheit als ein Familienphantasma zu bestimmen schien. Dieser Nationalismus machte ganz langsam aus polnischen, kaschubischen ukrainischen, Staatsbürgern “Untermenschen” während man die Juden im anschwellenden Antisemitismus zu Dehumanisieren begann, weil sie das “deutsche Blut” nicht teilten. Das subjektive Bekenntnis der Bürger zum “deutschen Blut” wurde das einigende Kriterium im Nationalstaat, und nicht Mentalität oder Nationalcharakter.

Dieses familiäre Phantasma war die Abwehr einer angsterzeugenden Verunsicherung der Menschen. Die Verunsicherung nagte an ihrer bisherigen Identität, die von Bräuchen, Sitten und Traditionen definiert wurde, die sich aber aufzulösen begannen.

Der nietzscheanische Kult der autonomen Persönlichkeit als auch die Psychoanalyse, die Nacktbade- und Vegetarierbewegung, der Ausdruckstanz, die charismatischen Gemeindebildungen um Stefan George, Rudolf Steiner und Sigmund Freud, führten in therapeutische Gruppenbildungen eines von seiner Freiheit damals zutiefst schockierten Individuums.

Der heutige Populismus von lateinisch populus das Volk ist eine Abwehr von Angst durch Machterwerb (2).

Angst die durch die Auswüchse der angewendeten „marktradikalen“ Theorien Milton Friedmans entstehen, weil die Schere zwischen arm und reich sich immens vergrößert.

Ängste die durch die Grenzenlosigkeit und Auflösung alter Gewissheiten in der Globalisierung entstehen. Deren “alltägliches Handeln, in den verschiedenen Dimensionen der Wirtschaft, der Information, der Ökologie, der Technik, der transkulturellen Konflikte und (der) Zivilgesellschaft […]” (3) Ängste mobilisieren, die vergleichbar mit denen des 19. Jahrhundert sind.

Die Globalisierung begann zwar schon mit der Seidenstraße, wurde aber durch die industrielle und heutige digitale Revolution extrem beschleunigt.

Die Energiekrise, die Zeitenwende im Fall der Mauer, die immense Entwertungserfahrung im Kollaps des kommunistischen Erlösungsprojektes und der Klimawandel leiteten ein -oder fixierten- eine Regression auf der ganzen Welt, die im christlichen Raum den Populismus hervor brachte. Der Terrorismus als Antwort auf ein kriegsführendes Amerika und der Nato in Afghanistan und dem vorderen Orient, ist ein weiteres Angst provozierendes Faktum.

Das menschliche Angstproblem ist jedoch “ein Knotenpunkt im Seelenleben” (4), an welchem die verschiedensten Erlösungswege ihren Ausgang nahmen und immer noch nehmen. Einer davon ist die Regression die, die miteinander in Konflikt stehende Gefühle wie Schuld und Scham mental so bewältigt, dass die daraus resultierende seelische Befindlichkeit im Betroffenen konfliktfrei bleibt und sich daraus resultierende Wohlgefühle etablieren.

Die angestrebte Konfliktfreiheit führte in den Populismus, der Harmonie und Konsens verspricht. Sehnsucht nach beidem trägt jeder Mensch in sich. Sie entfaltet sich in seinem Regressionspotential in der Massenbildung.

Abzulesen an Fußballfans in den Arenen, auch mit entsprechender Gewaltentbindung oder bei sommerlichen Musikevents in der Nacht mit brennenden Feuerzeugen. Doch diese Form der Regression hat einen Anfang und ein Ende, während der Populismus zwar einen schleichenden Anfang besitzt aber das Ende nicht absehbar und deshalb eine permanente Gefahr für die Demokratie ist.

Angestoßen wird der Populismus in Westeuropa vom herrschenden Egozentrismus. Er ist sowohl Folge der Individualisierungsforderung als auch einer auf den Markt zentrierten und deshalb beziehungszerstörerische “Arbeitsmoral”, mit Zerfall familiärer Bindungen, die regressiv den Wunsch nach Homogenität verstärkten und in eine Umarmungsdemokratie führten.

Der rechte Populismus erzeugt einen apokalyptischen Ton aus der „Untergang des Abendlandes-Angst“, wenn sie sich von – Familienphantasma sprengenden- Muslimen “überrollt” fühlen.

Inzwischen entstand daraus ein einstimmiger Gesang, innerhalb der -von dumpfer Homogenitätssehnsucht erfüllten- Westeuropäern, der durch die osteuropäische staatstragende Visegrád-Gruppe verstärkt wird (5)

Es ist eine regressive Antwort auf bedrohliches in der Gegenwart, die alle auf der Strecke gebliebenen kindlichen Wünsche nach Geborgenheit und Harmonie verlebendigen. In der Visegrád-Gruppe kommt der einst erlebte Mangel an Schutz und die Frustrationen im Zusammenbruch des Sowjetreiches hinzu. Sie mobilisierte bei den Evangelikalen millenaristische Phantasien, die der Apokalypse des Johannes entstammen.

Der Populismus wurzelt in der Schamkultur.

In der Völkerpsychologie spricht man von einer Schamkultur, wenn ihre Grenzen und Motive durch kulturelle Muster die Harmonie und Konsens garantieren aus Tradition, Brauch oder Sittlichkeit festgelegt sind. Im Westen verloren diese Muster ihre prägende Kraft, durch den Untergang der Traditionen, Bräuche und Sitten in der sich entfaltenden Freiheit des Individuums. Deshalb ist die Schamkultur in der westlichen Gesellschaft nur noch in den homogenitäts- und konsenssüchtigen Mentalitätsträgern zu finden, und beschränkt sich auf den familiären Umgang. In der Massenbildung entäußert sie sich durch aggressive Impulse, ablesbar an den Hasspredigten auf den Montags- oder Dienstagsdemonstrationen im Osten der Republik.

Im kollektivistischen Sozialismus existierte eine vom Staat institutionalisierte Kollektivkultur und damit Schamkultur, in deren Nischen sich nur Individualisierung und Schuld- bzw. Verantwortungskultur entwickeln konnte oder auch nicht.

Dodd, der diesen Begriff prägte, untersuchte 1951 die Ilias, den ältesten Text der antiken Griechen und bemerkte, dass die Griechen der stammeskulturellen Schamkultur verhaftet waren. In diesem Zusammenhang ist ihre Schamfreiheitsformel in der “Rechtfertigung des Agamemnon” aufschlussreich. Er argumentiert, nicht er sei der eigentliche Verursacher des Krieges gegen Troja gewesen, sondern Zeus, der ihm seinen Verstand geraubt habe.

Eine solche Schamfreiheitsformel kann nur von einer Gewissenskonfiguration hervorgebracht werden, die durch Schamkultur geprägt wurde.

Scham im Kollektiv versus Schuld in der bürgerlichen Gesellschaft

So herrscht in der ehemaligen DDR, der Blick der Partei, des Arbeitskollektivs, der Schiedskommission u. ä. vor, die den Regelbruch be- und verurteilten. Es herrschte die Schamfreiheitsformel: “Man kann alles tun, nur sich nicht erwischen lassen” nicht nur bezüglich des Futters für die “private Kuh oder Sau” aus den Feldern der LPG.

Jedoch in einem ertappten “Sünder” reagierten die entstehenden Schamgefühle gleich Seismographen sensibel, auf die Infragestellung seines Grundbedürfnisses nach Anerkennung, Schutz, Zugehörigkeit und Integrität. Deshalb waren für ihn diese Gefühle so schwer zu ertragen und konnten der Schamabwehr zum Opfer fallen.

Der “Sünder Agamemnon” schützte sich mit seiner Schamfreiheitsformel nach dem trojanischen Krieg davor, dass sich in ihm ein Gefühl – sich im Mauseloch verstecken zu müssen – breit machen konnte.

Im Gegensatz dazu, beurteilt in einer Schuldkultur das Gewissen des “Sünders” sein Fehlverhalten. Denn die erst von seiner Familie und dann von der Gesellschaft aufgestellten Regeln und Normen internalisierte er in seiner Individuation. Diese Verinnerlichung verbietet jegliche Schamfreiheitsformel, denn in der Schuldkultur hätte Agamemnon bekennen müssen, dass er den trojanischen Krieg begonnen hat.

Der frühere Zwang der von den Blicken aus dem Kollektiv auf den heutigen Sünder einströmte, verwandelte sich in seiner Sozialisation in seinem Gewissen zu Selbstzwang. Entscheidet er sich, seine verinnerlichten Regeln und Normen zu übertreten, reagiert er mit Schuldgefühlen.

Im Okzident sollte idealerweise die Schuldkultur (6) mit dem Gewissen inhärenten „kategorischen Imperativ“ „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“ (7) dominieren, was voraussetzt, das, ein Individuum, die Stammesmentalität weit hinter sich gelassen hat.

Im „kategorischen Imperativ“ sind die Werte wie Wahrheit, Gerechtigkeit, Demokratie, Menschenrechte, Freiheit und Individualismus aufgehoben.

Diese Werte -in Normen übersetzt- würde einen potentiellen Sünder aus der Schuldkultur daran hintern einer zu werden.

Um Scham von Schuld noch deutlicher abzugrenzen, entstehen im “Sünder” bei Übertretung von Normen Gewissensangst die sich als Schuldgefühl äußert. Seine vom Gewissen ausgelöste Verlustangst meldet sich als Schamgefühl, weil es die Aufkündigung zwischenmenschlicher Bezogenheit signalisiert.

Jedoch niemals “sind wir ungeschützter gegen das Leiden, als wenn wir lieben, niemals hilfloser unglücklich, als wenn wir das geliebte Objekt oder seine Liebe verloren haben“ (8), um das zu verhindern lügt der Mensch und mit der Schamfreiheitsformel belügt er sich sogar selbst.

Schuld braucht keinen Blick von außen.

Sie ist die internalisierten Ge- und Verbote gestaltete Antwort unseres Gewissens. Schuld entsteht durch Handlung oder unterlassene Handlung und mündet in der aktiven oder passiven Täterschaft. Verantwortungsübernahme setzt die Anerkennung von Schuld voraus.

Scham, Sieg und Ehre

Scham ist immer ein intersubjektives Geschehen und emotionaler Ausdruck einer interpersonalen Situation. In ihr kann man seine Ehre verlieren, die aber durch die Schamfreiheitsformel immer wieder gerettet werden soll.

Falls unser fiktiver Sünder bei einer schweren Regelübertretung ertappt wird, verliert er seine Ehre, was bei schweren Vergehen, die Ausstoßung aus der menschlichen Solidargemeinschaft in den Tod evozierte.

Unter den deutschen Stämmen war in den Einigungskriegen die Gewalt eine Antwort auf ihre Not –ein Flickenteppich zu sein- gegenüber der Macht geeinter Nationen, die es umgaben.

Im Retten der eigenen Ehre, sang man in der preußischen Volks- und späteren Kaiserhymne:

Wir alle stehen dann
Mutig für einen Mann
Kämpfen und bluten gern
Für Thron und Reich!

Zum Sieg über Frankreich gehörte 1871 zusätzlich die Demütigung der Franzosen im Spiegelsaal von Versailles, als man dort das deutsche Kaiserreich gründete. Hier zeigt sich die Quintessenz jeglicher Schamkultur: Sie ist eine Veranstaltung des Gruppennarzissmus, ein Tummelplatz der Höhenflug antretenden Zugehörigkeitssolidarität, in der die Ehre gefeiert wird.

Schamkultur schützte aber auch den Narzissmus der Franzosen, durch seine inhärente Forderung zu siegen. Die Niederlage beschämte und bedeutete den Verlust ihrer Ehre. Damit wurde der Franzosen Selbstliebe 1871 zutiefst frustriert.

Festgehalten auf der Siegessäule im Berliner Tierpark, deren Fuß als polierter roter Granit vom Triumph “arischen Blutes” (9) über das der “Welschen” erzählt. Der aus französischen Kanonen gegossene Fries, verewigte den Triumph. Er wurde nach dem II. Weltkrieg von der französischen Besatzungsmacht abgeschraubt und erst 1987 zur 750-er Jahrfeier als Beutekunst des Krieges von Präsident Mitterrand zurückgegeben. So tief saß die Demütigung.

Die Spaltung des Gewissens

Eine den Narzissmus einer Gruppe rettenden und deshalb am Sieg orientierte Moralität vertieft die Spaltung der Gewissen.

Sie bringt das Rechts des Stärkeren hervor. Es erlaubt eine illusorische Versöhnung von ethischem Anspruch und Wirklichkeit.

Deshalb verabschiedete sich der kategorische Imperativ aus den Gewissensstrukturen als am säbelrasselnden deutschen Wesen die Welt genesen sollte. Denn es begann damals zu gelten: „jeder Schuss ein Russ, jeder Stoß ein Franzos, jeder Tritt ein Britt und jeder Klaps ein Japs“. Das Volk sang:

Herrscher des Vaterlands!
Heil, Kaiser, dir!
||: Fühl in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil Kaiser, dir! :||

Auf diese Weise begann das Volk den neuen Kaiser – mit ihren an ihn abgetretenen Narzissmus – zu verehren.

Auf dem Hintergrund des narzisstischen Höhenflugs im Spiegelsaal von Versailles reagierten die Deutschen nach dem I. Weltkrieg mit der Schamfreiheitsformel des “Versailler Schandvertrags” (10), der zu rächen war.

Gleichzeitig verstärkten sich die ausgiebig verteilten gefühlsmäßigen Bindungen des Einzelnen an die frühen elterlichen Bezugspersonen. Sie wurden einst auf den Kaiser übertragen, von Hitler eingesammelt und offenbarten eine Regression in die Stammeskultur mit der zu ihr gehörenden Schamkultur.

Das führte in einen nationalistischen Trampelpfad breittretenden Überschwang vaterländischer Gefühle. Auf ihm ging Hitler, das kaiserliche Heil auf sich vereinigend und die Massen hinter sich, “erfolgreich” weiter.

Die in der Masse versunkenen heilrufenden Volksgenossen enthüllten einen Mangel an Selbständigkeit, kritischer Denkfähigkeit und Initiative, eine unbewusste Abgleichung der Antworten, als Folge ihres kindlichen Anspruchs – nun mehr mit allen ganz harmonisch – ein Herz und eine Seele sein zu wollen (11). Das schließt aber die “Blutfremden” aus, mit denen das nicht so ohne weiteres möglich ist.

Schamfreiheitsformel und Homogenitäts-Forderung sind die jeweilige Seite einer Münze, die Nationalismus heißt.

In seiner Entfaltung entstanden Bilder der Grandiosität und wurden konstituierender Inhalt eines Größenwahns. In ihm begannen die, die keine Imperien besaßen zu träumen: Die Deutschen von einer Landesgrenze kurz vor Moskau, Mussolini vom römischen Reich, die Griechen von Byzanz.

Es war das Jahrhundert, in dem ein aggressiver Nationalismus in vielen Ländern Wurzel fasste. Es war das Jahrhundert, dass europäischen Nationen die Legitimität zu zusprechen schien, Minderheiten unterdrücken zu können.

Die Selbstidealisierung der Deutschen wurde mit „kulturexportierenden“ Trugbildern aufgefüllt:

„Deutschlands Berufung,
Macht und Freiheit, Recht und Sitte,
klarer Geist und scharfer Hieb
zügeln dann aus starker Mitte
jeder Selbstsucht wilden Trieb,
und es mag am deutschen Wesen
einmal noch die Welt genesen!“ (12)

Die Sündenböcke

Doch was der Selbstsucht wilder Trieb ausrottete, war der scharfe Hieb der Projektionen. Er landete auf Personen, “die unbeliebt, leicht identifizierbar und vor allen real machtlos waren” (13) und sich deshalb zu Sündenböcken (14) eigneten. Sie wurden in den Köpfen der Projizierenden mit Macht ausgestattet und zum Inhalt ihrer Schamfreiheitsformel.

In der Psychoanalyse wird Projektion als eine seelische Operation bezeichnet, durch die der Mensch eigene Impulse, eigenes Unbewusstes und all das, was er an sich selbst nicht mag, aus sich ausschließt und auf einen anderen Mensch projiziert. Dabei geht es dem Projizierenden offenkundig immer darum, „etwas nach außen zu werfen, was in sich selbst zu erkennen oder selbst zu sein man sich weigert“ (15).

Besser ausgedrückt, Agamemnon übertrug seine Regungen auf Zeus, was ihn zum Träger seiner Schamfreiheitsformel macht und deshalb wurde Zeus zum Sündenbock Agamemnons.

Auf diese Weise lokalisiert er seine eigenen Regungen in Zeus, die ihm nach seinem angezettelten Krieg nunmehr als äußere reale Gefahr im – von ihm induzierten Irrsinn – erschien.

Geglückt ist eine Projektion, wenn es den Projizierenden gelingt, die eigene (innere) Quelle dieses Vorgangs vollkommen zu verschleiern und dem, was nunmehr real geworden zu sein scheint, volles Interesse und vollen Glauben schenken kann.

Das Ziel dieser projektiven Veräußerlichung eines ursprünglich inneren Vorgangs ist es, unliebsame eigene Tendenzen so zu behandeln, als ob sie eine von außen kommende reale Bedrohung darstellen, der man, wenn Flucht nicht möglich ist, nun entgegentritt, in dem man sie vernichtet.

Zwei Vorteile erzielt der Mensch mit seiner Schamfreiheitsformel: er wird den Anforderungen seines Gewissens gerecht und findet zugleich Gelegenheit, unter der Denkweise einer legitimen Bestrafung, die eigene aggressive Bereitschaft ausleben zu dürfen.

Der Sündenbock der Arier – der Jude oder der Zigeuner – unterlag 1935 einer wahnhaften Verzerrung im Außen.

Das Blut der deutschen Mehrheit wurde in den Nürnberger Gesetzen normiert. Sie verurteilten nicht des Sündenbocks Erniedrigung und Verfolgung. Im Gegenteil forderten sie im letzten Drittel des „Dritten Reiches“ die Auslöschung fremden Blutes und wurden auf diese Weise Matrix aller Genozide. Die Nürnberger Gesetze signalisieren den Tiefpunkt der Regression im Deutschen Reich”.

Die Wiedererrichtung einer Schuldkultur im Gewissen der Deutschen

Auf dem Nürnberger-Prozess gegen die Nazielite herrschte die Schamfreiheitsformel “Ich war’s nicht, Adolf Hitler war’s gewesen”. Sie ergriff das ganze Volk. Deshalb mobilisierten die Alliierten verstärkt durch die deutsche Opposition aus dem Exil oder den Konzentrationslagern, wieder die Verantwortungskultur. Sie bescherten dem deutschen Grundgesetz den Satz: “Die Würde des Menschen ist unantastbar”.

Deutsche Historiker, und die hartleibige deutsche Justiz unter dem Frankfurter Staatsanwalt Fritz Bauer beantworteten nach einer 25. jährigen Schamfrist, die ethische Katastrophe im deutschen Zivilisationsbruch mit seiner Aufarbeitung und Analyse. Ihre Ergebnisse sickerten durch die Medien und Bildungseinrichtungen in die Gewissensstrukturen der nachfolgenden Generation. Sie begründeten in der Bundesrepublik ein Verantwortungsgefühl sowohl für die Folgen der Barbarei in der Elterngeneration und ließ die Frage entstehen, wie die deutsche Schamfreiheitsformel entstehen konnte.

In den letzten 70 Jahren hat sich dank der, in der Schuldkultur verankerte Europäische Union, ein identitärer Sockel friedlicher Nationalkulturen entwickelt. Ein Krieg in dieser Union ist nicht mehr vorstellbar, solange die Vertreter der Schamfreiheitsformeln, die wie dargelegt dem Sieg verpflichtet sind, in den Wahlen nicht mehrheitsfähig werden.

Im Auftauchen aus der Schamkultur verwandelte sich der Hass in Freundschaft gegenüber den „Erbfeinden“, weil nur in einer Schuld anerkennenden Kultur um Verzeihung und der Möglichkeit der Wiedergutmachung gebeten werden kann, in der ehemalige Feinde in der darauffolgenden Generation zu Freunden werden können.

Es entwickelt sich im Untergang der siegen müssenden Schammentalität eine europäische Friedenszone. In dieser Zone werden Konflikte nicht mit Gewalt, sondern durch Verhandlungen gelöst, was Schuldkultur auszeichnet.

Neue regressive Tendenzen

Schleichend begannen die regressiven Tendenzen in der Ölkrise und dem ersten “autofreien Sonntag”. Deshalb schaffte es der Begriff des Populismus 1980 in den Rechtschreibduden. Er beschreibt einen alten Wein in neuen Schläuchen und benennt eine janusköpfige Psychodynamik, die jedoch den Blutkult im gesellschaftlichen Unbewussten der Deutschen belässt. Im Populismus gibt es zwei Strömungen: Sowohl die eines durch Homogenität bestimmten Nationalismus, der in ihr die romantische und schöpferische Verbindung der wahren Deutschen und ihrer Kultur erblickt, als auch den Willen zur Macht um der Macht willen. Beide Tendenzen waren vor dreißig Jahren in der neuen populistischen Partei der Republikaner als Flügel vertreten, in der, der Eine, eine wertkonservative Agenda unterhielt und der Andere eine nationalistische Blut und Boden Romantik im Bewusstsein ihrer Befürworter, mit dem Begriff der Homogenität verschleierte. Dieser seelische Verarbeitungsmechanismus im Dienste der Angstabwehr wurde in Deutschland von den Volksparteien in ihren rechten Flügeln einst in Schach gehalten. Jedoch diese Angstabwehr begann die etablierten Parteien zu dominieren, als sie entschieden, dass nur noch in -der Mitte- die Macht im Staate gewonnen werden könne. Seit die Parteien die Themen der anderen an sich reißen, auf Visionen verzichten und eigene Konzepte, mit denen der politischen Gegner harmonisieren, verstärkten sie gleichzeitig die Anzahl der Feindbilder produzierenden Homogenitätssüchtigen, die dem politischen Gegner einst ihre Feindbilder überstülpten.

Jedoch in die Mitte eingebunden, verloren sie ihre Adressaten und deshalb wurden die eigenen ehemaligen Parteien zu ihren Gegnern, die jetzt die Reihen der “Alternative für Deutschland” auffüllen.

In ihrer neuen Heimat der AFD formulierte sie eine deutsche Mutter und viele neue Feinde, wenn auf ihrem Plakat die deutsche Kanzlerin als Miss Germany 2020 -mit Burka- die Goldschmiedegasse Eisenachs ziert. Neben ihr prangt die Burg, deren Turmkreuz durch den Halbmond ersetzt wurde. “Wartburga 500 Jahre Reformation-Toleranzwahn mit bösem Erwachen”. Weil die AFD die Fremdenfeindlichkeit ihrer Klientel ausformuliert, kann sie ihren auf Homogenität bestehenden Flügel nicht in Schach halten, wie die Causa Höcke oder Gauland belegen.

In der AFD treffen sich zwei spezifische Gruppenregression des Ostens und des Westens. In ihnen dominiert die nationale christlichen Leitkultur, obwohl in Mecklenburg oder Brandenburg von dem herbei gezwungenen Identitätsmerkmal nicht mehr gewusst wird, wie: „Kein schöner Land in dieser Zeit…“

Ein solches Identitätsmerkmal verbindet sich in der neuen Partei mit den Neonazis und der mit ihnen verwandten Gruppierungen in Dresden, Rathenow oder Köln die auf heutigen Montagsdemonstrationen “Wir sind das Volk” verkünden.

Entschuldigt wird dieser völkische Zungenschlag von Wohlmeinenden mit der seelischen Adaptionsleistung an einen Kulturschock, aus der Zeit der Wiedervereinigung.

Auf ihn antworteten einige Menschen mit regressiven Homogenitätswünschen und kreierte den Begriff des Wessis. In ihn eingewickelt ist der noch ältere Begriff des Klassenfeindes, als umgangssprachlicher Sündenbock, aus der Zeit des kollektivistischen Sozialismus

Die Homogenitätswünsche verstärkten eine fremdenfeindliche Haltung gegenüber Muslimen in der Gegend des Landes in denen keine lebten und anderswo als alle ein vertrautes Land verloren hatten ohne es verlassen zu haben.

Die Homogenitätswünsche seien der narzisstischen Kränkung geschuldet, dass ein Inhomogener das mühsam erworbene innere Gleichgewicht wieder in Frage stellen könnte, was ihn geradezu als Sündenbock prädestiniere. Natürlich hat dieser Kulturschock stattgefunden, doch er kann nicht hinreichend die Regression der Ostdeutschen in den Ausschluss des Dritten begründen

Die Hypothese der Autorin ist, dass die Kollektivkultur der Nationalsozialisten eine staatlich fixierte Regression war, die sich bis in den Untergang der DDR verlängert hatte, und erst die Opposition in ihrer friedlichen Revolution aus ihr aus brach. Der Populismus trägt die Regression weiter und poliert mit seinen Homogenitätsanspruch die neue Identität der wiedervereinigten Deutschen. Weil das eine Hauptaufgabe ist, besitzt er kein eigenes Wertesystem. Er gebraucht nicht die Macht im Dienste einer Sache, Vision oder Konzeptes. Der Populismus ist ein quer gelaufener Verarbeitungsmodus eigenen Elendes, der Zeitenwende oder allgemeiner Überforderung.

Die AFD Wähler und die nicht in dieser Partei organisierten Rechtsradikalen schaffen es nicht aus dieser Regression auszutreten.

Vordergründig scheint ein Hauptwesensmerkmal des Populismus seine Anti-Establishment-Orientierung zu sein, in der das “einfache” Volk gegen die herrschenden gesellschaftlichen und politischen Eliten oder gegen das System protestiert. In ihm kam es im schamkulturellen Sektor der deutschen Gesellschaft zu Hassausbrüchen auf die existierende Kultur, auf den Kapitalismus etc., was sich im Schwarzen Block, den Hooligans, den Identitären, den ostdeutschen Bürgerbündnissen oder Reichsbürgern zeigt.

Hass als Antwort auf die eigenen zerbrochenen oder gebrochenen Elternhäuser oder Lebensentwürfe.

Umgeleitet wird dieser Hass auf Sündenböcke, die Oberen, die Polizisten, die Richter, die Lehrer, Ärzte, Politiker oder auf die Europäische Union. Somit wurde der Sündenbockmechanismus Kern linker oder rechtsradikaler Gewalt.

Der verängstigte Zeitgeist verstärkt, durch die als schleichend angenommene „Asylkatastrophe“ (16), den Wunsch nach Homogenität.

Deutschland und die Schutzsuchenden

Kaiser Wilhelm II. verkündete auf seiner II. Orientreise in Bagdad auf einem Bankett 1898 (17): “Möge seine Majestät der Sultan und mögen die 300 Millionen Mohammedaner, welche auf der Erde zerstreut leben, in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der deutsche Kaiser ihr Freund sein wird”.

Dieser Satz eines deutschen Kaisers, ist heute noch festgeschrieben im kollektiven Gedächtnis der Muslime, denn er wurde der Autorin öfters auf ihren Reisen durch den Orient zitiert. Er ist in den zerschellenden islamischen Staaten ein starkes Motiv für die Flucht in Richtung Bundesrepublik und nicht nur das volle Depot des Sozialstaates innerhalb seiner Willkommenskultur.

Wie tief die Ehre eines schutzsuchenden Familienvaters attackiert wird, wenn er nicht in der Lage ist, für die Seinen durch eigene Hände Arbeit in der Fremde zu sorgen, kann sich der Fremdenhasser gar nicht vorstellen, weil er seine eigenen Versorgungswünsche auf ihn projiziert.

Deshalb wird die vertrauensvolle Zuneigung von Menschen aus den islamischen Ländern mit Hasstiraden beantwortet.

Sie führen in die Spitze des Hassberges auf Facebook. Er signalisiert in der Anonymität, die Ohnmacht der Hassenden. Weil die Hassenden sich in einem Flügel der AFD sammeln, verwandelten sie ihre Ohnmacht in Macht. Dieser neue Machtzuwachs der Ohnmächtigen erlaubt Asylsuchende zu diskriminieren und im Anlauf das Recht des Stärkeren wieder durch zu setzen.

Begründet mit: “Ich hasse nicht meine Familie, meinen Vorgesetzten, den Staat, die mir die Erfüllung meiner Wünsche verweigern. Ich hasse, die Inhomogenen, oder andere Diskriminierte, die ich als Feinde des eigenen Deutschseins wahrnehme”. Sie alle tangieren die Homogenisierungssehnsucht im fremdenfeindlichen Sektor der Gesellschaft. In ihr sammelt sich der Rückstand aus den Bewusstseinsinhalten der Nazizeit und empfiehlt den Migranten die Heimreise anzutreten, oder behauptet der Islam gehöre nicht zu Europa (18).

Deshalb drängte sie -bei uns lebende Menschen mit Migrationshintergrund- in die Rolle der Strohpuppe, wie die Mordserie der bis in den Verfassungsschutz reichenden Nationalsozialistischen Untergrund-Connection offenbart.

In dieser Form des Machterwerbs brauchen die sich Ermächtigenden, Schwache, als Inkarnation des eigenen Unglücks.

Ein solch innerseelischer Verarbeitungsmodus greift in der Bevölkerung um sich.

Dieser Verarbeitungsmodus der Angst drängt die Schutzsuchenden in die Rolle der Strohpuppe. Sie soll die Ängste der Homogenitätssüchtigen exorzieren, wenn sie ihre Unterkünfte verglühen lassen.

Deshalb propagieren sie Positionen in denen sie versprechen die “Fata Morgana einer Welt, in der sich leben lässt und in der ganz unvorstellbar ist, dass man sie aus freien Stücken verlässt” (19), wie das unsere Schutzsuchenden scheinbar getan haben.

Sie befriedigen stammeskulturelle Bedürfnisse in der Anweisung, eine Welt zu denken, die gegen ihre Entwicklung möglich wäre, “eine Welt also (…), in der Begründungen nicht benötigt, nicht gesucht, nicht einmal entbehrt werden” (20).

Dadurch befriedigt sie ein mobilisierbares archaisches Sicherheitsbedürfnis im Menschen. In ihm soll alles gleich bleiben, und keine Veränderung irritieren oder ängstigen.

Populisten stabilisieren die Verleugnung, das Leben Veränderung bedeutet oder auch Abschied und innere Not deshalb, weil man in entscheidenden Momenten die moralische Integrität nicht besaß.

Zusätzlich bedienen sie die Exklusionswünsche des kleinen Mannes gegenüber den inhomogenen “Sozialstaatsschmarotzern”, Immigranten und Asylbewerbern. Sie geben vor die politische sowie soziale Teilhaberechte nur für den kleinen deutschen Mann zu reservieren.

Möglich wurde das “wahre Volk”, oder die “Bio-Deutschen”, in die Vorstellung eines nationalen Gleichschritts ein zu binden, weil mit den Schutzsuchenden und Migranten genügend Menschen für die Äußerungen ihres Hasses übrigbleiben.

Deshalb sitzt das “wahre” Volk in einer paranoiden Wagenburg, und zwingt die Verfremdeten die Rolle der Strohpuppe zu übernehmen, um sie verbrennen zu können.

Das “wahre deutsche Volk” wird jedoch nicht die Überhand gewinnen, weil inzwischen die Mehrheit in Deutschland weiß, wohin sein Zivilisationsbruch (21) führte, der einst mit ihm begann. Die antiregressiven Institutionen in der deutschen Demokratie sind deswegen die große zivilisatorische Errungenschaft, weil sie unser – von Panik gesteuertes – destruktives Potential – den Sündenbock der Vernichtung anheim geben zu können – oder als Bereitschaft Krieg zu führen – zumindest in Europa-in Verhandlung und Vertrag sublimiert haben.

Berlin 10. 9. 2017


Literatur

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(1) Friedrich von Dincklage-Campe: Kriegs-Erinnerungen, Bong & Company, Leipzig/Berlin 1895, S. 1.
(2) Buber Martin: Kampf um Israel; Schocken Verlag Berlin. 1933. S. 226
(3) Beck, Ulrich: Was ist Globalisierung? Irrtümer des Globalismus – Antworten auf Globalisierung, Frankfurt am Main 1999, S. 44. AYISH, Muhammad I.: Arab World Television in the Age of Globalization. An Analysis of Emerging Political, Economic, Cultural and Technological Patterns, Hamburg 2003, S. 69f.
(4) Freud Sigmund: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Kapitel 25 „Die Angst“ Studienausgabe 1974
(5) In Visegrád wurde am 15. Februar 1991 ein Freihandelsabkommen von den damaligen Gründerstaaten Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei beschlossen, um nach dem Ende von Ostblock und Kaltem Krieg die gemeinsamen Probleme möglichst kooperativ zu lösen. Ein weiteres Treffen der Gruppe erweitert mit Slowenien fand am 6. Oktober 1991 Visegrád statt. Im November 1998 haben die damaligen Regierungen bei einem Treffen in Budapest eine Wiederaufnahme der Zusammenarbeit in Form von regelmäßigen halbjährlichen Treffen beschlossen die inzwischen zu einem Treffen der EU-Visegrád- Staaten geworden sind.
(6) Scham- und Verantwortungskultur sind keine absoluten Kriterien weil jede Verantwortungskultur solche schamkulturellen Elemente enthält.
(7) Kant Immanuel: § 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft . in der Kritik der reinen praktischen Vernunft. S.54
(8) Freud Sigmund: Das Unbehagen in der Kultur, Kapitel 2 Studienausgabe, 1974
(9)arisch Sanskrit edel
(10) Neumann Franz, Herbert Marcuse, Otto Kirchheimer Hg. Raffaele Laudani: Im Kampf gegen Nazideutschland: Die Berichte der Frankfurter Schule für den … Campus Verlag 2016, S. 223
(11) Vgl. Freud S. Fragen der Gesellschaft Ursprünge der Religion Studienausgabe Frankfurt a. M. 1976 “Der Herdentrieb” S. 109-113
(12) Geibel Immanuel 1861
(13) Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie. Pearson Studium. 6. Auflage 2008. S. 448
(14) Die Sündenelimination in Lev 16, 20b -22 besteht aus dem Bekennen der Sünden über dem Bock und dem Fortschicken des „lebendigen Bockes“ in die Wüste. Er stellt ein Eliminationsritual dar und dient der Sühnung für Hohenpriester und Volk sowie der Reinigung von Heiligtum und Altar. Der Ritus wird von Aron als dem Hohenpriester vollzogen. Mit Hilfe der Handauflegung wird die als „Sündenschmutz“ verstandene Schuld auf den lebendigen Bock übertragen und so „das stofflich verstandene Böse räumlich entfernt“ (Janowski, 2000, 219; vgl. Janowski / Wilhelm, 1993, 129f; Maul, 1994, 6). Anschließend wird der so mit Sünden beladene Bock in die Wüste geschickt. Durch das Wegschicken des Bocks werden die Sünden „in das abgeschnittene Land“ fortgetragen (vgl. Lev 17,7), das für den Gegensatz zum kultisch reinen Lagerbereich steht. Zitiert nach Henrike Frey-Anthes in https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/31946/
(15) Laplanche/Pontalis Lexikon der Psychoanalyse. 1972 Suhrkamp S. 406)
(16) Fleischhauer Jan: Fürchtet euch! Spiegel Nr. 29. S. 32
(17) Klever, Ulrich: Das Weltreich der Türken. Vom Steppenvolk zur modernen Nation Bayreuth 1983. S. 380
(18) Parteiprogramm der AFD zur Wahl 2017 entnommen 2.). 2017
(19) Blumenberg, Hans: Theorie der Lebenswelt, hrsg. von Manfred Sommer, Berlin 2010, S. 230
(20) Ebd., S. 235.
(21) Dan Diner Hrsg.: Zivilisationsbruch: Denken nach Auschwitz. Fischer Taschenbuch 4398, Frankfurt am Main 1988

My Polacy / Wir, Polen

Patrzą na nas naukowcy / Die Wissenschaftler schauen uns an

Ważna sprawa, napisała w mailu referentka: sytuacja najnowszych migracji z Polski do Niemiec! 

Poprosiłam ją o kilka słów od siebie o tym, co bada, czym się zajmuje, o czym pisze:

W wioskach i miastach, na obrzeżach, ale już coraz częściej w popularnych dzielnicach mieszkają Polki i Polacy. Mieszkają lub pomieszkują, jeżdżą w te i we wte albo nie jeżdżą już wcale do Polski właśnie, bo na jesieni długo się jedzie, pociągi się psują i łatwo spóźnić się do pracy w Niemczech.
A pracują wiele. Niemieckie statystyki podają, że najczęściej ponad 40 godzin tygodniowo, i w soboty też. Pracują w nowych formach zatrudnienia, czyli takich, które nie dają długotrwałego bezpieczeństwa socjalnego. Ale co tam. Wspaniale się zintegrowali. Pracują ładnie. Są zawzięci. Byle spłacić następny kredyt, byle posłać córkę na studia. A co z ich zaangażowaniem społecznym i politycznym? A co z równym traktowaniem? Czy mają równe prawa jako obywatele Unii Europejskiej? Kto się przejmuje ich losem, gdy nie mają na utrzymanie? Czy komuś zależy, żeby ich włączyć w społeczeństwo przyjmujące? Co to w ogóle oznacza? Czy niemiecka polityka ma odpowiedzi na potrzeby tych współczesnych podróżników pomiędzy dwoma krajami, których połączył w 1991 roku Traktat, co to teraz jednak niekiedy dzieli? O meandrach niemieckiej i polskiej oraz europejskiej polityki wobec polskich migrantów mowa będzie w następny wtorek w ramach Colloqium Klausa Zernacka.

Klaus Zernack Colloquium, 17. Oktober 2017

Vortragsreihe Migrationsprozesse und Kulturtransfer. Deutsche und polnische Kontexte

Prof. Dr. Michael G. Müller und Prof. Dr. Robert Traba laden gemeinsam mit Prof. Dr. Igor Kąkolewski ein
zum Vortrag von

Dr. Kamila Schöll-Mazurek
Integrations- und Poloniapolitik.  Erfüllen sie ihre Funktion für polnische Neuemigranten in Deutschland?

Kommentar:
Prof. Dr. Magdalena Nowicka (Berlin)

Dienstag, den 17. Oktober 2017, 19:00 Uhr

Bibliothek des Zentrums für Historische Forschung Berlin

der Polnischen Akademie der Wissenschaften

Majakowskiring 47

13156 Berlin-Pankow

783 085 polnische Immigranten leben derzeit in Deutschland, weitere suchen hier eine Perspektive. Gleichzeitig kamen viele Flüchtlinge nach Deutschland. Deshalb verschiebt sich der Fokus der deutschen Politik. Neben diesen aktuellen Herausforderungen bekommt die Integration der länger hier lebenden Migranten, vor allem aus der der Türkei und den nordafrikanischen Ländern, mehr Aufmerksamkeit. Die polnischen Zuwanderer werden auch als Strebermigranten oder unsichtbare Migranten bezeichnet, die sich hervorragend integriert haben. Was ist das eigentlich für eine Integration? Sind die Instrumente der Integrationspolitik für diese Gruppe angepasst? Wie ist diese Politik konstruiert und für wen?

In ihrem Vortrag stellt Dr. Kamila Schöll-Mazurek die Überzeugung infrage, dass die polnischen Immigranten in Deutschland hervorragend integriert sind. Sie zeigt, dass in einer Situation, wo die Politik auf viele Herausforderungen reagieren muss, die Grenze fließend ist.

Die Grenze zwischen Integration als Selbstläufer, wie sie sich in den Biografien zahlreicher polnischer Migranten zeigt, und einem verborgenen Scheitern, bei dem polnische Arbeitsnehmer zwar äußerlich integriert wirken, sich aber durch Schwarzarbeit um ihre Rente bringen, ihre Kinder bei den Großeltern aufwachsen lassen und durch ständiges Pendeln in beiden Gesellschaften den Anschluss verlieren.

Dr. Kamila Schöll-Mazurek forscht am Zentrum für Interdisziplinäre Polenstudien an Europa-Universität Viadrina. Sie promovierte 2010 über die rot-grüne deutsche Außenpolitik gegenüber Polen. 2017 erscheint ihre Monografie über die Situation der Neu-Immigranten aus Polen in Deutschland in ausgewählten Lebensbereichen (K. Schöll-Mazurek, Między polityką integracyjną a polityką polonijną. Status najnowszych polskich migrantów w Niemczech wybranych obszarach po 2011 roku, Księgarnia Akademicka, Kraków 2017).