2 Mal Don Quijote

Der Widerspenstigen Zähmung

Gefunden und zgeschickt von Tibor Jagielski am 9. Januar, also am Jahrestag des Friedens von Jassy.

James Gillray – Library of Congress, Prints & Photographs Division, LC-USZC4-6756 (color film copy transparency), uncompressed archival TIFF version (51 MB), level color (pick white point), cropped, and converted to JPEG (quality level 88) with the GIMP 2.4.5. (public domain)

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Mein Vater Alfons

Lutz Baumann

Als mein Vater im Oktober 1909 in der Kreuzberger Reichenbergerstr. 9 geboren wurde, waren seine sieben Schwestern schon auf der Welt. Sein Vater, Wilhelm Baumann, geb. 1868 in Strelno/ Schlesien als unehelicher Sohn eines Gutsinspektors, verschlug es nach Reichsgründung und Ableistung seines Wehrdienstes nach Berlin in die Reichshauptstadt. Hier hoffte er sein Glück zu finden. Erst wohnte er mit seiner Frau in einer Laubenkolonie vor den Toren von Berlin. Dann gelang es ihn, in Kreuzberg eine Wohnung zu mieten. Seine Frau, die er in Berlin kennenlernte und heiratete, war die uneheliche Tochter eines eines Adligen. Sie stammte aus Hettstett in Sachsen /Anhalt. Das erste Kind, älteste Schwester meines Vaters, meine Tante Lydia kam 1895 auf die Welt und meine Tanten erzählten mir, dass ihre Mutter fast jedes Jahr schwanger wurde. Es folgten immer wieder Abtreibungen und die letzte im Jahre 1911 überlebte sie nicht. Da war sie 42 Jahre alt. Nach meinem Vater Alfons wurden keine weiteren Kinder lebend geboren. Die acht Kinder wuchsen dann ohne Mutter auf. Alle meine Tanten sind in Kreuzberg zur Schule gegangen und haben einen Beruf erlernt.

Mein Vater mit Hut als er, anfang der Zwanzigerjahre in Kopenhagen lebte.

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Frauenblick auf die Schönheit

Monika Wrzosek-Müller

Kunstbetrachtungen in grauen Tagen

Die Tage sind eher unfreundlich, wir haben einen richtigen Winter; die Traktoren mit unzufriedenen Bauern rollen über die Straßen, auf den Gehwegen türmt sich der nicht geräumte Schnee. So habe ich angefangen, an schöne Dinge, an Schönheit zu denken und mir sind die letzte Ausstellung über Hayez in Turin und der Film über die Vermeer-Ausstellung eingefallen, und dann war ich letztens auch in dem Film über die Künstlerfamilie Giacometti. Ist euch aufgefallen, dass es im Kino immer mehr sehr gute Dokumentarfilme gibt (nur 2023: Joan Baez: I Am a Noise, Lagunaria, Anselm-Das Rauschen der Zeit, Heaven can wait etc…)? Was bedeutet das, was sagt das über uns aus, über unsere Zeit? Sehen wir uns gerne unsere glorreichen Storys an, Menschen mit großen Talenten – so als ob wir Angst hätten, unsere Zeit würde keine solchen Genies mehr hervorbringen, oder wollen ihnen gedenken?…

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Die Sache mit Deutschlands historischer Verantwortung

Michael G. Müller

Ende 2023 besucht eine polnische Journalistin ein Gymnasium in Frankfurt am Main. Sie spricht mit einem Lehrer und etlichen Schülerinnen und Schülern – um herauszufinden, was junge Deutsche über die Geschichte des deutschen Besatzungsterrors in Polen im Zweiten Weltkrieg lernen und wissen (wir berichteten darüber). Die Befragten zeigen sich offen und gesprächsfreudig, aber das Ergebnis ist dennoch niederschmetternd. Der eigentlich hoch engagierte Geschichtslehrer berichtet, wie schwierig es ist, in der knappen Zeit, die ihm für die Behandlung von NS-Regime und Zweitem Weltkrieg zur Verfügung steht (gerade einmal fünf Doppelstunden!), der Aufgabe gerecht zu werden. Trotzdem gibt er nicht auf, lädt Zeitzeugen in den Unterricht ein und organisiert Klassenfahrten nach Auschwitz oder Dachau, hat sogar ein Austauschprogramm mit einer Schule in Krakau eingefädelt (das allerdings die polnischen Partner zu PiS-Zeiten wieder einschlafen ließen). Am Lehrer liegt es jedenfalls nicht.

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Wim Wenders und die Nobeltoiletten von Shibuya

Michael G. Müller

Als ich aus dem Wenders-Film „Perfect Days“ kam, war ich beeindruckt und verwirrt zugleich. Beeindruckt war ich von den atemberaubenden Bildern von Tokio (meistens von den schöneren Seiten), von der wunderbaren Hauptfigur (dargestellt von Kōji Yakusho) mit ihrer irgendwie geheimnisvollen Geschichte – ja und natürlich von den öffentlichen Toiletten in Shibuja, nicht nur Tempel zivilisierter öffentlicher Hygiene, sondern auch kleine architektonische Meisterwerke. Sie entstanden übrigens im Rahmen des Prestigeprojekts The Tokyo Toilet, über das man sich auf der Homepage tokyotoilet.jp kundig machen kann.

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Frauenblick: Mary Ellen Mark Encounters

Monika Wrzosek-Müller

Eine Fotoausstellung

In der Zeit zwischen den Jahren, wenn „alles schläft“, habe ich mir eine sehr gute, inspirierende Fotoausstellung in C/O Berlin angeschaut. Auf den Gedanken „alles schläft“ bin ich gekommen, weil wir praktisch fast die einzigen Besucher der großen Retrospektive von Mary Ellen Mark waren. Dabei erinnere ich mich an die Menschenmassen in der Ausstellung Genesis von Sebastiao Salgado von 2015 in derselben Institution, wo man warten musste, um jeweils an die nächste Fotografie herankommen zu können, an die riesigen, wahnsinnig schönen Fotografien, die sich damals angeblich auch zu unheimlichen Preisen verkauften. Die inszenierte Natur auf diesen Fotos war so perfekt, die Naturvölker darin so in Szene gesetzt, dass sie fast unnatürlich wirkten; doch die Fotos an sich waren wirklich unglaublich, überirdisch schön. Warum fällt mir die alte Ausstellung jetzt plötzlich ein? Vielleicht weil sie eine ganz andere fotografische Vorgehens- und Arbeitsweise zeigt, die im krassen Gegensatz zu der jetzigen Retrospektive steht.

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Friedensengel

Brigitte von Ungern-Sternberg

An Sylvester hörte ich ein Konzert mit Trompete und Orgel in der Samariterkirche im Prenzlauer Berg – eine Stunde lang Barockmusik mit diesen Instrumenten.

Ich hatte in dieser Stunde Zeit, an der nächsten Säule eine Skulptur zu studieren: einen Engel, der zu „Friede auf Erden“ mahnt, darunter als Unterstützung einen ‚Grünen Mann‘.  Dieser taucht gelegentlich besonders in gotischen Kirchen auf, jetzt also in dieser neugotischen Berliner Kirche. 

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