Begriffe des Krieges 1: Hamas (Reblog)

Hamas, Naher Osten, Palästinensa

© ddp / APAImages / Polaris Images


Ein erklärtes Hauptziel der radikalislamischen Hamas ist die Zerstörung Israels durch Waffengewalt und die Errichtung eines islamischen Staates in dessen Gebiet. Wo hat die palästinensische Organisation, die sich vor 16 Jahren an die Macht im Gazastreifen putschte, ihren Ursprung?

Die Hamas gilt als palästinensischer Ableger der sunnitischen, in Ägypten gegründeten Muslimbruderschaft, die mittlerweile im ganzen Nahen Osten verbreitet ist. Der Name Hamas ist das arabische Akronym für Islamische Widerstandsbewegung. Im Bild trägt ein Hamas-Anhänger die Flagge der Organisation.

© ddp / APAImages / Polaris/APAImages

Gegründet Ende der 80er Jahre, versteht sich die Hamas als Gegenpol zu der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) Jassir Arafats, die anders als die Hamas nicht-religiös ist und das Existenzrecht Israels anerkennt. Als die PLO in den 90er Jahren Friedensgespräche mit Israel startete, lehnte die Hamas diese ab. Arafat links im Bild neben Hamas-Gründer Ahmed Jassin.

© ddp/Apaimages/Polaris/Ali Jadallah

Die Popularität der Hamas unter den Palästinensern wuchs rasant. Die Hamas galt als weniger korrupt als die PLO und die Fatah, deren stärkste Fraktion. Gleichzeitig gründete sie Schulen und Krankenhäuser, reparierte Straßen und unterstützte arme Palästinenser finanziell. Im Foto eine von Hamas gegründete Schule in Gaza im Jahr 2006.

© ddp/UPI/UPI

Die Hamas besteht aus einem politischen, einem wohltätigen sowie einem bewaffneten Zweig, den sogenannten Essedin-al-Kassam-Brigaden (Bild). Diese sind in der Europäischen Union, den USA und zahlreichen anderen Staaten als Terrororganisation eingestuft.

© ddp / APAImages / Polaris Images

Hamas-Kämpfer verübten seit den 90er Jahren zahlreiche Terroranschläge in Israel, auch gegen Zivilisten, wie bei diesem Selbstmordanschlag in einem öffentlichen Bus in der Stadt Bat Jam nahe Tel Aviv im Dezember 2013.

© ddp/Xinhua / eyevine


Die Hamas gewann 2006 mit absoluter Mehrheit die Wahlen zum palästinensischen Parlament. Ismail Hanija (Hamas), links im Bild neben Palästinenserpräsident Mahmud Abbas (Fatah), wurde zum Ministerpräsidenten. Aufgrund des internationalen Drucks trat die Hamas-Regierung nach wenigen Monaten zurück und ging eine Koalition mit Fatah ein.

© ddp/Polaris/Polaris Images

Allerdings verschärften sich die Rivalitäten zwischen der Hamas und der Fatah und es kam zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen Palästinenserfraktionen im Gazastreifen mit zahlreichen Toten. Im Juni 2007 übernahm die Hamas schließlich die Macht im Gazastreifen. Im Westjordanland regiert seitdem hingegen eine Notstandregierung unter Führung von Abbas.

© ddp / Polaris/Naaman Omar

Der Gazastreifen ist ein Küstengebiet am östlichen Mittelmeer zwischen Israel und Ägypten von nur etwa 40 mal zehn Kilometer. Dort leben mittlerweile zwei Millionen Palästinenser. Es gehört somit zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde. Das Foto zeigt ein aktuelles Bild von Gaza-Stadt.

© ddp/abaca press/AA

Israel zog sich 2005 aus dem Gazastreifen zurück. Alle Soldaten wurden abgezogen, jüdische Siedlerfamilien evakuiert, wie hier in der Siedlung Tel Katifa. Die sogenannte israelische “Abkopplung” des Gazastreifens sollte den Frieden mit den Palästinensern vorantreiben. Diese sorgte allerdings für starke Proteste unter der israelischen Bevölkerung.

© ddp/Polaris/Ziv Koren

Hanija (links im Vordergrund) ist seit 2007 der politische Hamas-Chef im Gazastreifen. Ein weiterer wichtiger Hamas-Führer ist der im Exil in Damaskus lebende Chalid Maschal, rechts im Bild bei einem Besuch im Gazastreifen im Dezember 2012.

© ddp/UPI/UPI

Nach dem Putsch der Hamas 2007 verhängte Israel eine strenge Luft-, See- und Landblockade des Gazastreifens. Exporte sind verboten, Einfuhren stark eingeschränkt und werden von Israel streng kontrolliert. Im Bild ein palästinensischer Protest an der Grenzanlage des Gazastreifens.

© ddp/SOPA IMAGES

Seitdem dürfen nur Palästinenser mit Sondergenehmigung in Gaza ein- und ausreisen. Dafür müssen sie sich aufwendigen Sicherheitskontrollen unterziehen, wie hier am Grenzübergang Erez im Norden des Gazastreifens.

© ddp/SIPA USA

Hauptangriffswaffe der Hamas gegen Israel sind die Kassam-Raketen, wie hier im Bild. Die Hamas feuert sie bis zu hundertfach pro Tag auf israelische Städte in der Nähe des Gazastreifens ab. Die Reichweite ist im Laufe der Jahre deutlich gewachsen. Die neueren Kassams sollen bis zu vierzig Kilometer fliegen und damit den Ballungsraum von Tel Aviv erreichen können.

© ddp/ZUMA/Ashraf Amra

Für den Bau der Kassams nutzen Hamas-Kämpfer unter anderem Abflussrohre aus Stahl. Die Treibstoffmischung besteht unter anderem aus Zucker und Salpeter. Als Sprengstoff wird eingeschmuggeltes TNT benutzt, bis zu 15 Kilo pro Rakete.

© ddp / APAImages / Polaris/Abed Rahim Khatib

Am stärksten von den Raketenangriffen betroffen ist die benachbarte israelische Stadt Sderot. Dort wurden Luftschutzbunker an den Bushaltestellen installiert. Alarmsignale warnen von dem Abschuss von Raketen. Das geschieht selbst zu ruhigen Zeiten mehrmals am Tag. Die Raketen verursachen in Sderot materielle Schäden und immer wieder auch menschliche Opfer.

© ddp/UPI/UPI

2010 nahm Israel das Raketenabwehrsystem Iron Dome in Betrieb. Damit wird ein Großteil der aus dem Gazastreifen abgeschossenen Kassam-Raketen in der Luft abgeschossen und zerstört.

© ddp/abaca press/AA


Eine mobile Iron-Dome-Batterie in der Nähe von Sderot.

© ddp/SOPA Images

Die Palästinenser umgehen die israelische Blockade vor allem mit dem Bau von Tunneln an der Grenze zu Ägypten. Dadurch werden Menschen, Lebensmittel und Waren aller Art eingeschmuggelt, darunter wohl auch Waffen. Die Szenen aus den letzten Tagen haben Fragen aufgeworfen, wie die Hamas an schwere Waffen und komplexe Waffensysteme gekommen ist.

© ddp/eyevine

Mittlerweile ist es der Hamas auch gelungen, geheime Tunnel an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel zu bauen. Diese werden von der Hamas streng bewacht, wie hier im Bild, und vor allem benutzt, um Menschen illegal zu schmuggeln.

© ddp/abaca press/AA

Durch einen dieser Tunnel wurde der israelische Soldat Gilad Schalit 2006 von Hamas-Kämpfer entführt und in den Gaza-Streifen verschleppt. Schalit (Bild) wurde an einen unbekannten Ort in Gaza gebracht und fünf Jahre später gegen mehr als 1.000 inhaftierte Palästinenser ausgetauscht. Jetzt soll es um mehrere Dutzende entführter Israelis gehen.

© ddp/UPI/UPI

Keine der bisherigen Auseinandersetzungn hat annähernd so viele israelische Opfer gekostet, wie der neue Überraschungsangriff der Hamas. Ein gleichzeitiger Hamas-Angriff auf Israel per Luft und Boden mit Hunderten von israelischen Toten und Entführungen hatte es bis dato noch nicht gegeben.

© ddp/Xinhua/eyevine

Gedanken zum Tag der Einheit

Brigitte von Ungern-Sternberg

Geschrieben am Tag der Einheit, 3. Oktober 2023:

Ich habe vor kurzem auf youtube die vierteilige Serie ‚Deutsche und Polen‘ (Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg, 2002) wiedergesehen – in allen Teilen eine sehr sehenswerte, wertvolle Fernsehproduktion!

Der letzte Teil betitelt ‘Vertreibung, Erstarrung, Versöhnung‘  hat mich am meisten bewegt.  Es geht um die Geschichte einer Nachbarschaft in der langen Phase der Nachkriegszeit, in der ich aufgewachsen bin in den Jahrzehnten des ‚eisernen Vorhangs‘,  des Fallen dieses ‚Vorhangs‘  1989 und den Folgejahren darnach. 

Continue reading “Gedanken zum Tag der Einheit”

Frauenblick. Graue Bienen…

…von Andrej Kurkov, Erinnerung an den zukünftigen Krieg

Monika Wrzosek-Müller

Die Handlung des Romans entwickelt sich langsam, bedächtig, um nicht zu sagen schwerfällig. Der Leser wird Schritt für Schritt in die „graue Zone“ eingeführt, in das Niemandsland an der Front zwischen ukrainischen Regierungstruppen und den Verbänden der russisch kontrollierten „Volksrepublik Donezk“ – eingeführt in den Alltag dort um 2016/2017. Es passiert wenig, nur die Natur ändert sich mit dem Licht etwas. Die Handlung setzt noch im Winter ein, der Himmel ist grau und grau ist auch das Leben rundherum. Beschrieben wird die laute Stille, die herausfordernde Stille: ihre Arten und Abarten; ohne Strom, ohne jegliche Infrastruktur, ohne Nachbarn, in einem Nichts, in dem Dorf Malaja Starogradowka, das zum Untergang verurteilt ist, auf ein Minimum reduziert. Die Bewohner sind geflüchtet, haben ihre Fenster und Türen mit Brettern vernagelt, die beiden einzigen Verbliebenen, Sergej und Paschka, leben nicht weit voneinander entfernt, aber eher wie Katz und Maus, „Freundfeind“; der eine traut dem anderen nicht. Sie gehören auch zu verschiedenen Lagern; während Paschka mit den pro-russischen Separatisten kooperiert, ist Sergej Sergejiwitsch eher ein unauffälliger Ukrainer. Beide haben etwas im Leben verpasst, sind Rentner ohne Familienangehörige. Ab und zu hören sie Detonationen, es zischen Raketen über ihre Dächer, sie sehen einen Toten auf dem Feld liegen, zu dem sie nicht ohne Gefahr vordringen können. Uns, den Lesern, bleibt aber immer wieder völlig unverständlich, wie sie dort eigentlich überleben. Und wir verfallen diesen stimmungsvollen Bildern, die Kurkov für uns zeichnet.

Continue reading “Frauenblick. Graue Bienen…”

Die fünfte Jahreszeit…

…ein Dialog zwischen den Dichter in Tegel – Süd

Wenn der Sommer vorbei ist und die Ernte in die Scheunen gebracht ist, wenn sich die Natur niederlegt, wie ein ganz altes Pferd, das sich im Stall hinlegt, so müde ist es – wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe Herbst noch nicht angefangen hat – dann ist die fünfte Jahreszeit.

Nun ruht es. Die Natur hält den Atem an; an andern Tagen atmet sie unmerklich aus leise wogender Brust. Nun ist alles vorüber: geboren ist, gereift ist, gewachsen ist, gelaicht ist, geerntet ist – nun ist es vorüber. Nun sind da noch die Blätter und die Gräser und die Sträucher, aber im Augenblick dient das zu gar nichts; wenn überhaupt in der Natur ein Zweck verborgen ist: im Augenblick steht das Räderwerk still. Es ruht.


Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht, im Licht sind wirklich schwarze Töne, tiefes Altgold liegt unter den Buchen, Pflaumenblau auf den Höhen … kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still. Blank sind die Farben, der See liegt wie gemalt, es ist ganz still. Boot, das flußab gleitet, Aufgespartes wird dahingegeben – es ruht.

So vier, so acht Tage – Und dann geht etwas vor.

Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft – es ist etwas geschehen; so lange hat sich der Kubus noch gehalten, er hat geschwankt … na … na …, und nun ist er auf die andere Seite gefallen. Noch ist alles wie gestern: die Blätter, die Bäume, die Sträucher … aber nun ist alles anders. Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen – nun geht es in einen klaren Herbst. Wie viele hast du? Dies ist einer davon. Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht, es solle nie, nie aufhören. Es ist die Zeit, in der ältere Herren sehr sentimental werden – es ist nicht der Johannistrieb, es ist etwas andres. Es ist: optimistische Todesahnung, eine fröhliche Erkenntnis des Endes. Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre.

Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.

——————————————————————-

Mein lieber Herr Tibor, das verlassen der Bäume ist das Grundübel der Gesellschaftsformen und deren Kriege. Ich habe mir schon einen Baum ausgesucht. Allerdings bin ich nicht der einzige, der auf diesem Baum “sein Auge geworfen hat, da standen schon andere, und sofort kam es zu aggressiven Handlungen untereinander. Die einen wollten einen Ast mit Balkon, die anderen wollten einen Ast mit Garage. Ich meine, so geht es doch nicht, darum verließ ich das Geschehen, um diese Problematik am Staun Tisch *) zu besprechen. 

In diesem Sinn oder so ähnlich, Jawollja, das meint auch der Sanitätsgefreite Neumann.

 Er ist eigentlich Pole, hat seinen Namen nur “Eindeutschen” lassen. 

———————————————————————————————–

*) Staun Tisch – das wöchentliche Treffen der Tegeler Dichter am Emstaler Platz in Jahren 2012 – 2018

A(n)namorphosis

Katarzyna Mazur

Schrieb:

Liebe Freund*innen, Kolleg*innen und Bekannte,

ich möchte Euch ganz herzlich zur der Eröffnung meiner Ausstellung A(n)namorphosis einladen!

Wann? Diesen Freitag, den 22.09.2023 19 Uhr


Opening:
22.09.2023 at 7pm
Talk with Katarzyna Mazur and Sara-Lena Maierhofer
Exhibition until 27.10.2023
Only by appointment: info@kominek-gallery.com

Wo?  Kominek Gallery, Berlin Prenzlauer Berg
Immanuelkirch Str. 25
10405 Berlin

Continue reading “A(n)namorphosis”

Irena-Bobowska-Baum in Berlin

Über Irena Bobowska wurde im letzten Jahr auf diesem Blog mehrere Male geschrieben. Anna Krenz und ich veranstalteten im September 2022 vier Veranstaltungen über das Leben und dem Tod dieser jungen Polin, die, von der Kindheit her gehbehindert, in ihrem kurzem Leben soviel schaffen konnte. Sie war eine Dichterin und Zeichnerin, eine soziale Aktivistin, eine Pfadfinderin. Eine Konspiratorin, die sich, wie Millionen anderer Polinnen und Polen wärend des 2. Weltkrieges gegen die Unrecht-Macht der Nazis in ihrer Heimat einsetzten. Am 3. September 1920 in Poznań (Posen) in Polen geboren, starb sie den Heldinnen-Tod am 26. September 1942, hingerichtet durch die Guillotine im Berliner Todes-Gefängnis Plötzensee.

Continue reading “Irena-Bobowska-Baum in Berlin”

Reblog: Wann wir nerven

In einer Studie haben neuseeländische Tourismusforscher untersucht, welche Verhaltensweisen von Reisenden den Einheimischen besonders auf die Nerven gehen. Dazu werteten sie 2.088 Einträge des Online-Forums Reddit aus. Aus den Antworten leiteten sie die nervigsten Touri-Typen ab. Hier die Top Ten.

Teaserbild: © Getty Images/iStockphoto/shalunts

Neuseeländische Tourismusforschende sind der Frage nachgegangen, welche Verhaltensweisen von Reisenden den Einheimischen besonders auf die Nerven gehen.

Dazu fragten die Forschenden im Online-Forum Reddit nach nervigen Verhaltensweisen von Touristen. Aus insgesamt 2.088 Einträgen leiteten die Wissenschaftler dann 13 Touristen-Typen ab, die mit ihrem Verhalten für Unmut bei den Einheimischen sorgen. Welche zehn typischen Verhaltensweisen am häufigsten genannt werden – und am meisten nerven.

Continue reading “Reblog: Wann wir nerven”

Wiersze z brodą i bez (27)

Jakob van Hoddis 
(16.05.1887,  Berlin – am 30.05.1942 von den Nazis deportiert; genaues Platz und Todesdatum unbekannt)

Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei,
Dachdecker stürzen ab und gehen entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Else Lasker – Schüler
(11.02.1869, Elberfeld – 22.01.1945, Jerusalem)

Weltende

Es ist ein Weinen in der Welt,
Als ob der liebe Gott gestorben wär,
Und der bleierne Schatten, der niederfällt,
Lastet grabesschwer.

Komm, wir wollen uns näher verbergen…
Das Leben liegt in aller Herzen
Wie in Särgen.

Du! wir wollen uns tief küssen –
Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,
An der wir sterben müssen.