„Biste bescheuert…“ – ein ganz normaler Tag in Berlin
Ich stehe (für meine Verhältnisse) früh auf, weil ich vor zehn Uhr nach Pankow kommen muss – zu einem wissenschaftlichen workshop. Gut, ich stehe also in unserer Charlottenburger Wohnung rechtzeitig auf, esse ein schnelles Frühstück, schaue dabei auf den netten kleinen Park vor unserem Wohnkomplex und mache mich dann auf den Weg zur S-Bahn. Ich begegne gleich um die Ecke einer älteren Frau – habe sie schon öfter gesehen – mit langen grauen Haaren, etwas gehbehindert, eigentlich freundlich; diesmal wird sie von einer jungen Betreuungskraft (?) begleitet. Heute hat die Frau riesig lange rote Krallen auf ihre Finger gesetzt und sie beschwert sich laut. Die Betreuerin redet „vernünftig“ mit ihr; es geht um irgendeine Beschwerde, wegen derer die Frau unbedingt die Verbraucherzentrale anrufen will. Die Betreuerin bugsiert sie freundlich in die S-Bahn…
Um von fast Meereshöhe auf 1100 zu kommen, braucht man einige Zeit und vor allem gute Straßen; heutzutage ist das auch kein Problem, aber wie haben sie das in der Antike geschafft, noch dazu riesige Steinblöcke transportiert, große Anlagen, Mauern, Aquädukte gebaut? Diese Fragen beschäftigen mich die ganze Zeit während dieses Ausflugs.
Wir fahren mit einem ältlichen Renault, der faucht und schwitzt und die Erhebungen vor sich eher nicht mag. Später, auf dem Rückweg wird alles leichter, immer wieder muss man bremsen.
Hallo, hier ist das SprachCafé im Ohr! Das zweite Jahr des Projekts “SprachCafé im Ohr” für mehrsprachige Familien, ErzieherInnen, PädagogInnen und Lehrkräfte hat begonnen. Das “SprachCafé im Ohr” ist ein auf drei Jahre angelegtes Projekt des Vereins SprachCafé Polnisch aus Berlin, das sich an alle richtet, die sich privat oder beruflich mit dem Thema Mehrsprachigkeit sowie mehrsprachige Erziehung beschäftigen. Es besteht aus kostenlosen telefonischen Beratungen in 14 Sprachen durch geschultes Beraterinnen-Team sowie aus internationalen FamilienCafés. Unsere Beraterinnen kommen aus verschiedenen Ländern, leben in Berlin und haben durch Beruf und Familie direkten Kontakt zu Fragen der Mehrsprachigkeit in ihren Communities.
Du dachtest immer, dass es plötzlich passiert: alle Lampen gehen gleichzeitig aus, weil jemand über Nacht die Macht an sich gerissen und jetzt das Sagen hat. Willkürliche Verbote, keine Meinungsfreiheit mehr, Gefängnisse füllen sich mit Unschuldigen. Aber, kein Grund zur Sorge oder gar Vorsorge: so etwas passiert nur in Ländern, die vorher auch schon suspekt waren, und nicht bei uns. Denn wir haben Delikatesse! Das ist nicht nur das bessere, sondern das beste. Delikatesse gibt es nur in Europa, oder in Ländern, die Europäer*innen besiedelt haben. Die Delikatesse ist sogar in Europa geboren, deshalb stolzieren wir. Auch wenn schon von Anfang an nicht alle einen Löffel in die Hand bekommen haben, und das bis heute so geblieben ist, gilt die Delikatesse bei den Privilegierten als Musterbeispiel der Gleichberechtigung und gut gefeit gegen alles Ungenießbare.
Eine maximal gekürzte Beschreibung aus Wikipedia: Ein Hindu-Tempel, der der Göttin Bhadrakali gewidmet ist, einer Version der Kali, errichtet in Trincomalee, Ostprovinz, Sri Lanka, der Teil einen alten und großen Komplex miteinander verbundener Schreine ist, alle errichtet im dravidischen Architektur-Stil. Der Tempel hat schon vor dem 11. Jahrhundert Pilger angezogen.
Die Beschreibung ist gekürzt, weil es voll von Nichtigkeiten ist, um zu verschleiern, dass – wie die Autorinnen meinen – die Hindus selber nicht wissen, wer und wann den Tempel errichtet hatte, und die prude Wikipedia Beschreibung vergisst zu erwähnen, dass es ein Kali-Schrein ist, das vor allem aus den Penissen gesteht. Und man weiß nicht genau, welcher Esel zu welchen Penis gehört, und welcher Mund welchen Kind verschluckt.
Immer wieder finde ich bei dem Facebook oder Instagram eine Aufforderung, dass ich in Google “ich liebe” schreibe und sehe, was mir diese omnipotente Suchmaschine vorschlägt. In einem Samstag-Mood habe ich es gemacht und dies in sofort, als erster Stelle und gleich mehrfach gekommen:
Das Lied auf YouTube ist zwei Jahre alt – für Social Media schon sehr alt. Ich kenne das Lied nicht, die Musik nicht und keinen der vier Musiker.
Der ungeheure Reichtum der Natur um Antalya zieht nicht erst heute geballten Tourismus und große Menschenmassen an. Das Taurusgebirge, eine Bergkette mit Gipfeln über 4.000 Meter, und bei Antalya, auf dem „Lykischen Weg“, mit mehreren 3.000ern, bildet ein riesiges Wasserreservoir für die Region. Zwar schmelzen die Schneemassen immer schneller und der künstlich geschaffene Skiort Saklikent (1.850-2.547 m) ist wenig frequentiert und nicht schneesicher. Doch in den Flüssen und Seen gibt es reichlich Wasser; in der ganzen Ebene mangelt es daran auch in den heißen, trockenen Sommermonaten nicht, auch nicht für den Massentourismus in den Hotelburgen, auch nicht für die zahlreichen Treibhäuser mit Gemüse, Obst und Blumen. Dieses Paradies haben schon die verschiedensten Völker in entlegensten Zeiten zu schätzen gewusst.
Vielleicht haben nicht alle in Pokopedia reingeschaut, doch es lohnt die Mühe, auf die Website zu gehen und wenigstens einige Einträge zu lesen. Zugegeben, es sind grausige Geschichten, wahre Tragödien im griechischen Sinne, bei denen es keinen positiven Ausgang gibt, geben kann. Doch das Wissen darüber müsste eben in unserer Zeit verbreitet werden, denn ich glaube ganz tief, dass nur durch das Wissen über die vergangenen Gräueltaten die nächsten verhindert werden können, wenn überhaupt. Dazu habe ich dieses Interview gelesen und gedacht, das drückt genau aus, was ich mit meiner Teilnahme an dem Projekt Polkopedia meine.
Ist das Verreisen, sich auf die Reise machen nicht etwa eine Flucht vor sich selbst, vor den eigenen Problemen, den ewigen Freunden und Feinden, den gleichbleibenden Wegen, dem schlechten Wetter und dem gewohnten Essen, den Nachrichten des Tages, der ewigen Routine, der Langeweile…? Doch, man macht sich auf, fährt möglichst weit weg und nimmt sich selbst natürlich auch mit. So kann man den eigenen Weg immer fortsetzen, ganz weit weg fliehen, auf die Suche gehen und sich selbst doch dann auch überall mitnehmen, mit dem uns allen bekannten Don Quijote wandern. Manchmal aber reichen kleine Veränderungen, um etwas gelassener und optimistischer auf die Welt rundherum zu blicken; es ändert sich vielleicht das Wetter und die Ausblicke sind unbekannt und ganz neu, und wenn sie noch wirklich schön sind, die Menschen um einen herum herzlich, freundlich, zufrieden, dann lebt man auf, versucht neue Perspektiven auf eigenes Leben zu entwickeln. Also irgendwie doch ein Plädoyer für das Reisen?
Bei der Polkopedia veröffentlichten wir letztens 30 Biographien von Polinnen, die während des Zweiten Weltkrieges hingerichtet worden sind. Enthauptet. Meistens für Hoch- bzw. Landesverrat, Heimtücke, Begünstigung des Feindes – dies bedeutete oft Stückchen Brot und Becher Tee. Seltener waren es andere Beschuldigungen, zum Beispiel Brandstiftung.
20 Personen, Polen* und Deutsche* schrieben über diese Frauen oder gedachten sie in anderer Weise. Es entstanden Texte, Gedichte, eine theatralische Etude, ein Theaterstück, Fotos, Videos, Bilder, Collagen, Plakate.
Diese Bilder malte Anna Krenz
Diese Gedichte schriebEla Kargol
Sterbeurkunde: Gertruda Świerczek
geboren:22. XII. 1921 in Bad Gottschalkowitz (Goczałkowice-Zdrój) enthauptet:8. IX. 1944 in Berlin – Plötzensee
Sie bat um Begnadigung Aber keiner hat zugehört. Die Brüder an der Front mit Eisernen Kreuzen gekennzeichnet haben auch nicht geholfen. Sie bat vom ganzen Herzen. Sie bat um die Jugend Um die Zukunft, Um die nächsten Jahre. Sie bat um das Leben, Nicht um den Tod. Und trotzdem ließ sie sich mit ihren 22 Jahren ohne Wiederstreben auf das Fallbeilgerät legen.
SterbeurkundeHedwig Neumann
geboren: 21. IX 1890, in Bickern/Kreis Gelsenkirchen enthauptet: 27. I. 1944 in Berlin-Plötzensee
Jadzia, ein Mädchen aus Opalenica Hedwig, eine Frau aus Berlin Großes Herz Große Wohnung Große Taten Großes Urteil Und alles im Namen des deutschen Volkes.
Sterbeurkunde Maria Wieczorek
geboren: 4. VIII. 1886 in Radzionkau/Kreis Tarnowitz (Radzionków/Tarnowskie Góry) enthauptet: 22. IX. 1944 in Berlin – Plötzensee
Ich packe meinen Koffer*
Der Koffer war klein. Das Kleid schlicht und fein. Ein Unterrock für alle Fälle, Damit das Kleid in Form bleibt An richtiger Stelle. Der Büstenhalter Sorgte für schönen Busen, Der Kamm für die Frisur. Alles durchdacht und gepackt Für die letzte Himmelstour. Unterjäckchen für die kalten Nächte. Eine Hose, ein Hemd, ein Heft, Handtasche, ein paar Groschen und Einkaufsbeutel.
Sie ging doch unter die Leute. Den Mantel trug sie auf dem Arm Als sie losging, es war noch warm. Die Kälte kam zu ihr viel später. Und mit der Kälte kam der Täter.
Und ihre Reise ging zu Ende. Im fremden Ort mit kühlen Wänden. Mit auf dem Rücken gefesselten Händen Legte sie sich sanft für den Schlaf. Er kam zu schnell, sie war noch wach. Heimtückisch wurde sie bestraft.
* ein sehr populäres und beliebtes Spiel für die Kinder, nicht nur in Deutschland
SterbeurkundeMarianna Gąszczak
geboren:28. XII. 1914 in Duisburg enthauptet:28. IX. 1943 in Berlin – Plötzensee
Wer könnte schon ihren Namen richtig aussprechen? Damals im Gerichtssaal?
GĄSZCZAK. So viele Konsonanten auf eimal und noch ein nasaler Vokal. Den Nasalvokal ließen sie verschwinden. Damals im Gerichtssaal.
GASZCZAK. Dann verschwand noch ein „Z“ GASCZAK: Damals unter Guillotine.
Und alle Buchstaben waren auf einmal weg. Und sie auch.
SterbeurkundePelagia Szeffczyk
geboren 8. März 1915 in Bottrop enthauptet 5. Oktober 1943 in Berlin-Plötzensee
Ihr Stolperstein glänzt in der Sonne. Ihr Leben aber nicht mehr.
Der Tod kam schnell. Wie der Meister aus Deutschland.
Er brauchte nur 7 Sekunden. Der Tod, nicht der Meister.
Vielleicht doch der Meister. Aus Deutschland.
SterbeurkundeWilhelmine Günther
geboren 18. VII. 1917 in Poznań enthauptet 9. VI. 1944 in Berlin – Plötzensee
Die Verstorbene war nicht verheiratet. Ihre Tochter nannte sie Maria, Maria die Uneheliche. Ihr Verlobter hieß Antoni, Ihre Mutter Marianna, Mit Doppel “n”.
Nur der Vater hieß Friedrich Wilhelm und konnte den Namen seiner Frau nicht richtig aussprechen. Ein “n” hat er immer vergessen.
Sie wohnten in der falschen Straße Beide waren Schneider. Das war aber die Straße der Bäcker. Nicht der Schneider.