Expressionistische Märchen? (3)

Lidia Głuchowska

kinder1Das Leid der Kinder: Vera Hesse und Inge Denker

Inge Denker, o.T. (Arme Kinder), 1982

Missbrauchte Kinder
Verweinte in zahnlosen Kinderwagen
arbeitermondgezeugt
flüchtet eure Seele
ohne Betäubung entnommen
wie blutender Pflastersteinvogel
einer endlosen Demonstration
Scherbenenkel
Hinter einäugigen Gardinen
hügelt sich die blinde Großmutter
am Kellerloch eurer kranken Nierchen
pflanzt ein Pfarrer sich heiße Kartoffeln
aller Brüderchen Sonne
erstickt im Ställchen der Hinterhoftränefiut
Verbergt die uneheliche Fahne,
die rote!
Verlasst die schreckliche Tat!
Die Reichen verspeisen hier alles
Im Stadtteil der gepferdeten Hunde
verwest euer helles Aufgestütztsein
in dem nun gestohlenen Nischen
Neues aus Müll werdet ihr nicht
und später verloren
zwischen Mahnung und unbezahlter Rechnung
ist die Miete überfällig
der Strom abgestellt
das Hauptzollamt klagt gegen euch
auch die Krankenkasse
ein Prozess wegen Nichtbeachtung
des Betäubungsmittelgesetztes
steht euch bevor
der Offenbarungseid ist schon geleistet

fiuty
Vollstreckungsmaßnahmen angedroht
ebenso Strafe für Beförderungserschleichung
der Gedenkbibliothek schuldet ihr ein Buch
wieso hat auch Der Senator für Stadt-
ent
wicklung und Umweltschutz keine Freude an euch
Rechtsbehelfsbelehrung morgen
heute Verdacht des Verstoßes
gegen das Ausländergesetz
Die Staatsanwaltschaft bei dem
Landgericht Berlin mahnt
sehr geehrte…
der Bußgeldbescheid ist rechtskräftig
Tatort war das Stadtgebiet
Ihr habt die Polizeibeamten
Plaß und Vaders beleidigt
schreibt das Amtsgericht
und der Polizeipräsident bittet euch,
die Ausweispapiere mitzubringen,
die der Gerichtsvollzieher soeben
an eurer zwangsweise geöffneten Tür überprüft
Missbrauchte Kinder
die Lebenssechs auf allem Zeugnis
hat keine eigne Art berühmt zu werden
im Eimer eurer Hauswartseltern
bellt Doppelhund im fünften Stock
ums ferneweite, sanftbeschneite
Haushüttchen auf dem Land
Doch hier an jedem Abendhart
am tischleindeckdich Smog
ballt steingesammelt eurer Mutter Leid
frühkindlich grünts hier nie
Vom fünften Fliegenpilz der Kirche
gesättigt am Oranienplatz
der Kudammbodenheizung fliehend
heim, Stehgreifkiez des Ex und Hoff

Während zahlreiche Künstler sich so gern dem rein Ästhetischen, dem Privaten widmen, scheut sich Inge Denker nicht, selbst das Tabuisierte metaphorisch und doch untrüglich offen im Bild und Wort zum Ausdruck zu bringen. Dies tut sie besonders unmißverständlich in ihrer Dichtung wie in ihrer Serie von Federzeichnungen und Aquarellen, welche ein erst in letzter Zeit häufiger angesprochenes Verbrechen – den Kindesmissbrauch – zum Thema hat.

In einigen großformatigen, filigrangenauen Federzeichnungen, entstanden zwischen 2002 und 2010, setzt sie ein ein Mahnmal für die Opfer dieses Verbrechens, – das, wie es inzwischen deutlich wird – einen alarmierendes Ausmaß hat und was, da es von der Gesellschaft schweigend geduldet wurde, der öffentlichen Debatte so lange entzogen blieb. Noch in den achziger Jahren wurde die Künstlerin darauf  aufmerksam und malte teilweise schon zu dieser Zeit Aquarelle, die von einer verlorener Kindheit und einem davon für immer überschatteten Leben und dem daraus folgenden Glaubensverlust erzählen (Entkommen die Frommen?, 1988).

kinder4-poziom
Im Dialog mit ihren Zeichnungen hat Vera Hesse Gedichte verfasst. Zusammen wurden diese Werke 2012 aufgenommen in Federspurweisen – ein Kunstbuch, gestaltet in Bild und Wort. Inspiriert von der Federzeichnung Schmerzensgeld ausgeschlossen (2002) wurden folgende Verse verfaßt:

heischt unausthaltbar
Augenblicken wundem Jetzt
ohnmachterbeschwer

ward ein Erleben
in seinem Bildnis gefoltert
narbt Einst gellt Gegend

Wohnstadtfremden her
dauert Zwischenkunft besetzt
Zeitgrund haust langsam (S. 84, 85).

Und das erschreckende Bild des von etlichen Kirchtürme durchstochenen menschlichen Körpers (Missbrauch und Verletzung, 2010) wird von der Dichterin mit den folgenden Worten interpretiert:

lasset die Kinder
in dieser Welt daheim sein
vertraut und behaust

der Gottesschulen
Missbrauchswurzel Religion
veropfert Suchen

Erstaungrund gen Schaun
gilt tieferhellsam Weisheit
Alles hier finden (S. 86, 87).

kinder5-poziomAuch wenn gegenüber Ausmaß des Kinderschmerzes und des Leidens, welche aus dem Gedächtnis wohl nicht wegzuwischen sind, der Mensch sprachlos bleibt, wirken diese Bilder und Verse doch als notwendige Mahnzeichen und als eine beständige Warnung.

Federspurweisen. Federzeichnungen: Inge Denker, Haikutrios: Vera Hesse. Edition Hentrich, Berlin 2012. ISBN  978-3-89468-186-8

 

Expressionistische Märchen? (2)

Inge_Zuhaus7_8-kleinLidia Głuchowska

Inge Denker über das Heim und mütterliche Träume

Gewoben aus Traum, Wirklichkeit und Erinnerung erscheinen die großformatigen Federzeichnungen Inge Denkers, die sie den weiblichen Visionen von Zuhause, Familie und Mutterschaft gewidmet hat, minutiös angefertigt, doch sehr surreal. Ihre Grundlage waren Erzählungen zahlreicher Frauen, die der Künstlerin ihre intimsten Gedanken und Bekenntnisse anvertraut und ihr Schicksal erzählt haben.

Inge Denker hat zwei ganz unterschiedliche künstlerische Medien zu den ihren gemacht: das Aquarell [dem der vorige Beitrag über die Künstlerin gewidmet war – L.G.] und die Federzeichnung. Beiden ist gemeinsam die Zartheit und – verglichen mit den Dimensionen des Tafelbildes – das eher intime Format (wobei die Zeichnungen mit annähernd Folioformat sogar vergleichsweise groß sind). Sehr unterschiedlich ist dagegen der Entstehungsprozess: während die Federzeichnung in langwieriger Feinarbeit über Wochen, gar Monate hinweg entsteht, muss das Aquarell rasch und in einem Guss geschaffen werden. Dementsprechend sind die graphischen Arbeiten äußerst detailreich und erfordern ein konzentriertes, fast hingebungsvolles Betrachten – wohingegen die Aquarelle unmittelbar und emotional wirken.

Verena Krieger, Zur Kunst von Inge Denker. In: Inge Denker. Aquarelle. Federzeichnungen. Lübeck 2004. ISBN: 3-00-014400-5

Die besprochenen Federzeichnungsreihe ähnelt einer komplexen, mehrstimmigen Erzählung zum gleichen Thema: „Zuhause, Familie und Mutterschaft“, wobei sie auch in mehreren parallelen Varianten davon Zeugnis gibt.

Zuhaus3-4-kleinCharakteristisch dafür sind die Metaphern eines Heims, das einer auf einer sicheren Insel aufgebauten Burg gleicht (Auferstehung der Bäume, 1982). Diese, umkreist vom Meer mit großen Booten, die ebenfalls andere Häuser in sich beheimaten, ist durch weitere kleine Boote mit der Außenwelt und weiteren Inseln vernetzt, die teilweise bereits verlassen und verwüstet sind. Die Burg selbst, durch eine Reihe von Bäumen geschützt, scheint jedoch frei von Gefahr und nur vom Glück erfüllt zu sein. Zumindest für den Augenblick.
Positiv wirkt auch das Bild des Hauses auf einem Riesenkrug über die Welt erhoben (Bildnis einer Mutter, 1982) einerseits mit einem Blick nur auf den fast wolkenfreien Himmel, andererseits durch eine beschützende Wolke von der übrigen Welt abgesondert. Es ist kaum zu sehen, dass in der der Ferne ein ähnliches krugartiges Gebilde schimmert. Im Dialog mit diesem Bild schrieb Vera Hesse ein in seiner Aussage düsteres Gedicht:
Zuhaus1-kleinWolkenortsprache
Heimesfluchtenwind schüttelt
lautleises Wahren

aus seiner Ganzheit
spricht der zerbrochene Krug
trauneinsther randweit

raumweites Ahnen
einer Mutterbildbrücke
hortet noch Fragen

Zuhaus2-kleinaus: Federspurweisen. Federzeichnungen: Inge Denker,
Haikurtios: Vera Hesse. Edition Hentrich, Berlin 2012, S. 1-13.

Optimistisch-konstruktiv scheinen auch die dieser Federzeichnungsserie zugehörigen Darstellungen von Wohnstrukturen zu sein, deren Hauptbestandteil Bäume bilden. Eines davon – ein Riesenbaum auf einem Hügel, umrahmt von Unzahl seiner verkleinerten Kopien, heißt die Baummutter (1981). Ein anderer großer Baum, der in zwischen seinen Ästen eine Mehrzahl von Räumlichkeiten und in seinem Stamm einen beäugten, personifizierten Eingang hütet, wurde sogar Selbstbildnis (1982) genannt. Und in der Tat, nach einer genaueren Betrachtung entdeckt man, dass es versteckt in einem dichten Gewebe anderer palimpsestartig aufgebauter Details auch das Gesicht der Künstlerin in sich birgt.

Weitere zwei Häuser schwimmen auf den Meeresschiffen, wie bebäumte, bewegliche Inseln, denen jeweils ein entwurzelter und wohl hinter das Heck herausgeschmissener Baum angehängt wird. (Frauenarche, Die letzten Vier, beide 1981).

Inge_Zuhaus09kleinDie andere Gruppe von Darstellungen dieser Reihe wirkt etwas weniger ausgeglichen. Eine davon stellt eine Mühle auf einem Hügel dar, der sich über mehreren kleineren Hügeln erhebt, auf denen kleine Häuschen zu sehen sind. Die zierliche dekorierte Mühle gleicht somit etwa einer Dorfkirche, während im Hintergrund auf dem Himmel voller kleiner Wolken auf zweien davon wie andere solche Mühlen in die Ferne schweben (lieber Mühlen bauen, 1981).

Einer Mühle ähnelt auch ein verwüsteter Baum, der auf einem gestrandeten Boot wächst und in seinen Riesenästen ganz hoch ein kleines Palais und unten ein großes Haus beherbergt. Doch der Korpus des Hauses fällt gerade ins Wasser um die Insel herum, auf der sich das Boot samt seines Inhalts befindet. Vernachlässigung (1981) heißt das Bild, welches das Ende eines mühsam aufgebauten Glücks zu veranschaulichen scheint.

Inge_Zuhaus10kleinUnd schließlich trägt ein Engel mit dem gebrochenen Hals und den zum Gebet zusammengelegten Händen ein Boot, während er auf seinen Flügeln zahlreiche Bäume, mit den Wurzeln in den Himmel gerichtet stützt, während ein sich aus seinem Körper befreiender Turm ebenfalls Richtung Himmel erhebt. Dazu schrieb wiederum Vera Hesse:

Weltenchaosturm
entankerter Wohnstätten
reißt Behaustsein ein

waldsturzgeflügelt
kniet die Kopfgeburt Engel
Halturmenfügen

einsther kaumweit zeiht
erhandet her Notständen
jetztet Nahortspur (S. 74,75).

Zur Entstehungsgeschichte dieser Werke berichtet Verena Krieger:

Die Federzeichnungen entstanden hauptsächlich in den siebziger und frühen achtziger Jahren. Der Grund war zunächst sehr schlicht: es mangelte am Geld für teures Papier und Aquarellfarben. Zugleich ermöglichte die Technik ein langfristiges Arbeiten immer dann, wenn gerade einmal Zeit war in dieser Lebensphase, die von vielen Verpflichtungen neben der Kunst geprägt war. Doch neben solchen praktischen Aspekten eröffnete die Federzeichnung spezifische Gestaltungsmöglichkeiten, die Inge Denker in ihrem Sinne zu nutzen wusste. Ihre Zeichnungen haben eine Doppelstruktur: einerseits handelt es sich um ein „Gewimmel“ einer Vielzahl von Einzelmotiven, die sich nur bei längerer und genauerer Betrachtung erschließend ins Surreale tendieren. (…) Andererseits sind diese Motive in eine Metastruktur eingebunden, die, meist, symmetrisch aufgebaut, eher den Eindruck einer klaren Ordnung erzeugt. Reale Größenverhältnisse werden dabei spielend außer Kraft gesetzt. (s. 6-7)

Inge_Zuhaus11kleinDiese Visionen vom Zuhause sind nicht einfach zu deuten, bleiben oft unklar, geheimnisvoll, obwohl dem Betrachter immer durch symbolische Zeichen einen gewissen Zugang zu deren Inhalt gewährt wird. Die bildliche Erzählung von Familie und Mutterschaft wird hier – wie ein menschlicher Weg – mehrfach verzweigt und immer wieder vom Neuen begonnen. Zusammen scheinen die Bilder Inge Denkers im Dialog mit den Gedichten von Vera Hesse zur Konklusion der Unmöglichkeit eines stabilen Zuhauses zu führen, egal mit welch extremer Mühe frau dieses Gewebe von Traum und Wirklichkeit schafft. Ist es aber wirklich so? In den noch viel zahlreicheren Zeichnungen, die hier nur beispielhaft aufgeführt wurden,  gibt es nur einige wenige Analogien und Wiederholungen. Die  polyphone Vielfalt dieser berichteten und dann bildlich rekonstruierten oder eher neustrukturierten Erinnerungen ergibt keine eindeutige Aussage.

Und während der pessimistische Ton der Gedichte beinahe eindeutig bleibt, bringt die surreale Welt der Federzeichnungsreihe weit Ambivalenteres zum Ausdruck. Sie läßt durchaus etwas Hoffnung auf das Glück, das die Frau – mindestens zeitweilig – von der Welt schützen und wie ein Baum wachsen lassen kann.Und eine Auseinandersetzung mt diesen visuellen Rätseln ist einen nicht nur intellektuelle, sondern auch geistige Übung.

Siehe auch: http://www.ingedenker-aquarelle.de

Fortsetzung folgt in einer Woche

Roger Loewig

loewkubcoverVor langem Zeit gaben wir im WIR e.V. mit Lidia Głuchowska zusammen zwei ihre Bücher über Stanisław Kubicki aus, den deutsch-polnischen Maler und Dichter, von dem hier, in diesem Blog, schon zig Mal die Rede war. Das dritte ihre Buch fasste die Schaffung erweiterte das Thema; es hieß: “Roger Loewig und Stanisław Kubicki. Zwei Maler-Dichter in der Verteidigung der Inseln der Menschlichkeit “

Damals arbeiteten wir eng mit der Roger Loewig Gesellschaft zusammen und mit ihrer Mitarbeiterin – Felice Fey. Irgendwann danach gab Felice selber ein Buch über Roger Loewig heraus. Heute hat sie uns / mir ein Fragment dieser Biographie zur Verfügung gestellt.

liebendeRoger Loewig: Eine Biographie, von Felice Fey
Berlin: Lukas Verlag, 2011

Auszug aus dem Kapitel „Späte Ernte“, S. 216-217

Die Reisen brachten eine gewisse Verschiebung der Bildinhalte mit sich. Noch immer schuf er Landschaften des Untergangs. Noch immer war die deutsche Teilung das Motiv, um das sein Schaffen kreiste. Aber er löste sich langsam von Fixierungen. Die Entwicklung hin zu einer subtileren Formulierung im Bild wird deutlich in einem Text, den er im Katalog der Regensburger Ausstellung zur abgebildeten Kugelschreiber-Zeichnung „Landschaft mit zwei untergehenden Sonnen“ aus dem Jahr 1976 veröffentlichte:

Die Weite eines Feldes, eines Ackers, die Tiefe eines Weges, einer ins Endlose entschwindenden einsamen Straße – ob damals zu Hause, ob in Nordböhmen,  in Masuren oder woanders – haben mich immer fasziniert und gelockt und in sich hineingesogen. […] An ihren Rändern, durch ihre Mitte, über die ganze Breite des Himmels, Zweigestirne bildend, klafft oft ein Graben, ein Riß, trennt sie eine gebrochene Naht, eine lange Wunde, eine schlecht verwachsene Narbe: Gleichnisse für böse Grenzmarkierungen. Die Absperrungen, die schrecklichen Palisaden, den unbewohnten, unbegehbaren Streifen Niemandsland, die träumte ich in meine Felder nicht hinein. Das ist deutliche, unverwischbare Wirklichkeit. Und wo finden sie sich nicht? Sie sind eingraviert in alle Himmelsrichtungen, sie zerschneiden Länder und Völker, Ströme, Straßen, Städte und uns selbst. Und sie lassen schließlich – zu dauerhaft und bis heut noch unverrottbar – manches und manchen, die, von ihnen verwundet, sich ihnen nicht mehr entziehen konnten, ausbluten.

flugfeldzeichenNicht nur in der Kunst, sondern auch im Leben blickten Roger Loewig und mit ihm seine Gefährtin Creszentia Troike bereits aus einer weiten Distanz zurück. Wesentliche Auseinandersetzungen lagen hinter ihnen. Beide hatten sie, er als Künstler, sie als unermüdliche Vertreterin seiner Kunst und seiner Geschichte, gemeinsam ein abenteuerliches Leben geführt: in der DDR die Verhaftung und die ersten professionellen Jahre mit ihren Schwierigkeiten und Lichtblicken, Verhinderungen, Förderungen und Freundschaften, später die Erfahrungen der Übersiedlung mit nachfolgendem Einreiseverbot. Sie lebten an der Peripherie West-Berlins und hatten ihre Rolle als Vermittler zwischen Ost und West angenommen. Besonders die mehr nach außen gewandte Creszentia Troike war unermüdlich damit beschäftigt, den Bundesbürgern ihre Erfahrungswelt und Perspektive zu vermitteln. Sie wollte die DDR erklären, lebte in Gesprächen und Briefen. 1978 ergab sich eine noch bessere Gelegenheit, die historische Erfahrung ihrer mit Roger Loewig geteilten Lebensgeschichte mitzuteilen. Hans Harmsen, der langjährige Wegbegleiter, hatte sie an die Akademie Sankelmark empfohlen, bei deren Leiter Dietmar Albrecht sie Verständnis fand. So erschien 1978 in der Schriftenreihe der Akademie das Bändchen „Licht und Schatten. Erfahrungen eines Künstlers in Ost und West, herausgegeben von einem Freund.“ Der Freund war Creszentia Troike. Sie hatte biographische Dokumente – Akten, Briefe, Rezensionen – gesammelt und kommentiert: Nicht ohne Polarisierung, nicht ohne Bitternis. Die Erfahrung der Zeitgenossenschaft verwandelte sich langsam in eine Geschichte, die den Zugang zu seinem Werk und seiner Person ermöglichte – oder auch verschloss.

haende

Auszug aus dem Kapitel: „Abgrenzungen“, S. 264-266

Er wollte anerkannt werden, in seiner Arbeit wie auch in seiner Ethik. Zusammen mit Creszentia Troike sehnte er sich nach Ehrung – leidenschaftlich, unerfüllt, unverstanden, oft mit Zorn. Er litt unter seiner Isolation. Nichtsdestoweniger leistete er sich eine Haltung, die dazu führen musste. 1995 schrieb er noch einmal an die Freie Akademie der Künste Mannheim. Diesmal war er, in Vorbereitung einer Anthologie, um Auskünfte zum Thema „Kunst und Künstler in unserer Zeit“ gebeten worden:

In der Gegend, aus der ich herkomme – das war die Deutsche Demokratische Republik – wurde die Kunst zur Farce. Der Staat, die Partei – besser Genossen und Funktionäre – droschen pausenlos die haarsträubendsten Phrasen über Kunst und Kultur, daß einem speiübel wurde; und sie reglementierten. Die braven Künstler gestalteten fromm was sie hörten, wohl kaum was sie sahen, und sie lebten wie die Maden im Speck. Zuletzt, nach der Wende natürlich, avancierten sie zu wahren Helden, zu Partisanen, zu Vorturnern. Die Nicht-braven, es gab nicht viele, zogen Straßen in die Versunkenheit, oft sehr schlimme.
Ich bin inzwischen 65 Jahre alt geworden, ich habe dieses Leben rückhaltlos und ohne je einer Partei, einer Ideologie, einem Marschblock, einer Gruppe zu folgen, meiner Schreib-, Zeichen- und Malarbeit geopfert, die ich für sehr notwendig halte und die ich nach eigenen Maßstäben ausrichte. Dabei geriet ich mit Staat und Parteien und anderen in Konflikte, in gefährliche wie ungefährliche, und auf schwierigen Weg.
Ich hasse die unendlichen Redereien über Kunst, das langweilige, unerfreuliche, für mich völlig uninteressante Theoretisieren. Da muss ich absagen, das kann ich nicht.

sinkender1996 geschah es, dass er sogar eine Auszeichnung, die er spontan angenommen hatte, nach einiger Überlegung doch wieder ablehnte. Auf Vorschlag des bekannten Polnisch-Übersetzers Henryk Bereska, der selbst aus Oberschlesien stammte, war ihm ein „Schlesier-Preis“ zuerkannt worden. Am Telefon überrascht, hatte er zugestimmt; dann siegten die Bedenken:

Ich bin für Preise wenig geeignet, doch völlig ungeeignet für einen „Schlesierpreis“, denn ich stamme aus Schlesien und alle meine Vorfahren; wie ließen alles in Schlesien, tiefe Verwurzlungen, Bindungen, Häuser und Güter. Dann habe ich Sehnsucht und Liebe nicht auf die hier noch (wie ich) herumstrudelnden Schlesier übertragen, sondern auf polnische Menschen, die mir längt unentbehrliche Freunde wurden; bei ihnen weiß ich „mein Schlesiertum“ gut aufgehoben.

ohne_fluegelNein, er war nicht verankert: nicht im Kulturbetrieb der Bundesrepublik, nicht beteiligt an politisch motivierten Gruppierungen. Unter dem Diktat des Sozialistischen Realismus war er ein Anhänger der verpönten Moderne gewesen. In der liberalen Umgebung des Westens bestand er auf den Qualitäten der Aussage und der Darstellung in der Kunst und nahm damit Positionen ein, die der konservativen Kulturkritik entsprachen. Unter Kommunisten war er Sozialist gewesen – „im Sinne des Prager Frühlings“. Unter den Sozialisten des Westens war  er dennoch nicht heimisch geworden. Er hätte, was seine Haltung zur Diktatur der DDR betraf, als ein verspäteter „Kalter Krieger“ gelten können. Aber das traf es nicht. Er war im Vergangenen verwurzelt, dem alten Preußen verbunden. Das Ressentiment der Landsmannschaften lehnte er dagegen ab. Im Gegensatz zu vielen Westdeutschen kannte er das Leben im östlichen Europa sehr gut.
kahlgefegteIn den nun etwa zwanzig Jahren nach seiner Übersiedlung von Ost nach West hatte er sich verändert. Neue Themen und Formen der Arbeit hatten sich entwickelt, und er hatte neben der Geschichte auch wiederum, wie bereits in seinen Anfängen, auch die Natur in den Blick genommen. Im Grunde aber blieb er, als Zeitgenosse wie auch als Künstler, der Haltung treu, die er in seinen Anfängen eingenommen hatte, in den 60er Jahren – gefördert von Marga Böhmer, anerkannt von den wenigen, die sich verdeckt und unter Schwierigkeiten für die Moderne in der DDR einsetzten, gefeiert in Warschau als ein Deutscher, der in seiner Arbeit für seine Nation, für das Grauen der Vergangenheit einstand. Diese Erfahrungen waren es, auf die er unter wechselnden Zeitumständen immer wieder zurückkam. Seine Treue war unverbrüchlich, oft auch mit einer Anstrengung des Willens verbunden.

Expressionistische Märchen? (1)

Lidia Głuchowska

Berlin und andere Welten. Das hier und das ausserhalb davon… – Aquarelle von Inge Denker

Inge Denkers Werk ist poetisch und zart, von sensibler Einfindungskraft und liebevoller Hinwendung zur Natur und zur menschlichen Lebenswelt, zugleich aber hartnäckig insistierend auf die hinter der Idylle sich verbergenden Leiden. Zwischen leuchtender Strahlkraft und melancholischer Stimmung changierend, sind ihre Bilder auf keinen einfachen Nenner zu bringen. Auf den ersten Blick nehmen sie den Betrachter ihrer Schönheit wegen ein, dem zweiten Blick offenbaren sie untergründige Ambivalenz. Keine heile Welt wird gezeigt, aber eine Welt, die geliebt zu werden verdient, die des sorgenden Schutzes, ja der Rettung bedarf.

Verena Krieger, Zur Kunst von Inge Denker. In: Inge Denker. Aquarelle. Federzeichnungen. Lübeck 2004. ISBN:  3-00-014400-5.

Siehe auch: www.ingedenker-aquarelle.de

IngeAbb1Kleine Straße im Mondlicht, 1987

Verschwommene Farben, voll Licht, füllen Inge Denkers Bilder mit poetischen Gefühlen und einem Hauch von Nostalgie. Es sind Stadt- und Straßenansichten, flüchtige Erinnerungen aus unzähligen Spaziergängen – zumeist durch Berlin, manchmal durch Lübeck, seltener durch andere Orte. Gesehen, erlebt, festgehalten schaffen sie einen Gedankenraum für den Betrachter, der sie mit einem Blick erfassen und mit eigenen Gefühlen nacherleben kann.

IngeAbb3-4Erwachende Stadt, 1988 /Stadt unter der Nacht, 1987

Ein fester Bestandteil vieler Bilder ist Wasser – schon in der Textur vom Aquarell so sinnlich erlebbar, doch auch – mal als Regen, häufiger als Fluß oder die See – als das Element, das das Bild des Urbanen und der Landschaft belebt, das Natürliche, das die Festigkeit der Mauern durchbricht, das die Bewegung der Gedanken, der Schritte, des Winds in vielen Stadtecken spüren läßt.
In mehreren Ausführungen präsentiert die Malerin das Porträt einer Stadt (z.b. 1991), mit ihrem Großstadtfieber und ihrem Großstadtvulkan (1991, 1993), mit ihrem Tango-Boulevard (1996), ihrem Hohelied (1991) und ihren Engeln sogar – das facettenreiche Berlin – Berlin- grenzenlos (1993)…

Das gesamte Werk erweckt das Gefühl des Vertrauten, Bekannten und bleibt doch geheimnisvoll – fern von jedem journalistischen Dokument, gefiltert durch Fantasie und  subjektives Erleben.  Zum topographisch Konkreten tragen sprechende Titel bei, die die Routen der Malerin markieren, eine Stadt- und Landkarte mit Bildern und Schildern, ja Rufnamen, bestücken: die Rote Stadt (1987) und Stadt mit zwei Sonnen (1993). Doch es gibt hier auch den Kietz, den sie aus der Nahsicht betrachtet, wenn sie durch seine Straßen zieht und dort nicht selten anhält (z.B. Eckkneipe in Kreuzberg, 1995).

IngeAbb2-5Eckkneipe in Kreuzberg, 1995 / Müll im Hinterhof, 1995

Auf den ersten Blick scheint das Humane aus all den leeren Straßenzügen verschwunden zu sein, doch lüften diese Bilder den Atem der Malerin und des Betrachters, glühen mit deren Wärme und Sehnsucht, verzeichnen das Nachdenken, manchmal unbestimmte Hoffnung, ein anderes Mal wohl auch die Drohung des Beengtseins, und dann auch wieder einen hellen Traum. Wie eine Metapher menschlicher Gefühle wirken diese Häuser, offene Perspektiven weisen der Menschen Weg (Erwachende Stadt, 1988; Stadt in Erwartung, 1989; Trunkene Stadt; Toteninsel I und II, 1987).

IngeAbb6-7

Kleine Stadt am Wasser, 1996 / Nachtfassaden, 1996

Dem Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit verpflichtet, bleiben diese Werke doch sehr eigen und trotz des allgemein Zugänglichen darin – intim. Vorbilder Inge Denkers waren Ludwig Meidner und Werner Heldt, doch anders als in den Bilder des ersteren von ihnen – wie es Verena Krüger zurecht bemerkt – spiegeln ihre Aquarelle nicht die Apokalypse der Gegenwart, sondern das alltägliche Dasein.  Zuzugeben ist hier jedoch, dass der Alltag der Apokalypse doch manchmal bedrohlich nahe steht. Daher äußert auch ein Teil dieser Bilder Protest gegen die Armut, die Schichtarbeit, die Naturvernichtung, existentielle Unsicherheit. Mit dem nächtlichen Anblick von Schornsteinen, dem Tor der alten Fabrik, dem Menschenzug vor der Frühschicht (1987) oder Müll im Hinterhof (1995) verzeichnen die Aquarelle Inge Denkers ungeschönt und wachsam neben der Geburt der Ökologiebewegung auch noch vor kurzem zahlreiche Friedensdemonstationen, Hausbesetzungen und – Streik (1992).

Kontrapunkt dafür ist die Landschaft – offen, breitatmig, gnädig – eine Spur des Paradieses, eine Zuflucht, ein Ruhepol. Als subjektiv erlebtes Refugium – In der Bucht, Im Norden, Winterlandschaft oder Frühling in Rußland (1988-89), gleich wie die Wolken am Watt (2008) der Abend am Leuchtturm (2002) oder – schließlich – ein Blaues Boot (1995) – locken  sie den durch ihren Anblick leicht verträumten Betrachter auf eine Reise hinter den Horizont, hinter die Stadtgrenze – weg aus der Zeit.

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Winterlandschaft, 1988 / Boote am Ufer, 1988

Die neueren Aquarelle bringen Fassbareres mit herein – die in der Tinte getauchten Pastellstifte markieren unverwechselbar die Energiewege der Großstadtrhythmen, den genius loci unterschiedlicher Viertel, ihr Unverkennbares, ihre Anziehungskraft (so Berlin-Baustelle I, II, 1987; Altstadt am Wasser; Stadt der Männer, 1998, Stadt der Architekten, 2004 oder auch Klein Manhattan, 1994).

Geboren vor dem Kriege, in Düsseldorf (1936), von der Last des Nationalsozialismus geprägt, bis 1944 in Danzig-Langfuhr und Hilden, studierte Inge Denker Kunst in Düsseldorf und in Wiesbaden, dann reiste sie nach Paris, lebte in Lübeck. Jahrelang, im Berliner Kreuzberg, galt später ihre Zeit auch der Sozialarbeit, dem Großziehen der Kinder und daher dem Broterwerb. Empfindlich, empathisch, diskret veranschaulicht sie in ihrer Bilderwelt unermüdlich aufmerksam den Großstadtalltag in Geschichte und in Gegenwart. Selbst unsichtbar, Fassaden betrachtend, läßt sie in ihren Bildern auch andere sprechen und gleichzeitig – nachdenklich und vertrauensvoll – teilt sie dem Betrachter die eigene Erfahrung mit.

Fortsetzung folgt in einer Woche

Poesia – Poesie – Поезія / Bella Ciao

Goran Bregović śpiewa Bella Ciao upominając się o prawa Cyganów (i niech mnie arcybiskup Michalik wyklnie za używanie słowa Cygan!). Artysta w informacji napisał, że to jego słowa i jego muzyka.

Bardzo lubię Bregovića i jestem bardzo “za” w kwestii cygańskiej, ale Bella Ciao to stara włoska piosenka, śpiewana już w latach 20 przez robotnice, zbierające owoce, które skarżą się na szefa i okropne warunki pracy.

W czasie wojny śpiewali ją partyzanci i oryginalny tekst z tego czasu, już przerobiony na pieśń bojową, brzmi tak:

Una mattina mi sono svegliato,
o bella, ciao! bella, ciao! bella, ciao, ciao, ciao!
Una mattina mi sono svegliato,
e ho trovato l’invasor.O partigiano, portami via,
o bella, ciao! bella, ciao! bella, ciao, ciao, ciao!
O partigiano, portami via,
ché mi sento di morir.E se io muoio da partigiano,
o bella, ciao! bella, ciao! bella, ciao, ciao, ciao!
E se io muoio da partigiano,
tu mi devi seppellir.E seppellire lassù in montagna,
o bella, ciao! bella, ciao! bella, ciao, ciao, ciao!
E seppellire lassù in montagna,
sotto l’ombra di un bel fior.Tutte le genti che passeranno,
o bella, ciao! bella, ciao! bella, ciao, ciao, ciao!
Tutte le genti che passeranno,
Mi diranno «Che bel fior!»
«È questo il fiore del partigiano»,
o bella, ciao! bella, ciao! bella, ciao, ciao, ciao!
«È questo il fiore del partigiano, morto per la libertà!»
 Eines Morgens bin ich erwacht
(An diesem Morgen bin ich aufgestanden)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Eines Morgens bin ich erwacht
Und fand den Eindringling vor.Oh Partisan, bring mich fort
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Oh Partisan, bring mich fort
Denn ich fürchte bald zu sterbenUnd falls ich als Partisan sterbe
(Und falls ich in den Bergen sterbe)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Und falls ich als Partisan sterbe
(Und falls ich in den Bergen sterbe)
Dann musst du mich begrabenBegrabe mich dort oben auf dem Berge
(Und du musst mich begraben)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Begrabe mich dort oben auf dem Berge
(Und du musst mich begraben)
Unter dem Schatten einer schönen BlumeUnd die Leute die daran vorbeigehen
(Und alle jene die daran vorbeigehen)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Und die Leute die daran vorbeigehen
(Und alle jene die daran vorbeigehen)
Werden mir sagen: „Welch schöne Blume!“
(Und sie werden sagen: „Welch schöne Blume!“)Dies ist die Blume des Partisanen
(Und dies ist die Blume des Partisanen)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Dies ist die Blume des Partisanen
(Und dies ist die Blume des Partisanen)
Der für die Freiheit starb

Ciekawe, że tekst niemiecki jest prawie dwa razy dłuższy niż włoski. Z dzieciństwa pamiętam, że śpiewaliśmy tę piosenkę na koloniach letnich jako bardzo niewinną historyjkę zbieraniu kwiatów dla mamy. Potem, w miarę jak dorastaliśmy, okazywało się, że jednak “dam ojczyźnie ogromny bukiet, a z nim serce moje dam”.  Refren brzmiał “Bella Ciau” a właściwie nawet “Bella ciał”.

Polska Wikipedia podaje oficjalne tłumaczenie wersji oryginalnej, ale nie potrafię się z nim utożsamić. Dla mnie to jednak piosenka o tym, że poszedłem w góry o świcie i nazbierałem bukiet kwiatów. Ale proszę bardzo, jak ktoś chce, to tłumaczenie jest TU.

Z biegiem czasu ta włoska piosenka ludowa stała się jedną z najsłynniejszych bojowych pieśni antyfaszystowskich, aby jeszcze po kilkudziesięciu latach stać się po prostu wyrazem protestu –  tu Bella Ciao w dziewięciu językach. W tym po chińsku, arabsku i turecku.

A na zakończenie tekst przerobiony na ukraiński i opublikowany na you tubie w grudniu 2013 roku:

Всі кажемо Віті ЧАО (Wszyscy mówimy odejdź Witia)

Прощай, гаранте, Не повертайся!
А Вітя чао, Вітя чао, Вітя чао-чао-чао!
І Межигір’я, і Сухолуччя
Музеєм стане завтра все.

Жорстокий беркут, Суди продажні…
А Вітя чао, Вітя чао, Вітя чао-чао-чао!
Ні прокурори, ні Вовка Путін,
Не захистять вони тебе!

Вставай Країно! Прокиньтесь люди!
А Вітя чао, Вітя чао, Вітя чао-чао-чао!
Всім на Майдани виходить треба
Проти свавілля влади стать.

Нам буде важко, Ми всі це знаєм.
А батя чао, батя чао, Батя чао-чао-чао!
Та за свободу рідного краю
Боротись будем до кінця!

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A tu wersja z Omanu, którą wstawiłam do tego wpisu 27 października 2022 roku, czyli prawie 10 lat później.

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Drei Könige und Die Aktion

Für Krzysztof zum Geburtstag

Heute ist der Tag der Heiligen Drei Könige. Das Bild unten, Erinnert euch im Winter an die Vogel oder Drei kleine Könige gehen zum Stall, stammt vom polnisch-tschechischen Maler, Wlastimil Hofman (1881 – 1970) und wurde erst 1956 gemalt. Nicht desto trotz ist es sehr typisch für den Jugendstil, in dem Hofman sein ganzes Leben malte  (http://muzeumsecesji.pl/galeria_pliki/hofman/hofman11.html)

3krolowieJetzt aber kehren wir zurück zu unserem Hauptthema: Weihnachten bei Avantgardisten. 1911

Dr. Lidia Głuchowska, unsere Fachfrau für Kunst überhaupt und für Kunst der Moderne und der Avantgarde insbesondere, stellt uns die Zeitschrift Die Aktion vor, eine von Franz Pfemfert von 1911 bis 1932 herausgegebene literarische und politische Zeitschrift, die dem Expressionismus zum Durchbruch verhalf und für eine undogmatische linke Politik stand. Die Aktion bereitete immer spezielle Weihnachtsseiten für jeweilige Dezemberausgabe vor. Mit viel moderner Graphik und Dichtung. Und, wie man sieht, viel Sinn für Prophezeiung.

1stronaHänget Baionetten an den Christbaum! (…) Für einen Tag, für zwei Tage geht die Kriegspolitik in Filzschuhen um die Welt. Friede auf Erden… Rings starrt die Welt in Waffen. Wir feiern unser Friedensfest mit geladenen Waffen. (…) brutales Unrecht, schamlose Gewalt und soziale Gewissenlosigkeit schreiten mit Siegergebärde durch die Laube. Kerker, Zuchthäuser, Galgen, Schafotte, Guilottinen, Kasernen, Kanonen, Bajonette, Polizei und Soldaten grüßen als Eckpfeiler einer göttlichen Weltordnung allüberall. Am Wege sterben Tausende…

Metaphern der Ungerechtigkeit. In drei Jahren werden sie schon die Realität. 2014 werden wir noch tausend Mal darüber erinnert und uns selber zum Erinnern erheben.

2stronaAuf der Seite 2 kommt ein Artikel von Chestel Zwi über “Weihnachtsjudentum” und ein anderer von Ferdinand Nürnberger über Gier des Papstums, betitelt “Eine Weihnachtslegende”.

Man fragt sich, was hier, in diesen zwei Artikel, kritischer ausfällt, das Auslachen der judüschen Assimilation, von den Gegner (laut Text) nicht ohne Grund “Heranschmeicheln” genannt oder die Kritik der habgieriegen Klerus der katholischen Kirche.

Es ist nicht so paradox und geschmacklos, unser Assimilationjudentum bringt es fertig! Oder: Im Gnademonat christlicher Liebe darf unsere Damenwelt der jüdischen Geldaristokratie niecht feiern.  Und darum feiert sie den ganzen Dezembermonat die fröhliche, selige, gnadenbringende Weihnachtszeit in so ausgiebieger Weise, dass ihr der Festestrubel jedes Gefühl dafür nimmt, wie gerne man auf sie verzichten würde, blechte sie nicht mit der Naivität solcher, die nicht sehen wollen, in braunen und blauen Scheinen für die Ehre “unter dem Protektorate Ihrer Kgl. Hoheit der Erbprinzessin von Soundso” – gedruckt zu stehen.

(…) die absonderliche Blüte der pseudojüdischer Assimilationssensucht erblüht unter den Kerzen des Weihnachtsbaumes. Geht am Heiligen Abend über den Kurfürstendamm, wo ihr die – nach Protzengeschmack – schönsten Weihnachtsbäume seht, da, des könnt ihr sicher sein, singen “Weihnnachtsjuden” das Lied von der stillen, heiligen Nacht!

Damit es aber gerechtig ausgeteilt wird, schreibt Nürnberger gleich nebenan über Rotte Korah, den Konkordatstürmer und über das Sammeln des Peterspfennige, dh. des Geldes fürs bezahlen der Watikansoldaten, über Steuer für Kriegszwecke, die Gefangene in Besserungshäuser von ihrem winzigen Lohn abgeben müssen…

Grüß Dich Gott, Statthalter, sagte der Knabe, ich bringe Dir meinen Peterspfennig. Aber sage, wozu brauchst du nur all diese Pfennige, he?
Um das Reich Christi zu verteidigen
Warum nicht gar! Der Menschen Sohn hatte nicht, wohin er sein Haupt legte, und soll sein Statthalter mehr haben? Mein Reich ist nicht von dieser Welt, sagte Christus.

Heute, hundert Jahre später, muss der Franziskus offensichtlich den Diskurs um das Haben und die Macht der Kirche, genauso führen wie der naive Knabe aus der Satire von Nürnberger.

Als Abschluss noch ein Gedicht aus der Dezember-Nummer in Die Aktion 1911:

René Schickele
Vorortballade

Um seine Villa beneidet der eine den anderen, um das Leuchten des Wannsees,
um seine Terrasse mit geflochtenen Stühlen, um das Segelboot „Ramses“.

Um seine Hühnerhöfe auch und den schattigen Garten,
wo er in vielen Nächten verdammt war zu warten,

bis eine Dame kam mit hellem Haar und dem Schlüssel zum Ausflug.
Ihr Haar fiel, und sie lachte leis, bis die erste Lerche im Tau schlug.

Nun aber möchte er Starkästen bauen, mit kleinen Hunden spielen,
dem Wetter vertrauen und im Schatten nach glitzernden Möwen zielen,

das Boot „Ramses“ besteigen, in Himmel und Wolken baden!
Vorallem aber wünschte er sehr, seine Freunde zum Essen zu laden

Wogegen der andre mit Schnaken kämpfte im schattigen Garten,
verdammt in vielen Nächten zu stehn und lange zu warten,

bis eine Dame käme, mit hellem Haar und dem Schlüssel zum Ausflug.
Ihr Haar fiel, und sie lachte leis, bis die erste Lerche im Tau schlug.

1910

3stronaWir werden noch ab und zu zum Thema Weihnachten bei Die Aktion zurückkommen. Es scheint, dass sich die aktuellen Themen gar nicht ändern.

Minne – Poesie – Poezja / Oswald von Wolkenstein

Oswald_von_Wolkenstein_2Er war der letzte Minnesänger. Geboren halbblind um 1377 in Südtirol, gestorben 1445 in Meran. Er dichtete selbst und komponierte Musik zu seinem Werke, war aber auch ein ein Politiker von mehr als nur regionaler Bedeutung und Diplomat in Diensten des deutschen Kaisers Sigismund I. Als er starb, starb die ganze Epoche der Troubaduren und fahrenden Ritter mit. Er führte interessantes Leben, voller Abenteuer, bereiste die ganze damals bekannte Welt, sang darüber und ließ in zwei Prachthandschriften diese Lieder verewigen. Der Portrait nebenan ist dem Liederhandschrift B entnommen. In den beiden Prachthandschriften sowie in vereinzelten Nebenüberlieferungen sind insgesamt 134 Texte überliefert. Er kannte mehrere Sprachen, darunter auch Polnisch und … Wendisch.

Durch Barbarei, Arabia,
durch Hermani in Persia,
durch Tartari in Suria,
durch Romani in Türggia,
Ibernia,
der sprüng han ich vergessen.
Durch Reussen, Preussen, Eiffenlant,
gen Litto, Liffen, übern strant,
gen Tennmarckh, Sweden, in Prabant,
durch Flandern, Franckreich, Engelant
und Schottenland
hab ich lang nicht gemessen,
Durch Arragon, Kastilie,
Granaten und Afferen,
auss Portugal, Ispanie
bis gen dem vinstern steren,
von Profenz gen Marsilie.
In Races vor Saleren,
daselbs belaib ich an der e,
mein ellend da zu meren
vast ungeren.
Auff ainem runden kofel smal,
mit dickem wald umbfangen,
vil hoher berg und tieffe tal,
stain, stauden, stöck, snee stangen,
der sich ich teglich ane zal.
noch aines tüt mich pangen,
das mir der klainen kindlin schal
mein oren dick bedrangen,
hand durchgangen.
Przez Berberię i Arabię
przez Armenię i Persję
kraj Tatarów i Syrię
i Bizancjum i Turcję
i Gruzję
a obym nie zapomniał
o Ruskich, Pruskich i Inflantach,
o Litwie i Łotwie, i Kurlandach,
o Danii, Szwecji i Brabancji
Flandrii, Francji i o Anglii
i też o Szkocji
choć mnie tam dawno nie było,
przez Aragonię i Kastylię,
Maurów Granadę i Nawarrę,
przez Portugalie i Ispanię
aż do Finisterre,
a z Prowansji do Marsylii
aż w końcu dom,
gdzie Dolomity
i gdzie mnie małżeństwo trzyma,
me utrapienie pomnażając,
bom tu niechętnie,
na ciasnym szczycie,
ciemnym lasem otoczony,
co dzień do syta widzę
góry wysokie i doliny niskie,
gdzie głaz, krzew, pień i śnieg
się mnożą
a jeszcze mnie męczą
dziatek krzyki,
uszy mi dręczą
i kłują.
tłum. Ewa Maria Slaska

http://de.wikipedia.org/wiki/Oswald_von_Wolkenstein. Lied gesungen von Andreas Scholl / śpiewa Andreas Scholl


Für diejenigen die des mittelalterlichen Deutsch nicht mächtig sind, noch eine Übersetzung ins Neutdeutsch von Wernfried Hofmeister (2011) – leider ziemlich humorlos:

Durch das Berberland, Arabien, / durch Armenien nach Persien, / durch Tartarenland nach Syrien/ über Byzanz ins Türkenland,/ dann Georgien: / diese “Sprünge” habe ich verlernt. / Durch Russland, Preußen, Estland,/ nach Litauen, Livland über die Nehrung / Richtung Dänemark, Schweden nach Brabant, / durch Flandern, Frankreich, England/ und Schottland / bin ich lange nicht mehr gezogen;/ durch Aragonien, Kastilien, / Granada und Navarra, / von Portugal, Léon-Galizien / bis zum Kap Finistere,/ von der Provence nach Marseille./ In Ratzes am Schlern, / hier hält es mich im Ehestand, / was meinem Jammer / sehr unwillkommen / auf einem runden, schmalen Kofel anwachsen lässt, / umgeschlossen von dichten Wald. / Tagtäglich sehe ich unzählig viele / hohe Berge und tiefe Täler, / Steine, Stauden, Baumstümpfe und Schneestangen. / Noch etwas bedrückt mich, / nämlich dass der Lärm der kleinen Kinder / heftig an meine Ohren brandet, / sie durchbohrt.

Był ostatnim trubadurem niemieckim. Urodził się półślepy w roku 1377 w Tyrolu, umarł w roku 1445 w Meranie. Tworzył poezję i komponował do niej muzykę.  Był też czynnym uczesnikiem ważnych zdarzeń politycznych swojej epoki i dyplomatą w służbie cesarza niemieckiego Zygmunta Luksemburskiego. Gdy umarł, odeszła wraz z nim cała epoka średniowiecznych mistreli i błędnych rycerzy. Prowadził ciekawe, pełne przygód życie, zjeździł niemal cały ówcześnie znany świat, opisał swoje przygody w pieśniach i zlecił uwiecznienie ich w dwóch wspaniałych rękopisach, które się do dziś zachowały. Portret powyżej pochodzi z rękopisu B.  Był jeszcze rękopis A, inaczej acz równie bogato ilustrowany. Z obu rękopisów i innych rozproszonych źródeł znamy 134 pieśni Oswalda o życiu, przygodach, miłości i polityce. Znał wiele języków, w tym polski i… wendyjski.

PS. Nie znalazłam tłumaczenia pieśni Oswalda na polski (żadnych tłumaczeń nie znalazłam), przetłumaczyłam ją więc sama, jak umiałam najlepiej.

Puppendienstag: Abschied

lalki-sylwesterSie begleiteten uns fast ein halbes Jahr, jetzt gehen sie. Die Puppen von Gertraud Pohl. Sie senden uns noch sehr liebe Grüsse und alles alles Liebe für das beginnende Jahr… und good bye!

Gertraud schrieb dazu:

Liebe Ewa, für Silvester habe ich mir gestern Folgendes ausgedacht: da das neue Jahr noch “im Nebel” liegt, war ich mit der Harlekinpuppe Romy in Potsdam im Schloßpark von Sanssouci und habe die passenden Motive gesucht.
Hoffentlich gefallen sie dir und euch.
Mit sehr lieben und guten Wünschen für das Jahr 2014

Romy3.webverabschiede ich mich
Gertraud mitsamt ihrer Puppen

Romy2.web

Romy1.web

Poezja – Poesía – Poetry – Poesie / Lorca 2

Tom: Poeta w Nowym Jorku
Z maszynopisu tłumaczeń przygotowanych przez Irenę Kuran-Bogucką do II wydania “Poezji” Federica Garcíi Lorki (wydanie zostało przyjęte do publikacji,  potem jednak z przyczyn finansowych Wydawnictwo Morskie musiało zrezygnować z druku). Tom “Poeta w Nowym Jorku” został wydany już po śmierci Lorki, w roku 1940 w emigracyjnym wydawnictwie w Meksyku. Manuskrypt na wiele lat zaginął i pojawił się w Meksyku dopiero w roku 1997, ale nie zmienił on wydźwięku wydrukowanej książki, która jest przygnębiająca, smutna, mroczna… Sam poeta napisał o niej, że to poezja, przy której człowiek przecina sobie żyły. Tekst przepisany w Archiwum Państwowym w Gdańsku, Oddział w Gdyni.

Boże Narodzenie nad Hudsonem (z cyklu: Sny i ulice)

Ta gąbka popielata!
Ten marynarz z gardłem przed chwilą poderżniętym.
Ta rzeka, wielka rzeka.
Ten wiatr o mrocznych granicach.
I to ostrze, miła, i to ostrze.
Było raz czterech marynarzy, walczących z całym światem,
ze światem twardych grani, widocznych dla oczu,
ze światem, który przebyć można tylko konno.
Był raz marynarz, było stu, był tysiąc marynarzy,
walczących ze światem raptownych prędkości,
a nieświadomych wcale, że świat
istniał jedynie na niebie.

Ten świat jedyny, jedynie na niebie.
Są wzgórza porosłe młotkami i triumf gęstej trawy.
Są żywe, rojne mrowiska i monety wrzucone w błoto.
Ten świat jedyny, jedynie na niebie,
a wiatr u wyjścia z każdej wsi.

Dżdżownica opiewała strach przed toczącym się kołem,
a marynarz z poderżniętym gardłem
Opiewał niedźwiedzia wody, która go miała pogrążyć;
i wszyscy śpiewali alleluja,
alleluja. Puste niebo.
To samo niebo. To samo! Alleluja.

Całą noc przepędziłem pośród rusztowań przedmieści,
brocząc krwią, co spływała poprzez gips projektów,
i wraz z marynarzami zwijając podarte żagle.
A oto stoję z próżnymi rękami w poszumie ujścia rzeki.
Nie jest ważne, że w każdej minucie
noworodek porusza gałązeczkami swych żył.
ani że pośród żmii, skryty pod splotem gałęzi,
syci krwiożercze żądze tych, co wpatrują się w nagość.

Naprawdę ważne jest to tylko: pustka. Jedyny świat. Ujście rzeki.
Świt nie. Świt to baśń bezwładna.
Jedynie to: ujście rzeki.
O moja gąbko popielata!
Moje przed chwilą poderżnięte gardło!
O moja rzeko, moja wielka rzeko!
O mój wietrze, o krańcach, które nie są moje!
O mej miłości ostrze, o raniące ostrze!

Nowy Jork, 27 grudnia 1929 r.

Tłumaczyła Irena Kuran-Bogucka

“NAVIDAD EN HUDSON” de FEDERICO GARCÍA LORCA recita MIGUEL MENASSA NOCHEVIEJA

¡Esa esponja gris!
Ese marinero recién degollado.
Ese río grande.
Esa brisa de límites oscuros.
Ese filo, amor, ese filo.
Estaban los cuatro marineros luchando con el mundo.
con el mundo de aristas que ven todos los ojos,
con el mundo que no se puede recorrer sin caballos.
Estaban uno, cien, mil marineros
luchando con el mundo de las agudas velocidades,
sin enterarse de que el mundo
estaba solo por el cielo.
El mundo solo por el cielo solo.
Son las colinas de martillos y el triunfo de la hierba espesa.
Son los vivísimos hormigueros y las monedas en el fango.
El mundo solo por el cielo solo
y el aire a la salida de todas las aldeas.

Cantaba la lombriz el terror de la rueda
y el marinero degollado
cantaba al oso de agua que lo había de estrechar;
y todos cantaban aleluya,
aleluya. Cielo desierto.
Es lo mismo, ¡lo mismo!, aleluya.

He pasado toda la noche en los andamios de los arrabales
dejándome la sangre por la escayola de los proyectos,
ayudando a los marineros a recoger las velas desgarradas.
Y estoy con las manos vacías en el rumor de la desembocadura.
No importa que cada minuto
un niño nuevo agite sus ramitos de venas,
ni que el parto de la víbora, desatado bajo las ramas,
calme la sed de sangre de los que miran el desnudo.
Lo que importa es esto: hueco. Mundo solo. Desembocadura.
Alba no. Fábula inerte.
Sólo esto: desembocadura.
¡Oh esponja mía gris!
¡Oh cuello mío recién degollado!
¡Oh río grande mío!
¡Oh brisa mía de límites que no son míos!
¡Oh filo de mi amor, oh hiriente filo!

New York, 27 de diciembre de 1929.

pattismith-lorcaPatti Smith reading from the Lorca´s book “The Poet in New York” – Bowery Ballroom in New York “Lorca Tribute” / Patti Smith czyta wiersz z tomu “Poeta w Nowym Jorku” podczas koncertu w Bowery Ballroom pt. “Lorca Tribute” (Nowy Jork, 6/5/2013)

Christmas on the Hudson

That gray sponge!
That sailor whose throat was just cut.
That great river.
Those dark boundaries of the breeze.
That keen blade, my love that keen blade.
The four sailors wrestled with the world.
With that sharpedged world seen by all eyes.
With the world that can’t be traversed without horses.
One, a hundred, a thousand sailors
wrestling with the world of sharp speeds,
unaware that the world
was alone in the sky.

The world alone in a lonely sky.
It’s the hammers and the thick grass’s triumph.
It’s the teeming anthills and coins in the mire.
The world alone in the lonely sky,
and the air where all the villages end.

The earthworm sang its terror of the wheel,
and the sailor whose throat was slashed
sang the water-bear that would hold him close;
and they were all singing hallelujah,
hallelujah. Deserted sky.
It’s all the same, the same! Hallelujah.

I spent all night on the scaffolding of the outskirts
leaving my blood on the stucco projects,
helping the sailors lower their ripped sails.
And I stand empty-handed in the murmur of the river’s mouth.
It doesn’t matter if every minute
A newborn child waves the little branches of its veins,
Or if a newborn viper, uncoiling beneath the branches,
Calm the blood lust of those who watch the nakedness.

What matters is this: void. Lonely world. River’s mouth.
Not dawn. Idle fable.
This alone: river’s mouth
Oh, my gray sponge!
Oh, my throat just cut!
Oh, my great river!
Oh, my breeze with dark boundaries which are not my!
Oh, the keen blade of my love, oh, the cutting blade!

New York, 27th of Dec 1929

This translation I compiled from seven or eight fragments which I found in the internet, all without a name of translator. The last verses were not to be found so I had to translate them by myself.

***
lorcawallenstein2Weihnacht am Hudson

Der graue Schwamm da!
Der eben abgekehlte Seemann da!
Der große Fluß da.
Die Brise da mit dunklen Grenzen.
Die Schneide, Liebstes, da, die Schneide.
Ein paar Matrosen kämpften mit der Welt,
der Welt der kante, die sich schneiden, die alle Augen sehen,
die Welt, die ohne Pferde man nicht kann durcheilen.
Ein Seemann, hundert, tausend ware’n dabei,
zu kämpfen mit der Welt der scharfen Schnelligkeiten,
unkundig dessen, dass die Welt
allein am Himmel war.

Allein die Welt am Himmel, der allein.
Die Hämmerhügel sind und der Triumph des dichten Grases.
Die Emsenhaufen sind, die wimmeln, und im Morast die Münzen.
Allein die Welt am Himmel, der allein,
und auch der Wind am Ende aller Dörfer.

Der Wurm sang des Raders Schrecken,
der abgekehlte Seemann sang
vom Wasserbären, der bestimmt ihm zu umschlingen war;
und alle sangen halleluja,
halleluja. Öder Himmel.
Es ist ganz gleich, gleich, halleluja.

Ich hab die ganze Nacht verbracht bei den Gerüsten in den Vorortstraßen,
derweil das Blut am Stuck der Bauprojekte mich verließ,
und während die zerrißnen Segel einzuziehn ich den Matrosen half.
Und stehe nun mit leeren Händen im Geräusch der Mündung.
Nicht wichtig, dass in jeglicher Minute
Ein neugebornes Kind die kleinen Zweigen seiner Adern regt,
und dass die Viper, die gebiert frei unter dem Gezweig,
den Blutdurst derer stillt, die nach dem Nackten äugen.
Dies ist, was wichtig: Leere! Welt allein. Und Mündung.
Des Morgens Dämmer – nein. Kraftlose Märe.
Nur dieses: Mündung.
O grauer Schwamm, der mein ist!
O Hals, der mein und eben erst durchschnitten!
O großer Fluß, der mein ist!
O Brise, du, die mein, mit Grenzen, die nicht mein sind!
O Schneide, meiner Liebe, o Schneide, die versehrt!

New York, 27. Dezember 1929

Übersetzt von Enrique Beck
Wallstein Verlag, 2008

Reblog: Das Weihnachtswunder von 1914

choinka-okopyInge da Silva (auf dem Facebook)

Weihnachten 1914. An der Front harren Millionen Soldaten in den verschlammten Schützengräben aus. Im Niemandsland zwischen den feindlichen Linien liegen die Leichen der Gefallenen, teils mit Schnee bedeckt. Am Himmel stand ein blasser Mond. Bleich. Als hätte er die Farbe angenommen der Toten, die unten, im Schlamm, im Stacheldraht, im Niemandsland lagen. Doch mit einem Mal gehen auf beiden Seiten hinter den Wällen Pappschilder hoch: “Frohe Weihnachten” steht da, und “Merry X-Mas”. Was folgt, könnte ein Weihnachtsmärchen sein, aber es hat sich mitten im Ersten Weltkrieg, wirklich so zugetragen. Nach fünf Monaten Krieg mit Hunderttausenden von Toten auf beiden Seiten bricht an der Westfront von der Nordsee bis zur Schweiz der Friede aus. “Um neun Uhr abends werden die Bäume angesteckt, und aus mehr als zweihundert Kehlen klingen die alten deutschen Weihnachtslieder”, hält ein Soldat fest. “Dann setzen wir die brennenden Bäume ganz langsam und sehr vorsichtig auf die Grabenböschung. “Weihnachten, das hatten
so viele Soldaten geglaubt, als sie im Sommer 1914 trunken vor Euphorie an die Front marschierten, Weihnachten sollte der Krieg zu Ende sein. Aber Weihnachten ging gar nichts mehr an der Westfront, die vom belgischen Nieuwpoort an der Nordsee bis zur Schweizer Grenze im Süden reichte und an der sich Deutsche auf der einen, Belgier, Franzosen und Briten auf der anderen Seite gegenüberlagen.
Ein Brite schreibt seiner Frau: “Stell dir vor: Während du zu Hause deinen Truthahn gegessen hast, plauderte ich da draußen mit den Männern, die ich ein paar Stunden vorher noch zu töten versucht hatte.” Ein anderer berichtet: “Auf beiden Seiten herrschte eine Stimmung, dass endlich Schluss sein möge. Wir litten doch alle gleichermaßen unter Läusen, Schlamm, Kälte, Ratten und Todesangst.”

“Niemals sah ich ein schöneres Bild des Friedens”

Es dauert nicht lange, und die Feinde machen sich Geschenke, singen Weihnachtslieder, spielen Fußball, veranstalten Radrennen und trinken belgisches Bier. Vor allem Sachsen, Bayern und Österreicher verstehen sich gut mit den Briten – besser als mit ihren oft so schneidigen Kameraden aus Preußen. Ein britischer Soldat steht plötzlich seinem deutschen Coiffeur aus London gegenüber, der das Gastland bei Kriegsausbruch verlassen musste. Er bekommt sofort einen neuen Schnitt. Nach fünf Monaten Krieg mit Hunderttausenden von Toten auf beiden Seiten bricht an der Westfront von der Nordsee bis zur Schweiz der Friede aus. “Um neun Uhr abends werden die Bäume angesteckt, und aus mehr als zweihundert Kehlen klingen die alten deutschen Weihnachtslieder”, hält ein Soldat fest. “Dann setzen wir die brennenden Bäume ganz langsam und sehr vorsichtig auf die Grabenböschung. “Es war wie im Stadion bei einem Fußballspiel.” Ein britischer Offizier scherzt, für den Neujahrstag sei schon ein neuer Waffenstillstand verabredet worden: “Denn die Deutschen wollen sehen, wie die Fotos geworden sind”. Als das Fest vorbei ist, feuern sich die Soldaten zunächst noch über die Köpfe, dann geht das große Schlachten weiter. Im Jahr darauf ist Weihnachten ein Tag wie jeder andere. Befehl von oben: Jeder, der mit dem Feind “Stille Nacht” singt, ist sofort zu erschießen.
Bekannt ist nur, dass diese Geschichte am 9. Januar 1915 in der britischen “North Mail” erschien. Sie ist eine von zahllosen Beschreibungen eines Ereignisses, das als “Weihnachtsfrieden” in die Geschichte eingegangen ist, als an zahlreichen Abschnitten der Westfront die Soldaten spontan die Waffen niederlegten, um gemeinsam, mitten im Krieg Weihnachten zu feiern. Belgier und Franzosen reichten Deutschen die Hände. Das passierte auch. Aber meistens waren es Briten und Deutsche, die sich freundschaftlich begegneten. Sie sangen “Stille Nacht, heilige Nacht” und “Silent night, holy night”. Sie zeigten sich Fotos von ihren Liebsten. In der Nähe des französischen Dorfes Fromelles feierten sie einen Gottesdienst. “Der Herr ist mein Hirte” sprachen sie, den 23. Psalm, in Deutsch und in Englisch.

Manchmal trafen sich alte Bekannte, der britische Restaurantgast zum Beispiel und der Deutsche, der vor dem Krieg in London als Kellner gearbeitet hat. Und es gab ein Fußballspiel zwischen Sachsen und Schotten, das nicht zuletzt deshalb ein besonderes Erlebnis war, wie ein deutscher Soldat nach Hause schrieb, weil die Männer jedes Mal in Gelächter ausbrachen, wenn ein Schotte zeigte, dass er keine Wäsche unter dem Rock trug.

Eine Episode von vielen, die sich vor allem an den Abschnitten zwischen Mesen und Nieuwkapelle abspielten. “Einen solchen Frieden von unten gab es noch nie in der Geschichte eines Krieges”, schreibt Michael Jürgs, der in seinem Buch “Der kleine Friede im Großen Krieg” das Weihnachtswunder von 1914 minutiös nachgezeichnet hat.

Die Geschichte von Frederick W. Heath wurde erst vor wenigen Monaten wieder entdeckt. 96 Jahre, nachdem sie in einer Zeitung stand. Sie ragt deshalb aus den vielen Augenzeugenberichten heraus, weil sie so viel erzählt von Gefühlen. Von Ängsten und Misstrauen und von der Sehnsucht, trotz allem, einander als Menschen zu begegnen.

Er träumte noch von zu Hause, als er an jenem Weihnachtsabend auf der feindlichen Seite plötzlich ein Licht aufflackern sah. “Ein Flackern in der Dunkelheit”, schrieb er. “Ein Licht an der feindlichen Linie zu dieser Zeit war so selten, dass ich es gleich meldete.” Doch noch während er die Nachricht weitergab, ging an der deutschen Linie ein Licht nach dem anderen an. Und dann hörte er eine Stimme, eine deutsche. Ganz nah schien sie ihm, so nah, dass er sein Gewehr schussbereit hielt. “English soldier”, rief sie, “English soldier, a merry Christmas, a merry Christmas!”

Medien berichteten über den Weihnachtsfrieden

Die Briten schwiegen. Kein Laut war zu hören, außer den Befehlen der Offiziere, still zu bleiben. Es war noch nicht lange her, da hatten deutsche Soldaten an der Westfront vorgetäuscht, sich zu ergeben. Doch als die Briten ebenfalls die Waffen senkten, kamen Deutsche aus dem Hinterhalt – und schossen. Die englische Zeitschrift “The Sphere” hatte darüber ausführlich berichtet. Wer wird an diesem Weihnachtsabend nicht daran gedacht haben?

Doch etwas anderes war größer als die Angst. “Überall an unserer Linie”, schrieb Heath, “hörte man Männer, die den Weihnachtsgruß des Feindes erwiderten. Wie konnten wir dem widerstehen, uns gegenseitig schöne Weihnachten zu wünschen?” Sie begannen, mit den Deutschen zu reden, nicht ohne die Gewehre fest in den Händen zu halten. In dieser Weihnachtsnacht, in der sie Lieder hörten aus den deutschen Schützengräben und das Pfeifen von Flöten, in der die Briten mit Lachen antworteten und Weihnachtslieder aus ihrer Heimat sangen.

Sie riefen Segenswünsche

In dieser Nacht fiel kein Schuss. In der Dämmerung, als der Himmel grau und rosa wurde, da sahen sie ihre Feinde. Unbekümmert bewegten sich die Deutschen außerhalb der Schützengräben. Heath bewunderte den Mut. Es wäre geradezu eine Einladung an die Briten gewesen, abzudrücken. Aber sie schossen nicht. Sie standen auf und riefen Segenswünsche herüber zu den Männern, mit denen sie wenige Stunden zuvor noch gekämpft hatten um Leben und Tod.

***
Und noch passend dazu ein Weihnachtsgedicht von Erich Mühsam

Heilige Nacht

Geboren ward zu Bethlehem
ein Kindlein aus dem Stamme Sem.
Und ist es auch schon lange her,
seit’s in der Krippe lag,
so freun sich doch die Menschen sehr
bis auf den heutigen Tag.
Minister und Agrarier
Bourgeois und Proletarier,
es feiert jeder Arier
zu gleicher Zeit und überall
die Christgeburt im Rindviehstall.
(Das Volk allein, dem es geschah,
das feiert lieber Chanukka.)