Puppendienstag: Schutz-Geist

Plastikmaske.webLiebe Ewa,

bevor ich vor ca. 4 Jahren nach Berlin kam, wohnte ich einige Jahre in Frankfurt am Main. In einem Klima von Bänkern und Börsenspekulanten bedarf es besonderer Schutz-Geister. Und die habe ich für mich in Form von Köpfchen aus Pappmaché geschaffen. Einen Teil davon habe ich für deinen Blog schon einmal in Szene gesetzt.

Elisabeth-kopfFür mein Leben sind diese Geister in dieser Konzentration nicht mehr nötig, und so habe ich mich entschlossen, sie “in gute Hände” abzugeben.

Einen angemessenen Obulus sollte man entrichten, der gerne auch anteilig in einen wohltätigen Zweck fliessen darf. Sonst wirkt die Magie nicht.

Sehr herzliche Grüsse

Gertraud Pohl

 

Unicum-Kot szampan-kapitan piekarz-martini Maxi-marynarz

Immer Montags: Der polnische Adel… (7)

Wir begannen vor ein paar Wochen und werden mindestens noch ein paar Montage Fragmente eines Texts von Stanislaw K. Kubicki lesen, gespickt mit Anekdoten und Familiengeschichten aus der Welt, die es nicht mehr gibt. Wenn im Text von “Kubicki” oder “Vater” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Tante Helena Mycielski

Auf Wydawy wohnte – wie schon angedeutet – auch eine ledige alte Tante aus dem Hause Mycielski, namens Helena. Sie mußte schon weit in den Siebzigern gewesen sein, und erhielt gewissermaßen ihr Gnadenbrot auf dem Gut. Ihr Domizil war die kleine Villa gleich vorn bei der Einfahrt zum Schloß, in der sie äußerst sparsam und zurückgezogen lebte.

Tante Helena war – gelinde gesagt – schon etwas aus der Zeit. Zudem waren ihr kleine Jungs nicht geheuer. Deshalb störte es sie nachhaltig, wenn ihr Großneffe Józiu und ich an ihrem Haus im Spalier herumkletterten. Sie erwehrte sich dessen, indem sie uns eine kleine Dusche aus ihrer Gießkanne zukommen ließ. Józiu behauptete nun aber stante pede, die Großtante habe uns mit Jauche überschüttet, und machte damit aus einer Bagatelle einen Eklat – jedenfalls in den Augen der Großtante, denn alle anderen interessierte die Affaire gar nicht. Józiu blieb harttnäckig bei seiner Behauptung, obwohl ich – mit mehr Mitleid für die alte Dame – wahrheitsgemäß erklärte, dass es wirklich sauberes Wasser gewesen sei, das mitnichten gestunken habe.

Innerhalb der Familie war die Aktion längst als Bagatelle abgetan. Ob Józiu nun behauptete zu stinken oder nicht, war allen egal. Aber ich war ein Gast. Und da sich zu der Zeit auch meine Mutter auf dem Schloß befand, sah sich Tante Helena genötigt, bei ihr noch eine gesonderte Entschuldigung anzubringen. Also kündigte sie sich bei Mutter förmlich an, kam in passender dunkler Kleidung und beteuerte wiederum nachhaltig, daß sie wirklich klares Wasser über uns vergossen habe. Józius Anschuldigung wurmte sie entsetzlich, trotz aller meiner Eide. Deshalb beteuerte sie – als meine Mutter längst abgereist war – auch meiner acht Jahre älteren Schwester Janina gegenüber noch einmal, daß es reines Wasser gewesen wäre. Und um ihr besonderes Wohlwollen auszudrücken, schenkte sie Janina vor unserer Heimreise im August noch ein großes, mehrere Jahre altes Schokoladen-Osterei. Das Ei stieß dem deutschen Zoll zwar etwas auf, löste aber nur Verwunderung und keine Weiterungen aus.

Wie schon gesagt: Tante Helena lebte außerhalb der Zeit. Als sie eines Tages ins Poniecer Krankenhaus eingeliefert werden sollte, tauschte sie eine gewisse Menge Geldes in kleine Münzen. Befragt, was das solle, beteuerte sie, das Kleingeld den Straßenjungen zuwerfen zu müssen, wenn sie auf der Trage liegend ins Hospital befördert würde. Was außerhalb ihrer Vorstellungen lag: Sie wurde im Krankenwagen ins Hospital gegebracht.

Großtante Helena litt übrigens häufiger unter einer ekligen Migraine, die sie allerdings sehr probat selbst behandelte. Mit einer großen Schere pflegte sie die Kopfschmerzen erinfach oberhalb der Haare abzuschneiden.

Ungeachtet ihrer Vogeligkeiten war sie aber eine hochgebildete, in der Weltliteratur beschlagene Frau, die unter anderem Homer ins Polnische übersetzte.  Und diese Tante Helena führt nun unmittelbar zu dem Kapitel der Czartoryskis über.

Die Czartoryski’s

Die Fürsten Czartoryski waren noch reicher als der Graf Taczanowski vor seinen finanziellen Eskapaden, aber offenbar aus soliderem Holz. Sie waren – wie man so sagt – steinreich, und die Fama berichtet, sie hätten 1815 Talleyrand rund 10 Millionen Louisdor geboten, wenn es ihm gelänge, auf dem Wiener Kongreß Polen wiedererstehen zu lassen. Bekanntlich glückte das nicht, aber hätte es geklappt, wären die Czartoryskis ohne Zweifel die neuen polnischen Könige geworden.

Wie gesagt, sie waren ungeheuer reich. Herr von Finck erzählte mir in den Neunzigern, dass sein Onkel vor dem Ersten Weltkrieg Vermögensverwalter der Czartoryskis gewesen sei, und der habe erzählt, dass man auf einer Reise von Warschau nach Moskau – mit der Kutsche, versteht sich – jeden Tag auf einem anderen Besitz der Czartoryskis habe übernachten können.

Ihre Bedeutung für Polen war immens; in Rußland hatten sie aber trotz ihres Reichtums offenbar keine einflußreiche Rolle gespielt. Jedenfalls be­rich­tete mir mein guter alter Freund und Kollege, der Fürst Wladimir Alexandrowitsch Tschelischtschew, der sich später Lindenberg nannte, dessen Patentante aber nicht weniger als die Schwester der Zarin war, dass er – wie seine Eltern – den Czartoryskis nie begegnet sei, was soviel bedeutet wie, dass diese am Zarenhofe nicht verkehrten.

In den 30. des XX. Jahrhunderts hatten die Czartoryskis ihren Stammsitz anscheinend im Warthegau, jedenfalls nicht weit vom Gut Wydawy des Grafen Wojciech Mycielski entfernt. Die Folge waren häufige ge­genseitige Besuche.

Es waren der Czartoryskis drei, die Brüder Adam – so etwas wie der Chef des Hauses, Roman – der Langweiler und Stanisław – der Charmante.

Dem ersten Czartoryski, dem ich begegnete, war Roman, der Langweiler. Da ich als Knabe meine Ferien vorwiegend auf Wydawy verbrachte, ergab sich für mich die Gelegenheit, diesen Teil der Czartoryskis als ersten in Augenschein nehmen zu können. Roman galt im Übrigen auch als ungemein humorlos. Das stimmte aber nicht so ganz. Zumindest entfaltete er mir gegenüber so etwas wie einen gnädigen Charme.

Eines Tages wurde sein Besuch angekündigt, und Vater belehrte mich, dass ich den Herrn Fürsten mit „Durchlaucht“ anzusprechen habe. Das Wort gefiel mir aber ganz und gar nicht; Es klang in meinen Ohren zu sehr nach „Durchfall“, und ich erklärte deshalb unwiderruflich: „Pfui Deibel. Das sag ich nicht!“ Alle – das heißt in diesem Fall: die Grafen Wojciech und Władysław Mycielski, die Gräfin Róża und natürlich Vater und Mutter – waren nunmehr gespannt, wie ich die Situation händeln würde. Also begrüßte ich den bedeutenden Sproß der Familie Czartoryski am kommenden Morgen mit: „Guten Tag, Herr Fürst.“ Obwohl das unvermeidlich nach der Begrüßung einen jüdischen Handlungsreisenden klang, nahm der Fürst die Titulierung nicht im Geringsten übel, sondern sogar lachend entgegen. Also hatte er doch Humor. Die anderen waren offensichtlich nur nicht fähig, diese Saite in ihm zum Klingen zu bringen.

Der Wichtigste der drei Brüder aber war Adam. Zu ihm pflegte Vater – über die Mycielskis – einen engeren Kontakt. Am 10. Januar 1935 berichtete er in einem Brief an die Mutter, dass er gerade beim Fürsten Czartoryski gewesen sei, und dieser ihm erzählt habe, dass in Berlin-Wilmersdorf ein Bekannter von ihm lebe, dem es schlecht ginge, und dem er etwas helfen wolle. Es handele sich um den Satiriker A.O. Weber, der in der Landhausstraße 2 wohnhaft sei. Kurzum! Mutter möge doch dem Herrn Fürsten gefällig sein und etwas über A.O. Weber in Erfahrung bringen, dessen Bücher offenbar von den Nazis verbrannt worden waren. Dazu empfahl er, in der Sache Hans von Riesen – den engen Freund – zu konsultieren. Der übrigens war im Kriege (d.h. im Ersten Weltkrieg) in einem gleichen Kommando wie Wojciech Mycielski gewesen. Was aus dem Ganzen schließlich geworden ist, muß offen bleiben. Auch in Kubickis Brief an seine Frau vom Juni 1935 schreibt er nur: „…außerdem fahren wir jetzt gleich zum Fürsten Czartoryski… “, kommt aber auf die Geschichte selbst nicht mehr zurück.

Fürst Adam war nicht ganz ‚ungefährlich’. Er war exorbitant an der Politik der gesamten Welt interessiert und hielt alle wichtigen internationale Journale. Fatal war nur, dass er stets mit anderen tiefschürfend und langatmig darüber diskutieren mußte. Da kam ihm Wojciech Mycielski auf dem nahen Wydawy gerade zupaß. Da er dazu neigte, am Telephom stundenlang über die Dinge zu reden, war er zurecht gefürchtet. Die Bewohner Wydawys benutzten schon verschiedene Tricks. War Wojciech erschöpft, übernahm Kubicki den Hörer, und nach diesem Władek. Ahnte man beim Läuten des Telephons rechtzeitig, dass Adam am anderen Ende sein würde, meldete sich manchmal auch die Gräfin Róża, vorgebend, das Stubenmädchen zu sein: „Die Herrschaften sind nicht zu hause,“ flötete sie dann ins Telephon.

Ich war ein Frühaufsteher, was mich mit dem Fürsten in Verwicklung brachte. Eines Morgens nämlich fand ich mich allein vor dem Schloß – noch unschlüssig, wie ich den Tag so beginnen sollte. Fürst Adam Czartoryski war offenbar ebenfalls ein Mann des zeitigen Tages. Jedenfalls war er schon eingetroffen, als ihn noch niemand erwartet hatte. Wojciech Mycielski saß damit in der Falle. Er hatte viel auf den Feldern zu tun und weder Zeit noch Lust, sich mit dem Fürsten zu verplaudern. Der einzige Weg aus seinem Appartment führte aber durch eben den Salon, in dem der Fürst wartete. Wojciech lehnte sich suchend aus dem Fenster im Hochparterre, entdeckte mich, und hatte offenbar genug Vertrauen zu meiner Verschwiegenheit, denn er bat mich, eine Leiter zu holen. So konnte er übers Fenster das Weite suchen. Władek und Róża mußten die Konversation mit Adam Czartoryski allein führen. Ich habe bis heute geschwiegen, denke aber, dass es nach gut 75 Jahren erlaubt sein sollte, die kleine Verschwörung preiszugeben.

Fürst Adam war übrigens nicht der einzige Czartoryski, der gelegentlich Ungemach auf Wydawy verbreitete. Die Mutter Adams war eine weit regelmäßigere Besucherin Wydawys, sehr zum Leidwesen der Tante, der alten Gräfin Helena. Diese bewohnte – wie schon gesagt – die kleine Villa im Park Wydawys, nahe der Einfahrt und der Auffahrt zum Schloß. Sie lebte äußerst sparsam. Schon ihr Treppenhaus signalisierte das, denn es wurde nur von einer einzigen 15-Watt-Birne so gut wie nicht beleuchtet. Beim Betreten des Hauses wurde einem prompt gruselig.

Beide Damen – die Fürstin Czartoryska wie die Gräfin Mycielska – waren gut katholisch und besuchten regelmäßig die sonntägliche Frühmesse, die Fürstin – noch etwas katholischer als die Tante – nüchtern. Die Messe unter knurrendem Magen war dann auch Anlaß für die Frau Fürstin, sich anschließend zum Frühstück bei der Frau Gräfin einzufinden. Es entsprach auch durchaus der Etikette, dem zu willfahren. Dennoch ärgerte es die Gräfin. Sie nämlich – etwas weniger katholisch – frühstückte bereits vor der Messe. Aus der gräflichen Küche bekam sie nämlich täglich ein feudales Dejeunée, von dem sie an solchen Tagen etwas für die alte Fürstin abzweigte, die das dann auch tapfer wegputzte. Tante Helena aber beklagte anschließend, dass die Frau Fürstin auch wirklich alles aufgefuttert habe. Für ein zweites Frühstück blieb an solchen Tagen nichts zurück. Sic!

Die Czartoryskis luden eines Tages den Adel der Umgebung zu einem riesigen Picknick ein. Das wurde zu einem bemerkenswerten Ereignis. Wir fuhren von Wydawy aus mit drei oder vier Wagen los. Einige Kilometer weiter kamen von links und rechts weitere Kolonnen hinzu, und der Korso wurde länger und länger. Schließlich hielten wir in einem Wald. Selbstredend blieben die Bediensteten draußen bei den Pferden und Wagen, wurden aber gut versorgt. Im inneren Zirkel traf sich nur der Hochadel.

Dass ich als gehobenes Neuköllner Straßenkind Zugang hatte, erschien mir bei dem Umgang meines Vaters ganz normal. Im Wald tobte alles durcheinander, der Adel und seine Hunde. Junge Mitglieder der Czartoryskis drehten mit bloßen Händen kleine Bäume aus der Erde und zerhackten sie. Das war kein überzüchteter degenerierter Adel, das waren kräftige, unternehmungslustige Gesellen. Jeder der Gäste hatte etwas mitgebracht, gemeinhin in großen me­tallenen Kannen, wie man sie vom Kuhstall her kennt. Darin waren Suppen, Fleisch, Kartoffeln und Soßen oder auch Gemüse. Eine Kanne mit Roten Beten fiel um, und ein Teil ergoß sich auf den Waldboden. Ich aß Rote Bete für mein Leben ungern, und hatte durchaus kein Verständnis dafür, dass etliche Hunde sich auf das Zeug stürzten und es eifrig auffraßen. Feuer wurde gemacht, Lieder wurden gesungen, und wir kleinen Jungen hatten genug zu tun, alles zu begutachten. Es war Hochsommer und blieb lange hell. So kamen wir noch vor der Dunkelheit – aber rechtschaffend müde – wieder zu Hause an.

Fortsetzung in zwei Wochen, weil es am kommenden Montag unbedingt ein anderer Beitrag kommen muss


Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikationen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

Poezja – Poesie – Poetry / Marek Grechuta

Urodził się 10 grudnia 1945 roku, zmarł 9 października 2006 roku w Krakowie. Piosenkarz, poeta, kompozytor, malarz, z wykształcenia architekt, jak twierdzi Wikipedia, interesował się także rzeźbą i filozofią. W ostatnim tygodniu nagromadziło się kilka rocznic poetyckich. Była 77 rocznica urodzin Agnieszki Osieckiej, była 92 rocznica urodzin Tadeusza Różewicza. Nie wiem dlaczego zdecydowałam jednak, że przypomnę tu Marka Grechutę, choć zarówno “Ocalałem prowadzony na śmierć” jak “Okularników” można dokładnie tak samo jak “Świecie nasz” uznać za najważniejsze teksty literackie, określające nasze pokolenie.  Wszyscy troje byli kultowymi postaciami i symbolami tej najlepszej Polski, jaką wtedy mieliśmy. Osiecka i Różewicz na pewno się tu pojawią. A dziś Marek Grechuta.

Świecie nasz

Pytać zawsze – dokąd, dokąd?
Gdzie jest prawda, ziemi sól,
Pytać zawsze – jak zagubić,
Smutek wszelki, płacz i ból

Chwytać myśli nagłe, jasne,
Szukać tam, gdzie światła biel,
W Twoich oczach dwa ogniki,
Już zwiastują, znaczą cel,

W Twoich oczach dwa ogniki,
Już zwiastują, znaczą cel.

Świecie nasz, świecie nasz,
Chcę być z Tobą w zmowie,
Z blaskiem twym, siłą twą,
Co mi dasz – odpowiedz!

Świecie nasz – daj nam,
Daj nam wreszcie zgodę,
Spokój daj – zgubę weź,
Zabierz ją, odprowadź.

Szukaj dróg gdzie jasny dźwięk,
Wśród ogni złych co budzą lęk,
Nie prowadź nas, powstrzymaj nas,
Powstrzymaj nas w pogoni…

Świecie nasz –
Daj nam wiele jasnych dni!
Świecie nasz –
Daj nam w jasnym dniu oczekiwanie!
Świecie nasz –
Daj ugasić ogień zły!
Świecie nasz –
Daj nam radość, której tak szukamy!
Świecie nasz –
Daj nam płomień, stal i dźwięk!
Świecie nasz –
Daj otworzyć wszystkie ciężkie bramy!
Świecie nasz –
Daj pokonać każdy lęk!
Świecie nasz –
Daj nam radość blasku i odmiany!
Świecie nasz –
Daj nam cień wysokich traw!
Świecie nasz –
Daj zagubić się wśród drzew poszumu!
Świecie nasz –
Daj nam ciszy czarny staw!
Świecie nasz –
Daj nam siłę krzyku, śpiewu, tłumu!
Świecie nasz –
Daj nam wiele jasnych dni!
Świecie nasz –
Daj nam w jasnym dniu oczekiwanie!
Świecie nasz –
Daj ugasić ogień zły!
Świecie nasz…

Świecie nasz, świecie nasz,
Chcę być z Tobą w zmowie,
Z blaskiem twym, siłą twą,
Co mi dasz – odpowiedz!

Autor tekstu i wykonawca: Marek Grechuta
Kompozytor: Jan Kanty Pawluśkiewicz

***
Und hier der Text auf Deutsch übertragen von einen berühmten DDR-Liedermacher Kurt Demmler. ANAWA und MAREK GRECHUTA erreichten zu Beginn der 70. und in Folge des Albums “Korowód” (1971) eine große Popularität in der DDR. Richtig populär wurde er, nachdem sie im Rundfunk der DDR einige ihre Lieder in deutscher Sprache neu produzierten, ua. “Dni, Ktorych Nie Znamy” / “Wichtig sind Tage, die unbekannt sind” ein Kultsong, ebenso wie “Świecie Nasz” / “Unsere Welt” zu einer Hymne avancierte, in der die Sehnsucht nach einer besseren Welt, die uns damals unbewusst beschäftigte, besungen wurde.

gehen wir dahin wo wind weht
dahin wo die zeit uns braucht
dahin wo der tau noch funkelt
suchen wir den jungen tag
nimm dein herz und nutz dein werken
und nimm dir vom glück dein teil
dahin wo noch alles möglich
da geh hin und nutze die zeit

gehen wir suchen wir den tag
suchen wir den tag der vor uns liegt
gehen wir suchen wir den tag
suchen wir den tag der vor uns liegt
gehen wir suchen wir den tag
gehen wir

hüte deine besten träume
lass dich nicht vom schein verführen
bau dein haus auf festem boden
wo ein tag dem anderen folgt
doch lass dich am tische nieder
trink den wein der wahrheit
dahin wo noch alles möglich
da geh hin und nutze die zeit

gehen wir suchen wir den tag
suchen wir den tag der vor uns liegt
gehen wir suchen wir den tag
suchen wir den tag der vor uns liegt
gehen wir suchen wir den tag
gehen wir

frage stets wohin warum
wahrheit ist der erde salz
frage immer wie vergehen
alle trauer aller schmerz
halte deine träume fest
und die liebe und das licht
deine augen spiegeln schon
zukunft voller zuversicht
deine augen spiegeln schon
zukunft voller zuversicht

unsre welt unsre welt
sie gehört auch mir
dass sie endlich blühen kann
sorg ich mit dafür

aber noch braucht es zeit
fernes zu erreichen
und es gibt noch Not und tod
elend ohnegleichen
dass das endlich anders wird
müssen wir uns mühen
und es muss die ganze welt
endlich endlich blühen

unsere welt
braucht die sonne braucht das licht
unsere welt
hat die kraft dazu die nie verlischt

unsere welt
hat nicht platz für mord und brand
unsere welt
hat den hunger noch nicht ganz verbannt

unsere welt
sei beschützt vor angst und not
unsere welt
hat für alle menschen reichlich brot

unsere welt
schließt dem feigen tür und tor
unsere welt
sei so stark wie niemals je zuvor

unsere welt
schütze liebe und das licht
unsere welt
sie soll sein voll mut und zuversicht

unsere welt
schenke morgens uns den tau
unsere welt
schenk uns nächte ruhig still und lau

unsere welt
hüte wälder auch und seen
unsere welt
sie braucht menschen die mit klaren augen sehn

unsere welt
sie braucht uns zum fortbestehn
unsere welt

unsre welt unsre welt
sie gehört auch mir
dass sie endlich blühen kann
sorg ich mit dafür

Verzeihung: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurde von jemanden von der Internetseite http://www.ostmusik.de von den Originalaufnahmen abgeschrieben.

dt. Kurt Demmler

***

English version of that song I found on the site “www.textowo.pl” without a name of translator:

Our world

Always asking – where to, where to?
Where is the truth, salt of the Earth,
Always asking, how to lose
All sadness, cry and pain.

Catch sudden, bright toughts,
Seek there, where light is white,
Two fires in your eyes
Herald, mark the goal.

Two fires in your eyes
Herald, mark the goal.

Our world, our world,
I want to deal with you,
With your shine, your strength,
What will you give me – answer me!

Our world – give us,
Finally give us permission,
Give us peace – take the bane,
Take it, escort it.

Seek for roads where bright sound,
Among evil flames which bring fear,
Don’t lead us, stop us,
Stop our chase.

Our world –
Give us many bright days!
Our world –
Give us expactation in a bright day!
Our world –
Let us put out the evil flames!
Our world –
Give us happiness which we’re seeking!
Our world –
Give us fire, steel and sound!
Our world –
Let us open every heavy gate!
Our world –
Let us defeat every fear!
Our world –
Give us happines of shine and variety!
Our world –
Give us shadow of high grass!
Our world –
Let us get lost among noise of the trees!
Our world –
Give us black lake of silence!
Our world –
Give us strength of shout, singing, crowd!
Our world –
Give us many bright days!
Our world –
Give us expectation in a bright day!
Our world –
Let us put out the evil flames!
Our world…

Our world, our world,
I want to deal with you,
With your shine, your strength,
What will you give me – answer me!

300 Jahre Nachhaltigkeit

Vor 300 Jahren schrieb Hans Carl von Carlowitz sein Buch Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht, das als erstes Werk gilt, das Nachhaltigkeit fordert: „Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weil es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.“

Dass es mit Herrn von Carlowitz so gewesen ist, wurde ich von Tarik Mustafa informiert, Präsidenten des Bundesverbandes Nachhaltigkeit. Wir treffen uns auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof, auf dem Gelände von Arche Metropolis. Ich drehe seine Visitenkarte in der Hand rum. Ha, Bundespräsident! Wir alle sind doch irgendwelche Präsidenten. Er ist ein Präsident der Eutopie, eines glucklichen Ortes. Es ist ein Kunstprojekt fżr die Chancen und die Entwicklung der urbanen Gesellschaft in 21. Jahrhundert. Kunsprojekt. Akademie für Fortschriftliche Rückbesinnung. Auszeichnungen durch UNO. Ich schaue mir sein Feld an und weiß nicht, ist es ein schönes Projekt, ist es ein Bluff? Tarik selber ist jedoch ein unglaublich netter Mensch. Offen, entgegenkommend. Ich vermute, dass er auch ein Frauenversteher ist, weil er mir so leicht alle meine anfängliche skeptische Gedanken weg nimmt.  Das Projekt soll dem Gründungsvater der Nachhaltigkeit gebürtige Ehre zuweisen.

An einem schönem, kalten, windigen Tag sitzen wir auf einer Holzbank mitten im Nichts des riesiggrossen ehemaligen Flughafens und reden von bürgerliche Partizipation, Zukunftsvisionen und sozialen Aufgaben jedes Einzelnen. 1,3 Hektar Feld mieten er und seine Mitstreiter, wo sie kleine Hütten bauen, kleine Gartenbeete für Schulklassen zur Verfügung stellen, kleine Bühne betreiben, gedeckt von einem Dach aus den Plastikresten voll von gewollten Leerräume. Wir reden miteinander und ich bin enthusiastisch und hingerissen.

archeDas haben die charismatischen Menschen an sich. Sie bezirzen uns. Was hat er mir erzählt, der Tarik? Ausser Bilder von kleinen Hüten, vom weiten Feld und der Geschichte von Herrn Carlowitz, habe ich wenig im Kopf. Trotzem, eins ist sicher: Ein interessantes Bildungs- und Kunstprojekt.

Adresse:
Tempelhofer Feld, zwischen den beiden Eingängen vom Tempelhofer Damm und dann ganz einfach dorthin gehen, wo man kleine Häuschen und flattriges Dach sieht

Bilder: Wikipedia Commons

Zusätzliche Information vom November 2013. Arche Metropolis wird ausweichen müssen.
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Puppendienstag: Flohmarkt am Ostbahnhof

Ich war ja auch da, wir haben uns jedoch nicht getroffen. Gertraud Pohl schrieb am Tag der Deutschen Einheit:

Liebe Ewa,

zweimal im Jahr gibt es am Ostbahnhof einen großen Flohmarkt – am 1. Mai und am 3. Oktober. Ich kannte diesen Flohmarkt bis heute nicht, nun habe ich mich für dich umgeschaut, und das Ergebnis schicke ich dir – ohne zusätzlichen Text.

Sehr herzliche Grüsse

Gertraud

 

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Immer Montags: Der polnische Adel… (6)

Wir begannen vor fünf Wochen und werden noch ein paar Montage Fragmente eines Texts von Stanislaw K. Kubicki lesen, gespickt mit Anekdoten und Familiengeschichten aus der Welt, die es nicht mehr gibt. Wenn im Text von “Kubicki” oder “Vater” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Familie Niklewicz

Der Zufall wollte es, dass sich unweit Wydawys Verwandte des Vaters auf einem Gut namens Potrzebowo niedergelassen hatten.

wydawy-mapaDieser Ort – auf der nebenstehenden preußischen Karte noch als Neulaende vermerkt – liegt von Wydawy aus Richtung Bojanowo nur wenige Kilometer entfernt. Dort besuchten wir also einige Male Onkel Stefan Niklewicz und seine Frau Helena. Dieser Familienstrang war seit 1410 – seit der Schlacht bei Tannenberg – adlig, aber doch zu gering und unbedeutend, um irgendeine wichtige Rolle im polnischen Adelsleben zu spielen.

onkel-tante

Onkel Stefan und Tante Helena mit Edek und Halina

niklewiczdwor1Onkel Stefan war etwas derb, interessierte sich verständlicher Weise nicht sonderlich für mich, und ich entwickelte meinerseits keine Sympathien für ihn. Aber Tante Helena, eine Kusine über einen weiteren Familienstrang des Vaters, war eine herzensgute Frau. Sie hatten zwei Kinder, Edek und Halina. Beide studierten auf der Universität in Posen irgendwas, waren also deutlich älter als ich, aber durch mir unverständliche Verschiebungen in den Familiensträngen dennoch Neffe und Nichte von mir. Damit war eigentlich Onkel Stefan auch irgendwie mein Vetter, was nun gar nicht mehr nachvollziebar war, ohne verrückt zu werden.

 

Das Herrenhaus von Potrzebowo – Rückseite mit Treppe, Teich; unten – Frontseite.

niklewiczdwor2Potrzebowo war etwa 1.200 Morgen groß. Das Herrenhaus war geräumig, aber architektonisch nicht viel mehr als ein Kasten, wäre da nicht das säulengetragene Portal mit Altan gewesen. Das Ganze war solide gebaut und steht noch heute, inzwischen ebenfalls durch den Sozialismus kräftig verwahrlost. Hinten gab es eine Terrasse mit einer breiten, elfstufigen Trep­pe, hinunter zu einem kleinen See mit Brücke.

Tante Helena war eine erstklassige Köchin und zeigte mir im Keller, wie man wundervolles Erdbeereis bereiten kann. Begriffen habe ich es bis heute nicht, wie sie durch Rühren Kälte erzeugen konnte, aber geschmeckt hat das ungemein.

Nach drei Tagen wurden wir – schon spät abends – von Wydawy aus mit der Kutsche wieder abgeholte. Die Pferde trabten – auf der Straße von Bojanowo nach Poniec – wie von selbst dem heimatlichen Stall zu. Und mir blieben unvergessen, wie Tausende von Leuchtkäfer uns begleiteten und ständig erregt blinkten. Es war enorm romantisch.

Fortsetzung am nächsten Montag


Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikationen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

Poesie – Poezja / Meret Oppenheim

Achtung: Beitrag auf Deutsch und Polnisch – Uwaga: wpis po niemiecku i po polsku

Geboren vor Hundert Jahren, am 6. Oktober 1913, in Berlin-Charlottenburg, Künstlerin und Dichterin, eine von wichtigsten Malerinnen und Bildhauerinnen der modernen Kunst. Das Objekt ‹Le déjeuner en fourrure› aus dem Jahre 1936, dh. ‹Tasse und Teller aus Porzellan, sowie ein Löffel, alles mit einem dünnen Pelzchen überzogen›, ist nicht ihr wichtigstes Werk, aber wohl so ein, das jeder kennt. In der großen Berliner Retrospektive gibt es sie nur als Abbildung. Eigentlich Schade, oder?

futrzana filiżanka

Sie war eine emanzipierte, mutige, kreative und exzentrische Frau mit aussergewöhnlichen erotischen Ausstrahlung, die mit den wichtigsten Künstler ihrer Zeit befreundet war, Marcel Duchamps, Max Ernst, Man Ray, und von ihnen fotografiert und porträtiert wurde. Jetzt widmet ihr bis 1. Dezember Martin Gropis Bau in Berlin eine bemerkenswerte Retrospektive.

meretoppenheimMeret Oppenheim wielka artystka, wspaniała kobieta, niezwykła osobowość. Prawdziwa kobieta wyzwolona. Malarka, rzeźbiarka i poetka. Na polskiej Wikipedii potraktowana doprawdy per noga: “Stworzyła tylko jedno znane dzieło, lecz do dziś uważane jest za spektakularne” – mowa oczywiście o futrzanym śniadaniu. (http://pl.wikipedia.org/wiki/Meret_Oppenheim)

Dla artystki słowo było bowiem niezwykle ważne, włączała je w obiekty sztuki, ilustrowała ich sens dołączanym wierszem. Najsłynniejszym jej tomem poetyckim jest “Husch, husch, der schönste Vokal entleert sich”. Jej wiersze zostały zamieszczone w antologii poezji szwajcarskiej „Poszerzenie źrenic”, poezja Szwajcarii niemieckojęzycznej po 1945 roku (wybór i redakcja: Werner Morlang i Ryszard Wojnakowski, Wyd. Atut, Wrocław 2013). Niestety nie mam tej antologii w domu, a zanim ją sprowadzę z Wrocławia, trochę czasu upłynie. Tymczasem chciałam ten wpis zamieścić właśnie dziś, w setną rocznicę urodzin artystki. Jej wiersze przetłumaczyłam więc dla Was sama. Dwa fragmenty i jeden wiersz o wolności.

Von Beeren nährt man sich                           Jagodami można się pożywić,
mit dem Schuh verehrt man sich.                butem obronić.
Husch Husch, der schönste Vokal                Sio, sio,
entleert sich.                                                    najpiękniejsza zgłoska pustoszeje.

Für dich – wider dich                                    Dla ciebie – przeciw tobie
Wirf alle Steine hinter dich                           Rzuć za siebie wszystkie kamienie
Und lass die Wände los.                                I zostaw wszystkie ściany.

***
Endlich!
Die Freiheit!
Die Harpunen fliegen.

Der Regenbogen lagert in den Straßen,
Nur noch vom fernen Summen der Riesenbienen unterhöhlt.

Alle verlieren alle, das sie ach wie oft,
Vergeblich überflogen hatte.

Aber:

Genoveva:

Steif
Auf dem Kopfe stehend
Zwei Meter über der Erde
Ohne Arme.

Ihr Sohn Schmerzereich:
In ihr Haar gewickelt.

Mit den Zähnen bläst
sie ihn über sich her!

Kleine Fontäne.

Ich wiederhole: Kleine Fontäne.
(Wind und Schreie von ferne.)

1933

Nareszcie!
Wolność!
Lecą harpuny.

Tęcze nagromadzone na ulicach,
Wydrążone odległym brzęczeniem wielkich pszczół.

Wszystko stracone wszystko, choć, ach, tak często
Przelatywały nad nimi.

Ale:

Genowefa:

Sztywno
Stojąc na głowie
Dwa metry nad ziemią
Bezręka.

Jej syn PełenMęki
Zaplątany we włosy matki.

A ona wiatr zębami czyni
Okręca go wokół.

Mała fontanna.

Powtarzam: mała fontanna
(wiatr i krzyki z oddali)

1933

PS: Królowa z obciętymi rękami i syn PełenMęki to postaci z baśni Grimma Bezręka dziewczyna: http://www.grimmstories.com/pl/grimm_basnie/bezreka_dziewczyna

Reblog: Wladimir Kaminer

Zuerst die kleine Geschichte der Entstehung dieses Reblogs. Im Facebook fand ich diese Notiz:

Kaminer2Ich ging an die Kaminers Seite. Zuerst suchte ich mir den Männerarsch. Der ist HIER. Und dann fand ich einen schönen, witzigen Text mit einem Frauenarsch und schrieb an Autor:

Kaminer1Die Antwort kam noch am selben Abend:

Liebe Ewa Maria Slaska,

sehr gut, auf FB wurde dieser mein Beitrag geblockt

gruss
wk

Und somit reblogge ich diesen Text:

Kaminer3   Einmal hatten sich Österreicher über reiche Russen aufgeregt. Die Russen tranken, feierten wilde Orgien und warfen mit dem Geld nur so um sich. Das schlimmste aber war, sie ließen ihre Frauen aus Russland zu den Partys einfliegen, anstatt die Einheimischen anzubaggern. Deswegen forderten die österreichischen Hotelwirte eine Russenquote.  Meine zwei Telefone klingelten ununterbrochen, drei Tage lang, bis sich die Lage beruhigt hatte – bis zum nächsten Russenskandal.

Weiterlesen hier: http://blog.wladimirkaminer.de/post/62666562699/sex-statt-bomben

Unsterblicher Dichterrebell

https://i0.wp.com/upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/4c/Andrzej_Bursa_2.jpg/308px-Andrzej_Bursa_2.jpgUrszula Usakowska-Wolff

ANDRZEJ BURSA

Der polnische Lyriker, Dramatiker und Journalist Andrzej Bursa wurde am 21. März 1932 in Krakau geboren. Er studierte Journalistik und bulgarische Philologie an der Jagiellonen-Universität in Krakau. 1952 heiratete er Ludwika Szemiot, Studentin der Akademie der Schönen Künste in Krakau, kurz danach kam ihr Sohn Michał zur Welt. Vom Dezember 1954 bis zum Sommer 1957 arbeitete er als Reporter der Krakauer Tageszeitung Dziennik Polski. Er starb plötzlich am 15. November 1957 an einer angeborenen Schwäche der Halsschlagader.

Andrzej Bursa, der zur Generation 1956 gezählt wird, also zu den Dichtern und Schriftstellern, die nach dem so genannten Oktober-Tauwetter 1956 in Polen in Erscheinung traten, war wegen seines frühen Todes mit 25 nur drei Jahre schriftstellerisch tätig. Von 1954 – 1957 veröffentlichte er, vor allem in Studentenzeitschriften, 37 Gedichte sowie die Erzählung »Mason«. Er schrieb auch den Roman »Die Tötung der Tante« und das Theaterstück »Karfunkel« sowie die Groteske »Der Drache«.

Andrzej Bursa war ein literarischer Rebell, seine Lyrik ist von Brutalität und Zynismus durchdrungen: Das sind die Spuren, die der Zweite Weltkrieg in der Psyche des Dichters und seiner Generation hinterlassen hat. Seine Gedichte sind naturalistisch und programmatisch antiästhetisch. Doch zugleich sucht er nach festen humanistischen Werten, nach dem Sinn des Lebens und des Leidens von Menschen und Tieren. In seiner Poesie enttarnt er die realsozialistische Wirklichkeit, den Opportunismus der Menschen und die Verlogenheit des Systems. Er lehnt sich gegen die Normen des gesellschaftlichen Lebens, gegen die polnische romantische Tradition, den Märtyrerkult und den vordergründigen Patriotismus, den Machismus und die kleinbürgerlich-katholische Moral und Religion, gegen das Böse auf, das von der Partei oder der Kirche zum Guten erklärt wird. Er ist ein literarischer Einzelgänger, ein wahrer Poète Maudit. Lange Zeit etwas in Vergessenheit geraten, wird er heute als »unsterblicher« Dichterrebell mit einem sanften lyrischen Kern verehrt. In Deutschland ist Andrzej Bursa, abgesehen von einigen wenigen Übersetzungen seiner Gedichte, die in Anthologien polnischer Lyrik erschienen, beinahe unbekannt.

Casanova

Giuseppe Casanova
den du so beneidest
war weder sehr reich
noch sehr stark
und seine Epoche
kannte viele Männer die genauso schön
wie er
oder schöner als er waren
aber er war höflich
……..zärtlich
…..ritterlich
und eroberte immer
obwohl er manchmal einfacher
sein Ziel erreichen könnte
also wenn du willst
erobere
wie er
Frauenherzen
und lass dich von Schwierigkeiten nicht entmutigen
Fang mit der eigenen Frau an

Der Poet

Der Poet leidet für Millionen
von 10 bis 13.20
Um 11.10 drückt ihn die Blase
er tritt aus
macht den Hosenschlitz auf
macht den Hosenschlitz zu
Kommt zurück räuspert sich
und erneut
leidet er für Millionen

Fußtritte

Er kam tatsächlich um etwas zu werden
aber schon in der ersten Tür ein Fußtritt
er lächelte
den Fußtritt fand er ziemlich witzig
versuchte es wieder
ein Fußtritt
beschloss einen Stock höher zu gehen
landete wieder im Erdgeschoss mit einem Fußtritt zu Fall gebracht
duckte sich brav im Flur
ein Fußtritt
ein Fußtritt im Tor
auf der Straße wieder ein Fußtritt

also wünschte er sich wenigstens einen poetischen Tod
warf sich vor ein Auto

dessen Fahrer ihm einen kräftigen Fußtritt verpasste

Sonnabend

Gott was für ein netter Abend
so viel Wodka so viel Bier
und dann ein Tohuwabohu
in den Kulissen dieses Paradieses
zwischen dem plüschigen Vorhang
und der Küche hinterm Gitter
fühle ich wie ich mich
vom Überfluss an Energie befreie
den mir die Jugend bescherte

möglich
dass ich sie anders einsetzen könnte
z.B. 4 Reportagen schreiben
über Entwicklungsperspektiven kleiner Städte
aber
………….leckt mich am Arsch kleine Städte
………….leckt mich am Arsch kleine Städte
………….leckt mich am Arsch kleine Städte!

Morgens im Park

Morgens bei meinen Exerzitien mit Bäumen im Park
treffe ich einen Einzelgänger mit Köfferchen auf einer entlegenen Bank
blicke ins Köfferchen
…………………………..brr
………………..Köfferchen ein zerstückeltes
…………………………..Baby
diskret biege ich in eine Seitenallee
dort geht Einer
ein Bündel ein Bündel schleppt er
klatsch… aus dem Bündel fällt ein abgeschnittenes Frauenbein
jetzt reicht es mir aber
ich flüchte in die entfernteste Ecke
wo der Park in eine stillgelegte Schutthalde übergeht
hier treffe ich einen bekannten Buchhalterversager
leidenschaftlichen Kräutersammler
aber was schreitet denn da neben ihm her?
……………………….Ein Pferd?
……………………….Ein Hund?
etwas Kleineres als ein Pferd
und Erhabeneres als eine Dogge
ach … eine Chimäre
er weidet hier in der Einsamkeit seine Chimäre
armes Alterchen

1957

* * *

Doktor C reicher Wundertäter
und das alles aus eigener Kraft

………………..(schwere Kindheit aus eigener Kraft
………………..Gymnasium……….aus eigener Kraft
………………..Medizin……….aus eigener Kraft
………………..Villa bequemer……….als Himmel
………………..und zwei Autos schöner als..Sterne
………………..auch……….aus eigener Kraft)
sammelt Krüppel
solche Deppen ohne Hände und Füße
er hat davon 22
also zweimal 11
und verkündet
………….hoppla Jungs heute lernen wir Fußball spielen
– wir haben keine Füße – kreischen diese Penner
– ach Blödsinn – runzelt der Doktor seine Stirn
ich ging durchs Leben aus eigener Kraft
aus eigener Kraft kann man Wunder bewirken
und zwinkert dem Pfleger einem ausgedienten Ex-Sergeanten zu

ein halbes Jahr dauerte das Training im Sanatorium hinterm Stacheldraht

ich weiß nicht ob ihnen Füße gewachsen sind
ich weiß nicht wie es geschah
aber ich sah ihr Frühlingsmatch
die Jungs spielten prima Fußball

Aus dem Polnischen von Urszula Usakowska-Wolff
Ursprünglich erschienen im MATRIX – Zeitschrift für Literatur und Kunst Nr. 2/2009 (16). Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Übersetzerin.

Wie ich gezeugt wurde

Ewa Maria Slaska

Wie ich gezeugt wurde

Sie hießen Irena und Dariusz und waren sehr jung. Ich war ihr erstes Kind, wie meine Mutter zu sagen pflegte, “ein typisches Produkt der Hochzeitnacht”. Und die sah so aus.

Die Familie meiner Mutter wohnte in Warschau, mein Vater und seine Familie in Danzig. Es war Weihnachten 1948. Die Zeit, die man auf Polnisch mit drei Worten beschreibt: goło ale wesoło, ein fröhliches Nichtshaben.

Zur Hochzeit kam die ganze Familie aus Warschau. Die Familienwohnung in Danzig war so voll gepackt, dass man über eine ruhige Ecke für die Neuvermählten nicht einmal träumen konnte. Zum Glück ist der Freund meines Vaters, Andrzej, über Weihnachten zu seiner Familie gefahren und hat quasi als Hochzeitgeschenk meinem Papa seine Wohnung zur Verfügung gestellt. Also ließen nach dem Hochzeitessen meine Eltern die beiden Familien zu Hause und fuhren mit der Straßenbahn, nur zu zweit, zu ihrem Honeymoon Hotel Marke Altbau Ganz Weit Weg. Und, wie sie feststellen müssten, Ganz Primitiv. Über eine steile Treppe ging es nach oben, zum Dachboden, wo man, durch einen schmalen Durchgang, in ein Giebelzimmerchen gelangte. Das Zimmerchen hatte ein Fensterchen und, welch ein Luxus, direkt im Dachboden ein WeCe. In dem Zimmerchen gab es nur ein Bett, ein Zeichentisch mit einem Stuhl, einen alten Armsessel und einen Kachelofen. Im Durchgang stand auf einem Brett ein Elektroherd mit nur einer Kochplatte, und daneben ein gusseisernes Waschbecken. Die ganze Bude war kalt und dunkel.

So sah das erste gemeinsame Liebesnest meiner Eltern aus. Und die erste Nacht sah genauso reizend aus – erschöpft durch die Hochzeitsvorbereitungen und den harten Tag, der in einer langen Straßenbahnfahrt gipfelte, sind sie ins Bett gefallen und… eingeschlafen. Am nächsten Tag musste Papa um 6 Uhr aufstehen und nach Gdingen fahren, wo er damals als studentische Hilfskraft in der Fischerwerft arbeitete.

Am Nachmittag traf sich die ganze Familie wieder in der Wohnung in der Grunwaldzka Straße, diesmal aber fuhren die Neuverheirateten schon am frühen Abend zu ihrer Hochzeitsbleibe. Diesmal waren sie sogar imstande, im Ofen zu heizen und den Tee zu kochen. Es ist sogar gemütlich geworden, aber diesmal waren sie ja nicht mehr alleine. Mein Vater studierte noch und am Abend kam sein Studienkumpel, mit dem er mehrere Stunden gemeinsam für eine Prüfung paukte, die eine Woche später kommen sollte. Meine Mutter nahm es mit Würde und Gelassenheit an. Sie nistete sich im Armsessel ein und las.

Ich würde gern wissen, was sie las.

Die Studenten lösten gerade eine wichtige wissenschaftliche Aufgabe der Druck- und Realais-Schaltungen, als sie alle einen stechenden Brandgeruch wahrnahmen, den man im Armsessel, da wo meine Mutter neben dem Ofen saß, lokalisierte. In dem Moment als mein Vater meine Mama von dem Sessel hochzog und ihn vom Ofen weg schob, schoss eine hohe Flamme aus ihm heraus. Das kleine Zimmer füllte sich momentan mit gelbem, würgendem Rauch, nur unter der Decke leuchtete eine Glühbirne. Wie durch einen Automatismus gesteuert – es waren die Verhaltensautomatismen aus der Kriegszeit – taten die beiden jungen Männer das Nötige, ohne dass sie miteinander zu sprechen brauchten: Fenster aufreißen, Mama zu den Nachbarn schicken, damit sie die Feuerwehr anruft, das Waschbecken stöpseln und den Wasserhahn aufdrehen, damit das Wasser auf den Fußboden läuft, und den Armsessel zerkleinern, um die brennende Teile durch das Fenster wegwerfen zu können.

Bevor sie ihr Werk nur zu Ende führen konnten – der Armsessel war ein solides, großes und schweres Ding und sie hatten keine Werkzeuge, nur ihre Kraft und Entschlossenheit – waren ihre Hände verbrannt, jeder Atemzug vergiftete sie mit Gas, und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Doch nach einem kurzen Widerstand kapitulierte der Sessel mit lautem Knall und als sie die ersten zerhackten Teile durch die Dachluke wegwarfen, weit weg, egal wohin, nach Außen, ging auf einmal das Licht aus, und hinter ihnen begann etwas zu knallen. In der Dunkelheit vollendeten sie schnell die Vernichtung des Ungetüms. Der Rauch verdünnte sich allmählich. Papa schloss den Wasserhahn ab, zog den Stöpsel im Waschbecken aus und suchte, in den Wasserpfützen watend, blind die Sicherung, die zu seinem Glück automatisch anging. Sie krachte ein paar Mal und das Licht kam zurück.

Und dann plötzlich, mit Krach und Lärm, liefen in das Zimmer die Feuerwehrmänner ein, und gleich hinter ihnen die neugierigen Nachbarn. Für die Feuerwehrmänner gab es nichts mehr zu tun, sie wollten aber unbedingt wissen, was im Zimmer so knallte? Offensichtlich haben es ihnen die Nachbarn schon mitgeteilt. Die Frage war nicht so ungefährlich, wie sie heute klingt. Es war stalinistische Zeit, kurz nach dem Kriegsende, und Der Spion lauerte überall. Papa sagte, dass es wahrscheinlich alte Glühbirnen waren, von denen ein großer Haufen hinterm dem Ofen lag. Und tatsächlich, irgendetwas dieser Art fand sich hinterm Ofen. Die Beamten schrieben die Personalien aller Beteiligten auf, fertigten ein Protokoll und gingen.

Mama und Papa verabschiedeten sich höflich von den Nachbarn, verabredeten sich mit dem Kumpel für den nächsten Tag und begannen die Ordnung wieder herzustellen. Außer dass der Sessel vollkommen hinüber war, gab es eigentlich nur Dreck und Gestank, aber keine ernstzunehmenden Verluste. Erst bei der Arbeit fanden sie die wahre Ursache des vorherigen Knallens – in einem Dreckhaufen hinterm Ofen lagen zerstörte Minenzünder und ein Knäuel Lunte.

So – in dieser Nacht, es war die richtige Hochzeitsnacht meiner Eltern – wurde ich gezeugt.

usmiechnieci-na-jachcie