Via Carpatia

Eine Lobende Erwähnung sprach die Jury des 14. filmPOLSKA für „Via Carpatia” aus, den Film von Klara Kochańska und Kasper Bajon, in dem „immer wieder erstaunlich beeindruckende Bilder der Beiläufigkeit die volatile Stimmungslage des europäischen Sommers 2016 sondieren“: „Ein beeindruckendes filmisches Experiment, das sich an den Wohlstandsängsten der ‚Festung Europa‘ abarbeitet“, so die Jury weiter.

Fotos: Via Carpatia_ 5©IKH Pictures Promotion.jpg

Anne Schmidt, die sich den Film während des Festivals angesehen hat, schrieb darüber:

Ich hatte zwar die Inhaltsangabe zu dem Film “via carpatia” bereits gelesen, bevor ich mir den Film anschaute, war aber dennnoch vom Inhalt und der Gestaltung überrascht.
Da ich nach der Vorführung des Filmes noch zum Gespräch mit dem Kameramann im Kino blieb, sehe ich alles nicht so subjektiv oder auch naiv, wie ich es ohne seine erklärenden Worte gesehen hätte.
Er und seine Frau führten die Kamera in diesem “roadmovie”, in dem ein befreundetes Ehepaar die Hauptrolle spielt.
Der Plot für den Film fußt auf Erfahrungen des Hauptdarstellers, dessen Vater aus dem Iran stammt.
In der Filmgeschichte überredet die polnische Mutter ihren Sohn, den syrischen Vater, der auf der Flucht aus Syrien in einem griechischen Flüchtlingslager steckengeblieben ist, dort zu suchen und nach Polen zu schmuggeln.
Die Schwiegertochter steht diesem Ansinnen von Anfang an sehr skeptisch gegenüber und die Spannung, die sich aus ihrem Missmut über den geplatzten Urlaub und seinem schlechten Gewissen ihr gegenüber ergibt, zieht sich durch den ganzen Film. Sie zeigt sich besonders in den Gesichtern der Beiden, die von der Kamera ständig eingefangen werden, weil sie direkt hinter ihnen im Van sitzt. Direktheit und Spontaneität sind die Ausdrucksmittel dieses Films, der trotz seiner scheinbar einfachen Machart eine hohe Professionalität in der Kameraführung und Regie aufweist.
Der unerwartete Schluss am Zaun eines leeren Flüchtlingslager war nicht vorgesehen, sondern ergab sich spontan.
Für die junge Frau, die sich einen Urlaub am Meer gewünscht hatte, kann jetzt der Urlaub mit mitgereister Schildkröte beginnen. Simple Gespräche von vorbeibummelnden Urlaubern holen das junge Paar und den Zuschauer in die banale Wirklichkeit eines scheinbar unbelasteten Urlaubs in Griechenland zurück.

Ein einfaches Film mit einfachen Mitteln gemacht und trotzdem eine großartige Geschichte – der erste (und bis jetzt der einzige) polnische Spielfilm, der sich mit dem Thema Flüchtlinge in Europa und insbesondere, Flüchtlinge in Polen auseinandersetzt.

 

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