Immer Montags: Der polnische Adel… (8)

Wir begannen vor zwei Monaten und kommen heute zum Ende eines interessanten Texts von Stanislaw K. Kubicki. Wenn im Text von “Kubicki” oder “Vater” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war. Auch seine Mutter Margarete war eine Malerin. Übrignes: Merken wir uns, dass der 10-jährige Knirps inzwischen aufgewachsen ist.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Nachtrag

1938 hatten die Nazis die internationalen Spannungen schon so angeheizt, dass an weitere Urlaube auf Wydawy nicht mehr zu denken war. Mit Kriegsbeginn brachen alle Nachrichten ab.

Dann erschien aber Vater im Frühjahr 1940 ganz plötzlich wieder in Britz. Mutter und ich waren gerade unterwegs. Janina, die eigentlich in Heidelberg studierte, war zufällig zuhaus, ließ den Vater ein und legte uns die unfaßbare Nachricht hin: „Vater schläft oben“.

Von der Zeit an – etwa bis zum Spätsommer 1941 – erschien er häufiger und blieb jeweils zwei bis drei Wochen in Britz. Er hatte nie die polnische Staatsbürgerschaft angenommen und konnte nun als Reichsdeutscher für den polnischen Widerstand als Kurier relativ leicht zwischen Warschau und Berlin hinundherpendeln. Dann wurde er Ende 1941 verhaftet. Mutter wurde ihm im Reichssicherheitshauptamt in der Prinz Albrecht Straße noch einmal gegenübergestellt. Danach wurde er wieder nach Warschau verbracht und dort Anfang 1942 von der Gestapo umgebracht.

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Ich meinerseits hatte das zweifelhafte Vergnügen, 1944 nach Krossen (Krosno Odrzańskie – ziemlich in der Mitte der Karte, direkt unterhalb der Oder) zur Infanterie eingezogen zu werden, kam letztendlich aber in eine Inspektion nach Züllichau (Sulechów – einige Kilometer weiter östlich, oberhalb des Oderknicks) mit einer monatelangen Ausbildungszeit – sah also von der Front so gut wie nichts.

In dieser Zeit wurde ich mit meinem unvergessenen Freund Gabka zwecks Umzuges eines Offiziers ins Haus der Frau von Zitzewitz abkommandiert. Sie lebte dort mit ihrer reizenden Tochter, einer Gräfin Hochberg, und deren kleinen Kindern. Es war – wie man so sagte – in Züllichau das „Erste Haus am Platze“, was ich aber erst sehr viel später begriff.

Im Gespräch hatte ich von meinen Ferien jenseits der ehemaligen Grenze bei den Mycielskis erzählt, von den Fürsten Czartoryskis, den Slaskis und Niklewiczs. Man lud mich ein, bei freier Zeit ruhig wieder zu kommen, als gern gesehener Gast. Ich wurde ein ständiger. Man parlierte über viele Dinge. Die junge Frau Gräfin malte, und ich schenkte ihr zu irgendeiner Gelegenheit ein wundervolles Büchlein über Franz Marc aus meinem Bücherschrank. Mutter brachte es mir bei einem ihrer häufigen Besuche in der Garnisonsstadt mit. Nur über die aktuelle Politik sprach man nicht direkt. Die blieb stillschweigend außen vor. Man spürte gegenseitig, daß man auf der gleichen Seite, der des Widerstandes, war. Die Bekanntschaft mit Theodor Haubachs war das Äußerste, was man erwähnen konnte. Dann kam der 20. Juli. Der bisherige schneidige Standortkommandant – ein Oberst mit vielen Orden – beging Selbstmord, und es kam ein neuer Oberst, ein ruhiger pommerscher Gutsbesitzer.

Als ich ihn das erste Mal bei Frau von Zitzewitz traf, baute ich sofort ein ‚Männchen’, wie man die militärische Ehrenbezeugung so nannte. Aber der Oberst sagte nur: „Junge! Setz Dich hin und machs Dir gemütlich. Es geht auf Advent zu“.

Und der Krieg ist bald verloren“, sollte er dazu sagen, verschwieg es aber.

Einige Zeit später wurde ich von unserem Hauptmann, einem Nazi, der die Inspektion leitete, dem Herrn Oberst im Offizierskasino mit drei anderen Reserveoffiziersbewerbern vorgestellt, denn wir mußten reihum einmal im Kasino essen, damit man sich ein Bild von unsere Manieren machen konnte. Der Hauptmann meldete, der Oberst befahl: „Augen gradeaus, rührt euch“, kam zu mir, legte seine Hand auf meine Schulter und sagte: „Na wir kennen uns ja schon. Gehen Sie mal zu den jungen Offizieren. Die anderen drei bitte ich an meinen Tisch“.

Der Haupmann schwoll an und zischelte mir noch zu: „Woher kennen Sie den Herrn Oberst?“ Da packte mich der Schwejk und ich sagte – an sich ja wahrheitsgemäß – ich träfe ihn regelmäßig (ich gebe zu: regelmäßig war leicht übertrieben) bei der Frau von Zitzewitz.

Und nun passierte etwas Merkwürdiges. Egal, was ich machte, es blieb ungeahndet. Früher mußte ich regelmäßig nachexerzieren, weil ich ‚Fahrkarten’ schoß oder ähnliches. Es war so auffällig, daß ich eines Tages der Frau von Zitzewitz davon erzählte, die aber zu meiner Überraschung anfing zu lachen. „Wissen Sie das wirklich nicht?“, sagte sie: „Wir führen hier das Erste Haus am Platze, und jeder Offizier wünscht sich, bei uns verkehren zu dürfen. Und Sie, Muschik Kubicki, dürfen, und ihr Herr Hauptmann nicht.“

Sic! Nun wurde mir schlagartig klar, wie international der Adel ist. Über die Czartoryskis, Mycielskis und Slaskis, die ja vor dem Kriege praktisch gleich jenseits der Grenze – gewissermaßen nebenan – wohnten, und mit den von Zitzewitz möglicherweise sogar irgendwie verwandt waren, war ich ein Vertrauter geworden.


Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikationen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

Immer Montags: Der polnische Adel… (7)

Wir begannen vor ein paar Wochen und werden mindestens noch ein paar Montage Fragmente eines Texts von Stanislaw K. Kubicki lesen, gespickt mit Anekdoten und Familiengeschichten aus der Welt, die es nicht mehr gibt. Wenn im Text von “Kubicki” oder “Vater” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Tante Helena Mycielski

Auf Wydawy wohnte – wie schon angedeutet – auch eine ledige alte Tante aus dem Hause Mycielski, namens Helena. Sie mußte schon weit in den Siebzigern gewesen sein, und erhielt gewissermaßen ihr Gnadenbrot auf dem Gut. Ihr Domizil war die kleine Villa gleich vorn bei der Einfahrt zum Schloß, in der sie äußerst sparsam und zurückgezogen lebte.

Tante Helena war – gelinde gesagt – schon etwas aus der Zeit. Zudem waren ihr kleine Jungs nicht geheuer. Deshalb störte es sie nachhaltig, wenn ihr Großneffe Józiu und ich an ihrem Haus im Spalier herumkletterten. Sie erwehrte sich dessen, indem sie uns eine kleine Dusche aus ihrer Gießkanne zukommen ließ. Józiu behauptete nun aber stante pede, die Großtante habe uns mit Jauche überschüttet, und machte damit aus einer Bagatelle einen Eklat – jedenfalls in den Augen der Großtante, denn alle anderen interessierte die Affaire gar nicht. Józiu blieb harttnäckig bei seiner Behauptung, obwohl ich – mit mehr Mitleid für die alte Dame – wahrheitsgemäß erklärte, dass es wirklich sauberes Wasser gewesen sei, das mitnichten gestunken habe.

Innerhalb der Familie war die Aktion längst als Bagatelle abgetan. Ob Józiu nun behauptete zu stinken oder nicht, war allen egal. Aber ich war ein Gast. Und da sich zu der Zeit auch meine Mutter auf dem Schloß befand, sah sich Tante Helena genötigt, bei ihr noch eine gesonderte Entschuldigung anzubringen. Also kündigte sie sich bei Mutter förmlich an, kam in passender dunkler Kleidung und beteuerte wiederum nachhaltig, daß sie wirklich klares Wasser über uns vergossen habe. Józius Anschuldigung wurmte sie entsetzlich, trotz aller meiner Eide. Deshalb beteuerte sie – als meine Mutter längst abgereist war – auch meiner acht Jahre älteren Schwester Janina gegenüber noch einmal, daß es reines Wasser gewesen wäre. Und um ihr besonderes Wohlwollen auszudrücken, schenkte sie Janina vor unserer Heimreise im August noch ein großes, mehrere Jahre altes Schokoladen-Osterei. Das Ei stieß dem deutschen Zoll zwar etwas auf, löste aber nur Verwunderung und keine Weiterungen aus.

Wie schon gesagt: Tante Helena lebte außerhalb der Zeit. Als sie eines Tages ins Poniecer Krankenhaus eingeliefert werden sollte, tauschte sie eine gewisse Menge Geldes in kleine Münzen. Befragt, was das solle, beteuerte sie, das Kleingeld den Straßenjungen zuwerfen zu müssen, wenn sie auf der Trage liegend ins Hospital befördert würde. Was außerhalb ihrer Vorstellungen lag: Sie wurde im Krankenwagen ins Hospital gegebracht.

Großtante Helena litt übrigens häufiger unter einer ekligen Migraine, die sie allerdings sehr probat selbst behandelte. Mit einer großen Schere pflegte sie die Kopfschmerzen erinfach oberhalb der Haare abzuschneiden.

Ungeachtet ihrer Vogeligkeiten war sie aber eine hochgebildete, in der Weltliteratur beschlagene Frau, die unter anderem Homer ins Polnische übersetzte.  Und diese Tante Helena führt nun unmittelbar zu dem Kapitel der Czartoryskis über.

Die Czartoryski’s

Die Fürsten Czartoryski waren noch reicher als der Graf Taczanowski vor seinen finanziellen Eskapaden, aber offenbar aus soliderem Holz. Sie waren – wie man so sagt – steinreich, und die Fama berichtet, sie hätten 1815 Talleyrand rund 10 Millionen Louisdor geboten, wenn es ihm gelänge, auf dem Wiener Kongreß Polen wiedererstehen zu lassen. Bekanntlich glückte das nicht, aber hätte es geklappt, wären die Czartoryskis ohne Zweifel die neuen polnischen Könige geworden.

Wie gesagt, sie waren ungeheuer reich. Herr von Finck erzählte mir in den Neunzigern, dass sein Onkel vor dem Ersten Weltkrieg Vermögensverwalter der Czartoryskis gewesen sei, und der habe erzählt, dass man auf einer Reise von Warschau nach Moskau – mit der Kutsche, versteht sich – jeden Tag auf einem anderen Besitz der Czartoryskis habe übernachten können.

Ihre Bedeutung für Polen war immens; in Rußland hatten sie aber trotz ihres Reichtums offenbar keine einflußreiche Rolle gespielt. Jedenfalls be­rich­tete mir mein guter alter Freund und Kollege, der Fürst Wladimir Alexandrowitsch Tschelischtschew, der sich später Lindenberg nannte, dessen Patentante aber nicht weniger als die Schwester der Zarin war, dass er – wie seine Eltern – den Czartoryskis nie begegnet sei, was soviel bedeutet wie, dass diese am Zarenhofe nicht verkehrten.

In den 30. des XX. Jahrhunderts hatten die Czartoryskis ihren Stammsitz anscheinend im Warthegau, jedenfalls nicht weit vom Gut Wydawy des Grafen Wojciech Mycielski entfernt. Die Folge waren häufige ge­genseitige Besuche.

Es waren der Czartoryskis drei, die Brüder Adam – so etwas wie der Chef des Hauses, Roman – der Langweiler und Stanisław – der Charmante.

Dem ersten Czartoryski, dem ich begegnete, war Roman, der Langweiler. Da ich als Knabe meine Ferien vorwiegend auf Wydawy verbrachte, ergab sich für mich die Gelegenheit, diesen Teil der Czartoryskis als ersten in Augenschein nehmen zu können. Roman galt im Übrigen auch als ungemein humorlos. Das stimmte aber nicht so ganz. Zumindest entfaltete er mir gegenüber so etwas wie einen gnädigen Charme.

Eines Tages wurde sein Besuch angekündigt, und Vater belehrte mich, dass ich den Herrn Fürsten mit „Durchlaucht“ anzusprechen habe. Das Wort gefiel mir aber ganz und gar nicht; Es klang in meinen Ohren zu sehr nach „Durchfall“, und ich erklärte deshalb unwiderruflich: „Pfui Deibel. Das sag ich nicht!“ Alle – das heißt in diesem Fall: die Grafen Wojciech und Władysław Mycielski, die Gräfin Róża und natürlich Vater und Mutter – waren nunmehr gespannt, wie ich die Situation händeln würde. Also begrüßte ich den bedeutenden Sproß der Familie Czartoryski am kommenden Morgen mit: „Guten Tag, Herr Fürst.“ Obwohl das unvermeidlich nach der Begrüßung einen jüdischen Handlungsreisenden klang, nahm der Fürst die Titulierung nicht im Geringsten übel, sondern sogar lachend entgegen. Also hatte er doch Humor. Die anderen waren offensichtlich nur nicht fähig, diese Saite in ihm zum Klingen zu bringen.

Der Wichtigste der drei Brüder aber war Adam. Zu ihm pflegte Vater – über die Mycielskis – einen engeren Kontakt. Am 10. Januar 1935 berichtete er in einem Brief an die Mutter, dass er gerade beim Fürsten Czartoryski gewesen sei, und dieser ihm erzählt habe, dass in Berlin-Wilmersdorf ein Bekannter von ihm lebe, dem es schlecht ginge, und dem er etwas helfen wolle. Es handele sich um den Satiriker A.O. Weber, der in der Landhausstraße 2 wohnhaft sei. Kurzum! Mutter möge doch dem Herrn Fürsten gefällig sein und etwas über A.O. Weber in Erfahrung bringen, dessen Bücher offenbar von den Nazis verbrannt worden waren. Dazu empfahl er, in der Sache Hans von Riesen – den engen Freund – zu konsultieren. Der übrigens war im Kriege (d.h. im Ersten Weltkrieg) in einem gleichen Kommando wie Wojciech Mycielski gewesen. Was aus dem Ganzen schließlich geworden ist, muß offen bleiben. Auch in Kubickis Brief an seine Frau vom Juni 1935 schreibt er nur: „…außerdem fahren wir jetzt gleich zum Fürsten Czartoryski… “, kommt aber auf die Geschichte selbst nicht mehr zurück.

Fürst Adam war nicht ganz ‚ungefährlich’. Er war exorbitant an der Politik der gesamten Welt interessiert und hielt alle wichtigen internationale Journale. Fatal war nur, dass er stets mit anderen tiefschürfend und langatmig darüber diskutieren mußte. Da kam ihm Wojciech Mycielski auf dem nahen Wydawy gerade zupaß. Da er dazu neigte, am Telephom stundenlang über die Dinge zu reden, war er zurecht gefürchtet. Die Bewohner Wydawys benutzten schon verschiedene Tricks. War Wojciech erschöpft, übernahm Kubicki den Hörer, und nach diesem Władek. Ahnte man beim Läuten des Telephons rechtzeitig, dass Adam am anderen Ende sein würde, meldete sich manchmal auch die Gräfin Róża, vorgebend, das Stubenmädchen zu sein: „Die Herrschaften sind nicht zu hause,“ flötete sie dann ins Telephon.

Ich war ein Frühaufsteher, was mich mit dem Fürsten in Verwicklung brachte. Eines Morgens nämlich fand ich mich allein vor dem Schloß – noch unschlüssig, wie ich den Tag so beginnen sollte. Fürst Adam Czartoryski war offenbar ebenfalls ein Mann des zeitigen Tages. Jedenfalls war er schon eingetroffen, als ihn noch niemand erwartet hatte. Wojciech Mycielski saß damit in der Falle. Er hatte viel auf den Feldern zu tun und weder Zeit noch Lust, sich mit dem Fürsten zu verplaudern. Der einzige Weg aus seinem Appartment führte aber durch eben den Salon, in dem der Fürst wartete. Wojciech lehnte sich suchend aus dem Fenster im Hochparterre, entdeckte mich, und hatte offenbar genug Vertrauen zu meiner Verschwiegenheit, denn er bat mich, eine Leiter zu holen. So konnte er übers Fenster das Weite suchen. Władek und Róża mußten die Konversation mit Adam Czartoryski allein führen. Ich habe bis heute geschwiegen, denke aber, dass es nach gut 75 Jahren erlaubt sein sollte, die kleine Verschwörung preiszugeben.

Fürst Adam war übrigens nicht der einzige Czartoryski, der gelegentlich Ungemach auf Wydawy verbreitete. Die Mutter Adams war eine weit regelmäßigere Besucherin Wydawys, sehr zum Leidwesen der Tante, der alten Gräfin Helena. Diese bewohnte – wie schon gesagt – die kleine Villa im Park Wydawys, nahe der Einfahrt und der Auffahrt zum Schloß. Sie lebte äußerst sparsam. Schon ihr Treppenhaus signalisierte das, denn es wurde nur von einer einzigen 15-Watt-Birne so gut wie nicht beleuchtet. Beim Betreten des Hauses wurde einem prompt gruselig.

Beide Damen – die Fürstin Czartoryska wie die Gräfin Mycielska – waren gut katholisch und besuchten regelmäßig die sonntägliche Frühmesse, die Fürstin – noch etwas katholischer als die Tante – nüchtern. Die Messe unter knurrendem Magen war dann auch Anlaß für die Frau Fürstin, sich anschließend zum Frühstück bei der Frau Gräfin einzufinden. Es entsprach auch durchaus der Etikette, dem zu willfahren. Dennoch ärgerte es die Gräfin. Sie nämlich – etwas weniger katholisch – frühstückte bereits vor der Messe. Aus der gräflichen Küche bekam sie nämlich täglich ein feudales Dejeunée, von dem sie an solchen Tagen etwas für die alte Fürstin abzweigte, die das dann auch tapfer wegputzte. Tante Helena aber beklagte anschließend, dass die Frau Fürstin auch wirklich alles aufgefuttert habe. Für ein zweites Frühstück blieb an solchen Tagen nichts zurück. Sic!

Die Czartoryskis luden eines Tages den Adel der Umgebung zu einem riesigen Picknick ein. Das wurde zu einem bemerkenswerten Ereignis. Wir fuhren von Wydawy aus mit drei oder vier Wagen los. Einige Kilometer weiter kamen von links und rechts weitere Kolonnen hinzu, und der Korso wurde länger und länger. Schließlich hielten wir in einem Wald. Selbstredend blieben die Bediensteten draußen bei den Pferden und Wagen, wurden aber gut versorgt. Im inneren Zirkel traf sich nur der Hochadel.

Dass ich als gehobenes Neuköllner Straßenkind Zugang hatte, erschien mir bei dem Umgang meines Vaters ganz normal. Im Wald tobte alles durcheinander, der Adel und seine Hunde. Junge Mitglieder der Czartoryskis drehten mit bloßen Händen kleine Bäume aus der Erde und zerhackten sie. Das war kein überzüchteter degenerierter Adel, das waren kräftige, unternehmungslustige Gesellen. Jeder der Gäste hatte etwas mitgebracht, gemeinhin in großen me­tallenen Kannen, wie man sie vom Kuhstall her kennt. Darin waren Suppen, Fleisch, Kartoffeln und Soßen oder auch Gemüse. Eine Kanne mit Roten Beten fiel um, und ein Teil ergoß sich auf den Waldboden. Ich aß Rote Bete für mein Leben ungern, und hatte durchaus kein Verständnis dafür, dass etliche Hunde sich auf das Zeug stürzten und es eifrig auffraßen. Feuer wurde gemacht, Lieder wurden gesungen, und wir kleinen Jungen hatten genug zu tun, alles zu begutachten. Es war Hochsommer und blieb lange hell. So kamen wir noch vor der Dunkelheit – aber rechtschaffend müde – wieder zu Hause an.

Fortsetzung in zwei Wochen, weil es am kommenden Montag unbedingt ein anderer Beitrag kommen muss


Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikationen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

Immer Montags: Der polnische Adel… (6)

Wir begannen vor fünf Wochen und werden noch ein paar Montage Fragmente eines Texts von Stanislaw K. Kubicki lesen, gespickt mit Anekdoten und Familiengeschichten aus der Welt, die es nicht mehr gibt. Wenn im Text von “Kubicki” oder “Vater” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Familie Niklewicz

Der Zufall wollte es, dass sich unweit Wydawys Verwandte des Vaters auf einem Gut namens Potrzebowo niedergelassen hatten.

wydawy-mapaDieser Ort – auf der nebenstehenden preußischen Karte noch als Neulaende vermerkt – liegt von Wydawy aus Richtung Bojanowo nur wenige Kilometer entfernt. Dort besuchten wir also einige Male Onkel Stefan Niklewicz und seine Frau Helena. Dieser Familienstrang war seit 1410 – seit der Schlacht bei Tannenberg – adlig, aber doch zu gering und unbedeutend, um irgendeine wichtige Rolle im polnischen Adelsleben zu spielen.

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Onkel Stefan und Tante Helena mit Edek und Halina

niklewiczdwor1Onkel Stefan war etwas derb, interessierte sich verständlicher Weise nicht sonderlich für mich, und ich entwickelte meinerseits keine Sympathien für ihn. Aber Tante Helena, eine Kusine über einen weiteren Familienstrang des Vaters, war eine herzensgute Frau. Sie hatten zwei Kinder, Edek und Halina. Beide studierten auf der Universität in Posen irgendwas, waren also deutlich älter als ich, aber durch mir unverständliche Verschiebungen in den Familiensträngen dennoch Neffe und Nichte von mir. Damit war eigentlich Onkel Stefan auch irgendwie mein Vetter, was nun gar nicht mehr nachvollziebar war, ohne verrückt zu werden.

 

Das Herrenhaus von Potrzebowo – Rückseite mit Treppe, Teich; unten – Frontseite.

niklewiczdwor2Potrzebowo war etwa 1.200 Morgen groß. Das Herrenhaus war geräumig, aber architektonisch nicht viel mehr als ein Kasten, wäre da nicht das säulengetragene Portal mit Altan gewesen. Das Ganze war solide gebaut und steht noch heute, inzwischen ebenfalls durch den Sozialismus kräftig verwahrlost. Hinten gab es eine Terrasse mit einer breiten, elfstufigen Trep­pe, hinunter zu einem kleinen See mit Brücke.

Tante Helena war eine erstklassige Köchin und zeigte mir im Keller, wie man wundervolles Erdbeereis bereiten kann. Begriffen habe ich es bis heute nicht, wie sie durch Rühren Kälte erzeugen konnte, aber geschmeckt hat das ungemein.

Nach drei Tagen wurden wir – schon spät abends – von Wydawy aus mit der Kutsche wieder abgeholte. Die Pferde trabten – auf der Straße von Bojanowo nach Poniec – wie von selbst dem heimatlichen Stall zu. Und mir blieben unvergessen, wie Tausende von Leuchtkäfer uns begleiteten und ständig erregt blinkten. Es war enorm romantisch.

Fortsetzung am nächsten Montag


Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikationen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

Wie ich gezeugt wurde

Ewa Maria Slaska

Wie ich gezeugt wurde

Sie hießen Irena und Dariusz und waren sehr jung. Ich war ihr erstes Kind, wie meine Mutter zu sagen pflegte, “ein typisches Produkt der Hochzeitnacht”. Und die sah so aus.

Die Familie meiner Mutter wohnte in Warschau, mein Vater und seine Familie in Danzig. Es war Weihnachten 1948. Die Zeit, die man auf Polnisch mit drei Worten beschreibt: goło ale wesoło, ein fröhliches Nichtshaben.

Zur Hochzeit kam die ganze Familie aus Warschau. Die Familienwohnung in Danzig war so voll gepackt, dass man über eine ruhige Ecke für die Neuvermählten nicht einmal träumen konnte. Zum Glück ist der Freund meines Vaters, Andrzej, über Weihnachten zu seiner Familie gefahren und hat quasi als Hochzeitgeschenk meinem Papa seine Wohnung zur Verfügung gestellt. Also ließen nach dem Hochzeitessen meine Eltern die beiden Familien zu Hause und fuhren mit der Straßenbahn, nur zu zweit, zu ihrem Honeymoon Hotel Marke Altbau Ganz Weit Weg. Und, wie sie feststellen müssten, Ganz Primitiv. Über eine steile Treppe ging es nach oben, zum Dachboden, wo man, durch einen schmalen Durchgang, in ein Giebelzimmerchen gelangte. Das Zimmerchen hatte ein Fensterchen und, welch ein Luxus, direkt im Dachboden ein WeCe. In dem Zimmerchen gab es nur ein Bett, ein Zeichentisch mit einem Stuhl, einen alten Armsessel und einen Kachelofen. Im Durchgang stand auf einem Brett ein Elektroherd mit nur einer Kochplatte, und daneben ein gusseisernes Waschbecken. Die ganze Bude war kalt und dunkel.

So sah das erste gemeinsame Liebesnest meiner Eltern aus. Und die erste Nacht sah genauso reizend aus – erschöpft durch die Hochzeitsvorbereitungen und den harten Tag, der in einer langen Straßenbahnfahrt gipfelte, sind sie ins Bett gefallen und… eingeschlafen. Am nächsten Tag musste Papa um 6 Uhr aufstehen und nach Gdingen fahren, wo er damals als studentische Hilfskraft in der Fischerwerft arbeitete.

Am Nachmittag traf sich die ganze Familie wieder in der Wohnung in der Grunwaldzka Straße, diesmal aber fuhren die Neuverheirateten schon am frühen Abend zu ihrer Hochzeitsbleibe. Diesmal waren sie sogar imstande, im Ofen zu heizen und den Tee zu kochen. Es ist sogar gemütlich geworden, aber diesmal waren sie ja nicht mehr alleine. Mein Vater studierte noch und am Abend kam sein Studienkumpel, mit dem er mehrere Stunden gemeinsam für eine Prüfung paukte, die eine Woche später kommen sollte. Meine Mutter nahm es mit Würde und Gelassenheit an. Sie nistete sich im Armsessel ein und las.

Ich würde gern wissen, was sie las.

Die Studenten lösten gerade eine wichtige wissenschaftliche Aufgabe der Druck- und Realais-Schaltungen, als sie alle einen stechenden Brandgeruch wahrnahmen, den man im Armsessel, da wo meine Mutter neben dem Ofen saß, lokalisierte. In dem Moment als mein Vater meine Mama von dem Sessel hochzog und ihn vom Ofen weg schob, schoss eine hohe Flamme aus ihm heraus. Das kleine Zimmer füllte sich momentan mit gelbem, würgendem Rauch, nur unter der Decke leuchtete eine Glühbirne. Wie durch einen Automatismus gesteuert – es waren die Verhaltensautomatismen aus der Kriegszeit – taten die beiden jungen Männer das Nötige, ohne dass sie miteinander zu sprechen brauchten: Fenster aufreißen, Mama zu den Nachbarn schicken, damit sie die Feuerwehr anruft, das Waschbecken stöpseln und den Wasserhahn aufdrehen, damit das Wasser auf den Fußboden läuft, und den Armsessel zerkleinern, um die brennende Teile durch das Fenster wegwerfen zu können.

Bevor sie ihr Werk nur zu Ende führen konnten – der Armsessel war ein solides, großes und schweres Ding und sie hatten keine Werkzeuge, nur ihre Kraft und Entschlossenheit – waren ihre Hände verbrannt, jeder Atemzug vergiftete sie mit Gas, und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Doch nach einem kurzen Widerstand kapitulierte der Sessel mit lautem Knall und als sie die ersten zerhackten Teile durch die Dachluke wegwarfen, weit weg, egal wohin, nach Außen, ging auf einmal das Licht aus, und hinter ihnen begann etwas zu knallen. In der Dunkelheit vollendeten sie schnell die Vernichtung des Ungetüms. Der Rauch verdünnte sich allmählich. Papa schloss den Wasserhahn ab, zog den Stöpsel im Waschbecken aus und suchte, in den Wasserpfützen watend, blind die Sicherung, die zu seinem Glück automatisch anging. Sie krachte ein paar Mal und das Licht kam zurück.

Und dann plötzlich, mit Krach und Lärm, liefen in das Zimmer die Feuerwehrmänner ein, und gleich hinter ihnen die neugierigen Nachbarn. Für die Feuerwehrmänner gab es nichts mehr zu tun, sie wollten aber unbedingt wissen, was im Zimmer so knallte? Offensichtlich haben es ihnen die Nachbarn schon mitgeteilt. Die Frage war nicht so ungefährlich, wie sie heute klingt. Es war stalinistische Zeit, kurz nach dem Kriegsende, und Der Spion lauerte überall. Papa sagte, dass es wahrscheinlich alte Glühbirnen waren, von denen ein großer Haufen hinterm dem Ofen lag. Und tatsächlich, irgendetwas dieser Art fand sich hinterm Ofen. Die Beamten schrieben die Personalien aller Beteiligten auf, fertigten ein Protokoll und gingen.

Mama und Papa verabschiedeten sich höflich von den Nachbarn, verabredeten sich mit dem Kumpel für den nächsten Tag und begannen die Ordnung wieder herzustellen. Außer dass der Sessel vollkommen hinüber war, gab es eigentlich nur Dreck und Gestank, aber keine ernstzunehmenden Verluste. Erst bei der Arbeit fanden sie die wahre Ursache des vorherigen Knallens – in einem Dreckhaufen hinterm Ofen lagen zerstörte Minenzünder und ein Knäuel Lunte.

So – in dieser Nacht, es war die richtige Hochzeitsnacht meiner Eltern – wurde ich gezeugt.

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Immer Montags: Der polnische Adel… (5)

Wir begannen vor vier Wochen und werden noch ein paar Montage Fragmente eines Texts von Stanislaw K. Kubicki lesen, gespickt mit Anekdoten und Familiengeschichten aus der Welt, die es nicht mehr gibt. Wenn im Text von “Kubicki” aber auch ggf. von “Staś” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war. “Janina” ist wiederum die ältere Schwester des Autors, die Malers Tochter. Und “Kubicka” ist die Mutter, Margarete Kubicka, ebenfalls eine Malerin. Der Herr Slaski, von dem in diesem Abschnitt die Rede ist, ist nicht mit Administratorin dieses Blogs verwandt. Er gehört der sog. großpolnischen Linie und “meine” Slaskis (ich bin nur eine Eingeheiratete) stammen ursprünglich aus Masowien und danach, jahrhunderte lang, lebten sie in Kleinpolen.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Familie Mycielski (4) und Herr Slaski

Eines Tages erschien ein Herr Slaski, der Schwager der Mycielskis. Er hatte die einzige Schwester der drei Brüder geheiratet und war – wie alle ernstzunehmenden Männer der Familie – über 2 m groß. Dem eiferten auch seine zwei Söhne nach. Die Frauen fielen etwas kleiner aus und blieben bei über 1,90 m stehen. Wer kleiner war, war angeheiratet.

Dieser Slaski nun, – dessen Vorname mir entfallen ist, – war ein netter Mann, mit dem ich auch zur Jagd fuhr. In meiner Erinnerung ist noch ein großer Hirsch, der reglos in Waldesnähe in einem Roggenfeld stand und uns ansah. Wir saßen im Landauer. Slaski schoß. Der Hirsch blieb stehen. Erst dachte ich, der wäre gar nicht echt, dann aber trabte er doch gemächlich dem Walde zu. Damit war die Jagd zu Ende. Allen ging es weiterhin gut und wir waren zufrieden.

Zuweilen – wenn Józiu aus irgendwelchen Gründen nicht zum Spielen da war, durfte ich mir selbst einen zweirädrigen Wagen anspannen lassen und durch die Gegend kutschieren. Ich fragte dann die Hunde des Hofes, wer mitkommen wolle. Die meisten wollten. Die Großen liefen nebenher, die Kleinen machten es sich auf der Bank neben mir bequem, nur die Mittelgroßen sprangen ständig auf den Wagen und wieder herab, oder liefen zwischen den Beinen des Pferdes. Die Landleute kannten die Kutsche und wußten, daß derzeit ein kleiner deutscher Bengel zu Gast war. Sie grüßten und zogen dazu die Mützen, was mir peinlich war.

Dann kam ich zu einem weitläufigen Feld, auf dem mächtig was los war. Dort wurde das Korn gleich auf dem Acker gedroschen und in Säcke gefüllt. Um die Maschine herum entstand eine Feinstaubwolke von Hecksel. Dort traf ich Onkel Wojciech – wie ich ihn der Einfachheit halber inzwischen nennen durfte – und wir fuhren zum Schloß zurück.

Da ich ein relativ ruhiger aber nicht langweiliger Geselle war, und zudem früh genug aufstand, durfte ich eines Tages mit Onkel Wojciech nach Rawicz fahren. Das lag gut 30 km entfernt, also 60 hin und zurück, zuviel für Pferde und Kutsche. Deshalb bestellte der Onkel ein Taxi, mit dem ein fester Preis ausgemacht wurde, d.h. eine kleine Person mehr fiel nicht mehr ins Gewicht. Das Ganze war für mich 1937 durchaus ein Ereignis, denn auch zu Hause in Berlin war Autofahren in unseren Kreisen noch immer ein Zeichen von Luxus.

Józiu war zu spät dran. Er kam noch aus dem Schloß geschossen, erreichte uns aber nicht mehr. Ich sah ihn im Rückspiegel, nahm aber geflissentlich keine Notiz davon, denn ich wollte das Glück der Fahrt alleine genießen.


Nach Rawicz mußte der Onkel der Steuern wegen. Das Taxi wartete und ich konnte kurz die Stadt inspizieren. Sie war – wie auch viele brandenburgische Orte – weitläufig bebaut. Es gab eben genug wertloses Land. Die Weite steigerte allerdings zusätzlich den Eindruck der Langweiligkeit. Der Marktplatz erschien übergroß, die Häuser waren nur zweistöckig, und rundherum standen kleine Bäume, ich glaube Ebereschen. Obwohl Rawicz nichts Besonderes bot, blieb mir die Ödheit des Ortes über die Jahrzehnte hin im Gedächtnis, und natürlich auch wegen der Ehre, von Onkel Wojciech mitgenommen worden zu sein.
Mit Onkel Wojciech verbinden sich bis heute nur freundliche Erinnerungen. 1937 hatte ich wieder meine großen Ferien auf Wydawy verbracht und mit ihm sein Briefmarkenalbum durchgesehen. Briefmarken entdeckten wir als gemeinsames Interesse.
Wieder zuhause, schickte ich ihm einen Brief und Sammler-Utensilien. Er dankte mir schriftlich. Dieser Brief war natürlich nicht auf einem offiziellen gräflichen Bogen geschrieben:

Wydawy, 16.09.1937

Lieber Staś.


Vielen Dank für Deinen netten Brief und die Markenetuis, die viel besser sind, als die, welche man hier bekommen kann. Heute schicke ich Dir den versprochenen Katalog und in einigen Tagen die neusten polnischen Marken, es sind sogenannte Blocks. Sie werden sehr selten sein, da sie schon heute fast vergriffen sind. – Hoffentlich geht es Dir recht gut, und bist Du immer recht brav, um Deiner lieben Mama stets Freude zu machen. Dein Vater ist seit einigen Tagen in Potrzebowo; ich habe ihm Deine Grüße bestellt, worüber er sich sehr gefreut hat. – Nun leb wohl mein lieber Junge und empfehle mich Deiner Frau Mutter und Deiner Schwester sehr schön.


Dein


W. Mycielski

Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikationen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

Immer Montags: Der polnische Adel… (4)

Wir begannen vor drei Wochen und werden noch ein paar Montage Fragmente eines Texts von Stanislaw K. Kubicki lesen, gespickt mit Anekdoten und Familiengeschichten aus der Welt, die es nicht mehr gibt. Wenn im Text von “Kubicki” aber auch ggf. von “Staś” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war. “Janina” ist wiederum die ältere Schwester des Autors, die Malers Tochter. Und “Kubicka” ist die Mutter, Margarete Kubicka, ebenfalls eine Malerin.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Familie Mycielski (3)

Das Schloß war zwar klein, besaß aber ein dazu unpassend mächtiges Vestibul, das durch beide Stockwerke verlief. Unten ging es nach links in den Eßraum und nach rechts in den Salon, in dem sich abends die Gesellschaft einfand, um Wichtiges und weniger Wichtiges zu beplaudern. Durch diesen Salon erreichte der Graf Wojciech seine Privaträume, bestehend aus einem Bad, einem Schlafraum mit Trainingsgeräten, z. B. einem Trockenruderer, und einem kleinen Vorraum. Das alles befand sich in dem häßlichen Anbau zur Rechten.

Im Vestibul wandt sich eine Treppe bis in den ersten Stock hinauf, wo zur Linken Gastzimmer waren und zur Rechten Kubicki sein Refugium hatte, ein Arbeits- und ein Schlafzimmer. Das Photo von 1995 zeigt – derzeit sozialistisch verkommen – Wojciechs häßlichen Anbau und die Fenster zu Vaters Räumen. Ich schlief im vorderen Gemach.

Unten, ganz rechts, ist noch das Fenster angeschnitten, an das ich – wie später genauer zu berichten sein wird – für den Grafen Wojciech eine Fluchtleiter gestellt hatte.

wydawy--przybudowka-rys-kubickaZeichnug rechts: Die Kubicka hat die Hausecke aus etwas größerer Entfernung gezeichnet, wodurch noch eine Buche mit ins Bild kommt.

wydawy--przybudowka

Hinter dem Vestibul gab es einen Raum, durch den man das Schloß rückseitig verlassen konnte. Hier wurde beispielsweise das Essen warm gehalten, bis die Tafel eröffnet war. Selbstredend lag die Küche – allein schon der Gerüche wegen – außerhalb des Hauses.
Noch in den neunziger Jahren – als ich einmal Wydawy besuchte – erinnerte sich eine ehemalige Bediente, wie Graf Wojciech uns – Józiu und mir – Manieren beizubringen versuchte. Wir saßen beim Essen nebeneinander, und Józiu schubste und knuffte mich ständig, was ich nicht auf mir sitzen lassen wollte. Ich konterte. Es entstand ein Unruheherd am Tisch, bis Graf Wojciech eben jene damals junge Frau in die Bibliothek schickt, um vier Bücher zu holen. Die bekamen wir unter die Achseln geschoben und mußten nun mit angewinkelten Armen essen; die Bücher durften nicht runterfallen. Das half nachhaltig. Unsere Manieren besserten sich ein wenig.


Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikationen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

Immer Montags: Der polnische Adel… (3)

Wir begannen vor zwei Wochen und werden noch ein paar Montage Fragmente eines Texts von Stanislaw K. Kubicki lesen, gespickt mit Anekdoten und Familiengeschichten aus der Welt, die es nicht mehr gibt.

Wenn im Text von “Kubicki” aber auch ggf. von “Staś” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war. “Janina” ist wiederum die ältere Schwester des Autors, die Malers Tochter. Und “Kubicka” ist die Mutter, Margarete Kubicka, ebenfalls eine Malerin.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Familie Mycielski (2)

Auf Wydawy verbrachte ich nun Mitte der Dreißiger etliche meiner Oster-, Sommer- und Oktoberferien. Schwester Janina, – fast 8 Jahre älter und schon eine junge Dame, – vergnügte sich derweil bei der Gräfin Żółtowska, beziehungsweise den Damen Turnow und Slaska, wo sie junge Leute traf, mit denen sie Tennis spielen konnte. Besonders Frau Turnow hatte es Janina angetan, denn auch sie verband – wie die alte Gräfin Mycielska – Leichtigkeit und Natürlichkeit mit einer ausgeprägten Damenhaftigkeit. Sie lebte mit ihrem Mann und den Kindern auf Winnogóra, einem stattlichen Schloß und einem sehr großen Park mit einem See.

Ich – beständig auf Wydawy – fühlte mich dort bald wie zu Hause. Vater zog sich – wenn ich Ferien hatte – mit mir nach dort zurück, und erledigte literarische Arbeiten für den Posener und Gnesener Rundfunk sowie das Posener Theater. Er hatte im Schloß ein festes Refugium.

wydawy-mapaDas Gut liegt unmittelbar südlich der Kleinststadt Poniec und ist von dem Ort nur durch die Bahngleise getrennt. Der Zaun, der das Bahngelände absichert, bedingte, dass man trotz des – Luftlinie gemessenen – kurzen Weges mit der Kutsche vom Bahnhof abgeholt werden mußte. Man fuhr dann etwa 700 m bis zur Straße nach Bojanowo und danach auf der entgegengesetzten Seite des Zaunes wieder zu­rück.

Rechts und links neben der Einfahrt zum Schloß lagen – wie der Karte zu entnehmen – zwei Häuser: Die Küche und das Domizil der Tante Helena Mycielska. Das Schlößchen, mehr eine große Villa, steht zu den beiden Gebäuden quer und schaut mit der Vorderseite auf den Park. Die Rückseite ist dem Hof mit den Stallungen zugewandt. Die Getreidespeicher befanden sich rechter Hand, vor den Obst- und Gemüsegärten. Rechts und links vom Schloß verliefen Wege mit alten Bäumen, wobei der linke sehr bald in den rechten einmündete, der – an einem Teich vorbei – bis zu einem Kleinsthügel führte, in  dem die gräf­lichen Hunde begraben lagen.

wydawy-zamekDas Schlößchen hat zwei Stock­werke, ein sym­pathisches Walm­­­dach und zu beiden Seiten einen häßlichen flachen Anbau, der aber zusätzlichen Wohnraum ein­brachte.

Dauergäste auf Wydawy waren damals der jüngste der Mycielski-Brüder Władysław und seine Familie, bei denen Vater 1934 noch Weihnachten verbracht hatte. Die Familie bestand aus seiner Frau Róża und den Kindern Józef (gerufen Józiu), etwas älter, und Krystyna (gerufen Krysia), etwas jünger als ich.

Alle waren 1935 – kurz vor meinem ersten Aufenthalt – dort eingetroffen. Der ältere Bruder Stanisław hatte sie von ihrem Gut nahe Posen – jeder der drei Brüder besaß demnach ein eigenes Gut – verwiesen. Sie fanden bei dem gutmütigen zweiten Bruder Wojciech auf Wydawy Asyl, vielleicht auch ein Bißchen mit dem Hintergedanken, an den langen Abenden in der langweiligen Gegend nicht so allein zu sein.

Róża hatte offenbar etwas zu anspruchsvoll gelebt und das eigene Gut stärker belastet als erträglich. Stanisław übernahm nun die Verwaltung und Entschuldung, aber eben ohne die Familie – bitte schön. So bewohnte diese jetzt auf Wydawy zwei geräumige Zimmer in dem linken häßlichen Anbau. Zu erreichen waren die Räume durch das Eßzimmer, das drei hohe Fenster zum Park hatte. Hinter diesem Eßzimmer gab es noch einen nur wenig benutzen Raum, eine Art Bibliothek, in dem wir an kühlen Herbsttagen vor dem Kamin saßen, vorn schwitzten und hinten froren.

Die Gräfin Róża war irgendeine Fürstentochter und mit Władek gewissermaßen eine kleine Mesalliance eingegangen, aber eben nur eine kleine, denn die Mycielskis ließen sich angeblich bis über das Jahr 1000 hinaus zurückverfolgen. Różas Jugendzeit muß schon sehr feudal gewesen sein. Sie erzählte zuweilen davon, beispielsweise, dass es vor ihrem Schloß einen See gab, auf dem mehrere, auch mit Bäumen bepflanzte schwimmende Inseln dümpelten. Wenn eine anlandete, mußten die Bediensteten sie wieder zurückstoßen. So habe sich das Panorama ständig verändert.

Róża war polyglott. Immer wieder telephonierte sie mit ihrer Tante, der ehemaligen östereichischen Kaiserin Zita, oder mit ihrem Vetter, dem italienischen König Vittorio Emanuele in Rom. Sie parlierte fließend ita­lienisch, französisch und deutsch. Dennoch bescheinigte ihr meine tiefbürgerliche preußische Mutter einen Dienstmädchencharakter, denn sie lauschte an Türen. Dabei war Róża nur von Natur aus etwas neugierig.

Ich jedenfalls pflegte ihr gegenüber trotz Mutters Urteil nicht die geringsten Vorbehalte. Vielmehr schätzte ich ihre Warmherzigkeit, mit der sie auch mich in die Kinderschar einbezog. Als ich einmal Heimweh bekam, weil die Mutter schon vorzeitig nach Berlin zurückgefahren war, gab sie mir ein paar Groszy für Sahnebonbons, die man in einem Lädchen am Bahnübergang erwerben konnte. Allerdings verminderte sich mein Heimweh dadurch nur wenig, denn ich aß die Dinger für mein Leben gern. Kurz gesagt: ich bekam weitere Groszy. Heute ist mir das fast etwas peinlich, weil ich damit vermutlich der Entschuldung der Familie entgegen gearbeitet habe.

Vor dem Schlößchen gab es eine kleine, besonders gepflegte Anlage mit einem Hauch von Versaille. Das Schlößchen lag minimal erhöht. Davor war die Wagenauffahrt. Aber noch bevor der weitläufige Park begann, gab es eine Komposition mit einigen geschwungenen Rabatten voller Fleißiger Lieschen, umrahmt von wadenhohen kleinen Hecken. Ein Treppchen von vier Stufen führte da hinunter. An schönen Sommertagen saßen dort Władek und Róża, die Sonne genießend, miteinander plaudernd oder lesend, oft Krysia mit Hündchen Finek und ihren Puppen zu ihren Füßen.

Krysia spielte nicht so gerne mit Józiu und mir. Wir waren ihr zu wild. Als wir einmal zu dritt auf den Dachboden des Schlößchens stiegen, scheuchten wir Fledermäuse auf, die wirr um uns herumflatterten. Für Józiu und mich war das lustig und kein Problem. Sein Haupt war praktisch kahl geschoren und meine Haare waren kurz. Krysia aber hatte langes, gelocktes, goldenes Haar, in dem sich einige Fledermäuschen verfingen. Sie kreischte entsprechend laut und nachhaltig. Es gab Vorwürfe, und wir sahen ein, dass Abenteuer besser ohne Mädchen zu bestehen sind.

Józiu war dabei risikofreudiger als ich. Er wollte einmal unbedingt aufs Dach des Schlößchens klettern, was mir etwas zu gefährlich erschien, doch meine Ehre verlangte es, mitzumachen. Gottlob erschien justamente Vater Władek und holte uns mit dem Versprechen herunter, ins städtische Schwimmbad nach Poniec zu gehen.

Oft spielten wir auch mit den Gärtnersjungen und den beiden schwarzen Doggen – Dama und ihrem Sohn Rex – Fußball. Beide Hunde waren ‚mächtig gut’. Dama ließ keinen Ball durchs Tor, Rex gab aber leider den Ball nicht wieder ab, wenn er ihn einmal ergattert hatte.

Ein Vorzugsspielplatz war der modderige Teich am Park, der trotz seiner Kleinheit noch eine Insel besaß, auf die wir unbedingt übersetzen mußten. Entsprechend dreckig kamen wir zurück, und Vater Władek versprach uns, am nächsten Tag in ein nahegelgenes Schwimmbad an einem See zu fahren.

Fortsetzung folgt


Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikationen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

Immer Montags: Der polnische Adel… (2)

Wir begannen vor einer Woche und werden noch Montage lang Fragmente eines Texts von Stanislaw K. Kubicki lesen, gespickt mit Anekdoten und Familiengeschichten aus der Welt, die es nicht mehr gibt.

Wenn im Text von “Kubicki” aber auch ggf. von “Staś” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war. “Janina” ist wiederum die ältere Schwester des Autors, die Malers Tochter. Und “Kubicka” ist die Mutter, Margarete Kubicka, ebenfalls eine Malerin.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Familie Mycielski

Die Freundschaft der Familien Mycielski und Kubicki war schon seit Generationen solide, die der Ur-Großväter-Generation recht intensiv, die unseres Großvaters Witalis mit seinen Generationspartnern unter den Mycielskis allerdings etwas gelockert, dafür aber die der beiden Staś’s – der nun folgenden Berichte – schon seit ihrer Jungend wieder sehr kompakt. Man traf sich vor dem Ersten Weltkrieg auch in Berlin, denn die Mycielskis besaßen damals eine Wohnung am Kurfürstendamm.

Kubicki verbrachte die kulturell und politisch aufregenden zwanziger Jahre in Berlin, doch die Beziehungen rissen deswegen nicht ab. 1922 besuchte Staś Mycielski die Familie im Atelier im Tiergartenviertel und brachte – ganz Junggeselle – der gerade einmal dreijährigen Tochter Janina rote Bälle zum Jonglieren mit, und – wohl wirklich etwas verfrüht – Cognacbohnen. Sie genoß diese, sich von oben bis unten beschmierend, und demonstrierte damit eine durchaus bemerkenswerte Trinkfestigkeit, denn sie reagierte auf den Alkohol offensichtlich überhaupt nicht.

1933 kamen die Nazis, und im September 1934 emigrierte Kubicki dann nach Polen und fand dort sofort wieder Kontakte zur Familie Mycielski. Schon im  Dezember vermeldete er seiner Frau nach Berlin:

Die Feiertage über werde ich wahrscheinlich bei Władek Mycielski ver­brin­gen, der mit seiner Frau, die krank ist, und seinen Kindern zu Hause bleibt.

Damit begann eine bis zum Kriegsbeginn reichende Aera, in der die Mitglieder der Familie – vor allem die Brüder Stanisław und Wojciech – ihm mezaenatisch zur Seite standen, indem sie ihm Domizile in Posen und auf dem Lande sicherten.

Staś’s Gut – Kobylepole – grenzte östlich an Posen und ist heute nur noch ein Bezirk der ausgeuferten Stadt. Dort lebte er mit seiner Mutter, einer eleganten Frau, die es verstand, Natürlichkeit und Damenhaftigkeit in so lockerer Weise miteinander zu verbinden, dass Janina sie sich zum Vorbild erkor.

Zur Zeit des Großvaters der drei Mycielski-Brüder wurde das Schloß einmal – aus welchen Gründen auch immer – zum Seuchenlazarett umfunktioniert. Als es dann wieder frei gegeben wurde, ließ es der alte Graf total abreißen und baute ein neues im italienisch-klassizistischen Stil.

In dem Park errichtete Vater 1936 auf Bitten von Staś My­cielski das nebenstehen­de Denkmal für den 1935 verstorbenen Marschall Piłsudski. Im Hintergrund sind noch Turm und ein Hauch des Schlosses zu sehen.

pomnikpilsudskiSeiner Frau schrieb er Ende 1936 nach Berlin:

Das Denkmal in Kobylepole ist schon lange fertig und enthüllt. Die Zeitungen in Warschau, Krakau und Posen haben darüber berichtet, haben Photographien und Zeichnungen gebracht – leider habe ich nichts aufgehoben – nur vom Illustrierten Krakauer Kurier habe ich einige Abzüge bekommen, von denen ich Dir einen sende. Das ganze Ding ist karminrot mit grauen Gesimsen und Einfassungen, mit grün patiniertem Blech gedeckt und vorn mit Rasen eingefaßt. Das beste aber ist, daß man mir dafür einen wirklich anständigen Orden – Polonia restitue – angeboten hat, den ich dankend abgelehnt habe.

Dafür traf er sich lieber mit dem Hellseher des Marschalls, einem Herrn von Ossowiecki!

Hielt sich unser Vater in Posen auf – was häufig der Fall war – wohnte er auf Kobylepole. Selbstredend stand ihm dort ein kleines Appartment zur Verfügung.

Insgesamt schien sich der Vater nach der Emigration in Posen schnell wieder eingelebt zu haben, traf die alten Bunt– und Zdrój-Freunde Skotarek und Wroniecki wieder und wurde umgehend in den Vorstand des Posener Schriftstellerverbandes berufen. Für den Januar wurde er daselbst zu einem Vortrag über Kunst verpflichtet, und publizierte bereits Artikel und Gedichte. Außerdem hatte er eine Einladung vom Vizeminister Piasecki nach Warschau und wollte sich dort mit Wacław Berent treffen, dem er schon geschrieben hatte. Keine schlechte Bilanz für zwei Monate.

Kubicki traf in Posen in Windeseile auf alte und neue Freunde. Der älteste war wohl der Musikprofessor v. Kamiński, mit dem er sich während der Berliner Studienzeit in Charlottenburg eine Bude geteilt hatte. Von Kamiński war ein Professor, wie man ihn besser nicht karikieren konnte. In seinem Arbeitszimmer mußte man über Stöße vom Mamunskripten steigen, – und er war ständig beschäftigt.

Auch zu Jerzy Hulewicz – der seinen Grundbesitz der Kunst, dem Verlag Ostoja und der avangardistischen Zeitschrift Zdrój geopfert hatte – nahm er wieder Kontakt auf, auch wenn sich mit den Jahren unterschiedliche Anschauungen über die Kunst eingestellt hatten.

hrabiamycielskiWenn wir – Vater und ich – in Posen weilten, wohnten wir allerdings nicht in Kobylepole, sondern im Hotel oder – ich einmal – bei seiner Schwester Hania. Bei Staś Mycielski waren wir nur gelegentlich. Er erschien mir groß, fast etwas massig, und war an mir völlig desinteressiert. Ich nahm es nicht übel, sondern einfach hin. Das war mit Wojciech Mycielski ganz anders. Der war schlanker als sein Bruder, drahtig elegant, und sah ein wenig aus wie König Edward der VIII. von England, nur etwas besser. Auf dem Bild nebenan ist er überzeugender getroffen als auf dem Photo mit Hans von Riesen [darüber weiter]. Interessant daran ist nur, dass beide sich kannten. Vater war aber auch mit Hans von Riesen eng befreundet. Dieser heiratete eine Schülerin der Kubicka und lud mit seinem Bruder Alexander 1927 den weltberühmten Suprematisten Kasimir Malewitsch nach Berlin ein. Der wohnte bei ihnen. Beide waren in Moskau aufgewachsen und sprachen perfekt russisch. Vater nahm mich später, als 4-6jährigen Knopp, mehrfach zu von Riesens mit.

Aber zurück nach Posen. Noch im Dezember 1934 nistete sich Vater auch auf Wydawy ein. In einem Brief berichtet er seiner Frau nach Berlin:

Mein ständiges Quartier ist ziemlich weit weg von Posen, auf dem Lande bei dem Bruder von Staś. Meine Adresse: Poniec Wojciech hr. Mycielski – maj. Wydawy.

Das Mäzenatentum der Brüder griff also schon sehr früh.

Graf Wojciech war fürsorglich um Kubickis und seiner Familie Belange bemüht. 1935 wurden die Nürnberger Rassegesetze erlassen, und Muttter mußte als Lehrerin und Beamtin nachweisen, dass sie und ihr Mann „arisch“ seien. Dazu brauchte sie auch die Unterlagen aus Polen. Aber Kubicki nahm solche Dinge nicht so ernst und ließ sie erst einmal schmoren. In einem Brief von 1936 schrieb er:  „Außerdem fragte ich eine Nichte meines Vaters [eigentlich ja wohl dann seine Kusine] aus, aber die hatte keine Ahnung von Zeit und Aufenthaltsort meines Großvaters, außer daß er in Sohrau einige Jahre lebte und dort eine Baronin Schlaterbach heiratete, darauf (wann?) nach Posen ging.“ Mehr Aufwand schien ihm die Sache nicht wert zu sein. Deswegen gar Kontakt mit seiner Schwester Hania und seinem Bruder Jurek aufzunehmen, dazu hatte er absolut keine Lust.

Statt dessen plante er mit der Kubicka – die wegen des Ariernachweises schon Ostern 1935 nach Posen kommen wollte – eine Reise nach Winnogora zur Frau von Turnow, mit der er sich gleich 1935 angefreundet hatte, und dann nach Krakau, wo er hoffte den Baron Puget als Cicerone anheuerm zu können. Auch wollte er sie mit der Frau Połczyńska bekannt machen, deren Sohn der bekannte Weltreisende Aleksander Janta-Połczyński war. Und natürlich wäre da auch noch die Gräfin Żółtowska, die er gerade in Wargowo aufgesucht habe, und die die Mutter unbedingt kennen lernen müsse.

briefmycielskiAußerdem war ich mit dem polnischen Admiral zusammen und sah Frau von Unruh, der wir in Poznan durchaus einen Besuch machen müssen. So plauderte er über die brennenden Probleme hinwig. Die ernsten Dinge ig­norierte er oder überließ er dem Grafen Wojciech. Der half der Mutter einstweilen mit einer Ei­des­stattlichen Erklärung aus, die den deutschen Beamten si­cher impo­niert haben dürfte, denn auf dem Briefkopf war vermerkt:

Wojciech hr. Mycielski

MAJĘTNOŚĆ PONIEC

was so viel bedeutet, wie „Wojciech Graf Mycielski – Herr vom Gut Poniec“. Und obendrein hatte der Brief auch noch ein gräfliches Dienstsiegel, auf dem stand: „Wydawy * Powiat Gostyński *“ [Wydawy * Kreis Gostyń *].

Das half vorübergehend.

Fortsetzung folgt


Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikati-onen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

Immer Montags: Der polnische Adel… (1)

Montage lang werden wird jetzt Fragmente eines Texts von Stanislaw K. Kubicki lesen, gespickt mit Anekdoten und Familiengeschichten aus der Welt, die es nicht mehr gibt. Merkwürdigerweise werden im Text auch Slaski & Co vorkommen, meine Schwiegermutter meint jedoch, dass es nicht “unsere Slascy” sind, sondern die aus Großpolen, die nicht zur Familie gehören, da unsere allesamt, obwohl sie nach dem Krieg in Großpolen wohnten, aus Kleinpolen stammen.

Wenn im Text von “Kubicki” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Der alte Taczanowski

Den alten Grafen Taczanowski habe ich natürlich nicht mehr kennen gelernt; er dürfte in den Zwanzigern das Zeitliche gesegnet haben. So kann ich nur weitergeben, was in der Familie so kursierte. Die Verbindung der Familie Kubicki zum alten Taczanowski ist mir unbekannt, verlief aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit über unseren Großvater Witalis.

Stanisław Kubicki, mein Vater, verbrachte als Oberschüler und junger Mann etliche Urlaube auf dem Gut des alten Grafen in Ostrowo. Von dort meldete die lokale Presse mitunter sensationelle Ereignisse, beispielsweise, daß der junge Kubicki auf seinem Pferd stehend durch die Stadt geritten sei. Das las auch Großvater Witalis, der not amused war, weil solchen Kindereien weniger zugeneigt als der alte Graf, der selbst Gegenstand etlicher skandalöser Ereignisse gewesen sein soll.

Taczanowski war enorm reich und soll in Pariser Casinos einige seiner Güter verspielt haben, angeblich nur, um den Prince of Wales auszustechen. Schließlich sei er teilentmündigt worden, um wenigstens etwas für die Erben zu retten. Ostrowo war darunter.

In Posen stand er einmal – so die Fama – vor Gericht, weil er mit seinem Monokel im Auge und in gebückter Haltung, um besser sehen zu können, die nackten Fesseln – mehr war eh nicht entblößt – einer Dekorateuse im Schaufenster inspiziert hatte. Den Richter, der ihn einen „alten geilen Bock“ nannte, verklagte er angeblich wegen „alt“ – „geil“ blieb hingegen unbeanstandet.

Noch deftiger war ein Ereignis auf einer Fahrt von Posen nach Berlin. Er, der Graf, kannte die Strecke und wußte, daß der Zug in Bentschen einen längeren Aufenthalt haben würde. Also zog er schon mal eine Zigarre aus seinem Etui und bereitete sie vor. Ein Mitreisender beschwerte sich, daß er im Nichtraucher paffen wolle. Der Graf bemerkte zurecht, daß er das ja gar nicht tue, doch der andere insistierte: „Aber Sie machen doch die Anstalten dazu.“ Die Bahn hielt, der Graf stieg aus und qualmte – wie gewohnt – auf dem Perron; der andere holte sich eine Zeitung. Als der Zug wieder anfuhr, breitete dieser sein Journal aus, und der Graf empörte sich nun seinerseits lauthals, „Es sei doch ungeheuerlich, hier im Abteil scheißen zu wollen.“ Der andere war entsetzt. Wie er denn darauf käme? Und der Graf beteuerte: „Aber Sie machen doch die Anstalten dazu.“ Das mag sich ziemlich stark anhören, aber der Graf war so gebaut, daß die Dinge als glaubhaft kolportiert werden können.

Seinen vermutlich letzten Urlaub in Ostrowo verbrachte Kubicki im Sommer 1914. Er berichtete darüber seiner späteren Frau:

[…] Hier ist alles sehr feudal, der alte Graf mit Monokel – schreib durchaus “Comte” auf die Adresse, die Leute legen Wert darauf. Außer dem Alten, zwei Söhne und eine Tochter (verheiratet) mit zwei allerliebsten Kindern. Schöner Park, Wald und angenehme Gegend. Schloß ist altertümlich, ein Teil barock, der andere gotisch; ich wohne wie im Kloster im gotischen Flügel. Ich schreib alles so durcheinander, daß Du Dich kaum zurecht finden wirst, schadet nichts!

Ich hab’ noch eine Bitte: schick’ mir doch sofort folgende Bücher, wenn Du sie nicht selbst brauchst:  Strindberg die 4 Bde. / Bierbaum „Stilpe“, „Irrgärten und Reife Früchte“ [gemeint ist wohl: „Irrgarten der Liebe“] / Wyspianski (was da ist) / Ibsen die 3 Bde. (einen hat Janek). Ich will Propaganda für Moderne machen. […]

Kubicki fühlte sich dort also durchaus zuhause.

Der alte Graf war im übrigen dafür bekannt, ein Gourmet par excellence gewesen zu sein. Wenn das Essen besonders gut war – so wurde berichtet – ließ er die Köchin kommen, schnalzte deutlich mit der Zunge und schnipste links mit Daumen und Zeigefinger: „Vorzüglich!“ war sein höchstes Lob. Als die Köchin eines Tages einen Briefträger heiratete, setzte er, um seine Fee nicht zu verlieren, durch, daß dieser nach Ostrowo versetzt wurde.

Der Graf soll schließlich beim Verzehr einer besonders leckeren Birne verstorben sein. Als er zubeißen wollte, bemerkte er auf ihr eine aggressive Wespe, die ihm unmittelbar – noch bevor er den Mund schließen konnte – in den Rachen stach. Der schwoll an, und der Graf erstickte. Eine scheußliche Vorstellung. Gott verzeihe diesem Original alles…!

Fortsetzung folgt


Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikati-onen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

Dziadek

Ewa Maria Slaska & Dariusz Bogucki

Dziadek (Ojciec)

Dziadka pamiętam bardzo dobrze. Miałam sześć lat jak umarł. Pamiętam chudą postać w pasiastej piżamie siedzącą na łóżku, ale przede wszystkim pamiętam wielkiego misia, którego Dziadek namalował dla mnie na ścianie, przy schodach wiodących na strych. Okiem misia była wystająca ze ściany, przycięta i zatynkowana na obło rura. Codziennie stawałam na schodku koło misia – miś był wyższy ode mnie – i dzielnie połykałam łyżkę tranu, zagryzając kawałkiem chleba z solą. Dziadek mnie głaskał po głowie i chwalił, udawałam więc, że lubię i tran, i chleb, choć nie lubiłam.

Był malarzem:
BOGUCKI Jan Feliks (1886-1955)

Malarz, grafik, związany z warszawskim środowiskiem artystycznym. Kształcił się w Wyższej Szkole Przemysłowej w Krakowie. Uprawiał malarstwo sztalugowe, ścienne, grafikę, projektował kilimy. Uczył na kursach dla praktykantów drukarskich. W czasie II wojny został wywieziony do obozu pracy w Kassel.

Gdy już nie żył, trwał w opowieściach. Była na przykład opowieść o ślubie Babci. Nie wyszła za mąż za tego, którego kochała, bo pan szykował się do kariery politycznej i Babcia była mu za mało światowa i z koneksjami. To znaczy bez koneksji. Poprzysięgła sobie wtedy, że wyjdzie za mąż za pierwszego lepszego, który się napatoczy i napatoczył się malarz w aksamitnym berecie i pelerynie. Nie był dobrym mężem, ani ojcem, ale jego syn, a mój ojciec, Dariusz Bogucki, wspominał, że to Dziadek malarz zaszczepił mu (na niewidziane) miłość do morza.

Bodajże w połowie lat trzydziestych ojciec zaprenumerował dla mnie miesięcznik „Morze”, a ja przychodzące regularnie numery dosłownie połykałem, bezwiednie wchłaniając ten świat i budując w sobie poczucie więzi z morzem. A potem, jużw czasie wojny, również od ojca otrzymałem książkę Londona Żegluga na jachcie Snark, z dedykacją: „Dla przyszłego budowniczego okrętów”. W żaden sposób nie mógł wtedy wydedukować czy przeczuć, że tym właśnie będę się w przyszłości zajmować. A przecież trafił celnie.

kolumna-dziadekNadał mu też imię Dariusz Michał Anioł – “zapewne w nadziei, że pójdę kiedyś w ślady mistrza”, zapisał Ojciec. Ojciec w ślady mistrza nie poszedł, ożenił się za to z graficzką i w rodzinie po dziś wszyscy malują i rysują. Tylko ja nie.

W zapasach legend rodzinnych jest też opowieść o tym, po latach potwierdzona w autobiografii ojca, że Dziadek jeszcze przed wojną spłodził trzech synów, po czym wyszedł z domu i wrócił po 17 latach. Już po wojnie, do Gdańska. Moja siostra Katarzyna twierdzi, że kiedyś odnalazł ją pewien pan, który przekazał jej pamiętniki, a może listy, pewnej pani, która to pani kochała Dziadka, a może była jego kochanką. Nie wiem, bo nie widziałam listów ani pamiętników. I może to tylko kolejna opowieść, jakich jest mnóstwo w naszej rodzinie.

W naszym domu stał, a teraz, w domu mojej siostry, stoi wielki czarny kufer, w którym Dziadek przechowywał farby. Robił je sam, z jakichś proszków, przechowywanych w szarych torebkach. Torebki zawsze były podarte, pogniecione i brudne od farby, a trochę proszku zawsze się wysypywało. Na dnie kufra leżały zbite w brudne kule resztki farb. Pamiętam intensywny ciemny błękit i farbę złotomiedzianorudą. Pamiętam czy myślę, że pamiętam?
Nasza Mama opowiadała, że Dziadek był malarzem peregrynatorem, wędrował po wiejskich plebaniach, gdzie malował freski, najczęściej za wikt i opierunek, rzadko za pieniądze, czasem za honoraria w naturze. Te sumiennie odsyłał rodzinie do Gdańska. W szponach powojennej poczty polskiej wiejskie masło jełczało, słoiki z miodem rozbijały się w driebiezgi (pamiętacie taki dowcip z owych czasów: jak rozbić atom? nadać go na pocztę polską), jajka się tłukły. Wszystko kapało i śmierdziało, ale listonoszka starannie dostarczała paczkę pod wskazany adres. Trzymała ją jednak jak najdalej od siebie, w wyciągniętej ręce, drugą zatykając nos.

Takie były legendy naszego dzieciństwa. Kiedyś, jako małą dziewczynkę zabrano mnie (ale kto? nic nie pamiętam) do restauracji na Dworcu Gdańskim, ozdobionej freskami Dziadka. Ale nie pamiętam tych fresków. Pamiętam tylko misia.

Dopiero tuż przed śmiercią w 2002 roku, czyli prawie pół wieku po śmierci Dziadka, Ojciec przekazał nam rękopis swojej autobiografii, dziś już wydany. Tam Dziadek stał się odrobinę bardziej wyrazisty. Babcia

… wyszła za mąż za znacznie od siebie starszego Jana Feliksa Boguckiego – mojego ojca. Ślub odbył się 7 września 1926 roku w Pratulinie koło Białej Podlaskiej.
O początkach ich znajomości i powodach zawarcia małżeństwa mama nigdy nie chciała mówić, ale z różnych aluzji i luźnych uwag babci Jadwigi czy ciotek wiem, że przyczyną był jakiś dotkliwy zawód miłosny, jaki mamę spotkał w Zakopanem. Ojciec, absolwent Wyższej Szkoły Rzemiosł Artystycznych, był artystą malarzem, a choć był dobrym pejzażystą, nie dorobił się ani sławy, ani fortuny. Z czasem zajął się techniką średniowiecznej polichromii ściennej, szczególnie kościelnej, i stał się cenionym specjalistą w tej dziedzinie.
Rodzice przez krótki czas wspólnego życia zamieszkiwali w Warszawie i musiało im być wtedy materialnie bardzo ciężko, bo ojciec, malarz bez uznanego nazwiska, zarabiał niewiele i nieregularnie, głównie więc praca mamy zapewniała im skromną egzystencję. To ich wspólne życie nie trwało jednak długo, jako że w moich najwcześniejszych wspomnieniach sięgających Warszawy ojciec nie występuje. Tak jakby go zupełnie nie było. Musiał się wcześnie od nas odłączyć, gdyż z tego okresu zapamiętałem, że od czasu do czasu w domu zjawiał się starszy łysawy mężczyzna, który od innych gości wyróżniał się tym, że nie mówiło siędo niego pan, tylko tata. Zawsze był poważny i sztywny, nas dzieci niemal nie zauważał, rozmawiał tylko z mamą i innymi dorosłymi. Bywał krótko i zazwyczaj nie zostawał na noc. Gdy już podrosłem na tyle, by to zrozumieć, mama wyjaśniła mi, że jakkolwiek ten pan jest moim ojcem, nie należy jednak do rodziny, tylko mieszka oddzielnie gdzieśw Radomiu, i że to się nazywa separacja. I tak już miało zostać niemal do końca. Ojciec zamieszkał z nami na stałe dopiero po wojnie, w ostatnich latach swego życia. Z dzieciństwa pamiętam, że odwiedzał nas sporadycznie, czasami przywoził jakieś upominki dla mnie i moich braci, lecz nawet z biegiem lat nie wytworzyła się między nami zażyłość. Nigdy nie stanowił dla nas wzorca ani autorytetu (…) Kiedy już zainstalowaliśmy się z mamą na dobre w Gdańsku, ojciec zamieszkał z nami. Dopiero tych kilka powojennych lat względnie spokojnego życia pozwoliło rodzicom nawiązać jakąś formę wzajemnej sympatii, choć zapewne nie zagoiło wszystkich ran przeszłości. Gdy w 1953 roku mama zmarła, w wieku 51 lat, nagle zabrakło jej życzliwego serca, ciepła i pogody ducha. Pozostała po niej ogromna, trwała pustka. Była osobą wielkiej skromności, pod którą skrywała się równie wielka dzielność wspaniałej kobiety. Śmierć mamy niespodziewanie mocno wstrząsnęła ojcem. Po pogrzebie ukrył się gdzieś bez śladu i nie pokazywał w domu przez kilka dni. Od tego czasu zamknął się w sobie, prawie się nie odzywał i właściwie przestał pracować. Odnosiło się wrażenie, że zapadał się powoli, jakby świadomie, w swój wewnętrzny świat. Umarł w niespełna dwa lata po odejściu mamy.

rynek-dziadekIstotną rolę w sposobie, w jaki traktowaliśmy nasze mieszkanie (w Gdańsku na ulicy Grunwaldzkiej), odegrał mój ojciec, który po wojnie powrócił z oflagu w Niemczech (…), ściągnął do Gdańska i ostatnie lata życia przemieszkał razem z nami. Jako zawodowy artysta-malarz, ojciec doskonale znał stare techniki malarskie, sztukatorskie i złotnicze i miał w tym zakresie ogromną wiedzę i praktykę. Już przed wojną był cenionym specjalistą renowacji polichromii kościelnych. Pracował intensywnie i z zamiłowaniem, miał sporo zleceń, chociaż finansowo stał zawsze kiepsko, bo honoraria pobierał na zasadzie czym chata bogata. Księża plebani rzadko dysponowali gotówką, w zamian za swoje usługi otrzymywał więc wiejskie specjały, a nierzadko jakieś antyki, wygrzebane na plebanijnych strychach. A że rynek antyków w owych czasach niespecjalnie funkcjonował, takie honoraria miały jeśli nie znikomą wartość materialną, to na pewno znikomą przydatność. Jako się rzekło, zamówień ojciec miał dużo, ale mógł je realizować tylko w ciepłej połowie roku, zimę spędzał więc z nami w domu. Wstawał bardzo wcześnie rano, a potrafił markować do późna w nocy. Coś tam sobie szkicował, wypróbowywał różne zestawienia farb i techniki, jako poligonu doświadczalnego używając ścian. Z roku na rok freski ojca zajmowały coraz większe połacie naszego mieszkania. Nie było w tym żadnego całościowego pomysłu, bo ojciec traktował
wszystko jako eksperymenty, względnie szkice do późniejszych realizacji w kościołach. Wzdłuż schodów, gdzie ściany były pomalowane na ciepły jasnożółty kolor, powstał cały rząd herbów wszystkich miast nadbałtyckich. Tam, gdzie kończyły się schody, a zaczynał korytarz, płynęła po ścianie ogromna fregata, widziana od dziobu, pod pełnymi żaglami. Na każdym żaglu wymalowany był herb rodowy Boguckich, Krzywda. Ściana z drugiej strony schodów została wykorzystana do próbnego doboru kolorystyki ornamentów dendrytowych. Korytarz był bezpański, co pozwoliło ojcu działać nie tylko bezkarnie, ale i bez ograniczeń, w pokojach natomiast lokatorzy stawiali opór, który nie zawsze udawało mu się przełamać. Wywalczył sobie jednak prawo do wymalowania jednego z trzech pokoi w amfiladzie i trzeba przyznać, że wykorzystał tę szansę umiarkowanie. Pomalował tylko jedną ścianę, ale za to pokrył ją gęstwą najprzeróżniejszych malowideł, wszystkie w ciemnej tonacji. Eksperymentował nie tylko kolorystycznie, ale i materiałowo, a stosował techniki tak trwałe, że kiedy w wiele lat po jego śmierci postanowiliśmy pokój wyremontować, trzeba było skuć tynk do żywej cegły. Takie zagospodarowanie ścian nie utrudniało zresztą życia w jego fizycznym wymiarze, a odczucia wywołane wartościami artystycznymi tych malowideł dawały się zaakceptować, póki eksperymenty nie przeniosły się na podłogę. Wszystko zaczęło się znowu od ziemi niczyjej, czyli od korytarza, ale tym razem i na korytarzu skończyło. Farby ówczesne nie schły szybko, dlatego omijanie wykorzystanych do prób połaci podłogi przekraczało cierpliwość nawet najbardziej życzliwie nastawionych współmieszkańców. Ostatecznie ojciec musiał tych eksperymentów zaniechać, co uczynił, nie kryjąc głębokiej dezaprobaty. (…) jeszcze długo po jego śmierci przy kolejnych remontach pojawiały się niespotykane – i w żadnym razie niezamierzone – zestawy kolorystyczne na ścianach i podłogach, a nawet na meblach.

Z malowideł na ścianach i podłodze nic nie zostało, a ja ich nawet nie pamiętam. Dawno nie ma misia. W restauracji na Dworcu równie dawno nie ma fresków Dziadka. W podziale spuścizny rodzinnej nie przypadł mi w udziale żaden jego porządny obraz. Nawet szkicowniki mnie ominęły. To co mam, to właściwie resztki i odpady. Pocztówki w tym wpisie nie są moje, znalazłam je na jakiejś stronie aukcyjnej (Dziękuję). Mam to:

dziadek2 dziadek1 Ale miałam misia i mam wspomnienia o Dziadku. To dużo. Jestem bardzo zadowolona.