Grzech zapomnienia

Ewa Maria Slaska

Zapomniałam o śmierci Emily Davison. Umarła w czerwcu, w ubiegłym roku minęło sto lat od jej śmierci. Przypomniałam sobie dopiero dziś, bo mamy pracować wspólnie z K. nad pytaniem czy mózg ma płeć? Ja uznałam i napisałam, że nie, bo miałam na myśli mózg, a nie historię emancypacji. Tymczasem to świetne pytanie odnosiło się do historii myśli feministycznej, a odpowiedź wydała mi się, no cóż, nieciekawa, bo zbyt dobrze znana. Od co najmniej stu lat kobiety próbują uzasadnić, że są równe, a może nawet lepsze, a naukowcy od co najmniej 50 lat bardzo poważnie traktują historię tych wysiłków. Tylko, jak to u pracowników oficjalnej nauki – wszystko ma być obiektywne, równorzędnie potraktowane, wyzbyte emocji – od emocji są dziennikarze, a nie naukowcy. Już nawet wykład – zaprezentowany na foliach szarych z ciembnobrązowym tłlem dla czarnego tekstu – zieje niepokonywalną nudą. Mój mózg wyłącza się i zamiast przyswajać czarną wiedzę z ciemnobrązowego tła na szarej folii, przypomina sobie, jakie to było fascynujące, dobijać się jako kobieta o swoje prawa, ile w tym było spermy, potu, krwi i śliny, ile miłości, rozpaczy, zawziętości, zdolności ponoszenia ofiar.

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Aus der Polkopedia (1) – Hella Moja

Ewa Maria Slaska

Hella Moja (16. Januar 1892 in Königsberg; † 15. Januar 1937 in Berlin) war eine deutsche Schauspielerin, Filmproduzentin und Drehbuchautorin polnischer Abstammung.

Geheimnisse

Sie ist eine geheimnisvolle Persönlichkeit gewesen, von der, obwohl zeitlang sehr berühmt, nichts sicher ist. Sowohl ihr Geburtsort, -datum und -name als vor allem ihr Todesdatum varieren in verschiedenen Quellen.

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Wim Wenders und die Nobeltoiletten von Shibuya

Michael G. Müller

Als ich aus dem Wenders-Film „Perfect Days“ kam, war ich beeindruckt und verwirrt zugleich. Beeindruckt war ich von den atemberaubenden Bildern von Tokio (meistens von den schöneren Seiten), von der wunderbaren Hauptfigur (dargestellt von Kōji Yakusho) mit ihrer irgendwie geheimnisvollen Geschichte – ja und natürlich von den öffentlichen Toiletten in Shibuja, nicht nur Tempel zivilisierter öffentlicher Hygiene, sondern auch kleine architektonische Meisterwerke. Sie entstanden übrigens im Rahmen des Prestigeprojekts The Tokyo Toilet, über das man sich auf der Homepage tokyotoilet.jp kundig machen kann.

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Green Border / Grüne Grenze / Zielona granica

EMS: Fast zufällig nahm ich gestern teil an Sichtung des Films ZIELONA GRANICA / GREEN BORDER.

Dies ist der neue Kinofilm der dreifach Oscar®-nominierten polnischen Ausnahmeregisseurin Agnieszka Holland, der auf den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig sieben (!) Auszeichnungen erhielt, unter anderem den „Spezialpreis der Jury“, den „Cinema for UNICEF Award“ und den „Best Foreign Film Award“.

EMS: Der Film kommt am 1.2.2024 in die deutschen Kinos.

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Die Theorie von Allem, czyli…

Teoria wszystkiego

Ewa Maria Slaska

Więc moi Kochani Czytelnicy ogłaszam, że na pewno znalazłam najważniejszy film tego roku, a być może najlepszy film ostatniej dekady.

Nie przegapcie go.

Po prostu patrzcie wokół siebie. Te plakaty już są wszędzie. Film miał premierę we wrześniu podczas Festiwalu Filmowego w Wenecji, gdzie dostał nagrodę Klubu Niezależynych Krytyków Filmowych jako Najlepszy Film Roku.

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Frauenblick auf Netflix

Monika Wrzosek-Müller

Vier Kurzfilme von Wes Anderson nach Erzählungen von Roald Dahl

Ewa hat uns über die beiden neuen polnischen Filme Znachor und Chlopi informiert. Ich bin ihr sehr dankbar, weil man immer wieder etwas verpasst, oder zu spät reagiert und manche Filme verschwinden sehr schnell auf Nimmerwiedersehen.

Daher möchte ich heute gerne über die vier neuen Kurzfilme von Wes Anderson nach Erzählungen von Roald Dahl auf Netflix berichten; ich habe sie mir zwei Mal angesehen und fand sie faszinierend, vielleicht nicht gerade filmisch, aber durchaus theatralisch und ästhetisch. Nach den Filmen Grand Budapest Hotel und The French Dispatch, die sich ähnlicher Kulissen, oder besser gesagt ähnlich ausgedachter Kulissen bedienen, konnte man auch vielleicht diese Art von Filmen erwarten. Sie entstehen nur im Auge des Regisseurs und haben meistens wenig mit der wirklichen Umgebung zu tun. Nun gut, The French Dispatch, der an einem fiktiven Ort in Kansas spielt, wurde doch in einer realen Stadt in Frankreich gedreht, in Angoulême. Sie wurde aber sehr verfremdet.

Ich sehe, was du nicht siehst, Der Schwan, Der Rattenfänger, Gift: vier Kurzfilme, von denen der erste, der längste ca. 40 Min dauert; die anderen wesentlich kürzer je ca. 17. Min. sind, bedienen sich völlig künstlicher Kulissen, oder reale Räume werden so umgestaltet, dass sie diese spezielle Aura der pastellfarbenen und geordneten Unordnung aufweisen, die mich sehr fasziniert. Natürlich, denke ich, ist da der Kameramann sehr wichtig, tatsächlich derselbe wie im French Dispatch: Robert D. Yeoman. Man kann nach diesen inzwischen, nach mehreren Filmen, auch alles als manieriert empfinden und es kann vielleicht auch irgendwann langweilig werden, doch es gibt immer wieder etwas zu entdecken, neue verrückte Farbkombinationen, neue Bühnenbilder, aber im Grunde ähneln sich die Filme und diese Art Filme, zu machen, sehr. Dies kann zu einer Falle für den Regisseur werden, in eine Sackgasse führen. Kein Wunder, denn so wie die Kameraführung ist auch für die Kostüme und das Bühnenbild eine feste Gruppe von Menschen verantwortlich, die für Anderson arbeiten, darunter die polnischstämmige, in den USA lebende Kostümbildnerin Kasia Walicka-Maimone. Für die Handschrift von Wes Anderson sorgen eben diese Personen. Gerade in den Kurzfilmen spielt kaum reale Umgebung eine Rolle, das ganze Bühnenbild ist arrangiert, wird, wie auf einer Theaterbühne von dem Hilfspersonal zurechtgerückt, verschoben, angeheftet, weggebracht, aufgestellt, zugemacht; dieses Personal gehört sozusagen zum Bild, trägt auch entsprechende Kleidung, jeweils passend zu dem Bild.

Es spielen hervorragende Schauspieler, wirklich solche, auf die man sich zu 100% verlassen kann, allerdings gibt es keine Frauenrollen, alles spielt sich unter Männern ab. Mir scheint, als ob sie etwas Postkoloniales an sich hätten, mit der Vergangenheit in der Gegenwart kämpfen würden. In diesen Filmen wird das meiste einfach von einem neutralen Beobachter erzählt, nur die wesentlichen Szenen werden gespielt, und zwar sehr entfremdet. Und sie handeln von Gewaltphantasien und von der Welt des Geldes; denn ob es der Henry Sugar ist oder andere Protagonisten, sie sind wohlhabend und haben keine Geldsorgen. Henry Sugar gelangt an ein Büchlein über einen Vorfall in einem Krankenhaus, wo sich ein Mann meldet, der seine Fähigkeit zum Hellsehen von den Ärzten bestätigt haben will, die er sich mit Ausdauer nach Yoga-Anleitung aneignet hat und im Zirkus vorführt. Henry Sugar liest dieses Büchlein und übt solange nach dessen Anleitung, bis er auch verdeckte Karten erkennen kann; diese Fähigkeit nutzt er dann zum Geldscheffeln in den Casinos. Um sein Gewissen zu beruhigen, spendet er dann dieses Geld an Waisenhäuser. Bei dem Schwan ist die sinnlose Brutalität interessant, bei dem Rattenfänger eigentlich der Schauspieler, der ihn spielt, und die sehr menschliche Ratte, vielleicht auch die Erkenntnis, dass die Ratten sehr viel cleverer, klüger als die Menschen sein können. Bei Gift ist das ganze ad Absurdum geführt; denn es gibt keine Schlange im Bett des von Benedict Cumberbatch gespielten weißen Mannes im kolonialen Indien und es geht nur darum, die Anstrengungen zu seiner „Rettung“ zu beschreiben und die Unterwürfigkeit der indischen Bediensteten zu zeigen. Allerdings sind sie es, die retten können und gute Einfälle haben. Alles ist schnell mit englischem Humor erzählt und endet im nirgendwo. Die Erzählungen von Roald Dahl wurden vor kurzen neu herausgegeben und übersetzt, und „mit hundert Veränderungen versehen um empfindsame Gemüter zu schonen“ (laut Wikipedia). Ihm wurden antisemitischen Äußerungen vorgeworfen. Offensichtlich sind sie aber sehr filmisch oder für das Theater tauglich, denn es wurden schon mehrere Filme nach dessen Vorlagen gedreht. Unabhängig davon schrieb er selbst Drehbücher (z.B. für James Bond). Er hat auch viele Kinderbücher für seine zahlreichen Kinder geschrieben und vielleicht sind die Inszenierungen der vier Filme etwas auch diesen Werken abgeschaut.

Auch wegen Ralph Fiennes, der den Schriftsteller Dahl spielt, und den Rattenfänger, Benedict Cumberbatch, Dev Patel und Ben Kingsley würde ich die Filme empfehlen.

“Znachor” a sprawa kobieca (reblog)

Film jest na Netflixie od niespełna tygodnia i już przez niektórych został okrzyczany jako najlepszy film polski wszechczasów. No więc nie przesadzajmy, film jest dobry, dobrze się go ogląda, ale najlepszy?!
Tak czy owak, obejrzyjcie 🙂

Radość z ciała. Barbarella.pl

 O wyższości Znachora nad Barbie. Mamy polski film, który jest feministyczny, nie jest niszowy i dociera do szerokiej publiczności. Barbie ze swoim motywem nieszczęśliwej kobiety, która nie potrafi, czy nie chce, niczego w swoim życiu zmienić, oprócz opłakiwania czasów, kiedy mogła bawić się wychudzonymi lalkami, może się schować przy biorących sprawy w swoje ręce, kobiecych bohaterkach polskiej produkcji. Jeżeli ktoś twierdzi, że Barbie jest feministyczna, to Znachor deklasuje amerykańską produkcję i pokazuje, że można nakręcić świetny film o kobietach, które chcą i potrafią sobie w życiu radzić i o mężczyznach, którzy niczego z tego powodu nie tracą, a tylko zyskują.

Może wydawać wam się, że jak każdy w tym kraju, znacie fabułę Znachora na pamięć. Otóż zdziwicie się. Tytułowi wbrew, najważniejsze postacie w filmie to te kobiece: młynarzowa i córka Wilczura. Obie mają w życiu pod górkę, ale zamiast czekać, aż ktoś je wyratuje, polegają na swoim rozumie i swoich siłach. I te sceny seksu! bo w tym filmie, jest seks. I to taki, że będziecie palce lizać. W Znachorze kobiety są aktywne i w życiu, i w seksie. Biorą odpowiedzialność za swoje sprawy i wychodzą z inicjatywą także w przestrzeni seksualnej. Nareszcie ktoś pokazał kobiety, które są bystre, odpowiedzialne i lubią też seks.

To jest też film o fajnych facetach. Jest tu motyw szczerej przyjaźni damsko-męskiej, bez żadnych podtekstów seksualnych. Jest tytułowy Znachor, który ma i głowę i serce, brakuje mu w filmie tylko pamięci. Hrabia też potrafi stanąć na wysokości zadania.

Jest w filmie wątek męskiej przyjaźni przedstawionej jako konkurencja na śmierć i życie (dosłownie). To grubo wbrew stereotypom, bo zazwyczaj męska przyjaźń jest wzorem szlachetnych i bezinteresownych relacji. W przeciwieństwie do tej między kobietami, która rzekomo jest naszpikowana zazdrością i walką o najwyższe trofeum: mężczyznę. A w Znachorze kobiety nie boją się innych kobiet, mają inne sprawy na głowie niż poszukiwania faceta, co nie przeszkadza im korzystać z dobrych okazji. Warto odpalić Netflixa w ten weekend #znachor#dobryfilm#kino

Chłopi, czyli nowy polski kandydat do Oskara.

Film “Chłopi” został polskim kandydatem do Oscara w kategorii najlepszy pełnometrażowy film międzynarodowy. Film DK Welchman (Dorota Kobiela) i Hugha Welchmana nakręcony i stworzony został na podstawie nagrodzonej Noblem w roku 1924 powieści Władysława Reymonta, publikowanej w odcinkach w latach 1908-1912. Film został najpierw nakręcony jako film aktorski, a następnie kadr po kadrze animowany przez stu artystów, przy użyciu techniki, którą Welchmannowie zaprezentowali już kilka lat temu w filmie Twój Vincent.

Prace nad filmem studio BreakThru Films rozpoczęło w 2020 roku.
Reżyseria i scenariusz DK Welchman, Hugh Welchman
Produkcja: Polska, Litwa, Serbia
Animacja malarska: Piotr Dominiak i zespół

W rolach głównych:
Kamila Urzędowska, Jagna
Robert Gulaczyk, Antek
Mirosław Baka, Boryna
Ewa Kasprzyk, Dominikowa
Sonia Mietielica, Hanka

Zdjęcia: Radosław Ładczuk, Kamil Polak i Szymon Kuriata
Kostiumy: Katarzyna Lewińska
Scenografia: Elwira Pluta

Premiera światowa 8 września 2023 roku podczas Miądzynarodowego Festiwalu Filmowego w Toronto, kinowa premiera polska: 3 października. Film został również pokazany na Festiwalu Polskich Filmów Fabularnych w Gdyni oraz na Festiwalu Filmowym w Wenecji, gdzie reżyserowie otrzymali nagrodę publiczności i nagrodę jury, a odtwórczyni roli Jagny – kryształową gwiazdę Elle.


Jan Buk (2)

Dr Lidia Głuchowska

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FILM: Vernissage: „Hommage à Jan Buck (II): WIR HABEN DEN ORT GESEHEN”

Alte Segeltuchfabrik/Stara płachtowa gótnica,
Cottbus/Chóśebuz
| Chociebuż – 2.06.2023

Wir präsentieren einen Film, der sich auf die Eröffnung der Ausstellung in der ehemaligen Segeltuchfabrik in Cottbus/Chóśebuz | Choćebuz (2.06–27.08.2023) bezieht.

Dieser Teaser/Einblick ist ein Teil vom viel größeren Ganzen – ist keineswegs lediglich eine Dokumentation eines Ereignisses, sondern soll in erster Linie eine Vorstellung vom Forschungsaspekt des Projekts “Hommage à Jan Buck” (2022–2025) vermitteln. Die Anklänge an die „ästhetische Forschung“ werden durch die Aussagen der Künstler:innen vermittelt. Der Bezug zum wissenschaftlichen Teil wird hingegen durch visuelle und textliche Überblenden hergestellt, die sich u.a. auf die Reise der Projektteilnehmer in die Lausitz „Auf den Spuren von Jan Buck“ im Jahr 2022 beziehen.

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Vertreibung aus der Hölle

Monika Wrzosek-Müller

Das Buch von Robert Menasse und der Gedanke als solcher

Ein Film, ein Buch in so kurzer Zeit zu einem ähnlichen Thema, ein Zufall?

In Cannes wurde der neue Film Rapito [die Entführung] von Marco Bellocchio gezeigt. Der Film erzählt die Geschichte eines jüdischen Kinds, das 1858 in Bologna – die Stadt gehörte damals noch zum römisch-katholischen Kirchenstaat – von der päpstlichen Obrigkeit entführt wurde. Die Familie, wohlhabend und nach jüdischen Bräuchen lebend, konnte nichts dagegen unternehmen. Das Kind, Edgardo Mortara, war von einem katholischen Kindermädchen getauft worden, da diese dachte, das Kind liege im Sterben und sie müsse seine Seele durch eine Nottaufe retten. Naiv, wie sie war, erzählte sie diese Geschichte leider auch weiter. Zu Zeiten von Papst Pius IX. war dies ein zureichender Grund für die päpstlichen Milizen, das Kind zu verschleppen und nach Rom in eine päpstliche Schule zu verbringen. Diese sehr malerisch inszenierte Geschichte steht für viele ähnliche Schicksale in der Zeit des Kirchenstaats. Die katholische Kirche versuchte, die Ausbreitung des jüdischen Glaubens mit allen Mitteln zu verhindern. Die Methode, Kinder zu entführen und sie dann im anderen Glauben zu erziehen, findet leider auch in unserer Zeit Nachahmer (siehe die Entführungen ukrainischer Kinder durch die Russen, was den Regisseur zu einer Äußerung in der Reppublica veranlasste: „Ich habe mich der Geschichte verpflichtet gefühlt, ohne zu verurteilen. Aber wenn dann jemand politische Reflexionen über die Gegenwart anstellen sollte, würde ich ihm zuhören“). Der Film zeigt auch, wie empfänglich doch Kinder sind, sie werden durch Geschenke und autoritäre Erziehung folgsam gemacht; der junge Mortara will nach der Befreiung Roms 1870 nicht zu seiner Familie zurückkehren. Er bleibt dem Katholizismus treu bis zu seinem Tod 1940. Immerhin versucht sein Vater noch einmal, sein Recht vor Gericht zu erstreiten, was ihm aber misslingt. Der Fall Mortara scheint sehr gründlich untersucht und in Archiven dokumentiert zu sein.

In dem Buch Die Vertreibung aus der Hölle von Robert Menasse las ich: „Der harmoniesüchtige Diplomat Manasseh und der machtbewusste Politiker Aboab. Nur einer von ihnen konnte Oberrabbiner werden, Nachfolger ihres Lehrers. Einer von ihnen sollte es trotz ihrer Jugend werden. Die anderen, älteren Rabbiner steckten freiwillig zurück: Herschkowicz, der Rabbi der kleinen Schar armer Ostjuden in Amsterdam, hatte zu wenig einflussreichen Anhang; ebenso Goldstücker aus Glückstadt, der von der erst in Aufbau befindlichen deutschen Gemeinde nach Amsterdam berufen worden war; Rabbi Saul Levi Mortara, ein profunder Gelehrter und Wissenschaftler ohne rhetorisches Talent oder politisches Interesse, wollte nichts als die Leitung der Yeshiva, die der Schriftgelehrte auch bald zugesprochen bekam…“ so war die Familie Mortara wohl sehr gläubig und wirklich bekannt. Damit habe ich einen Übergang zu dem wirklich faszinierenden Buch von Robert Menasse gefunden.

Es werden zwei Biographien parallel erzählt, die von Viktor Abravanel, 1955 in Wien geboren, wo er auch aufwuchs und weiterhin lebt, einem Historiker und Spinoza-Forscher, und die von Samuel Manasseh bin Israel, geboren 1604 in Portugal, dann mit seinen Eltern nach Amsterdam geflüchtet, und dort als Yeshiva-Lehrer, Gelehrter und Autor tätig. Der Einband zeigt das bearbeitete Porträt des Rabbi Menasse nach dem berühmten Gemälde von Rembrandt.

Das Interessante und fast geniale dabei: diese beiden Lebensläufe gleichen sich immer wieder, obwohl zwischen ihnen etliche Jahrhunderte liegen und die Helden ganz unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Sie werden auch so erzählt, dass man den Eindruck hat, sie überschneiden sich, und oft gelten oder passen die ersten Sätze eines Abschnitts für beide Geschichten. Noch interessanter: Viktor Abravanel scheint ein Nachkomme des Rabbiners Manasseh zu sein.

Das Buch beginnt mit einer Szene in dem Städtchen Vila dos Comecos in Portugal; da findet gerade ein Trauerzug statt, bei dem aber niemand trauert. Es wird nämlich eine Katze zu Grabe getragen, die vorher an einem Holzkreuz gekreuzigt worden war. So werden wir in die Szenerie des Kampfes gegen die Ketzer und Häretiker und das Wirken der Inquisition eingeführt. Den kleinen Manoel lernen wir mit der Schar der Kinder kennen, die in den Gassen herumlaufen und nach „Kryptojuden“ suchen. So wird die Atmosphäre des Terrors und der Angst sichtbar; dabei weiß der kleine Manoel offensichtlich nicht, dass er selbst zu den Verfolgten gehört.

Das nächste Bild oder Abschnitt beginnt genial mit einer Beschreibung eines Festessens zum fünfundzwanzigsten Abiturjubiläums der Klasse von Viktor. Wir lernen ihn also als erwachsene Person kennen. Das Essen sollte in dem renommierten Wiener Restaurant „Zum Goldenen Kalb“ unweit des Gymnasiums stattfinden. Doch Viktor verursacht willentlich einen Skandal, auf den er sich sogar vorbereitet hat. Alle sind gekommen: „vierzehn Burschen, acht Mädchen […] sieben ehemalige Lehrer und der Schuldirektor“. Alle sollen nun über ihr Leben in den letzten 25 Jahren erzählen, Viktor aber konfrontiert die ganze Lehrerschaft mit ihrer Nazi-Vergangenheit, indem er ihnen ihre NSDAP-Mitgliedsnummer vorliest. Daraufhin löst sich die ganze Gesellschaft auf; die Lehrer flüchten schneller als man sich hätte vorstellen können, auch die ehemaligen Schüler verlassen empört das Restaurant. Viktor bleibt mit Hildegunde, seiner ehemaligen Angebeteten zurück. Sie essen zusammen das bestellte Festmenü und fahren anschließend mit einem Taxi durch Wien. In der Retrospektive erfahren wir dann seine Lebensgeschichte. Auch er ist sich seiner jüdischen Herkunft lange nicht bewusst gewesen. Detailliert lernen wir Viktors Lebensweg kennen, seine Kindheit zwischen den geschiedenen Eltern und den Großeltern und seine Studienzeit mit einem unglücklichen Intermezzo mit seiner Jugendliebe Renate und dessen Folgen. Manche Kritiker werfen dem Schriftsteller eine allzu zwanghafte Komposition des Buches vor. Ich persönlich finde gerade diese Verstrickung und Ähnlichkeit der Empfindungen beider Helden sehr gelungen. Sie werden auf so geniale Weise erzählt, dass oft die ersten Sätze des nachfolgenden Abschnittes für beide Geschichten gelten und man am Anfang nicht weiß, zu welcher Geschichte sie gehören.

Denn wovon handelt das Buch eigentlich; das Leben der jüdischen (und vielleicht aller anderen Migranten, wenn auch weniger drastisch) Helden, die nicht einmal wissen, dass sie jüdisch sind, weil die Eltern, um sie zu schützen, ihnen das vorenthalten, von ihrer Einsamkeit und einem Kampf um Weiterkommen und Anerkennung. An keiner Stelle dieser beiden Schicksale hat man den Eindruck, dass der Held angekommen sei; weder in Portugal, noch in Amsterdam, noch, in Viktors Fall, in Wien, obwohl er dort geboren wurde. Im polnischen gibt es den Begriff des „Żyda tulacza“ [des ewig wandernden Juden – des Ahasver]. Ich denke, darüber erzählt das Buch, von dem ewigen Suchen und den Versuchen, eine eigene Identität, Souveränität zu finden; es liefert keine Lösungen, doch es macht sehr eindringlich deutlich, welche Schranken, Barrieren sie überwinden und mit welchen Ängsten und Unsicherheiten sie leben müssen. Das ist mehr als genug.

An einer Stelle gibt es auch ein paar Sätze über Don Quijote, in einem Gespräch zwischen Manoel und Estrela, zwischen Bruder und Schwester: „Oder denk an den Don Quijote de la Mancha. An wen? Don Quijote. Nicht gelesen? Hat das keiner bei euch hineingeschmuggelt ins Konvikt? Das neue Buch, über das jetzt alle Welt spricht. Jeder liest es. Eine Mitschülerin im Kloster hatte plötzlich ein Exemplar. Wir haben das Buch zerlegt in lauter einzelne Seiten, damit jede gelesene Seite gleich zur nächsten Mitschülerin weiterwandern konnte. Das ist ein Roman über einen Hidalgo, einen Altchristen, der natürlich alles wörtlich nimmt, was er liest. Und so und nur deshalb wird er zur lächerlichen Gestalt. Ein typischer Christenmensch. An seiner Seite einer, der es, wenn auch unbedacht, besser versteht: Samuel, genannt Sancho! Er weiß, wir wissen: Große Worte – lächerliche Taten! Ganz große Worte – mörderische Taten! Und wer hat dieses Buch geschrieben? Miguel de Cervantes Saavedra, wieder ein getaufter Jude!“ Ein Geschenk an Ewa.