300 Jahre Nachhaltigkeit

Vor 300 Jahren schrieb Hans Carl von Carlowitz sein Buch Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht, das als erstes Werk gilt, das Nachhaltigkeit fordert: „Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weil es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.“

Dass es mit Herrn von Carlowitz so gewesen ist, wurde ich von Tarik Mustafa informiert, Präsidenten des Bundesverbandes Nachhaltigkeit. Wir treffen uns auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof, auf dem Gelände von Arche Metropolis. Ich drehe seine Visitenkarte in der Hand rum. Ha, Bundespräsident! Wir alle sind doch irgendwelche Präsidenten. Er ist ein Präsident der Eutopie, eines glucklichen Ortes. Es ist ein Kunstprojekt fżr die Chancen und die Entwicklung der urbanen Gesellschaft in 21. Jahrhundert. Kunsprojekt. Akademie für Fortschriftliche Rückbesinnung. Auszeichnungen durch UNO. Ich schaue mir sein Feld an und weiß nicht, ist es ein schönes Projekt, ist es ein Bluff? Tarik selber ist jedoch ein unglaublich netter Mensch. Offen, entgegenkommend. Ich vermute, dass er auch ein Frauenversteher ist, weil er mir so leicht alle meine anfängliche skeptische Gedanken weg nimmt.  Das Projekt soll dem Gründungsvater der Nachhaltigkeit gebürtige Ehre zuweisen.

An einem schönem, kalten, windigen Tag sitzen wir auf einer Holzbank mitten im Nichts des riesiggrossen ehemaligen Flughafens und reden von bürgerliche Partizipation, Zukunftsvisionen und sozialen Aufgaben jedes Einzelnen. 1,3 Hektar Feld mieten er und seine Mitstreiter, wo sie kleine Hütten bauen, kleine Gartenbeete für Schulklassen zur Verfügung stellen, kleine Bühne betreiben, gedeckt von einem Dach aus den Plastikresten voll von gewollten Leerräume. Wir reden miteinander und ich bin enthusiastisch und hingerissen.

archeDas haben die charismatischen Menschen an sich. Sie bezirzen uns. Was hat er mir erzählt, der Tarik? Ausser Bilder von kleinen Hüten, vom weiten Feld und der Geschichte von Herrn Carlowitz, habe ich wenig im Kopf. Trotzem, eins ist sicher: Ein interessantes Bildungs- und Kunstprojekt.

Adresse:
Tempelhofer Feld, zwischen den beiden Eingängen vom Tempelhofer Damm und dann ganz einfach dorthin gehen, wo man kleine Häuschen und flattriges Dach sieht

Bilder: Wikipedia Commons

Zusätzliche Information vom November 2013. Arche Metropolis wird ausweichen müssen.
wymowienie

1 thought on “300 Jahre Nachhaltigkeit”

  1. Oktober 2014: Seit vielen Monaten ist die Arche nun weg! Dank die Volksbefragung zur Nutzung des Flughafenareals vom 25. Mai 2014, die unerwarteterweise, “das Volk” gewonnen hat und nicht die Politik mit Investoren im Schlepptau, wird der alte Flughafen nicht bebaut. Es war eigentlich ein großr Erfolg der Bürgergesellschaft, dessen Nebenwirkungen bedeuten, dass alle Projekte, die sich zZ auf dem Feld befinden, verschwinden müssen. Arche war nur der erste Schritt.

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