Der Pilger und der Ritter (kein Don Quijote)

Für Arkadiusz (Arek) Ł. mit großen Dank, dass er die Pilgerfigur auf einem Grab im Berliner Alter St. Mathias Friedhof entdeckt hat.

– Sieh Mal, sagte Arek, der da sieht eigentlich wie Don Quijote aus. Klar, ist er nicht, sieht nur so aus, aber…

Ich drehe mich um und denke: Nein, es kann nicht sein, es gibt keinen Don Quijote als eine Grabfigur! Ich gehe näher, laufe um das Grab herum und sehe einen Pilger, so einen, den man immer wieder auf dem Jakobsweg (Camino de Santiago) trifft und der, ja, vom Weitem tatsäschlich wie Don Quijote aussieht.

Klar, wir, normale Pilgernde (und keine Pilger im engen Sinne des Wortes) kleiden uns anders, aber es gibt auf dem Weg auch die Verkleideten. Ein Pilger mit einem Pilgerhut ist immer dabei, es gibt aber auch Hippies und mittelalterliche Mönche, und Trubaduren, und Schotten in Kilts…

Ein kurzer Augenblick und schon habe ich drei Themen für diesen Blog-Beitrag: Don Quijote auf dem Camino de Santiago, das Grab der Familie Katsch und die Pilgerfigur.

Zuerst suche ich verschiedene Infos, keine wissenschaftliche Kulturfetzen und -krümmel, die den Don Quijote mit dem Camino de Santiago verbindet.

Camino Don Quijote

So ist manchmal Camino de Levante genannt, ein Streckenabschnitt von Valencia über Toledo bis Zamora.

Bis Toledo gibt es hier lange Streckenabschnitte, die nach Don Quijote ausgeschildert sind. Ab Zamora gibt es zwei Wander-Möglichkeiten in Richtung Santiago de Compostela: Entweder über Astorga oder über Ourense.

Den Weg über Astorga bin ich ja auch gegangen und tatsächlich, gab es da ab und zu Anspielungen an Don Quijote. Ich ging dorthin aber 2006 und der Ritter der Traurigen Gestalt interessierte mich noch nicht. Dagegen hatte mich der Heilige Jakob interessiert, der traurige Missionär, der insgesamt sieben Heiden christianisiert hat. Ich spürte hier eine gewisse Nähe zu diesem nicht besonders erfolgreichen Missionär, wohlwissend, dass wenn ich irgendwelche Heiden christianisieren sollte, hätte ich ja auch solche unwichtige, lächerliche Erfolge.

***

Auf dem Weg gibt es jedoch ein Ort, wo man erzwungenerweise über Don Quijote sinnieren muss, Hospital de Órbigo, wo es eine lange geschwungene Steinbrücke gibt, mit 20 Jochen. Die Legende will, dass sich hier 1434 ein seltsamer Ritter, Suero de Quiñones, gestellt hatt. Zur Ehre seiner Angebetenen hatten hier er und seine neun Begleitern einen Monat lang jeden europäischen Ritter, der nach Santiago zog, zum Waffengang gefordert.

Man erzählt, Cervantes hätte hier seine Inspiration gefunden!

***

Das Grab aber, zurück zum Grab!  Erbbegräbnis der Familie Katsch auf dem Alten St.-MatthäusKirchhof in Berlin-Schöneberg, das Grab von Alexander Katsch und seiner Familie.

Die Grabfigur bezeichnet man als einen müden Pilgern: Pilger, am Kreuz zur „Letzten Rast“ niedergesunkenen, darunter gibt es ein Zitat aus dem Pilgerpsalm (Psalm 121), Vers 3.: Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen / und der dich behütet, schläft nicht.

Ein Wallfahrtslied

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels
schläft noch schlummert nicht.

Der Herr behütet dich;
der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts.

Der Herr behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.

Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

***
Die Figur hat Rudolf Pohle geschaffen. Die Idee sollte aber von Hermann Katsch stammen, einen Maler. Pohle war ein bekannter Schöpfer hochemotionaler Skulpturen, Katsch ein Maler, der für seine Porträts menschlicher Typen geschätzt wurde. Pohle, schreibt man auf Wikiwand, verband die ernste Würde der äußeren Erscheinung und tiefe Empfindung besonders in seinen Grabfiguren. Die Fertigung von Grabmalplastiken war für einige Jahre sein künstlerischer Schwerpunkt. Am Anfang der 1880er Jahre erhielt er den Auftrag, für Eberswalde ein Denkmal des Oberlandforstmeisters von Hagen zu fertigen. Es folgte 1892 ein Marmordenkmal für Alois Senefelder, den Erfinder der Lithografie, auf dem Senefelderplatz in Berlin. Es war seinerzeit das erste Denkmal für einen Handwerker und galt als „eine der schönsten Arbeiten der modern-realistischen Schule“.
Hermann Katsch war sehr erfolgreich als Dekorationsmaler und wurde mit mehreren monumentalen Wandmalereien in Berlin beauftragt; er schuf unter anderen ein beeindruckendes Fresko im Theater des Westens. Während des Ersten Weltkriegs wurde Katsch Kriegsberichterstatter. 

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