Das verflixte Jahr 2020

Die Fortsetzung dessen, was wir schon vor einer Woche versucht haben, zu rekapitulieren.
Ciąg dalszy tego, co już tydzień temu próbowaliśmy podsumować.

Katarzyna Bogdanowicz

Monika Wrzosek-Müller

Das ungewöhnliche Jahr 2020 hatte in sich; es hat alle überrascht und vor ganz neue Dimensionen gestellt. Für mich persönlich war das ein interessantes Jahr, da wir fünf Monate lang in Prag waren und dort die erste Phase des Lockdowns erlebt haben. Darüber habe ich hier öfters geschrieben.

Wenn ich jetzt länger über das Jahr 2020 nachdenke, bedeutete es für mich erst einmal eine Reduktion; wir/ich haben vieles auf das Wesentliche reduziert: auf die wesentlichen Gefühle, auf die wichtigen Beziehungen… Plötzlich wurde Liebe und Nähe so wichtig. Ich wollte meinen Sohn sehen, nicht nur am Handy hören, dass es ihm gut geht; ich wollte meine Mutter in Polen sehen, obwohl der Zugang zu den Pflegeheimen versperrt war. Ich hörte auf meine Gedanken, bemerkte, mit wieviel Zerstreuung wir leben. Das hat mir die Einsicht gebracht, dass wir viel weniger brauchen, als wir um uns haben. Oder doch anders, wir benötigen andere Dinge, die uns Geld und all der Konsum nicht geben können. Oft habe ich schon gedacht: diese Pandemie besitzt auch eine Kraft, die uns auf uns selbst zurückwirft und verlangt, dass wir mit uns ins Reine kommen, dass wir uns definieren, uns zu etwas eindeutig bekennen. Auf jeden Fall hatten wir genug Zeit, um über vieles nachzudenken, nachzugrübeln und über manches nachzulesen. Ja, das Lesen, gute Lektüre, gute Bücher waren der Gewinn für mich in diesem Jahr. Ich las fast immer parallel zwei, drei Bücher, manchmal kamen auch Zeitungen dazwischen und dann wusste ich nicht mehr, was, wo und wann ich dieses und jenes gelesen hatte. Es fehlte der direkte Austausch darüber, doch es wurde auch genauso tüchtig gemailt und Nachrichten wurden rege ausgetauscht.

Draußen lief natürlich der ganze Horror in den Krankenhäusern, in den Pflegeheimen und manchmal, ganz selten, spürte ich auch die Bedrohung, wenn z.B. in einem Laden („dm“) sich um mich herum zu viele Menschen tummelten und kein Fluchtweg sichtbar war (ich musste noch bezahlen).

Ich konnte die Demonstrationen der Querdenker gegen die Coronamaßnahmen nicht verstehen. All die Verschwörungstheorien waren für mich so unverständlich und abgehoben, dass ich manchmal dachte, die soll Corona treffen, dann würden sie im Nu ganz anders denken, wo bleibt der gesunde Menschenverstand. Wie kann man blind und taub durch die Welt gehen, ohne Rücksicht und Achtsamkeit darauf, was rundherum passiert, mit einer Arroganz gegenüber den Schwächeren. Überhaupt, das Fehlen von gesundem Menschenverstand empfand ich, überraschend, essenziell negativ an der Situation; jeder müsste doch einsehen, dass man während der Pandemie eine Schutzmaske tragen und Abstand halten sollte.

Bewusst wurde mir auch die steigende Macht der Medien, aller Medien. Jeder hörte Radio, sah Nachrichten im Fernsehen oder auf dem Handy und Laptop; manche Medien brachten auch viel Manipulatives und Unwahres, was trotz allem schnell verbreitetet wurde. Manches wurde tausendfach verbreitet, ohne richtige Nachforschungen, ohne Faktenbasis.

Wir versuchen über das Jahr 2020 so zu schreiben, als ob die Sache mit der Pandemie schon zu Ende gegangen sei, ist sie aber nicht. Sie dauert weiterhin und betrifft uns immer stärker und tiefer, mindestens solange wir nicht alle (oder viele) geimpft sind. Ich würde die Rückkehr in die Normalität begrüßen, in eine bewusste, vielleicht etwas umgestaltete, gesündere, aufmerksamere Wirklichkeit. Ich hoffe, dass wir alle von dieser Zeit gelernt haben und mit der Achtsamkeit, die uns dieses Jahr der Stille und des Rückzugs gebracht hat, besser weiterleben werden.

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