Joycearia (I)

Arkadiusz Łuba

Während der Coronapandemie habe ich Ewa Maria mit einem Virus angesteckt.

Ja, Ewa Maria hat meinen Virus geschluckt. Hat also angebissen.

Sie hat Interesse an Joyce gefunden. An Finnegans Wake, seinem letzten Buch. Ich lese ihr jetzt ab und zu Fragmente daraus laut vor, sie liest leise vorm Schlafengehen.

Sie ist in der polnischen Übersetzung letztens auf »durian« (FW 257.6), ein essbares Obst vom Baum gleichen Namens in Südostasien, mit einer harten, stacheligen Schale, einem stark aromatisierten, fleischigen Fleisch, Durio zibethinus aus der Familie Malvengewächse, bekannt für seinen abstoßenden Geruch, und auf »manga« (orig. »mongafesh«, FW 256.25) gestoßen und wollte wissen, ob Joyce etwas sowohl über die Frucht als auch über japanische Comics wissen könnte. Ich griff zu meinen schlauen Büchern und Kommentaren, schließlich beschäftige ich mich seit Jahren mit dem Autor und stellte fest:
1) »durian«, erscheint als Phrase »durian gay«, was – neben der Frucht – eine klare Hindeutung auf den Titelheld von Oscar Wildes The Picture of Dorian Gray ist.
2) etymologisch kommt das Wort aus dem Malaiischen und beschreibt eine seltene Frucht »duri« mit stacheliger Haut: duri Dorn + das substantivierendes Suffix »-an« = durian
3) In Flora of Great Britain and Ireland von Peter Sell und Gina Murrell kommt ein gewisses Hieracium duriceps vor (S. 394), ein Habichtskraut, beschrieben 1982 von F. J. Hanbury. Er beschreibt eine Yorkshire-Pflanze, die normalerweise sehr groß ist, lange, spitze Blätter und Deckblätter mit längeren Drüsenhaaren hat.
Abgesehen davon, dass Nora Joyce wie Molly Bloom eine „Bergblume“ genannt wurden (Hieracium kommt auch als alpinum vor), erklingt das Lied My Girl‘s a Yorkshire Girl (Mein Mädel ist ein Yorkshire-Girl), ein Edwardianischer Musichall-Song von C. W. Murphy und Dan Lipton, im Kopf von Blazes Boylan am Ende des zehnten Kapitels des Ulysses. Es kommt wieder in Circe vor, nicht nur, weil eine der Prostituierten sagt, sie sei aus Yorkshire, sondern weil das Lied selbst eine bösartige junge Frau betrifft. Für Boylan, der in ein oder zwei Stunden an Leopold Blooms Tür klopfen und seine Frau besteigen wird, hat das Lied eine noch offensichtlichere Bedeutung. Als Bloom Zoe Higgins fragt: „Woher kommst du? London?“, antwortet sie: „In Yorkshire geboren“ (S. 564). Viel später in Circe beginnen Gemeiner Carr und Gemeiner Compton, das Lied auf der Straße zu singen. Zoe hört sie und springt entzückt auf: „Das bin ich. (sie klatscht in die Hände.) Tanzen! Tanzen! (sie läuft zum Pianola.) Wer hat Zwopence?“ (S. 640). Sie bekommt zwei Pennys von Lynch, lässt sie in den Schlitz des mechanischen Klaviers fallen und spielt „in Walzerakt das Vorspiel zu My Girl’s a Yorkshire Girl“, während Stephen Zoe durch den Raum wälzt. Bald singt das Pianola selbst die Worte des Liedes, zusammen mit Zoe (S. 641). Boylans Yorkshire-Mädchen ist natürlich Molly, und der Roman wirft auf, beantwortet aber nicht die Frage: Wem genau gehört diese „Rose“ [Blume]?

Das Video zeigt The Shannon Colleens (Sinead Murphy und Darina Gallagher), die dieses Lied im Rahmen des Bloomsday Festival 2010 in Dublin im Bewley’s Cafe Theatre aufführen.

4) das erwähnte »mongafesh« ist ein Kalauer, zusammengebaut aus »monkfish« – also dem Meerengel, Squatina angelus, und dem »mangofish« – also einem essbaren indischen Fisch, »where fishngaman fetched the mongafesh« – „wo der »fishermenmonster« (nga: Birmanisch für »Fisch« und nga-man: Birmanisch für »Seemonster«) den Meermongster brachte“ (AŁ).
5) auch wenn Joyce die Durian-Frucht sowie japanische Mangas kennen konnte, geht es hier nicht um einen Comic, wie die polnische Übersetzung von Krzysztof Bartnicki wiederum suggeriert und was Ewa dementsprechend daraus herausgelesen hat: „gdzie rybanga mang ułowić taką mangelybę“ (S. 256.32-33). Verschwunden sind auch die Meeresmonster und die Fische. Dafür summt jetzt Bartnickis »w to mu durian graj« (S. 257.12).

Wie dem auch sei, zeigt diese kleine Analyse, wie reich an Bedeutungen Finnegans Wake ist und wie viele neue Bedeutungen es generieren kann.

In Folge der Recherche schrieb ich daraufhin zwei Limericks, auf Polnisch, mit »durian« (vielleicht übersetzt jemand ins Deutsche?!):
I
Pewnego pana Jarosława
obiegła po świecie niesława:
Że gardził Wilde’a Dorianem,
i śmierdział okrutnie durianem.
Ot owoc a polska sprawa.

II
Już na śmierć zapomniana
osoba owego waćpana.
Powodem zaś aktu tego
był zapach z usteczek jego –
jak zapach owocu duriana.

In Polen wird der Monat Mai der heiligen Mutter Gottes Maria gewidmet:

Dazu habe ich auch gedichtet:

Maj miesiącem kwarantanny,
wiedzą Ele, Julie, Anny.
Propaganda Maryjowa
tylko mąci w polskich głowach!
Jej słuchają głupie panny.*

*Anspielung auf die Biblischen „panny roztropne i panny głupie“ („kluge und törichte Jungfrauen“).

pozdrawiam
wiadomo kto 🙂

4 thoughts on “Joycearia (I)”

  1. Danke an Autor für seinen wunderbaren Text!

    Dazu noch ein paar Anspielungen an das Wort Yorkshire.

    Ein polnisches Mädchen wird es sehr gut kennen, weil es in unserem Lieblingsbuch “Der geheime Garten” (“Tajemniczy ogród”) von Frances Hodgson Burnett vorkommt und das Buch las jede von uns gefühlte Tausende Male. Der Roman wurde 1911 unter dem Titel “The Secret Garden” zum ersten Mal veröffentlicht (ins Polnische schon 1914 übersetzt), dh. der Große Meister JJ könnte ihn auch kennen. Misselthwaite Manor, wo Mary Lennox wohnt, als sie aus Indien nach England geholt wurde, liegt mitten in den Heidekrautfelder von Yorkshire, die neue Freunde von Mary, Ben, der Gartner, Martha, ein Dienstmädchen, und ihr Bruder Dickon sprechen alle Yorkshire Dialekt und irgendwann im Laufe der Handlung versucht auch Mary so wie sie zu sprechen.
    Übrigens auch “Der geheime Garten” ist ein Buch über Pest. In Indien, wo Mary mit ihrer Eltern lebte, herrscht Cholera, Marys Eltern und all die Bediensteten sind gestorben, sie is alleine die verwüstetes Haus geblieben.

    Es gibt natürlich noch Yorkshire Pudding und die unerbittliche Kämpfe der Geschlechter York und Lancaster im Rosenkrieg.

  2. A ja tu tylko, a propos zabawnych limeryków:
    zapach durianowych usteczek znany jest mi często raniutko, z jazdy metrem.
    Tylko, że nie ma tak szlachetnej nazwy..Mowi sie wtedy:
    ” O Jezu, ale mu smierdzi z ust”,
    a dlatego MU bo to ON pil piwsko az do poznej nocy…
    Poza tym:

    A te panny
    wlazlyby
    do wanny
    na czas
    kwarantanny.

    Myśląc sobie później,
    fajna ta majówka
    będę znów jak Nówka
    tańcząc do Radyja
    patrzę se tam z góry
    w durianowe ryja.

    Pozdrawiam Pana Arkadiusza,
    T.Ru

  3. A tak powaznie, to interesujacy wpis, pelen elokwencji i duzej wiedzy literackiej.
    T.Ru

  4. Hieracium duriceps czyli Habichtskraut czyli jastrzębiec właśnie zakwitł w Berlinie.
    Foto Krysia Koziewicz / Ela Kargol

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.